FOR THE PEOPLE
FOR EDVCATION
FOR SCIENCE
LIBRARY
or
THE AMERICAN MUSEUM
OF
NATURAL HISTORY
✓
Centralbiatt
für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
herausgegeben von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
in Marburg, in Breslau, in Berlin.
Jahrgang 1913.
Mit zahlreichen Figuren im Text.
STUTTGART.
E. Schweizerbart’sclie Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser
1913.
tut u>
l/l'M U!/, K/,0 ! I |/,A
ymihii! in /,i:|b
Alle Rechte, auch das der Übersetzung, Vorbehalten.
QE t
■Cj
i q ij
Druck der K. Hofbuchdruckerei Zu Gutenberg (Klett Hartmann), Stuttgart.
fl
Inhalt.
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Seite
Ändert. Hermann: Inoceramus inconstans Woods und verwandte
Arten. Mit 2 Textfignren 278. 295
Andree, K.: Reine Translation oder abnorme Knickung beim Stein-
salz ? 696
Arrhenius, Sv ante: Widerlegung der physikalischen Einwände
gegen die Kohlensäuretheorie 582
Backlund, Helge: Ueber chemische Veränderungen in mechanisch
deformierten Gesteinen 593. 634
Balss, Heinrich: Ueber fossile Galatheiden. Mit 1 Textiigur . 155
Bauer, Max: Berichtigung 25
Baumhauer, H. : Ueber die goniometrischen Verhältnisse, Aetz-
erscheinungen und Symmetrie des Natroliths. Mit 7 Textfiguren 304
Beger, P. J. : Lamprophyre im Lausitzer Granitmassiv 457
B e re k , M. : Zur Messung der Doppelbrechung hauptsächlich mit Hilfe
des Polarisationsmikroskops. Mit 7 Textfiguren . . 388. 427. 464
— Berichtigung und Nachtrag zu meiner Mitteilung „Zur Messung
der Doppelbrechung usw.“ 580
Berichtigung 192. 288
Beut eil, A. : Die Zersetzung des Hauerits an der Luft und die da-
durch hervorgerufene Einwirkung auf Silber und Kupfer. Mit
3 Textfiguren 758
Boeke, H. E: Bemerkung über die Theorie von J. Johnston bezüg-
lich des Verhaltens fester Stoffe unter ungleichförmigem Druck 321
Born, Axel: Ueber neuere Gliederungsversuche im estländischen
höheren Untersilur 712
Brouwer, H. A. : Neue Funde von Gesteinen der Alkalireihe auf
Timor 570
Busz, K. und F. W. Rüsberg: Mineralogisch-chemische Unter-
suchungen an Olivin- und Melilithkristallen in Hochofen-
schlacken 625
Cornelius, H.P. : Geologische Beobachtungen im Gebiete des Forno-
gletschers (Engadin) 246
D e e c k e , W. : Georg Böhm f 289
— Paläontologische Betrachtungen. III. Ueber Echinoiden . 498. 526
Diener, C. : f Friedrich Teller 119
Doelter, C. und E. Dittler: Bauxit oder Sporogelit? 193
Doss, Bruno: Das Vorkommen von freiem Schwefel in Sapropelen 490
— Ueber die Herkunft des Naturgases auf der Insel Kokskär
im Finnischen Meerbusen nebst Bemerkungen über die Ent-
stehung der Insel 601
Endeil, K.: Ueber Granatamphibolite und Eklogite von Tromsö
und vom Tromsdaltind. Mit 1 Textfigur 129
— Ueber die Entstehung tertiärer Quarzite bei Herschbach im
Westerwald 676
Erdmannsdörffer. 0. H. : Ueber Koenenit von Sarstedt. Mit
1 Textfigur 449
Fischer, Herrn.: Ein mariner (?) Oolitli aus Zentralafrika . . 112
Freudenberg, W. : Flephas primigenius Fraasi Dietrich und die
schwäbische Hochterrasse 475. 646
Friedländer, Immanuel: Ueber vulkanische Erscheinungen am
Aetna und in Japan 379
v f. /, i, a i j
M!> <0
Sette
Gaäl, St. v.: Kurze Antwort auf den PÄVAi’schen (?) Artikel (Sar-
matischer Dacittuff etc.) 405
Gagel, C. : Ueber das Alter der Moräne am Emmerleff-Kliff und die
Beweiskraft der „Leitgeschiebe“ für das Alter der Moränen . 215
Gans, R. : Ueber die chemische oder physikalische Natur der kolloidalen
wasserhaltigen Touerdesilikate . . . . • 699. 728
Geinitz, E. : Zur Verdeutschung des Wortes „Drumlin“ 676
Goldschmidt, V.: Ueber Indikatoren zur mechanischen Gesteins-
analyse und spezifischen Gewichtsbestimmung . • 39
Goldschmidt, V. M , J. Rekstad, Th. Vogt: Zu Herrn J oh.
Koenigsberger’s geologischen Mitteilungen über Norwegen . 324
Grünling, F.: Maucherit Ni3 As2, ein neues Nickelmineral aus den
Kobaltrücken des Mansfelder Kupferschiefers 225
Heeger, W. : Ueber die mikrochemische Untersuchung fein ver-
teilter Carbonate im Gesteinsschliff 44
Hennig, Edw. : Ueber Urgon in Deutsch-Ostafrika 81
He ritsch. Franz: Melongena Deschmanni R.Hoernes — Melongena
Botlcyana J. Knett 303
— Zur Geologie des Jesenkoberges (Westlicher Bacher) .... 610
— Die zeitliche Trennung der Deckenschübe in den Ostalpen . . 614
Hoel, Adolf: Notiz zu K. Schneider: „Die vulkanischen Erschei-
nungen der Erde“ 498
Hoffmann, Guido: Vergleich des unteren Dogger im Schwäbischen
Jura mit dem von Hannover. Mit 1 Textfigur 470
Hopmann, P. Michael: Einige Bemerkungen über die Einschlüsse
im Leucit-Tuff der Kappiger-Ley • 722
Horn, Max: Vorläufige Mitteilung über den ladinischen Knollenkalk-
komplex der Südalpen 508
Hundt, Rudolf: Die Eiszeit im Frankenwalde. Mit 5 Textfiguren 146
— Eine Ergänzung zu „Organische Reste aus dem Untersilur
des Hüttchenberges bei Wünschendorf an der Elster“ 180
Huene, Friedrich von: Ad notam 480
— Ueber die reptilführenden Sandsteine bei Eigin in Schottland 617
Jooss, Carlo H. : Ueber Limnaea ( Limnaea s. str.) turnt a Klein
emend. Jooss. Mit 8 Textfiguren 58
Kaiser, E.: Ueber die ARRHENics’sche Theorie der Eiszeiten . . . 769
Kaemmerer, Paul: Versuch zu einer neuen Deutung der Struktur
des Meteoreisens von Carthage (Tennessee). Mit 6 Textfiguren 17
— Weitere Studien über die Struktur des Meteoreisens von Car-
thage (Tennessee). Mit 6 Textfiguren 261
Kessler, P.: Zur jüngeren geologischen Geschichte der Bitliynischen
Halbinsel 1
Killig, Fr.: Ueber eine Umwandlung von Phyllit in ein dichtes
Paragonitgestein von der Korundlagerstätte am Ochsenkopf in
Sachsen 203
Kittl, Erwin: Beobachtungen an geschmolzenem Bronzit. Mit
1 Textfigur 450
Koen igs b e r g e r , J. : Nachtrag zur Notiz über einen anortbositi-
schen Gneis von Norwegen 25
— Antwort auf die Bemerkungen der Herren V. M. Goldschmidt,
J. Rekstad, Th. Vogt 520
— Notiz über kristalline Schiefer in Spanien 642
Kormos, Th.: Kleinere Mitteilungen aus dem ungarischen Pleistocän 13
— Zur Kenntnis der Pleistocänablagerungen in der Umgebung von
Tata (Ungarn) 109
Kowarzik, Rudolf: Ueber zwei neue bisher nicht beschriebene
Funde des Moschusoclisen aus dem belgischen Diluvium . . . 178
Inhalt.
V
Seite
Kraus, E. H. und C. W. Cook: Die Kristallformen des Jodyrits
von Tonopah, Nevada 385
Laub mann, 11 : Ueber Pseudomorphosen von Quarz nach Kalkspat
aus den Flußspatgängen am Wölsenberg in der Oberpfalz . . 353
Lazarevic, M. : Zu Tüöan’s „Bauxitfrage“ 258
— Nochmals „Zu Tlcan’s Bauxitfrage“ . . • 600
Leidhold, CI.: Ueber angeblich gegenwärtige tektonische Be-
wegungen in der Insel Hiddensee (Rügen) 139
Ueber ein Vorkommen von Fossilien in den Hunsrückschiefern
der Gegend nördlich von Oberstein 652
Leitmeier, H.: Bemerkungen über die Unterschiede in den Angaben
von Schmelzpunkten der Silikate 513
Löffler, Richard: Ergänzende Beiträge zur Kenntnis des Grund-
gebirges im Ries 752
Maier, W. : Berichtigung über die korundhaltigen Hornfelse der
Kontaktzone des 11t. Tibidabo bei Barcelona 26
Mare es, Friedrich v. : Jura und Kreide in der Umgegend von
Sarstedt. Mit einer geologischen Skizze 346
Meyer, Erich: Die Diskordanz diluvialer Ablagerungen im Sam-
land und im Fläming 561
Meyer, Hermann L. F. : Kalkalgen im Wellenkalk der Rhön . . 402
— Ueber den Zechstein im Spessart und Odenwald. Mit einer
Kartenskizze 742
Michel, H. : Der Klinoenstatit der Meteoriten 161
— Ueber das Auftreten von Rhönitbasalten im Böhmischen Mittel-
gebirge. Mit 2 Textliguren 195
— Urausscheidungen und Einschlüsse im Sodalithsyenit von der
Hradlischka westlich Großpriesen a. d. Elbe 767
Mitteilungen aus dem Mineralogischen Institut der Universität Bonn :
20. Hopmann, P. Michael: Einige Bemerkungen über die
Einschlüsse im Leucit-Tuff der Kappiger-Ley 722
Monsen, Astrid: Ueber die Packung tertiärer, diluvialer und
rezenter Sande und das Porenvolumen von Sandsteinen . . . 242
Mügge, 0.: Ueber die Größenordnung der Gravitations-Anisotropie
in Kristallen. Mit 1 Textfigur 33
— Zweckmäßige Indikatoren aus Glas 133
Mylius, H.: Entgegnung an A. Tornquist. Mit 1 Textfigur . . . 252
Nacken, R. : Vergleich der optischen und der thermischen Methode
zur Bestimmung von Schmelztemperaturen. Mit 2 Textfiguren 328
Naumann, M. : Knickung der Würfelfläche bei Steinsalz als eine
Folge „reiner“ Translation. Mit 1 Textfigur 698
Noetling, Fritz: Die Packung losen Sandes 681
01 bricht, K. : Neue Beobachtungen im Diluvium der Umgebung
von Hannover. Mit 6 Textfiguren 51
Oppenheim, Paul: Zur Altersfrage des bei Teschen am Karpathen-
rande überschobenen Tertiärs 85
Osann, A.: Petrochemische Untersuchungen. I. Teil. Mit 4 Text-
figuren 481
Pävai-Vajna, Franz von: Ueber sarmatischen Dacittuff in
der Umgebung von Nagyenyed nebst einigen Bemerkungen zur
Arbeit des Herrn St. Gaal. Mit 3 Textfiguren .... 164. 209
Quiring, H. : Eifeldolomit und alttriadisclie Verebnung 269
Rack, Georg: Beiträge zur Petrographie von Flores. Mit 2 Text-
figuren 134
— Ueber das gegenseitige Verhalten des Zinnchloriirs und der
Chloride des Kaliums und Natriums beim Kristallisieren aus
dem Schmelzfluß. Mit 2 Textfiguren 373
VI
Inhalt.
Seite
Renz, Carl und Fritz Frech: Beiträge zur Geologie von Hellas
und der angrenzenden Gebiete. 20. Carl Renz: Geologische
Studien im Artemisiongebirge (Grenze von Arkadien und Argolis) 338
— Beiträge zur Geologie von Hellas und der angrenzenden Ge-
biete. 22. Carl Renz: Geologische Untersuchungen in Epirus 534
Rose, H. : Ueber die kristallographische Orientierung von Muscovit-
spaltungsplatten mit Hilfe der Biegungs- und Aetzfiguren. Mit
2 Textfiguren 657
Rosic.ky, V. und St. J. Thugutt: Epidesmin, ein neuer Zeolith 422
Rüsberg, F. W. : Ueber Augit und Wollastonit in Hochofenschlacken 689
Schneider, Karl: Die vulkanischen Erscheinungen der Erde . . 102
Schöndorf, Fr: Ueber positive Strandverschiebungen im Oberen
Jura des südöstlichen Deisters 438
Schroeder, Henry: Das Vorkommen der Gattung Lophiodon in
der Braunkohle Sachsens . 351
Schumoff-Deleano, Vera: Einige Versuche über das Zusammen-
kristallisieren von Diopsid und Jadeit. Mit 1 Textfigur . . 227
Schwa rtz, Friedrich: Ueber das Auftreten des Geruches beim
Reiben von Mineralien 660
Schwarz, M. v. : Zwei neue Modelle der Dichtebestimmungsivage.
Mit 1 Textfigur 565
Sch wiet ring, Fr.: Bemerkungen zu den Untersuchungen von
C. Viola über die Totalreflexion des Lichtes an einem Kristall 577
Semper, Max: Berichtigung 27
— Zur eocänen Geographie des nordatlantischen Gebiets .... 234
Sigmund, Al.: Anatas in den Niederen Tauern 666
Simionescu, J. : Megcdosaunis aus der Unterkreide der Dobrogea
(Rumänien). Mit 1 Textfigur 686
Slavik, F. : Adolf Hofmann f 721
Sokol, R. : Ueber das Sinken der Elbe-Ebene in Böhmen während
der Diluvial- Akkumulation. Mit 2 Textfigureü 91
— Nachtrag zu „ Ueber das Sinken der Elbe-Ebene etc.“ .... 122
So eil n er, J. : Ueber das Auftreten von Essexit im Kaiserstuhl . . 230
— Ueber Leucitneplielintinguaitporphyr aus dem Kaiserstuhl . . 367
Spengler, E : Einige Bemerkungen zu E. Haug: Les nappes de
charriage des Alpes calcaires septentrionales, 3 eme partie,
le Salzkammergut 272
— Der angebliche Hauptdolomit bei Gosau 616
— Zur Systematik der obercretacischen Nautiliden 115
Stahl, W. : Pisolithe. Mit 1 Textfigur 337
Stremine, H. : Ueber das Verhalten des Cimolits vor dem Lötrohr
mit Kobaltsolution. Entgegnung an St. J. Thugutt .... 313
Tep p n e r , Wilfried: Testudo Eiedli R. Hoerxes. Mit 1 Textfigur 381
Thiel, G. : Ueber das Vorkommen von Kohlensäure in Kohlenflözen 683
Tschirwinsky, W. : Zur Frage über die Identität des Podolits
und Dahllits. Mit 1 Textfigur 97
Tue an, Fran: Zur Bauxitfrage 65
— Zu Tucan’s „Bauxitfrage“ 387
— Bauxit in neuem Licht 495
— Zur Kenntnis des mehligen Siliciumdioxyds von Milna auf der
Insel Braö in Dalmatien mit besonderer Berücksichtigung der
Bauxitfrage. Mit 3 Textfiguren 668
— Zur Wherry’s Nomenklatur • 768
— Wieder „Zu Tuüan’s Bauxitfrage“ 768
Uhlig, J. : Ueber das Löslichkeitsschema KCl, MgCL und Wasser
(Carnallitscliema) bei 50°. Mit 1 Textfigur 417
van der Veen, A.L. W.E.: Die Beweglichkeit d. Silbers in Zinnobererde 257
Inhalt.
VII
Seite
Yolz, W. : Oberer Jura in West-Sumatra. Mit 5 Textfiguren . . 753
Wagner. Georg: Beiträge zur Kenntnis des oberen Hauptmuschel-
kalks in Elsaß-Lothringen. Mit einer Kartenskizze . . .551. 584
Walther, Karl: Ueber ein Vorkommen von Epidotadinole und
gefritteten Sedimenten aus dem Süden der Republik Uruguay.
Mit 2 Textfiguren 68
Weber, M. : Beispiele von Priinärschieferung innerhalb der böhmi-
schen Masse. Mit 2 Textfiguren 772
Wept'er, E.: Ueber das Vorkommen von „ Cyprina islandica “ im
Postpliocän von Palermo. 173
Westphal, Otto: Beitrag zur Kenntnis der optischen Verhältnisse
des Periklas. Mit 1 Textfigur 516
Wetze 1. W. : Untersuchungen über das Verhältnis von Chalcedon
und Quarzin zu Quarz 356
Wlierry, Edgar T. : Zur Nomenklatur der Mineralvarietäten und
Kolloidmineralien 518
Wich mann, Arth.: Ueber sogen. Pisolithe aus dem Mansfelder
Flüzgebirge 457
Wilckens, Otto: Zur Benennung der alpinen Ueberschiebungs-
decken 435
Wulff, Georg: Grundlagen der Kristallröntgenogrammetrie. Mit
2 Textfiguren 260
Zimmermann, Ernst: Die Culmfauna von Hagen i. W. Einige
Bemerkungen zu dem gleichlautenden Aufsatz des Herrn Nebk 397
Neue Instrumente und Beobachtungsmethoden.
Berek, M. : Mineralogischer Demonstrationsapparat. Mit 3 Text-
figuren 181
Korr eng, E. : Ueber die Herstellung von Dünnschliffen und Dauer-
präparaten aus salzartigen, aus dem Schmelzfluß kristallisierten
Stoffen 408
Leiss, C : Mineralogisches Demonstrationsmikroskop mit Tischrevolver.
Mit 2 Textfiguren 558
Miigge, 0.: Bemerkungen zum Wiilfing’schen Demonstrationsmodell
für einfache Schiebungen 123
Wülfing, E. A. : Demonstrationsmodell für sogen, einfache Schie-
bungen. Mit 6 Textfigureu 28
Besprechungen.
Abderhalden, Emil: Fortschritte der naturwissenschaftlichen
Forschung 592
Beckenkamp, J. : Statische und kinetische Kristalltheorien. Erster
Teil: Geometrische Eigenschaften der Kristalle und deren Ver-
anschaulichung durch geometrische Strukturbilder 413
Brauhäuser, M. : Die Bodenschätze Württembergs 191
Brauns, R. : Mineralogie • 288
Cohen. Ernst: Jacobus Hekricus van’t Hoff. Sein Leben und
Wirken 285
Doelter, C. : Handbuch der Mineralchemie 160. 688. 784
Dreher, 0.: Das Färben des Achats 319
Duparc, Louis et Alfred Mounier: Traite de technique minera-
logique et petrographique 656
Farrell, J. H. : Practical Field Geology, including a Guide to the
SightRecognition of One Hundred Twentv Common or Important
Minerals by Professor A. .1. Moses 352
Gratacap, L. P. : A Populär Guide to Minerals 128
VIII Inhalt.
Seite
Günther, C. Godfrey: The Examination of Prospects 352
Henniger, Karl Anton: Die Metalle nach Vorkommen, Gewin-
nung, Verwendung und wirtschaftlicher Bedeutung 224
van’t Hoff, J. H.: Untersuchungen über die Bildungsverhältnisse
der ozeanischen Salzablagerungen, insbesondere des Staßfurter
Salzlagers 286
Lewis. J. Volney: Determinative Mineralogy with Tables for the
Determination of Minerals bv Means of their Chemical and
Physical Cliaracters 320
Lienau, Detlev: Die Entstehung der Ackerböden, erläutert an
den geologisch- agronomischen Verhältnissen in der Provinz
Sachsen , im Herzogtum Anhalt und in den Thüringischen
Staaten 287
Linclc, Gottlob: Grundriß der Kristallographie für Studierende
und zum Selbstunterricht 592
Phillips, Alexander H. : Mineralogy. an Introduction to the
Theoretical and Practical Study of Minerals 127
Rinne, F. : Allgemeine Kristallographie und Mineralogie 591
— Elementare Anleitung zu kristallographisch-optischen Unter-
suchungen vornehmlich mit Hilfe des Polarisationsmikroskops 318
Rogers, Austin F. : Introduction to the Study of Minerals . . . 624
Sigmund, Alois: Die mineralogische Abteilung 512
Wein schenk, E. : Petrographisches Vademecum 688
Versammlungen und Sitzungsberichte.
Londoner Mineralogische Gesellschaft 126. 189. 412. 590
Miscellanea.
Akademische Ferienkurse in Hamburg. Vom 24. Juli bis 6. Aug. 1913 384
Beschluß der akademischen Behörden der schwed. Universität Lund,
um die Mittel zur Erbauung eines neuen Geolog, meteorol.
Institutes in Lund heim schwedischen Reichstag nachzusuchen 720
Ferienkurse Jena. Vom 4.— 16. August 1913 224
Geologische Aufnahme des Duppauer Gebirges im nordwestl. Böhmen 448
Personalia.
Baltzer, A
. . . 720
Ivoert, W
. . . 256
Böhm, G.
. . . 224
Kossmat, F.
. . . 688
Cellier, J. S.
. . . 352
Laspeyres, H. ....
. . . 512
C'boffat, P
. . . 784
Pompeckj, J. F. ...
Corstorphine, G. S. . .
. . . 352
Potonie, H
. . . 784
Credner, H
. . . 512
Redlich, K.
Dyhrenfurth, G. ...
. . . 752
Riemann, K
. . . 256
Fleury, E
. . . 784
Rimann, E
. . . 64
Fuchs, A
. . . 256
Salomon, W
. . . 320
Haas, H
. . . 592
Slavik. F
. . . 288
Hennig, E.
. . 384
Stille. H
. . . 352
Hibsch, J. E.
. . . 448
Sustschinsky, P. P. . .
Holzapfel, E
. . . 416
Volz, W.
. . . 192
Jezek, Boh
. . . 288
Weigel. 0
. . . 160
Keßler, P
. . . 96
Wilckens, 0.
. . . 512
Kit tl, E
. . . 384
Zambonini. F
. . . 784
König, G. A
. . . 192
Druckfehlerberichtigung
128. 320
Sachregister.
IX
Sachregister
zum Centralblatt für Mineralogie etc. 1913.
Die Original-Mitteilungen sind kursiv gedruckt.
Achat, Färbung 319.
Achsenwinkel, optischer, Bestimmung
in Dünnschliffen 190.
Ackerböden, Entstehung 287.
Adinole, Uruguay, südl., Epidot- 68. 77.
.1 dular. St. Gotthard. Schmelztemperatur
333.
Albit, Pfitschial, Schmelztemperatur 333.
Alkalitrachyt, Timor 571.
Allgäuer Juraklippen 252.
Alpen
1 'berschiebungsdecken 435.
nördliche Kalk-, Decken 272.
östliche zeitliche Trennung der Decken-
schübe 614.
südliche, ladinischer Knollenkalkkom-
plex 508.
Älttriadische Verebnung und Eifeldolo-
mit 269.
Aluminatsilikate, kolloidale wasserhaltige,
chemische oder physikalische Natur
700. 728.
Amphibolit, Tromsö und Tromsdaltind,
Granat- 129.
Anatas, Gatschiberg im Sölktal, Niedere
Tauern 666.
Andalusit, Kappiger-Ley, Einschluss im
Leucittuff 723.
Andesit
Flores, Augit-, Augit-Olivin- und
Hypersthen-Augil 135.
Jesenkoberg, (Westl. Bacher) 611.
Anisotropie. Gravitation s-, der Kristalle,
Größenordnung 33.
Anorthit. Schmelztemperatur 331.
Anorthositischer Gneis, Norwegen 25.
Aniozonit, Wölsenberg (Oberpfalz) 353.
Apparat zu mineralogischen Demonstra-
tionen 181.
siehe auch Polarisations mikroskop.
Aragonit, Mansfeldcr Flözgebirge, in
Pisolithen 337.
Archosuchier, siehe Pseudosuchier.
Arrhenius’ Theorie der Eiszeiten 582.
769.
Artenbildung durch pseudospontane Eco-
lution 27.
Artemisiongebirge, Hellas 338.
Ätzfiguren am Muscovit, zur kristallo-
graphischen Orientierung 657.
Aufschmelzungszone der Erdkruste 326.
521.
Augit in Hohofenschlacken 689.
JBasall
Hessen 25.
Böhmisches Mittelgebirge, Bhönit 195.
Uruguay, südl., und Kontakt 70.
Bauxit
Definition 495.
Natur 65.
kroatischer Karst 258. 387. 600. 768.
und Sporogelit 193.
Bauxitf rage und mehliges Si02 von Milna
Insel Bra£, Dalmatien 668.
Bestimmende Mineralogie von J. Yoi-
ney Lewis 320.
Biegungsfigur, siehe Druckfigur 657.
Bithynische Halbinsel, Geol. 1.
Böhm, Georg, Nekrolog 289.
Böhmen, Elbe-Ebene, Sinken während der
Diluvial- Akkumulation 91 .
Böhmische Masse, Primärschieferung 772.
Bronzit, geschmolzener 450.
siehe auch Enstatit und Klino-
enstatit.
Cambrium, Spanien, Gesteine 642.
Camptonit, Timor 577.
Carbon, Hagen i. B\, Fauna des Culm
397.
Carbonate mikrochemische Untersuchung
feinverteilter, in Gesteinsschliffen 44.
Carnallit, Zersetzung beim Umkristalli-
sieren 323.
Carnallitschema 417.
Cavloccschuppe, Engadin 247.
Chalcedon und Quarzin, Verhältnis zu
Quarz 356.
Chemische Analyse, quantitative, von
Mineralien und Gesteinen 656.
Chemische Veränderung in mechanisch
deformierten Gesteinen 593. 634.
Chinesische Wagschalen und Gewichte
aus Amethvst für Edelstcinhändler
190.
X
Sachregister.
Cimolit, Verhallen v. d. L. mit Kobalt-
solution 313.
Cölestin , Zentralafrika 113.
Cricetulus phaeus, Pleislocän Velebit-
gebirge 15.
Crislobalit und Tridymit aus Quarz ent-
standen 680.
Culrn, Hagen i. ll\, Fauna 397.
Cyanüglimmerschiefer , Kappiger-Ley,
Einschlüsse im Leucittuff 723.
? Cylindrella silesiaca, Wellenkalk. Rhön
' 404.
Cyprina islandica. Postpliocän, Palermo
173.
Dacit . Jesenkoberg (westl. Bacher) 611.
Dacittuff
Nagyenyed, sarmatisch 164. 209.
Siebenbürgen, sarmatischer 405.
Dahllit, Identität mit Podolit 97.
Dauerpräparate aus salzartigen , aus dem
Schmelzfluß kristallisierten Stoffen
408.
Decken, nördl. Kalkalpen 272.
siehe Alpen.
Deckenschübe, Ostalpen, zeitliche Tren-
nung 614.
Deformierte (mechanisch) Gesteine, che-
mische Veränderungen 593. 634.
Deister, siidöstl., Strandverschiebungen im
Oberjura 438.
Demonstrationsapparat, mineralogischer
181.
Devon .
Eifel, Dolomit und alttriadische Ver-
ebnung 269.
Oberstein a. d. Nahe, Fossilien im
Hunsrückschiefer 652.
Diabas, Uruguay, sü dl., und Kontakt 72.
Diapositivprojektion, Apparat 187.
Diasporbauxit 65.
Dichte. Wage zur Bestimmung 565.
siehe auch spezifisches Gewicht und
Indikatoren.
Dictyodora Zimmermanni, Untersilur,
Wünschendorf a. Elster 180.
Diluviale Wirbeltierfauna, Steinheim-
Murr 475. 646.
Diluvium
Hannover 51.
Norddeutschland, Diskordanz der
Schichten im Samland und im
Fläming 561.
siehe auch Quartär, Glazial etc.
Diopsid, Zusammenkristallisieren mit
Jadeit 227.
Disthen siehe Cyanit.
Dogger, Schwaben und Hannover, Ver-
gleichung des unteren 470.
Dolomit, mikrochemische Unterscheidung
von Kalkspat in Dünnschliffen 44.
Dolomitfazies des Zechsteins, Spessart und
Odenwald 747.
Dolomitfrage, Hauptmuschelkalk in El-
saß-Lothringen 584.
Doppelbrechung
Messung 580.
Messung mit Hilfe des Polarisations-
mikroskops 388. 427. 464.
Druck, ungleichförmiger, Theorie J.
Johnston's bezüglich des Verhaltens
fester Stoffe 321.
Druckfigur, kristallographische Orien-
tierung beim Muscovit 657.
Drumlin , Verdeutschung in Drümmel 676.
Drümmel, Verdeutschung von Drumlin
676.
Dünnschliffe
Apparat zur Herstellung 126.
aus salzartigen aus dem Schmelzfluß
kristallisierten Stoffen 408.
Duppaucr Gebirge. Böhmen, geologische
Aufnahme 448.
Dynamometamorphose
chemische Veränderung in mechanisch
deformierten Gesteinen 593. 634.
Hardangerdecke , Norwegen 327.
Echinoiden 498. 526.
Eifeldolomit und alttriadische Verebnung
269.
Einfache Schiebungen, Demonstrations-
modell 28.
Eisenkiesknolle 190.
Eiszeit, Frankenwald 146.
Eiszeiten. Theorie von Arrhenius 582 . 769.
siehe auch Glazial.
Eklogit, Tromsö und Tromsdaltind 129.
Elbe-Ebene, Böhmen, Sinken während der
Diluvial- Akkumulation 91. 122.
Elephas antiquus, meridionalis, primi-
genius und trogontherii, Diluvium,
Steinheim- Murr 475. 646.
— primigenius Fraasi und die schwäb.
Hochterrasse 475. 646.
Emmerief f -Kliff, Sylt, Alter der Moräne
215.
Enantiomorphismus und optische Ak-
tivität der Molekular- und Kristall-
struktur 189.
Enstatit, Meteoriten 161.
siehe auch Bronzit u. Klinoenstatit.
Eocän, nordatlantisches Gebiet, Geo-
graphie 234.
Epidesmin 422.
Epidotadinole, siidl. Uruguay 68. 77.
Epidot schiefer, Uruguay., siidl. 73.
Epirus, Geologie 534.
XI
Sachregister.
Eruptivgesteine, böhmische Masse, pri-
märe Schieferung 772.
Erzlagerstätten, Spessart und Odenwald,
Manganerze 749.
Essexil, Kaiserstuhl 231.
.Faulschlamm mit freiem Schwefel 490.
Fayalit, Kristalle in Ilohofenschlacken
625.
Feldspate, Schmelztemperaturen 331.
Felsitporphyr, Südpatagonien und Feuer-
land, chemische Veränderungen hei
mechanischer Deformation 593.
Fläming, siehe Diluvium.
Flores, Gesteine der Insel 134.
Flüssigkeiten. Indikatoren zur Bestim-
mung des spezif. Gewichts 39. 133.
Flußspat, Zentralajrika 113.
Flußspatgänge, 11 ’ölsenberg (Ober pfalz),
Pseudomorphosen von Quarz nach
Kalkspat 353.
Fornogletscher, Engadin, Geologie 246.
Frankenwald. Eiszeit 146.
Frankolit, Beziehungen^: u Podolit etc. 101.
Frittung der Sedimente, südliches Uru-
guay 6S.
Gahbro, Tromsö 129.
Galatheiden, fossile 155.
Galatheites, Jura 138.
Gangunterschiede. Bestimmung mittels
des Polarisationsmikroskops 464.
Gasquelle , Kokskär - Insel , Finnischer
Meerbusen, brennende 601.
Gefrittete Sedimente, Uruguay, siidl. 68.
Gegenwärtige tektonische Bewegungen,
Hiddensee (Rügen) 139.
Geologische Aufnahmen, Karten etc.,
Böhmen, Duppauer Gebirge 448.
Geruch beim Reiben von Mineralien 660.
Gewicht, spezifisches Indilcatoren zur Be-
stimmung von Flüssigkeiten 39. 133.
siehe auch Dichte.
Glazial
Frankenwald Eiszeit 146.
Norddeutschland, Diskordanz der
Schichten im Samland und im Flä-
ming 561.
Sylt. Aller der Moräne am Emmerleff-
J Kliff 215.
siehe auch Eiszeit.
Gleitflächen, siehe Schiebungen, ein-
fache.
Gletscher, siehe Fornogletscher.
Glimmer, siehe Muscovit.
Glis glis, Pleistocän, Ungarn 14. 15.
Gneis
chemische Veränderung in mechanisch
deformiertem 593. 634.
böhmische Masse, Schieferung 772.
Gneis
Norwegen, anorthositisclier 25.
Südpatagonien und Feuerland 596.
Gneisbildung, Europa 326. 523.
Gösau, angeblicher Hauptdolomit, kein
Fenster 616.
Granat
Umkristallisieren 323.
Kappiger-Ley, Einschlüsse im Leucil-
tuff 723.
Granatamphibolit, Tromsö und Troms-
daltind 129.
Granit
Bachergebirge, Steiermark 613.
Fornogletscher, Engadin 248.
Sumatra, Alter 757.
Granitmassiv, Lausitz. , Lamprophyre 457.
Granitmylonit, Hardangerjökelen 524.
Graphische Bestimmung von Winkeln
und Indizes in Zonen 190.
Gravitations-Anisotropie der Kristalle ,
Größenordnung 33.
Griechenland
Artemisiongebirge 339.
Epirus, Geologie 534.
Hauerit, Zersetzung an der Luft und Ein-
wirkung auf Silber und Kupfer 758.
Hauptdolomit, Gosau, angeblicher 616.
Hauptmuschelkalk, Elsaß-Lothringen 551.
584.
Hebungen, gegenwärtige, Hiddensee (Rü-
gen) 139.
Hellas, Artemisiongebirge 338.
Hiddensee (Rügen), gegenwärtige tek-
tonische Bewegungen 139.
Hochterrasse, schwäbische und Eleplias
primigenius Fraasi 475. 646.
Hoff, Jacobus Henricus van’t, Ne-
krolog von Ernst Cohen 285.
Hof mann, Adolf, Nekrolog 721.
Hohofenschlacken
mit Augit und Wollaskmit 689.
mit Olivin und Melilith 625.
Hornfels, Mt. Tibidabo bei Barcelona,
korundhaltiger 26.
Hunsrückschiefer, nördl. Oberslein, Fos-
silien 652.
Ilmenit, Binnenthal, Lengenbachstein-
bruch 126.
Indikatoren
für das spezifische Gewicht von Flüssig-
keiten 39.
aus Glas 133.
Indizes und Winkel in Zonen, graphische
Bestimmung 190.
Inoceramus balticus, crassus, Schloen-
bachi u. var. cripsioides, Walters-
dorfensis und Weisei 295 ff.
XII
Sachregister.
Inoceramus inconstans undverwandte
Arten 278. 295.
— inconstans var. plana 284.
Jadeit, Zusammenkristallisieren mit
Diopsid 227.
Jesenlcoberg ( westlicher Bacher), Geo-
logie 610.
Jodyrit, Tonopali, Nevada, Krist. 385.
Jura
Galatliea 155.
Deister, oberer, Strandverschiebungen
im südöstlichen 438.
Deutsch-Osiafrika, fehlt 81.
Epirus 535.
Sarstedt 347.
Schwaben und Hannover, Vergleichung
des unteren Doggers 470.
Sumatra, oberer, des westlichen 753.
Juraklippen, Allgäuer und Vorarlber-
ger 252.
Kalkalgen, Wellenkalk, Rhön 402.
Kalkolivin, Kristalle in Hohofenschlacken
628.
Kalkspat
Kristalle aus einem Wasserbehälter
127.
mikrochemische Unterscheidung von
Dolomit in Dünnschliffen 44.
Wölsenberg (Oberpfalz), Quarz, pseudo-
morph nach K., in den Flußspat-
gängen 353.
Kalkspatkompensator 427. 469.
siehe auch Kompensator.
Kämmererit, Unst (Shetlandsinsel) 591.
Kappiger-Ley, Laachtr See, Einschlüsse
im Leucittuff 721.
Keil, doppeltbrechender, Farbenfolge 580.
Iieratophyr, Timor 571.
Kersantit, Lausitzer Granitmassiv 457.
Kieselsäure, siehe auch Siliciumdioxyd.
Kieselsäuremineralien, Noneegen 325.
520.
Klinoenstatit, Meteoriten 161.
Knollenkalkkomplex, ladinischer Süd-
alpen 508.
Kohlenflöze enthalten Kohlensäure 683.
Kohlensäure in Kohlenflözen 683.
Kohlensäuretheorie von Arrhenius , Wider-
legung der E. Kaysef sehen Einwände
582. 769.
Kokslcär- Insel, Finnischer Meerbusen,
Naturgas und Entstehung 601.
Kolloidale wasserhaltige Tonerdesilikate,
chemische oder physikalische Natur
699. 728.
Kolloidmineralien, Nomenklatur 518.
768.
Kompensator , neuer 390.
Kompensatoren 427.
ältere 388.
siehe auch Kalkspatkompensator.
Koenenit, Sarstedt 449.
Kontakt, Tromsö und Tromsötind, Gra-
natamphibolit und Marmor 132.
Kontaktbildungen
Mt. Tibi dabo bei Barcelona 26.
Uruguay, siidl., Epidotadinole 68.
Kontaktmetamorphose, Hörtekollen, Nor-
wegen 531.
Korund, Kappiger-Ley, Einschluss im
Leucittuff 723.
Korundhaltiger Hornfels, Mt. Tibidabo
bei Barcelona 26.
Kreide
Inoceramus inconstans und verwandle
Arten 295.
Porosität der Sandsteine 245.
Deutsch-Ostafrika, Urgon 81.
Dobrudscha (Rumänien), Megalosaur
rus in der unteren 686.
Epirus 536.
Gosau 616.
Indien, Systematik der Nautiliden der
oberen 115.
Jesenkober g (westl. Bacher) 613.
Sarstedt 346. 348.
Kristall, Totalreflexion des Lichts 577.
Kristalle
geometrische Eigenschaften und deren
Veranschaulichung durch geometr.
Strukturbilder 413.
Größenordnung der Gravitafions- Aniso-
tropie 33.
Kristalline Schiefer, Spanien 642.
Kristallmodell. Apparat zum Schneiden
nach V. Goldschmidt 190.
Kristallographie
von Linck 592.
von Rinne 591.
und Kristalloptik, graphische Me-
thoden 126.
Kristallographisch-optischer Demonstra-
tionsapparat 181.
Kristallstruktur, sichtbar gemacht durch
Röntgenstrahlen 590.
Kristall- und Molekularstruktur, opt.
Aktivität und Enantiomorphismus
189.
Iiristallröntgenogrammetrie 260.
Kristalltheorien, statische und kinetische
413.
Labradorit, St. John's Point, Co. Down
126.
Ladinischer Knollenkalkkomplex , Süd-
alpen 508.
Lamprophyr, iMusitzer Granitmassiv 457.
Sachregister.
XIII
Lausitzer Granitmassiv, Lamprophyre 457.
Lcucitphoml ithtu ff, Kappiger-Ley.
Laacher See, Einschlüsse 722.
Leucittinguait porphyr, Ihringen. Kaiser-
stuhl 367.
Limnaea turrita Klein emend. Joos nebst
rar. Millen und var. lacusMformis
(T. slagnaloides) , Obenniocän, Ober-
sehicaben 58.
Lophiodon, Braunkohle Sachsens 351.
Löslichkeitsschema KCl, Mg CI., und
Hasser ( Carnallitschema ) 417.
Ludwigia sehndensis, unterer Dogger,
Hannover 473.
Manganerze, Odenwald und Spessart, im
Zechst et n 749.
Manganfayalit, Kristalle in Hohofen-
schlacken 626.
Maucherit, Mansfelder Kupferschiefer-
rücken 225.
Mechanisch deformierte Gesteine, chemi-
sche Veränderungen 593. 634.
Megalosaurus in der Unterkreide, Do-
brudscha ( Rumänien ) 686.
Melaphyr, Uruguay, südl., und Kontakt
70.
Meldith, Kristalle in Hohofensclüacken
625. 631.
Melonaena Deschmanni und Rotkyana
303.
Metamorphose
böhmische Maße 784.
siehe auch Kontakt-, Dynamometa-
morphose etc.
mechanische, siehe deformierte Ge-
steine.
Meteoreisen, Cartliage, Tennessee , Struk-
tur 17. 261.
Meteoriten
Klinoenstalil 161.
Baroti (Pendschab, Indien), Sept.
1911. 590.
Microtus ratticeps, Löß, Alf old 15.
Mikrochemische Untersuchung fein ver-
teilter Carbonate in Gesteinsdünn-
schliffen 44.
Mikrophotographischer Apparat 181.
Mikroskop, siehePolarisationsmikroskop.
Minenlchemie, Doelter 169.
M inevallager statten,
England. Cornwall, Virtuous Lady-
Grube bei Tavi stock 126.
Montgomeryshire 412.
siehe auch Erzlagerstätten.
Mineralogie
L. P. Gratacap 128.
Alexander H. Phillips 127.
siehe auch bestimmende Mineralogie.
Mineral Varietäten, Nomenklatur 518. 768.
Molekular- und Kristallstruktur, opt.
Aktivität und Enantiomorphismus
189.
Moschusochsen, Diluvium, Belgien 178.
Muschelkalk
Elsaß- Lothringen, Haupt- 551. 584.
Rhön, Kalkalgen im Wellenkalk 402.
Mitsamt, kristallographische Orientierung
mittels Biegungs- und Aetzfiguren
657.
Mylonit 599. 637 .
Hardangerjökelen, Granit- 524.
Myriopora Verbeeki, oberer Jura, West-
Sumatra 754.
XatroUth. Krislallform und Aetzerschei-
nungen 304.
Naturgas. Insel Kokskär im Finnischen
Meerbusen 601.
Nautüiden, Systematik der obercrelaci-
schen 115.
Nekrolog
Friedrich Teller 119.
Hofmann, Adolf 721.
van’t Hoff von E. Cohen 285.
Nomenklatur der Mineralvarietäten und
Kolloidmineralien 518. 758.
Nordatlantisches Gebiet, eoeäne Geo-
graphie 234.
Norwegen
Geologie 324. 520.
— , Kritik J. Königsbergers 324.
Olivin, Kristalle in Hochofenschlacken
625.
Oolith, Zentralafrika, mariner (?) 112.
Optische Aktivität und Enantiomor-
phismus der Molekular- und Kri-
stallstruktur 189.
Ovibos moschatus, Diluvium , Belgien 178.
Packung losen Sandes 242. 681.
Parcigonit, Ochsenkopf in Sachsen, ent-
standen aus Phyllit 203.
Periklas, optische Verhältnisse 516.
Perm
Eigin, Schottland, fossil führende Sand-
steine 617.
Odenwald und Spessart, Zechslein 742.
Permutit 748.
Petrochemische Untersuchungen 481.
Phonolithtuff siehe Leueitphonolithtuft.
Phosphorit, Podolien und ähnliche Mine-
ralien 97.
Phyllit, Ochsenkopf in Sachsen, Umwand-
lung in ein dichtes Paragonitgestein
203.
Pisolith, Mansfelder Flözgebirge 337. 457.
Pleistocän,
Ungarn 13.
XIV
Sachregister.
Pleistocän
Ungarn , Umgegend von Tata 109.
siehe auch Quartär.
Podolit , Podolien. Identität mit Dahllit 97.
Polarisationsmikroskop
Messung der Doppelbrechung 427.
elementare Anleitung von Rinne 318.
Porphyrit, Jesenkoberg (wesll. Bacher),
Gänge 610.
Porphyroidformation, Südpalagonien und
Feuerland, chemische Veränderungen
bei mechanischer Deformation 593.
Postpliocän, Palermo, Cyprina islandica
173.
siehe auch Quartär.
Primärschieferung innerhal bder böhm.
Masse 772.
Projektion, siehe stereographische Pro-
jektion 413.
Projektionsapparat- mikroskopischer 1S2.
Pseudomorphose. Quarz und Kalkspat,
W olsenberg (Oberpfalz) in den Fluß-
spatgängen 353.
Pseudomorphosen, Spateisenstein nach
Flußspat und Schwerspat, Tavistock
126.
P scudospontane Evolution, Artenbildung
27.
Pseudo suchier, Vorfahren der Ptero-
saurier und Vögel 480.
Quartär
Packung diluvialer und rezenter Sande
242. 681.
Belgien, Moschusochse 178.
Bithynische Halbinsel 1.
Böhmen, Sinken der Elbe-Ebene wäh-
rend der Diluvial- Akkumulation 91.
Frankenwald, Eiszeit 146.
Hannover, Diluvium 51.
Iiokskär- Insel, Finnischer Meerbusen
601.
Kroatien, Karst, Fauna 17.
Norddeutschland , Diskordanz diluvialer
Schichten im Samland und im
Fläming 561.
Palermo, Cyprina islandica im Post-
pliocän 173.
Schwaben, Hochterrasse, Schotter und
Elephas primigenius Fraasi 475. 646.
— , Steinheim- Murr, diluviale Wirbel-
tierfauna 475. 646.
Ungarn, Pleistocän 13. 109.
siehe auch Postpliocän u. Pleistocän.
Quarz
U eher gang in Tridymit und Crislo-
balil 680.
Verhältnis zu Quarzin und Chalcedon
356.
Quarz
Wölsenberg (Oberpfalz), Pseudomor-
phose nach Kalkspat in den Fluß-
spatgängen 353.
Quarz in und Chalcedon, Verhältnis zu
Quarz 356.
Quarzit Herschbach (Westerwald), ter-
tiärer, Entstehung 676.
Quarzitsandstein, Uruguay, südlich, ge-
f rittet 78.
Rehgehörn, pleistocäner Süßwasserkalk,
Süttö 16.
Reiben von Mineralien, Geruch 660.
Reptil führender Sandstein, Eigin, Schott-
land 617.
Rhönitbasalt, Böhm. Mittelgebirge 195.
Ries, Grundgebirge 752.
Röntgenstrahlen machen die Kristall-
struktur sichtbar 590.
Salzablagerungen, ozeanische, Bildung
nach van’t Hoff 286.
siehe auch Steinsalz.
Salzartige Stoffe , aus dem Schmelzfluß
kristallisiert 408.
Salzkammergut, Decken 272.
Samland, siehe Diluvium.
Sand, Packung des losen 681.
Sande, Packung tertiärer, diluvialer und
rezenter 242.
Sandstein
Porenvolumen 242.
Uruguay, gefrittet 78.
Sanidin, Laacher See, Schmelztempera-
tur 335.
Sanidinit, Kappiger-Ley, im Leucittuff
725.
Sapropele mit freiem Schwefel 490.
Schafberggruppe, Tektonik 272.
Schiebungen, einfache, Demonstrations-
modell 28. 123.
Schlacken , siehe auch Hohnfen-
schlacken.
Schleif äpparat 126.
Schmelzpunkte der Silikate, Unterschiede
in den Angaben 513.
Schmelztemperatur, Sanidin, Laacher See
335.
Schmelztemperaturen, Vergleichung der
optischen und der thermischen Me-
thode zur Bestimmung 328.
Schwefel, freier, in Sapropelen 490.
Sedimente, gefritteie, südl. U ruguay 68.
Shonkinitisch-theralilische Gesteine, Ti-
mor 573.
Siebenschläfer, Pleistocän, Iiöszeg. Un-
garn 14.
Silber, Pfalz, Beweglichkeit in Zinnober-
erde 257.
Sachregister.
XV
Siliciumdioxyd, Milna, Insel Brau, Dal-
matien, mehliges, Beziehung zur
Bauxitfrage 6 68.
Silikate, Unterschiede in der Angabe der
Schmelzpunkte 513.
Sülimanit, Kappiger-Ley, Einschluss im
Leucittuff 723.
Silur
Esthland. Gliederung des höheren Unler-
712.
II iittehenberg bei Wünschendorf a. El-
ster, Dictyodora Zimmermanni und
Palaeodictyum Eiseleanum ISO.
Sodalithsyenit Hradlischka westl. Groß-
priesen a. Elbe, Urausscheidungen
und Einschlüsse 767.
Spateisenstein, Tavistock , Pseudomor-
phosen nach Flußspat und Schwer-
spat 126.
Spessartit, Lausitzer Granitmassiv 462.
Spezifisches Gewicht von Flüssigkeiten
Indikatoren zur Bestimmung 39.
Indikatoren aus Glas 133.
siehe auch Dichte.
Sporogelit und Bauxit 193.
Sporogelitbauxit 65. -
Staffelil, Beziehung zu Frankolit etc. 101.
Staurolithglimmerschiefer, Kappiger-Ley,
Einschlüsse im Leucittuff 7 23.
Steiermärkisches Landesmuseum, Graz,
Mineralogische Abteilung 512.
Steinsalz, Translation 696. 698.
siehe auch Salz.
Stereographische Projektion, neuer Trans-
porteur 413.
Slrandver Schiebungen, Oberjura, südöstl.
Deister 438.
SlrontianU, Mansfdder Flözgebirge, in
Pisolithen 337.
Strukturbilder zur Veranschaulichung
der geometrischen Eigenschaften
der Kristalle 413.
Sumatra, Geologie 753.
Sumbava, Gesteine, Osann' sehe Werte
139.
Syenit, siehe auch Sodalithsyenit.
Sglt. Alter der Moräne des Emmerleff-
Iiliff 215.
Teller, Friedrich, Nekrolog 119.
Temperatur der Atmosphäre, abhängig
vom COz-Gehalt der Luft 583. 769.
Terra rossa, siehe Bauxitfrage.
Terrasse, siehe auch Hochterrasse.
Tertiär
Packung der Sande 242. 681.
Epirus 536.
Herschbach, Westerwald, Entstehung
von Quarziten 676.
Tertiär
Nordatlantisches Gebiet, eoeäne Geo-
graphie 234.
Sachsen, Lophiodon in der Braun-
kohle 351.
Siebenbürgen, uniersarmaiischer Dacil-
tuff 405.
Teschen, am Karpathenrande über-
schoben 85.
Ungarn, Nagyenyed , sarmatisch 164.
209.
Testudo Riedli Sotzka-Schichten, Trifail
381.
Theralitisch-shonkinitische Gesteine, Ti-
mor 573.
Timor, Gesteine der Alkalireihe 570.
Titaneisen, siehe llmenit.
Tone, siehe Tonerdesilikate und Alu-
minatsilikate.
Toner desilikate, kolloidale wasserhaltige,
chemische oder physikalische Natur
699. 728.
Topas, Neu-Braunschweig (Kanada),
Kristallhabitus 590.
Totalreflexion des Lichts an einem
Kristall 577.
Trachyt, siehe auch Alkali trachyt.
Transporteur , neuer stereographischer 413.
Trias
Eifel, alttriadische Yerebnung und
Eifeldolomit 269.
Eigin, Schottland, fossilführende Sand-
steine 617.
Elsaß- Jjothr innen , Hau 'plwiuscJiclIccilk
551. 584.
Epirus 544.
nördliche Kalkalpen 272.
Ithön Kalkalgen im Wellenkalk 402.
Südalpen, ladinischer Knollenkalkkom-
plex 508.
Tridymit und Cristobalii aus Quarz
entstanden 680.
Tromsö, Granatamphibolit u. Eklogit 129.
Tundrafauna, Köszeg, Ungarn 14.
Ueberschiebungsd ecken, Alpen 435.
Urgon, Deutsch-Ostafrika 81.
Vogelarten , neue pleistocäne, Felsnische
Puskaporos bei Hamor, Ungarn 13.
Vorarlberger Juraklippen 252.
Vulkane, Systematik und Nomenklatur
von Ii. Schneider 104.
Vulkanische Erscheinungen
Aetna und Japan 379.
der Erde 102.
Wage zur Dichtebestimmung 565.
Wagschalen und Gewichte, chinesische,
aus Amethyst, für Edelsteinhänd-
ler 190.
XVI
Sachregister.
Wasserhaltige kolloidale Tonerdesilikate ,
ehern, und physik. Natur 699. 728.
Wellenkalk, Rhön, Kalkalgen 402.
Wherry’s Nomenklatur, siehe Nomen-
klatur.
Winkel und Indizes in Zonen, graphische
Bestimmung 190.
Wollastonit in Hohofenschlacken 689. 694.
Württemberg. Bodenschätze 191.
Zechstein, Spessart and Odenwald 742.
Zeolithe, siehe Tonerdesilikate, wasser-
haltige, kolloidale.
Zinnchlorür, Verhalten zu K CI und Na CI
beim Kristallisieren aus dem Schmelz-
fluß 373.
Zinnobererde, Pfalz, Beweglichkeil des
Silbers 257.
Zinnstein , Zwillinge 126.
P. Kessler, Zur jüngeren geologischen Geschichte etc.
1
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Zur jüngeren geologischen Geschichte der Bithynischen
Halbinsel.
Von P. Kessler.
Überblickt man von irgend einer Höhe Bithyniens das Land,
so sieht man sofort, daß man sich auf einer ehemaligen Ebene
befindet, die den Eindruck eines Berglandes nur durch die mehr
•oder minder tief eingeschnittenen Täler erweckt. Philippson
schildert diesen Eindruck . den er auf dein Gipfel des Bulgurlu
(auch Biijük Tscliamlidja genannt) empfangen hat, mit folgenden
Worten 1 :
„Wenn man von dem kahlen Gipfel des Berges nach Norden
blickt, könnte man sich auf eine Höhe unseres Rheinischen Schiefer-
gebirges versetzt glauben, so völlig stimmen die Formen und
Farben der Landschaft überein. L
Den Hauptgrund dieser Ähnlichkeit anführend fährt er fort:
„Auch hier entspricht die Oberfläche nicht dem verwickelten
Faltenbau, sondern bildet, wenn wir uns die Erosionstäler zu-
geschiittet denken, eine fast ebene Hochfläche von 200 — 300 nt
Meereshöhe , die von unserem Standpunkt etwas nach Norden an-
steigt, nur hie und da von einer flachen runden Kuppe oder Rücken
überragt , wo ein härteres Gestein , namentlich Quarzit , auftritt.
Es ist eine typische Denudatiousfläclie.“
Wohl alle Geologen und Geographen , die das Land bereist
haben, haben denselben Eindruck gehabt ; ich erwähne nurFrrzNER2
und Cvijic3 4.
Auch auf der europäischen Seite des Bosporus läßt sich diese
Fläche ungefähr in' derselben Höhe nachweisen, und zwar hat die
Einebnung in gleicher Weise Devon und Tertiär betroffen +. Be-
reits 1870 gab Hochstetter5 an, daß auf dieser Hochfläche im
Belgrader Wald (nördlich Konstantinopel) hauptsächlich aus Quarz,
1 Geologische und geographische Wahrnehmungen auf einer Orient-
reise. Sitzungsber. Naturhist. Ver. preuß. Rheinlande usw. 1897. p. 20.
2 Forschungen auf der Bithynischen Halbinsel. Rostock 1903. p. 137.
3 Grundlinien der Geographie und Geologie von Macedonien und Alt-
serbien. Ergänzungsheft 162 zu Petermann’s Mitt. p. 376.
4 Philippson a. a. 0. p. 25.
5 Die geologischen Verhältnisse des östlichen Teiles der europäischen
Türkei. Jahrb. k. k. Geol. Reichsanst. 1870. 20. p. 365.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913.
1
2
P. Kessler, Zur jüngeren
aber auch Kieselschiefer, Hornstein und Jaspis bestehende Schotter
in etwa 10 m Mächtigkeit liegen1. Man könnte daher leicht ver-
anlaßt sein, die Gerolle und die Einebnung einem sehr breiten
alten Flußlaufe , den man als Urbosporus ansehen könnte , zuzu-
schreiben. Damit steht jedoch im Widerspruch, daß auch in weit
nach Osten gelegenen Teilen der Bithynischen Halbinsel sich so-
wohl die Hochfläche wie die Geröllablagerungen feststellen lassen.
Sie nehmen jedoch nicht durchweg dieselbe Höhenlage ein, so daß
man gezwungen ist, entweder ursprüngliche Ablagerung in ver-
schiedenem Niveau oder nachträgliche Störungen anzunehmen.
Beide Möglichkeiten zieht auch Philippson in Betracht, wenn auch
nur für das beschränkte Gebiet im Nordosten des Bosporus; dort
läuft ein etwas über die übrige Fastebene sich erhebender Rücken
rechtwinkelig zum Schichtstreichen von West nach Ost der Küste
des Schwarzen Meeres entlang. Trotzdem er aus verschieden
harten Gesteinen besteht, hat er eine fast ebene Oberfläche.
Sehr viel bedeutendere Höhenunterschiede zeigen sich weiter
im Osten der Halbinsel, doch stets haben die Bergzüge eine ab-
geflachte Oberfläche und auch die höheren unter ihnen sind häufig
mit Schotter bedeckt. Die Bergzüge des Devons , die der Trias
und die der Kreide zeigen hierin keinerlei Unterschied.
Da aber diese abgeflachten Bergformen nicht nur in zwei
oder drei , sondern in mehreren verschiedenen Höhenlagen Vor-
kommen, möchte ich ihren Niveauunterschied zum größten Teile
eher auf nachträgliche Verschiebungen bezw. verschieden starke
Hebung zurückführen , als sie als Reste ursprünglich verschieden
hoher Denudationsflächen ansehen, wenn ich auch nicht bestreiten
will, daß auch hier vielleicht primäre Unterschiede Vorkommen
können. In manchen höheren Bergen, vor allem in denen, deren
Höhe aus Quarzit besteht , wird man wohl auch Härtlinge zu
erblicken haben.
Nach dem bisher Gesagten ist also die Bithynische Halbinsel
eine alte Peneplain, die ungleichmäßig gehoben wurde. Die Zeit
der Bildung dieser Peneplain ist nicht ohne weiteres klar. In
den Schottern sind bisher auf asiatischer Seite keine Versteine-
rungen gefunden worden mit Ausnahme eines Kieselholzes 2. Auf
dieses eine Fossil , dessen Bestimmung mißlich ist und das schließ-
lich auch eingeschwemmt sein kann, eiue Zeitbestimmung zu gründen,
scheint mir nicht angebracht.
1 Schon Tchihatcheff, Asie mineure Abt. 4. 3. p. 393, erwähnt die
Gerolle, sowohl von der europäischen Seite von der Umgegend von Pirgos
im Belgrader Wald, wie von der asiatischen von Arnautkiöi und anderen
Punkten beider Seiten, ist sich aber über ihre Herkunft und Stellung
keineswegs im klaren.
2 Kessler, Zum geologischen Aufbau der Bithynischen Halbinsel.
Dies. Centralbl. 1909. p. 6'57.
geologischen Geschichte der Bithynischen Halbinsel. 3
Die Schotter bestehen hauptsächlich aus Quarzit und Kiesel-
schiefer. Die Schotter vom Belgrader Wald, die gleiche Zusammen-
setzung haben und wohl auch nach ihrer Lage als gleichaltrig
anzusehen sind, wurden von Hochstetter den Belvedereschottern
des Wiener Beckens wegen ihrer lithologischen Ähnlichkeit gleich-
gestellt. Ich halte es für äußerst gewagt, Flußablagerungen so
weit entfernter Gebiete wegen ihres gleichen Aussehens gleiches
Alter zuzuerkennen und möchte vorziehen, das Alter der Schotter
vorläufig unbestimmt zu lassen.
Eine Peneplain kann sich nur in einem Gebiete bilden, das
von der Erosionsbasis nur durch minimalen Höhenunterschied ge-
trennt ist. Die Niveauverschiebung gegen die jetzige Erosions-
basis muß in ihrem Maximum so viele Meter betragen, wie jetzt
die höchsten Reste der Peneplain sich über das Meer erheben.
Daß aber die Verschiebung der Erosionsbasis nicht allein durch
ein Sinken des Schwarzen Meeres veranlaßt, sondern auch, und
wohl hauptsächlich, auf ein Auf steigen der alten Peneplain zurück-
zuführen ist, scheint mir durch die verschiedene Höhenlage, bezw.
durch das im folgenden noch zu zeigende Fallen der Peneplain nach
Norden, mindestens sehr wahrscheinlich. Wäre das letztere allein
durch eine Senkung im Norden, nicht auch durch eine Hebung
im Süden veranlaßt, so hätte in der Vorzeit das Schwarze Meer,
die Erosionsbasis, einen ebenso hohen Stand gehabt haben müssen,
wie jetzt die Rücken der abradierten Höhen liegen, müßte es also
ungefähr 600 m höher gestanden haben als jetzt. Dafür lassen
sich aber keinerlei Beweise anführen. Es muß vielmehr eine
Hebung der Peneplain angenommen werden.
Die höchsten Höhen liegen im allgemeinen im Süden der
Halbinsel. Unmittelbar vom Golfe von Ismid steigen sie bei Hereke
bis zu 600 m an. Hat man den steilen Anstieg überwunden, so
stellt man oben auf einem fast ebenen Gelände, in das nur einzelne
tiefe nach Süden verlaufende Täler eingeschnitten sind. Nacli Norden
senkt sich im allgemeinen die Fastebene; die Höhe der Bergflächen
in der Nähe des Schwarzen Meeres beträgt im Höchstfälle nur-
mehr etwa 150 — 200 m. Doch auch hier sind Ausnahmen. So
steigt der Kurudju Tepe, den ich aus eigener Anschauung nicht
kenne, nach der dem Buche von Fitzner beigegebenen Karte bis
zu 600 m an.
Daß trotz vereinzelter Ausnahmen die Senkung nach Norden
ziemlich regelmäßig ist, beweist die Richtung aller größeren
Wasserläufe. Die nach Süden mündenden Bäche haben alle ihren
Ursprung nahe der Südküste, während z. B. der Giök Su, der in
das Schwarze Meer mündet, seine Quelle nur etwa 3 km nördlich
des Golfes von Ismid hat.
Die Wasserscheiden zwischen den nach Norden und nach Süden
fließenden Bächen sind meist niedrig. So liegt die Wasserscheide
1*
4
P. Kessler, Zur jüngeren
zwischen dem östlich Pendik in den Golf von Ismid mündenden
Biijük Dere und dem nach Norden in den Riwa Dere abfließenden
Domus Dere nur in etwa 100 m Meereshöhe, während sich ringsum
die Höhen bis auf über 200 m erheben. Die nach Süden mündenden
Bäche scheinen also räuberisch in das Gebiet der nach Norden
entwässernden eingedrungen zu sein. In früherer Zeit haben
demnach die nach Süden laufenden Bäche eine noch geringere Länge
gehabt als jetzt.
Trotzdem haben viele von ihnen ein unverhältnismäßig breites
Tal. Zwischen Daridja und Hereke mündet ein Bach, das Dil
Dere, der nur etwa 1 1 km lang ist und den man 3 oder 4 km
vor seiner Mündung zur Not noch überspringen kanu. Sein in
die Kreide nnd Triasschichten eingeschnittenes Tal ist trotzdem
weit über 1 km breit. Es scheint mir klar, daß dieser Bach nicht
das breite Tal gebildet haben kann , selbst wenn man andere
klimatische Verhältnisse in der Vorzeit annimmt. Da aber ganz
allgemein, wie gesagt, die nach Süden abfließenden Bäche in das
Gebiet der nach Norden fließenden Vordringen, muß auch er früher
einen noch kürzeren Lauf und wahrscheinlich eine noch geringere
Wassermenge gehabt haben. Von dem nach Norden fließenden
ebenfalls Biijek Dere heißenden Bach, der in seinem weiteren
Verlauf als Riwa Dere zum größten Wasserlauf der Halbinsel
wird, oder vielmehr von einem seiner Nebenbäche, trennt ihn nur
eine niedrige Schwelle, da beide Bäche durch ein 4 km breites
sanftes Tal zwischen den Ortschaften Denlisli, Airan und Djumakiöi'
verbunden sind L Doch auch das Biijiik Dere bezw. sein Neben-
bach kann nicht das Tal des Dil Dere gebildet haben, da für ihn
im Süden nur ein Niederschlagsgebiet von wenigen Kilometern
vorhanden gewesen wäre, das auch unter den günstigsten Um-
ständen niemals die nötigen Wassermassen geliefert hätte, um ein
derartiges Tal auszutiefen. Es bleibt also nur die einzige Mög-
lichkeit , daß dieses Tal bereits gebildet wurde , als die topo-
graphischen Verhältnisse der Halbinsel noch ganz anders waren.
Nur ein Fluß mit sehr viel größerer Wassermenge, was in diesem
Falle gleichbedeutend mit einem längeren Lauf erscheint, kann
dieses Tal ausgetieft haben. Wäre der Fluß von Norden ge-
kommen, so müßte eine Umkehrung der Höhenverhältnisse in der
Art stattgefunden haben, daß früher der nördliche Teil der Halb-
insel ein höheres Niveau eingenommen habe, als der südliche.
Für eine derartige schaukelnde Bewegung der ganzen Halbinsel
um ihre Längsachse haben wir keinerlei Anhaltspunkte. Kam
der Fluß von Süden, so kann er das Tal nur gebildet haben, als
an Stelle des jetzigen Golfes von Ismid noch ein Land lag, das
zu seinem Niederschlagsgebiet gehörte.
v. d. Goltz , Anatolische Ausflüge. (Zit. nach Fitzxer, a. a. 0.)
geologischen Geschichte der Bithynischen Halbinsel. 5
Nun hat Hörnes in neuerer Zeit gezeigt1 2, daß der alte
Flußlauf des Bosporus nicht wie der jetzige Meeresstrom sein
Wasser von Nord nach Süd, sondern in umgekehrter Richtung
ergoß. Im Süden hat also höchstwahrscheinlich zu dieser Zeit
das Marmarameer noch nicht bestanden, sondern an seiner Stelle
hat ein Festland gelegen. Auf dieses haben ja viele Forscher,
teilweise auch aus anderen Gründen, deren Anführung hier zu
weit führen würde, geschlossen.
Man kann daher sehr wohl annehmen, daß das vorhin er-
wähnte Flußtal der bithynischen Halbinsel ebenfalls aus einer Zeit
stammt, in der der Golf von Ismid noch nicht gebildet war.
Stimmt diese Annahme, so muß man auch auf dem der
bithynischen Halbinsel jenseits des Golfes von Ismid gegenüber-
liegenden Festlande noch jetzt einen Fluß, oder wenigstens ein
Flußtal linden, das in der südlichen Verlängerung des erwähnten
Flußtales liegt.
Gegenüber der Mündung des Dil Dere liegt in noch nicht
3 kin Entfernung von der Nordküste des Golfs das etwa 6 km
nach Norden vorspringende Dil Burnu. Von der Mündung des
Baches aus gesehen schiebt es sich wie ein schmaler niedriger
Wall zwischen den westlichen und östlichen Teil des Golfes von
Ismid. Man bleibt bei seinem Anblick keinen Augenblick darüber
im Zweifel, daß es im wesentlichen aus ganz jungen Anschwem-
mungen besteht, wenn auch nach Tchihatcheff 2 eine kleine Stelle
mit anstehendem festen Gestein vorkommt. In der Tat mündet
an der einen Seite der Landzunge das Yalak Dere, das, etwas
nördlich des Isnik Giöl (Giöl = See) entspringend, einen Lauf von
über 20 km hinter sich hat. Dieser Wasserlauf scheint sehr
wohl imstande gewesen zu sein, das Tal des ihm jetzt gegenüber
mündenden Baches in seinem Oberlauf auszutiefen.
Inwieweit sich ähnliche Beobachtungen an anderen Bächen
Bithyniens machen lassen, ist mir nicht bekannt. Ein Beibringen
anderer Beispiele wäre jedenfalls sehr wünschenswert.
Wir kommen aber auch so zu dem Schluß , daß die alte
Peneplain der Halbinsel samt dem gegenüber liegenden Teil des
kleinasiatischen Landes zuerst gehoben wurde, und daß dann erst
der Einbruch des Golfes von Ismid erfolgte. Nach Osten sehen
wir den Golf in den Sabandjasee verlängert, der etwa 36 m über
dem Meeresspiegel liegt und ungefähr 17 km westlich des Golfes
von Ismid beginnt. Da seine Erstreckung ebenfalls Ost-West ist
und er in der Verlängerung des Golfes von Ismid liegt, darf man
annehmen, daß er an denselben Spalten wie dieser abgesunken ist.
1 Die Bildung des Bosporus und der Dardanellen. Sitzungsber. kais.
Akad. Wien, math.-naturw. Klasse. 118. Abt. I. Juni 1909.
2 Asie mineure. Abt. 4. 3. p. 395.
6
P. Kessler, Zur jüngeren
Die anatolische Balm benutzt zwischen dem Gotr und dem See
ein Tal. das sich an seiner höchsten Stelle nur wenige Meter über
den Spiegel des Sabandja erhebt. Der Sabandja wird jetzt nach
Nordosten durch den Tscliark Su in den Sakaria entwässert, es
ist aber wohl kaum ein Zweifel möglich, daß dieses Tal einen
alten Abfluß des Sees in den Golf von Isinid darstellt, da eine
Verbindung in umgekehrter Richtung äußerst unwahrscheinlich
erscheint.
Der Sakaria fließt jetzt etwa 6 km östlich des Sabandjasees
nach Norden und liegt auf ungefähr gleicher Höhe wie dieser See.
Das Land zwischen See und Fluß ist flach, so daß die Vermutung
nahe liegt, daß der Sakaria einst in den Sabandja geflossen sei
und durch diesen seinen Abfluß in den Golf von Ismid genommen
habe. Mächtige Schottermassen , die nach Tchihatcheff 1 am
Ostende des Sees liegen, nach Westen aber an Mächtigkeit ab-
nehmen und schließlich auskeilen, scheinen die Vermutung zu
bestätigen. Demnach hat wahrscheinlich der nach demselben
Autor im Unterlauf enge Sakaria seinen Abfluß nach Norden erst
in junger Zeit gefunden.
Verlegungen der Flußläufe scheinen im Osten des Sabandja,
wenn auch nur in geringem Maße noch in jüngster Zeit statt-
gefunden zu haben. Die Justinianbrücke, die einst über den
Tscliark Su ging, führt jetzt mehrere hundert Meter vom Fluß
entfernt über trocknes Land1 2 3. So interessant und wichtig die
alten Verhältnisse des Sakaria und seiner Nebenflüsse für die
Frage der Entstehung des Golfs von Ismid wäre, muß ich mich
auf diese wenigen Worte beschränken, da icli diesen Teil Bithyniens
nicht durch eigene Anschauung kenne und die Literaturangaben
gar zu dürftig sind, um irgend welche Schlüsse zu ziehen. Ganz
ungewiß erscheint mir, nach welcher Richtung der Sakaria vor
Entstehung des Golfes von Ismid abgeflossen ist, da hier, will
man auch nur eine einigermaßen gesicherte Hypothese aufstellen, das
1 a. a. 0. p. 395.
2 Nach der Darstellung der FiTZNER’schen Karte. Anders ist die
Darstellung in Meyer’s „Türkei“ p. 392: ,3 km nördlich von Bahnstation
Hamidieh liegt die alte Brücke des Sophon . . ., 561 n. Chr. vom Kaiser
Justinian erbaut und jetzt noch fast vollkommen erhalten; sie führt an-
geblich über ein verlassenes Bett des Sangarios , der jetzt als Sakaria
3 km westlich von der Brücke vorüberiließt. Da aber in diesem Falle
die Wellenbrecher der Brücke auf der der Strömung entgegengesetzten
Seite liegen, ist es wahrscheinlicher, daß der Fluß ehemals das Schwarze
Meer nicht erreichte, sondern nördlich von Adabasar in einer westlichen
Kurve unter der Brücke hindurchfloß und sich durch den See von Sabandscha
in den Golf von Ismid ergossen hat. Es ist aber auch möglich, daß
Justinian den Strom in dieser Weise ablenken wollte . . . Unter der Brücke
hindurch fließt jetzt der Tschark Su . . .“
geologischen Geschichte der Bithynischen Halbinsel.
Kartenmaterial vollkommen versagt. Gerade diese Frage wäre
aber zur Feststellung der geologischen Geschichte des östlichen
Teils Bithyniens von großer Wichtigkeit.
Mag nun der Sakaria in den Sabandja geflossen sein oder
nicht, ein breiter alter Flußlauf verbindet jedenfalls den Sabandja
mit dem Golfe von Ismid. Nur entweder ein Tieferlegen der
Erosionsbasis des Tscliark Su oder eine Erhöhung der Schwelle
zwischen dem Sabandja und dem Meere kann die Entwässerung
des Sabandja nach Norden eingeleitet haben, vielleicht mag auch
beides Zusammentreffen. Tatsächlich sehen wir im Gebiete des
Golfes von Ismid jetzt Anzeichen niedrigeren Wasserstandes als er
ihn früher hatte.
An vielen Stellen läßt sich eine, allerdings nicht ganz regel-
mäßige Terrasse an der Südküste der Halbinsel verfolgen, deren
Höhe ich leider nicht in Meterzahl angeben kann, die aber, falls
es sich nicht um zwei verschiedene Terrassen handelt, was ich
jedoch nicht glaube, im Osten höher liegt, als im Westen. Ebenso
spricht der Zuwachs an Land längs des ganzen Golfes für eine
negative Strandverschiebung in jüngerer Zeit.
Fitzxeh1 führt schlagende Beispiele für Landzuwachs im Osten
des Golfes in großer Zahl au. Ich will nur hervorheben, daß die
ganze Ebene von Ismid, deren Niederschlagsgebiet im ganzen
höchstens 400 qkm umfaßt, während sie selbst etwa 35 qkm mißt,
aus jüngsten Ablagerungen besteht. Das weit in den Golf hinaus-
geschobene Delta des Yalak Dere habe ich bereits erwähnt. Aber
auch weiter im Westen sehen wir bei Tuzla, wie sich zwischen
die alten Gesteine des Festlandes und die des St. Georgkaps junge
Schwemmassen gelegt haben, die nun beide verbinden 2.
Trotzdem hat der Golf von Ismid noch beträchtliche Tiefen,
die stets der Südseite näher liegen als der Nordseite. Vier Ab-
schnitte lassen sich im Golfe unterscheiden:
1. Der östlichste von der Ebene von Ismid bis zur Ein-
schnürung beim Kavak Burnu; die größte Tiefe ist 22 in, die
größte Breite 5 km.
2. Der breitere Teil von hier bis zum Dil Burnu, dem
Drepanon der Alten, mit 100 m größter Tiefe und 10 km
größter Breite.
3. Der Teil bis zur Enge zwischen Dardja Burnu und
Tschatal Burnu mit 110 m größter Tiefe zwischen den beiden Kaps.
4. Der äußere Teil, im Westen mit Tiefen über 1000 m.
Viel langsamer fällt der Meeresgrund an der Nordküste der
bithynischen Halbinsel ab. Im allgemeinen läuft die — 20 m-
Kurve in 4 — 5 km Entfernung von der Küste. Trotzdem also
1 a. a. 0. p. 54.
* Toüla, Geologenfahrten am Marmarameere. p. 11.
8
P. Kessler, Zur jüngeren
der Abfall viel flacher ist und bei weitem größere Wasserläufe
in das Schwarze Meer als in den Golf von Ismid münden, hat
sich keiner der Flüsse ein Delta in das Meer vorbauen können.
Im Gegenteil, einige enden an Limanen und Buchten.
Um festzustellen, ob diese Verhältnisse allein durch ein An-
steigen des Spiegels des Schwarzen Meeres oder auch durch ein
Sinken der Nordküste der bithynischen Halbinsel eingetreten sind,
müssen weitere Gebiete in Betracht gezogen werden.
Am Schwarzen Meere lassen sich die Limane vom Asowschen
Meer längs der Nordküste und Westküste bis zum Bosporus und
dessen Umgebung verfolgen.
Am Bosporus selbst liegen einige Limane, von denen der
bekannteste das Goldne Horn ist, das den auf etwa 7 km Er-
streckung überschwemmten Unterlauf des Kiathane Su und Alibey
Su darstellt. Ferner sind die westlich von Konstantinopel in das
Marmarameer mündenden Buchten von Kiitschiik- und Biijük-
Tschekmedje Limane.
An der Südküste der Krim, im Osten und Süden des Schwarzen
Meeres fehlen die Limane. An den Vorbergen des Kaukasus enden
nach Hörnes 1 sogar die Täler hoch oben an einem Steilabfall.
Daraus könnte man wohl den Schluß ziehen, daß das ganze Gebiet
um das Schwarze Meer in jüngerer Zeit eine Bewegung derart
durchgemacht habe, daß sich der westliche und nordwestliche Teil
gesenkt, der östliche und südöstliche sich gehoben habe. Damit
in Übereinstimmung zu stehen scheint, daß die Verbindung des
Schwarzen Meeres mit dem Kaspischen durch die Manytschmeer-
enge in einer gewissen Zeit des Quartärs noch bestanden hat,
jetzt aber unterbrochen ist. Diese Bewegung des Schwarzen
Meeres müßte sich zeitlich durch die Ablagerungen an den Limanen
feststellen lassen. Man wird wohl kaum bezweifeln, daß die
sämtlichen Limane ziemlich gleichaltrig sind. Der Miusliman, an
der Nordküste des Asowschen Meeres, westlich von Taganrog, ist
nach den Untersuchungen Sokolows2 in braune Mergel und
Lehme und tiefer in Ablagerungen mit Päludina diluviana und
anderen Südwasserformen, von denen ich hier nur Dreissensia
rostriformis nennen will, eingeschnitten. Nimmt man die Schichten
mit Päludina diluviana als altglacial oder auch vielleicht prä-
glacial an, so muß das Einschneiden der Flüsse nicht unwesentlich
jünger sein, da sie ja auch noch die diese bedeckenden mächtigen
braunen Mergel durchschnitten haben.
Das tiefe Einschneiden der Flußtäler an der Nordküste
Bithyniens, das die Ursache zur Bildung der kleinen Limane war,
1 a. a. 0. p. 17.
1 Der Miusliman und die Entstehungszeit der Limane Südrußlands.
Verli. d. russ. kaiserl. Mineralog. Ges. in St. Petersburg. 2. Ser. 40. 1902.
(Zit. nach Hörnes p. 19.)
geologischen Geschichte der Bithynischen Halbinsel.
9
fällt also wahrscheinlich auch in diese Zeit. Die Senkung des
Landes oder das Ansteigen des Wasserspiegels, das die Täler
unter Wasser gesetzt hat, muß also noch in jüngerer Zeit er-
folgt sein.
Sprechen, wie oben gezeigt, die Verbreitung der Limane im
Westen des Schwarzen Meeres und das Fehlen aller Anzeichen
einer positiven Strandverschiebung im Osten anscheinend für eine
Senkung im Westen und eine Hebung im Osten, so scheinen sich
doch Einwände geltend machen zu lassen.
Der wichtigste ist die Verbreitung der Dreissensia rostri-
formis auf dem Grunde des Schwarzen Meeres. Diese kommt heute
subfossil in Tiefen bis zu 800 m vor. Man darf aus ihrer Dick-
schaligkeit, die auf ein Leben im seichten Wasser deutet, schließen,
daß entweder seither der Spiegel des Schwarzen Meeres gestiegen
sei, oder der Boden sich gesenkt habe. Die Dreissensia soll nun
nach Hörnes1 ringförmig die größten Tiefen des Schwarzen
Meeres umschließen. Wäre das wirklich so, daß die Verbreitung
der Dreissensia an bestimmte Isobathen gebunden wäre 2, so spräche
das allerdings gegen jede einseitige Bewegung am Schwarzen
Meere. Tatsächlich sagt aber auch Hörnes, daß die Dreissensien
sich in verschiedenen Tiefen finden. Eine von Andrussow gegebene
Karte 3 des Schwarzen Meeres zeigt nun allerdings drei Stellen
mit Dreissensia rostriformis zwischen den Isobathen von 100 und
500 Faden, aber auch eine bei — 30. Als beim Miusliman über
dem jetzigen Wasserspiegel liegend ist vorhin schon ein Punkt
erwähnt worden. Noch weitere Daten führt Hörnes nach Andrussow
an und zwar die Tiefen von 48, 50, 53, 105, 240, 363, 387
Faden (zu 6 Fuß). Ich glaube daher, daß man aus der Ver-
breitung der Dreissensia keinerlei Schlüsse auf gleichmäßiges
Steigen des Wasserspiegels oder gleichmäßiges Sinken des Unter-
grundes ziehen darf.
Unter den Gründen, die für eine Hebung im Osten sprechen,
wurde das Enden der Täler hoch über dem Wasserspiegel er-
wähnt. Hörnes4 führt dieses nicht auf jüngere Hebung zurück,
sondern darauf, daß „die Zerstörung des Landes durch das Meer
hier so rasch eingreift, daß sie der Erosion voraneilt.“ Wenn
aber das Steigen des Wasserspiegels die Überschwemmung der
Limane veranlaßt hätte, ist nicht einzusehen, warum am Tieflande
von Kolchis , an dem nur verhältnismäßig unbedeutende Flüsse
münden, ein bedeutender jüngerer Landzuwachs stattgefunden hat.
1 a. a. 0. p. 15.
1 Sokolow, Über die Entstehung der Limane Südrußlands. Memoires
du comite geologique. X. 4. 1895. p. 96. (Zit. nach Hörnes p. 15.)
3 La Mer Noire. Guide des excursions du VII Congres g6ol. Intern.
1897. XXIX.
4 a. a. 0. p. 17.
10
P. Kessler. Zur jüngeren
Immerhin mögen auch erhebliche Schwankungen des Wasser-
spiegels durch klimatische Einflüsse erfolgt sein, aber die Haupt-
ursaclie des Ertrinkens der alten Flußtäler scheint mir eine Senkung
im Westen des Schwarzen Meeres zu sein.
Ich glaube, daß man die Verhältnisse vom Schwarzen Meer
auch auf die bithynisclie Halbinsel übertragen darf und annehmen
kann, daß sie zur selben Zeit wie die russischen Limane eine
Senkung erfahren hat. Ob auch hier die Senkung im Westen
stärker war als im Osten, erscheint mir nicht ohne weiteres sicher.
Doch scheint mir folgendes dafür zu sprechen. Zurzeit als der
Bosporusfluß das Ägäische Festland nach Norden entwässerte,
bestanden, wie oben gezeigt, auch bereits die Flüsse Bitli3rniens,
vor allem das Eiwa Dere. Die Flüsse der europäischen Halbinsel,
deren Hebungsvorgänge wohl etwas anders verliefen als die der
asiatischen, fließen nach Südosten, mündeten also in den Bosporus-
fluß. Jetzt ist im Schwarzen Meer die 50 m-Isobathe von der
Riwamündung nur wenige Kilometer weiter entfernt, als von dem
Eingang der Bosporusstraße in das Schwarze Meer. Die Erosions-
basis der nach Süden fließenden Flüsse auf europäischer Seite
muß also mindestens ungefähr ebenso hoch gelegen haben als
die der bithynisclien. Nun haben die bei Büjiik und Kiitschiik-
Tschekmedje (18 und 35 km westlich Konstantinopel ) mündenden
Flüsse große Limane, die an der bithynisclien Nordküste münden-
den nur unbedeutende. Da ihre Länge und die Höhe ihrer ehe-
maligen Erosionsbasis ungefähr dieselbe ist, wenn letztere für die
bithynisclien nicht noch niedriger lag, scheint mir die verschiedene
Limanenbildung sich nur durch verschiedene Senkung erklären zu
lassen. Allerdings könnte man einwenden, daß die Buchten von
Kütschük- und Büjiik-Tschekmedje in das niedere Gelände der weichen
Tertiärmergel eingeschnitten sind, während das Riwa Dere am
Steilabfall der harten Devonschiefer sich nur ein schmales Tal graben
konnte. Aber das Goldne Horn ist ja in dieselben Devonschiefer
des Steilabfalls der Perafläche eingeschnitten. Allerdings könnte
auch die ehemalige Nordküste, an der sich größere Limane be-
funden hätten , durch die kräftigere Brandung des Schwarzen
Meeres nach Süden verlegt worden und die Limane so zerstört
sein; aber an der europäischen Siidküste müßten trotz geringerer
Brandung ähnliche Vorgänge stattgefunden haben, da hier weit
weichere Gesteine anstehen.
Noch ist die Frage zu erörtern, ob die Überschwemmung der
Flußtäler vor oder nach dem Einbruch des Golfs von Ismid statt-
gefunden hat. Keinerlei gehobene marine oder auch süße Ab-
lagerungen — das Eindringen des Meeres braucht nicht mit dem
Niedergehen des Golfes zusammenzufallen — aus jüngerer Zeit geben
uns an der Siidküste Bithyniens hierüber Aufschluß. Zwar ist
auch auf dem Grunde des Bosporus und des Marmarameeres Breis-
geologischen Geschichte der Bitbynischen Halbinsel.
11
sensia rostriformis gefunden worden , so eine Verbindung eines
einstigen süßen Marmarabeckens mit dem Schwarzen Meer durch
ein bereits versunkenes Bosporustal beweisend, wenigstens nach
der Anschauung vieler Autoren, ob sie aber auch subfossil im
Golfe von Ismid vorkommt, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls
glaube ich nicht, daß man die noch jetzt zahlreichen Erdbeben
an der Südküste der bithyuischen Halbinsel als Beweis des ganz
jungen Einbruchs anführen kann, denn nach dem oben ausgeführten
scheint sein ganzes Gebiet gerade in der Hebung begriffen zu
sein oder war es wenigstens vor kurzer Zeit.
Möglicherweise hat die Hebung des ganzen südlichen Gebietes,
die ja bereits vor Anlage der Flußtäler der bithynischen Halb-
insel bestanden und diesen ihre Richtung vorgeschrieben hat, seither
nicht zu wirken aufgehört, wobei allerdings im Westen nur eine
äußerst schwache Hebung eingetreten sein kann, da sonst das
Gefälle des Bosporus nach Norden stärker sein müßte. Im Osten
scheint sie kräftiger zu sein und hebt nun, nachdem der Ein-
bruch des Golfs von Ismid zur Ruhe gekommen ist, samt dem übrigen
Gebiet auch die von seinem Wasser bedeckte Fläche.
Ferner bleibt noch die Frage offen, wann das Mittelmeer mit
dem Schwarzen Meere in Verbindung trat. Wohl gleichzeitig mit
der Überflutung der Limane und in ursächlichem Zusammenhang
mit der Senkung, die ihre Überflutung hervorgerufen hat, drang
das Mittelmeer in den Pontus ein und brachte sein Salzwasser
bis weit in die Mündungen der alten Flüsse, in denen nun
Austern, Pecten und andere Seetiere leben konnten ü Es liegt
natürlich sehr nahe, den niedrigen Wasserstand, bei dem das allein
möglich war, nur auf klimatische Ursachen zurückznführen, da ja
auch heute die großen Binnenmeere der abflußlosen Gebiete viel-
fach ihren Spiegel unter dem des Meeres haben. Es scheint mir
aber, als habe auch im Schwarzen Meere selbst eine Senkung
gewirkt. Im Pontus läßt sich, wie bereits gesagt, das Bett des
Bosporusflusses bis zur 200 m-Isobathe verfolgen. Auf der etwa
16 km weiten Entfernung von der Isobathe 50 bis zur Isobathe
100 fällt der alte Lauf mit ungefähr 3 zu Tausend. Auf der
6 km weiten Entfernung von der Isobathe 100 bis zur Isobathe
200 aber mit dem ganz abnormen Gefäll von ungefähr 1,7 zu
100. Ein derartiges Gefälle hätte allerdings vielleicht bei einem
schnellen Sinken des Spiegels des Pontus entstehen können, wäre
aber bald wieder geringer geworden. Aber auch im Süden des
Marmarameeres kann man das Bett des Ägäischen Flusses bis
unter die 100 m-Linie verfolgen. Hier ist es ausgeschlossen, die
tiefe jetzige Lage anders als durch Senkung zu erklären und ich
Sokolow, a. a. 0. p. 103. (Zit. nach Hörnes a. a. 0. p. 23.)
12
P. Kessler, Zur jüngeren geologischen Geschichte etc.
Marmarameer und Ägäis
nach Hörnes
Bithynische Halbinsel und
benachbarte Gegenden
Fluviatile Ablagerungen am Helles-
pont mit der Pikermi-Fauna,
wahrscheinlich gleichzeitig mit den
Schotterablagerungen imBelgrader
Wald hei Konstantinopel. Beginn
der Entwässerung des ägäischen
Festlandes gegen den Poutus.
Das alte gefaltete und verworfene
Gebiet der Bithynischen Halbinsel
und des Bithynischen Festlandes
ist allmählich zur Peneplain ge-
worden.
Paludinenseen auf dem ägäischen
Festland, Bildung der Dreissensien-
und Cardienschichten von Gallipoli.
Der ägäische Fluß bildet die oberen
„reifen“ Täler der Dardanellen und
des Bosporus.
Die Peneplain hebt sich allmählich,
und zwar im Süden stärker als im
Norden. Beginn der Herausbildung
der nach Norden fließenden Flüsse.
Einschneiden der canonartigen Tiefen
des Bosporus und der Dardanellen,
des Goldenen Horns und anderer
Limantäler (Kütschük- undBiijük-
Tschekmedje). Beginn des Ein-
bruchs der Ägäis, Eindringen des
Mittelmeeres vom Süden her.
Vertiefung der Flußtäler.
Auch der nördliche Teil der Ägäis
geht zur Tiefe. Eindringen des
hochstehenden Mittelmeeres in die
Dardanellen , das Marmarameer
und den Bosporus. Hochliegende
mediterrane Ablagerungen an den
Dardanellen und an der Nordküste
des Marmarameeres.
Einbruch des Ismider Grabens. Kurze
Bäche bilden sich an seiner Nord-
küste und dringen räuberisch in
das Gebiet der nach Norden fließen-
den älteren Bäche vor, teilweise
ihr Bett benutzend. Eindringen des
Mittelmeers. Senkung im west-
lichen Teil der Halbinsel. Über-
schwemmung des Bosporus und
anderer Flußtäler durch Senkung
im Westen.
Übergang in die heutigen Ver-
hältnisse; Ausbildung der oberen
ausgesüßten und der unteren
salzigen Gegenströmung im Bos-
porus, welche immer weniger im-
stande ist, das Gleichgewicht her-
zustellen.
Durch starken Landzuwachs und ge-
hobene Küstenterrassen zeigt sich
eine Hebung im Süden, besonders
im Südosten der Halbinsel.
Th. Kormos, Kleinere Mitteilungen a. d. ungar. Pleistocän. 13
glaube, daß mau ebenso auch am Pontus junge Senkung als Ur-
sache der tiefen Lage des alten Flußlaufes annehmen kann. Man
wird wohl dieser Senkung, die wahrscheinlich zeitlich und ursächlich
mit der Senkung des ganzen westlichen Schwarzen Meergebietes
zusammenfiel , neben klimatischen Einflüssen den niederen Stand
des Schwarzen Meeres zu damaliger Zeit zuschreiben müssen.
Im wesentlichen nur auf klimatische Einflüsse will Hörnes die
Verschiebungen im Stande des Pontus zurückführen uud darin kann
ich ihm nach allem bisher ausgeführten nicht beistimmen. Das
ändert aber nicht, daß sich die zeitliche Folge der Vorgänge, wie
ich sie aus der Morphologie der bithjmischen Halbinsel geschlossen
habe, mit der von Hörnes für das Marmarameer und die Ägäis
gegebenen gut vereinbaren läßt. Die Einordnung der Vorgänge
in die geologischen Zeiträume, die noch nicht ganz geklärt zu
sein scheint, will ich bei dem Vergleiche mit der Darstellung von
Hörnes 1 lieber weglassen, ebenso wie den an derselben Stelle
gegebenen Überblick über die Geschichte des Schwarzen Meeres,
bei dem sich der "Widerspruch mit meiner Auffassung allzusehr
geltend macht.
Nicht eine erschöpfende Darstellung der jüngeren geologischen
Geschichte Bithyniens sollen die vorangehenden Zeilen geben,
sondern nur ein paar Schlüsse aus der Morphologie sollten gezogen
werden. Auch diese sehe ich keineswegs als unumstößlich an.
Neuere Untersuchungen können vielleicht manches in anderem
Lichte erscheinen lassen , für manches aber auch neue Beweise
bringen. Nur weniges ist bisher zur geologischen Untersuchung
Bithyniens geschehen und genauere Untersuchung wäre dringend
wünschenswert.
Kleinere Mitteilungen aus dem ungarischen Pleistocän.
Von Dr. Th. Kormos.
1. Neue Vogelarten aus der Felsnische Puska-
poros bei Hämor.
Herr Oberlehrer W. Capek, der bekannte mährische Orni-
thologe, hatte die Freundlichkeit, neuerdings wieder mehrere aus
der Felsnische Puskaporos bei Hämor (Kom. Borsod) stammende
Vogelreste zu untersuchen. In diesem Material befinden sich —
abgesehen von Arten , welche aus dieser Nische bereits bekannt
sind1 2 — mehrere Vögel, die von hier bisher nicht nachgewiesen
waren. Ich kann über folgende Arten berichten :
1 a. a. 0. p. 63.
2 Th. Kormos, Die pleistocäne Fauna der Felsnische Puskaporos bei
Hämor. Mitteil. a. d. Jahrb. k. ung. geolog. Eeichsanst. Bd. XIX. H. 3.
14
Tb. Kormos,
1. Falco peregrinus Tunst.
2. Numenius (phaeopus L. ?)
3. Coturnix coturnix L.
4. Anas boscas L. «rul
5. Mer g us albellus L.
Mit diesen 5 Arten , welche in der pleistocänen Vogelfauna
Ungarns durchweg neu sind, hat sich die Zahl der aus der Puska-
poros bekannten Vogelarten auf 35 erhöht.
2. Noch etwas über die Tundrafauna von Köszeg.
Dieses Thema wurde von mir unlängst etwas näher be-
sprochen *. Das Material meiner diesbezüglichen Untersuchungen
stammt aus den Händen des Herrn kgl. Ungar. Reichsgeologen
E. v. Maros, der dasselbe im Jahre 1904 sammelte. Dem Letzt-
genannten gelang es damals unter anderem auch einige wohl-
erhaltene Reste (7 Unterkieferhälften und 1 Schädelbruchstück) des
Halsbandlemmiugs ( Dicrostonyx torquatus foss. Nhrg.) zu sammeln,
eines Tieres, welches für die hocharktischen Tundren charakte-
ristisch ist.
Während des vergangenen Jahres bot sich mir Gelegenheit,
diesen interessanten Fundort mit meinem Freund v. Maros be-
suchen zu können. Derselbe befindet sich in dem — am Sza-
böhegy gelegenen — SAYBOLD’schen Phyllitbruch, wo wir diesmal,
außer einigen von hier bereits bekannten Arten , auch Reste
anderer Tiere vorfanden. Es sind das:
Putorius nivalis L.
Microtus nivalis Martins
„ grcgalis (Pallas)
Lcpus europaeus (Pallas) und
Cr ex er ex (L.)
aus dem Stamm der Vertebraten und
Fruticicola slrigella Drap.
Eulota fruticum Müll, und
Taehea vindobonensis Fer.
von den Mollusken.
Durch einen eigentümlichen Zufall konnten wir bei dieser
Gelegenheit gar keine Lemmingreste antreffen.
3. Ein pleistocäner Schlupfwinkel des Sieben-
schläfers.
Ebenfalls bei Köszeg, im Gneisbruch unterhalb der Kalvarie,
im Gyöngyösbachtal fanden wir die Spuren eines pleistocänen
Schlupfwinkels des Siebenschläfers (Glis glis L.). In diesem Stein-
1 Th. Kormos, Über eine arktische Säugetierfauna im Pleistocän
Ungarns. Dies. Centralbl. 1911. p. 300 — 303.
Kleinere Mitteilungen aus dem ungarischen Pleistocän.
15
hrucli entdeckten wir nämlich eine mit Bohnerz ausgefüllte verti-
kale Spalte , aus welcher die Knochenreste dieses Nagetiers in
großer Anzahl zutage kamen. Knochen anderer Tiere sind uns
von hier nicht zu Händen gelangt. Deshalb und weil an dieser
Stelle auch benagte und ganz fossil aussehende Haselnüsse vor-
liegen , ist es klar , daß die Siebenschläfer im Pleistocän hier
hausten.
4. Glis glis L. aus dem Pleistocän des Komitats
Komärom.
Herr H. Horusitzky, kgl. Chefgeologe, sammelte im Jahre
1900 bei Baromlak (Kom. Komärom) in einer Tiefe von 3 m
aus dem — unter den Lößschichten gelagerten — Sand nebst
einigen Mollusken (Succinea oblonga Drap., Limnaeus stagnälis L.,
Bithynia ventricosa Gray und Sphacrium corneum Müll.) mehrere
Nagetierknochen (3 Femora, 1 Tibia, 3 Ilei). Dieselben lagen
bisher unberührt in unserem Museum, bis ich unlängst Gelegen-
heit hatte, die Stücke zu untersuchen. Nun kann ich aber mit-
teilen , daß die erwähnten Knochen ohne Ausnahme den Sieben-
schläfer (Glis glis L.) repräsentieren.
5. Das erste Vorkommen des Microtus ratticeps
Keys, et Blas, im Löß des Alföld.
Herr kgl. Chefgeologe P. Treitz sammelte im Jahre 1902 um
die Lößkeller der Gemeinde Solt (Komitat Pest) aus dem Löß
eine Anzahl kleiner Knochen , welche aber zu näheren Unter-
suchungen größtenteils nicht geeignet sind. Unter diesen Resten
befanden sich jedoch auch zwei Unterkieferbruchstücke , dessen
eines von einem Hamster ( Cricetus cricetus L.), das andere aber
von Microtus ratticeps Keys, et Blas, herrührt. Letzterer ist be-
kanntlich ein nordisches Tier, welches sich als Relikt aus der
Glazialperiode in Ungarn (Csallököz) bis zum heutigen Tage er-
halten hat.
Aus dem ungarischen Pleistocän ist dieses Tier schon mehr-
fach nachgewiesen (Höhlen von Novi und O-Ruzsin , Höhlen des
Biikkgebirges , Köszeg), wurde aber im Löß des Alföld (große
ungarische Ebene) bisher nicht gefunden. Dieser Fund zeigt uns
deutlich , daß die weit ausgedehnten Lößdistrikte des ungarischen
Alföld in faunistischer Hinsicht noch viel des Interessanten bieten
werden.
6. Cricetulus phaeus (Pallas)? am Fuße des Velebit-
geb irge s.
Herr Prof. Dr. A. v. Dügen entdeckte im Jahre 1910 bei
Carlopago in Kroatien (Komitat Lika-Krbava) eine Knochenbreccie
und hatte die Freundlichkeit, mir von diesem einige Belegstücke
zur Untersuchung zu übergeben. Der Fundort befindet sich in
dem Punta Tatina genannten Tal.
Die untersuchten Stücke bestehen aus einem fest verkitteten
16 Th. Kormos, Kleinere Mitteilungen a. d. Ungar. Pleistocän.
Kalksteinmaterial und zeigen hier und dort Knochenspuren. Durch
Zerschlagen der Breccienstücke gelang es mir , mehrere Knoclien-
bruchstücke und kleine Zähnchen los zu lösen, unter welchen ich
einen kleinen Teil aus dem Unterkiefer eines Marder -artigen
Kaubtieres, einen halben oberen Hirschzahn, Zähne und
Unterkieferbruchstücke zweier — bisher näher nicht bestimmten —
Microtus- Arten , einen sehr eigentümlichen und mir gänzlich un-
bekannten wurzeligen Zahn eines W ü li lmaus- artigen Tieres,
einen zahnlosen , linken Unterkieferast eines Cricetulus , und das
Pygale einer großen Schildkröte (Testudo?) feststellen konnte.
Letzteres hat viel Ähnlichkeit mit jenem meiner großen plioeänen
Art (Testudo?) von Polgärdi.
Der erwähnte Unterkiefer eines Cricetulus zeigt so große Ähn-
lichkeit mit jenem des von verschiedenen Punkten Ungarns be-
kannten fossilen C. pliacus Pallas , daß ich denselben — wenn
auch keine Zähne vorhanden sind — in den Formenkreis dieses
kleinen Steppenhamsters verweisen zu dürfen gedenke. Sollte sich
an dieser Stelle ein ausgiebigeres Material vorfinden, so dürften bei
dem Vergleich noch die Arten C. arenarius (Pallas), C. songarus
(Pallas) und hauptsächlich C. atticus Nhrg. mit in Betracht ge-
zogen werden. Meines Wissens ist das Vorkommen im Pleistocän
bei Carlopago das südlichste dieser Tiergruppe. Letzterer Um-
stand, sowie auch die übrigen Beziehungen dieser Fauna verdienen
wohl eine weitere Beachtung.
7. Ein interessantes Rehgehörn aus dem pleisto-
cänen Süß wasser kalk von Süttö.
Herr kgl. Sektionsgeologe Dr. A. Liffa erfreute mich im ver-
gangenen Jahre durch ein — in dem Aprili’schen Kalksteinbruch
bei Süttö — gefundenes interessantes Rehgehörn. Dasselbe ist
ein abgeworfenes Stück, von welchem der größte Teil der Stange
fehlt. Letztere ist oberhalb der Rose 36 mm breit und 30 mm
dick, also breit und flach. Die Augensprosse zeigt schon an der
Stangenbasis die Tendenz zur Abzweigung. In einer Höhe von
54 mm über die Rose sehen wir einen breiten Sattel, aus welcher
die 00 mm lange Augensprosse, mit der Stange einen sehr spitzeu
Winkel bildend , steil emporragt. Auf dem Gehörn selbst sind
keinerlei Spuren einer Verletzung oder gar Abnormität zu sehen.
Die niedrige Stellung der Augensprosse einerseits, die Länge und
die steile Richtung derselben anderseits verleihen diesem Gehörn
ein besonderes Interesse. Das sind nämlich Charaktere , welche
bei dem heutigen Rehgehörn nur in den seltensten Fällen Vor-
kommen, die aber unserem Stück ein gewisses, Dicroceras- ähnliches
Aussehen verleihen. Bei dem mioeänen Dicrocerus ist das Gehörn,
wie bekannt, meist zweispitzig, d. i. „Gabler“ und die Verzweigung
der Sprossen beginnt knapp oberhalb der Rose. Bei dem Reh
dagegen steht die Basis der Augensprosse in den meisten Fällen
P. Kaemmerer, Versuch zu einer neuen Deutung etc.
17
sehr hoch an der Stange, so daß das Gehörn von Siitt« in dieser
Hinsicht eine Mittelstellung zwischen Capreolus und Dicrocerus eiu-
nimmt. Ich denke wohl nicht irre zu gehen, wenn ich behaupte,
Maß uns diese Erscheinung einen interessanten Fall des Ata-
vismus zeigt.
8. Neuere Beiträge zur Fauna des kroatischen
Karstes.
Ich habe bereits über meine Ausgrabungen Bericht erstattet,
durch welche im Jahre 1911 die ersten Spuren des pleistocänen
Urmenschen im Karstgebiete zum Vorschein kamen '. Die Höhle,
wo diese Ausgrabungen stattfanden , liegt in der Umgebung der
Gemeinde Lokve, am Slemeberg, in einer Höhe von 864 m ii. d. M.
und ist in meinem zitierten Aufsatz eingehender beschrieben. Im
Sommer 1912 setzte ich hier die Ausgrabungen fort , doch das
Ergebnis war jetzt unzureichend. Es stellte sich heraus, daß
der Urmensch sich in dieser Höhle nur vorübergehend aufhielt
und hier kein beständiges Heim hatte. Auch die Fauna ist sehr
arm , denn außer den sehr häufigen Bärenknochen sammelte ich
das erstemal nur einige, allenfalls sehr interessante Pantherreste.
Meine diesjährigen Arbeiten werden an der Fauna nicht viel ändern,
es ist aber immerhin erwähnenswert, daß bei dieser Gelegenheit
ein oberer rechtsseitiger Nagezahn eines Murmeltieres ( Arctomys
marmota Schreb?) und ein Tarsometatarsus eines Alpenschnee-
huhus ( Layopus mutus Montin) zum Vorschein kamen. Das Murmel-
tier ist bei Krapina in zahlreichen Überresten gesammelt worden,
für das Karstgebiet ist aber sein Vorkommen im Pleistocän neu.
Ebenfalls neu, ja sogar für Kroatien und Slavonien überhaupt, ist
meines Wissens das Vorhandensein eines Alpenschneehuhns in
dieser Fauna.
Versuch zu einer neuen Deutung der Struktur des Meteor-
eisens von Carthage (Tennessee).
Von Paul Kaemmerer in Dresden.
Mit G Textüguren.
Bei der Durchsicht der Meteoreisen-Sammlung im Kgl. Mineralog.
Museum zu Dresden fiel ein Stück des 1840 gefundenen Eisens1 2
von Carthage (Tennessee), das bisher als Oktaedrit mit
1 Kormos, Die ersten Spuren des Urmenschen im Karstgebiete. Mit
Taf. II u. Fig. 15 — 17. Mitteilungen aus der Höhlenforschungskommission
d. ung. geol. Gesellsch. Jahrg. 1912. Heft 1. p. 97.
- Troost, Description of three varieties of Meteoric Iron. 1. Meteoric
Iron from Carthage, Smith County, Tennessee. Am. Journ. (2.) 2. p. 356 f.
1846. Wegen der übrigen Literatur über das Meteoreisen von Carthage
vergl. E. A. Wülfing, Die Meteoriten in Sammlungen, p. 64. 1897.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913. 2
18
P. Kaemraerer, Versuch zu einer neuen Deutung
mittleren Lamellen* 1 registriert war, durch die eigenartige
Anordnung der Lamellenspuren auf der Hauptschnittfläche auf, die
sich scheinbar mit der angenommenen Oktaedritstruktur nicht ver-
einigen ließ. Herr Dr. Schreiter, der mich hierauf aufmerksam
machte, regte mich zu einer Entscheidung der Strukturfrage an.
Herr Geheimrat Prof. Dr. Kalkowsky stellte mir in liebenswürdiger
AVeise die beiden im Museum vorhandenen Stücke des Eisens von
Carthage, ferner ein Stück aus der Sammlung des Mineralogischen
Instituts der Kgl. Techn. Hochschule zu Dresden zur Verfügung;
ebenso wurde mir die vorhandene Literatur zugänglich gemacht.
Für alles Entgegenkommen möchte ich auch an dieser Stelle meinen
Dank aussprechen.
Da zunächst vermutet wurde, das vorliegende Eisen könnte
zu dem Typus gehören, den F. Rinne bei dem Meteoreisen von
Goamus, Farm Gibeon, D.-S.-AV. -Afrika, als Tesseraoktaedrit
beschrieben hat2, so wurde dieses Stück aus der Leipziger
Sammlung zum Vergleich erbeten. Es wurde in dankenswerter
Weise bereitwilligst zur Verfügung gestellt, erwies sich aber als
gauz anders geartet wie das hier vorliegende. Das Eisen von
Carthage ist also jedenfalls kein Tesseraoktaedrit.
Fig. 1. Lage der vier Lamellenscharen.
Die Betrachtung des Eisens zeigt, daß die Kamazitlamellen
vier Haupt scharen bilden , also parallel vier verschiedenen
Ebenen laufen und auf jeder Schnittfläche im allgemeinen vier
verschiedene Richtungen der Lamellenspuren erkennen lassen. Unter
den vollständigen Kristallformen der Holoedrie des regulären Systems
findet sich nun allerdings nur das Oktaeder als die Form, die
aus vier verschieden gerichteten Ebenen aufgebaut ist. Dennoch
ergibt eine andere Überlegung, daß das vorliegende Eisen kein
Oktaedrit sein kann. Eine der seitlichen Begrenzungs-
flächen (Fig. 1, AB CD) ist nämlich nahezu einer Lamellen-
schar parallel, zeigt demgemäß nur drei Spurenrichtungen.
Eine von diesen Spuren nun steht annähernd senkrecht
1 Auskunft über Strukturarten der Meteoreisen gibt E. Cohen,
Meteoritenkunde. 1894 — 1905.
1 F. Rinne, Ein Meteoreisen mit Oktaeder- und AVürfelbau (Tessera-
oktaedrit). N. Jahrb. f. Min. etc. 1910. I. p. 115.
der Struktur des Meteoreisens von Carthage (Tennessee).
19
auf der Hauptschnittfläche des Eisens (Fig. 1 , C D E F) ;
diese selbst zeigt wieder vier Spurenrichtungen, je zwei nahezu
senkrecht zueinander. Wäre also die Struktur oktaedritisch , so
müßte die seitliche Begrenzungsfläche einer Oktaeder-
fläche parallel, die Hauptschnittfläche zu einer
Oktaeder kante senkrecht stehen, d. h. parallel einer Fläche
des Rhombendodekaeders sein. Untersucht man aber, welche
Spuren entstehen, wenn ein Oktaeder nach der Fläche des Rhomben-
dodekaeders geschnitten wird, so ergeben sich nur drei ver-
schiedene Spuren. Diese bilden, wie sich durch Rechnung oder
Konstruktion leicht ermitteln läßt, ein gleichschenkliges Dreieck
mit den Basiswinkeln 54° 45'. Hat nun auch die Schnittfläche
nicht ganz genau die Lage der Dodekaederfläche, so ist doch eine
solche Abweichung, wie sie die Spurenrichtungen auf der Haupt-
fläche des Eisens gegen die oben genannten Richtungen aufweisen,
ausgeschlossen. Auch die Verfolgung der Übergangswinkel
der Lamellen an den Kanten läßt bald erkennen, daß hier eine
Anordnung nach Oktaeder flächen nicht vor liegt.
Fig. 2. Grundriß des Eisens I mit Lamellenspuren.
Da somit der Oktaedrittypus für das Meteoreisen von Carthage
nicht angenommen werden kann, so muß der Versuch gemacht
werden, die Anordnung der Lamellen unter einem anderen
Gesichtspunkte zu deuten.
Die Durcharbeitung verschiedener Möglichkeiten brachte mich
schließlich auf den Gedanken, daß die Lamellen des Eisens parallel
zu Flächen des Rhombendodekaeders gehen könnten. Dieser
Annahme stand zunächst im Wege, daß bei einem solchen Dode-
kaedertypus die Schnittflächen mehr Spuren zeigen müßten, als
vorhanden waren. Das nähere Studium zeigte dann, daß man eine
Erklärung der Struktur geben kann, wenn dem Aufbau des Eisens
ein Rhorabendodekaeder zugrunde gelegt wird, bei dem nur
die Zonen von zwei Hauptachsen ausgebildet sind, die Zone der
dritten Hauptachse aber fehlt, oder nur gelegentlich ganz
untergeordnet zur Geltung kommt. Wenigstens hat sich diese An-
nahme unter allen Möglichkeiten am besten bewährt. Ich gehe
nun etwas näher darauf ein.
Es lagen, wie erwähnt, drei Stücke des Eisens zur Unter-
2*
20
P. Kaemmerer, Versuch zu einer neuen Deutung
suchung vor. Das größte (I) hat die in Fig. 2 gezeichnete
Grundfläche und eine Höhe von durchschnittlich 0,9 cm. Die
Lamellenbreite schwankt zwischen reichlich 3 mm und 1 mm.
Außer der Ober- und Unterfläche bieten auch die nach AC und
AB geschnittenen Seitenflächen die WiDMANNSTÄTTEN’schen Figuren
dar. Der Taenit begleitet in ganz schmalen Bändchen den Kamazit ;
stellenweise ist er gar nicht zu Anden. Risse linden sich nach
allen Lamellenrichtungen hie und da ; das System der Lamellen
ist nicht ganz ungestört und macht einen sehr groben Eindruck.
Wesentlich das gleiche gilt von dem Stück II, das ein Teil-
stiick von I zu sein scheint, den Begreuzungsflächen nach zu ur-
teilen. Seine Grundfläche ist nur viel kleiner (Fig. 3) und es hat
fünf künstliche Flächen mit WiDMANNSTÄTTEN’schen Figuren.
Das Stück III ist eine anders als die vorigen orientierte Platte
mit lauter künstlichen Seitenflächen, von denen zwei zur Ober-
fläche schief, zwei nahezu senkrecht gehen. Den Grundriß zeigt
Fig. 4. Die Höhe ist etwa 5 mm.
Wo die Grobheit der Lamellen die Winkelmessuug zu un-
sicher machte, konnten mit Vorteil die zu den Lamellenspuren
parallelen Liniensysteme in den Plessitfeldern als Ersatz heran-
gezogen werden.
Ich erwähnte oben, daß die Hauptfläche von I und II nahezu
senkrecht steht zu einer in der einen Seitenfläche als Spur auf-
tretenden Kante. Deutet mau diese Kante nach der neuen Auf-
fassung als eine Dodekaederkante (die Kante c auf AB CD in
Fig. 1), so muß nun die Hauptfläche einer Oktaederfläche parallel sein.
Wird aber ein vollständiges Rhombendodekaeder nach einer
Oktaederfläche geschnitten , so entstehen 6 Spuren verschiedener
Richtung, von denen jede mit den benachbarten Winkel von 30°
bildet. Da nun nach unserer Annahme die Zone einer der Haupt-
achsen fehlen soll, so erhält man in diesem Falle nur vier Spuren-
richtungen, die der Reihe nach die Winkel 60°, 30°, 6 0°,
30° miteinander bilden. Diese vier Spuren zeigen sich nun tat-
sächlich auf der Hauptfläche des Eisens. Da diese, wie erwähnt,
Fig. 3. Grundriß des Eisens II
mit Lamellenspuren.
Fig. 4. Grundriß des Eisens III
mit Lainellenspuren.
der Struktur des Meteoreisens von Carthage (Tennessee).
21
nur angenähert die Lage einer Oktaederfläche hat, haben die
Winkel der Spuren natürlich nicht genau die oben genannten
Werte; sie liegen aber in der Nähe und auch die Größenänderung
erfolgt in dem gleichen Sinne. Aus der Abweichung ergibt sich
nun wieder die Möglichkeit, die Lage der Schnittfläche genauer
zu bestimmen, worauf ich noch eingehen werde. Was ferner
die liier gemachte Annahme stützt , ist der Umstand , daß die
Übergänge der Lamellenspuren an der Schnittkante tatsächlich in
der entsprechenden Weise stattfinden. Fig. 5 a stellt ein solches
„offenes“ Dodekaeder dar, bei dem die Zone der senkrechten Haupt-
achse fehlt. Es sind nur die vier Flächen a, b, c, d mit ihren
parallelen Gegenflächen vorhanden. Hat die vordere Fläche in
Fig. 1 etwa die Lage der Fläche d, so würde die Hauptfläche,
parallel einer Oktaederfläche, etwa die vier stark gezeichneten
Spuren auf a, b, c und d hervorbringen, während die punktierten
Spuren fehlen würden. Fig. 5 b zeigt die Platte der Fig. 1 zum
Vergleich mit dem Dodekaeder orientiert. Wie man sieht, ergeben
Lage der Hauptschnittfläche der Eisen I und II gegen das
unvollständige Dodekaeder.
sich die richtigen Übergänge der Spuren an der Kante C D hier aus
der Lage der Dodekaederflächen.
Bei genauer Absuchung waren übrigens auf jedem der Stücke
einige wenige und kurze Lamellenspuren zu finden , die sich im
Sinne der fehlenden Flächen dem ganzen System einzufügen schienen.
Die genauere Bestimmung der Lage der Hauptschnittflächen
zu den Flächen des Dodekaeders bezw. zum Achsensystem kann auf
die Verfahren gegründet werden, die für die oktaedrischen
Meteoreisen von A. Brezina1 2 und A. Himmelbauer 2 ausgearbeitet
worden sind. A. Brezina hat die Aufgabe rechnerisch behandelt
1 A. Brezina , Meteoritenstudien II. Über die Orientierung der
Schnittflächen an Eisenmeteoriten. Denkschr. d. K. Akad. d. Wissensch.,
math.-nat. Kl. 44. p. 121. 1882.
2 A. Himmelbauer, Orientierung von Schnittflächen an Meteoreisen.
Min.-petr. Mitt. 28. p. 153. 1909.
22
P. Kaemmerer, Versuch zu einer neuen Deutung
und für die Oktaedrite eine Tafel aufgestellt, aus der man mit
Hilfe der gemessenen Winkel der Lamellenspuren auf der Schnitt-
fläche die Lage dieser Fläche gegen das Achsensystem ermitteln
kann. Dieses Prinzip läßt sich natürlich auch auf das Dodeka-
eder übertragen. Die analytische Geometrie bietet die Formel,
aus der man den Winkel zweier Geraden im Raum berechnen
kann, wenn diese Geraden selbst durch die Gleichungen der sie
erzeugenden Ebenen gegeben sind. Ist etwa die Gerade Cj dar-
gestellt durch die beiden Ebenengleichungen :
y = mz + a
x = nz + b
eine andere Gerade G2 durch :
y = pz + c
x = qz + d,
so ergibt sich der Winkel </> zwischen G, und G2 aus:
1 + mp + nq
COS (f —
V (1 + nP + n2) (1 + p* + q2).
Z. B. ist x + y + z = 0 die Gleichung für die Oktaeder-
fläche (111). Die Dodekaederflächen (101) und (011) haben die
Gleichungen x + z = 0 und y -f- z = 0. Die Schnittgerade von
(111) und ( 1 0 1 ) wäre dann:
i (y = o
die von ( 1 1 1 ) und (011):
II.
y = — z>
x = 0
Hieraus folgt:
COS (f> I, II =
V 4
= = + l
Daher cp 1,11=60° bezw. 120°.
Es ist das der Winkel der Spuren a und b in Fig. 1 oder
Fig. 5 auf der Hauptschnittfläche.
Mit Hilfe dieser Formel könnte man also auch, wie A. Brezina
für das Oktaeder, für das Dodekaeder eine Tafel aufstellen, die
die Winkel der Schnittgeraden angibt, die bei wechselnder Lage
einer Ebene auf dieser von den sie schneidenden Dodekaederflächen
hervorgebracht werden.
Die allgemeine Lösung der Aufgabe , aus den auf der
Schnittfläche gemessenen Spurenwinkeln die Lage der Fläche gegen
die Achsen zu bestimmen, bietet algebraische Schwierigkeiten. Diese
können aber entweder auf die oben geschilderte Weise nach
A. Brezina oder auch so umgangen werden, daß man das graphische
Verfahren von A. Himmelbauer auf das Dodekaeder überträgt.
der Struktur des Meteoreisens von Carthage (Tennessee}.
23
A. Himmelbauer arbeitet mit dem WuLFp’schen stereo-
graphischen Netz unter einer Kugelprojektion des Oktaeders, die
auf durchsichtigem Papier gezeichnet ist. Er ermittelt den Pol
der Schnittfläche als den Schnittpunkt mehrerer Kurven, „Isoklineu“
genannt. Es gibt eine Keihe von Ebenen, auf denen die Schnitt-
geraden mit zwei bestimmten Oktaeder flächen immer den gleichen
Winkel bilden. Die zu dieser Ebenenreihe gehörigen Pole liegen
auf einer rIsoklineK.
Diese Isoklinenmethode läßt sich offenbar vom Oktaeder
sofort auf das Khombendodekaeder übertragen. Ich habe das bei
der vorliegenden Aufgabe ausgeführt, um so mehr, als die leider
X
Fig. 6.
Poltigur von zwei Zonen des Rliombendodekaeders (a, b, c, d), geschnitten
durch eine Oktaederfläche o und zwei an den Eisen I — III vorkommende
andere Flächen s, und s2.
nicht große Genauigkeit, mit der sich die Winkelmessungen an
den Lamellenspuren anstellen ließen, die rechnerische Mühe der
Tafelmethode nach A. Brezina nicht gelohnt hätte.
In der Fig. 6 ist zunächst die Polflgur des Rhombendodeka-
eders gezeichnet, wie es Fig. 5a entspricht, mit fehlender Zone
der Vertikalachse, a, b, c, d bedeuten die vier Flächen; A, B, C, D
ihre Pole. X, Y, Z bezeichnen die positiven Richtungen der Achsen.
Die in Fig. 5 a als schneidende Fläche angenommene Oktaederfläche
( 1 1 1 ) ist dann durch o mit dem Pol 0 dargestellt.
Die Ebene s, mit dem Pol S, ist die nach dem isoklinen
Verfahren genauer bestimmte Hauptschnittfläche der Eisen I und II.
24
P. Kaemmerer, Versuch zu einer neuen Deutung etc.
Diese Platten sind nicht genau planparallel ; die gezeichnete Fläche
hat die Lage, wie sie etwa den Mittelwerten der gemessenen
Spuren winkel entspricht: a, b = 50°, b, d = 32 °, «^ d, c= 59 °,
c, a = 39°. Diese Lage ist charakterisiert durch die Winkel
S1X=62°, S, Y = 52 S, Z = 5 1 0 gegenüber der etwas abweichen-
den Lage der Oktaederfläche 0, die bestimmt ist durch OX = OY
= OZ = 54° 45'.
Die Figur enthält schließlich noch die Hauptfläche s2 des
Eisens III mit dem Pol S2. Die Lage dieser Fläche ließ sich
ebenfalls graphisch durch die Isoklinen bestimmen mit Hilfe der
gemessenen Winkel der Lamellenspuren. Es fand sich im Mittel:
«£a, b = 50 °, b, c= 39°, ^ c, d=70°; d, a = 21°.
Daraus ergibt sich die Lage des Pols S2 derart, daß an-
nähernd S2 X = 8 1 °, S2 Y = 71 ü, S2 Z = 2 1 0 ist.
Die Spuren auf den Seitenflächen zeigten Eiclitungen , die
nach meiner Beobachtung mindestens qualitativ den Forderungen
genügten, die sich theoretisch auf Grund der graphischen Dar-
stellung an sie stellen ließen, besonders in bezug auf die Art
des Übergangs an den Kanten.
Nach alledem ordnet sich also auch das Stück III der An-
nahme unter, daß die Kamazitlamellen im Meteoreisen
von Carthage den Flächen zweier Hauptachsenzonen
des ßhombendodekaeders parallel gehen, während die
dritte Zone höchstens ganz untergeordnet auftritt.
Was sonstige Beobachtungen über dodekaedrische Lamellen
in Meteoreisen anlangt , so hat A. Brezina 1 au den Eisen von
Tazewell, Ballinoo, Narrabura-Creek, Augustinowka
und Joe Wright2 festgestellt, daß dem Bestandteil Schreibersit
die Anordnung nach Dodekaederflächen zukommt und daß dabei
häufig der Kamazit den Schreibersit als Wickelkamazit umgibt.
Speziell am Eisen von Augustinowka wurden wulstiges Anschwellen
der Balken und breiter Wickelkamazit bemerkt. Mit dieser wulstigen
Verbreiterung ist wohl dasselbe bezeichnet, was beim vorliegen-
den Eisen von Carthage als Grobheit der Lamellen auffällt.
Jedenfalls würde sich nun zunächst die Frage erheben, ob
die dodekaedrische Struktur des Meteoreisens von
Carthage, die hier nachzuweisen versucht wurde, auch auf die
Orientierung des Schreibersits zurückzuführen ist, oder ob
der Kamazit selbständig sich in dieser Anordnung ausgebildet hat.
Möglicherweise könnte auch gerade nur in den vorliegenden
Stücken des Eisens das Dodekaeder herrschen, während in anderen
Partien Oktaedrit-Struktur vorhanden wäre.
1 A. Brezina, Über dodekaedrische Lamellen in Oktaedriten. Sitz.-
Ber. d. K. Akad. d. Wissenscli. in Wien. 113. 1904. I. p. 577—583.
2 Über diese Vorkommnisse vergl. E. Cohen , Meteoritenkunde IIL,
p. 258; 286; 262; 387. 1905.
J. Koenigsberger, Nachtrag etc. — M. Bauer, Berichtigung. 25
Zusammenfassung.
Das Meteoreisen von Carthage (Tennessee) wurde bisher
als Oktaedrit mit mittleren Lamellen registriert. Die im
Kgl. Mineralog. Museum zu Dresden befindlichen Stücke dieses
Eisens zeigen aber auf den Schnittflächen Systeme von Lamellen-
spuren, die sich mit Oktaedrit- Struktur nicht vereinigen lassen.
Die Versuche , die zu anderer Deutung der Struktur gemacht
wurden, ergaben, daß sich die Beobachtungen am besten mit der
Annahme erklären lassen, daß die Anordnung der Lamellen
parallel zwei Zonen des Rhombendodekaeders ist.
Im Hinblick auf andere Vorkommnisse von dodeka-
edrischen Lamellen (vergl. p. 24) wird die Frage zu er-
heben sein, ob und in welcher Weise der Schreibe rsit am
Aufbau des Meteoreisens von Carthage beteiligt ist.
Nachtrag zur Notiz über einen anorthositischen Gneis von
Norwegen.
Von J. Koenigsberger in Freiburg in Br.
In der Fundortsbezeichnung des anorthositischen Gneises (Cen-
tralbl. 1912. No. 19) ist infolge einer Schliffverwechslung ein
Irrtum unterlaufen. Der Gneis ist am Harjangenfjord bei Narvik
uud nicht am Eidsfjord, Seitenarm des Hardangerfjord, gefunden.
Der Gneis bei Eidsfjord entspricht einem granitisch-syenitisclien
Magma mit Biotit, überwiegendem Mikrolin, etwas Quarz und sein-
wenig Oligoklas ; er steht also nicht im direkten Gegensatz zu dem
Granit von Fossli. Die Adern des anorthositischen Injektions-
gneises am Harjangenfjord bei Narvik bestehen dagegen aus Biotit,
etwas Muscovit , beide idiomorph , und weit überwiegend aus
Andesin-Plagioklas , nach dem Albitgesetz verzwillingt. Quarz
und Kalifeldspat scheinen völlig zu fehlen. Das von diesen Adern
injizierte Gestein besteht aus nichtverzwillingtem Oligoklas-Andesin,
Quarz, Biotit, Hornblende und Erzen und selten etwas Orthoklas.
Berichtigung.
Von Max Bauer in Marburg.
Herr Walter Boese in Berlin hat in seiner Arbeit: Petro-
graphisclie Untersuchungen an jungvulkanischen Ergußgesteinen
von Säo Thome und Fernando Poo 1 die basaltischen Gesteine
von Fernando Poo mit denen in Niederhessen verglichen. Er
schreibt auf Grund meiner vorläufigen Berichte in den Sitzungs-
1 W. Boese, N. Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXIV. 1912. p. 317.
26 W. Maier, Berichtigung über die korundhaltigen Hornfelse etc.
berichten der Berliner Akademie. 41. 1900 2 resp. 1024 und 44.
1903. p. 1 resp. 992. „Was den mineralogischen Aufbau anbelangt,
so sind die hessischen Feldspatbasalte am häufigsten „ganz normal
aus Plagioklas, Augit und Magneteisenerz zusammengesetzt, meist in
der gewöhnlichen Weise Olivin in größeren oder geringeren Mengen
enthaltend , zuweilen auch ohne diesen in allen möglichen Über-
gängen“ (1. c. 1900), im Jahre 1903 berichtet M. Bauer jedoch,
„daß olivinfreie Basalte noch nicht nachgewiesen seien“.
Danach könnte es scheinen , als ob zwischen meinen beiden
Mitteilungen ein Widerspruch bestände. Dies ist jedoch nicht
der Fall. Wie aus deren p. 2 zu ersehen ist , bezieht sich die
erste Mitteilung von 1900 auf das ganze Gebiet zwischen Schwalm
und Fulda bis etwa auf die Höhe von Ziegenhain als südliche
Grenze. In diesem Gebiet sind einige wenige olivinfreie Basalte
gefunden worden. Die zweite Mitteilung von 1 903 behandelt nur
das weit beschränktere Gebiet ringsum die Stadt Homberg a. Efze
(p. 1, resp. 992). In diesem engeren Umkreis war damals kein
olivinfreier Basalt bekannt und dasselbe gilt meines Wissens auch
heute noch.
Berichtigung über die korundhaltigen Hornfelse der Kontakt-
zone des Mt. Tibidabo bei Barcelona.
Von W. Maier in Tuttlingen.
In meiner Inaug.-Diss. „Die Kontaktzone des Mt. Tibidabo
bei Barcelona" beschrieb ich am Schlüsse des über die Hornfelse
handelnden Abschnittes Quarzbiotitmuscovithornfelse als Gesteine
von mattem, blauschwarzem Aussehen, die sehr zähe und dicht
sind und von den sonst herrschenden Cordierithornfelsen abweichen.
Besonders interessant erwiesen sie sich durch reichlichen Gehalt
an Turmalin und Korund.
Herr V. M. Goldschmidt in Kristiania hatte nun die Freundlich-
keit, mich auf die Unwahrscheinlichkeit der Paragenesis Quarz —
Korund aufmerksam zu macken. Wiederholte konoskopische
Prüfung der als Quarz angesprochenen Körner, die allerdings
durch deren geringe Größe sehr erschwert wird, ließ erkennen,
daß die überwiegende Mehrzahl der Körner, von denen einzelne
Zwillingslamellen zeigen, optisch zweiachsig und positiv ist.
Manche der Körner erwiesen sich aber als optisch negativ und
besaßen kleinen Achsenwinkel. Die Prüfung wurde sowohl durch
Herrn Goldschmidt als durch mich vorgenommen. Quarz kann
soweit nicht vorliegen, sondern die Mehrzahl der Körner ist Albit
und der Rest wohl Cordierit. An Stelle der Bezeichnung Quarz-
biotitmuscovithornfels muß also albitfiihrender Hornfels treten.
Als solcher nimmt er nunmehr keine singuläre Stellung mehr ein,
sondern ist mit den im Anhang beschriebenen albitfiihrenden
M. Semper, Berichtigung.
27
Kalksilikathornfelsen zu vereinigen, zwischen denen (wie beschrieben)
linsenförmig eingesprengt nahezu reine Albitgesteine , aber auch
solche gefunden wurden, die außer Biotit u. Lithionglimmerblättchen
reichlich Titanit, Korund und Kassiterit führen.
Berichtigung.
Von Max Semper in Aachen.
In meinem Aufsatz über Artenbildung durch pseudospontane
Evolution (dies. Centralbl. 1912. p. 140) streifte ich die Dis-
kussion über Steinmann’s geologische Grundlagen der Abstam-
mungslehre und führte dabei (1. c. p. 149, Fußnote) eine Be-
merkung Pompeckj's als Beispiel eines mehr hitzigen als treffenden
Schlages an. Es dürfte sicherlich niemand, der sich mit Brachio-
-poden beschäftigt, wirklich und bewußt den Stiel der Brachiopoden
„funktionell dem Siplio der Zweischaler gleichstellen“ wollen,
sondern wenn etwas Derartiges sich als Meinung eines Autors zu
ergeben scheint, so kann das nur Folge einer gewissen Hastigkeit
der Ausdrucksweise sein. Inzwischen hat Herr Pompeck.t mich
freundschaftlich darauf aufmerksam gemacht, daß nicht er, sondern
daß Herr Steinmann sich dieser Mißdeutbarkeit ansgesetzt hat.
Leider hatte ich bei der Niederschrift meines Aufsatzes unter-
lassen, die betr. Stelle (Geologische Grundlagen etc. p. 184) noch-
mals aufzuschlagen und muß jetzt gestehen, dass ich aus dem
Wortlaut dort auch nichts anderes herauslesen kann , als was
Pompeckj herausgelesen hat. Hoffentlich wird eine zweite Auf-
lage der „Grundlagen“ über die wirkliche Meinung aufklären.
Herrn Ew. Wüst verdanke ich die Kenntnis eines Auf-
satzes von L. Dödeklein (Phylogenetische Betrachtungen. Biolog.
Centralbl. VII. 1888. p. 395 ff.). Danach führt die Betrachtung
von Entwicklungsreihen bei fossilen Säugern zur Annahme einer
erblich wei’denden und dann im Weiterverlauf das Maximum der
Nützlichkeit überschreitenden Entwicklungstendenz, also zu einer
Theorie, die ich als die der pseudospontanen Evolution zu be-
zeichnen vorschlug. Wenn demgemäß eine andere Fußnote meines
Aufsatzes (1. c. p. 142), die freilich nichts als ein Hinweis auf
das Vorhandensein älterer, inhaltlich identischer Theorien sein sollte
und nicht im entferntesten auf Vollständigkeit abzielte, nun um
den Namen Döderlein’s und dann auch Eimer’s erweitert werden
muß, so erfährt sie dadurch keine Veränderung des Inhalts, denn
die Ausdrücke „Zweckmäßigkeit“ oder „Nützlichkeit“ sowie
„Tendenz“ zu einer bestimmt gerichteten Entwicklung sind ent-
schieden stark teleologisch belastet und deshalb wohl besser zu
vermeiden. Indessen bedaure ich, von diesem Aufsatz nicht früher
erfahren zu haben, wie mir überhaupt zoologische Literatur hier
28
E. A. Wülfing,
fast nur durch Zufall bekannt wird ; es wäre vielleicht nicht zweck-
los gewesen, den Einfluß zu analysieren, den die Beschaffenheit
des fossilen Forschungsmaterials (Säugetiere — Bracliiopoden) auf
die Auffassung der Tatsachen und auf die Begriffsbildung ausübt.
Neue Instrumente und Beobachtungsmethoden.
Demonstrationsmodell für sogen, einfache Schiebungen.
Von E. A. Wülfing in Heidelberg.
Mit 6 Textfiguven.
In dies. Centralbl. 1912 p. 417 beschreibt 0. Mügge zwei Mo-
delle zur Demonstration einfacher Schiebungen, die vor allem eine
konkrete Vorstellung von den Elementen dieser Deformation geben
und sie eindeutiger und schneller verständlich zu erklären ver-
mögeii, als es mit bloßen Worten in Kürze geschehen könnte. Es
läßt sich an diesen Modellen zeigen , was man unter erster und
zweiter Kreisschnittebene , was man unter Gleitungsachse oder
Schiebungsrichtung, und vor allem, was man unter reziproken
Schiebungen zu verstehen hat. Auch läßt sich demonstrieren, auf
welche Weise sich bei der sogen, einfachen Schiebung ein Kreis
rein äußerlich in eine Ellipse umwandelt.
Wenn nun auch das Modell in seinen Endzuständen vor und
nach der Umwandlung in der Tat für das schnelle Begreifen der
Schiebungselemente , besonders im triklinen System , wofür es ja
gebaut ist, Vorteile bietet, so kann dieser pädagogische Wert viel-
leicht nicht in demselben Maße betont werden in bezug auf die
Art und Weise , wie diese Endzustände erreicht werden , nämlich
durch gesetzmäßiges Übereinanderhingleiten von Tafeln. Wir
wissen allerdings nichts darüber , wie sich der innerliche Vor-
gang der homogenen Deformation abspielt, können aber doch be-
haupten , daß er nur nach den äußeren Umrissen zu einem Ge-
bilde führt, wie es in dem MüGGE’schen Modell nach Verschiebung
der Holzlamellen zustande kommt. Denn diese verschobenen La-
mellen sind mit dem in seiner ursprünglichen Lage gebliebenen
Holzklotz immer noch von derselben kristallographischen Orien-
tierung; es ist eine treppenförmige Wachstumsform entstanden,
aber keine Zwillingsbildung eingetreten. Diese wird nur dadurch
rein äußerlich erreicht, daß die Gleitung bis zu einer bestimmten
Grenze gegangen ist, nicht früher aufgehört hat und nicht weiter ging.
Schon die dem innerlichen Prozeß durchaus nicht gerecht
werdenden alten Bezeichnungen wie „Schiebung“ oder „einfache
Schiebung“ oder „Gleitung“ mögen genug Verwechslung hervor-
gerufen haben. Ein Modell aber, welches tatsächlich eine Gleitung
Demonstrationsmodell für sogen, einfache Schiebungen.
29
im gewöhnlichen Wortsinn benutzt, kann gar leicht irrtümliche
Vorstellungen weiter verbreiten oder befestigen und ist daher,
vom pädagogischen Standpunkt aus betrachtet, einer Ergänzung-
zugänglich. In der Tat handelt es sich bei dem , was man bei
Kristallen als Gleitung zu bezeichnen pflegt, nirgends um das, was
man sonst im Leben eine Gleitung nennt. Niemals sehen wir an den
sogen. Gleitflächen der Kristalle, daß sich Materie an Materie
gleitend vorbeibewegt, wie der Schlitten auf dem Eise gleitet,
oder wie sich der Kolben der Dampfmaschine an der Zylinderwand
fortschiebt. Anders ist es bei den von der Zwillingsfläche etwas
weiter entfernt liegenden Teilen; diese erfahren allerdings gegen
den in Kühe gebliebenen Kristall eine Fortschiebung. Keineswegs
aber geschieht dies dadurch, daß benachbarte Kristallbausteine
aneinander vorbeigleiten. Dieses Fehlen jeglicher Gleitung bei den
sogen. Gleitflächen der Kristalle auch bei einem Modell zu betonen,
scheint mir , wie gesagt, pädagogisch nicht unwichtig, da sonst
gar leicht eine Verwechslung zwischen Translation und „Gleitung“
angebahnt wird , wie sie infolge der unglücklichen Bezeichnung
oft genug schon vorgekommen sein mag. Auch die Umwandlung
ein und desselben Kreises in verschiedene Ellipsen, wie sie an
den MüGGE’schen Modellen möglich ist, könnte zu Verwechslungen
Veranlassung geben.
Derartige Bedenken haben mich beschäftigt und zur Kon-
struktion eines Modells geführt, das als Ergänzung der Mügge-
schen Modelle betrachtet werden mag.
Zunächst wurde dabei an eine Deformation der Kri-
stallbausteine selbst gedacht. Es wurde also bei Kalk-
spat der Prozeß in der Ebene der Schiebung durch Bau-
steine von parallelogrammatischem Querschnitt (Winkel
= 109° 8', Kantenlänge 30 : 37,8) dargestellt, die sich
mit Hilfe von passenden Gelenken in den Ecken der
Parallelogramme deformieren lassen , wie das in Fig. 1 a
bis 1 e schematisch angedeutet ist. Man müßte aber dann
annehmen , daß der Baustein des Kalkspats oder sein
Raumgitter — oder wie man den letzten integrierenden
Bestandteil eines Kristalls nennen will — während der
Zeit der Deformation folgende kristallographische Wand-
lungen erlebt: Aus seiner rhomboedrischen Symmetrie
würde der kohlensaure Kalk in monokline , darauf in
rhombische, dann abermals in monokline und schließlich
wieder in rhomboedrische Symmetrie übergehen. Er wäre
also während der kurzen Zeit der Deformation in jeder
Schicht zwar immer noch kohlensaurer Kalk, aber kein
Kalkspat geblieben, sondern müßte vorübergehend mono-
kliner und auch rhombischer kohlensaurer Kalk gewesen
sein. Diese Vorstellung ist sicherlich nicht als einfach zu
bezeichnen, ganz abgesehen davon, daß dahingestellt
bleiben möge, ob sie den Tatsachen entsprechen kann.
Solange wir über die inneren Vorgänge der Umwandlung
nichts Näheres zu sagen wissen , werden wir wohl gut tun , die
Eigenschaften der Bausteine des kohlensauren Kalks auch während
der kurzen Zeit der Deformation genau so wie vorher und nach-
her anzunehmen und in der Lagerung dieser Bausteine gegen-
einander das bestimmende Moment bei der Neubildung zu suchen.
Bei dieser Überlegung kann man an die alte Vorstellung von der
Hemitropie ankniipfen und die üblichen Modelle zur Demonstration
der Zwillingsbildung in eine große Zahl von Einzelhemitropien
zerlegen. Ich lasse also von dem nachfolgend beschriebenen
Modell 1 die Zwillingsbildung nicht an der starren Einheit einer
ganzen Schicht eintreten , sondern nehme sie an den einzelnen
Kristallbausteinen mittelst Drehung um 180° vor und erreiche
damit die Verdeutlichung einer Schiebung der von der „Gleitfläche“
weiter abstehenden Teile, ohne daß irgendwo zwischen den
benachbarten Bausteinen etwas von Schiebung oder Glei-
tung eingetreten wäre.
Das in den Figuren 2 bis 6 in der Ebene der Schiebung ab-
gebildete Modell enthält 4 X -1 Täfelchen, die im folgenden als Kri-
stallbausteine bezeichnet werden mögen. Ihre Umrisse entsprechen
dem symmetrischen Querschnitt eines Kalkspat-Grundrliomboeders,
also dem Querschnitt, der bei einem regelmäßig gewachsenen
Rhomboeder durch eine Polkante und die kurze Diagonale der
gegenüberliegenden Rhomboederfläche geht. Die Richtung dieser
Polkante, also auch die Fläche des nächststumpferen Rhomboeders,
liegt im Modell vertikal, und die Richtung der kurzen Diagonale
steigt bei Fig. 2 nach rechts an, zeigt sich bei den Figuren 3, 4
und 6 geknickt und fällt bei Fig. 5 nach rechts ab. Die Bau-
steine sind mit ihren rechten und linken Nachbarn durch leicht
drehbare Achsen verbunden. Diese Achsen stehen senkrecht auf
der sogen. Gleitfläche, also bei Kalkspat senkrecht auf der Rhombo-
ederfläche (0112). Jeder Baustein kann sich in keiner Weise,
um dies noch einmal zu betonen, gegen seine Nachbarn rechts und
links verschieben oder gleitend fortbewegen , er kann sich einzig
und allein um die angegebenen Achsen drehen. Die Vorstellung
von der vermeintlichen leichten Gleitung nach (0112) ist also hier
durch die Vorstellung von der leichten Drehbarkeit um 1 80 0 um
die Senkrechte auf (0112) ersetzt worden. Ob damit der wahre
innere Vorgang dargestellt ist, bleibt außerhalb der Diskussion.
Es bleibt hierbei auch unerklärt , warum diese Drehung nur um
180° erfolgt und nicht in einer Zwischenlage stehen bleibt. Jeden-
falls zeigt sich kein Widerspruch in der Orientierung der Teile
vor und nach der Verschiebung mit den in Wirklichkeit be-
obachteten homogenen Deformationen.
1 Das Modell wurde auf der Naturforscherversaminlung in Münster
im September d. J. der Abteilung für Mineralogie etc. vorgeführt.
Demonstrationsmodell für sogen, einfache Schiebungen.
31
In dem Modell, das den Querschnitt durch nur eine Schicht
von Bausteinen darstellt, liegen alle Drehachsen in einer einzigen
vertikalen, aber in lauter verschiedenen horizontalen Ebenen, und
zwar liegen bei Fig. 2 die rechten Drehachsen immer höher, bei
Fig. 5 immer niedriger als die linken.
Zunächst wird durch zwei vertikale Glasplatten , die in dem
galgenförmigen Rahmen stecken und deren innen abgeschrägte
Fig. 3.
1.
■SBSS
Fig. 6.
Enden kan der Linie rechts zu erkennen sind , alles in fester
Lage gehalten. Nach ihrem Zurückziehen nach links um eine
Bausteinkolonne können die Drehachsen der rechten Bausteine
in Tätigkeit treten und die erste Vertikalreihe zum Umklappen
bringen (vergl. Fig. 3 mit Fig. 2). Dadurch ist die Zwillings-
bildung eingetreten; eine Verschiebung irgendwelcher Teile inner-
halb der 4X4 Bausteine hat aber bis jetzt nicht stattgefunden.
Erst wenn nach dem weiteren Zurückziehen der haltenden Glas-
32
E. A. Wülfing, Demonstrationsmodell etc.
platten die zweite Vertikalreihe umklappt (Fig. 4), findet für die
erste schon ningeklappte Vertikalreihe eine Abwärtsbewegung in
Gestalt einer Parallelverschiebung statt. Das Maß dieser Ver-
schiebung ist bekanntlich ein ganz bestimmtes und erfolgt pro-
portional dem Abstand von der Zwillingsebene , ist also um so
größer, je weiter die umgeklappten Bausteine nach links fort-
schreiten (vergl. Fig. 2 mit Fig. 5).
Diese Parallelverschiebung der weiter voneinander abstehenden
Kristallteile ist sicherlich Veranlassung gewesen , bei dieser Um-
wandlung überhaupt von einer Schiebung oder gar von einer
Gleitung zu reden. Daß es sich im Grunde aber doch um etwas
ganz anderes handelt, dazu soll das Modell eine leicht faßbare
Vorstellung geben.
Schließlich kann man auch an dem Modell die Art der Ent-
stehung von Hohlräumen (den KosE’schen Kanälen) demonstrieren.
Man muß nur das Umklappen der Bausteinreihe nicht gleichmäßig
ausführen, sondern manche Bausteine bei dem Akt der Hemitropie
überspringen , wie das in Fig. 6 zu erkennen ist. Besonders be-
quem lassen sich derartige Stellungen erreichen, wenn man nach
Entfernung der Glasscheiben das ganze Modell horizontal auf einen
Tisch legt und dazu die Fußplatte über den Tisch hinausragen
läßt, ein Verfahren, das zur Demonstration der Zwillingsstellungen
vor einem kleineren Zuhörerkreise auch ganz zweckmäßig ist.
Um aus der Stellung der Fig. 2 in die der Fig. 4 überzugehen,
schiebt man die beiden rechten Bausteinreihen über den Rand des
Tisches hinaus , bewegt den rechten mit B bezeichneten Balken,
leicht nach oben oder unten drehend, zur Seite und erreicht so
die Stellung der Fig. 4. Darauf klappt man von der zweiten und
dritten Vertikalreihe die untere Hälfte nach unten , während man
die obere Hälfte stehen läßt. Auf diese Weise bildet sich eine
symmetrisch gelegene Öffnung, die sich mehrfach verändern und
wie in Fig. 6 auch unsymmetrisch gestalten läßt.
Das Modell hat eine Höhe von 30 cm und steht auf einer
Grundplatte von 45 cm Länge und 10 cm Breite. Die Firma
Dr. F. Krantz in Bonn hat die Herstellung übernommen.
Heidelberg, den 22. Oktober 1912.
0. Miigge, Ueber die Größenordnung etc.
33
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Ueber die Grössenordnung der Gravitations- Anisotropie
in Kristallen.
Von 0. Mügge in Göttingen.
Mit 1 Textfigui-.
Mackenzie1 hat. 1894 die Frage aufgeworfen, ob die An-
ziehung, welche ein Kristall (Kalkspat) auf eine andere Substanz
ausübt, von der Lage der letzteren zu seiner optischen Achse ab-
hängt, so daß er in der einen Richtung so wirken würde, als
wäre er von größerer Masse als in der andern. Es würde sich
das durch eine Abweichung vom NEwroN’schen Gesetz bemerklicli
machen , indem eine Kugel aus anisotroper Substanz nicht mehr
so anzielien würde , als wäre ihre Masse in ihrem Mittelpunkte
konzentriert. Daraufhin unternommene Versuche ergaben zwar,
daß die Anziehung von Kalkspatkristallen auf Blei und andere
Kalkspäte unabhängig von der Orientierung der Achse des Kalk-
spates war, indessen gestatteten die Versuche nur Abweichungen
von mehr als 0 o der Gesamtanziehung zu erkennen.
Genauere Versuche haben darüber später J. H. Poynting und
P. L. Gray2 angestellt. Sie beruhen auf der Erwägung, daß,
wenn eine Anisotropie im Schwerefelde bei Kristallen existiert,
zwei kristalline Massen eine richtende Wirkung aufeinander aus-
üben müssen und daß man eine solche in der Tatsache finden
könnte , daß Kristalle beim Wachsen Teilchen aus ihrer Mutter-
lauge in orientierter Stellung auf sich niederschlagen. Durch
Versuche konnten indessen auch sie eine Anisotropie nicht nach-
weisen , es ergab sich vielmehr , daß die Anziehungen zwischen
zwei Quarzkugeln bei paralleler und gekreuzter Lage ihrer Haupt-
achsen nicht mehr als 1 : 16500 voneinander abweichen können.
Die folgenden Bemerkungen sollen zeigen, daß eine Anisotropie
der Schwere zwar zu erwarten , ihre Größenordnung aber eine
ganz außerordentlich kleine ist.
Fig. 1 soll einen Querschnitt durch einen Kristall von qua-
dratischem Umriß vorstellen, in welchem die kleinsten Teilchen —
1 Mackenzie, John Hopkins Univ. Circulars. 13. p. 76. 1894. (N.
Jahrb. f. Min. etc. 1901. I. -380-.)
" J. H. Poynting und P. L. Gray, Phil. Trans. Roy. Soc. London.
A. 192. p. 245. 1899. (N. Jahrb. f. Min. etc. 1. c.)
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913.
3
34
0. Mügge, Ueber die Größenordnung
der Kürze halber im folgenden Molekeln genannt — , netzförmig-
parallel den Seiten des Quadrats angeordnet sind ; der Querschnitt
liege in einem Erdradius und AB sei dem Schwerpunkt der Erde
zugewandt. Senkrecht zur Zeichnungsebene mögen der in der
Figur angedeuteten gleichartige Gitterebeuen in gleichen Abständen
aufeinander folgen , wir betrachten aber nur eine dieser Ebenen,
welche also der Dicke von nur einer Molekelschicht entsprechen
soll. Der Querschnitt Fig. 1 betrage 1 cm2, auf seiner Seite A B
mögen sich m+ 1 Molekeln befinden, auf der Seite AC (in der
Richtung des Erdradius) dagegen (n + 1) Molekeln. Wir wählen
als Längeneinheit — — cm , dann befinden sich also die Teilchen
auf AB in einem Abstande von n Einheiten, die auf AC im Ab-
n+i
3
2
stände von m Einheiten , die Länge des Erdradius , oder genauer
der Abstand zwischen der mittleren Molekel der Reihe A B und
dem Schwerpunkt der Erde (gemessen in unserer sehr kleinen
Einheit) betrage r.
Setzen wir das Produkt aus der Masse einer Molekel und der
Masse der Erde gleich 1, so ist die Anziehung für die mittlere
Molekel der Reihe A B proportional für die anderen Molekel der
Reihe A B ist ihr Abstand vom Schwerpunkt der Erde um einen
kleinen Betrag größer als r, dieser ist aber verschwindend klein,
auch gegenüber dem Abstand zweier benachbarter Molekelreihen
parallel AB. Die Gesamtanziehung zwischen allen Molekeln der
Reihe AB einerseits und der im Schwerpunkt der Erde vereinigt
gedachten Masse der Erde anderseits beträgt daher (m + 1) .
Für alle Molekeln der nächsten A B parallelen Reihe beträgt
der Gravitations-Anisotropie in Kristallen.
35
dagegen die Anziehung (m + 1)
1
(r -f m)2
ebenso (m +1)
(r -f 2 m)
usw. bis (m + 1)
für die dritte Reihe
1
(r + n . m)2
Die Summe der Anziehungen für sämtliche Molekeln der La-
melle in der Stellung, wo sich der Schwerpunkt der Erde auf der
in der Mitte von A B errichteten Normalen befindet , wollen wir
2'm nennen, sie beträgt demnach:
1)^, + ^ _j_ mj2 + _|_ 2 m)2 (r _|_ n . lry ]•
Kehrt man die Seite A C der kristallinen Lamelle dem Schwer-
punkt der Erde zu, indem man die Lamelle um ihren geometrischen
Mittelpunkt um 90 0 in der Ebene der Zeichnung dreht, so beträgt
die Anziehung für die Molekeln der ersten Reihe (n + 1) y-, für die
zweite Reihe (n 4- 1) — , ... usf. , für die letzte Reihe (n +
v ' (r + n)2 ’ v 1
— ; . Die Gesamtanziehung in der Richtung senkrecht A
(r -(- m . n)2
welche wir — n nennen wollen, ist also:
1)
C,
-yn-(n-fl)[y+ (r y n)2 + (l.J2n}* +
(r + m. n)
]
Machen wir nun die Annahme, daß m— IO8 ist, was un-
gefähr den Dimensionen der Molekel entspricht , daß dagegen der
Abstand der Molekeln in der Richtung A C zehnmal so groß sei
(in den meisten Fällen ist vermutlich der Unterschied der Ab-
stände erheblich geringer!), also n = 1 07, so wird r, der Radius
der Erde, der in Zentimetern von der Größenordnung IO8 ist, in
unserer Einheit gleich 108 X 107 X Iß8 = 1023 zu setzen sein.
Es liegen also für ^m und .^n zwei, praktisch genommen, un-
endliche Reihen vor, über welche ich meinem verehrten Kollegen
C. Runge folgende Mitteilungen hinsichtlich ihrer oberen und
unteren Grenzwerte verdanke:
„Es ist:
r r + m r (r + m) ^ r2 ^
ebenso :
1
r +
m
2“
1
1
r + m r + 2 m (r + m) (r + 2 m)
1
i m
r+^
<
(r + m)2
1
<
l(r + m)2 ■
r +
3m
ebenso :
3*
36
0, Mügge, lieber die Größenordnung
1 1 m
r-f-2m r-|-3m (r -f- 2 m) (r + 3 in)
m m 1 1
< (r'4- 2m)* <frXS^_||V= ■ 3m '
usw.
(r + 2m)!-(|)' r +
folglich, wenn man summiert:
T 1 fl l_ , l _i -|
r r + (n + l)m Lr2 (r 4- m)2 ' (r+2m)2 ' ' ' ' (r + n . m)2 J
<
(r-f-m)2 (r+2m)2
1 1
m r + (n + i)m
oder nach Multiplikation mit
n + 1 m 1
m + 1
r r -- ( I 1 % f 1 I 1 I 1 1
n + 1 <(in+ jLr2 + (r + m)l + (r + 2mpi“‘"(r_+n.m)2J
1 + m
<
n + 1 m + 1
r ‘ r
Durch Vertauschung von m und n erhält man ebenso — n.
Nach Umformung der oberen und unteren Grenzwerte in
(m + 1) (n + 1) / ^ (m + 1) (n + l)
r* + r . m . n -f- r ,
< — in <
r* r . m . n —
2n + 1
und
(m ~t~ 1) (n ~4~ 1) vn (m -f- 1) (n -j~ 1) .
r2 4- r . m . n 4- r . n ^ — , 2 m -(- 1
r-4-r.m.n — n-
erkennt man, daß die unteren Grenzwerte, wir nennen sie N m u
und Nun, von — m und N n sich nur unterscheiden durch den
letzten Summanden des Nenners. Ist, wie in Fig. 1 angedeutet,
m n, so gilt ersichtlich
4 m u < 2nu.
Die oberen Grenzwerte, 2mo und Nno, unterscheiden sich
ebenfalls nur durch den letzten Summanden des Nenners. Die
Differenz dieser beiden Summanden ist:
2 n 4- 1 2 in -f 1
m2 — . n2,
ihr Vorzeichen ist identisch mit dem von
2 n . m1 -f mJ — 2m. n2 — n2 = (m — n) (2 m . 11 -(- m -f- n).
Ist also m > n, so ist nV > 2 m^~-1 . n2 und für die oberen
Grenzen gilt
2mo >2no.
der Gravitations-Anisotropie in Kristallen.
37;
Die Grenzen von 2'n liegen also zwischen denen von — m
und die größtmögliche Anisotropie der Gravitation liegt also
zwischen den beiden Werten
J m o : 2 n u > 1 und 2mu:2no<l,
Durch Einsetzen der Werte aus I und II erhält man hierfür
2mo
Anu
r- + r . nt . n -f- r . n
r . m . n -f- r . n
r1 + r . m . n —
2 n -f 1
r2 -f- r . m . n —
n .
m-
4
Da r sehr groß ist gegenüber m und n, kann man in erster
m2
Annäherung — r- vernachlässigen, und erhält so :
Arno r2-+-r.m.n-f-r.n
An u , n . m2
r2 -f- r . m . n —
Setzt man hierin r = 1023, m = 1 08, n = 107, so entsteht:
Amo _ 1023 + 10,ä + 101
Anu ~ 1023 + 10lä — 0.5
oder, wenn man jetzt auch 0,5 vernachlässigt:
Amo _ 10'6+ 103 + 1
Anu — IO16 = 103
Analog entsteht
Amu _ 10,5+ 107
A n o _ 1 0 1 io 7-f 1
Die Anziehung in beiden Richtungen stimmt also bis auf
mindestens eine Einheit der 15. Dezimale überein, so daß einst-
weilen keine Hoffnung besteht, die Differenz nachzuweisen. Das
Verhältnis kann sich möglicherweise der Einheit noch viel stärker
nähern, da ja die beiden Grenzwerte von— n zwischen denen von
— m liegen; absolute Gleichheit tritt ein, wenn m und n beide
unendlich werden, eine Anisotropie ist aber zu erwarten,
wenn die Kristalle tatsächlich aus diskreten Teilchen
aufgebaut sind. Wenn m = n < oo ist, werden zwar die
Anziehungen in der Richtung der Normalen von AB und AC ein-
ander gleich, nicht aber in den zwischenliegenden Richtungen,
auch nicht bei regulären Kristallen. Die Anziehung wird hier
z. B. in der Richtung einer AViirfelkante etwas verschieden sein
von der in der Richtung der Würfelflächendiagonalen , indessen
müßte die Anisotropie noch erheblich geringer ausfallen als in
dem berechneten Beispiel , da hier m : n = yA ist. Ähnliches gilt
für Anziehungsrichtungen in der Basis hexagonaler, tetragonaler
und trigonaler Kristalle.
Mit der Geringfügigkeit der Gravitations-Anisotropie mag es
Zusammenhängen , daß eine Abhängigkeit der kristallographischen
38
0. Mügge, Ueber die Größenordnung etc.
Orientierung aufgewachsener Kristalle von der Schwere niemals
beobachtet ist l.
Eine Verschiedenheit der Anziehung in Richtung und Gegenrich-
tung ist nicht zu erwarten, solange die Molekeln als Kugeln angesehen
werden dürfen ; nimmt man aber die Molekeln selbst als azentrisch
an , so wird allerdings eine solche auftreten können , aber ihre
Größenordnung müßte noch kleiner sein, als vorhin abgeleitet2 * * * *.
Man kann fragen , ob nicht in dem Falle , daß auch r sehr
klein, aber immerhin noch groß gegenüber m und n ist, also bei
der Anziehung kleiner Kugeln von isotropem oder quasiisotropem
Material auf „Kristallkeime“ von molekularen Dimensionen eine
stärkere Bevorzugung gewisser Richtungen der Keime hinsichtlich
der Anziehung eintreten kann. (Solche Verhältnisse wären z. B.
denkbar bei der Verdichtung meteorischer Staubmassen , die sich
in großer Entfernung von anderen Himmelskörpern befinden und
also ihrer Anziehung entzogen sind, aber in die Nähe gröberer
Staubteilchen geraten.) Setzt man dementsprechend z. B.
r = 10‘, in = 10, n = 3,
(dann ist also die Kantenlänge des quadratischen Blättchens gleich
I0X3X 10 ~ 8 cm = 3 X 10~7 cm und seine Entfernung vom
Schwerpunkt des anziehenden gröberen Staubteilchens r= 10 — 3 cm
= 0,01 mm), so lassen sich .jetzt nicht nur Grenzwerte von .i m
und 2u, sondern letztere selbst noch berechnen. Aber man findet
auch jetzt noch keine Abweichung zwischen beiden, welche über
1 : 5 Millionen hinausginge und erst für m = 10, n = 3 und
r= 1000 weicht das Verhältnis beider um 1:1 00« >0 von der
Einheit ab. Dann ist aber die Entfernung des feineren Stäubchens
vom Schwerpunkt des größeren schon submikroskopisch , nämlich
1 Eine merkliche Einwirkung der Schwere auf die Winkel der Kri-
stalle durch ungleiche Anziehung der unteren und oberen Molekelschichten
scheint nach Obigem auch ausgeschlossen , nicht aber eine Deformation
durch das Gewicht des Kristalls selbst. Eine solche ist sogar von Bre-
zina (Sitzungsber. Wien. Akad. 64. p. 297. 1871) behauptet und Brauns
(N. Jahrb. f. Min. etc. 1887. I. p. 145) hat dies durch Messungen an re-
gulären Oktaedern von Bleinitrat zu erhärten gesucht. Indessen könnten
die beobachteten Abweichungen von den theoretischen Winkelwerten auf
der Beeinflussung der Lage von Vizinalflächen durch die (von der Schwere
abhängigen) Strömungen der Mutterlauge beruhen. Entscheidende Mes-
sungen müßten nicht an gewachsenen , sondern an Spalt- oder andern,
nur von der Struktur abhängigen Flächen angestellt werden.
2 Zwar ist festgestellt, daß manche Kristalle mit polaren Achsen
das eine Ende derselben hinsichtlich der Aufwachsung bevorzugen, in-
dessen ist dieses Ende keineswegs immer das untere oder obere (d. h. dem
Erdmittelpunkt nähere oder fernere); es kann dies vielmehr, wie Johnsen
(N. Jahrb. t'. Min. etc. Beil.-Bd. XXIII. p. 278. 1907) hervorgehoben, mit
der verschiedenen Lösungsgeschwindigkeit in Richtung und Gegenrichtung
dieser Achse Zusammenhängen.
Y. Goldschmidt, Ueber Indikatoren etc.
39
nur 0,1 fi. Kristalline, raumgitterartige Struktur wird also eine
kristallographische Orientierung infolge des Gesetzes der Massen-
anziehung erst bei nahezu molekularen Abständen und Dimensionen
der anziehenden Massen bewirken können.
Man könnte geneigt sein zu schließen, daß bei den eingangs
■erwähnten Versuchen demnach keine Aussicht sei , eine merkliche
Anisotropie zu finden. Indessen sind die vorstehenden Betrach-
tungen auf jene Versuche nicht ohne weiteres anwendbar. Es
liegen bei ihnen wesentlich kompliziertere Verhältnisse vor ; einmal
weil bei einem Teil der Versuche beide Massen anisotrop waren,
zweitens weil die Entfernung ihrer Mittelpunkte nicht groß war
gegenüber ihren Dimensionen nnd also die Voraussetzung nicht
mehr zutrifft, daß alle Punkte einer Reihe der ersten Masse, wie
AB in Fig. 1 merklich gleich weit vom Mittelpunkt der zweiten
entfernt und somit die Anziehungsrichtungen für alle Teilchen
auch nicht mehr einander parallel sind.
Ueber Indikatoren
zur mechanischen Gesteinsanalyse und spezifischen
Gewichts-Bestimmung.
Von V. Goldschmidt in Heidelberg.
In diesem Centralbl. 1912. p. 508 publiziert G. Linck ein
hübsches nnd nützliches Kästchen mit
Indikatoren zur Bestimmung des spezifischen Gewichts
von Flüssigkeiten,
und bemerkt dazu in der Einleitung:
„Man kommt häufig in die Lage, sich eine Lösung von bekanntem
spezifischen Gewicht herzustellen , oder das spezifische Gewicht eines
Körpers annähernd bestimmen zu müssen. Da es aber umständlich und
zeitraubend ist, dies mit der hydrostatischen Wage auszuführen, so hat
man sich vielfach Indikatoren hergestellt, die aber meist zu weite Ab-
stände zwischen den einzelnen Skalenteilen zeigen und meines Wissens
nicht in den Handel kamen.“
Linck’s Indikatoren sind 24 Würfelchen aus Glas in einem
Kästchen. Preis bei Krantz in Bonn 20 Mk. Sie haben folgende
spezifische Gewichte :
No. Sp. G.
1
No.
Sp. G.
No.
Sp. G
No.
Sp. G.
No.
Sp. G.
No. Sp. G.
1 2,240
|5
2,480
9
2.617
13
2.870
17
3,180
21 3,350
2 2.330
6
2,518
10
2,690
14
2,935
18
3.205
22 3,480
3 2,387
, 7
2.550
11
2,750
15
3,040
19
3,240
23 ! 3,530
4 2,410
8
2,576
12
2,785
16
3,110
20
3,275
24 3,555
40
V. Goldschmidt,
Solche Indikatorenkästchen sind sehr nützlich. Wenn irgend
einer, so bin icli ihrer Vorzüge bewußt; denn ich selbst habe
(1881) die Indikatoren mit diesem Namen und zu dem gleichen
Zweck, wie Linck ihn darlegt, in unsere Wissenschaft eingeführt.
1880 übergab ich ein solches Kästchen mit dem Aufdruck:
Indikatoren zur mechanischen Gesteinsanalyse
dem Mineralogischen Institut der Universität Heidelberg, 1883 ein
ebensolches der Geologischen Reichsanstalt in Wien. Die beiden
dürften sich dort noch vorfinden.
Im Jahre 1893 übernahm der Mechaniker P. Stoe in Heidel-
berg die Herstellung und den Verkauf solcher Indikatorenkästchen.
Sie finden sich in seinem Katalog angezeigt. Seit einigen Jahren
führen sie auch Dr. F. Krantz in Bonn und R. Fuess in Berlin
in ihrem Katalog.
Der Preis war ursprünglich 16 Mk. Er stieg mit der An-
zahl der Indikatoren auf 20 Mk. Von den durch P. Stoe her-
gestellten Indikatorenkästchen wurden bisher ca. 200 verkauft.
Da diese Tatsachen der Aufmerksamkeit Linck’s entgangen
sind (wie aus dessen oben zitierter Bemerkung hervorgeht), so
darf wohl angenommen werden , daß sie auch anderen unbekannt
geblieben sind. Es möge daher gestattet sein , einige diesbezüg-
liche Stellen hier abzudrucken und einige Ergänzungen zuzufügen.
Wir lesen N. Jahrb. f. Min. etc. 1881. Beil.-Bd. I. p. 215:
„Um der Lösung jederzeit ein bestimmtes spezifisches Gewicht geben
zu können, bediene ich mich statt der mißlichen Verdünnung mit be-
rechneten Wassermengen der folgenden Methode :
Man stellt eine Reihe von Mineralien her, deren spezifisches Gewicht
man genau bestimmt hat und benützt sie zur Einstellung der Lösung auf
bestimmte Dichte als Indikatoren. Durch diese markiert man nach
einem auf die mikroskopische Untersuchung resp spezifische Gewichts-
bestimmung gegründeten Plan die Grenzpunkte, zwischen denen man die
Ausfällung vornehmen will. Hat man z. B. zu trennen: Augit, Horn-
blende. Oligoklas. Orthoklas, so führt man als Indikatoren ein: Labrador
und Albit. Es fällt beim Einträgen in die konzentrierte Lösung sofort
der Augit. Beim Verdünnen bis zum Ausfallen des Labrador sinkt alle
Hornblende zu Boden. Vor oder mit Albit fällt dann der Oligoklas und
nur der Orthoklas bleibt suspendiert. Durch eine größere Zahl von In-
dikatoren kann man die Grenzen beliebig eng ziehen und die reinen
Körner von Zwischenprodukten freier halten.“
Verliandl. geol. Reichsanst. Wien. 1883. p. 68 :
Die hier zu betrachtenden Indikatoren sind Körner von bestimmtem
spezifischem Gewicht, die, in eine schwere Lösung eingelegt, bei deren
allmählicher Verdünnung bis zu einem gewissen Punkte eben suspendiert
erscheinen und dadurch das augenblickliche spezifische Gewicht der Lösung
anzeigen. Sie sind dazu bestimmt, die Grenzen zu markieren, zwischen
Ueber Indikatoren zur mechanischen Gesteinsanalyse etc.
41
denen man die Abscheidung von Gesteinselementen in schweren Lösungen
vornehmen will und dürften sich zu diesem Zweck allgemein einführen.
Für den Petrograplien ist es daher erforderlich , eine Leihe richtig be-
stimmter Indikatoren zur Hand zu haben, von der er. wie aus einem Ge-
wichtssatz, die Körner entnehmen kann. Jeder kann sich nach Bedarf
eine solche Reihe hersteilen , doch ist die Beschaffung des Materials, die
Ausführung der spezifischen Gewichtsbestimmungen eine zeitraubende
Arbeit, zu der sich nicht jeder entschließt, und wäre es daher jedenfalls
wünschenswert, wenn man solche Indikatorensätze gleich fertig kaufen
könnte.
Um dies einzuleiten, der Sache einmal greifbare Gestalt zu geben
und die eventuellen Schwierigkeiten zu beseitigen . habe ich eine Anzahl
solcher Indikatorenkästchen selbst hergestellt und dürfte die Mitteilung
der Gesichtspunkte von Interesse sein , die bei einer solchen Zusammen-
stellung maßgebend waren.
Grenzen. Die obere Grenze wurde durch die Maximaldichte der
Jodidlösung bestimmt, da mir nur diese zurzeit zu Gebot stand. Wer mit
schwereren Lösungen arbeitet, muß die obere Grenze entsprechend hinauf-
rücken. Als untere Grenze habe ich den Schwefel (2,07) genommen. Dar-
unter sind petrographisch wichtige Mineralien kaum zu finden. Leichter
sind der Mellit, einige Opale und Zeolithe, die Kohlen und Harze usw.
Intervalle. Dieselben sollen im allgemeinen ca. 0,05 betragen,
jedoch in dem petrographisch wichtigsten Gebiet (2,55 — 2,75) etwas enger
sein (ettva 0,03). Hierin wurde eine Gleichmäßigkeit noch nicht erzielt,
da noch nicht genug Mineralien und Fundorte auf ihr spezifisches Gewicht
geprüft wurden.
Die Zahl der Indikatoren ergibt sich aus Grenzen und Inter-
vallen. Es wurden vorläufig 20 aufgenommen, jedoch in dem Kästchen
noch 5 Räume freigelassen, damit sich jeder nach Bedarf einige zufugen
könne.
Material. Es war zunächst die Frage, ob natürliche Indika-
toren (Mineralien) oder künstliche zu nehmen seien. Von letzteren
kommen namentlich Glasflüsse in Betracht. Diese haben in der Tat
manche Vorzüge, namentlich den, daß man ihnen jedes beliebige spezifische
Gewicht geben und so gleichmäßige Intervalle herstellen kann. Die
glatte Oberfläche, die man durch Guß erzielt, sowie der muschelige Bruch
gestatten nicht das Festsetzen von Luftblasen. Sie sind frei von Sprüngen
und Poren und homogen. Dem Übelstand , dass man ihren Rang nicht
unmittelbar am Aussehen erkennt, könnte man durch verschiedene Faibe
und Form begegnen. Auch beabsichtige ich , einmal eine solche Reihe
herzustellen, sobald es die Zeit erlaubt.
Nicht homogene künstliche Indikatoren, etwa hergestellt
durch mechanische Verbindung eines schweren und eines leichten Materials,
möchte ich nicht empfehlen , da jede Beschädigung oder Abnutzung das
spezifische Gewicht ändert.
Natürliche Indikatoren (Mineralien). Bei ihnen ist auf folgendes zu achten :
Unangreifbarkeit durch die Lösung ist natürlich erstes Erfordernis.
So sind z B. für Borowolrramatlösung die Carbonat® Dicht zu gebrauchen, während sie
von der Jodidlösung nicht angegriffen werden. Metalle sind zu vermeiden.
Homogenität ist an sich nicht erforderlich, denn es muß für jedes Indikator-
korn, sozusagen persönlich, das spezifische Gewicht bestimmt worden sein; doch ist sie
42
V. Goldschmidt,
erwünscht, damit, wenn der Indikator auch beschädigt wird (und das kann leicht ge-
schehen, ohne daß man es merkt), sein spezifisi hes Gewicht nicht verändert werde.
Dichtigkeit. Der Indikator darf nicht porös und nioht locker sein, damit die
Flüssigkeit nicht eindringe und ein edrungei e Flüssigkeit von anderer Dichte als die
umgebende, oder ein getrocknete, den Indikator falsch mache.
Härte und Festigkeit sollen möglichst groß sein, denn von ihnen hängt die
Dauerhaftigkeit ab.
Glatte Oberfläche ist sehr wesentlich, da sich in die Unebenheiten der Ober-
fläche Luftblasen einklemmen, die auch bei gutem Umrähren sich nicht entfernen. Am
besten sind in dieser Beziehung Stücke mit vollkommener Spaltungsfläche, spiegelnder
Kristalloberfläche oder glasig muscheligem Bruch.
Das Aussehen der Körner soll möglichst charakteristisch sein, so daß man sofort
das Mineral erkennt und eine Verwechslung nicht stattfinden kann.
Größe. 8tarke Erbsengroße ist die geeignetste, so daß das Korn sich mit der
Pinzette noch bequem fassen läßt und doch deuilich, wie eine Fahne unter dem Gesteins-
pulver hervorragt.
ReichlichesVorkommen des Minerals und leiohte Beschaff barkeit ist natür-
lich wünschenswert, damit Mühe und Kosten der Herstellung möglichst gering ausfallen.
Es dürfte sich empfehlen, nicht nur zu dem Korn eine Etiquette zu legen, auf der
das spezifische Gewicht nebst Name und Fundort verzeichnet sind, sondern auch dem
Ganzen ein Inhaltsverzeichnis beizageben, damit, wenn eine Angabe verwischt wird oder
verloren geht, nicht eine neue spezifische Gewichtsbestimmung erforderlich wird.
Seit der ersten Einführung- vor nun mehr als 30 Jahren sind
meine Indikatorenkästchen stetig verbessert, die Zahl der Indika-
toren vermehrt und immer passeudere nach Eigenschaften und
Intervallen ausgesucht worden.
Jedes Indikatorkorn liegt in einem Fach, das zugleich die
Angabe von Name und spezifischem Gewicht des Indikators ent-
hält. Dasselbe Verzeichnis ist in den Deckel des Kästchens ein-
geklebt. Die neuesten Kästchen enthalten zugleich , wo nötig,
eine Aufzeichnung der Form und Farbe des Indikators, so daß er
eicht erkannt werden kaun.
Material zu den Indikatoren. Schon in der oben ab*
gedruckten Publikation von 1883 wurde die Frage diskutiert, ob
natürliche Indikatoren (Mineralien) oder künstliche (Gläser) zu
nehmen seien und die Ausführung von gläsernen Indikatoren in
Aussicht genommen. 1896 besprach ich die Frage mit Dr. Schott
in Jena und erhielt damals und auch in späteren Jahren
Gläser aus den Vorräten von Schott & Gen. für die Indikatoren-
kästchen.
Damals wurde aufs neue die Frage erwogen, ob es besser
sei, alle Indikatormineralien durch Gläser zu ersetzen. Ich gab
aber dem aus Mineralien und Gläsern gemischten Satz den Vorzug
aus Gründen , die mir auch heute noch maßgebend sind. Einige
dieser Gründe mögen hervorgehoben werden.
Ueber Indikatoren zur mechanischen Gesteinsanalyse etc. 43
1. Die natürlichen wie die gemischten Indikatoren sind nach
ihrem Aussehen (auch ohne Nummer) kenntlich. Das ist beim
Arbeiten angenehm.
2. Der Arbeitende kann seine Skala nach oben und unten
erweitern, sowie durch Einschiebung ergänzen. Dafür sind in
meinem Kästchen Plätze freigelassen.
Es wird aber jeder gern den Indikatorensatz, mit dem er ar-
beitet, seinen Wünschen und Bedürfnissen anpassen.
3. Die schweren Gläser sind nicht unempfindlich gegen den
Angriff der Lösung. Linck hebt dies in seiner von Krantz aus-
gegebenen Gebrauchsanweisung hervor.
Bei den natürlichen Indikatoren sind gerade unter den schwersten
die widerstandsfähigsten.
4. Es erscheint am besten, für einen Indikatorensatz die Vor-
teile der natürlichen und der künstlichen Indikatoren zugleich
auszunutzen.
Allerdings muß durch den Hersteller der Kästchen (nicht
durch den Käufer) für jedes Indikatorkorn das spezifische Gewicht
bestimmt werden. Dies läßt sich nur dann mit Vorteil durch-
führen, wenn von, jedem Indikator, sei er künstlich oder natürlich,
eine größere Zahl in der schweren Lösung gleichzeitig suspen-
dierter Körner zur Verfügung steht. Es war nicht leicht, das
passende Material zu beschaffen. Dem Käufer und Benutzer der
Indikatoren ist es aber nicht wesentlich, wie der Hersteller die
Schwierigkeiten überwunden hat.
In meinen Kästchen ist die Zahl der Indikatoren nicht ganz
gleich. Sie richtet sich nach dem spezifischen Gewicht des
verfügbaren Materials , das so ausgewählt wurde , daß die Ab-
stände möglichst gleichmäßige sind. Danach schwankt die Zahl
der Indikatoren im Kästchen zwischen 30 und 36. (In Linck’s
Satz 24.)
Ein solches Kästchen enthält beispielsweise 34 Indikatoren
mit den folgenden spezifischen Gewichten.
No.
Sp. G.
No. Sp. G.
No.
Sp. G.
No. Sp. G.
1 No.
Sp. G.
No.
Sp. G.
1
2,060
1
7 2,311
13
2.531
19 , 2,699
25
2,962
31
3,147
2
2,148
8 2,363
14
2,552
20 2,720
26
2,981
32
3,189
3
2,164
9 2,404
15
2,570
21 2,740
27
3,013
33
3.224
4
2,209
10 2,448
16
2,612
22 2,762
28
3,044
34
3,295
5
2,252
11 2,476
17
2,646
23 2,883
29
3,058
—
—
6
2,298
12 2,492
18
2,661
24 2,936
30
3,091
—
—
44
W. Heeger,
Es ist erfreulich, daß durch Linck’s Publikation wieder auf
die Nützlichkeit solcher Indikatorensätze für mineralogische und
petrographische Untersuchungen hingewiesen wurde und es ist zu
wünschen , daß dieselben in beiderlei Ausführung zur Förderung
unserer 'Wissenschaft beitragen möchten.
Heidelberg, August 1912.
Ueber die mikrochemische Untersuchung fein verteilter
Carbonate im Gesteinsschliff.
Von W. Heeger in Jena.
Im folgenden sollen einige Mitteilungen gemacht werden über
die Erkennung und deutliche Scheidung von Calcit und Dolomit
in Schliffen solcher Gesteine, die sie in feinster Verteilung und
nebeneinander enthalten können, und ferner über die gleichzeitige
Feststellung der Teilnahme von FeO an ihrer Zusammensetzung.
Sehr allgemein wird zur Unterscheidung von Calcit und Dolo-
mit im Dünnschliff die sogenannte „LEMBERG’sche Lösung“ 1 an-
gewandt, eine wässerige Lösung von Al Cl3 zusammengekocht mit
Blauholzextrakt, unter deren Einwirkung sich auf CaC03 ein
blau violett gefärbter Lack von Al(OH)3 bildet. Da aber bei
feinerer Verteilung des Calcits dieser Lack nur schlecht oder gar-
nicht haften bleibt, müßte die Verwendung dieses Reagenses in
vielen Fällen zu Irrtümern Veranlassung geben. Dies letzte gilt
auch für die bekannte „LixciUsche Lösung“2 3 — NH4-Pliosphat
mit verdünnter Essigsäure — . deren Wirkung auf dem Nieder-
schlag einer schützenden Decke von Struvit, d. i. Mg-N ^-Phos-
phat, auf dem Mg-haltigen Carbonat beruht, während der Calcit
von der Essigsäure weggelöst wird. — Zur Erkennung auch fein
verteilter calcitischer Massen, z. B. auch der aus zersetzten Sili-
katen gebildeten, gibt indessen Lemberg 3 noch eine Reaktion als
dienlich an, die nach geeigneter Anwendung von AgNG3 erst
zur Bildung vonAg2C03 führt und schließlich durch Einwirkung
von K„Cr04 auf eine Fällung von Ag„ Cr 04 hinausläuft. — Die
Reaktion scheint sehr empfindlich, die klare rote Farbe des
Ag2Cr04 an allen Stellen, wo CaC03 lag, wird außerordentlich
deutlich sichtbar. Aber nun bemerkt schon Lemberg selbst als
einen allgemeinen Übelstand aller solcher chemischen Methoden,
besonders wenn, wie hier, die Lösungen längere Zeit und bei
1 Vergl. Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellsch. 1888. p. 857 — 859. —
Ebenda 1892. p. 824.
- Vergl. Abhandlungen z. geol. Spezialkarte v. Els.-Lothr. III, 1.
p. 17. (Ber. üb. d. XVI. Vers, des oberrh. geol. Ver.)
3 Lemberg, Mikrochem. Untersuchungen einiger Mineralien. Zeitschr.
d. deutsch, geol. Gesellsch. 1892. p. 231.
Ueber die mikrochemische Untersuchung etc.
45
erhöhter Temperatur einzuwirken haben, daß sich diese iu Risse
•ziehen, infolgedessen nicht genügend auswaschen lassen und mit
anderen Lösungen in Wechselwirkung treten, daher auch gerade
bei dieser Methode eine Verifizierung des Carbonats durch eiue
Säureprüfung nicht zu umgehen sei. Das macht ohne weiteres
verständlich, daß diese Methode in locker und fein gefügten Ge-
steinen zur ersten Auffindung vonCaC03 usw. nichtsehr bequem
ist. — Es sind nun noch eine ganze Reihe anderer Unter-
scheidungsarten bekannt geworden, teils zur flüchtigen Erkennung1
der Mengenverhältnisse von CaO und MgO, teils zu quantitativer
Trennung und auch für die mikroskopische Prüfung. Auf diese
letzten muß ich hier im Hinblick auf die danach zu erörternde
Methode etwas näher eingehen : Eine von Fr. Hinden 2 im Jahre
1904 als „neu“ bezeiclmete Methode durch Braunfärbung des
Calcits unter Einwirkung von Fe Cl3-Lösung, eventuell in Verbin-
dung mit der „Säureprüfung“, geht, wie Thugutt3 dargetan hat,
•auch schon auf den Altmeister all dieser mikrochemischen Metho-
den, Lemberg4, zurück. Sie hat den großen Nachteil, daß natür-
lich etwa schon vorhandene Fe-Hydroxydmassen außerordentlich
störend wirken müssen ; und dieser Nachteil bleibt bestehen, wenn
man das Fe-Hvdroxyd durch (N H()„ S in schwarzes FeS über-
führt, ja es wird unter Umständen durch vorhandene Erzkörner,
organische Substanzen usw. die Schärfe des Bildes noch mehr
beeinträchtigt5 6 7. Lemberg hat daher, um zugleich bessere Dauer-
präparate zu erhalten , schließlich das Fe S noch durch Be-
handlung mit Ferri cyankalium , K3Fe(CN)fi, in Turnbulls-Blau,
Fe3 [Fe (C N)fi]0 , übergeführt Bedenkt man noch, daß wegen
der leichten Oxydierbarkeit des FeS alles möglichst rasch er-
folgen muß , was eine oft erwünschte genaue Überwachung der
einzelnen Vorgänge ausschließt , so wird man schließlich gegen-
über solch mehr oder weniger umständlichen Methoden es vor-
ziehen , sich wenigstens für die Gesteine , wo Calcit nur in
kleinsten Körnchen vorhanden sein kann, auf die Behandlung mit
geeignet verdünnten Säuren zu beschränken.
Der mikrochemische Nachweis des Fe 0 nach einer zuerst
von K. Krech ' angegebenen Methode führte mich nun nach ver-
1 Z. B. Cornu, Dies. Centralbl. 1906. p. 550; vergl. ferner 2 Hinden.
2 Fr. Hinden, Neue Reaktion zur Unterscheidung von Calcit und
Dolomit. Verhandl. d. Naturf. Ges. in Basel 1904. 15. (2.) 201. Referat
hierüber von M. Bauer im N. Jahrb. f. Min. etc. 1905. I. p. 23.
3 Dies. Centralbl. 1905. p. 265.
4 Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellscli. 1887. p. 489 ff.
5 Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellsch. 1888. p. 357.
6 Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellsch. 1892. p. 823.
7 K. Krech, Beitrag zur Kenntnis der oolithisclien Gesteine des
Muschelkalks um Jena. Inaug.-Diss. Jena. Auch: Jahrb. d. K. Preuß,
geol. Landesanst. 1909. I. p. 59 — 133.
46
W. Heeger,
scliiedenen Versuchen, gegründet auf die Tatsache eines geringen
FeO-Gehaltes in den meisten Gesteinscarbonaten, zu einer in sehr
vielen Fällen brauchbaren Unterscheidungsart von Calcit und
Dolomit und zur deutlichen Sichtbarmachung auch kleinster car-
bonatischer Teilchen.
Krech behandelte, um nachzuweisen, daß ein Dolomitmineral
in von ihm untersuchten Gesteinen Fe-haltig sei, den Schliff mit
einer frisch bereiteten Ferricyankaliumlösung, der er einige Tropfen
verdünnte HCl — es soll noch keine sichtbare C 02-Entwicklung
auftreten — zusetzte. „Unter ihrer Einwirkung färbten sich die
Dolomitkörner deutlich blau .... Calcit dagegen nicht“ ....
„wenngleich Geduld nötig ist“ l.
Bei den Versuchen , dies Reagens überhaupt zur Unter-
scheidung von Calcit und Dolomit brauchbar zu machen , zeigte
sich nun, daß hinsichtlich der Mengenverhältnisse der daran be-
teiligten Stoffe gerade das Umgekehrte als das oben angegebene
dienlicher ist: Ist das betreffende Carbonat durch die HCl nur
genügend angegriffen, dann reicht die geringste Spur von Ferri-
cyankalium aus, um die Blaufärbung zu bewirken. Als ziemlich
allgemein brauchbar erwies sich eine Lösung, in der auf
etwa 2 — 3 ccm ungefähr ^ HCl einige Tropfen Ferri-
cyankaliumlösung zugesetzt waren. Mit noch stärker
verdünnter HCl oder mit Essigsäure verläuft die Reaktion be-
sonders für den Dolomit zuweilen unbequem langsam.
Im folgenden seien die bisherigen Resultate kurz zusammen-
gefaßt :
Der Verlauf der Reaktion wird u. d. M. verfolgt. Ist
Calcit vorhanden, so muß sich wegen der für dies Carbonat ja
noch immer starken Säure sofort auch eine noch ziemlich lebhafte
CO,-Entwicklung bemerkbar machen. Sind die calcitischen Massen
sofort in großer Verbreitung erkannt, so empfiehlt sich wohl, das
Reagens gleich oder nach wenigen Sekunden abzuspülen, um die
weitere Auflösung zu verhüten. Zugleich hat sich das Carbonat
intensiv blau gefärbt, wenn es nicht vollkommen Fe-frei ist,
worauf ich noch (p. 50) zurückkommen w'erde.
Bei der von Lemberg erwähnten langwierigen Behandlung,
die schließlich auch auf Turnbulls-Blau hinauslief, bemerkt jener
bereits, daß sich, indem der blaue Farbstoff schwindet, kleine
weiße Stellen in den blauen Feldern bilden. Sind nun aber die
Calcitkörner kleiner oder liegen sie nicht eng beieinander, wie
z. B. oft , w'enn wir es mit calcitischem Füllmaterial in Sand-
steinen zu tun haben , so braucht man bei der neuen Methode
nicht so ängstlich zu sein. Es verschwindet zwar bei längerer
1 1. c. p. 68. 1.
Ueber die mikrochemische Untersuchung etc.
47
Einwirkung das Carbonat bald vollkommen und die Stelle wird
isotrop, aber die blaue Farbe bleibt bei nicht allzu heftigem
Abspiilen liegen und bedeckt, bei kleinem Korn, das ganze Feld.
— Mit dieser Methode ließen sich auch äußerst fein verteilte1
carbonatische Massen ermitteln, indem oft unter einem oder wenigen
sich bildenden Bläschen ein blaues Pünktchen zu beobachten war,
oft mitten zwischen anderem — dolomitischen — Carbonat den
Calcit verratend oder wenigstens das Carbonat1 zwischen den
in so feiner Verteilung ja ähnlich bunt irisierenden Glimmern,
Gipsen usw. , wo es- dem Auge allein entgehen mußte , und um-
gekehrt : Erkennung von Glimmer , Gips usw. zwischen Carbonat.
(Färben sich z. B. auf dem klastischen Material in Sandsteinen
auch staubförmig verteilte dünnste Mengen blau, so wird man wohl
nicht fehlgehen, sie für feinste, beim Schleifen verriebene Massen
anzusprechen.)
Ist nun Dolomit oder ein anderes schwerer angreifbares
Carbonat als CaC03 bezw. (Ca, Fe)C03 vorhanden, so wirkt das
Reagens allmählich, je nach der Angreifbarkeit des betreffenden Car-
bonats , ohne Gasentwicklung oder Auflösung. Wir beobachten
u. d. M., bis uns die Färbung — gelblichgrün infolge der Durch-
sicht durch den Tropfen der Lösung — kräftig genug erscheint :
dies ist oft schon nach einer Minute oder weniger, oft erst nach
^ Stunde oder mehr der Fall, doch ist sie selbst dann noch nicht
so intensiv blau wie sofort bei Calcit, im Gegenteil fast immer
etwas trüb. Es macht sich eben hier die auch bei Behandlung
nur mit Säure besonders nach dem Trocknen zu beobachtende
Trübung durch Bildung von Chloriden — bei LmcK’scher Lösung'
statt dessen Struvit — bemerkbar. Zu beachten ist, daß her-
nach durch das Trocknen die Intensität des besonders im auf-
fallenden Lichte schönen Blaus noch wesentlich steigt. — Während
nun bei Calcit mit dem Auf hören der C02-Entwicklung auch die
Färbung beendet ist, fehlt ein solches Kriterium beim „unlös-
lichen“ Dolomit: Sicher ist, wenn die Färbung sehr bald erscheint,
aber auch nach vielleicht 10 Minuten kaum stärker geworden
ist, daß dann nichts weiter zu erwarten und somit ein nur ge-
ringer Fe-Gelialt vorhanden ist. Geht sie indessen immer weiter
und führt schließlich bei übertrieben langer Dauer zu einem tief-
dunkelblauen Lack, so muß man auf höheren Fe-Gehalt schließen.
Es liegt nun nahe anzunehmen, je höher der Fe-Gehalt, desto
langsamer würde die Färbung beginnen, weil der Fe-Gehalt die
„Löslichkeit“ der Carbonate herabzudrücken scheint. Und in der
Tat fand sich des öfteren eine Übereinstimmung dieser Ansicht
mit dem analytischen Befunde. Aber es hat sich herausgestellt,
daß man auch bei baldigem Beginn der Anfärbung nicht ohne
Vergl. hierzu noch hier p. 50.
48
W. Heeger,
weiteres auf geringen Fe-Gelialt schließen darf. Denn dieser
Anfangspunkt des Sichtbarwerdens der Einwirkung ist ja. außer-
ordentlich stark durch physikalische Eigenschaften beeinflußt:
Korngröße, feine Zerreißung, die, wie längst experimentell er-
wiesen *, die Löslichkeit erhöht, Rauhigkeit der Oberfläche, Spal-
tungstracen — kurz, alle die Oberflächenenergie beeinflussenden
Eigenschaften der Minerale müssen die Wirksamkeit der Säure
auf das Carbonat verändern, wie sich denn die Reaktion auch
immer an all den locis minoris resistentiae zuerst bemerkbar
macht. Sie veranschaulicht demnach vor allem auch die Angreif-
barkeit des betreffenden Carbonates.
Weitere Erfahrungen verdanke ich einigen Versuchen, die
von Herrn GnüxBERG-Jena an Schliffen von quantitativ analysierten
Mineralien vorgenommen wurden : Es zeigte sich hier, daß bei
eigentlichem „ Dolomit“ ein geringer Unterschied im Fe-Gehalt
auf deu Anfangspunkt der Sichtbarwerdung der Anfärbung nicht
merklich verschiebend einwirkt, so daß wohl aus der verschiedenen
Intensität der Färbung nach der gleichen Zeit der Eiuwirkung auf
annähernd proportional verschiedenen Fe-Gehalt geschlossen werden
darf. Im allgemeinen waren bei GrCnberg’s Versuchen „ Calcit “ in
wenigen Sekunden, „Dolomit“ und „Aukerit“ in 5 Minuten völlig-
gefärbt, .Magnesit“ und _ Braunspat ' begannen sich nach ^ Stunde
zu färben; anderseits dauerte es wieder bei einem „ Anker it“ mit
20°/oFeC03 etwa 30 Minuten, bis eine einigermaßen sichtbare
Färbung erzielt wurde.
Ich glaube daher doch, daß im ganz frischen Zustand auch
bei den „Dolomiten" ein höherer Fe-Gehalt den Beginn der An-
färbuug verzögern wird. Sobald aber das Carbonat auch chemisch
schon etwas angegriffen ist, wird die Widerstandsfähigkeit be-
deutend herabgedrückt: So ließ sich des öfteren dort, wo sich
aus dem Dolomit Fe-Hvdroxyd ausgeschieden hatte, eine bedeutend
schnellere Anfärbung feststellen, als bei noch unzersetztem Mineral,
so daß sich daraus der zunächst paradox klingende Schluß ergibt,
daß dies „Fe O-Reagens“ bisweilen das FeO am schnellsten anzeigt,
wo das wenigste FeO vorhanden ist.
Eine besonders interessante Erscheinung ist das Auftreten
von mehr oder weniger zonar verlaufender Verschiedenheit oder
überhaupt von Inhomogenitäten in der Einwirkung, wie sie
sowohl von Grünberg an Mineralschliften, wie von mir bei car-
bonatischem Füllmaterial in Sandsteinen gefunden wurden: Im
letzteren Fall blieb bisweilen um einen mittleren sofort gefärbten
Kern mit scharfer Grenze ein äußerer Rand fast oder ganz un-
gefärbt, ging aber doch auch gleich in Lösung, was nur auf
verschiedene Verteilung und z. T. vollkommenes Fehlen von Fe-
Vergl. W. Ostwalu, Zeitschr. f. phys. Chemie etc. 1900. p. 495 — 503.
lieber die mikrochemische Untersuchung etc.
49
Gehalt zurückzufüliren ist. Verfällt bei solchen „Verwachsungen“
alles bald der Auflösung, so ist es ziemlich unwahrscheinlich,
daß „Dolomit“ beteiligt ist, zumal, wie Grünberg nachgewiesen
hat, CaFeC206 immer noch leichter löslich ist als CaMgC2 06.
Es sei aber bemerkt, daß sich ganz ähnliche Verwachsungen auch
im Dolomit in denselben Gesteinen finden1. Ob auch Verwach-
sungen von „Calcit“ und „Dolomit“ 2 Vorkommen, wie sie andere
mit „LEMBERG’scher Lösung“ nach gewiesen haben sollen, gelang
mit dem Reagens bisher nicht einwandfrei festzustellen, obwohl
schon durch sofortige Wiederabspülung oder Verwendung schwächerer
Säure eine bessere Überwachung des Vorgangs ermöglicht wurde.
Es ist zunächst zu bedenken, falls es wirklich innige Verwach-
sungen verschiedener Carbonate, die sich nicht bloß durch ihren
Gehalt an FeO unterscheiden, gibt, daß dann natürlich die an dem
leichter angreifbaren Teile einsetzende Auflösung sich auch auf
den anderen leichter verpflanzen wird, also dieser Teil dann auch
leichter der Auflösung und somit der Einwirkung irgendwelcher
Reaktionen verfallen muß, als wenn er allein bestände. — Ander-
seits ist es nicht ausgeschlossen, daß gei’ade lediglich der Wechsel
im FeO-Gelialt zu Täuschungen Veranlassung gibt. Ich glaube
z. B. auch, wenn Lemberg meint, daß der Fe C 03-Gehalt während
nur kurzer Einwirkung bei der Fe C13-(N H4)2 S-Methode nicht
störe, doch, daß es gerade auf diesen zurückzuführen ist, wenn
bei seiner Weiterbehandlung mit Ferricyankalium die mit Turn-
bulls Blau bedeckten Stellen nicht gleichmäßig gefärbt wurden,
sondern hier „hellblaue und dunkelblaue Stellen“ abwechselten.
Gerade dort, wo eben die chemischen Verhältnisse nicht so
gleichmäßig und einfach sind, gibt die neue Methode, die nicht
erst Fe zuführt, sondern den meist ab ovo vorhandenen Fe-Gehalt
der Carbonate benutzt, hierüber wenigstens einen gewissen Auf-
schluß. Es hat sich durch Vergleichsversuche so gut wie einwand-
frei erwiesen, daß, wo die Behandlung mit „LEMBERG’scher Lösung“
oder auch der „AgN 03 — K2 Cr 04-Methode“ eine nicht gleichmäßige
Wirkung hervorrief, wie zonare oder sogar gesprenkelte , bis-
weilen auch „schriftgranitische“ Verteilung, daß in diesen Ge-
steinen eben Kriställchen vorliegen, die, scheinbar homogen, an
verschiedenen Stellen verschiedenen Fe-Gehalt aufweisen. Manch-
mal zeigen sich solche Inhomogenitäten auch schon durch geringe
Triibungs- oder Farbenunterschiede ohne weiteres an, ferner auch
durch auffällige Auslöschung zwischen + Nicols 3.
1 Vergl. Heeger, Petrogenet. Stud. üb. d. unt. u. mittl. Btsdst. i.
östl. Thür. Inaug.-Diss. Jena. 1912.
2 Vergl. Heeger, 1. c. Coomäraswämy , Q. J. G. S. 1902. p. 412.
Skeats, Q. J. G. S. 1905. PI. X.
3 Vergl. auch K. Krech, 1. c. p. 69 u. Hef.ger, 1. c.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913.
4
50 W. Heeger, Ueber die mikrochemische Untersuchung etc.
Bei ganz feinem Korn 1 wird sich wohl überhaupt eine
ganz einwandfreie Unterscheidung, ob Calcit oder Dolomit vor-
liegt, kaum verwirklichen lassen. Schon mechanische Zerreibungen,
z. B. in Sandsteinen durch klastischen Quarz, oder auch nach-
trägliche vielleicht beim Schleifen entstandene Kratzer machen
sich sofort durch schnelle Anfärbung bemerkbar: Da wird sich
manches Mal auch aus Dolomit, selbst bei der schwachen Säure,
C 02 entwickeln. Man kann dann nur noch ans Analogien
schließen.
Tritt überhaupt keine Färbung auf, was sich in Gesteins-
schliffen an einigen Calcitkörnern ausnahmsweise beobachten ließ
— bei Dolomit bisher noch nicht — , so scheint es in diesen Ge-
steinen immer so, als ob es sich um eine Neuausscheidung nach
einer mehr oder weniger weit fortgeschrittenen Auflösung handelt.
So fanden sich Fe-freie Umwachsungen um abgerundete Fe-haltige
Kerne. Die Umwandlungen fanden offenbar unter Bedingungen
statt, unter denen Fe" nicht mehr bestehen konnte; es wurde zu
Fe'" oxydiert, infolgedessen bei dem Wiederabsatz des CaC03
nicht wieder mit aufgenommen und hinterblieb als Hydroxyd.
[Anmerkung: Da sich auch in dem von Krech untersuchten
Gestein der Calcit nicht färbte, handelt es sich dort vielleicht ebenso um
eine Neuausscheidung. Daß hier bei Zerstörungen „nur Dolomit der Auf-
lösung verfiel“ 2, ist mit obiger Ansicht ebenfalls zu vereinbaren, während
Kr. ungewöhnliche Lösungsbedingungen annebmen zu müssen glaubt. —
Ganz etwas Ähnliches — frischen Calcit neben stark zerfressenem Dolo-
mit — fand ich in einem Buntsandsteinkonglomerat3. — Vielleicht ban-
delt es sich ferner auch bei den von Kr. beschriebenen „Pseudomorphosen
von Aggregaten nach Individuen“ 4 um Ausscheidung von Ca C 0,-Kriställ-
chen an der Stelle ursprünglicher größerer Fe-Dolomitkristalle ; denn
auch hier fehlt die Begleitung von Fe-Hydroxyd nicht, und die gute primär-
rhomboedrische Umgrenzung der Aggregate spricht für Dolomit.]
Läßt sich nach allem Gesagten aus dieser mikrochemischen
Methode, namentlich bei Beachtung der Zeitdauer und möglichster
Gleichartigkeit der geprüften ‘ Stellen in physikalischer Hinsicht,
immerhin bis zu einem gewissen Grade ein Schluß auf die Stärke
der Beteiligung von Fe neben der Unterscheidung, ob Calcit oder
Dolomit vorliegt, fällen, so ist doch an eine Benutzung solcher
Arten von chemischen Einwirkungen auch zu quantitativen
Trennungen nur mit Vorsicht heranzugehen, wie es Htnden für
die Fe Cl3-Methode vorschlägt und neuerdings Mahler a mit einer
1 Man beachte auch die enorme Vergrößerung bei Skeats, 1. c.
Taf. XII Fig. 1.
2 Krech, 1. c. p. 69.
3 Vergl. Heeger, 1. c.
4 1. c. p. 66 u. T. VI. 1.
ä Inaug.-Diss. Freibnrg 1906.
K. Olbriclit, Neue Beobachtungen im Diluvium etc.
51
Cu-Nitratlösung ausgefiilirt hat: Dies mag für im Laboratorium
hergestellte reine Präparate bei gleichen Zeiträumen der Einwir-
kung einwandfreie Resultate liefern, wie sich kürzlich bei Unter-
suchungen von K. Spangenberg 1 mit gutem Erfolge gezeigt hat ;
aber bei natürlichen Carbonaten werden oft, ohne daß man es
ahnt, allerhand Beimengungen, also vor allem, wie gezeigt, die
gerade hier benutzten Fe-Salze, je nach ihrem Prozentsatz auf
die Energie der Reaktion und somit auf deren Leistung in be-
stimmter Zeit einen stark verschiebenden Einfluß ausüben müssen.
Die Vorteile dieses „Ferricyankalium-Säure-Reagenses“ für
m ikrochemische Untersuchungen indessen seien , abgesehen
von der jederzeit rasch erzielten Gebrauchsfertigkeit — die „Lem-
BERG’sclie Lösung“, umständlich herzustellen, läßt bekanntlich leicht
nach — noch dahin zusammengefaßt, daß sich in ihm die „Säure-
prüfung“, die Prüfung ob Calcit oder Dolomit, deren Sichtbar-
machung durch Anfärbung, d. h. in manchen Fällen überhaupt
das Auffinden von Carbonat, endlich der Nachweis des FeO und
der durch den Fe-Gehalt etwa bedingten Inhomogenitäten in einer
einzigen, bei gewöhnlicher Temperatur in ihrer Wirkung schnell
genug sichtbar werdenden Reaktion vereinigen.
Jena, Mineralogisches Institut, Oktober 1912.
Neue Beobachtungen im Diluvium der Umgebung
von Hannover.
Von K. Olbricht.
Mit 6 Textfiguren.
Im Jahre 1910 hatte ich Gelegenheit, die Aufschlüsse in der
glazialgeologisch noch wenig bekannten Umgebung von Hannover
zu begehen. Über die Ergebnisse dieser Untersuchungen habe
ich kurz im Globus berichtet (I.) und kam zu folgenden An-
schauungen :
Die AVürm Vereisung (dritte Vereisung des Landesanstalt)
überschritt in zwei großen Zungen noch das Allertal, ihre Sandr
liegen dicht im Norden der Stadt Hannover vor mehreren End-
moränenbögen. Das ostwestlich gerichtete Leinetal von Hannover bis
Wunstorf ist wahrscheinlich durch den Rand des Würmeises bedingt;
vorher floß die Leine — wie Schotter zeigen — in der breiten
wiesenbedeckten Senke, die heute von der Wietze benutzt wird1 2.
1 Inaug.-Diss. Jena 1912.
2 In einer Arbeit über „äußere Jungendmoränen in Norddeutschland“
(Zeitschr. f. Gletscherkunde. 1912. p. 250 usw.) kommt Werth zu einer
Begrenzung, die der Wirklichkeit nicht immer entspricht. Da seine Arbeit
zudem stellenweise auf nicht hinreichender Orts- und Literaturkenntnis
aufgebaut ist, werde ich an anderer Stelle auf dieselbe zurückkommen.
4*
52
K. Olbricht, Neue Beobachtungen
Außerhalb des vom Würmeise bedeckten Gebietes stehen die
stark eisenschüssig verwitterten Ablagerungen der älteren Riß-
vereisung an, sie bestehen aus liegenden Sanden, denen eine Grund-
moräne aufgelagert ist, die meist sandig verwittert ist, ohne je-
doch von jüngeren Decksanden überschüttet zu sein. Daraus schloß
ich schon früher, daß die eiszeitlichen Gletscher beim Vorrücken
mächtige Sande aufschütteten, diese dann mit einer Grundmoränen-
decke bedeckten , die zumeist noch heute die Oberfläche bildet,
ohne von jüngeren Decksanden überschüttet zu sein. Daraus sich
ergebende Folgerungen über den Aufbau des typischen Diluvial-
protils habe ich schon vor Jahren gezogen und formuliert (II.
p. 613). Ihre Bewahrheitung würde um so wichtiger werden, als
durch sie auch die von Passarge (III. p. 257 usw.) aufgestellte
These, daß den vier alpinen Schottern nur zwei Vereisungen zu
entsprechen brauchen, als durchaus hypothetisch hingestellt werden
müßte.
Die Schichten dieser älteren Vereisung werden von einer
Lößdecke überkleidet und sind mehrfach zu Moränen wällen auf-
gepreßt. Eine Mehrteilung des älteren Diluviums ist nicht un-
möglich, aber durch keinerlei zwingende Aufschlüsse zu beweisen.
Im Sommer dieses Jahres konnte ich meine Studien neu auf-
nehmen und mehrfach erweitern. Es gelang mir nicht nur, zahl-
reiche neue Moränenwälle aufzufinden, sondern auch die Lößgrenze
genauer festzulegen. Einen kurzen Auszug aus diesen Beobach-
tungen habe ich schon kurz an anderer Stelle gegeben (IV.) und
im Diluvium der Umgebung von Hannover.
53
durch eine Karte erläutert. In den folgenden Zeilen möchte ich
noch etwas eingehender auf diese Beobachtungen zurückkommen,
da sie für das Verständnis der Glazialgeologie dieser Gegend
nicht unwichtig sind.
Westlich von Springe liegen zu beiden Seiten der nach
Münder führenden Landstraße mehrere Hügel, die durch ihren
Sandreichtum schon auf dem Meßtischblatt dieser meist aus festem
Gestein aufgebauten Gegend auffallen. Die Begehung zeigt, daß
diese nach allen Seiten hin abfallenden Hügel die Erosionsreste
eines zungenförmig angeordneten Moränenwalles sind (Fig. 1).
Mehrfach ist dieser durch tiefe Gruben aufgeschlossen. Es ergibt
sich folgendes Gesamtbild: Über mächtigen, oft gestauchten Sanden
mit eingelagerten Tonlinsen lagern eisenschüssig verwitterte Schotter,
die z. T. offenbar nur Umlagerungsprodukte sind, die Decke wird
von Resten einer Grundmoräne gebildet. Die Schichten sind mehr-
fach stark gestört, so daß die Sande Linsen in den Schottern
bilden. An den Flanken liegen Lößlehme, die bis zu 2 m mächtig
werden, jedoch die höchsten Spitzen frei lassen. Es handelt sich
hier um sehr schön erhaltene Reste von Aufpressungsmoränen,
die an einem zungenförmigen Eisrande entstanden und sich wahr-
scheinlich zur Zeit eines lokalen Vorstoßes während der Abschmelz-
zeit bildeten.
Weitere, bis zu 15 m Tiefe aufgeschlossene Endmoränenwälle
linden wir im Norden von Hachmühlen. Den hier aufgeschlossenen
gefalteten Sanden und Kiesen ist eine stark zementierte Schicht
eingelagert, die möglicherweise einer älteren Vereisung entspricht.
Einen wundervollen Moränenwall bildet das im Westen von
Münder sich erstreckende Massiv des Eilenberges, das weithin das
Landschaftsbild beherrscht und bis 40 m die Umgebung überragt.
Die tiefsten Aufschlüsse liegen bei Hamelspringe in 130 m
Meereshöhe. Hier liegen als Basis kalkhaltige, stark zementierte
Schotter (Fig. 2 ) mit zahlreichen eingesprengten
nordischen Geschieben. Diese Schotter wer-
den als Bausteine abgebaut und von einer
deutlichen, zu ihrem Einfallen diskordant ver-
laufenden Oberfläche abgeschnitten. Über
dieser deutlich erhaltenen alten Oberfläche
folgen mächtige Sande, Schotter und Grund-
moränen, wobei die oft wenig geschichteten Schotter offenbar nur
Umlagerungsprodukte und eine Fazies der Grundmoräne darstellen.
An den Flanken lagern Lösse, die in den westlich sich anschließenden
Ziegeleigruben mehrere Meter mächtig werden. Wir haben es
hier offenbar mit den Ablagerungen von zwei Vereisungen zu tun,
die — wie sich auch Herr Professor Hauthal überzeugen konnte —
nachträglich zu einem Moränenwall aufgepreßt wurden. Die Be-
gehung der zahlreichen Aufschlüsse des teilweise nur mit Gräsern
Alter Schotter
Fig- 2.
54
K. Olbricht, Neue Beobachtungen
bewachsenen Eilenbergs zeigt , daß dieser bis auf den höchsten
Gipfel (+ 186 m) aus meist gestauchten Schottern besteht, also
einen deutlichen Moränenwall darstellt, der die stattliche Höhe
von mehr als 40 m erreicht. Wie dieser früheren Beobachtern
— • namentlich Spethmann — entgehen konnte , ist mir unver-
ständlich.
Weitere Moränenwälle finden wir bei Einbeck hausen.
Sie markieren einen Eisrand, der einem Gletscher entsprach, der
durch die tiefe Senke zwischen dem Nordmannsturm und der
Hohen Warte den Deister querte.
Die Vereisung, welche diese Moränenwälle schuf, kann sich
also nicht mehr sehr weit nach Süden erstreckt haben , da sie
so auffallend von den Formen des Untergrundes beeinflußt wurde.
Das paßt zu den Anschauungen Grupes (V.), nach denen das
Rißeis bei Hameln bis an die Weser reichte und im Leinetal noch
bis in die Alfelder Gegend ihre Grundmoräne hinterließ. Viel-
leicht gehören zu dem Zuge dieser Endmoränenreste auch die Kies-
hügel bei Banteln im Leinetal.
Auch hier haben wir wieder den Fall vor uns, daß der
äußerste Rand von Vereisungen nicht immer durch Moränenwälle
bezeichnet werden braucht, diese vielmehr zumeist lokalen Vor-
stößen — kleinere Klimaschwankungen? — während der Ab-
schmelzzeit ihre Entstehung verdanken a.
Wir haben es also in unserem Gebiete mit den Ablagerungen
von zwei Vereisungen zu tun, von denen die der jüngeren Riß-
vereisung sich bis Alfeld und Hameln ausdehnen, während die der
älteren Mindelvereisung nur an einer Stelle (bei Hamelspringe) in
Gestalt alter, stark zementierter Schotter erhalten sind. Der sich
zwischen beide schiebenden Interglazialzeit entspricht die Ver-
festigung der älteren Schotter und die Herausbildung der Dis-
kordanz. Diese Untersuchungen harmonieren durchaus nicht mit
den Anschauungen Schucht’s über den Lauenburger Ton (VI.),
passen aber so gut zu den Beobachtungen in Thüringen und
anderen Gebieten, daß es wohl unbedingt nötig erscheint, den
Lauenburger Ton in mindestens zwei Unterabteilungen , zwischen
die sich eine Vereisung schiebt, zu zerlegen. Ich erinnere hier-
bei ebenfalls an mein Übersichtskärtchen der norddeutschen Ver-
eisungen (VII.).
Lößlehme bedecken im Süden von Hannover (vergl. Kärtchen)
in breiten Streifen das Flachland, das hier fast waldlos ist und
von üppigen Ackerländern eingenommen wird (vergl. auch Karte
in IV, wo die Pflanzendecke eingezeichnet ist) und reichen weit
hinein in die Gebirge, hier meist die Senken erfüllend, während
die Kämme lößfrei sind.
Vergleiche hierzu die vorige Anmerkung.
im Diluvium der Umgebung von Hannover.
oa
Ein schöner Lößaufschluß befindet sich bei Einbeckhausen
(Fig. 3), wo die Lösse bis 6 m Tiefe aufgeschlossen sind und mit
deutlich erkennbarer Diskordanz über den glazialen Schichten
Fig. 3.
liegen.
Schon die Übersichtskarte zeigt, daß die Lösse in größter
Erstreckung sich im Windschatten des Deisters erhalten haben
und weiter nördlich, wo ungehemmt die Westwinde wehen können,
fehlen. Die heutige Nordgrenze der Lösse ist also meines Er-
achtens nicht die Grenze der ehemaligen Löß-
verbreitung überhaupt, sondern diese reichte
einst viel weiter nach Norden. Dies schloß
ich zum ersten Male aus der Verbreitung der
Mergelsande , die meines Erachtens nichts
anderes als umgelagerte Lösse sind. Ebenso
deutete ich zum ersten Male die Feinsande des
Fläming und die Flottlehme der Lüneburger Heide als Lösse und be-
wies dies auch durch Auffinden einer Dreikanterschicht, die dem kar-
tierenden Geologen Stoller der Landesanstalt entgangen ist (X.
p. 52). Die Feinsande des Fläming hält auch schon Linstow für
Lösse, während die Flottlehme der Heide von StoLLER immer noch
als Eissedimente erklärt werden, obgleich über ihre Lößnatur ge-
wichtige Zweifel gar nicht mehr bestehen können (X. p. 52 usvv.).
In Fig. 4 habe ich nach den Aufnahmen der Landesanstalt
die Flottlehme der Heide in eine Höhenkarte eingetragen. Ein-
mal fällt es uns auf, daß diese Flottlehme im Windschatten des
Siising liegen, zugleich erkennen wir ihre ganz eigenartige streifen-
förmige Anordnung, die offenbar nicht die ursprüngliche Ver-
breitungsgrenze ist. Die Karte zeigt eigenartige Gesetzmäßig-
keiten. Die Flottlehme sind überall an den Stellen abgetragen,
wo durch tiefe Täler die Winde ungehindert wehen können, nur
so lassen sich die eigenartigen, nach Osten zu spitz zulaufenden
Einbuchtungen erklären, die deutlich den Tälern folgen ; die Karte
zeigt dieses besser, als langatmige Beschreibungen.
56
K. Olbricht, Neue Beobachtungen
Die Entstehung des Flottlehmgebietes weist auf Grund der
Aufnahmen folgende Geschichte auf :
Lange Zeit nach dem Abschmelzen der Gletscher werden auf
Erosionsdiskordanzen Lösse aufgeweht (X. p. 52), deren Verbrei-
tung offenbar ehemals eine viel größere war. Auf die Lößzeit
folgt eine Zeit — oder mehrere? — , in der die Lösse unter dem
Einfluß der für das heutige Klima kennzeichnenden Westwinde
zum großen Teil wieder abgetragen werden. Dies muß in einer
Übergangszeit geschehen sein, als die Westwinde schon wehten,
aber die Pflanzendecke noch nicht den Boden vor jeder Abtragung
schützte. Heute werden unter dem Einfluß der Pflanzendecke die
ehemaligen Formen erhalten. Eine ähnliche Anordnung zeigen
auch die Feinsande des Fläming (Fig. 5).
Diese Folgerungen aus den Lößgebieten der Heide und der
Umgebung von Hannover werden sicher auch für die übrigen Löß-
Belzig
Treuenbrietzen
Jüterbog
Fig 5 '
1W00000.
gebiete Geltung haben. Es wäre hierfür unbedingt nötig, daß
unter einheitlicher Leitung und mittelst Rundschreiben an Löß-
kenner der verschiedenen Teile Europas zuerst einmal die Be-
arbeitung einer großzügigen Übersichtskarte der Lößverbrei-
tung in Angriff genommen würde.
Meine Anschauungen möchte ich in folgenden Sätzen kurz
präzisieren :
1. Lösse entstehen nicht am Rande der abschmelzenden
Gletscher, sondern sind durch nicht zu gering zu veranschlagende
Erosionsdiskordanzen von den glazialen Ablagerungen getrennt.
2. Sie entstanden auch nicht unter dem Einfluß des heutigen
Klimas, da dieses durch seine Pflanzendecke jede Abtragung ver-
hindert.
3. Es bleiben nur Trockenzeiten über, die zeitlich nicht
mit den Vereisungen zusammenfallen. In diesen war offenbar
zeitweise auch die Ausdehnung des europäischen Kontinentes eine
viel größere , wie die belgischen und nordfranzösischen Lösse es
andeuten. Vielleicht war Europa zeitweise seewärts durch die
200 m-Tiefenlinie begrenzt und in diesem großen Kontinente
konnte in trockeneren Zeiten eine ausgedehnte Lößbildung ein-
setzen.
4. In den Übergangszeiten zwischen dem kontinentalen und
im Diluvium der Umgebung von Hannover.
57
atlantischen Klima wurden die Lösse bis auf wenige an besonders
geschützter Stelle erhaltenen Reste abgetragen.
5. Da offenbar nicht nur der weitaus größte Teil der Lösse
nach seiner Ablagerung wieder abgetragen wurde, sondern auch
die Grenzen der Ablagerungsgebiete in den einzelnen Zeiten sich
nicht immer deckten, ist es durchaus nicht notwendig, daß überall
mehrere durch Laimenzonen getrennte Lößbildungen vorhanden
sein müssen. Es ist sogar wahrscheinlich, daß die älteren Lösse
Verbreitung der Lösse bei Hannover.
1:750000
in noch viel größerem Umfange abgetragen wurden, als die jüngeren,
so daß ein Vorhandensein mehrerer Lösse an ein und derselben
Stelle sogar ein Ausnahmefall sein wird. Von solchen Gebieten
aus muß dann unbedingt die Gliederung der Lösse ausgehen.
6. Die Abtragung der Lösse wird besonders auf fluvio-
glazialem und fluviatilem Wege erfolgt sein. Auf erstere
Weise entstanden die Mergelsande; fluviatile Umlagerungsprodukte
stellen wahrscheinlich die Aulehme dar.
Litteraturverweis.
I. K. Olbricht : Das Diluvium in der Umgebung von Hannover.
Globus 1910. p. 277 usw.
II. K. Olbricht : Neuere Beobachtungen usw. Dies. Centralbl. 1910.
p. 609 usw.
58
Carlo H. Jooss.
III. Passarge : Physiologische Morphologie. Hamburg 1912.
IV. K. Olbricht : Das Landschaftsbild der LTmgebung Hannovers. Han-
noverland 1912. p. 218.
V. Grube : Zur Frage der Terrassenbildungen im mittleren Flußgebiete
der Weser usw. Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 1904. p. 470 usw.
Derselbe: Die Flußterrassen des Wesergebietes usw. Ebenda 1912.
p. 265 usw.
VI. Schucht : Der Lauenburger Ton als leitender Horizont usw. .Tahrb.
d. k. preuß. geol. Landesanst. 1908. p. 130 usw.
VII. K. Olbricht : Einteilung und Verbreitung der glazialen Ablage-
rungen in Norddeutschland. Dies. Centralbl. 1911. p. 507 usw.
VIII. K. Olbricht : Grundlinien einer Landeskunde der Lüneburger Heide,
p. 23 oben.
IX. K. Olbricht: Über das Klima der Postwürmzeit. Dies. Centralbl.
1909. p. 599.
X. K. Olbricht : Die Blätter Bevensen . Bienenbüttel usw. Ebenda.
1912. p. 9 usw.
Breslau am 20. 12. 12.
Ueber Limnaea (Limnaea s. str.) turrita Klein emend. Jooss.
Von Carlo H. Jooss in Stuttgart.
Mit 8 Textfiguren.
In seinen Land- und Süßwasser-Conchylien der Vorwelt er-
wähnt Sandberger in dem Kapitel „Binnenmollusken der Ober-
miocänschichten“ auf p. 582 eine Limnaea aus der Gruppe der
stagnalis, welche er in einem Exemplar, dem aber die Spitze fehlt,
1872 am Deutschliof entdeckt habe und die in Bruchstücken auch
von Mundingen bekannt sei. 1877 fand dann Herr Professor
Dr. Konrad Miller, Stuttgart, die gleiche Art in einem voll-
ständigen Exemplar im Obermiocän von Mörsingen und benannte
dieselbe vorläufig Limnaea stagnaloides n. sp., ohne sie jedoch unter
diesem Namen bisher zu veröffentlichen’. Seitdem wurden noch
einige weitere Stücke von dieser so seltenen Art in unserem Ober-
miocän gefunden , so daß dieselbe nun genauer untersucht und
verglichen werden konnte , wobei sich folgendes herausstellte :
1 Trotzdem wurde dieser Name von den Herren Hauptmann W. Kranz,
Swinemünde, und Pfarrer Dr. Th. Engel, Eislingen, in die Fachliteratur
eingefiibrt. (Vergl. hierüber: Kranz, W., Stratigraphie und Alter der
Ablagerungen bei Unter- und Oberkirchberg , südlich Ulm a. D. Dies.
Centralbl. 1904. p. 537 u. 550; ferner: Engel. Th, Geognostischer Weg-
weiser durch Württemberg. 3. Auf!. Stuttgart 1908. p. 534, 540, 560.
p. 540 führt Engel die von Miller L. stagnaloides benannte Art sogar
aus den brackischen Schichten am Hochsträß an, worin dieselbe in Wirk-
lichkeit gar nicht vorkommt.)
60
Carlo H. Jooss,
Die vorliegenden Exemplare sind zweifellos aus-
gewachsene Stücke der seither als kleine, schlanke
Art angesehenen Limnaea turrita Klein1, und die
Kenntnis der letzteren beruhte bis jetzt nur auf
unvollständigen Stücken. Bei zwei meiner Exemplare
waren nämlich aus Versehen die Gehäusespitzen , bestehend aus
den 4-1- bezw. 5 ersten Windungen abgebrochen worden und dabei
war mir die große Ähnlichkeit dieser Gehäusespitzen mit L. turrita
Klein aufgefallen. Ein Vergleich mit den beiden Originalexemplaren
Klein’s, welche sich in der hiesigen Kgl. Naturaliensammiung be-
finden, hatte dann die vollkommene Übereinstimmung ergeben. Außer-
dem konnte aber auch festgestellt werden, daß die beiden Original-
exemplare Klein’s nur Bruchstücke (aus den 4f bezw. 5 ersten
Umgängen bestehend) sind, die, nach Analogie mit den oben er-
wähnten Gehäusespitzen, zweifellos derselben Art wie die letzteren
angehören, d. h. daß diese Art also die eigentliche L. turrita Klein
darstellt, welche demnach erst jetzt richtig bekannt wird.
Limnaea turrita ist höchstwahrscheinlich ein direkter Vor-
läufer unserer rezenten Limnaea ( Limnaea s. str.) stagnalis L. Sie
scheint zur Obermiocänzeit, ähnlich wie L. stagnalis in der Gegen-
wart, einen größeren Formenkreis besessen zu haben, wenigstens
lassen sich unter dem vorliegenden Materiale deutlich mehrere
Formen unterscheiden, die nun hier beschrieben werden sollen.
1. Limnaea turrita Klein emend. Jooss, Typus, Fig. 1 — 1 a.
Dieser gleicht auffallend der var. vulgaris Wstld. unserer rezenten
L. stagnalis L. und unterscheidet sich von dieser nur durch langsamere
Aufwindung und etwas stärkere Wölbung der Umgänge, welche durch
etwas tiefere, mehr wagrecht verlaufende Nähte voneinander getrennt
sind. Von der var. vulgaris Wstld. wurden in Fig. 2 — 2 a und
3 — 3 a zwei Exemplare zum Vergleich mitabgebildet. Das erstere
(Original in coli. Jooss.) wurde in den mittelpleistocänen Sauer-
wassersanden am Sulzerrain in Cannstatt-Stuttgart gefunden, während
das letztere (Original ebenfalls in coli. Jooss.) aus dem Achensee
in Nordtirol stammt. Die Diagnose der typischen Form ist:
Schale fest, kaum merklich schlitzförmig genabelt, Gewinde
verlängert, spitz, Umgänge 7 — 8, durch mäßig tiefe Nähte getrennt,
langsam und regelmäßig anwachsend , mit feinen , von kräftigen
Blinzeln in gleichmäßigen Zwischenräumen unterbrochenen Streifen
bedeckt, letzter Umgang so hoch als die übrigen zusammengenommen,
Mündungsachse schief, zur Gehäuseachse einen spitzen Winkel bildend,
Mündung länglich eiförmig, Mündungshöhe ca. die Hälfte der
Gesamthöhe betragend, Mundränder scharf, durch eine dünne, breite
Schwiele verbunden, Spindel verdreht. H. 27 — 31 mm1, gr. Br.
13 — 14 mm, Mh. 14 — 15 mm, Mbr. 8 — 9 mm.
1 Jalneshefte d. Ver. f. vaterl. Naturkunde in Württemberg. IX. Bd.
Jahrg. 1853. p. 220. Taf. V Fig. 17.
Ueber Limnaea (Limnaea s. str.) turrita Klein emend. Jooss. ßl
Vorkommen: Ziemlich selten im S^/rana-Horizont — den
kalkigen Mergeln mit Melanopsis kleini Kurr — am Deutschhof
bei Pflummern, äußerst selten im Sylvana- Kalk von Mörsingen bei
Zwiefalten (Original in coli. Johner, Riedlingen) und Mundingen
bei Ehingen.
Neben dem Typus finden sich dann in Mörsingen, ebenfalls als
große Seltenheit, Übergangsformen (eine solche wurde in Fig. 4 — 4 a
abgebildet, das Original befindet sich in coli. Miller.) zu
2. Limnaea turrita Klein emend Jooss, var. milleri nov. var.
Fig. 5 — 5 a und 6 — 6 a. Diese zeigt dem Typus gegenüber folgende
Unterscheidungsmerkmale: Gewinde verkürzter, letzter Umgang
höher und bauchiger, Mündungshöhe fast § der Gesamthöhe betragend.
Leider fehlen den beiden abgebildeten Exemplaren die Anfangs-
windungen , so daß sowohl die Zahl der Umgänge als auch die
Höhe des Gehäuses bei denselben nur schätzungsweise angegeben
werden kann. Erstere mag — nach Analogie zweier weiterer,
etwas beschädigter Exemplare — 7 — 8, letztere 30 — 3 1 mm be-
tragen haben. Gr. Br. 15 — 16 mm, Mh. 19 — 21 mm, Mbr. 8 — 9 mm.
Ich benenne diese Varietät nach meinem verehrten ehemaligen
Lehrer, Herrn Professor Dr. Konrad Miller in Stuttgart.
Vorkommen: Sehr selten im S^/va»«-Kalk von Mörsingen
(Fig. 5 — 5 a, Original in coli. Jooss.) und im Sande mit Helix
(Otala) sylvana Klein von Biberach a. d. Riß (Fig. 6 — 6 a, Original
ebenfalls in coli. Jooss).
Eine weitere, zweifellos auch hierher gehörende Form unter-
scheide ich als
3 .Limnaea turrita Klein emend. Jooss, mut. lacustriformis
nov. mut. Fig. 7 — 7 a. Cliar. : Gewinde stark verkürzt, zusammen-
geschoben, letzter Umgang ziemlich bauchig, oben schwach gekantet.
Runzeln kräftig hervortretend, Mündung ca. § der Gesamthöhe ein-
nehmend. Leider fehlen bei dem abgebildeten Stück ebenfalls die An-
fangswindungen, so daß die Zahl der Umgänge und die Gehäusehöhe
bei demselben nur abgeschätzt werden können. Erstere dürfte
zwischen 6| und 7\ geschwankt, letztere ca. 2 1 mm betragen haben.
Gr. Br. 13,2 mm, Mh. 13 mm, Mbr. 7,75 mm.
Vorkommen : Äußerst selten im Sylvana- Kalk von Mörsingen.
(Original in coli. Johner, Riedlingen.)
Die var. lacustriformis erinnert lebhaft an die var. lacustris
Stüder unserer rezenten L. stagnalis L., von welcher in Fig. 8 — 8 a
ein Exemplar zum Vergleich mitabgebildet wurde, das vom Boden-
seeufer bei Bregenz stammt. (Original in coli. Jooss.) Sie unter-
scheidet sich jedoch von der var. lacustris Studer besonders durch
1 Zur Bezeichnung der Maße gebrauche ich von jetzt ab folgende
Abkürzungen: H. = Höhe, gr. Br. = größte Breite, Mh. = Mündungshöhe,
Mbr. = Mündungsbreite, D — Dicke.
62
Carlo H. Jooss,
geringere Dimensionen der Schale , gewölbtere Umgänge und die
Form und Stellung der Mündung. Wie die var. lacustris ist sie
wohl eine Form des bewegten Wassers1.
Limnaea turrita Klein einend. Jooss, Typus nebst var. milleri
und mut. lacustriformis wurde bis jetzt nur im Obermiocän Württem-
bergs beobachtet. Was die seither als L. turrita Klein von ver-
schiedenen Autoren aus dem Obermiocän von Undorf bei Regens-
burg a. D.2, dem Mittelmiocän von Sansan (dep. Gers.)3 und dem
Untermiocän des Mainzer Beckens4 erwähnten, kleinen Limnaeen be-
trifft, so glaube ich jetzt, daß es sich hier keinenfalls um .Tugend-
formen von L. turrita Klein einend. Jooss oder eine ihrer Va-
rietäten handelt , sondern daß unter dem oben erwähnten Namen
seither die Jugend- oder noch wahrscheinlicher die Trockenformen
anderer Limnaea- Arten zusammengeworfen wurden.
1 Die var. lacustris Studer lebt nach Geyer („Unsere Land- und
Süßwasser-Mollusken“. Stuttgart 1909. p. 74) an den flachen Ufern bewegter
Seen. Die Gehäuseform der var. lacustris läßt sich biologisch wohl fol-
gendermaßen erklären: Um durch den Wellenschlag nicht von seinem
Aufenthaltsort losgerissen und ans Ufer gespült zu werden , bedarf das
Tier einer größeren Adhäsionsfläche, es muß daher den letzten Umgang
seines Gehäuses entsprechend erweitern. Um ferner den Wellen möglichst
wenig Angriffsfläche zu bieten, bleibt das Gehäuse kleiner und das Gewinde
wird mehr zusammengeschoben. Die stärker als beim Typus ausgeprägten
Anwachsstreifen der Umgänge dürften ihre Erklärung vielleicht in dem
durch das Anklammern bedingten größeren Aufwand an Muskelkraft finden?
2 Vergl. hierüber: v. Ammon, L. , Ein Beitrag zur Regensburger
Tertiärfauna. Correspondenzblatt d. zool.-mineralog. Ver. zu Regensburg.
27. Jahrg. 1873. p. 189. — Clessin, S., Die tertiären Binnenconchylien von
Undorf. Ebenda. 31. Jahrg. 1877. p. 38. — Clessin, S., Die Conchylien der
obermiocänen Ablagerungen von Undorf. Malakozool. Blätter. N. F. Bd. VII.
1884. p. 88. — Clessin, S., Die Conchylien etc. Berichte d. naturw. Ver.
zu Regensburg. IV. Heft für die Jahre 1892 — 1893. p. 25. — Clessin, S.,
Die Conchylien etc. Ebenda. XIII. Heft für die Jahre 1910 — 1911. p. 12.
3 Sandberger, F., Die Land- u. Süßwasser-Conchylien d. Vorwelt. Wies-
baden 1870 — 75. p. 581. Taf. XXVIII Fig. 26— 26b. — Bourguignat, S.R.,
Histoire malacologique de la colline de Sansan. Bibliothöque de Fecole des
liautes etudes; Sect. de Sciences nat. T. XXII. 1881. Art. No. 3. p. 117.
pl. 6 fig. 200—201.
4 Böttger, 0., Die fossilen Mollusken der Hydrobienkalke von Buden-
heim bei Mainz. Nachrichtsblatt d. deutschen Malakozool. Ges. 40. Jahrg.
1908. p. 153. — Jooss, C. H„ Die Molluskenfauna der Hydrobienschichten
des Hessler bei Mosbach-Biebrich. Jahrbücher d. Nassauischen Ver. f. Naturk.
in Wiesbaden. 64. Jahrg. 1911. p. 71. No. 44. — Wenz, W., Die unteren
Hydrobienschichten des Mainzer Beckens, ihre Fauna und ihre strati-
graphische Bedeutung. Notizblatt d. Ver. f. Erdkunde u.‘d. Großh. geol.
Landesanstalt zu Darmstadt f. d. Jahr 1911. IV. Folge. 32. Heft. p. 157.
No. 11. — Fischer, K,, und Wenz, W., Verzeichnis und Revision der
tertiären Land- und Süßwasser-Gastropoden des Mainzer Beckens. Neues
Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXIV. 1912. p. 490.
lieber Limnaea (Limnaea s. str.) turrita Klein einend. Jooss. 63
Den Herren Professor Dr. Kon n ad Miller , Stuttgart , und
Verwaltungsaktuar Alfred Johner, Riedlingen a. D., welche mir
die in ihren Sammlungen befindlichen Exemplare von L. turrita Klein
emend. Jooss bereitwilligst zur Untersuchung anvertrauten, ferner
Herrn Professor Dr. Eberhard Fraas, welcher mir in liebenswür-
digster Weise die Untersuchung der in der hiesigen Kgl. Naturalien-
sammlung befindlichen KLEiN’schen Originalexemplare von L. turrita
gestattete, sowie Herrn Oberlehrer D. Geyer, Stuttgart, welcher
mich in bekannt freundlicher Weise mit rezentem Vergleichsmaterial
unterstützte, sei an dieser Stelle nochmals herzlichst gedankt.
Literatur.
1853. Limnaeus turritus Klein, Jahreshefte d. Ver. f. vaterl. Naturkunde
in Württemberg. JX. Jahrg. p. 220. Taf. V Fig. 17.
1874. Limnaeus turritus, Sandberger, Die Land- und Süßwasserconchylien
d. Vorwelt. p. 581. Taf. XXVIII Fig. 26-26 b.
1874. Limnaeus sp., Sandberger, Die Land- und Süßwasserconchylien d.
Vorwelt. p. 582.
1877. Limnaeus stagnaloides Miller in schedulis.
1883. Limnaeus turritus, Engel, Geognostischer Wegweiser durch Württem-
berg. I. Aufl. p. 286.
1896. Limnaeus turritus. Engel, Geognostischer Wegweiser durch Württem-
berg. II. Aufl. p. 406.
1904. Limnaeus stagnaloides. Kranz, Dies. Centralbl. 1904. p. 537 u. 550.
1908. Limnaeus stagnaloides . Engel, Geognostischer Wegweiser durch
Württemberg. III. Aufl. p. 534 u. 560.
1908. Limnaeus turritus, Engel, Geognostischer Wegweiser durch Württem-
berg.
III. Aufl.
p. 564.
Figurenerklärung.
Fig. 1 — 1 a.
Limnaea
turrita Klein emend. Jooss, Typus, Obermiocän,
Mörsingen.
„ 2-2 a.
V
stagnalis L. var. vulgaris Wstld. , mittleres Plei-
stocän, Cannstatt-Stuttgart.
„ 3-3 a.
V
stagnalis L. var. vulgaris Wstld, rezent, Achensee,
Nordtirol.
„ 4— 4 a.
»
turrita Klein emend. Jooss , Übergang zur var.
milleri Jooss, Obermiocän, Mörsingen.
„ 5 — 5 a.
71
turrita Klein emend. Jooss, var. milleri Jooss, Ober-
miocän, Mörsingen.
„ 6 — 6 a.
n
turrita Kl. emend. Jooss, var. milleri Jooss, Ober-
miocän, Biberach a. d. Riss.
» 7— " a.
7)
turrita Klein emend. Jooss, var. lacustriformis
Jooss, Obermiocän, Mörsingen.
„ 8-8 a.
7)
stagnalis L. var. lacustris Stüder, rezent, Boden-
seeufer bei Bregenz.
64
Carlo H. Jooss, lieber Limnaea etc. — Personalia.
Berichtigung.
In meiner „Vorläufigen Mitteilung über eine vermutlich alt-
tertiäre Schneckenfauna aus dem Ries“, dies. Centralbl. 1911,
Heft 3, p. 88 — 91, sind einige Berichtigungen nötig, es soll heißen:
p. 89, Linie 8, „ein eigenes Subgenus“ statt „eine eigene Sektion“.
„ 89, unten in der Anmerkung, sind die Artennamen von
„P. bohemica Böttger“ auf Linie 10 bis „P. mal-
leolata Sandb.“ auf Linie 12 zu streichen. (Vergl. hier-
über auch Jahreshefte d. Ver. f. vaterl. Naturkunde in
Württemberg. 68. Jalirg. 1912. S. 164, unten, An-
merkung 2.)
90, Linie 15, „Limnaea pachygaster“ statt „Limnuspachygasler“.
32, „Dunker“ statt „Duncker“.
„im unteren Untermiocän Südfrankreichs“ statt
„im oberen Oligocän Südfrankreichs“.
39, beide Male „Noulet“ statt „Moulet“.
44, „Ericia schneidi“ für „Ericia schneidti“.
2, „Schneid“ für „Schneidt“.
5, 6 „in den oberen Horizont der unteren Süß-
wasserkalke, also ins oberste Oligocän, zu ver-
weisen.
C. H. Jooss, Stuttgart.
90,
merkung
Linie 15,
90,
» 32,
90,
* 34,
90,
n 39,
90,
„ 44,
91,
„ 2,
91,
„ 4,
Personalia.
Angenommen: Professor Dr. J. F. Pompeckj in Göt-
tingen einen Ruf als Nachfolger von Professor Dr. E. v. Koken
in Tübingen.
Berufen: Dr. Eberhard Rimann, Privatdozent für Minera-
logie und Geologie an der Technischen Hochschule in Dresden,
von der Regierung der Vereinigten Staaten von Brasilien als Nach-
folger von Professor E. Hussac an die Geologische und Minera-
logische Landesanstalt in Rio de Janeiro für den Posten eines
Chefmineralogen und Petrographen.
I
P. Tucan, Zur Bauxitfrage.
65
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Zur Bauxitfrage.
Von Fran Tucan in Zagreb (Agram. Kroatien».
1.
E. Dittler und C. Doeltek haben in diesem Centralblatte1
und der Kolloid-Zeitschrift 2 ihre Untersuchungen über die Bauxit-
frage publiziert, die meiner Meinung nach einer Richtigstellung
bedürfen. Die beiden Autoren vertreten die Ansicht, daß Bauxit
kein Gestein, sondern ein Mineral sei. Neben den zwei kristalli-
sierten Tonerdehydraten: Diaspor und Hydrargillit (Gibbsit), exi-
stiert noch ein amorphes Tonerdehydrat: Bauxit, und diese drei
Tonerdehydrate bilden zusammen mit Limonit , Roteisen , Kaolin
»Ton) Gesteine. Die Gesteine, welche Diaspor als Hauptmenge ent-
halten, bezeichnen erwähnte Autoren nach dem Vorgänge P. Kruschs
als Diasporite, und demnach könne man analog Gesteine mit vor-
wiegendem Gibbsit als Gibbsitite bezeichnen. Die aus Diaspor
und Gibbsit mit Eisenoxyden , Kaolin bestehenden Massen fassen
die beiden Autoren als Kristalloid-Alumolithe zusammen. Kolloid-
Alumolithe bezw. Bauxite seien ihrer Meinung nach jene Gesteine,
deren Hauptmasse aus Bauxit besteht.
Diesen Ansichten möchte ich nicht beipflichten. Nach den
umfangreichen Untersuchungen an vielen Bauxiten und an Terra
rossa, die Professor M. Kispatic und ich durchführten 3, geht un-
zweideutig hervor , daß wir im Bauxit ein Mineralgemenge vor
uns haben. Bauxit ist eine Gesteinsart, deren Haupt-
gemengt eil aus Tonerdehydrat, Al2 03.H.20 besteht.
In den meisten Fällen ist dieses Tonerdehydrat eine kolloide
Modifikation des Diaspor s, die Professor M. Kispatic
als Sporogelit bezeichnete. Nach der überwiegenden Menge
des Sporogelits oder Diaspors kann man von Sporogelitbauxit
oder D i as p orba u xi t sprechen. Sporogelitbauxite sind viel ver-
1 E. Dittler und C. Doelter, Zur Charakteristik des Bauxits. Dies.
Centralbl. 1912. p. 10. — Zur Nomenklatur der Tonerdehydrate. Ibidem.
1912. p. 104.
2 E. Dittler und C. Doelter . Die Anwendung der Kolloidchemie
auf Mineralogie und Geologie. Bauxit ein natürliches Tonhydrogel. Kol-
loid-Zeitschrift. 9. 1911. p. 282.
3 Fr. Tijüax, Terra rossa, deren Natur und Entstehung. N. Jahrb.
f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXIV. p. 401. — M. Kispatic , Bauxite des kroa-
tischen Karstes und ihre Entstehung. Ibid. p. 513.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913. 5
66
F. Tucan,
breiteter als Diaspovbauxite, und wenn die letzteren verkommen,
enthalten sie immer Sporogelit in ziemlicher Menge. Hydrargillit
erscheint nach bisherigen Untersuchungen in Bauxiten nie in
solcher Menge, daß man von Hydrargillitbauxiten sprechen könnte.
Höchstens könnte die Rede von h y d r ar g i 1 1 i t f üh r e n den
Sporogelit- bezw. Diasporbauxiten sein.
Auch die Bezeichnung „Woclieinit“ und „Kljakit“ sind un-
richtig , da das Material , welches man mit diesen Benennungen
bezeichnet, nichts anderes ist als echter Bauxit.
2.
Ebenso werden nach unseren Untersuchungen die Ansichten
von F. Cornu und M. Lazarevic1 über den Bauxit und seine
„Adsorptionsverbindungen“ hinfällig, da Bauxit keine „voll-
kommen homogene2 und isotrope“ Masse ist und da
sein Si0.3- u nd Ti02- Gehalt von mechanisch beige mengten
Quarz- (und einem mehligen Si02, dann von einem
Kieselsäuregel, Si 02 . 2 H., 0) und Titan mineralen (haupt-
sächlich Rutil) h e r r ü h r t. (Vergl. auch meinen Aufsatz im
Beil.-Bd. XXXIV. p. 427.) P2 0- , CaO und S03, welche Bestand-
teile man in manchen Bauxitanalysen anfiihrt, stammen unzwei-
deutig von Apatit, Calcit, Gips und Anhydrit, welche
Minerale ich im unlöslichen Rückstände der Kalke und Dolomite
und in der Terra rossa gefunden habe. Gerade so ist es mit
der Vanadinsäure, welche in einigen Bauxiten konstatiert
wurde: sie kann von Vanadinmineralen stammen, obgleich
dieselben bis jetzt in Bauxiten (und Terra rossa) noch nicht ge-
funden wurden.
3.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich nur einige Worte über
die Adsorptionsverbindungen im Mineralreiche sagen. Mit der
Deutung dieser Verbindungen muß man überhaupt sehr umsichtig
1 F. Cornu und M. LazareviÖ, Adsorptionsverbindungen im Mineral-
reiche. Kolloid-Zeitschr. 4. 1909. p. 295.
2 Cornu und Lazareviö schreiben: „U. d. M. erweisen sich die eisen-
reichen Bauxite vollkommen homogen und isotrop, weshalb angenommen
werden muß, daß hier kein mechanisches Gemenge vorliegt. Sehr viele
Bauxite enthalten ferner , abgesehen von Si 02 , das wohl sicher in Form
von Tonerdekieselsäuregel vorhanden ist, P206, V20s, S03, CaO. Die Phos-
phorsäure ist sicher adsorptionsartig gebunden, da Übergänge zum reinen
Aluminiumphosphat bekannt sind. Die Vanadinsäure, welche gleichfalls
häuüg vorkommt, spielt entweder eine analoge Bolle wie die Phosphor-
säure, oder liegen Gelgemenge, entstanden aus entgegengesetzt elektrisch
geladenen Hydrosolen, vor, oder aber es handelt sich um Gelgemenge im
Sinne des CASSius’schen Purpurs. Viele Bauxite enthalten ferner Titan-
säure. Auch diese Vorkommen erscheinen u. d. M. vollkommen homogen.“
Zur Bauxitfrage.
67
sein, da man aus chemischen Analysen keinen Schluß auf dieselben
ziehen kann. Viele (amorphe) Minerale enthalten z. B. in solcher
Menge Kieselsäure, daß man dieselben sehr leicht als kieselsaure
Verbindungen zusammenfassen könnte. Als ein gutes Beispiel für
einen solchen Fall führe ich die chemische Analyse eines weißen
Bauxits von Skocaj im kroatischen Karste an :
SiO, . . . .
. . . 44.48
Ti 02 . . . .
. . . 1.20
A1.,03 . . .
Fe2 0, . . .
. 0,51
CaO....
. . . 0.89
H„0 . . . .
. . . 13.98
00, ... .
. . . 0.75
100.05
Aus der angeführten Analyse kann man nur den Schluß
ziehen, daß wir es hier mit einem wasserhaltigen Aluminiumsili-
kate zu tun haben. Und auch nach den mikroskopischen Unter-
suchungen müßten wir schließen, daß vor uns ein solches vorliege.
Und doch ist dem nicht so , denn nach genauen Untersuchungen
besteht dieser Bauxit aus Sporogelit, welchem eine ziemlich
große Menge (32'49°/o) des mehligen Si02 mechanisch bei-
gemengt ist. Dieses Si02 aber können wir dann im Präparate
u. d. M. nicht wahrnehmen, weil es in so feinem Staube vorkommt,,
daß man es neben Sporogelit nicht bemerken kann. Daß ein
solches Si02 in der Natur als eine selbständige Verbindung wirk-
lich existiert, habe ich schon bei einer anderen Gelegenheit be-
wiesen1 2. Wenn ich mit diesem Bauxite dieselben Löslichkeits-
versuche wie mit jenem mehligen SiO, unternehme, so erziele ich
ganz dieselben Resultate. Ein Teil der Si02 (11 • 99°/o) ist im
Sporogelit auch als Kieselsäuregel, Si 02 . 2 H, 0 mechanisch ad-
sorbiert.
Daß man die Homogenität eines Minerals mikroskopisch nicht
immer bestimmen kann , geht aus folgendem Beispiele klar her-
vor. Ich habe einen Bauxit von Grgin brieg (in Kroatien) ana-
lysiert. Die Analyse ergab :
Si 02 23,53
Alj Os 25,69
Fe203 38,23
CaO 0,18
Glühverlust .... 12,30
99,93 3
1 Mit Spuren von Mn 0, Mg 0, Li, 0, Xa2 0 und K, 0.
2 Fr. Tcöan : Ein mehliges Siliciumdioxyd. Dies. Centralbl. 1912.
p. 296.
3 Mit Spuren von Ti02, Li, 0, Na, 0. K, 0.
5*
68 K. Walther, Ueber ein Vorkommen von Epidotadinole und
Was kann man aus dieser Analyse entnehmen? Liegt hier
ein Eisenaluminiumsilikat oder ein mechanisches Gemenge vor?
Wenn man das zur Analyse benützte Material u. d. M. unter-
sucht, so erweist es sich als eine vollkommen homogene und iso-
trope Masse. Und doch ist dies kein homogenes Material, sondern
«in typisches mechanisches Gelgemenge. Auf optischem Wege
können wir nicht zwei amorphe (kolloide) Substanzen
eine von der anderen unterscheiden, wenn dieselben
miteinander Vorkommen. So ist z. B. Sporogelit, der nur
ein wenig Hämatogelit (Fe203) als adsorbiertes Gelgemenge ent-
hält, dem reinen Hämatogelit u. d. M. vollkommen gleich. Ebenso
ist vollkommen reiner Sporogelit demjenigen, der über 40 °/o meh-
ligen Si02 enthält, gleich, usw'.
Und so sind gleich dem Bauxit meiner Meinung nach auch
viele amorphe Minerale, welche man heute als wasserhaltige Alu-
miniumsilikate betrachtet, nichts anderes als Tonerdehydrate
mit verschiedenen mechanisch adsorbierten Gelgemengen.
Zagreb (Agram), Min.-petrogr. Institut, 1912.
Ueber ein Vorkommen von Epidotadinole und gefritteten
Sedimenten aus dem Süden der Republik Uruguay.
Von Karl Walther in Montevideo.
Mit 2 Textfiguren.
In einer früheren Veröffentlichung 1 2 war schon kurz von einem
Vorkommen die Rede, das den südlichsten Vorposten der brasilisch-
uruguayischen „Gondwana-Formation“ bildet. Die Zuweisung jenes
isolierten Vorkommens von Piedras de Afilar östlich Monte-
video zum hangenden Teile der permo-mesozoischeu Uberdeckung,
<1. h. zu den Säo Bento-Sclri ehten , ergab sich wesentlich aus der
Art der Lagerung dieser Bildungen, ein Horizontieruugsverfähren,
das sich aus dem Fossilmangel der Schichten und dem Fehlen des
wichtigen Vergleichshorizontes , der sogen. Serra Geral-Effusiv-
decken, ergab.
Es soll nun im folgenden auf Grund einer petrographischeu
Beschreibung 1 versucht werden, für jene stratigraphische Behaup-
tung eine neue Stütze aufzustellen und so das Fehlen des Ver-
gleichshorizontes zu ersetzen.
1 K. Walther, Über Transgressionen der oberen „Gondwana-For-
mation“ in Südbrasilien und Uruguay. Dies. Centralbl. 1912. p. 398.
2 Dieselbe stützt sich sowohl auf die von mir gesammelten Stücke,
als auf Teile einer Sammlung von uruguayischen Gesteinen, die durch
Herrn A. Fi.ossdorf in Buenos Aires zusammengebracht und von Herrn
Dr. A. Gallinal der Geologischen Abteilung der Landwirtschaftlichen
Hochschule hier geschenkt wurde.
gefritteten Sedimenten aus dem Süden der Republik Uruguay. 69
Wie erwähnt, zeichnen sich die in einer Anhöhe isoliert aus
dem Diluvium herausragenden, z. T. in einem Steinbruche auf-
geschlossenen Schichten von Piedras de Afilar petrographisch durch
eine starke sekundäre Verhärtung aus, „derzufolge die Tonschiefer
stellenweise ihre Schichtung verlieren und die weißlichen und
rötlichen Sandsteine massigen quarzitischen Charakter annehmen“
(1. c. p. 404). Dabei wurde daran erinnert, daß C. Guillemain 1
den genannten petrographischen Charakter einer Silifizierung zu-
geschrieben habe, und der Gedanke ausgesprochen, daß dieser
Vorgang mit der reichlichen Emanation von kieseligen Lösungen
in analogen Vorkommen in Einklang stehen würde. Die Be-
schaffenheit einer Anzahl Schliffe der vorliegenden Gesteine weist
jedoch, wie gezeigt werden soll, auf eine andere Art der Um-
wandlung hin.
Die mesozoischen, nach SW einfallenden Sedimentgesteine von
Piedras de Afilar setzen sich von oben nach unten aus z. T. fein-
sandigen sonst tonigen Schiefern2 3, hellen Quarzitsand-
steinen und rötlichen Sandsteinen zusammen. Über die
Mächtigkeit dieser Abteilungen läßt sich leider nichts aussagen,
da Karten bis auf die Übersichtskarte der Republik in 1 : 500 000
fehlen und die Aufschlüsse mit Ausnahme des von den Sand-
steinen eingenommenen Gebietes sehr mangelhaft sind. Letztere
stehen in den höheren Teilen der genannten Anhöhe an, während
die Schiefer an der Westseite der Höhe größtenteils von Lehm
bedeckt sind und nur vereinzelt in Wasserrissen zutage treten.
I. Geologische Beschreibung.
Es ist möglich, daß sich innerhalb der Schiefer ein
jüngerer, rein pelitischer, und ein älterer, fein-psammitischer zu den
Sandsteinen überleitender Horizont unterscheiden lassen würde,
wenn die Aufschlüsse besser wären. Man beobachtet nämlich an
einer Stelle, die näher dem Haugenden des Sandsteins gelegen ist,
ein etwas gröberes Gesfeinskorn bei lichtgrauer matter Färbung.
Die Schichtung ist fast gänzlich verschwunden und markiert sich
nur noch durch eine schwache Streifung. Im Gegensätze zu diesen
schwach sandigen Bildungen zeigen sich an anderer Stelle dunkle
Tonschiefer mit schwachem Glanz, deren Fissilität z. T. besser
erhalten geblieben ist, die aber einen stark gealterten „paläo-
1 Der erste Versuch einer geologischen Karte von Uruguay. Peter-
mann’s Mitteilungen. 1910. IU p. 306.
3 Ich gebrauche hier vorläufig diesen Ausdruck — obwohl die Ge-
steine teilweise fast massigen Charakter haben — mit Hinsicht darauf,
daß dieser erst sekundär erworben wurde. Weiter unten bei der Be-
schreibung des mikroskopischen Befundes soll eine Bezeichnung eingefiihrt
werden, die durch Hervorkehrung des am meisten bezeichnenden Gesteins-
komponenten dem augenblicklichen Zustande besser gerecht wird
70 K- Walther, Ueber ein Vorkommen von Epidotadinole und
zoischen“ Habitus aufvveisen, der von demjenigen der analogen Bil-
dungen in der älteren „Santa Catharina-Formation“ merkbar absticlit.
Man denkt bei diesen Beobachtungen unwillkürlich sofort an
Beeinflussung durch die Hitzewirkung eines benachbarten Eruptiv-
gesteins, da von einer Umwandlung durch mechanische Kräfte bei
den zwar aufgerichteten , aber keineswegs gefalteten Sedimenten
keine Rede sein kann. Seltsamerweise läßt sich jedoch bei dem
Vorkommen nahe der Bahnlinie außer einigen losen Bröckchen
stark verwitterten basischen Eruptivgesteins nichts nach weisen,
was die Umwandlung der Tonschiefer hätte verursachen können.
Bei einem anderen Fundpunkte zeigt sich dagegen ein massen-
haftes Vorkommen eines schmutzig dunkelgrünen, spezifisch schweren
und äußerst zähen Eruptivgesteins, das in zahlreichen kugeligen
Gebilden von Faust- bis über Kopfgröße den Boden bedeckt und
auch in Blöcken — offenbar dem Ausstreichen geringmächtiger
Gänge — in der Nähe ansteht.
Wir haben es hier mit einem Mitgliede jener Diabas-Melaphyr-
familie zu tun, deren Eruption in teils gang- teils deckeu-
förmiger2 Gestalt in die Zeit der hangenden Säo Bento-Schichten
1 Vergl. als Beispiel hierzu C. Güillf.main, Zur Geologie Uruguays
Zeitschr. d. Deutsch, geol. Gesellsch. 63 1911. Monatsber. p. 208. Fig. 3.
2 Vergl. hierzu K. Walther, Über permotriassische Sandsteine und
Eruptivdecken etc. N. Jalnb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXI. worauf auch
hinsichtlich der hier gewählten Definition der Begriffe Diabas und Mela-
phyr, sowie die Ausscheidung des Begriffes Basalt aus der Alkalikalkreihe
hingewiesen sei (1. c. p. 600). Als einziger Rest der Basaltfamilie bliebe
der Dolerit (in der Mehrzahl seiner Vorkommen), auf dessen nahe Ver-
wandtschaft mit intersertalen Diabasen A. Schwantke wiederholt hin-
gewiesen hat (z. B. dies. Centralbl. 1910 p. 673). Den Rest dieser Do-
lerite - ■ Diabase würde man als doleritartige (intersertale) Basalte und die
Alkalidiabase als diabasartige Basalte z. T. mit intersertaler Struktur zu
bezeichnen haben, während die Vorkommen „echter“ Basalte mit „pazi-
fischem“ Charakter bei dem „Trapp“ E. Weinschenk's unterzubringen
wären. Es würde sich auf diese Weise verhalten
Basalt bezw. diabasartiger Basalt Porphyrischer Diabas
Intersertalem Basalt, z. T. diabasartig Diabas
. Trapp . Melaphyr
und - . -U. und — Vf
Dolerit lholent
Die Unterbringung der Alkalidiabase bei den „Basalten“ halte ich
für vorteilhafter als die bei den Essexiten und Theralithen. 0. H. Erd-
mannsdörffer, der die Namen Essexit- und Theralith-Diabas vorschlägt
(Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1907. Monatsber. p. 16) gibt selbst an,
daß diese Gesteine sich zum Essexit und Theralitb verhalten wie die
Diabase zu den Gabbrogesteinen. Diabas sensu stricto bliebe also ein
Alkalikalkgestein ebenso wie Melaphyr und Trapp. Die BRÖGGER’sche
Bezeichnung Essexitmelaphyr halte ich deshalb nicht für glücklich. Wie
unabhängig ein „echter“ Diabas vom geologischen Alter und von me-
chanischer Beeinflussung sein kann, wird im folgenden gezeigt werden.
gefritteten Sedimenten aus dem Süden der Republik Uruguay.
71
fällt und deren Neigung zu kugeliger Absonderung ich 1. c. er-
wähnt habe.
Aber auch dieses diabasartige gangförmige Gestein kann die
geschilderte Umwandlung nicht hervorgerufen haben, denn ab-
gesehen davon, daß es gerade bei dem erstgenannten Vorkommen
bis auf geringe Spuren fehlte, weist der andere Fundpunkt eiuen
nur stark gealterten Tonschiefer auf, dessen Schichtung jedoch
nahezu erhalten blieb. Zudem zeigt sich mit aller Deutlichkeit,
daß der Einfluß des gangförmigen Eruptivgesteins begreiflicher-
weise ein ganz beschränkter wenn auch sehr intensiver war : er
reichte nur auf ein bis zwei Handbreiten in den Tonschiefer und
wandelte diesen in ein äußerst hartes, muschelig und scharfgratig
brechendes hornfelsähnliches Gestein um1. Seine Farbe, ein
gelbliches Grün, läßt es schon makroskopisch als ein Epidot-
gestein erkennen. Die ursprüngliche Fissilität des Tonschiefers
ging ganz verloren und markiert sich lediglich noch durch eine
Art Maserung, die, im frischen Gestein kaum sichtbar, bei der
Verwitterung hervortritt. An der Oberfläche überzieht sich das
Gestein mit einer bis 1 mm starken, schwach erdigen weißlichen
Rinde, die durch blasser gefärbtes Gestein allmählich in den gelb-
grünen Hornfels überführt. Wo in dieser hellen Rinde sich noch
eine schmale bräunliche Zone wenig unterhalb der Oberfläche be-
findet, dürfte es sich um eingedrungene limonitische Substanz
handeln, zumal da diese Erscheinung nur an den Schichtköpfen
auftritt. Beide Vorgänge rufen eine Lockerung hervor, derart,
daß am Ausstreichen die ursprüngliche Schichtung wieder sicht-
bar wird.
Die Unterlagerung des Tonschiefers durch den Quarzit-
sandstein ist nicht aufgeschlossen. Mit seinem Beginn wächst
der Böschungswinkel der Anhöhe merklich. Er ist ein einfachen
weißliches oder durch Fe-Verbindungeu rötlich gesprenkeltes sein-
hartes Gestein , das vorübergehend in Montevideo zum Pflastern
benützt wurde, eine Verwendung, von der aber, da sich das Ma-
terial als sehr klüftig erwies, wieder Abstaud genommen wurde.
Wegen seiner Härte ragt das Gestein überall gratartig aus dem
Boden heraus, der begreiflicherweise sehr nährstoffarm, trocken
und wenig tiefgründig ist und infolgedessen außer dürftigem Gras-
wuchs nur Kaktuspflauzen trägt.
Unter dem Quarzit befindet sich, durch den erwähnten Stein-
bruch aufgeschlossen, ein massiger Sandstein, der in seiner
1 Leider läßt sich dieses Produkt nirgends im Kontakt mit dem
Eruptivgestein nachweisen, sondern findet sich nur in dessen nächster
Umgebung in losen, sehr verschieden großen Stücken. Dies deutet wohl
darauf hin, daß der Kontakt-„Hof“ an Durchmesser sehr variiert, ja viel-
leicht stellenweise sich gar nicht gebildet hat.
K. Walther. Heber ein Vorkommen von Epidotadinole und
72
rötlichen Farbe und seinem ziemlich feinen Korn an 1. c. von
mir aus dem Norden des Landes beschriebene Gesteine erinnert.
Seine Bestandteile sind allerdings weit inniger zementiert, doch
reicht seine Härte nicht an die des oben geschilderten Quarzit-
sandsteins.
II. Ergebnisse der mikroskopischen Untersuchung.
1. Diabas.
U. d. M. erkennt man, wie das wenig frische Gestein vor-
wiegend aus uralitischer blaßgrüner Hornblende gebildet wird,
deren (nicht starker) Pleochroismus sich zwischen schwach bläulich-
grün nach c, gelblichgrün nach b und fast farblos nach ü bewegt.
Das Mineral zeigt keine kristallographische Begrenzung, sondern
bildet zerfaserte Individuen, die pinselartig endigen und auf diese
Weise innig verbunden sind, eine Erscheinung, welche die große
Zähigkeit des Gesteins erklärt. Die Fasern sind meist verbogen
und verquetscht, was auf Volumzunahme bei der Uralitisierung
hindeutet. Welchen Ursachen dieser Prozeß in unserem Falle
zuzuschreiben ist, mag nur negativ dahin entschieden werden, daß
es sich dabei nicht um gebirgsbildende Vorgänge gehandelt haben
kann, wie ohne weiteres aus der bereits angegebenen Lagerung
der umgebenden Schichten hervorgeht. Auch an kontaktmetamorphe
Einflüsse durch eine — in der Tiefe steckende und gänzlich hypo-
thetische — granitische Masse ist nicht zu denken, so sehr unser
Gestein makro- und mikroskopisch einem deutschen Gestein, das
auf diesem Wege entstand1 2, ähnlich ist. Denn sowohl nach den
Untersuchungen C. Guillemain’s 2 als auch nach meiner eigenen
Kenntnis der hiesigen geologischen Verhältnisse gehört der Granit
als verbreitetster Repräsentant der intrusiven Bildungen ausschließ-
lich dem sogen. Grundgebirge an und findet sich nicht in jüngeren
Schichten. Man muß daher hier wohl an eine durch postvulka-
nische Prozesse bedingte Gesteinszersetzung denken, wie E. Wein-
schenk es bei der Grünsteinbildung und Saussuritisiernng nebst
Uralitisierung tut3. — Die Menge des zwillingsgestreiften F el d -
1 „Hornblendegestein vom Knoblauchsberg im Erzgebirge“ aus der
Sammlung von 7 H Gesteinen und Dünnschliffen als Belegstücke für Kon-
taktmetamorphose. Herausgegeben von Dr. F. Krantz in Bonn, beschrieben
von Prof. Dr. W. Brohns.
2 1. c. p. 208.
8 Allgemeine Gesteinskunde. 2. Aufl. p. 150. Es möge im Zusammen-
hänge hiermit daran erinnert sein , daß A. Schwantkk (dies. Centralbl.
1910. p. 174) den immer noch nicht erklärten hohen Gehalt an Natrium,
der für den Diabaskontakt oft so bezeichnend ist, als Begleiterscheinung
der Eruption aufgefaßt wissen möchte. Ob die Na-Injektion gleichzeitig
mit der Eruption erfolgte oder nicht, vielmehr zusammen mit der Er-
gefritteten Sedimenten aus dem Süden der Republik Uruguay. 7R
spats ist scheinbar nicht groß, es ist jedoch zu bedenken, daß
dieses Mineral einerseits vielfach in Klinozoisit um ge wandelt und
von der „schilfigen'* Hornblende (die gleichfalls das genannte
sekundäre Mineral lieferte) häufig förmlich überwuchert wurde.
Anderseits entgeht der Feldspat oft dadurch der Beobachtung, daß
er pseudomorph durch chloritische Substanz mehr oder weniger
verdrängt wurde. Welches Glied der Plagioklasreihe vorliegt,
läßt sich unter diesen Verhältnissen optisch natürlich nicht defi-
nieren. — Ilmenit bezw. titanhaltiger Magnetit ist im frischen
Gestein sicher reichlich vorhanden, in den vorliegenden Präpa-
raten ist das Mineral zum größten Teil in Leukoxen übergeführt,
wobei am restierenden Metall Schalenbau mehrfach gut hervortritt.
2. Epidotschiefer.
Schon aus der obigen Erwähnung vom Vorkommen eines
epidotreichen hornfelsartigen Kontaktproduktes wird man ersehen
haben, daß der früher gebrauchte Ausdruck toniger bezw. san-
diger Schiefer einen chemischen Komponenten außer acht läßt,
der für den in Rede stehenden stratigrapliischen Horizont in
hohem Maße charakteristisch ist: das Calcium. Dieses Element
findet sich — wie im folgenden Abschnitt zu zeigen sein wird —
in dem Hornfelse ebenso wie in den „Schiefern“ in großer Menge
als Silikat in der Form von Angehörigen der Epidotgruppe. Ich
behalte also das Grundwort „Schiefer“ bei, obwohl, wie oben
schon gesagt wurde, nur ein Teil der Gesteine seine Fissilität
behalten hat, und füge als Bestimmungswort den charakteristischen
Bestandteil Epidot hinzu.
Das Korn der Epidotschiefer ist mit einer Ausnahme — die,
wie zu Anfang bereits gesagt, vielleicht einem tieferen Horizont
angehört — das sehr feine pelitischer Bildungen, wodurch be-
kanntlich die mineralogische Definition der Komponenten bedeutend
erschwert wird.
In jenem etwas gröber klastischen Gesteine enthüllt sich
schon bei der Anfertigung des Schliffes die sekundär verloren
gegangene Schichtung. Es zeigt sich u. d. M., daß sie bedingt
wurde durch Lagen gröberen Materials, unter dem in erster Linie
natürlich Bröckclien von Quarz, dann aber auch von zwillings-
gestreiftem Feldspat und vereinzelt von Epidot zu beobachten
starrung des Magmas und postvulkanisch — wie bei A. Schwantke aus
der Anführung der Zeolithisierung und „juveniler“ Emanationen hervor-
geht— , ist in unserem Falle belanglos. Im Falle einer nach der eigent-
lichen Eruption erfolgten Na-(und Si 02-)Zufuhr würde sich auch der
Widerspruch gegen die herrschende Meinung klären, wonach im normalen
Intrusivgesteinskontakt der chemische Bestand sich wesentlich nicht ändert
(man vergl. hierzu 0. H. Eromannsdörfker in dies. Centralbl. 1910. p. 797)..
74 K. Walther, lieber ein Vorkommen von Epidotadinole und
sind. Die Erhaltung dieses gröberen Materials erhellt aus dem oben
über die fast ungestörte Lagerung des Gesteinskomplexes Gesagten.
An der Zusammensetzung der Epidotschiefer insgesamt be-
teiligen sich — außer Quarz und nicht näher zu deutender, in
winzigen rostbraunen Körnchen auftretender ferritischer Substanz
die Komponenten: chloritisches Mineral, Epidot und kohlige Substanz.
Ob sich unter den allerorts reichlich vorhandenen farblosen
oder schwach gefärbten glimmerähnlichen Blättchen außer den
cli loritischen Bestandteilen auch ein Mitglied der Glimmer-
familie verbirgt, kann ich mit Sicherheit nicht sagen. Auch die
Zurechnung zu einer bestimmten Spezies der erstgenannten Sili-
kate stößt auf Schwierigkeiten. Auf den Biotit als Ausgangs-
material derselben 1 dürften schon die massenhaft vorhandenen,
z. T. in deutlichem Zusammenhänge mit den chloritischen Blätt-
chen stehenden limonitischen Körnchen deuten.
Hinsichtlich der Anordnung des in Rede stehenden Minerals ver-
dient hervorgehoben zu werden, daß in zwei parallel zur Schichtung
gerichteten Schliffen neben basalen auch große Mengen leistenförmiger
Blättchen sich linden, die in zwei nahezu senkrecht zueinander
verlaufenden Systemen angeordnet sind. Eine Erklärung hierfür
vermag ich nicht anzugeben. Ferner zeigt sich, daß in dem-
selben Gestein sich eine Art schwacher Fleck- oder Knoten-
struktur mikroskopisch dadurch ausspricht, daß der Glimmer ver-
einzelt zu kleinen Häufchen Zusammentritt. Sie bestehen, wie
man bei starker Vergrößerung erkennt, aus parallel ungeordneten
und zusammen auslöschenden Blättchen, deren Ebene senkrecht
zur Schichtung liegt. Eine Anreicherung kohliger Substanz in
diesen Flecken — - wie dies aus den Granitkontakthöfen bekannt
ist — läßt sich jedoch nicht feststellen.
Die leistenförmigen Blättchen des Minerals sind meist farblos,
etwas größere Individuen zeigen jedoch mehrfach eine schwache
Färbung und geringen Pleochroismus zwischen gelblichgrün par-
allel den Spaltrissen und fast farblos senkrecht hierzu. Im
Gegensätze zu den flächenförmigen weisen die farblosen, Spalt-
risse führenden Schnitte lebhafte Interferenzfarben auf, bei gerader
Auslöschung und positivem Charakter der Zone. Gefärbte pleo-
chroitische Individuen dagegen sind außerordentlich schwach
doppelbrechend. Basale spaltrißfreie Blättchen , die z. T. aus-
gebleicht und schwach lichtbrechend sind, z. T. sich bei gelb-
grüner Färbung durch geringe Doppelbrechung verraten, geben
im konvergenten polarisierten Licht häufig ein gutes Achsenbild
mit negativem Charakter der Bisektrix und zugehörigem Achsen-
winkel von beträchtlicher Größe.
1 Vergl. H. Rosenbusch, Mikroskop. Physiograpliie. 4. Aufi, II, 2.
p. 131 1.
gefritteten Sedimenten aus dem Süden der Republik Uruguay. 75
Der faserige Charakter der leistenförmigen Chloritblättcheu
und ihre meist höhere positive Doppelbrechung unterscheiden sie
von einer der gleich zu schildernden Varietäten der Epidot-
gruppe. Die Angehörigen derselben häufen sich in dichten,
z. T. wenig durchsichtigen körnigen Massen an und stellen dem
Studium infolge außerordentlicher Kleinheit der Individuen be-
trächtliche Schwierigkeiten entgegen , so daß man stets eine
4 — öOOfache Vergrößerung benötigt. Hervorzuheben ist, daß in
zwei Gesteinen außer den regellos verteilten Kriställchen und
Körnchen noch eine Anordnung gleicher, sehr feiner und schwei-
durchsichtiger Produkte in langgezogenen, unregelmäßig gestalteten
und gewundenen parallel gerichteten Bändern zu beobachten ist.
Schon aus ' dieser Anordnung, mehr aber noch aus erhalten ge-
bliebenen Resten des ursprünglichen Minerals läßt sich schließen,
daß man es hier mit einer Verdräugungspseinlomorphose von
Epidot nach Chlorit zu tun hat, analog wie dies nach Biotit
bekannt ist.
Es sind mindestens zwei Ausbildungsweisen des Calcium-
silikates vorhanden und es ist bemerkenswert, daß sie stets in
der Art miteinander verwachseu sind, daß das fast ausschließlich
in körnigen Aggregaten auftretende Mineral den Kern, die immer
kristallographisch begrenzte Varietät aber die äußere, an dem-
selben Kristall vielfach sehr ungleichmäßig starke und stellen-
weise fehlende Umhüllung bildet (s. Fig. 1 ’). Ersteres besitzt.
auch au den dünnsten Stellen des Schliffs meist deutlich gelbe
Farbe und, soweit die eben genanute Eigenschaft eine Beobach-
tung darüber zuläßt, hohe Doppelbrechung. Vereinzelt — in
erster Linie in dem oben erwähnten gröber klastischen , Ton-
schiefer“ — sind die Individuen etwas größer und schwach pris-
matisch begrenzt bei negativem Charakter der Prismenzone.
Interessanter als die eben geschilderte typisch pistazitische
Varietät ist die andere — wenn es sich in der Tat nur um eine
1 Mir. dem AnBE'schen Apparate bei 5001'acher Vergrößerung ge-
zeichnet. Hierbei beträgt die Höhe des Kriställchens ca. 7 mm. Die
Abbildung zeigt den nicht seltenen Fall, daß die idiomorphe Umhüllung,
die in ihrer Orientierung keine ersichtliche Beziehung zu den umschlossenen
Körnern aufweist, diese nicht gänzlich umhüllt. Das vorliegende Indivi-
duum ist relativ gedrungen ; im allgemeinen sind die Kristalle stärker
nach der Vertikalachse (s. u.) gestreckt.
76 K. Walther, Ueber ein Vorkommen von Epidotadinole und
handelt — , deren Zurechnung zu einer bestimmten Abart auf
Schwierigkeiten stößt. Die Ausbildung des Minerals in winzigen,
aber doch sehr scharfen Kristallen ist prismatisch, wobei die In-
dividuen hie und da pyramidal endigen, meist jedoch einer kri-
stallographischen terminalen Begrenzung entbehren. Als Selten-
heit linden sich Schnitte nach der Symmetrieebene (s. die bei
gleicher Vergrößerung gezeichneten Fig. 1 und i ’), die nach der
Vertikalachse gestreckt sind und lebhaft an die entsprechenden
Schnitte des Cerepidots erinnern1 2. Eine Spaltbarkeit ist an den
klinopiuakoidalen Sektionen nicht zu beobachten, dagegen weisen
die übrigen Kristalle trotz winziger Dimensionen vielfach deut-
liche Risse parallel ihrer Zone auf. Den Grad der Spaltbarkeit
in diesem Sinne — nach der Basis — erkennt man daraus, daß
größere Individuen hie und da an den Enden ausgefranst sind
und hierbei zahlreiche sekundäre Kriställchen liefern.
Die Farbe des Minerals ist vereinzelt blaß bläulickgrün,
meist ist es jedoch farblos. Als Seltenheit treten stärker gefärbte
größere Individuen auf, die sich dann stets durch deutlichen
Pleochroismus auszeichnen. Derartige Kristalle sind parallel zur
vorwiegenden Längsrichtung, d. h. also zu b, schwach grünlich
bis fast farblos, während sie senkrecht hierzu graugrüne Farbe
zeigen.
Während das Brechungsvermögen des Minerals ziemlich be-
trächtlich ist, weist die Doppelbrechung sehr geringe Werte auf.
Die stets normalen Interferenzfarben reichen höchstens bis zu
einem schwach weißlichen Ton, zeigen jedoch meistens ein dunkles
Grau, wenu sie nicht fast isotrop erscheinen. Der Charakter der
Doppelbrechung der makrodiagonalen Zone ist negativ, derjenige
der nach c gestreckten Kristalle positiv. Während erstere be-
kanntlich gerade auslöschen, läßt sich bei den klinopinakoidalen
Schnitten unter Anwendung der „teinte sensible“ eine minimale
Schiefe nach vorn, d. h. im stumpfen Winkel ß feststellen.
1 Das der letzteren Abbildung zugrunde liegende Kriställchen hat
bei 500facher Vergrößerung eine Höhe von ca. 13,5 mm. Da die Schnitte
natürlich nur annähernd klinopinakoidal geführt sind , entsprechen die
Winkel nicht den beim Epidot festgestellten.
2 Rosenbüsch- Wülfing, Mikroskopische Physiographie. 4. Aufl. p. 287.
Fig. 145.
gefritteten Sedimenten aus dem Süden der Republik Uruguay. 77
Diese Eigenschaft läßt eiuen Teil der schwach doppelbrechen-
deu Kriställchen mit Sicherheit als Klinozoisit erkennen.
Möglicherweise bilden die nach c gestreckten Individuen nur eine
Abart der nach der Symmetrieachse prismatischen Kristalle, eine
Variabilität, die bei den Angehörigen der Epidotgruppe nicht
besonders auffällt.
Die Verteilung der allenthalben in beträchtlichen Mengen
vorhandenen kohligen Substanz ist gleichmäßig bis auf ein
Vorkommen, in dem sich eine schwache Anhäufung des Pigments
in einzelnen unregelmäßigen Flecken konstatieren läßt.
3. Epidotadinole.
Dieses ' Gestein, das, wie oben gesagt wurde, eine schmale
Koutaktzone an einem Diabase bildet, setzt sich, im Dünnschliff
betrachtet, neben Quarz aus Epidot, Calcit und Strahlstein zu-
sammen. Schon unter der Lupe zeigen sich auf der angeschliffenen
Fläche, besonders wenn man sie anfeuchtet, regelmäßig verteilte
dunklere Punkte, die das Gestein sprenkeln. Im Schliff, dessen
Herstellung wegen der außerordentlichen Härte des Materials sehr
zeitraubend ist und der besonders dünn sein muß, um vollkommen
durchsichtig zu sein, erkennt mau, daß die bei reflektiertem Lichte
dunkleren Punkte im hindurchgehenden Lichte farblos sind. Sie
bestehen — analog wie es bei Spilositen bekannt ist — haupt-
sächlich aus Quarzkörnern. Ob sich unter diesen auch ein albi-
tischer Feldspat versteckt, konnte bei der Kleinheit der Individuen
optisch nicht festgestellt werden. Ich bestimmte daher chemisch
den Alkaligehalt des Gesteins im Aufschluß nach J. Lawrence
Smith. Die Summe von K20 und Na2 0 belief sich jedoch nur
auf 3,fi8°/0, ein gesteigerter Gehalt von Albit ist deshalb nicht
vorhanden.
An der Zusammensetzung der hellen Flecken beteiligen sich
vereinzelte Epidotkörner sowie dasjenige Mineral, das besonders
beim Zurücktreten des genannten Silikates sichtbar wird : der
Strahlstein. So wenigstens möchte ich jene zahllosen außer-
ordentlich feinen, nur bei starker Vergrößerung sichtbar werdenden
schlanken Nadeln deuten, die, häufig büschelig-faserig und radial-
strahlig angeordnet, wie ein Gewebe den ganzen Schliff durchziehen.
Die terminal nicht kristallographisch begrenzten Nüdelchen sind
farblos oder schwach bläulichgrün gefärbt, besitzen nicht unbedeu-
tende Lichtbrechung, aber — bei positivem Charakter der Prismen-
zone — geringe Doppelbrechung, eine Erscheinung, die vielleicht
auf teilweise serpentinige Umwandlung zurückzuführen ist. Die
Interferenzfarben sind so niedrig, daß sie mit dem sogen. Viertel-
Hndulationsglimmerplüttchen in Kreuzstellung vollkommen reduziert,
werden. Ein Teil der Nadeln weist deutliche Schiefe der Aus-
löschung auf.
78 K. Walther. Ueber ein Vorkommen von Epidotadinole und
Wie schon nach dem makroskopischen Befunde vermutet war,
rührt die gelbe Farbe des Gesteins von Pistazit her, der in
großer Menge in unregelmäßigen, stark licht- und doppelbrechen-
den Körnern von gelber Farbe auftritt. Es handelt sich um das-
selbe Mineral, wie es aus den Schiefern beschrieben wurde, doch
besitzt es hier gröberes Korn und ermangelt durchweg jener für
die letztgenannten Gesteine so charakteristischen klinozoisitischen
Umwachsung.
Die kohlige Substanz der oben geschilderten Epidot-
schiefer ist fast ganz weggeführt und auf einzelne z. T. schon im
Handstück erkennbare kleine Flecken reduziert.
Was die bereits oben erwähnte, besonders an den Schicht-
köpfen bemerkbare Verwitterungsrinde anlangt, so zeigt
sich u. d. M. , daß dort die Aktinolithnädelchen nahezu ganz
fehlen und daß der Pistazit gebleicht erscheint. Mit der erst-
genannten Erscheinung und der oben vermuteten teilweisen serpen-
tinösen Umwandlung darf man wohl den nicht unbeträchtlichen
Gehalt des Gesteins an Calcit in Verbindung bringen. Die
Anwesenheit dieses Minerals konnte durch Behandeln des Schliffs
mit kalter verdünnter Essigsäure nachgewiesen werden. Hierbei
löst sich das Mineral und läßt stellenweise die charakteristischen
Blätterbrüche sehen. Entsprechend seiner sekundären Entstehung-
tritt der Kalkspat in unregelmäßig begrenzten Putzen auf.
Die gleichfalls schon erwähnte, hie und da unter der Ober-
fläche gelegene braune Zone rührt in der Tat von eingedrungenen
oxydischen Eisenverbindungen her.
Über die Wahl der Bezeichnung Adinole soll weiter unten
gesprochen werden. Von den umgebenden Schiefern unterscheidet
sie sich dadurch, daß in ihr die dort reichlich vorhandene kohlige
Substanz nahezu ganz weggeführt und daß an die Stelle des
chloritischen Minerals nunmehr reichliche Mengen von Aktinolith
getreten sind.
4. Quarzitsandstein und Sandstein.
Die früher ausgesprochene Vermutung, daß nämlich die auf-
fallende Verhärtung dieser Gesteine sich von einem Silifizierungs-
prozesse herleite, bestätigt sich bei der mikroskopischen Unter-
suchung nicht. Es zeigt sich vielmehr, daß der angegebene
Charakter der Gesteine metamorphen Einflüssen zuzuschreiben ist,
denen zufolge das ursprüngliche tonige Bindemittel umkristalli-
sierte. Es bildete sich dabei in großen Mengen ein Mineral, das
ich für Sericit halte. Es schmiegt sich in Bündeln winziger,
meist prismatischer farbloser Kristalle um die Quarzkörner und
zeigt lebhafte Interferenz färben bei positivem Charakter der Zone.
Eine Untersuchung etwaiger basaler Blättchen durch Betrachtung
im konvergenten polarisierten Lichte ist bei der Kleinheit der
gefritteten Sedimenten aus dem Süden der Republik Uruguay. 79
Individuen leider nicht möglich. Was jedoch an der obigen Be-
stimmung festhalten läßt, ist die Beobachtung, daß der Sericit
in den rötlichen , den Quarzit unterlagernden Sandsteinen schon
im Handstücke in glitzernden farblosen, durch das ganze Gestein
verteilten Blättchen erkennbar ist. Sie erweisen sich mikro-
skopisch durch vollkommene Spaltbarkeit und hohe Interferenzfarben
mit Sicherheit als Glimmer. Es liegt also nur an der Kleinheit
der Individuen , daß der Quarzitsandstein ein mattes Aus-
sehen trägt.
Außer Quarz und Glimmer beteiligen sich lediglich noch
limonitische Produkte am Aufbau des Gesteins. Aus ihnen als
ursprünglich touigen Psammiten mögen sich durch allmähliche 1
Verfeinerung des Korns , Zunahme der tonigen und Aufnahme
mergeliger und kohliger Bestandteile die im vorigen Abschnitte
beschriebenen Pelite entwickelt haben.
III. Folgerungen.
Die im obigen gebrauchte Bezeichnung Epidotadinole ergab
sich aus der Beobachtung, daß hier ein durch große Mengen von
Epidot ausgezeichnetes Glied derjenigen Diabas- Kontaktgebilde
vorliegt, die sich durch gesetzmäßige Anordnung ihrer Bestand-
teile kennzeichnen. Dabei muß hervorgehoben werden, daß es
sich nicht um einen typischen Vertreter dieser Gruppe handelt.
Hiergegen spricht schon der geringe Gehalt an albitischem Feld-
spat. Es weist eben unsere Adinole zwar den äußeren hornfels-
artigen Habitus dieser nächst dem Diabas gelegenen Gesteine,
aber die Struktur äußerer Zonen auf, von denen jedoch in unserem
Falle nichts zu beobachten ist.
Auf Schwierigkeiten stoßen wir bei Erörterung der Frage,
welche Kräfte die beschriebenen Sedimente außerhalb des ganz
unbedeutenden Diabaskontakt- „Hofes“ umgewandelt haben, und
zwar kompliziert sich der Fall dadurch, daß man, wie gezeigt,
weder gebirgsbildende Kräfte noch Nähe eines Tiefengesteins zur
Deutung heranziehen kann. Man ist daher zu der Annahme ge-
zwungen, daß die Metamorphose von einer jetzt gänzlich weg-
geführten Eruptivdecke vom Charakter der Diabas-Melaphyr-Trapp-
Gruppe — wie solche im Norden des Landes sehr verbreitet —
herrührt. Von ihrem ehemaligen Vorhandensein legt unser Diabas-
gang Zeugnis ab, der die Rolle eines Zufuhrkanals spielte. Wenn
dem so ist, so steht zu erwarten, daß der Charakter der Um-
wandlung im wesentlichen der einer Hitzewirkung ist und sich
in einer Frittung der betroffenen Sedimente ausspricht. In der
Tat gehört der Verlust der Schichtung zu den wichtigsten Merk-
malen aller unserer Gesteine; er ist natürlich dort am stärksten,
1 s. oben p. 73.
BO K. Walther, Ueber ein Vorkommen von Epidotadinole etc.
■wo dieselben einerseits dem Eruptivgestein direkt anliegen, wie
es bei der Adinole der Fall ist, anderseits wo sie schon primär
weniger deutliche Schichtung aufwiesen, wie es bei den Sand-
steinen und gröber körnigen Schiefern (s. p. 74) der Fall ge-
wesen sein mag. Weiterhin gewinnt die obige Annahme dadurch
an Wahrscheinlichkeit, daß das Wesen der Umwandlung in Epidot-
adinole und Epidotschiefer dasselbe ist. Die Anwesenheit von
reichlichem Epidot in den Schiefern mag zunächst befremden, da
man dieses Mineral als Neubildung im wesentlichen nur in zen-
tralen Zonen kontaktmetamorpher Umwandlungen sowie in kristal-
linen Schiefern kennt. In letztgenannter Gruppe gehört es jedoch
zum typomorphen Mineralbestande der obersten der angenommenen
Zonen dynamometamorpher Umwandlung ’, in der die Temperatur
noch relativ niedrig ist. Man muß auch bedenken, daß es bei
gleichzeitiger Anwesenheit von Al, Ca und Si02 nur zur Bildung
eines Al-Ca-Silikates und nicht etwa zu der eines reinen Al-Sili-
kates (Sillimanit, Andalusit) nebst Calcit kommen kann. Für die
etwaige Annahme, daß in der Verwachsung von Pistazit und
Klinozoisit, wie sie fiir die Schiefer im Gegensätze zu der Adinole
so bezeichnend ist, ein Merkmal geringeren Grades der Umwand-
lung liege, fehlen noch vergleichende Daten hinsichtlich der künst-
lichen Darstellung der Mineralien.
Bemerkenswert ist der Umstand, daß die Schiefer wohl eine
Neubildung von Epidot, sonst aber so gut wie nichts von den
Strukturen aufweisen, wie sie so charakteristisch in den äußeren
Zonen kontaktmetamorpher Umwandlungen auftreten, handle es
sich um echt intrusive Gesteine oder solche, die vorübergehend
diese Erscheinungsform angenommen haben, wie es Diabase tun.
Das einzige, was hier namhaft zu machen wäre, sind die in einem
Gesteine zu beobachtenden vereinzelten augenartigen Chlorit- und
die in einem anderen Gestein auftretenden kohligen Anhäufungen.
Während man also in der Epidotadinole einen schwachen Reprä-
sentanten der Gesteine aus dem Spilosit-Adinol-Kontakt vor sicli
hat, gehören die Epidotschiefer der anderen Kategorie von meta-
morphen Gebilden an , die man als Hornschiefer bezeichnet.
Beispiele werden aus dem Diabas- und Tholeiit-Kontakt in der
Literatur aufgefiihrt.
Nach der stratigraphisch-geologischeu Seite hin ergibt sich
aus obigen Betrachtungen das Folgende :
1. Wenn man zur Erklärung der geschilderten Umwandlung
von ehemaligen Sandsteinen mit tonigem in solche mit glirnme-
rigem Bindemittel und von ehemaligen dolomitischen Schiefertonen
in Epidot-Chloritschiefer eine früher vorhandene Eruptivgesteins-
1 U. Grubenmann, Die kristallinen Schiefer. 2. Aufi. p. 80.
Edw. Hennig. Ueber Urgon in Deutsch-Ostafrika.
81
decke im Hangenden annimmt, so wird dadurch erwiesen, daß die
angegebenen Sedimente in der Tat dem jüngsten Teile der „ Santa
Catharina-Formation“, d. h. den Säo Bento-Schicliten. zugehöreu.
wie dies schon früher von mir auf Grund ihrer Lagerungsverhält-
nisse in Ermanglung paläontologischer Beweise wahrscheinlich
gemacht wurde
2. Da es ausgeschlossen ist. daß die Metamorphose durch
die im Hangeudeu befindlichen Schiefertone hindurch die liegenden
Sandsteine umgewandelt hat, so folgt, daß die Aufrichtung der
Schichten vor der Effusion des Diabasgesteins, d. h. also vor
der Zeit der „Serra Geral- Eruptivgesteine" vor sich gegangen
ist. demnach also nur die Schichtköpfe umgewandelt hat.
3. Die von der angenommenen Eruptivdecke ausgehende Kon-
taktmetamorphose war also zweifellos nur .auf geringe Entfernung
hin wirksam. Da nun aber Sandsteine und Schiefer das gleiche
Maß der Umwandlung anfweisen, obwohl jene in einem topo-
graphisch höheren Niveau gelegen sind als diese, so ist anzu-
nehmen, daß der Effusion des Diabases eine Periode der Abtra-
gung vorausging, die ein Belief schuf, das dem jetzigen ähnlich
war. Auf diese Weise betrachtet, würden die „Serra Geral-
Eruptivgesteine" als das hangende Glied der brasilisch-uruguav-
schen „Gondwanaformation" in ein recht hohes mesozoisches
Niveau hinaufrücken — in Analogie mit gleichartigen Bildungen
auf der Westseite des südamerikanischen Kontinents1 2.
Montevideo, 12. September 1912.
Ueber Urgon in Deutsch-Ostafrika.
Von Dr. Edw. Hennig.
In Borxhardt’s prächtigem Werke über die Geologie und
Oberflächengestaltung Deutsch -Ostafrikas rindet sich die Angabe
von Jura am Durchbruch des Mavndyi durch die Kiturika -Berge
im Hinterlande der Kilwa-Kissiwani-Bucht. Zwar ist mit der die
Arbeit allenthalben auszeichnenden Sorgfalt auf die Mangelhaftig-
keit der Beweise für dieses Vorkommen (ein am Mbambala-Fuße auf-
gelesener Ammonit) ausdrücklich hingewiesen. Auf der geologischen
Kaite kommt das Hypothetische der Annahme aber natürlich nicht
zum Ausdruck. Dort ist vielmehr aus bloßer Wahrscheinlichkeit
heraus die blaue Farbe allseitig über den Fundort hinaus in den
1 Über Transgressionen der oberen „Gondwanaformation“ in Süd-
brasilien und Uruguay. Dies. Centralbl. 1912. p. 398.
2 Es sei hier daran erinnert, daß in dem BERGHAUs'sehen „Atlas der
Geologie". Karte No. 14, bearbeitet von G. Steinmann , hinsichtlich der
brasibsch-uruguayiscben Sandsteine gesagt wird : .Im Norden paläozoisch
oder cretaceisch. im Süden der Trias oder Kreide angehörend und hier
mit Einschaltungen basischer Effusivgesteine“.
Centralblatt f. Mineralogrie etc. 1913.
6
82
Ethv. Hennig,
Talsohlen angelegt und der Jura damit als Liegendes der gleich-
falls nur durch spärliche Beobachtungen belegten Unterkreide dar-
gestellt. Das Gelände der Kiturika-Berge weicht zudem auf der
topographischen Unterlage von den ruhigen ebenen Plateauformen
des südlichen Muera- und Makonde-Landes sehr erheblich ab und
nähert sich dem des unruhig gestalteten nördlich gelegenen Matumbi-
Berglandes, das nach der MüLLER’schen Bearbeitung der Bornhardt’-
schen Aufsammlungen ebenfalls aus Jura aufgebaut erscheint.
Nun wurde seither bekannt, daß im Kilwa-Hinterlande große
Höhlenbildungen auftreten, und zwar sowohl in den Matumbi-Bergen,
wo sie sogar beträchtliche Dimensionen erreichen , als auch in
Kiturika. Damit schien ein neuer Beweis für die Gleichartigkeit
beider Gebiete erbracht um so mehr, als ja auch im Tanga-Ge-
biete jurassische höhlenbildeude Kalke seit langem bekannt sind.
Meine Marschroute vom Grabungsgebiete des Tendaguru zu
den von Herrn Bischof SpREtTER-Daressalaam neuentdeckten , von
Herrn Janknsch als aussichtsreich erkannten Dinosaurierfund-
stellen von Makangaga-Mbate im Kilwa-Hinterlande wählte ich so,
daß icli stellenweise der BoRNHARDT’schen Route folgen konnte
und somit an Hand seiner Angaben den vermeintlichen Jura sicher
aufünden mußte. Diese Ablagerungen hatten für mich ein er-
höhtes Interesse dadurch , daß ich im Zentralbahngebiete hinter
Daressalaam einen allmählichen Übergang vom Dogger bis zu den
Grenzschichten gegen die Kreide geglaubt hatte feststellen zu
können. Die Tendaguru-Schichtenserie bestand aber nach unseren
bereits zweijährigen Erfahrungen offenbar sehr wesentlich aus den
tiefsten Schichten der Kreide. Es war daher nicht ohne Be-
deutung, die Lagerungsverhältnisse zwischen Jura und Kreide bei
dieser Gelegenheit auch im Süden prüfen zu können; denn die
besseren BoRNHARDT’schen Fundpunkte des Jura von Matumbi und
Mahokondo lagen zu sehr außerhalb'unseres Arbeitsgebietes, als daß
wir sie, wie wir gewünscht hätten , bis dahin hatten besuchen können.
Nun war es zwar eine wichtige Feststellung, aber aus den
genannten Gründen doch auch eine arge Enttäuschung, daß ich
unmittelbar neben dem BoRNHARDT’schen Fundpunkte des vermeint-
lichen Jura- Ammoniten unzweifelhaftes Neocom als das Liegende
des dortigen Aufschlusses erkannte, und zwar diejenige Schicht, die
mir vom Tendaguru her als Oberstes einer 1 50 m mächtigen
Folge wohl bekannt war. Bornhardt gegenüber hatte ich , ab-
gesehen von dem langen Aufenthalte in jenen Gegenden , eine
wesentlich günstigere Beobachtungsmöglichkeit dadurch , daß ich
unweit jener Stelle Lager bezog, am Nachmittag des Ankunfts-
tages den ganzen Berghang am linken Kihendye-Ufer brennen
ließ und von den zu diesem Zwecke ausgesandten Leuten bereits
mehrere gute Exemplare des Leitfossils Trigonia Schwärzt erhielt.
Am andern Morgen konnte ich bequem absuchen und diese Trigonie
in ganzen Nestern feststellen. Der unter dem sie enthaltenden
Ueber Urgon in Deutsch-Ostafrika.
83
Saudstein am Flusse ausstreichende unreine Ton entsprach durch-
aus unserer obersten Saurierschicht, in der ich mich den Tag
vorher (freilich durch dichtesten Graswuchs am Beobachten völlig-
behindert) bewegt hatte. Fiir die Anwesenheit von Jura sprach
nichts, bestand sogar nicht mehr die geringste Wahrscheinlichkeit.
Über dem Sandstein mit Tr. Schwarzi folgte unmittelbar ein
Korallenkalk ; es war somit bei unwesentlicher Lokalfärbung ganz
das gleiche Profil gegeben wie bei Pilepile im Namgaru-Tale süd-
westlich von der Mtschinga-Bucht im Lindi-Bezirke , eine höchst
wichtige Verbindungsbrücke zwischen dem Norden und Süden
unseres Expeditionsbereiches. Der Kalk ging hier nach oben hin
in mehrere Meter mächtige fossilleere Bänke über , die an der
Berglehne eine Steilkante bildeten. Darüber folgten die sandigen
„Makonde“ -Schichten des Plateaulandes mit dem „Leithorizonte"
des Ne/rafrt-Sandsteins. Weiter konnte ich einstweilen aus Zeit-
mangel dem Problem nicht nachgehen. Nur wurde mir beim Über-
schreiten des Manganya (eines Teilstückes von Kiturika) in den
wenigen Durchblicken, die der undurchdringliche Busch gewährte,
vollends klar, daß Kiturika ein Plateau sei und sich auch der
Höhenlage nach (sc. dem Einfallen entsprechend niedriger) durch-
aus dem Verbände der Makonde- und Muera-Hochflächen einfügte.
Auf einem späteren, vom neuen Standquartiere Makangaga aus
unternommenen , durch Verpflegungsschwierigkeiten erzwungenen
Orientierungsmarsche betrat ich jedoch das von Ramsay auf der
Karte festgelegte eigentliche Höhlengebiet zu beiden Seiten des
Mavudyi. Da stellte sich denn zu meinem nicht geringen Er-
staunen (endgültig natürlich erst bei der hiesigen Bearbeitung
des Fossilmaterials) heraus , daß dort in Deutsch - Ostafrika
unverfälschtes Urgon auftritt. Die Unterlagerung der hier
plötzlich mächtig anschwellenden Kalke durch das Neocom wurde
nun auch im Osten (A lectryonia rectangularis!) und im Norden
(Schtcarzi-Sdncht und Saurierschicht) zweifellos festgestellt und
damit war das Alter der Kalke als Aptien bereits genügend ge-
sichert. Am Einfluß des Kihendye in den Mavudyi aber wurde
ein Dutzend typischer Pachjmdonten aufgesammelt, die sich als das
wichtige Leitfossil des Oberurgons von Südwesteuropa , Toucasia
carinala Math. sp. herausstellten. Wie das europäische Unterurgon
noch das höhere Neocom umfaßt, so dehnt sich auch im Kilwa-Bezirke
die Kalkfaziesbildung auf den das Aptien unterlagernden Schwarzi-
Horizont hier und dort aus. Und ebenso greift sie nach oben hin
im Kiturika-Gebirge selbst auf die sandigen „Makonde “-Schichten
über, die dadurch in ihrer Mächtigkeit stellenweise bis zum Ver-
schwinden reduziert werden. Als Einlagerungen in diese Makonde-
Schichten hatten wir bereits im Süden , namentlich zu beiden
Seiten des Namgaru , aber auch (Jaxensch) am Ostabhange des
Likonde-Plateaus die Kalke kennen gelernt. Sie stellen sich so-
mit als ein deutliches Äquivalent dieser sandigen Schichten dar,
6*
84
Edvv. Hennig, Ueber Urgon in Deutsch-Ostafrika.
und zwar umziehen sie interessanterweise in großem Bogen das
Plateauland an der Ostseite gegen das offene Kreidemeer hin. Schon
dadurch, sowie durch die ersichtlich wiederholten Unterbrechungen
und durch den schnellen lokalen Wechsel ihrer Mächtigkeit geben
sie sich auf’s deutlichste als fossiles Riff zu erkennen , hinter
dem die sandige, nunmehr als „Makonde“ -Fazies (im Gegensatz
zur Kiturika-Fazies) zu bezeichnende Ausbildung dieser höchsten
Ablagerungen des Plateaulandes zur Entwicklung gelangte. In
Kituhawi am Namgaru waren übrigens bereits früher von meinen
Leuten eine Reihe großer Nerineen aufgesammelt worden, die ich
nunmehr im Kiturika — Makangaga-Gebiete in denselben Urgou-
kalken geradezu in Massen wieder auffand. Korallen sind da-
gegen nur kolonienweise eingestreut und keineswegs immer sehr
günstig erhalten. Man darf die Riff-Fazies eher als „Schnecken-
kalk“ bezeichnen. Vielfach findet man eigentümliche Gesteine,
die offenbar in der Meeresbrandung am Riff entstanden sind und in
der Tat dessen östlichen Rand einzuhalten scheinen. Sie zeigen
konglomeratisch angehäufte Trümmer von Kalk, Korallen und Pacliyo-
donten, die wieder durch kalkiges Bindemittel verkittet sind.
Bei Makangaga liegen die Kalke nur noch in schwachen ver-
einzelten Erosionsresten (so am Berge Ndalakasha, am Fuße des
Mbatata an der Ivilwa-Löwole-Straße wenig westlich von Mbate und
bei Migerigen *) vor. An der Austrittspforte des Mavudyi aus den
Kiturika-Bergeu erreichen sie ihre größte Mächtigkeit und dort
enthalten sie auch die Höhlen. Das Gebirge ist durch seinen
dichten, im Tale selbst von zahlreichen Büffelherden als Versteck
auserkorenen Busch nahezu unzugänglich oder doch für geologische
Beobachtungen überaus ungeeignet. Da mir auch wenig Zeit zu
Gebote stand, in den Höhlen sicherlich Löwen und Schlangen an-
zutreffen sind, ich aber über keine genügend starke Laterne ver-
fügte und auch meine treuesten schwarzen Begleiter sich scheuten
mir zu folgen, so war mir eine genauere Untersuchung der Höhlen
leider unmöglich. Ich stattete ihnen nur einen kurzen Besuch bei
Noro ab, einem Orte, der sich als Lagerplatz leider nicht eignete,
weil die Regierung ihn als Leprakrankenheim ausei’sehen hatte.
Soweit ich unter diesen Umständen erkennen konnte, handelt es sich
hier vorwiegend nicht um Höhlen in der Art derer von Matumbi oder
vom Sigiflusse bei Tanga, sondern mehr um Spalten und Klüfte, die
seit der Hebung des Landes auch jetzt noch alljährlich zur Regenzeit
von den Sickerwässern angelegt bezw. erweitert wurden. Es ist
eine Karstlandschaft. Oben darauf lagert noch eine dünne sandige
Decke , offenbar ein Rest der ohnehin nicht stark entwickelt
gewesenen „ Makonde“ -Fazies , der durch Hinabspülen alljährlich
an Masse Einbuße erleiden muß. Das Endziel dieser Erosions-
tätigkeit ist also bei der jetzigen Höhenlage die Bloßlegung der
K. J. Böhm, Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 1912. p. 209 — 211.
P. Oppenheim. Zur Altersfrage etc.
85
Karstobertiäche. Da die Plateauebene des Kiturika wie überhaupt
des gesamten Kreideplateaulandes nach von Staff’s Untersuchungen
einer tertiären Landoberlläche entspricht, haben wir einigermaßen
analoge Verhältnisse wie im Jui-a der Schwäbischen Alb. So be-
steht denn also theoretisch die Möglichkeit, daß auch in den
Spaltenbildungen von Kiturika sich eingeschwemmte Reste tertiärer
Säugetiere linden könnten. Es war mir natürlich besonders
schmerzlich , diesem Problem nicht mehr nachgehen zu können.
Ganz leicht dürfte das aus dem Grunde nicht sein, weil ohne sehr
erhebliche und auch kostspielige Rodnngsarbeiten einigermaßen
Sicheres nicht darüber zu erfahren sein wird.
Interessant im höchsten Maße aber muß das Auftreten der
Urgonfazies an sich schon erscheinen. Diese Fazies ist bisher
ausschließlich als auf das Mittelmeergebiet1 beschränkt bekannt
gewesen. Die amerikanischen Vorkommnisse lassen sich nicht
entfernt in der Weise vergleichen, wie dieses von Deutscli-Ost-
afrika. Zwischen den in Nordafrika und Griechenland einerseits
festgestellten Vorkommnissen und dem unsrigen scheint bisher
jede Vermittlung zu fehlen. Um so erstaunlicher wirkt die weit-
gehende fazielle und faunistische Übereinstimmung. Es sei im
übrigen auf meine Ausführungen zu dem Thema in den Veröffent-
lichungen der Tendaguru-Expedition (Archiv für Biontologie, Berlin
1913) verwiesen und nur noch der Umstand betont, daß auch die
den Schwarzi- Horizont ihrerseits unterlagernde Saurierschicht, die
etwa dem Wealden entspricht, im Bereiche der Kiturika-Berge eben-
falls einer kleinen faziellen Abänderung unterliegt, indem sie toniger
ausgebildet ist als anderwärts. Der Jura aber ist in dem ganzen
Gebirge zu streichen.
Zur Altersfrage des bei Teschen am Karpathenrande über-
schobenen Tertiärs.
Von Paul Oppenheim.
In einem ungemein anregenden Aufsatze hat uns vor kurzem
Herr W. Petrascheck2 eingehende Mitteilungen darüber gemacht,
daß in einer breiten Zone am Rande der nördlichen Karpathen die
Kreide das Tertiär übei’lagert und überschoben hat. Zwar waren
Einzelheiten dieses Phänomens schon früher durch Petrascheck 3
1 Einer freundlichen Mitteilung des Herrn Professor Kilian ent-
nehme ich, daß seine Schilderung des Urgon in der „Lethaea“ bereits im
Drucke ist ; auch verdanke ich seinem gütigen Interesse eine bestätigende
Nachprüfung meiner Fossilbestimmungen.
2 Die tertiären Schichten im Liegenden der Kreide des Teschener
Hügellandes, mit einem Beitrag über den Fossilinhalt von Th. Fuchs.
Verhandl. der k. k. geol. Reichsanst. 1912. Xo. 2. p. 75 ff.
3 Wie Michael (vergl. Anm. 3) angibt, schon 1906 in einem in
Ostrau gehaltenen Vortrage. — Vergl. auch Mitteil. d. Wiener geol. Ge-
sellsch. I. 1908. p. 66 ff.
86
P. Oppenheim. Zur Altersfrage des bei Tesclien
selbst und durch Michael 1 mitgeteilt worden , und Victor
Uhlig hatte die Tatsache in ihrer ganzen Bedeutung wohl
zuerst erkannt1 2. Aber die ganze Ausdehnung des Phänomens,
die stratigraphische Zusammensetzung des Tertiärs , vor allen
Dingen auch das Auftreten von Gerollen der Kreide in dem iiber-
scliobenen Tertiär, welches der Vermutung Baum gibt, daß die
Wurzel dieser Kreide selbst in nicht zu großer Ferne gesucht
werden darf, ist erst durch die unablässigen Bemühungen von Petra-
scheck ermittelt und weiteren Kreisen zugänglich gemacht worden.
Das Alter der überschobenen Tertiärbildungen , welche aus
einer vielfachen Wechsellagerung dünner Mergel- und Sandstein-
bänke mit gelegentlicher Einschiebung von Tuffiten bestehen sollen,
und deren tiefste Teile in einer mächtigen Konglomerat- oder
Schotterbildung endigen, wurde von Uhlig als alttertiär an-
genommen3. In diesem Sinne betrachtet auch Petrascheck die
Verhältnisse in den ersten Seiten seines Aufsatzes und zu der
Hypothese , daß es sich um alttertiäre Ablagerungen handle,
welche von Galizien aus nach Mähren herüberstreichen, steht auch
in leidlich guter Übereinstimmung ein Fund von Meletta- Schuppen4 5
und einer kleinen Cyrena cf. semistriata, welche der Verfasser von der
Bohrung Altbielitz auf p. 86 a. a. 0. angibt. Die nicht allzu
seltenen, aber gemeinhin ziemlich ungünstig erhaltenen organischen
Reste, welche die Tiefbohrungen ergaben, wurden nun Herrn Hof-
rat Theodor Fuchs zur Untersuchung vorgelegt. Dieser gelangt
a. a. 0. p. 88 (14) zu dem Resultat, daß er „auf alle Fälle
die vorliegenden Mergel noch dem M i o c ä n z n r e c h n e n
müsse und nicht dem Alttertiär“. Für jeden nun, der
das österreichische Alttertiär im N. des alpino-karpathischen Bogens
in seiner mannigfachen Zusammensetzung näher kennt, und der
die unablässigen und, ich glaube, erfolgreichen Bemühungen zu der
Aufklärung seiner Zusammensetzung, wie sie besonders Rzeiiak 3
1 Die Lagerungsverhältnisse und Verbreitung der Carbonschichten
im südlichen Teile des oberschlesischen Steinkohlenbeckens. Monatsber.
d. deutsch, geol. Gesellsch. 1908. p. 17.
2 Über die Tektonik der Karpathen. Sitzungsber. k. Akad. d. Wiss.
116. Math -nat. Kl. p 871. — Die karpatliische Sandsteinzone und ihr Ver-
hältnis zum sudetischen Carbongebiet. Mitt. d. geol. Gesellsch. Wien. I.
1908. p. 36 ff.
3 Wie zumal aus dem zweiten, in den Mitteilungen der geologischen
Gesellschaft in Wien veröffentlichten Aufsätze Uhlig's hervorgeht (vergl.
besonders a. a. 0. p. 39), hat der Autor überhaupt nicht an die Möglich-
keit gedacht, in dem überschobenen Tertiär etwas anderes als Alttertiär
zu sehen !
4 Hinsichtlich der Brauchbarkeit dieser Schuppen für die Horizon-
tierung wolle man die weiter unten folgenden Bemerkungen vergleichen.
5 Vergl. u. a. besonders: Die Niemtschitzer Schichten, ein Beitrag
zur Kenntnis der karpathisclien Sandsteinzone Mährens. Verhandl. d.
naturf. Ver. in Brünn. 34. 1896.
am Karpathenrande iiberschobenen Tertiärs.
87
und Abel 1 zu danken sind, näher verfolgt hat , wirkt nun diese
These von Th. Fuchs mit der ganzen Wucht einer äußerst ge-
lungenen Überraschung, und ich weiß nicht, ob man sich mehr
wundern soll über diese Auffassung von Theodor Fuchs und ihre
Begründung, oder über den Umstand, daß Petkascheck selbst im
folgenden seine durch Autoritäten wie Uhlig gestützte frühere Auf-
fassung zugunsten der FucHs’schen Theorie fallen zu lassen sich
veranlaßt sah, zumal er selbst a. a. 0. p. 91 annimmt, daß stellen-
weise mit größter Wahrscheinlichkeit der miocäne Ostrauer Tegel
den iiberschobenen Tertiärschichten diskordant auflagert. Es dürfte
daher im Interesse der Wissenschaft liegen , diese Thesen von
Theodor Fuchs nicht unwidersprochen und sich so in der Lite-
ratur festsetzen zu lassen , zumal bei der anerkannten Autorität
des Verfassers in den Fragen des Neogens die dem Gegenstand
Fernerstehenden leicht geneigt sein könnten, die FucHs'schen
Theorien ohne weitere Prüfung als gesichert anzunehmen.
Die Herrn Fuchs aus den iiberschobenen Tertiärmergeln vor-
gelegte Fauna ist eine anscheinend recht ungünstig erhaltene 2
und ziemlich vieldeutige. Sie besteht aus einem kleinen Tapes, ver-
kohlten Pflanzenresten, Temfo-Ttöhren, rätselhaften hohlen Stacheln,
kleinen verzwergten Austern , aus Fragmenten von Bulla , einem
kleinen. Spatangiden, einer unbestimmten, der Tettina planata nahe-
stehenden Tellina, einer fraglichen Lucina, und vor allem aus
Pteropoden, welche mit von Kittl3 4 seinerzeit aus dem Miocän
des Ostrau — Karwiner Gebietes beschriebenen Vaginellen in näherem
Zusammenhänge stehen. Alle diese Dinge dürften kaum eine Alters-
bestimmung ermöglichen. Größeren Wert dürften für diese die
il/rfdto-Schuppen beanspruchen, welche aus der Bohrung von
Schumburg a. a. 0. p. 15 (89) angegeben werden. Ist doch Meletta,
wie allgemein bekannt , und auch bei Zittel 1 zu lesen , eine im
wesentlichen oligocäne Fischgattung, welche zumal in den Kar-
pathen in diesem Zeitpunkte ungemein häufig gewesen sein muß.
Aber auch dieses Moment scheint nicht von unbedingter Bedeutung,
da, wie Zittel a. a. 0. p. 78 angibt, eine Behauptung, die sich
augenblicklich meiner Nachprüfung entzieht, die Gattung auch im
oberen Miocän (also wohl in den sarmatischen Schichten 5), von
1 Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. Jahrb. k. k.
geol. Reichsanst. 53. Wien 1903. p. 91 ff.
2 Petrascheck schreibt selbst a. a. 0. p. 87 (13), daß „trotz der
günstigen Umstände, die für das Sammeln gegeben waren, doch nur eine
minimale Ausbeute bestimmbarer Objekte erzielt werden konnte“.
3 Über die miocänen Pteropoden von Österreich-Ungarn. Annalen
des k. k. naturhist. Hofmuseums. I. 1886. p. 47.
4 Paläozoologie. III. p. 277.
6 Vergl. C. M. Paul. Zur Stellung der Radobojer Schichten. Verb,
k. k. Reichsanst. 1874. p. 223 ff. Vergl. p. 225. Ganz irrtümlich ist am Rande
der Abbildung Fig. 285 bei Zittel a. a. 0. für Meletta sardhntes Heck.
88
P. Oppenheim. Zur Altersfrage des bei Teschen
Radoboj in Kroatien häufig sein soll. Anderseits sind auch die
Pteropodenreste , die Vaginellen , den seinerzeit von Kittl be-
schriebenen Arten nur genähert, nicht ihnen unbedingt identifiziert,
so daß also auch nach dieser Richtung hin für die Annahme von
Miocän keine unbedingte Notwendigkeit vorliegt. Da also die
fossile Fauna selbst eine endgültige und zweifellose Entscheidung
nicht gestattet , so fragen wir uns um so mehr , welche Gründe
einen Forscher wie Theodor Fuchs bewogen haben können, mit
so apodiktischer Sicherheit ein miocänes Alter für diese Schichten
anznnehmen. Wir müssen uns daher näher mit der Beweisführung
des Autors beschäftigen.
Es dürfte zu dem Zwecke einer Nachprüfung der hier von Fuchs
niedergelegten Resultate gut sein, sich zu erinnern, daß der gleiche
Autor im Jahre 1902 1 eine recht interessante und bedeutungsvolle
akademische Schrift veröffentlicht hat unter dem Titel: „Über ein
neuartiges Pteropodenvorkommen aus Mähren , mit Bemerkungen
über einige mutmaßliche Äquivalente der sogenannten Niemtschitzer
Schichten.“ Wir werden sehen, daß Fuchs hier nahezu die gleichen
Fragen behandelt, aber zu durchaus entgegengesetzten Resul-
taten gelangt. Nachdem Fuchs in dem hier betrachteten Aufsatze
(1912) festgestellt hat, daß die ihm „vorgelegten harten Mergel der
Überschiebung sich petrographisch sehr wesentlich von den voll-
kommen plastischen Miocänmergeln unterschieden, aus denen Kitte
seine Pteropoden beschrieb , und daß sie ein entschieden älteres
Gepräge aufwiesen“, weist er auf Analogien in den Apenninen
hin. Er betont, daß es auch hier zwei Schlierhorizonte resp.
Pteropodenmergel gebe, von denen „die oberen im allgemeinen
weicher, mitunter fast plastisch seien, während die unteren meist
ein vollkommen flyschähnliches Aussehen hätten und mit dem Flyscli
so innig verbunden seien, daß sie von demselben gar nicht be-
die Herkunft aus dem Unter oligocän von Radoboj angegeben; dieser
augenscheinliche Irrtum setzt sich noch in die neueste Ausgabe der „Grund-
ziige der Paläontologie“ II. 1911 hinein fort, wo ebenfalls vom Unter-
oligocän von Radoboj die Rede ist. Wenn anderseits in diesem letzteren
Werke im Einklänge, z. B. mit Rolle: Die geologische Stellung der
Sotzkaschichten in Steiermark. Sitzungsber. d. Wien. Akad 30. 1859
(Sitzung vom 14. Mai 1858) p. 20 des Sep. hier augenscheinlich im Hin-
blick auf M. vulgaris Valenc. von dem rezenten Auftreten der Gat-
tung die Rede ist, so verliert diese, wenigstens generisch, damit jede
Bedeutung für die Horizontierung. (Ein Aufsatz Rzehak’s: „Über das
Vorkommen der Clypeidengattung Meletta “ in den Verb. d. naturf.
Vereins in Brünn, 19., von welchem ich erst nach Abschluß dieser Zeilen
genauere Kenntnis erlangte, bewegt sich ungefähr in den gleichen Er-
wägungen.)
1 Über ein neuartiges Pteropodenvorkommen aus Mähren nebst Be-
merkungen über einige mutmaßliche Äquivalente der sogen. „Niemtschitzer
Schichten“. Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wissensch. Wien. Math.-naturw.
Klasse. 111. Abt. I. Mai 1902. p. 433 ff.
am Karpathenrande überschobenen Tertiärs.
89
stimmt getrennt werden könnten“. Und damit kein Zweifel übrig
bliebe, auf welche bestimmten Vorkommnisse er sich dabei bezieht,
nennt er den Macigno von Porretta und den Calcare fetido von Bargi.
Hinsichtlich dieses letzteren Vorkommnisses lesen wir nun bei
Fuchs 1902 \ „daß es die größte Ähnlichkeit mit den konkretionären
Knollen der Niemtschitzer Schichten habe“. Hinsichtlich beider Bil-
dungen, des Macigno von Porretta und des Calcare fetido von Bargi,
lesen wir 1902, „daß sowohl der erstere mit seiner großen Lucina
als auch der darunterliegende Mergel mit dem „Calcare fetido“ trotz
des miocänen Habitus seiner Fauna doch eine ältere Bildung dar-
stelle und dem vormiocänen Alttertiär zugezählt werden müsse, eine
Ansicht, die in neuerer Zeit übrigens auch von Oppenheim (1. c.)
mehrfach geäußert worden sei“. Also die unteren Pteropoden-
mergel des Apennin , der Macigno von Poretta und der Calcare
fetido von Bargi, sind nach Fuchs 1902 alttertiär, 1912 gehören
sie dem Miocän an. Ein Grund für diese doch im höchsten Maße
auffallende Änderung des Standpunktes wird nicht angegeben.
1912 lesen wir über die beiden sogenannten Schliere von Nieder-
österreich und Mähren, daß „der typische Schlier über den Horner
Schichten läge, doch gebe es auch in diesem Gebiete einen schlier-
ähnlichen Horizont mit Pteropoden, der unter den Horner Schichten
läge, und diese seien die von Rzehak zuerst näher charakterisierten
Niemtschitzer Schichten, die mitunter auch einen flyschähnlichen
Charakter annähmen“. Dagegen schreibt Fuchs 1902 von den
Niemtschitzer Schichten a. a. 0. p. 7 (439), „daß man schließlich
doch zu der Überzeugung komme, daß es sich doch um eine Ab-
lagerung vormiocänen Alters handeln müsse“, und auf der folgenden
Seite: „Diese Niemtschitzer Schichten wurden in früheren Zeiten
ganz allgemein zu dem in unmittelbarer Nachbarschaft mächtig
entwickelten miocänen Schlier gerechnet und ist es ein großes
Verdienst Rzehak’s, durch seine umfassenden und minutiösen
Untersuchungen die Selbständigkeit dieser Schichten erkannt und
ihnen ihre richtige Stellung im Systeme angewiesen zu haben.“
Wir sehen , 1912 sind die Niemtschitzer Schichten miocän und
nicht alttertiär, 1902 sind sie alttertiär, und es ist ein Ver-
dienst Rzehak’s, ihnen diese ihre Stellung angewiesen zu haben.
Ein Grund für diese auffallende Änderung des Standpunktes fehlt
auch hier.
Endlich schreibt Fuchs über die entsprechenden Niveaus in
Oberösterreich 1912, „daß es hier zwei verschieden aussehende
Schliermergel gäbe, den weichen, plastischen Schlier von Atnang1 2
und die harten Mergelkalke , die in der Bohrung von Hall in so
1 a. a. 0. p. 12 (444).
2 Soll wohl augenscheinlich „Ottnang“ heißen, der Flecken in Ober-
österreich, aus dessen Umgebung die bekannte, von R. Hoernen beschriebene
Schlierfauna stammt. Ritter s geographisches Lexikon kennt kein „Atnang“.
•90
P. Oppenheim, Zur Altersfrage etc.
großer Mächtigkeit aufgeschlossen wurden“. Dagegen scheint es
Fuchs 1902 a. a. 0. p. 11 (443) „wohl gerechtfertigt, wenn man
die fossilf ährenden Mergelkalke von Hall nicht sowohl dem mio-
cänen Schlier, als vielmehr den Niemtschitzer Schichten zuzähle“.
Da in der gleichen akademischen Schrift 1902 die Niemtschitzer
Schichten als alttertiär aufgefaßt werden, so ist es klar, daß auch
hier Fuchs die Mergelkalke von Hall dem Alttertiär zuzählen will.
Man sieht, die Gründe, welche Fuchs 1912 für ein miocänes
Alter der iiberschobenen Tertiärschichten am Karpathenrande an-
gibt, hat der gleiche Autor bereits 1902 vollkommen widerlegt.
Nun gebe ich prinzipiell ohne weiteres zu, daß man in 10 Jahren
seinen Standpunkt wechseln und zu verschiedenen Ansichten ge-
langen kann. Was ich aber nicht zugeben kann, und wogegen
ich mit aller Energie protestieren muß, ist, daß ein Autor eine
früher von ihm vertretene Meinung wechselt und in ihr Gegenteil
verändert, ohne die Gründe anzugeben, die ihn zu dieser Stellungs-
änderung veranlaßt haben, ja , daß er seine frühere Arbeit nicht
«inmal zitiert und so dem wissenschaftlichen Publikum die Möglich-
keit einer Kontrolle seiner jetzigen Stellung nimmt. Es ist leicht
möglich , daß über das Alter der Niemtschitzer Schichten noch
nicht das letzte Wort gesprochen und daß man in Einzelheiten
hier von Rzehak abweichen kann. Solange die wohlbegründeten
und durch sorgfältige Einzelbeobachtungen gestützten Annahmen
und Angaben dieses Autors aber nicht bündig widerlegt wurden,
bestehen sie zu Recht, und kein anderer Forscher ist befugt, sich
ohne weiteres über sie hinwegzusetzen und sie sozusagen mit einer
Handbewegung zu kassieren. Ich selbst habe seit geraumer Zeit
einen großen Teil der paläontologischen Materialien von Rzehak
in Händen und glaube behaupten zu dürfen, daß dieser in den
meisten wesentlichen Punkten im Recht ist, ohne daß ich mich
hier vor Abschluß meiner Untersuchungen in allen Einzelheiten
festlegen möchte. In jedem Falle darf aber wohl behauptet werden,
daß die iiberschobenen Tertiärschichten des Karpathenrandes bei
Teschen, wenn sie wirklich, wie Fuchs behauptet, den Niemtschitzer
Schichten Rzehaic’s entsprechen, nicht dem Miocän, sondern den
alttertiären Bildungen angehören ; denn ob der Niemtschitzer Hori-
zont nun dem Eocän oder, wie ich als das Resultat meiner nahezu
vollendeten Bearbeitung ihrer Fauna glauben mochte, dem unteren
bis mittleren Oligocän anzugliedern ist — seine Hin ein -
Ziehung in das Miocän ist ausgeschlossen, solange
bei der Lösung derartiger Fragen die paläontologische
Forschung zu entscheiden berufen und befugt ist!
R. Sokol, Ueber das Sinken der Elbe-Ebene in Böhmen etc. 91
Ueber das Sinken der Elbe-Ebene in Böhmen während der
Diluvial- Akkumulation.
Von R. Sokol in Pilsen.
Mit 2 Textfiguien.
Bei sechs Tiefbohrungen in der Umgebung von Sadskä (öst-
lich von Prag) zeigte sich die merkwürdige Tatsache, daß die
diluvialen Sand- und Schotterschichten bedeutend tiefer reichen als
da& historische, stellenweise in die Kreideschichten (harte Mergel
und Pläner) eingeschnittene Elbbett (175 m M.H.).
I. Bei der Tiefbohrung am Ufer der in den Jahren 1858
bis 1861 regulierten Mäanderschlinge der Elbe („Alte Elbe“),
gleich beim alten Badehause, wurden von der Firma Julius Thiele
aus Ossegg (Böhmen) folgende Schichten erbohrt:
Lage der
Ober-
kante
Lage der
Unter-
kante
Mächtig-
keit
Ul
m
m
1. Gelber Sand
0
8,40
8,40
2. Grauer r
8,40
13,30
4,90
3. Eigroßer Schotter mit Sand . . .
4. Kreidegrund (166.8 m M.H., 8.2 m
13,30
16,20
2,90
unter dem Elbbette)1
16.20
—
—
11. Etwa 250 m weit im Osten wurde eine
ähnliche Schichten-
Serie (Firma J. Zima aus Chlumec a.
d. Cidlina) aufgefunden :
Lage der
Ober-
Lage der
Unter-
Mächtig-
keit
•
kante
kante
m
Ul
m
1. Sand mit Humus
0
0,50
0,50
2. Weißer feiner Sand
0,50
2,90
2.40
3. Gelber Sand
2,90
7.00
4.10
4. Grauer
7,00
9,00
2 00
5. „ „ ein wenig gröber . . .
9,00
1 2,00
3,00
6. Schotter mit Sand
7. Kreiilesrund (169.5 m M.H., 5,5 m
12,00
13,50
1.50
unter dem Elbbette)
13,50
—
—
III. Im Süden beim neuen Kurhause am Rande des Waldes,
etwa 250 m südlich von der ersten
Bohrung, wurden
folgende
Schichten durchsunken (Firma J. Zima) :
1 Für die im Mittel 18 km breite, mit Diluvialterrassen bedeckte
Elbeniederung ist diese Differenz keineswegs unansehnlich. Sie gleicht
fast ^ der Mächtigkeit der Anschwemmungen.
92
R. Sokol, lieber das Sinken der Elbe-Ebene in Böhmen
Lage der
Ober-
kante
m
Lage der
Unter-
kante
m
Mächtig-
keit
m
1. Sandiger Humus
0
0,20
0,20
2. Gelber Sand
0.20
0,70
0,50
3. Weißer
0,70
3,50
2,80
4. Gelber „
3,50
3.70
0,20
5. Weißer „
3,70
7,00
3,30
6. Grauer
7,00
12,00
5,00
7. ,, gröberer Sand
12,00
15,00
3,00
8. Schotter mit Sand
15.00
15,50
0,50
9. Kreidegrund (167,5 m M.H., 7,5 m
unter dem Elbbette)
15,50
—
Die obere Kante aller drei Bohrlöcher weist eine Meereshöhe
von ungefähr 183 m auf.
IV. In einer Entfernung von 370 m im Westen von der
ersten Bohrung wurde ein Bohrloch von der Prager Böhmischen
Sparkasse angelegt. Dasselbe befindet sich bei der Mündung des
Mühlbaches in die „Alte Elbe“ (177 m M.H.). Die Schichtenfolge:
Lage der
Ober-
kante
m
Lage der
Unter-
kante
m
Mächtig-
keit
m
1. Rotschwarzer Schlamm
0
0,70
0.70
2. Grauer Sand und nußgroßer Schotter
0,70
4,35
3,65
3. Schwarzgrauer eigroßer Schotter
mit Sand
4,35
8,85
4,50
4. Kreidegrund (168,15 m M.H., 6,85 m
unter dem Elbbette)
8,85
—
—
V. Bohrloch im Osten der Stadt Sadskä (188,5 m M.H.,
1250 m weit südlich vom Elbeufer):
Lage der
Ober-
kante
m
Lage der
Unter-
kante
m
Mächtig-
keit
m
1. Humus
0
1,00
1.00
2. Feiner Sand
1,00
8,00
7,00
3. Lehm, durch Humus schwarzgefärbt
und schlammig
8,00
11,00
3,00
4. Sand mit Schotter
11,00
19,00
8,00
5. Schotter mit wenig Sand
19,00
21,00
2,00
6. Kreidegrund (167,5 m M.H., 7,5 m
unter dem Elbbette)
21,00
—
während der Diluvial-Akkumulation.
93
VI. Etwa 200 m westlich davon wurde wieder eine Bohrung1 an-
gebracht. wo die dritte Schicht eine größere Mächtigkeit gewann, aber
die gesamte Mächtigkeit des Diluviums blieb unverändert. Die beiden
letzteren Bohrungen wurden von der Firma ,T. Zima durchgeführt.
Die dnrchörterten Sand- und Schotterschichten gehören drei
Akkumulationsterrassen1 verschiedenen Alters, der jüngsten Terrasse,
deiv-höher liegenden Zvei'ineker Terrasse und der noch höheren
Tl'ebestovicer Terrasse , deren letztere eine Unterlage für beide
anderen bildet und diese auch an Mächtigkeit 2 * und relativer Höhe
der Oberkante (bis 1 4 m) übertrifft , wie aus der bestellenden
Fig. 1 ersichtlich ist. Oben ist die Terrasse mit einer wenig
mächtigen Sandschicht bedeckt a.
Fig. 1. Schematisches Profil der diluvialen Bildungen bei Sadskä.
K = Kreidegrund, T = Trebestovicer Terrasse, Z = Zvörineker Terrasse,
A = jüngste Terrasse. J— U = Lage der Bohrlöcher.
Der Fluß fließt jetzt höher, die erosive Tätigkeit scheint
gelähmt zu sein. Bei dem Versuche, die Entwicklung der Er-
scheinung aus der D}-namik des Flusses zu erklären , muß man
dreierlei Ursachen in Erwägung ziehen. Entweder hob sich das
untere Denndationsniveau, d. h. die Meeresoberfläche bei der Mün-
dung der Elbe, oder der ganze Unterlauf des Flusses ist gestiegen.
Ein zweiter Fall wäre der, daß das Terrain im Oberlaufe ein-
gesunken ist. Es dürfte aber auch ein dritter Fall möglich sein, daß
nämlich bei der unveränderten Höhe des Ober- und des Unterlaufes
nur die beschriebene Gegend („Nimburger“ Ebene nach Schneider4)
nach der Ablagerung der Trebestovicer Terrasse eingesunken ist.
1 Ct'r. Autor: Die Terrassen der mittleren Elbe in
Böhmen. Verhandlungen der k. k. geol. Reichsanstalt in Wien. 1912.
No. 11. S. 272 ff.
2 Bis 27 m mächtig, also um 11 m mehr als bei Leipzig (cfr. Wahn-
schaffe: Die Oberflächengestaltung des norddeutschen
Flachlandes. 1909. p. 70).
(fr. Autor: Ein Beitrag zur Kenntnis der geologi-
sche n Ver hä ltn i s se in der Umgebung von Sadskä. Bulletin
international de l'Acadömie des Sciences de Boheme. 1909. p. 3 ff.
4 K. Schneider: Zur Orographie und Morphologie Böh-
mens. 1908. p. 173.
94
R. Sokol, Ueber das Sinken der Elbe-Ebene in Böhmen
Für das Steigen des unteren Denudationsniveaus haben wir
keine schwerwiegenden Belege. Man muß zwar zugeben, daß sich
nach dem Verschwinden der Eismassen in Norddeutschland ein
relatives Ansteigen des erleichterten Landes im Sinne der isostati-
schen Theorie vollzog. Es blieb aber auch die Meeresoberfläche
keineswegs von einer vertikalen Veränderung verschont; sie ging
zurück , da die Eismassen ihre gewaltige Anziehungskraft nicht
mehr ausübten. Beide Wirkungen arbeiteten folglich im entgegen-
gesetzten Sinn. Wichtig ist, Avie es Engelmann1 feststellte, daß
die Divergenz der Terrassen im Unterlaufe der Elbe in Böhmen
wächst. Es scheint daraus zu folgen, daß das fragliche Niveau
eher gesunken ist. Die herannahenden und das abfließende Wasser
stauenden Eismassen Deutschlands in diluvialen Eiszeiten konnten
nur für den bisher vielumstrittenen Unterlauf des Elbeurstromes von
Bedeutung sein , nicht aber für den Flußlauf in Böhmen. Das
Elbbett in Böhmen konnte sich dadurch nicht erhöhen. Um das
zu beweisen , möchte ich zuerst die Frage beantworten , Avas ge-
schieht, Avenn die Gefällskurve (Fig. 2, schwache Linie) durch das
Steigen des unteren Denudationsniveaus kürzer wird.
Fig. 2. Die alte Gefällskurve eines Flusses (volle schwache Linie), die
neue Gefällskurve nach dem Erhöhen des unteren Denudationsniveaus bis
zu B (starke Linie), die mutmaßliche Gefällskurve beim Ausbleiben dieses
Erhöhens (gestrichelte Linie). Die beiden letzteren nach dem Ablaufe eines
großen Teiles des Erosionszyklus gedacht.
Das Wasser folgt nur der Sclnvere , und wenn die voran-
gehende Wassermenge plötzlich (bei B in Fig. 2) ihre Geschwindig-
keit verliert, steigt das Wasser, setzt suspendierte Körner ab und
fließt auf der Oberfläche der letzteren Aveiter. Eine Rückwirkung
auf die weit stromaufwärts gelegenen Massen scheint auf den ersten
Blick kaum möglich , wohl aber wird sich die verkürzte Gefälls-
kurve ein wenig anders entwickeln als der entsprechende Teil
der langen Gefällskurve. Das liegende Stück der letzteren bleibt
stets geneigt, jenes der ersteren A\rird aber bald fast wagerecht,
d. h. der liegende Ast der verkürzten Gefällskurve wird nur zur
Horizontalebene des Denudationsniveaus vertieft, bei der ursprüng-
lichen langen Gefällskurve wird der bezügliche Teil iu allen
Punkten gleichmäßig vertieft. Es A'ollzieht sich demgemäß im
1 R. Engelmann: Die Terrassen der Moldau-Elbe zwischen
Prag und dem Böhm. Mittelgebirge. Geogr. Jahresber. aus Österr. 191 1.
während der Diluvial- Akkumulation.
93
Teile A — B der langen Kurve eine tiefere Erosion, als wenn sie
verkürzt wäre. Das Ansteigen der Meeresoberfläche, die Hemmung
durch Eismassen, die Hebung des unteren Denudationsniveaus über-
haupt wirkt demgemäß lähmend auf die Erosion. Wenn die vorigen
vertikalen Bedingungen wieder eintreten, wird das Flußbett in A
zerschnitten werden und ein neues Flußbett samt einer neuen
Terrasse wird sich unterhalb des alten entwickeln. Bei uns liegt
aber der Fall ein wenig anders. Die Oberfläche unserer jungen
Terrassen (Fig. 1, A, Z) liegt zwar tiefer als jene der älteren
Terrasse (Fig. 1, T), das Flußbett dagegen höher. Es muß folg-
lich bei uns der das steigende untere Denudationsniveau voraus-
setzende Erklärungsversuch scheitern selbst ohne die Beobachtungen
Engelmann’s.
Dasselbe gilt von dem zweiten Erklärungsversuch , der den
sinkenden Oberlauf des Flusses 1 voraussetzt. Eine ähnliche Unter-
suchung zeigt, daß auch dann die Erosion verlangsamt, nnser
Flußbett aber nicht erhöht würde.
Es bleibt nur der dritte Teil übrig, daß nämlich die Elbe-
ebene in dem beschriebenen Gebiete nach der Ablagerung der
Tfebestovicer Terrasse eine Senkung erlitten hat. Den Grund
dazu dürfte man wohl in dem enormen Gewichte der abgelagerten
Massen suchen.
Die Wassermassen , die bei jeder Hochflut das Flußbett er-
füllen, arbeiten eifrig an der seitlichen Erosion des Geländes, ver-
tiefen aber das Flußbett unmerklich , wie es der im Laufe der
Jahrhunderte beständige Wasserstand und die nicht verschwindenden
Stromschnellen beweisen. Ich meine , daß auch die Glazialfluten
ohne bedeutende Wirkung für die Tiefenerosion (Tiefenschurf) waren.
Von der Tiefen erosion muß man den Vorgang der Akkumu-
lation scharf trennen. Letztere kann nur dort gedeihen , wo der
Fluß mäandrieren und in den „toten“ Schlingen während der
Hochfluten viel Sand und Schotter in relativ ruhigerem Strome
ablagern kann. Es sind keine Seen dazu nötig, gerade umgekehrt.
Es konnten unsere Sand- und Schotterschichten keineswegs in
Seen entstehen, da sie zwei chai’akteristische Merkmale der See-
ablagerungen, eiu Lehmlager in der Mitte des Beckens und durch
Wellenschlag entstehende Blockdämme an seinem Bande nicht be-
sitzen. Wenn die Elbe in der toten Serpentine bei der Hochflut
reiche Sedimente ablagert, gilt es zugleich nicht von ihrem ge-
wöhnlichen Flußbett. Steigt die Oberfläche des Stromes , so ver-
größert sich zugleich seine Transportfähigkeit. Das Hauptbett
1 Diese vertikale Veränderung ist sehr wahrscheinlich, da Meissner
gewisse Andeutungen von Versenkungen der Elbeniederung bei der Mün-
dung der Stillen Adler entdeckte. (A. Meiszner: Die Talgeschichte
der Stillen Adler in Böhmen. Geogr. Jahresber. aus Österr. IX.
1911. p. 221.)
96 R. Sokol, Ueber das Sinken der Elbe-Ebene etc. — Personalia.
wird gereinigt und alles, was in der Stromlinie abgelagert wurde,
wird fortgeschwemmt. Bringt der Fluß viel Material , muß er
auch viel fortschaffen. Wenn ausnahmsweise (z. B. infolge eines
Felssturzes oder Hebung des Oberlaufes) eine Knickung in der
Gefällskurve entstünde , würde sie bald durch rückschreitende
Erosion eingeebnet werden ’. Es ist wohl der Schluß richtig, daß
die Meereshohe der Flußsohle nicht von klimatischen Änderungen
dauernd beeinflußt wird, und daß folglich bei uns nur die erwähnten
"tektonischen Vorgänge die Hauptrolle spielten. Die isostatische
Einsenkung im Sinne des RüHL’schen Erklärungsversuchs1 2 gewinnt
noch mehr an Bedeutung, da es in der breiten, mit diluvialen
Schichten vollgepfropften „Nimburger“ Ebene an alten unter-
irdischen Störungslinien 3 4 nicht fehlt.
Ähnliche Verhältnisse in diluvialen Schichten hat Hibsch 4 im
Unterlaufe der Elbe in Böhmen beobachtet. In der Erosionsmulde
von Bodenbach — Tetschen reicht die „Mittelterrasse“ bis zum
felsigen Grunde, so daß alle Flußanschwemmungen der jüngeren
Zeiten („Niederterrasse“) über den Absätzen der ..Mittelterrasse“
sich ablagerten. Nach der Ablagerung dieser Terrasse fand in
Nordböhmen eine bis in Felsengrund reichende Flußrinnenvertiefung
nicht mehr statt, ebensowenig eine allgemeine Abtragung, da die
denudierendeu Kräfte erlahmten.
Da auch in Deutschland z. B. an der Küste der Ostsee und
der Nordsee die Unterkante des Diluviums nach der Küste zu
bedeutend unter die jetzigen Flußbette 5 herabsinkt, dürften die
hier angedeuteten Folgerungen eine allgemeine Bedeutung haben.
Personalia.
Habilitiert: Dr. P. Kessler als Privatdozent für Geologie
und Paläontologie in Straßburg i. E.
1 Damit steht im Einklang die Beobachtung Stiny’s, daß bei ver-
heerenden Wildbachausbrüchem (z. B. bei der großen Hochwasserflut des
Jahres 1882) zwar die Sohle ganz beträchtlich erhöht wird; aber in den
folgenden Jahren tiefen sich die Alpenflüsse und -büche, ihr altes Bett
suchend , wieder ein. Diese Tieferlegung der Sohle kann lokal über den
Aufschüttungsbetrag hinausgehen. (J. Stiny: Fortschritte des Tiefen -
schurfes in der Gegenwart. Geol. Rundschau. Leipzig 1912. ßd. III.
Heft 3. p. 166 ff.)
- A. Hühl : Isostasie und Peneplain. Zeitschr. d. Ges. f. Erd-
kunde zu Berlin. 1911. p. 479 ff.
a Autor: Ein Beitrag zur Kenntnis des Untergrundes
der Kreide in Böhmen. Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanstalt in Wien.
1912 p. 292 ff.
4 J. E. Hibsch: Versuch einer Gliederung der Diluvial-
gebilde im nordböhm. Elbtale. Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanstalt
in Wien. 44. p. 644, 646. 648.
5 Wahnschaffe, 1. c. p. 66 ff.
W. Tschirwinsky, Zur Frage über die Identität etc.
97
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Zur Frage über die Identität des Podolits und Dahllits
Von W. Tschirwinsky in Kiew.
Mit 1 Textfigur.
Im Jahre 1910 erschien im American Journal of Science eine
Mitteilung von W. Schallek1, in welcher der Autor, meine Ana-
lysen des Podolits mit den Dahllit-Analysen H. Bäckström’s ver-
gleichend, deu Schluß einer Identitätsmöglichkeit beider genannten
Minerale zieht.
In meiner Mitteilung „Über Podolit, ein neues Mineral2“,
führte ich zwei Analysen an , von denen die eine an einzelnen
kleinen Kristallen vollzogen wurde (No. 7). Die Menge der Sub-
stanz, welche ich für die Analyse sammeln konnte, war sehr klein,
was die Genauigkeit der Analyse etwas vermindert hat. Die andere
No. 1) führte ich dagegen an einer überaus reinen Podolit-
konkretion aus. Letztere ist bedeutend wichtiger, da sie mit
besonderen Vorsichtsmaßregeln ausgeführt wurde und die Durch-
schnittszahlen einer ganzen Reihe von Bestimmungen liefert, was
ich leider in meiner Mitteilung nicht verzeichnet habe 3.
Ich nahm eine Anzahl vou Bestimmungen gerade deshalb vor,
um überzeugt zu sein, daß das von mir beschriebene Mineral sich
chemisch von dem ihm nahestehenden Mineral Dahllit unterscheidet.
Deshalb würde ich es für überflüssig halten, eine neue Analyse
vorzunehmen. Aber bei meinen früheren Analysen war die
(Quantität des Kristallisationswassers nicht ermittelt worden und
W. Schallek bemerkt vollkommen richtig, daß solche sekundäre
Minerale, wie Podolit und Dahllit, Kristallisationswasser enthalten
müssen.
Zurzeit habe ich eine neue Analyse (No. 9) der reinen
Podolitkonkretion (sekundärer umkristallisierter podolischer Phos-
phorit aus dem Dorf Krutoborodinzy) gemacht. Die Probe ist
sorgfältigst mikroskopisch untersucht worden. Die Hauptmasse der
1 W. Schaller, The probable Identity of Podolitl» with Dahllire,
p. 309 — 311. Siehe gleichfalls die Übersetzung in Zeitschrift für Kristallo-
graphie. 1911. p. 559 — 561. (N. Jahrb. f. Min. etc. 1912. I. -34-.)
2 Dies, Centralbl. f. Min. etc. 1907. 279.
3 Darüber siehe den gleichzeitig gedruckten Aufsatz „Chemische und
mikroskopische Untersuchung der Podolischen Phosphorite“. .Mömoires
de la Society des Naturalistes de Kieft“. 1907. p. 785. Mit deutschem
Resume. (N. Jahrb. f. Min. etc. 1909. II. -357-.)
Centralbl att f. Mineralogie etc. 1913. 7
98
W. Tschirwinsky, Zur Frage
Konkretion besteht aus fest verwachsenen kleinen (0,05 — 0,15 min)
Kristallen und Sphärolithen ; Ca C 03 ist nicht vorhanden , doch
scheiden sich beim Lösen der Kristalle in H CI C 02-Bläschen aus,
weshalb jeder Gedanke daran , daß vielleicht ein Gemenge von
Kalkspat vorliege, vollständig ausgeschlossen ist. Von fremden
Beimischungen wurde sekundärer Quarz, Flocken organischen Stoffes,
dunkelbraunes Eisenoxyd und eine unbedeutende Quantität von
Glaukonit gefunden.
Die Analyse No. 9 ergab folgende Resultate:
1. Bestimmung 2. Bestimmung
Mittel
Hygroskop. Wasser. . . .
0.34
0,39
0,37
Allgem. Wasserquantität .
(1,48)
(1,57)
(1,53)
Kristallisationswasser . .
1.14
1,18
1,16
Ca 0 ... .
50,72
—
50,72
P4Or, . . . .
37,08
—
37,08
C 0
4,32
—
4,32
F
0.29
—
0,29
Si02 . . . .
4.18
—
4,18
Organische Substanz . . .
Al, 03, Fe2 03, K2 0, Na2 0
0,52
0.52
98.64
und anderes
—
—
1,36
100.00
Aus dieser Analyse ersieht man erstens, daß die untersuchte
Podolitkonkretion sich als äußerst rein erweist: nach Abzug des
ungelösten Restes fallen auf die übrigen Elemente nur 1,36 °/o.
Zweitens finden wir, daß beim Vergleich der Daten der oben
angeführten Analyse mit meinen zwei früheren Analysen sie alle
ein sehr ähnliches Resultat ergeben, was aus den folgenden Zahlen
zu ersehen ist:
Podolit
Kristallin. Aggregat
Kristalle
N 1
N 7
CaO .
.... 51,31 1
51,15
p2o6
.... 36,44 1
39,04
Al, 0:t
.... 0,46
—
Fe, 0,
.... 1,73
3,04
Org. Stoff . . 0,56
—
k2o
.... 0,45
—
Na, 0
.... 0,66
—
o o, .
. . . . 4.18 2
3,90
F . .
. . . . 0,26 M
—
SiO., .
.... 4,87
97,13
100,92
0,08 (0 für F).
100,84
1 Mittel aus 3 Analysen. 2 Mittel aus 5 Analysen. :: Mittel aus
4 Analysen.
über die Identität des Podolits und Dahllits.
99
Die Säuren mit Basen verbindend und auf 100 umrechnend,
haben wir:
Tabelle I (Podolit)
Theoretische Zusammensetzung Ca3 (P 04),
Ca (JO*
3Ca3(P04)j • Ca CO, .
. .90,29
9,77
^ NI
. 89.56'
10,44 1
N 7
. 90,57
9,43
N 9
. 89.18
10,82
Durchschnitt der drei
. .99,77
10.23
Folglich ergeben die bisher
gemachten
drei Podolitanalysen
sehr ähnliche Resultate und entsprechen sehr nahe der Formel
dCa3(P04)o • CaCOg. Wenn man das Kristallisationswasser in
Betracht zieht, welches von allen oben angeführten Analysen nur
bei der Analyse No. 9 bestimmt wurde, so kann der Bestand des
Podolits genauer durch die Formel 12Ca3(P04)2 • 4CaC03 • 3H20
oder kürzer 3 Ca3(P04)2 • CaC03 • 3/* H, 0 ansgedrückt werden,
wie aus folgendem Vergleich zu ersehen ist :
Tabelle II (Podolit )
V
Cas(P(>4)2
Ca C ü3
H2<)
Analyse N 9
theoretisch :
. 88.06
10,68
1,26
3 Cas ( P 0412 Ca C 03 • •/« H2 0 .
. 89,12
9,58
1,30
Bei der Bestimmung des Wassergehaltes im Podolit bediente
ich mich der Methode Brush-P enfield. Es besteht wohl schon
lange das Bedürfnis nach rationelleren und einheitlichen Methoden
zur Bestimmung des Wassergehaltes in den Phosphaten. Der
Wassergehalt wird bei alten Analysen und nicht selten auch jetzt
einfach durch den Glühverlust ermittelt; wenn man jedoch in Be-
tracht zieht, daß eine ganze Reihe von flüchtigen Verbindungen
in den Phosphaten enthalten ist, wie Fluor, CO, und namentlich mit
dem Phosphat verbundene Kohlensäure (Podolit, Dahllit, Statfelit,
Frankolit), wobei letztere nicht vollkommen ausgeschieden wird,
so vertraut man den Daten, welche den Wassergehalt der Phos-
phate2 betreffen, nicht vollständig.
Die trefflichste Methode zur Bestimmung des Wassergehaltes
in den Phosphaten ist, meiner Ansicht nach, die Brush-Penfield’scIic
und zur Ermittlung des Fluorgehaltes diejenige von Rose-Jannasch.
Was den Dahllit anbelangt, so haben wir bisher folgende zwei
Analysen desselben :
1 Durchschnitt aus einer Reihe von Bestimmungen.
- Dieser Umstand bewog mich u. a. in meiner Arbeit „Zur Frage
über die mineral Natur der Phosphorite“ nur deren entwässerten Bestand
anzuführen. N. .Tahrb. 1911. II. p. 71.
7 *
100
W. Tschirwinsky, Zur Frage
a 1
. 38,40
b1 2
38,44
CaO
53,00
F
—
C 0.2
. 5,30
6,29
h2o
. 2,10
1,37
Al.j -j- Fe2 03 + F •
. 0,57
0,79
Fe203
100,02
0,11
K20
0,89
100.89
Na2 0
Die Säuren mit Basen verbindend und
auf 1 00
umrechnend
haben wir:
Tabelle III (Dahllit)
theoretisch
Ca3(P04)2
CaCOg
H20
2 Ca3 (P 04)2 ■ Ca C 03 • '/2 H2 0
. 85,05
13,72
1,23
a . . . .
12,30
2,14
b . . . .
. 84,26
14,36
1,38
Mittel aus beiden
. 84.91
13,33
1,76
Tabelle IV (Dahllit)
theoretisch
Ca3 (P 04)s
. Ca CO;
1
2 Cas (P 04)2 • Ca C 03 . .
. . 86,11
13,88
a . . . .
. . 87,43
12,57
b . . . .
. . 85,44
14,56
Mittel aus beiden . . .
. . 86,44
13,56
Aus den angeführten Tabellen sehen wir, daß beide Analysen
(a und b) der Formel 2Ca3(P04)2 ■ CaC03 + aq. sehr nahe ent-
sprechen, doch ist der Wassergehalt etwas verschieden : die Anal}rse 1>
entspricht mehr ‘/2 H» 0, die Analyse a dagegen mehr der Formel
mit 1 H„ 0. Folglich kann der Bestand des Dahllits auf Grund der
vorhandenen 2 Analysen durch die Formel 2 Ca3(P04)2 • CaC03
-f- iiH20, wo n = xj-i — 1, ausgedriickt werden.
Wenn wir nun die Tabellen I und IV, II und III vergleichen,
so sehen wir, daß der Podolit und Dahllit sich wirklich chemisch
unterscheiden, indem der Podolit im Vergleich zum Dahllit ärmer
an Kohlensäure und reicher an Phosphorsäure ist. Am besten
läßt sich dieser Unterschied durch das Verhältnis P205:C02 aus-
drücken :
1 M. Pisani in Lacroix, Compt. rend. 150. 1390. 1910: auch
A. Lacroix, Mineralogie de la France. 1910. 4. 556.
2 W. Brögger und H. Bäckström, Dahllit, ein neues Mineral von
Ödegärden, Bamle , Norwegen. Meddelanden frän Stockholms Högskola.
No. 77, in Ofv. Vet.-Akad. Förh. 1888. 493. Auszug Zeitschr. f. Krist.
1890. 17. 426 und N. Jahrb. f. Min. etc. 1890. II. -223-, Auch Zeitschr.
f. Krist, 23. 1894. p. 164.
über die Identität des Podolits und Dahllits.
101
Analyse Podolit P2 05 : C 02 Dahllit P2 05 : C 03
N. 1 8,72 : 1 Anal, a . . . . 7,24 : 1
N. 7 10 : 1 , b .... 6,11 :1
N. 9 8,58 : 1 durchschnittlich 6,67 : 1
durchschnittlich . 9,10 : 1
Auf Grund der angeführten Facta muß man meiner
Meinung nach zur Überzeugung kommen , daß der Podolit
und Dahllit zwei völlig selbständige, wenn auch chemisch
verwandte Minerale sind. Podolit — 3 Ca3 (P Oj)2 CaC 03
+ nH20, Dahllit — 2 Ca3(P04)2CaC03 + nH,0, wo n= */ — l.
Was die physikalischen und optischen Eigenschaften: Härte,
spezifisches Gewicht, Farbe, Brechungsexponent, optischen Charakter,
Stärke der Doppelbrechung1 anbelangt, so sind sie einander sehr
ähnlich , doch muß man bedenken , daß noch zwei andere , dem
Podolit und Dahllit verwandte Minerale — Frankolit und Staff'elit —
beinahe dieselben Eigenschaften besitzen. Mit letzterem hat der
Podolit noch mehr Ähnlichkeit, dank den gleichen optischen Ano-
malien, welche sich dann äußern, wenn der Durchschnitt senkrecht
zur Vertikalachse verläuft2.
A. Lacroix hält (1. c. p. 558) den Frankolit und Staff'elit für
identische Minerale. Mir scheint, daß eine solche Schlußfolgerung
noch durch neue Analysen bestätigt werden muß. Es unterliegt
1 Nur die Frage über die Doppelbrechung, welche beim Podolit 0.0075
beträgt, bleibt ungelöst; was den Dahllit und Staffelit anbelangt, so führen
die Forscher keine genaue Ziffer an, sondern weisen nur darauf hin, daß
dieselbe „etwas größer als heim Apatit“ ist.
2 A. Lacroix, Mineralogie de la France. 1910. 4. 558, u. W. Tschir-
winsky, Über Podolit etc., dies. Centralbl. 1907. p. 281.
102
K. Schneider.
keinem Zweifel, daß der „Frankolit“, dessen Analyse Lackuix auf
1>. 559 anführt, mit dem Staffelit identisch ist, dessen Namen er
auch tragen müßte '.
Auf der vorstehenden Photographie sind zwei Podolitkonkre-
tionen (sekundäre umkristallisierte podolische Phosphorite aus dem
Dorf Krutoborodinzy) abgebildet, welche die Form eines dreiachsigen
Ellipsoids haben (Achsenlänge 8,4, 18,4 und 14,4 cm). Die Analyse
No. 9 bezieht sich auf die rechts abgebildete.
Man muß bemerken, daß nicht alle sogenannten umkristalli-
sierten Phosphorite der besagten Gegend Podolite sind ; viele haben
einen bedeutenden Fluorgehalt, deshalb kann man voraussetzen,
daß sie auch andere Phosphate, analog dem Staffelit und Frankolit,
enthalten. In optischer Beziehung sind sie nicht zu unterscheiden 1 2.
Um einen genauen Unterschied festzustellen, ist eine Fluor-
bestimmung notwendig.
Kiew, Universität des Heil. Wladimir, Min. Kabinett.
Die vulkanischen Erscheinungen der Erde.
Von Karl Schneider in Kaaden a. Eger.
Mein im Juni 1911 bei Gebrüder Bornträger in Berlin heraus-
gegebenes Werk „Die vulkanischen Erscheinungen der Erde“ hat im
allgemeinen eine freundliche Aufnahme in der Fachliteratur gefunden.
Wenigstens sprechen dafür die ausführlichen Besprechungen, welche
das Werk allenthalben gefunden hat3, wenn auch im einzelnen,
wie zu erwarten war, manche Entgegnungen gegeben wurden. Es
ist daher notwendig, auf einzelne Ausführungen zu antworten, da
diese vielfach auf eine falsche Voraussetzung und Auffassung
zurückzuführen sind.
1 Zum Vergleich des chemischen Bestands des Frankolits und
Staffelits siehe Dana, System of Mineralogy. p. 766, die Analysen No. 1 1
und No. 37 und ebenso die von J. Both in seiner „Allgemeinen und
chemischen Geologie“ 1879 gegebene Formel des Frankolits.
2 Näheres darüber siehe meine Arbeit „Zur Frage über die minera-
logische Natur der russischen Phosphorite.“ N. Jalnb. 1911. II. p. 59 — 61.
54 — 55. 73, auch „Chemische und mineralogische Untersuchung der podo-
lischen Phosphorite“, 1. c. p. 744 — 789 (N. Jahrb. f. Min. etc. 1902. II. -357-).
:i Von Besprechungen kamen mir zu: Salomon, W., Geologische R.
2. p. 241. — Milne, J., Nature. 87. p. 410/11. — B(ecker). J. , Am. J.
of Sc. 32. p. 323. — Arldt, Th.. Naturw. R. 1912. p. 37/38 — Graf, E..
Wissenschaft!. R. Jg. 1911/12. p. 163. — Sapper, K., dies. Centralbl. 1912.
p. 1 — 8 und G. Z. 1912. p. 346/347. — Johannsen, A. , The journal of
Geology. 1912. p. 84—88. — Hoernes, R.. P. M. 1912. p. 287. — Allg.
Handelsblatt Amsterdam. 29/2. 1912. — Friedländer, J , Gerland’s Bei-
träge zur Geophysik. 11. p. 299 — 315.
Die vulkanischen Erscheinungen der Erde.
103
Zunächst gegen den mehr allgemeinen Vorwurf, ich habe das
Wesen des Vulkanismus zu einseitig oder überhaupt nicht erfaßt,
indem ich den chemisch-physikalischen Verhältnissen keine oder
doch zu geringe Aufmerksamkeit gewidmet habe.
Der Kern der Frage liegt eben in der Auffassung. Ich habe
den Vulkanismus folgendermaßen definiert und für diese Begriffs-
bestimmung auch die Anerkennung erhalten: Vulkanismus ist jene
Erscheinung, bei welcher aus der Erdtiefe juvenile Massen
in oder auf die Erdkruste gebracht werden.
Danach liegt das Wesen des Vulkanismus in den Massen,
welche umgelagert werden, und implicite, wie sie sich in ihrer Ge-
samtheit in oder auf der Erdkruste lagern. Richtig ist daher nui-
der Vorwurf, daß ich auch den Intrusionserscheinungen Beachtung
schenken muß. Aus äußeren Gründen habe ich aber davon Ab-
stand genommen.
Nur in den Massen, ihrem kosmischen Auftreten, ihrem
Werden in bestimmten Formen infolge eigener Phasenentwicklung
des Vulkanismus, ihrer Periodizität in der Zeitfolge und ihrer Ver-
breitung nach geographischen Gesetzen sehe ich das Wesen des
Vulkanismus. Und diese vier großen Leitgesetze sind es auch,
welche sich durch mein Werk hindurchziehen. Nur auf dieses
begrenzte Gebiet kann sich meiner Meinung nach die deskriptive
Vulkanologie verlegen und die Fragen , welche das Wesen des
Phänomens nach diesen angegebenen Richtungen hin heischt , zu
beantworten suchen, denn trotz Laboratorium und Beobachtung im
Felde bleibt der Weg, in welcher Weise, wie diese Prozesse
vor sich gehen, ein genetischer, d. h. theoretisch-hypothetischer.
Welche Resultate immer auf chemisch-physikalischem Wege
im Laboratorium gebracht werden, können sie doch über das Wesen
des Vulkanismus meiner Meinung nach keinen Aufschluß bringen,
wie ich ausdrücklich hervorgehoben und begründet habe.
Man wird mich besser verstehen, wenn ich ein Analogon aus
der dynamischen Geologie wähle. Das Wesen der Gebirgsbildung
besteht in der Umlagerung vorhandener Erdkrustenstücke,
wie es vor sich geht, ob durch Faltung oder Schub, Hebung oder
Senkung, ist ein anderer Weg. Das Gebirge an sich, ohne
genetische Probleme zu erörtern, ist Objekt des nächsten
Studiums und führt zur Einteilung der verschiedenen Gebirgs-
kategorien.
Ist auf Grund solcher Überlegungen das Arbeitsgebiet ab-
gesteckt, so muß ich versuchen, wieder nur aus den Massen
das Wesentliche und Charakteristische herauszuschälen. Dieser
Weg führte naturgemäß zur Aufstellung einer Systematik, welche
abweichen mußte von den bisherigen gleichartigen Versuchen, da
der Weg, der eingeschlagen wurde, ein bislang unbegangener war.
Die so gefundene, rein deskriptive Systematik leitete hinüber zu
104
K. Schneider,
der genetischen Einteilung und ergab, daß beide sicli decken. Da-
mit aber ist eine der höchsten Forderungen, welche die Wissen-
schaft an eine Disziplin stellt, erfüllt. Sollte die Systematik klar
und deutlich werden, mußte auch die Nomenklatur der einzelnen
Gruppen und Spezialformen fest und bestimmt sein.
Diese Systematik und Nomenklatur ist der zweite mehr all-
gemeine Vorwurf, der gegen mein Werk erhoben wurde. All-
gemein ist die Anerkennung, daß ich von den modernen Bestre-
bungen, lokale Bezeichnungen als termini technici einzuführen, Ab-
stand genommen habe. Zugestimmt wurde mir, daß ich die völlig
irrigen Bezeichnungen „ homogen“ und „Stratovulkan“ einer Kritik
unterzogen habe und dafür richtigere Worte (rheumatitische,
rheuklastische und klasmatische Vulkane) prägte. Nicht nur darin,
daß diese Namen „im Sprachgebrauch vielfach bequemer zu hand-
haben sein dürften als die bisherigen“, sondern darin, daß sie die
Natur der jeweiligen Feuerberge kurz und scharf bezeichnen, liegt
meiner Meinung nach der Fortschritt. Nichts ist in. E. unwissen-
schaftlicher, als von „Aschen“ vulkanen zu sprechen. Die deutsche
Sprache bezeichnet unter „Asche“ etwas ganz Bestimmtes, den Rück-
stand nach einem Verbrennungsprozeß. Seitdem die Anschauung
abgelehnt ist, daß brennende Kohlen- und Schwefellager die Ur-
sache vulkanischer Paroxysmen sind , seitdem ist auch die Be-
zeichnung „Asche“ für den feinen und feinsten Auswurf von Vul-
kanen falsch.
Für „Aschen“, Lapilli, Rapilli, Bomben habe ich eben Klas-
matika eingeführt. Gewiß kann man das halbdeutsche Wort Locker-
material, Lockerprodukt als Sammelnamen gebrauchen. S. Passarge
hat erst vor kurzem wieder deutsche Termini für die deutsche
Wissenschaft verlangt1. Im nationalen Kampfe aufgewachsen, stehe
ich gewiß auf der völkischen Seite. Aber unsere Sprache hat
einmal keine kurze Bezeichnung für ein Gebilde, das wie der
Vesuv aus ehemals flüssigen u u d lockeren Massen aufgebaut ist,
wie es die Wissenschaft braucht. Das, was in dem Begriff rheu-
klastisch gesagt ist, kann mir kein deutsches Wort so kurz und
scharf wiedergeben. Spreche ich aber von rheuklastischen Ge-
bilden , so muß ich , logisch konsequent vorgehend , die beiden
Grundtypen auch in gleicher Form mit einem Kunstausdruck be-
zeichnen und von rheumatitischer und klasmatischer Förderung
reden.
Ist das Wesen des Vulkanismus in den Massen, die gefördert
werden, und damit in den so geschaffenen Gebilden, so kann ich
nur tiefer eiudringen, wenn ich diese in eine Systematik zu bringen
versuche, sofern die Natur eine solche gestattet. Auch diese
so gewonnenen Typen verlangen eine feste Nomenklatur. Ich
1 S. Passarge, Physiolog. Morphologie. Hamburg 1912. p. 19 (151).
Die vulkanischen Erscheinungen der Erde.
105
habe mich wieder für Kunstausdrücke entschieden. Sie sind es,
welche wohl die meiste Ablehnung erfahren haben. „Sie werden
nicht den Beifall der Philologen finden.“ Bei aller Hochachtung
vor der Philologie lassen mich die Philologen kühl, wenn ich nur
mit den geschaffenen Terminis das Kichtige getroffen habe. Die
Paläontologie , Medizin u. v. a. Wissenschaften werden mit ihren
Kunstausdrücken nicht immer den Beifall der Sprachforscher ge-
funden haben und doch haben ihre Bezeichnungen der jeweiligen
Disziplin nach vorn geholfen und ihr in den meisten Fällen eine
Exaktheit geschaffen, um die wir sie beneiden können.
Ich hebe aus meiner Terminologie die Aspite oder A spule
hervor. Der deutsche Name ist Schildvulkan. Hat sich nicht in
der letzten Zeit das Bestreben geltend gemacht, dafür das isländische
Wort Dyngja einzuführen mit der Begründung, die isländischen
Schildvulkane sehen doch anders aus als das, was ein umgestürzter
Schild vorstellt? Enthalten nicht die „Aspiden“ eine Keihe von
Variationen des Begriffes „Schild“ ? Der Bau einer „Konide“ ist
anders, als das, was wir uns unter einem Kegel vorstellen. Die
Flanke eines Kegels ist geradlinig, die einer Konide aber
entspricht, wie ich gezeigt habe (p. 56), einer Konkavlinie, und
zwar von allem Anfang an, nicht erst durch äußere Agenzien ge-
worden. Ein „Dom“ ist etwas anderes im Deutschen, als was
wir unter Domvulkan falscherweise bezeichnen. Um die konvexe
Seite der Flankenböschung auszudrücken, müßten wir richtiger
von „Kuppelbergen“ sprechen. Die Tholoide (^föAoc?, die Kuppel)
ist kürzer als das zusammengesetzte Wort Kuppenberg, Kuppel-
berg. Ein „Nadelberg“ ist für die deutsche Sprache und unsere
nächste Vorstellung doch so weit verschieden , daß wir den ter-
minus Belonite eher annehmen werden. Das französische cöne
= Kegel , Zapfen , Zuckerhutform kann aus praktischen Gründen
der Konide wegen nicht gewählt werden.
Die Homate, der Ringwallberg , und das Maar erklären sich
aus dem Gesagten, es bleibt nur die Pedionite = die vulkanische
Ebene. Der landläufige Ausdruck ist Deckenergüsse. Mit Ver-
laub! Ist ein stromartiger Erguß nicht auch bereits eine Decke?
Selbst Klasmatika lassen weite Decken entstehen. Der Terminus
soll nichts anderes besagen und besagt zunächst auch nichts weiteres,
als daß Länge und Breite in einem nahezu gleichen Verhält-
nisse großer und größter Dimensionen zu verstehen sind.
Unvollständigkeit wird meinem orographischen System vor-
gehalten, indem eruptive Rückengebirge, Explosionsgräben und
Vulkanspalten keinen Platz gefunden haben. Mit nichten ! Eine
jede Systematik, welcher Art immer sie ist, muß versuchen, die
Grundformen aufzudecken. Noch ist kein rezentes eruptives
Rückengebirge vor unseren Augen mit einem Male entstanden. Daß
es antike Gebirge dieser Art gibt, ist nicht zu leugnen, aber diese
106
K. Schneider.
sind noch nicht als Ein heitsgebilde erkannt worden, sondern
zusammengesetzter Natur, vielleicht über „Spalten“ — jenes
unglückselige Wort in der vulkanologischen Terminologie — auf-
geführt. Ich nehme das bekannte Beispiel die Lakispalte in
Island, und lege Sapper’s Karte im Maßstab 1 : 12500 (N. Jahrb.
f. Min. etc. Beil.-Bd. XXVI) vor. Aus dieser ist nur eines ohne
Tüftelei und Sophismus sicher zu erkennen, daß entlang des
„Spaltenergusses“ eine Unzahl von kleinen und größeren Homaten zu
stehen kommt. ..Es sind topographische Signale“, daß wohl nur
an diesen Stellen Laven ergossen wurden, die in reichlicher Menge
vorhanden, Zusammenflüssen und hier zur Einheit verschweißten.
Die „Spalte" selbst aber wird als tektonischer Genese angesprochen,
wobei es offen bleibt, ob sie vor, gleichzeitig oder nach dem
Paroxysmus von 1783 entstanden ist. Würden die einzelnen Erguß-
stellen reichliches Lockermaterial ergeben haben, so daß Koniden
entstanden wären, so wären diese mit ihren unteren Teilen zu-
sammengewachseu, aus den einzelnen Eruptionsgebilden, den Koniden,
wäre ein klasmatisches Rückengebirge entstanden. Es ist somit
ein vulkanisches Rückengebirge, wie z. B. der Myvatner Bergzug,
keine Grundform, sondern ein zusammengesetztes Gebilde, wie ich
ähnliche Beispiele auf p. 72 angeführt habe.
Nur die Explosionsgräben bleiben somit noch übrig. Ich lasse
diese Frage einstweilen offen , ob sie nicht in die Gruppe der
Maare oder zwischen diese und die Homaten zu stehen kommen.
Da sie negative Formen sind, gehören sie jedenfalls nahe zu den
Maaren und kommen für die positiven Vulkanformen nicht in Betracht.
Vielleicht ist es nicht ohne Interesse, daß Herr S. Passarge
in seinem oben genannten Werke (p. 197), das von gleichen Grund-
lagen bezüglich der Auffassung der Morphologie getragen ist, wie
ich es für die Vulkanologie ausgesprochen habe, zu einer ähnlichen
Systematik kam wie ich. Ich stelle beide einander gegenüber.
Passabge 1
Familie 1 . Intrusionen
„ 2. Eruptionsformen.
Gattung a :
Explosive Aufschüttungen.
Spezialformen :
Tuffröhren ( 1 ) Tuffdecken (2)
Maare (3) Stratovulkane (4).
fehlt
Gattung h
Effusive
Aufschüttungen.
Schneider 1
fehlt
Eruptionsformen.
Gattung a:
Klasmatische Vulkane.
Unterabteilung:
Maare (1, 3), Homate.
Gattung b :
Rheuklastische Vulkane .
Konide (4).
Gattung c:
Rheumatitische Vulkane.
fassung.
Die in Klammern gesetzten Zahlen entsprechen der gleichen Auf-
Die vulkanischen Erscheinungen der Erde.
107
Passarge
Spezialformen :
Domvulkane (5), Schildvul-
kaue (6), Decken (7).
Polydynamiscli :
Gemischtejitrato vulkane, Cal-
dera Vulkane, Hufeisen Vul-
kane, Vulkanstümpfe.
Schneider
Unterabteilung :
Belonite, Tholoide (5), Aspide
(6), Pedionite (7).
Zusammengesetzte Formen :
Aspikonide, Aspihomate, Ho-
makonide u. a.
Es liegt mir fern, in diesem Zusammenhang gegen die Pas-
SARGE’sche Einteilung in irgendeiner Weise zu polemisieren. Nur
das will ich feststellen , daß er zu einer nahezu gleichen Syste-
matik geführt wurde wie ich , da er von gleichen Erwägungen
ausgegangen ist. Daß diese natürlichen orographischen Systeme
weitaus richtiger sind als die bislang benützten, ist wohl ohne
weiteres einzusehen.
Warum ich mich für die Einzelformen neue Kunstausdrücke
zu geben entschlossen habe, wurde oben ausgeführt. Über ihre
Verwendbarkeit und Brauchbarkeit hat sich J. Milne geäußert,
indem er von ihnen sagte, sie gleichen einem sancepan in which
yon can cook potatoes without water.
Es sei mir nunmehr gestattet, gegen Einzelheiten Stellung
zu nehmen. Jeder mit der Materie nur halbweg Vertraute weiß
die Schwierigkeiten der Literaturbeschaffung und -einsiclit zu wür-
digen und danach ein Werk, das auf so vielen neuen Wegen geht,
zu beurteilen. Auf p. 106 schließe ich nur, wie ganz deutlich
zu ersehen ist, daß auf Hawaii auch klasmatische Ausbrüche statt-
haben, nicht nur rheumatitische , wie allgemein immer wieder
wiederholt wird. Was ich bezüglich der Koniden (p. 61) anführe
und Herrn Prof. Sapper unverständlich erscheint, ist durch Herrn
J. Friedländer’s Ausführungen (1. c. p. 30b) so erklärt, wie ich es
auffasse. Daß Herr Prof. Sapper nunmehr die Entwicklung des
Vulkanismus in drei Phasen anerkennt, wenn „sie auch noch weiter
nachgeprüft werden müsse, und wenngleich zuzugeben ist, daß sie
in gewissen Gebieten tatsächlich zu beobachten ist“, ist von Be-
deutung, da sich meine Phasenlehre auch anderweitig durchgesetzt
hat. Auf p. 84 habe ich tatsächlich nur 135 Mill. allerdings m3
statt Fuß angegeben , was aber immer noch einer Menge von
4.32 Mill. m3 entspricht. Das Beispiel des Masaya zeugt nicht
gegen mich, da man es hier doch nicht mit einem Maar in meinem
■Sinne zu tun hat. Für die 50 km3 ist meine Quelle Ursache, aber
selbst 5 km3 genügen mir und sprechen für mich.
Die von mir gegebene Deutung des Vesuvausbruches vom
Jahre 79 ist eben Anschauungssache. Gegen mich spricht jeden-
falls nichts. Ich werde nicht verfehlen, in einem anderen Zusammen-
hänge nochmals das gleiche Problem zu behandeln. An dieser
108 K. Schneider, Die vulkanischen Erscheinungen der Erde.
Stelle soll dann auch die Grundlage der Auswurfsinassenberechnung
gegeben werden.
Was meinen Vorschlag eines seismischen Dienstes an Vul-
kanen aubelangt (p. 2 :-J 7 ) , so können die negativen makroseismischen
Beobachtungen bei einzelnen Ausbrüchen heute noch nicht dagegen
sprechen. Wir wissen eben nicht, ob nicht den von Herrn Prof.
Sapper gegebenen Beispielen doch auch Bodeubewegungen voran-
gingen. Es sei nur an jene Bewegungen der Erdkruste erinnert,
welche v. Rebeur-Paschwltz in der Zeit vom 4. April 1892
bis 10. März 1804 beobachten konnte1, von denen man nie
etwas auch nur ahnen hätte können. Die Sache würde ja erst
spruchreif werden, wenn mechanische Registrierungen an verschie-
denen Feuerbergen vorliegen würden. Der Vorwurf des Herrn
J. Friedländer (1. c. p. 30o) bezüglich des Matavanu trifft nicht
mich , sondeni meine gerade an dieser Stelle wörtlich gegebene
Quelle, und wenn ich Suess d. A. bezüglich des juvenilen Wassers
in der allgemeinen Einleitung Recht zu geben scheine im Gegen-
satz zu späteren Ausführungen, so dürfte mein Standpunkt in den
mit nächstem erscheinenden , Beiträgen zur Theorie der heißen
Quellen“ 2 3 nunmehr präzisiert werden. Von den Aspiden behaupte
ich nur, daß sie in der Gegenwart als „tätige“ Berge selten sind
und bei ihnen Klasmatika in den Hintergrund treten bezw. fehlen
(p. 50, 07). Was Herr Friedländer (p. 303) bezüglich der
Hawaii- Vulkane ansführt, deckt sich mit meinen Ausführungen
vollständig und ist nur ein Beleg für meine Phasenlehre. Was
er gegen meine Deutung vom Jahre 79 sagt, will ich, wie an-
gedeutet, in anderem Zusammenhang nochmals bringen. Wenn er
aber meine Quelle bezüglich des Ätnaansbruches vom Jahre 1910/11
und damit mich zurückweist , so kann ich nunmehr die Berichte
von A. Ricco und G. Ponte anführen *, die mir nicht zuwider-
laufen.
Der humoristisch gehaltene Einwurf gegen meine Ausführungen
bezüglich der Abnahme des Vulkanismus seit dem Diluvium — Al-
luvium kann mit Gleichem bezahlt werden. Der Vergleich hinkt,
die Sache liegt anders. Nehmen wir den Beginn des 19. Jahr-
hunderts. Damals gab es in Europa weitaus mehr selbständige
Könige, Fürsten und souveräne Herren als zu Beginn des 20. Jahr-
hunderts. Eine „Abnahme des Phänomens“ ist also doch wohl auch
hier festzustellen. Nicht der Zeitabschnitt, sondern der Zeitpunkt,
von dem aus gerechnet wird, ist der ausschlaggebende. AA'as bezüg-
lich der neuseeländischen Vulkane gesagt wird, ist nicht richtig.
1 Beiträge zur Geophysik. 2. p. 480.
2 Geol. Rundschau.
3 Ricco, A, Eruzione Etnea del 1911. Modena 1911. — Ponte, G.
Sulla cenere vulcanica dell’ eruzione Etnea del 1911. Rend. r. acc. Lincei
1912. 2u9 ff.
T. Kormos, Zur Kenntnis der Pleistocänablagerungen etc. 109
tlie 61 erloschenen Vulkane linden sich nach v. Hochstetter um
den Ort Auckland, die im Katalog genannten 5 Feuerbei-ge aber
im I)ep. Wellington und Dep. Auckland. Die von mir aufgestellten
Gesetze über die Verbreitung der Vulkane lassen sich z. T. ge-
wiß zusammenfassend-kürzer geben, lösen aber sofort auf anderer
Seite eine Reihe vou Einwürfen aus, wie ich schon erfahren habe.
Was ich im 9. Gesetz niederschrieb und Herrn Friedländer eine
selbstverständliche Tatsache ist, nunmehr auch in Kayser’s Lehr-
buch, Bd. 1. p. 652 (Ausg. 1912) Aufnahme gefunden hat, hat
mir bei der ersten Veröffentlichung in meinem Buche „Zur Ge-
schichte und Theorie des Vulkanismus“ öffentlich die Kritik der
^zu geringen Fundierung von Behauptungen“ privat — Verbal-
injurien eingetragen. Den gelinden Spott wegen der scheinbaren
Inkonsequenz von 10 (!) Vulkanzonen und 1 5 (!) Vulkanbogen muß
ich ablehneu, da genauere Lektüre doch das Zusammenfallen der
beiden Dinge aufdeckt.
Und nun noch ein Wort bezüglich des Vulkankataloges. Ein
Katalog in der von mir gegebenen Weise hat bislang nicht be-
standen, wenn auch eine Reihe von Vorarbeiten zu Hilfe war. Ich
war mir daher nicht im geringsten im Zweifel . daß er Lücken
anfweisen wird. Manche sind durch äußere Umstände hervorgerufen
worden, dem Zettelkataloge leicht unterworfen sind. Daher er-
klären sich die berechtigten Einvviirfe des Herrn Prof. Sappek
(1. c. p. 6), zumal gerade diese Feuerberge im Text mit Ausbruchs-
zeiten genannt sind, im Katalog aber leider fehlen. Wie vielfach
die mangelnden Quellen für die Richtigkeit ausschlaggebend sind,
zeigt Herr Fkiedländer, der seine eigenen Quellen, die ich be-
nützte, nunmehr in der Besprechung meines Buches richtigstellt.
Ich würde gewiß jegliche Richtigstellung im Interesse der Sache
nur begrüßen, um sie später bei einer eventuellen Neubearbeitung
des Werkes verwerten zu können.
Da es nicht angeht, auf jeden einzelnen kleiuen Vorwurf zu
antworten, habe ich nur gegen allgemeinere An würfe Stellung ge-
nommen. Ich hoffe, daß bei einer eventuellen weiteren öffentlichen
Besprechung der sachliche Ton in gleicher Weise gewahrt wird wie
bisher, wofür ich den Herren Referenten besonders verbunden bin.
Zur Kenntnis der Pleistocänablagerungen in der Umgebung
von Tata (Ungarn).
Von Dr. T. Kormos in Budapest.
Gelegentlich meiner Ausgrabungen bei Tata (Komitat Komärom)
im Jahre 1910 1 unterließ ich nicht, auch die anderen, in der Uiu-
1 Th. Kormos: Die paläolithische Ansiedelung bei Tata. Jahrb. d.
k. nng. Geologischen Reiehsanst. 20. H. 1. 1912.
110
T. Kormos, Zur Kenntnis der Pleistocänablagerungen
gebung beiindlichen Siißwasserkalk-Ablagerungen des näheren zu
besichtigen, deren einige sich als sehr interessant erwiesen. In
dem nächstfolgenden will ich über die wichtigsten diesbezüglichen
Funde kurz berichten.
Der eine Fundort befindet sich nördlich von Tata, in der Ge-
markung der Ortschaft Szomöd, östlich von der Bahnkreuzung und
nächst des Eisenbahnwächterhauses No. 61. Hier sieht man einen
größeren Kalktuffkomplex von ovaler Form, welcher an mehreren
Punkten aufgeschlossen wurde. Einer dieser Aufschlüsse zeigt das
folgende Profil :
1. unten poröser Kalktuff (bis 1 — 1,5 m aufgeschlossen), mit
tonigen, schlammigen Adern und darin vielen Schuecken ;
2. darüber 15 cm fluviatiler Schotter; dann
3. eine dünne Sandschicht (5 cm); über dieser
4. noch eine Schotterschicht (15 cm); dann
5. 1,2 m Sand und zu oberst
(1. eine 50 cm mächtige Humusdecke.
ln den schlammigen Zwischenlagerungen des Kalktuffs sind
Mollusken in großer Anzahl zu sammeln; Thermalschnecken sind
darunter besonders häufig. Die hier gesammelten Arten sind:
Helix (Striatella) striata Müll. Planorbis ( Propidiscus) margi-
natus Müll.
— ( Armiger) nautilem L.
Bithynia tentaculala L.
Carychium minimum Müll.
— ( Vallonia ) ptdchella Müll.
Pupa ( Torquilla ) frwnentum Drap.
— (Vertigo) antivertigo Drap.
— ( — ) pygmaea Drap.
Succinea (Amphibina) Pfeiffer i Belgrandia (t) tataensis Korm.
Rossm. Microcolpia acicularis Fer.
— -'4 (Lucena) oblonga Drap. Melanella Holandri Fer. (var.)
Limnaea ( Gulnaria) peregra Müll. Neritina Prevostiana C. Pfr.
Pisidium sp. (juv.)
Das Vorhandensein der eigentümlichen Belgrandia (?) tataensis
( 1. c.), ferner die hier vorherrschenden Gattungen Microcolpia. Melanella
und Neritina zeigen uns deutlich, daß diese Fauna mit jener von
Tata ident und gleichalt ist.
Interessant und erwähnenswert ist ein hier gefundenes, aus
bräunlichgrauem Feuerstein verfertigtes Steinwerkzeug von schaber-
ähnlichem Habitus, welches an der einen Seite helle Patina und
abgerollte Spuren einer unvollkommenen paläolithischen Bearbei-
Der zweite an dieser Stelle zu besprechende Fundort ist von
Tata siidostwärts, in der Gemarkung Vertes-Szüllös gelegen. Hier
konnte ich in dem — nächst der Landstraße gelegenen — Gräfl.
Esterhäzy’schen Kalktuff brucli ein sehr interessantes Profil be-
obachten. Zu unterst im Aufschluß befindet sich ein zerfallendes,
verwittertes Konglomerat, welches viele Dreikanter enthält. Dieses
Konglomerat, welches überwiegend aus Quarzkiesel besteht, ist mit
in der Umgebung von Tata (Ungarn).
111
jener Schotterdecke, welche sicli weiter südlich hei Bänhida erstreckt
und Tausende von Dreikantern führt, zweifelsohne in Zusammen-
hang. Ich denke wohl nicht irre zu gehen, wenn ich behaupte,
daß das Alter dieser Schotterdecke in das Ende der Pliocän-Periode
zu stellen ist. Die scharfkantigen Gerolle verdanken ihren Ur-
sprung gewiß jenen Wüstenerscheinungen, welche zu dieser Zeit
durch die klimatischen Verhältnisse hervorgerufen wurden.
Oberhalb des erwähnten Konglomerats befindet sich eine 80 cm
mächtige Sandschicht, deren Körner stark abgerundet und glänzend
sind, darüber folgt eine Sandsteinbank (60 cm) und schließlich
4 — 5 m harter Quellenkalk mit sandigen, scliotterigen Zwischen-
lagerungen. Die Kalkschichten sind endlich mit 2 — 3 m Schutt
und Humus bedeckt.
Im Kalkstein befinden sicli stellenweise einzelne. Gehäuse von
Süßwassermollusken (Linmaea ovata, L. palustris)] auch wurden
hier, laut Angaben der hier Arbeitenden, des öfteren Knochenreste
großer Säugetiere gefundeu. Herr Professor Dr. A. Koch sammelte
aus diesem Kalkstein im Jahr 1868 nebst einigen nicht viel sagenden
Arten (Helix fruticum, Pupa frumentum, Linmaea peregra) auch
zwei Exemplare der Cyclostoma (Ericia) elegans Müll., welche sich
in der Sammlung der K. ung. Geologischen Reichsanstalt befinden.
Ich selbst konnte hier aus einer zwischengelagerten sandigen Kalk-
schlammader folgende Arten sammeln :
Helix ( Stiiatella ) striata Müll. Succinea ( Lucena) ohlonga Drap.
Cochlicopa (Zua) lubrica Müll. Limnaca (Linmopliysa) palustris
Pupa (Torquilla) frumentum Drap. Müll, (in 3 Varietäten)
I Ultimi aus (Chondrula) tridens
Müll.
Succinea ( A mphibina) elegans Risso.
An der oberhalb des herrschaftlichen Kalksteinbruches gelegenen
Hügellehne ist der Süßwasserkalk und der Kalktutf an einer großen
Fläche aufgeschlossen. Hier befindet sicli der Gemeindesteinbruch,
an dessen nordwestlicher Seite klar ersichtlich ist, daß dem Kalk-
tuff grauer Sand unterlagert, welcher mit den obenerwähnten Drei-
kantern gewiß in genetischem Zusammenhang steht und die Spuren
einer Wüstendeflation zeigt. An dieser Stelle ist eine trichter-
förmige Spalte im Kalktutf mit schotterführendem, braunem Sand
erfüllt, welcher zahlreiche Vertebratenreste enthält. Hier konnte
ich folgende Säugetiere feststellen :
Ursus sp. juv. (Tibia),
Meies taxus Bold. (Humerus, mc, Cinf. ),
Canis lupus L. (mt4 sin),
Felis catus L. (mt-Bruchstück),
Felis (leo L.?) (Radius-Bruchstück),
Myoxus glis L. (Unterkiefer, Humerus),
Lcpus europaeus Pall. (Zähne, ein Calcaneus),
— ( Gidnaria ) peregra Müll.
Bithynia tentaculafa L.
Microcalpia acicularis Fer.
112
H. Fischer,
Oervus elaphus L. (phal.2, phal.3),
Capra (sp.?) (Calcaneus, phal.2, plial.3,
Bison priscus Boj. (Unterkiefer-Bruchstück mit zwei Zähnen,
ein pm, ein Humerns-Bruclistück),
Sus scrofa L. (phal.2, ein Scapula und ein Radius-Bruchstück,
ein Schneidezahn-Bruchstück),
Bhinoceros ( antiquitatis Blumb. ?) (ein Milchzahn, mehrere Zahn-
bruchstücke).
Außerdem Schlangenwirbel und Rippen, sowie Froschknochen.
Diese Spaltenausfüllung scheint allenfalls jünger zu sein als
der Kalktuff selbst, gehört jedoch gewiß noch zum Pleistozän,
wie das durch das Vorhandensein von Rhinocerosresten bewiesen
ist. Der Dachs und der Siebenschläfer, sowie die Wildkatze waren
bisher in der pleistozänen Fauna der Umgebung von Tata nocli
nicht bekannt.
An anderen Stellen des erwähnten Gemeindesteinbruchs wechsel-
lagert der Kalktuff mit schlammigen, sandigen Adeirn. Hier und
dort sind allenfalls weitere Knochenspuren vorhanden, doch ist
das — indem es sich bloß um unbestimmbare Knochensplitter
handelt • — - nicht von Belang. Auch Schnecken sind nicht beson-
ders häufig, obwohl es mir gelang, in einer schotterigen Zwischen-
lagerung recht viele Exemplare der Microcolpia acicularis, Neritina
Prevostiana und einige des Pisidium amnicutn zu sammeln. An
einem anderen Punkt erbeutete ich aus einer schlammigen Zwischen-
schicht eine Anzahl Limnaea ovata, etliche kleine Planorbis und
mehrere Exemplare einer kleinen Pisidium Art.
Bin mariner (?) Oolith aus Zentralafrika.
Von Herrn. Fischer in München.
Herr Professor Stromer von Reichexbach erhielt vor einiger
Zeit durch Herrn Kapitän Michel aus München zwei Handstücke
eines oolithischen Kalkes, welche bei Manwengo am Itimbiri, einem
nördlichen Nebenfluß des Kongo (zirka 3° nördl. Breite und 24 u
östl. Länge), gelegentlich dortselbst im Flußbett vorgenommener
Sprengungen gesammelt worden waren. Leider wurden in dem
Gestein trotz eifrigen Suchens keine Fossilien gefunden Trotzdem
bin ich bei näherer Untersuchung zu dem Schluß gekommen, daß
das fragliche Gestein als mariner Oolith anzusprechen ist. Diese
Feststellung würde insofern größere Tragweite gewinnen, als damit
wieder ein neuer Fundort marinen Gesteins aus dem zentralen
Afrika festgestellt wäre, ein Beweis für eine ehemalige Meeres-
bedeckung Afrikas, wie sie bisher kaum angenommen wurde.
Bereits durch L. Lacoin (Observations sur la Geologie du
Pays de l’Oubangui au Tschad. — Bull. Soc. geol. de France.
Ein mariner (?) Oolith aus Zentralafrika.
113
Paris 1903. Serie 4. t 3. p. 484—496) sind Kalkvorkommen am
Ubangi bekannt geworden. Zwei Vorkommen aus der Umgebung
von Mondjimbo werden von dem genannten Autor als Siißwasser-
kalke angesehen. Ein jweiteres Kalkvorkommen bei Fort de Possei
(calcaire jaunätre, marmoreen, ä demi-translucide, qu’interromprent
des surfaces micacees) wird mit einem gleichaussehenden Kalk aus
der Umgegend von Kisantu an der Kongobahn 1 identifiziert und als
devonisch angesehen. Fossilien hat aber auch Lacioin in keinem
seiner Kalke gefunden.
Das mir vorliegende Material, für dessen Überlassung ich Herrn
Professor Stromer von REtCHENBACH an dieser Stelle bestens danken
möchte, gehört zweifellos ein und derselben Schichtgruppe an, ob-
wohl die beiden Handstücke makroskopisch ziemlich verschieden
sind. Die eine Varietät (A) ist ein hochkristalliner typisch oolithischer
Kalk, die andere (B) zeigt ihre oolithischen Eigenschaften erst bei
der Betrachtung mit einer Lupe, außerdem ist das vorliegende Hand-
stiick von Stylolithenzügen durchsetzt. Die nämlichen Differenzen
der Gesteinsausbildung werden z. B. sehr häufig auf kurzer Distanz
in den Schaumkalkbänken des unteren Muschelkalks in Unterfranken
gefunden, dessen frappierende Ähnlichkeit (bei unterwittertem Vor-
kommen!) mit dem afrikanischen Kalk ich hier besonders erwähnen
möchte.
Bei mikroskopischer Betrachtung der beiden Oolithvarietäten er-
gibt sich das makroskopisch verschiedene Aussehen als Folge der Ooid-
bildung. A zeigt vorzüglich ausgebildete Ooide mit konzentrischer
und radialer Struktur, die in der typischen Speichenstruktur noch
erhalten ist. Doppelooide treten nicht selten auf. Interessant ist
das Vorkommen von teilweise wieder aufgelösten Ooiden und von
Pseudooiden, unter welchen man gewöhnlich Zusammenballungen
dichteren Gesteinsmaterials versteht. Interpositionen von Ton sind
meist auf die Ooide beschränkt, die selbst durch Calcit verkittet
sind. Recht häufig tritt auch Cölestin als Ausfüllmasse auf,
weniger häufigFlußspat. Reste von Kieselnadeln (Monactinelliden!)
sind neben einem gekammerten undefinierbaren Fossilrest die einzigen
Anzeichen einer Fauna, die in dem Oolith noch festzustellen wäre.
Bei B sind die Ooide kleiner und zeigen selten mehr als einen
Ring. Auch die Speichenstruktur ist undeutlicher. Als Ausfüll-
masse tritt hier recht häufig ein bräunlich bis bräunlichgrünes
Silikat auf, das in seinem optischen Verhalten an Glaukonit er-
innert. Flußspat und Cölestin treten seltener auf wie bei A,
beweisen aber gleichwohl die Identität beider Oolithvarietäten.
Von allothigenen Mineralien wurden im Dünnschliff Quarz und
Feldspat und etwas Muscovit beobachtet.
1 Vergl. J. Cornet, La Geologie du bassin du Congo. Bull. Soc.
Beige de Geologie. XII. 1898. p. 26 ff. p. 47 werden Kalke vom Itimbiri-
Rubi erwähnt, die ebenfalls devonisch sein sollen.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913
8
114
H. Fischer, Ein mariner (?) Oolitli aus Zentralafrika.
Die weitere Untersuchung beschränkt sich auf Gestein A.
Seine chemische Analyse ergab folgendes Resultat:
2,22 °l o Rückstand beim Auflösen in zehnprozentiger Salzsäure
0,385 „ 1 eg Oj, -f- Äl20,
53,70 B CaO
1,11 MgO
0,035 „ P2Os
42,20 „ Glühverlust (C02 -f- hydrat. Wasser)
0:47 „ S03
0,04 „ Hygroskop. Wasser
Summe 100,15 °/u-
Das Gestein hat also ungefähr folgende Bestandteile:
95 °/u kohlensauren Kalk
2 „ kohlensaure Magnesia
0,7 „ schwefelsaure Erdalkalien
2,3 „ Silikate, Quarz, Cölestin und Flußspat.
Dieser Rückstand wurde geglüht gewogen. Die blaue Farbe
des bereits mit der Lupe erkannten Flußspats war dabei zerstört
wordeu. Nach weiterer Behandlung mit konzentrierter heißer
Schwefelsäure und Abschlämmen waren noch Quarz, Feldspat,
Rutil etc. verblieben.
Präparate von Schlämmrückständen nach Auflösen des
Kalkes in zehnprozentiger Salzsäure ergaben folgendes Bild: Den
Hauptanteil des Schlämmrückstandes bildet weiß bis rötlich ge-
färbter Cölestin und ihm gegenüber stark zurücktretend blau-
gefärbter Flußspat. Allothigener Quarz und Feldspat ist nicht
selten, ebenso authigener Feldspat, dagegen authigener Quarz sein-
selten. Es verdient wohl hervorgehoben zu werden, daß der bereits
früher (Beitrag zur Kenntnis der unterfränkischen Triasgesteiue.
Geognost. Jahresh. 1908. p. 9) von mir in weiter Verbreitung für
unterfränkische Triasgesteine festgestellte authigene Feldspat nun
auch für afrikanische Sedimentgesteine nachgewiesen ist. Die Neu-
bildung von Feldspäten geht also tatsächlich durchweg bei der
Umkristallisation von Kalkgesteinen in derselben gesetzmäßigen
Weise vor sich wie die Bildung der Neuquarze. An allothigenen
Mineralien ündet sich noch nicht selten Rutil, Turmalin und Mus-
covit, auffallend selten Zirkon.
Als ein mineralogischer Beweis für die marine Entstehung
unseres Ooliths dürfte wohl das häuüge Auftreten des Cölestins
angesehen werden, welcher anscheinend bei gewisser Konzentration
aus dem Meerwasser ausgeschieden wird, in dem er an und für
sich nur in geringer Menge vorhanden ist. Auch in dem Auftreten
des Cölestin hat der afrikanische Oolitli ein auffallendes Analogon
im unterfränkischen Schaumkalk, so daß man wohl annehmen darf,
daß beide Gesteine unter ähnlichen Verhältnissen entstanden sind.
E. Spengler, Zur Systematik etc.
115
Zur Systematik der obercretacischen Nautiliden.
Von Dr. Erich Speng er in Graz.
ln der „Revue critique de Paleozoologie“ veröffentlichte
P. Lemoine 1 eine Kritik meiner Revision der Nautiliden und Be-
lemniten des Tricliinopolydistriktes 2 und erhob dabei gegen mich
den Vorwurf, ich sei in der Zersplitterung der Arten zu weit
gegangen. Insbesondere hätte ich bei derjenigen Formengruppe,
welche Blanford unter dem Namen ,, Nautilus Boucliarclianus d’Orb.“
vereinigt hatte, eine viel zu enge Artfassung angewandt. Darauf
möchte ich folgendes entgegnen :
1. Es ist unrichtig, wenn P. Lemoine behauptet, ich hätte
die 13 Exemplare, welche auf Taf. III — V in Blanford’s Mono-
graphie3 abgebildet sind, auf 6 Arten verteilt, in Wirklichkeit
habe ich hier nur 5 Arten unterschieden; denn mit der Bezeich-
nung Nautilus aff. justus (cf. occlusus?) bei Fig. 3 auf Blanford’s
Tafel IV wollte ich nur ausdrücken, daß die Form in die Ver-
wandtschaft des N. justus Blanf. gehört oder vielleicht mit dem
N- occlusus Chice identisch ist; da Chice letzteren zwar genau
beschrieben4, aber leider nicht abgebildet hat, konnte ich nichts
Bestimmtes über die Identität der indischen Form mit N. occlusus
aussagen. Es verbleiben also die 5 Arten :
Nautilus sphaericus Forb.
„ sublaevigatus d’Orb. var. Indien Stob.
„ cf. Baluchistanensis Spengler
„ Pseudobouchardianus Spengler
„ aff. justus Blanf. (cf. occlusus Chice).
2. Wie diese Zusammenstellung ergibt, sind nur 2 von diesen
5 Arten von mir begründet. Es ist ein Irrtum Lemoine’s zu
glauben , daß Stoliczea alle 4 Figuren der Tafel V unter der
Bezeichnung N. sublaevigatus var. sphaericus vereinigt hat; in
Wirklichkeit teilt Stoliczea, der doch gewiß nicht zu den „pul-
verisateurs d’especes“ gehört, die 4 Figuren der Tafel V zwei
Arten zu: Fig. 1 u. 3 gehören zu N. sublaevigatus var. 5, Fig. 2
1 Revue critique de Paleozoologie. 1912. p. 106.
2 E. Spengler, Untersuchungen über die siidindische Kreideformation.
IV. Teil. Die Nautiliden und Belemniten des Trichinopolydistriktes. Bei-
träge zur Paläontologie und Geologie Österreich-Ungarns und des Orients.
1910. p. 125.
3 H. F. Blanford, The fossil Cephalopoda of the Cretaceous Rocks
of Southern India (Belemnitidae — Nautilidae). Palaeontologia indica. Cal-
cutta 1861.
4 G. C. Crice: Cretaceous fossils of Natal. III. The Cephalopoda
from the deposit at the north end of False Bay, Zululand. p. 224.
b F. Stolickza, Notes on the Belemnitidae and Nautilidae of the
S. Indian Cretaceous Rocks. Palaeontologia indica. 1865. p. 203.
8*
116
E. Spengler, Zur Systematik
und 4 zu X. spliaericus Foubes. Stoliczka unterscheidet also die
indische Form, Taf. V Fig. 1 u. 3, von dem typischen X. sub-
laevigatus d’Orb. durch den Zusatz „var.c. Ich habe durch den
weiteren Zusatz „indica“ diese von Stolickza aufgestellte Variation
uur genauer bezeichnet; die eigentliche Formenabspaltung rührt
also von Stoliczka her, nicht von mir. Die Spezies ,,X. jiistus“
wurde von Blanford begründet. „X. occlusus“ nennt G. C. Crick,
wie schon erwähnt, eine Form aus der südafrikanischen Ober-
kreide, deren Vereinigung mit X. Justus in Erwägung zu ziehen
wäre1; ich habe also auch hier keine neue Art abgespalten,
sondern im Gegenteil mich für die Vereinigung zweier bereits be-
kannter Arten ausgesprochen.
Bloß die beiden Namen „pseudobouchardianus“ und ,,Balu-
chistanensis“ wurden von mir aufgestellt; ersterer wurde lediglich
deshalb begründet, um der Ansicht vorzubeugen, daß die Taf. IV
Fig. 7 abgebildete Form, welche tatsächlich mit X. Bouchardianus
d’Orb. sehr gut übereinstimmt, als wirklicher Bouchardianus und
daher als ein Relikt aus dem Gault aufgefaßt wird2 3; es erscheint
mir nämlich viel wahrscheinlicher , daß sich so außerordentlich
indifferente Formen wie der X. Bouchardianus d’Orb. zweimal
bilden können, als daß sich diese Formen vom Gault bis in das
obere Senon unverändert erhalten haben, ohne daß sie in den da-
zwischenliegenden Stufen gefunden wurden. Als Typus des neu-
begründeten X. Baluchistanensis Spengler wurden die von Noet-
ling ® zu X. sublaevigatus gestellten Formen bezeichnet, mit denen
PI. IV Fig. 1 u. 2, PI. VI Fig. 1 (Blanford) gut übereinstimmen.
Daß Noetling’s Form vom typischen X. sublaevigatus d’Orb. sein-
deutlich verschieden ist, ergibt auf den ersten Blick ein Vergleich
der Abbildungen bei Noetling und d’Orbigny4. Als Unterschiede
habe ich 5 das langsamere Breitenwachstum und die dorsale Lage
des Siphos bei X. Baluchistanensis bezeichnet.
3. Es entspricht nicht den Tatsachen , daß die Zusätze cf.,
aff., ? der Ausdruck einer schwierigen Unterscheidung der
Arten sind , sondern sie sollen nur andeuten , daß bei dem un-
günstigen Erhaltungszustände einige Exemplare die Bestimmung
überhaupt mit Schwierigkeiten verknüpft war.
4. Auch ich bin von der sehr nahen Verwandtschaft der
auf der Tabelle p. 14 meiner Arbeit zusammengestellten Formen
1 E Spengler, Untersuchungen über die südindische Kreideformation.
4. p. 142.
2 E. Spengler, 1. c. p. 16, 17.
3 F. Noetling, Fauna of the upper Cretaceous beds (Maestrichtien)
of the Mari Hills. Palaeontologia indica. 1897. p. 69. PI. XIX Fig. 1, 2;
PI. XX Fig. 1, 2.
4 d’Orbigny, Palaeontologie Fran<-aise. Terr. Cretacös. PI. 17.
5 E. Spengler. 1. c. p. 15.
der obercretacischen Nautiliden.
117
überzeugt, was ich durch die Zusammenfassung zu einer „Gruppe des
X. sublaevigatus “ 1 zum Ausdruck brachte. Auch bin ich weit ent-
fernt davon, zu glauben, daß es sich hier ebenso wrie bei den meisten
Ammonitenarten der neueren Autoren wirklich um biologisch
selbständige Spezies handelt, sondern die Zerteilung in einzelne
Arten ging lediglich aus dem Bestreben hervor, unter den glatten
Nautiliden der Kreideformation scharf charakterisierte Typen zu
schaffen, welche sich in exakter Weise von den Formen anderer
Gebiete durch m orph o 1 o gis ch e Mei-kmale trennen lassen. Daß
eine Vergleichung von Nautiliden anderer Gebiete mit den von
Blanfokd als X. Boucliardianus zusammengefaßten Formen schwer
möglich ist, zeigt schon die Umdeutung dieser Gruppe durch die
verschiedensten Autoren.
Es war mir nun nicht möglich, zwischen den auf Blanford’s
Tafeln III, IV, V einerseits und auf deu Tafeln VI u. VII Fig. 1
und 2 anderseits abgebildeten Formen einen scharfen Gegensatz
im Sinne Blanford’s herauszufinden. Vergleicht man etwa Taf. IV
Fig. 2 und Taf. V Fig. 1, anderseits Taf. IV Fig. 2 und Taf. VI
Fig. 1, so zeigen zweifellos die beiden letzteren eine weit größere
Ähnlichkeit als die beiden ersteren , obwohl die ersteren nach
Blanford zu einer Art, die letzteren jedoch zu zwei verschiedenen
Spezies gehören.
Würde man aber die Formen aller 5 Tafeln zu einer Art
vereinigen, so hätte man unter einem Namen so verschiedenartige
Typen zusammengefaßt, daß nicht einmal eine scharfe Trennung
von den von d’Orbigny unterschiedenen drei Arten : X. Clementinus,
X. Boucharclianus, X. sublaevigatus möglich wäre, was zur weiteren
Folge auch eine Vereinigung dieser drei Arten haben müßte. Auch
X. Dekagi Mort., X. depressus Bixkh., X. justus Blanf. und viel-
leicht noch einige andere Arten müßten eingezogen werden. Tut
man dies aber, so wird die große Variabilität der glatten
Kreidenautiliden nicht registriert.
So bleibt nichts übrig als sehr enge Artfassung. Es kommt
praktisch so ziemlich auf dasselbe hinaus , ob man die einzelnen
Typen „Arten“ oder „Varietäten“ nennt; letzteres ist aber
nur dann möglich, wenn sich unter den früher beschriebenen Arten
eine nächstverwandte findet ; steht die neue Form aber
zwei oder mehreren älteren Arten gleich nahe, ist die Be-
zeichnung als Varietät nicht anwendbar. Ich bin fest überzeugt,
daß sich bei reicherem Material abermals Formen finden werden,
die zwischen den abgebildeten Typen stehen; ich habe daher
die Arten hier möglichst so gefaßt, daß sie unmittelbar aneinander-
1 Die Gruppe des Nautilus sublaevigatus dürfte im wesentlichen der
Untergattung Eutrephoceras Hyatt's entsprechen. Vergl. E. Spengler.
1. c. p. 136.
118
E Spengler, Zur Systematik etc.
schließen ; so heißt z. B. ein glatter, globoser, sehr eng genabelter
Nautilus mit 16 — 11) Septeu auf 1 Umgang N. sublaevigatus, wenn
die Breite 68 — 80 °/o des Durchmessers beträgt, N. sphaericus,
wenn die Breite über 80 °/o steigt, N. Delcayi, wenn die Breite
!H) % überschreitet und der Nabel auf Schalenexemplaren ganz
verschwindet, N. Huxleyanus hingegen, wenn bei sonst vollständiger
Übereinstimmung mit N. Dekayi oder sphaericus die Septenzahl
geringer als 1 6 wird, N. Baluchistanensis, wenn bei sonstiger Über-
einstimmung mit N. sublaevigatus das Breitenwachstum langsamer
wird, oder genauer, wenn die Breite der vorhergehenden Windung
mehr als 60 °/o der folgenden beträgt usw. Es ist dies allerdings
eine künstliche Trennung der Arten , aber eine natürliche ist bei
diesen durch allmähliche Übergänge verknüpften Formen nicht
möglich.
Es ist nur eine Forderung der Deszendenzlehre , daß eine in
starker Entwicklung befindliche Formengruppe eine sehr starke
Variabilität mit allen möglichen Übergängen zwischen den einzelnen
Varietäten zeigt. Sicherlich sind die glatten, globosen Nautiliden
der Kreide eine solche. Denn im Jura herrschen meistens Typen
mit abgeflachten Seitenwänden (subgen. Cenoceras Hyatt), erst in
der Kreide werden die eng- oder ungenabelten , glatten Formen
mit globosem Windungsquerschnitt (subgen. Eutrcphoceras Hyatt)
häufiger.
Auch bei den durch den Rippenwiukel auf der Externseite
scharf charakterisierten Formen von Cymatoceras in der unteren
Utaturgroup habe ich stets die außerordentlich nahe Verwandt-
schaft der 7 hierher gehörigen Typen hervorgehoben1 und unter
diesen 7 wieder 8 näher aneinander angeschlossen (C. Negama
Blanf., C. crebricostatum Blanf. und C. pseudo negama Spengler).
Auch hier sind die „Arten“ zunächst nur zum Zwecke leichterer
Vergleichung mit fremden Formen möglichst scharf gefaßte mor-
phologische Typen. Ihr wahrscheinlicher Zusammenhang
wird durch die dort gegebene Gruppeneinteiluug angedeutet, wobei
es jedoch für uns unmöglich ist, zu entscheiden, ob etwa alle 7
eine Art im biologischen Sinne gebildet haben oder C. Kayeanum,
Kossmati, virgatum die erste, C. Negama, crebricostatum, pseudo-
negama die zweite, C. semilobatum die dritte Art, oder ob endlich
alle 7 selbständige Spezies darstellen; letzteres ist insofern un-
wahrscheinlich , als es ein merkwürdiger Zufall wäre , daß von
einigen dieser Arten nur 1 oder 2 Exemplare bisher gefunden
wurden — trotzdem aber muß daran festgehalten werden , die
einzelnen morphologischen Typen durch besondere Namen zu fixieren.
Auch in diesem Falle ist hier die Artspaltung noch lange nicht so
weitgehend wie bei einigen Ammoniten- und Gastropodengattungen.
1 Ich habe dies durch die Zusammenfassung zu einer Gruppe des
„Cymatoceras Kayeanum“ getan (l. c. p. 3, 10).
f Friedrich Teller.
119
Auch bei weiterer Artfassung bleibt der lokale Charakter
der indischen Nautilidenfauna erhalten. Dieser Gegensatz gegen-
über der Ammonitenfauna 1 ist leicht verständlich , wenn wir
bedenken , daß Nautilus ein Tienthonisches Tier ist , während die
Ammoniten wahrscheinlich zum größten Teil nektonische Tiere 2
waren. Daß besonders auch Cymatoceras zu den benthonischen
Tieren gehörte, dafür spricht die ungewöhnlich dicke Schale dieser
Formen. Sehr deutlich läßt C. viryatum diese Erscheinung er-
kennen. Das auf Taf. XI Fig. 3 a, b meiner Arbeit abgebildete
Exemplar ist so erhalten, daß auf der in Fig. 3 b sichtbaren Seite
die Schale erhalten geblieben ist, während die andere Seite den
Steinkern zeigt. Auf ersterer erblickt man die sehr charakte-
ristischen , kräftigen Bündelrippen , letztere Seite ist vollkommen
glatt; nur auf dem Externteil (Fig. 3 a), auf dem gleichfalls die
Schale verloren gegangen ist, prägt sich auch die Schalenskulptur
dem Steinkerne auf. Diese Unabhängigkeit der Schalen- und
Steinkernskulptur läßt deutlich den Unterschied einer berippten
Nautilus-Schule von den meisten berippten Ammonitenschalen er-
kennen.
| Friedrich Teller.
In Friedrich Teller hat die k. k. Geologische Reichsaustalt
in Wien eines ihrer ausgezeichnetsten Mitglieder verloren. Durch
35 Jahre hat er seine Arbeitskraft diesem Institut gewidmet, mit
dessen Interessen er mit jeder Faser seines Wesens so fest ver-
knüpft war, daß er nicht zögerte, dieselben in einem für seine
Laufbahn entscheidenden Augenblick über die eigenen zu stellen.
Denjenigen, die gehofft hatten, sein Lebenswerk durch die Berufung
zur Leitung der k. k. Geologischen Reichsaustalt in absehbarer
Zeit gekrönt zu sehen, hat sein Tod eine schmerzliche Enttäuschung
bereitet. Am Abend des 10. Januar 1913 erlag er nach schwerem,
qualvollem Leiden den Folgen einer Operation, die eine bösartige
Neubildung hätte beseitigen sollen. Nicht am Abend eines viel-
bewegten Lebens , sondern im reifen Mannesalter hat ihn ein
tückisches Schicksal seiner Tätigkeit entrissen, deren erfolgreiche
Wirksamkeit einen glänzenderen Abschluß versprach.
Teller wurde am 28. August 1852 in Karlsbad geboren. Er
begann seine wissenschaftliche Laufbahn an der k. k. Universität
1 Übrigens ist auch die Zahl der vollkommen identischen Am-
monitenaiten zwischen Südindien und den anderen Kreidegebieten nicht
besonders groß (vergl. die Tabelle bei Korsmat, Untersuchungen über die
südindische Kreideformation. Beiträge zur Pal. und Geol. Österreich-
Ungarns und des Orients. No. 11. p. 141 — 148).
2 Vergl. C. Diener, Lebensweise und Verbreitung der Ammoniten.
(N. Jahrb. f. Min. etc. 1912. II. 2. p. 67.)
120
f Friedrich Teller.
in Wien, zuerst als Assistent am zoologisch-anatomischen Institut
Professor Brühl’s, später als Assistent an der geologischen Lehr-
kanzel unter Professor E. Suess, zu dessen Lieblingsschülern er zählte.
In den Jahren 1875 und 187ti war er einer der eifrigsten Mit-
arbeiter an den unter Neumayr’s Führung eingeleiteten geologischen
Aufnahmen österreichischer Forscher in Griechenland, deren Er-
gebnisse in den Denkschriften der kais. Akademie der Wissenschaften
in Wien niedergelegt worden sind. Er gab eine Beschreibung des
geologischen Baues der Insel Euböa , des südöstlichen Thessalien
und der Insel Chios und lieferte in Gemeinschaft mit Neumayr und
Bittrer einen Überblick über die geologische Struktur ausgedehnter
Teile der Ägäischen Küstenländer. Wenn man die damaligen
Leistungen der österreichischen Geologen in Griechenland gerecht
beurteilen will, so darf man nicht vergessen, daß es sich hier um
Pionierarbeiten in einem sehr kompliziert gebauten Gebiet handelt,
dessen Stratigraphie durch eine faziell gleichartige Ausbildung alters-
verschiedener, zugleich ungewöhnlich fossilarmer Sedimente ver-
dunkelt wird. Daß das geologische Kartenbild von Griechenland heute
wesentlich anders aussieht als vor 30 Jahren, daß insbesondere die
Mannigfaltigkeit der Formationen eine weit größere ist, als man
damals annehmen zu sollen glaubte, darf denjenigen, die mit unter
den ersten Erforschern des Landes waren, 'wohl kaum zum Vor-
wurf gemacht werden.
Im Jahre 1877 trat Teller als Praktikant in die k. k. Geolo-
gische Reichsanstalt ein. In ihrem Verband ist er seither ununter-
brochen verblieben. Im Jahre 1900 erreichte er die Stelle eines
Chefgeologen, nachdem er schon 1896 mit dem Titel und Charakter
eines k. k. Bergrates ausgezeichnet worden war.
Sein erstes Arbeitsfeld war die Zentralzone der Ostalpen (Ötz-
taler Massiv 1877/78, Brixener Granitmasse 1879/81, Westfliigel
der Hohen Tauern, Hochpustertal 1882/83). Von 1884 an war
er mit geologischen Detailuntei’suchungen und der Kartierung der
südöstlichen Kalkalpen im Gebiete der Karawanken, Julischen Alpen,
Steiner Alpen und des Savesystems betraut.
Aus der ersten Phase seiner Anstaltstätigkeit sind besonders
die ausgezeichnete Arbeit über die erzführenden Diorite von Klausen1
und eine /Reihe von paläontologischen Monographien bemerkenswert.
Die letzteren betreffen zumeist Wirbeltierfunde in den öster-
reichischen Alpenländern, so den Schädel eine^ Ceratodus 2 aus den
Lunzer Schichten, Authracotherienreste aus Südsteiermark und Dal-
matien 3, einen pliocänen Tapir aus Südsteiermark4. Aber auch
1 Jahrb. Geol. Reichsanst. 1882. p. 589 — 684.
* Abhandl. Geol. Reichsanst. 15. 1891.
3 Beiträge z. Paläontologie Österreich-Ungarns etc. 4. 1884.
* Jahrb. Geol. Reichsanst. 38. 1884.
f Friedrich Teller.
121
aut' dem Gebiete der Evertebrata hat Teller , der ein vortreff-
licher Kenner der Bivalven und Braclnopoden war, sich durch seine
Monographie der Pseudomonotis ochotiea Verdienste erworben und
zuerst auf die Bedeutung dieser Formengruppe für die arktisch-
pazifische Trias hingewiesen \ Alle die genannten Monographien
dürfen geradezu als Muster paläontologischer Detailarbeit bezeichnet
werden. Sie rechtfertigen durchaus einen im Dezember 1901 von
der philosophischen Fakultät der Wiener Universität erstatteten
Vorschlag, die Teller primo loco an Stelle Uhlig’s an die Lehr-
kanzel für Paläontologie berufen zu sehen wünschte.
Allein Teller’s Neigung zur Feldgeologie war stärker als sein
Interesse für eine akademische Lehrtätigkeit. Auch widerstrebte
es seinem hoch entwickelten Pflichtgefühl, dem Institut, dem er die
beste Kraft seines Lebens gewidmet hatte, durch sein Ausscheiden
einen unersetzlichen Verlust zuzufügen. Schwieriger noch als heute
wäre damals ein Mann zu finden gewesen, der mit gleicher Arbeits-
kraft, Erfahrung und Sorgfalt die Redaktion der Druckschriften,
insbesondere der geologischen Spezialkarte der Österr.-Ungar. Mo-
narchie, hätte weiterführen können. Seine organisatorischen und
administrativen Fähigkeiten haben auch die außerhalb der Reichs-
anstalt stehenden österreichischen Fachgenossen anläßlich des Inter-
nationalen Geologen-Kongresses in Wien 19<)3 schätzen gelernt, um
dessen befriedigenden Verlauf er sich in erster Linie durch die Zu-
sammenstellung der Exkursionen und die Herausgabe des „Führers“,
eines weit über das Bedürfnis des Augenblickes hinausreichenden
Kompendiums der österreichischen Geologie, verdient gemacht hat.
Teller war unzweifelhaft einer der hervorragendsten Alpen-
geologen und der beste Kenner der südöstlichen Alpen. Es ist zu
bedauern, daß die Überlastung mit administrativen Arbeiten ihn
verhindert hat, seine Erfahrungen über den Bau dieses ausgedehnten
Gebietes in einem zusammenfassenden Werk zur Darstellung zu
bringen. Wertvolle Bausteine zu einem solchen enthält seine letzte
größere wissenschaftliche Publikation in den Denkschriften der
kais. Akademie der Wissenschaften 1910 über die Ergebnisse der
im Auftrag der Akademie durchgeführten Aufnahme des Kara-
wanken-Tunnels. Sonst sind die Resultate seiner Untersuchungen
zerstreut in vielen kurzen Mitteilungen in den Verhandlungen der
k. k. Geol. Reichsanstalt und in den Erläuterungen zu den von
ihm in Druck gelegten Spezialkartenblättern. Seine große Be-
scheidenheit hielt ihn leider nur zu oft davon ab, die Bedeutung
1 Pelecypodenfauna von Werchojansk, in „Arktische Triasfaunen“,
Mem. Acad. Imp. d. Sciences St. Petersbourg. 33 No. 6. 1886.
Die Zahl der paläontologischen Arbeiten Teller’s ist mit dieser Auf-
zählung keineswegs erschöpft. Es sei hier nur an seine verschiedenen
kleineren Mitteilungen über Bivalven (Rudistenfauna der Kreide des Eger-
tales, Schloßapparat von Diceras etc.) erinnert.
122
f Friedlich Teller.
Nachtrag zu Sokol.
eigener Forschungen in das richtige Licht zu stellen. So findet
sich eine der interessantesten unter allen Entdeckungen, die seit
Jahrzehnten in den Ostalpen gemacht worden sind, der Nachweis
von nordalpinen Hallstätter Kalken mit Monotis salinaria an der
Rudnica (Wochein), versteckt in dem Jahresbericht des Anstalts-
direktors für 19 i 2 p. 15). 'Wer aber die Mühe eines eingehenden
Studiums der zahlreichen Verhandlungsberichte nicht scheut, der
wird aus ihnen reiche Belehrung und Anregung schöpfen. Dem-
jenigen vor allem, der einmal die Beziehungen der Hauptzone
der Südalpen zu den sogenannten Dinariden kritisch prüfen wird —
hier liegt der Schlüssel für die Entscheidung der Gültigkeit der
Deckenlehre für die Ostalpen — , dem werden Teller’s Arbeiten
eine wahre Fundgrube eines wertvollen, bisher viel zu wenig be-
achteten Tatsachenmaterials sein.
Teller war in erster Linie Aufnahmsgeologe. Ihm kam es
darauf an, Tatsachen zu sammeln und mitzuteilen, ohne seine
Stellung zu den modernen Theorien auf dem Gebiete der Alpen-
tektonik zu präzisieren. Er hat es vermieden, sich an den Dis-
kussionen , die durch die Übertragung der Deckenlehre aus den
Westalpen nach Österreich hervorgerufen wurden , zu beteiligen,
teils aus Bescheidenheit, teils weil er, seiner liebenswürdigen, kon-
zilianten Natur entsprechend, ein abgesagter Feind jeder Polemik
war — auch in den Streit zwischen E. v. Mojsisovics und Bittxer
hat er niemals eingegriffen. Aber gerade das verleiht seinen Ar-
beiten im Felde ihren hohen Wert, daß ihre Ergebnisse vollkommen
unbeeinflußt von einer Theorie, ausschließlich auf Grundlage ein-
wandfreier Beobachtung gewonnen worden sind, daß sie als ge-
sicherte Grundlagen weiterer Forschung auch einen Wechsel der
theoretischen Anschauungen überdauern werden.
Das bezeichnende für alle Arbeiten Teller’s ist der hohe
Grad ihrer Zuverlässigkeit, die Genauigkeit der Beobachtung, die
Gewissenhaftigkeit der Darstellung. Diese Eigenschaften haben
seinen wissenschaftlichen Ruf begründet, dessen Anerkennung in
der Ernennung Teller’s zum Ehrendoktor der Universität in
Czernowitz, zum korrespondierenden (1 902) und endlich zum wirk-
lichen Mitglied (1912) der kais. Akademie der Wissenschaften in
Wien einen Ausdruck gefunden hat. G. Diener.
Nachtrag zu Sokol, Ueber das Sinken der Elbe-Ebene etc.
(Dies. Centralbl. 1913. p. 91 u. ff.):
„Es ist in Anbetracht der auch sonst beobachteten Störungen
doch wohl wahrscheinlicher, daß Senkungen tektonischen Ursprungs
vorliegen. Für isostatische Bewegungen ist die Belastung durch
Flußsedimente doch wohl nicht ausreichend.“
0. Mügge, Bemerkungen etc.
123
Neue Instrumente und Beobachtungsmethoden.
Bemerkungen zum Wülfing’aohen Demonetrationsmodell für
einfache Schiebungen
Von 0. Mügge in Göttingen.
Wie ich bereits gelegentlich der Vorführung des Wülfing-
sclien Modells auf der Versammlung der Deutschen mineralogischen
Gesellschaft zu Münster i. W. im September 1912 betonte, sollen
die von mir beschriebenen Modelle1 2 lediglich die geometrischen
Verhältnisse der beiden Arten von einfachen Schiebungen und zwar
für den allgemeinsten Fall eines triklinen Kristalls erläutern3.
Sie erfüllen auch diesen Zweck nur annähernd, da Schichten von
nur molekularen Dicken durch solche von mehreren mm Dicke
vorgestellt werden und daher der Betrag der relativen Translation
zweier benachbarter Schichten in demselben Verhältnis gegenüber
dem vergrößert erscheint, der sich ergeben würde, wenn man an-
nehmen dürfte, daß die kristallographische Umorientierung nur auf
der neuen Ordnung kleinster Teilchen von der Form des Modells
beruhte. Ob aber diese Annahme berechtigt wäre, erscheint sehr
zweifelhaft, obwohl der geometrische Effekt durch ein solches Modell
mit Schichten von nur molekularer Dicke, wie gesagt, vollkommen er-
reicht würde. Mehr durch ein Modell darzustellen, scheint mir gegen-
wärtig nicht möglich, da nichts darüber bekannt ist, wie weit die
kristallographische Orientierung außer von der Anordnung der Teil-
chen auch von ihrer Orientierung und ihren Eigenschaften abhängt.
Wülfing will nun in seinem Modell über das Geometrische
hinaus auch noch die Änderung der Orientierung der „Bausteine“
erläutern; die Form dieser „Bausteine“ ist natürlich eine hypo-
thetische, W. nimmt sie für den Kalkspat von der Form des Spalt-
rhomboeders und deutet die Änderung der Orientierung durch
Hemitropie um die Normale der Gleitfläche an. Ein derartiges Mo-
dell ist aber offenbar geeignet, erhebliche Mißverständnisse hervor-
zurufen. Die einfache Schiebung wird bewirkt durch ein Kräfte-
paar in der Ebene der Schiebung parallel der Schiebungsrichtung,
das außer einer Kompression in der Richtung der kurzen Diagonale
des Rhomboederquerschnittes in der Ebene der Schiebung eine
Drehung um die Normale der letzteren, nicht aber, wie beim
W.’schen Modell, um die Normale der Gleitfläche bewirkt.
Nimmt man an, wie es die Beobachtung über die Umorientierung
an die Haud gibt, daß jedes Elementarrhomboeder so deformiert
1 Dies. Centralbl. 1913. p. 28.
2 1. c. 1912. p. 417.
2 Für den einfachen Fall des Kalkspats wären m. E. derartige,
immerhin kostspielige Modelle kaum erforderlich, zumal der Unterschied
von Schiebungen erster und zweiter Art hier fortfällt.
124
0. Mtigge, Bemerkungen
wird, daß seine neue Form mit der alten wieder deckbar ist, in-
dem die lange Diagonale des Querschnittes mit der Ebene der
{Schiebung zur kurzen und umgekehrt wird, während die zur Ebene
der Schiebung Senkrechte, wie es auch die Richtung der Kräfte
erwarten läßt, keinerlei Veränderungen erfährt, so muß, damit der
Zwillingsstellung des deformierten Teiles genügt wird, die Drehung
um die Normale der Ebene der Schiebung, wie Liebisch1 gezeigt
hat, 19° 8' betragen.
Ob ein derartiger Vorgang, dessen Effekt also sowohl mit der
Veränderung der Form wie der Orientierung und mit der Richtung
der wirkenden Kräfte im Einklang wäre, sich wirklich abspielt,
ist trotzdem wohl sehr zweifelhaft, so daß es sich nicht empfiehlt,
ihn durch ein Modell, das außerdem ziemlich kompliziert oder doch
kostspielig werden würde, darzustellen.
Noch in einer andern Hinsicht scheint das W.’sche Modell
geeignet, Irrtümer hervorzurufen. W. meint, man tue gut, einst-
weilen in der Lagerung der „Bausteine“ das bestimmende Moment
bei der Neubildung zu suchen. Er verfährt allerdings nicht ganz in
diesem Sinue, da ja in seinem Modell die Neulagerung nur als Folge
der Umorientierung, nämlich der Hemitropie um die Normale der
Gleitfläche, erscheint. W. sagt nun nichts darüber, daß es dann
ganz von der Form der gewählten „Bausteine“ abhängt, ob das
Modell die geometrischen Verhältnisse richtig wiedergibt. Bei der
für den Kalkspat gewählten Form trifft dies zwar zu, weil hier
der „Baustein“ die Eigentümlichkeit hat, auch nach der Deforma-
tion wieder von Flächen gleicher kristallographischer Bedeutung
begrenzt zu werden. Wenn jemand aber diesen „Bausteinen“ die
Form geben würde (1012) (Gleitfläche) (1010) (zweite Kreis-
schnittsebene) und etwa (1 210) (Ebene der Schiebung), so würde er
wohl damit schwerlich auf Zustimmung rechnen können, und doch
würde nur eine derartige oder ähnliche, dem Elementarparallelepiped
eines rhomboedrischen Gitters nicht entsprechende Form des „Bau-
steins“, die Verhältnisse für den Fall richtig wiedergeben, daß
die Hauptachse Richtung der Grundzone ist2. Ganz allgemein
lassen sich die geometrischen Verhältnisse einer einfachen Schie-
bung3 nicht durch Hemitropie von Bausteinen von der Form der
Eleinentarparallelepipede der Raumgitter um die Normale der Gleit-
flächen nachahmen, obwohl die Umorientierung natürlich der Zwil-
lingslage entspricht. Die genannte Hemitropie der „Bausteine“,
d. i. die für das W.’sche Modell charakteristische Bewegung, in
der also der Anfänger doch das Wesentliche sehen wird, hat eben
1 Liebisch, N. Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. 6. p. 105. 1889.
2 Wie es nach unveröffentlichten Beobachtungen von Ganten am
Millerit der Fall ist. Analoges gilt für die einfachen Schiebunger bei
Aragonit, Titanit u. a.
3 Erster Art ; für die zweiter Art gilt dasselbe.
zum Wülfing'schen Demonstrationsmodell etc.
125
mit deu einfachen Schiebungen nichts zu tun, weder wenn sie am
einzelnen Modell, noch wenn sie an einem Aggregat von solchen
ausgeführt wird.
Zum Schluß noch einige Worte über die Benennungen, deren
Unzweckmäßigkeit W. mehrfach beklagt. Da ist zu bedenken,
daß angesichts der Kompliziertheit der Vorgänge und wegen der
historischen Entwicklung sowohl unserer Kenntnisse darüber wie
auch ihrer Nomenklatur natürlich nicht zu erwarten ist, daß man
aus der wörtlichen Bedeutung der Fachausdrücke, ohne Kenntnis
ihrer Definition, die Erscheinungen richtig verstehe. Die von
Liebisch (1. c.) nach dem Englischen gewählte Bezeichnung „ein-
fache Schiebung“ ist im Deutschen meines Wissens nicht in einem
andern als dem von LtEBtscH definierten Sinne angewandt, ebenso
ist es mit der Bezeichnung „Translation“, und ebenso ist kein
Zweifel, daß beide Vorgänge, nicht scharf definiert, von E. Reusch
als „Gleitung“ beschrieben sind. Daß trotzdem „einfache Schie-
bungen“ und „Translationen“ in der Literatur noch jetzt zuweilen
durcheinander geworfen werden und über die Lage der Gleitflächen
in manchen Lehrbüchern sich noch unrichtige Angaben finden, ist
allerdings zu beklagen, liegt aber nicht an der mangelhaften De-
finition und Benennung der Vorgänge, sondern daran, daß die
Autoren es versäumt haben, sich darüber hinreichend zu unter-
richten. Die Bezeichnung der „einfachen Schiebungen“ durch
„Zwillingsgleitung“ würde daran kaum etwas ändern, die Ersetzung
von „Translation“ durch „einfache Gleitung“ oder Ähnliches könnte
leicht zu Verwechslungen führen (man denke an die Benennungen
der optischen Bezugsflächen !).
Es geht m. E. nicht an, Fachausdrücke, die nicht zweideutig
sind, 20 bis 30 Jahre nach ihrer Einführung durch andere zu
ersetzen ; deshalb habe ich mich wiederholt auch dagegen aus-
gesprochen, die seit mindestens 40 Jahren wohlbekannte und auch
schon früher in ihrer geologischen (und chemischen) Bedeutung
gewürdigte „Korn Vergrößerung“ jetzt auf einmal „Sammelkristalli-
sation“, die Drehachsen Gyrole, die Drehspiegelungsachsen Gyroide
zu nennen u. ä. Zumal Begriffe, welche nicht von Mineralogen
selbst aufgestellt, sondern aus verwandten Disziplinen übernommen
sind, sollten nur, wenn es durchaus nötig ist, umgetauft werden,
an überflüssigen Benennungen ist in der Mineralogie kein Mangel.
126
Versammlungen und Sitzungsberichte.
Versammlungen und Sitzungsberichte.
Londoner Mineralogische Gesellschaft. Stiftungsfeier
am 12. November 1912 unter dem Vorsitz von Dr. A.
E. H. Tutton.
Professor W. J. Lewis : Ilmenit aus dem Lengen-
bach steinbruch. In dem Dolomit fand sich ein kleiner, im
Habitus unregelmäßiger Kristall mit den Formen (110), (101),
(100), (112), (lll) und (275). Die besten Ablesungen wurden
erhalten von Paaren von Flächen (101) und zwischen diesen und
Flächen eines Prismas, und zwar sind die entsprechenden Winkel
= 64° 47' und 57° 33'.
Professor W. J. Lewis : Mehrfache Zwillinge von
Zinnstein. Dreifache Zwillingsbildung ist gut und regelmäßig
entwickelt an gegenüberliegenden Seiten des Kristalls , der aus
zwei Hauptteilen besteht mit Zwillingsachsen , die alle in einer
Ebene liegen und die so gebildeten Drillinge sind in etwas un-
regelmäßiger Weise verwachsen. Ferner sind einige der Indivi-
duen nach Pyramidenflächen verzwillingt, die gegen die allgemeine
Fläche so geneigt sind, daß die Hinterseite des Kristalls nicht
gleich der Vorderseite ist.
Arthur Russell: Bericht über Mineralien, die in der
Virtuous Lady-Grube bei Tavistock gefunden worden
sind. Folgende Spezies sind vorgekommen: Spateisenstein in
Pseudomorphosen nach Flußspat und Schwerspat, die von den Berg-
leuten .,boxes“ resp „slippers“ genannt werden. Markasit in garben-
ähnlichen Aggregaten; Arsenkies in zwei Abarten; Anatas, auf
einem Kristall ein kleiner Brookitkristall aufgewachsen, der einzige,
der dem Vortragenden von diesem Fundort bekannt geworden ist.
Dr. A. Hutchinson : Einige graphische Methoden für
Kristallographie und Kristalloptik. Diagramme für
Ausdrücke mit Sinussen, wie sin £ = ß sin V werden sehr ver-
einfacht, wenn man log sin als Koordinaten nimmt; das Resultat
ist dann eine Reihe paralleler Geraden.
Dr. A. Hutchinson und W. Campbell Smith: Labradorit
von St. John’s Point, Co. Dow' n. Die großen frischen Kristalle
aus dem Basalt haben physikalische Eigenschaften — spez. Gewr.
= 2,7u6, Auslöschungsschiefe auf 010 und 001 resp. = — 23°
und —11°, Brechungskoeffizienten: a = 1,5630, ß = 1,5665,
y — 1,5712 — , die sehr nahe übereinstimmen mit der Stelle in der
Plagioklasreihe, gegeben durch eine chemische Zusammensetzung,
die nahezu durch die Formel: 33 Ab, 5 Or, 62 An ausgedrückt wird.
Dr. G. F. H. Smith: Apparat zur Herstellung von
Gesteinsdünnschliffen. Es wird der Apparat beschrieben,
der kürzlich für die mineralogische Abteilung des Britischen Mu-
seums hergestellt worden ist.
Versammlungen und Sitzungsberichte. — Besprechungen. ] 27
Russell F. Gwixnell : Kalkspatkristalle aus einem
Wasserbehälter. Die Kristalle sind während des trockenen
Sommers 1911 von dem Wasser einer Quelle aus dem Mergel von
Beiton Park bei Grantham, Lines., abgesetzt worden; sie maßen
0,1 mm in ihrer größten Dimension und waren von dem Haupt-
rhomboeder (101 1) begrenzt.
Besprechungen.
Alexander H. Phillips: Mineralogy, an Introduction
to the Theoretical and Practical Study of Minerals.
New York bei Macmillan Company. 1912. p. VIII + 699. Mit
534 Figuren im Text.
In diesem Buch strebt der Verfasser dem Anfänger das
Wesentliche der verschiedenen Abteilungen der Mineralogie knapp
darzustellen, daher darf das Buch nicht als ein Nachschlagewerk
betrachtet werden. Dasselbe zerfällt in drei Teile : Kristallographie,
spezielle Mineralogie und bestimmende Mineralogie, welchen Teilen,
respektiv 218, 32 7 und i 37 Seiten gewidmet werden.
Der erste Teil umfaßt erstens eine Einleitung von 32 Seiten,
worin die fundamentalen Ideen der geometrischen Kristallographie
besprochen werden. Im zweiten Kapitel werden die verschiedenen
und allgemein angewandten Kristallprojektionen behandelt. Dann
folgen vier Abschnitte, welche die 32 Klassen der Symmetrie be-
sprechen, anfangend mit dem kubischen Systeme, worin die Mieks-
sche Nomenklatur benutzt wird. Das siebente Kapitel ist den
Kristallverwachsungen und Zwillingen gewidmet. Das achte Ka-
pitel umfaßt eine kurze Beschreibung der Kristallmessung, aber
nur mittels des einkreisigen Goniometers. In den nächsten 58 Seiten
werden die optischen Eigenschaften der Kristalle behandelt. Der
Anfänger wird zweifelsohne vielen Schwierigkeiten hier begegnen ;
da durch die gegebene Reihenfolge des Materials man nicht all-
mählich von den einfachen, leicht begreiflichen Tatsachen zu den
mehr komplizierten übergeht, verliert der Abschnitt viel an Klarheit.
Im zweiten Teile des Buches werden, nach einer Besprechung in
drei Abschnitten von der Beziehung der Mineralien zu den Elementen,
der Bildung der Mineralien und der physikalischen Eigenschaften.
225 Mineralien nach der DAx.vschen Klassifikation beschrieben.
Der dritte Teil enthält vier Abschnitte. Der erste beschreibt
die üblicheren Instrumente, Reagentien und chemischen Reaktionen
zur Bestimmung der Mineralien. Der zweite Abschnitt enthält
Tabellen zur Bestimmung der Mineralien mittels der physikalischen
Eigenschaften, und der dritte solche zur Beobachtung der ge-
wöhnlichen gesteinsbildendeu Mineralien im Dünnschliff. Der vierte
Abschnitt dieses Teiles umfaßt Tabellen zur Bestimmung der
Mineralien mittels der früher beschriebenen chemischen Reaktionen.
128
Besprechungen. — Druckfehlerberichtigung.
Im allgemeinen sind die Diskussionen und Beschreibungen
klar und leicht verständlich. Jedoch bedarf folgender Satz p. 15:
r Wliere there are axes of symmetry preseut, the axes of highest
svmmetry are chosen as crystallographical axes“ der Revision, da
dieses in den heakistetraedrischen, dyakisdodekaedrisclien und zahl-
reichen anderen Klassen mit den Tatsachen nicht in Einklang
steht. Die Stellung im Buche von Fig. 3 4, p. 25, ist nicht die
richtige. Das Gewicht des Culliuan Diamants, p. 283, ist als
3253,75 Karat angegeben, was bedeutend zu hoch ist. Dieser
Diamant ist bekanntlich am 25. Januar, und nicht, wie liier an-
gegeben, am 6. Juni 1905 entdeckt worden. Die Ausstattung
des Buches ist sehr gut, nur ist zu bedauern, daß die photo-
graphischen Abbildungen der Kristalle und Mineralien nicht besser
ausgefallen sind. E. H. Kraus.
L. P. O-ratacap: A Populär Guide to Minerals. New
York bei D. van Nostrand Company. 1912. p. IV + 330. Mit
400 Figuren im Text, 74 photographischen Tafeln und einer
Landkarte der Vereinigten Staaten.
Obgleich dieses Buch als Führer durch Mineraliensammlungen im
allgemeinen dienen soll, ist es doch besonders für die wohlbekannte
Bementkollektion im American Museum of Natural History in New
York geeignet. Die Anordnung der Mineralien folgt der Dana-
schen Klassifikation. Die 74 Tafeln, welche photographische Ab-
bildungen von Kristallen und Mineralien der Bementsammlung ent-
halten , sind besonders gut ausgefallen. In einer Einleitung von
103 Seiten versucht der Verfasser dem Anfänger das Wesentliche
über Kristallographie, Struktur , physikalische , optische und che-
mische Eigenschaften der Mineralien zu geben. Es ist sehr zu
bedauern, daß so viele Kristallfiguren dieses Abschnittes so schlecht
gezeichnet und unrichtig aufgestellt sind, so z. B. um nur einiges
anzugeben: Fig. 6, 7, 13, 19, 130 und 216. Auf 60 Seiten wird
die historische Entwicklung der Mineralogie besprochen und dann
werden die allerwichtigsten und schönsten Stufen der Bement-
kollektion mit Angabe der Sammlungsnummer knapp beschrieben.
Eine Landkarte begleitet das Buch, worauf die wichtigsten Mineral-
fundorte in den Vereinigten Staaten angegeben sind.
E. H. Kraus.
Druckfelilerberichtigung.
Dieses Centralbl. 1912 p. 783 Zeile 1 v. o. muß es heißen:
eine einfache Spalte statt diese einfache Spalte.
K. Endeil, lieber Granatamphibolite und Eklogite etc.
129
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Ueber Granatamphibolite und Eklogite von Tromsö und vom
Tromsdaltind.
Von K. Endeil in Berlin.
Mit 1 Textfigur.
In der anorthositisch-gabbroi tischen, vermutlich postsilurisclien
Aufschmelzzone bei Tromsö 1 im arktischen Norwegen linden sich
au verschiedenen Stellen granitische, amphibolitisclie und pyroxeni-
tisclie Gesteinsarten. Ihr Auftreten ist bekannt durch die zahlreichen
Untersuchungen von lv. Uetersen2, der eine geologische Karte dieses
sehr ausgedehnten Distriktes aufgenommen hat. Das größte zu-
sammenhängende Gebiet sind die Gabbros der Lyngenhalbinsel.
Dies etwa 90 km lange Massiv besteht zum Teil aus Anorthosit-
gabbro mit Parallelstruktur. Soweit die starke Vergletscherung
eine nähere Untersuchung zuläßt, sind die Gabbros stark differen-
ziert und gehen häufig in Gabbroschiefer, an manchen Stellen
(besonders bei dem Berg Rassevarcokka am Siidende des Lyngen-
fjords) auch in Chlorit- und Serpentinschiefer über.
Etwa 40 km westlich von den Lyngengabbros treten auf der
Insel Tromsö Granatamphibolite und Eklogite auf, die in Glimmer-
schiefer eingelagert sind. Auch der 1250 m hohe Gipfel des Tromsö
gegenüberliegenden Tromsdaltinds wird von Granatamphibolit ge-
bildet. Bei Lanaes auf der Südostseite der Insel Tromsö sind die
Amphibolite und Eklogite linsen- und stockförmig ausgebildet.
Treten sie geschichtet auf, so ist ihre Lagerung konkordant mit
den liegenden Schiefern. Randlich werden sie meist von Kalk-
bändern eingefaßt. Beim Tromsdaltind durchsetzt ein massiver
Granatamphibolit das nietamorphe oder norwegische Silur von Tromsö
(Tromsöglimmerschiefer nach K. Petersen) und den Anorthositgneis3
in einer Höhe von etwa 600 m über NX. Längs der Grenze ünden
sich an schönen Kontaktmineralien reiche Marmore, die besonders
am Euß des NW-Grates des Tromsdaltinds beobachtet werden können.
Je mehr man sich dem Gipfel nähert, um so schieferiger wird das
Gestein. Der Gipfel selbst wird von Granatamphibolitschiefer
gebildet.
Im Sommer 1911 hatte ich Gelegenheit, jene Gegend auf einer
Studienreise aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Von dem
' Nach J. Königsberger. Geol. Rundschau. 3. (1912.) 304— 306.
2 K. Petersen, Geologist Kart over Tromsöamt. Tromsö Museums
Aarshefter. 14. 1891.
3 Vergl. J. Königsberger, a. a. 0. 304.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913.
9
130
K. Endell, Ueber Granatamphibolite und Eklogite
gesammelten Material gebe ich vorläufig nur eine petrographisclie
und chemische Beschreibung der Granatamphibolite und Eklogite.
Die Eklogite sind feinkörnige Gesteine von lauchgrüner
bis graugrüner dichter Grundmasse, in der porphyrisch Granaten
eingesprengt sind. Die Hauptgemengteile Granat und Omphacit
sind ziemlich regelmäßig verteilt. Die Eklogite kommen zusammen
mit Granatamphiboliten vor und sind mit ihnen durch stetige Über-
gänge verbunden. Die Eklogite treten meist massiv auf. während
die G r a n a t a m p h i b o 1 i t e häufig schieferig ausgebildet sind. Diese
enthalten in einem feinen grünlichschwarzen Grundgewebe aus Horn-
blende Grauatporpliyroblasten.
Der Eklogit von Lanaes bei Tromsö zeigt u. d. M.
porphyroblastische Struktur in diablastischem Grundgewebe. Neben
den Hauptgemengteilen Pyroxen und Granat treten als akzessorische
Gemengteile auf: Rutil, Hornblende, Plagioklas, Quarz, Magnetit
und Pyrit. Der Py r o x e n ist hell smaragdgrün bis graugrün und
erscheint im Dünnschliff meist farblos oder nur mit einem Stich
ins Grünliche. Dieser Omphacit bildet die Grnndmasse kleiner
Körner von gleichmäßiger Größe und trümmerartigem Habitus, in
der die Granaten liegen. Rundlich gehen die Omphacite häufig
in faserige Hornblende über, deren Fasern am Ompliacitkorn selbst
am feinsten sind. Einschlüsse finden sich selten.
Die braunroten bis rötlichen Granaten sind z. T. kristallo-
graphisch gut begrenzt unter vorherrschender Entwicklung von
( 1 10', z. T. rundlich mit oft ausgefranstem Rand. Der Granat
ist gewöhnlich stark zerklüftet und im Gegensatz zum Omphacit
sehr reich an Einschlüssen, deren Größe und Art stark wechselt.
Am häufigsten tritt Rutil auf, ferner auch Quarz, Plagioklas, Horn-
blende und Erz. Die „Hornblendisierung des Granats“
konnte in typischer Ausbildung beobachtet werden. Sie geht von
der Plieripherie und schmalen Rissen im Innern aus, wobei die
neu entstandene Hornblende eine schmale einheitliche Randzone
bildet. Diese Umwandlung des Granats sowie auch des Pvroxens
ist in einzelnen Fällen soweit vorgeschritten, daß nur noch Kerne
von Omphacit und Granat in einem feinen diablastischen Grund-
gewebe aus Hornblende und saurem Plagioklas liegen. Die so ent-
standenen Eklogitamphibolite stellen dann die Übergangsformen zu
den Mesogesteinen der IV. Gruppe der Gkubesm Axx’schen Einteilung
dar Der häufigste akzessorische Gemengteil der Eklogite ist der
Rutil, dessen Spaltbarkeit nach dem Prisma meist gut entwickelt
ist. Quarz, Plagioklas, Magnetit und Pyrit kommen nur
in kleinen eingesprengten Körnern vor.
Die Granatamphibolite zeigen u. d. M. ein fein dia-
blastisches Gefüge von grüner Hornblende und wenig Plagioklas,
U. Grubexmanx, Die kristallinen Schiefer. II. Aufl. 1911. 198.
von Tromsö und vom Tromsdaltind.
131
welchem Granatporphyrobiasten und Körner von Quarz, Magnetit,
Titan it und Rutil eingestreut sind. Die Struktur entspricht etwa
der eines Diabases.
Die Hornblende ist grünlich bis blaugrünlich gefärbt. Die
Intensität der Farbe und Doppelbrechung variiert stark, woraus
geschlossen werden kann, daß es sich um isomorphe Mischungen
von grüner Hornblende mit natriumhaltigem glaukophanartigem
Amphibol handelt. Die gleiche Erscheinung beobachtete L. Hezner 1
an Granatamphiboliten aus dem Ötztal und erbrachte durch die
chemische Analyse eine Bestätigung dieser Vermutung. Die Horn-
blendekörner sind ohne eigene Form, gebucht und gelappt. Der
Pleochroismus ist ziemlich stark:
// C grün mit geringer Beimengung eines bläulichen Tones
W: //b graugrün ^> // Ct gelbgrün.
Für die Auslöschungsschiefe der grünen Hornblende wurde 21 — 23°
gefunden. Auch dieser Wert variiert mit der chemischen Zu-
sammensetzung. Die Hornblende enthält Einschlüsse von Plagio-
klas, Titanit und Rutil.
Auf einem Schliff des Granatamphibolits von Lanaes konnten
in der Hornblende pleoch roitische Höfe festgestellt werden,
die winzig kleine braune Kriställchen (Zirkon?) umgaben. Nach
den Untersuchungen von 0. Mügge 2, J. Joly3 und G. Hövermann4 ver-
danken diese ihre Entstehung der Aussendung von a-Teilchen radioak-
tiver Substanzen, die von der vermutlich tliorithaltigen Verwitterungs-
rinde des Zirkons ausgehen. Da so schwach radioaktive Mineralien wie
der Zirkon höchstens ein a-Teilchen im Jahr aussenden können Ä,
so ist eine große Anzahl von Jahren bis zur Entstehung der pleo-
chroitisclien Höfe erforderlich. Ihre Anwesenheit spricht also für
ein hohes geologisches Alter des Gesteins.
Die etwa 1 mm großen, braunroten Granaten unterscheiden
sich nur wenig von denen der Eklogite. Als Einschlüsse enthalten
sie Plagioklas, Hornblende, Titanit und Rutil.
Unter den akzessorischen Gemengteilen tritt besonders Titanit
hervor. Die Titanite haben meist Insekteneierform und enthalten
häufig im Kern Rutil, aus dem sie sich wohl gebildet haben.
Ganz vereinzelt kommen auch Quarz und Magnetitkörnchen vor.
Die Bauschananalyse eines frischen Granatamphibolits vom
Tromsdaltind ergab folgende AVerte :
1 L. Hezner. Min.-petr. Mitt. 22. (1903.) 437. 505.
2 0. Mügge, Dies. Centralbl. 1907. p. 397—399. 1909. p. 65, 113, 142.
3 J. Joly, Phil. Mag. 6. 1907. p. 381 — 383; Scint. Proc. Royal Dublin
Soc. 13. 1911. p. 86.
4 G. Hövermann. N. Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXIV. (1912.)
p. 321—400.
9*
132
K. Endell, Ueber Granat amphibolite und Eklogite etc.
Granatamphibolit vom Tromsdaltind1.
Spez. Gew. = 3,2.
Gewichtsprozente Molekularprozente
Si 0„ 43,32 52,5
Ti 02 2,35
A1203 15.14 8,5
Fe203 ... ... 7.09
FeO 11.00 16,1
Mn 0 0,22 —
CaO 9.90 11,6
Mg 0 5,34 8.7
K20 0.44 0,3
Na2 0 2,18 2.3
P2Oä 0,28
H2 0 1,77
100,03 100.0
S = 52,5 : A = 2.6 ; C = 8,5 ; F = 24.8 ; T = 0 : M = 3,1 ; K = 0,9.
Projektionswerte nach Osann: Uj . c- f135.
Ein Vergleich mit der IV. Gruppe der GitrßEXMAXK’scheu
Einteilung der kristallinen Schiefer (Eklogite und Granatamphi-
bolite) und dem OsANN’schen Gabbrobezirk in seiner chemischen
Klassifikation der Eruptivgesteine zeigt recht gute Übereinstimmung.
Diese einem Gabbro ähnliche chemische Zusammensetzung deutet
neben der Struktur auf einen eruptiven Ursprung des Gesteins.
Daß aus einem Gabbro oder Diabas ein Amphibolit entstehen kann,
ist schon in verschiedenen Gebieten kristalliner Schiefer beobachtet
worden. Die Granat amphibolite von Tromsö stellen
also wohl ein Spalt ungs- oder Umwandlungsprodukt
der Gabbros des Tromsödistriktes dar.
Der Kontakt des Granatamphibolits mit ge-
schichteten Marmoren zeigt sich am schönsten bei der Latein-
schule in Tromsö und in Haughen’s Steinbruch. Der Marmor liegt
teils annähernd horizontal, teils ist er durch Amphibolitmassen in
die Höhe gequetscht. Charakteristisch ist eine etwa 1 in breite
Grenzzone, in der die Mineralien des Amphobolits stark vergrößert
zusammen mit neuen Kontaktmineralien auftreten (Fig. 1). Horn-
blende, Feldspat und Granat haben Durchmesser bis zu 4 cm. Der
Brechungsindex der großen weißlichen Feldspate ist niedriger als
der Brechungsindex des Kanadabalsams. Die Auslöschungsschiefe
beträgt auf P im Mittel 3° 25'. Es handelt sich also um einen
Oligoklasalb.it von der Zusammensetzung 90Ab lOAn.
An manchen Stellen kommen bis zu 1 cm lange, kurzsäulige,
hemimorph ausgebildete gelbe Turmaline vor, die in dieser
schöngelben Färbung von andern Fundorten nicht bekannt sein
Analysiert von Dr. A. LiNUNF.R-Breslau.
Marmor
0. Miigge, Zweckmäßige Indikatoren aus Glas.
133
dürften. Die Anwesenheit von Turmalin deutet auf die Zufuhr von
bor-fluor-haltigen Gasen, deren mineralbildende Kraft wohl die
erhebliche Kornvergrößerung in der Nähe des Kontaktes hervor-
gebracht hat. Außerdem linden sich noch folgende Kontakt-
mineralien in mehr oder weniger guter Ausbildung: K’util,
6 ranatamphibolit
Grenzzone beim Kontakt des Granat amphibolits mit
Marmor in Haughen's Steinbruch bei Tromsii.
Titanit, Pyrit, Magnetkies, Zoisit, Apatit. K. Peter-
sex 1 beobachtete ferner Skalpolith und Ortith, A. Helland1 2
mikroskopisch Zirkon. Die Kontaktmarmore am Fuß des Troins-
daltinds zeigen ziemlich die gleichen Mineralien, jedoch sind an
der dort von Geröll etwas verschütteten Grenze die Aufschlüsse
nicht so schön wie in den Steinbrüchen bei Tromsö.
Berlin, Januar 1913.
Zweckmässige Indikatoren aus G-las.
Von 0. Mügge in Göttingen.
Zur Ergänzung der ausführlichen Mitteilungen von V. Gold-
schmfdt in dies. Centralbl. 1913. p. 39 erlaube ich mir darauf hin-
1 K. Peterse.v, Tromsö Museums Aarshefter. 1. 1878. 51 — 52.
2 A. Helland, ebenda. 19.
ffUOZZ'UQJQ
134
Gr. Rack,
zuweisen, daß in der Lösung leicht sichtbare und durch die ein-
gravierte Dichte-Zahl nicht verwechselbare Indikatoren aus Glas,
zugleich von solcher Größe, daß sie im HAKADA’sclien Trennungs-
apparat verwendet werden können, ohne daß dieser während der
Trennung oben geöffnet zu werden braucht und so, daß bei .jeder
abgetrennten Portion der zugehörige Indikator liegt, von .Johnsen
und mir in dies. Centralbl. 1905. p. 152 beschrieben sind.
Beiträge zur Petrographie von Flores.
Von Georg Rack in Berlin.
Mit 2 Textfiguren.
In meiner Arbeit „Petrographisclie Untersuchungen an Erguß-
gesteinen von Soembawa und Flores“ 1 habe ich einige Gesteine
des mittleren Teils der Insel Flores (Umgebung von Geni und
Eudeh) untersucht, die ausschließlich Vertreter der Kalkalkalireihe
waren.
Fig. 1.
1 G. Rack, N. Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXIV. p. 42 — 84. 1912.
Beiträge zur Petrographie von Flores. 1B5
Das liiesige Mineralog.-petrographische Institut enthielt noch
eine kleine Anzahl bisher unbearbeiteter Handstöcke von Flores,
die Herr En. v. Mertens 1 auf seiner Reise nach der Südsee int
Jahre 1 86 H gesammelt hat. Das von ihm bereiste Gebiet be-
schränkt sich auf die Umgebung des an der östlichen Küste ge-
legenen Forts Lareutoeka, in dessen unmittelbarer Nähe der Vul-
kan Illimandiri liegt (s. Fig. 1).
Auch diese Gesteine sind Kalkalkaligesteine, und zwar ge-
hören sie zur Familie der Andesite.
1. Augit-Olivi n- Andesite.
Schlucht Semmduk bei Lareutoeka. (Xo. 2.) 2 — Ein
festes Gestein mit schwach glänzender Grundmasse. Mit dem
unbewaffneten Auge erkennt man weißliche Plagioklase , deren
Kern manchmal durch Einschlüsse dunkler gefärbt ist, ferner
schwarze Augite und rotbraune Olivine.
Der Feldspat, ein der Labradorreihe angehörender PI agi o-
klas, zeichnet sich durch eine vorzügliche Spaltbarkeit und Zwil-
lingsbildung aus. In einigen Individuen ist die Zonarstruktur gut
zu erkennen. Der einheitliche Kern ist dann durchweg sehr breit,
und auf diesen breiten Kern folgt eine Anzahl äußerst schmaler
Zonen, die in ihrer Gesamtheit etwa % der Breite des Kerns be-
sitzen. Nicht alle Individuen enthalten Glaseinschlüsse. Manche
Kristalle sind fast einschlußlos. Die Einschlüsse sind parallel
zu den Begrenzungsflächen angeordnet.
Der grünliche, nicht pleochroitische Augit kommt ziemlich
häufig vor. Man beobachtet die Begrenzungen (111), (100),
(010) und (110). Verzwillingungen treten nicht auf. Die Dis-
persion der optischen Achsen ist gering. Der Augit ist fast stets
mit Magnetit verwachsen oder enthält diesen als Einschluß.
Der ebenso häufig wie der Augit vorkonnnende Olivin ist
wasserklar und besitzt eine ausgezeichnete Idiomorphie. Die Ab-
sonderung nach der Basis gibt sich durch breite Risse kund. Ver-
einzelt sieht man die Spaltbarkeit uach (Olü).
Die Grundmasse besteht aus Plagioklas, Augit, Magnetit-
körnchen und einem bräunlichen Glase, das von allen Bestandteilen
den größten Anteil an der Zusammensetzung hat. Plagioklas und
Augit sind idiomorph begrenzt und isometrisch ausgebildet.
Vulkan Illimandiri bei Lareutoeka. (Xo. 4.) — Das
rötliche Gestein hat blasige Hohlräume, die bis 10 mm breit sind.
Einsprenglinge sind Plagioklas, Augit und Olivin.
Der nach dem Albit- und Karlsbader Gesetz verzwillingte
basische Plagioklas tritt fast durchweg in leistenförmigen
1 Ed. v. Mertens, Banda, Timor und Flores. Zeitschi’, d. Gesellsch.
f. Erdk. Berlin. 24 p. 83. 1889.
2 Gibt die Nummer der Sammlung an.
136
G. Rack.
Schnitten auf, die auf eine taf'elige Ausbildung schließen lassen.
Die Leistchen werden bis 1 mm lang. Glas- und Augiteinscliliisse
sind sehr zahlreich.
Der Anteil des Augits und des Olivins unter den Einspreng-
lingen ist gleich. Der Augit ist grünlich und zeigt gelegentlich gut
ausgebildete Zonarstruktur. Auch der Olivin ist grünlich. Er
unterscheidet sich im gewöhnlichen Lichte leicht vom Augit durch
die braunrot verwitterten Ränder und Spalten. Die Magnetit-
einschlüsse beschränken sich fast nur auf den Augit.
Die pilotaxitische Grundmasse besteht hauptsächlich aus
einem sauren Plagioklas, aus Augit und Magnetit. Man trifft auch
rotbraun zersetzten Olivin und wenig Glas an.
Das Verhältnis der Einsprenglinge zur Grundmasse ist etwa
wie 3:2. Nach dem mikroskopischen Befunde könnte man das
Gestein als Basalt bezeichnen , makroskopisch besitzt es aber
durchaus andesitischen Charakter.
2. Hypersthen- Augit- Amlesite.
Bei der alten Kirche in Laren toeka. (No. 5.) — Das
dichte Gestein ist rötlichgrau. Die Bruchflächen sind flachmuschelig.
Die Einsprenglinge sind nicht zu bedeutender Größe gelangt.
Der vorherrschende Plagioklas erreicht höchstens eine Länge von
0,4 mm und ist nach dem Albit- und Karlsbader Gesetz verzwil-
lingt. Der monokline Pyroxen ist als Einsprengling spärlich vor-
handen, ebenso die braune Hornblende, deren Ränder bereits stark
opazitisiert sind. Der zahlreicher auftretende idiomorphe Hypersthen
erreicht nicht die Größe der anderen Gemengteile. Teilweise ist
er rötlichbraun gefärbt.
Die Grundmasse überwiegt gegenüber den Einsprenglingen.
Sie ist pilotaxitisch und besteht aus vielen sauren Plagioklas-
leistchen, ferner aus wenig Orthoklas, rötlichbraun bestäubten
Hypersthensäulchen und wenig. Glas.
Vulkan Illimandiri bei Laren toeka. (No. 1.) — Das
feste Gestein ist deutlich porphyrisch. In der grauvioletten Grund-
masse liegen vorwiegend glasklare bis schwach milchweiße Feld-
spate. Die dunklen Gemengteile treten an Menge dem Plagioklas
gegenüber zurück. Das Gestein hat ein trachytisches Aussehen.
Der Feldspat, ein ziemlich basischer, polysynthetisch ver-
zwillingter Plagioklas, tritt in Kriställchen bis zu 3 mm Länge
auf. Die Begrenzungen sind idiomorpli. Gewöhnlich sind mehrere
Individuen zu einem Kristallkomplex verwachsen. Einschlüsse
sind selten.
Der hellgrüne Augit ist z. T. stark korrodiert. Iu einigen
Kristallen hat er noch seine geradlinigen Begrenzungen bewahrt.
Zwillinge nach (100) sind häufig.
Hypersthen tritt in kleinen schlanken Säulchen auf.
Beiträge zur Petrographie von Flores.
137
Die bräunliche, stark pleochroitiscke Hornblende ist stets
randlick resorbiert. c:c = 2 — 3°. Sie kommt weniger zahlreich
vor als Augit und Hypersthen. Augit nnd Hornblende sind oft
mit größeren Magnetitkriställchen verwachsen.
Die vorherrschende Grunduiasse besteht zum größten Teil
ans Feldspatleistchen in teilweise fluidaler Anordnung. Aus der
fast geraden Auslöschung der Leistcheu kann man schließen, daß
sie saurer sind als die Einsprenglingsplagioklase. Xebeu dem
Plagioklas tritt noch Orthoklas in allotriomorpher Begrenzung auf.
Außerdem beteiligen sich winzige Magnetitkörnchen und Augitkri-
ställchen am Aufbau der Grundmasse.
Vulkan lllimaiuliri. (Xo. G.) — Ein festes, deutlich por-
phyrisches Gestein mit kleineren und größeren Blasenräumen, die
auf ein Erstarren unter Gasexhalationen hiuweisen. Als Einspreng-
linge erkennt man fast nur Plagioklas, gelegentlich Pyroxen.
Der Plagioklas, ein Labrador, auch Labrador-Bytownit,
überragt an Größe die anderen Gemengteile. Er enthält viel
Glas eingeschlossen. Der gewöhnliche grünliche Augit ist nicht
pleochroitiscli und oft nach H O) verzwillingt. Der Hypersthen,
der auch manchmal durch Eisenhydroxyd rötlichbrauu gefärbt ist,
zeigt einen deutlichen Pleochroismus von lilarötlichen nach bläu-
lichgrünen Farbentönen. Augit und Hypersthen kommen zuweilen
auch in regelmäßiger Verwachsung vor, wobei der Kern stets aus
Hypersthen, die Umrandung aus Augit besteht. Die Pyroxeue sind
gewöhnlich 0,75 — 0,5 mm lang, doch kommt noch eine zweite
Generation vor, deren Kristalle zwischen 0, 1 und 0,05 mm schwanken.
Spärlich tritt rundlich stark resorbierter Biotit auf.
Die Grundmasse besteht hauptsächlich aus Feldspatleistchen,
die saurer sind als die Eiusprenglingsplagioklase, ferner aus wenig
Orthoklas, Magnetitkörncheu und Glasbasis.
Vulkan 111 im an di ri. Xo. 10.) — Ein festes, graues Ge-
stein mit porphvrischen Einsprenglingen von Plagioklas und Pyroxen.
Der Plagioklas ist stets polv synthetisch verzwillingt. Xeben
dem Albit- und Karlsbader Gesetz beobachtet mau vereinzelt Peri-
klinlamellen. Glaseinschlüsse sind mitunter sehr zahlreich vor-
handen. Der hellgrüne Augit ist idiomorph begrenzt, manchmal
nach (100) verzwillingt. C:c = 43°. Der Hypersthen ist
ebenfalls geradlinig begrenzt und deutlich pleochroitiscli. Er ist
nicht so häufig wie der monokline Pyroxen. Regelmäßige Ver-
wachsungen zwischen Augit und Hypersthen sind keine Seltenheit.
Spärlich tritt eine braungrüne, stark resorbierte Hornblende
auf. c:c=13°. Außerdem beobachtet man noch ein gelblich-
grünes Umwandlungsprodukt, dessen Begrenzungen auf Olivin
als ursprüngliches Mineral deuten.
Die Grundmasse ist holokristallin. Sie besteht vorwiegend
aus saurem Plagioklas, aus Augit und Magnetitkörnchen. Glas-
G. Rack, Beiträge zur Petrographie von Flores.
13S
basis ist nicht beobachtet worden. Der Magnetit ist z. T. in
Brauneisenerz umgewandelt, wodurch ganze Partien der Grnrnl-
masse rötlichbraun gefärbt sind.
3. Augitaiidesite.
Vulkan II lim an d ir i. (Xo. 3.) — Das rötliche Gestein ist
feinporös. Die Einsprenglinge sind in geringer Anzahl vorhanden.
Ausnahmslos sind es einschlußarme Plagioklase mit idiomorphen Be-
grenzungen. In der Hauptsache besteht das Gestein aus einem röt-
lichbraunen Glase, das von Feldspatuädelchen und Magnetitkörnchen
erfüllt ist. Aus der glasigen Grundmasse leuchten öfters auch stark
doppeltbrechende Körnchen auf, die wahrscheinlich Augite sind.
Vulka n 111 im an dir i. (No. 7.) — Schon mit dem bloßen
Auge ist in dem schwarzgrauen Gestein ein Überwiegen der Grund-
masse zu bemerken. Die idiomorph begrenzten, verzwillingten
Plagioklase sind deutlich zonar struiert. Der Augit ist grünlich,
nicht pleochroitisch. Die feinkörnige Grundmasse enthält Feldspat,
Augit und reichlich Magnetitkörnchen. Neben den verzwillingten
Plagioklasleistchen kommen noch Kalifeldspat vor. Glas ist nicht
beobachtet worden.
o Flores
Fig. 2.
t'l. Leidhold, Ueber angeblich gegen w. tekton. Bewegungen etc. 139
Berichtigung.
In meiner oben erwähnten Arbeit: „Petrographische Unter-
suchungen an Ergußgesteinen von Soembawa und Flores“ ist mir
bei der Berechnung der OsANx’schen Werte A und C ein Fehler
unterlaufen. Ich teile im folgenden die richtigen Werte für die
OsANN’schen Größen mit (vergl. Fig. 2).
Analyse
No.
s
A C
F
a
c
f
11
Reihe
Typenformel
I.
72,19
4,74
5,87
6,59
K -
0,0
6,8
7,7
8,0
(t
S 72,19
a5,5
C7
f7,5
n8,0
II.
70,69
4.61
6,44
7,21
5,0
Ul
7,9
7.9
((
s70.69
a5
c7
u
n7,9
IV.
65,54
4,85
6.50
11,76
4.2
5,6
10.2
7,7
(C
s05.54
a4
C6
ÜO
n7 7
V.
60,32
5,67
6.29
15.76
41
4.5
11,4
6.8
q
P
s60,32
a4
C4,5
Li,c
n6,8
VI.
64,84
5,60
6,38
11,20
4.8
5,5
9 7
8
(i
S04,84
a5
('ö,C
L),5
n8.0
VII.
58,42
4,28
8,62
15,79
2,9
6,0
11.1
8
((
S58 42
a8
C6
hl
11 8.0
VIII.
54.91
4,20
8,83
19,03
2,6
5,5
11,9
6.6
ß
S54,91
a2,ö
C5.5
h-2
11 0.6
IX.
56,63
2,68
11.59
14,85
1,8
8,0
10.2
6,5
ß
S50,03
a2
C8
üo
n6,5
XII.
53,55
6,73
3,15
28.63
3,1
L7
15,2
5,7
ß
®53,55
a3
C2
f15
n5,7
XIII.
72,76
4,98
4,35
8.58
5,6
4,9
9,5
8.9
(C
S 72.70
a5,5
c5
ko
n8,9
XIV.
57,59
4,19
5,50
23,03
2,6
3,3
14,1
9
((
S57,59
a2,ö
c3.r,
f14
n9
XV.
58,79
5,06
7.54
16.01
3,5
5.3
11.2
8,9
(C
S58,79
a3,5
C5,ö
f'll
"8 9
XVII.
72,55
4,48
4,27
9,96
4,8
4,6
10.6
7.6
(C
s72,55
a5
C4 5
ho.ö
"7,6
XVIII.
68,55
4.50
5,80
10,85
4.3
0,0
10,2
7.8
«
s68,55
a4,5
c3,5
ho
n7,8
XIX.
61,47
3,05
8,2016,03
2,2
6,0
11,8
8,3
(C
S01,47
a2,5
c(i
hl. 5
"8.3
XX
60,89
3,24
7,68
17,27
2.3
5,5
12,2
8.0
(C
sö0,89
a2.5
C5,5
h 2
"8 0
Berlin, Min.-petr. Institut der Universität, Dezember 1912.
Ueber angeblich gegenwärtige tektonische Bewegungen in
der Insel Hiddensee (Rügen).
Von CI. Leidhold in Straßburg i. E.
Schon seit längerer Zeit sind die großartigen Abrutschungen
und Abstürze und in Verbindung damit die bedeutenden Landverluste
an dem Steilufer der kleinen Insel Hiddensee, westlich von Rügen,
bekannt. Der geologische Aufbau und die Morphologie der Insel
sind schon verschiedentlich beschrieben worden von Elbert l,
1 Die Landverluste an den Küsten etc. X. Jahresbericht der geo-
graph. Gesellschaft zu Greifswald, p. 1 — 27. Über die Standfestigkeit des
Leuchtturms auf Hiddensee. Ebenda, p. 28 — 41.
140 CI. Leidhold. Ueber angeblich gegenwärtige tektonische
E. W. Schmidt1 2, M. Haltenbekger 2 u. a. Jedem Besucher der
Insel wird der Gegensatz auffallen zwischen dem bis 70 m
hohen Diluvialkern, den man wohl am besten als Stück eines
Staumoränenzuges auffaßt, und den beiden sich nach Süden
anschließenden alluvialen Inselschwänzen, dem 14,5 km langen
Hiddenseer Flachland mit dem Gellen im Westen und dem Alt
Hessin im Osten. Während an den beiden Inselanhäugen im all-
gemeinen Landzuwaclis erfolgt, wird von dem Diluvialkern Jahr
für Jahr ein breiter Streifen Landes, fast 1,5 m jährlich, abgetragen.
Die großen Abrutschungen und Abstürze am Steilufer und im Zu-
sammenhang damit das Auftreten rundlicher Bruchsysteme und Spalten
im Oberland wurden von den verschiedenen Beobachtern zurückge-
führt auf das Zusammenwirken der Brandung, der Verwitterung, der
Sickerwässer etc., also hauptsächlich auf rein exogene Vorgänge.
Neuerdings glaubt nun Prof. Jaekel3 den Nachweis bringen
zu können, daß „der Inselkern, vielleicht auch ihre Inselschwänze
noch gegenwärtig in starker Hebung begriffen ist und daß die
Bruchsysteme am Nordwestufer des Dornbusches, die noch in den
letzten Jahren erhebliche Vertikalbewegungen zeigten , der un-
mittelbare Ausdruck dieser tektonischen Vertikalbewegungen sind“.
Jaekel trennt zunächst die rundlichen Uferabbriiche im Norden und
Nordosten des Dornbusches (Swantiberg, Euddorn4) von den größeren
„tektonischen“ Störungen am Leuchtturm, Bakenberg etc. Während
erstere im allgemeinen kleinere parabolische Stücke aus dem Ufer-
raud ausschneiden, laufen die Spalten am Leuchtturm über Hügel
und Täler auch weiter vom Steilrand entfernt. Bei diesen rezenten
Störungen kämen die Spalten am Leuchtturm, am Bakenberg, Renn-
baum in Betracht , ferner der sogen. Backenqueibruch und einige
ältere Quersenken am Rennbaum und nördlich der Swantewitschlucht.
Nun sind die rundlichen Uferabbriiche im Norden der Insel,
die auch nach Jaekel ihre Entstehung rein exogenen Vorgängen
verdanken, in ihrem Ausmaß keineswegs zu unterschätzen. Es
kommen auch hier Spalten von 100 m Länge und mehr vor5;
nach jedem größeren Absturz bildet sich weiter landeinwärts ein
neuer Riß und stellt eine neue Scholle Landes zum Abbruch bereit.
1 N. Jahrb. f. Min. etc. 1910. Beil.-Bd. XXIX. p. 316 ff.
2 Über Art und Umfang des Landverlustes und Landzuwachses auf
Hiddensee. Dissertation. Budapest 1911.
3 Über gegenwärtige tektonische Bewegungen etc. Zeitschr. d. deutsch,
geol. Gesellsch. 1912. Monatsberichte No. 5.
4 Vergl. die Texttigur No. 1 bei Jaekel.
5 Nach freundlicher Mitteilung vom kgl. Wasserbauamt in Stralsund
fanden die neuesten Abrutschungen Ende September dieses Jahres 500 m
nördlich vom Kanonenschuppen in einer Länge von ungefähr 100 m statt.
Außerdem ist südlich von dieser Abrutschstelle noch eine Strecke von
150 in Länge in Bewegung.
Bewegungen in der Insel Hiddensee (Rügen).
141
Betrachten wir die große Spalte vor dem Leuchtturm auf
einer der Karten der kgl. Wasserbauinspektion W in Stralsund,
wie wir sie bei E. W. Schmidt finden (1. c. p. 355), so wird man
erkennen, daß die Spalte, deren Entfernung vom Uferrand landein-
wärts im Maximum 1 50 m beträgt, ziemlich parallel mit der Steil-
küste verläuft und dabei, wenn auch nicht vollständig, einen
vorspringenden Teil des Ufers ausschneidet , der etwa zwischen
dem Kanonenhaus und der Swantewitschlucht gelegen ist. Herr
Jaekel scheint bei seinen Untersuchungen übersehen zu haben,
daß die Bildung der Erdspalte vom Herbst 1907 weiter nichts
ist als eine neue Bewegung längs einer seit einer Reihe von
Jahren bestehenden Spalte. Der Unterschied besteht nur darin,
daß die Spalte im Herbst 1907 sich nach NNO und SSW ver-
längert hat und daß die Bewegung in dem westlichen Teil des
alten Risses, der hier nach dem Steilrand verlief, anscheinend
nicht stattgefunden hat. Ein Vergleich der ELBEitT’sclien Karte1,
wo diese ältere Randspalte eingezeiclmet ist, mit der von E. W.
Schmidt zeigt den Zusammenhang zwischen dem alten und neuen
Riß ganz klar. Erwähnen möchte ich noch , daß die Spalte
am Steiluferrand beginnt, um erst dann in wechselnder Richtung
zwischen NNO und ONO ziemlich unabhängig von der Oberflächen-
gestalt über flache Täler und Bergrücken zu verlaufen , eine Er-
scheinung, auf die bereits Schmidt (1. c. p. 348) aufmerksam
gemacht hat. Es scheint sich in dem Gebiet zwischen Swantewit-
schlucht und Kanonenschuppen allmählich jener Zustand heraus-
zubilden, den Elbert vermutet hat. Durch die Zunahme der
Rutschungen in der Swantewitschlucht und durch die Unterspülung
und langsame Abtragung der westlich des Flederberges liegenden
Mergelscholle, beginnen die Bakenberg- und Flederbergscholle all-
mählich ihren Halt zu verlieren. Damit würden nun , was das
praktische Interesse dieser Spaltenbildung anbetrifft, die Aussichten
für die Standfestigkeit des Leuchtturms keineswegs so günstig
sein, wie meist angenommen wird.
Bei dem Bruchsystem südwestlich des Bakenberges, das nach
Jaekel ebenfalls durch rezente tektonische Bewegungen bedingt
sein soll, treten uns die Abrutschungen in Form mehrerer von
einander durch erhebliche Niveauunterschiede getrennter terrassen-
förmiger Abbrüche entgegen, die z. T. als „Grabenbrüche“ aus-
gebildet sind, wie bereits Schmidt2 konstatiert hat. Man wird
auch bei diesen Bruchbildungen den parabolischen Ausschnitt aus
der Uferkante erkennen, nur ist der Radius des parabolischen
Stückes hier weitaus größer als bei den Abbrüchen am Nordufer
des Dornbusches ; der Höhenunterschied zwischen dem stehenge-
bliebenen Stück und der losgelösten Scholle ist in der Mitte am
1 Über die Standfestigkeit etc. 1. c. Tafel IV.
2 1. c. p. 322.
142
CI. Leidhold, Ueber angeblich gegenwärtige tektonische
größten und verringert sich nach beiden Seiten zum Steilufer
hin allmählich immer mehr. Wäre ein tektonischer Vorgang
die Ursache dieser Rutschungen gewesen, so müßte die Be-
wegung längs einer ziemlich flach einfallenden Verwerfung statt-
gefunden haben, was mit den „tektonischen Vertikalbewegungen"
und „Grabenbrüchen“ schwer in Einklang zu bringen ist. Bei
der Bildung des Bruchsystems südwestlich des Bakenberges spielen
die hier stark entwickelten interglazialen Sande eine wichtige
Rolle. Infolge der geringen Kohäsion der Sande können größere
einheitliche Abrutschungen, wie wir sie beim Geschiebemergel be-
obachten , nicht stattlinden ; das Land rutscht vielmehr terrassen-
förmig ab. Die Bildung der Randspalten ist auch hier nur auf
eine Massenverlagerung durch einfachen Böschungsschub zurück-
zuführen. Indem nämlich unten am Strand die Sande etc. weg-
geschwemmt werden , verlieren die Erdschollen im Oberland ihr
Widerlager und setzen sich in Bewegung, wobei die einmal vor-
handenen Niveauunterschiede zwischen den einzelnen Terrassen
und „Grabenbrüchen“ allmählich größer werden, wie die Messungen
von Elbkkt und Schmidt ergeben haben. Die ganze 800 m lange
Strecke ist also dauernd im Abrutschen begriffen. Unter-
stützt werden die Bewegungen in diesem Gebiet durch das Auf-
treten von undurchlässigen, zum Meer einfallenden C//prina- Tonen 1
und anderen marinen Tonbänken, die für die hangenden Partien
als Gleitflächen dienen.
Als weiterer Beweis für rezente tektonische Störungen werden
der sogen. Bakenquerbruch und einige andere Quersenken an-
gegeben. Diese Spalten, die senkrecht gegen den Uferrand ge-
richtet sind, sollen mit der Annahme einfacher Abstürze und Ab-
rutschungen gänzlich unvereinbar sein. Diese Annahme trifft in-
dessen nicht zu, da auch an Abrutschungen anderer Gebiete ähnliche
Querbrüche bekannt sind. Wie mir Herr Geheimrat F. Wahn-
schaffe liebenswürdigerweise mitteilte , konnte er analoge Quer-
spalten wie auf Hiddensee auch bei den Abrutschungen des
Brodtener 1 fers bei Travemünde, der Samländisclien Küste zwischen
Cranz und Roselinen, und ferner bei Rutschungen in den Septarien-
1 Über die Stellung des Cyprinentons im Diluvium gehen bei dem
Mangel klarer Aufschlüsse die Ansichten der verschiedenen Beobachter
immer noch sehr auseinander. A. Günther (Dislokationen auf Hiddensee.
1891) erklärte ihn für jungdiluvial, Drücke (Führer durch Pommern. 1899)
für präglazial. Elbkkt stellte ihn dann ins ältere Interglazial ; dieser
Ansicht schloß sich Drücke in seiner Geologie von Pommern an. Nach
den neueren Untersuchungen von Nordmann (Eem Zonere. Dänin, geol.
Undersögelse. II. 17. Referat von E. Koken im N. Jahrb. f. Min. etc. 1911.
II. p. 441) an den ungestörten Profilen von SW-.Jiitland sollen die frag
liehen Schichten ins letzte Interglazial zu stellen sein. Dagegen möchte
N. 0. Holst (Alnarps floden. Referat von E. Koken. Dies. Jahrb. 1912.
I. p. 18) den Eemablagerungen wieder ein präglaziales Alter zusprechen
Bewegungen in der Insel Hiddensee (Rügen).
143
tongraben bei Kratzwiek und Cavelwisch (nördlich von Stettin)
beobachten. Der Bakenquerbruch ist meines Erachtens nur im
Zusammenhang mit den zahlreichen radialen Spalten und Klüften
des Swantewitschluchtgebietes zu verstellen. Die am oberen Ende
der Schlucht einsetzende Querspalte dürfte nur eine Folgeerschei-
nung der Rutschungen sein, die teils auf feuchtem Ton erfolgten,
teils durch Unterspülung veranlaßt wurden.
Nach meinen Beobachtungen , die im wesentlichen mit den
Ergebnissen der Untersuchungen von Schmidt, Elbert und Halten-
berger iibereinstimmen , ist für die Abrutschungen und die in
ihrem Gefolge auftretende Spaltenbildung zunächst die geographische
Lage des Eilandes von Bedeutung. Als westlichste Insel des
ehemaligen Rügensclien Archipels ist ihr diluvialer Kern bei seiner
NO — SW-Erstreckung den in unserem Gebiet heftigsten Stürmen
aus NO über Norden bis NW in hervorragendem Maße ausgesetzt.
Nach keiner der genannten Richtungen hin ist irgendwelcher Schutz
vorhanden, so daß jeder größere Sturm zur Vernichtung des Dorn-
busches beiträgt. Die stärksten Winde wehen von Ende August
bis Mitte April. Gerade in diese Zeit fallen nun auch die großen
Abrutschungen und die Spaltenbildungen; so fanden u. a. im Ok-
tober 1 007 und Februar 1908 die von Jaekel beschriebenen
Abbrüche statt, nachdem beide Male ein heftiger Sturm voran-
gegangen war. Bei gewöhnlicher Brandung besteht die Arbeit des
Meeres darin, aus dem abgerutschten und ins Meer vorgeschobenen
Material die feineren Bestandteile heranzuschlämmen, während die
größeren Geschiebe sich am Strande allmählich anhäufen.
Der Küstenstrom sorgt dafür, daß die in die See geführten
Partikelchen nicht zum Absatz gelangen, sondern südwärts trans-
portiert werden. Während bei gewöhnlicher Wellenbewegung das
Meer nur an zwei Stellen das eigentliche Steilufer erreicht, greift
die Brandung bei starken Stürmen auch unmittelbar die ganze
Küste an , wobei es zur Bildung von Hohlkehlen und Höhlen
kommt. Indessen ist ihre Entstehung meist auf eine einfache Aus-
waschung von Sandschmitzen zurückzuführen, die im Geschiebe-
mergel auftreten. Gleichzeitig werden die am Ufer ausstreichenden
interglazialen Sande ausgewaschen und bedingen dadurch ein Ab-
rutschen der darüber liegenden Massen. Ebenso wirken die unten
am Strand auftretenden Tonbänke, die z. T. unter den Meeres-
spiegel reichen , wenn sie von dem Meerwasser durchtränkt und
zum Ausquellen gebracht werden L Bei starken Stürmen wird
1 Derartige Vorgänge dürften zu den als Subsolifluktion bezeichneten Er-
scheinungen zu rechnen sein (A. Heim, N. Jahrb. f. Min. etc. 1908. II. p. 136.)
Eine gröbere subaquatische Rutschung scheint vor ungefähr 35 Jahren vor
dem Tietenufer stattgefunden haben. Wie Elbert berichtet (Über die
Standfestigkeit etc. p. 19) soll damals eine Insel aus dem Meer emporgestiegen
sein, die .,ganz mit den Blöcken des Unterwasserstrandes bedeckt war“.
144 CI. Leidhold, Heber angeblich gegenwärtige tektonische
auch der im Laufe der Zeit sicli bildende Strandwall , welcher
sonst immerhin etwas Schutz gewährt, von den Wellen weggeräumt.
Dazu kommt im Winter die Wirkung der gegen die Küste an-
getriebenen und angeschobenen Eismassen.
Es würde den Rahmen dieser Mitteilung überschreiten . im
einzelnen auf alle die Vorgänge und Kräfte einzugehen, die eine
Massenverlagerung in den Erdschollen und damit ein Abrutschen unter
Bildung von Spalten und Klüften auf Hiddensee hervorrufen. Es mag
nur hingewiesen werden auf den Einfluß der Temperaturdifferenzeu,
des Spaltenfrostes , der durch die Zerklüftung des Mergels (Dia-
klasen) wirksam unterstützt wird , auf die Auflockerung des Ge-
schiebemergels infolge der eindringenden CO,-haltigen Tageswässer,
auf die Wirkung von Wind, Regen und Schnee, die für die Fort-
führung des Verwitterungsschuttes sorgen und damit neue Flächen
freilegen und z. T. selbst aktiv das Steilufer angreifen. Der
Regen hinterläßt bis metertiefe Erosionsi illen, die, sich nach hinten
allmählich verlängernd, zur Abtrennung einzelner Grate führen.
Von besonderer Bedeutung für die Abrutschungen sind die Sicker-
wässer und die Quellen in Verbindung mit der wechselreichen
Schichtenfolge. Die Niederschlagswasser sammeln sich auf den
undurchlässigen Tonen resp. dem tonigen unteren Geschiebemergel
und durchtränken sie, wodurch die hangenden Partien bei dem
Einfallen der Schichten zum Meer unter Bildung von Spalten und
Klüften in gleitende Bewegung gebracht werden. Dieser Vorgang
ist eine ganz gewöhnliche Erscheinung an dem Steilufer zwischen
Hucke und Enddorn. Über das Auftreten der sogen. Wassersäcke,
schlammerfüllten Einbruchskesseln an der Grenze von Sand und
Mergel, über ihre Entstehung und Wichtigkeit bei den Abrutschungen
und der Spaltenbildung findet man eingehende Beschreibungen bei
Emsekt und Schmidt.
Nach Gredner1 käme für die Abbruche und Zerreißungen
der Diluvialmassen am Dornbusch hauptsächlich der Umstand in
Betracht, daß „sich die westliche Steilküste gegenwärtig bereits
bis in unmittelbare Nähe der Kulminationslinie des Hügelrückens
vorgeschoben hat , und dadurch einer Sackung und einem immer
weiter um sich greifenden Fortschreiten der Abrutschung des stehen-
gebliebenen Hügelrestes nach jener Steilseite hin in hohem Grade
Vorschub geleistet ist“. Auffällig ist ferner, daß die rezente tek-
tonische Spaltenbildung gerade auf das Gebiet der stärksten Ab-
tragung beschränkt ist und dabei vom Ufersteilrand im Maximum
nur 150 — '200 m entfernt ist. Es drängt sich dabei die Frage auf,
weshalb nicht auch weiter im Innern des Dornbusches oder an
der entgegengesetzten Küste, am Schwedenufer, derartige durch
Hebung bedingte rezente Spalten vorhanden sind.
1 R. Crednf.r, Rügen. Eine Inselstudie. Forschungen zur deutschen
Landes- und Volkskunde. VII. 1893. p. 479.
Bewegungen in der Insel Hiddensee (Rügen).
145
Jaf.kei. möchte nun auch für die Entstehung der beiden
Inselschwänze eine Hebung annehmen. Nur mit Hilfe einer posi-
tiven Strandbewegung von 1.$ bis 2 in glaubt er die 1 4 , ö km1
langen Landmassen des Hiddenseer Flachlandes erklären zu können.
Der nördliche Teil dieses Inselanhanges wird nun sicherlich aus
dem weggeführten Material des Dornbusches gebildet sein ; darauf
deutet schon die Zunahme der Menge und Korngröße der Gerolle
mit der Annäherung an den Diluvialkern 2 3 4 5 6.
P. Lehmann * ist sogar der Meinung, daß von dem ehemaligen
Dornbusch die Hälfte bereits unter Wasser liegt: Die Frage nach
der Herkunft der kolossalen Sandmassen am Darss , Zingst und
auf Hiddensee Siid ist schon von Deecke 4 beantwortet. Deecke
kommt auf Grund eingehender Untersuchungen zu dem Resultat,
daß diese Sandmassen dem jetzigen Plantagenetgrund (nordwest-
lich von Hiddensee) entstammen, der zur Ancylus- Zeit als Stück
eines Stanmoränenzuges über den jetzigen Meeresspiegel ragte.
Mit dem hereinbrechenden Litorina-Meer wurde dieser Diluvialkern
völlig abgetragen ; die weggeführten Massen setzten sich dann
allmählich an den Inselkerneu und im Hinterland an. Für den
südlichen Teil des Hiddenseer Flachlandes wurde die Anschwem-
mung noch verstärkt durch den am Zingst entlang laufenden
Küstenstrom. Diese Anlagerungen von Sand im Süden der Insel
linden noch gegenwärtig in großem Maße statt , so daß dauernd
einer der größten Saugbagger der Ostsee damit beschäftigt ist, die
Fahrrinne zwischen der Insel und dem Festland vor der völligen
Versandung zu schützen. Der Landzuwachs am Gellen betrug
nach E. Bollj und Haltexberger vom Jahre 1695 — 1835, also
in noch nicht 150 Jahren 1300 m; am östlichen Inselschwanz Alt-
Bessin ca. 500 m. An letzterem erfolgte ferner von 1835 — 1886
noch ein Zuwachs von 200 m. Wie rasch die Hakenbildung und
Verlandung seit der Litorina- Zeit im Ostseegebiet vor sich gegangen
ist. konute neuerdings Keilhack 6 an der Verlandung der Svvine-
1 .Taekel spricht irrtümlicherweise von einem 16 km langen Insel-
schwanz.
2 Vergl. G. Braun. Entwicklungsgeschichtliche Studien an europäi-
schen Flachlandküsten und ihren Dünen. Veröffentlichungen des Instituts
für Meereskunde. 1911. Heft 15. p. 18.
3 P. Lehmann, Probleme der Morphologie Rügens. Verhandl. d.
17. deutsch. Geographentages in Lübeck 1909.
4 W. Deecke. Ein Versuch, die Bänke der Ostsee vor der pommer-
schen Küste geologisch zu erklären. X. Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XX.
1905. p. 445.
5 E. Boll , Geognosie der deutschen Ostseeländer zwischen Eider
und Oder. Neubrandenbnrg 1846. p. 55.
6 K. Keilhack. Die Verlandung der Swinepforte. Jahrb. d. K. Preull.
geol. Landesanst. 1912. II. p. 209.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913. 10
146
B. Hundt,
pforte zeigen. Die Erklärung des Hiddenseer Flachlandes als
eines einfachen Anschwemmungslandes gewinnt noch mehr an
Wahrscheinlichkeit, wenn man mit Jaekel in diesem Inselschwanz,
verschiedene Inselkerne annimmt; an ihnen setzten sich bald
die angespülten Sande an, und die einzelnen Kerne verwuchsen
so in relativ kurzer Zeit zu dem einheitlichen Hiddenseer Flachland.
Nach allem scheint mir weder eine Hebung der Inselanhänge
noch des Diluvialkerns von Hiddensee erwiesen. Die angeblich
rezenten tektonischen Brüche und Spalten am Dornbusch sind
zurückzuführen auf einfache „Translokationen“, die durch eine
Anzahl örtlich stark entwickelter Kräfte und Vorgänge wirksam
gefördert werden. Die Inselschwänze sind nach der Lüorina- Zeit
durch einfache Anschwemmung entstanden und verdanken ihr
Material teils dem Dornbusch, teils dem Plantagenetgrund.
Die Eiszeit im Frankenwalde.
Von Rudolf Hundt in Gera.
Mit 5 Textfiguren nach Originalphotographien.
Für den Frankenwald glaubte man schon einmal eine regel-
rechte Vergletscherung nachgewiesen zu haben. In dem Gehänge-
sclmtt von Wurzbach und Saalburg sah Dathe 1 die Beweise eines
eiszeitlichen Gletschers , durch den diese Lokalmoränen erzeugt
worden seien. Zimmermann 'l wies jedoch zuletzt einwandfrei nach,
daß es sich nicht um Lokalmoränen eiszeitlicher Gletscherwirkungen
handele , sondern daß das verdächtige Material durch Abgleiten
des Gehängeschuttes in seine jetzige sekundäre Lage gekommen
ist. Schon vorher, im Jahre 1884, führte Penck die Beobach-
tungen von Dathe als „pseudoglaziale Erscheinung“ an. Wenn
nun auch Grund- und Endmoränen im Sinne einer nordischen Ver-
gletscherung nicht nachzuweisen sind, so sprechen mehrere Er-
scheinungen doch entschieden dafür, daß die Eiszeit, die in ihrer
größten Ausdehnung bis fast an den Frankenwald heranreichte,
nicht ohne Spuren an diesem Gebirge zu erzeugen, vorübergegangen
ist. Liegt doch dieses Gebirge in der Zone, in der die „peri-
glaziale Fazies der mechanischen Verwitterung“, wie Professor
Dr. Walery von Lozinski3 die durch Eisesnähe bedingte Erhöhung
1 Dathe, Gletschererscheinungen im Frankenwalde und vogtländischen
Berglande. Jahrb. d. Geol. Landesanstalt. 1881. p. 317 — 330.
2 Zimmermann: Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellsch. 1899. p. 20 u. 21
Dieselbe Zeitschrift. 1899. p. 14. Erläuterung zu Blatt Lobenstein der
Geologischen Spezialkarte.
3 Lozinski, Die „periglaziale Fazies“ der mechanischen Verwitterung.
Bulletin international de l’Acadeinie des Sciences de Cracowie. Classe des
Sciences mathematiques et naturelles, p. 10—25. — Ders., Die periglaziale
Fazies der mechanischen Verwitterung. Naturwissensch. Wochenschrift.
Neue Folge. X. p. 641 — 647.
Die Eiszeit im Frankenwalde.
147
der Spaltenfrost Wirkung nennt , herrschen mußte. Und die Ver-
öffentlichungen Lozixski’s regten mich , wie auch Gespräche mit
Herrn Landesgeologen Prof. Dr. E. Zimmermaxx an, die Erschei-
nungen zu beobachten, die sich sehr gut durch dieses Phänomen
erklären lassen. Herrn Prof. Dr. Walery yox Lozixski danke ich
auch hier für seine stetige, liebenswürdige Auskunft und Herrn
Bergreferendar Manfred yox Ehrensteix für seine photographischen
Aufnahmen.
Von den Erscheinungen, die der Eiszeit im Frankenwalde
ihre Entstehung bezüglich Weiterbildung verdanken, führe ich an :
1 . Talformen im 0 b e r 1 a u fe mit Xivation am Tal-
Schlüsse.
Der südliche Eisrand nordischer Vergletscherung zog sich
bis ins Jndental bei Gera im Vorlande des Frankenwaldes hin. Es
ist überhaupt der weiteste südlichste Vorstoß, den das Inlandeis in
Thüringen aufwies mit i>0°48'30" nördlicher Breite. Das in Frage
stehende Gebiet periglazialer Fazies mechanischer Verwitterung
liegt im Mittel 5uu22' — 30' nördlicher Breite. Die Annäherung
beider Gebiete ist demnach eine größere als in den anderen deut-
schen Mittelgebirgen , in denen Lozixski Blockmeere beschrieben
hat, wie Hochwald im Hunsrück, Felsberg im Odenwald. Dieser
nahe Eisrand war für die Erniedrigung der Temperatur von großer
Bedeutung, denn die Erhöhung der Spaltenfrostwirkung wurde
durch solche Nähe aufs höchste gesteigert. Die härtesten Gesteine
mußten dem Spaltenfrost nachgeben und in Bänke zerfallen, deren
lockere Anhäufung den späteren Wasserläufen leichtere Arbeit
beim Schaffen einer Talsohle bereitete.
Daß dieses , durch Eisnähe tiefgehaltene Klima auf dem
Franken walde erlaubte, Schneeanhänfungen zu bilden, erhält eine
Stütze in den oberen Talformen der Frankenwaldtäler. Die
neuerschienenen Blätter der geologischen Karte von Lobenstein
von Zimmermaxx und die .geologische Karte der Umgebung von
Bad Stehen im Franken walde“ von Karl Walther zeigen die
wannenförmigen Quellgebiete der Bäche recht gut. Es ist merk-
würdig und auffallend, daß man in dem Franken wald in der Kegel
an den Bachlänfen zwei deutlich verschiedene Talformen studieren
kann.
Die eine zeigt sich im Oberlaufe, im Quellgebiet, die andere
talabwärts ist ein typisches Erosionstal. das sich bis zur Mündung
hinzieht. Der Oberlauf dieser Bäche ist muldenförmig verbreitert.
Steht man in ihm, so hat man nie das Gefühl, sich im Tale eines
Baches zu betinden. Wie eine flache Schüssel, aus der ein Viertel
herausgebrochen ist, liegen diese Talschlüsse da. Meist sind sie
vermoort oder vom eluvialen Lehm angefüllt, dem örtlich reichlich
Blöcke anstehenden Gesteins eingelagert sind (Gemäßgrnnd). Manche
gleichen Riesenschüsseln wie der Gemäßgrund bei Lobenstein,
10*
148
R. Hundt,
andere, von geringerem Umfang sind lieblich und vor allem typisch
(Sclilegelbach oder Saubach). Siehe Abb. I.
Abb. I. Im „embryonalen Kar“ des Sclilegelbaches. Rechts, nicht mehr auf
der Abbildung sichtbar, liegt das Dorf Schlegel. Man sieht deutlich die sanfte
Linie, die das Kar begrenzt. Links, am Walde, beginnt das Erosionstal,
das sehr bald tief einschneidet. Im Hintergründe die Stebener Rerge.
Am typischsten sind sie in der Nähe von Stehen und Ober-
steben und in der Nähe des Lobensteiner Culm zu studieren. Hier
sind sie der Frankenwald-Fastebene vorzüglich zur vertikalen
Gliederung geeignet.
Der Schnee, der sich in ihnen anhäufte, scheint zur Zeit der
größten Inlandvereisung verfilmt gewesen zu sein und in größerer
Ausdehnung aus der talabwärts liegenden Öffnung des „embryo-
nalen Kars“, wie Lozixski 1 diese Nivation am Talschluß nennt,
herausgeflossen zu sein , so dem zukünftigen Tale seinen Weg
weisend, der so dem Gelände in voller Breite eingeschliffen wurde.
Die flächenhafte Erosionswirkung des verfilmt gewesenen Schnees
verursachte diese Karwirkung, die im Frankenwald nirgends solche
lokale Endmoränen aufweist, wie z. B. die Kare im Riesengebirge.
Vielleicht waren sie aber doch vorhanden und sind erst nachträglich
zerstört worden, wie die Blockmeere im Stebenbach, Thüringer
Moschwitz , Hohlebruunental anzudeuten scheinen. Die Schnee-
anhäufung in diesem oberen Teile rief auch eine tiefgründige Ver-
witterung in situ hervor, durch die ein Teil jener Formation ent-
standen ist und weiter fortgebildet wurde , die man als Eluvium
1 Lozinski , Quartärgeologische Beobachtungen und Betrachtungen
aus Schweden Aus der Natur. Sonderabzug, p. 617 — 630.
Die Eiszeit im Frankenwalde.
149
kartierte1. Und vielleicht waren alle Talscliliisse früher mit elu-
vialein Schutt angefüllt, den dann das Wasser der postdiluvialen
Zeit teilweise ganz ins Tal verfrachtete, wenigstens geschah es
sicher mit den feineren Verwitterungsprodukten, denn sehr oft finden
sich in den Talschliissen nur noch vereinzelte, gerundete Blöcke.
Vielleicht hat auch Menschenhand von hier manchen großen Stein
zum Häuserbau weggeschleppt. Viele von ihnen hat das Moor
und der Rasen eingegraben. Diese spärliche Blockbestreuung be-
obachtete ich besonders im Thüringer Moschwitztale, dessen Xeben-
tälern (Hohlebrunnental , Tal nach dem Knöcklein , Tal nach
Langenbach). Die Vegetation hat aber gerade an diesen Stellen
sehr viel Blockmaterial zugedeckt.
Eine merkwürdige Tatsache stellte sich heraus, als die Höhen-
linien der einzelnen Talschlüsse untereinander verglichen wurden.
Außer dem Lohbachtal bei Steben (512 m) liegen alle in Frage
kommenden Talschlüsse in ungefährer Höhe von 620 — 650 m.
Im folgenden seien die Bäche angeführt , die am Quellgebiet
Xivation in Form embryonaler Kare aufweisen:
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
y.
10.
11.
12
13.
14.
15.
Koselbach mit den Eibig-Wieseu 650
Kabiesgrund bei Lobenstein 640
Gemäßgrund am Sieglitz 650
Langwassertal 650
Schlegelbach 616
Steben bacli 552
Binsig 600 — 620
Thüringer Moschwitz 640
Tal nach der Thüringer Moschwitz vom Knöcklein 625
Tal nach der Thüringer Moschwitz von Langebach 640
Tal der Ölsnitz bei Geroldsgriin 640
Lohbachtal 542
m
7)
7)
7)
7
7)
7
71
7)
7)
Thierbachtal bei Steben 600
Tal von Harra nach Kießling 560
Hohlebrunnental 640
Auf Blatt Hirschberg kommen in der Xähe von Göttengrün
die Talformen in Betracht, die später einmal genauer beschrieben
werden sollen. Auf dem eben im Buchhandel erschienenen Blatte
Hirschberg der Geologischen Karte von E. Zimmermaxx sind die
hier in Betracht kommenden Talformen sehr gut dargestellt.
Diese „embryonalen Kare“ sind allem Anschein nach gleich
bei Beginn der Eiszeit mit Schneeanhäufungen und während der
Eiszeit hindurch fortwährend davon erfüllt gewesen. Sie sind der
1 Zimmermaxx gibt in den breiten Talmulden des Blattes Hirschberg
auch Eluvium an, kartiert es aber nicht genau, um die wichtigere Gesteins-
unterlage kartographisch festzulegen. Erläuterung zur Karte, p. 206.
150
R. Hundt.
älteste Teil des jetzigen Tales, das sich damals als erstes tieferes
Niveau der präoligocänen Fastebene, wie sie Phiuppi 1 darstellt,
einnagte. Es ist auch beachtenswert, daß sich die schiisselförinigen
greisenhaften Täler nur in härteren Gesteinen vorzüglich erhalten
haben wie in Diabasen , oberkambrischen Quarziten , kontakt er-
härteten Devonschichten. Im Culmgebiet hingegen können die
Talschlüsse ebenso gebildet gewesen sein , aber die postglaziale
Zeit hat mit Hilfe des Wassers den Typus sehr bald verwischt.
Das zeigen die Talschlüsse im Friesangebiete bei Ebersdorf auf
Blatt Lobenstein. Als dann mit dem Rückzug des nordischen
Eises von seinem südlichen Vorsprung eine Erhöhung der Tem-
peratur und eine Verminderung der Wirkung des Spaltenfrostes
eintrat, fingen die Schnee- und Firnanhäufungen auch an zu
schmelzen. Das Wasser floß der natürlichen Abdachung nach auf
der Fastebene geradlinig der tiefsten Stelle zu, an der schon ein
größeres Gewässer die gesammelten Bäche aus dem Gebirge in
die von Eis befreiten Teile der Ebene führte. Die nicht wenigen
Tauwässer, sehr reich an Schutt und Schleifmaterial des Kar-
eluviums , schliff sich sehr bald ein enges Tal ein , in dem die
Wasser nach der tieferliegenden Gegend rauschten. So entstand
die zweite Hälfte, das Erosionstal der Frankenwaldbäche, das sich
mit größerem Gefälle nach dem Hauptfluß hin senkt, während die
oberen Talschlüsse nur sehr geringes Gefäll aufweisen. Die
typischsten Beispiele trifft man im Abfluß des Gemäßgrundes (Sieg-
litzbach), Thüringer Moschwitz unterhalb der Krötenmühle, Schlegel-
bach, Stebenbacli an. Auf Abb. I sieht man, wie sich am offenen
Ausgange des embryonalen Kars das Tal sofort zum Erosionstal
verengt. An dieser Verengung erkennt man häufig eine Anhäufung
von Blockmaterial, besonders charakteristisch am Stebenbacli, oder
man sieht nackte, hochragende Felsen an der Talverengung wie
am Schlegelbach. Es wird dadurch die Vermutung mehr zur Tat-
sache erhärtet, daß sich vielleicht der verfilmt gewesene Schnee nach
der Öffnung des embryonalen Kars hin bewegte und durch seine
durch Schleifmaterial erhöhte Flächenerosion das Kar bedeutend
erweiterte und rundete. Auf diese Weise können auch die An-
häufungen von Blockmassen an dem Übergang von embryonalem
Kar zum Erosionstal erklärt werden (Stebenbacli , Unteres Holile-
brunnental , beide Blockmeere im Tale der Thüringer Moschwitz),
wenn man sich vorstellt, daß dorthin an jene Stelle die Blöcke
hingetrieben wurden, deren Wanderung aber wegen der Enge des
Erosionstales unterbrochen werden mußte. Abb. II läßt uns in
ein solches Tal, das Hohlebrunnental, hineinsehen, das deutlich
den Typus der oberen Franken waldtäler aufweist.
1 Philippi, Ueber die präoligocäne Landoberfläche in Thüringen.
Zeitselir. d. deutsch, geol. Gesellsch. .1910. p. 305 — 404.
Die Eiszeit im Franken walde.
151
Abb. II. Blick vom Tale der Thüringer Möschwitz in das Hohlebrunnen-
tal mit vereinzelter Blockbestreuung. Hechts steigt das Gelände zum
Lobensteiner Culm an. Das Tal zeigt Nivation am Talschlusse. Steht
man auf der Höhe, dann blickt man ins Langwassertal hinein.
Blockmeere.
Das, was Lozinski in den oben erwähnten deutschen Mittel-
gebirgen vor allen Dingen als Beweis für die Wirkung der peri-
glazialen Fazies der Verwitterung ansieht , sind die Blockmeere.
Von ihnen erwähnt er a. a. 0. p. 1 0 im Odenwald das Auftreten
in eruptivem Gesteine.
Der Frankenwald zeigt wie der Odenwald in den mir dazu
gehörenden Blockmeeren ebenfalls in erster Linie Eruptivgesteine,
daneben auch feste, schwer verwitternde altpaläozoische Quarzite.
Zum großen Teile, davon zeugen wenigstens die spärlichen Block-
bestreuungen, z. B. im oberen Teile der Thüringer Moschwitz, sind
diese früher sicher zahlreicher vorhandenen Blockmeere durch
spätere, vielleicht mit großer Wasserfülle ausgestatteten Wasser-
läufe zerstört worden und mancher Block, der jetzt im jüngeren
Erosionstal die Romantik dieses Teiles mit erhöhen hilft, ist durch
solche Kräfte aus seiner primären Lagerstätte herausgerissen
worden. Auch die zwei typischen Blockmeere , wie sie uns die
Abbildungen aus dem Thüringer Moschwitztal zeigen, liegen auf
sekundärer Lagerstätte. Also hat auch sie irgendwelcher Trans-
port entweder durch verfilmten Schnee oder durch Abschmelz-
wasser der verfirnt gewesenen Talschlüsse auf diese Lagerstätte
gebracht. Für einen solchen Transport mit einem unbekannten
Beförderungsmittel spricht auch die Art der Lagerung im Thüringer
Moschwitztale. Steht man bachaufwärts und blickt das Tal hin-
152
R. Hundt
unter, so kann man beobachten , wie sicli aus der Art der Lage-
rung der Blöcke eine Dreiecksforin konstruieren läßt, deren Basis
bacliaufwärts und dessen Spitze bachabwärts liegt. Bei dem
Blockmeer, wie Zimmermann a. a. 0. schon diese Anhäufung an
der Krötenmühle nennt, ziehen sich auch von den linken Hängen,
die nordwärts liegen, Blockmeere ins Tal, ohne daß sie beim
Blockmeer im Tale den charakteristischen Dreieckstyp verwischen.
Abb. III und Abb. IV. Zu diesem Blockmeer hat Paläopikrit das
Material geliefert. Die Blöcke machen , halb von Moor bedeckt,
den Eindruck erratischer Wanderblöcke, die auch irgendwo in der
norddeutschen Tiefebene liegen könnten. Denselben Eindruck
rufen die Blöcke hervor, die 750 in bachabwärts liegen. Nur
Abb. III. Blockmeer am nördlichen Berglmng nach der Krötenmühle im
Thüringer Moschwitztale. Die Paläopikritblöcke ziehen sich ins Tal hinab,
die kahlen Höhen im Hintergründe steigen nach Stehen und Carlsgrün
hinan und lassen andere Talschlüsse mit Nivation erkennen.
sind sie schon tiefer in die Rasenfläche eingelagert, so daß dieses
Blockmeer schwieriger zu erkennen ist. Abb. V. Hier liegen
aber die Paläopikritfelsen sicher auf sekundärer Lagerstätte, weil
das Erosionstal der Thüringer Möschwitz an dieser Stelle zwischen
Oberem Cambrium fließt. Wieder besitzt das Blockmeer die cha-
rakteristische Dreiecksform. Weiter oben wurde schon eine Block-
bestreuung erwähnt, die sich in den Talschlüssen bis hinauf in
den obersten Teil zieht (Tal nach dem Knöcklein, nach Langen-
bach, Hohlebrunnental). Abb. II. Es lagern dabei immer nur
einzelne größere Blöcke über die große Fläche hingestreut. Die
anderen kleineren Blöcke hat der Rasen vollständig eingedeckt.
Die Eiszeit irn Frankenwalde.
153
Zu diesen Blockanhäufungen ist wolil auch das Blockmeer auf dem
Lobensteiner Cnlm zu rechnen, dessen Spitze so charakteristisch
steil über der Umgebung- herrscht. Diese höchste Kuppe (729,2 m)
ist ganz zerklüftet. Die Blöcke aus Diabas liegen wirr durch-
einander. Alles macht den Eindruck, als hätte die postdiluviale
Zeit nicht genügt, diese Felsmassen so stark zu verwittern. Der
erhöhte Spaltenfrost war hier an diesem Lobensteiner Culm tätig,
der als Nunatek rings aus den mit verfilmtem Schnee angefüllten
Talschlüssen herausschaute, die gerade um ihn herum in Menge
liegen (Hohlebrunnental, Thüringer Moschwitz, Fränkische Mosch-
witz , Gemäßgrund , Schlegelbach, Langwassertal). Der Spalten-
frost mußte so. seine vernichtende Wirkung in erhöhtem Maße an
Abb. IV. Blockmeer im Tale der Thüringer Möschwitz an der Kröten-
miilüe. die wenig talaufwärts von dieser Stelle aus liegt. Nach links hin
steht dieses Talblockmeer mit dem auf vorhergehender Abbildung dar-
gestellten in Verbindung. Vergleicht man es mit der Abb. V, so erkennt
man bei dem hier eine größere Breite.
dieser so deutlich hervortretenden Bergspitze verrichten. Auf den
Feldern liegen auffällig viele Blöcke. Sie bedecken die flachen
Abhänge des Berges. Sie sind an den Feldrainen meistens zu
natürlichen Mauern aufgeschichtet. Viele von ihnen haben später
Wasser und Wind weiter hinab ins Tal geführt. Mir scheint
dieses Blockmeer , das von geringer horizontaler Ausdehnung ist,
neben einem weiter unten zu erwähnenden das einzige auf pri-
märer Lagerstätte liegende zu sein. Leider war es unmöglich,
eine annähernd gute Photographie zu bekommen, weil von diesem
154
R. Hundt, Itie Eiszeit im Frankenwalde.
Blockmeer die Vegetation (Baumwuchs) Besitz ergriffen hat. Das
andere, auf primärer Lagerstätte nicht mehr klar zu erkennende
Blockmeer liegt auf dem Bergrücken , den der Weg von der
Krötenmühle nach Schlegel übersteigt. Auf der Höhe liegen hier
mächtige Diabasblöcke, die man jetzt zu Mauern um die Felder auf-
geschichtet hat. Hier hat die Menschenhand, um Land für den Acker-
bau zu gewinnen, die Blöcke von ihrem alten Lagerplatz entfernt.
Zu der periglazialen Fazies mechanischer Verwitterung
scheinen auch die ungeheuren Blockanhäufungen zu gehören , die
an manchen Stellen an Steilrändern unserer Erosionstäler in der
Nähe der Mündung liegen. Sie lagern immer auf der Südseite
Abb. V. Blockmeer 750 iti talabwärts von der Krötenmühle. Im Hinter-
gründe ziehen sich die Berghänge, enger und steiler werdend, zusammen
und formen das jüngere Erosionstal der Thüringer Möschwitz
der Täler, wo der Spaltenfrost nachweisbar am stärksten wirken
muß, in dem Teile des Tales, wo es sich weitet, also dem süd-
lichen Sonnenstrahl günstige Gelegenheit zur Wirkung bietet. Die
schönsten solcher Blockanhäufungen, die noch nicht von einer
Vegetation bewachsen sind und die einen kahlen, öden Eindruck
hervorrufen , sah ich am rechten Ufer der Wettera, kurz bevor
sie bei Klosterhammer in die Saale mündet. Das Material zu
diesen eckigen, ziemlich großen Blöcken lieferte Diabas und
kontakterhärteter unterdevonischer Schiefer. Auch am Unterlauf
der Thüringer Moschwitz treten solche Flächen auf, deren einziger
Bewohner Himbeersträuehe sind. Einen großen Teil des Materials,
das ehedem der Spaltenfrost so locker verwittert hatte, hat auch
das überschwemmte Bächlein dann mit sich fortgeführt.
H. Balss, Ueber fossile Galatheiden.
155
Ueber fossile Galatheiden.
Yon Dr. Heinrich Balss,
Assistent an der zoologischen Staatssammlung (München).
Mit 1 Textfigur.
Unsere Kenntuisse der fossilen Galatheiden sind bisher außer-
ordentlich gering; Ortmann (Bronn’s Klassen und Ordnungen
p. 1307) sagt, daß sie fossil überhaupt unbekannt seien und auch
in der von F. Broili bearbeiteten zweiten Auflage von K. v. Zittel’s
Grundzüge der Paläontologie heißt es (p. 514), daß die Bestim-
mungen nur unsicher seien. Angeregt durch die Bearbeitung der
(rezenten) Galatheiden der deutschen Tiefsee-Expedition „ Valdivia“
unterzog ich das in der hiesigen paläontologisclien Staatssammlung
aufbewahrte Material einer Revision. Für die Überlassung dieser
Sammlung sage ich Herrn Professor Dr. A. Rothpletz und Herrn
Privatdozent Dr. E. Dacque meinen besten Dank; Herrn Professor
Dr. E. Stromer von Reichenbach bin icli die Anregung zu dieser
Arbeit und für manchen Hinweis verpflichtet. Herr Professor
E. Fr aas (Stuttgart) hat mich ebenfalls durch Zusendung von Ma-
terial unterstützt.
I. Liste der bisher beschriebenen Arten.
Soweit ich in die Literatur eindringen konnte, fand ich bisher
folgende Arten erwähnt, deren Beschreibung sich allerdings nur
auf die Form des Carapax stützt:
Oberster Weißer Jura.
1. Gastrosaccus Wetzleri H. v. Meyer. 1856. p. 51. Taf. X Fig. 3 und 4.
„ „ „ „ „ 1860. p. 219. Taf. 23 Fig. 34.
„ „ W. Mörike. 1897. p. 46.
„ r J. Carter. 1898. p. 18. Taf. I Fig. 3.
= Prosopon aculeatmn Qüenstedt (Der Jura), p. 779. Taf. 35
Fig. 46 und 47.
= Galathea acutirostris W. Mörike. p. 53. Taf. VI Fig. 7.
Diese Form wurde zuerst von H. v. Meyer zu den Proso-
poniden, also den primitivsten Brachyuren gestellt; allein Mörike
wies mit vollem Rechte nach, daß die Form eine Galatheide sei.
da die Gestalt des Carapax wie die Oberflächenskulptierung
bei beiden gut übereinstimme.
Vorkommen: Weißer Jura, Örlinger Tal, Niederstotzingen
(Württemberg), Stramberger Schichten bei Stramberg etc. (Mähren),
Coral Rag of LJpware (England).
2. Galathea eatecta Mörike. 1897. p. 52. Taf. VI Fig. 5. Remes. 1895.
p. 200.
Vorkommen : Stramberger Schichten, bei Mischlowitz etc. (Mähren)-
3. Galathea Zitteli Mörike. 1897. p. 52. Taf. VI Fig. 6. Remes. 1895.
p. 200.
Vorkommen: Stramberger Schichten bei Wischlitz, Stramberg
(Mähren).
156
H. Balss.
4. Galathea antiqua Mörike. 1897. p. 54. Taf. VI Fig. 4.
Vorkommen: Stramberger Schichten (Mähren).
5. Galatliea Meyeri Mörike. 1897. p. 55. Taf. VI Fig. 8.
Vorkommen: Stramberger Schichten (Mähren).
6. Galathea verrucosa Mörike. 1897. p. 55. Taf. VI Fig. 9.
Vorkommen: Stramberger Schichten (Mähren).
7. Galatliea striata Remes. 1895. p. 200. Fig. 3.
Vorkommen: Stramberger Schichten, Stramberg (Mähren).
8. Galathea tuberosa Remes. 1895. p. 200. Fig. 4.
Vorkommen: Stramberger Schichten, Stramberg.
*
Marine oberste Kreide.
9. Galathea strhjifera Steenstrup. Segerbeiic», 1900. p. 6. Taf. I Fig. 2.
Vorkommen : Faxekalk, Skandinavien.
10. Galatliea mitnidoides Segerberg. 1900. p. 7. Taf. I Fig. 5.
Vorkommen: Faxekalk, Skandinavien.
11. Galatliea ubagliesii Pelseneer. 1886. p. 167.
Vorkommen: Mastrichtien von Limburg.
12. Munida defecta Segerberg. 1900. p. 8. Taf. I Fig. 6. Woodward.
1901. p. 490.
Vorkommen: Faxekalk, Skandinavien.
Marines Tertiär.
13. Galatliea uffinis Risturi. 1886. p. 36. Taf. II Fig. 18.
„ ., Lörenthey. 1909. p. 228.
Vorkommen: Pliocan Siziliens und Sardiniens.
14. Falaeomunida defecta Lörenthey. 1902. p. 103.
Vorkommen: Tertiär Ungarns (Kleiner Schwabenberg bei Bu-
dapest).
1 1. Gehören diese Formen zur Klasse der Galatheiden ?
Die bisherige Annahme, daß diese Formen zu den Galatlieiden
zu stellen seien, stützte sich besonders auf die Form des Carapax
und seine Bewehrung mit Quer-
linien und Stacheln an der Seite.
Mörike wies dann noch auf die
Identität der Cervicalfurche auf
der Oberfläche des Carapax bei
rezenten und fossilen Formen
hin. Ich möchte hier noch auf
einen dritten Umstand hin-
deuten; er betrifft das Ver-
halten der linea anomurica.
Diese Linie teilt bei den rezen-
ten Anomuren die Seitenfläche
des Carapax in zwei Hälften, von denen die obere mit dem Rücken-
scliild fest verbunden ist, während die untere ein Stück für sich
darstellt. (Fig. 1.) Wenn man daher das Rückenschild einer
Fig. 1.
Carapax von Munida hamffica Pen.
von der Seite gesehen.
La — linea anomurica (aus Bouvier
1897).
l'eber fossile Galatheiden.
157
Galatheide loslöst, dann bleibt immer noch ein Stuck der Seiten-
fläche daran haften. Genau so verhalten sich nun auch die fossilen
Stöcke; überall ist bei den Carapaxfragmenten — die wir ja allein
besitzen — noch ein Stück der Seitenfläche, das daran sitzt, bis
znr linea anomurica miterhalten. Wir haben damit wohl einen
weiteren Beweis, daß die fossilen Stücke zu den Anomuren gehören,
unter welchen dann nur die Galatheiden in Frage kommen.
III. Kritische Bemerkungen zur Einordnung ins System der
rezenten Formen.
Um diese Formen in das System der rezenten Formen ein-
ordnen zu können, ist es vor allem nötig, uns über dieses selbst
klar zu werden. Wir unterscheiden unter den jetzt lebenden
Arten — abgesehen von den Porcellaniden, die als aberrante Gruppe
außerhalb unserer Betrachtung bleiben — mit Ortmaxx 3 Familien
mit 10 Gattungen, die sich hauptsächlich durch die Form der
Kiemen und die Form der Anhänge an den Beinen unterscheiden —
alles Kriterien, die fossil nicht erhaltungsfähig sind. Doch können
wir Gruppen nach der Form des C'arapax und seiner Oberfläche
unterscheiden, die sich folgendermaßen charakterisieren:
Rostrum
ry
(_ arapax-
Seitenwand
Carapax-
Oberfläche
Vorkommen
Aeglea
dreieckig, unge-
zähnt, gekielt
mit Ein-
kerbungen,
ohne Stacheln
mit Suturen,
ohne Warzen,
oder Quer-
linien
Süßwasser
Südamerikas
Chirostylus
zugespitzt
stachelig
mit großen
Stacheln
Tiefsee
Uroptychus
dreieckig, unge-
zähnt. ungekielt
glatt oder ge-
zähnt
glatt
Tiefsee
Eumunida
5 Stacheln
mit Zähnen
mit Querlinien
litoral
Galatliea
dreieckig, mit
Sägezähnen auf
jeder Seite, ohne
Mittelkiel
gezähnt
mit Querlinien
litoral
Mun ida
dornförmig, an
jeder Seite ein
Stachel
mit Zähnen
mit Querlinien
, litoral und
Tiefsee
Munidopsis
breit, dreieckig,
meist ohne Seiten-
zähne, manchmal
mit Mittelkiel
gezähnt oder
ungezähnt
meist glatt
oder runzelig
Tiefsee
158
H. Balss,
Suchen wir nun die fossilen Formen in dieses System ein-
zuordnen, so sehen wir gleich, daß alle Formen des Jura, die unter
dem Namen „Galathea“ gehen (also No. 1 — 8 der Tabelle), nicht
in dieser Gattung verbleiben dürfen, da sie alle ein ungezähntes
Rostrum haben, das oft sogar einen Mittelkiel trägt, wie er bei
Galathea nicht vorkommt. Wir müssen daher für diese Formen
eine neue Gattung aufstellen, die ich „Galatheites“ zu nennen vor-
schlage. Diese Gattung wäre so zu charakterisieren : Der Cephalo-
thorax übertrifft an Länge etwas die Breite, seine OberÜäche wird
entweder von tiefen Querlinien oder von Runzeln und Warzen
bedeckt, die selbst in geraden Linien angeordnet sind. Ferner ist
auf seiner Oberfläche die Cervicalfurche vorhanden, die sich an den
Seiten in zwei Aste gabelt. Die Seitenränder können mit Zähnen
bewehrt sein. Das Rostrum ist eine breite, dreieckige Platte, deren
Ränder ungezähnt sind ; auf seiner Oberfläche kann ein Mittelkiel
vorhanden sein. Die Größe des Carapax beträgt im Durchschnitt
10 — 17 mm.
Eine merkwürdige Ähnlichkeit besteht nun mit der rezenten
Gattung Munidopsis, deren Vertreter in der Tiefsee leben. Natür-
lich läßt sich eine Verwandtschaft nicht sicher beweisen, da wir
von der fossilen keine Scheren, Füße, Augenstiele etc. erhalten
haben; auch stellt man Munidopsis als höchstentwickelte Form der
Gruppe ans Ende des Systems, so daß man annehmen sollte, daß
sie auch geologisch erst zuletzt auftrete, aber immerhin ist doch
die Ähnlichkeit der fossilen Formen, besonders in bezug auf das
Rostrum, recht gut ausgesprochen ; so stellt denn auch Bouvier
(1897. p. 87) Gastrosaccus Wetzleri in die Mitte zwischen Gala-
theiden und Diptychiden. Auch wäre eine Ähnlichkeit jetziger
Tiefseeformen mit früheren Litoralformen nicht mehr so erstaun-
lich, nachdem wir aus anderen Gruppen des Tierreichs noch mehr
solcher Fälle kennen gelernt haben ; ich verweise hier nur auf
E. Stromer von Reichenbach’s Lehrbuch der Paläozoologie. 2. p. 2931.
Über die Formen aus der Kreide ist wenig zu sagen. Galathea
strigifera Steenstrup hat nach Segerberg’s Angabe ein Rostrum,
dessen Ränder zu beiden Seiten mit Zähnen bewaffnet sind und
wäre also eine echte Galathea. Ebenso soll seine Munida primacra
mit. zwei Dornen am Rostrum bewehrt sein, so daß wir es tat-
sächlich mit einer Munida zu tun hätten ; doch sind die Abbil-
dungen wenig deutlich. Bei der Galathea uhaghesii Pelseneer fehlt
das Rostrum völlig, so daß wir über ihre Stellung nichts Sicheres
sagen können.
Bei den Formen aus dem Tertiär bemerke ich, daß Galathea
affinis Ristori sicher bestimmt ist und eine echte Galathea dar-
* Ich bemerke, daß dem Verfasser hier ein kleiner Irrtum unterlaufen
ist, indem er statt „Peneiden“ „ Tkaumastocheles “ schreiben wollte.
Feber fossile Galatbeiden.
159
stellt, von der Palaconntnida defecia Lörenthey läßt sich da-
gegen ebenfalls nichts Bestimmtes sagen, da auch bei ihr das
Rostrum fehlt.
IV. Zur Biologie der fossilen Formen.
1. Lebensweise: Die heutigen Galatheiden leben ruhig,
ohne sich viel zu bewegen, an Felsen, Korallriffen etc., wo sie auf
ihre Beute lauern. Auch die fossilen Formen scheinen diese Lebens-
weise geführt zu haben, da man sie meist zusammen mit Korallen
oder auf Bryozoenbänken findet.
2. Parasiten. Schon H. v. Meyer beschrieb 18(50, p. 220,
daß bei den fossilen Formen oft die eine Hälfte der Kiemengegend
blasenartig aufgetrieben sei und deutet dies als krankhafte Wuche-
rung. Auch bei rezenten Formen findet sich eine solche Wuche-
rung oft, wie ich konstatieren konnte und wie sie auch schon
manchmal abgfebildet wurde (vergl. A. M. Edwards und E. L. Bou-
vier. 1897. Taf. VIII Fig. 4), und zwar wird sie hier von para-
sitischen Isopoden den Genera Gi/i/e und Plcurocn/plus angehörig
verursacht, welche in der Kiemenhöhle sich ansiedeln und diese
Auftreibung durch ihr Wachstum verursachen. (Vergl. Ortmann,
Bronn p. 1S4.) Daher dürfen wir schließen, daß auch die Auf-
treibungen der jurassischen Galatheiden von solchen parasitischen
Isopoden gebildet wurden.
Literaturverzeichnis.
A. Über rezente Galatbeiden:
Bodvikr, E. L. : Sur l'origine somarienne des Crabes, in: Bulletin
de la Societö philomatique de Paris. 8 Serie. Tome VIII. 1897.
Edwards. A. Milne und E. L. Bouvier: Les Galathöides du ,, Blake“,
in : Memoirs of the Museum of comparative Zoology, Harvard
College. 35. 1897.
Ortmann, A. E. : Malacostracen, in : Bronn’s Klassen und Ordnungen
des Tierreichs.
B. Über die Fossilen :
Cartf.r, J. : A Contribution to the Palaeontology of the Decapod
Crustacea of England. Quaterly Journal of the geological So-
ciety. 54. 1898.
Lörenthey, J. : Beiträge zur Kenntnis der tertiären Decapodenfauna
Ungarns. Math.-naturwiss. Berichte Ungarns. 18. Leipzig 1903.
— Beiträge zur Kenntnis der tertiären Decapoden Sardiniens, in :
Math, natunviss. Berichte aus Ungarn. 24. Leipzig 1907.
Meyer, H. v. : Jurassische und triassische Crustaceen, in „Palaeonto-
graphica“. 4. 1856.
— Die Prosoponiden. „Palaeontographica“. 7. 1859 — 61.
Mörike.W.: Die Crustaceen der Stramberger Schichten, io : „Palaeonto-
graphica“. Supplem. II. 6. Abteilung. 1897.
160
Besprechungen. — Personalia.
Pelseneer: Notice sur les Crustaces Decapodes du Mastriclitien du
Limburg, in : Bulletin du Müsse royal d’histoire naturelle de
Belgique. 4. 1880.
Rem es, M. : Beiträge zur Kenntnis der Crustaceen der Stramberger
Schichten, in: Bulletin international, Classe des Sciences mathe-
matiques et naturelles de l’Academic des Sciences de l'empereur
Francois Joseph I. 2 Prague 1895.
Ristori, (LJ.: Crostacei Brachiuri e Anomuri del Pliocene italiano,
in: Bolletino della Societä geologica italiana 5. 1886. Roma.
Segerberg, K. 0. : De Anomura och Brachyura Decapoderna inom
Skandinaviens yngre Krita, in: Geol. Foren i Stockholm Fürhandl.
22. H. 5. 1900.
Woodward, Id : On some Crnstacea collccted by Miss Birley and
Miss Copeland from the Upper cretaceous of Faxe, Denmark.
Geolog. Magazine. Serie IV. 8. p. 480.
Besprechungen.
C. Doelter : Handbuch dei' Mineralchemie. 6. Liefe-
rung. Leipzig bei Theodor Steinkopff. 1912. p. 801 — 1008. Mit
zahlreichen Abbildungen, Tabellen und Diagrammen.
Mit der vorliegenden sechsten Lieferung ist der erste Band
dieses wichtigen Werkes vollendet. Sie enthält: Die Silikat-
sclnnelzen von C. Doelter, Fortsetzung und Schluß (p. 801 — 804).
Die Silikate und Aluminate des Zements von E. Dittler (p. 804
— 815). Allgemeines über Zemente von F. R. von Arlt (p. 815
— 855). Glas von E. Zschimmer (p. 855 — 918). Glasuren und
Emails von E. Berdel (91.8 — 925). Die Schlacken von J. H.
L. Vogt (p. 925 — 960). Dazu kommen Zusätze und Berichti-
gungen (p. 960 — 966), ein Autorenregister (p. 966—984) und ein
Sachregister (p. 984 — 1008) nebst Titel und Vorwort zu dem Band.
Möge das Buch auch in den folgenden Bänden in der bisherigen
Weise rasch vorwärts schreiten. Max Bauer.
Personalia.
Habilitiert: Dr. O. Weigel in Göttin ge.n für Mineralogie
und Petrographie.
H. Michel, Der Klinoenstatit der Meteoriten.
161
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Der Klinoenstatit der Meteoriten.
Von H. Michel in Wien.
Als im Jahre 1879 F. Fouque und A. Michel-Levy 1 künstlich
Meteoritentypen darstellten, fanden sie in einem solchen künstlichen
feldspatfreien Typus eiuen monoklinen, polysyuthetisch verzwillingten
Pyroxen, der nach ihren Angaben mit den Pyroxenen ans den Meteoriten
von Kragujewatz und Rittersgrün übereinstimmte. Sie nahmen
für diesen Pyroxen die Zusammensetzung MgSi03 au und waren
der Ansicht, daß er identisch sei mit den von Ebelmen 1851,
Hautefeuille 1864 und St. Meunier 1880 dargestellten monoklinen
Magnesiapyroxenen. J. H. L. Vogt1 2 hat das gleiche Mineral in
Schlacken angetroffen, in denen es mit Enstatit und Diopsid zu-
sammen vorkam und sich gleichzeitig mit Enstatit gebildet hatte.
Jedoch hat sich später Vogt.3 gegen die Einreihung dieses Minerals
in die Pyroxengruppe und gegen die Bezeichnung „ Mg- Pyroxen “ ,
die von M. Levy und FouquE gebraucht worden war, ausgesprochen.
Seit langem war bekannt, daß dieses Mineral in den Meteoriten
vielfach vorkommt und W. AVahl4 hat in letzter Zeit nachgewiesen,
daß dieses monokline Mg-Silikat (sowie das entsprechende Fe-Silikat)
in den Meteoriten mit den Pyroxenen der Diopsid-Hedenbergitreihe
zu isomorphen Mischkristallen, den Eustatitaugiten, zusammentreteu.
Aber nicht nur als Komponente in diesen für die Meteoriten
charakteristischen Eustatitaugiten tritt es auf, es kommt auch
selbständig vor, und W. AVahl beschreibt es als „Pyroxen der
Chondrite“ aus den Chondriten von Mezö Madarasz und Bjurböle
und schlägt dafür den Namen Klinoenstatit vor.
AVie jedoch aus den älteren Literaturangaben hervorgeht,
ist es auch in anderen Meteoriten (Rittersgrün) vorhanden.
Gelegentlich einer Untersuchung der Plagioklase der Meteoriten
fiel dem Verf. das verhältnismäßig häufige Auftreten dieser Pyroxene
1 F. FouquE uni A. Michel-Levy, Reproduction ar tificielle de divers
types de meteorites. Bull, de la Soc. Min. 4. 1881. p. 279.
2 J. H. L. Vogt, Beiträge zur Kenntnis der Gesetze der Mineralbildung
in Schmelzmassen und in neovulkanischen Ergußgesteinen. Kristiania 1902.
p. 71—78.
3 J. H. L. Vogt, Die Silikatschmelzlösungen. I. Vid. skrifter. I.
Math.-nat. Kl. 1903. No. 8. p. 46.
4 W. Wahl, Die Enstatit augite. Tschermak’s min.-petr. Mitt. 28. p. 1.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913. 11
162
H. Michel
in fast allen Gattungen der Meteoriten auf, und namentlich war
das Zusammenvorkommen mit Enstatit, bisweilen in einem und
demselben Individuum, merkwürdig. Es zeigten sich nämlich auf-
fällig oft monokline Spindeln in den rhombischen Pyroxenen.
Wenn man nun sich der von Groth 1 1904 ausgesprochenen
Ansicht anschließt, daß Enstatit und Klinoenstatit im Verhältnis
der Polysymmetrie zueinander stehen, wofür namentlich F. Zam-
bonini 2 wertvolle Beweise gegeben hat, läßt sich dieses merkwürdig
häufige Auftreten des Klinoenstatits in den Meteoriten leicht aus
den physikalischen Verhältnissen erklären, denen die Meteoriten
sowohl während der Entstehung als auch während ihres Fluges
durch den Weltraum ausgesetzt sind. Daß die für die Meteoriten
zutreffenden, von den irdischen Verhältnissen abweichenden physi-
kalischen Bedingungen zur Erklärung dieser Erscheinung außer
einer von den irdischen Gesteinen verschiedenen chemischen
Zusammensetzung herangezogen werden müssen, ist nicht von der
Hand zu weisen. Zu diesen abweichenden Verhältnissen ist jeden-
falls in erster Linie die verhältnismäßig raschere Abkühlung der
Meteoriten, namentlich der Chondrite, während ihrer Bildung zu
rechnen. Einem kleineren Himmelskörper ursprünglich angehörig,
zeigen die Chondrite in ihren Chondren Bildungen, wie sie in
ähnlicher Weise in manchen irdischen Gesteinen als Produkte einer
raschen Abkühlung angetrotfen werden. Wenn schon für die
primäre Entstehung eine raschere Abkühlung angenommen werden
kann, so ist der Meteorit während seines Fluges durch den Welt-
raum Erhitzungen ausgesetzt, denen sicher eine rasche Abküh-
lung folgt. Verf. war geneigt, dieser großen Abkühlungsgeschwin-
digkeit eine Wirkung auf das Auftreten des Klinoenstatits zuzu-
schreiben.
Versuche, die Hofrat Dölter1 * 3 kürzlich am künstlichen und
natürlichen MgSi03 unternahm, ergaben nun, daß die GRora’sche
Ansicht von der Polysymmetrie zwischen Enstatit und Klinoenstatit
die wahrscheinliche sei, indem die Abkühlungsgeschwindigkeit auf die
Ausscheidung von Enstatit oder Klinoenstatit einwirkt. Bei rascher
Abkühlung bildet sich der grob makroskopisch verzwillingte
Klinoenstatit, bei langsamer Abkühlung wird die Verzwilligung
so fein, daß scheinbar rhombische Formen entstehen, es bildet sich
Enstatit.
Nun trifft aber gerade raschere Abkühlung für viele, wenn
nicht die meisten Meteoriten zu, und so können wir das Auftreten
der Klinoenstatite in den Meteoriten leicht dadurch erklären.
1 P. Groth, Einleitung in die chemische Kristallographie. 1904. p. 7.
- F. Zambonini, Die morphotrppischen Beziehungen zwischen Enstatit,
Diopsid etc. Zeitschrift f. Krist. 46. p. 1.
3 Bisher unveröffentlicht.
Der Klinoenstatit der Meteoriten.
163
Wenn sich auch primär Enstatit in einem Meteorit gebildet haben
mag, so kann durch die Erhitzung und rasche Abkühlung während
des Fluges sekundär teilweise Klinoenstatit gebildet worden sein ;
und gerade das außerordentlich häufige Auftreten von mehr oder
weniger Spindeln von Klinoenstatit im Enstatit der Meteorite
könnte durch solche Erhitzuugsprozesse während des Fluges erklärt
werden. Wahrscheinlich ist dabei nicht der Schmelzpunkt des
Pyroxens erreicht worden, wohl aber müssen Temperaturen erreicht
worden sein, die ihm ziemlich nahe kommen. Es ist ja auch das
häufige Auftreten des Klinoenstatits in künstlichen Schmelzen auf
nichts anderes als auf die im Vergleich mit natürlichen Verhältnissen
immer viel zu rasche Abkühlung zurückzuführen.
Im Widerspruch mit diesen Ansichten stehen die Angaben
von Allen, Wright und Clement1, die Polymorphie und eine
Umwandlungstemperatur für Enstatit-Klinoenstatit annehmen. Sie
nehmen auch an, daß hei langsamer Abkühlung mehr von der
monoklinen Form des MgSi03 entstehe. Beispielsweise sei im
Stein von Bishopville nur deswegen so wenig Klinoenstatit vorhanden,
weil er rasch abgekiihlt sei2.
Doch ergibt sich dann ein schwer lösbarer Widerspruch insofern,
als für irdische Gesteine zweifellos langsamere Abkühlung angenom-
men werden muß, der Klinoenstatit sich jedoch nicht bildet, so daß
also wohl die oben vertretene Ansicht mehr Wahrscheinlichkeit hat.
Mineralogisches Institut der Universität Wien.
1 E. T. Allen, F. E. Wright and J. K. Clement. Minerals of the
composition MgSiOs. American Journ. of Science. XXII. 131. p. 431.
2 Bei einer außerordentlich raschen Abkühlung, wie sie erreicht wird,
wenn der Tiegel mit der Schmelze unmittelbar hei der Erstarrungstemperatur
in ein Gefäß mit Wasser geworfen wird, stellen sich tatsächlich pseudo-
rhombische Gebilde ein, die jedoch nur dadurch zustande kommen, daß sich
äußerst feinstrahlige Aggregate bilden, in denen durch Überlagerung
Kompensation eintritt; an günstigen Stellen läßt sich jedoch der monokline
Charakter der einzelnen Fasern erkennen. Die pseudorhombischen Aggregate
sind also nur durch parallele Aggregation und durch die Feinheit der
Nadeln bedingt und zu unterscheiden von den durch langsame Abkühlung
erhaltenen rhombischen Produkten, die ihre Form einer submikroskopischen
Verzwillingung verdanken. In der Tat dürfen wir für die Meteoriten wohl
keine so plötzliche Abschreckung abnehmen, sondern dürfen eher mit einer,
wenn auch noch immer raschen, so doch allmählicheren Abkühlung rechnen.
( Dies wird beispielsweise zutreffen, wenn wir als Ursache der Erhitzung
den Flug durch eine Atmosphäre oder Annäherung an einen Himmelskörper
annehmen.)
11*
164
Fr. v. Pävai-Vajna, Ueber sarmatischen Dacittuff
Ueber sarmatisohen Dacittuff in der Umgebung von Nagyenyed
nebst einigen Bemerkungen zur Arbeit des Herrn St. Gaal l.
Von Dr. Franz von Pävai-Vajna.
Mit 3 Textfiguren.
In einer vor zwei Jahren erschienenen Arbeit2 befaßte ich
mich detaillierter nur mit den sarmatischen Ablagerungen in der
NO- Abzweigung des Päräu-Bärsä genannten tiefen Grabens. Ich
erwähnte aber schon dort, daß in der Umgebung von Nagyenyed
diese Ablagerungen an mehreren Stellen unter den jüngeren
pannonischen Schichten zutage treten.
Ich will mich hier in erster Reihe mit den Aufschlüssen in der
Talenge von Miriszlö befassen, da hier in den gut aufgeschlossenen
sarmatischen Schichten Tuffeinlagerungen sichtbar sind, auf Grund
deren diese Ablagerungen, abgesehen von meiner erwähnten Arbeit,
in der Literatur überall als dem Obermediterran angehörend, an-
geführt werden.
Nördlich der Landstraße in der Nähe der Komitatgrenze
sammelte ich aus den hier aufgeschlossenen dicken, festen Sand-
bänken schon im Jahre 1909 für die sarmatische Stufe bezeichnende
Fossilien. Ihre spezielle Bearbeitung nahm ich aber erst jetzt vor.
als ich die Lagerungsverhältnisse dieses stark gefalteten Gebietes
studierend erkannte, daß die erwähnten Tuffbänke tatsächlich den
sarmatischen Ablagerungen angehören.
Unsere älteren Forscher erwähnen öfters, daß in den sarmatischen
Ablagerungen Tuffschichten Vorkommen, doch sind dieselben meistens
als Andesittuffe bezeichnet. So umschließen z. B. die Labradorit-
Augit-Andesittuffe im südlichen Teil des Vihorlat-Gutin-Gebirges
sarmatische Fossilien 3, ebenso wie die Hypersthen-Andesittuffe bei
Laäz 4. Im Tale von Fenycs enthalten die kalkigen Andesittuffe
1 St. Gaal, Die Neogenablagerungen des Siebenbürger Beckens. Dies.
Centralbl. 1912. p. 436. Man vergleiche auch den Aufsatz Dr. W. Pktra-
schkok’s, Die sieben biirgischen Enlgasaufschliisse des ungarischen Fiskus.
Montanistische Rundschau. 1912. p. 289. Aus diesem Artikel ist zu ersehen,
welch glänzende Resultate die auf Grund der Antiklinaltheorie angelegten
Bohrungen entgegen den Behauptungen GaAls ergaben.
Meine Ausführungen erschienen ungarisch mit Ausnahme des tektoni-
schen Teils in den Bänyäszati es Kohäszati Lapok. Berg- und Hütten-
männische Blätter.
5 Die geologischen Verhältnisse der Umgebung von Olahlapäd. Fi'ddt.
Közl. 40 p. 420
3 Karl Hofmann, Bericht über die im östlichen Teile des Szilägyer
Komitates während der Sommerkampagne 1878 vollführten geologischen
Spezialaufnahmen. Földt. Közl. 1879. 9. p. 280.
4 Julius Petkö. Die Tertiärbildungen des Tehär-Bnroi-Tales. Aufnahme-
bericht von 1885. Jahresbericht der kgl. ung. geol. Anst. 1887. p. 133.
in der Umgebung von Nagyenyed etc.
165
ebenfalls sarmatisclie Fossilien Bei Räkosd hingegen linden wir
nur in den höheren sannatischen Schichten (No. 9) den Schotter
der Amphibol- Andesite der Berge bei Deva 3. Die Andesite der
Hargita brachen sogar nur zur Zeit der pannonischen und levan-
tinischen Ablagerungen hervor 3.
Im allgemeinen kann mau, wie dies schon von mehreren
Forschern konstatiert wurde, beobachten, daß, von dem Szentendre-
Visegräder Gebirge ausgehend, gegen 0 respektive SO zu wir linden,
daß sich die gegen das Ende des unteren Mediterrans beginnenden
Aiulesitausbrüche gegen 0 und SO zu sukzessive bis in das Ende
des Tertiärs fortsetzen, als die Andesitvnlkane der westlichen
Gebiete wahrscheinlich schon längst erloschen waren. Es erscheint
deshalb als sehr natürlich, daß sich im Siebenbürger Becken und
besonders in den sannatischen Ablagerungen am Bande derselben
Andesittuffe vortinden können, ja vielleicht sogar vorfinden müssen.
Dieser Umstand macht es nötig, daß das Material der einzelnen
Tulfschichten im Siebenbürger Becken in jedem einzelnen Falle
einer eingehenden Untersuchung unterzogen werde.
Auch in der Nähe der Siebenbürger Teile fanden im oberen
Mediterran Andesitausbriiche statt4 (Borossebes, Iviszindia, Fel-
menes), so daß wir auch schon in unseren obermediterranen
Ablagerungen mit den jedenfalls viel mächtigeren Dacittuffen ab-
wechselnde feine Andesittuffe erwarten können.
Dasselbe muß ich aber auch von den Dacittuffen betreffs der
sannatischen Ablagerungen sagen. Die Dacite brachen im Gebiete
Siebenbürgens im oberen Mediterran hervor (1. c. p. 3131, die
Daciteruption des Csicsöberges durchbrach aber die Schichten des
oberen Mediterrans und die diesen eingelagerten älteren Dacittuff-
schichten, so daß dieser Ausbruch ganz am Ende des oberen
Mediterrans oder eventuell schon im Sannatischen erfolgte. (Ibid.)
Im Tale der Weißen Körös ist der Lajtakalk von Xagyag
bis Hercegäuy von einer Dacittuffdecke überlagert5, so daß auch
1 J. Petkö, Das östliche Zusammentreffen des Kodru-Märn und
Hygs-Droisa-Gebirgs. Jahresbericht von 1893. Jahresber. d. kgl. ung
geol. Anst. 1893. p. 76.
‘ Stefan Gaal, Jahresbericht der kgl. ung. geol. Anst. für 1910.
3 Anton Koch, Die Tertiärbildungen des Beckens der siebenbürgischen
Landesteile. II. Teil. p. 316 — 317 des ungarischen Textes. L Both
v. Telegd, Geologischer Bau des siebenbürgischen Beckens in der Umgebung
von Baläzsfalva. Jahresber. für 1906. Jahresber. d. kgl. ung. geol. Anst.
f. 1906. p. 149.
4 J. Petkö. Die Tertiärbildungen des Fehär-Karös-Tales zwischen
dem Hyges-Droisa- und Pleß-Kodru-Gebirge. Aufnahmebericht für 1885.
Jahresber. d. kgl. ung. geol. Anst. f. 1885. p. 116 — 125.
s Dr. M. Pälfy, Die geologischen Verhältnisse und die Erzlagerstätten
des siebenbürgischen Erzgebirges. Jahrb. d. kgl. ung. geol. Anst. 1911.
p. 224 des ungarischen Textes.
166
Fr. v. Pävai-Vajna, lieber sarmatischen Dacittuff
dieser Dacit jünger ist. Mit einem Worte, es ist die Möglichkeit
gegeben, daß wir in den besonders am W- und NW-Rande des
Siebenbürger Beckens vorkommenden sarmatischen Ablagerungen
auch Dacittuffe finden.
Ludwig Roth v. Telegd erwähnt in seinem Berichte vod
1898 im Zusammenhänge mit den sarmatischen Schichten bei
Örmeuyes tatsächlich auch Dacittuff. Ebenso erwähnt er in seiner
Aufnahme von 1906 bei Szäszcsanäd den sarmatischen Ablagerungen
angehörende Dacittuffe. Leider ist in keinem der vorkommenden
Fälle von einer detaillierteren Untersuchung die Rede.
Als ich dann in den in der Talenge von Miriszlo aufgeschlossenen
Ablagerungen die sarmatische Stufe bezeichnende Fossilien gefunden
hatte, erregten die Lagerungsverhältnisse wie auch das Material
der mit jenen zusammenhängenden Tuffschichten mein Interesse in
hohem Grade. Das beigefügte Profil, welches ich auf Grundlage
vieler Messungen zusammengestellt habe, fixiert die Lage der
Tuffschichten deutlich (Fig. 1).
Mein Kollege Dr. S. Papp war so freundlich, die den obersten
Tuffschichten (I.) entnommenen Proben, unter welchen ich in
geringer Entfernung noch
Cardium cf. plicatum Eichw. und
Trochus pictus Eichw.
gefunden habe, mikroskopisch zu untersuchen. Das Resultat seiner
Untersuchungen ist das folgende: „Auch die oberste Schichte des
Miriszloer Dacittuffs ist sehr feinkörnig. Makroskopisch können
im graulichweißen Gestein kaum einige Biotit- und Muscovit-
blättchen wahrgenommen werden. Unter dem Mikroskop kann
man in der isotropen, stellenweise aus winzigen Kristallisations-
produkten bestehenden Grundmasse größere, zerstückelte Quarz-
körner, Plagioklas -Feld spat- Fragmente, seltener chloritisierte
B i o t i t blättchen und Museo vitfetzchen erkennen. Die Quarze
enthalten libellenartige Flüssigkeitseinschlüsse. In der Bindemasse
kommt stellenweise auch Calcit vor.“
Das Dasein von Plagioklasfeldspaten und vulkanischem Quarz,
insbesondere aber das letztere ist ein schlagender Beweis dafür,
daß wir es in diesem Falle mit Dacit- und nicht mit
Andesittuff zu tun haben. Nachdem mir selbst die ent-
sprechenden Apparate nicht zur Verfügung gestanden sind, habe
ich zur Vervollständigung der Untersuchung den Herrn Chemiker-
aspirant L. Väsärhelyi ersucht, den Si02-Gehalt dieses Tuffs zu
bestimmen.
Väsähheuyi hat dieses seiner engeren Heimat entstammende
Gestein mit einer peinlichen Genauigkeit untersucht und dessen
Si02- Gehalt in 63,43 °/o angegeben, welcher Kieselsäuregehalt
noch immer auf Dacit hin weist.
in der Umgebung von Nagyenyed etc.
167
An dieser Stelle spreche ich meinen genannten Freunden, die
so uneigennützig die Erweiterung unserer Kenntnisse augestrebt
haben, meinen besten Dank aus.
Unter den in der Miriszloer Talenge aufgeschlossenen Schichten
sind das unterste mächtige Tuffschichtenkomplexgewölbe (III.) und
die darunter befindlichen, größtenteils tonigen Sedimente älter.
Obwohl ich in diesen Schichten keine Fossilien gefunden habe,
muß ich doch, den dicken Tuff in Betracht gezogen, die darunter
und darüber gelagerten tonigen Produkte als obermediterran be-
trachten. Unmittelbar auf ihnen haben sich größtenteils aus
Sandeu bestehende Schichten mit zwei dünneren Tuffmittellagerungen
abgelagert. In diesen Sandeu sind gleichfalls nur wenig Fossilien
vorhanden, jedoch sind in diesen dickbankigen, wenig kompakten,
groben Varietäten schwach erhaltene Fossilienfragmente häufig
genug zu finden. Aus diesen, über dem Weg gut aufgeschlossenen,
dicken Sandbänken habe ich bisher folgende Fossilien bestimmen
können:
Jfactra sp. Hydrobia cf. Toumoiteri Mayer
Ervilia poddica Eichw. Hydrobia sp.
Cardittm cf. praeplicatum Hilb. Morensternia angulata Andruss.
Cardium sp. Morensternia inflata Andruss.
Modiola sp. Tornatina ( Bulla) Lajotikaireana
Congeria sp. Bast, und
Trochus papilla Eichw. Heterostegina costata d Orb.
Cristellaria sp.
Fig. 1.
Profil der Antiklinale von Miriszlö.
Die hier anfgezählten Fossilien sind ebenso wie die aus
bedeutend höheren Schichten stammenden, schon erwähnten beiden
Fossilien ausgesprochen für die sarmatische Stufe bezeichnende
Arten. Obwohl die Heterostegina costata genügend häufig vorkommt,
beweist ihre starke Abgewetztlieit dennoch, daß sie aus den medi-
terranen Sedimenten hereingewaschen ist. Dasselbe kann ich auch
von der anderen, gut entwickelten Foraminifere sagen. Übrigens
können wir bei der Bestimmung des Alters immer nur die Fauna
jüngsten Charakters berücksichtigen, und falls wir darauf achten,
kann unsere Fauna auch zur Bestimmung eines noch engeren
Zeitraumes benützt werden.
Ich habe schon früher 1. c. p. 428) hervorgehoben, daß in
Olählapäd das Fossilienmaterial der Fossiliennester, mit den Fossilien
168
Fr. v. Pävai-Vajna, Heber sarmatischen Dacittuff
der sie einschließenden Schichten verglichen, einen Unterschied
aufweist, insofern dort auf tieferes Sarmatikum hinweisende
Ser pulen, Ervilien, Hydrobien und Bullen die Haupt-
rolle spielen. Es stammen diese fossilienführenden Blöcke aus
den untersten sarmatischen Schichten. In der jetzigen Fauna
kommen Ervilien, Hydrobien und Bullen in der größten
Individuenzahl vor. Folglich kann ich die untersten sarmatischen
Schichten in der Miriszloer Talenge als anstehend konstatieren,
was sowohl den Lagerungsverhältnissen als auch jener Analogie
entspricht, welche deren Fauna und auch die Fauna der aus-
ländischen gleichaltrigen Sedimente aufweisen, wo manche Individuen
noch an das Obermediterran erinnern.
Jedenfalls ist es wünschenswert, daß wir uns durch weitere
Fortsetzung der Forschungen an eben dieser Stelle davon über-
zeugen, ob auch bei uns die Übergangs-Buglowaschichten und die
untersten sarmatischen Sedimente (volhynische Schichten) jede für
sich unterschieden werden können, wie das schon in Bußland 1
und in Rumänien2 und auch an der Grenze unseres Vaterlandes,
in der Bucht von Bahna, festgestellt worden ist3. Vielleicht
gelingt es mir noch in der Zukunft, an dieser Stelle, welche in
betreff der sarmatischen Sedimente so lehrreich erscheint, aus-
führlichere Untersuchungen zu bewerkstelligen. Vorläufig fixiere
ich schon hier, daß in der Miriszloer Talenge die
untersten sarmatischen S e d i m e u t e , die sogenannten
volhynischen Schichten, anstehend vorhanden sind
und innerhalb deren noch Dacittuffschichten Platz
nehmen, folglich haben sich die Siebenbürger
Daciter uptionen auch noch im unteren Sarmatikum
fortgesetzt.
Auf neuere Vorkommen von sarmatischen Schichten bin ich
in den neueren Rodungen des Olählapäder Waldes in den rechts-
seitigen Nebeuzweigen des Päräu-Bärsä gestoßen. Diese neueren
Vorkommen haben meine Ansicht, daß von Nagyenyed unmittelbar
gegen NW sich die sarmatischen Ablagerungen in einem zusammen-
hängenden Schichtenkomplexe unter den obermediterranen und
pannonischen Sedimenten befinden, noch mehr befestigt.
Südlich von dem tiefen Einschnitte des Päräu-Bärsä habe ich
den ersten Ausbiß im tiefen Graben des Pävai- Waldes, gleich
nördlich von der Lichtung, welche sich auf der Generalstabskarte
1 : 25 (>00 bei der Gote 365 befindet, gefunden. Hier tritt in der
Grabensohle unter den pannonischen, gelben sandigen Tonen eine
feinkörnige Konglomeratbank auf, in welcher genügend schwach.
1 W. Laskarew, Die Fauna der Buglowascbichten in Volhynien.
1 G. Murgoci, Tertiarul din Oltenia. Annuarul 1907.
8 G. Wacovei, Basinul tertiär de la Bahna. Annuarul 1909.
in der Umgebung von Nagyenyed etc.
169
erhaltene Fossilien vorhanden sind, von welchen icli folgende
bestimmt habe:
Mactrci sp. Cerithium pictmn Bast.
Tapes gregaria Partsch (= Potamides mitralis)
Modiola sp. Cerithium rubiginosum Eichw.
Murex sp. (cf. suhlavatus Bast.) Troclius podolicus Dub.
In dem von der schon erwähnten Lichtung (Urik.) nordwestlich
hinziehenden Graben tritt unmittelbar unter den gelben panuonischen
Schichten eine dem soeben behandelten Konglomerat ähnliche Bank
zutage. Hier dominiereu aber schon nicht mehr die Cerithien,
sondern die Modioien. Eine auf der Grabensohle liegende
mächtige Scholle ist voll von Bruchstücken der Modiola und
Cardium sp., aus welchen man aber leider die einzelnen Arten
kaum genau bestimmen kann. Die A/orf/o/rt-Schalenfragmente weisen
hauptsächlich auf Modiola voThynica Eichw. hin.
In der anstehenden Konglomeratbank waren die Fossilien
derart schlecht erhalten, daß man nur folgende bestimmen konnte :
Ervilia cf. pusilla Phil.
Tapes gregaria Partsch
Tapes sp.
Cardium obsoletum Eichw.
Cardium sp.
Modiola sp.
Cerithium pictum Bast.
(= Potamides mitralis)
Hg drob ia sp.
In dem von der Cote 365 direkt westlich laufenden Graben
habe ich in den sandigen Ablagerungen unter den panuonischen
Schichten gleichfalls Cardium- und il/orffoZa-Schalenfraginente ge-
funden. Infolgedessen kann ich in bezug darauf, daß sowohl in
den Haupttälern, wie im Maros-Tale, den Tälern des Örmenyeser l,
Miriszlöer (Pävai, 1. c. p. 426), Olählapäder (ibid. p. 426) und
Felenyeder (Koch, 1. c. p. 316—317) Baches, ja sogar auch schon
in deren Nebenverzweigungen an mehreren Stellen die sarmatischen
Bildungen bekannt sind, aussprechen, daß von Nagyenyed
gegen NW eine lange Strecke hindurch die sar-
matischen Ablagerungen, wie es scheint, in einer
zusammenhängenden Schichte zwischen den panno-
n i s c h e n und obermediterranen Ablagerungen vor-
handen sind.
Was nun aber die kürzlich erwähnten Fossilien betrifft,
obwohl diese auf Grnndlage meiner in Päräu-Bärsä erworbenen
Erfahrungen (1. c. p. 426) mangelhaft sind, so weisen sie auf
jene Sedimente hin, in welchen hauptsächlich die Tapes,
Cerithien und Trochus vorherrschen und in welchen die
Serpulen-, Hydrobien- und Bullen -führende Blöcke schon
1 Ludwig Roth y. Telegd, Der NO-Rand des siebenbiirgischen Erz-
gebirges in der Umgebung von Vidaly, Nagy-Oklos, Oiäh-Räkos und Örmönyes.
Jahresbericht für 1898. Jahresber. d. kgl. ung. geol. Anst. f. 1898. p. 101.
170
Fr. v. Pävai-Vajna. Ueber sarmatischen Daciituff
als sekundär hereingewaschen eine Rolle spielen. Dieser letztere
Umstand weist jedenfalls darauf hin, daß das weitere eingehende
Studium dieser Sedimente zur Erkennung von größeren Alt er s-
und Lagerungsunterschieden führen kann.
Neben dieser Tatsache dürfen wir nicht nur so einfach vorüber-
schreiten. Ich habe nach meinem besten Wissen festgestellt, daß
in jenem Sedimentkomplex, in welchem die erwähnten Schollen
vorhanden sind, die für die pannonische Stufe charakteristischen
großen Congerien ( Partschi , ornithopsis subglobosa etc.) und Melanopsen
( vindobonensis , Martimana) überhaupt nicht Vorkommen. Hingegen
schließen sie in großer Menge die Fossilien des Sarmatikums in sich
ein und sind folglich ebenfalls sarmatisclie Ablagerungen. Ich glaube,
daß nicht die vaterländischen sarmatischen Bildungen daran schuld
sind, daß wir sie nicht in die ihnen gebührenden Stufen einreihen
können, sondern die ungarischen Geologen, da bis heute doch nie-
mand die vaterländischen sarmatischen Ablagerungen einem wirk-
lich ernsten Studium unterworfen hat. Unser bisheriges Wissen
besteht nur aus zerstreuten Daten, Details, welche uns vielleicht
noch immer nicht dazu berechtigen, um die höheren sarmatischen
Bildungen ausschließen zu können. Denn wo steht es geschrieben,
daß sicli auch bei uns genau dieselben Arten entwickeln mußten,
wie, sagen wir, auf den russischen Gebieten? Ich bin überzeugt,
daß derjenige, der unsere sarmatischen Fossilien eingehend studieren
wird, neben den vielfach aufgezählten Schablonen noch viele neue
Arten finden wird, vielleicht auch solche, welche dort drüben vor-
handen sind. Endlich kann man auch nicht ableugnen, daß an
manchen Stellen, wie auch bei Olählapäd im Päräu-Bärsä, zwischen
den Ablagerungen der sarmatischen und pannonischen Stufe die
Überreste einer Erosionszeit zu sehen sind. An andei’en Stellen
jedoch spricht man von einem sukzessiven Übergang, woraus un-
willkürlich folgt, daß wir noch sehr viele und sehr eingehende
Detailstudien machen müssen, bis es uns erlaubt ist, über das
gesamte ungarische Sarmatikum eine ernste Ansicht auszusprechen.
Zu weiteren Studien bietet sich als geeignetes Terrain auch
die Umgebung von Nagyenyed, nachdem ich dort neuerdings noch
auf ein interessantes Vorkommen gestoßen bin, wo sich allem An-
schein nach tatsächlich auch schon die jüngeren Bildungen den
sarmatischen Fossilien beimengen. Leider konnte ich dieses Gebiet
bisher nicht sorgfältiger durchstudieren und ausbeuten; die süd-
westlich von Tinöd aus groben Sauden flüchtig aufgelesenen Fossilien
sind aber sehr schwach erhalten. Dieses neuere Vorkommen von
sarmatischen Ablagerungen befindet zieh nämlich dort, wo sich
zwischen Tinöd und der Gote 366 der Feldweg auf die hohe
Pliocänterrasse hinaufzieht, beiläufig in der mittleren Höhe.
Hier sind häufig die Cardien vorhanden, unter denen mehrere
noch am meisten dem Cardium obsoletum Eichw. gleichen, zwei
in der Umgebung von Nagyenyed etc.
171
andere aber dem Cardium Novdkovsliyi varietas „elongata“ „ßu
Andrussow’s welclie schon in den hohen Aktschagylschichten
vorkommt. Bedauerlich ist es, daß die starke Korrodation keine
genauere Bestimmung erlaubt hat. Auch ist es mir gelungen,
zwei Congerienbruchstiicke zu sammeln, jedoch sind auch diese sehr
mangelhaft erhalten und so kann ich höchstens nur so viel be-
merken, daß das eine Fragment an Congeria Bat.uti Brus, erinnert.
Wenn es mir späterhin möglich sein wird, entsprechendes
Material zu sammeln, dürfte ich auch höchstwahrscheinlich zu
einem genauen Resultate gelangen darüber, ob sich hier den Akt-
schagylschichten oder schon den ebenfalls russischen politischen
Ablagerungen von Schemacha entsprechende Bildungen abgelagert
haben. Die Cardien weisen nämlich einigermaßen auf die hier
vorkommenden Gestalten 1 2, was aber nur im Besitze eines besseren
Materials entschieden werden kann, und stehen wir heute hier noch
vor einer ganz offenen Frage. Im Zusammenhang hiermit mache
ich die Bemerkung, daß ich an der Südseite der nördlich gelegenen
Cote 329 tatsächlich schon stark gefaltete fossilienführende unter-
pannonische Schichten gefunden habe mit den Fossilien : Limno-
carditnn Andrussowi var. spinosum Lör. , Lininocardium cf. V/dco-
tinovici Brus., Limnocardium Syrmicnse R. Hörxes und Congeria
banatica R. Hörnes. Wenn wir aber die bei Nagyenyed befind-
lichen intensiven Schichtenfaltungen in Betracht nehmen, halte ich
es für wahrscheinlich, daß es mir auch an anderen Stellen ge-
lingen wird, die sarmatischen Ablagerungen eingekeilt vorzufinden.
So können z. B. zwischen dem Viehmarkt und der Station in der
Gegend der Cote 267, mit Berücksichtigung der dort immer häufiger
auftretenden Tuffschichten, nicht überall paniionische Ablagerungen
vorhanden sein, wir müssen vielmehr dem Beispiele der Miriszloer
Talenge gemäß eben an sarmatisclie und obermediterrane Ablage-
rungen denken. Diese meine Behauptung dürfte in der Zukunft
bekräftigt werden, jedoch nur durch eine peinliche Detailaufnahme,
weil man in einem derart gefalteten und erodierten Terrain sehr
leicht die Ablagerungen der einen oder anderen Stufe übersehen
kann, was nur Mißverständnisse erregen könnte.
Ich habe auch schon darauf hingewiesen (1. c. p. 426), daß
die am rechten Marosufer gefundenen sarmatischen Sedimente auch
am linken Ufer vorhanden sind. Die petrographische Ähnlichkeit
und besonders die stark gestörten Lagerungsverhältnisse erschweren
freilich auch dort die genaue Absonderung.
Was nun den Kontakt der sarmatischen Ablagerungen mit den
Ablagerungen der unterpannonischen Stufe betrifft, so muß ich
1 Andrussow, Beiträge zur Kenntnis des kaspischen Neogen. Die
Aktschagylschichten. Taf. V. Fig. 22.
2 Andrussow. Pontische Schichten des Schemachinischen Distriktes.
172
Fr. v. Pävai-Vajna, lieber sarmatischen Dacittuff etc.
auch liier hervorheben, daß wir stellenweise, wie z. B. im Oläli-
lapäder Traväs- Walde und überhaupt vom Dorfe gegen NW zwi-
schen den Ablagerungen der beiden Stufen die deutlichen Spuren
einer Erosionsperiode erblicken können, außerdem ist auch noch
die petrographische Verschiedenheit ins Auge fallend, dann weisen
auch die Fossilien eine ganz andere Type auf. Neuerdings habe
ich auch zwischen den tonigen Ablagerungen Unterschiede im Ein-
fallen entdeckt, welche auf Diskordanz beruhen, abgesehen von der
großen Farben Verschiedenheit, welche zwischen den tonigen Schichten
der sarmatischen und pannonischen Stufe sehr gut sichtbar ist.
Ich muß mich daher, im Interesse der Tatsache, entschieden gegen
jene Behauptung des Herrn Dr. Stephan Gaäl’s verwahren, daß
auch in Olahlapäd ein sukzessiver Übergang zwischen den sarma-
tischen und pannonischen Ablagerungen vorhanden ist, wie ich dies
aus einzelnen Teilen seines letzthin auch dieses Thema bekritteln-
den Artikels, zu meinem Bedauern, herauslesen muß. Mein Be-
dauern begründet sich dadurch , daß ich Herrn Gaäl persönlich
an jene Stellen geführt habe, wo die Erosionsspuren zwischen den
Ablagerungen der sarmatischen und pannonischen Stufe am deut-
lichsten sichtbar sind und auch die petrographische und faunistische
Verschiedenheit am größten ist. Mein Trost ist aber, daß Herr
Direktor v. Loczy meine Beobachtung betreffs der Erosion auch
dort bekräftigt hat, wo diese weniger augenscheinlich ist, nicht
minder aber auch das Bewußtsein , daß die Beobachtungen des
Herrn Gaäl, insbesondere aber jene, welche sich auf meine Ab-
handlung beziehen, beinahe durchaus irrig sind. Wir dürfen uns
aber über solche Irrtümer nicht verwundern, wenn wir wissen,
daß er derartig kurzsichtig ist, daß er eine Rutschung für einen
diapiren Kern, ein am Wasser schwimmendes eisenhaltiges
Häutchen für Petroleum, die Donax dentigera für V. lucida
angesehen hat. Nur könnte man erwarten, daß er solche Arbeiten,
zu deren Durchführung ein scharfes Auge nötig ist, nicht bekritteln
wird, auch dann nicht, wenn der Betreffende Privatdozent einer
Universität ist. Dieser Titel bietet bei weitem noch nicht die Be-
rechtigung, ohne jedwede Begründung solche Tatsachen in Ab-
rede zu stellen, welche Andere, man kann sagen, mit großer Be-
mühung festgestellt haben. Meines Wissens pflegt keine ernste,
wissenschaftliche Arbeit, um so weniger eine Kritik, durch Ver-
drehungen Verwirrungen hervorzurufen oder eine Polemik zu ver-
anlassen. Im Artikel des Herrn Gaäl Anden wir leider dies alles
und als ewig dankbarer Schüler des Herrn Prof. Koch kann ich
nur bedauern, daß gerade in dem zu seinen Ehren herausgegebenen
Gedenkbuche dergleichen Dinge Vorkommen, worauf hinzuweisen
ich gerade im Interesse derjenigen Wissenschaft bemüßigt bin,
mit deren Grundprinzipien er mich bekannt gemacht hat.
(Schluß folgt.)
E. Wepfer, Ueber das Vorkommen von „Cyprina islandica“ etc. 173
Ueber das Vorkommen von „Cyprina islandica" im Post-
pliocän von Palermo.
Von E. Wepfer in Freiburg i. B.
Cerulli-Irelli , der die dankenswerte Aufgabe übernommen
hat, die Fauna des Mte. Mario monographisch zu bearbeiten (s.
Palaeontogr. italica 1907 u. ff.), beschreibt u. a. auch das Vor-
kommen der Cyprina islandica L und weist meines Erachtens ganz
einwandfrei nach, daß zwischen den Formen im Postpliocän des
Mte. Pellegrino bei Palermo und denen des Mte. Mario keine
solchen Unterschiede bestehen, die eine Trennung rechtfertigen
würden. Auch ich habe mich an mehreren, z. T. in Ficarazzi
bei Palermo selbst gesammelten Exemplaren überzeugt, daß die
Gestalt der’ Schalen , ja auch die Bezahnung bei den einzelnen
Individuen schwankt, daß demnach auf geringe Unterschiede hierin
kein großer Wert gelegt werden darf. Auch kann nicht verkannt
werden , daß die nordische C. islandica nach den von Cerulli-
Irelli (1. c.) gegebenen Maßen kaum davon zu trennen ist.
Ohne Zweifel ist es an und für sich recht auffällig, daß
nordische Formen an der Nordküste Siziliens zu einer Zeit gelebt
haben , da das Meer von noch jetzt im Mittelmeer lebenden
Schnecken, Muscheln u. a. geradezu wimmelte. Diese Annahme
wird unterstützt durch die Tatsache, daß diese für nordisch er-
klärten Formen jetzt im Mittelmeer nicht mehr leben, oder, wie
di Monterosato (Catalogo delle Conchiglie fossili di Mte. Pelle-
grino et Ficarazzi presso Palermo. Boll. Com. 8. 1877) sich vor-
sichtiger ausdrückt, noch nicht gefunden sind, — allerdings lebt
Pectuncidus glycymeris im Adriatischen Meer, und Fusus (Ncptunea)
sinistrorsa ist in zwei Exemplaren an der algerischen Küste gefischt
worden! — (Meli: Boll. soc. geol. 1894. p. 166 ff. )
Eine solche Tatsache an und für sich sagt aber wenig ; denn
wir sind ja auch heute noch nicht imstande, jedesmal Gründe da-
für anznführen, warum eine lebende Meeresfauna ganz bestimmte
Plätze bevorzugt, während sie andere, die für unsere Sinne die
gleichen Lebensbedingnngen bieten, meiden. Daß dies auch früher
der Fall war, das lehrt uns das Vorkommen bezw. Nichtvorkommen
der Fossilien des öfteren, und daß sich diese Verteilung im Laufe
der Zeit ändern kann, ohne daß wir mangels ersichtlicher Gründe
hierfür irgendwelche zu wenig belegte Hypothesen substituieren
dürfen, ist klar.
Ist es tatsächlich Cyprina islandica L. , die zur Diluvialzeit
an der sizilianischen Küste gelebt hat, so ist jedes weitere Wort
gegen die Hypothese einer Abkühlung des Meeres infolge des all-
gemeinen Sinkens der Temperatur überflüssig
„C. islandica L.“ vom Mte. Mario und (die ohne Zweifel da-
zugehörige) von Palermo variieren erheblich in der äußeren Form,
174
E. Wepfer, Ueber das Vorkommen
und ebenso tut dies C. islandica L. etwa aus dem Varanger Fjord, oder
aus den alten Meeresterrassen bei Tromsö, und zwar nicht mehr,
als dies auch bei andern Muscheln Vorkommen kann. Es fragt
sich nur, wie weit die Variationsmöglichkeit einer C. is-
lanclica , oder allgemeiner einer Cyprina (wie z. B. der C. rotundata
aus dem Mainzer Meeressand) überhaupt gehen kann , ohne daß
eine wie die andere aussieht !
Sacco gibt in dem großen Werk: I m oll usclii dei ter-
r e n i terziari d e 1 Piemonte e d e 1 1 a L i g u r i a , an , daß
C. islandica L. im Astiano und Piacenziano d. i. im älteren
Pliocän zu Hause ist und Gignoux (Sur la classiücation du Plio-
cene et du Quaternaire dans l’Italie du Sud-Comptes rendus Acad.
Sc. Paris. 29 mars 1910) entnehme ich die Angabe über das Vor-
kommen von C. islandica im älteren Pliocän von Algier. Sacco’s
Abbildungen (Teil XXVIII. Taf. II, 1 . 2) stimmen sehr gut mit
rezenten Exemplaren dieser Spezies vom Varanger Fjord; ich
wüßte keinen Unterschied namhaft zu machen. Zwischen den im
Umriß ziemlich variierenden Cyprinen aber, die Cerulli-Irelli
4- c. Taf. VII, 3- — 10; VIII, 1. 2) aus dem Pliocän des Mte. Mario
abbildet und denen des Piemont einen Strich zu ziehen , wäre
unzulässig.
Wir haben also die Reihenfolge: 1. C. islandica im älteren
Pliocän des Piemont (und Algier) und in den Schichten des
Mte. Mario, 2. C. islandica in den entschieden jüngeren Schichten
von Ficarazzi (ob man diese nun dem Pliocän oder dem Diluvium
zurechnen will). Sacco vervollständigt in dem obengenannten
Werk diese Reihe zu folgender Stammreihe:
Lebend : C. islandica L.
Pliocän : C. islandica L.
Miocän : C. rotundata A. Br.
Oligocän : C. perovalis Koen. j C. rotundata A. Br. — C. scutellaria Lk.
Eocän : C. lunulata Desh. i C. scutellaria Lk.
Dieser Stammbaum ist sehr einleuchtend, ganz sicher aber
scheint mir zum mindesten die direkte Weiterentwicklung von
C. islandica aus dem älteren Pliocän des Piemont und vom Mte.
Mario zu derjenigen aus den Schichten von Ficarazzi. In dem
Auftreten von C. islandica (u. a.) schon im mediterranen
Pliocän soll aber — und das ist die herrschende Anschauung,
wie sie z. B. auch in Kayser’s Lehrbuch Ausdruck lindet — ein
Beweis für die zunehmende Abkühlung des Klimas
zu Ende der Tertiär zeit liegen. Nun kommt aber C. is-
landica bereits im unteren Pliocän des Piemont vor (s. o., nach
1 p. 12 heißt es: „Credo perö che il suo valore stratigraiico sia
minore di quanto alcuni vollevo att.ribuirgli“.
von „Oyprina islandica“ im Postpliocän von Palermo.
175
Sacco im Piacenziano und Astiano), d. h. zu einer Zeit, da bei
uns noch stellenweise Edelkastanie und Lorbeer, in Südfrankreich
aber noch Palmen (Chamaerops und Sabal) gedeihen. Ob man
angesichts dieser klimatischen Verhältnisse, die günstiger als
unsere jetzigen waren, bereits das Auftreten „nordischer“ Formen
auf das Konto der in ferner Zukunft kommenden Eiszeit setzen
darf, scheint mir sehr zweifelhaft. Auch im nordischen Pliocän,
z. B. von England, tritt C. islandica auf, und zwar bereits in
den ältesten Schichten, dem Coralline Crag, besonders aber in dem
Red Crag, der im Alter dem älteren Pliocän etwa Südfrankreichs-
am Mt. Luberon mit Hipparion etc. entsprechen soll (cf. Deperet :
Sur Läge absolu des faunes ä Mammiferes pliocenes du Plateau
central et des eruptions volcaniques contemporains. Bull. soc. geol-
de France. 1893. p. XCIV ff.). Dieses Vorkommen wäre demnach
genau gleichalterig dem in Piemont, und man müßte dann, der
üblichen Methode folgend, an irgendeine Meeresverbindung denken,
die C. islandica zu einem Vorstoß nach dem „abgekühlten“ Süden
benutzt hätte.
Ich habe bereits eingangs daran erinnert, daß wir den Grund
für gewisse Wanderungen nicht stets einzusehen vermögen; wenn
aber eine boreale Form, wie es C. islandica heute ist, in ein südliches
Klima auswandert, so ist sie eben dort keine boreale Form
mehr, sie hat sich dem neuen Klima angepaßt, und alle Schlüsse
auf das Klima, die man aus ihrem Auftreten zieht, sind hinfällig.
Interessant ist das Vorkommen der C. islandica im Pliocän
des Piemont und des Mte. Mario in anderer Beziehung: Entweder
wir glauben an ihre Wanderung nach dem Süden zur Pliocänzeit,
dann sehen wir in ihr ein Beispiel dafür, daß diese Form, die
heute boreal ist, recht anpassungsfähig war. Ihre damals größere
Verbreitung bietet nichts besonders Auffallendes , wenn man die
Klimafrage außer acht lassen kann, und so gliedert sich ihr
Vorkommen im Pliocän von Italien und Diluvium von Sizilien
ganz zwanglos in den von Sacco anfgestellten Stammbaum ein.
Die andere Möglichkeit aber liegt einerseits in der erheblichen
Variationsbreite der Art C. islandica, anderseits in der großen
Ähnlichkeit, die große Cyprinen untereinander haben; mit anderen
Worten: es ist durchaus nicht gesagt, daß die als „ C . islandica L. “
bezeichneten Formen des piemontesischen und römischen Pliocäns,
sowie des sizilischen Diluviums wirklich dieser Art angehören,
sondern sie sind eben Abkömmlinge von Cyprinen aus älteren
Tertiärschichten, und bei der für große Formen der Gattung
Cffprina ziemlich beschränkten Variationsfähigkeit haben sich die-
selben Formen der Schale in verschiedenen Meeren wiederholt.
Daß wir im Pliocän Siziliens keine Cyprina finden, die als
Vorfahre der „unmittelbar auftretenden C. islandica “ gelten könnte,
ist mit als Beleg für die Einwanderung zur Diluvialzeit aus dem
176
E. Wepfer, Ueber das Vorkommen
Norden herangezogen worden, in Wirklichkeit aber ganz un-
wesentlich: — wenn wir erwarten könnten, immer gleich an Ort und
Stelle die Vorfahren einer Form in der nächstälteren Ablagerung
zu linden, so stünde es gut um unsere Wissenschaft! — Die Vor-
fahren liegen in diesem Fall im Pliocän vom Mte. Mario und dem
des Piemont, und deren Vorfahren wiederum mögen C. rotundata
u. a. sein, — zugleich auch die Stammeltern unserer subfossilen
und rezenten C. islandica der nördlichen Meere.
Von einem allmählichen Vorrücken der „C. islandica“ nach
dem Süden von der Pliocänzeit ab bis ins Diluvium kann demnach,
da sie ja bereits im älteren Pliocän von Algier (s. o.) vorkommt,
nicht die Rede sein, abgesehen davon, daß eine solche Wanderung
nur eine scheinbare sein könnte (sie kann wirklich durch die
Lückenhaftigkeit der Überlieferung vorgetäuscht werden): — durch
diese Ausführungen scheint mir erwiesen, daß der „C. islandica “
in Sizilien zu viel Bedeutung beigelegt worden ist.
Von den übrigen, durch di Monterosato (1. c.) u. a. als
boreal bezeichneten Arten kommt Pectunculus glycymeris nach
PERunra-lRELLi (1. c. 1907. p. 118) am Mte. Mario vor, in Formen,
die er mit solchen aus dem Postplioeän der Insel Rhodos ver-
gleichen konnte, und lebt ferner im Adriatischen Meer. Dosinia
lupinus var. lincta findet sich nach demselben nicht nur am Monte
Mario (1. c. 1908. p. 46/47), sondern nach Sacco (1. c. Teil XXVIII.
p. 49) auch im Astiano und Piacenziano des Piemont; Pecten
septemradiatus kommt nach Sacco (1. c. Teil XXIV. p. 38) in den-
selben Stufen des älteren Pliocän vor und ebenso Trochus cinereus
im Astiano (1. c. Teil XXI. p. 24).
Freilich sind noch zwei Arten vorhanden, die besonders
schwer zugunsten der nordischen Einwanderung ins Gewicht fallen1 :
es sind Mi/a truncata und Panopaea norvegica, die im italienischen
Pliocän offenbar fehlen und vielleicht wirklich nordische Formen
sein könnten; sie leben auch jetzt nicht mehr im Mittelmeer. Sie
wären aber demnach erst zur Diluvialzeit eiugewandert,
was zur Not verständlich erscheint — falls sich nicht auch ihre
Vorfahren noch im Pliocän des Mediterrangebiets finden sollten.
Wer sich je mit den jüngsten tertiären Bildungen Italiens
beschäftigt hat, der weiß, welche Schwierigkeiten sich einer ge-
nauen Altersbestimmung jener oft außerordentlich fossilreichen
Schichten entgegenstemmen. Beim Studium der dem Gebirge rand-
1 Ich bin Herrn Professor Frech sehr dankbar, daß er mich in diesem
Zusammenhang an das Vorkommen von Nephrops norvegicus im Mittel-
meer erinnert hat; ich bin der Ansicht, daß sich die weite Verbreitung
dieses Decapoden (norweg. Küste, Adria, Golf von Neapel) für diese Frage
nicht direkt verwerten läßt, da eine Wanderung in dieser wie in jener
Richtung denkbar ist. solange nicht paläontologische Tatsachen entscheiden
können. Und die fehlen meines Wissens bis jetzt noch.
von „Cyprina islandica" im Postpliocän von Palermo. 177
lieh angelagerten Geröllageu, Sande und Tone, drängt sich - —
ganz abgesehen von dem Charakter der Ablagerungen selbst —
schon rein dui’cli das Landschaftsbild das Bewußtsein auf, im
alten Meeresstrand darin zn stehen. Aus dieser Tatsache allein
ergibt sich die Notwendigkeit, mit raschem faziellem Wechsel zu
rechnen: in der Umgebung eines felsigen Vorsprungs hält sich
eine andere Fauna auf, als am flachen Strand am Ausgang eines
Tales. Und daraus sollte sich ein für allemal der Versuch ver-
bieten , durch bloßes Abzählen der Arten und Abwägen ihres
Mengenverhältnisses an den verschiedenen Fundpunkten das gegen-
seitige Alter feststellen zu wollen. Und doch finden wir diese
Methode, deren Unzuverlässigkeit durch das Weiterleben so vieler
plioeäner Formen in der Jetztzeit gewissermaßen ad oculos de-
monstriert wird, so oft angewendet. Die einen Formen werden
am alten Strand hier, die anderen dort gelebt haben, und daraus
ergiebt sich schon eine Verschiedenartigkeit der Faunenzusam-
mensetzung, ohne daß ein verschiedenes Alter angenommen wer-
den muß.
Anderseits ist es die Langlebigkeit gewisser Arten, die dazu
verführen könnte , gewisse Ablagerungen , die für verschieden alt
angesehen werden, für gleichalterig zu halten ; so finden sich im
Pliocän von Palombara Marcelliua bei Rom, das älter sein soll als
die Schichten des Mte. Mario \ Bänke mit Cladocora caespitosa ; die-
selben Bänke findet man in den Steinbrüchen des „Siciliano“ an
den Falde del Pellegrino (Palermo), also im marinen Diluvium.
Im Hinblick auf diese Schwierigkeiten glaube ich die Vermutung
aussprechen zn können , daß bei der angedeuteten Methode des
Abzählens erhebliche Irrtümer sich einschleichen müssen, und der
Schluß, daß dort, wo wir etwa Mya truncata und Panopaea nor-
vegica finden, Diluvium und nicht Pliocän vorliegt, scheint mir
eventuell aus derselben Quelle dieses gleichen Irrtums fließen zu
können. Dieser Gedankengang ist es, der berechtigte Zweifel
über die Verwendbarkeit auch dieser beiden Arten im Sinne nordi-
scher Faktoi'en in mir auf kommen läßt.
Betreffs der übrigen als boreal bezeichneten Formen kann ich
zunächst nur der Vermutung Ausdruck geben , daß es sich dabei
teils um irrige Bestimmungen, teils um ähnliche Verhältnisse wie
bei Cyprina islandica handeln mag, die vielleicht auch z. T. unter
dem Einfluß der überschätzten Bedeutung der C. islandica stehen
mögen.
1 Cerulli-Irelli e de Axgelis d'Ossat : I molluschi fossili pliocenici
di Palombara Marcellina. Boll. soc. geol. 17. p. 88 ff.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913.
12
178 R- Kowarzik, Ueber zwei neue bisher nicht beschriebene
Ueber zwei neue bisher nicht beschriebene Funde des
Moschusochsen aus dem belgischen Diluvium.
Von Rudolf Kowarzik.
Während der Sommermonate 1912 unternahm ich mit Unter-
stützung des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht eine
Studienreise durch Nordeuropa. Obwohl der Zweck dieser Reise
in der Lösung des Problems der Abstammung der Schafe be-
stand, habe ich doch auch Gelegenheit gefunden, auf mein letztes
Interessengebiet zurückzukommen, nämlich, weiteres Material zur
Phylogeuie des Moschusochsen zu untersuchen. Da es sich um
bisher in die Literatur nicht aufgenommene aber sehr wichtige
Funde handelt, will ich ganz kurz eine Besprechung derselben
bringen.
Im „Musee Royal d’Histoire Naturelle“ in Brüssel zeigte mir
Herr Professor Louis Dollo zwei Reste des diluvialen Moschus-
ochseu, die beide aus belgischem Boden stammen und die ersten
in diesem Lande entdeckten Zeugen des ehemaligen Vorkommens
dieses arktischen Tieres sind. Es handelt sich um Reste eines
Männchens und eines Weibchens.
Ersteres, das die Nummer 3094 trägt, ist zweifellos das best-
erhaltene Exemplar, das in irgend einem Museum steht. Außer
dem ziemlich vollständigen Schädel sind die drei letzten Halswirbel,
neun Rücken- und drei Lendenwirbel erhalten. Vier Rippenfragmente
und ein Stück der linken Scapula vervollständigen das Skelet.
Was den Schädel anbelangt, so bildet eine tiefe Tränengrube
das hervorstechendste Merkmal desselben. Auf die Bedeutung der
Tränengrube zur Erkenntnis der Phylogenie des Moschusochsen
habe ich in meiner Monographie dieser Gattung1 hingewiesen. Am
vorliegenden Schädel ist nur das rechte Tränenbein erhalten, das
linke fehlt. Das Basioccipitale ist fast quadratisch, der Hinter-
hauptskamm nur schwach gebogen, fast gerade. Die Muskeleindrücke
unter demselben sind sehr tief, was — wie ich in der erwähnten
Arbeit ausgesprochen habe — auf ein mächtiges Gehörn deutet.
Die gewaltigen fast unverletzten Hornzapfen am besprochenen
Exemplare bestätigen diese Annahme. Von den Hornzapfen ist
der linke ganz, der rechte in der Mitte entzweigebrochen. Doch
wurde das verlox-en gegangene Stück durch eine Masse ersetzt, so
daß der Zapfen in seiner ursprünglichen Länge und Gestalt sich
darstellt.
Außer den geschilderten Teilen ist noch der obere Teil der
Augenröhren, das linke Nasale, ein Teil des linken Oberkiefers
und ein kleineres sowie ein größeres Stück des Oberkiefers erhalten.
1 Der Moschusochs im Diluvium Europas und Asiens. Denkschriften
der math.-naturwisseusch. Klasse der Kaiserlichen Akademie der Wissen-
schaften. Wien 1912. 87.
Fnnde des Mosehusochsen a. d. belgischen Diluvium.
179
Was das Sktdett anbelangt, sind au den erhaltenen Wirbeln
die verschiedenen Apophysen größtenteils abgebrochen, wie das bei
so stark exponierten Knochen kein Wunder ist. Zwischen dem
ersten und dem zweiten Rückenwirbel fügt sich eine kurze rechte
Rippe an, zwischen dem zweiten und dritten wieder eine kleinere
Rippe derselben Seite und eine auf der linken Seite. Zwischen
dem fünften und sechsten Wirbel lenkt rechts ebenfalls ein Rippen-
fragment ein. Der dritte und der sechste Halswirbel tragen Dorn-
fortsätze, ersterer ist länger, letzterer kürzer.
Es war ein glücklicher Gedanke Professor Dollo's, das Skelett
des gefundenen Tieres durch ein Gestell aus Eisen nachzubilden,
wobei die erhaltenen Reste an der entsprechenden Stelle eingefügt
wurden. So hat man ein gutes Bild von der Größe und den Ver-
hältnissen des Moschusochsen, wie er im Diluvium in Belgien gelebt
hat. Die besprochenen Reste wurden bei Tirlemont im Jahre 1886
gefunden.
Das zweite im ..Musee d'Histoire Naturelle“ vorhandene Exem-
plar ist durch den Schädel eines Weibchens repräsentiert. Der-
selbe umfaßt den Gehirnteil, den oberen Teil der linken Augen-
röhre, ein Stück des linken Tränenbeines, beide Hornzapfen sowie
einen Teil des linken Jochbogens und zwar den Processus zygo-
maticus des Schläfenbeines. Im erhaltenen Tränenbeine ist eine
deutliche Tränengrube vorhanden. Der Hinterhauptskamm ist stark
gebogen, die Gruben unter demselben bei weitem nicht so tief wie
bei dem beschriebenen Männchen. Damit im Zusammenhang stehen
auch die schwachen Hornzapfen, lauter Erscheinungen, wie ich sie
in meiner zitierten Monographie als Charakteristik des weiblichen
Moschusochs-Schädels ausgesprochen habe. Das Stück wurde bei
Rupelmonde im Jahre 1888 gefunden.
Was nun das Alter beider Funde anbetrifft, so gehören beide
unzweifelhaft der Mammutzeit an — wie mir Herr Professor Doixo
diesbezüglich mitteilte. Über die Bedeutung dieser Reste möchte
ich folgendes sagen. In meiner erwähnten Arbeit habe ich aus
meinen Untersuchungen die Schlußfolgerung gezogen, daß die zwei
von mir unterschiedenen Gruppen des rezenten Moschusochsen, die
östliche — Ovibos moscliatus — ■ und die westliche — 0. maclcen-
sianus — eine verschiedene Phylogenie besitzen. Nur die der
letztgenannten spielt sich auf europäischem Boden ab, während die
Vorfahren der östlichen Gruppe nie den Boden unseres Kontinents
betreten haben. Die beiden eben beschriebenen Funde stehen nun
damit vollständig im Einklang. Es handelt sich um zwei typische
Vertreter des Ovibos mackensianus Kow., also um Tiere, die sich
von den im Westen der großen nordamerikanischen Wasserscheide
wohnenden Moschusochsen gar nicht unterscheiden. Deren unmittel-
barste Vorfahren sind aber in Sibirien und in Europa zu suchen,
weil dieser Typus von Moschusochsen am Schlüsse der Eiszeit vor
180 R- Hundt, Eine Ergänzung zu -Organische Reste“ etc.
der allzugroßen Wärme hauptsächlich auf dem Wege über Rußland
und Sibirien und die damals noch ein Festland bildende Behrings-
straße nach Nordamerika zurückwich. Der Umstand , daß der
Typus Ovibos mackensianus in Belgien schon zur Mammutzeit
vollständig entwickelt war, spricht am besten dafür, wie richtig
meine Trennung der lebenden Moschusochsen in zwei verschiedene
Gruppen war, und die Grenze zwischen beiden gewinnt dadurch
noch an Bedeutung.
Zum Schlüsse danke ich noch Herrn Professor Louis Dollo
lierzlichst für seiu freundliches Entgegenkommen und die Erlaubnis,
photographische Aufnahmen der Funde machen zu können.
Über neue interessante Funde diluvialer Moschusochsen auf
amerikanischem Boden werde ich im dritten Teile meiner Mono-
graphie, die sich mit der Phylogenie des Typus Ovibos moschatus —
der die Polarländer und das östlichste Nordamerika bewohnt —
beschäftigt, berichten.
Eine Ergänzung zu „Organische Reste aus dem Untersilur
des Hüttchenberges bei Wünschendorf an der Elster“.1
Von Rudolf Hundt-Gera.
Die in der Arbeit „Organische Reste aus dem Untersilur etcA
erwähnten beiden Problematika Silur- Dictyodora und Silur- Palaeo-
dictyum wurden von A. Auerbach nachträglich auch publiziert2.
Er führt die Silur -Dictyodora als IJictyodora Liebeana Weiss an.
Diesen Namen hat E. Zimmermann für die Culm -Dictyodora vorge-
schlagen, nachdem er nachgewiesen hatte, daß die verschiedenen
Schnitte des Fossils unter drei verschiedenen Namen in der Wissen-
schaft bekannt waren 3. Deshalb möchte ich für diese Silur-Z)ic-
tyodora nachträglich den Namen Di ct y odo r a Z i tn m e r tu a n n i n . sp.
einführen, benannt nach dem Königl. Preuß. Landesgeologen Prof.
Dr. E. Zimmermann, der die ersten Reste dieser Dictyodora
Zimmer mann i n. sp. im Untersilur von Lössau bei Sclileiz auf-
fand4, dem wir auch die ausführliche Monographie der Dictyodora
Liebeana Weiss verdanken. Daß die Dictyodora Zimmermanni n. sp.
1 Dies. Centralbl. 1912. 3. p. 91 — 95.
A. Auerbach, Dictyodora Liebeana Weiss aus dem Untersilur von
Wünschendorf. 53—54 Jahresber. d. Gesellsch. v. Freund, d. Naturwissen-
schaft zu Gera. p. 127 — 128.
3 E. Zimmermann : Dictyodora Liebeana Weiss, und ihre Beziehung
zu Vexillum Rouault, Palaeochorda marina Geinitz und Crossojtodia
Henrici Geinitz. 32 — 35 Jahresber. d. Gesellsch. v. Freund, d. Natur-
wissensch. zu Gera p. 28 — 63.
4 E. Zimmermann: Dictyodora Liebeana. Naturwissenschaftliche
Wochenschr. 1893.
M. Berek, Mineralogischer Demonstrationsapparat.
181
auch anderweitig im Untersilur gefunden worden ist, stellte der
Verfasser schon fest1, z. B. in den „schistes de Barrancos“ Por-
tugals. An den bisher im Untersilur Wünscliendorfs gesammelten
Didyodora-Resten fiel schon Auerbach die geringe Höhe der Exem-
plare auf, die nach Zimmermann an den Gulmexemplaren an der
für ihre Erhaltung besonders günstigen Stelle bei Wurzbach 6 cm und
vom Schiefenbruch Luitpold bei Heinersdorf im Frankenwalde bis 20 cm
beträgt2. Auch die Schleifenbildung ist bei der Dictyodora Zimmer -
mannt eine andere , engere, als bei Dictyodora Liebeana Weiss.
Das andere Problematikum, das Palaeodictyum , das auch
im Culm ein stetiger Begleiter der Dictyodora ist, wurde in den
Untersilurschichten der Hiittchenberge bei Wünschendorf mit auf-
gefunden. Für dieses schlage ich den Namen P alaeodict yum
Eiseleanum n. sp. vor, nach dem verdienten Erforscher Ost-
thüringer Graptolithen Robert Eisel benannt. Er ist viel weniger
häufig als Dictyodora Zimmermanni und die in der ersten Arbeit
genannten Wurmspuren.
Neue Instrumente und Beobachtungsmethoden.
Mineralogischer Demonstrationsapparat.
Von M. Berek in Wetzlar.
Mit 3 Textfiguren.
(Mitteilung aus den optischen Werken von E. Leitz, Wetzlar.)
Der im folgenden beschriebene Apparat erfüllt nachstehende
Anforderungen :
1. Bei min er alogisch - petrographischen Übungen
und Vorlesungen kann der Dozent einem kleineren Zuhörer-
kreise alle Arten der mikroskopischen Untersuchungsmethoden im
polarisierten Licht in horizontaler oder vertikaler Projektion bei
beliebiger Vergrößerung vorführen.
2. Der Apparat ermöglicht die Projektion von Übersichts-
bildern bis zur Größe von 24 mm Durchmesser und ist daher
geeignet für die Demonstration der Gesetze der Doppelbrechung
und Polarisation an größeren Kristallplatten und Keilen.
3. Er ist für die Projektion von Diapositiven bis zum
Format 9X12 einschließlich verwendbar.
4. Er gestattet m ik r o p h o t ograp h is che Aufnahmen
in beliebig kleiner bis stärkster Vergrößerung auszuführen.
5. Er eignet sich infolge seiner Lichtstärke in vertikaler
Lage ausgezeichnet für kristall-optische Messungen aller Art.
1 Rudolf Hundt: Vertikale Verbreitung der Dictyodora im Palaeo-
zoikum. Dies. Centralbl. 1912. p 542 — 543.
5 E. Zimmermann. Erläuterung zu Blatt Lobenstein p. 51.
182
31. Berek.
6. Er ist als Beobach tun gs in st rum ent dem Mikroskop
vorzuziehen, weil er den Beobachter unvergleichlich weniger ermüdet.
V . Er ist als Zeichen a p p a r a t benutzbar.
Fig. 1.
Allgemeine Anordnung.
Die auf einer Tischplatte montierte gußeiserne Säule S (Fig. 1),
welche die Hochstell- und Drehvorrichtung für Horizontal- und
Mineralogischer Demonstrationsapparat bei vertikaler Mikroprojek-
tion mit photographischer Kamera.
Mineralogischer Demonstrationsapparat.
18o
Vertikalprojektion trägt, entspricht ganz der Anordnung des Zeichen-
lind Projektionsapparates nach L. Edinger1, welcher in wissenschaft-
lichen Kreisen eine weite Verbreitung gefunden hat. Nach Lösung
der Schraube li kann der Träger T des gesamten optischen Systems
in zwei mit cm-Teilung versehenen Gleitschienen gehoben oder ge-
senkt werden. Der Träger T besitzt ebenfalls Gleitschienen, in
denen die einzelnen Teile der optischen Anordnung mit Klemm-
vorrichtungen befestigt werden können. Um von der Vertikal- zur
Horizontal-Projektion überzugehen, zieht man den Knopf 1; (in
Fig. 3 sichtbar) an und dreht T um die Horizontalachse h beliebig
nach links oder rechts, bis k wieder einschnappt.
Lichtquelle ist der positive Krater einer allseitig zentrierbaren
Liliputbogenlampe für Gleich- oder Wechselstrom mit 5 Amp. Strom-
verbrauch. Diese Handregulierlampe kann auf Wunsch mit einem
regulierbaren Uhrwerk ausgestattet werden, welches die Kohlen,
entgegen der nur zeitweise erfolgenden elektromagnetischen Re-
gulierung, ununterbrochen (D.R.P. angemeldet) vorwärtsschiebt,
so daß der positive Krater seine Lage unverändert beibeliält. Zu
der Lampe gehört ein passender Vorschalt- Widerstand. Die Lampe
kann mittels Steckkontaktes an jede Hausleitung angeschlossen
werden.
Im Prinzip abweichend gegenüber dem Projektionsapparat
nach L. Edinger ist, entsprechend den anderen Anforderungen an
den Strahlengang, die gesamte optische Anordnung. Die
metallische Hülse H, welche die Lampe teilweise umschließt, läßt
sich beiseite klappen. In den mit ihr verbundenen Arm E läßt sich
ein Teil des Beleuchtungssystems zusammen mit dem Polarisator ein-
setzen. Dieser Teil der optischen Anordnung enthält, von der Licht-
quelle aus gezählt, zunächst eine in metallene Stäbchen gefaßte
Kollektorlinse, welche zur Erzielung großer Lichtstärke von dem
sehr hohen Öffnungsverhältnis von annähernd 1 gewählt ist. Diese
Linse bildet den Krater in dem Polarisator ab, der aus einem
Prisma nach Glan-Thompson besteht. Um eine schädliche Er-
hitzung des Prismas zu vermeiden, wird der ordentliche Strahl im
Kalkspat nicht, wie bei den übrigen Prismen, an der Wandung des
Polarisators absorbiert und seine Energie in Wärme umgesetzt,
sondern er tritt schräg nach vorn durch das in der Hülse G sicht-
bare Fenster aus (D.R.G.M. 382 769. 382 7G8)2. Am Ende dieser
Hülse sitzt die Collimatorlinse, aus der ein nahezu paralleles
Strahlenbündel austritt. Die genannten optischen Teile sind
gegen Wärmezuleitung von der metallischen Hülse H ausgiebig
isoliei’t. Bei mehrstündiger ununterbrochener Benutzung des Appa-
rates wird zwar die Metallhülse H entsprechend heiß , doch
1 L. Edinger, Zeitschr. f. wiss. Mikrosk. etc. 24. 26; 1907.
2 W. v. Ignatowsky, Zeitschr. f. Instr. 1910, 217.
184
M. Berek,
weisen die darin sitzenden optischen Teile, vor allein der Polari-
sator, eine schädliche Erwärmung nicht auf. Die auf die Kollektiv-
linse von den Kohlen der Lampe herniederfallenden Kohlenteilchen
Fig. 2. Mineralogischer Demonstrationsapparat mit Universaldrehtisch
nach Fedorow.
sind von Zeit zu Zeit mit Hilfe eines Pinsels abzustreichen. Der
Hebel g und der Lampentrieb r, die in dem abgebildeteu Modell
noch vom Apparat nach L. Edinger übernommen sind, erweisen
sich bei vorliegendem Strahlengang als überflüssig und werden
Mineralogischer Demonstrationsapparat.
185
daher zukünftig bei der Ausführung des Apparates fortgelassen.
Die Lampe wird gleich von vorherein in passender Höhe am
Träger T montiert.
Auf den Gleitschienen des Trägers T sitzen ferner verschieb-
bar zwei mit Klemmvorrichtungen versehene Reiter A und B.
A besitzt einen Doppelarm. Der eiue M trägt den mittels Zahn und
Trieb s verstellbaren Kondensorrevolver. Dieser enthält drei Kon-
densoren und ein Leerloch, entsprechend den verschiedenen zu be-
nutzenden Vergrößerungen. Eine seitliche an der Triebbewegung s
angebrachte Skala gibt Aufschluß über die günstigste Wahl des
Kondensors bei gegebenem Objektiv, sowie gleichzeitig über die
günstigsten Stellungen der einzelnen Kondensoren. Über der
Öffnung der festliegenden Revolverscheibe sitzt eine Apertur-Iris-
blende. Der andere Arm X trägt einen drehbaren Objekttisch,
welcher in ganze Grade mit 5 ' = Nonius- Ablesung geteilt ist.
Der Reiter B endlich (stets ganz am Ende der Schiene T
zu befestigen) trägt eine mittels Zahn und Trieb t verschiebbare
und Feineinstellung v versehene Schlittenführung, in welche das
Projektionssystem (Mikroskop, Projektionsobjektive) eingeschoben
und in einer durch Anschlag markierten Lage festgeklemmt wer-
den kann.
Verwendungsmöglichkeiten.
1. Mikroprojektion. — Für die Mikroprojektion im polari-
sierten Licht wird in die Schlittenführung des Armes B ein minera-
logischer Mikroskoptubus eingeschaltet. Die Objektive
werden mittels einer Schlittenzange z am Tubusende befestigt und
sind in zwei aufeinander senkrechten Richtungen zentrierbar. Da
jedes Objektiv seine eigene Zeutriervörriclitung hat, so kann man
auch beim Wechseln der Objektive mit stets zentriertem System
arbeiten, wenn einmal für jedes Objektiv die Zentrierung ausgeführt
ist. Unter dem Okular sitzt der ausschaltbare Analysator n in
einem drehbaren, mit Gradteiluug versehenen Kreise. Der Über-
gang von der orthoskopischen zur konoskopischen Pro-
jektion vollzieht sich, wie bei subjektiver Beobachtung im Mi-
kroskop, einfach durch Einschalten der AMici-BERTRAxu’schen Linse b.
Diese ist in der Längsrichtung des Tubus verschiebbar und außer-
dem mit Hilfe zweier Justierschrauben zentrierbar. Ihre relativ
kurze Brennweite gewährleistet die Möglichkeit, verhältnismäßig
große Achsenbilder zu erzielen. Die Scharfstellung erfolgt durch
Heben und Senken der Bertrandlinse.
Der Apparat kann auch zur Projektion von Achsenbildern dicker
Präparate eingerichtet werden.
Ueber die erreichbaren Vergrößerungen mit Hilfe der gebräuch-
lichen Achromate und HuYGHENs’schen Okulare gibt bei einem
186
M. Berek.
Abstand von 250 nun zwischen der Projektionswand und dem
Okular folgende Tabelle Aufschluß :
Vergrößerungen der Achromate mit den HuYOHKNs'schen Okularen
bei 250 mm Abstand von der Projektionswand.
Objektiv
0
Okular
i | ii
ui
1
13
16
19
26
2
23
29
35
46
3
41
51
62
82
4
73
91
109
146
5
133
167
200
267
6
192
240
288
384
7
250
312
375
500
Die Vergrößerungszahlen ändern sich proportional der Ände-
rung des Abstandes zwischen Okular und Projektionswand. Bei
einem Schirmabstand von 2\ m bei horizontaler Projektion gelten
also die zehnfachen Vergrößerungswerte der Tabelle. Solche
Schirmabstände kann man auch für die stärksten Vergrößerungen
enthalten, wenn in verdunkeltem Raum durch Schirmwände für hin-
reichende Abblendung des seitlichen Lichts gesorgt wird. Eine
passende Verdunklungsvorrichtung für horizontale Projektion wird
auf Wunsch geliefert, ist jedoch bei Beschränkung auf schwächere
und mittelstarke Systeme (z. B. Objektiv 4 mit Okular 1) gänzlich
entbehrlich. Die vertikal auf die Tischplatte ausgeführte Projektion
ist so hell, daß sie bei Tageslicht ausgeführt werden kann.
Als Projektionsschirm benutzt man eine Gipstafel oder einen
Bogen Papier; Aluminiumschirme erweisen sich außer wegen ihres
geringen Streuungswiukels bei der Projektion von Achsenbildern
auch deswegen als weniger brauchbar, weil sie die Farbwerte un-
gewohnt wiedergeben.
Abgesehen von der Verwendung bei Demonstrationen bietet
dieser Apparat gegenüber der subjektiven Beobachtung
eine Reihe von Vorteilen:
Eine gegenseitige Aussprache am Mikroskop ist durch das
Nacheinandereinsehen sehr erschwert. Doppelokulare lassen sich
aber für mineralogische Instrumente nicht benutzen , weil infolge
der Polarisation bei der Prismen-Reflexion bei gekreuzten Nikols
je nach Lage des Doppelokulars der eine Beobachter nichts sieht
oder die Intensität für beide Beobachter zu gering ist , bei aus-
geschaltetem Analysator aber das Gesichtsfeld dem einen Beobachter
wie zwischen parallelen, gekreuzten oder auch beliebig orientierten
Prismen erscheint. In vertikaler Lage bietet hingegen der vorliegende
Mineralogischer Demonstrationsapparat.
187
Apparat ein einfach zu handhabendes Mittel zur gegenseitigen
Verständigung und Belehrung. Audi als Arbeitsinstru-
ment ist der Demon strati onsapparat in vertikaler Lage jedem Mikro-
skop vorzuziehen. Zunächst ist die Beobachtung mit beiden Augen,
sowie die Möglichkeit, beim Arbeiten eine beliebige zwanglose
Fig. 3. Horizontale Diapositivprojektion.
Haltung einnehmen zu können, nicht in demselben Maße ermüdend.
Andererseits entspringt aus der Verwendung einer höheren Licht-
intensität auch die Möglichkeit, Messungen mit größerer Ge-
nauigkeit ausführen zu können. Besonders charakteristische Stellen
und Stellungen mit Bezug auf das Okular-Fadenkreuz können auf
einem auf den Projektionstisch gelegten Stück Papier einfach
1<S8
M. Berek, Mineralogischer Demonstrationsapparat.
nach ge zogen werden. Wie bei der subjektiven Beobachtung,
so können auch hier bei der Projektion Kompensator nach Babinet,
Okularspektroskop , Heiztische und Abkiihlungsvorrichtungen und
andere Nebenapparate benutzt werden.
Im besonderen möge noch auf die Verwendbarkeit des Uni-
versal-Dreli tisch es nach Fedorow hingewiesen werden. Be-
kanntlich ist die Anwendbarkeit dieses Drehtisches auf besonders
groß gebaute Mikroskopmodelle1 oder Spezialstative 2 beschränkt.
Da bei dem vorliegenden Demonstrationsapparat eine Behinderung
der Drehungsmöglichkeiten durch das Stativ wie bei mittleren
Mikroskopmodellen nicht stattlindet, außerdem vorteilhafterweise
die Auflagefläche des Objekttisches der Lichtquelle zugewandt
ist, so steht nichts im Wege, auch eine so große Ausführungsform
des Universal-Drehtisches zu verwenden, daß Präparate gewöhn-
lichen Formats benutzt werden können (Fig. 2). Man braucht nur
den Kondensorrevolver M mittels des Triebes s hinreichend vom
Objekttisch zu entfernen. Auch hier fällt die erhöhte Lichtstärke
bei vertikaler Projektion, sowie die Möglichkeit, bequem demon-
strieren zu können, vorteilhaft ins Gewicht.
2. Projektion von Übersichtsbildern. — Für die Pro-
jektion im polarisierten Licht bei sch wachster Vergrößerung
wird statt des Mikroskoptubus ein besonderes , in kurzem Rohr-
ansatz gefaßtes Projektionsobjektiv eingeschaltet. In das Ende
des kurzen Rohres wird der Analysator vom Mikroskoptubus ein-
gesetzt. Der Kondensorrevolver wird auf das Leerloch eingestellt.
Die Vergrößerung ist bei einem Schirmabstand von 250 mm eine
zirka dreifache. Das übersehene Feld des Präparates hat einen
Durchmesser von 24 mm.
Diese Anordnung ist daher für Übersichtsbilder von Dünn-
schliffen, ganzen Kristallplatten, Kristallkeilen, Glimmertreppen,
gepreßten Gläsern und ähnlichem mit Vorteil zu verwenden. Legt
man z. B. auf den Drehtisch ein Kalkspatrhomboeder, entfernt
den Analysator und bildet die möglichst weit zugezogene Irisblende
auf der Projektionswand ab, so kann man bequem die Grundgesetze
der Doppelbrechung und Polarisation demonstrieren.
Die Helligkeit bei dieser Art von Projektion ist besonders groß.
3. Diapositiv-Projektion (Fig. 3). — An Stelle der
bisherigen Beleuchtungsvorrichtung wird ein großer Doppelkonden-
sor eingesetzt. Unmittelbar davor wird der Diapositivrahmen mit
auswechselbaren Schiebern bis zum Format 9X12 mittels zweier
Klemmschrauben befestigt. Der Arm A wird entfernt und in den
Schlitten des Armes B das anastigmatische Projektionsobjektiv
(Sumraar f = 115 mm, F : 5) mit Irisblende eiugeschoben. Bei
einem Schirmabstand von 2| m ist die Vergrößerung eine ca. 22 fache.
1 Z. B. Stativ A von E. Lkitz, Wetzlar.
* C. Leiss, Dies Centralbl. 1912. p. 733.
Versammlungen und Sitzungsberichte.
189
4. Photographische Aufnahmen (Fig. 1). — Für photo-
graphische Aufnahmen dient eine an der Säule S mit zwei Klem-
men zu befestigende Kamera, mit Balgen, Zeit- oder Moment-
verschluß und Lichtabschluß als Verbindungsstück mit dem Apparat.
Bei Benutzung des Aufsatz-Analysators wird das Verbindungsstück
mit Hilfe des Analysators an den Analysatorteilkreis angeklemmt
und so getragen. Die Einstellung erfolgt bei gehobenem Balgen
auf einer in den aufliegenden Rahmen eingeschobenen Papierwand.
Es empfiehlt sich, vorher die an beiden Seiten des Balgens befind-
lichen Litzen an den beiden Knöpfen am Verschlußbrett zu be-
festigen. Die Kassette ist für Platten bis zum Format 24 X 30 cm
verwendbar.
Der Demonstrationsapparat ist für jede der Verwendungs-
möglichkeiten 1 — 4 gesondert lieferbar.
Die Notwendigkeit, einen kleinen für mineralogische und petro-
graphische Praktikumszwecke geeigneten Projektionsapparat mit
Polarisationsvorrichtung zu konstruieren, ergab sich für die optischen
Werke von E. Leitz auf Grund einer Anregung und Bestellung
des Herrn Geheimrats Professor Dr. F. Rinne in Leipzig, in dessen
Institut auch das erste Exemplar des Apparates in Gebrauch ist.
Die schwierigen Aufgaben in der mechanischen Ausführung
hat Herr Werkmeister P. Weilinger elegant gelöst.
Wetzlar, Januar 1913.
Versammlungen und Sitzungsberichte.
Londoner Mineralogische Gesellschaft. Sitzung am
21. Januar 1913 unter dem Vorsitz von Dr. A. E. H.
Tutton. F. R. S.
T. V. Barkeu und J. E. Marsh: Optische Aktivität
und Enantiomorphismus der Molekular- und Kristall-
struktur. Die allgemeine Natur der enantiomorphen Strukturen,
die die optische Aktivität im flüssigen und kristallisierten Zustand
begleiten, wurde besprochen, und es wurde hervorgehoben, daß,
da die optische Aktivität der Kristalle von sechs Substanzen,
darunter Bittersalz und Natriumchlorat , nicht aus der Kristall-
struktur abgeleitet werden kann, sie auf eine enantiomorphe Gestalt
der Atome in den Molekülen bezogen werden muß. Passende
enantiomorphe Formen sind aus chemischen Gründen abgeleitet
worden, indem die Konstitution der Verbindungen auf einer Modi-
fikation von Werner’s Theorie der Koordination beruht. Die
Symmetrie der neuen Raumformeln ist in vielen Fällen identisch mit
der Symmetrie der Kristalle, und besonders der Natronsalpeter
kann am besten betrachtet werden als ein Racemat, herrührend
190
Versammlungen und Sitzungsberichte.
von der gegenseitigen Durchdringung von optischen Antipoden mit
räumlichen Konfigurationen ähnlichen denen, die für die aktiven
Formen des Natriumchlorats vorausgesetzt werden, derart, daß die
Symmetrie des doppelten Moleküls mit der des Rhomboeders identisch
ist. Derselbe Typus der Molekularstruktur ist auch zu vermuten
beim Kalkspat und der rhomboedrischen Form des Natriumchlorats,
die sich bei höherer Temperatur bildet. Es wird geschlossen, daß
viele Fälle von Dimorphismus von ähnlicher Art sind und , all-
gemeiner, daß polymorphe Umwandlung eingeleitet wird durch eine
Neuordnung der Atome im Molekül.
H. Colltngridge : Bemerkung über die Bestimmung
des optischen Achsen winkeis an Kristallen in Dünn-
schliffen. In dem Fall, wo eine optische Achse in dem Sehfeld
sichtbar ist , kann die Position der zweiten Achse zweckmäßiger
bestimmt werden, als nach den Methoden von Becke und Wright
aus der optischen Achsenebene und der Auslöschungsrichtung durch
das Zentrum des Feldes.
Dr. G. F. H. Smith: Graphische Bestimmung von
Winkeln und Indizes in Zonen. Zwei Methoden werden
beschrieben, die, abweichend vom Monogramm, nicht auf recht-
winkelige Zonen beschränkt sind. Bei der einen wird eine doppelte
Tangentenskala auf eine Schar von Linien gelegt, die, wie bei
einer gnomonischen Projektion, auf eine Zonenebene augeordnet
sind, in der Weise, daß die 01- und 11-Linien die Skala unter
den gegebenen Winkeln schneiden ; die zu beliebigen Indizes ge-
hörigen Winkel oder umgekehrt können direkt auf der Skala
abgelesen werden. Bei der zweiten Methode wird ein doppeltes
Diagramm angewendet, dessen eine Hälfte eine neue Form des
Mariogramms und die zweite eine Darstellung der Winkel, deren
Kotangenten die Differenz der Ivotangenten der gegebenen AVinkel
ist. Die Methode ist allgemein und unbeschränkt in ihrer Anwendung.
Dr. J. Drugman : Über Goldschmidt’s Apparat zum
Schneiden von Kristallmodellen. Der Mechanismus wurde
beschrieben und seine Verwendung erläutert.
Professor H. L. Bowman: Über eine Knolle von Eisen-
kiesen. Die oktaedrische Form und die Streifung auf den Flächen,
welche die Ecken der winzigen Kriställchen abstumpfen , lassen
diese eher zum Pyrit gehörig erscheinen als zum Markasit, wie es
gewöhnlich geschieht.
Eine aus einer Amethystdruse geschnittene chinesische Schale
uud ein Satz von Wagschalen und Gewichten , wie sie von den
einheimischen Juwelenhändlern in Indien zum Wiegen der Perlen
benützt werden, wurde von F. N. A. Fleischmann, resp. von
E. Hopkins ausgestellt.
Besprechungen.
191
Besprechungen.
M. Brauhäuser: Die Bodenschätze Württembergs.
Stuttgart 1912. 325 p. 37 Fig.
Das Werk stellt eine Übersicht dar über die in Württemberg
vorhandenen Erze, Salzlager, Bausteine, Mergel, Tone, Ziegelerden,
Torflager, Quellen, über ihre Verbreitung-, Gewinnung und Ver-
wertung. In überaus geschickter und anziehender Weise wird
zunächst ein Überblick gegeben über den geologischen Auf-
bau Württembergs. Es werden — schon immer mit Bezug-
nahme auf' die nutzbaren Mineralien und Gesteine — die einzelnen
Württembergs Boden zusammensetzenden Formationen und Schicht-
glieder besprochen, wobei besonderer Wert auf deren Entstehungs-
geschichte, ihre äußeren Erscheinungsformen und auf die Faktoren,
die diese bedingen , gelegt wird. Im speziellen Teil werden die
einzelnen Bodenschätze nach ihrer praktischen Seite besprochen.
Er umfaßt folgende Abteilungen:
Bergbau.
1 . Erzbergbau : Gold — Silber — Kobalt — Kupfer —
Blei — Mangan — Wismut — Eisen. Anhang: Schwer-
spat und Flußspat.
2. Salzgewinnung und Salzbergbau: Sulz — Hall — Niedern-
hall — Clemenshall — Wilhelmshall — Friedrichshall —
Heilbronn.
Baumaterialien.
1. Bausteine.
2. Mörtel und Zement.
3. Tone und Ziegelerde.
4. Anderweitige Baumaterialien.
Straßenmaterial.
1. Pflastersteine und Randsteine.
2. Schottermaterial.
Anderweitig benützbares Gestein.
T orfgewinnu n g.
Quellen.
Grundwasse r.
Mineralquellen und Thermen.
Wildbad — Liebenzell — Teinach — Mergentheim — Niedernau —
Stuttgart — Hoheneck — Teußer Bad — Göppingen — Boll —
Sebastiansweiler — Ditzenbach — Ueberkingen — Jordan-
bad — Brielquelle und Nierazbad — Laimnau.
Böden und natürliche Meliorationsmittel.
Anhang: Geologische Karten.
Es muß hierbei besonders erwähnt werden das liebevolle Ein-
gehen auf die Kenntnisse, die frühere Jahrhunderte von den Boden-
schätzen besassen und auf die Verwendung dieser im Lauf der
192
Besprechungen. — Berichtigung. — Personalia.
Zeiten. Dadurch und weil Verf. seine Angaben durch wertvolles
statistisches Material bis zur Gegenwart aus z. T. noch nicht be-
arbeiteten Urkunden, alten Fachzeitschriften etc. stützt, wird das
Werk auch volkswirtschaftlich sehr wertvoll. — Aus dem reichen
Inhalt kann nur einzelnes noch besonders hervorgehoben werden,
so der Abschnitt über die natürlichen Bausteine, der viele
z. T. neue Angaben enthält über Verwitterung, Wetterbeständig-
keit, Wechsel in der Güte des Materials; die Eignung der Gesteine
zu Straßen material wird eingehend besprochen. Besonders
gut gelungen ist der ausführliche Abschnitt über Quellen, Grund-
wasser und Mineralquellen. Sogar die B ö d e n werden auf
Grund ihrer geologischen Herkunft besprochen, an Hand der An-
gaben der schönen neuen geologischen Spezialkarte Württembergs.
So findet der Fachmann vieles aus der weit zerstreuten Einzel-
literatur hier verständnisvoll und durch eigene Forschungen des
Verf.’s vermehrt zusammengefaßt, dem geologisch interessierten
Laien wird leichtverständlich und in außerordentlich anziehender
und gefälliger Sprache die Kenntnis nicht nur der Bodenschätze,
sondern auch eines guten Teiles württembergischer Heimatkunde
vermittelt. H. Schneiderhöhn.
Berichtigung.
In der Abhandlung: Petrographisch chemische Untersuchung
einiger jungvulkanischer Gesteine aus der Umgebung des Victoria-
sees etc. von M. Goldsohlag, dies. Centralbl. 1912. No. 19.
p. 586 — 599 sind folgende Korrekturen anzubringen:
p. 592 Zeile 17 statt s: 62,17; A: 9,56; C: 4,06; F: 9,59; muh es heißen:
s: 63,03; A: 8.33; C: 5,49; F: 9,37.
„ 592
„ 19
s: 62,17: a: 8,23; c: 3,49; f: 8,26 ; k: 0,96
muß es
heißen: s: 63,03; a: 7,18; c : 4,73 ; f: 8,08;
k: 1,03;
d 592
, 21
7)
s : 62 ; a : 8 ; c : 3,5 ; f : 8,5 ; muß es heißen
: s : 63 ;
a : 7 ; c : 5 ; f : 8 ;
„ 595
» 29
7)
F: 42,22 muß es heißen: F: 41,65;
, 597
* 3
F: 30,27 „ „ „ F: 31,27;
n
a: 2,48 ; c: 1,88; f: 15,63: muß es heißen :
a: 2,42;
c: 1,83; f: 15,75.
■ 599
» 9
7)
3,49 muß es heißen: 4.73.
Personalia.
Am 15. Januar 1913 starb der bekannte Chemiker und
Mineraloge Dr. Georg- August Koenig, seit 1892 Professor der
Chemie an dem Michigan College of Mines in Houghton, Mich.,
früher Professor der Chemie, Mineralogie und Geologie an der
University of Pennsylvania in Philadelphia. Er studierte in
Berlin, wurde in Heidelberg zum Doktor promoviert und beschrieb
u. a. mehrere neue Mineralien.
Ernannt: a. o. Professor Dr. W. Volz zum o. Professor der
Geographie in E r 1 a n g e n.
C. Doelter und E. Dittler, Bauxit oder Sporogelit?
193
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Bauxit oder Sporogelit?
Bemerkungen zu der Arbeit von M. Kispatic „Bauxite des kroatischen
Karstes und ihre Entstehung“.
Von C. Doelter und E. Dittler (Wien).
In unserer Abhandlung 1 2 versuchten wir mit Hilfe von Färbe-
versuchen nachzu weisen , daß in den bisher als „Bauxit“ be-
zeichneten Gesteinen neben den Mineralien Diaspor, Hydra r-
gillit (Gibbsit) und einigen akzessorischen Gemengteilen
ein kolloides Tonerdehydrat existiert, welchem wir den ursprüng-
lichen Namen „Bauxit“ beließen, indem wir zugleich für das das
kolloide Tonerdehydrat enthaltende Gestein den Namen „Bauxitit“
(ähnlich dem Quarzit, Diasporit) vorschlugen. Wir haben damals
die den „Bauxit“ als Hauptgemengteil enthaltenden Gesteine als
Kolloid- Alumolithe den vornehmlich aus Diaspor, Gibbsit und
Kaolin bestehenden Kr i s t a 1 1 o i d - A 1 um o 1 i t h e n gegenübergestellt.
M. Kispatic 2 ist nun erfreulicherweise unabhängig von uns und
auf einem anderen als dem von uns eingeschlagenen Wege zu
ähnlichen Resultaten gekommen. Er fand die Bauxitite aus einem
der Hauptmenge nach aus Al2 03 • 1H2 0 bestehenden Kolloide zusam-
mengesetzt, das er mit dem neuen Namen Sporogelit bezeichnete3.
Der von uns vorgeschlagene Name Bauxit für das Tonerde-
kolloid und Bauxitit für das Gestein dürfte aber nach unserem
Dafürhalten besser entsprechen, weil das Gestein, ähnlich wie z. B.
Quarzit, Diasporit nach seinem Hauptbestandteile „Bauxit“
benannt werden würde.
M. Kispatic betrachtet den S p o r o ge 1 i t als die Gelform des
Diaspor (daher der Name) und läßt ihm wie diesem ein Molekül
H20 zukommen; es ist jedoch zweifelhaft, ob der Wassergehalt
wirklich ein konstanter ist.
M. Kispatic teilte den Wassergehalt aus dem Glühverlust
(H2 0 -f- C 02) der analysierten Proben in der Weise auf, daß er
konsequent 1 Molekül H2 0 für das Kolloid und den Diaspor in
Anspruch nahm und den Rest auf Hydrargillit und die Gel-
1 E. Dittler und C. Doelter, „Bauxit, ein natürliches To n-
er deh y d r o gel“. Z. f. Chem. u. Ind. der Koll. IX, 6. p. 282; ferner Dies.
Centralbl. 1912. 1 und 4.
2 M. Kispatic, Bauxite des kroatischen Karstes und ihre Entstehung.
N. Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXIV. 1912. p. 513.
3 Wollte man einen neuen Namen einführen, was uns jedoch überflüssig
erscheint, so hätte wohl der CoRNü'sche Name Kliachit die Priorität.
CentralblaU f. Mineralogie etc. 1913. 13
194
C. Doeltev und E. Dittler. Bauxit oder Sporogelit?
f o r m e n des Eisenoxyds und der Kieselsäure (letztere mit
2 H2 0 ?) verrechnete. Abgesehen davon, daß auch dem Eisen-
oxyd, welches doch auch in kolloider Form — M. Kispatiö nennt
es Hämatogelit — vorliegt, ein größerer Teil des Wassergehaltes
zugesprochen werden müßte, scheint diese ganz willkürliche Be-
rechnungsweise auch aus dem Grunde nicht einwandfrei, weil der
Bauxit (Sporogelit) als Gel kaum ein Hydrat von konstanter Zu-
sammensetzung darstellen dürfte.
Wir haben durch Versuche nachweisen können, daß künst-
lich dargestellte Hydrogele der Tonerde allmählich wasserärmer
werden und daß der Wassergehalt je nach der Konzentration
der Ausgangsstoffe, der Lagerungszeit und der Erwärmung
wechselt. Aus diesem Grunde haben wir auch dem Kolloid „Bauxit“
kein bestimmtes Äquivalent Wasser zngesprochen.
Jüngere „Bauxite“ dürften mehr Wasser enthalten, wie auch
der von M. Kispatiö untersuchte „Kljakit“ beweist, bei -welchem
die restlichen 10,9 1 °/o H20 nur schwer und nur unter der An-
nahme eines Kieselsäuregels mit 2H20 untergebracht werden können.
Bei einem Vergleich der beiderseits geschaffenen Nomen-
klaturen ergibt sich im übrigen Identität dieser Mineralien und
Mineralgemenge, wie kurz folgende Tabelle beweist:
Ki spatic und Tucan :
1. Sporogelit
(kolloides Tonerdehydrat
AL 03 • 1 H2 0)
Doelter und Dittler:
1 . Bauxit
(kolloides Tonerdehydrat
Al2 03xH2 0);
2. Bauxi tit
(Gestein mit überwiegend
Bauxit) ;
Bauxitit
3. Dias po rite
4. Gibbsitite.
2. Bauxit =
(Gestein mit überwiegend Sporo-
gelit)
Sporogelitbauxit =
3. Diasporbauxit =
4. hydrargillitführende
Sporogelit - bezw. Diaspor-
bauxite =
Wenn F. TuCan 1 den Namen Bauxit für das Mineralgemenge
und nicht für das kolloide Tonerdehydrat (nach M. Kispatic Sporo-
gelit) angewendet wissen will, so wird ohne besonderen Vorteil
für die Sache die Namensgebung schwerfällig und unübersichtlich,
überdies kommt ein neuer Name hinzu, der wegen des hypothetisch
angenommenen Wassergehaltes keine Berechtigung besitzt von
„Diaspor“ abgeleitet zu werden.
Wir glauben aus dem Umstande, daß unsere Untersuchung ein
Jahr früher publiziert wurde und die von uns vorgeschlageue Nomen-
klatur einfacher ist, unseren Namen den Vorzug geben zu müssen.
Mineralogisches Institut der k. k. Universität Wien.
F. Tucan, Zur Bauxitfrage. Dies. Centralbl. 1913. 3. 65.
H. Michel, Ueber das Auftreten von Rhönitbasalten etc. 195
Ueber das Auftreten von Rhönitbasalten im Böhmischen
Mittelgebirge.
Von H. Michel in Wien.
Mit 2 Textfiguren.
Seit J. Soellner 1 den Rhönit beschrieben hat, sind in zahl-
reichen Gesteinsgebieten, die atlantische Gesteine führen, Gesteine
mit Rliönit nachgewiesen worden, die bisweilen Rhönit als wesent-
lichen Gemengteil zeigen. J. Soellner selbst hat eine größere
Anzahl dieser Rhönitbasalte beschrieben, die zum größten Teile
aus der Rhön stammen.
Gelegentlich der Aufnahme der Erzgebirgsbruchzone im Westen
von Bodenbach a. E. fand der Verf. eine größere Anzahl von
rhönitführenden Basalten vor, von denen einige Rhönit als wesent-
lichen Gemengteil enthalten und demnach die Bezeichnung Rliönit-
basalt verdienen. J. Soellner erwähnt unter seinen Rhönitbasalten
auch vier aus Böhmen, vom Hasenberge zwischen Kfesin und
Sedlitz, von Zirkovitz, von Schlüsselburg und vom Rabenstein bei
Sebusein. Das letztere Vorkommen, dem Böhmischen Mittelgebirge an-
gehörig, ist sehr bemerkenswert, weil es sich als Melilithbasalt erwies,
der sonst im Mittelgebirge keine nennenswerte Verbreitung besitzt
und lediglich am Nordostrand in größeren Körpern und Gängen auftritt.
Mit Ausnahme dieser Angaben von Soellner sind sonst
Rhönitbasalte aus dem Böhmischen Mittelgebirge nicht beschrieben
worden, lediglich das Auftreten von Rliönit in mehreren Gesteinen
als Resorptionsprodukt von Hornblende wurde von J. E. Hibsch 2
erwähnt. Die vom Verf. am Nord Westrand zahlreich Vorgefundenen
rhönitführenden Gesteine scheinen im Innern des Mittelgebirges
bedeutend seltener zu sein, wie dies in gleicher Weise für die am
Nordostrand auftretenden Melilithgesteine gilt. Hier am Rande gegen
das Erzgebirge zu führen fast alle Gesteine Rhönit als akzessorischen
Gemengteil, in einigen derselben ist er aber ebenso reichlich wie
Pyroxen vorhanden.
Wenn der Rhönit bereits iu jenen Gesteinen, in denen er als
akzessorischer Gemengteil auftritt, den Habitus des Gesteines be-
trächtlich zu verändern vermag, so ist das in weit höherem Maße
dort der Fall, wo sich — zumeist in einem lokalen Differentiations-
produkt eines Gesteins — der Rhönitgehalt vermehrt. Die Rhönit-
basalte sind in den beiden Fällen, die im folgenden etwas näher
besprochen werden sollen, lokale Ausbildungen von Nephelinbasalt
und Nephelinbasanit. Es sind offenbar ganz besondere Verhältnisse
nötig, damit sich Rhönit in reichlicherem Maße bilden kann.
Von mancher Seite ist die Ansicht vertreten worden, daß der
gesamte Rhönitgehalt eines Gesteins durch Aufschmelzung eines
1 J. Soellner, Neues Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XXIV. p. 475.
5 J. E. Hibsch. Tscherm. Min. u. Petrogr. Mitt. 29. p. 406.
13*
196
H. Michel, Ueber das Auftreten von Rhönitbasalten
primären äquivalenten Hornblendequantums entstanden sei. So hat
H. Bücking 1 Gesteine aus der Bliön beschrieben, in denen das un-
zweifelhaft der Fall ist, und deshalb erkennt H. Bücking dein Rhönit
auch nicht jene klassifikatorische Bedeutung zu wie H. Bosen-
busch, der den Rhönit als „eine Art Leitmineral für die Effusiv-
formen der essexitischen Magmen, die Trachydolerite“ bezeichnet.
Unzweifelhaft beweisen die noch zahlreich in diesen Gesteinen
vorhandenen Pseudomorphosen von Rhönit — Augit — Olivin —
Plagioklas — Magnetit — nach Hornblende eine Enstehung von
Rhönit aus Hornblende. Unter anderen hat J. Soellner 2 solche
Pseudomorphosen gleichfalls beschrieben, und besonders X. Galkin 1 * 3
hat sich mit dieser Frage beschäftigt und gezeigt, daß diese Um-
setzung chemisch gut möglich ist. Es findet wohl auch in vielen
Fällen diese Umsetzung derart statt, daß sich auch in der Grund-
masse auf Kosten der Hornblende Rhönitkristalle bilden.
So richtig das für die von H. Bücking beschriebenen Gesteine
sein mag, ebenso sicher trifft das für unsere Gesteine nicht zu.
Es findet sich keine Spur einer primären Hornblende mehr in dem
ganzen Gesteinskörper, obwohl derselbe keine bedeutende Größe
besitzt und deshalb eine so vollständige Resorption der Hornblende
nicht zu erwarten ist. Man müßte eine vollständige Einschmelzung
annehmen, und zwar zu einer Zeit, zu der sich das Einschmelzungs-
produkt völlig gleichmäßig in der ganzen zur Eruption gekommenen
Masse verteilen konnte. Eine so vollständige und frühzeitige Ein-
schmelzung läßt sich aber auf keine Art beweisen und ist auch
sehr unwahrscheinlich ; wenn sie möglich wäre, könnte man für
alle Gemengteile sekundäre Entstehung behaupten.
In unseren Gesteinen ist vielmehr der Rhönit direkt aus der
Schmelze entstanden.
Die Untersuchung zweier Vorkommen ergab folgendes :
Basaltisches Gestein vom Kahlen Berg bei E u 1 a n
westlich Bodenbach.
Infolge des Auftretens des Gesteins auf der Kreuzungsstelle
des hier ungefähr WO verlaufenden Erzgebirgsbruches mit einem
XS streichenden Radialbruch ist das Gestein nahezu frei von Ein-
schlüssen. Zudem ist auch der Untergrund durch den präcretacischen
Bruch , an dem das Elbtalgebirge gegenüber dem Erzgebirge ab-
gesunken ist, gelockert. Als Einsprenglinge treten Olivin, Pyroxen,
Magnetit auf. Die Grundmasse besteht entweder aus Pyroxen,
reichlich Magnetit, Plagioklas, Nephelin, Apatit und spärlicher
1 H. Bücking, Die Basalte und Phonolithe der Rhön, ihre Verbreitung
und chemische Zusammensetzung. Sitzber. d. Berl. Akad. 1910. p. 490.
s J. Soellner, 1. c. p. 541.
3 X. Galkin, Chemische Untersuchung einiger Hornblenden und Augite
aus Basalten der Rhön. Neues Jahrb. f. Min. Beil.-Bd. XXIX. p. 681.
im Böhmischen Mittelgebirge.
197
Glasbasis, oder aber aus Pyroxen, reichlich Rhönit, sehr wenig
Plagioklas, fast keinem Magnetit, Nephelin , Apatit und Glas-
basis. Zwischen diesen beiden im Schliff ganz verschiedenes
Aussehen gewährenden Ausbildungsformen des Gesteins gibt es
Uebergänge.
Die Einsprenglinge sind im ganzen Gesteinskörper die gleichen,
der Olivin ist nahezu optisch neutral, enthält also rund 10 — 12°/o
Fe9Si04, häufig stark korrodiert, in den großen Korrosionsbuchten
haben sich größere Plagioklasindividuen gebildet in Gesellschaft
mit zierlichen Titaneisenskeletten, an die wiederum senkrecht
Biotitschüppchen angesetzt sind.
Der Pyroxen ist ein Titanaugit mit starkem Sanduhrbau und
mehrfacher Zonarstruktur. Häufig ist ein grüner Kern vorhanden,
an den sich zunächst eine farblose Hülle, sodann eine Hülle von
Titanaugit ansetzt. Orientierung und Lichtbrechung ändern sich
gesetzmäßig in diesen Anwachspyramiden und Zonen.
Am meisten Interesse beansprucht natürlich der Rhönit, der
in der Grundmasse auftritt und der das Aussehen der Grundmasse
stark beeinflußt. Er ist einsprenglingsartig in größeren Individuen
wie auch in feinen Körnern in der Grundmasse verteilt vorhanden;
es entspricht sein Auftreten also dem Typus 1 von J. Soellner.
Er zeigt den Pleochroismus: hellschmutziggelbgrün, dunkelbraun-
grün, rotbraunschwarz in der von Soellner angegebenen Orien-
tierung. Ebenso ergibt sich eine gute Übereinstimmung in den
Flächenwinkeln und Auslöschungsschiefen. Die überaus feine poly-
synthetische Zwillingsbildung nach b(010) ist gleichfalls häufig.
Lichtbrechung ist größer als Kanadabalsam, die Doppelbrechung
ist wegen der starken Eigenfarbe und der großen Absorptions-
unterschiede schwer abzuschätzen. Immer sind die Individuen
reichlich mit Pyroxenkörnern der Grundmasse durchspickt, woraus
hervorgeht, daß der Rhönit trotz seines einsprenglingsartigen Auf-
tretens der Effusivperiode angehört, ja sogar ein jüngerer Gemeng-
teil ist als der Pyroxen der Grundmasse.
Abhängig vom Rhönitgehalt erweist sich nun der Gehalt an
Plagioklas und Magnetit einerseits, andererseits auch das Korn,
des Gesteins. Die rhönitfiihrenden Partien des Berges liefern ein
bedeutend feinkörnigeres Gestein mit kleineren Einsprenglingen
von Olivin und Titanaugit und einer Grundmasse fast ohne Magnetit
und mit sehr wenig Plagioklas, die rhönitfreien Partien besitzen
viel größere Einsprenglinge von Olivin und Augit sowie eine an
den lichten Gemengteilen reichere und auch magnetitreichere
Grundmasse.
Es ist also der Rhönit vertreten durch Plagioklas und Magnetit.
Auf die Relation zwischen Rhönit und Magnetit haben bereits
J. Soellner und X. Galkin hingewiesen. Nach Soellner (1. c.
p. 502) kann man sich den Rhönit zusammengesetzt denken aus:
198
H. Michel. Ueber das Auftreten von Rhönitbasalten
1 Fe"Fe2"' (SiTi) 06
1 Fe" Al., (Si Ti) Os
1 Mg AI, (Si Ti) 06
3 (Mg Ca), Si04.
Aus diesen Formeln ersieht man, daß sich statt des Rhönits
ein Gemenge von Pyroxen, Olivin, Magnetit sowie einem tonerde-
reicheren Mineral bilden kann. Das tonerdereiche Mineral wird
wahrscheinlich ein Feldspat sein, der aus dem Magma Alkalien
bindet. Ersichtlich ist nur die Bildung des Plagioklases und
Magnetites, da die Olivine und Pyroxene unter den bei’eits vor-
handenen verschwinden.
Es hat also bereits im Magma nach seiner chemischen
Zusammensetzung die Möglichkeit gelegen, Rliünit zu bilden, nur
ist er lediglich in lokal beschränkten Partien gebildet worden. Es
sind Uebergänge im Rhönitgehalt vorhanden, die zwischen zwei
Extremen schwanken. Das eine Endglied ist der reine Rhönit-
basalt, das andere Endglied ist ein Nephelinbasanit.
Für die Bestandfähigkeit des Rhönits scheinen ähnliche
Bedingungen zu gelten wie für die basaltische Hornblende,
wenigstens findet sich Rhönit dort, wo Hornblende auch bestand-
fähig wäre, im Innern des Eruptivkörpers, andererseits beweisen
die Pseudomorphosen nach Hornblende, in denen der Rhönit auf-
tritt, daß doch verschiedene Existenzbedingungen für beide Minerale
notwendig sind. Da der Rhönit stets nur der Effusivperiode an-
gehört, außerdem zu den jüngeren Bildungen der Grundmasse zu
zählen ist, aber nie als intratellurischer Einsprengling auftritt,
darf man wohl annehmen, daß bei dem in der intratellurischen
Periode herrschenden Druck und bei hohen Temperaturen Rhönit
nicht bestandfähig ist, wohl aber kann Hornblende bestandfähig
sein. Dagegen muß bei den Temperaturen, wie sie gegen das
Ende der Effusivperiode auftreten, Rhönit bei höherer Temperatur
beständig sein, auch scheint ein verhältnismäßig größerer Druck
dazu erforderlich zu sein, weil der Rhönit in den inneren Partien
des Eruptivkörpers auftritt. In Anlehnung an ein von Prof. F. Becke 1
gegebenes Diagramm über die Existenzbedingungen der Hornblende
seien die hier geäußerten Vermutungen über die Existenzbedingungen
des Rhönits gleichfalls graphisch und im Verhältnis zu denen der
Hornblende wiedergegeben. (Fig. 1.)
In dieser Figur bedeutet wie im BECKE’sclien Diagramm die
Linie FF die Grenze für die Temperaturen, bei denen die Schmelze
zu erstarren beginnt, unterhalb der Linie SS ist alles erstarrt.
Die Linien HH und IiR sollen die oberen Grenzen darstellen,
bei denen Hornblende und Rhönit noch bestandfähig sind. Die
Linie AD stellt nun die Zustände dar, die ein Ergußgestein bei
1 F. Becke, Gesteine der Columbretes. Tschermak's Min. u. Petr. Mitt.
16. p 331.
im Böhmischen Mittelgebirge.
199
der Erstarrung durchmacht, und zwar gibt das stark ausgezogene
Stück A B die Zustände wieder, die eintreten müssen, damit sich
primäre Hornblende bilden kann,
das gestrichelte Stück der Kurve
AB jedoch die Zustände für den
Fall, daß es zu keiner Bildung
von primärer Hornblende kommt.
Die Existenzkurve von Rhönit
ist nun gegenüber der von Horn-
blende so eingetragen, daß die
oben vermuteten Bedingungen
erfüllt sind. Inwieweit diese
Vermutungen in der Natur erfüllt
erscheinen, ist schwer sicher zu
entscheiden. Die graphische Dar-
stellung soll nur qualitativ die
Verhältnisse darstellen und ist
nur auf Vermutungen gegründet.
Daß Rhönit auch den Magnetit zu ersetzen vermag, spricht
dafür, daß zu den Bildungsbedingungen für Rhönit auch der Um-
stand gehört , daß sich das Magma eisenreich erhalten kann bis
zum Zeitpunkt der Rhönitbildung. Gleichzeitig geht daraus hervor,
daß die Magnetitbildung nicht immer in das früheste Stadium der Ge-
steinsverfestigungfällt, sondern daß Magnetit auch als verhältnismäßig
junger Gemengteil auftreten kann. Durch die Rhönitbildung werden
dann dem Magma so viel Eisen und Tonerde entzogen, daß sich weder
Magnetit noch ein Feldspat oder Feldspatvertreter mehr bilden kann.
Mau könnte auch daran denken, daß zur Rhönitbildung eine
bestimmte chemische Zusammensetzung vorhanden sein muß, die
dadurch erreicht und erst dann erreicht wird, wenn sich die Ein-
sprenglingsgeneration von Olivin und Pyroxen ausgeschieden hat,
ohne daß dort jedoch Magnetit in größerer Menge sich gebildet hätte.
Deshalb fehlt er in der Einsprenglingsgeneration und auch überall
dort, wo sich viel Magnetit ausgeschieden hat. Wieso die Magnetit-
bildung bis zur Rhönitbildung verhindert wird, läßt sich nicht sagen.
Die Analyse eines rhönitführenden Stückes dieses Gesteins ergab :
Gewichtsprozente * Molekülprozente
Si02 . . . .
43,57
TiO, . . . .
. . . 3,32
2.45
Fea 0, • . .
. . . 4.77
—
Fe 0 . . . .
. . . 6,99
9,82
Al,0, . . . .
. . . 11,86
7,36
Mg 0 . . . .
... 11, *7
18,40
Ca 0 ... .
. . . 12,04
13,50
NaaO . . . .
. . . 1.66
1,84
k2o . . . .
. . . 3.68
2,45
P2o5 . . . .
. . . 0,76
0,61
Ht 0 ... •
. . . 1,82
—
100,48
100,00
200
H. Michel, Ueber das Auftreten von Rhönitbasalten
Die OsANN’sclien Zahlen ergaben sich folgend:
S = 46,02, A. = 4,29, F = 38,65, C = 3,07
s = 46,0, a = 2,0, c = 1,0, f = 17,0
n = 4,5 yd, m = 7,5 v <f, k = 0,65.
Diese Zahlen führen zu dem Typus Hutberg der Familie der
Limburgit.e und Augitite mit der Typenformel s = 47,5, a = 2,
c = 1, f — 17 oder dem Typus Käsegrotte der Nephelinbasalte
mit der Typenformel s = 44, a = 2, c = 1, f = 17. Die
Projektionspunkte aller drei Gesteine fallen übereinander, nur die
Kieselsäureordinaten sind verschieden. Von den Typen der Nephelin-
basanite, zu denen die nicht rhönitfülirenden Partien des Gesteins-
körpers am ehesten zu stellen wären , weicht unser Gestein ab,
so daß immerhin eine, wenn auch nur geringfügige Abweichung
in der chemischen Zusammensetzung dieser lokalen Ausbildungsform
angenommen werden könnte.
Aus den beigegebenen Molekülprozenten läßt sich leicht er-
sehen, daß in reichlichem Maße Feldspatvertreter vorhanden sein
müssen und daß das Fe in Orthosilikaten vertreten sein muß.
Das Gestein ist bei weitem nicht mit Kieselsäure gesättigt.
.T. Soellner hat einen ähnlich differenzierten größeren Eruptiv-
körper bei Forst in der Pfalz am Pechsteinkopf angetroffen und
beschrieben (1. c. p. 528).
Ganz ähnliche Verhältnisse wie in der Quellkuppe des Kahlen
Berges bei Eulau scheinen bei dem Deckenreste gewaltet zu haben,
der den
Hutberg südlich Königs w a 1 d bei Bodenbach
bildet. Nur ist es liier schwieriger, Vermutungen darüber auf-
zustellen , warum es in einzelnen Teilen zur Rhönitbildung kamr
weil es sich hier um einen Deckenrest handelt, dessen ursprüngliche
Form durch Errosion ganz verloren gegangen ist.
Die beiden Extreme, die hier anzutreffen sind, sind einerseits
wieder ein echter Rliönitbasalt, andererseits ein Nephelinbasalt.
Das gänzlich verschiedene Aussehen dieser beiden Typen wird
wiederum durch den Rhönitgehalt bedingt. Der Rliönit ersetzt
abermals Magnetit und Nephelin, die gleichzeitig statt Rliönit in
dem Nephelinbasalt gebildeten Olivine und Pyroxene verschwinden
unter den sonst im Gestein vorhandenen.
Das eine Endglied, der Rliönitbasalt, zeigt große Ein-
sprenglinge von Olivin und Pyroxen, so daß das Gestein ein grob-
körniges Aussehen gewinnt, im Gegensatz zu dem Rliönitbasalt des
Kahlen Berges, der dort die feinkörnigere Varietät darstellte. Der
Olivin ist negativ, 2 V„ = 86" entsprechend 23°/» Fe2Si04. Den
Pyroxeneinsprenglingen fehlt durchwegs der grüne Kern, sie haben
meist einen blaßvioletten bis farblosen Kern, um welchen braun-
violetter Titanaugit als Hülle angelagert ist. Sanduhrbau und
im Böhmischen Mittelgebirge.
201
Zonarstruktur fehlen auch hier nie. Die Olivineinsprenglinge über-
wiegen an Zahl und Größe weitaus.
Die Grundmasse besteht zum großen Teil ans einem dunkel-
braunvioletten Titanaugit mit einer Auslöschungschiefe c y im
Mittel — 5ö°.
Fast in gleicher Menge ist Rhönit vorhanden in großen,
einsprenglingsartigen Individuen, die jedoch durchwegs der Effusiv-
periode angehören. Reich durchspickt mit Pyroxenkörnern, kann
sich der Rhönit erst ganz zum Schluß der Pyroxenbildungsperiode
ausgeschieden haben und muß eine sehr große Kristallisationskraft
Fig. 2.
besitzen , um noch solch große Individuen mit stellenweise sehr
scharf idiomorpher Umgrenzung zu bilden. Neben den großen
Individuen finden sich auch zahlreich in der Grundmasse verstreute
kleinere Rhönitkörner. Der Rhönit zeigt den charakteristischen
Pleochroismus, Zwillinge nach b (0 1 0) sind recht häufig. Auch
gut kristallographisch begrenzte Schnitte senkrecht zu (010), also
mit scharfer Zwillingslamellierung und einer Auslöschung von
7° — 12" sowie Schnitte parallel 010 mit einer Auslöschung von
39° — 40° lassen den Rhönit mit Sicherheit erkennen.
Neben der gewöhnlichen Zwillingsbildung nach (010)b, ver-
gleichbar den Albitzwillingen der Plagioklase, finden sich Doppel-
zwillinge, von denen Fig. 2 einen zeigt.
202
H. Michel, Ueber das Auftreten von Rhönitbasalien etc.
Das in der Figur breiter erscheinende, von oben nach unten
verlaufende Individuum ist nahezu genau parallel zu b(010) ge-
troffen, das schräg von links oben nach rechts unten verlaufende
Individuum ist in der Zone der b-Achse annähernd senkrecht zur
c-Achse getroffen und zeigt daher scharfe Zwillingslamellen nacli
(010). (Ich verweise bei dieser Gelegenheit auf die von Soellner
gemachte Angabe, daß wegen der großen Undurchsichtigkeit des
Rhönits eine bedeutend stärkere Lichtquelle zur Untersuchung
nötig ist.) Über das Gesetz, das diesem Durchdringungszwilling
zugrunde liegt, lassen sich nur Vermutungen aussprechen. Es hat
den Anschein, als wäre die b (OlO)-Fläche des einen Individuums
parallel der c-Fläche (001) des anderen, als wäre die Achse a
gemeinsam. Dieses Gesetz ließe sich dann mit dem Bavenoer
Gesetz vergleichen.
Neben Rhönit und Pyroxen findet sich in der Grundmasse
noch etwas Magnetit, ab und zu ein Körnchen Nephelin, das in
der bräunlich getrübten, gekörnelten Glasbasis liegt. Apatitnädelchen
sind zahlreich vorhanden, desgleichen sind häufig skelettartige
Bildungen , wahrscheinlich Mikrolithe von Hornblende und Titan-
eisenskelette in der Grundmasse zu sehen.
Das andere Endglied, der Nephelinbasalt ohne Rhönit,
ist ein feinkörniges Gestein von violettschwarzer Farbe und fast
muscheligem Bruch. Es führt nur wenig Einsprenglinge von Olivin
und Magnetit. Der Olivin ist optiscli neutral entsprechend einem
Gehalt an 10 — 12°/o Fe2Si04 und häufig korrodiert. Magnetit
bildet gleichfalls größere Individuen, Pyroxen ist als Einsprengling-
äußerst selten.
Die Grundmasse besteht aus Pyroxen, Magnetit, Apatit,
Nephelin, Analcim und Glas mit Titaneisenskeletten. Magnetit
und Nephelin treten reichlich an Stelle des hier nicht zur Aus-
bildung gelangten Rhönits auf, und zwar in wohlbegrenzten großen
Kristallen.
In diesem Falle ist es schwer, über die Verhältnisse zu
urteilen , die bei der Eruption diese wechselnde Ausbildung ver-
ursacht haben. Der Rhönitbasalt bildet eine auf dem Nephelin-
basalt aufgelagerte Partie, vielleicht ist er nur eine Oberflächen-
fazies, vergleichbar manchen Glasbasalten am Rande und an den
Oberflächen größerer Eruptivkörper des Böhmischen Mittelgebirges.
Zwischen den beiden Endgliedern vermitteln Gesteine mit
einem Rhönitgehalt und geringerem Gehalt an Nephelin und
Magnetit, als der Nephelinbasalt besitzt. Diese Zwischenglieder
zeigen gewöhnlich Koagulationsstruktur, der Nephelin ist in größeren
lichten Flecken angereichert, die anderen Partien sind ganz nephelin-
frei und führen nur das braune Glas.
Es beeinflußt also auch hier der Rhönitgehalt wesentlich das
ganze Gestein.
Fr. Killig, lieber eine Umwandlung von Phyllit etc.
203
Beide hier angeführten Beispiele von Rhünitbasalten zeigen,
daß der Rhönitbasalt ein extremes Endglied von Reihen darstellt,
die von Nephelinbasalt und Nepheliubasanit zu ihm mit zahlreichen
Übergängen führen. Die Bezeichnung Rhönitbasalt ist aber wohl
nur bei solchen Gesteinen am Platze, die im wesentlichen aus der
Kombination Olivin, Pyroxen. Rliönit gebildet sind und wenig
Magnetit, Feldspäte oder Feldspatvertreter führen, dafür stellt sieh
ein trübes Gesteinsglas ein.
Mineralogisches Institut der Universität Wien, Jänner 1913.
Ueber eine Umwandlung von Phyllit in ein dichtes Paragonit-
gestein von der Korundlagerstätte am Ochsenkopf in Sachsen1
Yon Fr. Killig in Rüdersdorf.
Der Ochsenkopf bei Schwarzenberg in Sachsen ist von alters
her bekannt als Fundort von Schmirgel, der dem Phyllit lagerartig
konkordant eingeschaltet war und im 18. und 19. Jahrhundert
sogar bergmännisch abgebaut wurde; indessen ist von dem Berg-
bau heute fast nichts mehr erhalten : Schächte und Stollen sind
verschüttet, und selbst die Halden kaum noch zu erkennen.
Der Korund ist unzweifelhaft regionalnietamorphen Ursprungs ;
die Nähe eines im Phyllit deutlich hervortretenden Kontakthofes,
der vom benachbarten Eibenstocker Granitmassiv herrührt, läßt
zwar eine kontaktmetamorphe Entstehung näher liegend erscheinen,
doch konnte au der Hand eines Proliles, das auf Grund der An-
gaben in den vom Königlichen Bergamt in Freiberg zur Verfügung
gestellten Akten rekonstruiert wurde, der Nachweis erbracht werden,
daß zwischen Korund und Kontakthof eine mindestens 300 Meter
mächtige Masse normalen unveränderten Pli y llits einge-
schaltet ist.
Das Hauptgestein des Phyllitgebietes um den Ochsenkopf ist
ein blaugrüner oder auch grauer Phyllit von äußerst feinschiefe-
riger Beschaffenheit und mit höchst untergeordnetem Quarzgehalt,
während den Phylliten in der weiteren Umgebung ein auffallender
Quarzreichtum eigen ist. Entsprechend dem schon makroskopisch
festgestellten Befund erscheint der Phyllit im Schliff aus wasser-
hell durchsichtigen Glimmer bestehend, dessen Blättchen in Strängen
angeordnet sind und nur spärlich mit Chloritblättchen, Eisenerz-
partikelchen und Rutilkörnern vergesellschaftet sind, während Quarz
in diesen Phylliten nur selten in Augen oder Lagen auftritt.
1 Vergl. Mitteilungen des Naturw. Vereins zu Greifswald. 1912. p. 27 ff. :
Fr. Killig: „Das Korund- und Paragonitvorkommen am Ochsenkopf bei
Schwarzenberg in Sachsen*. Inaug.-Diss. Greifswald.
204
Fr. Killig, Ueber eine Umwandlung von Phyllit
Die chemische Untersuchung dieser quarzarmen bis -freien
Phyllite ergab folgende Zusammensetzung :
1. 2. 3.
Si02 .
. . . 51,79
51,63
47,02
46,97
42,69
42,41
Ti 0,
. . . 0,72
0,79
0,53
0,59
0,64
0,82
Al2 0,
. . . 30,96
30,40
33.38
33,36
40,52
40,62
Fe., ü3
. . . 0,85
0,80
0.81
0,60
0,69
0,75
Fe 0 .
. . . 1,89
1.92
2,29
2,53
1,40
1.36
MgO
. . . 1,36
1,42
2,00
1,79
1,83
1,97
CaO .
. . . 0,69
0,85
1,07
0,95
0,71
0,75
Na» 0
. . . 0,90
1,13
1,05
1,13
0,83
0.70
K2Ö .
. . . 4,96
5,11
6.14
6,12
5,99
5,50
h2o .
. . . 6,08
6,09
5,79
6,07
5,59
5,10
co2 .
... —
—
Sp.
Sp.
—
—
P20,
... —
—
Sp.
Sp.
—
—
100,20
100.14
100,08
100,11
100,89
99,99
1 Phyllit mit untergeordneten Quarzlagen. Halde am Ochsenkopf.
o J Feinschuppiger quarzfreier Phyllit vom verschütteten Schacht.
Auffällig an diesen Analysen ist der hohe Alkali- und Ton-
erdegehalt der Gesteine. Diese chemische Zusammensetzung ist
jedoch nicht nur für die Phyllite des engeren Ochsenkopfgebietes
charakteristisch, sondern auch für entsprechende Gesteine aus der
weiteren Umgebung , so z. B. für einen äußerlich sowohl wie
mikroskopisch sich vom Ochsenkopfphyllit kaum unterscheidenden
Phyllit vom oberen Sachsenstein , nördlich vom Ochsenkopf, und
von einigen Aufschlüssen in Bockau am Fuße des Ochsenkopfes.
Äußerlich durch seine schwarze Färbung und mikroskopisch durch
einen Feldspat- und Granatgehalt scheint ein Phyllit von der
„Neubeschertglückfundgrube“ bei Antonsthal am Ochsenkopf aus
der Reihe herauszufallen; wie die andern Phyllite zeigt jedoch
auch dieser den hohen Alkali- und Tonerdegehalt. Von allen aus
der Umgebung des Ochsenkopfes untersuchten Phylliten weicht
nur ein sich äußerlich wie mikroskopisch von den andern nicht
unterscheidendes Gestein vom Turm an der „Morgenleithe“ durch
einen auffallend niedrigen Alkaligehalt von den übrigen ab.
Die Analysen dieser Phyllite ergaben :
4.
5.
6.
7.
8.
SiO» .
.... 42.81
42,66
58,41
52,54
48,07
Ti 0» .
.... 0,90
0,61
0,60
0,56
0,50
A12(53
.... 30.83
38,34
23,82
32.77
37,19
Fe, 0.,
.... 3,71
0,72
0,75
0,95
1,00
Feb .
. . 2,26
1,20
1,22
1,54
2.42
MgO .
.... 3,46
2,20
1,71
1,36
1,69
CaO .
.... 1,76
0,85
1,17
0,95
1,05
Na, 0
.... 0.61
1,01
1,36
0,82
0,37
K, 0 .
.... 7,17
6,61
6.72
3.32
1,88
h2o .
.... 5,62
5,88
4.22
5.27
5,80
CO, .
.... 0,82
Sp.
—
—
—
P2 05.
.... 0,15
—
—
—
10u,10
100.08
99,98
100,08
99,97
in ein dichtes Paragonitgestein etc.
205
4. Schwarzer Feldspatphyllit von der „Neubeschertglückfundgrube“ bei
Antonsthal.
5. Phyllit, quarzführend, oberer Sachsenstein.
6. Phyllit mit Spuren kontaktmetamorpher Veränderungen. Bockau.
7. Phyllit, quarzführend, schieferig, Bockau.
8. Phyllit, Turm an der Morgenleithe.
Der K o r u n d kommt in den Phyllitmassen am Ochsenkopf
in grobkristallinen, schwarzblauen Knollen meist in einem eben-
falls schon den alten Mineralogen wohlbekannten dichten Gestein
vor, dessen Beschaffenheit einer Bestimmung nach rein äußerlichen
Kennzeichen große Schwierigkeiten bereitete; die hellgrauen oder
bräunlichgranen, bisweilen auch rötlichen oder zart grünen Massen
wurden bald mit Agalmatolith, bald mit Nephrit, Talk usw. identi-
fiziert. Eine eingehende chemische Untersuchung dieser dichten
Gesteinsmassen und der zahlreichen Abarten ergab jedoch, daß es
sich hier um eine dichte Varietät von Paragouit handelt.
Da man in den wenigen aus Sammlungen stammenden Stücken
— an Ort und Stelle war Korund nicht mehr zu finden — meist
Korund und Paragonit nebeneinander vorfindet, liegt die Annahme
nahe, daß beide in einem genetischen Zusammenhang stehen, und
es ist in der Tat bereits einmal der Versuch gemacht worden,
auf Grund des Zusammenvorkommens von Korund und Paragonit
einen Schluß auf die Entstehung des letzteren zu ziehen. F. A.
Genth stellt in seiner Arbeit „Über Korund, seine Umwandlungen
und die ihn begleitenden Mineralien“1, in der er für eine große
Anzahl von Korundvorkommen auf Grund von mehr oder minder
deutlichen Pseudomorphosen Umwandlungen von Korund in die
verschiedensten Mineralien : Glimmer, Andalusit, Cyanit und andere
tonerdereiche Substanzen unzweifelhaft nachgewiesen hat, den Para-
gonit vom Ochsenkopf als ein Umwandlungsprodukt des Korunds hin.
Indessen beweisen der geologische Befund und die petro-
graphische Untersuchung, daß der Paragonit nicht aus Korund
entstanden sein kann. Für das geologische Vorkommen ließen
die Angaben in den Akten über den Bergbau erkennen, daß zwar der
Korund nur auf einen bestimmten Horizont im Phyllit beschränkt
war, das Auftreten des Paragonits aber keineswegs an das des
Korunds gebunden war; der Paragonit durchsetzte immer in un-
regelmäßigen, sich verzweigenden Trümmern und Sclimitzen, die
sich im Phyllit vielfach verloren, in beliebigen Richtungen den
immer gleichmäßig unter dreißig Grad nach Westen einfallenden
Phyllit , trat also völlig unabhängig vom Fallen und Streichen
desselben auf und zeigte somit auch geologisch keinerlei genetische
Beziehungen zum Korund und dessen Auftreten. Hingegen ließ
die petrographische Untersuchung einiger Handstücke unzweideutig
•Touin. f. prakt. Chemie. 1874. 9. p. 93.
Fr. Killig, Ueber eine Umwandlung von Phyllit
206
erkennen, daß der Paragonit aus dem Phyllit hervor-
gegangen ist: es fanden sich Stücke, die alle denkbaren Über-
gänge von Phyllit in Paragonit bisweilen auf engstem Raume
vereinigt zeigen.
Ein Handstück besteht z. B. an einer Ecke aus normalem
schwarzgrünem Phyllit, der die feinglimmerige Beschaffenheit und
den ausgezeichneten Seidenglanz zeigt, die den Phylliten der
Hegend um den Ochsenkopf allgemein eigen sind; einige Zenti-
meter weiter wird diese Masse einen Schein heller, dann grau,
wobei sie den Glanz verliert und einen stumpfen Schimmer erhält,
hierauf allmählich rötlichgrau, und schließlich besteht das Hand-
stiick aus jenem hellen , bräunlichgrauen, dichten Paragonit, wie
er von allen Handstücken des Vorkommens am Ochsenkopf,
mögen sie nun Korund führen oder nicht, bekannt ist. Sowohl
au diesem eben beschriebenen Handstück als auch an größeren
Blöcken von dichtem Paragonit läßt sich jedoch gewöhnlich eine
undeutliche, verwischte Schieferung, zum mindesten jedoch immer
noch eine Art roher Lagenstruktur erkennen, die sich aus dem
Phyllit, wo sie deutlich ausgeprägt ist, durch eine Übergangszone
in das Paragonitgestein hinein verfolgen läßt. An einigen Hand-
stücken desselben tritt besonders auf Klüften noch ein feiner Saum
eines blätterigen Minerals auf, das schließlich auch in Nestern
in größeren Mengen gefunden wurde und auf Grund seines minera-
logischen Verhaltens sowie einer Analyse ebenfalls als Paragonit
bestimmt wurde, — das erste bis jetzt beobachtete Vorkommen von
blätterigem Paragonit.
Wie makroskopisch läßt sich auch mikroskopisch der Über-
gang des Phyllits in Paragonit beobachten: die farblose, etwas
trübe Glimmermasse des Phyllits mit den geringen Mengen von
Chlorit und Eisenerzpartikelchen bekommt allmählich einen helleren
Ton, indem Chlorit und Eisenerze seltener werden. Die beglei-
tenden Bestandmassen erscheinen etwas zersetzt und verschwinden
schließlich ganz, während die im Phyllit seltenen goldgelben
Rutilkörnchen im Übergang zahlreicher werden; im Paragonit-
gestein erfüllen sie schließlich in Scharen oder auch zu Flecken und
Schlieren vereinigt das Gesichtsfeld, das besonders bei Abblendung
des Lichtes in unzähligen Pünktchen goldgelb aufleuchtet. Zweifellos
gellen diese Rutilmengen aus den Eisenerzpartikelchen hervor, da,
wie die nachfolgenden Analysen zeigen, eine Zunahme von Titan-
säure im Paragonitgestein nicht zu verzeichnen ist.
Die chemischen Analysen einer Reihe von Proben , die
einem oben beschriebenen Handstück entnommen wurden, bestätigen
die mit dem unbewaffneten Auge und dem Mikroskop beobachtete
Umwandlung des Phyllits; der auffällig hohe Kaligehalt desselben
macht nach und nach einem zunehmenden Natrongehalt Platz, und
das Kali wird schließlich bei den reinsten Varietäten des Para-
in ein dichtes Paragonit gestern etc.
207
gonitgesteins bis auf wenige Zehntelprozente durch Natron ersetzt
Die Analysen ergaben folgende Werte:
5.
9.
10.
11.
12.
13.
14.
Si02. .
. 42,66
43.09
44,82
44,54
43,86
44,01
45,12
TiO, .
. 0,61
0,57
0,60
0.62
0,57
0,67
0,71
AL 63 •
. 38,34
38,03
38,54
38,79
37,21
39,14
39,57
Fe203 .
. 0,72
0,83
0,45
0,41
0,73
0,62
0,31
Fe 0 . .
. 1,20
1,90
0,20
0,15
1,90
0,16
sp.
MgO .
. 2,20
1,11
0,59
0,36
0,28
0.22
0,11
Ca 0 . .
. 0.85
0,82
0,67
0,79
0,78
0,65
0,49
Na» 0 .
. 1,01
1,12
3,28
4.87
5,23
7.03
7,94
K20. .
. 6,61
7,31
5,32
3,88
3,62
1,76
0,47
H»0 . .
. 5,88
5.33
5,67
5,58
5,80
5,82
5,50
100,08
100,11
100.14
99,99
99,98
100,08
100,22
[5. Normaler Phyllit, vom oberen Sachsenstein (zum Vergleich).]
9. Phyllit, normal.
10. Phyllit mit ersten Anzeichen einer Veränderung.
11. — 12 Übergänge.
13. Dichter Paragonit, grau.
14. Dichter Paragonit, grau bis rosa.
Das Material zu den Analysen wurde einem einzigen Handstück
entnommen.
Es seien noch einige Analysen von Stücken angeführt, die
zwar nicht den Zusammenhang ' zwischen Phyllit und Paragonit
unmittelbar erkennen ließen , aber zweifellos derartigen Über-
gangsstücken entstammen, und zeigen, wie mannigfach das Ver-
hältnis von Kali und Natron in diesen Stücken bei äußerlich ge-
ringfügigen Unterschieden sein kann ; die Analysen ergaben :
15.
16.
17.
18.
Si 0., . . .
44,67
45,14
44,58
TiO, . . .
. . . 1,10
0,35
0,33
1,13
AL03. • •
. . . 38,92
36,17
39,38
39,87
Fe203. . .
. . . 0.41
0,87
0,74
0.70
Fe 0 . . .
0,14
0,16
0,18
MgO . .
. . . 0,10
0,82
0,35
0,55
Ca 0 . . .
. . . 1.03
2,32
0.73
0,49
Na, 0 . . .
. . . 4,47
5.08
3,98
3,10
K, 0 . . .
. . . 4,06
5,00
4,85
4,04
h2o . .
. . . 5,76
4,60
4,26
5,34
100,02
100,02
99,92
99,98
15. — 18. Übergänge von Phyllit in Paragonit.
Die Werte für Kali und Natron dieser Analysen entsprechen
Zwischengliedern, die in der vorigen Analysenreihe offenbar nur
fehlen, weil das Handstiick die Gewinnung von Material zu einer
größeren Anzahl Analysen nicht gestattete; aus beiden geht jedoch
208
Fr. Ivillig, Ueber eine Umwandlung von Phyllit etc.
mit Sicherheit hervor, daß im dichten Paragonit tatsächlich ein
Umwandlungsprodukt des Phyllits vorliegt.
Bei der Frage nacli der Ursache der Umwandlung
muß man zunächst in Betracht ziehen, daß am Ochsenkopf das
Paragon itgestein überall da, wo es in Verbindung mit Phyllit zu
beobachten war, fast ausschließlich auf Klüften auftritt, von denen
aus die Umwandlung vor sich gegangen zu sein scheint. Besonders
bedeutungsvoll aber ist der Umstand, daß nach Angabe der Akten
über den Bergbau — auf den Halden ist auch davon nichts mehr
zu linden — in Verbindung mit Paragonit meistens be-
trächtliche Lagerstätten von sulfidischen Erzen auf-
traten; dies deutet darauf hin, daß auf Klüften aufsteigende
wässerige Lösungen den Anlaß zur Umwandlung des Phyllits in
Paragonit gaben. Die natronzuführenden Wasser sind vielleicht
als eine Folgeerscheinung der Eruption des benachbarten Eiben-
stocker Granitmassivs aufzufassen.
Auch bei der Betrachtung anderer Erzlagerstätten kann man
häufig ebenso wie am Ochsenkopf feststellen , daß vielfach die
Gesteine in Verbindung mit der Erzablagerung eine teilweise schon
äußerlich sichtbare Umwandlung erlitten zu haben scheinen. Es
sei hier erinnert an die dem Paragonitgestein vom Ochsenkopf
ganz ähnlichen Bildungen von ungarischen Erzlagerstätten wie
Schemnitz ', Nagyag 2 3, Felsö Remete'4 und Kapnik4, sowie von einem
japanischen Bergbau in Satsuma5 *: von allen diesen Orten sind
Gesteine bekannt, die durch ihren Zusammenhang mit anderen Ge-
steinen erkennen lassen, daß sie aus diesen zweifellos unter der
Einwirkung der erzablagernden Lösungen hervorgegangen sind.
Merkwürdigerweise werden sie alle ohne Rücksicht auf ihre che-
mische Zusammensetzung, die meistens noch gar nicht ermittelt
ist, ohne weiteres als Agalmatolithe bezeichnet. Zu der gleichen
Art von Gesteinen gehört das sogenannte „Weiße Gebirge“ von
Holzappel a. d. Lahn, Wellmich und Wehrlau am Rhein, wo der
Zusammenhang der Umwandlung der Gesteine mit der Erzablage-
rung zuerst von A. Bauer1’ erkannt wurde; die gleiche Erschei-
nung stellte A. v. Groddeck7 im Anschluß an Bauer’s Arbeit an
Gesteinen von Erzlagerstätten von Mitterberg in Salzburg und
1 Berichte über d. Mitt. v. Freund, d. Naturw. i. Wien. ges. v. Hai-
dinger. 6. 1816—50.
J Jahrb. d. geol. Reichsanst. 8. p. 717; ferner: Klaproth, Beiträge.
2. p. 21.
3 F. v. Richthofen: Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 13. p. 261.
4 Jahrb. d. geol. Reichsanst. 2. p 245.
6 F. v. Richthofen: Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 13. p. 261.
s Karsten’s Archiv. 1841. 15. p. 137.
7 N. Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. II. 1883—84. p. 72.
Fr. v. Pävai-Vajna, lieber sarmatischen Daeittuff etc.
209
Agordo iu den Yenetianischen Alpen fest, wo die Bildung der als
„ Lagerschiefer“ bezw. „Weiße Schiefer“ bezeichneten glinimerigen
und sich ebenfalls fettig' anfühlenden Gesteine im wesentlichen in
einer Sericitisierung des Nebengesteins in Verbindung mit der
Eizablagerung besteht.
Das Paragonit- und Erzvorkommen am Ochsenkopf unter-
scheidet sich von den vorgenannten Lagerstätten wesentlich dadurch,
daß bei jenen eiue wenn auch sich meist in sehr beschränkten
Grenzen haltende Zuführung von Kali stattfand, während hier
n a t r o n haltige Lösungen in Verbindung mit den erzablagernden
Prozessen eine Verdrängung des Kaligehaltes verursachten ; somit
ist hier im Gegensatz zu der Sericitisierung bei den vor-
genannten Lagerstätten zum ersten Male eine „Paragoniti-
siernng" des Nebengesteins beobachtet worden.
TJeber sarmatischen Daeittuff in der Umgebung von Nagyenyed
nebst einigen Bemerkungen zur Arbeit des Herrn St. Gaal.
Von Dr. Franz von Pavai-Vajna.
Mit 3 Textfiguren.
(Schloß.)
Nun aber zur Sache!
Ich ersuche Herrn Privatdozenten Dr. Stephan Gaäi. uud alle
diejenigen, die den bewußten Artikel gelesen haben, sie mögen in
erster Reihe zur Kenntnis nehmen , daß ich nicht betreffs des
„Päräu Lazului“ nachgewiesen habe, daß dort „die auf den unteren
Horizont gelagerten sandigen, schotterigen Sedimente Blöcke des
unteren Horizontmaterials enthalten“. Ich habe mich nämlich in
diesem Sinne nur über Päräu Bärsä geäußert, nachdem meine
Untersuchungen hauptsächlich darauf Bezug haben. Jedoch muß
ich hier auch sogleich eingestehen, daß ich den von Herrn Gaal
erwähnten unteren Horizont damals noch nicht als „anstehend“
konstatiert habe und in Olählapäd auch noch heute nicht kenne
und daher die sandigen, schotterigen Sedimente auch nicht darauf
lagern lassen konnte. Ferner konnte Herr Gaal „die fossilien-
führenden Blöcke“ gar nicht untersuchen, weil von diesen nur
einer zurückgeblieben ist, die anderen habe ich selbst aufgearbeitet.
Dieser eine jedoch, welchen ich ihm gezeigt habe, stammt überhaupt
nicht aus den Sedimenten des unteren Horizontes und ich erwähne
die Cerithium-, Hydrdbia-, Limnocardhun - etc. Arten nicht aus diesem,
sondern führe Modiöla volhynica , eine gestreckte Tapes sp. und
Cardium lithopodolicum an; es ist also wieder von etwas anderem
die Rede, als wovon ich geschrieben habe. Ja selbst wenn er an
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913. 14
210
Fr. v. Pävai-Vajna, Ueber sarmatischen Dacittuff
das Fossilienmaterial der „Fossiliennester“ gedacht hätte, würde
seine Behauptung nicht den Tatsachen entsprechen, weil ich doch
diesbezüglich ganz bestimmt hervorgehoben habe, daß dort wieder
die „Serpeln, Ervilien, Hydrobien und Bullen die Hauptrolle spielen,
und zwar in verhältnismäßig großen Individuen und in einer großen
Artenanzahl“, wie auch an anderen Stellen, wo wir es mit unter-
sarmatischen Sedimenten zu tun haben und überhaupt nicht die
Cerithilm-, Hydrobia-, Limnocardium- Arten , wie das Herr Gaal
schreibt. Sodann erlaube mir Herr Gaäl noch, daß ich, in Er-
innerung an die oben erwähnte Donax- Art, das Vollkommen von
Dreissensia pölymorpha Pall. nov. var. und ]). Bugensis Andruss.,
welche aus dem in Frage stehenden Blocke herstammen sollen,
anzweifle, da sowohl ich selbst, wie alle diejenigen, die aus diesem
Blocke Fossilien gesehen haben, nur Modioien statt Dreissensien
Profil der Päräu Bärsä bei Olälilapäd nächst des dritten
linken Seitengrabens.
a. = sarmatischer Ton ; b. = sarmatischer sandiger Schotter mit Gevölle
und Konglomerat : c. = pannonischer Sand und Schotter mit großem Ge-
rolle : d. = pannonischer Planorbis- Mergel ; e. = pleistocänes lößartiges
Gestein und roter Ton.
erkannt haben. Übrigens möge er meine Zweifel hauptsächlich
jenem Umstande zuschreiben, daß er mir die fraglichen
Fossilien trotz meiner Bitte nicht zur Besichtigung
übersendet hat.
Schon aus dem bisher Gesagten ist es klar, mit welcher
geringen Gründlichkeit Herr Gaäl die Artikel anderer Leute hand-
habt und die eigenen verfaßt.
In Olälilapäd bestehen die sarmatischen Ablagerungen, wie
ich das schon in meiner Abhandlung wiederholt hervorgehoben
habe, aus dunklem bläulichgrauem Ton, sandigem feinkörnigem
Schotter und gröberem sandigem Schotter, welche sehr häufig
konglomeratisch sind. In diesem kommen die pannonische
Stufe bezeichnende Fossilien überhaupt nicht vor.
Im Traväs- Walde zeigt die Oberfläche dieser Ablagerungen Aus-
waschungen, welche als von einer einheitlichen Decke von grob-
körnigem losem, weniger sandigem stark abgerolltem Schotter aus-
gefüllt werden (Fig. 2). In diesen Ablagerungen sind die sarmatischen
in der Umgebung von Nagyenyed etc.
211
Ablagerungen brüchig, stark abgerollt; die Fossilien der unter-
pannonischen Stufe kommen darin in größerer Anzahl vor, so z. B. :
Congeria Partschi, ornithopsis, subglobosa, Jldanopsis Martiniana,
M. vindobonensis usw. Mit einem Worte, wir können zwischen den
beiden Sedimenten eine petrographische Abweichung gut, eine
erosionale Auswaschung, eine Verschiedenheit der Fauna gut sehen,
was jedoch Herrn Gaäl noch immer nicht genügt, beziehungsweise
sieht er auch dieä nicht richtig, denn er schreibt, daß „bei der
Einmündung des dritten Nebengrabens diese Schichte neuerdings
auftaucht, hier jedoch schon Schotter ist“. Das heißt, er sieht
etwas, sagt aber trotzdem: „Pävay hat von diesem Orte ein Proül
gezeichnet, doch muß ich bemerken, daß er dieses einheitliche
Glied unrichtigerweise in b- und c-Schichten trennt und noch
weniger kann man die c-Schicht als pannonisch bezeichnen.“
„Dasselbe steht auch von dem Profil von Puszta und Olän (p. 412).“
(Gaal, 1. c. p. 445.)
Herr Gaal möge mir erlauben zu bemerken, daß diese charak-
teristische Verneinung ohne jede Begründung etwas Ungewohntes
ist. Unwillkürlich fällt mir dabei der Fall ein, als er das Vor-
kommen der Campylca banatica (Partsch) Rm. in den Pleistocän-
Ablagerungen halb und halb nur darum abgeleugnet hat *, um in
eben derselben Mitteilung mit seinen Gyertyänoser Exemplaren
beweisen zu können, daß diese Art tatsächlich auch bei Miriszlö
im Pleistocän existiert haben konnte. Herr Gaal täuschte sich
außerordentlich, wenn er dachte, daß ich ein derartiges Vor-
gehen auch zum zweiten Male stillschweigend hinnehme, muß
aber zugleich ungemein bedauern , daß ich als junger Mensch
auch so etwas bemerke, was er und andere erst später gesehen
haben.
Nachdem ich aber befürchte, daß Herr Gaal zu guter Letzt
irgendwo auch noch das beweist, daß meine beanstandeten Profile
dennoch richtig sind, beeile ich mich, nochmals auf jene schon
wiederholt hervorgehobene Verschiedenheit der petrographischen
Verhältnisse und der Fauna wie auch auf die Erosionsauswaschung
hinzuweisen. Nun glaube ich aber, bleibt Herr Gaäl der einzige
Fachmann, der es bezweifelt, daß an der in Rede stehenden
Stelle die Sedimente verschiedenen Alters aufeinander lagen.
Ferner dürfte mich Herr Gaal noch aufklären, warum „die C-
Schichte noch weniger pannonischen Alters sein kann“ (1. c. p. 445),
wenn er doch in deren Fortsetzung (laut Gaäl!) auf die Schalen
der Congeria Partschi Crjz. gestoßen ist (1. c. p. 445). Hat er
dieses Fossil auch in sarmatischen Ablagerungen aufgefunden?
Wirklich schade, daß er dies zu publizieren vergessen hat.
1 St. Gaäl. Neuere Beiträge zur Verbreitung von Campylaea banatica
im Pleistocän. Földt. Közl. 40. p. 268.
14*
212
Fr. v. Pävai-Vajna, Ueber sarmatischen Bacittuff
Wenn nun Herr Gaal meine Neugierde derart gespannt hat.
so möge er mir noch die Frage erlauben, weshalb ich stellen-
weise auch solche Schichten als sarmatisch betrachtet habe, „die
dickschalige Congerien enthalten“ (1. c. p. 446). Es dünkt mir.
er spricht hier schon wieder von etwas anderem, als was ich ge-
schrieben habe.
Schließlich muß ich noch im Zusammenhänge mit diesen
sandigen schotterigen Ablagerungen meiner Freude Ausdruck ver-
leihen, daß er darauf hinweist, daß dieselben wahrscheinlich
im Weichbilde der Gemeinden Csäkö, Miriszlö und Örmenyes auf-
zutinden sind; nur schade, daß ich dies schon seinerzeit festgestellt
habe. Auch dies scheint seiner Aufmerksamkeit entgangen zu sein,
geradeso wie jener Umstand, daß ich der Wagehals war, der im
Fig. 3.
Die kleine Synklinale der Falte bei Marosgombäs, bevor Herr Gaal sie
aufschloß.
Marosgombäser Park auf jene gewisse steile Synklinale gestoßen
ist. Das Charakteristischste ist aber dennoch, daß Herr Privat-
dozent Gaäl diese erst noch „aufschließen“ mußte, um zu sehen,
mit was er es zu tun habe, wo wir doch zur selben Zeit, als
Herr Gaäl mit uns dort war, das Ganze derart gut gesehen haben,
daß mein Kollege diese Stelle sogar gleich photographiert hat.
(Fig. 3.) Es wäre angezeigt gewesen, wenn er auch in Lapäd
derartige Aufschlüsse gemacht hätte , dann würde er vielleicht
auch das erblickt haben, was andere auch so sehen, weil wahrlich
nicht alle Grenzen so scharf sind wie „zwischen dem Liegenden
des Planorbis- Sandmergels (Pävay, Fig. 21 Schicht d) und
dem früher oben charakterisierten Schotter“. Ferner sagt Herr
Gaäl: „Aber auch von der Lagerung von Olählapäd konnte ich
feststellen, daß sich das im Hangenden des B-Horizontes befindliche
Sediment unmittelbar oder übergänglich auflagerte. Wenn wir
in der Umgebung von Nagyenyecl etc.
213
aber voraussetzen, daß auf den mittleren Abschnitt des Obermiocäus
(Senkung) im oberen Horizont eine Hebung folgte, so müßten die
Beweise dessen gerade im Strandgürtel am besten zu sehen sein“
(1. c. p. 446). Ich bezweifle demnach die Genauigkeit des Herrn
Gaäl, nachdem er doch die Erosionsspnren an einer ganz anderen
Stelle, als an der von mir beschriebenen , sucht. Zwischen den
sandigen und schotterigen Ablagerungen der sarmatischen und
pannonisclien Stufe sind diese zu linden und nicht über den
letzteren.
In Anbetracht der Methode und wie Herr Gaal in der Um-
gebung von Xagyenyed und Olählapäd gearbeitet hat, können wir
getrost sagen, daß auch seine weiteren auf die Stratigraphie des
Siebenbürger Beckens bezüglichen Daten nicht besser und um
keinen Haarstrich verläßlicher sind. Gewiß liegt auch dort der
Fehler nicht in den bewußten Schichten, sondern darin, daß Herr
Gaal das Siebenbürger Becken nicht genügend kennt, da sich
seine Beobachtungen nur auf einzelne Partien desselben und auch
hier nur auf einzelne Glieder des Keogeus beschränken. Daß er
daraus dennoch hochwichtige Folgerungen gezogen Hat , tat er
wahrscheinlich in dem Glauben, daß „er als einziger Kenner dei
Siebenbürger neogenen Bucht“ über alle Kritik erhaben stellt.
Soviel ist gewiß, daß nur derjenige einen solchen Artikel verfassen
kann, der vergißt, daß auch noch andere in dieser Gegend arbeiten,
die man nicht mit dem einfachen Wort, sondern mit der Kraft
der Beweise überzeugen muß.
Xun aber zur Tektonik, da sich Herr Gaal im Siebenbürger
Becken auch damit befaßt hat. Seine Aufgabe war wenigstens
teilweise diese und zwar der schönste Teil der tektonischen Auf-
nahme. Leider hat aber diese Arbeit, nach meiner Meinung, keine
genießbaren Früchte gezeitigt, statt schön ausgearbeiteter Profile.
Es hat sich das Wunder ereignet, daß dort, wo 15 — 20 Fachleute
die im Becken befindlichen Faltungen erblickt haben und deren
Verlauf ein ganzes Heer von ausführlich arbeitenden Geologen
mit tausend und abertausend Fallmessuugen bewiesen haben, Herr
Gaäl gar nichts gesehen und die Schichten des Beckeninnern in
einer horizontalen, ursprünglichen Lagerung gefunden hat, und
zwar nach einer sehr eingehenden Untersuchung, was am besten
seine 30 — 40, sage dreißig bis vierzig an verschiedenen Punkten
des Beckens vorgenommenen Messungen des Fallens und Streichens
beweisen. Mit geringer Mühe können wir diese auf seiner Karte
auftinden. Allerdings liefern diese nicht den Beweis von einer
horizontalen Lagerung, was jedoch den Herrn Privatdozenten Gaäl
nicht in Verlegenheit setzt, weil doch „laut den neuesten meeres-
erforschenden Expeditionen auch mit 1 5 0 einfallende, ursprüngliche
Schichtungen Vorkommen“. Statt sich an die Meeresforscher zu
wenden, wäre es viel besser gewesen, wenn Herr Gaäl die durch
214
Fr. v. Pävai-Vajna, Ueber samatischen Dacittuff etc.
ihn vertretene Siebenbiii'ger neogene Bucht zurate gezogen hätte.
Er hätte dort zwischen den ungestörten Schichten der Ufer-
ablagerungen auch noch steiler einfällende gefunden, hätte aber
nicht einmal in diesem Falle recht gehabt, weil es im Innern des
Beckens keine Ufer gegeben hat, und wenn es auch solche in der
Tiefe gegeben hätte, so hätten diese kaum, nach einer Bedeckung
durch Tone, Sande, welche einige hundert Meter mächtig sind,
auch Herrn Gaal zuliebe nicht, ihre Wirkung an der heutigen
Oberfläche wahrnehmen lassen. Oder ist es vielleicht eine besondere
Laune des Schicksals, daß auf jenen seiner Angabe nach nicht
existierenden Antiklinalen gerade im Innern des Beckens in vielen
Kilometern Entfernung voneinander die Gasbrunnen durcligehends
alle das Gas nur so ausströmen lassen, dessen Quantität heute
täglich mehr als 2 000 000 Kubikmeter beträgt, was wir gerade
jenen verleugneten Antiklinalen wie auch jenen wahren Fachleuten
verdanken, die jene erkannt haben? Vielleicht ist auch das ein
bloßer Zufall, daß eben diese Falten in der Tiefe ein bedeutend
steileres Einfallen aufweisen?
In diesem Falle ist meiner Meinung nach wieder nur Herr
Privatdozent Gaäl der einzige Fachmann, dem ich beweisen
muß, daß die Schichtenneigungen von 2, 4, 8, 16°, bei ihrer ent-
gegengesetzten Eichtling nichts als Beweise einer antiklinalen
Lagerung sind, daß ferner der Antiklinale von Särusäs auch noch
in ihren Krümmungen 8 — 10 andere Falten parallel folgen, deren
steiles, 50 — 60 — 80° betragendes Einfallen auch er gegen den
Beckenrand zu erblickt hat. Ich kann es selbst von seinen
Schülern nicht voraussetzen , daß sie , wenn er ihnen auf der
Karte eines Beckens auch nur mit 2 — 3° in entgegengesetzter
Richtung in länglicli dahinziehenden, sich krümmenden Reihen in
einigen Zentimeter Entfernung voneinander die Streich- und Fall-
zeichen aufzeichnet, nicht erkennen würden, daß die Schichten
dieses Beckens von irgendeinem tektonischen Vorgang berührt
wurden.
Nach meiner persönlichen Auffassung gesellt sich hierzu noch
Unkenntnis des Terrains, denn ich kann nicht verschweigen, daß
Herr Gaäl schreibt: „an der südlichen Uferlinie ist die Schich-
tung in den neogenen Ablagerungen im allgemeinen horizontal",
wo ich doch am rechten Ufer des Oltflusses am Fuße der Fogaraser
Berge an den Antiklinalen der mediterranen und sarmatischen
Schichten 20°, 15°, 29°, 70° Einfallen gemessen habe? Ferner
glaube ich, daß Herr Gaäl mit folgenden Äußerungen Verwirrungen
anrichtet: „In der Umgebung von Nagyenyed, ferner bei Kis-Akna,
Kerelö Szt. Päl, Bäzna, aber hauptsächlich in der Gegend von
Szäszregen erscheinen den NW — SO streichenden Falten und be-
sonders Brüchen des Mittelmiocäns gegenüber NO — SW verlaufende
tektonische Dislokationen des ObermiocänsU Wo er doch selbst
C. Gagel, lieber das Alter etc.
215
anerkennt, daß die Schichten der sarmatischen und pannonischen
Stute auch gefaltet sind , und zwar, wie ich es mit zahllosen
Messungen, die ein Einfallen nach 3,14, 4,15 und 2,13 Stunden
ergaben, beweisen kann, in NW — SO streichenden Falten. Nun
sind aber die sarmatischen und pannonischen Ablagerungen auch
nach der Ansicht des Herrn Gaal obermiocänen Alters, konnten
sich daher noch vor ihrer Geburt im Mittelmiocän nicht gefaltet
haben. Daraus folgt, daß auch die NW — SO streichenden Fal-
tungen und Brüche kein mittelmiocänes Alter besitzen.
Natürlicherweise wird der, der diese Faltungen in der
Natur selbst noch nie studiert hat und der sich nicht einmal der
Mühe unterworfen hat, z. B. die Arbeiten von Mrazec durch-
zusehen, welche sich mit den Faltungs Verhältnissen eines ähnlichen
Gebietes befassen, oft sehr eigentümliche Faltungsformen finden.
Es scheint, daß er nicht einmal die Zeichnungen Löczv’s angesehen
hat, welche dieser nach Mrazec mitteilt, obwohl er jenen Artikel,
welchem diese beigefügt sind, ganz gewiß erhalten hat. Nur so
ist es zu verstehen, daß Herr Gaäl in seiner Kritik betreffs der
durchspießenden Falten dergleichen Fragen stellen kann: „Was
hält dann die Decke starr unbeweglich angespannt, als die von
unten wirkende Kraft den Kern hineindrückt?“ Diese Frage verrät
deutlich, daß er von der ganzen Sache nur den Namen kennt.
Das aber müßte er dennoch wissen, daß auch jene Deck-
schichten eine gewisse Festigkeit und einen Widerstand besitzen,
durch dessen Überspannung infolge des Druckes der tieferen Schichten
jene zerreissen, verdünnt werden und jene tieferen älteren Sedimente
unter den weiteren Faltungsprozessen sehr schön zwischen die
viel jüngeren Produkte hineingeraten, ohne irgendwelche größere
Hexerei. Wenn wir noch hinzufiigeu, daß der diapyre Kern nicht
im Zeiträume eines Augenblickes zur Geltung gelangt wie eine
gutgeartete Kanonenkugel, sondern Jahrtausende hindurch, so
dürfte es vielleicht genügend klar sein, wie unwahrscheinlich die
Frage des Herrn Privatdozenten Gaäl für jeden ist, der betreffs
der Durchspießungsfalten nur einigermaßen orientiert ist.
S chemnitz (Selmecbänya), den 24. Januar 1913.
Ueber das Alter der Moräne am Emmerleff-Kliff und die
Beweiskraft der „Leitgeschiebe“ für das Alter der Moränen
Von C. Gagel.
In meiner kleinen Notiz : Über einen Grenzpunkt der letzten
Vereisung (des Oberen Geschiebemergels) in Schleswig-Holstein 1
1 Jahrb. d. pr. geol. Landes-Anst. 1907. 28. p. 581.
216
C. Gagel, Ueber das Alter
habe ich mich bemüht, den Beweis dafür schlüssig zu machen,
daß die Hauptmoräne des Boten Kliff auf Sylt zur Haupteiszeit
gehöre und daß im Gegensatz dazu im Emmerleff-Kliff, 25 km
östlich davon, schon die Moräne der letzten Vereisung, der Obere
Geschiebemergel, vorhanden sei. Ich habe darin betont, daß die
früher schon vorgebrachten Beweise, besonders die von Zeise und
Petersen , für dieses Alter der Boten Kliff-Moräne schon sein-
einleuchtend seien — insbesondere die ungemein intensive, bis auf
fast 20 m Tiefe herunterreichende Verwitterungszone dort im
Boten Kliff • — , daß aber, um diesen Beweis schlüssig zu machen,
noch der Nachweis einer in demselben Gebiet und unter denselben
klimatischen Bedingungen abgesetzten, aber wesentlich we-
niger stark verwitterten Moräne erforderlich sei, damit der schon
mehrfach gemachte Ein wand , die Hauptmoräne des Koten Kliff
könne doch eventuell Moräne der letzten Eiszeit (Oberer Geschiebe-
mergel) sein , der nur unter den abweichenden klimatischen Be-
dingungen der Nordsee so wesentlich weiter verwittert sei, als die
gewöhnliche Obere Moräne hinter (östlich) der großen Endmoräue,
seiner anscheinenden Beweiskraft entkleidet würde.
Diesen bis dahin fehlenden Schlußpunkt des hier an dieser
Stelle besonders nötigen und wichtigen einwandfreien Beweises
glaube ich in der völlig frischen, z. T. noch blaugrauen
Moräne des Emmerleff-Kliff an eben derselben feuchten Nordsee-
küste und nur 25 km vom Boten Kliff entfernt gefunden zu haben
und habe als Verstärkung des so von mir m. E. schlüssig ge-
machten Beweises nebenher noch die anscheinend abweichende
Geschiebeführung des Emmerleff-Kliff, die Führung einer großen
Untereocänscholle und das anscheinende Fehlen norwegischer
Geschiebe, von denen ich bei zweistündigem Suchen keins ge-
f u n d e n hätte ’, herangezogen.
In seiner letzten Arbeit über Sylt1 2 sucht nun Herr Stoli.ey
aus der Gescliiebefiihrung der Emmerleff-Kliff-Moräne, die „neben
reichlichem baltischen -Material, einigen Schonensclien
Basalten und mehreren einheimischen Geschieben zwei Khombeu-
porphyre, einen norwegischen Blauquarz, mehrere typische Porphyre
aus Dalarne, zahlreiche Dalasandsteine und Quarzite und einige
mittelschwedische Urkalke“ enthält, zu beweisen, daß diese Emmer-
leff-Kliff-Moräne ebenfalls Moräne der Haupteiszeit sei und knüpft
daran eine seiner beliebten Polemiken gegen mich, in der er die
Beweiskraft der verschiedenen Verwitterungstiefe bei verschiedenen
1 Aus dieser sehr vorsichtigen Angabe von mir ist dann später leider
die Behauptung konstruiert worden , norwegische Geschiebe seien am
Emmerleff-Kliff nicht vorhanden.
2 Stolle y, Nochmals das Quartär und Tertiär von Sylt. N. Jabrb.
f. Min. etc. 1912. p. 154 ff.
der Moräne am Emmerleff-Kliff etc.
217
Moränen zwar nicht ganz leugnet, aber docli erheblich abzuschwächen
sucht. Merkwürdigerweise führt Herr Stolley mich und mein
energisches Eintreten für eine dreimalige Vereisung Norddeutsch-
lands als erwünschte Stütze seiner Auffassung vom Sylter Diluvium
an und übersieht dabei doch völlig, daß er mit dieser ganz un-
nötigen und unzutreffenden Polemik den Hauptstützpunkt meiner
(und seiner) Auffassung selbst zu untergraben trachtet und daß,
wenn diese seine Polemik und Argumentation richtig wäre , er
überhaupt gar keine schlüssigen Beweise für seine Auf-
fassung vom Sylter Diluvium hätte.
Ich muß hier zunächst nun wiederum feststellen, daß Herr
Stolley auch hier, wie schon öfter, über eine Frage urteilt, ohne
die wichtigste und wesentlichste Literatur dazu zu kennen oder —
was noch bedenklicher wäre — ohne sie zu beachten.
Schon Zeise 1 hat in seiner Doktordissertation nachgewiesen,
daß — im großen und ganzen betrachtet — der Obere und der
Untere Geschiebemergel (O.G. und U.G.) sich in ihrer Gesell iebe-
führung nicht wesentlich unterscheiden und Zeise’s Beweis wird
heute noch wesentlich schlüssiger als zur Zeit seiner Erhebung,
da ein Teil der von Zeise als U.G. betrachteten Vorkommen sich
ebenfalls noch als O.G. erwiesen hat (z. B. Fehmarn).
Ferner hat J. Kork2 auf Grund sehr sorgfältiger und um-
fangreicher Aufsammlungen im O.G. und U.G. bei Otersen — - Glinde —
Schulau unterhalb Hamburg mit Sicherheit festgestellt : 1 . daß
dort im Unterelbegebiet gerade die von Stolley als für U.G. so
besonders charakteristisch betrachteten Rhombenporphyre und Da-
larne-Gesteine im Oberen Geschiebemergel viel häufiger Vor-
kommen als im U.G. (6,3 °/o und 33 °/o im O.G. gegen <»,7°/o
und 20°/o im U.G.), 2. aus Aufsammlungen meiner Kollegen im
Osten Holsteins des weiteren festgestellt, daß auch dort — viel
weiter im Osten — die Ansicht Stolley’s, daß die Rhomben-
porphyre dem Oberen Geschiebemergel fehlen, ebenfalls sicher
unzutreffend ist, und auf mangelhafter Beobachtung beruht.
Endlich habe ich selbst schon vor Jahren, und zwar an mög-
lichst kenntlicher und kaum übersehbarer Stelle3 den Nachweis
geführt, daß im alleräußersten Osten Holsteins unter 10u20' ö. L.,
am Ostkliff von Fehmarn, im zweifellos Oberen Geschiebe-
mergel, der hier die typische Grundmoränenebene hinter der großen
1 0. Zeise, Beitrag zur Kenntnis der Ausbreitung sowie besonders
der Bewegungsrichtungen des Inlandeises in diluvialer Zeit. Königs-
berg i. Pr. 1889.
2 ln H. Schröder und J. Stoller, Diluviale marine und Süßwasser-
Schichten bei Ütersen — Schulau. Jahrb. d. pr. geol. Landes-Anst. 1906.
27. p. 473—479.
3 C. Gagel, Geologische Notizen von der Insel Fehmarn und aus
Wagrien. I. Jahrb. d. pr. geol. Landes-Anst. 1905. 26. p. 255 — 259.
218
C. Gagel, Ueber (las Alter
Endmoräne bildet und wundervoll aufgeschlossen ist, fast genau
dieselbe Geschiebevergesellscliaftung vorhanden ist, wie sie Stolley
jetzt vom Emmerletf-Kliff anführt und als Beweis für U.G. benutzen
will, nämlich reichliche Rhombenporphyre und Ostseegesteine,
Dalarnegesteine (Venjanporphyrit, Bred wadporphyr, Elfdalenporphyr),
Paskalawikporphyr und Basalt etc., daneben noch Ramsaasakalk
und Faxekalk. Das reichliche Vorkommen von Rhomben-
porphyren auf Fehmarn ist schon von Zeise festgestellt, und zwar
das von großen geschliffenen Geschieben (nicht etwa von
kleinen, verrollten Gerollen) ebenso wie von mir (z. T. in Gemein-
schaft mit meinen Kollegen Schröder und Schmierer). Wie diese
norwegischen Leitgeschiebe in solcher Anzahl und so weit nach
Osten kommen — östlicher als ihr Ursprungsgebiet —
ist völlig rätselhaft, aber es ist eine Tatsache.
Es ist also durch vielfache tatsächliche und kontrollier-
bare Beobachtungen sehr verschiedener Forscher erwiesen ,
und zwar schon lange erwiesen, daß die von Stolley hartnäckig
verteidigte Ansicht von der Beschränkung der Rhomben porphyre
auf den U.G. und von der angeblich für deu U.G. charakteristischen
Vergesellschaftung von norwegischen und mittelschwedischen Ge-
schieben weder für den Westen noch den Osten der Cimbrisclien
Halbinselzutreffend ist, sondern sogar anscheinend mehr für
den O.G. zutrifft, und trotzdem bringt Herr Stolley dieses längst
abgetane Argument als Beweis für U.G. immer wieder vor und
benutzt es sogar als polemisches Mittel gegen meine ganz anders
begründeten und bisher nicht widerlegten Anschauungen vom Alter
der Emmerleff-Kliff-Moräne.
Gegen die Wichtigkeit der Verwitterungsmächtigkeit für die
Beurteilung der Altersverhältnisse der Moränen, mit der ich meinen
Beweis geführt zu haben glaube, bringt zwar Herr Stotley kein
einziges Argument vor, sondern beschränkt sich nur auf die be-
weislose Anführung seiner erheblich abweichenden Überzeugung —
will aber in demselben Atemzug für sich als Ersten das Verdienst
in Anspruch nehmen, auf die Wichtigkeit dieser Verhältnisse unter
bestimmten Umständen hingewiesen zu haben, was aber tatsächlich
auch nicht der Fall ist, denn als zweifellos Erster in Norddeutsch-
land hat lange vor Stolley (1883) Jentzsch auf die inter-
glazialen Verwitterungszonen hingewiesen, was Herr Stolley auch
wieder nicht zu kennen scheint.
Ich bin natürlich nicht so unbedacht, jede Moräne mit ge-
ringer Verwitterungsrinde ohne weiteres deshalb als Oberen Ge-
schiebemergel zu betrachten, wie Herr Stolley anzunehmen scheint,
und ich bin mir natürlich völlig darüber klar, daß so unter Um-
ständen auch Moränen der Haupteiszeit beschaffen sein können,
deren vermutlich sehr mächtige Verwitterungsrinde dann größten-
teils zerstört sein würde — was schon ans meiner oben zitierten
der Moräne am Einmerleff-Klifi etc.
219
Arbeit zur Genüge hervorgeht — , aber es müßten dann doch
Anzeichen derartiger energischer Denudations- und Erosions-
wirkungen nachweisbar seiu, was am Emmerletf-Kliff keineswegs
der Fall ist, das in fast völlig ebener Landschaft mit ganz ge-
ringen Niveaudifferenzen gelegen ist , wo keinerlei energische
Erosions- oder Denudationsfaktoren bezw. -Wirkungen nachweisbar
sind, ebensowenig wie am Roten Kliff, wo diese kolossale Ver-
witteruugszone erhalten ist.
Dagegen betrachte icli das entgegengesetzte Argument, die
vorhandene, sehr mächtige Verwitterungszone, allerdings als
völlig sicher beweisend für ältere Eiszeiten.
Überall, von Ostpreußen durch Pommern, die Mark, Mecklen-
burg, bis ins äußerste Schleswig-Holstein, zeigt der sichere Obere
Geschiebemergel hinter dem Hauptendmoränenzug und noch be-
trächtlich vor diesem eine ganz geringe Verwitterung von f bis
höchstens lf m Mächtigkeit, abgesehen von einem ganz lokalen
Vorkommen in Hinterpommern, wo die Verwitterung stellenweise
auf 3 ja bis 4 m steigt.
An recht verschiedenen Stellen in Schleswig-Holstein ist nun
unter diesem völlig frischen Diluvium eine 8 — 12 ja
bis 20 m mächtige ältere Verwitterungszone nachgewiesen, die die
postglaziale Verwitterungskruste 6 bis fast 10 mal an Stärke und
an Intensität der Zersetzung übertrifft1.
Im Westen Schleswig-Holsteins kommt ferner an verschiedenen
Stellen unmittelbar neben dem völlig frischen jungen Diluvium
diese sonst darunter liegende mächtige Verwitterungszone zutage
(ebenda p. 249) — ich weiß nicht, wie man diese völlig klaren
Verhältnisse bei dem Mangel aller beobachtbaren anormalen Er-
scheinungen und Bedingungen anders deuten kann als so, daß die
sonst unter dem frischen jungen Diluvium liegende ältere — oft
intensiv braunrote bis rostrote — Verwitterungszone (die z. T. in
Verbindung mit interglazialen Pflanzenlagern mit Arten sehr ge-
mäßigten Klimas steht), hier im äußersten Westen, wo das frische
junge Diluvium sein Ende erreicht, in die Höhe kommt.
Daß alle etwa denkbaren anormalen Verhältnisse und Be-
dingungen für eine etwa vorhanden gewesene und ungewöhnlich
starke postglaziale Verwitterung in diesen westlichen Gebieten
fehlen, dafür gibt es eben nur den einen, zwingenden Be-
weis dadurch, daß tatsächlich ganz frische, also junge Moränen,
z. T. unmittelbar neben den ganz verwitterten liegen — bei
Fehlen aller Denudations- und Erosionserscheinungen.
’ C. Gagel, Die Gliederung des schleswig-holsteinischen Diluviums.
Jahrb. d. pr. geol. Landes-Anst. 1910. 31. 2. Teil, p 248. — Über inter-
glaziale Verwitterungszonen in Schleswig-Holstein. Zeitschr. d. Deutsch,
geol. Gesellsch. 62. 1910. p. 322—325.
220
C. Gagel, Ueber das Alter
Wirkliche Gründe gegen diese Auffassung, wonach die Einmer-
leff-Kliff-Moräne Oberer Geschiebemergel sein muß, hat Herr
Stolley überhaupt nicht angeführt außer der angeblich mit Oberem
Geschiebemergel unvereinbaren Geschiebeführung, deren Wert oben
beleuchtet ist; und andere Gründe für das altdiluviale Alter
der Roten Kliff-Moräne auf Sylt als eben dieselbe Geschiebe-
führung, die aber auch für den Oberen Geschiebemergel bei
Ütersen — Schulau und auf Fehmarn erwiesen ist, führt Herr
Stolley nicht an.
Herr Stolley will also diese beiden, so dicht beieinander-
liegenden Moränen, die so völlig verschieden erhalten
sind, für gleich alt erklären auf Grund einer lange als falsch
erwiesenen Voraussetzung und wundert sich dann noch, daß
Geinitz und Wolff seine Argumentation nicht für beweisend halten
und an seine Diluvial-Gliederung auf Sylt nicht glauben.
Ich möchte hinzufügen, daß auf Föhr, dicht südlich von Sylt,
die Gegensätze zwischen der völlig frischen jungen und der völlig
zersetzten alten Moräne noch viel schärfer aneinanderstoßen — auf
1,5 km bei der Laurentikirche und bei Borgs um 1 — als auf Sylt
und Emmerleff-Kliff und daß die Geschiebeführung dort auch an-
scheinend dieselbe ist.
Das m. E. einzig beweisende und jedenfalls bisher nicht wider-
legte Argument für das hohe Alter der Roten Kliff-Moräne lehnt
Herr Stolley also ab — ohne diese Ablehnung objektiv zu be-
gründen — und führt statt dessen immer wieder ein Argument
an, das, wenn es richtig wäre, das Gegenteil von dem be-
weisen würde, was Herr Stolley damit bezweckt und zu beweisen
wünscht.
Tatsächlich hat ja auch schon seit Meyn’s Zeiten lange die
Meinung geherrscht und wird z. T. heute noch vertreten, daß die
Hauptmoräne des Roten Kliff Oberer Geschiebelehm sei, und zu-
erst ist Zeise in seiner Doktordissertation (1. c.) dieser Auffassung
energisch entgegengetreten, allerdings mit Gründen, die wir heute
großenteils nicht als zutreffend oder zwingend mehr anerkennen.
Ziehend von den ZEisE’schen Argumenten ist m. E. heute eben
nur noch das von ihm zuerst beobachtete, fast völlige Fehlen von
Kalk- und Kreidegeschieben, also die nahezu völlige Verwitterung
der bis 20 m mächtigen Moräne, die nur an ihrer mächtigsten
Stelle bei Kämpen am Grunde noch eine kleine unverwitterte Partie
enthält.
Die Mitwirkung Zeise’s an der Aufklärung der Sylter Ver-
hältnisse ist von Stolley ebenso unbeachtet und unerwähnt ge-
lassen wie die meine (1. c. p. 164), wo Stolley zwar die Auf-
1 Haeberlin, Beiträge zur Kenntnis des Diluviums auf Föhr. Zeitschr.
d. Deutsch, geol. Gesellsch. 1911. p. 587.
der Moräne am Emmerleff-Kliff etc.
221
fassnng Wolff’s, als ob nur eine Moräne am Roten Kliff vor-
handen sei, energisch bekämpft, aber mit keinem Wort erwähnt,
daß ich schon vor zwei .Jahren die Auffassung Wolff’s mit sehr
zwingenden Gründen widerlegt habe (Zeitschr. d. Deutsch, geol.
Gesellsch. 62. 1910. p. 81 — 84), was besonders bei Herrn Stolley,
der aus dem Übersehen selbst ganz versteckter Notizen seiner
eigenen Arbeiten die unerquicklichsten Polemiken herleitet, einiger-
maßen sonderbar anmutet.
Dieses Argument, das sich implicite aus Zeise’s Beobachtungen
ergibt — die fast völlige Verwitterung der sehr mächtigen Mo-
räne — hat man verschiedentlich abzuschwächen gesucht mit dem
Hinweis auf das sehr feuchte Nordseeklima und das Sprühwasser
der Brandungsgischt, die diese so ungewöhnlich mächtige Ver-
witterung bedingt haben sollen, und mit der Behauptung, die Haupt-
moräne des Roten Kliffs sei ganz ungewöhnlich sandig und daher
so sehr stark verwittert, was aber tatsächlich nicht der Fall ist.
Die Rote Kliff-Moräne ist größtenteils ganz normal lehmig
und gar nicht besonders wasserdurchlässig, wie ich schon mehrfach
betont habe.
Das einzige, gegen diese Ansicht und Begründung von dem jungen
Alter der Sylter Hauptmoräne vorgebrachte und m. E. schlagende
Argument ist meine Beobachtung der ganzfrischen Moräne unte r
denselben Bedingungen des Nordseeklimas dicht dabei am
Emmerleff-Kliff, die obenein als besonders charakteristisch die
Untereocänscholle führt, ein Umstand, der schon vielfach in Holstein
und Schleswig im sicheren Oberen Geschiebemergel, aber noch
niemals im sicheren Unteren Geschiebemergel beobachtet ist; und
auch in der Sylter Hauptmoräne, die so viel fremde große Schollen
enthält, fehlt, soviel bis jetzt bekannt, das Untereocän.
Wenn Herr Stolley also mit ruhiger Überlegung und mit
der nötigen Kenntnis der einschlägigen Literatur an die erneute
Diskussion der auch nach meinem Dafürhalten besonders wichtigen
Sylter Verhältnisse herangegangen wäre, so wäre er wohl zu
anderen Resultaten gekommen und wäre vor seinen völlig hin-
fälligen Schlüssen und seiner ganz gegenstandslosen und über-
flüssigen Polemik bewahrt geblieben.
Nach meinen nunmehr 12jälirigen Erfahrungen in ganz Schles-
wig-Holstein scheint die einzige, einigermaßen sichere Tatsache in
bezug auf die Geschiebeführung von O.G. und U.G. der ganz auf-
fällig hohe Kalk-(Kreide-)Gehalt der oberen Grundmoräne zu sein,
der stets sehr viel höher zu sein scheint als der der älteren Ge-
schiebemergel, sowie der Gehalt an verschleppten Tertiär- (vor
allem Untereocän) Schollen in der oberen Grundmoräne (vergl.
auch die Erläuterungen zu Blatt Kiel. Berlin 1912).
Ich habe diese anscheinend durchgehende Tatsache mit
den interglazialen tektonischen Störungen in Beziehung gebracht.
222
C. Gagel. Ueber das Alter
die die bis dahin tief begrabenen älteren Schichten plötzlich in
die Höhe brachten und den Angriffen des letzten Inlandeises aus-
setzten. Diese Tatsache in Holstein wird bestätigt durch die
Beobachtungen von Korn und Jentzsch aus Ost- und Westpreußen,
wo ebenfalls die oberste Moräne erheblich kreidereicher ist. Ob
sie eine wirklich durchgehende, unverbrüchliche Kegel darstellt,
wird sich hoffentlich bei der Untersuchung der sehr zahlreichen
Geschiebemergelproben am Kaiser- Wilhelm-Kanal mit größerer
Sicherheit ergeben.
Im übrigen kennen wir im wesentlichen denselben Ge-
schiebeinhalt jetzt aus allen drei Moränen und aus allen
Gegenden Schleswig-Holsteins und Jütlands1, und alle Angaben
über die absolute Beschränkung gewisser Geschiebe (besonders der
norwegischen) auf bestimmte Horizonte (U.G.) oder bestimmte
Gebiete (den Westen des Landes) sind jetzt schon als falsch
erwiesen, als vorschnelle Verallgemeinerungen unvollständiger Be-
obachtungen.
Aus den relativen Mengungsverhältnissen der norwegischen,
mittelschwedischen und baltischen Geschiebe in bestimmten Moränen
einen Schluß auf ihr Alter zu ziehen, dazu sind die vorhandenen
Beobachtungen erst reclit viel zu lückenhaft und obenein viel zu
sehr von Zufälligkeiten der gerade vorhandenen Aufschlüsse ab-
hängig und auch hier kann man jetzt schon sagen, daß gewisse
mit Vorliebe festgehaltene Vorstellungen von den Bewegungs-
richtungen des Inlandeises in den verschiedenen Eiszeiten sicher
nicht zutreffend sind.
Das sicher erwiesene, relativ häufige Vorkommen großer,
geschliffener Rhombenporphyrgeschiebe im sicheren Oberen
Geschiebemergel der Fehmarner Ostkliffs von Marienleuchte bis
südlich Gahlendorf — also östlicher als ihr Heimatsgebiet — ist
eine mit diesen ziemlich allgemein verbreiteten Anschauungen über
die vorwiegende NS. -Bewegung während der Haupteiszeit und
den vorwiegend baltischen Eisstrom zur letzten Eiszeit - — beson-
ders am Schlüsse derselben — völlig unvereinbar und zeigt, daß
unsere Kenntnisse in dieser Beziehung noch in den ersten An-
fängen stecken.
Erheblich westlicher, in der Gegend von Kiel und Ratzeburg,
sind diese Rhombenporphyre offensichtlich ganz wesentlich seltener
und auch viel kleiner, was nach unseren bisherigen Anschauungen
1 Sehr interessant und lehrreich in dieser Beziehung siud die alten
und sehr sorgfältigen Geschiebezählungen des ausgezeichneten Geologen
Forchhammer. die leider wegen der schwer zugänglichen Stelle ihrer Ver-
öffentlichung ganz in Vergessenheit geraten sind und der heutigen Gene-
ration völlig unbekannt zu sein scheinen. Forchhammer: .Die Bodenbildung
der Herzogtümer Schleswig-Holstein und Lauenburg.“ Festgabe für die
Versammlung Deutscher Landwirte in Kiel 1847. p. 22.
der Moräne am Emmerleff-Kliff etc.
223
über die Eisbewegung eine ganz unverständliche Anomalie be-
deutet.
Wenn in einem en gb egre n z ten Gebiet zwei übereinander-
liegende Moränen einen so verschiedenen Geschiebeinhalt haben,
wie die unterste und die Hauptmoräne von Sylt, so wird man das
wohl als Argument (neben anderen, wichtigeren) für ihr verschie-
denes Alter verwenden dürfen; solche Resultate aber auf größere
Entfernungen zu verallgemeinern, ist nach unseren jetzigen Kennt-
nissen schon absolut unzulässig.
Ich möchte z. B. daran erinnern, daß der Unterste Geschiebe-
mergel unter dem letzteii Interglazial in Skerumhede in Jütland
zwar ostbaltische Geschiebe führt1, aber keine norwegischen und
nordöstlichen Geschiebe, also einen völlig anderen Geschiebeinhalt,
hat als die Hauptmoräne von Sylt und Hamburg, trotzdem Skerum-
hede viel nördlicher (näher dem Christianafjord) liegt als Sylt und
Hamburg.
Ebenso hat schon Forchhamjier festgestellt (1. c. p. 23), daß
auch oberflächlich die Rhombenporphyre nördlich vom Oddesand
ganz plötzlich rapide abnehmen, während sie weiter südlich reich-
lich vorhanden sind.
Das ist eine ebenso schwer erklärliche „Anomalie“ wie die
zahlreichen Rhombenporphyre im Osten von Fehmarn im jüngsten
Geschiebemergel und beweist die Notwendigkeit äußerster Vorsicht
in allen diesbezüglichen Schlüssen.
Dagegen ist das von mir herangezogene Argument für das
verschiedene Alter von Emmerleff-Klift- und Roten Kliff-Moräne —
die lOfach so tief gehende Verwitterung in letzterem — jetzt
nicht nur an dieser Stelle, sondern auch noch von verschiedenen
anderen Stellen Schleswig-Holsteins, Nordhannovers und der Lau-
sitz in derselben Weise bekannt geworden, z. B. von Föhr, von
Siiderstapel, von Elmshorn und von der Gegend von Ütersen-
Schulau bei Hamburg ; und von der letzten Stelle ist es auch
stratigraphisch durch Kartierung erwiesen (siehe die erwähnte
Arbeit von Schröder und Stoeler), daß die außerordentlich tief-
gründig und intensiv verwitterte (ferrettisierte) Moräne die ältere
ist, weniger norwegische Geschiebe enthält, unter der jungen
Moräne der letzten Eiszeit mit den zahlreichen norwegischen
Geschieben liegt , und obenein noch von verschiedenen sicheren
Interglazialbildungen bedeckt wird2.
Wer trotz dieses m. E. jetzt völlig schlüssigen Beweises durch
die verschiedenen Verwitterungsmächtigkeiten im bewiesenen
1 Jessen, Milthers, Nordmann, Herzog, Hartz: En Boring gennem
de kwartäre Lag ved Skerumhede. Danmarks geol. Unders. II R. No. 25.
2 Vergl. auch eine im Druck befindliche Arbeit: C. Gagel, Das
Ratzeburger Diluvialprofil und seine Bedeutung für die Gliederung des
Diluviums. Jahrb. pr. geol. L.-A. für 1913. I. 1.
224
[Besprechungen. — Miscellanea. — Personalia.
O.G. und U.G. nicht von dem verschiedenen Alter der beiden
Moränen am Emmerleff-Kliff und am Roten Kliff überzeugt ist, für
den ist tatsächlich der Beweis für das höhere Alter der Roten
Kliff-Moräne überhaupt nicht zu führen, der muß sie dann auch
folgerichtig beide für dasselbe, für Oberes Diluvium halten bezw.
kann das ganze Diluvium für eine einheitliche Ablagerung ansehen.
Berlin, den 16. November 1912.
Besprechungen.
Karl Anton Henniger: Die Metalle nach York om-
ni e n . G e w innu n g , Y e r w e n d u n g und wirtschaftliche r
Bedeutung. Leipzig bei Theod. Thomas, o. .T. 223 p. Mit
22 Abbildungen im Text.
Das Bändchen, No. 17 — 21 der naturwissenschaftlich-tech-
nischen Yolksbücherei der deutschen Naturwissenschaftlichen Ge-
sellschaft gibt eine kurze Darstellung der bekannteren Metalle und
ihrer wichtigsten Yerbindungen hinsichtlich ihres Yorkommens,
ihrer Gewinnung und ihrer Verwendung. Es ist für das große
Publikum bestimmt und daher in allgemein verständlicher Weise
abgefaßt, ohne eingehendere und spezielle naturwissenschaftliche
Kenntnisse vorauszusetzen. Auch die Glasfabrikation , das Löten
der Metalle und das Färben und Patinieren derselben sind in be-
sonderen Abschnitten berücksichtigt. Einige statistische Mitteilungen
bilden den Schluß. Max Bauer.
Miscellanea.
Ferienkurse Jena. Vom 4. — 16. Aug. 1913. (Für Damen
und Herren.)
Diese Kurse finden in diesem Jahre zum 25. Mal statt.
Es werden im ganzen mehr als 50 verschiedene Kurse ge-
halten, meist zwölfstündige.
Naturwissenschaftliche Abteilung: Naturphilosophie;
Botanik; botanisch-mikroskopisches Praktikum; Zoologie; zoo-
logisches Praktikum; Astronomie; Mineralogie; Chemie; Physik;
Physiologie ; physiologische Psychologie.
Ferner sei auf die pädagogischen , literaturgeschichtlichen,
religionswissenschaftlichen und staatswissenschaftlichen Kurse hin-
gewiesen.
Ausführliche Programme sind kostenfrei durch das Sekretariat
der Ferienkurse (Jena, Gartenstraße 4) zu haben.
Personalia.
Gestorben: Prof. Dr. Georg Böhm in Freiburg i. Br. am
18. März 1913.
F. Grünling, Maucherit Ni, As,, ein neues Nickelmineral etc. 225
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Maucherit Ni3 As,, ein neues Nickelmineral aus den Kobalt-
rucken des Mansfelder Kupferschiefers.
Von F. Grünling, München.
(Vorläufige Mitteilung.)
Im Januar vorigen Jahres erhielt das mineralogische Institut
■der Ivgl. Universität hier vom Inhaber der süddeutschen Mineralien-
zentrale, Henm Dipl. -Ing. W. Maucher, hier, eine Anzahl Stufen
I eines unbekannten Minerals zur näheren Untersuchung. Herr
Maucher hielt das Mineral zuerst für Bammelsbergit, da die
äußeren Merkmale mit dessen Beschreibung völlig übereinstimmen.
Bald erkannte er aber auf Grund des anderen Lötrohrverhaltens,
daß ein neues Mineral vorliegen müsse. Er veranlaßte zunächst
im hüttenmännischen Institut der Kgl. Technischen Hochschule zu
Breslau durch Herrn Professor C. Friedrich eine Bestimmung der
Hauptbestandteile und hierauf im Kgl. Bayer. Staatslaboratorium
hier durch Herrn Professor Dr. Prandtl eine Gesamtanalyse des
Minerals, wodurch mit Sicherheit festgestellt war, daß es sich
um eine bisher im Mineralreich nicht bekannte Nickelverbindung
handle. — Wegen dringender anderer Arbeiten konnte die nicht
ganz einfache kristallographische Untersuchung des Minerals bisher
nicht ausgeführt werden, weshalb ich im Nachstehenden eine Be-
schreibung des Minerals, das ich mit dem Namen seines Entdeckers
belege und Maucherit nenne, unter Zurückstellung der Kristall-
beschreibung folgen lasse.
Als Fundort für das neue Mineral wird Eisleben in Thüringen
angegeben. Die Mineralvergesellschaftung läßt erkennen, daß man
es mit einem Vorkommen der bekannten Kobaltrücken des Kupfer-
schiefergebiets zu tun hat. Die Begleiter des Maucherits sind nämlich
Nickelin, Chloanthit, gediegen Wismut, Manganit, Calcit, Baryt,
Anhydrit und Gips. Das Nebengestein ist Kupferschiefer, z. T.
auch Weißliegendes oder Fäule. Als älteste Bildung dieser Bücken,
das sind Gänge von kurzer Erstreckung im Streichen und Fallen
bei einer Mächtigkeit von wenigen Millimetern bis etwa 20 cm,
erweist sich Nickelin in dünnen Krusten zarter spitzpyramidaler
Kriställchen. Dieser Nickelin erfüllt auch die feinsten Klüftclien
des Nebengesteins. Hierauf folgt Calcit in Skaleuoedern, mit deren
letzter Wachstumsphase die Bildung des Maucherits zusammenfällt,
so daß beim Auslösen des Calcits die Negative der Skalenoeder
in der Maucheritmasse sichtbar werden. Dann folgt rötlicher
Baryt in rechteckigen Tafeln, die auch etwas in den Maucherit
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913. 15
226 F. Grünling, Maucherit Ni3As2, ein neues Nickelmineral etc.
hineinragen und deren letzte Bildungsphase von der Ausscheidung
der Hauptmasse des Nickelins begleitet wird. Dieser jüngere
Nickelin tritt in parallelfaserigen Krusten und in stumpf-
pyramidalen Kristallen auf, die nicht selten Durchkreuzungs-
zwillinge nach einer Pyramidenfläche oder, wenn rhombisch, nach
einer Domenfläche erkennen lassen. Auf dem Nickelin findet sich
selten gediegen Wismut in kleinen undeutlichen Kriställchen und
manchmal auch dünne Krusten eines zinnweißen undeutlich kri-
stallisierten Minerals, das seinen Lötrohrverhalten nach als Chlo-
anthit anzusprechen ist. Auf dem Baryt sitzen manchmal zarte
Kristallbündel von Manganit. Hierauf folgt wieder Calcit und röt-
licher, blätteriger Anhydrit, der stellenweise in Gips umgewandelt
ist. Die Gänge sind fast stets völlig geschlossen, so daß die Kri-
stalle der Erze erst nach dem Auslösen des Kalkspats mit H CI
und Ausstechen des Baryts und Anhydrits sichtbar werden.
Der Maucherit zeigt im frischen Bruch rötlich silberweiße
Farbe, die sich nach einiger Zeit in ein rötliches Platingrau oder
in ein graues Kupferrot ändert. Die derben Massen zeigen un-
deutlich faserige, dichte oder zellige Struktur. Nicht selten sind
die Räume zwischen den Fasern oder Blättern mit Nickelin erfüllt,
wie auch oft die Kristallblätter ganz mit Nickelin überwachsen
sind. Die Kristalle bilden dünne, stark glänzende, rechteckige
Täfelchen mit zugeschärften Kanten von 1 bis 10 mm im Geviert
und sind fast stets zu quirlförmigen Viellingen gruppiert dergestalt,
daß die einen Kanten der Quadrate in eine Ebene fallen, die
anderen sich parallel laufen. Die Kanten der Kristallblättchen
zeigen eine scharfe Riefung. Das Kristallsystem konnte noch nicht
festgestellt werden ; wahrscheinlich ist es tetragonal oder rhombisch.
Die Härte ist 5. Die Dichte ist nach der Bestimmung des
Herrn Professors Dr. Prandtl bei 19° C 7,83. Der Strich ist
schwärzlich grau, der Bruch uneben, spröde.
Im geschlossenen Röhrchen ein ganz schwaches Sublimat von
arseniger Säure gebend, dekrepitiert nur ganz wenig, verändert
die Farbe kaum. Auf Kohle schmilzt er unschwer zur blanken
Kugel, die im Oxydationsfeuer Arsenrauch ausstößt und die Kohle
mit As., 03 beschlägt.
Mit Boraxglas erhält man zunächst die Kobalt-, dann die
Nickelperle.
Die chemische Zusammensetzung ist gemäß den
Analysen von Friedrich (I) und Praxiitl (II):
As
S
Ni
Co
Pb
Fe
Gangart Summe
Ni, As,
. . 46,00
—
54.00
—
—
—
— 100,00
I .
. . 45,66
—
49,51
0.93
—
—
- 96.10
11 . .
. . 43,67
0,17
52,71
2,15
0,20
0,40
0,40 99,70
Sie
entspricht
also
fast
genau
der
Formel
(Ni, Co)3As, und
somit der Zusammensetzung mancher Nickelspeisen.
V. Schumoff-Deleano, Einige Versuche etc.
227
Einige Versuche über das Zusammenkristallisieren von
Diopsid und Jadeit.
Von Vera Schumoff-Deleano (St. Petersburg).
Mit 1 Textfigur.
C. Hintze1 führt in seinem Handbuche Analysen von Jadeiten
an, deren Gehalt an CaO und MgO im Maximum bis zu 14 bis
15°/o bezw. 8,62 o/0 beträgt. Nur wenige Jadeite scheinen Ca-frei,
aber alle enthalten Mg und dieses Element in um so größerer
Menge, je geringer der Ca-Gehalt wird. MgO wird isomorph
durch FeO vertreten. Würde man aus dem CaO- und MgO-Gehalt
auf Beimengung der Diopsidkomponente schließen, so käme man
mit Vernachlässigung der Alkalien, wenn man die Rechnung durch-
führt, bei z.B. Analyse XXII auf einen Diopsidgehalt von 4U — 42 °/o2,
bei Analyse IX auf einen Diopsidgehalt von nahezu 50°/o3.
Schon Kenngott4 wies darauf hin, daß der Jadeit sich als
ein mit Diopsid gemengtes Silikat berechnen lasse. Die Anwesen-
heit von Ca 0 und Mg 0 dürfe nicht immer auf mechanische
Beimengungen zurückgeführt werden.
E. Cohen 5 fand stets einen Überschuß an Si 02 in Jadeiten,
auch dann, wenn er die MgO als MgAl2Si06 und RO Si02 in
Rechnung brachte. E. Cohen glaubte daher, daß im Jadeit noch
eine kieselsäurereichere Verbindung existieren müsse, wie etwa
MgAl2Si40)2 oder CaAl2Si4Ol2, Verbindungen, wie sie auch zur
Erklärung des Ägirinsilikates angenommen werden. C. Doelter6
versuchte zuerst Jadeit rein darzustellen, aber ohne Erfolg.
Auch Mischungen von NaFeSi206 mit dem Jadeitsilikat kamen
nicht zur Kristallisation. Auch bei großem Na-Gehalt der künst-
lichen Pyroxenmischungeu kristallisiert nur ein Na-armer oder -freier
Augit aus. Im allgemeinen beobachtete C. Doelter ein Anwachsen
der Auslöschungsschiefe im Diopsid mit Zunahme des A1203-
Gehaltes.
Die monoklinen Pyroxene lassen aus ihren optischen Eigen-
schaften Unterschiede in ihrer chemischen Zusammensetzung erkennen.
Der Zusammenhang ist ein sehr verwickelter und es ist bisher nicht
gelungen, alle Grundverbindungen mit Sicherheit zu erkennen7.
Die Beimengung des MgO- und Fe O-Gehaltes im Jadeitmolekül
und ihr Einfluß auf die optischen Eigenschaften des letzteren
1 C. Hintze, Handbuch der Mineralogie. 1897.
3 Ca 0 = 1 1 °/o, Mg 0 (+ Fe 0) = 7,24 “/„.
3 CaO = 14,57 °/0, MgO (+ FeO) = 14,11 o/o.
4 Kenngott (Übers, min. Forsch. 1862—65. p. 199) und Hintze
(Mineralogie. II. 1898).
5 E. Cohen. N. Jahrb. f. Min. etc. 1884. II. p. 52.
6 C. Doelter, N. Jahrb. f. Min. etc. 1884. II. p. 63; 1885. I. p. 48.
7 Fr. Becke, Optische Eigenschaften der Silikate in C. Doelter,
i Handbuch der Mineralchemie. II. 1. 1912.
15*
228
V. Sclmmoff-Deleano, Einige Versuche über das
Minerals sind noch nicht studiert und eine Abhängigkeit ist bisher
noch nicht festgestellt worden.
Zwischen Diopsid und gemeinem Augit, also einem
tonerdehaltigen Gliede, existieren Mischungsglieder, welche durch
Zunahme des Winkels cy von 40 — 90° und Verstärkung
der Doppelbrechung ausgezeichnet sind. Ein gesetzmäßiger
Zusammenhang fehlt jedoch.
Mischkristalle von Diopsid und Jadeit herzustellen, ist noch
nicht versucht worden, obwohl das nahe übereinstimmende Mol. -Volu-
men 72 bei Diopsid und 68 bei Jadeit, sowie die durch Spaltbar-
keit und optische Verhältnisse bedingte Verwandtschaft der beiden
Pyroxene die Möglichkeit einer Mischkristallbildung vermuten ließ.
Es wurde reinster Jadeit von Tibet gepulvert und in kleinen
Portionen mit künstlichem Diopsid aus dem Schmelzflüsse aus-
kristallisieren gelassen. Der zu den Versuchen verwendete Jadeit
zeigte in einem orientierten Dünnschliff 010 eine Auslöschungs-
schiefe c y 33° 76'. Bis zu einem Zusatz von 5°/'o Jadeitsilikat
zum Diopsid ergaben sich nach zwölfstündiger Auskristallisation
nahezu glasfreie Kristalle mit einer Auslöschungsschiefe c y‘ 39°;
die Doppelbrechung der Pyroxene war positiv. Die Lichtbrechung
in Jodmethylen gemessen nach n,„ = 1,689. Für reinen Diopsid
wird für n„ = 1,70 angegeben. Bei mehr als 5% Jadeit finden
sich zwischen den großen Kristallen noch körnige Kristalle mit
einer Maximalauslösclmng von c y‘ zu 35° und 38° in unregel-
mäßiger Durchwachsung. Die Schmelzpunktbestimmung ergab In-
homogenität, indem sich nach der C. DoELTER’sclien Methode im
Heizmikroskop fand :
Intervall I 1150 — 1200° für die kleinen Kristalle,
Intervall II 1260 — 13"0° für die großen Individuen.
Das letztere Intervall stimmt überein mit den von C. Doelxer
angegebenen Schmelzpunkten für Diopsid 12s0 — 1310° L
Auch die folgenden Versuche: Diopsid mit 10% und 15%
natürlichem Jadeit, ergaben ein ähnliches Besultat. Immer fanden
sich (teilweise neben schon viel Glas bei Mischung 3) neben fast
reinem Diopsid Kristalle mit einer beträchtlich kleineren Aus-
löschungsschiefe cy‘ bis zu 35°, welche offenbar als Mischkristalle
von Diopsid und Jadeit gedeutet werden müssen. Diese Misch-
kristalle sind später erstarrt als die Diopside und bilden eine Art
Eutektikum ; denn das Schmelzintervall der leichter schmelzbaren
Zwischenmasse war wie bei Mischung 1 1150 — 1200°.
Bei einem Mehrzusatz von Jadeit als 15°/o erstarrten die
Schmelzen vollkommen glasig. Reiner Jadeit schmilzt bei 1000
bis 1060° 1 2. Bei einem Versuch, die Kurve zu konstruieren und
1 C. Doelter, Zeitschr. f. Elektrochemie. 12. (1906.)
2 C. Doelter, Tschermak’s Min.-petr. Mitt. 22. (1903.)
Zusammenkristallisieren von Diopsid und Jadeit.
229
die erhaltenen Zahlen in dieselbe einzutragen, würde sich ungefähr
folgendes etwas schematisierte Bild ergeben :
Fig. 1.
Die Kurve ist nur bis zur Mischung mit 1 5 °/o Jadeitsilikat-
zusatz gezeichnet und deutet sehr beschränkte Mischbarkeit (inner-
halb weniger Prozente) an. Bei mehr als 5 % Jadeitsilikat ent-
stehen neben Mischkristallen Diopsid — wenig Jadeit eutek-
tische Schmelzen mit Diopsid als erstes Ausscheidungsprodukt.
Nachfolgend die Belege 1 :
1. Diopsid + 1 °/o Jadeit
ein Schmelzintervall 1260 — 1300 u;
2. Diopsid + 3°/o Jadeit
ein Schmelzintervall 1240 — 1260°;
3. Diopsid -f- 4% Jadeit
ein Schmelzintervall 1200 — 1220°;
4. Diopsid -j- 5°/o Jadeit
zwei Intervalle: I. 1150—1200°,
U. 1260—1300°;
5. Diopsid + 10 °/o Jadeit
zwei Intervalle: I. 1140 — 1200°,
II. 1250—1280°;
6. Diopsid -f- 15% Jadeit
zwei Intervalle: I. 1150 — 1190°,
II. 1250—1290°.
Das hier gegebene Bild ist nur ein vorläufiges, es soll vor-
nehmlich zeigen, daß künstlich homogene Diopsidmischungen mit
mehr als 5% Jadeit nicht hergestellt werden können.
Um den Einfluß des Al2 Oä-Gehaltes auf das Diopsidmolekül
festzustellen, wurde folgender Versuch ausgeführt:
1 Die Erhitzungsdauer im Heizmikroskop betrug 3 Stunden. Die
Vergrößerung war 250 fach.
230
J. Soellner, Ueber das Auftreten
NaA102 wird von Diopsid in geringer Menge aufgenommen,
wie folgender Versuch beweist:
Zu 19.5 g CaMgSi206 wurden 5 g käufliches Na A102 (= 25°/o)
gemischt und einer Temperatur von zuerst l 300 °, dann 800 0 durch
10 Stunden hindurch ausgesetzt. Es entstanden neben stark doppel-
brechenden Kristallskeletten, welche durch Ausziehen mit heißem
Wasser leicht sich entfernen ließen , Diopside mit einem Aus-
löschungsmaximum c y‘ von 39 — 41°. Der Tonerdegehalt drückte
die Schiefe der Auslöschung offenbar hinauf. In dem wässerigen
Auszug befand sich noch feines NaA102. Die Versuche hierüber
wären fortzusetzen.
Resultat:
1. Diopsid kann aus dem Schmelzfluß bis etwa 5°/o Jadeit
aufnehmen, ohne daß eine wesentliche Änderung der optischen Eigen-
schaften (Auslöschungsschiefe, Lichtbrechung) eintritt.
2. Jadeit kristallisiert „frei“ nicht ans, auch nicht bei
Zusatz von Kristallisatoren, wie Wolfram säure, molybdän-
saures Na t r i u m u. a.
3. Bei mehr als 5°/o Jadeitzusatz zur Diopsidmischuug kri-
stallisiert Diopsid und daneben bildet sich eine kleinkörnige Grund-
masse, bestehend aus Diopsid und Jadeit (+ Diopsid) mit
Glas. Das Glas drückt die Schmelzpunkte herab , so daß die
Kurven in Wirklichkeit um etwa 20 0 höher zu liegen kämen.
4. Aus einer Na Al 0,-Schmelze scheint Diopsid A1203 auf-
zunehmen und kristallisiert dann in Nadeln mit einer etwas höheren
Auslöschungsschiefe als 39°.
Mineralogisches Institut des Hofrats C. Doelter der k. k. Univer-
sität Wien.
Ueber das Auftreten von Essexit im Kaiserstuhl.
Von J. Soellner in Freiburg i. Br.
Die Essexite wei’den von Rosenbusch 1 definiert als „liypidio-
morphkörnige Tiefengesteine, welche bei beträchtlichem Gehalt an
farbigen Gemengteilen durch die Vorherrschaft eines basischen
Kalknatronfeldspates in Verbindung mit einem Pyroxenmineral bei
völliger Abwesenheit des Quarzes und einem der Menge nach
wechselnden Gehalt an Orthoklas und Mineralien der Nephelin-
gruppe neben dem Kalknatronfeldspat, von barkevikitischem Am-
phibol und braunem Biotit neben dem Pyroxen stofflich charakte-
risiert sind. Titanhaltiger Magnetit und Apatit liefern die reich-
lichen Nebengemengteile. Olivin ist ein sehr, fast allgemein ver-
breiteter, Titanit ein nicht gerade seltener Übergemengteil“.
1 Rosenbusch, H., Mikr. Physiogr. IV. Aufl. II, 1. p. 391.
von Essexit im Kaiserstuhl.
231
Gesteine dieses Charakters sind bisher aus Mitteleuropa nur
sehr wenig bekannt geworden. Berühmt ist der von Hibsch 1 näher
untersuchte Essexit von Bongstock in Böhmen. Das einzige deutsche
Vorkommnis war bisher der sogenannte Dolerit von der Löwen-
burg im Siebengebirge, der von Busz2 und Rosexbusch3 zu den
Essexiten gestellt wird. Um so interessanter ist es, daß im Kaiser-
stuhl, einer Gesteinsprovinz von ausgesprochen foyaitisch-thera-
lithischem Charakter in größerer Ausdehnung ein Gestein vorkommt,
das der oben angeführten Definition des Essexits vollständig ent-
spricht und das auch seinem ganzen geologischen Verhalten nach
den Eindruck eines Tiefengesteins erweckt. Das Auftreten von
Essexit im Kaiserstuhl ist um so bedeutungsvoller, weil man von
hier schon seit längerer Zeit Ergußgesteine wie Tephrite, Trachy-
dolerit etc. und Ganggesteine wie Monchiquite, Mondhaldeit etc.
kennt, die auf ein essexitisch-theralitliisches Tiefengestein schließen
lassen. Von Graeff4 ist vor 20 Jahren ein Stück körnigen
Tephrits (Theralith) kurz beschrieben worden, das sich unter den
älteren Beständen der Freiburger Sammlung vorfand. Nach der
alten FrscHEn’schen Etikette stammt dasselbe vom Horberig bei
Oberbergen. Anstehend konnte das Gestein daselbst nicht aufge-
funden werden. Nach Graeff handelt es sich bei diesem Vor-
kommnis allem Anschein nach nur um einen körnigen Einschluß
aus einem porphvrischen Gestein (wahrscheinlich Tephrit). Das
hier zu beschreibende Gestein dagegen ist auf größere Strecken an-
stehend aufgeschlossen, und zwar hauptsächlich in dem sogenannten
, Krummen Graben“ zwischen Oberbergen und Oberrotweil. Der
Krumme Graben ist ein tiefeingeschnittenes Tal im zentralen Teile
des Kaiserstuhls, das auf der Nordwestseite des Todtenkopfes 5
zwischen Scheibenbuck und Strümpfekopf in nordwestlicher Dich-
tung verläuft und zwischen Oberrotweil und Obei’bergen in das
Haupttal, das Krottenbachtal, einmiindet. Die Ausmündung des
Tales liegt ca. 240 — 245 m ii. d. M. und 50 — 55 m höher als
die Sohle des Bheintales westlich von Niederrotweil. Geht man
das Tal des „Krummen Grabens“ nach Südosten aufwärts, so steigt
1 Hibsch, J. E., Erläuterungen zu Blatt Bongstock-Bodenbach der
geol. Karte des Böhm. Mittelgebirges. Min. u. petr. Mitt. 19. 1900. p. 1. —
Erläuterungen zu Blatt Großpriesen d. geol. Karte des Böhm. Mittelgebirges.
Ibid. 21. 1902. p. 465.
2 Busz, K., Essexit von der Löwenburg im Siebengebirge a. Rh. Ver-
handl. naturhist. Ver. d. preuß. Rheinlande u. Westf. 62. Jahrg. 173.
Bonn 1905.
3 Rosenbüsch, H.. Mikrosk. Phys. IV. Aufl. II, 1. p. 404.
* Graeff, Fr., Über körnigen Tephrit (Theralith) aus dem Kaiser-
stuhl. Bericht über d. XXVI. Versammlg. des oberrhein. geol. Vereins. 1893.
3 Siehe die Blätter Breisach und Eichstetten der topograph. Karte
1:25000 des Großherzogtums Baden oder die Karte in Knop, Der Kaiser-
stuhl i. Br. Leipzig 1892.
232
.1. Soellner, Feber das Auftreten
dasselbe auf eiue Entfernung- von ca. 1 400 m nur sehr schwach
unter 3 — 4° an. Im Hintergrund des Tälchens, ehe der steilere
Anstieg beginnt, steht nun in ca. 340 m Höhe ü. d. M. uud rund
220 m unter dem Gipfel des Todtenkopfes (558,7 m), der höchsten
Erhebung des Kaiserstuhls, am geographisch rechten Talhang nahe
der Talsohle ein mittel- bis feinkörniges, schwarz und weiß ge-
sprenkeltes festes Gestein an, das in seinem Aussehen den mittel-
bis feinkörnigen Varietäten des Rongstocker Essexits so täuschend
ähnlich sieht, daß Stücke von beiden Fundorten fast miteinander
verwechselt werden könnten. Das Gestein ist längs des Weges
und Waldrandes auf eine Strecke von ca. 120 m gut aufgeschlossen.
Überlagert wird es am Hang vou Löß. In geringer Menge finde!
man den Essexit auch in unmittelbarer Umgebung von Oberbergen,
am Südfuß des Heßleterbucks und in losen Stücken auf der Höhe
des Scheibenbucks südlich von Oberbergen. In beiden letzteren
Fällen handelt es sich wahrscheinlich nur um Apophysen des in
der Tiefe anstehenden Essexitstockes, während im Krummen Graben
dieser selbst angeschnitten sein muß. Wie groß die Ausdehnung
des Essexitstockes im zentralen Teile des Kaiserstuhles ist, steht
noch nicht fest. Die weitere Kartierung wird das Nähere ergeben.
Gut aufgeschlossen und bekannt ist er zurzeit nur an der
vorerwähnten Stelle im Hintergrund des Krummen Grabens. Hier
wird der Essexit auch deutlich von Gängen von Mondhaldeit und
von Tracliydolerit durchsetzt.
Der Essexit ist z. T. außerordentlich frisch, erscheint schwarz
und weiß gesprenkelt und hat eine mittlere Korngröße von ca. 1 mm.
Schon makroskopisch sind zahlreiche dunkle Kriställcheu von
Pyroxen und schwarze Biotitblättchen zu erkennen. Unter den
weißen Partien ragen zuweilen frische, glasige Orthoklaskriställchen
hervor. U. d. M. erweist sich das Gestein als bestehend aus :
A u g i t , Biotit, Hornblende, basischem Plagioklas,
Orthoklas, einem Mineral der Nephelin- oder Soda-
1 ithgruppe, Magnet eisen, Apatit und Titan it in hyp-
i d i o m o r p h - k ö r n i g e r Ausbildung.
Unter den dunklen Gemengteilen ist der wichtigste und ver-
breitetste ein blaßrötlich-violetter Titanaugit in zahlreichen,
zuweilen bis 2,5 mm großen idiomorphen Kristallen. Er ist tafelig
nach { 1 0()J entwickelt, zeigt zuweilen Zonarstruktur und poly-
synthetische Zwillingslamellierung nach JlOO). Die Auslösclmngs-
schiefe beträgt C : c im stumpfen Winkel ß ca. 50 °. Der Augit
enthält reichlich Einschlüsse von Magneteisen, Apatitsäulchen und
Biotitfetzen.
Neben Pyroxen tritt allgemein rotbrauner Biotit in bis
1 mm großen Blättchen auf. Dieselben sind nicht regelmäßig
umgrenzt, sondern in der Regel in Fetzen und Lappen entwickelt.
Der Pleochroismus desselben ist kräftig, zwischen blaßgelb und
von Essexit im Kaiserstulil.
233
dunkelrotbraun , auf (00 1) kleiner, aber deutlicher Achsenwinkel
sichtbar, die Achsenebene verläuft parallel (oio}, also Glimmer
zweiter Art. Aufschnitten nach (010) ist eine kleine Auslöschungs-
schiefe wahrnehmbar. Die Biotitfetzen umschließen häufig Augit,
Plagioklas, Apatit und Eisenerze. Umgekehrt Biotit auch als Ein-
schluß in Augit.
Hornblende tritt in dem Gestein vom Krummen Graben
nur spärlich auf, dagegen ist sie in Stücken vom Südfuß des
Heßleterbucks und von der Höhe des Scheibenbucks reichlicher
entwickelt. Es ist eine braune, anscheinend barkevikitische Horn-
blende mit starkem Pleochroismus a blaßgelb, b und c annähernd
gleich braun. Die Auslöschungsschiefe c : c auf {010} = ca. 10°.
Zwillingsbildung nach (100} zuweilen wahrnehmbar. Sehr ver-
breitet ist auch hier die bei Essexit fast konstante Verwachsung*
von Pyroxen, Amphibol und Biotit. Fetzen von Hornblende sind
in paralleler Orientierung und ohne eigene Umgrenzung dem Augit
eingewachsen, das gleiche gilt für Biotit. Bei Biotit läßt sich
zuweilen beobachten , daß die Spalttracen desselben denen der
Hornblende oder des Augits parallel liegen. Hornblende und Biotit
erscheinen auch beide als regelmäßige Umhüllungen von Pyroxen.
Unter den wesentlichen farblosen Gemengteilen ist der älteste ein
basischer Plagioklas. Derselbe ist tafelig nach (oioj ent-
wickelt mit vorwiegend idiomorpher Ausbildung. Zwillingsbildung'
nach Albit- und Karlsbader Gesetz ist verbreitet. Seinem optischen
Verhalten nach gehört er in die Labradorreihe mit geringen
Schwankungen im Kalkgehalt. Eine deutliche Zonarstruktur fehlt
.jedoch. Durch Verwitterung sind die Kristalle in manchen Stücken
schon stark getrübt unter Ausscheidung eines farblosen Glimmer-
minerals und von Calcit.
Orthoklas kommt neben Plagioklas teils als schmaler Saum
um diesen, teils als regelrechte Füllmasse vor. Wenn die Menge
des Orthoklases sehr beträchtlich ist, hat er häufig die Form von
hypidiomorphen Täfelchen. Diese, tafelig nach (Oll], werden bis
3 mm lang und 1 mm dick und zeigen in der Kegel Zwillings-
bildung nach dem Karlsbader Gesetz. Der Orthoklas besitzt
normalsymmetrische Achsenlage mit kleinem Achsenwinkel. Ist die
Orthoklasfüllmasse auf größere Strecken einheitlich orientiert, so
hält sie zahlreiche andere Mineralien, vor allem idiomorphe Plagio-
klaskristalle, umschlossen. Das Mengenverhältnis zwischen Plagio-
klas und Orthoklas schwankt recht beträchtlich. Manche Stücke
sind reich an Orthoklas neben zurücktretendem Plagioklas , in
andern Stücken ist Orthoklas stark in der Minderheit. Bemerkens-
wert ist der völlig frische Habitus des Orthoklases selbst dann,
wenn der Plagioklas schon ziemlich stark verwittert ist. Neben
den Feldspäten kommt als letztes Kristallisationsprodukt teils eine
trübe isotrope Füllmasse mit geringer Lichtbrechung, teils schwach
234
M. Semper, Zur eocänen Geographie
doppelbrechende zeolithische Aggregate, untermengt mit Carbonaten,
in den Zwickeln des Gesteins vor. Die trübe isotrope Füllmasse,
wahrscheinlich Analcim, ist vermutlich aus ursprünglichem
Nephelin hervorgegangen. Frischer Nephelin konnte aller-
dings nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden. Ob die doppel-
brechenden Aggregate auf Zersetzung eines Minerals der Sodalith-
gruppe zurückzuführen sind, steht dahin. Die Menge dieser
Füllmassen ist ebenfalls eine sehr wechselnde. In orthoklasreichen
Partien treten sie sehr stark zurück, in orthoklasarmen Stücken,
wie z. B. in denen von der Höhe des Scheibenbucks, wird dagegen
ihre Menge eine recht beträchtliche. Als akzessorische Gemeng-
teile kommen in Betracht: Magnet eisen in größeren, schlecht
ausgebildeten Kristallen, häufig von einem Kranz von Biotit um-
geben, Apatit in ziemlich dicken Säulchen und schließlich
Titanit in blaßgelben, bis 0,5 mm großen spitzrhombischen
Durchschnitten mit kleinem Achsenwinkel. Olivin, der in manchen
Essexiten eine Rolle spielt, fehlt hier vollständig.
Die eingehende Untersuchung dieses interessanten Vorkommens,
insbesondere auch in chemischer Beziehung, erfolgt sobald als
möglich, sowie die Verbreitung des Essexits im Kaiserstuhl etwas
näher festgelegt ist.
Freiburg i. Br., den 11. März 1913.
Zur eocänen Geographie des nordatlantischen Gebiets.
Von Max Semper, Aachen.
Wenn die folgenden Bemerkungen an die Darstellung geknüpft
sind, die E. Haug in seinem Traite de geologie über die paläo-
geographischen Verhältnisse des Eocän gegeben hat1, so muß
gleich von vorneherein der Verdacht polemischer Absichten ab-
gewehrt werden. Ich beabsichtige viel weniger eine dort über-
sehene Einzelheit zu verbessern, als an einem besonders prägnanten
Beispiel eine in der heutigen Geologie übliche Anschauungsweise
zu charakterisieren und daran anschließend die Frage zu berühren,
ob hier nicht für manche in neuerer Zeit lebhaft verfolgte Zwecke
ein bedeutsames Hindernis verborgen liegt.
Die geographische Beschaffenheit des nordatlantischen Gebiets
wird nämlich an genannter Stelle in dreifachem Zusammenhang
beschrieben , erstens auf Grund der Verbreitung der unter- und
mitteleocänen Säugetierfaunen, zweitens auf Grund der Verbreitung
der neritischen Meeresbewohner, drittens auf Grund gewisser Eigen-
tümlichkeiten im Auftreten der Nummuliten. Hieraus ergäbe sich
— in der gleichen Reihenfolge aufgezählt — erstens, daß die im
1 E. Haug, Traite de geologie. Bd. II. p. 1397 — 1598. 1911.
des nordatlantischen Gebiets.
235
Untereocän bestehende Landverbindung im Mitteleocän unterbrochen
worden sei ', zweitens, daß während des ganzen Eocäns, besonders
aber im Mitteleocän, eine zusammenhängende Küstenlinie Europa
nnd Nordamerika verband1 2, drittens, daß während des ganzen
Eocän boreale Meeresströme die amerikanische Ostkttste bespült
und für die (erst im Oligocän einwandernden) Nummuliten un-
bewohnbar gemacht hätten 3. Diese borealen Meeresströme können
nur angenommen werden, wenn man sich den Atlantischen Ozean
mit einem arktischen Meer verbunden denkt. Es besteht also ein
scharfer Widerspruch zwischen den Ergebnissen dieser drei Schluß-
reihen, um so mehr, als die sich zunächst einstellende Vermutung,
es möchten sich diese Angaben doch auf irgend eine Weise ver-
einigen lassen, sich bei genauerer Betrachtung als nicht stichhaltig
erweist.
Man könnte der weiteren Betrachtung entgegenhalten , daß
eben die bisherige Kenntnis der Tatsachen nicht ausreiche, um zu
einer klaren Vorstellung über die Paläogeographie des eocänen
Atlantik zu gelangen, und daß hier nur ein neuer Beweis für die
Unmöglichkeit einer wirklichen Paläogeographie vorläge. Doch
wäre die hierin sich aussprechende Resignation erst zulässig, wenn
es erweislich gar keine Möglichkeit gäbe, diese Widersprüche zu
beseitigen. Jedenfalls sind sie unauflöslich, solange die oben-
genannten Aussprüche unverändert stehen bleiben. Woher sollten
die borealen Meeresströme ausgegangen sein , die im Untereocän
den Nummuliten die Besiedlung der ostamerikanischen Gewässer
verboten, wenn der Atlantische Ozean vom arktischen durch eine
Landbrücke getrennt war? Wie konnten im Mitteleocän diese
Ströme auf die Wassertemperaturen im Golf von Mexiko einwirken,
wenn sie doch weiter im Norden nicht imstande waren, den da-
mals gerade besonders engen Zusammenhang der neritischen Faunen
zu unterbrechen? Wie konnte schließlich dieser Zusammenhang
so deutlich sein, wenn der nordatlantische Kontinent durch einen
(natürlich als breit vorzustellenden) Meeresarm in eine europäische
und eine amerikanische Hälfte zerlegt war4, also schon durch die
räumliche Entfernung zwischen den neritischen Zonen der außer-
dem noch klimatisch ungleichartigen Küstengebiete tiergeographische
Verschiedenheiten bewirkt oder begünstigt werden mußten?
Läßt sich nun keine Beschaffenheit dieses Gebiets ausdenken,
welche all diesen Anforderungen genug täte , so sind doch diese
Anforderungen selbst keineswegs unvermeidlich. Am auffälligsten
1 Ebenda, p. 1553, 1558.
2 Ebenda, p. 1523, 1559.
3 Ebenda, p. 1567.
4 Haüg spricht zwar nur ohne nähere Angabe von „Unterbrechung
des Zusammenhangs“, gemeint ist aber offenbar „Unterbrechung durch
einen Meeresteil“.
236
M. Semper, Zur eocänen Geographie
ist dieses bei den au die Nummuliten geknüpften Schlüssen. Für
das Untereocän kann das Bestehen einer landfesten Verbindung
zwischen Afrika und Südamerika noch mit den verhältnismäßig
triftigsten Gründen behauptet werden darf man mit ihr rechnen,
so bleibt es unverständlich, weshalb die Nummuliten nicht schon
damals entlang dieser Küstenlinie überwanderten, da zu dieser Zeit
der Atlantik vom arktischen Meer entschieden abgeschnitten war.
Freilich kennen wir auch keine mit Bestimmtheit dem Untereocän
augehörigen Bildungen in den Antillen oder sonst im amerikanischen
marinen Tertiär1 2. Im Mittel- und Obereocän liegt für die Annahme
der südlichen Landbrücke kein direkter Anhaltspunkt mehr vor;
im Gegenteil widersprechen ihr andere Tatsachen , nämlich die
Verwandtschaften zwischen den Eocänfaunen von Kamerun und
Angola3 und den entsprechenden Westeuropas und des Mittelmeers.
Trotzdem begannen damals mediterrane Formen nach Mittelamerika
überzuwandern4, die Nummuliten als die letzten, im Oligocän. Sie
treten dort in kleinen Formen auf, wie sie in Europa stets sich
vorfinden, wenn die übrigen Merkmale der Faunen auf den Einfluß
kühlerer Meeresströme deuten 5 *, jedoch sind andere übergewanderte
Foraminiferen , denen sonst größere Empfindlichkeit gegen Tem-
peraturerniedrigung zugeschrieben wird M, in Amerika ihre Vorläufer
und Begleiter ; auch zeigt die sonstige Fauna, die unverändert aus
den unteren, nummulitenfreien Vicksburg-Schicliten in die oberen,
nummulitenführenden übergeht, keine Spur, daß irgend eine Ver-
änderung in den Lebensbedingungen eingetreten sei 7. Unzweifel-
haft setzten zu niedrige Meerestemperaturen der Nummuliten-
verbreitung eine Grenze, und wohl mit Recht beruft sich Stromek
hierauf, um das Fehlen dieses Typus in den Eocänbildungen an
der Westküste Südafrikas zu erklären8, aber da die Existenz
der Nummuliten außerdem an Seichtwasser gebunden war, so würde
ein Afrika und Südamerika trennender Meeresteil ebenfalls ihre
Ansiedlung an den amerikanischen Küsten verhindert haben. Dieses
alles spricht mehr für die ältere Annahme, wonach im Mittel- und
Obereocän kein brasilianisch-afrikanisches Festland mehr bestand,
sondern nur eine Inselkette zwischen Nordafrika und den Antillen,
die sich — vielleicht im Zusammenhang mit naclx-mitteleocänen
1 Hai’g, 1. c. p. 1558, 1559 ff.
2 Ebenda, p. 1528, 1525.
s Ebenda, p. 1526.
4 Ebenda, p. 1525, 1560.
ä Ebenda, p. 1567.
3 Ebenda, p. 1567.
7 Dall und Harris, Neocene. Bull. U. 8. geol. Surv. No 84. 1892.
p. 181, 182, 185.
3 Stromer, Die Geschichte des afrikanischen Festlandes nach neueren
Forschungen. Xaturwiss. Wochenschrift. 1910. p. 163.
des nordatlantischen Gebiets.
237
Gebirgsbildungen in Marokko 1 — gegen Ende des Eocäns erhob
und sich erst zu Beginn des Oligocäns so dicht schloß , daß die
Nummuliten eine Brücke geschlagen fanden, zu freilich anderweitig
nicht besonders günstigen Lebensbezirken.
Scheint demnach die Verbreitung der Nummuliten verständlich
zu werden auch ohne Annahme borealer Meeresströme an der
amerikanisch-atlantischen Küste, so wird die Existenz solcher
Ströme aus andern Erwägungen direkt unwahrscheinlich. Nach
j>e Geer brach der nordatlantische Kontinent im späteren Tertiär
nieder2: mit diesem Ereignis, das den arktischen Gewässern den
Zutritt zum Atlantischen Ozean eröffnete und dort den heutigen
ähnliche Zirkulationsverhältnisse hervorrufen mußte, läßt sich das
plötzliche Vordringen der Chesapeakefauna kühlen Charakters bis
in den Golf von Mexiko3 ungezwungen in Zusammenhang setzen.
Ein ähnlich scharfer Fauneuwechsel hätte auch durch die ver-
mutete mitteleocäne Meeresverbindung hervorgebracht werden müssen,
jedoch findet sich davon nicht die mindeste Spur. Auf der europä-
ischen Seite läßt sich eocäner Laterit in Irland4 wenig mit der
Annahme eines benachbarten kühlen Meeres vereinen und bei Be-
trachtung der marinen Faunen zeigt sich , daß der im Pariser
Becken zur Mitteleocänzeit sehr auffällige tropische, speziell indo-
pazifische Einschlag sich au benachbarten , aber unmittelbar am
Atlantik gelegenen Äquivalenten noch verstärkt5 6. Man kann also
nirgendwo eine Spur der vermuteten arktischen Meeres Verbindung
in der Zusammensetzung der Faunen entdecken. Vielmehr ging
die einzige Verbindung beider Ozeane, die sich erkennen läßt,
durch das Pariser Becken hindurch , und sie bestand in einem
Meeresarni , dessen weiterer Verlauf nach den Darstellungen
de Geer’s und nach der Verbreitung der diluvialen Eocängeschiebe5
vermutlich nicht im Gebiet der Nordsee und westlich von Skan-
dinavien zu denken ist 7 8, sondern im Gegenteil östlich von Skan-
dinavien, quer durch das später vereiste Gebiet hindurch s.
Soweit also marine Organismen in Betracht kommen, spricht
alles mehr für die während des ganzen Eocän unveränderte Exi-
stenz eines nordatlantischen Kontinents. Die gegenteilige Annahme
1 Haug, 1. c. p. 1573.
1 G. de Geer, Kontinentale Niveauveränderungen im Norden Europas.
Compte rendu intern. Geol. Congr. 1910. p. 849 ff.
3 Dali, und Harris, 1. c. p. 186.
4 Cole. The red zone in the basaltic series of the County of Antrim.
Geol. Mag. 1908. p. 341.
5 Hadg, 1. c. p. 1457.
6 Ebenda p 1444.
7 Ebenda p. 1559.
8 M. Semper, Das paläothermale Problem. II. Zeitschr. d. deutsch, geol.
Ges. 1899. p. 202.
238
M. Semper, Zur eocänen Geographie
führt nur zu Schwierigkeiten und Unverständlichkeiten, und so ist
zu fragen, oh das ihr hauptsächlich zugrunde liegende Argument,
die Verbreitung der eocänen Säugetiere Europas und Amerikas,
ihre Übereinstimmung im unteren, ihre Verschiedenheit im mitt-
leren und oberen Eocän, nicht einer gleichberechtigten Umdeutung
zugänglich ist.
Die nordamerikanischen Fundorte eocäner Säugetiere liegen
ganz im Westen des Kontinents ; der gesuchte, von Europa trennende
Meeresarm braucht nicht im atlantischen Gebiet , sondern konnte
auch weiter westlich gelegen sein , in demselben nord-südlichen
Streifen, der schon in der Kreidezeit einmal überflutet war. Die
eocänen Sedimente im Mississippital enden fast genau an der Stelle,
bis zu der von Norden her das diluviale Inlandeis reichte. Man
könnte vermuten, daß die nördliche Fortsetzung der Eocängebilde
zerstückelt und daher übersehen worden sei, ähnlich wie das nord-
deutsche Eocän größtenteils vernichtet wurde und sich bis zum
Beginn der Detailaufnahmen der Beobachtung so gut wie ganz
entzog. Jedoch weisen die Eocänbildungen von Kentacky und
Missouri, sowie die südlicheren von Texas und Arkansas deutlich
auf unmittelbare Nähe des Landes und scheinen sämtlich in einem
breiten Flußästuar gebildet zu sein '.
Dafür gelangt man im Verfolg einiger Andeutungen in
Osborn’s zusammenfassender Schilderung der eocänen Säuger1 2 3 auf
einen aussichtsreicheren Weg. Obwohl die von ihm übernommene
paläogeographische Karte Matthew’s für das Mitteleocän den
Atlantischen Ozean ungefähr in der gegenwärtigen Umgrenzung
zeigt, erwähnt der Text, daß die damalige Isolation von Europa
und Amerika auch durch klimatische Verschiedenheiten hervor-
gebracht sein könne, daß zwischen den Faunen beider Erdteile
ähnliche Unterschiede beständen, wie allgemein zwischen „konti-
nentalen“ und „peninsularen“ Faunen usw. Wenn sich nun be-
legen läßt, daß im Untereocän und im Oligocän die Lebensverhält-
nisse in Europa und Amerika sich ähnlich, im Mittel- und Ober-
eocän aber unähnlich waren , so ist damit manches für die Ent-
scheidung obigen Problems erreicht, vielleicht sogar mehr, als einer
umständlichen Analyse von Gattungs- und Artmerkmalen mit Aus-
deutung auf klimatische oder sonstige bionomische Anpassung über-
haupt in Aussicht steht.
Europa bildete im Untereocän nach Ausweis der zahlreichen
Siißwasserablagerungen ein zusammenhängendes, freilich wohl ebenes
und reich bewässertes Festland, war also darin, wie auch in der
Flora zum Ausdruck kommt8, dem Westen Nordamerikas sehr
ähnlich. Das Meer drang nur in ziemlich schmalen und flachen
1 W. B. Clark, Eocene. Bull. U. S. geol. Surv. No. 83. 1891. p. 202.
2 Osborn, The age of mammals. 1910. p. 137 ff.
3 Haug, 1. c. p. 1530.
des nordatlantischen Gebiets.
239
Buchten ein, überflutete aber durch die mitteleocäne Transgression
die ganze Fläche bis auf eine Anzahl alter Gebirgskerne, die
wenig umfangreiche Inseln bildeten. Damit zugleich trat eine
völlige Umwandlung der Floren und marinen Faunen ein durch
Zuwanderung von jetzt indischen Elementen, deren Heimat auch
für damals im indopazifischen Gebiet zu suchen ist, und zwar
weisen nicht nur Meeresbewohner, sondern auch Landbewohner,
offenbar verschleppt durch Meeresströmungen, auf solche Herkunft1.
Im Oligocän ward die Meeresbedeckung in Europa zwar nicht wesent-
lich geringer, eher in manchen Teilen noch verbreitert; da aber
die Meere nunmehr ihre Hauptzuflüsse nicht mehr aus tropischen,
sondern aus nördlichen kühleren Regionen erhielten, so entstand ein
klimatischer Typus, der sich vom kontinentalen weniger stark unter-
schied, als der ozeanisch-warme der vorhergehenden Epochen.
Zu solchen Schwankungen findet sich in Nordamerika keine
Parallele 2. Die Verschiedenheiten , welche zwischen den sich
folgenden Faunen bemerkbar werden, erklären sich z. T. daraus,
daß durch die Zufälle der Erhaltung andere Ausschnitte aus der
Gesamtfauna überliefert worden sind; in vielen Fällen aber ver-
folgte, durch äußere Einflüsse ungestört, die Entwicklung die an-
fänglich eingeschlagenen Bahnen weite]1. Die Zeiten der faunistischen
Übereinstimmung weisen also nach andern Erwägungen zugleich
eine Annäherung der allgemeinen Lebensverhältnisse in Europa
und Amerika auf; umgekehrt sind zu andern Zeiten faunistische
und bionomische Verschiedenheiten miteinander verbunden. Man
ist also auch nicht gezwungen, für diese letzteren Fälle, aller
sonstiger Argumente zum Trotz, auf räumliche Trennung der Kon-
tinente zu schließen, kann auch unkontrollierbare Annahmen über
die Beschaffenheit des unbekannten nordatlantischen Landes, Un-
passierbarkeit infolge von Wüstenbildung oder Hinweise auf die
Tse-tse-Fliege und Ähnliches 3 beiseite lassen und wird bei der An-
sicht stehen bleiben müssen, daß Europa im Mittel- und Obereocän
maringeographisch und fioristisch , aber auch in bezug auf die
Säugetierfauna zu einer östlichen, indischen Provinz gehörte, daß
diese nur so weit auf das nordatlantische Festland Übergriff, als
der klimatische Einfluß des mediterran-indischen Meeres reichte,
daß aber die Grenzgebiete unbekannt und wahrscheinlich jetzt
unter dem Atlantischen Ozean begraben sind.
Es ist also keineswegs unmöglich, in dieser Weise eine in
sich widerspruchslose Auffassung von den tiergeographischen und
maringeographischen Zuständen des atlantischen Gebiets im Eocän
zu entwickeln; nur bleibt diese Auffassung zu einem wesentlichen
Teil, wie man sagt, „hypothetisch“, d. h. es fehlt ein Beweis, und
1 Haus, 1. c. p. 1549.
2 Osbokn, 1. c. p. 138, 181, 208.
3 Osborn, 1, c. p 38, 285.
240
51. Semper. Zur eocänen Geographie
es läßt sich auch wohl kaum beweisen, daß z. B. die Gattungs-
und Artmerkmale der mitteleocänen Säuger außer für begrenzt-
lokale auch für allgemein-regionale Lebensbedingungen charak-
teristisch sind, also liier für ozeanisch-warmes, dort für kontinen-
tales Klima. Es bliebe auch nach Durchforschung eines denkbar
reichen Materials doch nur ein Glaube, eine durch Willensakt
übernommene Überzeugung, wenn man den von Osborn, wie er-
wähnt, in zweiter Linie angeführten, von Haug ganz in den Hinter-
grund geschobenen Faktoren der tiergeographischeu Begrenzung
den Vorrang zuschreibt und die von ihnen dargebotene Erklärung
für ausreichend erachtet. Demgegenüber machen die zu Anfang
wiedergegebenen Schlüsse Haug’s, solange man jeden für sich allein
betrachtet, den Eindruck positiver Beweisbarkeit und Bestimmtheit,
und es ist kein Zweifel, daß sie, isoliert genommen, den einzelnen
hier entgegengestellten weit überlegen scheinen. Die Schwäche
jener ersteren tritt erst hervor, wenn man sie zu einem Gesamt-
bild vereinigt; umgekehrt leiten diese letzteren ihre Berechtigung
hauptsächlich daraus ab, daß sich mit ihrer Hilfe ein widerspruch-
loses Gesamtbild gewinnen läßt.
Wie man sich aber auch gegen diese Sätze im einzelnen
verhalten möge, so viel ist doch unzweifelhaft: daß eine wider-
spruchsvolle Gesamtanschauuug auch im einzelnen nichts erklärt
und nicht aufrecht erhalten werden kann. Dadurch wird man vor
die schwierig zu handhabende Frage gestellt: wie ist es zu er-
klären, daß Haug das Vorhandensein dieser Widersprüche nicht
bemerkte, oder es, was wahrscheinlicher ist, absichtlich mit Still-
schweigen überging? An einer andern Stelle des Traite wird ein
ähnlicher Widerspruch angemerkt, als nämlich das Auftreten nah-
verwandter permischer Landbewohner auf der nördlichen und süd-
lichen Halbkugel zur Annahme eines die Tethys überquerenden
Landweges zwang, während die marinen Fossilien für ungestörten
Zusammenhang der westlichen und östlichen Meere zu sprechen
schienen '. Nun handelt es sich beim Eocän um verschiedene,
untereinander unabhängige Tatsachenreihen ; Widersprüche ent-
stehen erst, wenn aus den Beobachtungen mit Hilfe hypothetischer
Prämissen (Annahmen über die Ursachen der Tierverbreitung und
Faunenbegrenzung) Schlüsse gezogen werden; im Perm aber sind
es viel unmittelbarer die Tatsachen, die sich kreuzen. Die Be-
reicherung der geologischen Erfahrung, die im letzten Jahrhundert
errungen wurde, ist wesentlich dadurch geschaffen, daß sich die
Forschung mit ausschließlicher Energie der ersten Aufgabe der
Geologie und Paläontologie, der Beschreibung des gegenwärtigen
Befundes, zuwandte. Hierbei war nur geringes Handwerkszeug an
Hypothesen erforderlich und dieses brauchte niemals in Diskussion
1 Haug, 1. c. p. 821.
des nordatlantischen Gebiets.
241
gezogen zu werden. In der Gegenwart aber wird auch die andere
Aufgabe: Rekonstruktion der vorzeitlichen Zustände, immer um-
fassender in Angriff genommen. Bei ihr ist ein beträchtliches
Rüstzeug an Hypothesen unentbehrlich, wenn man überhaupt zu
Schlüssen gelangen will, aber die Forschung verhält sich ihrem
gedanklichen und begrifflichen Material gegenüber mit wenigen
Ausnahmen genau so, wie sie es in der vorhergehenden Tätigkeit
mit Erfolg geübt hatte: sie diskutiert es so wenig wie möglich,
ja, in manchen Fällen scheint es, als suche sie es völlig zu
ignorieren, und als habe sie das Bewußtsein dafür verloren, daß
Tatsachen einerseits und andererseits Schlüsse, die liier notwendig
immer mindestens zur Hälfte Hypothesen als Prämissen haben, zu
unterscheiden sind1 und wissenschaftlich ganz verschiedene Be-
handlungsweisen erfordern .
Wenn also in dem hier besprochenen Werk und bei diesem
Thema entweder die Aufmerksamkeit erlahmte oder die Diskussion
abgebrochen wurde, sobald es auf eine Prüfung der verwendeten
Hypothesen ankam, so ist das nicht für den Autor, sondern für
das heute in der Geologie als maßgebend anerkannte Verhalten
bezeichnend, ein prägnantes Beispiel und nicht bloß eine zufällige
Einzelheit. Es verrät sich darin der Wunsch und die Überzeugung,
positiv gesicherte, exakt gewonnene Ergebnisse zu besitzen und
sich auf solche zu beschränken. Widersprechen sich dann bei der
Rekonstruktion der Vorzeit die als exakt und Tatsaclien-gleich
gewerteten Schlüsse, so wird man dem nur geringe Bedeutung bei-
messen, weil man von diesem Standpunkt aus die Fehlerquelle nur
in unvermeidlichen Lücken der Tatsachenkenntnis suchen kann.
Das Aufsuchen von Widersprüchen und Unstimmigkeiten erscheint
dann überflüssig oder gar irreführend ; in Wirklichkeit ist es aber
für die rekonstruierende Geologie als eine mit Hypothesen arbei-
tende Wissenschaft weit wichtiger als das Herbeischaffen von Be-
stätigungen, denn es ist das einzig vorhandene Mittel um Wahrheit
und Irrtum der Hypothesen, ursprünglich reiner Phantasiegebilde,
aber von entscheidendem Einfluß auf die Resultate, zu prüfen und
Notwendigkeiten zur Abänderung oder Verbesserung aufzuflnden.
Gegen Hypothesenänderungen, die unter Berücksichtigung be-
kannter, aber bisher beiseite gelassener Tatsachen Widersprüche
hinwegräumen, wird sich niemand wehren. Eine andere Frage ist,
wie man sich Widersprächen gegenüber verhalten solle, wenn zur
Veränderung der mitwirkenden Hypothesen, anders wie in vor-
1 Zu vergleichen ist u. a. die Diskussion zwischen G. Andersson und
H. Brockmann-Jerosch (Compte rendu intern. Geol. Congr. 1910. p. 373.
413) über „Tatsachen“ und „Hypothesen“ betr. das Klima der Eiszeit und
Nacheiszeit, d. h. also über Schlüsse, die aus Prämissen von teils Tatsachen,
teils Hypothesen gezogen sind und daher niemals reine Tatsachenfeststel-
lungen werden künneri.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913
16
242
A. Monsen, Ueber die Packung
liegendem Fall, aus Mangel einschlägiger Beobachtungen keine
Handhaben gegeben sind. Man wird sich dann darauf beschränken
müssen, solche Hypothesen als reine „Arbeitshypothesen“, nur
gültig zu bestimmten Zwecken und in begrenztem Bereich, stehen
zu lassen. Im übrigen aber darf man sich vielleicht auf einen
Ausspruch Goethe’s beziehen, der an Cuvier’s Neigung zu positiv-
bestimmter Ausdrucksweise Anstoß nahm und im Anschluß an
dessen discours sur le revolutions de la surface du globe bemerkte:
„Der Mensch gibt überall Probleme zu und kann doch keines
ruhen und liegen lassen; und dieses ist auch ganz recht, denn
sonst würde die Forschung aufhören; aber mit dem Positiven muß
man es nicht so ernsthaft nehmen, sondern sich durch Ironie
darüber erheben und ihm dadurch die Eigenschaft des Problems
erhalten; denn sonst wird man bei jedem geschichtlichen Rückblick
konfus und ärgert sich über sich selbst.“
Die Geologie ist schon oft in der Lage gewesen, sich in dieser
Weise ärgern zu müssen, und es steht bis jetzt zu befürchten,
daß gleiches ihr in Zukunft nicht erspart bleiben wird.
Ueber die Packung tertiärer, diluvialer und rezenter Sande
und das Porenvolumen von Sandsteinen.
Von stud. geol. Astrid Monsen in Königsberg Pr.
In seiner Abhandlung: „Die Annahme der submarinen Erhebung
des Alpenzuges und über Versuche, Vorstellungen über submarine
Gebirgsbewegung zu erlangen“, zeigt Professor Tornquist auf Grund
eingehender Versuche, die mit Seesand ausgeführt wurden, wie
außerordentlich verschieden locker und fest sedimentierte Sande
in ihren physikalischen Eigenschaften sind und weist darauf hin,
daß diese Tatsache für Lösung wichtiger, geologischer Probleme
in Betracht zu ziehen ist.
Das verschiedene physikalische Verhalten des Sandes ist durch
die verschiedenen Porositätsverhältnisse des Sandes bedingt. Die
Porosität, d. h. das Volumen der Poren des Sedimentes zum Gesamt-
volumen desselben, oder die Packung des Sedimentes schwankt
in sehr weiten Grenzen, je nachdem die Sandkörner sich mit
größeren Flächen oder an den Kanten berühren. Als Maximum
der Porosität kann 47,54 Volumenprozent Poren, als Minimum
25,95 ü/o Poren eines Sandes angesehen werden.
Es schien von Bedeutung, die in der Natur vorkommenden
Sande an Ort und Stelle ihrer natürlichen Ablagerung auf ihre
Porosität und Packung hin zu untersuchen. Es wurden zu diesem
Zwecke die in der Umgegend von Königsberg anstehenden Sande
von mir einer Prüfung unterzogen, über die ich hier vorläufig kurz
tertiärer, diluvialer und rezenter Sande etc.
243
berichte, da ich den Abschluß der Arbeit noch eine Zeitlang hinaus-
schieben muß.
Es kamen hierfür Sande des Tertiär, Diluvium, Alluvium
und die rezenten Diinensande in Betracht, deren einzelne Elemente
durch kein Zement verbunden sind, was in älteren Formationen
nur ausnahmsweise der Fall ist, wie z. B. bei den untersilurischen
Glaukonitsanden der russischen Ostseeprovinzen und den im Unter-
gründe Ostpreußens erbohrten Jurasanden.
A. Tertiäre Sande
a) des Zipfelberges bei Groß-Kuhren, Samland:
1. Unteroligocänes Sediment der fernei’en Uferzone des Oligocän-
meeres.
2. Grober Quarzsand, Grenzschicht zwischen Unter-Oligocän
und Miocän. Litoralsediment.
3. Miocäner Quarzsand zwischen unteren und oberen Letten.
Limnisches Flach wassersediment.
b) der Seeberge zwischen Palmnicken und Dirschkeim:
Miocäner, feinkörniger Sand. Limnisches Flachwassersediment.
c) Tertiärer Quarzsand, etwa 10 cm breiter Streifen, anstehend
in der Bernsteingrube von Palmnicken.
B. Diluviale Sande.
a) Diluvialer Sand, anstehend in Palmnicken, Tagebau der Bern-
steinwerke.
C. Alluviale Sande.
a) Diinensande der Wanderdüne der Kurischen Nehrung zwischen
Eossitten und Pilikoppen.
1. Sand der Sturzdüne des Predinberges.
2. Sand des Dünenkammes des Predinberges.
3. Sand der Luvseite des Predinberges.
4. Sand des Perwellberges bei Eossitten.
5. Sand der Kunzener Berge bei Alt Kunzen.
b) Seesand.
1. Seesand am Strande der Kurischen Nehrung bei Eossitten.
2. am Strande bei Groß-Kuhren.
a ) Seesand in der Schälung.
(3) Sand in der See.
y) Strandsand an Schälung.
Das Porenvolum, d. h. die Summe der Hohlräume (Poren) in
einem bestimmten, zumeist lockeren oder verkitteten Sediment,
wurde durch Prüfung der genannten Sande am Orte ihrer Ablagerung
mit eigens dazu konstruierten Apparaten wie folgt ermittelt und
in Volumprozenten berechnet:
16*
244
A. Monsen, Ueber die Packung
Tertiäre Sande.
Fundort
Mittelwerte des
Porenvolums d. h.
Porenvolumen durch
Sedimentvolumen
1. Zipfelberg bei Groß-Kuhren, Samland: Unter-
oligocäner glaukonitischer Quarzsand.
40,5 °/o.
2. Zipfelberg : grober Quarzsand. Grenzschicht
zwischen Unteroligocän und Miocän.
40 °/o.
Zipfelberg: Gestreifter, miocäner Quarzsand zwischen
unteren und oberen Letten.
36,5 °/c.
Seeberge zwischen Palmnicken und Dirschkeim:
Miocäner Glimmersand.
33 #/o.
Palmnicken: Kgl. Bernsteinwerke, in der Grube,
etwa 10 cm mächtiger, zwischen blauer Erde
anstehender Streifen groben Quarzsandes.
Diluviale Sande.
35,9 °/o.
Fundort
Mittelwerte
des Porenvolums
Palmnicken, Bernstein werke, Tagebau: Diluvialer
Quarzsand unter Geschiebemergel.
32 o/o.
Alluviale Sande.
Fundort
Dünensande der Wanderdüne der Kurischen Nehrung
zwischen Bossitten und Pilikoppen.
1. Rezenter Dünensand der Sturzdüne des Predin-
berges :
«) Ganz unten am Fuß der Sturzdüne.
37.5 o/o.
ß) An verschiedenen Höhen des Abhanges
der Sturzdüne.
42 o,'o.
Sand des frisch aufgewehten Dünenkammes.
46 °/o.
y) An der Luvseite.
2. Sand des Perwellberges bei Rositten :
40 o/o.
«) Ganz am Fuße der Düne.
ß) In verschiedenen Höhen.
37,6 o/o.
40 o/o.
Rezenter Dünensand der Kunzener Berge bei Kunzen.
Sturzdüne.
43,5o/o.
Seesand.
1. Seesand am Strande der Kurischen Nehrung
bei Rossitten.
40° 0.
2. Am Strande bei Groß-Kuhren:
«) Sand in der See.
43 «/o.
ß) Straudsand an der Schälung.
35 0/0.
y) Lockerer, trockener Strandsand.
42,8 0/0.
tertiärer, diluvialer und rezenter Sande etc.
245
Die Untersuchung ergab demnach, daß marine Saude, die nicht
der uferfernen Litoralzone angehören, feste Packung besitzeu. Da-
gegen gehen die Sande des oberen Unter-Oligocän häutig in lockere,
offenbar litorale, ufernahe Packung über.
Dagegen sind Süßwasserablagerungen fester gepackt, ebenso
die diluvialen. Dünensande zeigen direkt anstehend lose, aber
unter dem Druck der darauflagernden Düne festere Packung.
Hiermit stehen Beobachtungen über Porosität in Sandsteinen
im Einklang.
Ich untersuchte bisher folgende Sandsteine:
A. Kreidesandsteine.
1. Quadersandsteine aus dem Cenoman, Turon, Senon.
a) Über-Quader von Herrenleite.
b) Sandstein von Quedlinburg, Senon.
c) Cenomaner Sandstein, Unter-Quader, Götzenbruch bei
Kabenau.
d) Quadersandstein, Kommunebruch bei Königstein.
e) Labiatus-Qnadev , Bildhauersandstein, Groß-Cotta bei
Pirna, Turon.
f) Zflbiafws-Quader, Bildhauersandstein, Bosen (?) Bosen-
dorf bei Pirna, Turon.
g) Unter-Quader, untere Schicht, Dohna, Branamiihle.
h) Oberer Quader, Ucketaler Grund.
i) Unter-Quader, obere Schicht, Dohna, Branamiihle.
j) Muschelquader, Coschütz bei Dresden.
k) Elbsandstein, Bodenbach.
l) Unterer Quadersandstein von Bannewitz bei Dresden.
2. Bunter Sandstein, Heidelberg am Neckar.
3. Bunter Sandstein, Casseley in der Eifel.
Die Prüfung der erwähnten Sandsteine hatte zur Aufgabe,
das ursprüngliche Porenvolum der Sandsteine festzustellen, d. h.
das absolute Poren volum ohne Ce ment zu bestimmen, um da-
durch der Frage über die natürliche Ablagerung des Sediments
näher zu kommen. Wie zwei Beispiele zeigen mögen :
1. Ldbiatus- Quader, Bosendorf bei Pirna, Turon, mit ur-
sprünglichem Porenvolum 38,6 °/o;
2. Unter Quader und Schicht, Dohna, Brauamülile, mit ur-
sprünglichem Porenvolum 32,7 %,
steht hier das Porenvolum mit dem bei den fossilen und rezenten
litoralen, küstenfernen und küstennahen Sanden ermittelten im
Einklang.
Meine weitere Arbeit soll sich auf die Betrachtung möglichst
vieler Sandsteine, besonders auf deu Buntsandstein, beziehen.
Königsberg Pr., 28. Januar 1913, Geologisches Institut.
246
H. P. Cornelius, Geologische Beobachtungen
Geologische Beobachtungen im Gebiete des Fornogletschers
(Engadin).
Von H. P. Cornelius.
Auf der Exkursion in die Alpen , welche die Geologische
Vereinigung im Sommer 1912 veranstaltete, erfuhr ich zu meiner
großen Überraschung aus dem Munde von Herrn Geheimrat
G. Steinmann dessen Ansicht, nach welcher die Granitmasse der
Albigna-Disgrazia-Gruppe tertiären Alters wäre. Steinmann gründete
diese Ansicht auf das Auftreten des Granits im allgemeinen, sowie
auf dessen petrograpliische Beschaffenheit, welche keinerlei An-
zeichen einer stärkeren mechanischen Beanspruchung erkennen läßt.
Ich unternahm darauf, um über diese Frage ins klare zu kommen,
zu Anfang September des letzten Jahres einige Exkursionen in
das Fornogebiet. Dieselben lieferten Resultate , welche mir in
mancher Beziehung interessant genug scheinen, um die Bekannt-
gabe eines kurzen vorläufigen Berichts zu rechtfertigen.
Fassen wir zunächst die tektonische Situation unseres Gebietes
ins Auge! Wie ich kürzlich1 mitgeteilt habe, wird der aus
Gneisen und Phylliten der Malojaserie bestehende kristalline Kern
der rhätischen Decke in Val Maroz , unmittelbar westlich von
Casaccia , von Grünschiefern unterlagert , welche dem verkehrten
Schenkel der nämlichen Decke angehören. Desgleichen bilden die
Grünschiefer und Serpentine von Val Malenco die Unterlage der
Gneise der rhätischen Decke in der Kette Piz Fora — Sasso d’Entova,
wie aus den Untersuchungen F. Zyndel’s2 und des Verfassers
hervorgeht. Wir haben also zu erwarten, daß die Kontaktfläche,
welche jene beiden Gesteinsgruppen trennt, auch zwischen Casaccia
und den Bergen östlich des Murettopasses ausstreicht. Und in der
Tat: steigen wir von Maloja südwärts hinauf nach der Terrasse
Salacina (nördlich des gleichnamigen Gipfels), so erreichen wir
dort die Südgrenze der E-W streichenden und steil (bis 50°) N
fallenden Malojagneise. Den im Süden sich erhebenden, felsigen
Grat, welcher vom Piz Salacina gegen NE zieht, bauen die unter-
lagernden Grünschiefer auf. Sie ziehen gegen NE hinab nach
dem Knie der Ordlegna , ca. 1 km nördlich des Lej da Cavlocc,
und treten dort noch auf die Nordseite jenes Flusses. Der Kontakt
mit den hangenden Gneisen ist leider auf dieser ganzen Strecke
1 H. P. Cornelius, Über die rhätische Decke im Oberengadin und
den südlich benachbarten Gegenden. Dies. Centralbl. 1912. p. 632 ff. —
Petrograpliische Untersuchungen in den Bergen zwischen Septimer- und
Julierpaß. N. Jalirb f. Min. etc. Beil. -Bd XXXV. 1918. Karte Tafel XIX.
2 F. Zyniiel, Über den Gebirgsbau Mittelbündens. Beitr. z. geol.
Karte d. Schweiz. Neue Folge XLI. 1912. p. 25. — Die Ergebnisse
Zyndel’s stimmen bezüglich der Tektonik von Val Malenco (wie auch in
vielen anderen Punkten) vollkommen mit den meinigen überein.
im Gebiete des Fornogletschers (Engadin).
247
nirgends aufgeschlossen, doch läßt sich leicht erkennen, daß letztere
stets von dem Grünschiefer weg, nach N bis NW einfallen. An
dein erwähnten Ordlegnaknie nun erfährt die Grenze der beiden
Gesteinsgruppen einen scharfen Knick: sie wendet sich, ungefähr
dem Tallaufe folgend, fast genau gegen Süden. Die unterste Fels-
mauer auf der Ostseite besteht bereits aus Gesteinen der Gneis-
serie; Grünschiefer stehen zusammenhängend bis zum Lej da Cavlocc
an, dann noch in einzelnen Aufschlüssen ; den südlichsten fand ich
am N-Fuß des Pizzo dei Rossi. Auf dieser ganzen Strecke herrscht
im Norden flacheres (20 — 30°), gegen Süden immer steileres Ge-
fälle nach ENE bis E ; am Murettopaß steht der Gneis sogar
vertikal, ja, etwas südlich der Paßhöhe ist derselbe, wenigstens
lokal, ein wenig gegen E überkippt.
In die Grün schiefer ist jedoch nochmals eine Gneisschuppe
eingebettet. Dieselbe bildet den Gipfelkopf des Piz Salacina,
sowie (infolge des ENE-Gefälles) fast das ganze Gehänge westlich
der Strecke Lej da Cavlocc — Plancanin ; ich möchte sie der Kürze
halber als Cavloccschuppe bezeichnen. Sie schießt überall
unter die bisher betrachteten Grünschiefer (vom P. Salacina-NE-
Grat etc.) ein : ihr Liegendes wird wiederum von Grünschiefern
gebildet, welche ich indessen nur am Südgrat des Piz Salacina,
sowie zwischen Plancanin und dem Ende des Fornogletschers an-
stehend kenne. An ersterer Lokalität enthalten dieselben ein
kleines Lager von hochkristallinem , schieferigem Kalk — teils
grau, ziemlich homogen, teils hell, mit Bänderung durch erhaben
herauswitternde Lagen ; in ersterer Varietät könnte man vielleicht
ein hochmetamorphes Äquivalent der Liasschiefer, in letzterer ein
solches des -Hyänenmarmors“ des Septimer-Juliergebiets erblicken.
Über die tektonischen Beziehungen zwischen der Cavlocc-
schuppe und der Gneismasse der rhätischen Decke habe ich noch
keine Klarheit erlangen können. Wahrscheinlich ist die erstere
nur eine lokale Digitation des Kerns der rhätischen Decke ; ich
vermute einen Zusammenhang beider am Pizzo dei Rossi, dessen
Hochregion ich noch nicht besuchen konnte; die vollkommene
Identität vieler Gesteinstypen der Cavloccschuppe mit solchen der
Murettogegend verdient jedenfalls hervorgehoben zu werden.
Bei den bisherigen Betrachtungen haben wir das orographisch
wie geologisch wichtigste Element, das sich am Aufbau des Forno-
gebiets beteiligt, noch gar nicht erwähnt: den Granit, der die
zahlreichen prachtvollen Hochgipfel auf der Süd- und Westseite
■des gewaltigen Gletschers wohl ausschließlich aufbaut. Längs einer
Linie, welche von P 2562 südlich des Piz Salacina gegen SE
nach dem Tal unterhalb der Zunge des Fornogletschers läuft, stößt
er an die kristallinen Schiefer des Cavloccgebiets. Am besten
sind die Kontaktverhältnisse im Tale des Fornogletschers zu be-
obachten. Bei Plancanin stehen wir auf den ca. 30° NE fallenden
248
H. P. Cornelius, Geologische Beobachtungen
Gneisen der Cavloccschuppe. Dieselben nehmen gegen SW erst
noch steilere, dann ganz flache Lage an ; südlich lassen sie , im
Tal des Fornogletscliers , die unterlagernden Grünschiefer hervor-
treten. Am ersten bedeutenden Couloir (von Plancaniu aus ge-
rechnet) , das von W herabzieht , werden beide Gesteine
gegen SW vom Granit scharf abgeschnitten; die Grenze
steht saiger. — Gehen wir von hier weiter taleinwärts, so treffen
wir nach Durchschreitung von ca. */1 2 km Granit, nahe dem Ende
des Fornogletscliers, abermals Schiefergesteine «an: eine nördliche
Zone von Gneis, eine südliche von Grünschiefer, alles mit vertikaler
Schieferung. Diese Gesteine sind nach allen Lichtungen durch-
adert von großen und kleinen Granitgängen !, vollständig in
Schollen aufgelöst, deren Dimensionen von ganz kleinen bis zu
Hausgröße schwanken. Injektions- und Einschmelzphänomene sind
namentlich an kleinen Einschlüssen vielfach zu beobachten. Gegen
W setzt diese Schollenzone hinauf an den Grat südlich der Cima
di Murtaira; gegen SE findet sie eine Fortsetzung in größtem
Maßstabe im Pizzo dei Eossi, auf dessen E-Seite besonders die
Durchaderung der dunklen Schiefergesteine durch helle Granit-
gänge schon aus der Ferne prächtig sichtbar ist. — Auch nörd-
lich der Granitgrenze setzen bereits einzelne Gänge auf, wohl
der bedeutendste im Gneis des Salacinagipfels ; au dessen Süd
grat sind mehrere kleinere gut aufgeschlossen , welche sowohl
die Grünschiefer, «als auch die oben erwähnten Kalke dureli-
dringen. An allen diesen Gängen läßt sich die Beobachtung
machen, daß sie im Gneis Neigung zur Lagergangbildung zeigen,
während sie den Grünschiefer senkrecht zur Schieferung zu durch-
setzen pflegen und dabei parallel zu derselben einzelne Apophyseu
abgeben.
Der Granit besteht aus Orthoklas (bezw. Mikroperthit) und
saurem Plagioklas in wechselnden Mengenverhältnissen , reichlich
Quarz und im allgemeinen spärlichem dunklem Glimmer. Das
Gestein ist seiner überwiegenden Masse nach porphyrartig aus-
gebildet — die Orthoklase können mehrere Centimeter Länge er-
reichen — - und erinnert im Handstück stark an Vorkommnisse des
südlichen Schwarzwaldes. Im Dünnschliff erkennt man häufig
beginnende Umwandlung der Feldspäte zu Serizit , des Biotits zu
Chlorit, sowie gelegentlich undulöse Auslöschung am Quarz, doch
nie in starkem Grade. Die Textur des Gesteins ist stets voll-
kommen massig; nur ausnahmsweise findet man in Granitgängen
Parallelorientierung der Glimmerblätter, welche ungezwungen als
primäre Fluidalerscheinung gedeutet werden kaun. — Nach dem
1 Wie dies schon Theobald beobachtet hat; vergl. Beitr. z. geol.
Kurte d. Schweiz. III. 1866. p. 245. Über die Fortsetzung dieser Er-
scheinungen gegen W siehe ebendort p. 265 ff.
im Gebiete des Fornogletschers (Engadin).
249
Gesagten kann icli mich nicht der Ansicht G. Melzi’s 1 anschließen,
welcher das (nach seiner wie Thkobald’s Beschreibung mit dem
Granit vom Fornogletscher vollkommen übereinstimmende) Gestein
des Hintergrundes von Yal Masino als Gneis („gneiss porßroide“)
bezeichnet. Eine Begründung dieser Bezeichnung habe ich in der
im übrigen schönen Arbeit Melzi’s vergebens gesucht; im Gegen-
teil geht ans dem Text wie aus den beigegebenen Mikrophoto-
graphien hervor, daß das fragliche Gestein eine ganz normale
granitische Struktur besitzt, bei vollkommen massiger Textur.
Bei einem Granitmassiv von solchen Dimensionen wie sie das
in Rede stehende besitzt — ca. 20 km Länge, 12 km Breite —
darf man von vornherein Kontakterscheinungen in beträcht-
lichem Maße erwarten. Und solche sind in der Tat vorhanden.
Während nämlich die Gneise der Malojaserie bis auf Salacina ihr
normales Gepräge tragen , wie wir es bei Maloja und auf der
Xordseite des Silsersees kennen lernten2, ändert sich ihr Gepräge
sehr wesentlich, wenn wir weiter nach Südosten gehen : die typo-
morphen Mineralien der obersten Zone der kristallinen Schiefer
(nach Becke und Grubenmann), Sericit bezw. Phengit und Chlorit,
welche die normale Ausbildungsweise der Malojagesteine charak-
terisieren, verschwinden vollständig; Biotit und manchmal etwas
Muskovit treten an ihre Stelle. Dazu kommen in vielen Gqsteinen
noch typische Kontaktmineralien: Granat und Andalusit, im un-
mittelbaren Kontakt auch Sillimanit. Quarz und Feldspäte fehlen
selbstverständlich auch nicht im Mineralbestand. Wir erhalten
also als wichtigste Gesteinstypen : Biotitlagengneise (Piz Fadöz,
S-Seite), porphyroblastische Biotit-Granatgneise (Murettopaß; Forno-
gletscher); granatführende Andalusit-Biotitgesteine (Lej da Cavlocc,
mit bis 3 cm langen Andalusitprisinen) ; hinzu treten noch fein-
schieferige , sehr graphitreiche Gesteine , ähnlich den Graphit-
phylliten von der Xordseite des Silsersees, doch in unserem Falle
auch reichlich Biotit führend (Piz Salacina), sowie Quarzite mit
z. T. hohem Gehalt an diopsidartigem Pyroxen (Murettopaß ; Lej
da Cavlocc). Vollständig massige Texturen , Hornfels- und Sieb-
struktur sind vielen dieser Gesteine eigen. Mit den Grünschiefern
vollzieht sich eine analoge Veränderung: die normalen Epidot-
chloritschiefer der obersten Zone, wie sie westlich von Casaccia
herrschen, treffen wir noch am XE-Grat des Piz Salacina; von
dort gegen S und SE gehen sie sehr rasch über in Ampliibolite,
die im wesentlichen aus grüner Hornblende und Plagioklas be-
stehen; letzteren konnte ich in vielen Fällen als Labrador bestimmen.
Ein bedeutender Gehalt an Biotit ündet sich in vielen, ein geringer
1 G. Melzi, Ricercbe geologiche e petrografiche sulla Valle dcl
Masino. Giorn. di Min. IV. 1893. p. 120 f.
2 H. P. Cornelius, a. a. 0. N. Jalirb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXV,
p. 389 ff.
250
H. P. Cornelius, Geologische Beobachtungen
an monoklinem Pyroxen in manchen dieser Gesteine; vereinzelt
trifft man auch Granatfiihrung. Ehemalige porphyrische und
Gabbrostrukturen sind in manchen Fällen noch erkennbar (Lej
da Cavlocc). Die kristallinen Kalke vom Südgrat des Piz Salacina
geben sich unter dem Mikroskop ebenfalls als reichlich Diopsid
führend zu erkennen.
Wenn es auch bei vielen dieser Gesteine zurzeit, und ohne
chemische Untersuchung wohl überhaupt nicht möglich ist, die stoff-
liche Identität mit bestimmten , nicht veränderten Typen nachzu-
weisen, so ist doch eines sicher: alle erwähnten Gesteine aus dem
Raum zwischen der Granitgrenze und der Linie Murettopaß — Lej
da Cavlocc enthalten Mineralien , welche zu ihrer Bildung einer
hohen Temperatur bedürfen (Andalusit, Sillimanit, Biotit,
Diopsid, basischer Plagioklas). Und da die fraglichen Gesteine in
ihrer Verbreitung an die Nachbarschaft des Granits gebunden sind,
werden wir nicht fehlgehen , wenn wir denselben für die statt-
gehabte Hitzezufuhr verantwortlich machen — jene Gesteine mit-
hin als Kontaktprodukte des Granits betrachten. Die Breite
des Kontakthofs ist freilich eine außergewöhnliche: die liochmeta-
morphen Andalusitgneise am Lej da Cavlocc sind über 1 1 /2 km
vom nächsten anstehenden Granit entfernt; die äußersten Ausläufer
der Umwandlung dürften noch erheblich weiter reichen. Immerhin
siud Kontakthöfe von ähnlichen Dimensionen auch schon aus anderen
Gebieten bekannt geworden.
Was lassen sich nun für Schlüsse bezüglich des Alters der
Granitintrusion aus den bisher beschriebenen Verhältnissen ableiten ?
In dieser Beziehung steht zunächst eines fest: Der Granit
durchsetzt in Gangform alle Gesteine seiner Umgebung ohne Aus-
nahme, und muß folglich jünger sein als dieselben, wie schon
E. Bonakdi 1 geschlossen hat, der freilich, den zu jener Zeit,
herrschenden Anschauungen entsprechend , sämtliche kristalline
Gesteine ins Archaikum stellt. Für die Gneise etc. unseres Ge-
bietes ist nun tatsächlich, wenn auch nicht ein archäisches, so
doch ein vortriadisches Alter sicher; die Kalke vom Piz Salacina
dürften dagegen mit großer Wahrscheinlichkeit ins Mesozoikum zu
stellen sein, wenn ich auch einen direkten Beweis für diese An-
sicht einstweilen nicht erbringen kann. Eine größere Sicherheit
haben wir bezüglich des Alters der grünen Gesteine. G. Stein-
mann 2 hat ein mindestens postjurassisches Alter derselben für
Graubünden im allgemeinen nachgewiesen; und ich glaube a. a. 0.
gezeigt zu haben, daß ihre Intrusion in eine Zeit gefallen ist, zu
welcher eine erste Phase der gebirgsbildenden Tätigkeit bereits
1 E. Bonardi, II gruppo cristallino delU Albigna e della Disgrazia
Rendiconti del R. istituto Lombardo di scienze e lettere. Serie II. Vol XV.
1882. p. 554.
s G. Steinmann, Ber. naturf. Ges. Freiburg i. B. XVI. 1906.
im Gebiete des Fornogletschers (Engadin).
251
begonnen hatte. Der Granit der Albigna — Disgraziagruppe, welcher
die Grünschiefer seinerseits durchbricht, muß demnach auch jünger
sein als jene erste Phase der faltenden Bewegung. Wir können
jedoch noch einen Schritt weiter gehen: Zur Zeit der Granit-
intrusion müssen sich auch die Grünschiefer schon in ihrer jetzigen
Stellung zu den Gneisen des Kerns der rhätischen Decke, sowie
der Cavloccschuppe befunden haben. Dies geht hervor einmal aus
der Tatsache, daß die Gesteine der genannten tektonischen Elemente
sämtlich in der Nachbarschaft des Granites kontaktmetamorpli um-
gewandelt sind, sowie aus der weiteren, daß der Granit den Gneis
der Cavloccschuppe mitsamt dem unterliegenden Grünschiefer ein-
heitlich abschneidet. Mag man auch, da die tektonische Bedeutung
der Cavloccschuppe noch nicht mit Sicherheit feststeht, den Wert
jener zweiten Tatsache für die Altersbestimmung des Granits
minder hoch einschätzen , die Beweiskraft der erstgenannten läßt
sich nicht einschränken : die Auflagerung der Gneise der rhätischen
Decke auf die grünen Gesteine ist, wie die Verhältnisse bei Casaccia
und in Val Malenco beweisen , durch Überfaltung zustande ge-
kommen ; im Bereich des Granites zeigen beide Gesteinskomplexe
Kontaktmetamorphose, folglich muß die Überfaltung voll-
zogen gewesen sein, als das Aufdringen des Granits
sta ttf and.
Unterstützt wird dieser Schluß durch die petrographisclie
Beschaffenheit des Granits , auf welche Steinmann auf der oben
erwähnten Exkursion hingewiesen hat. Wenn auch im Dünnschliff
mancherlei Erscheinungen sichtbar werden, die man als Wirkungen
des Gebirgsdrucks deuten kann, so ist doch der Unterschied
zwischen dem mikroskopischen Bilde dieses Granits und demjenigen
etwa des Juliergranits ein ganz enormer. Daß der erstere stärkere
faltende Bewegungen mitgemacht haben könnte, erscheint demnach
ganz ausgeschlossen. Auch die vertikalen Grenzen der Granit-
masse und zahlreicher Gänge sprechen dagegen , daß nach dem
Empordringen des Granits noch horizontale Bewegungen einzelner
Teile seiner Umgebung stattgefunden haben könnten ; solche hätten
zu Knickungen und Verbiegungen der Granitgänge führen müssen,
welche ich nie beobachten konnte. Höchstens an einer Block-
bewegung des gesamten lepontinischen Gebiets (von nicht zu großem
Ausmaß) könnte der Granit noch teilgenommen haben.
Wir gelangen also auf verschiedenen Wegen stets zu dem
nämlichen Besultat: die Intrusion unseres Granitmassivs
ist jünger als die Deckenbewegungen in diesem
Teile der Alpen, jünger als der lepontinische Schub
F. Heritsch’s j, nach der Zeitbestimmung dieses Autors für die
einzelnen Deckenschiibe also jünger als Oligocän.
1 F. Heritsch. Das Alter des Deckenschubes in den Ostalpen. Sitzgsb.
lc. Akad. Wien. CXXI. Abt. I. 1912. p. 622 f.
252
H. Mylius,
Eine obere Altersgrenze ist meiner bisherigen Erfahrung nach
erst durch die glazialeii Ablagerungen gegeben , in welchen sich
Blöcke unseres Granits sehr häufig finden.
Ein Vergleich der periadriatischen Massen Salomon’s 1 (und
der vermutlich tertiären1 2 piemontesischen Stöcke) mit dem Disgrazia-
massiv führt uns einige Unterschiede gegenüber den ersteren vor
Augen. Erstens eiuen petrographischen : dort handelt es sich meist
um ziemlich basische Gesteine (Tonalite bis Diorite), während in
unserem Falle wenigstens die Hauptpartie des Massivs von einem
zweifellosen Granit gebildet wird. Ein weiterer Unterschied besteht
hinsichtlich der tektonischen Stellung: alle jene Massen — die
Kerne des Rieserferner ausgenommen — befinden sich teils un-
mittelbar an der alpin-dinarischen Grenze, teils ganz auf dinarischem
Gebiet; das Disgrazia massiv hingegen liegt voll-
ständig im alpinen Deckenland. Dieser Umstand macht
es hier leichter als es vielleicht irgendwo sonst in den Alpen ist.
das der Gebirgsbildung gegenüber jüngere Alter des Intrusiv-
komplexes nachzuweisen.
Zürich, Ende Januar 1913.
Entgegnung an A. Tornquist.
Von H. Mylius.
Mit 1 Textfigur.
Prof. Dr. A. Tornquist hat in No. 24 des vorigen Jahrganges-
dies. Centralbl. gegen meine Entgegnung Einspruch erhoben und
denselben in vier Punkten zusammengefaßt, auf die ich folgendes
zu erwidern habe:
Zu Punkt 1 der „außerordentlichen Zerknitterung der Klippen-
gesteine im Gegensatz zu den meist unzerdrückten Schichten der
aus dem Untergrund aufgefalteten Kreide“. Zugegeben, daß dem
so ist, daun kann es einem durchaus nicht wundern, wenn der
massige, oft gänzlich ungeschichtete Schrattenkalk, wie er an den
Gauchenwänden zwischen Flysch verkeilt ist, sich bei den gebirgs-
bildenden Vorgängen anders, d. h. widerstandsfähiger verhielt als
wie die sich durch schnellste Wechsellagerung der verschiedensten
Gesteinssorten auszeichnenden Klippengesteine, unter denen weiche
Mergelschiefer eine wesentliche Rolle spielen. Jener hat sich daher
1 W. Salomon, Über Alter, Lagerungsform u. Entstehungsart d. peri-
adriatischen, granitischkörnigen Massen. Min. u. petr. Mitt. XVII. 1898.
2 Vergl. V. Novarese, Zt. f. prakt. Geol. X. 1902. p. 179, sowie
E. Aröand, Spezialkarte 64 der geol. Karte der Schweiz. 1911. — ln der
Legende zu der genannten Karte stellt Akgand die fraglichen Intrusiv-
massen mit den jüngsten Sedimenten zusammen!
Entgegnung an A. Tornquist.
253
in seiner Massigkeit erhalten ; diese sind mehr oder weniger intensiv
gefaltet worden.
Von einer „ Zerknitterung“ der Klippengesteine kann indes
überhaupt nicht die Rede seiu. Man betrachte Tornquists Tafeln V
bis IX; wo ist da etwas von Zerknitterung zu sehen ? Kulissen-
artig ragen auf der Tafel VII die Aptyclienkalke in die Luft;
was man auf den Tafeln V und VI im Vordergrund sieht, Ge-
Tobnquist inzwischen selbst zugegeben, ist keine dynamische hat
steinszerknitterung, keine „Überschiebungsbreccie“ mehr, sondern
Gehängeschutt; nur Tafel IX läßt „Fältelungen“ in der Kalkklippe
erkennen.
Skizze der Allgäuer und Vorarlberger Juraklippen nach A.Tornquisf.
ObJurakh'ppe. Flysch Kalkiger Krystallinische Alluvium,
meist sandig , Chondriten- Conglomerate u.
conglomeratisch. Ft y sch. Blöcke im Flysch.
Zu Punkt 2 „die enge Verbindung der Klippen mit den
kristallinen Exotica“ betreffend, „die bisher noch niemand aus dem
Untergrund hergeleitet hat“. — Warum soll icli nicht eine An-
sicht äußern dürfen, die „bisher noch niemand“ hatte?
Was die „enge Verbindung der Klippen mit kristallinen
Exotica“ betrifft, so verstehe ich nicht recht, welche Erklärung
Tornquist eigentlich von mir verlangt. Beide Erscheinungen einer-
seits der kristallinen Exotica, andererseits der Klippen werden von
ihm selbst getrennt behandelt. Jene sollen sedimentäre Einlage-
rungen im Flysch sein, die in diesem sogar ein bestimmtes „strati-
graphisches Niveau“ einnehmen und später mit ihm alle Phasen der
Gebirgsbildung mitmachten. Diese hingegen sollen auf dynamischem
Wege und zu einem späteren Zeitpunkt von oben in den schon
gefalteten Flysch hinabgestoßen worden sein.
Um die Polemik zum Abschluß zu bringen und die Erledigung
dieses mir unklaren Punktes 'nicht auf eine spätere Erwiderung
verschieben zu müssen, gehe ich hier auf die von Tornquist „ent-
deckten und im Flysch weit verbreiteten Breccien und Konglo-
merate“ etwas ausführlicher ein.
254
H. Mylius,
Tornquists geologische Karte seiner Arbeit über „die Allgäu-
Vorarlberger Flyschzone usw.“ verzeichnet an vier Stellen das Vor-
kommen kristallinischer Gesteine im Flysch : bei den Grämpl- Alpen,
der Lenzenberg- Alp, der Grasgern-Alp (Böigen) und der Mittel-Alp
am Riedberghorn.
An der Grämpl- Alp konnte ich von einer kristallinen Breccie
nichts finden; statt ihrer in weiter Verbreitung nur die übliche
Flyscharkose, die bekanntlich viel kristallines Material, besonders
Glimmer und Quarz und auch Gneis und Granit in kleinen Par-
tikelchen enthält.
An der Lenzenberg-Alp machte ich die gleiche Erfahrung.
Am Böigen tritt bekanntlich ein mächtiger Granitblock von
mindestens 1000 Kubikmeter Volumen auf; von einer kristallinen
Breccie oder einem Konglomerat ist auch hier nichts zu sehen.
Das Riedberghorn' zu besuchen, langte mir die Zeit nicht
mehr, und ich glaube auch nicht, daß ich zu einem wesentlich
anderen Resultat gekommen wäre, als wie an den genannten Alpen.
Da nun Tornquist auf die „enge Verbindung“ der kristallinen
Gesteine mit den Klippen Wert legt, will ich derselben hier einige
Worte widmen, ohne auf die 'soeben genannten, nicht zu Torn-
quists Gunsten sprechenden Beobachtungen Rücksicht zu nehmen.
Ich beleuchte dieselbe zunächst im Sinne von Tornquist.
Die kristallinen Breccien und Konglomerate sollen Einlagerungen
im Flysch sein, ein bestimmtes „stratigraphisches Niveau“ in ihm
bezeichnen. Da nun der Flysch gefaltet war, ehe die Klippen in
ihn hinabgestoßen wurden, sollen seine Schichten ungestört, d. h.
mit gleichem Streichen und Fallen unter jenen hindurchziehen.
Was vom Flysch im allgemeinen gilt, gilt naturgemäß auch von
seinen „kristallinen Einlagerungen“. Die interessante Erscheinung
soll besonders auffällig an der Neu-Grämpl-Alp, im Ränktobel und
am Schelpen sein.
Der Leser betrachte Tornquists Karte in der Umgebung der
Grämpl-Alp, die ich nebenstehend in Fig. 1 wiedergebe und frage
sich, wie es dort mit der Beziehung der kristallinen Gesteine zur
Klippe bestellt ist. Ich komme um folgenden von Tornquist be-
gangenen kartographischen AViderspruch nicht herum : entweder
ist die zur Klippe spitzwinkelige Streichrichtung des Flysch richtig,
wie sie ausdrücklich betont und in der Karte durch den Verlauf
des kalkigen Chondritenflyschstreifens gekennzeichnet wird; dann
können die kristallinen Gesteine im Flysch kein stratigraphisches
Niveau einnehmen, sondern müssen wie die Klippe, die sie begleiten,
tektonischer Herkunft sein. Oder aber die kristallinen Gesteine
bezeichnen doch ein stratigraphisches Niveau, dann ist es wieder
mit der zur Klippe spitzwinkeligen Streichrichtung des Flysch nichts.
Dasselbe was von der Grämpl-Alp gesagt wurde, gilt vom
Schelpen und dem Ränktobel. Man betrachte wieder Tornquists
Entgegnung an A. Tornquist.
255
Karte aus dieser Umgebung, und abermals wird sich der Leser
sagen müssen: Entweder stimmt es nicht mit der „stratigraphischen
Einlagerung“ oder nicht mit der so oft betonten, „zur Klippe spitz-
winkeligen Streichrichtung des Flysch“.
Meine Stellung zu der von Tornquist behaupteten „engen
Verbindung der kristallinen Exotica mit den Klippen“ muß ich.
da ich erstere bei den Grärnpl- und Lenzberg-Alpen nur als
Flyscharkosen entwickelt fand, auf den Böigen beschränken ; und
an diesem trage ich bei der Frage nach der Herkunft seines
Granits der auffälligen Erscheinung Rechnung, daß dieser haar-
scharf auf der Linie der Schelpenklippen liegt und daher am besten
durch sie erklärt wird. Wo die Juraklippe des Schelpen her-
kommt, da kommt auch der Boigengranit her.
Die Gründe, die mich veranlassen, an einen Weg aus dem
Erdinnern zu glauben, habe ich in meinem Buch auf den p. 86—90
anseinandergesetzt.
Zu Punkt 3 „die Fazies der Klippen“ betreffend, „welche
im Mynus’schen , sekundär tektonischen' Fjord nicht erklärt ist“.
Man muß glauben, daß Tornquist nicht einmal dasjenige Kapitel
meiner Arbeit gelesen hat, gegen das seine Kritiken gerichtet sind.
Wenn ich in meiner Arbeit auf den p. 73 — 75 eigens einen
Abschnitt des „die Algäuer- und Vorarlberger Juraklippen“ be-
treffenden Kapitels als „die Fazies der Klippen“ bezeichne und
in demselben zu dem Schluß komme:
„Da nach diesen Gesteinslisten in den Klippen nur solche
Gesteine auftreten, die, gleichgültig welcher Formation sie
angehören, entweder ostalpinen oder helvetischen Charakter
tragen, oder solchen, der zwischen diesen steht, aber niemals
solchen, der den Klippen allein eigen ist, so muß der Schluß
gezogen werden : die Sedimente der Klippen wurden au der
Grenze zwischen dem ostalpinen und dem helvetischen Meer
abgesetzt“,
und wenn ich ferner einem dritten Abschnitt1 des gleichen Ka-
pitels (p. 80 — 82) für die Erklärung der heutigen „Lage der
Klippen“ eigens eine Tafel beifüge, in der einerseits zu sehen ist,
in was für einer breiten Bucht die Gesteine der Klippen ursprüng-
lich sedimentiert wurden, andererseits wie diese Bucht durch tek-
tonische Vorgänge sekundär „fjordartige“ Gestalt annahm, dann
bin ich der Mehrzahl meiner Leser keine weitere Erklärung schuldig,
um gewiß zu sein, daß meine Ansicht von ihnen eindeutig und
sogar sehr leicht verstanden wird. Tornquist kann ich nur bitten,
die p. 72 — 83 meiner Arbeit nochmals zu lesen.
Zu Punkt 4 über „die Verjüngung und das wahrscheinliche
Auskeilen der Klippen nach unten in den Flysch hinein“. Wiese
1 Der zweite Abschnitt behandelt den „Bau der Klippen“.
256
Personalia.
Tornquist das scharfe Auskeilen der .Juraklippen nach unten in
den Flyscli hinein als ein Argument auf fassen kann, das für seine
Ansicht der Herkunft der Klippen von oben, aus dem Hangenden
der Algäuer Schubmasse und gegen meine Ansicht ihrer Herkunft
aus der Tiefe sprechen soll, ist mir unbegreiflich. Stammen nicht
in jedem Gebirge, das sich durch Schuppenstruktur auszeiclmet,
und in welchem man ältere Schuppen zwischen jüngeren verkeilt
findet, erstere nicht auch aus der Tiefe?
Tornquist hätte besser getan, gerade an diesem Punkt nicht
zu rühren, denn er spricht am meisten gegen seine Auffassung.
Wie soll man sich vorstellen können, daß ein Gestein, das von
oben auf ein anderes hinabgestoßen wird, statt bei seinem Aufprall
zu einer breiten Masse flachgedrückt zu werden, scharf in jenes
eindringt? Mögen die Gesteine der Klippen auch um einen wesent-
lichen Betrag härter sein wie die des umgebenden Flyscli, so groß
ist der Unterschied zwischen ihnen doch nicht, daß sich der Vor-
gang mit einem Spaten vergleichen ließe, den man in weichen
Erdboden stößt. — Im Einverständnis mit den beiden Herren Ver-
fassern schließt die Redaktion hiermit die Erörterung.
M ü n c li e n , im J anuar 1913.
Personalia.
Berufen wurde: der Privatdozent für Geologie und Mineralogie
au der Technischen Hochschule in Dresden Dr. K. Riemann als
Nachfolger von E. Hussak an die Geologische und Mineralogische
Landesanstalt in Rio de Janeiro , wo er den Posten des Chef-
mineralogen übernehmen wird.
Ernannt wurden: der Landesgeologe Dr. W. Koert zum
Vorsteher der seit 1. April 1912 bei der Geologischen Landes-
anstalt errichteten Geologischen Zentralstelle für die deutschen
Schutzgebiete ;
der außeretatmäßige Geologe Dr. A. Fuchs-Berlin zum Be-
zirksgeologen bei der Geologischen Landesanstalt;
Prof. Dr. K. Redlich von der Montan. Hochschule Loeben zum
ord. Professor für Geologie und Mineralogie an der Deutschen
Technischen Hochschule in Prag;
a. o. Professor für Kristallographie, Mineralogie und Petro-
graphie P P. Sustschinsky zum ord. Professor an der Tech-
nischen Hochschule in Novotcherkassk.
A. L. W. E. van der Veen, Die Beweglichkeit des Silbers etc. 257
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Die Beweglichkeit des Silbers in Zinnobererde.
Von A. L. W. E. van der Veen in Leiden. (März 1913.)
Einige Belegstücke aus der Leidener mineralogischen Exposi-
tionssammlung veranlaßten mich, einen Satz aus dem bekannten
Werke „Die Erzlagerstätten“ 1 näher zu verfolgen. Es handelt
sich um einige Proben vom Stahlberg bei Rockenhausen (Pfalz).
Die drei zu besprechenden Mineralien sind alle in einem sandig-
porösen, weißen bis grauweißen erhärteten Ton eingebettet.
No. 442 der Sammlung : Zinnober in roten, in der Form denen
von Mangan ähnelnden Dendriten, und als feine Imprägnation in
einem porösen nicht gesprungenen Gesteine.
No. 235: Amalgam in der Umwandlung zu gediegenem Silber
begriffen, auf Kluftflächen eines weißen feinkörnigen, sich fettig
anfühlenden, erhärteten Tones. Nach Stei.zxek-Bergeat kommt
diese Form des Amalgams in den Gruben St. Philipp und Erz-
engel vor.
No. 185: Silberblech auf einer geriefelten Rutschfläche. Auf
der Rutschfläche ist die Richtung der Bewegung noch in dem
plötzlichen Einsetzen und allmählichen Abschwächen jeder Riefe
zu erkennen. Das Gestein ist mit Zinnober bis zu einer pfirsich-
blütenroten gleichmäßigen Färbung imprägniert, jedoch bis etwa
1 cm hinter der Rutschfläche verblaßt. Der Zinnober wurde so
längs der Kluftfläche oxydiert und sein Silbergehalt (vielleicht als
Sulfid mechanisch oder chemisch beigemischt) von dem freiwerdenden
Quecksilber mitgenommen. Das Quecksilber verflüchtigte sich und
eiue Silberplatte blieb zurück. Diese wurde auf der Rutschfläche
noch etwas ausgei-ieben.
Der Prozeß wird gehemmt, sobald Kieselsäurelösungen dem
Ton eine jaspisähnliche Konsistenz zu verleihen anfangen und jede
Zirkulation aufhört No. 230: Frischenmutgrube auf dem Stahlberg).
Später finden wir das Silber auf sekundärer Lagerstätte in
dem erhärteten steatitischen Zement einer Jaspisbreccie bei Ims-
bach (No. 2 1 6 der Sammlung).
1 Stelzner-Bergeat II. p. 892. Leipzig 1905—06. „Die Sublimier-
barkeit des gediegenen Quecksilbers sowie des Schwefelquecksilbers legte
schon frühzeitig den Gedanken an eine Bildung seiner Lagerstätten durch
Sublimation nahe.“
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913.
17
258
M. Lazarevic.
Zu Tucans Bauxitfrage“.
Von M. Lazarevic.
In dem jüngst erschienenen Heft dieser Zeitschrift sprach
F. Tucan 1 aus, daß die von E. Dittlek und C. Doeltek1 2 veröffent-
lichten Untersuchungen über Bauxit seiner Meinung nach „einer
Berichtigung bedürfen“ ferner, daß die Ansichten von Cornu und
Lazarevic3 „über den Bauxit und seine Adsorptionsverbindungen“
nicht weniger als hinfällig sein sollten.
In der ersten Angelegenheit wird Tucan von berufener Stelle
das Entsprechende demnächst mitgeteilt, ich aber werde mir er-
lauben, die durch das sehr autoritative „hinfällig“ Tucans nieder-
gerissenen Ansichten Cornus und Lazarevic trotzdem aufrecht zu
erhalten versuchen.
Vor allem handelt es sich hier nicht „um den Bauxit und
seine Adsorptionsverbindungen“, sondern um Bauxit als eine Ad-
sorptionsverbindung und einige Stoffe, die Bauxit zu adsorbieren
vermag.
Tucan behauptet, daß die nach Cornu nnd Lazarevic als
von Bauxit adsorbiert betrachteten Substanzen nicht als solche in
dem Bauxit vorhanden sind, sondern als Apatit, Calcit, G3rps nnd
Anhydrit, welche Minerale Tucan „im unlöslichen Rückstände der
Kalke und Dolomite und in der Terra rossa“ gefunden haben will.
Ich habe seinerzeit die Bauxite vom Tollingraben bei Leoben
untersucht und in der Substanz ließ sich nach kurzem Umrühren
mit warmem Wasser im Filtrate freie Schwefelsäure nachweisen.
Cornu, der die Prüfungen auf Phosphorsäure vorgenommen hatte,
untersuchte unter anderen auch einige Stufen von dem nämlichen
Fundorte und konnte die Anwesenheit der Phosphorsäure ebenfalls
durch Behandlung mit warmem Wasser allein feststellen. Oft
wurden von uns gelegentlich der Untersuchungen fremde Einschlüsse
von ausgesprochen kristalliner Natur beobachtet, da aber Cornu
und icli im Gegensatz zu Tucan zwischen einfach mechanischem
Gemenge (Inhomogenität im engeren Sinne) und einem Gelgemenge
einen Unterschied machten, so war auch ein besonderes Hervor-
heben dieser Erscheinung durchaus nicht erforderlich. Eins würde
jedenfalls Cornu und mir unmöglich sein und das dürfte außer
Tucan kaum einem anderen gelingen, nämlich aus Kalk und
Dolomit unter anderen Mineralen auch Calcit „im unlös-
lichen Rückstände“ zu erhalten. Es wäre denn genau so,
wie wenn man Kupferkies auflösen würde und im unlöslichen
Rückstände Chalkopyrit erhalten würde. Bezüglich der Vana-
1 Dies. Centralbl. 1913. p. fi5.
2 Dies. Centralbl. 1912. p. 19. — Zeitschr. f. Chem. u. Ind. d. Koll.
IX. 1911. Heft 6. p. 282.
3 Zeitschr. f. Chem. u. Ind. d. Koll. IV. 1909. Heft 6. p. 295.
Zu Tucans „Bauxilfrage“.
259
dinsäure, die in Bauxiten konstatiert wurde, führt Tucax an, daß
sie von Vanadinmineralen stammen .kann“ (?).
Außerdem konnte Cornu nachträglich in einer bauxitischen
Substanz noch Molybdänsäure nachweisen.
Es kann nun mit Rücksicht auf unsere Untersuchungsmethode
kein Zweifel bestehen, daß die genannten Stoffe vom Bauxit auf-
genommen werden können.
Als Untersuchungsmerkmale
gaben Cornu und Lazarevic im
Jahre 1909 folgendes an:
1. Bauxit ist eine Substanz,
die im wesentlichen aus einem
Gemenge von Aluminiumhydro-
xydgelen nebst den entsprechen-
den kristalloiden Verbindungen
besteht.
2. U. d. M. erweisen sich
eisenreiche Bauxite als eine
vollkommen homogene und iso-
trope Masse.
KiSpatic und Tucax geben
diesbezüglich im Jahre 1912 an:
1. Bauxit ist eine Gesteins-
art, deren Hauptgemengteil aus
Tonerdehydrat besteht, welches
in den meisten Fällen eine
kolloide Modifikation des Dia-
spors ist.
2. U. d. M. erweist sich
Bauxit von Grgin brieg in Kroa-
tien als eine vollkommen homo-
gene und isotrope Masse. (Die
Angabe von Tucax.)
Und dennoch sind unsere (Corxus und meine) Ansichten hin-
lällig (! !). Warum? Weil dazwischen eine große Entdeckung
Tue ans fällt, nämlich die eines mikrokörnigen kristallisierten Si O2,
deren tatsächliche Existenz nebenbei bemerkt noch sehr problema-
tisch ist. In Nr. 10, p. 296 — 299, 1912 d. Centralbl. ver-
öffentlichte Tucax eine Arbeit über ein „mehliges Siliciumdioxyd “
und, soweit Tucax die mineralogische Literatur kennt, ist eine solche
Varietät des kristallinischen Siliciumdioxydes nicht bekannt, allen-
falls sehr richtig, aber nur insoferne als es bisher niemanden ein-
gefallen ist, die mineralogische Systematik nach der Korngröße
einzelner Minerale zu richten.
Als Merkmale dieses neu entdeckten Siliciumdioxydes gibt
Tucax an: unlöslich in kaustischen Alkalien, wenig löslich in
Alkalikarbonaten (4°/ 0) und aufschließbar durch Kochen in kon-
zentrierter Schwefelsäure, indem es dabei in einen flockigen Zu-
stand übergeht. Dieses letzte, gleichzeitig für die neuentdeckte
Substanz kennzeichnende Verhalten ist jedenfalls sehr merkwürdig.
Wenu man aber bedenkt, daß Tucax imstande ist, aus dem Kalk
und Dolomit im unlöslichen Rückstände Calcit zu erhalten, so wird
man freilich auch hier gegen die Richtigkeit dieser Angaben be-
rechtigte Bedenken tragen müssen.
Und nun meint Tucax, daß es dieses Siliciumdioxyd ist, das
den Kieselsäuregehalt der Bauxite bildet.
17*
260 G. Wulff, Grundlagen der Kristallröntgenogrammetrie.
Wenn man Bauxit mit Terra rossa identifiziert, wenn man
sich ferner der Existenz einer sehr hypothetischen Substanz als
Unterlage zu gewissen Schlußfolgerungen bedient und schließlich
einer ganz willkürlich aufgestellten Nomenklatur ohne weiteres
eine allgemeine Anerkennung erzwingen will, so kann man endlich
ohne Schwierigkeiten zu einer so verallgemeinerten „Eigenmeinung“ :
„Daß viele amorphe Minerale, welche man heute als wasserhaltige
Aluminiumsilikate betrachtet, nichts anders sind als Tonerdehydrate
mit verschiedenen mechanisch adsorbierten Gelgemengen“ gelangen.
Die Untersuchung der Wahrscheinlichkeit, wie weit man dazu oder
wie wenig man dazu berechtigt ist, fällt jedoch außer den Bahmen
dieser Bemerkungen.
Wien, 15. Februar 1913.
Mineralogisches Institut der Universität.
Grundlagen der Kristallröntgenogrammetrie.
Von Georg Wulff in Moskau.
Mit 2 Textfiguren.
In meinem iu der „Physikalischen Zeitschrift“ 14. p. 217. 1913
veröffentlichten Aufsatze beweise ich, daß man die Erscheinung1,
die sich beim Durchgänge der X-Strahlen durch die Kristalle
photographieren läßt, auf die Spiegelung der X-Strahlen auf den
inneren Netzebenen der Kristalle zurückführen kann und daß
nicht alle Netzebenen spiegelnd auf
P/t 0 p m X-Strahlen wirken , sondern solche ,
für die das Produkt aus dem Abstande
der benachbarten parallelen Netzebenen
und dem Kosinus des Inzidenzwinkels der
ganzen Zahl von halben Wellenlängen
der Strahlung gleich ist. Nun kann man
leicht ein Kristallröntgenogramm iu die
Projektion der Netzebenen verwandeln,
die diejenigen Strahlen reflektieren, die
die schwarzen Punkte des Photogramms
geben.
Es sei (Fig 1) K der Kristall, SO
der primäre Strahl, 0 der zentrale Punkt
des Photogramms Ph, m ein schwarzer
Punkt des Photogramms, Km der diesen Punkt bildende sekun-
däre Strahl, so halbiert die den Strahl SK in Km reflektierende
Netzebene E den Winkel OKm. Indem wir den Abstand Z
Fig. 1.
1 M. Friedrich, P. Knipping und M. Laue, Interferenzersclieinungen
bei Böntgenstrahlen. Sitzungsber. der K. Bayerisch. Akad. d. Wiss. 1912.
P. Kaemmerer, Weitere Studien etc.
261
zwischen dem Kristall und dem Photogramm kennen , finden
wir leicht
„ Om .
tg2 <p = , Op = Ztg <p.
Ziehen wir auf dem Pliotogramm
eine in p zu Om (Fig. 2) senk-
rechte Gerade, so stellt diese Gerade
die lineare Projektion der Netz-
ebene E dar. So kann man leicht
das Photogramm in eine lineare Pro-
jektion des Kristalls verwandeln und
den Kristall vollständig bestimmen.
Das ist insofern wichtig , als für
die Herstellung eines Kristallrönt-
gen ogramms ein Bruchstück eines
Kristalls genügen kann. Damit ist
eine neue Methode der Kristallbestimmung
, Kristallröntgenogrammetrie “ nennen möchte.
Moskau, Kristallographisches Laboratorium der Städtischen
Schaniawski-Universität, 14. März 1913.
gegeben , die ich
Weitere Studien über die Struktur des Meteoreisens von
Carthage (Tennessee).
Von Paul Kaemmerer in Dresden.
Mit 6 Textfiguren.
A. Allgemeiner Überblick.
An deu im Kgl. Mineralog. Museum zu Dresden befindlichen
Stücken des Meteoreisens von Carthage (Tennessee)
hatte sich die merkwürdige Tatsache herausgestellt, daß die Ka-
mazitlamellen nicht parallel den Flächen des Oktaeders gehen.
Bei ihnen fand sich vielmehr die Annahme gut bestätigt, daß
sie nach zwei Zonen des Dodekaeders angeordnet sind1.
Durch das äußerst dankenswerte Entgegenkommen des Herrn Geh.
Bergrat Prof. Dr. Liebisch wurde es mir ermöglicht, die Studien
über die Struktur des Eisens an den im Kgl. Mineral. -petr. Museum
zu Berlin aufbewahrten Stücken desselben fortzusetzen, indem
mir diese Stücke für längere Zeit zur Verfügung gestellt wurden.
Das Hauptergebnis der Untersuchungen war, daß sich die
beiden Berliner Stücke der gleichen Annahme unterordnen lassen,
die ich zur Erklärung der Struktur der Dresdener Stücke machte,
1 P. Kaemmerer, Versuch zu einer neuen Deutung der Struktur des
Meteoreisens von Carthage (Tennessee). Dies. Centralbl. 1913. p. 17.
262
P. Kaemmerer, Weitere Studien über die Struktur
d. li. auch in diesem vierten und fünften Stück des
M e t e o r ei s en s von C a rt h ag e haben die Kamazitlamellen
nichteine oktaedrische Anordnung, sondern scharen
sich nach zwei Zonen des Rhombendodekaeders.
Merkwürdig bleibt ja immer, daß die dritte Zone des
Dodekaeders vollständig unterdrückt erscheint. Nur an einer ein-
zigen Stelle wurden Lamellenspuren gefunden, die als der dritten
Zone angehörig gedeutet werden könnten. Sie treten als Um-
grenzung eines Troiliteinschlusses auf. (Vergl. T in Fig. 1.) Da-
gegen spricht, daß andere Troiliteinschlüsse ganz unregelmäßig
von Kamazit umgrenzt sind.
Wenn man nun bedenkt, daß die Anordnung von zwei Zonen
des Dodekaeders der Anordnung nach Oktaeder flächen
nicht unähnlich ist, so könnte etwa noch der Vermutung
Raum gegeben werden, daß die Oktaedritstruktur durch eine De-
formation des gesamten Eisenkörpers in die dodekaedrische
übergegangen wäre. Dann wäre allerdings erstaunlich, wie gleich-
mäßig und störungsfrei die neue Strukturform sich gebildet hätte,
und daß sie sich so gut gerade durch das Dodekaeder erklären läßt.
Während die bisherigen einschlägigen Arbeiten meist nur
mit der Orientierung der Schnittflächen bei voraus-
gesetzter Oktaeder Struktur zu tun hatten, wurde bei den
gegenwärtigen Untersuchungen eine Methode gebraucht, nach der
aus den Spurenwinkeln auf den Schnittflächen die gegenseitige
Lage der Kamazitlamellen, also die Kristallform bestimmt
werden kann, die der Struktur zugrunde liegt. Eine dahingehende
Anregung war mir schon bei der Untersuchung der Dresdener Stücke
von Herrn Cfeheimrat Prof. Dr. Kalkowsky gegeben worden. Es
wurde ein rechnerisches, sowie ein parallel gehendes gra-
phisches Verfahren benützt, worüber im folgenden Näheres
berichtet werden wird.
ß. Einzelheiten (1er Strukturstudien.
1. Das Eisen IV.
a) Beobachtungen. Das größere der Berliner Stücke
des Meteoreisens von Carthage soll als Eisen IV bezeichnet
werden. Es ist 771,5 g schwer und hat ungefähr die Form eines
dreiseitigen steilen Pyramidenstumpfes von 12,6 cm Höhe. Eine
Seitenfläche ist eine natürliche Begrenzungsfläche, an der be-
sonders eine ihr parallel angelagerte rhombusförmige La-
melle auffällt. Die beiden anderen Seitenflächen F2 und F3,
sowie die größere Grundfläche Fj wurden in Fig. 1 als Netz dar-
gestellt. Die fünfte Begrenzungsfläche ist annähernd parallel zu Ft.
In Fig. 1 sind auf jeder Fläche die Spurenrichtungen der vier
Lamellenscharen a, b, c, d eingezeichnet. Unter Beachtung der
des Meteoreisens von Carthage (Tennessee).
268
Zusammengehörigkeit der Spuren auf benachbarten Flächen ergab
die Messung der Winkel zwischen den Spuren im Mittel folgende
Werte :
F,
f2
f3
a. b . ■ .
. . 62°
19°
33°
b, d . . .
. . 30
78
60
d. c ■ . . .
. . 58
13
2
Fig. 1. Netz von drei Flächen des Eisens IF mit Lamellenspuren a, b. c, d. —
T ein Troiliteinschluß, von Kamazit umgeben.
Auf F„ fanden sich außerdem noch zwei Richtungen x und 3r
als Umgrenzung eines Troiliteinschlusses : x liegt zwischen b und d.
so daß b, x = 45 °, v zwischen a und c, wobei a, y = 3 3° ist.
Auf F3 schienen zunächst nur drei Spurenrichtungen vorhanden
zu sein. Doch bestätigte sich sehr gut die Annahme, daß hier
c und d nahe zusammenfallen.
b) Graphische Bestimmung der Orientierung der
Schnittflächen. Unter Zugrundelegung der Polfigur des
Rhombendodekaeders wurd e nach dem Isoklinen verfahren
von A. Himmelbauer *, das ich schon bei der Untersuchung der
Dresdener Stücke auf das Rhombendodekaeder übertragen hatte1 2,
1 A. Himmelbauer, Orientierung von Schnittflächen an Meteoreisen.
Min. u. petr. Mitt. 28. p. 153. 1909.
2 P. Kaemmerer, a. a. 0. p. 23.
264
P. Kaemmerer, Weitere Studien über die Struktur
die Lage der Flächen F,, F2, F3 bestimmt. Sie sind in Fig. 2
durch die Großkreise f,, f2, f3 dargestellt. F, liegt sehr nahe
einer Oktaeder fläche, wie die Hauptschnittflächen der Dres-
dener Eisen I und II. Der Pol von f, ist P, . Bei den Polen
P2 und P3 von f„ und f3 ist der Verlauf der Isoklinen, durch die
sie bestimmt werden, durch punktierte Linien angedeutet.
Fig. 2. Polfigur des Rhombendodekaeders (a, b, c, d, x, y), geschnitten
durch die am Eisen IV vorkommenden Flächen f,, f2, f3.
Auf dem Kreis f2 sind die Punkte Tx und T2 markiert. Sie
bedeuten die Richtungen, die die rhombusförmige Begrenzung
des Troiliteinschlusses (T in Fig. 1) zeigt und haben nahezu
die Lage, die den Spuren der gewöhnlich fehlenden Zone des
Dodekaeders mit den Flächen x und y auf F2 zukommt.
Jedenfalls lassen sich alle geometrischen Einzel-
heiten des Eisens IV ebenfalls mit der für die Dres-
dener Eisen I — III angenommenen dodekaed rischen
Struktur in Einklang bringen.
Aus der Lage der Pole Pj , P2 und P3 gegen die Koordinaten-
achsen X, Y, Z wurden noch die Parameterverhältnisse
der Schnittflächen F,, F2 und F3 berechnet. Es wurde
gefunden :
1,11 : 1:1 für F, ,
1,19: — 1 : 1,56 „ F2,
- 0,52 : 1:1 „ F3.
des Meteoreisens von Cartliage (Tennessee).
265
2. Das Eisen V.
a) Beobachtungen. Das zweite untersuchte Stück soll als
Eisen Y bezeichnet werden. Es wiegt 33 g, ist tafelförmig, etwa
0.5 cm dick und hat als Grundfläche ungefähr ein Trapez. In
Fig. 3 sind fünf Flächen des Eisens als
Netz gezeichnet. Die Größe geht aus dem
beigefügten Maß hervor. Der Verlauf der
Lamellenspuren ist eingetragen. Man sieht,
daß auf der Vorderfläche Fv, sowie auf
den Seitenflächen Fi und Fr nur je drei
Spuren vorhanden sind. Auf Fv rührt das
daher, daß c und d sehr nahe zusammen-
fallen, bei Fi und Fr ist es in der Lage
der Flächen begründet, indem sie bezw.
parallel zu den Lamellen b und d ge-
schnitten sind. Übrigens waren die Flächen
z. T. etwas gekrümmt, so daß die Winkelmessung darunter
litt, die außerdem auch durch die ziemlich kleinen Flächen
beeinträchtigt wurde.
Folgende Winkel der Spuren wurden festgestellt :
| a, c = 20 0
auf F0 c, b = 90
| b, d = 22
[ a, b = 44 0
auf Fv | b, d = 54
[ d, c nicht vorhanden, oder sehr klein
auf F, — b f a’ c = 00 °
( c, d = 55
auf Fr = d ( a> b = 05 °
r ( b, c = 70
b) Allgemeine Methoden zur Bestimmung der
Lamellenstruktur aus Winkelmessungen auf zwei
Schnittflächen. Da das Eisen V bei der Annahme von Dode-
kaederstruktur zunächst gewisse Schwierigkeiten bot, schien es
nützlich, eine Methode zu besitzen, nach der man aus den
Spuren auf den Schnittflächen die gegenseitige
räumliche Lage der Lamellen, m. a. W. den Winkel
ihrer Ebenen, bestimmen kann. Ich folgte hierbei gleichzeitig
einer schon früher gegebenen Anregung von Herrn Geheimrat
Prof. Dr. Kai.kowsky.
I. Rechnerische Methode.
Man habe an einem Eisen zwei zueinander senkrechte Schnitt-
flächen, und die Schnittkante sei OX (Fig. 4). In jeder Fläche
Fig. 3. Netz von fünf
Flächen des Eisens V
mit Lamellenspuren a,
b, c, d.
266
P. Kaemmerer, Weitere Studien über die Struktur
sei eine zur Kaute senkrechte Gerade 0 Y bezw. 0 Z gedacht,
so daß OX, OY, OZ das Achsenkreuz eines rechtwinkligen
Koordinatensystems bilden, das in Fig. 4 in einer Ebene gezeichnet
ist. Haben zwei Lamellenebenen L, und L2 die Spuren a} und a2
in der XY-Ebene, die Spuren b, und b„ in der X Z-Ebene, und
werden die Winkel gj, tpv q>2 der Spuren gegen die X-Achse
in dem aus der Figur ersichtlichen Sinne gerechnet, so ergibt die
analytische Geometrie für den Winkel <1> der Ebenen L, und L2
die Formel
cos <t> =
+
tk>, tg*- + G 7 , tg«/s + tgft tgf„ tg 7, tg,/.,
V (tgO, + tgG/, + tg2f,tg >,) (tg2 12 + tg2 7 2 + tg2 12 tg* (f2)
Hiernach k a n n
Fig. 4. Zur Berechnung
des Winkels zweier La-
mellenebenen L, und Lo.
man den Winkel zweier Lamellen-
eben e n berechnen, deren Spuren
auf zwei zueinander senkrechten
Schnittflächen des Eisens man
kenn t. Damit wird dann die vor-
liegende Kristallform bestimmt
sein.
Sind die Schnittflächen nicht senkrecht
zueinander , so kann man ebenfalls eine
Fonnel für cos O finden. Auf deren Ab-
leitung habe ich verzichtet, da schon die
obige kompliziert genug und für die loga-
rithmische Rechnung nicht sehr bequem
ist. Übrigens hat man in dem allgemeinen
Falle nicht senkrechter Schnittflächen
einen Ersatz in der graphische n
Methode.
II. Graphische Methode.
Statt mit den Winkeln qq und q>2 der Lamellenspuren
gegen die Schnittkante in die Formel für cos <I> einzugehen, kann
man mit ihrer Hilfe die Lage der Lamellenspuren in eine stereo-
graphische Projektion eintragen , in der die Schnitt-
flächen die Koordinatenebenen sind. Danach sind die
durch die Spuren bestimmten Ebenen als Großkreise der Projektion
einzuzeichnen, etwa mit Hilfe des auch bei der Isoklinenmethode
verwandten Wur.Fr’schen Netzes unter durchsichtigem Papier. Die
Winkel zwischen diesen Großkreisen kann man dann aus der Figur
entnehmen und hiernach die Kristallform festlegen.
Es leuchtet ein, daß das graphische Verfahren auch ohne
Schwierigkeit sofort auf den allgemeinsten Fall zweier beliebigen
Schnittflächen am Eisen übertragen werden kann, wenn man nur
den Winkel dieser Flächen und die Winkel zusammengehöriger
Lamellenspuren gegen die Schnittkante kennt.
des Meteoreisens von Cartbage (Tennessee).
267
Das graphische Verfahren geht bei einiger Übung und
Verwendung des WixFF’schen Netzes so leicht von der Hand,
daß ihm der Vorzug vor der Rechnung gegeben werden
muß, um so mehr, als es auf äußerste Genauigkeit nicht ankommt.
c. Anwendung auf das Eisen V.
I. Berechnung der Winkel zwischen den Lamellen.
Die Fluchen F„ und Fv am Eisen V sind nahezu senkrecht
zueinander und boten sich daher zur Durchführung der Methode
dar. Die Spuren der Lamelle a haben die Winkel eA= 25°,
ff a = 36°, die der Lamelle b die Winkel ab = 70°, ffb = 106°
gegen die Schnittkante. Hieraus wurde nach der Formel für cos <1>
berechnet :
cos
= - 4.499
a' b + 9,794 '
woraus
<#>^ b = 62° 39' bezw. 117" 21'.
folgt.
Für die Lamellen d und b erhält man. da für d die Winkel
fd=120°, <fA—8b° sind,
cos «/'
o, d
145.1
242.1
und
*/>b d = 53° 11' bezw. 126° 49'.
Diese Winkel deuten unzweifelhaft auf das Dodekaeder.
Die Ungenauigkeit ist wohl mit der etwas unsicheren Winkel-
messung, besonders auf Fv , und der nicht genau senkrechten Lage
von F0 und Fv genügend erklärt. Wie die graphische Methode
zeigt, beträgt übrigens der Winkel d ungefähr 90°. Das ist
eine weitere Stütze für die Annahme der Dodekaeder-
struktur.
II. Ermittelung der Winkel zwischen den Lamellen durch
Zeichnung.
In Fig. 5 ist dargestellt, wie die Lage der Lamellen a, b
und d graphisch ermittelt wurde. Die Fläche F0 ist durch die
XZ-Ebene (f„), Fv durch die XY-Ebene (fv), den Grundkreis der
Projektion, dargestellt. In diesen Ebenen wurden mit Hilfe der
gemessenen Winkel ea und ff der a-Spuren gegen die Schnitt-
kante (die X-Achse) die Punkte E und F bestimmt. Dann wurde
der Großkreis E Q P F = a gezogen. Analog sind die Kreise b (fO
und d (fr) gefunden. In dem sphärischen Dreieck PQR ist Q
der vorhin berechnete (ß, b, ^ E der <1>
b, d-
während
268
P. Kaemmerer, Weitere Studien etc.
Fig. 5.
Graphische Ermittelung der Lage der Lamellen a, b und d im Eisen Y.
P
X
Fig. 6.
Polligur von zwei Zonen des Dodekaeders (a, b, c, d) mit den am
Eisen V vorkommenden Schnittflächen f0, fv, f„ fr.
H. Quiring. Eifeldolomit und alttriadische Verebnung.
269
P = ^ <1>A ist und, wie sich hier zeigt, annähernd 'JO 0 be-
trägt. Damit ist entschieden, daß die drei Lamellen
a, b. d die Lage von drei Flächen des Rhombendode-
kaeders zueinander haben.
Die Fig. 5 wurde weiter in die Fig. 6 umgewandelt, wo die
Pölfigur des Dodekaeders in der gewöhnlichen Form erscheint und
die vierte Fläche c noch hinzugefügt ist. Im übrigen stellt sie
dasselbe dar wie Fig. 5. Natürlich sind jetzt die Koordinaten-
ebenen nicht mehr die Schnittflächen. Diese sind f0 und fv mit
den Polen P0 und Pv. Aus deren Lage gegen X, Y, Z wurde
ermittelt, daß die Flächen F0 und FT folgende Parameter-
verhältnisse besitzen:
F0 0.43 : 1 : 7,47.
Fv 3.3 : — 1:1,47.
Fi und Fr sind zwei Dodekaederflächen.
C. Zusammenfassung.
1. Die im Kgl. Mineral. -petr. Museum zu Berlin befind-
lichen beiden Stücke des Meteoreisens von Carthage
(Tennessee) zeigen dieselbe Anordnung der Kamazit-
lamellen wie die früher untersuchten Stücke aus dem Kgl.
Mineralogischen Museum zu Dresden und aus der Sammlung der
Kgl. Technischen Hochschule zu Dresden. Es gilt also für diese
fünf Stücke und wahrscheinlich wohl auch für das ganze Eisen,
daß seine Struktur nicht oktaedrisch ist, sondern daß die
Anordnung der Kamazitlamellen am besten durch zwei Zonen
des Rhombendodekaeders dargestellt wird.
2. Da also außer der Oktaedritstruktur bei Meteoreisen auch
die Struktur uach zwei Zonen des Rhombendodekaeders Vorkommen
kann und beide Strukturen viel Ähnlichkeit miteinander haben,
so wird es nicht zulässig sein, ein Eisen, das auf
manchen Schnittflächen vier, auf manchen drei ver-
schiedene Spuren rieht ungen von Lamellen zeigt,
ohne weiteres zu den Oktaedriten zu rechnen. Viel-
mehr ist erst auf rechnerischem, oder ampraktisch-
sten auf graphischem Wege (vergl. p. 266) die Ent-
scheidung über die Strukturart zu fällen.
Dresden - A, März 1913.
Eifeldolomit und alttriadische Verebnung.
Von H. Quiring. Breslau.
Die höheren Schichtenglieder des Mitteldevons der Eifelkalk-
mulden sind bekanntlich dolomitisch ausgebildet, doch hat bereits
270
H. Quiring,
E. Kayskr 1 und zuletzt H. Raufe1 2 darauf aufmerksam gemacht,
daß auch tiefere Schichten ganz verschiedener stratigraphischer
Stellung — selbst bis hinunter zur Cultrijugatus-Stxxfe — von der
Dolomitisierung ergriffen worden sind.
Arbeiten des Verfassers3 über die stratigrapliischen Verhält-
nisse der Eifelkalkmulde von Sötenich haben nun zu einigen Be-
obachtungen geführt, die zur Deutung diesir eigenartigen Dolomit-
bildungen des Eifler Mitteldevons, insonderheit ihrer Verbreitung
und ihrer Entstehung, einen Beitrag geliefert haben dürften.
Auch in der Sötenicher Mulde war festzustellen, daß zwar
der Dolomit in der Hauptsache den oberen Teil der Schichtenfolge
bildete, daß andererseits aber auch im allgemeinen kalkig ent-
wickelte Stufen des Unteren Mitteldevous dolomitisch ausgebildet
waren. Daneben hatte ein dem Dolomitisierungsprozeß vergleich-
barer Auslaugevorgang sogar Sandsteine des Mittel- und Unter-
devons — z. T. unter Erteilung eines quarzitischen Habitus —
ergriffen und umgewandelt.
Ohne im einzelnen auf die gefundenen Verhältnisse einzugehen,
mögen hier nur die Schlußfolgerungen Platz finden, die aus diesen
Beobachtungen gezogen worden sind.
Wie es scheint, haben wir im Gebiete der Sötenicher Mulde
mit zwei Dolomitbildungen zu rechnen, die sich nach Ent-
stehungsart und -zeit voneinander trennen lassen. Es erschien
angängig, den älteren Dolomit, der nur Schichten des Oberen
Mitteldevons umfaßte, in seiner Bildung — es war zweifelhaft, ob
es sich um einen primären Dolomit oder das Produkt eines späteren
Dolomitisierungsprozesses handelte — der Zeit vor der varistischen
Faltung zuzuweisen und ihm, mit gewissen Einschränkungen, die
Bedeutung eines stratigraphischen Horizonts beizulegen.
Die Entstehung des jüngeren Dolomits, der zweifellos
ein sekundäres Umwandlungsprodukt ursprünglich kalkiger Schichten
darstellte, konnte dagegen in die Zeit nach der Faltung gelegt
werden. Zu diesem Schlüsse berechtigte nicht nur die Tatsache,
daß an einzelnen Stellen Glieder des tiefsten Mitteldevon, ja selbst
des Unterdevons beeinflußt waren, sondern vor allem der Umstand,
daß gerade in der Nähe der die Mulde und ihr Bandgebiet
diskordant überlagernden Buntsandsteininseln diese nach-
trägliche Dolomitisierung festgestellt werden konnte. Auch an den
Punkten, wo allem Anschein nach die Buntsandsteinbedeckung erst
in jüngster Zeit der Denudation und Erosion zum Opfer gefallen
1 E. Kayser, Studien aus dem Gebiete de' Rh< inischen Devon. Ztschr.
d. Deutsch, geol. Ges. 23. p. 289— 37H U. i .in 1871.
* H. Raufe, Entwurf zu einem Fü ie dmch die Gerolsteiner Mulde.
Berlin 1911
3 H. Quiring, Zur Stratigraphie de Nordosthälfte der Sötenicher
Mulde. Berlin 1913.
Eifeldolomit und alttriadisehe Verebnnng.
271
war, ließ das anstehende Gestein Einwirkungen dieses jüngeren (post-
varistischen) Auslaugungs- bezvv. Dolomitisierungsprozesses erkennen.
Der Verfasser hält demnach, ohne die eigenartige Erscheinung
weiter zn belegen — bedeutet sie doch nur eine Xebenbeobachtung
seiner Arbeit — , es für sehr wahrscheinlich, ja gewiß, daß die
p o s t v a r i s t i s c li e Auslaugung und Dolomitisierung-
der Schichten des Unterdevons und der tieferen Schich-
ten des Mitteldevons an die Auflagerungsfläche des
Buntsandsteins geknüpft ist und eine tiefgründige —
bis 50m e i n w i r k e n d e — Umwandlung des in der
permischen oder alttriadischen Verebnnngsperiodc
anstehenden Gesteins hervorgerufen hat.
Mit großer Entschiedenheit deuten weiter die gefundenen Ver-
hältnisse, namentlich die Auslaugung der Sandsteine daraufhin,
daß lediglich ein oberflächlicher Verwitterungsvorgang in
Frage kommen kann, ohne daß eine untermeerische Zufuhr nennens-
werter Mengen von Magnesiumkarbonat stattgefunden hat. Die
nachträgliche Dolomitisierung der Kalke des Unteren Mitteldevons
wäre demnach fast ausschließlich auf eine Auslaugung des leichter
löslichen Calciumcarbonats und eine Anreicherung des mehr oder
weniger zurückbleibenden Mangesiumcarbonats zurückzuführen.
Das gewonnene Kesultat ist jedoch auch aus dem Grunde von
Bedeutung, als es die Frage der Beantwortung nähert, ob wir die
Auflagerungsfläche des Buntsandsteins der Eifel als das Ergebnis
eines Denndations- oder Abrasionsvorganges zu betrachten haben.
Diese Frage dürfte dahin zu beantworten sein, daß es sich
aller Wahrscheinlichkeit nach bei der permischen bezw. alttriadischen
Verebnung um eine langandauernde Phase der Denudation
handelte, welche die Erhebungen des varistischen Gebirges mor-
phologisch ausgelöscht und eine tiefgehende Verwitterung der
damaligen Landoberfläche bewirkt hat.
Auch aut' die sich hierbei aufdrängende zweite Frage, ob der
Buntsandslein der Eifel als marine oder terrestre Bildung anzu-
sprechen ist, wirft dieses Ergebnis ein gewisses Streiflicht, sodaß
es sich wohl verlohnen dürfte, den hier mitgeteilten und noch
recht dürftigen Beobachtungen nachzugehen.
Ergebnisse:
1. Die Bildung des mitteldevonischen Eifeldolomits hat in
zwei getrennten Zeiträumen stattgefunden.
1 Die beobachtete Auslaugung und eigenartige Umwandlung der
Sandsteine steht in einer bemerkenswerten Übereinstimmung zu der von
Bornhardt (Zur Oberflächengestaltung Deutsch-Ostafrikas. Berlin 1900)
beschriebenen Umwandlung (Uhalzedonisiernng) von Kreidesedimenten
(„Newalasandstein-) im Siidosten Deutsch-Ostafrikas unter dem Einfluß
einer langandauernden Denudations(Yerwitterungs-)periode.
272
E. Spengler,
2. Der ältere Dolomit ist vor Beginn der varistischen Faltungs-
periode gebildet worden. Der jüngere ist postvaristisch und durch
Auslaugung mitteldevonischer Kalke entstanden.
3. Der Auslaugeprozeß hat auch mitteldevonische und unter-
devonische Sandsteine beeinflußt und umgewandelt.
4. Die Auslaugung ist an die Auflagerungsfläche des den
paläozoischen Rumpf überlagernden Mittleren Buntsandsteins ge-
knüpft und wahrscheinlich auf einen Verwitterungsvorgang zurück-
zuführen, der in der Phase der permisch-alttriadischen Verebnung
das in der damaligen Landoberfläche anstehenden Gestein er-
griffen hat.
Einige Bemerkungen zu E. Haug: Les nappes de charriage
des Alpes calcaires septentrionales, 3eme partie, le Salz-
kammergut.
Von E. Spengler in Graz.
In dem „Bulletin de la societe geologique de France“, 1912,
p. 105, ist der schon lange angekündigte 3. Teil der epoche-
machenden Arbeit E. Haug’s über die Decken der nördlichen Kalk-
alpen erschienen. Leider war es mir wegen der verspäteten
Lieferung der Hefte durch die „Societe geologique de France“
und infolge der Gewohnheit E. Haug’s, keine Sonderabdrücke zu
versenden, nicht mehr möglich, in meiner in den Sitzungsberichten
der Wiener Akademie im Drucke befindlichen Arbeit1 zu den hoch-
interessanten Ausführungen Haug’s Stellung zu nehmen ; ich möchte
dies daher an dieser Stelle nachtragen.
E. Haug begründet in seiner Arbeit in eingehenderer Weise
als in einem 1908 erschienenen Vorberichte2 die Aufstellung der
„Decke des Toten Gebirges“, welche zwischen die „bayrische
Decke“ und die „Salzdecke" eingeschaltet ist. Im Toten Gebirge
selbst ist diese Decke sehr gut begründet; auf weite Strecken
läßt sich der schmale, meist von steil stehenden Liasfleckenmergeln
gebildete Streifen an der Nordwestseite des Toten Gebirges ver-
folgen, der die nördlich vorgelagerte „bayrische“ Trias von der
gewaltigen Dachsteinkalkmasse des Toten Gebirges trennt. Die
Erscheinung, daß unterhalb der Hallstätter Decke eine Decke von
ausgesprochener Dachsteinfazies (Berchtesgadener oder hochalpiner
Fazies) liegt, braucht uns nicht zu befremden: Wir haben die-
selbe Erscheinung im Westen , da die unter die Hallstätter Ge-
1 E. Spengler, Untersuchungen über die tektonische Stellung der
Gosauschichten. I. Teil : Die Gosauzone Ischl — Strobl — Abtenau. Sitzungs-
berichte der Wiener Akademie. 1912.
2 E. Haug, Sur les nappes du charriage du Salzkammergut C. R.
Academie des Sciences. 1908. p. 1428 — 1430.
Einige Bemerkungen etc.
273
steine bei Berchtesgaden einfallende Watzmannmasse, wenigstens
in der Trias, ausgesprochen Berchtesgadener Fa2ies zeigt und doch
der bayrischen Decke aD gehört (vergl. E. Haug, J. Nowak, F. Hahn);
eine analoge Erscheinung haben wir aber auch im Osten : die
oberste Teildecke des unteren ostalpinen Deckensystems Kober’s,
die „Ötscherdecke“, zeigt in ihrer Fazies bereits außerordentlich
starke Anklänge an die hochalpine Entwicklung1. Überhaupt sind
die „Ötscherdecke“ Kober’s und die „Decke des Toten Gebirges“
Haug’s zwei durchaus vergleichbare Gebilde, wenn auch die Frage,
ob sie zu parallelisieren sind, erst dann wird entschieden werden
können, bis die dazwischen gelegenen Gebiete untersucht worden sind.
Hingegen kann ich mich für die Gleichstellung der Schafberg-
gruppe mit der Decke des Toten Gebirges2 * durchaus nicht er-
wärmen. Denn abgesehen davon, daß, wie Haug selbst hervor-
hebt, die Fazies der Trias der Schafberggruppe gar
nicht mit dem Toten Gebirge übereinstimmt, läßt sich
auch Haug’s Annahme , daß die Schafberggruppe eine tektonisch
höhere Einheit als die Osterhorngrnppe darstellt , mit den zu
beobachtenden Lagernugsverhältnissen nicht in Einklang bringen.
Nach der Darstellung auf Taf. I Fig. 1 in Haug’s Arbeit ist die
Schafberggruppe über die Osterhorngruppe deckenförmig über-
schoben. Der Ausbiß dieser Überschiebung wird durch eine Linie:
Elsenwang — Sattelalm auf der Südseite des Felblingberges —
Tiefbrunnau — Lueg — Südivestfuß der Blechwand gebildet. Dem-
gegenüber habe ich in meiner Schafbergarbeit angenommen, daß
sich an einer mit der Linie Haug’s nicht vollständig zusammen-
fallenden Dislokationslinie (Elsenwang — Nordseite des Felbling-
berges— Tiefbninnau — Lueg — Fitz am Berg — Nordseite der
Blechwand — Sattel zwischen Blechwand und Sparberhorn [Nessner
Scharte] — Weißenbachtal) die Oberalmer Schichten der Osterhorn-
gruppe über den Hauptdolomit, der weiter im Norden den Lias
und Jura der Schafberggruppe trägt , hinweggeschoben haben s.
In meiner späteren Arbeit brachte ich die „Plassenkalküber-
schiebung“ in der Schafberggruppe mit diesem Vorschub der Oster-
horngruppe in Verbindung4. Die Osterhorngruppe liegt daher
nach meiner Auffasssung tektonisch höher als die Schafberggruppe.
Nach Haug spricht für seine Auffassung: Das Neocom des
Schmiedhorn-Nordhanges kommt mit dem Hanptdolomit des Felb-
linggipfels in Kontakt, Oberalmer Schichten mit dem Hauptdolomit
1 L_ Kober, Der Deckenbau der östlichen Nordalpen. Denkschriften
der Wiener Akademie. 1912. p. 20.
* E. Hatto, 1. c. p. 129.
! E. Spengler, Die Schafberggruppe. Mitt. der Geologischen Gesell-
schaft in Wien. 1911. p. 263.
* E. Spengler, Untersuchungen über die tektonische Stellung der
Gos&uschichten. I. Sitz.-Ber. der Wiener Akademie. 1912. p. 28.
CentralblaU f. Mineralogie etc. 1913 18
274
E. Spengler,
des Sonnberges *. Tatsächlich scheinen nach der geologischen
Spezialkarte , Blatt Salzburg , die Jura- und Neocomgesteine der
Osterhorngruppe unter die nördlich vorgelagerten Triasmassen ein-
zufallen.
Dagegen konnte ich mich auf meinen Exkursionen von
folgendem überzeugen : Der Gipfel des Felblingbergs besteht nicht,
wie die geologische Karte angibt, aus Hauptdolomit, sondern aus
steil südfallenden, Hornstein führenden Kalken (Oberalmer Schichten).
Der Neocomzug Elsenwang — Sattelalm liegt daher hier in einer
regelmäßigen , von Oberalmer Schichten gebildeten Mulde. Erst
die tieferen Gehänge des Felblingberges bestehen tatsächlich aus
Hauptdolomit, der von den überlagernden Oberalmer Schichten
durch Spuren roter Kalke (Lias?) getrennt ist. Dieses Vorkommen
erinnert sehr stark an die zerdrückten Juravorkommnisse an der
Südseite des Wolfgangsees 2 und ist sicherlich deren westliche Fort-
setzung. Wir müssen dabei die Schafberg und Osterhorn trennende
Linie auf die Nordseite des Felbling verlegen. Für die Über-
lagerung des Hauptdolomits durch die Juragesteine der Osterhorn-
gruppe sprechen vor allem folgende Punkte: 1. An der Südseite
des Sonnberges fallen triadisclie Plattenkalke 60° gegen SW ein
und werden von Fleckenmergeln überlagert (Neocom oder Lias,
jedenfalls ein Gestein der Osterhorngruppe). 2. Auf der Höhe der
Kühleiten (Sattel zwischen Tiefbrunnau und Wolfgangsee) stehen
ähnliche Mergel , ferner Oberalmer Schichten an , welche deutlich
10° — 45° gegen Südwesten einfallen. 3. Die auch von Haug3
erwähnte Hauptdolomitzone südlich von St. Gilgen bildet eine
senkrechte Wand von etwa 250 m Höhe (Gamswand; auf ihrer
Höhe führt der Maria-Lenkweg); der darüber folgende, weniger
steile Abhang .besteht bis auf den Gipfel des Zwölferhorns aus
Oberalmer Schichten. Es ist daher schon aus topographisch-
morphologischen Gründen ausgeschlossen, daß diese Oberalmer
Schichten unter die w an db i 1 d e n den Hauptdolomite
am Fuße des Berges ein fallen, zumal da man am Maria-
Lenkweg, unmittelbar dem Hauptdolomit auflagernd, sehr stark
reduzierte rote Adneter Schichten und Hornsteinkalke * trifft, deren
Einfallen etwa 60° gegen SSW gerichtet ist. 4. Diese Zone
erreicht das Ufer des Wolfgangsees östlicli von Lueg bei der
sogenannten Franzosen schanze. Hier und weiter östlich ist an
vielen Stellen das SSW-Fallen sämtlicher Schichten deutlich zu
erkennen5. Nur an zwei Stellen kann es den Anschein haben,
daß die Osterhorngesteine die nördlich vorliegende Hauptdolomit-
1 E. Haug, 1. c. p. 109.
2 E. Spengler, Die Schafberggruppe, p. 263.
3 E. Haug, 1. c. p. 110.
4 E. Spengler, Die Schaf berggruppe, p. 263.
6 Vergl. E. Spengler, Die Schafberggruppe, p. 262 u. p. 263.
Einige Bemerkungen etc.
275
masse unterteufen. Am Eingänge des Grabens , welcher bei der
Brunnbauermühle in die Tiefbrunnau mündet, fallen Oberalmer
Schichten unter einem Winkel von etwa 30° gegen NNW, also
gegen den Hauptdolomit des Felblingzuges ein, ferner scheint der
Hauptdolomit beim Gasthaus Gsch wandt am WTolfgangsee steil nach
N einzufallen, doch kann hier das Fallen wegen der Undeutlich-
keit der Schichtung nicht sicher festgestellt werden. Die zwei
räumlich sehr beschränkten Aufschlüsse können keinesfalls gegen
die überwiegende Anzahl von Punkten sprechen (insbesondere nicht
gegen die unter 3 angeführten Verhältnisse), w'elche mit Sicherheit
ein Einfallen des Hauptdolomits und somit der Schafberggesteine
unter die Osterhorngruppe erkennen lassen. Wir können also
die Schafberggruppe nicht als eine höhere Decke
als die Oster horngruppe, sondern eher noch für eine
tiefere erklären; doch spricht, wie ich in der „Schafberg-
gruppe“ gezeigt habe, trotz des außerordentlich großen Fazies-
kontrastes, einiges gegen die Annahme einer großen Decken-
überschiebung an dieser Stelle. Das Nordfallen der Schichten in
den Bergen der nördlichen Osterhorngruppe südlich der Tief-
brunnau kann vielleicht als Andeutung einer Stirnbildung gelten.
Die Erscheinung, daß nördlich der Adneter Entwicklung nochmals
Hierlatzfazies folgt, braucht uns nicht zu verwundern; denn in
den niederösterreichischen Kalkalpen haben wir eine ganz ähnliche
Erscheinung (Hierlatzkalk von Gießhiibl bei Mödling1.
Ferner widerspricht es den Faziesverhältnissen , wenn man
mit Haug die Blechwand in die Schafbergserie einbezieht. Denn
die Blechwand stellt eine gegen SW geneigte Schichtserie von
typischer Osterhornfazies vor; vom mittleren Strobl-Weißenbach-
tale aus möchte man glauben , daß sich sogar dieselben fels-
bildenden Bänke in den Oberalmer Schichten der Blechwand und
in dem südlich sich anschließenden Zwechenberge verfolgen lassen.
Die Blechwand ist auf ihrer Südwestseite sicherlich von einer
Dislokation begrenzt, doch ist dies eine Parallelstörung zu der
Grenzdislokation zwischen Schafberg- und Osterhorngruppe, die
zwischen Sparberhorn und Blechwand verläuft.
Nach Haug gehört ferner nur der südliche Teil und das
Gipfelgebiet der Schaf berggruppe zur Decke des Toten Gebirges,
die Nordhänge hingegen unterhalb der „Grünseescherfläche“ wiederum
zur bayrischen Decke2. Diese Trennung trifft im Westen auf
Schwierigkeiten, da sich hier die nach Haug zwei verschiedenen
Decken angehörigen Hauptdolomite der Nord- und Südseite des
Schafberges zu einer untrennbaren Masse vereinigen. Ferner
1 A. Spitz, Der Höllensteinzug bei Wien. Mitt. der Wiener geolog.
Gesellschaft. 1910. p. 375. — L. Kober, Der Deckenbau der östlichen
Nordalpen. Denkschriften der Wiener Akademie. 1912. p. 17, 18.
2 E. Haug, 1. c. p. 111.
18*
276
E. Spengler,
sucht Haug das plötzliche Aufhören der Schafbergfalten an der
Westseite des Leonsberges dadurch zu erklären, daß sich hier die
an der Basis der Schafbergdecke gelegene Schubfläche gegen Osten
heraushebt1. Dagegen ist einzuwenden, daß das nach Haug der
höhereu Decke angehörige Gebiet der Schafbergfalten meist oro-
graphisch bedeutend tiefer liegt als das Gebiet der tieferen Decke
(der Gipfel des Leonsberges, der aus dem Hauptdolomit der tieferen
Decke besteht, liegt um 700 m höher als die nur 1 km weiter
westlich liegende Schlucht des Kühnbaches , die in Hierlatzkalk
und Spongienlias der höheren Decke eingeschnitten ist) ; wir müßten
daher hier ein außerordentlich steiles Aufsteigen der Schubfläche
an der Basis der Schafbergdecke im Streichen annehmen. Daher
erscheint die Annahme einer vertikalen, N — S verlaufenden
Dislokation in den Westhängen des Leonsberges
ungleich wahrscheinlicher; doch möchte ich hier zu dem in der
„Schaf berggruppe“ Gesagten noch folgendes nachtragen: Ich stelle
mir vor, daß nur westlich der Leonsberglinie die Schichten bei
der vorgosauischen Faltung durch einen von Süden wirkenden
Tangentialdruck in Falten gelegt wurden, östlich hingegen nicht.
Daher müssen an der Leonsberglinie die Falten des Schafbergs
gegen die ungestörte Hauptdolomitmasse des Leonsbergs abstoßen;
die Leonsberglinie muß naturgemäß bei den Leonsberger Almen
ihr nördliches Ende finden; der Hauptdolomit des Leonsberges ist
mit demjenigen auf der Nordseite des Schafberges in ungestörter
Verbindung2.
Ferner muß ich mich gegen die Annahme des vor-
gosauischen Aufschubes der Gamsfeldgruppe auf die
Osterhorn gruppe aussprechen3 *, eine Annahme, in der E. Haug
CI. Lebling 4 gefolgt ist ; doch kann ich hier auf meine oben
erwähnte Arbeit in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie
verweisen. Das Bild des Kontaktes zwischen dem Gosaustreifen
Strobl — Abtenau und dem Dolomit der Gamsfeldgruppe ist dem
Kontakt zwischen den Gosauschichten und den Triasgesteinen des
Buchbergriedels bei der Zwieselalpe vollkommen analog, für
welchen auch E. Haug nachgosauisches Alter annimmt5 6.
1 E. Haug, 1. c. p. 111.
2 Zur Veranschaulichung dieser Lagerungsverhältnisse diene folgender
Versuch : Man nehme eine Karte des Schafberggebietes und führe von
Süden her längs der Leonsberglinie einen Schnitt bis zu den Leonsberger
Almen ; hierauf lege man durch einen Druck von Süden nur das westlich
(links) des Schnittes gelegene Stück der Karte in Falten, wodurch man
ein der Natur entsprechendes Bild erhält.
3 E. Haug, 1. c. p. 114.
“ Cl. Lebling, Beobachtungen an der Querstörung „Abtenau— Strobl“
im Salzkammergut. N. Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXI. p. 570.
6 E. Haug, 1. c. p. 121.
Einige Bemerkungen etc.
277
Die tektonische Auflösung der Umgebung des Gosautales durcli
Haug scheint mir wenigstens nach meinen bisherigen Beobachtungen
eine außerordentlich glückliche zu sein ; doch möchte ich bei der
Zugehörigkeit des Plassen zur Dachsteindecke glauben, daß dieser
nicht dem verkehrten Mittelschenkel der Dachsteindecke angehört
— denn Mittelschenkel treten bei den wohl nicht als liegende
Falten zu deutenden Decken des Salzkammergutes niemals auf — ,
sondern annehmen, daß der Plassen als Stirnpartie der von Haug
aufgestellten nachgosauischen Schubmasse zu deuten ist. Übrigens
scheint sich hier in den Darstellungen E. Haug’s ein Widerspruch
zu befinden: Auf p. 425, Zeile 16, erklärt er den Plassen sowie
den Lias bei Waldbach — Strub als verkehrten Mittelschenkel der
Dachsteindecke1, also einer vorgosauischen Schubmasse2; dieser
Darstellung entspricht auch das Profil Taf. I, Fig. 2. Wenige
Zeilen später hält er jedoch die Aufschiebung des Jura auf die
Triasgesteine des Salzbergfensters für ein Produkt der nach-
gosauischen Überschiebung 3 ; letzterer Ansicht habe ich mich oben
im wesentlichen angeschlossen.
Anschließend an die Ausführungen über Haug’s Arbeit sei
mir an dieser Stelle noch eine Bemerkung zu der kürzlich er-
schienenen Arbeit meines Freundes J. v. PtA4 gestattet. Pia
spricht hier den Gedanken aus, daß zwischen den Falten des
Schafberges und der Höllengebirgsüberschiebung eine Art Kompen-
sationsverhältnis bestehe. Mir scheint gegen diesen sonst sehr
plausiblen Erklärungsversuch vor allem die in der „Schafberg-
gruppe“ p. 233, Zeile 2 — 7 besprochene und auf Profil I, Taf. V
dargestellte 5 6 Erscheinung zu sprechen, die ein höheres Alter der
Grünseescherfläche gegenüber der Höllengebirgsstirn mit Sicherheit
erkennen läßt.
1 . . . mais il me paralt plus vraisemblable de l’attribuer ä la nappe
D. Dans cette hypothöse, eile (der Plassen) appartiendrait au flanc ren-
verse de cette nappe.
2 Les quatre nappes etaient döjä empilöes, — lorsque la mer neo-
crötacöe a envahi la rögion.
* J’ajouterai cependant que , posterieurement on döpöt des couches
de Gosau, le bord sud de la fenßtre a etö pousse vers le Nord et charrie
sur le Cretace , en se renversant partiellement , sur les terrains de la
fenßtre, si bien que le Jurassique du flanc inverse est venu reposer directe-
ment sur divers termes de la Serie triasique.
4 J. v. Pia: Geologische Studien im Höllengebirge und seinen nörd-
lichen Vorlagen. Jahrb. der geol. Reichsanstalt. Wien 1912. p. 557 — 612.
6 Das Profil ist zwischen Eibenberg und Schärfling sehr stark schiel
aufs Streichen geführt und läßt daher das kuppelförmige Abfallen der
Schichten gegen den Mondsee weniger deutlich erkennen.
278
H. Ändert,
Inoceramus inconetans Woode und verwandte Arten.
Von Hermann Ändert, Ebersbach i. S.
Mit 2 Textfiguren.
Eine von Herrn Dr. Seemann in Aussig mir freundlichst zur
Bearbeitung überlassene Kollektion von Inoceramen aus den Kalk-
mergeln von Leitmeritz und Teplitz im böhmischen Mittelgebirge
sowie anderes reiches Material von Originalen oder deren getreuen
Abgüssen, das mir zur Beui’teilung vorlag, geben mir Veranlassung,
die von Woods aufgestellte Formengruppe des Inoceramus inconstans 1
näher ins Auge zu fassen. Zum größten Teil kann ich mich in
meiner hier vertretenen Auffassung auf authentisches Material
stützen und nicht nur auf Abbildungen, bei denen selbst gute irre
führen können.
Bereits in der Festschrift des Humboldtvereins zu Ebersbach
vom Jahre 1911 2 3 habe ich mehrere dieser Gruppe zuzurechnende
Arten eingehend behandelt und u. a. daselbst p. 44/45 erwähnt,
daß die in der böhmischen Kreide aus den Priesener und noch
tieferen Schichten zu I. Cuvieri gestellten Exemplare meist sehr platt
gedrückt sind, an denen einer der Hauptcharaktere der Art, das
Dickenwachstum, nicht nachgewiesen werden kann, und daß wohl
ein großer Teil dieser Stücke als I. latus Mantell wird angesprochen
werden müssen.
Währenddessen ist der zweite Teil der Monographie von
Woods 3 über die englischen Inoceramen erschienen und hat die
lang ersehnte Aufklärung über die bisher so zweifelhaften alten
englischen Originale gebracht. Nur wird die Durchführung einiger
von dem Autor angewendeter Sammelnamen, die erst künftig wieder
in Varietäten gespalten werden sollen4, für die deutschen Ver-
hältnisse auf große Schwierigkeiten stoßen. Die Stratigraphie der
oberen deutschen Kreide stützt sich zu einem guten Teil auf das
Auftreten oder Fehlen bestimmter Inoceramenformen. Deshalb er-
scheint es dringend geboten, die Inoceramen, soweit sie charakteri-
stische Unterscheidungsmerkmale besitzen, aus diesen Kollektiv-
namen herauszulösen. Die Fassung des Begriffes als Art oder als
Varietät ist bei der vorliegenden Gattung, da die Unterschiede oft
nur durch die äußere Form bedingt sind und der Schloßapparat
selten vollständig bekannt ist, wenig von Bedeutung. Die vor-
handenen Bezeichnungen möchten jedoch, da sie mit der Strati-
graphie eng verknüpft sind, möglichst gewahrt bleiben.
1 Woods, A Monograph of the cretaceous Lamellibranchia of England.
2. Palaeont. Soc. 1912 p. 285.
a Andekt, Die Inoceramen des Kreibitz-Zittauer Sandsteingebirges.
Sonderabdruck bei Max Weg in Leipzig in Kommission.
3 Woods, a. a. 0.
1 Woods, a. a. 0. p. 288.
Inoceramus inconstans Woods und verwandte Arten.
279
Ein großer Teil der herrschenden Verwirrung in den Inoceramen-
bezeiclinungen ist den alten englischen Antoren zuzuschreiben, deren
Abbildungen, zum Teil von minderwertigen Originalen, zur sicheren
Wiedererkennung ziemlich unbrauchbar sind, und die gegenseitig
durch Trennung gleicher bezw. Zusammenlegung verschiedener Arten
von Anfang an große Unstimmigkeiten in die Literatur hinein-
g;etragen haben. Eine Nachprüfung der Originale ist in dieser
langen Zeit nicht erfolgt. Unsere deutschen Autoren mußten bei dem
Versuch, ihre einheimischen Formen, die zudem sehr oft in mangel-
haftem Erhaltungszustände waren, mit den englischen zu identi-
fizieren, unter diesen Umständen zu einer Menge Fehlschlüsse ge-
langen. Trotzdem habe ich in den von mir besuchten deutschen
Sammlungen eine ziemlich einheitliche Auffassung der wichtigsten
Formen des Turon gefunden, so daß, wenn man die verschiedenen
Deutungen in der früheren Literatur nicht berücksichtigt, die gegen-
wärtige Lage für unsere Leitfossilien aus der Inoceramengruppe
durchaus nicht so trostlos ist, als wie man nach den weitaus-
greifenden Zusammenlegungen von Woods wieder annehmen sollte.
Im Emscher und Senon liegt die Angelegenheit in Rücksicht auf die
größere Zahl der noch wenig bekannten Formen nicht so günstig,
nach meinen Erfahrungen wird aber auch hier Klarheit hinein-
zubringen sein. Bei der Eigenart der Gattung wird jedoch kaum,
wenn man nicht große Formeukreise zusammenfassen will, wodurch
jeder stratigraphische Wert unnütz verloren gehen würde, die
Klärung soweit durchzuführen sein, daß der zufällig vor die Be-
stimmung einiger mangelhaft erhaltener Stücke Gestellte ohne viel
Mühe das Richtige herausfindet.
Durch Überlassung von Originalen, Gipsabgüssen und sonstigem
Material aus den ihnen unterstellten Sammlungen sowie durch wert-
volle Mitteilungen fühle ich mich zu Dank verpflichtet den Herren
Dr. A. Smith Woodwakd und Bullen Newton am British Museum
in London, Herrn Professor Dr. J. Böhm, Kustos an der König-
lichen Geologischen Landesanstalt in Berlin , Herrn Professor
Dr. Hibsgh in Tetschen, Herrn Dr. Seemann in Aussig und Herrn
Dr. Wanderer in Dresden.
I. Lamarcki und I. Cuvieri sind bereits von Herrn Professor
Böhm 1 einer kritischen Bearbeitung unterzogen worden. Nach dem
mir ebenfalls von Herrn Dr. A. Smith Woodward freundlichst über-
lassenen Gipsabguß möchte ich jedoch die Längsfurche am Original
des 1. Lamarcki Park.1 2 als ein morphologisches Merkmal der Art
ansehen. Die Schale ist lediglich zwischen der höchsten Rücken-
wölbung und dem Vorderrande zerdrückt; die hintere Partie, in
1 J. Böhm, I. Lamarcki auct. und I. Cuvieri auct. Zeitschrift der
deutschen geol. Ges. 64. 1912. Monatsbericht No. 7. p. 399.
1 Woods, a. a. 0. p. 312. Textfig. 63; J. Böhm, a. a. 0. p. 401.
280
H. Ändert,'
der auch die Längsfurche gelegen ist, erscheint nach dem Gips-
abguß vollständig unbeschädigt. Auch ist die Form ganz besonders
schlank und der Flügel vom Rücken sehr tief abgesetzt. Das
Exemplar dürfte wohl in die Nähe des I. percostatus G. Müller1
gehören, mit dem auch die von Woods angegebene Fundzone un-
gefähr übereinstimmen würde. Auch das Original des I. Brongniarti
Mantell2, von dem mir ebenfalls ein Gipsabguß zur Verfügung
steht, ist verschieden von den Formen der sogenannten Brongniarti-
Stufe, wie sie von Woods in Textfig. 65 und 67 auf p. 313 dar-
gestellt werden. Die engen, mehr scharfkantigen, auf dem Flügel
sich gegen den Wirbel hin biegenden Rippen und Falten, sowie
der kurze, vom Rücken nicht abgesetzte Flügel geben der Muschel
ein ganz anderes Gepräge. Woods stellt sie zu der Varietät
Websteri 3, die von dem mittelturonen I. Lamarclti entschieden zu
trennen ist. Wenn er auch p. 318 Übergangsformen erwähnt, so
ändert das wenig an meiner Ansicht, denn Taf. 53 Fig. 2 bei
Woods, von dem mir ein Gipsabguß vorliegt, und vielleicht auch
Fig. 1 auf dieser Tafel sind mit Textfig. 72 und 68 kaum identisch.
Ähnlichkeit besitzt auch I. Glatziac Flegel4 aus dem Emscher.
Solange man so zweifelhafte Formen, wie besonders die hier zuerst
angeführte, als Originale zu behandeln gezwungen ist, wird eine
sichere Grundlage für die Inoceramen nie erreicht werden. Es
erscheint mir für die Praxis viel richtiger, bei den ohnedies
schwierigen Verhältnissen der Inoceramen derartige Originalstücke
bei ferneren Arbeiten unberücksichtigt zu lassen und das eine
oder andere gut ausgebildete Stück späterer Autoren, wenn ein
solches vorhanden ist, als maßgebendes Original festzulegen.
I. Cuvicri Sturm 5 = I. Sturmi Ändert 6, der von Woods eben-
falls der Lamarcki-Gnvppe zugeteilt wird, besitzt die gleiche Flügel-
ausbildung wie Woods Textüg. 68 und ist von I. Lamarcki zu
trennen. I. Koegleri Ändert 7 gehört hingegen wohl der Gruppe
an, bewahrt aber durch seine steil abgestutzte Vorderseite, deren
kantiges Umbiegen zur Rückenwölbung und die scharfen konzen-
trischen Rippen seine Sonderstellung als Art.
Ein weiteres Eingehen auf den I. Lamarcki muß hier unter-
bleiben, jedoch dürfte die Benützung der Synonymenliste bei Woods
in jedem Falle mit Vorsicht zu geschehen haben. Nur durch
1 G. Müller, Beitrag zur Kenntnis der oberen Kreide am nördlichen
Harzrande. Jahrb. d. Kgl. preuß. geol. L.-A. 1887. Taf. 17 Fig. 3a — c. p. 413.
3 Woons, a. a. 0. p. 314. Textfig. 68.
8 Wooes, a. a. 0. p. 315. Textfig. 72.
4 Ändert, a. a. 0., Taf. 1 Fig. 3.
5 Woods, a. a. 0. p. 310; Stürm, Der Sandstein von Kießlingswalde usw.
Jahrb. d. Kgl. preuß. geol. L.-A. 1900. 21. p. 92. Taf. 10 Fig. 1.
6 Ändert, a. a. 0. p. 58.
7 Ändert, a. a. 0. p. 57. Taf. 1 Fig. 6, Taf. 5 Fig. 6, Taf. 7 Fig. 4 :
Woods, a. a. 0. p. 310.
Inoceramus inconstans Woods und verwandte Arten.
281
Heranziehung der Originalstücke ist es bei dem Chaos in der
Inoceramensystematik möglich, mit annehmbarer Sicherheit die Zu-
sammengehörigkeit der Formen festzustellen. Trotzdem sind auch
dann noch, da die Exemplare selten normal oder vollständig er-
halten sind, Irrtümer nicht ausgeschlossen1.
Unter I. inconstans Woods 2 vereinigt der Autor ebenfalls eine
Gruppe von Inoceramen mit sehr charakteristischen gegenseitigen
Unterscheidungsmerkmalen. Der Charakter der Gruppe tritt beson-
ders in dem schwach gewölbten oder fast flachen Wachstum der
Schale in der Jugend und einem hierzu mehr oder weniger senk-
rechten Umbiegen derselben nach innen in der späteren Wachstums-
periode hervor. Hierdurch erhalten die Exemplare ein aufgeblähtes
Aussehen. Der erste Teil der Muschel ist gewöhnlich annähernd
regelmäßig mit An wachsstreifen, Rippen oder Falten versehen, die
nach dem Umbiegen der Schale nach innen im allgemeinen sehr
unregelmäßig und verschieden vom früheren Wachstum aufzutreten
pflegen. Länge und Höhe sind annähernd gleich, es kann aber
auch erstere ganz bedeutend überwiegen. Sehr selten sind Exem-
plare, bei denen die Höhe die Länge in geringem Maße übertrifft.
Die Schalen sind nur wenig ungleichklappig, die Wirbel klein,
wenig hervortretend und nur schwach gebogen. Ein hinteres Ohr
(Flügel) ist meist vorhanden.
Die Formen ans der Zone des Actinocamax quadratus, wie sie
in den Textfig. 47. 48, 49 und 50, sowie auf Taf. 51 Fig. 3
und 4 und Taf. 52 Fig. 2 und 3 bei Woods dargestellt sind,
sollen, da weiteres Vergleichsmaterial nicht zur Verfügung steht,
hier unberücksichtigt bleiben. Sie unterscheiden sich aber auch
vom allgemeinen Charakter der Formengruppe teils durch mehr
dickglobige Wölbung der gesamten Schale, teils durch Andeutung
einer flachen Furche auf der hinteren Schalenhälfte oder auch durch
Verlängerung des Schloßrandes über den Wirbel hinaus nach vorn.
Die von Woods gezeichnete Entwicklung dieser Formen aus den
hier behandelten soll hierdurch jedoch keinen Widerspruch erfahren.
Nach dieser Abtrennung lassen sich folgende Arten unter-
scheiden :
Inoceramus inconstans Woods
„ inconstans var. planus Elbert
„ ScMoenbachi J. Böhm
„ Scldoenbachi var. cripsioides Elbert
„ crassus Petrascheck
, Weisei Ändert
„ Waltersdorf ensis Ändert
„ balticus J. Böhm.
1 Vergl. auch Hennig, Zur Inoceramenfrage. Zeitschr. d. deutschen
geoL Ges. 1912. Monatsber. No. 11. p. 527/528.
* Woods, a. a. 0. p. 285.
282
H. Ändert,
1. Inoceramus inconstans Woods.
Zu I. inconstans Woods ziehe ich die Formen aus der Zone
des Holaster planus, wie sie von Woods (a. a. 0.) in Textfig. 39,
42, 43 und 46, auf Taf. 51 Fig. 2 und Taf. 52 Fig. 1 dargestellt
sind. Das Exemplar Taf. 51 Fig. 1, das als fraglich aus der Zone
der Terebratulina lata aufgeführt, wird, gehört ebenfalls unzweifel-
haft hierher, wie mir eine von Herrn Bullen Newton übersandte
Photographie der Vorderansicht bezeugt.
Die Art ist durch die dem kreisförmig abgerundeten Fünfeck
sich nähernde Form, die deutlichen Anwachsstreifen und flach-
welligen Falten im .Jugendstadium gekennzeichnet. Die Falten
sind zuweilen sehr schwach und nähern sich dann der Form Taf. 52
Fig. 1 bei Woods, die von ihm als Inoceramus inconstans var. striatus
unterschieden wird. Nach dem mir vorliegenden Material halte ich
jedoch eine Trennung für undurchführbar. Hingegen dürfte das
Exemplar Taf. 51 Fig. 5, das ebenfalls als I. inconstans var. striatus
bezeichnet ist , auf Grund seiner Flügelausbildung (kein Flügel
oder scharf abgesetzt?) eine Sonderstellung einnehmen. Von diesem
Stück liegt mir ein Gipsabguß vor. Im späteren Wachstum zeigt
die Schale des I. inconstans gewöhnlich unregelmäßige Falten, die
aber auch ganz verschwinden können. Der Flügel ist nicht scharf
abgesetzt. In dieser Art lassen sich Übergangsformen vom flachen
I. labiatus var. latus Sowerby zu der Gruppe mit einem späteren
Wachstum mehr oder weniger senkrecht zum früheren verfolgen.
I. latus Mantell ist nach Woods 1 und wie ich auch an dem
von Herrn Professor Böhm mir gütigst zur Verfügung gestellten
Gipsabguß des englischen Originales ersehen konnte, eine Form der
Gruppe des I. Lamarcki Park., deren Flügel abgebrochen ist und
die mit dem, was bisher in der deutschen Kreideliteratur als I. latus
geführt worden ist, nichts gemein hat. Von Böhm 2 wird die Auf-
rechterhaltung der Art befürwortet.
I. latus Sowerby, von Woods als I. labiatus var. latus Sow.
bezeichnet1 2 3, ist schwach gewölbt. Besonders die Partien des
unteren Randes sind sehr flach gegenüber dem mehr oder weniger
stark gewölbten und nach innen gebogenen Unterrande des 1. in-
constans. Nach den Abbildungen bei Woods ist man versucht, die
als I. latus bezw. I. Cuvieri aus der böhmischen Kreide bisher
gedeuteten Formen zu I. labiatus var. latus Sow. zu stellen. Auch
die für die Bearbeitung von Blatt Leitmeritz der Karte des böh-
mischen Mittelgebirges von Herrn Dr. Seemann mir freundlichst
überlassenen Inoceramen sind von mir als I. latus Sow. bestimmt
1 Woods, a. a. 0. Textfig. 76.
2 J. Böhm, a. a. 0. p. 403.
3 Woods, a. a. 0. p. 284. Textfig. 38 und 40. Fig. 41 könnte vielleicht
auch noch zu Inoceramus inconstans gehören.
Inoceramus inconstans Woods und verwandte Arten.
283
worden. Seitdem erhielt ich aber durch Herrn Bullen Newton
eine Photographie der Vorderansicht des Originals von Textfig. 38
bei Woods, an dem der Unterschied gut ersichtlich ist. Ferner
teilte er mir mit, daß das kalkige Muttergestein normalen Charakter
besitzt, sodaß eine Verdrückung der Exemplare ausgeschlossen ist.
Leider sind die Originale sonst nicht besonders gut erhalten.
Da nun beide Formen, I. läbiatus var. latus Sow. und I. in-
constans Woods, in England der Zone des Holaster planus an-
gehören, müssen wir bei uns mit demselben Auftreten rechnen.
Für die in den Priesener Tonen und Mergeln zusammengedrückten
Inoceramen wird deshalb auch eine genaue Bestimmung schwierig
werden, ja oft unmöglich sein. Wie später noch ausgeführt werden
soll, scheint Inoceramus labiatus var. latus Sow. mehr den unteren
Lagen anzugehören. Daran schließen sich Formen des I incon-
stans Woods, an denen das Umbiegen der Schale im späteren
Wachstum nur gering ist. Zu diesen gehören fast sämtliche
Stücke aus dem Gebiet von Leitmeritz im böhmischen Mittelgebirge,
wie sie mir SO. von Kamaik, Tattermann, Trnovan, Dreihäuseln.
Lopata, Biela, Mirschowitz, Vysoka, Heidenstern und auch einige
von Hundorf bei Teplitz vorliegen, und z. T. im Besitze des Stadt-
museums zu Aussig, zum anderen in dem der k. k. böhmischen
landwirtschaftlichen Akademie zu Tetschen-Liebwerd sind. Sie
vereinigen sich alle in die Form, wie sie bei Woods Textfig. 39
dargestellt ist und die wohl allgemein für die oberste Scaphiten-
zone1 in Sachsen und Böhmen als charakteristisch gelten kann.
Die Übereinstimmung besteht besonders in dem stumpfen Winkel,
den die spätere Waclistumsrichtung gegenüber der früheren bildet,
wodurch sich diese Formen sehr dem I. labiatus var. latus Sow.
nähern.
Hieran schließen sich die Stücke, die von mir unter I. latus
Mantell2 von Kreibitz aufgeführt sind. Sie scheinen alle eine
Scheidung zwischen früherem und späterem Wachstum zu besitzen
oder vor der Deformierung besessen zu haben, was mir durch das
gegenwärtige Material von Leitmeritz und Teplitz wahrscheinlich
geworden ist. Nahe treten einige aber auch dem I. labiatus var.
latus Sow. Die zwei aus 480 m Höhe im Kreibitzer Tale auf-
geführten, dem Emscher angehörenden Stücke sind, da mangelhaft
erhalten, unsicher. Bei den an dieser Stelle weiter zitierten Exem-
plaren, die nicht aus dem Kreibitzer Gebiet stammen, muß es vor-
läufig offen bleiben, ob sie zu I. inconstans oder zu I. labiatus
var. latus gehören.
Gelegentlich einer Ende 1911 in Niederkreibitz bei Herrn
F abrikbesitzer Fritsclie vorgenommenen Brunnengrabung erbeutete ich
1 In der Auffassung wie bei Ändert, a. a. 0. p. 42. Fußnote 3.
’ Ändert, a. a. 0. p. 43. Taf. 4 Fig. 4.
284
H. Ändert, Inoceramus inconstans Woods etc.
in 325 m Höhenlage unter anderen Fossilien auch einige Inoceramen,
die sich, obwohl sie dem I. inconstans Woods noch zuzureclmen
sind, im allgemeinen sehr dem I. labiatus var. latus Sow. nähern.
Der tiefste Fundort im Kreibitzer Tale, der mir bis dahin Ino-
ceramen geliefert hatte, liegt in 352 m Höhe (2 Stück), die anderen
Exemplare stammen aus ca. 390 m Höhe. Sie müssen alle als
I. inconstans Woods bezeichnet werden. Nach diesem Auftreten
scheint sich sonach die von Woods angenommene Abstammung des
I. inconstans Woods von I. labiatus var. latus Sow. zu bestätigen1 2.
Weiter gehört zu I. inconstans Woods das eine der Exem-
plare, die von mir zu I. Cuvieri var. planus Münster 2 gezogen
worden sind. Die daselbst von Salder und Liebenburg mit dem
genannten identifizierten Stücke sind auch hierher zu stellen. Die
Vermutung von Woods 3, daß das Kreibitzer Exemplar ein Zwischen-
glied zwischen I. labiatus und I. labiatus var. latus darstellen
könne, ist irrtümlich, denn dieses Stück besitzt im späteren Wachs-
tumsstadium eine ausgeprägte Umbiegung der Schale nach innen.
Schließlich liegt mir die Art in einem schönen Gipsabguß der
geologischen Landesanstalt Berlin von Salder vor. Er stellt sie
in ihrer vollkommensten Ausbildung mit vollständig rechtwinkeligem
Umbiegen des späteren Schalenteiles zum früheren Wachstum dar.
Der umgebogene Schalenteil zeigt keine Falten, sondern nur kräftige
An wachsstreifen. Das Exemplar besitzt Größe und Form von
Taf. 51 Fig. 2 bei Woods, jedoch erreicht das umgebogene Schalen-
stück einer Klappe die Höhe von 3 cm. Bei reichlicliex'em Material
von dieser Form wäre es vielleicht möglich, sie von den Leit-
meritz-Kreibitzer Stücken und den diesen sonst entsprechenden
abzutrennen.
Die Art ist charakteristisch für die obere Scaphitenzone in
der erwähnten Auffassung, sie steigt aber auch in den schärfer
charakterisierten Formen wie die zuletzt aufgeführte in die Zone
des I. Schloenbachi hinauf. Das Auftreten im unteren Emscher
ist unsicher, aber nach den Funden nicht ausgeschlossen.
Nach unserer gegenwärtigen Kenntnis und bei dem meist
mangelhaften Erhaltungszustände der Stücke bleibt es sehr schwierig,
die Unterscheidung zwischen I. labiatus var. latus Sow. und I. incon-
stans Woods zu treffen.
. 2. Inoceramus inconstans var. planus Elbkrt.
Diese Varietät könnte ebensowohl als selbständige Art be-
zeichnet werden. In meiner mehrfach zitierten Arbeit4 ist sie als
1 Woods, The evolution of Inoceramus in the cretaceous period.
Quart. Journ. Geol. Soc. 68. 1912, February. p. 16.
2 Ändert, a. a. 0. p. 45 z. T., Taf. 1 Fig. 5.
3 Woods, Monograph, a. a. 0. p. 288. Anmerkung 1.
4 Ändert, a. a. O. p. 45 z. T., Taf. 1 Fig. 2, Taf. 7 Fig. 8.
Besprechungen.
285
I. Cuvieri var. planus Münster (Elbert)1 aufgeführt. Hiervon
sind jedoch das daselbst Taf. 1 Fig. 5 dargestellte Exemplar und
die beiden mit diesem identifizierten Stücke von Salder und Lieben-
burg abzutrennen und wie vorstehend bemerkt, dem I. inconstans
Wooos zuzurechnen. Der Varietätsname erscheint mit Rücksicht
auf die bisherige Bearbeitung empfehlenswerter, wenn auch die
regelmäßige, genähert bis enge, kräftige Berippung im ersten
Wachstumsstadium die Form sehr charakteristisch hervorhebt.
Im Umriß gleicht die Varietät wie I. inconstans Woods einem
dem Kreis genäherten Fünfeck. Nach der Umbiegung zeigt die
Schale im späteren Wachstum nur einige unregelmäßige schwache
Falten. Ein Flügel fehlt vollständig (Steinkerne), oder, wenn das
eine Exemplar von Leitmeritz 2, das an der Flügelpartie ein Stück
dicker Schale aufweist, zu dieser Art zu rechnen ist, es ist ein
sehr schmaler Flügel vorhanden.
I. inconstans Woods Textfig. 44 3 ist, wenn nicht etwa bloß
ein Bruchstück eines viel größeren Exemplars, auch hierher zu
stellen. Der von Woods p. 288 erwähnte Unterschied betreffs
Wachstumsachse und Schloßlinie erscheint mir unwesentlich, da
an meinen Steinkernen die Stellung der Achse zur Schloßlinie
nicht sicher nachzuweisen ist und auch bei dem Original von
Woods die Partie gegen den Schloßrand beschädigt zu sein scheint.
Ich halte die von mir angenommene Stellung, die auch dem Leit-
meritzer Stück entsprechen würde, für richtiger.
Die von mir zu der Varietät gestellten Exemplare stammen
aus der Zone des I. Schloenbachi von Kreibitz und dem unweit
davon gelegenen Nassendorf in Nordböhmen. Ferner befinden sich
an der geologischen Landesanstalt Berlin Stücke dieser Varietät
aus dem Bahneinschnitt östlich von Burgdorf bei Börßum und vom
Windmühlenberge bei Salzgitter aus der gleichen Zone. Da das
von Woods dargestellte Exemplar unsicherer Herkunft ist und nur
mutmaßlich der Zone des Micraster cor-anguinum zugerechnet wird,
kann bis auf weiteres als Lager dieser Varietät die Zone des
Inoceratnus Schloenbachi angesehen werden. (Schluß folgt.)
Besprechungen.
Ernst Cohen: Jacobus Henricus van’t Hoff. Sein Leben
und Wirken. (Leipzig, Akademische Verlagsgesellschaft m. b. H.
1912. 638 p. Mit 2 Gravüren und 90 Abbildungen im Text.)
(Vergl. auch das nächstfolgende Referat.)
1 Elbert, Das untere Angoumien in den Osningbergketten des Teuto-
burger Waldes. Verh. d. preuß. Rheinlande. 38. p. 112.
2 Im Stadtmuseum zu Aussig.
3 Woons, Monograph, a. a. 0. p. 287.
286
Besprechungen.
Obwohl van’t Hoff nicht Mineraloge von Fach war, hat er
doch die Mineralogie in mehr als einer Hinsicht so wesentlich
gefördert, daß auch von diesem Gesichtspunkt aus sein zu früher
Hingang als ein herber Verlust für die Wissenschaft empfunden
werden muß. Vor allem durch die Untersuchung der ozeanischen
Steinsalzablagerungen mit ihren Abraumsalzen und durch die
mustergültige und vorbildliche Anwendung seiner eigentlichen
Wissenschaft, der physikalischen Chemie, auf dieses wichtige Pro-
blem hat er der mineralogischen Wissenschaft neue Wege gewiesen,
deren konsequente Verfolgung zu den bedeutungsvollsten Ergebnissen
geführt hat und noch weiter führen wird. Sein Leben und sein
Wirken ist in dem vorliegenden Buche von einem seiner Freunde
und Fachgenossen nach der rein menschlichen, wie nach der wissen-
schaftlichen Seite sehr anziehend geschildert, so daß niemand es
unbefriedigt aus der Hand legen wird. Es enthält zwei Bildnisse
des Verstorbenen in Gravüre und in den Textfiguren außer einigen
.Jugendbildnissen die Portraits aller der Gelehrten, die mit ihm in
irgendwelcher Beziehung gestanden haben , die Örtlichkeiten , in
denen er gelebt und gewirkt hat und manches andere. Dem be-
rühmten Toten ist hier ein seiner würdiges Denkmal gesetzt worden.
Max Bauer.
J. H. van’t Hoff: Untersuchungen über die Bildungs-
verhältnisse der ozeanischen Salzablagerungen, ins-
besondere des Staßfurter Salzlagers. Herausgegeben
von H. Precht (Neustaßfurt) und Ernst Cohen (Utrecht). Leipzig,
Akademische Verlagsgesellschaft m. b. H. 1912. XX u. 374 p.
Mit 8 Tafeln und 39 Textfiguren.
Der stattliche, gut ausgestattete Band enthält einen Wieder-
abdruck der bekannten 52 Abhandlungen, die van’t Hoff und
seine Mitarbeiter, von denen vor allen der leider zu früh ver-
storbene W. Meyerhoffer zu nennen ist, verfaßt haben, um die
Bildungsverhältnisse der ozeanischen Salzablagerungen aufzuklären.
Bis zu welchem Grade dies gelungen ist, braucht hier nicht weiter
auseinandergesetzt zu werden, jeder der sich mit Mineralogie und
Geologie beschäftigt, muß davon eingehend Notiz nehmen. Detail-
schilderungen sind hier um so weniger erforderlich, als dies. Jahr-
buch über den Gang dieser wichtigen Untersuchungen von Anfang-
an bis zum Schluß (1897 — 1908) fortlaufend durch Referate Be-
richt erstattet hat (1898. II. -380- und folgende Bände). Heraus-
geber und Verleger haben sich durch ihr Werk ein großes Ver-
dienst erworben, da die Sitzungsberichte der Berliner Akademie,
in denen die hierhergehörigen und hier wiedergegebenen Arbeiten
erschienen sind, immerhin nicht zu den überall vorhandenen und
jedem leicht zugänglichen Zeitschriften gehören und da die zu-
sammenfassende Darstellung von van’t Hoff : Zur Bildung der
Besprechungen.
287
ozeanischen Salzablagerungen (1. Heft 1905. 2. Heft 1909) doch
die Originale nicht vollständig ersetzen können. Es wird auf diese
Weise auch leichter sein, das von van’t Hoff begonnene Werk
fortsusetzen und zu vervollständigen und die noch vorhandenen
Lücken auszufüllen. Zu diesem Zweck hat sich im Dezember 1905
ein Verband zur wissenschaftlichen Erforschung der deutschen
Kalisalzlagerstätten gebildet, an dessen Gründung (in Verbindung
mit H. Precht und F. Rinne) auch van’t Hoff selbst noch teil-
genommen und über dessen Ziele und Absichten er selbst noch
zwei Berichte veröffentlicht hat. Auf die Veranlassung dieses
Verbands, der sich schon in der verdienstvollsten Weise durch
zahlreiche wichtige Untersuchungen betätigte, hat Prof. A. Gutbier,
jetzt in Stuttgart, es übernommen, mit Hilfe von Assistenten die
van’t HoFF’schen Arbeiten fortzuführen. Dem Abdruck der letzteren
ist außer einem kurzen Vorwort die Gedächtnisrede von Emil
Fischer auf van’t Hoff vorangesetzt, so daß der Leser in Stand
gesetzt ist, sich auch über die sonstige wissenschaftliche Tätigkeit
unseres berühmten Forschers in ausgezeichneter Weise zu unter-
richten. Vielleicht wäre es bei einer weiteren Auflage nicht un-
zweckmäßig, für jeden einzelnen der abgedruckten Aufsätze genau
anzugeben, wo er in den Berliner Sitzungsberichten zu finden ist,
auch ein alphabetisches Register wäre sehr wünschenswert. Ebenso
könnten vielleicht noch einige anderwärts erschienene einschlägige
Arbeiten van’t Hoff’s zur Ergänzung mit abgedruckt werden
(siehe auch das vorhergehende Referat). Max Bauer.
Detlev Lienau: Die Entstehung der Ackerböden, er-
läutert an den geologisch-agronomischen Verhält-
nissen in der Provinz Sachsen, im Herzogtum Anhalt
und in den Thüringischen Staaten. Halle a. S. bei Ludw.
Hofstetter, 1912. 223 p. Mit 5 Textfig., 3 farbigen Karten und
einer Übersichtstabelle.
Verf., Abteilungs Vorsteher an der Laudwirtschaftskammer für
die Provinz Sachsen, will in diesem in erster Linie für Landwirte
bestimmten Buche eine allgemeine, auch für Leser ohne eingehendere
geologische Kenntnisse verständliche Bodenkunde auf geologischer
Grundlage schaffen, da das Grenzgebiet zwischen Geologie und
Bodenkunde in den Büchern beider Wissenschaften stets stark ver-
nachlässigt wird. Die Darstellung des Stoffs geschieht in Form
einer kurzen erläuternden Übersicht. Er ist in folgender Weise
eingeteilt: 1. Wechselbeziehung zwischen Gestein, Boden und Lebe-
wesen. 2. Entstellung und Beschaffenheit der bodenbildenden Mutter-
gesteine. 3. Geologische Geschichte der Provinz Sachsen, des
Herzogtums Anhalt und der Thüringischen Staaten. 4. Die Boden-
bildung. 5. Die geologisch-agronomische Kartierung und ihre Be-
288
Besprechungen. — Berichtigung. — Personalia.
deutung für den Landbau. In einem zahlreiche Anmerkungen zum
Text enthaltenden Anhang wird u. a. auch die wichtigste ein-
schlägige Literatur angeführt, für Leser, die sich auf der Grund-
lage des Buchs weiter bilden wollen. Die drei Karten geben eine
geologische Übersicht über das im Titel genannte Gebiet und eine
Verteilung der Bodenarten auf demselben, beidemal im Maßstab
1 : 1 OOO 000, sowie eine Darstellung der geognostisch-agronomischen
Verhältnisse der Gegend nördlich von Tangermünde im Maßstab
1 : 25 000 nach der Aufnahme der geologischen Landesanstalt in
Berlin. Auf der Übersichtstabelle sind die geologischen Formationen,
ihre Verbreitung und das Klima der einzelnen Perioden, die in
den verschiedenen Perioden gebildeten Gesteine und deren Ver-
breitung in dem hier behandelten Gebiet, sowie die aus den ver-
schiedenen Gesteinen entstandenen Hauptbodenarten übersichtlich
zusammengestellt. Max Bauer.
R. Brauns: Mineralogie. 4. Aufl. Sammlung Göschen.
1911. 142 p. Mit 132 Textfiguren.
Die weit verbreitete, zuerst 1894 erschienene kleine Mineralogie
von R. Brauns ist jetzt in um einige Seiten erweiterter, vierter
Auflage mit derselben Figurenzahl herausgekommen. (3. Aufl.
vergl. dies. Centralbl. 1905. p. 281.) Diese neue Auflage ist in
vielen Punkten nach den neuesten Anschauungen berichtigt und
ergänzt. Im allgemeinen Teil sind die Abschnitte über Anwachs-
pyramiden, Schichtenbau und Ätzfiguren neu hinzngekommen. Unter
den Mineralien wird jetzt auch das wegen seines Radiumgehalts
wichtige Uranpecherz erwähnt und die künstliche Darstellung des
Rubins usw. besprochen, sowie bei vielen Mineralien neue wichtige
Fundorte beigefügt. Auch in dieser neuen Form wird das Büchlein
viele Freunde finden. Max Bauer.
Berichtigung.
In dem Aufsatze von K. Walther „Über ein Vorkommen von
Epidotadinole und gefritteten Sandsteinen aus dem Süden der Re-
publik Uruguay“ (dies. Centralbl. 1913. p. 68) wurden die beiden
Abbildungen unrichtig gestellt, ein Versehen, das schon aus dem
Text (p. 76) hervorgeht. Die Figuren sind 90 Grad um ihren
Mittelpunkt nach rechts zu drehen.
Personalia.
Habilitiert für Mineralogie an der tschechischen Univer-
sität in Prag Dr. Boh. Jezek, Assistent des Min. Institutes der
Universität und Adjunkt der Min.-Petrographischen Abteilung dep
Museums für das Königreich Böhmen. — An derselben Universität
wurde der bisherige Titularprofessor Dr. F. Slavik zum wirklichen
außerordentlichen Professor für Mineralogie ernannt.
Georg Böhm f.
289
Original-Mitteilungen an die Redaktion,
Georg Böhm, f
Ganz unerwartet erlag am 18. März mein lieber Freund und
Kollege Professor Dr. Georg Böhm einer akuten Gehirnentzündung,
als er gerade im Begriff war, für eine Ferienreise in die Schweiz
sich zu rüsten. Wiederum ist ein Wirken vorzeitig zu Ende
gegangen und so mancherlei nicht abgeschlossen, was zu der
Lebensarbeit des Verstorbenen gehört hätte.
Georg Böhm wurde am 21. Dezember 1854 in Frankfurt a. 0.
geboren, ist also nur etwas über 58 Jahre alt geworden. Er
studierte in Berlin, Straßburg und Göttingen und promovierte 187 7
mit einer Dissertation über die Geologie der Hilsmulde in Göttingen
unter Prof. Seebach. In Straßburg gehörte er zu der ersten
Gruppe von Geologen und Paläontologen, die am Ende der sieben-
ziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die Blüte der BENECKE’sclien
Schule bezeichnen. Er wandte sich aber bald nach München und
blieb dort bis 1885, von Zittel und von einem großen, mannig-
fach zusammengesetzten Freundeskreise festgehalten. Auch genügte
er dort seiner Militärpflicht im Artillerie-Regiment Prinz Luitpold,
zu dessen Reserveoffizieren er später zählte. Ein heiteres Leben
in den anregenden Münchener Künstlerkreisen erfüllte diese Jahre.
Aber gleichzeitig widmete sich Böhm, von Zittel veranlaßt, der
Beschreibung der Bivalven des Kelheimer Zhceras-Kalkes, einer
Monographie, (He 1879 in der Palaeontographica erschien. Diese
führte weiter zu einer zweiten ähnlichen Arbeit, einer Revision
der Stramberger Bivalven, welche mit vielen Tafeln in den Ab-
handlungen des Museums des Kgl. Bayer. Staates gedruckt wurde.
So bildete sich Böhm zu einem Spezialisten der fossilen Bivalven
aus, und es ist nicht zu verwundern, daß er, durch das Material
der Münchener Sammlung verlockt, sich ferner der Untersuchung
ähnlicher, nur schwierigerer Faunen, denen der Grauen Kalke in
Yenetien und der Südtiroler Oberkreide zuwandte. Zahlreiche
Aufsätze und Notizen befassen sich in dem nächsten Jahrzehnt
mit Durga, Pachymegalodon, Lilhiotis, Caprina, Coralliocliama , Bi-
hippurites etc., bis im 51. Bande der Palaeontographica in der Be-
arbeitung der Faunen von Col dei Schiosi und von Calloneghe
gewissermaßen der Abschluß dieser Untersuchungen erfolgte.
Inzwischen hatte er sich 1885 in Freiburg i. Br. habilitiert
und begann 1 886 gleichzeitig mit dem als Nachfolger von Prof.
Fischer berufenen Prof. G. Steinmann seine Lehrtätigkeit. Diese
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913. 19
290
Georg Böhm f.
erstreckte sich auf Paläontologie und einzelne Kapitel aus der
Geologie. Am Institutsunterricht nahm Böhm regen Anteil, vor
allem stellte er seine Sammlungen und seine Lehrmittel zur Ver-
fügung, was um so nötiger war, als in Freiburg damals für die
genannten Fächer nur sehr wenig Unterrichts- und Sammlungs-
material vorhanden war. Auf vielen Reisen ergänzte Böhm seine
Sammlungen und zugleich beschaffte er sich Vergleichsstücke für
seine eben erwähnten Tiroler Arbeiten. Er besuchte Frankreich,
England, reiste nach Sicilien, Algier, Spanien und fand bei einem
Besuche in der Ecole des Mines zu Paris seine Durga- Fauna in
Stücken aus dem Dept. de la Sarthe wieder. Es hat ihn sehr
gefreut, daß Herr Wanner in neuester Zeit diese bezeichnende
Fossilgruppe auch in Timor entdeckte.
Nachdem die Großh. Bad. Geologische Landesanstalt gegründet
war, widmete er sich als Mitarbeiter auch der geologischen Auf-
nahme, und zwar auf dem Blatte Kandern. Indessen lag ihm diese
Art der Arbeit nicht recht, er gab sie bald wieder auf; aber seine
Beobachtungen sind bei der nunmehr vollendeten Aufnahme des
Blattes durch Herrn Dr. Schnarrenberger verwertet worden.
Einige kleine Aufsätze über die Geologie seines Aufnahmegebietes,
über einige sehr schöne Opliiuren aus dem oberen Dogger von Vögis-
lieim, über Tapir-Fährten im Tertiär und über einen Strudelkessel
in den Beiiggeri-T onen von Kandern bezeichnen diesen Lebens-
abschnitt.
Juli 1890 hat er geheiratet; der Ehe sind zwei Söhne und
eine Tochter entsprossen, von denen der älteste frühzeitig starb.
Mit dem Jahre 1897 beginnt in seinem Leben ein neuer Abschnitt,
nämlich eine Folge außereuropäischer Reisen. Im Anschluß an
den Internationalen Geologenkongreß in Rußland besuchte er Trans-
kaspien und Turkestan zusammen mit Joh. Waltheu und entdeckte
dort mehrere Vorkommen von mariner Unterkreide. 1899 nahm
er auf 5 Semester Urlaub und reiste über Ägypten nach Indien,
vor allem nach Niederländisch-Indien und Neu-Seeland. Die ver-
einzelten Funde mesozoischer Fossilien, die Verbeek ihm zeigte,
veranlaßten ihn, diesen Vorkommen näher nachzugehen, und es
glückte ihm, auf den Sula-Inseln, auf Misöl und in Buru fast alle
Abteilungen des mittleren Mesozoicums teils direkt anstehend zu
beobachten, teils durch lose Versteinerungen nachzuweisen. Eine
Anzahl von Reisenotizen gaben 1900 und 1901 von seinen Ent-
deckungen und Forschungen den Fachgenosseu Kunde und riefen
große Ueberraschung hervor, weil man mesozoische marine Sedi-
mente in diesem Umfange im Molukkengebiete nicht erwartet hatte.
Er brachte sehr reichhaltige Sammlungen mit und hat einen Teil
derselben auf dem 9. Geologenkongreß zu Wien weiteren Kreisen
vorgeführt. Von 1903 bis zu seinem Tode widmete er sich nun
der gründlichen und sorgfältigen Durcharbeitung dieser paläonto-
Georg Böhm f.
291
logischen Ausbeute, von allen Seiten durch Vergleichsmaterial und
von seinem Freunde Wichmann in Utrecht durch viele neue Funde
aus den Nachbargebieten unterstützt. So entstanden die Mono-
graphien zur Geologie von Niederländiscli-Indien als Supplementband
zur Palaeontographica, und die Mitteilungen aus Indo-Australien
im Neuen Jahrbuch, die beide von Böhm mit einigen Fachgenossen
herausgegeben wurden. Er selbst beschrieb die Titlion- und Cal-
lovienfaunen der Sula-Inseln und von Misöl, beai’beitete ferner für
das große Sammelwerk „Nova Guinea“ die Ammoniten der Macro-
cephalus- und Sphaeroceras - Schichten , welche die holländische
Expedition auf jener Insel entdeckt hatte. Die Herren Kossmat,
John, Waxner, Richarz, Krumbeck, Sörgel, v. Seidlitz haben
unter redaktioneller Leitung von Böhm dann andere Vorkommen
und Gruppen beschrieben oder besprochen. Alle diese von ihm
verfaßten Monographien sind mit größter Sorgfalt gearbeitet ; be-
sonderer Wert ist auf eine mustergültige Darstellung auf den
Tafeln gelegt, wobei Böhm keine Mühe und keine Kosten scheute,
bis diese seinen hochgestellten Ansprüchen genügten. Leider hat
ihm der Tod die Feder aus der Hand genommen; denn die letzte
Monographie über den Dogger der Molukken hat er nicht fertig
machen können und somit sein Lebenswerk über Niederländisch-
Indien nicht wirklich voll zum Abschluß gebracht. Trotzdem wird
niemand leugnen, daß wir Böhm eine der bedeutendsten Erweite-
rungen unserer Kenntnisse mesozoischer Meere und Faunen ver-
danken und daß wir bei allen weitergreifenden Betrachtungen
paläogeographischer Natur auf seine Forschungen immer wieder
zurückgehen müssen.
Von seiner großen Reise heimgekehrt, wurde Böhm 1902 zum
ordentlichen Honorarprofessor ernannt, etwas später erhielt er das
Offizierkreuz des Ordens von Oranien und Nassau; auch war er
Ritter des Zähringer Löwenordens I. Kl. Seine Entdeckungen
veranlaßten bald neue Expeditionen in jene Gebiete, so die Reisen
von Wanner und Deninger; seine Arbeiten aber bewirkten, daß
die Geological Survey of New-Zealand an ihn herantrat mit der
Bitte, das aus der Juraformation stammende Neuseeländer Fossil-
material monographisch zu behandeln. Auf diese neue ehrenvolle
Aufgabe, welche die nächsten Jahre ausfüllen sollte, hatte Böhm
sich besonders gefreut. Er hat nur einen kleinen Teil noch selbst
gesehen; an die Arbeit direkt heranzutreten, ist ihm nicht mehr
vergönnt gewesen.
Wie die nachstehende Liste seiner Veröffentlichungen zeigt,
hat G. Böhm viel geschrieben, aber sich doch nur auf ein ver-
hältnismäßig enges Gebiet beschränkt. Mesozoische Mollusken-
faunen, besonders Bivalven und. Ammoniten, waren sein Spezial-
gebiet; auch hat sich die Methode kaum geändert; nur in seiner
Auffassung der Speziesgrenzen war er etwas weitherziger geworden.
19*
292
Georg Böhm f.
Für die mannigfaltigen geologischen Probleme besaß er zwar reges
Interesse, jedoch nicht derart, daß er selbsttätig in den Kampf
der Meinungen eingegriffen hätte.
In Freiburg hat er das Wachsen der Universität, die be-
deutende Erweiterung des Geologischen Instituts und das Aufblühen
des Institutsunterrichtes miterlebt. Seine allgemeine paläonto-
logische Sammlung ging in den Besitz des Instituts über. Obwohl
Böhm sich vom Unterrichte und von den Exkui'sionen in den letzten
Jahren mehr zurückgezogen hatte, bewahrte er sich doch reges
Interesse für das Colloquium und für die älteren Praktikanten.
Auch hat er wiederholt jungen strebsamen Leuten die Erfüllung
bestimmter Aufgaben erleichtert und dem Institut manche wert-
vollen Bücher und Sammlungsstücke zugewandt. Alle, die mit
dem liebenswürdigen weltgewandten Kollegen in irgend eine Be-
ziehung getreten sind, werden ihm ein freundliches Gedenken be-
wahren, und seine indischen Arbeiten werden für viele Forschungen
die Grundlage bleiben !
Freiburg, 21. März 1913. ___ ,
ö ’ W. Deecke.
Liste der von Georg Böhm verfaßten Druckschriften.
1877. Beiträge zur geognostischen Kenntnis der Hilsmulde. Zeitschr. d.
D. Geol. Ges. 29. p. 215—251.
1881. Die Bivalven der Schichten des Diceras Münsteri (Diceras- Kalk) von
Kelheim. Zeitschr. d. I). Geol. Ges. 33. 67 — 74.
1882. Die Fauna des Kelheimer ZH'ceras-Kalkes. II. Abt. Bivalven. Pa-
laeontographica. 28. p. 141 — 192. Taf. 23 — 40.
— Über die Bivalven-Fauna des Zhcerns-Kalkes von Kelheim. Zeitschr.
d. D. Geol. Ges. 34. p. 200—201.
— Über die Beziehungen von Pachyrisma, Megalodon, Diceras
und Caprina. Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 34. p. 602 — 627. Taf. 22
und 23.
— Zur Kritik der Gattung Praeconia. Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 34.
p. 618—628. Taf. 24-27.
1883. Die Bivalven der Stramberger Schichten. Paläont. Mitt. aus d.
Mus. d. Kgl. Bayer. Staates. Abt. II. H. 4. I — IV. p. 493 — 680.
Taf. 53—70.
1884. Geologisches aus Oberitalien. Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 36. p. 180
—181.
— Über neue Versteinerungen aus den Grauen Kalken von Ober-
italien. Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 36. p. 190 — 191.
— Beiträge zur Kenntnis der Grauen Kalke in Venetien. Zeitschr.
d. D. Geol. Ges. 36. p. 737—782. Taf. 15—26.
1885. Über südalpine Kreideablagerungen. Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 37.
Sitz.-Ber. p. 544 — 549.
1886. Die Gattungen Pachymegalodon und Durga. Zeitschr. d. D. Geol.
Ges. 38. p. 727—734.
Georg Böhm f.
293
1887. Das Alter der Kalke des Col dei Schiosi. Zeitsclir. d. D. Geol.
Ges. 39. p. 203 — 204.
— Die Facies der venetianischen Grauen Kalke im Departement de
la Sarthe. Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 39. p. 204 — 211.
— Note sur les calcaires ä Penia et Megalodon du Moulin de
Jupilles pres Fve (Sarthe) [zusammen mit E. Ciielot], Bull. d. 1.
Soc. Geol. de France. 3e Ser. 15. p. 403 — 414.
1888. Neues Liasvorkommen auf dem Dinkelberge bei Basel. Ber. d.
Naturf. Ges. Freiburg i. Br. 3. p. 129 — 132.
— Über die Fauna der Schichten mit Durga im Departement der
Sarthe. Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 40. p. 657 — 665. Tat'. 27.
1889. Ein Beitrag zur Kenntnis fossiler Ophiuren. Ber. d. Natuif. Ges.
Freiburg i. Br. 4. p. 232—287. Taf. 4-5.
1891. Über Lithiotis problematica Gümbel. Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 43.
p. 531—532.
— Megalodon, Pachgrisma und Diceras. Ber. Naturf. Ges. Frei-
burg i. Br. 4. H. 2. p. 33 — 56.
1892. Über die Zugehörigkeit von Rothpletzia zu Hippongx. Zeitschr. d.
D. Geol. Ges. 44. p. 557 — 561.
— Lithiotis problematica. Ber. Naturf. Ges. Freiburg. 4. H. 3. p. 65
bis 80. Taf. 2—4.
— Über Coralliochama. Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 44. p. 560.
— Über Rudisten vom Col dei Schiosi. Ibid. p. 561.
— Über den Fußmuskeleindruck bei Pachgrisma. Ber. d. Naturf. Ges.
Freiburg i. Br. 4. p. 119 — 120.
— Über eine Anomalie im Kelche von Millericrinus mespiliformis.
Zeitschi-, d. D. Geol. Ges. 43. p. 741 — 743.
1893. Über Cornucaprina. Neues Jahrb. f. Min. etc. II. p. 129 — 130.
— Über fossile Ophiuren. Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 45. p. 158 — 161.
— Coelastarte und Heteropis. Ber. d. Naturf. Ges. Freiburg i. Br. 7.
H. 2. p. 169—178. Taf. 8.
1895. Beiträge zur Kenntnis der Kreide in den Siidalpen I. Die Schiosi-
und Calloneghe-Fauna. Palaeontographica. 41. p. 81 — 148. Taf. 8 — 15.
1896. Tierfährten im Tertiär des badischen Oberlandes. Freib. Univ.-
Festprogr. zum 70. Geb. S. K. H. d. Großli. Friedrich, p. 229—238.
Mit Tafel.
— Über Bihipparites. Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 48. p. 687—688.
1897. Geologische Beobachtungen zwischen Badenweiler und Kandern.
Ber. d. 30. Vers. d. Oberrhein. Geol. Yer. zu Mülhausen i. E.
— Beitrag zur Gliederung der Kreide in den Venetianer Alpen.
Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 49. p. 160 — 181. Taf. 4 — 6.
— Geologische Bemerkungen aus Transkaspien. Ibid. p. 696 — 697.
1898. Über das fossile Trittpaar im Tertiär des badischen Oberlandes.
Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 50. p. 204 — 206.
— Über Caprinidenkalke aus Mexiko. Ibid. p. 323 — 332.
— Geologische Beobachtungen am Lago di Santa Croce. Ibid. p. 430 — 434.
294
Georg Böhm f.
1898. Zur Kenntnis der Gattung Joufia. Ibid. p. 591 — 592.
— Mitteilungen aus dem Aufnahmegebiete des Blattes Kandern.
Mitteil. d. Großh. Bad. Geol. Landes-Anst. 3. p. 667 — 687.
1899. Beiträge zur Kenntnis mexikanischer Caprinidenkalke in: Felix
& Lenk. Geologie und Paläontologie von Mexiko. 2. No. 4. Leipzig
p. 143—154.
— Aptien und Hauterivien im Kleinen Balchan. Zeitschr. d. D. Geol.
Ges. 51. p. 335-340.
— Über einige Fossilien aus Buchara. Ibid. p. 455— 470. Taf. 29 — 30.
1900. Reisenotizen aus Neu-Seeland. Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 52.
p. 169—177.
— Reisenotizen aus Ostasien. Ibid. p. 554 — 558.
1901. Aus den Molukken. Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 53. p. 4 — 10.
1902. Weiteres aus den Molukken. Ibid. 54. p. 74—78.
— Zur venetianischen Kreide. Ibid. p. 72 — 73.
1903. Eurydesma und Leiomyalina. Dies. Centralbl. p. 296 — 300.
— Geologische Ergebnisse einer Reise in den Molukken. Compt.
Rend. d. Congr. Geol. Intern. 9e Sess. Vienne, p. 657—662.
1904. Über tertiäre Brachiopoden von Oamaru. Südinsel Neuseeland.
Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 56. Monatsber. p. 146 — 150. Taf. 15.
1905. Ein Strudelkessel im Renggeri- Tone von Kandern. Mitt. d. Großh.
Bad. Geol. Landes-Anst. 5. p. 35 — 38. Taf. 2.
1906. Neues aus dem Jndo- Australischen Archipel. N. Jahrb. f. Min. etc.
Beil.B. XXII. p. 385-412. Mit Karte.
— - Zur Stellung von Lithiotis. Dies. Centralbl. p. 161 — 167.
— Apicalhöhlung bei Ostrea und Lage des Muskeleindruckes bei
Lithiotis. Ibid. p. 458—461.
1907. Vorjurassische Brachiopoden von Ambon. — Jüngeres Palaeozoicum
von Timor. — Jura von Rotti, Timor, Babar und Buru. N. .Tahrb.
f. Min. Beil.B. XXV. p. 293-343. Taf. 9—13.
1908. Zur Geologie des Indo-Australischen Archipels. Nachträge I. Dies.
Centralbl. p. 503 — 504.
1909. Über Macrocephalites und die Längen seiner Wohnkammer. Dies.
Centralbl. p. 174 — 179.
— Über „Absoluti" und ihre paläogeographische Verwendbarkeit. Ibid.
p. 563—566.
1910. Zur neuen obertriadischen Fauna aus den Molukken. Dies. Cen-
tralbl. p. 161 — 163.
— Zur Kenntnis der Südküste von Misöl. Ibid. p. 197 — 209,.
Über Korallenriffe. Ibid. p. 504.
— Fossilien aus der oberen Trias von der Südinsel Neu-Seelands.
Ibid. p. 632—636.
1911. Posidonomya Becheri in Niederländisch-Indien ? Dies. Centralbl.
p. 350—352.
— Grenzschichten zwischen Jura und Kreide von Kawhia (Nordinsel
Neu-Seelands). N. Jahrb. f. Min. etc. I. p. 1 — 24. Taf. 1 — 2.
H. Ändert, Inoceramus inconstans Woods etc.
295
1912. Unteres Callovien und Coronatenschichten zwischen Mac Cluer-Golf
und Geelvink-Bai, „Nova Guinea.“ 4. Abschn. 1. Leiden, p. 1—20.
Taf. 1—5.
1904. Die Südküsten der Sulainseln Taliabu und Mangoli :
1. Abschnitt: Grenzschichten zwischen Jura und Kreide, p. 1 — 46.
Taf. 1—7.
1907. 2. Abschnitt: Der Fundpunkt am oberen Lagoi auf Taliabu. p. 47 — 58.
Taf. 8.
1912. 3. Abschnitt: Oxford des Wai Galo. p. 59 — 120. Taf. 9 — 31.
— 4. Abschnitt: Unteres Callovien. p. 121 — 179. Taf. 32 — 44.
In : Beiträge zur Geologie von Niederländisch Indien. Suppl. Palaeonto-
graphica.
Inoceramus inconstans Woods und verwandte Arten.
Von Hermann Ändert, Ebersbach i. S.
Mit 2 Textfiguren.
(Schluß.)
3. Inoceramus Schloenbachi J. Böhm.
Diese von Goldfuss1 zuerst als I. Cuvieri Sowerby beschrie-
bene und abgebildete Art hat nach J. Böhm 2 ebenfalls ihre selb-
ständige Stellung zu behalten. Woods hat sie in die Synonymen-
liste seines I. Lamarcki Park. 3 aufgenommen , wohin sie ganz
entschieden nicht gehört. Ihrem Wesen nach muß sie der hier
behandelten Gruppe zugeteilt werden.
Der Flügel besteht in einem schmalen, in scharfer Biegung
abgesetzten Bande. Auch der Umriß dieser Art bildet ein Fünfeck,
das sich dem Kreise nähert oder auch etwas in die Länge gezogen
ist. Die Schale ist im Jugendstadium mit groben, kräftigen, ent-
fernt stehenden Falten bedeckt, zwischen denen gewöhnlich zwei
bis drei schwächere sichtbar sind. Während des späteren Wachs-
tums, nach der Umbiegung der Schale nach innen, besteht die
Verzierung aus mehr gleichmäßigen schwächeren bis schwachen
Bippen. Die Abbildung Taf. 2 Fig. 2 in meiner Abhandlung4
gibt ebenfalls eine gute Darstellung der Berippung im ersten
Wachstum. Woods5 hält mein Stück für eine flache Form des
I. inconstans Woods. Wenn auch das Dickenwachstum in der Ab-
bildung nicht ersichtlich ist, so weist es doch der Text p. 44 nach.
Die Anwachsstreifen erscheinen bei der Art sehr verschwommen
oder sind nicht sichtbar.
1 A. Goldfuss, Petrefacta Germiniae. Düsseldorf 1834 — 40. II. p. 114
Taf. 111 Fig. 1.
5 Joh. Böhm, a. a. 0. p. 403.
3 Woods, Monograph, a. a. 0. p. 308.
4 Ändert, a. a. 0.
s Woods, Monograph, a. a. 0. p. 288. Anmerkung 2.
296
H. Ändert,
Die Art charakterisiert die Zone des I. Schloenbaclii in Deutsch-
land. Unter den von Woods aufgeführten Formen vermag icli sie
nicht zu erkennen.
4. Ino ceramus Schloenbaclii var. cripsioides Elbert.
Textfig. 1 und 2.
Der Freundlichkeit von Herrn Professor J. Böhm verdanke
ich einen Gipsabguß des Originals von Elbert1. Die seither als
I. Cuvieri var. cripsioides Elbert geführte Varietät dürfte wohl
nunmehr an I. Sclüoenbaclü anzugliedern sein. Der Umriß hat die
Fig. 1. Inoceramus Schloenbaclii var. cripsioides Elbert.
Original von Elbert, nach einem Gipsabguß an der Künigl. Geologischen
Landesanstalt Berlin.
Rechte Klappe, Seitenansicht. Natürliche Größe.
Form eines Rechtecks, Unter- und Hinterrand sind schwach konvex.
Die Schalenverzierung besteht an dem Original im ersten Wachs-
tum aus nicht allzu kräftigen Rippen, die fast regelmäßig durch
eine Mittelfurche geteilt sind. Feinere Anwachsstreifen sind nicht
sichtbar. Die Rippen biegen vom Unter- zum Hinterrande in einer
deutlichen Ecke um. Nach dem Umbiegen der Schale nach innen
im späteren Wachstum behalten die Rippen die gleiche Ausbildung,
sind aber weniger kräftig. Die Ausfüllung des Steinkernes besitzt
an dieser Stelle nur schwache Falten. Der Flügel ist au dem von
mir vom Hochwald 2 mit dieser Varietät identifizierten schlecht
1 Elbert, a. a. 0. p. 111.
2 Ändert, a. a. 0. p. 46.
Inoceramus inconstans Woods und verwandte Arten.
297
erhaltenen Stücke schmal und scharf abgesetzt, an dem Gipsabguß
des ELBERT’schen Originals ist die Beobachtung des Fliigelansatzes
Fig. 2. Inoceramus Schloenbachi var. cripsioides Elbert.
Original von Elbert, nach einem Gipsabguß an der Königl. Geologischen
Landesanstalt Berlin.
Rechte Klappe von vorn. Natürliche Größe.
nicht möglich (fehlt?). Mein Exemplar hat sich in der Zone des
I. Schloenbachi gefunden. Das Original von Elbert stammt aus
dem Breviporuspläner von Halle i. W.
5. Inoceramus crassus Petrascheck.
Diese Art, die in meiner Schrift 1 eingehend behandelt worden
ist, schließt sich ebenfalls hier an. Sie ist stark nach hinten aus-
gezogen, im Grundriß rechteckig, Vorder- und Unterrand schwach
konvex , Hinterrand gegen den Flügel stark eingezogen. Der
Flügel ist schmal, bei der verschiedenartigen Wölbung der Exem-
plare teils wenig, teils schärfer abgesetzt. Die Schale ist im
Jugendstadium mit gut ausgeprägten , engen und regelmäßigen
Rippen und Falten bedeckt, die später immer kräftiger und ent-
fernter voneinander auftreten und sogar scharfe Kämme bilden.
Auf dem nach innen gebogenen Schalenstück fehlen Rippen und
Falten fast vollständig und sind da, wo sie auftreten, nur schwach
angedeutet.
Textfig. 45 auf p. 287 bei Woods2 gehört ebenfalls dieser
Art an und ist von ihm zu I. inconstans Woods gezogen. Das
Stück stellt ein kleineres, mäßig nach hinten ausgezogenes Schalen-
exemplar dar. Der mir von diesem vorliegende Gipsabguß zeigt
deutliche Anwachsstreifen. Die Schale ist gemäß diesem Stück in
der Flügelpartie nicht außerordentlich dick, was in meiner
erwähnten Abhandlung zu berichtigen wäre.
1 Ändert, a. a. 0. p. 46. Taf. 3 Fig. 4; Taf. 6 Fig. 1, 2.
2 Woods, Monograph, a. a. 0.
298
H. Ändert,
Die Art findet sich besonders im Emscher von Kreibitz und
Innozenzendorf in Nordböhmen, erscheint aber im Kreibitzer Tale
auch schon in der obersten Scaphitenzone und in der Zone des
I. Schloenbaclii in einzelnen Exemplaren. Wahrscheinlich schließt
sie ohne Zwischenglied an I. labiatus var. latus Soav. an.
6. I noc er amu s Weiset Ändert.
Auch diese Art hat von mir bereits eine ergiebige Behand-
lung erfahren1. In der Form erscheint sie als unregelmäßiges
Vier- bis Fünfeck, das eine ausgeprägte schnauzenförmige Ver-
längerung nach vorn besitzt. Sie unterscheidet sich hierdurch von
allen anderen Arten. Der Flügel ist schmal und abgesetzt. Die
Verzierung der Schale im Jugendstadium gleicht vollständig der
des I. inconstans A'ar. planus Elbert, und zwar besteht sie aus
engen, kräftigen und regelmäßigen Rippen. Die Ausdehnung der
ersten Wachstumsrichtung ist jedoch geringer als die der späteren,
was die Art ebenfalls gut unterscheidet. Im späteren Wachstum
nach dem Umbiegen der Schale ist letztere von unregelmäßigen,
teils kräftigen bis kammförmigen Falten bedeckt und besitzt gegen
den Unterrand eine kielförmige Einschnürung.
Die Art ist bisher nur im Emscher des Kreibitz-Zittauer
Sandsteingebirges in einer Anzahl Steinkerue gefunden worden.
7. Inoceramus Walter sd orfensis Ändert.
Diese von mir vom Sonnenberg bei Waltersdorf i. Sa. be-
schriebene Art 2 ist auch dieser Gruppe zuzurechnen. Der Umriß
ist quadratisch bis rhombisch, Vorder-, Unter- und Hinterrand sind
gerundet. Der Rücken der Schale dacht sich allmählich zu dem
kleinen Flügel ab. Im ersten Wachstum ist die Schale nur mit
schwach-rippeuartigen An wachsstreifen verziert, Falten fehlen voll-
ständig oder es sind eine oder zwei derselben schwach angedeutet.
Nach dem Umbiegen der Schale nach innen im späteren Alter
gewahrt man auf dem Steinkern mehr oder Aveniger unregelmäßige
flache Falten. Sie können aber auch fast A'ollständig fehlen. In
meiner zitierten Abhandlung muß es im Text heißen, daß Fig. 5
die Charaktere am besten Aviedergibt, Avährend Fig. 2 Aveniger gut
gelungen ist. An Fig. 2 ist der Vorderrand bei der Reproduktion
abgeschnitten Avorden. Auch die nachgetuschte Zeichnung der
Oberflächenverzierung entspricht nicht der Wirklichkeit.
Die Art ist nur in Avenigen Exemplaren im Emscher des
Kreibitz-Zittauer Sandsteingebirges, und ZAvar bei Waltersdorf i. Sa.
gefunden Avorden. Im letzten Sommer habe ich Avieder ZAvei neue
Stücke erhalten.
1 Ändert, a. a. 0. p. 47. Taf. 4 Fig. 2 und 3: Taf. 6 Fig. 3.
2 Ändert, a. a. 0. p. 53. Taf. 5 Fig. 5.
Inoceramus latus Mantell Ändert : Inoceramen des IV 4 43 (11): — Inoceramus inconstans Woods. 283
Kreibitz-Zittauer Sand- ! z. Teil j
5°
5
g« bß
03 C
öcW
O ««-<
| J;
es H
O 2 i3
C ~ 3h
>
o
Cß
(Z
o
£
fr*
Z
<
s
©
r3
6
PQ
300
H. Ändert,
Tabelle II.
Name
Form
Flügel
No. 1
Seite 282
Inoeeramus inconstans
Woods
fünfeckig kreisförmig
vorhanden, nicht
abgesetzt
No. 2
Seite 284
Inoeeramus inconstans
var. planus Elbert
fünfeckig kreisförmig
fehlend (?) oder
schmaler Band
No. 3
Seite 295
Inoeeramus Schloen-
bachi J. Böhm
fünfeckig , kreisförmig
bis etwas in die Länge
gezogen
schmal, abgesetzt
No. 4
Seite 296
In ocera m us Sch loen-
bachi var. cripsioides
Elbert
rechteckig, Unter- und
Hinterrand schwach
konvex
schmal, (abge-
setzt ?)
No. 5
Seite 297
Inoeeramus crassus
Petrascheck
rechteckig, stark nach
hinten ausgezogen ,
Vorder- und Unter-
rand schwach konvex,
Hinterrand gegen den
Flügel stark einge-
zogen
schmal, teils we-
niger, teils schär-
fer ahgesetzt
No. 6
Seite 298
Inoeeramus Weisei
Ändert
unregelmäßiges Vier- bis
Fünfeck , nach vorn
schnauzenförmig ver-
längert
schmal, abgesetzt
No. 7
Seite 299
Inoeeramus Walters-
dorf ensis Ändert
quadratisch bis rhom-
bisch, Vorder-, Unter-
u.Hinterrand gerundet
vorhanden, nicht
ahgesetzt
No. 8
Seite 303
Inoeeramus balticus
J. Böhm
rechteckig gerundet ,
stark nach hinten aus-
gezogen
fehlend oder nur
schwach ange-
deutet
Inoceramus inconstans Woods und verwandte Arten.
301
Tabelle TI.
Verzierung
in der ersten Wachstumsrichtung in der späteren Wachstums-
(Jugend)
richtung
flachwellige, annähernd regelmäßige Falten,
deutliche Anwachsstreifen
Falten unregelmäßig bis fehlend.
Anwachsstreifen bei den älteren
Formen wenig deutlich
regelmäßige, genähert bis enge, kräftige
Rippen
einige unregelmäßige schwache
Falten
grobe, kräftige, entfernt stehende Falten,
zwischen denen gewöhnlich 2 — 3 schwä-
chere Rippen sichtbar sind. Anwachs-
streifen sehr undeutlich
gleichmäßigere, schwächere bis
schwache Rippen
schmale, nicht allzu kräftige Rippen, meist
durch eine Mittelfurche geteilt
wie in der Jugend, aber weniger
kräftig
Rippen deutlich , zuerst eng und regel-
mäßig, später immer kräftiger bis kamm-
förmig und entfernter voneinander, auf
dem Flügel fast verschwindend , vom
Unter- zum Hinterrand eckig umbiegend.
Anwachsstreifen sichtbar
Falten fehlen fast ganz, einzelne
schwache Rippen zuweilen vor-
handen, ziemlich glatt
Rippen deutlich, eng, regelmäßig. Jugend-
wachstum von geringerer Ausdehnung
als der im späteren Wachstum
Falten zahlreich vorhanden, un-
regelmäßig, teils kräftig bis
kammförmig, gegen den Unter-
rand eine Einschnürung der
Schale vorhanden
Anwachsstreifen schwachrippenartig, Falten
fehlend oder nur eine oder zwei schwach
angedeutet
unregelmäßige Falten vorhanden
oder fehlend
starke kräftige Rippen, bis an die Band-
grubenleiste reichend, vom Unter- zum
Hinterrande in rundem Bogen umbiegend
Falten fehlen fast vollständig,
meist glatt
302
H. Ändert, Inoceramus inconstans Woods etc.
Tabelle 111.
Name
Auftreten
Typus
No. 1
Seite 282
Inoceramus inconstans
Woods.
obere Scaphitenzone,
Zone des Inocera-
mus Schloenbachi,
unterster Emscher ?
Woods Monograph :
Texttig. 39. 42, 43, 46
Taf. 51 Fig. 1, 2
No. 2
Seite 284
Inoceramus inconstans
var. planus Elbf.rt
Zone des Inoceramus
Schloenbachi
Ändert, Inoc. Kreibitz
Zitt. Sandsteingeb.:
Taf. 1 Fig. 2, Taf. '
Fig. 8
Woods, Monograph :
Texttig. 44
No. 3
Seite 295
Inoceramus Schloen-
bachi J. Böhm
Zone des Inoceramus
Schloenbachi
Goldfubs, Petr. Germ.
Taf. 111 Fig. 1
Ändert, Inoc. Kreibitz
Zitt. Sandsteingeb. :
Taf. 2 Fig. 2
No. 4
Seite 296
Inoceramus Schloen-
bachi var. cripsioides
Elbert
Zone des Inoceramus
Schloenbachi , Bre-
ciporus-P\ä,r\er
Texttig. 1. p. 296
2. p. 297
No. 5
Seite 297
Inoceramus crassus
Petrascheck
oberste Scaphiten-
zone, Zone des Ino-
ceramus Schloen-
bachi, Emscher
Ändert, Inoc. Kreibitz
Zitt. Sandsteingeb.:
Taf. 3 Fig. 4,
Taf. 6 Fig. 1, 2
Woods, Monograph:
Texttig. 45
No. 6
Seite 298
Inoceramus Weisei
Ändert
Emscher
Ändert, Inoc. Kreibitz
Zitt. Sandsteingeb. :
Taf. 4 Fig. 2, 3,
Taf. 6 Fig. 3
No. 7
Seite 299
i Inoceramus Walters-
dorfensis Ändert
Emscher
Ändert, Inoc. Kreibitz
Zitt, Sandsteingeb. :
Taf. 5 Fig. 5
No. 8
Seite 303
Inoceramus balticus
.T. Böhm
im Senon weit ver-
breitet
J. Böhm, subhercyne
Kreidemulde :
Taf. 11 Fig. 2,
Taf. 12 Fig. 1
Woods, Monograph :
Texttig. 51 — 53
Fr. Heritsch, Melongena Deschmanni R. Hoernes etc.
303
8. Inoccr a m u s balticus J. Böhm.
Dieser von ,T. Böhm 1 und Woods 2 gut beschriebenen Art
vermag ich, da mir Vergleichsmaterial fehlt, nichts hinzuzufügen.
Der Umriß ist rechteckig gerundet, die Muschel stark nach hinten
ausgezogen. Ein Flügel fehlt vollständig oder ist nur ganz schwach
angedeutet. Starke kräftige Rippen mit breiten Zwischenräumen
bedecken die Schale im Jugendstadium. Sie reichen bis an die
Bandgrubenleiste hinauf und biegen vom Unter- zum Hinterrande
in einem runden Bogen um, im Gegensatz zu I. crassus Petkascheck,
da sie auf dem Flügel fast verschwinden und vom Unter- zum
Hinterrande eine deutliche Ecke bilden 1 * 3. Nach dem Umbiegen der
Schale nach innen ist diese meist glatt und zeigt nur selten An-
deutungen von schwachen Falten.
Die Art ist im Senon weit verbreitet.
Die Bezeichnung der Inoceramen in meiner mehrfach zitierten
Schrift über die Inoceramen des Kreibitz-Zittauer Sandsteingebirges
sowie in der Monographie von Woods erleidet somit die Verände-
rungen, wie sie in Tabelle I noch einmal übersichtlich zusammen-
gestellt sind.
Für die Unterscheidung der Arten und Varietäten möge Ta-
belle II eine Gegenüberstellung bieten. Eine Entwicklungstabelle
derselben ließe sich nach verschiedenen Gesichtspunkten hin ver-
schieden aufstellen und soll deshalb fortbleiben. Schließlich soll
noch Tabelle III einer schnellen Orientierung über Lager und
Literatur der hier behandelten Arten dienen.
Melongena Deschmanni R. Hoernes — Melongena Rotkyana
J. Knett.
Von Dr. Franz Heritsch (Graz).
In den Beiträgen zur Paläontologie und Geologie Österreich-
Ungarns und des Orients, 25. 1912. Heft II u. III, beschreibt
.1. Knett eine neue Melongena als Melongena Rotkyana. Es ist
festzustellen, daß diese in jeder Beziehung mit der von R. Hoernes
als Melongena Deschmanni (Sitzungsberichte der Kais. Akademie der
Wissenschaften in Wien, Mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse,
115. Abt. I. 1906) beschriebenen und abgebildeten Form iiberein-
1 J. Böhm, Geologie und Paläontologie der subhercynen Kreidemulde.
Abhandl. d. kgl. preuß. geol. L.-A. Neue Folge. Heft 56. p. 47. Taf. 11
Fig. 2 ; Taf. 12 Fig. 1.
5 Woods, a. a. 0, Monograph. p. 293. Textfig. 51 — 53.
3 Woods, a. a. 0. Monograph, p. 296. Anmerkung 2, vereinigt der
Autor beide Arten.
304
H. Baumhauer.
stimmt. Der Fundort der von J. Knett irrtümlich als neu be-
schriebenen Melongena wird von diesem Autor als fraglich (Maljek-
graben beiPreska, nordwestlich von Laibach) bezeichnet. R. Hoernes
hat festgestellt , daß die Melongena von Soteska , nördlich von
Moräutsch, herstammt, und zwar aus aquitanisclien Schichten. Be-
züglich des Vergleiches von Melongena Deschmanni mit den anderen
Formen sei auf R. Hoernes Abhandlung hingewiesen. Es ist
klar, daß weiterhin von einer Melongena liotky aua
J. Knett nicht mehr die Rede sein kann.
Ueber die goniometrischen Verhältnisse, Aetzerscheinungen
und Symmetrie des Natroliths.
Von H. Baumhauer in Freiburg (Schweiz).
Mit 7 Textfiguren.
a) Vizinalflächen. Für den rhombischen Natrolith wurden
von einer Reihe von Forschern (Cf. Rose, Haidinger, v. Lang,
Seligmann, Brögger, Palla, Gonnard, Artini, Negri u. a.)
ziemlich abweichende Fundamentalwerte bezw. Achsen Verhältnisse
angegeben, deren Zusammenstellung nach den verschiedenen Fund-
orten in Hintze’s Handbuch der Mineralogie zu finden ist. Hintze
bemerkt mit Recht, daß die Kristallwinkel des Natroliths nicht
nur bei verschiedenen Vorkommen, sondern auch bei verschiedenen
Typen desselben Vorkommens verschieden seien. Dabei führt er
als im allgemeinen anzunehmendes Achsenverhältnis das von
Brögger an wahrscheinlich von Arö stammenden Kristallen ermittelte
an: a : b : c = 0,97852 : 1 : 0,35362 , entsprechend (111) : (1T1)
= 36°47|', (111): (1 11) = 37“ 37f', (110) : (HO) = 88° 45^'.
Die betreffenden Kristalle, wie auch solche von Salesl und aus
der Auvergne, weisen nun außer {lll} eine oder mehrere dazu
vizinale Pyramiden auf. Solche vizinale Formen wurden nament-
lich von Brögger, Palla, Negri und Gonnard beobachtet ; es
werden angeführt: (li.10.ll), {21.20.21), (31.31.30),
(44 . 40 . 43), (27 . 25 . 27), {40 . 40 . 39). Ihr Auftreten ist wohl
die Ursache, weshalb für den Natrolith abweichende Achsen Ver-
hältnisse angegeben werden; zuweilen stimmen auch die berechneten
Winkelwerte mit den beobachteten nur mangelhaft überein. Ja,
es kann zweifelhaft erscheinen, ob in der Regel die eigentlichen
Flächen von (lll) zur Messung gelangten und nicht vielmehr
solche, welche als vizinale zur Grundform zu betrachten sind.
Oft weicht der aus den Polkanten winkeln von {lll) berechnete
Prismenwinkel ziemlich von dem beobachteten ab. Eine gute
Übereinstimmung zwischen Messung und Rechnung fand jedoch
Negri (Zeitschr. f. Krist. 20. p. 629) für Kristalle vom Monte
Baldo (Tirol ) :
lieber die goniometrischen Verhältnisse etc.
305
beob.
36° 43'
37 28 40"
53 28 40
88 54 42
ber.
36u 44' 4"
37 28 2
53 28 44
88 54 28
(111): (111) •
(111) : (TU) .
(111): (III) .
(110): (110) .
Hieraus folgt a: b : c = 0,981 118:1: 0,352837. Die Polyedrie
bezw. die Vizinalflächen auf { 1 1 1 } und (110} der Kristalle von
Salcedo (Italien) sucht Negri durch Zwillingsbildung nach (110}
zu erklären. Ich selbst untersuchte zunächst goniometrisch eine
Reihe von ca. 3 — 10 mm langen, wasserhellen Natrolitlikristallen
aus der Auvergne (Pu3r de Marman), welche einer einzigen schönen
Stufe entnommen waren und sich durch gute Beschaffenheit der
Pyramideuflächen auszeichnen, ferner ein paar Kristalle von anderen
Handstiicken, aber vom nämlichen Fundorte. Weitere, mir zur
Verfügung stehende Kristalle gleicher Herkunft, sowie von Salesl,
vom Neubauerberg bei Bühmisch-Leipa, von Moß in Norwegen,
Bergen Hill N. J., Cape Blomidon Kings Co. Nova Scotia eigneten
sich leider nicht zu genaueren Messungen h Bei der goniometrischen
"Untersuchung der Kristalle war es nicht meine Absicht, die ver-
schiedenen von anderen Forschern angegebenen vizinalen Pyramiden
auf ihre Realität zu prüfen oder eventuell neue zu ermitteln,
sondern Einsicht in die allgemeine Entwicklung solcher Flächen
zu gewinnen. Dabei zeigte sich nun, daß die Flächen der Grund-
pyramide ( 1 1 1 } im allgemeinen in je drei Felder zerfallen, welche
mehr oder weniger von der Lage
der Grundform ab weichen, so- so-
weit man von einer solchen
Grundform als wirklich existie-
rend sprechen kann. Denn ich
selbst fand niemals Flächen,
welche nach den erhaltenen
Winkelwerteu unzweifelhaft &
ihren Charakter als solche der
Grundform zu erkennen gaben.
Fig. 1 (schematisch) zeigt als
Ergebnis meiner Beobachtungen
eine Projektion der vier, im
ganzen als (111), (111), (111)
und (1 11) zu deutenden Flächen
mit ihrer Teilung in je drei
Felder, welche miteinander sehr stumpfe ausspringende Winkel
bilden; dieselben sind mit Xj — x4, p, — p4 und y, — y4 bezeichnet,
in, — m4 sind die anstoßenden Flächen von (llt»J, a, und a2 die
1 Für freundliche Überlassung von Material zu nachstehenden
goniometrischen Studien und zur Beobachtung der Ätzerscheinungen bin
ich den Herren v. Groth und Seligmanx zu Dank verpflichtet.
Centralhlatt f. Mineralogie etc. 1913. 20
306
H. Baumhauer,
von (100), bj und b2 von {010}. Do,ch wurde niemals die
vollständige polyedrische Entwicklung, wie Fig. 1 sie darstellt,
in allen vier Oktanten zugleich beobachtet (die Kristalle waren
zudem immer nur an einem Ende frei ausgebildet). Häufig
fand ich die Dreiteilung auf drei Pyramidenflächen, dann waren
aber auf der vierten nur zwei Teile, wohl x und p entsprechend,
zu erkennen, oder die vierte Fläche war nur winzig klein und
ließ, vielleicht infolgedessen, eine Knickung überhaupt nicht wahr-
nehmen. Insgesamt aber führen meine Beobachtungen zu dem
Resultat, daß im vollkommensten Falle im ganzeu zwölf (zu je
vier gleichartige) Vizinalflächen vorhanden sind; andernfalls sind
dieselben, soweit man dies sagen darf, zufällig nicht alle deutlich
ausgebildet '. Die goniometrisclie Untersuchung von sieben, der
zuerst erwähnten Stufe entnommenen Kristallen ergab folgendes.
1>. Der Winkel Pj : p2 (resp. p3 : p4) schwankt nur innerhalb
r-elativ enger Grenzen, nämlich zwischen 36°48|' und 36° 56';
die zuverlässigsten Werte bewegten sich sogar nur zwischen
36 0 48|' und 36 0 52' (Mittelwert 36 0 50J'). Desgleichen schwanken
die Werte für p2 : p3 (resp. p, : p4) nur sehr wenig, im ganzen
zwischen 37 0 23 *' und 37°28', die besten zwischen 37° 26|'
und 28' (Mittel 37° 27'). Der Winkel m, : m2, an Spaltflächen
bestimmt, wurde an drei Kristallen zu 88° 53' — 58', im Mittel
zu 88°55|' gefunden. Letzterer Wert stimmt gut mit dem oben
angeführten von Negri, nicht so gut hingegen mit dem aus dem
BRÖGGER’schen Achsenverhältnis berechneten überein; Brögger
gibt aber zugleich an, diesen Winkel an mehreren Spaltungs-
prismen eines großen Kristalls übereinstimmend zu 88° 50' 50"
gefunden zu haben. Der brachydiagonale Winkel des zu p als
Grundpyramide gehörenden vertikalen Prismas berechnet sich aber
aus obigen Mittelwerten 36° 50|' und 37° 27' zu 89° 5f', also
um etwa 10' zu groß gegenüber dem für {l 10} gefundenen Werte
88° 55-2-'. Hieraus ist zu schließen, daß die an meinen Kristallen
auftretenden Flächen p in Wirklichkeit nicht die Grundform { 1 1 1 }
darstellen, vielmehr einer dieser Form sehr nahestehenden vizinalen
Pyramide angehören. Eine Verkleinerung des Winkels p, : p2 und
eine Vergrößerung von p2 : p3 um wenige, etwa nur drei Minuten
würde zur vollkommenen Übereinstimmung zwischen dem hieraus
berechneten und dem beobachteten Prismenwinkel führen. Als
kleinsten Wert für pt : p2 erhielt ich einmal (an Kristall V) 36° 48|'
und (an einem anderen Kristall, VI) als größten für p., : p3 37 ° 28',
1 Wie ich nachträglich sah, wies F. Gonnard in einer jüngsten Ab-
handlung (Bull. soc. min. Paris 1910. 33. p. 280) schon auf diesen Flächen-
bau der Kristalle von Marman hin : „j’ai mesurö de nouveau, sur de petits
cristaux tres miroitants, les angles des trois faces (40.40.39), (111)
et (11 . 10. 11), dont la reunion constitue, sur chaque quart de la section
perpendiculaire ä l axe principal, une pyrainide tres surbaissee.“
Ueber die goniometrisclien Verhältnisse etc.
307
woraus sich für den Prismenwinkel nur mehr 89° 1^' berechnet.
Dennoch glaube ich daran festhalten zu müssen, daß die in Rede
stehenden P}rramidenflächen p hier nur als sehr nahe vizinale zur
eigentlichen Grundpyramide zu betrachten sind1.
x. Je zwei Flächen x, , x2 bezw. x3, x4 liegen mit den beiden
an sie anstoßenden p4, p2 bezw. p3, p4 mehr oder weniger genau
oder doch annähernd in einer Zone. Für x, : x2 (oder x3 : x4)
wurden Werte von 34° 16' bis 34°47A' gefunden. Die zuver-
lässigsten Zahlen schwanken zwischen 34° 17^' und 47^'. Diese
großen Differenzen erlauben es nicht, einfach einen Mittelwert als
im allgemeinen gültig anzunehmen, denn sie sind darauf zurück-
zuführen , daß die Neigungen x, : p, und x2 : p2 , ebenso x3 : p3
und x4 : p4 nicht, wie es die rhombische Symmetrie verlangt, stets
einander gleich sind. So wurden z. B. folgende Winkel gefunden :
Kristall II . . x, : p, = 1° 184'; x, : p, = 1° 21' ; x .: x, = 34° 17p
. V. . x,':pP; = l 2IU:p! = 1 Bel
„ VI . . x, : Pj = 0 50| ; x2 : p, = 1 13f ; x, : x2 = 34 474
„ X . . xt : p, = 1 2\ ; x2 : p, = 1 12f ; x, : x2 = 34 364
Im ganzen schwanken die hier erhaltenen Werte x : p zwischen
0° 50^' und 1 0 28'. Setzt man sowohl x, : p, als auch x2 : p2
gleich diesen beiden Werten, so würden für x, : x2 (unter Zugrunde-
legung des obigen Mittelwertes für p, : p2 = 36u50|') folgen die
Winkel 35° 10' und 33° 5444. Die Flächen x würden nach dem
Gesagten mehr oder weniger genau solche von Makropyramiden
Pn {h 1 li} sein, deren Symbol indes von Kristall zu Kristall wechseln
kann, wie es bei vizinalen Formen zu erwarten ist. Dabei schwanken
andererseits die makrodiagonalen Polkantenwinkel x4 : x4 und x2 : x3
bei verschiedenen Kristallen nur innei’halb sehr enger Grenzen.
Ich fand in sechs Fällen Werte von 37° 49' — 51^', bei den besten
Messungen nur solche zwischen 37° 49^' und 50^'. Von mehreren
Forschern sind diesen Flächen bestimmte Symbole beigelegt
woi’den. So wird insbesondere {l 1 . 10 . 11} P-j^ mehrfach an-
gegeben, wie von Preis und Vrba2 (Kuchelbad bei Prag); Negri3
(Monte Baldo, (1 1 1) : (l 1 . 10 . 1 1) = 1 0 27^', berechnet nach
obigem Achsenverhältnis zu 1°34/), Gonnard4 (Puy de Marman,
(1 1 . 10 . 11) : (11 : 1Ö . 11) = 33 0 43' , berechnet aus a:b:c
= 0,98270: 1 : 0,35201 zu 33° 32', (1 1 1) : (1 1 . 10 . 1 1) = 1°37', be-
1 Palla bemerkte schon: „Die Messungen, welche ich am Natrolith
von Salesl ausgeführt habe, zeigen, daß die Zahl der vizinalen Pyramiden-
Üächen an jener Spezies viel größer ist, als man vermutet, ja, daß die-
selben eigentlich die wirkliche Grundpyramide fast immer verdrängen und
statt derselben Vorkommen.“
2 Zeitschr. f. Krist. 4. p. 628.
3 Ebenda. 20. p. 629.
4 Bull. soc. min. Paris 1885. 8. 123; 1892. 15. p. 221; 1910. 33. p. 279.
20*
308
H. Baumhauer,
rechnet 1° 33'), Brögger 1 (Arö, (11 . 10. 11): (11 -3Ö. 11) aus dem
von dem genannten Autor angenommenen Aclisenverliältnis (s. oben)
berechnet zu 33° 38;}', woraus folgt (1 1 1) : (1 1 . 10 . 1 1) = 1 0 34^').
Brögger und Palla 1 führen ferner, letzterer für Salesl, die
vizinale Makropyramide {21 . 20 . 2l}p§£ an, wobei Palla das
Achsenverhältuis b : a : c = 1,01820 : 1 : 0,35909 , also a:b:c
= 0,98212:1:0,35267 zugrunde legt. Brögger berechnet für
die brachydiagonale Polkante dieser Form 35° 9' (beobachtet
35° 10'), für (21 : 20 : 21) : (1 11) 0° 49£' (beobachtet 0° 480; Palla
erhalt durch Eechnung für ersteren Winkel 35° 6', für die
makrodiagonale Polkante 37° 35' (beobachtet 37° 480, für
(21 . 20 . 21) : ( 1 1 1) 0° 49'. Die von mir erhaltenen Zahlen stehen
nun allerdings hier und da den für {11 . 10 . 11} und {21 .20.21}
geforderten mehr oder weniger nahe, dennoch macht die starke
Schwankung derselben, wie auch die oft ungleiche Neigung zweier
sonst als zusammengehörig aufzufassender Flächen (x, und x2)
zum brachydiagonalen Hauptschnitt es wenigstens für meine
Kristalle bedenklich, hier bestimmte Symbole anzunehmen. Damit
ist natürlich nicht ausgeschlossen, daß solche Flächen in gewissen
Fällen eine fast vollkommene Übereinstimmung mit einem relativ
einfachen Symbol ergeben.
y. Die dritte vizinale Pyramide3 y lieferte für die beiden
Polkantenwinkel nur wenig schwankende Werte. Ich erhielt für
y, :y2 37 0 3'— 14A' (Mittel 37° 7$'), für y2 : y3 37°42'— 49£'
(Mittel 37° 46|2)* Hieraus berechnet sich für den Prismenwinkel
89° 2'. Geht man, wie es auch oben einmal entsprechend für p
geschehen, von dem kleinsten Werte y, : y, und dem -größten y0 :y3
aus, also von 37° 3' und 37°49|' — welche an demselben
Kristall VI gemessen wurden — , so erhält man für den Prismen-
winkel 88°51|'. Wenn auch die so berechneten Prismen winkel
den aus den Winkeln von p abgeleiteten nahe kommen — also
hier für y: 89° 2' bezw. 88° 5 1^', für p: 89° 53-' bezw. 89° — ,
so dürfen sie doch damit nicht etwa gleichgesetzt werden, weil,
wie Fig. 1 zeigt , die Richtung der Kanten p : y, verglichen mit
den Kanten y : m, darauf hindeutet, daß bei y die Makrodiagonale
etwas länger, der vordere innere Prismenwinkel also entsprechend
größer ist als bei p. Ja, bei Betrachtung der einzelnen Kristalle
kommt man leicht zu der Ansicht, es müsse dieser Unterschied
noch größer sein, doch ist dies vielleicht auf eine, wenn auch
sehr schwache Krümmung der Flächen y zurückzuführen.
Da der oben für y bei Kristall VI berechnete Prismenwinkel
1 Zeitschr. f. Frist. 3. p. 479.
2 Ebenda. 9. p. 386.
3 Der Lage nach wohl dieselbe, welche Gonk^rd als b §§ = (40 . 40 . 39)
bezeichnet und für die er auch mit diesem Symbol meist gut stimmende
Winkelwerte erhielt.
lieber die goniometrischen Verhältnisse etc.
309
88°5l£' dem wirklichen Winkel des Protoprismas 88° 55j' sein-
nahe kommt, so könnte man y hier wohl als eine Protopyramide
auffassen, welche ein wenig steiler wäre als die Grundform. Es
ergibt sich nämlich aus y, : y2 = 37 0 3' und y2 : y3 = 37 0 4 9 .('
das Achsenverhältnis
a : b : c = 0.980233 : 1 : 0,356559,
welches, verglichen mit dem oben angeführten nach Negiu,
a : b : c = 0,981118: 1 : 0,352837
auf das angenäherte Symbol {89 .89 . 88} |-| P führt. Die Mittel-
werte (yl : v2 = 37 0 y2 : y3 — 37 0 46f') führen natürlich wieder
auf ein etwas abweichendes Achsenverhältnis :
a : b : c := 0.983273 : 1 : 0,357273,
demnach auch auf ein anderes, kompliziertes Symbol. Doch ist
diesen Symbolen kein besonderer Wert beizumessen, sie können
nur zur Orientierung über die allgemeine Lage solcher Vizinal-
flächen dienen. Überdies ist hier mit der Schwierigkeit zu rechnen,
die Winkel der Grundform bezw. das wirkliche Achsenverhältnis
für die jedesmal untersuchten Kristalle festzustellen, woher es
kommt, daß für weitere Vergleiche und Ableitungen die sichere
Grundlage fehlt.
An zwei von andern Stufen des
menen Kristallen fand ich noch : p,
! : x2 = 33° 51';
(am gleichen Kristall)
gleichen Fundortes entnom
= 36° 47', 18'
16f
: P,
x, :
== 1
284-':
37° 544';
Pi
Pi
27 V
ui,
P*
Xj
nu
== 37° 16',
resp. p2 : x2
= 88° 554'.
b) Natürliche Ätz-
figuren. Bei genauerer,
eventuell mikroskopischer
Betrachtung der Pyramiden-
und Prismenflächen mancher
Natrolithkristalle findet man,
daß dieselben mit natürlichen
Ätzfiguren bedeckt sind. Von
vollkommenster Ausbildung
sind letztere auf den Pyra-
midenflächen , wo sie auf
Teilen p (Fig. 2) als äußere
Begrenzung die Form gleich-
schenkliger Dreiecke zeigen,
während ihre vertieften Kan-
ten hierzu unsymmetrisch
liegen. Doch sind die Eindrücke benachbarter Pyramidenflächen
nach (100) und (010) symmetrisch angeordnet. Etwas abweichend
gestaltet erscheinen sie auf Teilen x. Solche Ätzeindrücke, oft von
Fig.
310
H. Baumhauer
großer Schärfe, beobachtete ich an mehreren Kristallen vom Puy de
Marman. Daneben bemerkt man auch schmale, glänzende Pi’ärosions-
flächen an den makrodiagonalen Polkanten der Pyramide, sowie
breitere, rauhe an den Kanten (111): (III) und (lll) : ( 1 1 1 ),
falls solche ausgebildet sind. Schmale Prärosionsflächen erscheinen
endlich an den Kanten (110) : (lll), (HO) : (III), bezw. (110) : (1 11)
und (HO) : (lll).
Von besonderem Interesse sind die natürlichen Ätzfiguren auf
den Prismenflächen. Sie sind nämlich nicht, wie es der rhom-
bischen Holoedrie entsprechen würde, nach oben und unten sym-
metrisch, sondern ganz unsymmetrisch gestaltet und deuten deshalb
und wegen ihrer An-
ordnung auf benach-
barten Prismenflächen
bestimmt auf Hemi-
morphismus nach
der Vertikalachse
hin. Fig. 3 zeigt solche
Ätzfiguren, welche an
einem Kristall vom
y»)
(Hl)
Oii)
CH“)
(Hl)
CO
i
Cä
CO
(Ho)
Oio)
0M
(HO)
( i io)
Fig. 3.
Puy de Marman beobachtet wurden. Sie sind mikroskopisch klein,
aber recht gut ausgebildet. Auf den Flächen von a { 1 00) , in Fig. 3
mit denen von {110} in der Ebene der Zeichnung ausgebreitet, be-
merkt man nur feine und dicht gedrängte, vertikal verlaufende Streifen.
c) Künstliche Ätzfiguren. Zur Erzeugung künstlicher
Ätzfiguren wurden die Kristalle während einiger Sekunden der
Einwirkung sehr stark ver-
dünnter wässeriger Fluß-
säure ausgesetzt. Dabei wur-
den sowohl auf den Pyra-
miden- als auch auf den Pris-
menflächen deutliche Ein-
drücke erhalten. Fig. 4 stellt
einen so geätzten Kristall
vom Puy de Marman, in der
Richtung der Vertikalachse
gesehen, dar. Neben den vier-
seitigen unsymmetrischen
und flacheren Eindrücken,
wie sie diese Figur zeigt,
treten aber auch solche auf,
welche sich durch Vertiefung
gewisser Flächen schlauch-
förmig ins Innere des Kristalls fortsetzen und an ihrer Öffnung
als dunkle Vierecke erscheinen (s. Fig. 4 bei a), eine bekanntlich
auch sonst an Ätzfiguren häufig zu beobachtende Erscheinung. Die
ir
Ueber die goniometrischen Verhältnisse etc.
311
(Hi)
(<L)
(111)
(il<)
G
0
G
0
_ Qi°)
0 «)_
(110)
(110)
Fig. 5.
in der Figur punktierten Linien treten im durchfallenden Lichte
u. d. M. scharf hervor und hängen gewiß mit der Entwicklung und
Begrenzung der auch oberflächlich zu beobachtenden vizinalen
Flächen zusammen. Auf
den Prismenflächen er-
scheinen Ätzfiguren, wie
sie Fig. 5 darstellt. Die-
selben sind manchmal
von guter , manchmal
von weniger guter Aus-
bildung; sie beweisen,
ebenso wie die natür-
lichen (Fig. 3), die hemi-
morphe Natur unseres Minerals. Ganz ähnlich gestaltete, aber
natürliche Ätzfiguren beobachtete ich übrigens auch auf deu Pris-
menflächen gewisser Kristalle vom Puy de Marman und von Bergen
Hill, N. J.
Die mit verdünnter Flußsäure auf (l 10) erhaltenen Eindrücke
variieren — wohl infolge ungleich starker Verdünnung der an-
gewandten Säure — bei verschiedenen Prä-
paraten mehr oder weniger in ihrer Form.
Fig. 6 zeigt einige derartige Formen in der-
jenigen Stellung, welche der ersten Fläche (110)
in Fig. 5 entspricht; stets ist ihr unsym-
metrischer Bau deutlich zu erkennen. Manch-
mal sind die Ätzfiguren auch weniger deutlich,
indem sie dicht zusammengedrängt liegen oder
durch Verzerrung , Rundung oder Schlauch-
bildung deformiert sind. Überhaupt gehören
die Natrolithkristalle zu denjenigen, welche im
ganzen nur mäßig gut entwickelte künstliche
Ätzfiguren liefern. Auffallend ist der Umstand,
daß man auf Spaltungsflächen (110) meist nur vereinzelte und
relativ wenig gut ausgebildete Ätzfiguren erhält, doch entsprechen
auch diese dem Hemimorphismus nach der Vertikalachse.
d) Z willings bil düng. Nach Stadtländer1 erscheinen
an garbenförmigen Kristallgebilden vou Natrolith (vom Stempel
bei Marburg) zuweilen die Pyramiden-Polkanten an den beiden
Enden gegeneinander verwendet, was auf eine Zwillingsverwachsung
deute nach dem Gesetz: „Zwillingsachse die Normale auf (110),
Zusammensetzungfläche die Basis“. Lacroix2 beschreibt diese
Zwillingsbildung folgendermaßen: „J’ai constate que les cristaux
du Puy de Marman et de Parentignat, malgre leur apparente homo-
Fig. 6.
1 N. Jahrb. f. Min. etc. 1885. II. p. 113.
2 Mineralogie de la France. 1897. 2. p. 264 ff.
312 H. Baumhauer, Ueber die goniometrischen Verhältnisse etc.
geneite, presentent d’une fagon presque constante des macles eit
rappört avee leur symetrie pseudo-quadratique. Quand en effet on
examine en Inmiere polarisee parallele une section parallele ä
p (001), on la croit homogene, mais si on 1 ui superpose un mica
qnart d’onde, on constate, que la bordure de la plaque est criblee
de bandes ou de petites plages irregulieres, dans lesquelles le plan
des axes optiques est situe sensiblement ä 90° de celni du reste
de la preparation. — Ces groupements s’expliquent aisement par
une macle snivant in (HO), avec rotation de 90° autour de Taxe
vertical, qui est presque une axe pseudoquaternaire“.
Wie sogleich gezeigt werden soll, verhält es sich mit dieser
Zwillingsbildung in Wirklichkeit etwas anders; auch würde eine
Drehung des einen Individuums gegen das andere um die c- Achse
um 90° nicht genau zu einer Verbindung nach (110) führen, da
der Prismenwinkel um etwa 1° von 90° abweicht.
Die bisherige Annahme, wonach der Natrolith der holoedrischen
(bipyramidalen) Klasse des rhombischen Systems angehört, würde
nur zu einem einzigen derartigen Zwillingsgesetze führen, nach
welchem die beiden miteinander verwachsenen Kristalle nach (HO)
zueinander symmetrisch liegen und gleichzeitig der eine zum
anderen hemitrop ist. Wenn aber, wie
gezeigt wurde, der Natrolith dem Hemi-
morphismus nach der Vertikalachse unter-
liegt, so sind zwei Fälle zu unterscheiden :
1. Spiegelung nach (110) (ohne Hemi-
tropie) und 2. Hemitropie um die Nor-
male zu (110) (ohne Spiegelung). Die
Beobachtung der Ätzfiguren, wie ich sie
an mehreren mit sehr verdünnter Flußsäure
behandelten Kristallen anstellen konnte,
entscheidet die Frage nach der Art der
Zwillingsverwachsung im letzteren Sinne.
Die betreffenden Präparate zeigen sehr
kleine, aber stellenweise relativ gut aus-
gebildete Eindrücke auf {l 10}, welche in
zwei verwendeten Stellungen auftreten , wie es Fig. 7 darstellt.
Die Ätzfiguren sind daselbst bei ß gegen die bei a um die Normale
zur Prismenfläche um 1 80 0 gedreht. Dabei liegen die Ätzfiguren ß
auf solchen Stellen, welche sich in Form schmaler oder breiterer,
vertikal verlaufender Streifen über die Prismenflächen hinziehen.
Obgleich in den beiden verbundenen Individuen die Pole der
Vertikalachse entgegengesetzt liegen, sind erstere doch nicht
symmetrisch nach der Basis orientiert, wie sich aus der gegen-
seitigen Lage der Ätztiguren bei a und ß ergibt. Soviel mir
bekannt, liegt hier der erste Fall einer derartigen
Zwillingsverwachsung rhombisch-hemimorpher K r i -
Fig. 7.
H. Stremme, Ueber das Verhalten des Cimolits etc.
313
stalle vor, während symmetrische Verwachsungen nach der Basis
z. B. am Kieselzinkerz schon beobachtet wurden.
Mit dem Hemimorphismus steht vielleicht noch die Tatsache
im Zusammenhang, daß die sonst klaren Natrolithkristalle manch-
mal am aufgewachsenen Ende trüb, die Prismenflächen daselbst
auch am wenigsten glatt erscheinen, im Gegensatz zu der Be-
schaffenheit am frei ausgebildeten Ende. Ein ähnlicher Unterschied
macht sich auch beim Atzen sehr bemerklich : die deutlichsten
Atzflguren auf { 1 1 1)} liegen stets mehr nach dem freien Ende hin.
oft dicht an den betreffenden Pyramidenflächen, während das andere
Ende nur selten gute, distinkte Ätzeindrücke, vielmehr meist eine
eigentümlich rauhe Beschaffenheit der Prismenflächen aufweist,
wodurch der Kristall daselbst nur noch durchscheinend ist und
weißliche Färbung zeigt.
Ueber das Verhalten des Cimolits vor dem Lötrohr mit
Kobaltsolution.
Entgegnung an St. J. Thugutt '.
Von H. Stremme in Berlin.
In seiner ersten Kritik1 2 der von mir übernommenen Ansicht
Groth’s von der Gemengenatur der Mineralien aus der Allophan-
gruppe fand St. J. Thugutt die Anfärbung der Allopkanoide mit
organischen Farbstoffen, ebenso wie ihr Verhalten vor dem Lötrohr
mit Kobaltsolution, so individuell geartet, daß ihm eine Anzahl
verschiedener Verbindungen zwischen Tonerde und Kieselsäure vor-
zuliegen schien. In meiner Entgegnung 3 hatte ich die Abhängig-
keit der scheinbar so individuellen Anfärbung von Allophanoideu.
mit organischen Farbstoffen einerseits vom Alter dieser Mineralien
bezw. dem Grade ihrer Austrocknung, andererseits von den ab-
sorbierten Basen erwiesen. Diese meine Befunde bestätigt Thugutt
mit Ausnahme des an einem frischen Allophan von Untersdorf
erhaltenen, der ihm nicht zur Verfügung stand. Nicht bestätigt
i wird dagegen von Thugutt meine Deutung des Verhaltens vor
dem Lötrohr mit Kobaltsolution. Thugutt hatte bei einem Cimolit
von Bilin und bei einem Razumoffskin vou Kosemütz anstatt der
sonst bei Allophanoiden gefundenen Reaktion auf Kobaltlösung
(Thenards-Blau) deren Fehlen beobachtet. Bei dem Razumoffskin von
Kosemütz konnte ich selbst sie feststellen, nicht dagegen bei dem
1 St. J. Thugutt, Über Allophanoide. Dies. Centralbl. 1912. p. 35.
2 St. .1. Thugutt, Sind wirklich Allophan etc.? Dies. Centralbl. 1911.
p. 97 — 103.
3 H. Stremme, Allophan, Hallovsit usw. Entgegnung an St. J. Thü-
GT'TT. 1911. p. 205.
314
H. Stremme, Ueber das Verhalten
Cimolit von Bilin, während Ivlaproth’s Cimolite von Kimolos und
Milo ebenfalls die Blaufärbung gaben. Aus dein Vergleich der
Analysen und den Angaben der Literatur batte ich gezeigt, daß
das abweichende Verhalten des Cimolites von Bilin auf seinen be-
trächtlicheren Gehalt an störenden Oxyden, namentlich Eisenoxyd,
zurückzuführen sei. Thugutt teilt in seiner Entgegnung Analysen
seines Razumoffskins und des von ihm untersuchten Cimolites mit.
Der Razumoffskin war in Wirklichkeit ein tonerdefreier Garnierit.
Rammelsberg’s Cimolit von Bilin hat Thugutt durch Behandeln
mit Bromoform in fünf Fraktionen zerlegt, von denen er die
leichteste, eine amorphe erdige, schmutziggelb gefärbte, „Cimolit,
dem noch etwas Anauxit beigemengt war“, nennt, während „die
allerschwerste weiße, aus doppelbrechenden, perlmutterglänzenden
Körnchen und Blättchen bestehende Fraktion aus mit Cimolit noch
ziemlich stark verunreinigtem Anauxit bestand“.
Fraktion 1 hatte eine wesentlich andere Zusammensetzung (A)
als die von Rammeusbehg (B) und v. Hauer (C) analysierten Cimo-
lite von Bilin :
A
B
C
SiO,
54,24
60,626
A1203
. 19,92
25,02
23.085
Fe, 03
—
5,22
4.207
FeO
2,49
—
—
CaO
0,87
1,275
Mg 0
Spur
0,56
0,910
Hj 0
. 12.56
14,37
9,124
Summe . .
. 100,60
100,28
99,227
Also mehr Kieselsäure, weniger Tonerde und namentlich kein
Eisenoxyd, sondern beträchtlich weniger Eisen als Eisenoxydul,
auch kein CaO und Mg 0. Obwohl die schmutziggelbe Farbe auch
in Thugutt’s Cimolitfraktion die Anwesenheit von Fe203 vermuten
läßt, wird dennoch das Eisen als FeO angegeben und ausdrück-
lich bemerkt, es träte entweder als FeC03 oder als FeSi03 auf.
Woher soll aber die gelbe Farbe kommen? Als Carbonat kann
das Eisen nicht vorhanden sein, da Thugutt keine Kohlensäure
festgestellt hat. Das Vorhandensein einer Verbindung Fe Si03 hat
Thugutt nicht bewiesen.
Bei der Lötrohrprobe färbte sich nach Thugutt die Anauxit-
fraktion mit Kobaltsolution schön blau, der starkgeglühte Cimolit
blieb dagegen unverändert; „schwach erhitzt, mit Kobaltsolution
benetzt und wiederum geglüht, färbte sich der Cimolit bläulich-
grau, welche Färbung möglicherweise auf Rechnung des beigemengten
Anauxits zu setzen ist“. Während ich selbst das Ausbleiben der
Reaktion bei der Biliner Augitpseudomorphose auf die Beimengung
von störenden Oxyden zurückführte, bestreitet Thugutt, daß bei
des C'imolits vor dem Lötrohr mit Kobaltsolution.
315
Gemengen von Tonerde und Kieselsäure selbst bedeutende Bei-
mengungen von MgO, FeO, CaO die Reaktion störten, und daß
iaucli natürliche Gemenge von Tonerde und Eisenoxyd Thenards-
Blau ergäben. Letzteres wird in auffallendem Licht unter der
Lupe an eisenoxydreichen Bauxiten von Beaux Arles, vom Yogels-
■ berg, von Wochein und an Latenten von St. Thomas und von
j Ceylon festgestellt. Nicht zu erkennen war die Blaufärbung da-
gegen bei einem sehr feinkörnigen, tiefbraungefärbten Beauxit von
Brignolles und „bei einer, wie es scheint, gibbsitfreien Probe des
I Laterits von Mungo 14 .
Daraus folgert Thugutt, das Fehlen der Kobaltreaktion beim
I Cimolit sei nicht auf die Metalloxyde, sondern auf die Bindung
j von Tonerde und Kieselsäure in ihm zurückzuführen. „Lockert
man diese Bindung, indem man z. B. den Cimolit mit ein wenig
Soda aufschließt, so kommt sofort die intensivste Blaufärbung zum
Vorschein.“
Bewegt sich hier Thugutt nicht in einem Zirkel? Er sagt,
Beimengungen machen bei Gemengen nichts aus, wohl aber bei
Verbindungen. Sein Cimolit soll eine Verbindung sein, müßten
da nicht die Beimengungen wirken ?
Wenn nun auch nach Thugutt's Angaben „selbst bedeutende
i Beimengung von Metalloxyden für das Auskommen der Kobalt-
Ireaktion, absolut irrelevant“ sind, so teilt doch Thugutt nicht
mit, wie sich eine Mengung der einzelnen Bestandteile entsprechend
der empirischen Zusammensetzung im Cimolit vor dem Lötrohr
verhält. Ich habe diesen Versuch unternommen und bei den Ge-
mengen die gleichen Erscheinungen wahrgenommen, die Thugutt
von seinem Cimolit beschreibt.
0,0785 g KAHUBAUM’sclies chemisch reines Kieselsäurehydrat,
enthaltend 0,0656 g SiO„; 0,0306 g KAHLBAUM’sches chemisch
reines Aluminiumhydroxyd, enthaltend 0,0199 g A1203; 0,0025 g
FeO, frisch bereitet durch Glühen von oxalsaurem Eisenoxydul,
wurden im Achatmörser innig miteinander verrieben. Es entstand
ein graues Gemenge, dessen Zusammensetzung war:
65,6 °/o Si 0
19,9 „ A10
2,5 „ FeO
23,6 „ HO
11 1,6 °/o,
also bis auf den höheren Wassergehalt genau die von Thugutt’s
Cimolit. Dieses Gemenge wurde zuerst ohne Befeuchtung mit
Kobaltsolution vor dem Lötrohr geglüht, wobei in der Oxydations-
flamme ein rötlicher Farbenton auftrat, der in der Reduktions-
flamme wieder verschwand; sodann wurde das Gemenge mit der
Kobaltlösung befeuchtet und abermals geglüht. Bei schwachem
H. Stremrae, Ueber das Verhalten
316
Glühen erhielt ich eine bläulichgraue, zusannuengesinterte Masse,
bei starkem Glühen eine schwarze glänzende Schlacke. Die gleichen
Erscheinungen traten ein, wenn ich das Gemenge gleich mit Kobalt-
lösung befeuchtete und erst dann glühte, oder wenn ich statt des
EisenoxjMuls die entsprechende Menge Eisenoxyd nahm. Als ich
die bläulichgraue Masse mit etwas Soda aufschloß, erhielt ich wie
Thugutt eine iutensiv blaugefärbte Schmelze. Die gleiche Farbe
erhielt ich jedoch auch, als ich das reine, tonerdefreie Kieselsäure-
hydrat nach dem erfolglosen Glühen mit Kobaltsolution mit etwas
Soda aufschloß. Das Verhalten bei Gegenwart von Soda hat also
nichts mehr mit der Reaktion auf Tonerde zu tun.
Wenn ich etwas mehr Eisenoxyd nahm, z. B. im Verhältnis
der Zusammensetzung von Rammelsberg’s Cimolit, so erhielt ich
ebenfalls keine Blaufärbung, sondern graue Sinterungen oder
schwarzglänzende Schlacken. Angesichts dieser Befunde will es
nichts besagen, daß Thugutt in seiner Entgegnung keinen Bezug
auf meine Prüfung der Cimolite Klaproth’s nimmt. Der typische
Cimolit von Kimolos gab die Blaufärbung. Wenn nun ein Biliner
Cimolit keine Blaufärbung erkennen läßt und nach Thugutt’s
irriger Ansicht nicht die Anwesenheit von Metalloxyden diese Ab-
weichung verursacht haben soll, so wäre — vorausgesetzt daß
Thugutt recht behalten hätte — hieraus zu schließen, daß Thu-
gutt’s Cimolit kein Cimolit sein könnte. Wie man also auch
Thugutt’s Befunde betrachten mag, sein Schluß, daß er den
Cimolit aus der Reihe der Allophanoide streichen müsse , ist ein
Trugschluß.
ln diesem Zusammenhang interessierte mich auch das Ver-
halten von anderen Cimoliten. Nach Knop 1 sind Augitkristalle
des Limburgites der Limburg unter der Einwirkung postvulkanischer
Dämpfe ebenfalls in Cimolit verwandelt. Dessen Zusammen-
setzung ist:
Si02 51,37
Ti 02 9,61
A1203 12,70
Fe2Os 12,50
Ca 0 0,00
Mg 0 3,09
K20 0,51
Na2 0 0,90
H20 . . . ■ ■ 9,21
Summe . . . 99,89.
M. HENGLEix-Karlsruhe war so liebenswürdig, das Verhalten von
Knop’s Originalmaterial mit Kobaltsolution zu untersuchen. Auch
1 A. Knop, Der Kaiserstuhl im Breisgau. 1892. p. 76.
des Cimolits vor dem Lötrohr mit Kobaltsolution.
317
hier war nicht Blaufärbung, sondern schwarze Schlackenbildung
- zu beobachten. Nach Henglein’s Ansicht ist das Fehlen der
Blaufärbung auf die hohen Mengen störender Substanzen in diesem
Gimolit zuriickzuführen. Meine Prüfung mit einem Gemenge von
Si, 0, A1203 und Fe203 in entsprechenden Mengen bestätigte diese
Ausiclit. Auf Titansäure hatte übrigens Thugutt bei seinem
Cimolit nicht geprüft. Nach einer freundlichen Untersuchung von
0. HÄHN’EL-Berlin enthielt eine Biliner Pseudomorphose 1,2 °/o TiO.,.
Wenn so Thugütt’s Versuche mit dem Cimolit als wenig-
einwandfrei nachgewiesen werden konnten, so vermag ich auch
seinen übrigen Einwendungen gegen die Zusammengehörigkeit der
von mir zusamuieugestellten Alloplianoide nicht beizustimmen.
Nicht weil die Alloplianoide Kieselsäure und Tonerde an Wasser
abgeben, wie Thugutt mich fälschlich sagen läßt, können in ihnen
Säure uud Base nur absorbiert und nicht chemisch gebunden sein,
sondern weil es möglich ist, aus ihnen die Alkalien mit Wasser
auszuwaschen. Aus kristallisiertem Nephelin , Sodalith usw. ist
dies nicht möglich. Diese Mineralien geben nur geringe Mengen
Alkali an Wasser ab. Daß ich die Möglichkeit der Existenz freier
Tonerdekieselsäuren verneine, ist ein Irrtum Thugutt’s. Ich habe
mich selbst bemüht, den Kaolin als eine freie Tonerdekieselsäure
zu erweisen1 . Aber hier haben wir den Beweis der Bindung
zwischen Tonerde und Kieselsäure in seiner Schwerzersetzlichkeit
durch Säuren.
Daß auch Alloplianoide durch Säuren schwer zersetzt würden,
wie Thugutt sagt, ist quantitativ in keinem Falle nachgewiesen.
Thugutt gibt speziell deu Steargillit an, der nach Dana’s Angabe
„von Säuren überhaupt nicht angegriffen“ würde. Dana sagt
jedoch lediglich „insoluble in acids“. Auf die Löslichkeit in
Säuren kommt es bei den Mineralien, die gegenüber den Kunst-
produkten ihre geologischen Schicksale haben, nicht an, sondern
auf die Aufschließbarkeit. Nach seinem hohen Wassergehalt (27° Io
und mehr, davon der größte Teil bei 100° flüchtig) zu urteilen,
wird Steargillit von Salzsäure aufgeschlossen. Aber mit dem
Augenschein darf man sich bei einer solchen Untersuchung nicht
begnügen, wie dies Thugutt 1 bei seiuer Darstellung angeblich
salzsäureunlöslichen Kaolins aus salzsäurelöslichem, künstlichem,
nur z. T. kristallisiertem Kalinephelin mit Hilfe von Carbolsäure
tat. Seit der Veröffentlichung meiner von Thugutt angegriffenen
Arbeit im Jahre 190S habe ich selbst in Gemeinschaft mit yan
der Leeden und Aarnio und namentlich auch van der Leeden
allein 1910 und 1911 wiederholte quantitative Löslichkeitsbestim-
mungen von Allophanoiden veröffentlicht und auf die merkwürdigen
Veränderungen der Löslichkeit mit dem Altern und Austrocknen
1 H. Stremme, Die Chemie des Kaolins. Fortschritte der Minera-
logie. 1912.
318
Besprechungen.
dieser Gele liingewiesen. Von diesen Mitteilungen hat jedoch
Tiiugutt in seiner Kritik keine Notiz genommen.
Was die angeblich stärkeren Schwankungen der Naturkörper
in bezug auf Härte, spez. Gew. und Verhalten unter dem Mikro-
skop gegenüber den Kunstprodukten angeht, so ist ein solches an-
gesichts der außerordentlichen Variation ihrer Zusammensetzung,
ihrer vielfach abweichenden Entstehung und ihres oft eigenartigen
Vorkommens gewiß zu erwarten. Während ich jedoch über 50
dieser Körper in meiner Tabelle angegeben hatte, nennt Thugutt
nur 9 in der einen oder anderen Hinsicht abweichende, von denen
ich einen, den Termierit, nicht mit aufgeführt hatte. Im einzelnen
ist oft leicht die Ursache der Abweichung zu linden. So wird
von Ivollyrit die Härte 1 (bei Dana 1 — 2) angegeben, gegen
2,5 — 3 bei künstlichen Stoffen. Von letzteren habe ich glatte,
ausgetrocknete, horn- oder glasartige Stücke von ca. cm Größe
untersucht. Der Kollvrit mit der Härte 1 ist dagegen tonig, fein-
erdig. Ein Ivunstprodukt von ähnlicher Beschaffenheit hat die
gleiche Härte. Von Samoit wird eine besonders große Härte und
der Mangel an Plastizität angegeben. Dana schildert dieses
Mineral als stalaktitisch , mit Lamellarstruktur. Dies ist eine
Form, die man im Laboratorium kaum hersteilen kann. Auch
Opal und Hyalith wären nach Cornu und anderen Autoren Gele,
ohne plastisch zu sein und die geringe Härte des Kieselsäuregels
zu besitzen. Gele sind übrigens auch nicht stets plastisch.
Thugutt wiederholt die Ansicht, es könnten in den Allopha-
noiden Alumokieselsäuren vorhanden sein. Demgegenüber ist fest-
zustellen, daß ein Vorkommen durch Salzsäure leicht zersetzbarer
Alumokieselsäuren bisher nicht bewiesen ist. Diese leichte Zer-
setzbarkeit läßt eher den Mangel einer Bindung zwischen Tonerde
und Kieselsäure vermuten, auch bei kristallisierten Mineralien, für
die Doelter’s 1 Annahme von festen Lösungen wahrscheinlicher
ist. Ungeachtet der großen Verschiedenheit in der Zersetzbarkeit
schreibt Thugutt Nephelin, Anorthit, Glimmer, Kaolin, Sanidin,
Natrolith die gleiche Alumokieselsäure zu.
Berlin, 17. März 1913.
Besprechungen.
F. Rinne: Elementare Anleitung zu k ristallogra-
phisch-optischen Untersuchungen vornehmlich mit
Hilfe des Polarisationsmikroskops. 2. Aufl. Leipzig bei
Max Jänecke. 1912. 161 p. Mit 4 Taf. und 36 Textfig. (Vergl.
dies. Centralbl. 1901. p. 19.)
1 C. Doelter, Handbuch der Mineralchemie. 2. p. 35.
Besprechungen.
319
Wir haben hier die zweite Auflage des 1900 erschienenen
und längst vergriffenen Buches desselben Verfassers: Das Mikro-
skop im chemischen Laboratorium, vor uns, auf mehr als die
doppelte Zahl von allerdings erheblich kleineren, das Format hand-
licher machende Seiten ausgedehnt und mit zahlreicheren Ab-
bildungen ausgestattet. Eine nicht unerhebliche Erweiterung hat
i die geometrische Kristallographie als Grundlage für die kristallo-
graphisch-optischen Untersuchungen erfahren und es wurde dabei,
sowie für die Darstellung auch der letzteren die stei’eographische
Projektion in größerem Umfang herangezogen. Auch die Über-
sicht über die optischen Verhältnisse wurde erweitert und die In-
I st r Hinente, Mikroskop mit Nebenapparaten eingehender beschrieben
, und durch zahlreichere Abbildungen erläutert, auch eine kurze
' Anweisung zu metallograpischen Untersuchungen hinzugefügt. Bei
l der Auswahl der Methoden wurden die für Anfänger am meisten
zu empfehlenden besonders bevorzugt und den älteren mehrere
neue Untersuchungsarten beigefügt (Abkühlungsmethode, BECKE’sche
Linie und Einbettung von Schröder van der Kolk, Totalreflekto-
meter, Längen- und Dickenmessung, Ultramikroskop, Herstellung
der Präparate und Schleifapparat von Wülfing etc.). Der gegen
I früher etwas abweichend eingeteilte Inhalt ist in die folgenden
Hauptabschnitte zerlegt : I. Geometrische Kristallographie als
, Grundlage für kristallographisch-optische Untersuchungen. II. Be-
merkungen über das kristallographische Mikroskop. III. Hilfs-
apparate zum Mikroskop. IV. Präparate. V. Gebrauch des Mikro-
skops. VI. Längen- und Dickenmessung. VII. Winkelmessung.
VIII. Beziehungen zwischen geometrischer und optischer Symmetrie
i der Kristalle. IX. Methoden der optischen Untersuchung von
Kristallen, und zwar Untersuchungen im parallelen polarisierten
Licht und im konvergenten polarisierten Licht. Den Schluß machen
Ubungsbeispiele für optische Untersuchungen und ein Sachregister.
In seinem neuen Gewände steht Rinnf.’s Buch ganz auf dem neuesten
Standpunkt, den er dem Anfänger in klarer, leicht verständlicher
Weise vermittelt. Es ist also zu erwarten und zu hoffen, daß
die neue Auflage sich bald derselben Beliebtheit zu erfreuen haben
wird, wie seinerzeit die alte. Max Bauer.
O. Dreher: Das Färben des Achats. Idar bei E. Keßler.
1913. 20 p.
Verf. stellt die bisher bekannt gewordenen Methoden der
Achatfärbung kurz zusammen und gibt so einen interessanten Ein-
blick in dieses für die Schleifereien in Idar so wichtige Verfahren.
Max Bauer.
320
Besprechungen. — Berichtigung. — Personalia.
J. Volney Lewis: Determinative Hineralogy vvith
T a b 1 e s f o r t h e Determination o f Minerals b y Means
of t lieir Chemical and Physical Cliaracters. New York
bei John Wiley and Sons, 1913. VI 151 p. Mit 68 Figuren
im Text.
Dieses Buch ist zum Bestimmen der Mineralien hauptsächlich
mittels der Lötrohrreaktionen sehr gut geeignet, und da ein reiches
Material mittels mehreren Tabellen in knapper Form gegeben ist,
wird dasselbe sehr wahrscheinlich viel von Studenten der Mineralogie
und Geologie und des Bergbaus benutzt werden.
Zuerst werden die gewöhnlich angewandten Apparate, Rea-
geutien, Lötrohroperationen und chemische Reaktionen beschrieben.
Dann folgt ein kurzer Abschnitt von sechs Seiten über Krystall-
formen. Beschreibende und technische Ausdrücke und Nomenklaturen
werden dann erläutert. Die Tabellen zum Bestimmen der Mineralien
sind auf den wohlbekannten und vielfach in Amerika benutzten
Tabellen von Brush und Peniueld basiert, jedoch viel vereinfacht,
und können zum Bestimmen von 380 Mineralien gebraucht werden,
deren Wichtigkeit bequem durch Verschiedenheiten in der Größe
des Druckes angedeutet ist. Außer den charakteristischen Lötrohr-
und chemischen Reaktionen werden auch Zusammensetzung, Farbe,
Glanz, Härte, Dichte, Schmelzbarkeit, Krystallisation, Blätterbruch
und Bruch in den Tabellen angeführt. Um das Nachschlageu von
eingehenden Beschreibungen der verschiedenen Mineralien zu er-
leichtern werden unter den Mineralnamen Seitenangaben zu dem
Textbook of Mineralogy von E. S. Dana und zu der sechsten Auf-
lage des DANA’schen System of Mineralogy gegeben.
Das Material ist gut angeordnet, auch der Druck ist gut.
Zweifelsohne werden diese neuen Tabellen viele Freunde finden.
E. H. Kraus.
Berichtigung.
Auf p. 194 dies. Centralbl. 1913. Heft 7, Bauxit oder Sporo-
gelit? von C. Doelter und E. Dittler soll statt Al203 xH20
Al203xH20 gelesen werden.
Personalia.
Ernannt: Der etatsmäßige a. o. Professor der Mineralogie,
Geologie und Paläontologie Dr. Wilhelm Salomon in Heidelberg
zum Ordinarius daselbst.
H. E. Boeke, Bemerkung etc.
321
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Bemerkung über die Theorie von J. Johnston bezüglich des
Verhaltens fester Stoffe unter ungleichförmigem Druck.
Von H. E. Boeke in Halle a. S.
Vor kurzem hat J. Johnston 1, z. T. gemeinsam mit L. H. Adams,
eine sehr bemerkenswerte Theorie über das Verhalten fester Stoffe
unter ungleichförmigem Druck mitgeteilt, die geeignet ist, auch
auf den Prozeß der Gesteinsmetamorphose durch Druck weitgehende
Anwendung zu Anden. Einige kurze Bemerkungen über diese Theorie
mögen hier Platz Anden.
Unter ungleichförmigem Druck in dem engeren, uns hier
interessierenden Sinne versteht man einen nur auf der festen Phase
und nicht oder in geringerem Maße auf der damit im Gleichgewicht
stehenden Flüssigkeit lastenden Druck. Es ist schon lange be-
kannt, daß ein solcher Druck einen viel größeren EinAuß auf
die Schmelztemperatur ausübt als ein gleichförmiger, d. h. auf beiden
Phasen gleichmäßig lastender („hydrostatischer“) Druck von der-
selben Größe. Außerdem ist es von besonderem Interesse, daß
der ungleichförmige Druck immer eine Erniedrigung des
Schmelzpunkts hervorruft, während der gleichförmige Druck im
allgemeinen eine Erhöhung, nur in einigen Ausnahmefällen eine
schwache Erniedrigung des Schmelzpunkts verursacht.
Die Schmelzpunktsänderung in den beiden Fällen eines
gleichförmigen (I) und ungleichförmigen (II) Drucks läßt sich
thermodynamisch ableiten. Die Formeln weisen große Ähnlich-
keit auf:
d t
dp
T(Vfl V
fest
(I) und
d t
T V
fest
Q
(II),
Q V-/ “ dp
T = absolute Schmelztemperatur,
Vfl Vfest = speziüsches Volum der Aussigen und festen Phase,
Q = Schmelzwärme.
Die Schmelzpunktsänderung bei ungleichförmigem zu der bei
gleichförmigem Druck verhält sich mithin wie das Volum der festen
Phase zur Volumdifferenz fest — Aiissig, was die Wirksamkeit des
ungleichförmigen Drucks klar erkennen läßt.
1 J. Johnston, Eine Beziehung der elastischen Eigenschaften der
Metalle zu einigen ihrer physikalischen Konstanten. Zeitschr. f. anorg.
Chem. 1912. 76. p. 361 — 379 (unten als A bezeichnet). — J. Johnston
und L. H. Adams, Über den EinAuß hoher Drucke auf das physikalische
und chemische Verhalten fester Stoffe. Ibid. 1913. 80. p. 281 — 334 (B).
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913. 21
322
E. E. Boeke, Bemerkung über die Theorie
Die beiden obigen Differentialgleichungen können als streng
gültig bezeichnet werden, sie erhalten jedoch erst eine ausgedehnte
Anwendungsfähigkeit, wenn die Integration ausgeführt und damit
eine Formel für ein endliches Temperaturintervall erlangt wird.
Die Integration wurde von Johnston unter gewissen einfachen
Annahmen bezüglich der Änderung der Schmelzwärme und des
spezifischen Volums mit Temperatur und Druck durchgeführt. So
konnte der ungleichförmige, nur auf der festen Phase lastende
Druck berechnet werden, der nötig ist, um den Schmelzpunkt
hochschmelzender Stoffe auf Zimmertemperatur herabzusetzen. Die
Rechnungen wurden für 27° (— 300° absolut) gemacht. Diese
Drucke sind auffällig gering und betragen für Körper mit einem
Schmelzpunkt von etwa 1000° (unter gewöhnlichen Umständen) nur
etwa 20 000 Atm., also einen Druck, der mit einer Laboratoriums-
presse unschwer erreicht werden kann.
Die Theorie von Johnston und Adams geht nun dahin, daß
jede dauernde Deformation kristalliner Stoffe
— z. B. das Fließen von Metallen durch eine Öffnung oder die
Deformation von Gesteinen durch ungleichförmigen Druck —
dadurch verursacht wird, daß der Stoff schmilzt,
wo der Druck eine hinreichende Größe erlangt, in
die Zwischenräume fließt, wo der Druck geringer
ist und sich dort wieder verfestigt (vergl. A, p. 371
unten). Dieses Umschmelzen betrifft jedesmal nur einen kleinen
Bruchteil der gesamten kristallinen Masse gleichzeitig. Man sieht,
daß hier also eine starke Ausdehnung des Regelationsbegriffs vor-
liegt (Übergang von Schnee in Gletschereis durch intermediäres
Schmelzen).
Wie gesagt, beruht diese Theorie auf völlig sicherer thermo-
dynamischer Grundlage und ist nur die Integrierung anfechtbar,
jedoch auch mehr in quantitativer als in qualitativer Hinsicht. Es
gilt daher die Anwendbarkeit der Theorie zu prüfen. Da ergibt
sich dann als erste Vorbedingung das Vorhandensein von Hohl-
räumen im kristallinen Stoffe. Bei Körpern von normalem
spezifischem Gewichte sind solche Hohlräume eigentlich nicht anzu-
nehmen. Um über diese Schwierigkeit hinwegzukommen, ziehen
die Verf. (B, p. 329 — 330) eine Molekularvorstellung heran und
scheinen sich die notwendigen Hohlräume als zwischen den Mole-
külen des Kristalls bestehend zu denken, — womit dann allerdings
der Begriff des Schmelzens seine Bedeutung verliert und das Problem
gewissermaßen außer Diskussion gestellt wird.
Wir wrollen daher annehmen, daß für die Wirkung des un-
gleichförmigen Drucks Zwischenräume von nicht molekularen
Dimensionen vorliegen, wie sie im Gestein entweder primär vor-
handen sind oder bei der natürlichen oder künstlichen Kataklase
(Zertrümmerung) geschaffen werden.
von J. Johnston bezüglich des Verhaltens fester Stoffe etc. 323
Derartige Wirkungen ungleichförmigen Drucks mit oder ohne
Kataklase sind bei Mineralen und Gesteinen wiederholt experimentell
untersucht, in letzter Zeit besonders von F. Rinne und F. D. Adams.
Hier ist also eine konkrete Prüfung der Theorie von Johnston-
Adams möglich. Viele der durch Druck dauernd deformierten
Versuchskörper können ohne Zerfall umkristallisiert werden (sie
schmelzen „kongruent“), wie etwa Steinsalz, Kalkspat, Quarz,
Flußspat; in diesen Fällen könnte sich also das intermediäre
Schmelzen jeder nachträglichen Feststellung entziehen. Bei anderen
dagegen, wie Carnallit und Granat, kann man als ziemlich sicher
annehmen, daß sie auch unter den Bedingungen des ungleichförmigen
Drucks und der niederen Temperatur inkongruent, d. h. unter
Mineralneubildung, schmelzen. Der Nachweis einer der-
artigen Mineralneubildung in den deformierten Körpern wäre ein
konkreter Beweis für die Richtigkeit der besprochenen Theorie.
Carnallit kann bekanntlich nur unter Bildung von festem
Chlorkalium in Wasser gelöst werden, solange nocli fester Carnallit
vorhanden ist. Im eigenen Kristallwasser schmilzt der Carnallit
bei 167,5° ebenfalls unter Abscheidung von Chlorkalium1 2. Man
kann wohl als sicher voraussetzen, daß auch bei gewöhnlicher
Temperatur eine Schmelzung im Kristallwasser nur unter Sylvin-
bildung möglich ist. Bei den Druckversuchen von F. Rinne 2 ist
jedoch der deformierte Carnallit einheitlich geblieben, wenn auch
von feinen Rissen und Sprungsystemen durchsetzt, unter Neu-
auftreten von Zwillingslamellen. Wäre die Deformation infolge
von intermediärem Schmelzen vor sich gegangen, so dürfte man
Spuren der Sydvinbildung erwarten.
Granat liefert nach alter Erfahrung beim Umkristallisieren
eine Anzahl anderer Minerale, je nach der Zusammensetzung des
Ausgangsmaterials, und niemals wiederum Granat. Man kann als
wahi’scheinlich annehmen, daß auch die Umschmelzung des Granats
bei gewöhnlicher Temperatur infolge des ungleichförmigen Drucks
inkongruent geschehen würde. F. D. Adams3 fand jedoch in dem
durch künstliche Kataklase defonuierten Granat nur den Ausgangs -
Stoff, keine Mineralneubildungen. Auch in diesem Falle ist mithin
1 J. H. van’t Hoff und W. Meyerhoffer, Zeitschr. f. Physik. Chemie.
1899. 30. p. 64. „Der trockne Carnallit schmilzt bei der Temperatur von
167,5°, indem der größte Teil des KCl am Boden zurückbleibt, während
das ganze MgCl2 mit dem Wasser in Lösung geht.“
2 F. Rinne, Über die Umformung von Carnallit unter allseitigem
Druck im Vergleich mit Steinsalz, Sylvin und Kalkspat, von Koenen-
Festschrift, Stuttgart 1907. p. 369 — 376.
3 F. D. Adams, An experimental Investigation into the Action of
differential Pressure on certain Minerals and Rocks, employing the Process
suggested by Professor Kick. Journ. of Geology. 1910. 18. p. 489 — 525,
insbesondere p. 510.
21*
324
Y. M. Goldschmidt, J. Rekstad, Th. Vogt,
die Erscheinung, die als Beweis der Schmelztheorie gelten würde,
nicht eingetreten.
Andererseits bildet die auffallende Tatsache, daß die Dichte
von Metallen durch die Deformation im allgemeinen geringer
wird1, eine gewisse Stütze der Schmelztheorie, wenn man mit
Johnston und L. H. Adams (B, p. 331) annimmt, daß ein Teil
des durch den ungleichförmigen Druck geschmolzenen Metalls
unterkühlt flüssig bleibt. Allerdings ist diese Annahme mit unseren
Erfahrungen über die Instabilität unterkühlter Metallschmelzen in
Berührung mit der kristallinen Phase in direktem Widerspruch.
Zum Schluß möchte ich besonders betonen, daß die obigen
Zeilen nicht als eine absprechende Kritik, sondern als eine An-
regung bei der weiteren Erforschung des Gegenstandes von dem
neugewonnenen Gesichtspunkte aus, den wir J. Johnston verdanken,
zu betrachten seien.
Mineralogisches Institut der Universität Halle a. S.
Zu Herrn Joh. Koenigsberger’s geologischen Mitteilungen über
Norwegen.
Von V. M. Goldschmidt, J. Rekstad. Th. Vogt.
Herr Joh. Koenigsberger, der im Jahre 1910 einige Wochen
in Norwegen reiste, hat seitdem in mehreren Abhandlungen Be-
obachtungen und Hypothesen über norwegische Geologie veröffent-
licht. Da seine Angaben eine Anzahl von Irrtümern enthalten,
sind wir zu einer Widerlegung genötigt, damit nicht unser Schweigen
als Zustimmung gedeutet wird und seine Angaben in die Literatur
übernommen werden. Die folgende Zusammenstellung dürfte ge-
nügen, um unser Urteil zu begründen ; sie macht noch keinen An-
spruch auf Vollständigkeit, da einige von Herrn Koenigsberger’s
Angaben erst diesen Sommer nachgeprüft werden sollen.
I.
Comptes rendus du XI. Congres geologique international.
Stockholm 1910. p. 639. „Die kristallinen Schiefer der zentral-
schweizerischen Massive und Versuch einer Einteilung der kristal-
linen Schiefer.“
Herr Koenigsberger führt in diesem Vortrag als Beispiele
1 J. Johnston und L. H. Adams, Die Dichte fester Stoffe, mit be-
sonderer Berücksichtigung der durch hohe Drucke hervorgerufenen
dauernden Änderungen. Zeitschr. f. anorg. Chem. 1912. 76. p. 274—302.
Hier auch die weitere Literatur.
Zu Herrn Job. Koenigsberger’s geologischen Mitteilungen etc. 325
auch Kontakterscheinungen aus dem Kristianiagebiet1 an und be-
tont die wechselnde Mächtigkeit der Kontaktzonen. So soll auf
dem Berge Hörtekollen die Kontaktmetamorphose stellenweise auf
eine Zone von 5 — 10 m Mächtigkeit beschränkt sein. Diese An-
gabe ist unverständlich für jeden, der die Kontaktzone von Hörte-
kollen näher untersucht hat und die große und gleichmäßige
Mächtigkeit derselben kennt. Die einzige mögliche Erklärung wäre,
daß Herr Koexigsberger feinkörnige Hornfelse für unveränderte
Gesteine gehalten hat.
Weiter schreibt Herr Koexigsberger : „ Die Temperatur des
intrudierten Magmas scheint nicht sehr hoch gewesen zu sein“,
und zitiert als Stütze dieser Behauptung V. M. Goldschmidt „Die
Kontaktmetamorphose im Kristianiagebiet“. Dieses Zitat erscheint
wenig angebracht, denn in der zitierten Arbeit wird als Minimal-
temperatur des intrudierten Magmas etwa 1000° angenommen,
nirgends findet sich hier ein Ausspruch zugunsten einer niedrigen
Intrusionstemperatur.
Herrn Koexigsberger’s Ausführungen p. 657 über den Zu-
sammenhang zwischen der Pneumatolyse und dem Auftreten un-
geschieferter Kontaktgesteine finden keine Stütze in den Verhält-
nissen im Kristianiagebiet. Wo Streßwirkungen fehlen, sind die
Kontaktgesteine ungeschiefert, ohne daß irgend ein Zusammenhang
mit pneumatolytischen Erscheinungen vorhanden ist. Fanden sich
dagegen Streßwirkungen während der Kontaktmetamorphose, wie
am Langesundsfjord, so sind auch echte pueumatolytische Kontakt-
gesteine geschiefert worden.
Auch Herrn Koexigsberger’s Angaben über die metamorphen
Ergußgesteine am Langesundsfjord (p. 660) entsprechen nicht den
tatsächlichen Verhältnissen 2.
n.
Paragenesis der natürlichen Kieselsäuremineralien, in C. Doel-
ter’s Mineralchemie. 2. p. 27. (1912.)
Auch in dieser Abhandlung werden einige norwegische Vor-
kommen beschrieben, welche Herr Koexigsberger aus eigener An-
schauung kennen will. Auf p. 32 werden die Drusenmineralien
des Nordmarkits am Tonsenplads bei Kristiania aufgezählt, unter
Weglassung von Flußspat (einem der allerhäufigsten Mineralien),
1 Es mag noch darauf hingewiesen werden, daß Herrn Koenigsberger’s
Beobachtungen im Kristianiagebiet erst nach Schluß des Geologenkongresses
stattfanden, aber in einem Vortrag veröffentlicht wurden, der während des
Kongresses gehalten sein soll. Wenn Herr Koexigsberger die hier zitierten
Behauptungen während des Kongresses vorgebracht hätte, so wäre ihm
schon damals widersprochen worden.
2 Man vergleiche W. C. Brögger, Zeitschr. f. Kristallogr. 16. 1890.
p. 101—120.
326
V. M. Goldschmidt, J. Rekstad, Th. Vogt,
Zinkblende , Molybdänglanz , Kupferkies , Eisenglanz , Magnetit,
Epidot, Meroxen U
Gänzlich unverständlich ist uns nach dem heute vorliegenden
Material der folgende Satz über die südnorwegischen Granit-
pegmatitgänge (p. 31): „Es ist dort nicht immer leicht, den
Zusammenhang zwischen Pegmatiten und Nebengestein zu ver-
stehen ; das hängt auch sehr von der Ansicht über die Entstehung
mancher Gneise des „Urfjelds“ in Norwegen ab.“
Auf p. 34 findet man: „Wohl gänzlich fehlen Drusenmineralien
und Pegmatite bei Essexit.“ Yerf. scheint das Vorkommen von
Essexitpegmatiten im Kristianiagebiet (Hadeland) nicht zu kennen.
III.
„Über Gneisbildung und Aufschmelzungszonen der Erdkruste
in Europa“. Geologische Rundschau. 3. p. 297. (1912.)
Hier bringt Herr Koenigsberger eine neue und eigenartige
Deutung der kaledonischen Tiefengesteine im westlichen und nörd-
lichen Norwegen, indem er sie auf eine „Aufschmelzungszone der
Erdkruste“ zurückführt. Falls dieser Ausdruck bedeuten soll, die
Eruptive seien durch Aufschmelzung der überlagernden Gesteins-
massen emporgestiegen, so dürfte ihm die tatsächliche Begründung
sehr schwer fallen. Wir kennen jetzt die kaledonischen Tiefengesteine
Norwegens durch zahlreiche eingehende Untersuchungen, welche sich
zusammenhängend von Südwestnorwegen bis zu den Lofot-Inseln
erstrecken und jedes Jahr weiter ausgedehnt werden. Nirgends
ergibt sich eine regionale Anfschmelzung präkaledonischer Gesteine.
Dagegen zeigt sich das Auftreten der kaledonischen Tiefengesteine
eng an die Tektonik gebunden, indem die Eruptive in den Syn-
klinalen der großen Urgebirgstafel auftreten, durch deren Herab-
faltung sie wahrscheinlich hinaufgepreßt worden sind.
IV.
„Über einen anorthositischen Gneis am Eidsfjord“. Dies.
Centralbl. 1912. p. 577, sowie Nachtrag, dies. Centralbl. 1913.
p. 25.
In der ersten Mitteilung wird ein anorthositisclier Gneis vom
Eidfjord, Hardanger, beschrieben. Später teilt der Verf. in einem
„Nachtrag“ mit, eine Schliffverwechslung habe stattgefunden, dieser
Gneis stamme nicht von Hardanger, sondern vom Harjangenfjord
bei Narvik, einem von Hardanger über 1000 km entfernten Fundort.
Die Adern des Gesteins bestehen nach Herrn Koenigsberger aus
1 In der von Herrn Koenigsberger selbst zitierten Literatur wird
das Verzeichnis dieser Drusenmineralien vollständig gebracht. Für die
Weglassung so vieler Mineralien, darunter mehreren der häufigsten, wie
Flußspat, Molybdänglanz, Eisenglanz, Glimmer, Epidot, führt der Verf.
keinen Grund an.
Zu Herrn Joh. Koenigsberger’s geologischen Mitteilungen etc. 327
Andesin, Biotit und Museo vit, sie sollen angeblich der salischen Fazies
des von C. F. Kolderup Mangerit genannten Gesteins entsprechen.
Demgegenüber ist zu bemerken, daß Mangerit bekanntlich als einen
Hauptgemengteil Mikroperthit enthält, daneben Pyroxene (er-
setzbar durch Amphibol oder Biotit) und Oligoklas, sowie in kleinen
Mengen Quarz, Apatit, Erze und Zirkon. Die Bezeichnung des
Gesteins als salischer Mangerit ist somit unverständlich.
Es sei noch bemerkt, daß kaledonische Injektionsgneise aus
dem nördlichen Norwegen nichts Neues sind. Wir können z. B.
auf die Publikationen in den letzten Jahrgängen von „Norges
geologiske Undersökelses Aarbok“ und „Skrifter“ verweisen.
V.
„Dynamometamorphismus an der Basis der Hardangerdecke“ '.
Monatsberichte der deutsch, geol. Gesellsch. Dezember 1912. p. 610.
Hier wird auf p. 613 die geologische Folge der Formationen
von Finse aufgezählt (nach J. Rekstad). Dabei wird der Granit
als älter als die Telemarkformation bezeichnet, von ihr angeblich
durch eine Abrasionsfläche getrennt. Eine derartige Angabe findet
sich weder bei Rekstad noch bei irgend einem andern norwegischen
Geologen. Im Gegenteil wird überall, wo dieses Altersverhältnis
in der norwegischen Literatur besprochen wird, darauf hingewiesen,
daß der Granit von Finse die Telemarkformation mit zahlreichen
Gängen durchdringt und Schollen derselben umschließt. Die An-
gabe von Herrn Koenigsberger über das umgekehrte Altersverhält-
nis ist somit ganz aus der Luft gegriffen und wird auch mit keinem
Worte begründet1 2.
Die weitere Folge der cambro-silurischen Formationen ist zwar
ganz richtig nach Rekstad wiedergegeben, Herr Koenigsberger be-
denkt jedoch nicht, daß diese Schichtenfolge nur für den südlichen
und östlichen Teil von Hardangervidden gilt, nicht aber für die
Gegend um Finse. Hätte er die Literatur aufmerksam gelesen,
so würde er nicht für Finse einen 30 — 60 m mächtigen Blauquarz
anführen; hier ist der Blauquarz teils auf ganz geringe Mächtig-
keit reduziert, teils (häufiger) fehlt er ganz. Ist es denn Herrn
Koenigsberger selbst nicht in der Natur aufgefallen , daß der
Blauquarz bei Finse fehlt, statt 30 — 60 m mächtig zu sein?
Auf p. 614 wird behauptet, die postarchäische Abrasions-
fläche sei keine Peneplain gewesen. Diese Behauptung, welche
1 Um künftigen Irrtümern in der Literatur vorzubeugen, sei beiläufig
erwähnt, daß hier einige norwegische Ortsnamen, wohl durch Druckfehler,
verstümmelt sind. Statt Hansedalsfjelden soll es heißen Hemsedalsfjeldene,
statt Lugnut wohl Lurenut.
2 Merkwürdigerweise wird aber auf p. 612 derselben Abhandlung von
einer postalgonkischen und präcambrischen Kontaktmetamorphose ge-
sprochen; ist damit derselbe Granit gemeint wie auf p. 613?
328
R. Nacken, Vergleich der optischen
ebenfalls ohne Begründung vorgelegt wird, hat nicht die geringste
Stütze in tatsächlichen Verhältnissen. Es genügt , auf die von
Herrn Koenigsberger selbst zitierte Literatur hinzuweisen, wo
zahlreiche Abbildungen und Höhenmessungen der Urgebirgsober-
fläche mitgeteilt sind.
Ferner behauptet der Verf. das Auftreten sibirischer Staffel-
brüche bei Fossli. Da er keine detaillierten Angaben darüber
macht, läßt es sich nicht entscheiden, ob er damit die kaledonisclie
Faltung der Urgebirgstafel meint, oder etwa die bekannten post-
kaledonischen Verwerfungen, welche auch die Gneisdecken durcli-
schneiden. Eine ganz andere Ansicht äußert der Verf. in einer
anderen Publikation (dies. Centralbl. 1912. p. 577). Hier spricht
er von „einer Peneplain, die kurz vor Ablagerung des Cambriums
von schwachen tektonischen Bewegungen erfaßt sein muß“.
Herrn Koenigsberger’s Angaben über die Metamorphose des
Cambrosilurs am Hardangerjökel sind ebenfalls sehr widerspruchs-
voll. Einmal werden die Gesteine als nicht metamorph bezeichnet
(Zeitschr. der deutsch, geol. Gesellsch. 1912. p. 518), ein anderes
Mal als metamorph (Monatsber. der deutsch, geol. Gesellsch. 1912.
p. 614).
Herrn Koenigsberger’s Beschreibung der Granite und Granit-
mylonite enthält nichts wesentlich Neues, verglichen mit den vor-
liegenden norwegischen Abhandlungen.
Kristiania, April 1913.
Vergleich der optischen und der thermischen Methode zur
Bestimmung von Schmelztemperaturen.
Von R. Nacken in Leipzig.
Mit 2 Textfiguven.
Veranlassung zur folgenden Notiz gaben mir die vielfach ab-
weichenden Literaturangaben über Schmelzpunktsbestimmungen.
Es treten große Differenzen bei den beobachteten Werten auf, je
nach den Methoden, die zur Ermittlung dieser Größen dienten.
So finden sich im Handbuch der Mineralchemie 1 für eine Reihe
von Silikaten bei Angaben, die nach der optischen Methode oder
durch Abkühlungskurven gewonnen wurden, Unterschiede, die bis-
weilen 100 bis 150° ausmachen. Diese Differenz tritt nun nicht
nur bei natürlichen Mineralien auf, bei denen Verunreinigungen
hierfür verantwortlich gemacht werden können, sondern auch bei
reinen synthetischen Stoffen, wie es z. B. folgende Zusammen-
stellung zeigt :
1 Handbuch der Mineralchemie. 1. 1912. p. 657 f.
und der thermischen Methode etc.
329
Schmelztemperatur bestimmt
Künstlich hergestelltes
nach der optischen
nach der thermischen
Methode
Methode
Ca Mg (Si 03),
1280 bis 1345°
1391 bis 1395°
Mg Si 03
1420 „ 1460
1554 „ 1565
CaSi03
1310 „ 1380
1512 „ 1540
Bei Schmelzpunktsbestimmungen mittelst Abkühlungskurven
gilt in der Regel der höchste Wert als der beste, da fast alle
Fehler eine Herabsetzung dieser Temperatur bedingen, wie i. B.
Verunreinigung, Leitfähigkeit in der Schmelze, oder ungenügender
| Kontakt der Lötstelle des Thermoelements mit dem Präparat, und
I gleiches gilt auch wohl für die bei Silikaten häufig allein brauch-
; baren Erhitzungskurven. Es scheinen daher diese thermischen
i Methoden, welche durch die Mitarbeiter des Carnegie-Instituts aus-
gearbeitet sind, die zuverlässigsten Werte zu liefern. Ihre Resul-
tate werden aber vielfach auf Grund optischer Methoden, die mit
Hilfe eines Heizmikroskops meist viel tieferliegende Werte ergeben,
angezweifelt. Da ich nun auf diese Weise mehrfach Schmelz-
temperaturen messen mußte, habe ich geprüft, ob diese Unstimmig-
I keiten durch die Unsicherheit der optischen Methode bedingt sind
oder nicht. Im Folgenden gebe ich daher einige Beobachtungen
j an Feldspäten wieder, die zeigen, daß bei sorgfältiger Ausschaltung
| von Fehlerquellen Werte erhalten werden, die mit den auf tlier-
i mischem Wege erhaltenen gut in Einklang zu bringen sind.
Fig. 1.
I.
Apparat und Fehlerquellen. Durch Fig. 1 ist das von
I mir benutzte Instrument, bei dessen Konstruktion mich Herr
| F. Rinne freundlichst unterstützte, wohl hinreichend erklärt, da ja
330
R. Nacken, Vergleich der optischen
eine Reihe ähnlicher Apparate beschrieben worden sind. Hervor-
zuheben ist, daß die Heizung des horizontal liegenden Ofens durch
eine Platinspirale erfolgt, deren etwa 1 mm starker Draht um ein
Rohr aus Marquardt-Masse von 0,7 cm lichter Weite eng gewickelt
ist. Die Länge des Rohres beträgt ca. 8 cm. Infolge dieser langen
Wickelung und der Stärke des Drahtes erzielt man im Innern des
Rohrs einen ziemlich großen Raum von konstanter Temperatur bis
etwa 1600° C.
Polarisator und Analysator sind gleichzeitig drehbar, und eine
Scheibe mit Gradeinteilung gestattet Auslöschungsschiefen zu be-
stimmen. Als Lichtquelle dient ein Nernstfadeu, der mit ca.
1 Amp. belastet genügend intensives Licht liefert, um noch über
1500U Doppelbrechung in Kristallsplittern zu erkennen. Als Be-
obachtungsobjekte werden kleine Spalt- oder Schliffplättchen von
nur wenigen Quadratmillimetern Ausdehnung verwendet, so daß
Temperaturunterschiede im Innern eines solchen nicht zu befürchten
sind. Sie werden in Haltern aus Platinblech freistehend befestigt,
damit keinerlei Berührung mit einer chemisch wirksamen Substanz
erfolgt. In der Mitte des Ofens berührt das Präparat unmittelbar
die Lötstelle des dünnen, nur 0,2 mm starken Thermoelements,
welches der Länge nach durch den Ofen gezogen ist. Wenn da-
her Präparat und Lötstelle in dem schwach vergrößernden Mikroskop
gleichzeitig scharf erscheint, ist eine sichere Temperaturbestimmung
gewährleistet. Durch Quarzglasfenster kann das Heizrohr beider-
seitig verschlossen werden.
Fehler sind daher in erster Linie nur bedingt durch Ver-
unreinigung der Substanz und durch falsche Angaben des Thermo-
elements. Zur Kontrolle des letzteren wurde ein dünnes Quarz-
blättchen erhitzt, das parallel zur optischen Achse geschnitten
war. Für die Umwandlungstemperatur wurden Werte gefunden,
die im extremsten Fall +1° von 575° abwicheu. Das Schmelzen
eines kleinen Spaltblättchens von Natrium clilorid erfolgte bei 800°.
Für höhere Temperaturen bot die Umwandlung des Wollastonits
in Pseudowollastonit, die von E. T. Allen und W. P. White1 bei
ungefähr 1190° festgelegt wurde, einen Vergleichspunkt dar.
CaSiO, wurde durch Kristallisation aus Ca Cl2-Schmelzen rein und
in Kristallen erhalten, die bei ca. 1200° entweder in monoklinen
Nädelchen oder in pseudohexagonalen Täfelchen erscheinen. Die
Umwandlung bei 1190° erfolgt träge, man darf daher nur lang-
sam erhitzen. Dann treten aber noch etwas unterhalb 1200° in den
bisher einheitlich auslöschenden Kristallsplittern an einzelnen Stellen
Flecke mit bunten Polarisationstönen auf, die sich ganz allmählich
vergrößern, solange die Temperatur um 1200° erhalten wird. Die
niedrigste Temperatur, bei der dieser Vorgang noch erkennbar war,
1 E. T. Allen und P. P. White, Am. Journ. Sc. [4.] 21. 89 — 108. 1906-
und der thermischen Methode etc.
331
war 1195°, welche demnach nicht weit von der Gleichgewichts-
temperatur zwischen a- und /?-CaSi03 entfernt liegen wird. Die
Umkehrung dieser Erscheinung konnte nicht hervorgerufen werden,
sie erfordert die Anwendung von Katalysatoren, wie es Allen und
White ausführten. Die Präparate wurden noch langsam bis un-
gefähr 1500° erhitzt, ohne daß sich ein Schmelzvorgang bemerk-
lich machte.
II.
Nachdem so die Methode ausprobiert war, wurden natürliche
Feldspäte untersucht, um an diesen die Schmelzvorgänge zu stu-
dieren. Es kamen Blättchen von Anorthit vom Vesuv, Adular
vom St. Gotthard, Sanidin von Wehr am Laacher See und von
Albit aus dem Pfitschtal zur Verwendung, nachdem sie sich bei
starker Vergrößerung u. d. M. als einschlußfrei erwiesen hatten.
Anort hit vom Vesuv. Dünne Spaltblättchen nach der
Basis besaßen eine Auslöschungsschiefe gegen die Kante P M von
37°. Dies deutet auf Beimengung von Albitsubstanz hin, dessen
Menge sich hiernach zu etwa 5 bis 10°/o schätzen läßt. Dem
entspricht es auch , daß die optische Achse im konvergenten
polarisierten Licht fast ganz am Rande des Gesichtsfelds liegt.
Mit steigender Temperatur ändert sich die Auslöschungsschiefe
allmählich, der Kristallsplitter bleibt aber vollkommen klar bis
zum Schmelzen. In der Tabelle 1 (p. 332) sind Angaben ge-
macht über sein Verhalten oberhalb 1460° C (korr.). In ihr ist an
Stelle der Temperatur die elektromotorische Kraft des Thermo-
elements in Millivolt angegeben.
Bei 15,43 M.V, einer Temperatur von 1485° C (korr.) ent-
sprechend, würde etwa der Schmelzpunkt dieses Anorthits liegen.
Der Sprung im Verhalten des Präparats ist hier ein sehr auf-
fälliger. Vorher schreitet auf der Oberfläche des Kristalls eine
durch Verunreinigungen bewirkte Auflösung ganz allmählich fort,
ohne daß bei 15,38 M.V. zehn Minuten lang praktisch eine Ände-
rung im Innern des Kristalls zu bemerken wäre. Bei 15,43 M.V.
schiebt sich dann ziemlich rasch vom Rande aus eine Grenzlinie
zwischen einer kristallinischen und amorphen Modifikation über das
Präparat hin. Die doppelbrechenden Partien verschwinden und
eine geringe Temperatursteigerung genügt, um das zunächst noch
zähe Glas zu einem Tropfen zusammenfließen zu lassen. Die
langsame Erhitzung verbürgt wohl, daß ein Überhitzen des Prä-
parats ausgeschlossen ist, dann auch die Tatsache, daß eine Reihe
anderer Splitter mit geringen Abweichungen gleiche Resultate
geben. Wurden die Splitter nicht so weit erhitzt, daß Zusammen-
schmelzen eintrat, so erhält man beim Abkühlen wohlkristallisierte
Produkte, die meist aus nur einem Kristallindividuum bestehen und
daher einheitlich auslöschen. Die Lage der optischen Achse ist
von der ursprünglichen nicht verschieden.
332
R. Nacken, Vergleich der optischen
Tabelle 1.
Zeit der
Beobachtung
Galvanometer-
Ablesung
in Millivolt
Zustand des Kristallsplitters
4h 3o min
15,10
Auf der Oberfläche zeigen sich zum ersten-
4 40
15,12
mal vereinzelte Schmelztröpfchen, die
4 50
15,20
eine bräuuliche Färbung besitzen und
durch anhaftende Verunreinigungen
verursacht sind.
4h 55 min
15,30
Die Tropfen laufen zusammen und bilden
auf dem Kristall eine zusammen-
hängende Schicht. Die Kanten sind
noch scharf.
5h 00 min
15,35
Die Interferenzfarben sind noch lebhaft ;
5 10
15,33
Auslöschung einheitlich.
5h 15 min
15,38
In 10 Minuten keine Änderung.
5h 30 min
15,43
Verhältnismäßig rasches Znsammen-
schmelzen. Die Doppelbrechung ver-
schwindet, die Kanten runden sich ab,
bis schließlich die ganze Masse einen
Tropfen bildet.
5h 3jj min
15,45
Kristallisierte Substanz ist nicht mehr
vorhanden.
An diesen wieder kristallisierten Präparaten erkennt man
deutlich, daß die äußerlich anhaftenden Verunreinigungen, wie sie
durch Anfassen an die Präparate kommen , nicht bis ins Innere
ein dring en. Sie bilden meist einen dunklen Überzug, der bisweilen
in skelettartigen Bildungen kristallisiert ist.
Für reinen synthetischen Anorthit geben A. L. Day und
E. T. Allen1 1532°, später A. L. Day und R. B. Sosman2 1550°
an. Demgegenüber stehen die auf optischem Wege gewonnenen
Zahlen3 für Anorthit vom Vesuv: 1250 bis 1350°. Nach meinen
Messungen sind diese letzten Schmelztemperaturen viel zu tief,
auch ist kein so großes Schmelzintervall vorhanden. Verunreini-
gungen, die eine Gefrierpunktserniedrigung bis zu 200° liervor-
rufen, sind in den klaren Kristallen vom Vesuv nicht vorhanden.
' A. L. Day und E. T. Allen, Zeitschr. f. phys. Chem. 54. p. 18. 1906.
2 A. L. Day und R. B. Sosman, Am. Journ. Sc. [4.] 29. p. 93 — 161. 1910.
3 Vergl. Handbuch der Mineralchemie a. a. 0.
und der thermischen Methode etc.
333
Für diesen Fundort werden Analysen 1 mitgeteilt, nach denen zwar
merkliche Beimengungen von Albitsubstanz vorhanden sind, deren
Menge jedoch 10% nicht übersteigt. Wenn man diesen Wert
zugrunde legt, müßte nach den Angaben von Day und Allen
einem solchen Gliede eine wenig über 1500° gelegene Kristalli-
sationstemperatur entsprechen. Vergleicht man hiermit den Wert
1485°, den ich oben angab für Anorthit vom Vesuv, so ist die
| Differenz nicht sehr erheblich und wohl durch den Einfluß noch
weiterer Beimischungen zu erklären. Bestätigen kann ich, daß
das Schmelzen des Anortliits sehr rasch erfolgt und daß größere
Schmelzintervalle nicht beobachtet wurden. Es scheint mir daher
wrohl angängig, chemisch reinen Anorthit als Eichungsmaterial zu
verwenden, wie es Day und Sosman vorschlagen.
Albit aus dem Pfitschtal. Albit lieferte sehr unsichere
Resultate. Schon Day und Allen schildern ausführlich die Schwie-
rigkeit, mit der bei diesem Gliede der Plagioklasreihe die Fest-
legung der Schmelztemperatur verbunden ist. Meist erfolgte zwischen
1200 und 1250° der Beginn einer Zustandsänderung. Schon bei
1200° zeigte sich bisweilen ein langsam fortschreitendes Abrunden
der Kanten, wenn nur die Temperatur langsam gesteigert wird.
An Beimengungen enthält der Albit dieses Fundortes nach C. Hintze
neben geringen Mengen Kali bis zu 3% CaO, so daß also auch
hier nicht ein Endglied der Plagioklasreihe, sondern ein diesem
benachbartes untersucht wurde. Day und Allen geben für Albit
von Amelia Co. als Temperatur, bei der die Schmelzgeschwindig-
keit größere Werte besitzt, 1200° an.
Adular vom St. Gotthard. Blättchen nach (010) zeigten
lebhafte Interferenzfarben, die sich beim Erhitzen auf 1200° nur
wenig änderten. Von dieser Temperatur an gibt die Tabelle 2
Tabelle 2.
Zeit der
Beobachtung
Ablesung am
Galvanometer
in Millivolt
Zustand des Kristallsplitters
12 h gjmiu
1 00
11,80
11,82
Auftreten größerer isotroper Flecke im
Präparat; Kanten werden etwas un-
scharf. Die isotropen Flecke ordnen
sich in Richtung von Spaltrissen an.
2. Erhitzung
11 h 50min
11 55
11,80
11.85
Die isotropen Flecke vergrößern sich all-
mählich.
12 h 2o“i“ 12.05
12 35 12,05
12 45 12B6
12 55 12,00
1 C. Hintze, Handbuch der
V erstärkung der Korrosion an den Kanten.
Um die isotropen Flecke herum herrscht
undulöse Auslöschung; die isotropen
Partien wachsen langsam.
Mineralogie. II. p. 1549. 1897.
334
R. Nacken, Vergleich der optischen
über Erliitzungsgescliwindigkeit und Veränderung des Kristall-
splitters Auskunft. Mehrere Präparate wurden mit gleichen Ergeb-
nissen untersucht.
Aus der Tabelle ist zu ersehen, daß die Erhitzungsgeschwin-
digkeit eine recht langsame war. Bei 11,80 M.V. = 1200° (korr.)
ist ein erstes deutliches Anzeichen für den Beginn des Schmelzens
mit Sicherheit zu konstatieren. Es treten in den Präparaten isotrope
Flecke auf, die sich aber innerhalb einer halben Stunde nicht ver-
größerten. Unter dem Mikroskop zeigt sich bei stärkerer Ver-
größerung, daß Glaseinschlüsse im Kristall entstanden sind. Fig. 2
gibt ein Bild von ihnen.
Fig. 2.
Hiernach sind die Einschlüsse in der Art von Schmelzüguren
von Flächen begrenzt, so daß sozusagen Paramorphosen vorliegen.
Sie sind alle gleichartig orientiert und werden von Flächen be-
grenzt, die einer einfachen Feldspatform entsprechen. Nur bei
sehr langsamem Erhitzen bleiben sie kristallographisch umgrenzt,
andernfalls runden sie sich ab und werden kugelförmige Gebilde.
Infolge ihrer geringeren Lichtbrechung treten sie auch im un-
polarisierten Licht hervor. Ihre Anzahl wechselt in den ver-
schiedenen Präparaten. Ihre Entstehung möchte ich so deuten:
Das vorsichtige Erhitzen bringt im Kristall Schmelzzentren an
allen den Stellen hervor, wo sich vielleicht Einschlüsse befinden,
die unter dem Mikroskop nicht mehr erkannt werden können. Von
diesen Punkten aus beginnt der Schmelzprozeß, der zunächst ein
Auflösungsprozeß ist. Haben die Schmelzfiguren erst eine gewisse
Größe erlangt, so wird wohl die Verschiebung der Grenzflächen
allein vom Schmelzvorgang herrühren, da infolge der hohen Vis-
kosität eine Diffusion im Innern der Einschlüsse nicht erfolgen
kann. Wenn sich daher die Einschlüsse nur allmählich vergrößern,
so ist dies wohl auf isomorphe Beimischung zurückzuführen, nicht
und der thermischen Methode etc.
335
auf Überhitzungserscheinungen, zumal da sie bei 11,85 M.V. un-
geändert blieben, obgleich die Temperatur 20 Minuten lang kon-
stant gehalten wurde. Enthält doch der Kristall eine merkliche
Menge Natron, wie aus seiner Analyse 1 hervorgeht.
0,04 °/o Glühverlust
65,58 „ SiO,
18,29 „ A1s03
14,20 , K20
1,88 „ Na20
Summe 99,99 °/o.
Demnach haben wir bei 1198° (korr.) mit dem Auftreten der
isotropen Flecken den Beginn des Schmelzintervalls eines Misch-
kristalls zu suchen. Es erstreckt sich etwa über 20 bis 30 ü,
daun bei 1220° erfolgt schließlich die gänzliche Umbildung zu Glas.
Kristallisation trat auch bei sehr langsamem Abkühlen nicht auf.
Sanidin vo.m Laach er See. Zum Vergleich mit Adular
wurde ein etwas gelblich gefärbter Sanidin von Wehr am Laacher
See untersucht. Seine Analyse 1 ergab :
64,41 •/« Si Oa
19,53 „ Al2 Oa
0,34 „ Fe203
1,01 „ CaO + BaO
12,05 „ K20
3,10 „ Na, 0
Summe 100,44 °/o.
Das Verhalten bei langsamem Erhitzen geht aus Tabelle 3 hervor.
Tabelle 3.
Zeit der
Beobachtung
Ablesung am
Galvanometer
in Millivolt
Zustand des Kristalls
6Ü 5miu
11,75
Kristallsplitter unverändert.
6h 30 min
12,00
Der Kristall erhält Spaltrisse.
6 40
12,30
6h 50 min
12.60
Die Risse verbreitern sich. An ihnen
7 00
13,00
treten die ersten deutlichen Schmelz-
erscheinungen auf.
h 2Q min
13,00
Die Kanten runden sich ab, es bilden
sich Blasen.
7Ü 20 miu
13,30
Doppelbrechende Partien sind noch deut-
lich erkennbar.
7h 4ämm
13,50
Fast alle Stellen glasig und einfach
brechend.
1 Bis auf die Bestimmung der Alkalien wurden die Analysen von
Herrn Dr. Dreibrodt ausgeführt.
336
R. Nacken, Vergleich etc.
Die mikroskopische Prüfung der teilweise geschmolzenen
Splitter ergab, daß vom Rande her und von den Spaltrissen aus
das Schmelzen begann. Es treten hier indessen keine durch
Flächen begrenzte Schmelztiguren auf, sondern runde Glaseinschlüsse
und Glasbläschen. Der Schmelzvorgang erstreckt sich über ein be-
trächtliches Temperaturbereich, auch hier sind es wohl die Bei-
mengungen von Barium, Eisen und Natron, die durch Mischkristall-
bildung das Schmelzintervall hervorrufen. Bei 1212° (korr.) würde
etwa der Beginn des Schmelzens liegen.
III.
Auch aus anderen Bestimmungen, die von W. Grahmann1 mit
Hilfe dieses Apparats ausgeführt wurden, geht die Brauchbarkeit
der Methode hervor. Es zeigte sich hier die Übereinstimmung der
auf thermischem und optischem Wege ermittelten Umwandlungs-
teiuperaturen von Anhydrit, Cölestin, Baryt und Auglesit. Ein
großer Vorteil der Methode ist die fortwährende Kontrolle der
untersuchten Präparate ; dies ist für die Silikate von großer Wich-
tigkeit. Ich möchte daher die in der Literatur vorhandenen Diffe-
renzen in den Angaben der auf thermischem und optischem Wege
bestimmten Schmelztemperaturen auf eine ungenügende Vermeidung
der Fehlerquellen bei der optischen Methode zurückführen. So ist
z. B. sehr unsicher das Verschwinden der scharfen Konturen des
Präparats zu erkennen. Die Ränder sind meist sehr stark selbst-
leuchtend und erst wenn sie schon ziemlich weit abgerundet sind,
wird die Erscheinung deutlich. In den von mir benutzten Kri-
stallen traten meist an einzelnen Punkten Schmelzzeutren auf; dies
läßt sich viel schärfer erkennen, da sich alsdann von der doppel-
brechenden Grundmasse die dunklen Flecke deutlich abheben. Den
weitaus größten Fehler bedingt ungenügender Kontakt des Thermo-
elements mit dem Präparat. Hier sind leicht Irrtümer bis zu
50° C und mehr möglich. Jedenfalls möchte ich die Differenzen
nicht zurückführen auf Überhitzungserscheinungen oder auf die
durch Pulverisieren hervorgerufene Schmelzpunktserniedrigung. Bei
der stets beobachteten langsamen Erhitzungsgeschwindigkeit —
mitunter wurden die Präparate 10 bis 20 Minuten lang auf kon-
stanter Temperatur erhalten — konnte ich Erscheinungen, die auf
Überhitzung hindeuteten , nicht nach weisen. Daß weiterhin ein
Zerkleinern der Substanz eine Eimiedrigung der Schmelztemperatur
um 100 und mehr Grade bewirken soll, scheint mir bisher noch
nicht mit Sicherheit nachgewiesen. Es sind wohl Verunreinigungen,
insbesondere durch das stets vorhandene adsorbierte Wasser,
verantwortlich zu machen, wenn feines Pulver leichter Schmelz-
erscheinungen zeigt als grobes Material. Schließlich möchte ich
1 W. Grahmann, Dissertation. Leipzig 1913.
W. Stahl, Pisolithe.
337
auch hinweiseu auf Zersetzungserscheinuugen, welche Feldspäte
bei langem Erhitzen sicher erleiden werden. So können etwa die
Alkalien sich verflüchtigen und dadurch eine Veränderung im
chemischen Bestand bedingen , so daß hinterher weitere Kom-
ponenten auftreten. In dieser Hinsicht ist das Auftreten von Blasen
insbesondere bei den Alkalifeldspäten bemerkenswert ; sie bilden
sich an Stellen, wo vorher das Mikroskop keinerlei Einschluß er-
kennen ließ und treten meist erst unmittelbar nach dem Schmelzen
auf. Derartige Verdampfungserscheinungen sind an silikatischen
Schmelzen bisher wohl nur in der Glasindustrie studiert worden.
Leipzig, Institut für Mineralogie und Petrographie, März 1913.
Pisolithe.
Von W. Stahl in Altenau (Oberharz).
Mit 1 Textfigur.
In einer Wasser abführenden Kluft des Mansfeld’schen Flötz-
gebirges, etwa 80 m unter Tag und 70 m vom Zabenstedter Stollen
entfernt, wurden, wie nachstehendes Bild zeigt, Pisolithe oder
Erbsensteine gefunden.
Diese dürften insofern interessieren, als sie wie Erbsen oder
Bohnen geformt und wie Eier in einem Nest (cfr. Bild) angehäuft
sind. Sie sehen weiß und glatt wie Porzellan oder auch gelblich
aus und führen je einen Schieferkern ; sie bestehen aus Aragonit
und Strontianit in wechselnden Verhältnissen. In den gelben
Varietäten tritt neben geringen Sulfatmengen mehr Strontianit,
als in den weißen auf.
Die Zusammensetzung der Grundsubstanz ist der der Pisolithe
ähnlich.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913.
22
338
C. Renz
Beiträge zur Geologie von Hellas und der angrenzenden
Gebiete * 1 11.
Herausgegeben von Carl Renz und Fritz Frech.
20. Geologische Studien im Artemisiongebirge (Grenze von
Arkadien und Argolis).
Von Carl Renz.
Das Artemisiongebirge ist der im Westen bis Siidwesten der
Argolis gelegene Teil des argolisch-arkadischen Grenzgebirges.
1 Diese Publikationsserie umfaßt im N. Jahrb. f. Min. etc. (bezw. in
dies. Centralbl.) bis jetzt folgende Abhandlungen :
1. Carl Renz, Über neue Vorkommen von Trias in Griechenland
und von Lias in Albanien. Dies. Centralbl. 1904. p. 257 — 266.
2. Carl Renz, Über die Verbreitung des Lias auf Leukas und
in Akarnanien. Dies. Centralbl. 1905. No. 9. p. 259 — 264.
3. Carl Renz , Uber die mesozoische Formationsgruppe der süd-
westlichen Balkanhalbinsel. N. Jahrb. f. Min. etc. 1905. Beil.-Bd. XXL
p. 213—301.
4. Carl Renz, Über Halobien und Daonellen aus Griechenland nebst
asiatischen Vergleichsstücken. N. Jahrb. f. Min. etc. 1906. p. 27—40.
5. Carl Renz, Über neue Triasvorkommen in der Argolis (Trinodosus-
Kalke und Wengener-Kalke beim Hieron von Epidauros in Hallstätter-
Fazies). Dies. Centralbl. 1906. No. 9. p. 270 — 271.
6. Carl Renz, Zur Kreide- und Eocän-Entwicklung Griechenlands.
Dies. Centralbl. 1906. No. 17. p. 541 — 549.
7. F. Frech und Carl Renz, Neue Triasfunde auf Hydra und in der
Argolis. N. Jahrb. f. Min. etc. 1907. Beil.-Bd. XXV. p. 443—466.
8. F. Frech, Die Hallstätter Kalke bei Epidauros und ihre Cephalo-
poden. N. Jahrb. f. Min. etc. 1907. p. 1 — 32. Mit 6 Taf. und 5 Textfig.
9. F. Frech und C. Renz, Neue Triasfunde auf Hydra und in der
Argolis. Mit 4 Taf. und 7 Textfig. Beil.-Bd. XXV. 1908. p. 443 — 467.
10. Carl Renz , Zur Entdeckung der Trias in der Argolis. Dies.
Centralbl. 1909. No. 3. p. 79 — 83.
11. Carl Renz, Der Nachweis von Karbon und Trias in Attika.
Dies. Centralbl. 1909. No. 3. p. 84—87.
12. Carl Renz, Neue Carbonvorkommen in Griechenland. Dies.
Centralbl. 1909. No. 24. p. 755-759.
13. L. Milch und Carl Renz, Über griechische Quarz-Keratophyre.
N. Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXI. p. 496—534.
14. Carl Renz , Neue geologische Forschungen in Griechenland.
Dies. Centralbl. 1911. No. 8. p. 255 — 261 und No. 9. p. 289— 298.
15. Carl Renz, Die Quarzkeratophyre Attikas. Dies. Centralbl.
1911. No. 15. p. 466—468.
16. Carl Renz, Geologische Forschungen in Akarnanien. N. Jahrb.
f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXII. p. 383—468.
17. F. Frech und Carl Renz, Zur Kenntnis der Unterkreide von
Attika. Dies. Centralbl. 1911. No. 23. p. 732 — 736.
18. Carl Renz, Die Trias im östlichen Mittelgriechenland. Dies.
Centralbl. 1912. No. 3. p. 67 — 85.
Geologische Studien iin Artemisiongebirge etc.
339
Den Bau des Artemisiongebirges lernte ich auf einer
Exkursion von Argos über Turniki auf den Malevosgipfel und
zurück kennen.
Die Gebirgsstruktur des Malevos- oder Artemisiongipfels gibt
ein deutliches Profil durch die hauptsächlichsten Sedimentformationen,
die den zentralen und östlichen Peloponnes mit Ausschluß der
Argolis aufbauen. Es handelt sich also um ein typisches Beispiel
der Grundzüge des Baues und der Entwicklung meiner zentral-
peloponnesischen Gebirgszone 1.
Von unten nach oben liegen — abgesehen von den kristallinen
Gesteinen — folgende Schichtenglieder übereinander:
1. Schwarze, dickgebankte, vorwiegend klotzige, massige Kalke,
die Hippuriten bezw. andere Rudisten und Nummuliten führen.
19. Carl Renz, Neue Carbonaufschlüsse in Attika. Dies. Centralbl
1912. No. 6. p. 169—173.
Hierzu treten dann noch, abgesehen von kleineren Mitteilungen,
einige wichtigere, in anderen Zeitschriften erschienene Arbeiten des Ver-
fassers, nämlich:
Carl Renz, Trias und Jura in der Argolis. Zeitschr. d. deutsch,
geol. Ges. 1906. 58. p. 379—395.
Carl Renz, Zur Geologie Griechenlands. A. Kalke mit Lobites
ellipticus bei H. Andreas in der Argolis. B. Lias und Dogger auf Korfu
und in Epirus. Verhandl. d. österr. geol. Reichsanst. 1907. No. 4. p. 77 — 81.
Carl Renz, Sur les preuves de l’existence du Carbonifere et du
Trias dans l'Attique. Bull. soc. göol. de France. 1908. (4.) 8. p. 519 — 523.
Carl Renz, Etudes stratigraphiques et palöontologiques sur le Lias
et le Trias en Grece. Bull. soc. geol. de France. 1909. (4.) 9. p. 249 — 273.
Carl Renz , Der Nachweis von Lias in der Argolis. Zeitschr.
d. deutsch, geol. Ges. 1909. 61. p. 202 — 229.
Carl Renz, Stratigraphische Untersuchungen im griechischen
Mesozoicum und Paläozoicum. Jahrb. d. österr. geol. Reichsanst. 1910.
60. Heft 3. p. 421-636.
Carl Renz, Die mesozoischen Faunen Griechenlands. I. Die triadischen
Faunen der Argolis. Palaeontographica. 58. p. 1 — 104.
Carl Renz, Die Insel Ithaka. Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 1911.
63. p. 468—495.
Carl Renz, Geologische Exkursionen auf der Insel Lenkas (Santa
Maura). Zeitschr. der deutsch, geol. Ges. 1911. 63. Monatsber. No. 5.
p. 276-315.
Carl Renz, Die Entwicklung und das Auftreten des Paläozoicums
in Griechenland. Geologische Rundschau. 1911. 2. Heft 8. p. 455—463
und Compte Rendu. XI. Congr. göol. Internat. Stockholm, p. 1013 — 1019.
Carl Renz, Über den Gebirgsbau Griechenlands. Zeitschr. d. deutsch,
geol. Ges. 1912. 64. Monatsber. No. 8. p. 437 — 465.
Carl Renz, Neuere Fortschritte in der Geologie und Paläontologie
Griechenlands mit einem Anhang über neue indische Dyasarten. Zeitschr.
d. deutsch, geol. Ges. 1912. 64. p. 530—630.
1 Carl Renz, Über den Gebirgsbau Griechenlands. Zeitschr. d. deutsch,
geol. Ges. 64. Monatsber. 8. p. 437 — 465.
22*
340
C Renz,
Die Nummuliten erfüllen die obere den Flyscli unterlagernde
Partie der schwarzen Kalke. Die schwarzen Kalkmassen reprä-
sentieren daher in ihrem oberen Teil eocäne und oberkretazische
Äquivalente ; wie weit sie nach unten zu hinabreichen, bleibt
zunächst noch eine offene Frage. A. Philippson 1 gibt zwar
an, daß der gleiche mächtige Kalkkomplex, den er mit dem
zusammenfassenden Namen Tripolitzakalk belegte , in seinem
unteren Teile weiß und dolomitisch wird. Diese untere Partie
Philippson’s ist durch meine Untersuchungen im zentralen
Peloponnes als Trias erkannt worden und zwar handelt es sich
um lichte Kalkmassen oder dolomitische Kalke, die nach ihrer
ganzen Physiognomie ein vollkommenes Analogon der ionischen
Dachsteinkalke bilden. Ebenso kehren auch die den ionischen
Dachsteinkalken eigentümlichen Gyroporellen wieder.
Ob nun die Schichtenfolge lückenlos von der Oberkreide bis zum
Dachsteinkalk hinunterreicht, oder ob eine Sedimentationsunter-
brechung eingetreten ist, muß erst die weitere Untersuchung lehren.
2. Die Überlagerung der schwarzen Nummulitenkalke bildet der
Flyscli1 2, der in der Gegend von Turniki als brauner oder dunkel-
graugrüner Sandstein, oder als schwarzer resp. schwarzgrüner,
gelbgrau verwitternder Schiefer entwickelt ist. Die äußere petro-
grapliische Ähnlichkeit mit den karbonischen Schiefern des öst-
lichen Hellas ist unverkennbar, was in Anbetracht der nicht weit
unterhalb Turniki aufgeschlossenen kristallinen Schiefer die Er-
klärung der geologischen Situation sehr erschwert. Das Alter des
Flyschzuges von Turniki ist indessen einwandfrei als Eocän fixiert.
3. Über dem Flyscli folgen als tektonisch anormale Überlagerung
hellgraue bis gelblichgraue, meist dünngeschichtete Kalke, denen
bisweilen auch etwas massigere Partien mit Hornsteinnieren ein-
geschaltet sind. Diese Kalke, die die Gipfelkappe des Malevos
uud voraussichtlich auch den Kamm des Ktenias bilden, sind außer-
ordentlich intensiven tektonischen Einwirkungen unterworfen ge-
wesen. Die Kalkschichten sind im einzelnen stark gewunden und
gequält, meist sogar förmlich zerknittert.
Infolge dieser Zertrümmerung und Zerquetschung der ur-
sprünglichen Lagen werden diese Kalke vollständig von weißem
Kalkspatgeäder durchsetzt.
An der Überlagerungsgrenze der Schiefer zum Kalk , die
einer tektonischen Grenze entspricht, macht sich das Vorkommen
zahlreicher Brocken von rotem Hornstein und Plattenkalk bezw.
Kalkschiefer bemerkbar.
1 A. Philippson, Der Peloponnes. Berlin 1892.
* Über die Faziesgrenze vergl. auch A. Philippson, Der Peloponnes,
p. 399—400. Nach dem, was ich bis jetzt gesehen habe, glaube ich nicht,
daß zwischen Flyscli und Tripolitzakalk eine tektonische Discordanz
vorliegt.
Geologische Studien im Artemisiongebirge etc.
341
Dem ganzen Habitus der Malevosgipfelkalke nach hat man
es mit mesozoischen Kalken zu tun, und zwar mit Kalken, die
in ähnlicher Beschaffenheit in den karnisch-unternorischen Stufen
der Argolis oder im Olonos Vorkommen. Andererseits treten aber
derartige Kalke in Hellas auch sonst noch im Jura auf. A. Philippson
kartierte diese Kalke als „Olonoskalke“. In seinen ersten Arbeiten
betrachtet er diese Kalkentwicklung als Überlagerung des Flysches,
also als Obereocän — Oligocän, später rückte er sie tiefer.
Daß es sich nicht um eine einfache Überlagerung des eocänen
Flysches handelt, geht schon aus ihrer viel stärkeren tektonischen
Beeinflussung im Gegensatz zu dem relativ ruhiger lagernden Flyscli
hervor. Es ist auch ausgeschlossen, daß der Flyscli des Artemision-
gebirges normal und lokal von einer Kalkdecke überlagert sein
sollte , denn allenthalben in Hellas liegt zwischen Flysch und
Neogen eine scharf ausgeprägte Diskordanz und nirgends in
Griechenland kommen sonst im jüngeren Tertiär derartige Kalke
vor. Der obere Kalk des Halevos dürfte daher als iiberscliobene,
tektonisch anormale Überlagerung der autochtonen Flyschgesteine,
Nnmmnliten- nnd Bndistenkalke angesprochen werden. Er bildet
eine vermutlich von Osten herbeigeschobene Decke auf dem Flysch,
deren Fortsetzung gegen Westen eventuell in der Olonos-Pindoszone
endigen dürfte. Die Hauptschwierigkeit einer solchen Erklärung
liegt zunächst noch darin, daß mir zurzeit eine genauere Kenntnis
der anschließenden zentralen Gebirgsglieder, sowie der nördlichen
und südlichen Fortsetzung fehlt. Es handelt sich zunächst nur
um eine vorläufige Erkundung und tektonische Hypothese.
Außer dem Durchschnitt Argos-Malevosgipfel kenne ich nur
noch die Bahnfahrt von Myli nach Tripolitza.
Ferner fehlt vor allem auch der rückwärtige Zusammenhang
mit den Gebirgen der Argolis, denn die argolische Halbinsel wird
durch einen breiten mit Neogen und Alluvium erfüllten Graben
von den arkadischen Gebirgen geschieden. Auch nach Westen zu
geht das Profil nicht lückenlos weiter, sondern wird durch das
Liwadi von Tripolitza unterbrochen. Die wenigen mit Sicherheit
gemachten Beobachtungen sind ihrerseits wieder durch so aus-
gedehnte unbekannte Räume getrennt, daß ihre Verknüpfung leicht
zu Fehlschlüssen führen kann. Nach A. Philippson, dessen
Beobachtungen hier ergänzend eintreten, herrschen die gleichen
Lagerungsverhältnisse sonst noch überall im zentralen und öst-
lichen Peloponnes (exkl. Argolis).
Die schwarzen Nummuliten- und Rudistenkalke, für die ich
in der dementsprechend eingeschränkten Vertikalausdehnung die
Bezeichnung Tripolitzakalke beibehalte , gehören als reguläre
llnterlagerung des Flysches von Turniki der iiberschobenen Unter-
lage an. Falls die Angaben Philippson’s über den lückenlosen
Vertikalumfang seiner Tripolitzakalke richtig sind, wären auch die
342
C. Renz.
von mir nachgewiesenen weißen Gyroporellenkalke von Alepocheri
und im Süden des Chans Bakuri (Straße Tripolitza — Sparta) gleich-
falls dem Substratum zuzuweisen.
Nach diesem allgemeinen Überblick über die Schichtenfolge
komme ich zur eigentlichen Beschreibung meiner Besteigung des
Male vosgipf eis.
Das armselige Bergdorf Turniki liegt an den steilen Nord-
hängen des Artemisiongebirges und zwar auf einer etwas sanfter
geneigten Terrainstufe des Flysches. Unterhalb des Dorfes tritt
unter dem Flysch der schwarze Nummulitenkalk hervor, der von
den Hängen des Malevos herüberzieht, aber durch die tiefe Schlucht
des Xerias-Oberlaufes zwischen Dorf und Malevosberg tief einge-
schnitten wird.
Über Turniki und dem Flyschzug steigt der schroffe Kalk-
kamm des Artemisiongebirges oder, wie es heute heißt, Ktenias-
gebirges, mit zerklüfteten Wänden empor.
Der höchste Punkt dieses schartigen Grates ist der Klotz
des Ktenias, von dem auch ein Schuttfeld gegen das Dorf herab-
zieht. Der Kalk des Ktenias-Kammes ist der Fernsicht nach mit
den Malevosgipfelkalken ident.
Im Norden des Dorfes ist die schon erwähnte tiefe Schlucht
eingerissen, die von dem Joch zwischen dem Hauptkamm und dem
diesem vorgelagerten noch höheren Malevosgipfel herabkommt.
Der Malevosgipfel wird hierdurch von dem eigentlichen Kamm
losgelöst und ist der Kette im Osten vorgelagert.
Der Siidhang des Malevos ist mit lichtem Tannenwald be-
standen. Eine mehr zusammenhängende Tannenzone folgt etwa
der halben Höhe des Abhanges.
Der Flysch unterhalb Turniki besteht aus blaugrauen, gelb
verwitternden Schiefern und untergeordneten Sandsteinen ; auch
schwarze bis dunkeigraugrüne Schieferpartien wurden beobachtet.
Der Flysch liegt, wie gesagt, über dem schwarzen Nummuliten-
kalk und fällt 45° nach Süden. Der Nummulitenkalk bildet den
Südflügel eines Kalkgewölbes, das am Südhang des Malevos bloß-
gelegt ist. Von diesem zweigt sich unterhalb Turniki keilhorst-
förmig eine aus dem Flysch heraustretende Kalkzunge gegen Süden
zu ab. Auch der eigentliche schwarze Kalk des Malevos setzt
sich nach Süden zu fort. Südöstlich des Dorfes ist noch ein
spitzes Kalkküppchen aus dem Schiefer herauserodiert.
Der Weg auf den Malevos, oder wie ihn die Einheimischen
auch nennen, den Artemisiongipfel zieht zunächst gemeinsam mit
dem nach Tsipiana führenden Pfad an den Nordhängen des Ktenias-
kammes im Flysch hinauf zu dem schon erwähnten Joch zwischen
Malevosgipfel und dem Hauptkamm. Kurz vor diesem Joch tritt
unter dem Flysch im obersten Teil der Xerias-Schlucht der
Nummulitenkalk des Malevos-Südhanges hervor. Der Flysch streicht
Geologische Studien im Artemisiongebirge etc.
343
liier von Westen nach Osten und fällt mit 20° nach Süden. Es
hat zum Teil den Anschein , als oh der Flyscli mit mächtigen
Nummulitenkalkbänken wechsellagern würde. Es handelt sich aber
wohl nur um Querbriiche. Der Nummulitenkalk bildet, wie gesagt,
den Siidfliigel eines Gewölbes, das am Südhang des Malevos durch
die zwischen Malevos und Turniki hinabziehende obere Xerias-
Schlucht aufgeschlossen wird. Oben unter den Gipfelkalken dürfte
annähernd der Scheitelpunkt liegen.
Ueber dem Südflügel des den Nummulitenkalk überlagernden
Flyschzuges von Turniki erhebt sich dann die Kalkmasse des
Hauptkammes, die vom Tsipiana-Weg in einem tief eingekerbten
Paß überquert wird. Von dem Joch zwischen Malevosgipfel und
Hauptkamm aus führt die ■ Anstiegsroute zum Gipfel zunächst an
dessen West- und später an dessen Siidhang hinauf. Anfangs
geht es über Schutt und lockeres Geröll des Deckkalkes, der viel-
leicht auch den Untergrund bildet und mit dem des Hauptkammes
zusammenhängt. Dann kommt Flyscli, der bei der Kamarisquelle
(westlich unter dem Malevosgipfel) Nummulitenkalkblöcke enthält.
Der kaum kenntliche Ziegenpfad zieht von hier nach Südosten zu
an der Grenze zwischen dem Flyschzug und dem Malevosgipfel-
kalk scharf aufwärts.
Oben auf der Südseite des Gipfels über einer im Nummuliten-
kalk liegenden Höhlenkapelle verringert sich die Flysclizone zwischen
dem schwarzen Nummulitenkalk und dem lichten Gipfelkalk außer-
ordentlich stark, stellenweise bis zu einem ganz schmalen Streifen.
Die gequetschten Schiefer streichen hier N 50 — 60 Ost und fallen
HO0 nach Nordwest (obs.).
Der Flyschsaum auf der Südseite des Malevosgipfels wird
von den schwarzen klotzigen Nummulitenkalkeu in der regulären
Schichtenfolge unterlagert. Auch diese liegenden Kalke sind östlich
unterhalb des Gipfels stark gepreßt, die darin befindlichen Num-
muliten wurden durch den Gebirgsdruck gequetscht und zum Teil
in lange, im Durchschnitt wurmartig erscheinende Bänder aus-
gewalzt und ausgefaltet. An der Grenze gegen den Deckkalk
finden sich an der Süd- wie an der Westseite des Gipfels die
schon erwähnten häufigen Brocken von rotem Hornstein und Platten-
kalk, Gesteine, die hier sonst nirgends anstehen.
Den eigentlichen Artemisiongipfel bildet ein auf den Flyscli
geschobener mächtiger Felsklotz mit steil abfallenden , mauer-
artigen, zerklüfteten Wänden, der gegen Osten zu mit dem Kalk
der nördlichen Xerias-Talseite Zusammenhängen dürfte, so weit es
sicli nach der Fernsicht beurteilen ließ. Ich bin wohl der erste
Geologe gewesen, der diesen 1772 m erreichenden Kulminations-
punkt des Artemisiongebirges bestiegen hat.
Die Kalke der Malevos-Gipfelkuppe sind grau , bisweilen
plattig, enthalten aber auch massigere Zwischenlagen. Auf der
344
C. Renz,
Südwestseite stehen die Gipfelkalke senkrecht, sind aber stark ge-
quält und gewunden. Oben auf dem Grat, westlich der Gipfel-
pyramide, streicht eine dickbankige Lage grauen Kalkes mit rot-
braunen Hornsteinnieren N 60 W und fällt steil nach NO (obs.).
An der Gipfelpunktpyramide wurde das Fallen mit 60 0 nach West
gemessen. Hier am Gipfel handelt es sich um geschichtete, plat-
tige, graugelbe Kalke, durchsetzt von weißem Kalkspatgeäder.
Als First des mauerartigen Kammes erscheint eine massigere,
grauweiße Kalklage mit spärlichen Hornsteinfladen und mit zahl-
reichen weißen, unregelmäßig verlaufenden Kalkspatadern (obs.
Streichen N 20 Ost; Fallen steil West).
Schon durch ihre starke tektonische Zertrümmerung und Zer-
rüttung und ihre senkrechte Aufrichtung bezw. ihrer gänzlich
verschiedenen Lagerung im Verhältnis zu ihrer Flyschunterlage
geben sich diese lichten Deckkalke des Malevos als überschobene
Decke zu erkennen.
Auf der Südseite des Gipfels ist die Flyschzone bis auf einen
ganz schmalen, oft kaum mehr erkennbaren Streifen zusammen-
geschrumpft. Von der Ferne sieht es so aus, als würde der Deck-
kalk unmittelbar dem schwarzen Nummulitenkalk des Malevos-
Südhanges auflagern.
Die Kalke des Ktenias-Kammes dürften den Malevosgipfel-
kalken entsprechen und ihre weitere, durch das obere Xerias-Tal
und das Joch zwischen Malevosgipfel und Ktenias-Kamm unter-
brochene Fortsetzung darstellen. Derartige tektonische Verhält-
nisse ließen sich in den griechischen Schollengebirgen natürlich
auch durch Horst- und Bruchbildung, d. h. Schollenhebungen und
-Senkungen erklären. Ich selbst habe, wie gesagt, bisher erst ein
kleines Stück der arkadischen Gebirge kennen gelernt; ich ver-
lasse mich aber bei der geäußerten Ansicht auf die Beobachtungen
und Kartierungen Philippson’s, nach dem überall in den zentral-
und ostpeloponnesisclien (exkl. argivisclien) Gebirgen den Malevos-
gipfelkalken entsprechende Kalke dem Flysch auflagern und über-
haupt allerorts in dem weiten, in Betracht kommenden Gebiet die
gleiche , nur stratigraphisch anders gedeutete Schichtenfolge
vorliegt.
Der Routenbeschreibung A. Philippson’s 1 von Turniki nach
Argos ist nicht mehr viel zuzufügen.
Unterhalb von Turniki führt der Weg durch Flysch in den
schon erwähnten teilweise hervortretenden Nummulitenkalk, über-
quert dann den Südflügel des Kalkgewölbes , der vom Malevos
herüberzieht und steigt an dessen steilen Hängen hinab zum Xerias-
Tal. Unten gelangt man in den schon von Philippson angegebenen
Glimmerschiefer, der vielfach weiße Quarzlagen enthält (Streichen
1 A. Philippson, Der Peloponnes. Berlin 1892. Mit geologischer Karte.
Geologische Studien im Artemisiongebirge etc. 345
unten im Bachtal N 30 Ost; Fallen 45° nach Südsüdost). Zwi-
schen dem Glimmerschiefer und dem schwarzen Kalk, der in seinen
tieferen Partien hier auch Rudisten führt, läuft eine scharf mar-
kierte tektonische Grenze hindurch. An der Bruchlippe er-
scheinen auch Breccien der weißgrauen Triaskalke von der Aus-
bildung, wie sie bei Alepochori im zentralen Peloponnes Vorkommen.
Die stratigraphische, wie tektonische Stellung dieses Glimmer-
schiefers bedarf entschieden noch weiterer Aufklärung und es ist
zu hoffen, daß die Untersuchung der gleichen Gesteine an der
Ziria und im Parnon die Lagerungsverhältnisse besser erkennen
lassen wird, so daß man dann nach Analogieschlüssen auch die
Stellung der Glimmerschiefer im Xerias-Tal wird bestimmen können.
Im Anschluß hieran sei noch erwähnt, daß die Kalke des
Burgberges von Argos wohl ebenfalls der Obertrias angehören;
sie gleichen in ihrem Habitus sowohl den Dachsteinkalken der
Argolis, wie auch den schon mehrfach erwähnten Kalken von
Alepochori. Zu einer genaueren Untersuchung der örtlichen Ver-
hältnisse bin ich leider noch nicht gekommen.
Unterhalb der Burg fand ich jedoch in den lichtgrauen Kalken
Korallenreste.
Der allein vorhandene Längsschliff der am besten erhaltenen
Art erinnert sehr an Spongiomorpha acyclica Frech.
Es bleibt dabei allerdings zu berücksichtigen, daß Astraeo-
morpha crassisepta Frech im Längsschliff eine sehr ähnliche Struk-
tur aufweist.
Der Längsschliff der vorliegenden Art des Burgberges von
Argos zeigt jedoch eine feinzelligere Struktur, als der der A. crassi-
septa Frech und ist auch noch etwas feinzelliger, als der der
Spongiomorpha acyclica. Für die Altersbestimmung des Kalkes von
Argos ist diese Erwägung nebensächlich, da beide in Frage kom-
menden Korallentypen in der Obertrias auftreten. Aus den ober-
triadischen Kalken Hydras kenne ich übrigens ebenfalls derartige
Abarten der Sp. acyclica Frech, bei denen die Skelettelemente feiner
ausgebildet sind.
Typische Exemplare der Spongiomorpha acyclica Frech fand ich
in Griechenland sonst noch in den hellgrauen Obertriaskalken des
Korombiligebirges , die die westliche Fortsetzung des Kithaeron
darstellen. Diese Spongiomorphidenkalke des Korombili stimmen
auch in ihrer petrographischen Entwicklung vollkommen mit den
betreffenden Kalken des Burgberges von Argos überein.
Zusammenfassung.
Die Schichtenfolge im Artemisiongebirge besteht nur aus we-
nigen Gliedern. Diese Glieder sind von unten nach oben:
1. Schwarze Kalke von großer Mächtigkeit mit Rudisten
(Hippuriten und Radioliten) und Nummuliten, xmd zwar erfüllen
346
Fr. v. Maröes,
die letzteren die obere Grenzzone der dunkeln Kalkmassen, 'wäh-
rend die Rudistenführenden Partien ein tieferes Niveau einnelimen.
2. Flysch, in der gewöhnlichen Entwicklung des griechischen
Eocänftysches, als sich anschließendes, nächst höheres Glied der
Schichtenreihe.
3. Lichte, meist hellgraue und dünngeschichtete Kalke, z. T.
mit Hornstein, als tektonisch anormale Überlagerung.
Paläontologisch ist das Alter dieser Kalke im eigentlichen
Artemisiongebirge noch nicht bestimmt, doch sind sie jedenfalls
älter, als der darunterliegende Eocänflysch und noch tiefere Num-
muliten- und Rudistenkalk.
In der Argolis treten in der Obertrias (z. T. aber auch im
höheren Jura) ähnliche Gesteinsvarietäten auf. Festgestellt ist die
Trias in dem hier besprochenen Gebiet bis jetzt nur in den
Kalken des Burgberges von Argos. Die hellgrauen Kalke von
Argos führen spärlich verteilte, obertriadische Korallen.
Zu erwähnen ist noch ein engbegrenztes Vorkommen von kri-
stallinen Gesteinen im mittleren Xerias-Tal, jedoch lassen sich an
diesem Aufschluß die Lagerungsverhältnisse zu den angrenzenden
Schichtengliedern nicht erkennen.
Entsprechend der in Griechenland beobachteten tektonischen
Allgemeinbewegung handelt es sich auch im Artemisiongebirge um
eine nach Westen überschlagene Überschiebungsscholle von nicht
allzugroßer Förderungsweite. Die Triasgesteine, die die mesozoische
Decke wohl hauptsächlich zusammensetzen , treten in normaler
Lagerung in geringer Entfernung in der Argolis auf.
Die überschobene Unterlage bilden im Artemisiongebirge Flysch-
gesteine mit ihrem regulären Liegenden, den schwarzen Nummu-
litenkalken, die in gleicher Fazies noch in die Kreide hinunter-
reichen.
Jura und Kreide in der Umgegend von Sarstedt.
Von Friedrich v. Marees.
Mit einer geologischen Skizze.
Im Norden von dem Orte Sarstedt, der an der Bahnlinie
Hannover-Hildesheim und an der Innerste, kurz vor ihrer Mündung
in die Leine, liegt, erhebt sich aus dem Flachland eine Gruppe
von Höhenzügen und Hügelreihen, deren Westabhänge von Ge-
bilden des Jura und der Kreide bedeckt sind. Das Liegende des
Jura bildet die gesamte, regelmäßig abgelagerte Trias, die, wie
schon anderen Orts 1 darzustellen versucht worden ist, den Kern
für eine N — S streichende sattelartige Erhebung bildet, die seitlich
im Osten und Westen von jüngeren Schichten flankiert ist.
v. Maries, Kali. 1913. Heft 2.
Jura und Kreide in der Umgegend von Sarstedt.
347
Der Jura.
Auf der Oberfläche dieser Höhenzüge zeigt sicli der Jura
konkordant dem Keuper auflagernd als schmaler Streifen, von N
nach S streichend. Die wenigen Fundpunkte ließen im südlicheren
Teil die Amaltheen-Tone und die Numismalis-Mergel, weiter nach
Norden, in der Umgegend von Össelse, strichweise die Posidonien-
schiefer des Lias und schließlich noch die Opalinus- Tone des Dogger
feststellen. Hoyek1 hat nur wenige der untersuchten Fundpunkte
beschrieben, ebenso Brauns 2. Dagegen ist der östliche Abhang
der Höhen schon in den 60er Jahren bei Gelegenheit eines Bahn-
baues ausgiebig untersucht worden. Schloenbach 3, von Seebach 4,
und besonders Credner5 haben gefunden, daß der Jura hier mit
den Schichten des Lias : Zone des Ammonites ziphus, Zone des Am.
1 Hoyer, Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 1912.
2 Brauns, Der untere Jura. 1879. p. 82.
3 Schloenbach, N. Jahrb. f. Min. etc. 1863. p. 165; Zeitschr. d D.
Geol. Ges. 1863. p. 465.
4 von Seebach, Der Hannov. Jura. 1864. p. 21.
5 Credner, Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 1865. p. 242.
348
Fr. v. Marees,
capricornu und des Am. amaltheus, dann durch die Posidonienschiefer
und Jurensis-Mergel vertreten ist. Diesen folgen noch vom Dogger
die Opalinus- und Polyplocus- Tone bis zum Hilston.
Hiernach scheint es, daß die Ausbildung des Jura auf beiden
Abhängen übereinstimmt und daß der Jura im Lias in allen Stufen,
im Dogger jedoch nur bis zu den Polyplocus- Tonen zutage tritt.
Es liegt aber die Vermutung nahe, besonders da die Zahl und
Ausdehnung der westlichen Fundpunkte noch sehr gering ist, daß
der Dogger örtlich z. T. gar nicht oder z. T. noch weiter aus-
gebildet ist.
Die Kreide.
Der beträchtlichste Teil der Höhenabhänge nach der Leine
hin wird von der Kreide eingenommen. Es war mir möglich, in
einer größeren Zahl neuer, tiefer Ton- und Mergelgruben auf einem
breiten Streifen von Össelse bis zum Moorberg die untere Kreide
zu untersuchen und festzustellen, daß am Moorberg, z. T. abweichend
von den älteren Funden von Hoyer 1 und v. Koenen1 2. die Kreide
mit der Valendis-Stufe (Z. d. Olcosteplianus Keyserlingi) unten be-
ginnend bis zum unteren Apt (Z. d. Hoplites Weissi ) vorhanden ist.
Auch die in nächster Nähe von Sarstedt ganz steil stehenden,
z. T. feingescliieferten, sonst aber den übrigen Schichten gleich-
artigen Tone, Tonsteine, Mergel usw. gehören nach den, wenn
auch spärlichen Fossilfunden jedenfalls dem tieferen Neocom oder,
wie Salfeld 3 vermutet, dem oberen Hauterive und unteren Barreme
an. Hier bildet das Liegende über Tage Tertiär und Diluvium,
das Hangende Plänerkalk.
Auf dem Streitberg bei Össelse fand ich weiter den ganzen
Gault vom Milletianus-Ton an aufwärts bis zum Minhnus-Tou. Der
von Hoyer beobachtete Flammenmergel war weder hier noch im
Süden zu finden.
Auffallend deutlich ist die Grenze gegen den festen, weißen
Plänerkalk, der sich dicht bei Sarstedt als scharfe Geländekante
erhebt. Hier, in den großen Steinbrüchen des Dehn- und Stein-
berges und am Kipphut fand sich Cenoman und Turon, und zwar
von den Rhotomagensis-Schichte.n (nach Salfeld (a. a. 0.) von den
Fanaws-Schichten) aufwärts bis zu den Brongniarti- Plänern, so daß
zunächst allgemein Flammenmergel und Tourtia, besonders dicht
bei Sarstedt aber auch höchst wahrscheinlich der größte Teil des
Apt und Gault überhaupt fehlt.
Fast unmittelbar auf dem unter 40 — 45° einfallenden hellen
Kalk liegt fast söhlig Senon. Es bildet den Westabhang des
Bocksberges und des Wehmberges hier, des Radiah bei Gleidingen.
1 Hoyer, Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 1902.
2 v. Koenen, Abhandl. d. Geol. Landes-Anst. N. F. Heft 24.
Salfeld, Jahrb. d. Niedersächs. Geol. Ver. 1909.
Jura und Kreide in der Umgegend von Sarstedt.
349
Die ausgedehnten Fundpunkte stellen das untere Senon von der
Z. d. Am. clypealis bis zu den Quadraten-Scliichten dar. Höhere
Stufen sind nicht mehr vorhanden, ebenso keine tieferen, so daß
offenbar oberes Turon und Emscher fehlen. Während das Senon
am Bocksberg auf dem Pläner liegt, scheint es am Radiah die
Schichten des Gault auffallend diskordant zu überlagern.
Diese eigentümlich ausgebildeten Vorkommen von Jura und
Kreide liegen im Norden, am äußersten Rand der Höhen flach,
fast söhlig, am Moorberg stehen sie schon wesentlich, fast um
15 — 20°, steiler. Hier nimmt ihr Streichen jedoch eine stark
nach W — 0 umbiegende Richtung an, das bei Sarstedt in unterer
und oberer Kreide in 8 h steht. Das Einfallen der unteren Kreide
schwankt dabei zwischen 50 und 90 °. Fast ungestört liegt nur
das Senon.
Die eigenartige Ausbildung des Jura, die auch in der näheren
Umgebung von Hannover und im Braunschweigischen vielerorts in
der verschiedensten Ausdehnung beobachtet ist, läßt zunächst ver-
muten, daß der Ablagerung der unteren Kreide heftige Abrasionen
vorangegangen sind (wie sie anderwärts in der weiteren Umgebung
zweifellos stattgefunden haben). Da aber die untere Kreide,
frühestens die Valendis-Stufe ihre Sedimente diskordant dem Jura
auflagerte, und ferner in diesen untersten Kreideschichten keine
Spur von Strandgebilden zu finden ist, wird zunächst der Jura
kaum weiter, als er zutage tritt, ausgebildet gewesen sein. Ferner
hat er jedenfalls bis zur Valendis-Stufe trocken gelegen, d. li. er
hat eine flache Insel gebildet, die erst später vom Kreidemeer über-
flutet wurde.
Die Kreide lagerte dann ihre Sedimente in fast ungestörter,
wenn auch eigenartiger Gestalt bis zum Minimus- Ton des Gault
ab. Die nächstbenachbarten , höheren Schichten gehören schon
der Cenomanzeit an, und zwar frühestens den Fanaws-Schichten.
Es fehlte Flammenmergel und Tourtia, diese jedoch nur am Stein-
berg. Am Südabhang des Dehuberges liegt der Pläner selbst auf
Barreme oder auf Hauterive. Hier tritt die Diskordanz in der
Lagerung besonders deutlich hervor. Die untere Kreide hat ein
Einfallen bis zu 90°, die hangende obere bis höchstens 45°.
Weiter nach Norden, sowie auf dem ganzen Ostabhang und in der
nächsten Nähe überhaupt ist hier keine Spur von Pläner mehr
zu finden.
Zunächst ist der Plänerzeit jedenfalls eine Zeit starker, un-
gleichmäßiger Abrasionen voranfgegangen, durch die bei Sarstedt
ein Becken besonders vertieft worden ist, indem die wenig wider-
standsfähigen und leicht transportierbaren Tone und Mergel stark
erodiert sind. Es scheint die untere Kreide somit auf der ganzen
Linie im N und S gleichartig ausgebildet vorhanden gewesen zu sein.
350 Fr. v. Marees, Jura und Kreide in der Umgegend von Sarstedt.
Dem Pläner liegt weiter das Senon mit den Schichten des
Am. clypealis auf. Ferner findet sich das Senon mit der gleichen
Zone bei Gleidingen auf den Tonen des Gault gänzlich flach.
Strandschotter aus dem Pläner z. B. sind auch hier und am Bocks-
berg nicht zu finden, so daß Abrasionen größerer Ausdehnung der
sehr festen Kalke stattgefunden haben können.
Daraus ergibt sich zunächst, daß vom Turon Scaphiten- und
Cuvieri-Pläner, vom Senon der Emscher vollkommen fehlen und
offenbar gar nicht zur Ablagerung gekommen sind. Ferner ergibt
sich, daß der Pläner sich nur in der engen Bucht und nur bis zu den
Brongniarti- Plänern abgesetzt hat. In die jetzige Lage ist er erst
durch spätere, hier besonders heftige Bewegungen gelegt worden.
In der Zeit vom Brongniarti- Pläner bis zum mittleren Unter-
senon (Am. clypealis ) herrschte also wieder z. T. Festland , das
von dem flachen Senonmeer noch einmal bis zur Quadratenkreide
bedeckt wurde. In dieser und der folgenden Zeit war scheinbar
wieder Ruhe in der Bewegung des Meeresbodens, denn das Senon
scheint noch jetzt in seiner ursprünglichen Lagerung zu verharren.
Aus dieser eigenartig unterbrochenen Reihenfolge bei der
Sedimentation der vorhandenen Gebirgsschichten kann man auf
eine Folge von Gebirgsbewegungen, Hebungen und Senkungen
schließen, die beim Aufbau der gesamten Höhenztige und besonders
bei der Hebung des von mir schon kurz beschriebenen „Salz-
horstes“ (a. a. 0.) eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben.
Die ersten Anzeichen einer Hebung des Meeresbodens machten
sich in vorneocomer Zeit, oder, nach den Angaben oben, kurz nach
dem unteren Dogger bemerkbar. Die Aufwölbung war nur gering,
aber auf der ganzen Linie fast gleichmäßig. Die nächste Be-
wegung erfolgte nach dem Gault oder in vorcenomaner Zeit. Auch
sie war nicht erheblich groß. Die starke, auffallende Diskordanz
ist jedenfalls erst durch ein plötzliches Absinken hervorgerufen,
das besonders in der Nähe von Sarstedt örtlich sehr heftig ge-
wesen seiu muß.
Während im Norden kaum noch Bewegungen von jetzt ab
zu beobachten waren, fand zur Plänerzeit, also in vor- oder friih-
senoner Zeit eine starke Niveauverändernng in der unteren und
oberen Kreide bei Sarstedt statt, durch die das Neocom fast senk-
recht gestellt wurde und den eben abgelagerten Pläner bis 45°
mit aufrichtete. Von jetzt ab trat erst vollkommene Ruhe ein,
.die nur noch an der Kammlinie der ganzen Erhebung durch
dauernde absinkende Bewegungen belebt wurde.
In welcher Weise diese Hebungsepochen mit der Bewegung
und dem Empordringen der Salzmassen im Untergrund dieser
Gebirgsschichten Zusammenhängen, bedarf noch weiterer Unter-
suchungen, wozu diese Zeilen einige Dienste leisten mögen.
H. Schroeder, Das Vorkommen der Gattung Lophiodon etc. 351
Das Vorkommen der Gattung Lophiodon in der Braunkohle
Sachsens.
Von Henry Schroeder.
Herr Diplom-Ingenieur W. Salzmann hat Ende Dezember
vorigen Jahres einen paläontologiscli und stratigraphisch sehr
wichtigen Fund gemacht, den ich schon jetzt, obwohl die paläonto-
logische Untersuchung nicht beendet ist, mitteilen möchte.
In der Braunkohlengrube Cecilie bei Hücheln (Reg.-Bez. Merse-
burg) sind Wirbeltierreste gefunden worden, die endlich einen Be-
weis für das eocäne Alter der dortigen Braunkohle ergeben. Leider
ist es mir nicht möglich gewesen, die Fundstelle zu besuchen.
Das Profil der Ablagerungen, das von Herrn Salzmann mit großer
Mühe und Sorgfalt aufgenommen wurde und demnächst genauer
beschrieben werden wird, ist vom Liegenden zum Hangenden:
1.
2
3.
4.
5.
6.
Sand und Ton ;
2 — 5 m Kohle, kompakt und fest;
0,3 „ Tonmittel, auskeilend;
20 „ Kohle, dunkel, lokal in der Nordwestecke des
Tagebaues mit kalkigen Einlagerungen, teils
aus umgelagerten Moorschichten entstanden,
teils autoclithon mit einem
2 „ Mittel, sandig-tonig mit Kohlenbrocken, aus-
keilend ;
25 — 30 „ Kohle, heller, gestreift, ebenfalls z. T. auto-
chtlion, z. T. aus umgelagerten Moorschichten
entstanden ;
7. 10 — 14 „ Kies, tertiär;
8. 5 — 6 „ Geschiebemergel;
9. 3 — 4 „ Löß.
Wenige Meter entfernt von dem auskeilenden Mittel (5) inner-
halb eines in der gleichen Höhenlage befindlichen, ockerfarbigen,
pulverigen, 30 — 40 cm mächtigen Streifens lagen eine größere
Anzahl von Ober- und Unterkiefer zähnen, die der Gattung Lophiodon,
und zwar wenigstens drei Individuen, angehören. Die spezifische
Bestimmung wird trotz der guten Erhaltung und Vollständigkeit
der meisten Zähne an der Hand der Literatur kaum möglich sein
und eine direkte Vergleichung mit den französischen und schweize-
rischen Originalen erfordern; ich möchte jedoch glauben, daß die
nächste Beziehung zu Lophiodon Cuvieri aus dem Lutetien (Mittel-
Eocän) besteht, und behalte mir vor, auf eine nähere paläonto-
logische Erörterung später einzugehen.
Da die Unterfamilie Lophiodontinae auf das Eocän beschränkt
ist, wird hiermit das eocäne Alter der Fundstelle und auch
wohl der sächsischen und subherzynen Braunkohle
überhaupt bewiesen und die in gleichem Sinne erfolgte Annahme
des Herrn v. Linstow bestätigt.
Suez, deu 19. März 1913.
352
Besprechungen. — Personalia.
Besprechungen.
J. H. Farrell: Practical Field Geology, including
a Guide to the Siglit Recognition of One Hund red
Twenty Common or Important Minerals by Professor
A. J. Moses. (New York, bei Mc Graw-Hill Book Company. 1912.
XI + 273 p. Mit 68 Textiiguren und 4 Tabellen.)
Dieses Buch ist für Geologen und Bergingenieure bestimmt
und enthält auf den ersten 205 Seiten Anweisungen über geologische
Kartierungen, Messungen und Prospektieren, sowie auch Abschnitte,
welche die Klassifikation der Gesteine und die verschiedenen Theorien
der Erzbildung besprechen. Tabellen zur Bestimmung von 1 20
wichtigen Mineralien mittels der physikalischen Eigenschaften,
welche von Professor A. J. Moses angeordnet worden sind, bilden
einen 58 Seiten umfassenden Anhang. (N. Jahrb. f. Min. etc.
1911. 2. p. -165-.) Ein Glossarium ist auch zu erwähnen.
Praktische Geologen und Bergingenieure werden dieses Buch
wegen der klaren Darlegung, des guten Drucks, der vielen Illu-
strationen und des bequemen Taschenformats von bedeutendem
Werte finden. E. H. Kraus.
C. Godfrey G-unther : The Examination of Prospects.
(1912. XI + 222 p. Mit 79 Textfiguren. Bei Mc Graw-Hill Book
Company, New York.)
Dieses Kompendium über die Aufsuchung und Untersuchung
von Erzlagerstätten ist vom praktischen Standpunkt geschrieben
und setzt die Kenntnis von Mineralogie, Petrographie und Geologie
voraus. Die Anordnung ist: 1. die Theorien über magmatische
Wässer, 2. die LiNDGREN’sclien Schlußfolgerungen über liydro-
thennische und sekundäre Veränderungen, und 3. die Theorien von
Emmons und Weed über sekundäre Bereicherung von Erzlager-
stätten. Wegen der knappen und klaren Darstellung, der zahl-
reichen Illustrationen , der ausgezeichneten Ausstattung und des
bequemen Taschenformats, wird das Buch sehr wahrscheinlich viele
Freunde unter den Studenten der Mineralogie, Geologie und be-
sonders der Erzlagerstätten finden. E. H. Kraus.
Personalia.
An der South African School of Mines and Technology in
Johannesburg wurden ernannt: Dr. G. S. Corstorphine zum
Principal of the School and Professor of Economic Geology;
Mi’. J. S. Cellier zum Professor of Mining.
Angenommen: Prof. Dr. H. Stille in Leipzig einen Ruf
als Nachfolger von Prof. Pompeckj nach Göttingen.
H. Laubmann. Ueber Pseudomorphosen von Quarz etc.
353
Original-Mitteilungen an die Redaktion,
Ueber Pseudomorphosen von Quarz nach Kalkspat aus den
Flussspatgängen am Wölsenberg in der Oberpfalz.
Von H. Laubmann.
In den durch seinen dunkel-violettblauen Antozonit be-
kannten Flußspatgängen am Wölsenberg unfern N ab b u r g in
der Oberpfalz1, deren Entstehung zweifelsohne auf juvenile Tätig-
keit zurückzuführen ist, findet sich außer den wichtigeren Begleit-
mineralieu Quarz und Schwerspat etwas weniger häufig der Kalk-
spat. Die Quarzadern wechseln in ganz unregelmäßiger Weise
mit dem Fluß- und Schwerspat und zeigen durchgehends eine
stark hornsteinartige Ausbildung. In diesen Hornsteinbändern habe
ich schon vor ca. 30 Jahren die ersten Belege einer pseudomorphen
Umwandlung von Kalkspat nach Quarz, zu Drusen vereinigte wolil-
ausgebildete und ziemlich große Skalenoeder, gefunden, und als
ich im Sommer 1912 in der Absicht, weitere Studien für diese
merkwürdige Umbildung zu machen, die Fundstelle wiederum be-
suchte, war der Erfolg denn auch so, daß ich mit seiner Bekannt-
gabe nicht länger zögern möchte.
Gümbel2 erwähnt bereits das Auftreten von kleinen, meist
in Brauneisenstein umgebildeten Spateisensteinkristallen, die auf
der mit hellfarbigem Flußspat engverwachsenen , in Mitte des
Ganges durchsetzenden Zone rötlichgelben Schwerspates auftreten.
Von Umwandlungen des Kalkspates dagegen war in der Literatur
nichts aufzufinden. Wenn auch bis jetzt die in Frage stehenden
Pseudomorphosen von Quarz nach Kalkspat anstehend noch nicht,
sondern nur auf den Halden der im Betriebe befindlichen Bauer-
schen Flußspatgruben am Wölsen berge und der aufgelassenen
Gänge am Leber Bühl 3 gefunden wurden, so scheint es doch,
daß ihr Vorkommen an die schon oben erwähnten Hornsteinadern
gebunden ist.
Die morphologische Beschaffenheit der bisher aufgefundenen
Belegstücke läßt zwei Formen der ursprünglichen Kalkspatausbil-
dung unterscheiden : die skalenoedrische und die rhomboedrisclie,
von denen die letztere aber nicht eindeutig bestimmt werden konnte.
1 Gümbel, Ostbayer. Grenzgebirge, p. 516 u. f. — Priehäusser, Zeit-
schrift für praktische Geologie. XVI. Jalirg. (1908.) p. 265 u. f.
1 Gümbel, ebenda, p. 516.
3 Vergl. Skizze bei Priehäusser, p. 267.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913.
23
354
H. Laubmann,
I. Skalenoedrische Form.
Die beste Ausbildung der Kristallform zeigt eine Druse von
Skalenoedern von hellbrauner Farbe und ungefähr 1 cm Kanten-
länge, die durch und durch in ein dichtes Gefüge von deutlich
kristallinischen Quarz umgewandelt sind und auf dem charakte-
ristischen Hornstein des W ö 1 s e n b e r g e r Flußspatganges aufsitzen.
Trotzdem die Flächen der pseudomorphen Kristalle rauh und matt
sind, hat Herr Dr. Steinmetz in bereitwilligster und dankenswerter
Weise Messungen vorgenommen, indem durch Vaselinanstrich eine
reflektierende Oberfläche sowie durch Abdrücke zweier Flächen in
Siegellack Unterlagen für die Messung der Flächenwinkel her-
gestellt wurden. So konnten die Polkanteu der Skalenoeder im
Mittel zu 78° + 2° und 24,5° + 2° bestimmt werden, was dem
Skalenoeder R 2, (301), (3142) mit 77° 49' und 24° 10' ziem-
lich entsprechen dürfte.
In gleich guter Ausbildung und Größe fand ich noch einige
einzelne in Flußspat eingewachsene stumpfe Skalenoeder, von denen
ein besonders schön ausgebildeter, zentimetergroßer Kristall bei
der Messung 78°+ 1° und 18° + 2° Polkantenwinkel ergab.
Diese Form dürfte dem Skalenoeder R f, (401), (4153) ent-
sprechen, dessen Kantenwinkel 78° 05' und 18° 07' betragen.
Alle diese Skalenoeder zeigen noch deutlich die Streifung
nach dem Spaltungsrhomboeder, die zu etwa 78° gemessen werden
konnte, während das Spaltungsrhomboeder des Calcites allerdings
nur 74° 55' aufweist. Diese Differenz ist jedenfalls durch eine
geringe Deformation des Primärrhomboeders bei der Pseudomoi’pho-
sierung zu erklären.
Außer diesen verhältnismäßig recht scharf ausgebildeten Pseudo-
morphosen konnten an einer handgroßen Druse, die Herr Ober-
geometer Dietmar in Weiden (Oberpfalz) durch Vermittlung von
Herrn Dr. Steinmetz in bereitwilligster Weise zur Verfügung
stellte, ganz rauhe, durch Quarz erfüllte, aber unscharfe Skaleno-
eder festgestellt werden, bei denen als Quarzsubstanz durch Eisen-
oxyd schwach rötlich gefärbte Bergkriställchen (Eisenkiesel)
auftraten, welche die bekannten dnnkelvioletten Fluorithexaeder des
Wölsenberges so häufig inkrustieren.
Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß auch papierdünne, aller-
dings etwas beschädigte, Hohlformen von Skalenoedern, z. T. kon-
zentrisch ineinander gewachsen, mit deutlicher rhomboedrischer
Spaltungstreifung, an einem Fundstück beobachtet wurden.
II. Rhomboedrische Form.
Auch diese Pseudomorphosen, deren Vorkommen, wie es scheint,
auch wieder an die Hornsteinbank gebunden ist, fand ich in meh-
reren Stufen. Zudem stellte Herr Obergeometer Dittmak- W ei den
Ueber Pseudomorphosen von Quarz etc.
355
seine Funde auch hier wieder bereitwilligst zur Verfügung, wofür
ihm mein verbindlichster Dank abgestattet sei.
Die Rhomboeder wechseln in ihrer Farbe von braun über gelb
bis weiß. Schon mit freiem Auge läßt sich bei ihnen die Quarz-
substanz als solche feststellen. Die bis zu 2 cm langen, nicht frei
ausgebildeten, mehr oder weniger gekrümmten Kristalle sind ent-
weder von rauher, kariöser Oberfläche, oder sie sind verhältnis-
mäßig glatt und die Oberfläche wird daun von einer ungefähr
millimeterdicken ganz dichten Quarzschicht gebildet, unter der die
Hohlform, wie es scheint, nachträglich mit grobkristallischem Quarz
ausgefüllt wurde, der im Dünnschliff z. T. schönen zonaren Auf-
bau und ausgesprochen Pflasterstruktur zeigt.
Infolge der rauhen Oberflächenbeschalfenheit waren kristallo-
graphische Messungen , welche die Natur dieser Pseudokristalle
eindeutig beweisen konnten, nicht durchzuführen und es lag daher
nahe , nachdem die skalenoedrischen Kalkspatformen zweifellos
vorhanden sind, diese Formen, die bis jetzt fast durchgehends
einen sehr würfelförmigen Habitus aufweisen, als rhomboedrische
Calcitformen anzusprechen. Es kämen hiefür nur sehr würfel-
ähnliche Rhomboeder in schlechter Ausbildung in Betracht. Be-
merkenswert jedoch ist es, daß all diesen Rhomboedern die bei den
Skalenoedern vorhandene, so deutlich entwickelte Streifung voll-
ständig fehlt.
Es soll daher nicht unterlassen werden, auf die Möglichkeit
hinzuweisen, daß die ursprüngliche Muttersubstanz dieser scheinbar
rhomboedrischen Formen auch Fluorit gewesen sein könnte, so daß
also eine Pseudomorphose von Quarz nach Flußspat und nicht nach
Kalkspat vorliegen würde. Bei dieser Deutung kämen als Kristall-
formen Hexaeder mit Vizinalflächen in Frage. Daß derartig ver-
zerrte und dadurch etwas rhomboedrisch gewordene Fluorithexaeder,
mit unregelmäßigen Streifen und Absätzen auf den Flächen, am
Wölsenberge — wenn auch selten — - Vorkommen, beweist ein
in der Sammlung des Herrn Dittmar befindlicher Fluoritkristall
von 3 cm Kantenlänge, bei welchem die drei Kanten in einer Ecke
unter den Winkeln von 111°, 95° uud 9^° so zusammenstoßen,
daß er einen vollständig rhomboedrischen Habitus aufweist.
Allein noch eine andere recht interessante Beobachtung brachte
mich außerdem auf die Möglichkeit einer Pseudomorphose von
Quarz nach Flußspat. Ich habe speziell am Wölsenberg (auf
den Halden der BAUER’schen Gruben) in den auf dem Pfahlschiefer
resp. Hornstein aufliegenden Flußspatschichten ziemlich häufig gut
ausgebildete Fluoritwürfel und Oktaeder von 0,5 — 1,0 cm Kanten-
länge auffinden können, die vollständig von farblosen winzigen
Bergkriställchen inkrustiert sind. Bei einigen wenigen dieser
Kristalle hatte sich sogar der Quarz schon in das Innere der
Fluoritformen eingefressen, so daß hier ohne Zweifel die lialb-
23*
356
W. Wetzel, Untersuchungen über das Verhältnis
fertige Umwandlungspseudomorphose von Quarz nach Flußspat
vorliegt.
Ich werde meine Beobachtungen fortsetzen und hoffe, daß es
mir noch gelingen wird, weiteres Material beizubringen, das die ein-
wandfreie Deutung dieser interessanten Erscheinungsformen zuläßt.
M ü n c h e n im März 1913.
Untersuchungen über das Verhältnis von Chalcedon und
Quarzin zu Quarz.
Von W. Wetzel in Kiel (Mineralog. Institut).
Inhaltsübersicht. Seite
Einleitendes 356
Vergleichende Beschreibung der Eigenschaften
von Quarz, Quarzin und Chalcedon.
Übereinstimmende Eigenschaften 357
Unterschiedliche Eigenschaften 358
Lichtbrechung 358
Doppelbrechung 358
Spezifisches Gewicht 359
Habitus 359
Opalgehalt 359
Thermische Veränderlichkeit der Doppelbrechung 360
Erklärung der Hauptunterschiede unter An-
nahme einer einzigen Modifikation.
Lichtbrechung und spezifisches Gewicht 362
Doppelbrechung 365
Schlußbemerkung über die Unterschiede im Habitus
und im Opalgehalt 366
Einleitendes.
Quarzin ist 1890 von Michel-Levy und Munier-Chalmas als
Mineralart anfgestellt worden, und zwar mit einem Hauptmerkmal:
Faserachse // c. Dagegen hat der Chalcedon im Sprachgebrauch
Michel-Levy’s (= Chalcedonit Lacroix) a in der Faserachse. An
Stelle einer eingehenderen Definition der beiden Erscheinungsformen
des Si 02, die bei der auffallenden Verschiedenheit der bisherigen
Diagnosen 1 nicht mit kurzen Worten abzumachen ist, zähle ich
weiter unten die übereinstimmenden und unterschiedlichen
Eigenschaften von Quarz, Quarzin und Chalcedon auf. Die Nacli-
1 In der neuesten Auflage der Rosenbusch- WüLFiNG’schen Hilfs-
tabellen zur mikroskopischen Mineralbestimmung (III e) sind beispielsweise
für die Lichtbrechung und die Doppelbrechung des „rhombischen“ Chalcedons
die W ALLERAN'f’schen Daten für Quarzin angegeben.
von Chalcedon und Quarzin zu Quarz.
357
prnfnng bisheriger Augaben und die Feststellung noch nicht zuvor
beschriebener Eigenschaften geschah hauptsächlich an Präparaten
von Drusen-Fülluugen, die sich in einem chalcedonisierten Geschiebe-
holz cretacischen Alters von Holtenau finden und die aus schönen
zentrogeuen Sphärolithen vou Chalcedon und Quarzin nebst Gruppen
von Quarz bestehen1.
Die Frage nach den Modifikationen, die den drei Körpern
Quarz, Chalcedon und Quarzin zugrunde liegen, hat man bisher
recht verschiedenartig beantwortet.
Die Annahme einer einzigen Modifikation findet sich be-
reits 1890 bei Le Chatelier2, der Chalcedon mit Quarz identi-
fizierte, und 1892 bei Michel-Lbvy und Munter-Chalmas 3, welche
Forscher indessen eine hypothetische zweiachsige Substanz als
Grundelement unserer drei Körper betrachteten, und 1897 bei
Walleraxt4 5, der überall trikline Grundelemente annahm; wiederum
c-Quarz als einzige Modifikation nehmen an: 1901 Beckexkamp n,
1908 Heix6, 1911 Mügge7, 1911 Brauns 8 und 1912 Schxeideii-
HÖHX 9.
Zur Annahme verschiedener Modifikationen neigen wohl 1885
Rosexbcsch 10, 1907 Steix11 und 1911 Wülfixg12.
Vergleichende Beschreibung der Eigenschaften von Quarz.
Quarzin und Chalcedon.
Übereinstimmende Eigenschaften.
Die drei Körper gleichen einander in Folgendem : 1 . Der
optische Charakter aller ist positiv; 2. sie sind einachsig — für
Chalcedon hatte schon Wülfixg 1. c. die Einachsigkeit vermutet, ich
machte diese Annahme a. a. 0. weiterhin sowohl für Chalcedon
wie für Qnarzin wahrscheinlich — ; 3. die Schraubenachse der
1 Die spezielle mineralogische, wie auch geologische und paläonto-
logische Beschreibung dieses Vorkommens geschah unter dem Titel „Über
ein Kieselholzgeschiebe mit Teredonen aus den Holtenauer Kanal-
Aufschlüssen- im VI. Jahresber. d. Xiedersächs. geol. Ver. 1913.
2 Le Chatelier. Bull. Soc. franip Min. 13. p. 112 u. 123 — 129
(Mallard u. Le Chatelier).
3 Michel-Levy et Mcxier-Chalmas, Bull. Soc. franc. Min. 15. p. 159 ff.
4 Walleraxt, Bull. Soc. frans. Min. 20. p. 52—100.
5 Beckexkamp, Zeitsehr. f. Krist. 34. p. 582. 1901.
6 Heix, N. Jahrb. f. Min. Beil.-Bd. XXV. p. 182—231. 1908.
7 Mügge, dies. Centralbl. 1911. p. 193—196.
8 Brauxs, dies. Centralbl. 1911. p. 165.
9 Schneiderhöhn, X. Jahrb. f. Min. 1912. II. p. 1—32.
10 EosEXBrscH, Mikr. Phys.
11 Steix, Zeitschr. f. anorgan. Chemie. 55. p. 159 ff. 1907.
12 Wülfing, Sitzungsber. Heidelb. Akad. Wiss., math.-naturwiss. Kl.
1911. Abh. 20.
358
W. Wetzel, Untersuchungen über das Verhältnis
gedrillten Clialcedonfasern, die Scliraubenachse der makroskopisch
-gewundenen Rauchquarze“ und die Krümmnngsachse der ge-
krümmten Quarzinfasern liegen alle drei // a, d. h. senkrecht zur
Hauptachse 1.
Unterschiedliche Eigenschaften.
In vielfacher Hinsicht erscheinen die drei Körper einander
zwar ähnlich, aber nicht gleich.
Lichtbrechung. Quarzin steht mit den Brechungs-
expouenten £Na = 1,544 und 0JSa = 1,533 — von Wallerant
1897 1. c. an Material von Cuise bei Paris gemessen — zwischen
Quarz mit eNa = 1,5533 und wNa = 1,5442 einerseits und Chalcedon
mit £Va = 1,539 und c oSa — 1,531 — von Wülfing 1911 1. c. an
Material unbekannten Fundorts gemessen — anderseits 2. Ich be-
stimmte die Lichtbrechung an zwei dünngeschliffenen Stücken reinen,
ziemlich parallelfaserigen Chalcedons meines oben erwähnten Materials
(Drusenfüllung im Feuerstein-Geschiebe von Holtenau). Nach der
Methode Schroeder van der Kolk’s und auch auf dem Total-
reflektometer fand ich eSa = 1 ,539 + 0.002 und oj = 1,531 + 0,002.
Bezüglich der auffallenden Übereinstimmung dieser Daten mit denen
Wülfing’s sei hervorgehoben, daß die beiderlei Objekte auch sonst
gewisse Ähnlichkeit zeigen.
Doppelbrechung. Wie sich aus obigen Lichtbrechungs-
daten ergibt , steht hinsichtlich der Doppelbrechung der Quarz
mit 0,0091 zwischen Quarzin mit 0,01 1 und Chalcedon mit 0,008(5).
1 Bekanntlich zeigen auch Quarze in Gesteinsdünnschliffen Spuren
von Verbiegung, für die aber die Achsen noch nicht genau bestimmt sind
(nach Mügge, N. Jahrb. f. Min. Beil.-Bd. X. 1895—1896. p. 767, sind sie
jedenfalls von der c-Richtung verschieden). Hinsichtlich der Windung der
Rauchquarze stehen die Erklärungen Tschermak's (Zwillingsbildung) und
Bombicci’s (Torsion während des Wachstums in gelatinösem Medium)
einander unvermittelt gegenüber. — Man hat, worauf mich Herr Prof.
Johnsen freundlichst aufmerksam machte, auch die Elastizitätseigen-
schaften von Chalcedon und Quarz vom Standpunkte der Modifikations-
einheit verglichen (W. Voigt, Nacbr. d. Kgl. Ges. d. Wiss. Güttingen.
1890. p. 544, u. Kristallphysik. 1910. p. 964). Der Quotient c/c, bezw. a b
der VoiGT’schen Elastizitätskonstanten ist für Chalcedonaggregat nahezu
ebenso groß, wie er sich für ein dichtes Quarzaggregat aus den für
Quarzkristalle geltenden Werten berechnen läßt. Man konnte bei dieser
Berechnung also den für Chalcedonaggregate anzunehmenden Opalgehalt
(s. unten) vernachlässigen, was erklärlich ist, da c/c, des Opals von obigen
Quotienten auch kaum abweicht, während der Elastizitätsmodul (E) des
Opals halb so groß wie derjenige des Chalcedonaggregates und 2/s so groß
wie der größte Elastizitätsmodul des Quarzes ist.
2 Quarzin steht mit beiden Brechungsexponenten dem Canadabalsam
mit n = 1,541 — 1,533 besonders nahe. Alle drei Körper brechen das Licht
erheblich stärker als amorphes Si 02.
von Chalcedon und Quarzin zu Quarz.
359
Letzteren Wert bestimmte ich auch durch direkte Messung- an
meinen obigen Präparaten.
Spezifisches Gewicht. In anderer Reihenfolge als hin-
sichtlich der Lichtbrechung und der Doppelbrechung steht hin-
sichtlich des spezifischen Gewichtes der Chalcedon mit 2,586 —
bestimmt an obigem auch hinsichtlich der Lichtbrechung von mir
untersuchten Materiale — zwischen Quarz mit 2,657 einerseits
und Quarzin mit 2,576 — nach Wallerant’s Bestimmung —
anderseits x.
Habitus. Quarzin und Chalcedon unterscheiden sich be-
kanntlich durch die Orientierungen der Faserachse, m. a. W. durch
den optischen Charakter der Sphärolithe , der beim Quarzin-
sphärolith + , beim Chalcedonsphärolith — ist; mit diesem Unter-
schied hängt zusammen, daß die Chalcedonfaser , weil J_ zur
optischen Achse c gestreckt, gedrillt erscheinen, d. h. zwischen ge-
kreuzten Nicols das charakteristische Oszillieren der Polarisations-
farbe zeigen kann, während die Quarzinfaser, weil // zur optischen
Achse c gestreckt, keine Drillung zeigen kann; anderseits pflegen
Quarzinfasern um a, d. h. um Richtungen senkrecht zu ihrer
Faserachse, gekrümmt zu sein, Chalcedonfasern nicht1 2. In der Aus-
bildungsweise steht also der Quarzin dem Quarz näher als der
Chalcedon; daher gehen, wo die charakteristische zonare Ab-
grenzung der drei Si 02 -Ausscheidungen zu beobachten ist (a. a. 0.
näher beschrieben), die Zonen von Quarzinsphärolithen häufiger
und weniger scharf abgesetzt in Quarzzonen über als die Zonen
der Chalcedonsphärolithe in Quarz- oder Quarzinzonen.
Op algehalt. Die mikroskopisch feine „Opalschichtung“,
die in Chalcedon-Drusen mehrfach beobachtet worden ist und die
ich a. a. 0. als Sonderfall des LiESEGANu’schen Austrocknungs-
rhythmus’ 3 ansprach, ist beim Quarziu sehr selten (mir nur in zwei
Fällen bekannt). Daß es sich bei der Opalschichtung um Quer-
schichten von ab wechselnd opalreicher und opalarmer
Fasersubstanz handelt, welche Schichten kontinuierlich von jeder
Faser in die Nachbarfaser unter Bildung konzentrischer Zonen
1 In der Literatur finden sich verschiedentlich größere Dichten für
Chalcedon angegeben, so von Barvir, Sitzungsber. d. böhm. Ges. d. Wiss.
1897. No. 14, 2,591 — 2,616 für Chalcedon von Mohelno.
2 Es gibt sehr unregelmäßige sphärolithische Chalcedonaggregate, in
denen die Fasern nicht gedrillt sind, aber gekrümmt erscheinen, freilich
durchaus nicht so gleichmäßig und einheitlich, wie die Fasern normaler
Quarzinsphärolithe ; soweit es sich erkennen läßt, handelt es sich in
ersterem Falle mehr um einen Fiederbau mit Verzweigung und Knickung.
Es erscheint berechtigt, von einer und nur einer strukturell analogen
Tendenz zu Verbiegungen bei Quarzin, Chalcedon und Quarz zu sprechen,
wie denn auch oben die als Krümmungsachse fungierende a-Richtung in
ihrer für die drei Körper gemeinsamen Bedeutung gewürdigt wurde.
3 Dies. Centralbl. 1911. p. 497—507.
360
W. Wetzel, Untersuchungen über das Verhältnis
der Faserbündel übersetzen, wird durch die Lichtbrechungsunter-
schiede wahrscheinlich Eine auf Opalgehalt zurückzuführende
optische Eigentümlichkeit kann bei allen drei Erscheinungsformen
des kristallisierten Si02 auftreten, nämlich die Farben trüber
Medien1 2 3 4. Immerhin bestehen auch hinsichtlich des Opalgehaltes
gewisse Unterschiede, namentlich zwischen Quarzin und Chal-
cedon. Das zeigen, abgesehen von dem beschränkten Vorkommen
von Opalschichtung beim Quarziu , folgende Erhitzungsversuche
recht deutlich : Eine Anzahl dünngeschliffener Aggregate von
Clialcedon, Quarzin und Quarz wurden unter dem Erhitzungs-
mikroskop auf einem Quarzglas-Objektträger erhitzt, wobei das
Auftreten von Trübung, von Farben trüber Medien, bis zu schließ-
lich totaler Undurchsichtigkeit, der Präparate zu beobachten war;
und zwar waren die dabei gemessenen Temperaturen nicht, wie
nach Walleraxt 3 und Lacroix 4 anzunehmen, immer die der Rot-
glut (525°), sondern verschieden, je nachdem Clialcedon, Quarzin oder
opalhaltiger Quarz vorlag, und beim Clialcedon außerdem je nach der
Varietät. Die Trübung ist bereits von anderen Autoren (s. Lacroix
1. c.) guten Grundes auf das Entweichen des Opal- Wassers zurück-
geführt worden. Trotz der der Versuchsanordnung anhaftenden
Ungeuauigkeit der Temperaturmessungen ließ sich ersehen, daß
die Trübung des Quarzins in dem von mir untersuchten Material
bei ca. 375° beginnt und bei ca. 450° vollständig ist (Schliffe
No. 1 b u. 1 c) , daß gedrillter und zugleich opalgeschichteter
Chalcedon bei ca. 460° getrübt wird (Schliff 1 a), während solcher
ohne Opalschichtung erst bei 470° — 530° (Schliff 1 c) und solcher
ohne Opalschichtung und ohne Drillung (ein Präparat von Island'
erst bei noch höherer Temperatur Trübung zeigt. In einigen
Fällen begann die Trübung des Chalcedons mit beginnender Rot-
glut (525 °) (Schliffe Sb, 27, 28; und zwar in Schliff 8b zunächst
auch nur an denjenigen Stellen der Sphärolithe, wo Opalschich-
tung angedeutet war, die übrigens trotz der Trübung kenntlich
1 Die opalreichen Schichten sind oft nur 1 u breit, die mit ihnen
abwechselnden opalärmeren 3 2 //, der Opalreichtum der ersteren bedingt
keine merkbare Erniedrigung der Interferenzfarbe der Chalcedonfaseru.
Ähnlicher Zonalbau wurde a. a. 0. vom Quarz beschrieben. Bei ihm
sind die Zonen parallel der ebenflächigen Umgrenzung orientiert
beim Chalcedon parallel dem Sphärolithumriß. m. a. W. konzentrisch-
kugelschalig.
2 Genauere Angaben über opalhaltigen Quarz (Blauquarz) sollen
demnächst erfolgen.
3 Walleraxt, Bull. Soc. fran?. Min. 20. 1897.
4 Lacroix. Mineralogie de France. III. 1901. p. 121 ; übrigens spricht
Lacroix bereits von .opale interposee-, im Gegensatz zu Walleraxt, der
im Quarzin hygroskopisches Wasser annimmt, bei dessen Verlust sich der
Quarzin trübt.
von Chalcedon und Quarzin zu Quarz.
361
blieb i Außerdem wurde eine Anzahl Präparate längere Zeit hin-
durch der Temperatur bestimmter siedender Flüssigkeiten ausgesetzt,
in die sie teils unmittelbar hineingehängt, teils am Boden langer,
einseitig zugeschmolzeuer Glasröhrchen liegend eingeführt wurden,
welche bis zu Höhen von 5 — 10 cm von der siedenden Flüssig-
keit umspült wurden. Erhitzung in Xylol, Anilin, Naphtalin,
Benzoesäure, Glyzerin ergab keinerlei Veränderung. Bei 360°
(siedendes Stearin) zeigten sich kaum schwache Anfänge von
Trübung des Quarzins, obwohl die Erwärmungsdauer je 1 1 Stunden
und mehr betrug. Bei 445° (siedender Schwefel) wurde der Qnarzin
in Schliff No. 29 getrübt. Bei einer nicht genau bestimmten
Temperatur zwischen 445° und 525 0 2 wurde der Quarzin der
Schliffe 27 u. 28 total undurchsichtig und außerdem der opalhaltige
Quarz in Schliff 15 partiell getrübt, während die Chalcedonpräparate
bis dahin kaum eine Trübung zeigten, nur Schliff 19 in geringem
Maße. Es zeigte sich dabei als nicht gleichgültig, ob die Schliffe
sich einmal unmittelbar iu kochendem Xylol und in kochendem
Anilin befunden hatten oder nicht. War ersteres der Fall, so
wurde die Trübung bei der späteren, höheren Erhitzung an-
scheinend verzögert, dagegen trat durch die Destillationsresiduen
der eingedrungenen obigen Kochflüssigkeiten eine Braunfärbung
der Chalcedonspkärolitke auf, und zwar schichtweise verschieden,
nämlich in denjenigen Sphärolithzonen am intensivsten, die frei
von Opalschichtung und primärer Trübung durch verunreinigenden
Opal waren.
Bei der chemischen Analyse der von mir untersuchten Drusen-
füllungen ging während der Trocknung der gepulverten Substanz
bei 120° bereits der Wasserverlust im wesentlichen vor sich, was
nach Bischof (Lehrb. ehern. Geologie. H. 1864. p. 840) auch für
gepulverten Opal gilt.
Thermische Veränderlichkeit der Doppelbrechung.
Daß den drei Erscheinungsformen der Si0o trotz der auf-
gezählten Unterschiede nur e i n e Modifikation zugrunde liegt, wird
durch eine andere Beobachtung am erhitzten Chalcedon (Schliff-
präparate 27 u. 28 der oben erwähnten Drusenfüllung) sehr wahr-
scheinlich, nämlich dadurch, daß der Chalcedon während der
T e m p e r a t u r s t e i g e r u n g die nämliche Abnahme der
Doppelbrechung zeigt wie der Quarz, wobei er sich
vermutlich auch einem Umwandlungspunkt bei 573° nähert. Ich
1 Verschiedene Versuche, die Trübungen durch nachträgliches
Imbibieren mit Wasser und anderen Flüssigkeiten rückgängig zu machen
blieben erfolglos ; der Opal hatte sein Absorptionsvermögen für die Flüssig-
keiten eingebüßt.
5 Erhitzung in Sn Cl.,-Schmelze, die weit unterhalb ihres Kochpunktes
(ca. 603°) Zersetzung und Sublimation erfuhr.
362
W. Wetzel, Untersuchungen über das Verhältnis
beobachtete die Veränderung u. d. M. bis hinauf über 525° (Rot-
glut); bis dahin fiel die Interferenzfarbe des im Schliff 27 ent-
haltenen Quarzes von Grüngelb zweiter Ordnung auf Blaugrün
derselben Ordnung, die Farbe des Chalcedons von Blau zweiter
Ordnung auf Rotviolett erster Ordnung; entsprechend verhielt sich
Schliff 28. wo Quarz den gleichen Farbenwechsel zeigte. Chalcedon
von Blaugrün zweiter Ordnung zu Blau derselben Ordnung wechselte.
Die bisherigen Untersuchungen über die Temperaturkoeffizienten
des Volumens und der spezifischen Wärme des Chalcedons ergaben
widersprechende Resultate1 und sind, wie ich a. a. 0. ausführte,
auch aus anderen Gründen nicht sehr beweiskräftig.
Erklärung der Hanptunterschiede unter Annahme einer
einzigen Modifikation.
Von dem somit fester begründeten Standpunkte der Modi-
fikationseinheit aus müssen nunmehr die vorher beschriebenen
Unterschiede erklärt werden.
Lichtbrechung und spezifisches Gewicht.
Die Lichtbrechung des Chalcedons und Quarzins ist niedriger
als die des Quarzes infolge der ihnen eigenen Verunreinigung
mit Opal. Diese Erklärung deutete bis zu gewissem Grade
schon Hein 1. c. an2. Hinzuzusetzen ist, daß die Unterschiede
im spezifischen Gewicht gleichzeitig mit erklärt werden können.
Wallerant hat in der Annahme, Quarzin sei ein lockeres, Quarz
ein dichteres Gebäude aus gewissen Bauelementen, dasGLADSTONE’sche
Gesetz = konst. auf Quarz und Quarzin angewandt. Zwar
stimmen die so aus der Lichtbrechung des Quarzins für den Quarz
berechneten Brechnngsindizes mit den experimentell gefundenen
überein , aber darauf kann kein Gewicht gelegt werden , da
Wallerant in seine Rechnung als Dichte des Quarzes den abnorm
niedrigen Wert 2,622 eingeführt hat3.
Da nun wohl unsere spezifisch leichten Si 02-Varietäten als
opalhaltiger Quarz aufzufassen sind, und deren Lichtbrechung
wahrscheinlich ohne großen Fehler der Lichtbrechung eines Ge-
misches zweier Flüssigkeiten mit den Brechungen des Quarzes und
des Opals gleichzusetzen ist, so berechnete icli die Lichtbrechung n
des WALLERANT’schen Quarzins sowohl wie die meines Chalcedons
1 Vergl. z. B. Le Chatelier, Bull. Soc. fran$. Min. 13. 1890, und
Stein, Zeitschr. f. anorg. Chemie. 55. 1907.
2 Irrtümlicherweise schreibt dieser Autor seinen Gedanken Wallerant
zu, dessen oben wiedergegebener Erklärungsversuch den Opalgehalt nicht
heranzieht.
3 Diesen Wert stellte W. an einem mit seinem Quarzin vergesell-
schafteten, offenbar wenig homogenen Quarzaggregat fest.
von Chalcedon und Quarzin zu Quarz.
363
aus folgender Gleichung zwischen den LoRExz’schen Ausdrücken
für spezifische Refraktion und den Mischungsanteilen :
n2 — 1 100 _ n,2 — 1 p n?2 — 1 100 — p
n2 + 2 ' T~ — n,2+ 2 ' d^ + m2+ 2 ' »L _ b| j -
1 + 2 (S, 4- S2) d/l00
"2 - 1 - (S, + s2) «t/100
Hier bedeutet d die Dichte der Mischung, n, und d, Licht-
brechung und Dichte der ersten Mischungskomponenten (Quarz),
n, und d2 Lichtbrechung und Dichte der zweiten Mischungs-
komponente (Opal) und p den Quarzgehalt der Mischung in Ge-
wichtsprozenten; p berechnete ich unter der Annahme additiven
Verhaltens der spezifischen Volumina aus der Gleichung
? 4- 1Clt^ — - = Aus den für Opale in der Literatur ver-
d, ds d
zeichneten n- und d- Werten wählte ich je einen extrem hohen und
extrem niedrigen zum Einsetzen in unsere Gleichungen ans und
erhielt so für io und e des Quarzins und des Chalcedons vier Wert-
paare, die zur Hälfte gut, zur Hälfte schlecht zu den beobachteten
Werten passen. Es kann, wie weiter unten auszuführen ist, nicht
als Zufall angesehen werden, daß sich für Quarzin gut stimmende
Werte ergaben, wenn ein Opal mit extrem geringer Dichte und
extrem geringer Lichtbrechung i Opal I) als Mischungskomponente
angenommen wurde, daß die Rechnung dagegen für Chalcedon
stimmte, wenn ein Opal mit extrem großer Dichte und hoher
Lichtbrechung (Opal ID angenommen wurde 1 :
1 Der dichteste und am stärksten brechende Opal ist Quarzglas-
weichem gewisse natürliche, sehr wasserarme Opale hinsichtlich Dichte
und Brechung sehr nahe kommen (Opal II). Anderseits gibt es wasser-
reiche Opale mit geringer Dichte und geringem Brecliungs vermögen, als
deren Repräsentant Opal I ausgewählt ist. Indessen lassen sich nicht alle
bekannten Opale in eine Reihe nach abnehmendem Wassergehalt und zu-
nehmender Dichte ordnen, wie aus der Analysen-Zusammenstellung in
Hiktze's Handbuch ersichtlich ist. Abgesehen von den die Dichte beein-
flussenden, oft sehr erheblichen Verunreinigungen der Opale, gibt es ent-
wässerte Opale, die durch zu geringe Dichte aus obiger Reihe heraus-
fallen, da sie offenbar an Stelle des verlorenen Wassers feinste, lufterfüllte
Hohlräume enthalten. (Opal ist ein „wenig elastisches- Gel [Freundlich,
Kapillarchemie, p. 486], dessen Schrumpfungs-Fähigkeit je nach Bildungs-
bedingungen verschieden früh aufhört.) Auch der Fall eines spezifisch
schweren Opals mit auffallend großem Wassergehalt kommt vor; alle
diese Verhältnisse erfordern neue und eingehendere Untersuchung. Für
unsere Rechnung ist die Annahme jener beiden extremen Opale als feine
Beimengung der Quarzaggregate nichtsdestoweniger berechtigt, da schon
in frühem Gelstadium unserer Drüsenfüllungen eine weitgehende Differenzie-
rung nach dem Wassergehalt stattgefunden haben dürfte (Opalschichtung
u. a. m.), nach der Kristallisation aber eine sekundäre Entwässerung und
Lockerung der feinen Opalreste in keinem erheblichen Maße erfolgt sein
wird, jedenfalls kaum unter Bildung gaserfüllter kleinster Hohlräume.
364
W. Wetzel, Untersuchungen über das Verhältnis
d p f dt e — o)
( Quarzin . .2,576 100,00 1,541 1,541 1.533 1,533 0,011 0,008
beob. berechn, beob. berechn, beob. berechn.
M
| Opal I . .1,9 7,90 1,4401 —
| Quarz . . 2.657 [ T| L5533 1,5441 0.0091
II. 1 Opal II . .2,2 13,22 1,4588 —
{ Chalcedon 1 2,586 100,00 1,539 1,538 1,531 1,537 0,0085 0,007
beob. berechn, beob. berechn, beob. berechn.
Wurde für Fall I, die relativ leichte Mischung (Quarzin),
der spezitisch leichte Opal I gewählt, so wurde von diesem nur
eine verhältnismäßig geringe Menge gebraucht, um die an Quarzin
beobachtete Mischungsdichte darzustellen ; zugleich darf auch wegen
der relativ hohen Lichtbrechung der Mischung Quarzin nur die
gleiche, geringe Menge des als besonders schwach lichtbrechend
zu betrachtenden Opals I in die Rechnung eingesetzt werden;
Opal II, auf die Berechnung von s und co des Quarzins angewandt,
ergibt p = 84,87 und die schlecht stimmenden Lichtbrechungs-
werte 1,536 und 1,529. Wurde in Fall II spezitisch schwerer
Opal für die relativ schwere Mischung Chalcedon gewählt, so war
eine verhältnismäßig große Menge Opal erforderlich, um der beob-
achteten Mischungsdichte zu entsprechen, gleichzeitig aber auch
erforderlich, um mit Hilfe dieses verhältnismäßig stai'k licht-
brechenden Opals die gegenüber Quarz erheblich verminderte
Lichtbrechung des Clialcedons darzustellen ; Opal I auf die Be=
rechnung von s und a> des Clialcedons angewandt, ergibt p = 93,11
und die schlecht stimmenden Lichtbrechungswerte 1,542 und 1,534.
Daß aber im Quarzin ein anderer Opal als im Chalcedon, und zwar
ein verhältnismäßig sehr wasserhaltiger, daher spezitisch leichter,
stecke, wurde auch durch die Erhitzungsversuche wahrscheinlich
gemacht, bei denen die Trübung, d. li. der Wasserverlust, des
Quarzins eher, bei reichlich 100° niedrigerer Temperatur, eintrat
als beim Chalcedon'2. Bei letzterem darf nach den Erhitzungs-
versuchen nicht überall das gleiche spezifische Gewicht und die
gleiche Lichtbrechung erwartet werden, sondern gewisse Ab-
weichungen von Wülfing’s und meinen Werten, je nach den
Varietäten des Clialcedons, die auf Grund des Vorhandenseins oder
Fehlens von Opalschichtung, Drillung und Trübung, m. a. W. auf
1 Die Fehlergrenze beträgt für die von mir gemessenen
Brechungsexponenten (s. oben) + 0,002.
2 Ursprüngliche Trübung — Farben trüber Medien, wie oben be-
merkt — zeigt der Quarzin viel häufiger als der Chalcedon; dabei
handelt es sich wohl um wasserreichen Opal, der den Fasern zwischen-
gelagert ist.
von Chalcedon lind Quarzin zu Quarz.
365
Grund verschiedenartiger Verunreinigungen durch Opale zu unter-
scheiden waren
Doppelbrechung.
Die Unterschiede hinsichtlich der Doppelbrechung unserer drei
Körper bedürfen noch besonderer Erklärungen. Naheliegend ist,
daß die für Quarz zu niedrigen Interferenzfarben des Chalcedons
eine Folge seines feinen Sphärolithfaser-Baues sind. Für das von
mir untersuchte Material habe ich beispielsweise ermittelt, daß in
normal dünnen Schliffen desselben 10 oder mehr Sphärolithfasern
übereinander liegen, und zwar mit bald mehr, bald weniger Opal
verkittet, und daß diese Faserpakete auch im Vertikalschnitt noch
fächerartigen Bau haben müssen, wie denn auch im Zentrum
zentral geschnittener Sphärolithe, wo die Konvergenz der Fasern
am stärksten ist, bedeutend niedrigere Interferenzfarben sichtbar
sind als an der Peripherie. Immer muß in derartigen Aggregaten
die Summe der Gangunterschiede hinter dem Gangunterschied in
einer gleich dicken homogenen Platte eines Individuums von der-
gleichen Kristallart Zurückbleiben. Um so erstaunlicher ist nun
aber, daß der Quarzin nicht nur keine niedrigere, sondern sogar
eine höhere Doppelbrechung als Quarz besitzt; vergl. in obiger
Tabelle die Differenz zwischen dem beobachteten und dem berech-
neten Wert e—io. Hier kann vorderhand nur die Vermutung
ausgesprochen werden, daß die Doppelbrechung durch Spannung1 2
erhöht ist. Man kann sich vorstellen, daß die etwa beim Aus-
trocknen des primären Si02-Gels entstandenen Spannungen während
der sekundär eintretenden Auskristallisation des Quarzins anhielten,
zumal dieser das Gel in einem relativ frühen, gleichsam unreifen
Stadium pseudomorphosiert haben dürfte, da er anscheinend be-
sonders wasserreichen Opal führt. Auch ist vor der Kristallisation
des Quarzins keine Differenzierung des Gels im Sinne des
LiESEGANG’schen Austrocknungsrhythnuis’ erfolgt , wie so häufig
beim Chalcedon in Form von Opalschichtung. A. a. 0. habe ich
darauf hingewiesen, daß die regelmäßige, d. h. zonenbildende
1 Auch die Drillung des Chalcedons darf vielleicht als Folge eines
Opalgehaltes, und zwar wohl einer in fester Lösung enthaltenen Opal-
menge, angesehen werden, seit durch Wallerant (Bull. Soc. fran§. Min.
30. 1907) und Gacbert (Bull. Soc. frang, Min. 32. 1909) gezeigt wurde,
daß bei vielen organischen, sphärolithisch kristallisierenden Verbindungen
Drillung auftritt, wenn die Fasern bei ihrer Entstehung gewisse Stoffe
in fester Lösung aufnehmen. Näheres über die Drillung des Chalcedons
und über eine bisher nur vermutete Abhängigkeit derselben von der Opal-
schichtung bezw. dem zonaren Wechsel im Opalgehalt ist a. a. 0. von mir
ausgeführt worden.
2 Dieselbe Vermutung äußert Liesegang in seinem während des
Druckes dieser Arbeit erschienenen Werke .Geologische Diffusionen“, 1913.
366
W. Wetzel. Untersuchungen über das Verhältnis etc.
Drillung der Fasern großer Chalcedonspliärolitke eine Erniedrigung
der Sphärolith-Symmetrie mit sich bringt, daß die in Eingen oder
zum mindesten in Bändern angeordueten Sphärolithe einer Generation
eine gemeinsame, an den Drillungszonen orientierte ausgezeichnete
Eichtling besitzen, die zu der Annahme wirksam gewesener
Spannungen führen kann. Der gedrillte Chalcedon von Drusen-
fiillungen ist vielleicht unter Einwirkung einer Art Eingspannung
gewachsen und seine Drillung mag eine Eeaktion darauf sein, bei
welcher der Spannung nachgegeben wurde Beim Quarzin konnte
nun eine derartige Eeaktion nicht erfolgen, da er — als Varietät
der Modifikation a-Quarz — in der Faserrichtung keiner Drillung
fähig ist; die oben erwähnten Krümmungen der Quarzinfasern
stellen weit geringere Deformationen dar als die Drillung der
Chalcedonfasern.
Sclilußbemerkung über die Unterschiede im Habitus und im
Opalgehalt.
Unerklärt bleibt noch die Verschiedenheit der Faser-
richtungen in diesen Quarz -Varietäten, die nebeneinander, aller-
dings zonar gesondert Vorkommen, nur allgemein läßt sich behaupten,
daß in verschiedenartig ausgebildeten Generationen (Zonen) ver-
schiedene Wachstumsbedingungen trotz nachbarlicher Wachstums-
räume geherrscht haben, daß vielleicht der wichtigste Faktor der
Formbeeinflussung in dem verschiedenen Wassergehalt, der ver-
schiedenen Konsistenz und Spaunung des Si02-Gels zu sehen ist.
Dann bleibt freilich noch zu erklären, wieso der Zustand des Gels
während der Kristallisationen so verschieden seiu konnte, daß der
restliche Opalgehalt heute noch verschieden ist. Weiterer Auf-
klärung bedarf auch noch der Opalgehalt selbst seiner molekularen
Anordnung und seiner Verteilung nach, welche letztere so ver-
schieden und, wie erwähnt, besonders in manchen Quarzen sehr
auffällig ist.
1 Auch die künstlichen Präparate regelmäßig gedrillter, scheiben-
förmiger Sphärolithe zwischen Objektträger und Deckglas sind unter
mechanischem Zwang gewachsen, nicht bloß unter ungünstigen Kristalli-
sationsbedingungen angesichts der Verunreinigungen, denen Wallerant
und Gaubert dabei gewiß mit Recht große Bedeutung einräumen (vergl.
meine Ausführungen a. a. 0.).
J. Soellner, lieber Leucitnephelintinguaitporphyr etc.
367
Ueber Leucitnephelintinguaitporphyr aus dem Kaiserstuhl.
Von i. Soellner in Freiburg i. Br.
Die Untersuchungen von seiten verschiedener Forscher1 in
den letzten Jahrzehnten haben für den Kaiserstuhl den Nachweis
geliefert, daß ueben den normalen Ergußformen foyaitisch-thera-
lithischer Magmen , wie Phonolithe , Nephelintephrite , Leucit-
tephrite etc., auch eine Reihe melanokrater Ganggesteine entwickelt
ist, die der Camptonit-Monchiquitreihe augehören. Ein weiteres
für den Kaiserstuhl charakteristisches Ganggestein, der Mondhaldeit,
wird von Gnuss2 als saures Spaltungsprodukt eines theralitliischen
Magmas aufgefaßt, von Rosexbusch3 dagegen zu den Monchiqniten
gestellt.
Wie ich vor kurzem hier mitgeteilt habe4 5, ist auch ein der
gleichen Kategorie foyaitisch-theralithischer Magmen angehörendes
Tiefengestein, Essexit, durch Erosion im Kaiserstuhl freigelegt
worden. Aus zahlreichen Einschlüssen eläolithsyenitischen Charak-
ters die sich namentlich in Phonolithen linden, kann geschlossen
werden, daß außer Essexit auch ein sjrenitisches Tiefengestein in
der Tiefe ansteht, eine Vermutung, die schon von Rosexbusch
gehegt wurde. Zur Gefolgschaft dieser beiden Tiefengesteine sind
die bisher bekannt gewordenen melanokraten Ganggesteine 6 des
Kaiserstuhls zu rechnen. Wo aber melanokrate Ganggesteine ent-
wickelt sind, sind auch leukokrate zu erwarten. Ich bin nun in
der Lage, aus dem vou mir gesammelten Material das Vorhanden-
1 Rosenbusch. H.. Mikrosk. Physiogr. III. Aufl. 1896. 2. p. 545; —
Elemente der Gesteinslehre. Stuttgart 1898. p. 237. — Graeff, Fr., Petro-
graphische und geologische Notizen aus dem Kaiserstuhl. Ber. üb. d. 33 Vers,
d. Überrhein, geol. Vereins in Donaueschingen 1900. ' — Gruss. K., Beiträge
zur Kenntnis der Gesteine des Kaiserstuhlgebirges. Tepliritische Strom-
und Ganggesteine. Mitteil. d. Bad. geol. Landesanst. Heidelberg 1900. p. 85.
2 Gruss, K., 1. c. p. 105 und f.
3 Rosenbusch. H.. Mikrosk. Physiogr. IV. Aufl. Stuttgart 1907. 2 1.
p. 696. — Hier sowohl wie in Rosexbusch, Elemente der Gesteinslehre.
HI. Aufl. Stuttgart 1910. p. 302, und ebenso in Reinisch, R., Petrogr.
Praktikum II. II. Aufl. Berlin 1912. p. 116 findet sich jeweils die irre-
führende Angabe, der Mondhaldeit enthielte Einsprenglinge von Leucit
und Bytownit neben Barkevikit und Augit. Der Mondhaldeit ist jedoch
in Wirklichkeit vollständig leucitfrei!
4 Soellner, J., Über das Auftreten von Essexit im Kaiserstuhl.
Dies. Centralbl. 1913. p. 230.
5 Lacroix, A., Les enclaves des roches volcaniques. Maeon 1893. —
Graeff, Fr., Zur Geologie des Kaiserstuhlgebirges. Mitteil. d. Bad. geol.
Landesanst. Heidelberg. 2. 1892. p. 455.
G Die systematische Stellung des Mondhaldeits ist zurzeit noch etwas
zweifelhaft. Ich behalte mir vor, dieselbe näher zu fixieren, wenn die
Analyse des Essexits, zu dessen Gefolgschaft der Mondhaldeit ohne Zweifel
zu rechnen ist, vorliegt.
368
J. Soellner,
sein leukokrater Ganggesteine im Kaiserstuhl nachzuweisen, die
deutlich den Charakter von tinguaitischen Gesteinen an sich
tragen. Es sind vorwiegend zahlreiche Gänge von Neplielin-
tinguaiten in porphyrischer Ausbildung. Auf diese werde ich
demnächst in einer weiteren Mitteilung zuriickkommen, für heute
möchte ich nur über einen Fund eines tinguaitischen Gesteins be-
richten, das sich von den reinen Nephelintinguaiten durch einen
wesentlichen und recht beträchtlichen Gehalt an Leucit unter-
scheidet. Dieser Fund ist sowohl für den Kaiserstuhl von großer
Bedeutung, weil es das erste Vorkommen ist, in dem der Leucit
noch fast völlig unzersetzt ist, aber auch für die ganze Gruppe
der tinguaitischen Gesteine überhaupt ist dieser Fund von 'Wich-
tigkeit, weil, soweit ich aus der Literatur 1 ersehen kann, in wohl
allen bisher untersuchten Leucittinguaitvorkommnissen der Leucit
immer nur als Pseudoleucit erhalten ist. Den Leucitnephelin-
tinguaitporphyr fand ich in einem losen, etwa zwei Fäuste
großen Block auf dem W^eg zwischen den Höfen Sauwasen und
Himmel bürg nordöstlich von Ihr in gen, auf der Südseite des
Kaiserstuhls. Es handelt sich jedenfalls um ein gangförmiges
Vorkommen von geringer Ausdehnung, das Anstehende konnte aber
bis jetzt noch nicht aufgefunden werden.
Das Gestein ist fast völlig unzersetzt und besitzt auf frischem
Bruch eine dunkelgrünschwarze Farbe, herrührend von dem hohen
Gehalt an Ägirinaugit und Ägirin. Makroskopisch sind auf dem
frischen Bruch ziemlich reichlich Einsprenglinge von gelblichweißem
Leucit bis 3 mm Größe zu erkennen. Ausnahmsweise erreichen
einzelne Kristalle 4 und 5 mm Durchmesser. Ferner treten zahl-
reiche, 1 — 3 mm große, frische, glasige Nephelinkristalle und kleine
getrübte Hauynkriställchen auf. Einsprenglinge von Melanit und
Ägirinaugit treten ebenfalls deutlich hervor, dagegen fehlen Feld-
späte unter den Einsprenglingen vollständig. Auf angewitterten
Kluftflächen zeigt das Gestein eine hellgrüne bis bräunlichgelbe
Verwitterungsrinde mit zahlreichen feinen Vertiefungen, von aus-
gewitterten Nephelin-, Leucit- und Hauynkristallen herrührend.
Ägirinaugit und Melanit dagegen treten völlig unverwittert relief-
artig hervor und sind daher auf der angewitterten Oberfläche
besser zu erkennen als auf dem frischen Bruch.
Die mikroskopische Untersuchung lehrt, daß das Gestein bei
liolokristallin-porphyrischer Struktur sich aus folgenden Mineralien
zusammensetzt: Einsprenglinge von Leucit, Nephelin,
Hauyn, Ägirinaugit, Melanit und akzessorisch Melilith
liegen in einer holokristallinen Grundmasse, die sich im wesent-
lichen aus Leucit, Hauyn, Ägirinaugit bis Ägirin, Neplie-
1 Rosenbusch , H., Mikrosk. Physiogr. IV. Aufl. Stuttgart 1907.
2, 1. p. 617.
Ueber Leucitnephelintinguaitporphyr etc.
369
lin und Sanidin aufbaut. Von akzessorischen Mineralien ist
Apatit nur sehr spärlich vertreten, Magneteisen oder Titaneisen
fehlen vollständig, es sind von Erzen nur vereinzelte Körner von
Eisenkies mit brauner Zersetzungsrinde nachweisbar.
Unter den Einsprenglingen ist bei der mikroskopischen Unter-
suchung am auffallendsten Nephelin in zahlreichen scharf aus-
gebildeten und vollkommen frischen Kristallen. Sie sind tafelig
nach {0001} mit {0001 J und { 1 OlO} als Begrenzung. Die Täfel-
chen erreichen Größen von 0,25 mm bis 3 mm und werden bis
1,5 mm dick. Die Spaltbarkeit nach {1010} ist deutlich. Der
optische Charakter ist negativ. Ausgezeichnet ist der Nephelin
durch oft zahlreiche Einschlüsse von Melanit und Ägirinaugit, zu-
weilen in zentraler Häufung.
Nächst Nephelin ist in fast gleich großer Menge Hauyn1
unter den Einsprenglingen vertreten. Er ist durchschnittlich etwas
kleiner als Nephelin und im Gegensatz zu diesem stark getrübt
und in ein Aggregat von schwach doppelbrechenden Zeolithen um-
gewandelt. Hie und da ist noch eine Andeutung von Zonarstruktur
wahrzunehmen.
Von besonderer Bedeutung für das Gestein ist die Anwesen-
heit von Leucit unter den Einsprenglingen. Größere Kristalle
von 1,5 mm bis 3 mm, selten 4 — 5 mm Durchmesser findet man
im Schliff immer nur vereinzelt, reichlicher sind dagegen kleinere
Leuciteinsprenglinge von 0,25 bis 0,5 mm Durchmesser. Alle sind
streng idiomorph entwickelt mit scharfen achtseitigen Umrißlinien.
Die großen Einsprenglinge sind fast vollkommen frisch, wasserklar
durchsichtig, mit allen Eigenschaften des Leucits, wie schwacher
Doppelbrechung und polysynthetischer Zwillingslamellierung. Nur
von den Rändern her sind manche der großen Kristalle stellen-
weise getrübt. Die kleineren Einsprenglinge sind in dicken Schliffen
völlig grau trüb undurchsichtig und haben im reflektierten Licht
ein kaolinartig weiß trübes Aussehen. Zwischen gekreuzten Nicols
sind jedoch auch diese scheinbar ganz trüben Kristalle noch alle
deutlich doppelbrechend und zeigen noch die gleiche polysynthetische
Zwillingslamellierung wie die frischen. In sehr dünnen Schliffen,
in denen naturgemäß die Doppelbrechungserscheinungen nur noch
sehr schwer zu beobachten sind, erkennt man, daß auch in den
kleinen Einsprenglingen die zentralen Partien noch völlig klar
durchsichtig sind und aus frischer Leucitsubstanz bestehen, und
daß nur die Randpartien getrübt sind. Vereinzelt enthalten große
Leuciteinsprenglinge Einschlüsse von Melanit und Ägirinaugit.
1 Da die Kristalle meist zersetzt sind, läßt sich mit Sicherheit nicht
entscheiden, welches Glied der Sodalithgruppe vorliegt. Nach Analogie
mit anderen Kaiserstühler Vorkommnissen wird das Mineral vorläufig als
Hauyn bezeichnet.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913.
24
370
J. Soellner,
Feldspäte fehlen unter den Einsprenglingen vollkommen.
Unter den dunklen Giemengteilen sind 0,1 bis 1 mm große Kri-
ställchen von Melanit ziemlich häutig. Sie zeigen die für den
Kaiserstühler Melanit so charakteristische Zonarstruktur, bedingt
durch wiederholten Wechsel von hell- und dunkelbraunen Zonen.
Der Melanit enthält häufig Einschlüsse von Agirinaugit und tritt
seinerseits als Einschluß in Nephelin und Leucit auf.
Der wichtigste dunkle Gemengteil ist Agirinaugit in
0,5 bis 1,5 mm großen Kriställclien, säulig nach der c-Achse und
zugleich tafelig nach { 1 OOj . Zwillingsbildung nach (100) ist hie
und da entwickelt. Die Farbe des Ägirinaugits ist grasgrün mit
deutlichem Pleochroismus, d grasgrün, b hellgrün, c gelblichgrün.
Die Auslöschuugsschiefe beträgt a : c im spitzen Winkel /? = 35°.
Die Kristalle sind durchweg von einem schmalen dunkelgrünen
Saum von ebenfalls Agirinaugit mit a : c = 20 0 umgeben. Ver-
einzelt wurde ein 2 mm großer Agirinaugitkristall beobachtet, der
einen größeren Kern von rötlich violettem Titanangit enthielt.
Dieser ist mit rotbraunem Biotit durchwachsen, ganz wie es der
Titanaugit des Essexits 1 zeigt. Außerdem enthält dieser Titan-
augitkern zahlreiche Einschlüsse eines fast farblosen, stark licht-
und doppelbrechenden Minerals, wahrscheinlich Titanit, während
sonst Titanit in dem Tinguait nicht nachweisbar ist. Dieser Titan-
augitkern ist jedenfalls ein Fremdling in dem Tinguait und stammt
allem Anschein nach aus durchbrochenem Essexit.
Als akzessorisches Mineral kommt unter den Einsprenglingen
noch Melilith in Frage. Es sind eine Reihe von leistenförmigen
Durchschnitten, im Mittel 0,4 bis 0,6 mm lang und 0,07 bis
0,14 mm breit. Der Melilith ist von den Rändern her größten-
teils in ein gelblich gefärbtes faseriges, schwach licht- und doppel-
brechendes Mineral umgewandelt, in der Mitte sind aber meist
Reste von frischem Melilith mit kräftiger Lichtbrechung und
schwacher negativer Doppelbrechung vorhanden. Die Melilith-
kriställchen sind von einem dichten Kranz dunkelgrüner Agirin-
augitnädelchen umrahmt.
Akzessorisch treten noch vereinzelt bis 0,7 mm große Körner
von Eisenkies mit dünner Brauneisenrinde auf. Sonst fehlen
Erze vollständig. Apatit ist spärlich vorhanden.
Die Grundmasse ist holokristallin entwickelt und setzt sich
hauptsächlich aus einem dichtgedrängten Mosaik von kleinen idio-
morphen Hauyn- und Leucit kriställclien zusammen. Die Größe
derselben schwankt von 0.01 mm bis 0,08 mm. Im Durchschnitt be-
trägt sie meistens 0,04 bis 0,05 mm. Der Hauyn der Grundmasse
ist schwach trüb und z. T. schon in der gleichen Weise wie die Ein-
1 J. Soellner, Über das Auftreten von Essexit im Kaiserstubl.
Dies. Centralbl. 1913. p. 230.
Ueber Leucitnephelintinguaitporphyr etc.
371
sprenglinge in schwach doppelbrechende Aggregate umgewandelt.
Der Leucit zeigt die gleiche Trübung wie die kleinen Leucit-
einsprenglinge und erscheint in dicken Schliffen im reflektierten Licht
ebenfalls kaolinartig weiß trüb. In solchen Schliffen läßt sich mit
Hilfe von Gipsblättchen Rot I. Ordnung deutlich beobachten, daß
der Leucit der Grundmasse noch doppelbrechend ist und die charak-
teristische polysynthetische Zwillingslamellierung besitzt. Es liegt
also auch hier nur eine beginnende Umwandlung vor, aber keine
vollendete. Dies ergibt sich auch aus dem Studium sehr dünner
Schliffe, in denen selbst bei sehr kleinen Leucitkriställchen noch
die zentralen Teile völlig frisch wasserklar sind, während nur die
Randpartien durch Umwandlung getrübt sind. Die Menge des
Leucits ist in der Grundmasse eine recht beträchtliche, sie erreicht
aber die des Hauyns nicht vollständig. Die Menge des Leucits
und die Verteilung desselben läßt sich am besten in dicken Schliffen
und im reflektierten Licht erkennen, weil hier der Leucit sich
infolge seines kaolinartig weiß trüben Aussehens kräftig von allen
anderen Mineralien abhebt.
Nächst Hauyn und Leucit der wichtigste Gemengteil der
Grundmasse ist ein saftgrüner Pyroxen von ausgesprochener
Nadelform. Die Nädelchen erreichen im allgemeinen Längen von
0,03 mm bis höchstens 0,1 mm und eine Dicke von 0,0015 bis
0,006 mm. Der chemische Charakter schwankt von Ägirin-
augit mit a:c = 20°, entsprechend dem äußersten Saum der
Ägirinaugiteinsprenglinge , bis zu anscheinend reinem Agirin.
Die Menge der Nädelchen ist außerordentlich groß, sie schmiegen
sich mit Vorliebe den Konturen des Hauyns und Leucits der Grund-
masse an, einen charakteristischen dunkelgrünen Rahmen um die-
selben bildend. Sie ragen nie in den Hauyn und Leucit hinein,
sind also deutlich jünger als diese. An Stellen, wo Hauyn und
Leucit nicht sehr eng beisammen liegen, sieht man in der Regel
einen dicht gedrängten Filz von wirr durcheinander liegenden Nädel-
chen. All die feinen Lücken zwischen diesen drei Grundmasse-
gemengteilen, besonders deutlich da, wo Hauyn und Leucit mehr
getrennt liegen, werden durch eine farblose wasserklare Zwischen-
klemmungsmasse ausgefüllt, welche deutlich schwache Doppel-
brechung besitzt. Größtenteils besteht diese Füllmasse aus Ne-
phelin, zum kleineren Teil aus Sanidin mit zuweilen hyp-
idiomorpher Ausbildung, Zwillingsbildung nach dem Karlsbader
Gesetz und symmetrischer Achsenlage. Glas fehlt vollständig,
ebenso Erze. In der Nephelinfülle treten noch hie und da, zu-
weilen nesterweise zusammengedrängt, scharf idiomorph begrenzte,
rot durchscheinende Kriställchen in der Form einer steilen quadra-
tischen Bipyramide auf. Die Kriställchen liegen völlig körperlich
in der Nephelinfiille und zeigen teils quadratische, teils rhombische
Umrißlinien. In der Ebene der Mittelkanten beträgt der Durch-
24*
372
~J. Soellner, Ueber Leucitnephelintinguaitporphyr etc.
messet 0,008 mm, in der Richtung' der c- Achse 0,01 mm. Der
Winkel des Rhombus beträgt an der Mittelecke rund 104°. Da-
nach könnte die Bipyramide in ihrer Form der Bipyramide {22 1}
bei Zirkon entsprechen. Der Winkel 221:221 ist bei Zirkon
nach Dana1 122° 12'. Die Neigung der Polkanten zueinander
an der Mittelecke, also in der Ebene a c, beträgt danach 104° 2'.
Ob die Kriställchen nun wirklich Zirkon oder einem andern ähn-
lich ausgebildeten Mineral angehören , läßt sich mit Rücksicht
auf die Kleinheit derselben nicht mit Sicherheit entscheiden.
Pyrrhit, au den man sonst denken könnte, kommt mit Rücksicht
auf den deutlich quadratischen Habitus der Bipyramide nicht in
Frage.
Die Reihenfolge der Ausscheidungen in dem Gestein ist, so-
weit sie sich bestimmen läßt, folgende: unter den Einsprenglingen
zunächst Eisenkies und Apatit, beide kommen als Einschlüsse in
Ägirinaugit und der Apatit auch in Melanit vor. Dann Ägirin-
augit und Melanit, und zwar ist Ägirinaugit älter als Melanit,
da ersterer häufig als Einschluß in letzterem auftritt, und da
ferner, wo beide sich nur berühren, Melanit allotriomorph gegen
Ägirinaugit ist. Dann folgen die hellen Gemengteile Nephelin,
Hauyn, Leucit und Melilith. Der Nephelin enthält häufig Ein-
schlüsse von Ägirinaugit und Melanit, desgleichen der Leucit. Die
Reihenfolge der hellen Gemengteile untereinander ist nicht be-
stimmbar, da sie sich gegenseitig weder berühren noch einschließen.
In der Grundmasse sind Hauyn und Leucit wohl annähernd gleich-
alterig, dann folgt Ägirinaugit bis Ägirin und zuletzt Sanidin und
Nephelin.
Nach seinem ganzen mikroskopischen Verhalten zeigt also
dieses Gestein ausgesprochen tinguaitischen Charakter und ist nicht
bloß für den Kaiserstuhl, sondern für Leucittinguaite überhaupt
von einer bemerkenswerten Frische. Das Auftreten leukokrater
Ganggesteine wie der Tinguaite im Kaiserstuhl bildet eine wert-
volle Ergänzung zu den bisher von hier allein bekannten melano-
kraten Gauggesteinen.
Die chemischen Verhältnisse des Leucitnephelintinguaitporphyrs
werden später im Zusammenhang mit den anderen Tinguaiten be-
handelt werden.
Freiburg i. Br., den 18. März 1913.
Dana, Mineralogy. VI ed. p. 483.
G. Rack, Ueber das gegenseitige Verhalten etc.
373
Ueber das gegenseitige Verhalten des Zinnchlorürs und der
Chloride des Kaliums und Natriums beim Kristallisieren aus
dem Schmelzfluss.
Von G. Rack in Berlin.
Mit 2 Textfigaren.
Die thermischen Untersuchungen wurden in Röhrchen aus
schwer schmelzbarem Glase in einem Nickeldrahtwiderstandsofen
ausgeführt. Die Röhrchen hatten einen inneren Durchmesser von
25 mm und eine Länge von 8o mm.
Als Ausgangsmaterial wurde das reinste von C. A. F. Iyahl-
BAiM-Berlin aus Schmelzfluß dargestellte Material verwendet.
Die Schmelztemperaturen der regulär kristallisierenden
Komponenten Kaliumchlorid 1 und Natriumchlorid 2 sind bereits von
einer großen Anzahl von Beobachtern bestimmt worden. Einige
der neuesten Angaben sind für
KCl Na CI
774° H. Brand3 798° H. Brand3
776 0. Menge4 803 0. Menge5 *.
Meine Untersuchung ergab, daß KCl mit einer Unterkühlung von
2° bei 777 ° und Na CI mit einer Unterkühlung von ca. 2° bei
800 0 kristallisierte.
Über die Schmelztemperatur des Zinnchlorürs liegen bis
jetzt nur wenige Angaben vor:
250° Marx«
245 0. Menge 7
247.2 G. Herrmann«
250 C. Sandonnini und G. Scarpa'*.
Nach meinen Abkühlungskurven liegt der Schmelzpunkt des
Zinnchlorürs bei 239 u. Sn Cl2 schmilzt unter teilweiser Zersetzung.
Es entweicht Chlor, und das Zinn bildet mit dem Sauerstoff der
Luft Sn02, das sich im unteren Teile der Schmelze absetzt. Der
Abbrand ist sehr gering, nach G. Herrmann8 beträgt er beim Er-
1 Landolt-Börnstein, Pbys.-chem. Tabellen. 1912. p. 216.
7 Landolt-Börnstein, 1. c. p. 222.
3 H. Brand, Diss. Berlin 1911. N. Jahrb. f. Min. etc. Beil. -Bd. XXXII
p. 628. 1911.
4 O. Menge. Diss. Göttingen 1911. Zeitschr. f. anorg. ( hem. 72. 171.
5 0. Menge, 1. c. p 177.
* Gmelin-Kraut, Handb. d. anorg. Chemie. 4. Abt. 1. p. 302.
1 0. Menge, 1. c. p. 194.
* G. Herrmann. Diss. Göttingen 1911. Zeitschr. f. anorg. Chem.
71. 266. 1911.
* C. Sandonnini und G. Scarpa, Rend. Acc. Lincei. [5.] 20. 2.
p. 61. 1911.
374
G. Raclc,
hitzen bis 500° im Durchschnitt 0,5%. In einem Dünnschliffe,
der den unteren Teil eines Regulus enthielt, konnte man beobachten,
daß die ganze dunkle Partie des Schmelzkuchens nicht durchweg
aus Zinndioxyd bestand, sondern daß Sn 02 nur die Spalten zwi-
schen den Sn Cl2-Kriställchen ausfüllte. Das geschmolzene Sn Cl2
ist grau, hygroskopisch und besitzt Fettglanz und muscheligen
Bruch ; außen ist der Regulus seidenglänzend.
Sn Cl2 siedet bei ca. 620° '. Um bei den KCl- bezw. NaCl-
reichen Schmelzen der binären Systeme den Verlust an SnCl2
möglichst einzuschränken, wurde im Glasröhrchen zuerst Alkali-
chlorid zum Schmelzen gebracht und dann die zugehörige Menge
SnCl2 hinzugefügt. Auf diese Weise wurde der Snbstanzverlust
bis zum Beginn der primären Ausscheidung auf ein Minimum
beschränkt.
SnCl2 kristallisiert in den Drusenräumen, die beim Zerschlagen
des Schmelzkuchens zum Vorschein kamen, in ca. 1 cm langen
Nadeln. U. d. M. löschen die Kriställchen gerade aus und zeigen
im konvergenten polarisierten Lichte die Interferenzerscheinungen
zweiachsiger Kristalle, sie gehören also dem rhombischen
System an. Der Charakter der Doppelbrechung ist negativ. Über
die Kristallform des Zinnchlorürs lagen bis jetzt Angaben noch
nicht vor. Nordenskiöld 2 beschreibt zwar Sn Cl.,-Kristalle, die
er durch Sublimation von wasserfreiem Zinnclilorür erhalten hat.
Indessen ist nicht festgestellt worden, ob die chemische Zusammen-
setzung dieser Kriställchen wirklich der Formel SnCl2 entspricht.
1. Das System Zinnchloriir-Kaliumchlorid.
Die thermische Untersuchung (Tab. 1) ergab, daß die Kom-
ponenten SnCl2 und KCl zwei Verbindungen miteinander
bilden, die beide einen echten Schmelzpunkt besitzen. Merkliche
Mischbarkeit zwischen den Stoffen im kristallisierten Zustande ist
nicht vorhanden.
Die Kurve ACDEF trennt das Gebiet der homogenen flüssigen
Phase a von den Gleichgewichtsgebieten b, c, e, f, h je einer
festen Phase mit der flüssigen Schmelze (Fig. 1 .) Die Geraden D D'
und F F' teilen das ganze System in drei Teilsysteme, von deueu
jedes einen einfachen Erstarrungstypus liefert. Während die beiden
ersten Teilsysteme aus je zwei Kurvenästen bestehen, enthält das
dritte Teilsystem nur einen Kurvenast. Es tritt hier nur eine
primär kristallisierende Phase auf.
Im ersten Teilsystem schneiden sich die Kurven A C
und D C der primären Ausscheidungen im eutektischen Punkte C
1 lieber die vorhandenen Angaben s. Gmelin-Kract , Handb. der
anorg. Chemie. 4. Abt. 1. p. 302.
2 P. Groth, Chemische Kristallographie I. p. 213. 1906.
lieber das gegenseitige Verhalten etc.
375
Fig. 1.
Konzentrationstemperatur-Diagramm der Mischungen aus Zinnchlorür
und Kaliumchlorid.
a = Existenzgebiet der homogenen flüssigen Mischungen,
b = Gleichgewichtsgebiet von Sn CI, und Schmelzen a.
c, e = Gleichgewichtsgebiet von 3 Sn Cl2 • K CI und Schmelzen a.
d — Existenzgebiet von eutektischen Gemengen aus SnCl2 und
3 Sn Cl2 • K CI.
f = Gleichgewichtsgebiet von SnCI2-KCl und Schmelzen a.
g = Existenzgebiet von eutektischen Gemengen aus 3SnCl2-KCl
und Sn CI, • K CT.
h — Gleichgewichtsgebiet von Na CI und Schmelzen a.
i = Existenzgebiet der sekundär ausgesch. Kristallart Sn Cl2 • K CI
(Grenzfall!).
376
G. Rack,
Tabelle 1.
Konzentrations-Temperatur-Diagramm der Mischungen aus Zinnchloriir und
Kaliumchlorid.
Gehalt
Molekül-
prozente
an KCl
Gewichts-
prozente
Beginn
der
Kristalli-
sation
Eutektische
Kristalli-
sation
Dauer der
eutektischen
Kristallisation 1
0
0
239°
—
—
2
0,846
238
192°
40 sec
5
2.02
234
194
160
10
4,18
223
201
240
15
6,47
206
201
410
20
8,94
204
201
200
25
11,57
208
—
—
27,5
12.96
207
175
140
30
14,40
205
179
180
33 j
16.41
203
180
—
35
17,45
200
181
400
37,5
19,06
180
180
560
40
20,74
187
179
340
42,5
22.49
192
179
300
45
24.28
208
177
150
50
28,19
224
—
(520)
52.5
30,26
310
224
500
55
32,43
385
224
480
60
37,06
481
224
440
65
42.16
541
224
400
70
47.81
. 580
223
300
80
61,09
679
222
240
90
77,94
752
221
120
100
100
777
—
—
bei der Temperatur 201 0 und einer Konzentration von ca. 17 Mol.-°/o
KCl + 83 Mol.-0/" Sn Cl2. Ein aus dem Regulus der Schmelze
10 Mol.-°/o KCl und 90 Mol.-°/n Sn CI, nach dem von E. Korreng2
angegebenen Verfahren hergestellter Dünnschliff zeigt primäre,
leistenförmige Sn Cl2-Kriställchen in regelloser Anordnung. Die
Zwischenräume zwischen den Kriställchen werden durch die eutek-
tische Grundmasse ausgefiillt. Im Punkte D kristallisiert das
Doppelsalz 3SnCls*KClJ
1 Die Versuche wurden mit 30 g der Gesamtsubstanz ausgeführt.
2 E. Korreng. Dies. Centralbl. 1913. im folg. Heft.
3 L. Peetz (Metallurgie. 1. p. 281) gibt einige ans dem Schmelzfluß
erhaltene Verbindungen des Zinnchlorürs mit den Alkalichloriden (darunter
3 Sn Cl2 • K CI und Sn CI* • K CI) an, auf deren Existenz er nur aus der
Homogenität der erstarrten Gemische schließt. Eine genaue thermische
und mikroskopische Untersuchung liegt nicht vor.
Feber das gegenseitige Verhalten etc.
377
bei einer. Temperatur von 208 °. Ein Dünnschliff des Schmelz-
knchens 25 Mol.% KCl und 75 Mol.% »SnCl., ließ nur eine Kristall-
art erkennen. Im konvergenten polarisierten Lichte beobachtet
man ein Achsenkreuz , dessen Hyperbeläste kaum merklich aus-
einandergehen. Die Auslöschung ist gerade, der Charakter der
Doppelbrechung positiv.
Im zweiten Teils ystem schneiden sich die Kurvenäste DE
und F E der primären Kristallisation im eutektischen Punkte E
bei der Temperatur 180° und einer Konzentration von ca. 38 Mol.-°/o
KCl. Das Existenzgebiet a der flüssigen Phase wird durch das
Kurvenstück D E vom Gleichgewichtsgebiete e zwischen dem Doppel-
salz D und der flüssigen Schmelze, durch das Kurvenstück E F
vom Gleichgewichtsgebiete f der Kristallart Sn CI, -KCl F) und
der flüssigen Schmelze abgegrenzt. Der Punkt F gibt die Schmelz-
temperatur des kongruent schmelzenden
Doppelsalzes Sn CI2 • K CI
an. Die Abkühlungskurven des Gemisches aus 50 Mol.% SnCl,
-J- 50 Mol.-% KCl weisen nur einen thermischen Effekt auf. Der
Dünnschliff zeigte nur eine Kristallart. Im konvergenten polari-
sierten Lichte sieht man das Achsenkreuz einachsiger Kristalle.
Der Charakter der Doppelbrechung ist negativ.
J. Rehsex und G. M. Rcchabdsox 1 erhielten das Hydrat
Sn Cl2 • K C1 • H2 0, indem sie eine wässerige Lösung von K CI mit
einem großen Überschuß von SnC’L-Lösung versetzten. Das Doppel-
salz schied sich in weißen haarfeinen Kristallen aus.
Das dritte Teilsystem stellt einen Grenzfall dar. Es
besteht aus nur einem Kurvenast, welcher das Gleichgewichtsgebiet h
der primär kristallisierenden Phase KCl mit der flüssigen Schmelze
vom Existenzgebiet a der flüssigen Phase trennt. Das Gleich-
gewichtsgebiet der zweiten primär sich ausscheidenden Kristallart
SnCl2-KCl mit der flüssigen Schmelze schrumpft praktisch zum
Punkte F zusammen. Ein Dünnschliff aus dem Regulus 70 Mol.-°/o
KCl und 30 Mol.-0 o Sn Cl9 enthielt Einsprenglinge von regulärem
KCl in doppelbrechender Grundmasse, die die Zusammensetzung
des Doppelsalzes SnCl., • KCl besitzt.
Ans wässeriger Lösung kristallisiert noch nach C. Rammels-
berg1 das Doppelsalz SnCl., ■ 2 KCl • H20, nach J. Remsex und
G. M. Richardson 1 das Hydrat Sn CI., • 2 K CI • 2 H2 0 aus. Es
entsteht, wenn Sn Cl„ und K CI in etwa gleichen Verhältnissen
gemischt werden, oder wenn KCl im Überschuß ist. Aus dem
Schmelzfluß konnte das entsprechende wasserfreie Salz nicht er-
halten werden.
1 Gmelix-Krattt, Handb. d. anorg. Chemie. 4 Abt. 1. p. 354.
378
G. Rack, lieber das gegenseitige Verhalten etc.
2. Das System Zinnchloriir-Natriumchlorid.
Das Stoffpaar Sn CI., — Na CI liefert einen einfachen Erstarrungs-
typus (Fig. 2). Die Kristallisationskurve ACB besteht nur aus
Fig. 2.
Konzentrations-Temperatur-Diagramm der Mischungen aus Zinnchlorür
und Natriumchlorid.
a = Existenzgebiet der homogenen flüssigen Mischungen,
b = Gleichgewichtsgebiet von Sn Cl2 und Schmelzen a.
c = Gleichgewichtsgebiet von Na CI und Schmelzen a.
d = Existenzgebiet von eutektischen Gemengen aus SnCl2 und Na CI.
den beiden Kurvenästen AC und BC1. Längs der Kurve AC
scheidet sich Sn CI., in leistenförmigen Kriställchen aus, längs des
Kurvenstückes B C ist Na CI die primär kristallisierende Phase.
Imin. Friedländer. Ueber vulkanische Erscheinungen etc. 379
Merkliche Mischfähigkeit beider Komponenten ist nicht vorhanden.
Die Abkühlungskurven der Mischung 5 Mol.-°/o XaCl-f- 95 Mol.-°/o
Sn Cl2 zeigte noch eine deutliche Haltezeit von 40 sec Dauer,
dagegen wiesen die Abkühlungskurven der Schmelze 2 Mol.-°/o
XaCl-f- 98 Mol.-0/« SnCl2 bei 176° nur einen Knick auf. In einem
Dünnschliff aus letzterem Kegulus konnte die Anwesenheit von
Eutektiknm nicht mit Sicherheit festgestellt werden.
Der eutektische Punkt liegt bei der Temperatur 183° und
einer Konzentration von ca. 32 Mol.-% XaCl-f- 68 Mol.-°/o SnC'l2.
Tabelle 2.
Konzentrations-Temperatur-Diagramm der Mischungen aus Zinnchlorür
und Xatriumchlorid.
Gehalt
Molekül-
prozente
an XaCl
Gewichts-
prozente
Beginn
der
Kristalli-
sation
Eutektische
Kristalli-
sation
Dauer der eutek-
tischen Kristalli-
sation hei 30 g
Versuchssubstanz
0
0
239°
_
2
0,53
237
176°
Knick
5
1.59
235
178
40 sec
10
3.31
231
181
160
15
5,15
225
181
240
20
7,15
210
182
360
30
11,65
187
183
420
33J
13,34
250
183
520
40
17,03
398
183
460
50
23.54
510
183
400
66§
38.10
673
184
340
80
55.17
721
182
210
100
100
1
800
—
Berlin, Mineralog.-petrographisches Institut der Universität,
Januar 1913.
Ueber vulkanische Erscheinungen am Aetna und in Japan.
Von Immanuel Friedländer in Neapel.
Herr Dr. Karl Schneider glaubt sich gegen einige Vorwürfe
verteidigen zu müssen, die ihm von verschiedenen Kritikern über
sein Buch, betreffend die vulkanischen Erscheinungen der Erde,
gemacht wurden. Er wendet sich unter anderem dabei wesentlich
gegen mich und ich glaube, daß aus sachlichen Gründen einige
seiner Behauptungen nicht unbesprochen bleiben sollten. Ich be-
merke, daß ich sein Buch sehr ausführlich besprochen habe, weil
380 Imm. Friedländer, Ueber vulkanische Erscheinungen etc.
ich es in mancher Beziehung als bedeutend und jedenfalls der
allgemeinen Aufmerksamkeit wert befand und daß ich mit meiner
Besprechung durchaus nicht die Absicht hatte, den Verfasser irgend-
wie anzugreifen. Ich hatte in meiner Besprechung hervorgehoben,
daß der Ätna, im Gegensätze zur Auffassung des Herrn Schneider,
zurzeit immer noch ganz wesentlich Laven und nur in geringer
Menge Aschen fördert, im Gegensätze zum Vesuv, wo beim letzten
Ausbruch 1911 das Verhältnis umgekehrt war. Herr Schneider
behauptet nun in seiner Entgegnung, daß ihm die Berichte von
Riccö und von Ponte über den Ätnaausbruch vom Jahre 1910 — 1 1
recht gäben. Es handelt sich um zwei ganz verschiedene Aus-
brüche des Ätna; der eine fand 1910 auf der S-Seite, der andere
1911 auf der N-Seite statt. Die von Schneider erwähnten Be-
richte, von denen der eine sich ausführlich mit der Asche befaßt,
geben ihm aber absolut nicht recht. Es findet sich in diesem
Bericht nicht die Behauptung, daß die Aschenförderung des Ätna
im Gegensätze zur Lavafördernng sehr bedeutend gewesen wäre.
Aus dem ziemlich ausführlichen Werke über den Ausbruch des
Ätna 1910, das vom Geologischen Institut der Universität Catania
von P. Vinassa de Regny, A. Riccö, S. Arcidiacono, F. Stella
Starabba, L. Taffara, 0. de Fiore herausgegeben wurde, befindet
sich eine sehr genaue Beschreibung des ganzen Ausbruches, aus
der die große Bedeutung der Lavaförderung bei diesem Ausbiuche
hervorgeht.
Betreffs der Abnahme des Vulkanismus seit dem Diluvium und
Alluvium bis zur historischen Zeit ist Schneider übrigens sowohl
in seinem Buche wie in seiner Erwiderung den Beweis schuldig
geblieben.
Zum Schlüsse behauptet Schneider, daß seine irrtümlichen
Angaben über die Eruptionsdaten der japanischen Vulkane eigent-
lich meine Schuld wären, da sie aus meinem Buche entnommen
und erst in meiner Kritik richtiggestellt seien. Der Sachverhalt
ist folgender: Schneider hat anscheinend, ohne den übrigen Text
zu lesen, die von mir bei der Geschichte des Sakurashima-Vulkans
angegebenen Daten einfach als Eruptionsdaten aufgeführt, obwohl
in meinem Buche klar zu lesen war, daß es sich bei einigen der
Daten um Eruptionen, bei anderen aber um andere an den betreffen-
den Daten beobachtete Erscheinungen, wie Veränderung von Quellen,
leichten Rauchwolken und dergleichen handelt. Er hat also, was
ich in meiner ersten Kritik vielleicht nicht deutlich genug zum
Ausdruck gebracht habe, die gegebenen Quellen nicht mit der
nötigen Sorgfalt benützt.
W. Teppner, Testudo Riedli R. Hoernes.
381
Testudo Riedli R. Hoernes.
Von Wilfried Teppner.
Mit 1 Textflgur.
Da es R. Hoernes nicht mehr besehiedeu war, die kurze
Beschreibung seiner Testmio Riedli zu ergänzen, andere Autoren
aber T. Riedli zitieren, halte ich es für angebracht, die Ergänzung
zu Hoernes Beschreibung nachzutragen. Die Photographie stammt
von dem Gipsabgüsse des Steinkernes, auf welchen R. Hoernes
1 — .
die Nähte eingezeichnet hat; das Original ist infolge seiner dunkel-
braunen Farbe zur Abbildung ungeeignet, denn die Nähte kommen
hiebei nicht zum Ausdruck.
R. Hoernes 1 gibt in der kurzen Beschreibung seiner T. Riedli
an, daß die Kostalplatten in geringem Grade abwechselnd keil-
förmige Gestalt haben und in ihrer Artikulation mit den Vertebral-
platten insoferne abweichen, als nur die ersten drei Kostalplatten
dem Typus Testudo entsprechen , während die übrigen, wie bei
Emys an je zwei Vertebralplatten grenzen. Der Steinkern von
T. Riedli, aus den Sotzka-Schichten von Trifail 2, zeigt eine Ver-
1 R. Hoernes , Neue Schildkrötenreste aus steirischen Tertiär-
ablagerungen. Verh. d. k. k. geol. Reichsanst. Wien 1892. p. 243—246.
2 R. Hoernes, Bau und Bild der Ebenen Österreichs. 1903. p. 921 — 926.
382
W. Teppner,
letzung des Rückens, so daß über den Umriß der Neuralplatten
und deren Anschluß an die Kostalplatten nichts genaueres gesagt
werden kann. Aber immerhin läßt sich folgendes feststellen :
das 1. Kostale grenzt an das Nuchale und 1. und 2. Neurale;
„6. „ „ „ „ 6. und 7. Neurale;
r> * ■ n n » » ^ » 8. „
» 8. „ » » » 8. B 9. >,
v. Reinach 1 fügt der Beschreibung von R. Hoernes noch hinzu,
daß die Neuralplatteu direkt auf die Rückenwirbel auflagern und die
Kostalplatten mit den Peripheralen verbunden sind, was aus dem
Eindringen der Rippenspitze in das Pleurale hervorgeht. Letzteres
Verhalten, vergl. Reinach, wird durch das ungleiche Wachstum der
Knochenplatten und der Schilder bedingt, und dürften daher auch
die proximalen Grenzen der Peripheralen nicht mit denen der Margi-
nalen übereingestimmt haben. Die beiden vorhin angeführten Merk-
male hat T. Riedli mit den Sumpfschildkröten gemeinsam. Bezüglich
der testudinen Ausbildung der Neuralen ist Reinach gleicher Ansicht
wie R. Hoernes, daß dieselben eine solche nicht erkennen lassen.
R. Hoernes sagt, daß die Neuralplatten in ihren Umrissen
und im Anschlüsse an die Kostalplatten den emydenartigen
Typus zeigen , den 1. praeceps Haberrandt 2 weniger deutlich
zeigt. Im nachstehenden die Maße für T. Riedli :
Neuralplatten
1. j2.
O
4.
5.
6.
_
(.
8.
9.
Länge (Höhe)
30 —
—
—
15
12
16,5
Breite vorn
13 18
—
—
-
—
11
10
Größte Breite hinten
1
15
11
10
11
Kostalplatten
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
Größte Breite in der Nähe der Neural-
platten
—
—
—
—
18,5
17
21
Breite am Schildrand
50
26
19
23
32,5
21
24
20,5
Länge an der Naht der folgenden
Kostalplatte
35 3
47
—
65
55,5
46
35,5
21 4
1 A v. Reinach, Schildkrötenreste im Mainzer Tertiärbecken und in
benachbarten, ungefähr gleichaltrigen Ablagerungen. Abh. d. Senck.
naturf. Ges. 32. 1900. p. 13.
3 G. Haberlandt, Über Testudo praeceps n. sp., die erste fossile
Schildkröte des Wiener Beckens. Jahrb. der k. k. geol. Reichsanst.
Wien 1876. p. 243—248.
3 und 26 mm an der Nuchalnaht.
4 am Hinterrand.
Testudo Riedli R. Hoernes.
383
Marginalplatten
II 1
2.
3.
4.
5-
6.
7.
8.
9.
10.
Länge in der Nähe der Kostal-
platten
14
—
—
26
28
—
—
25
21
5
Länge am Schildrande
Höhe an der Naht der nächst-
22
—
—
27
29
—
—
25
21,5
—
folgenden Marginalplatte . .
14
—
29
31
22
—
19,5
18
—
—
Die Nuchalplatte und die Schwanzplatte sind weniger steil
gestellt wie bei T. praeceps; die Randplatten sind nieder. T.praeceps
hat sehr hohe und schmale Randplatten; auch die bei T. Eschen
Pict. et Hum. 1 und bei T. antiqua Bronn 2 sind höher und schmäler
wie bei T. Riedli. Die Knochenstützen, welche von der ersten
und fünften Kostalplatte zu dem Hyo- und Hypoplastron gehen,
bilden wesentlich stärkere Sternalkammern wie bei T. praeceps ;
solche fehlen bei den Testudiniden der Gegenwart und sind bei
manchen Emyden schwächer entwickelt. Der Brustbauchschild
zeichnet sich dadurch aus, daß das rückwärtige Plattenpaar
(Xiphiplastron) in ziemlich loser Verbindung mit dem übrigen
Schilde stand, so daß es losgelöst und nach innen gerückt er-
halten blieb, während die übrigen Stücke des Brustbauchschildes
sämtlich verloren gingen und nur durch die Abformung der Naht-
linien auf dem Steinkerne ihre gegenseitige Abgrenzung erkennen
lassen. An den erhaltenen Xiphiplastra konnte R. Hoernes fest-
stellen, daß an deren Innenseite keine Spur einer Anheftung des
Beckens vorhanden war, wie sie bei der Pleurodira stattfindet.
Der Schild von T. Riedli war ungewöhnlich dick; die geringste
Stärke dieser Xiphiplastra betrug 5 mm; an einigen Stellen
aber 7 mm.
Nachdem in der Regel der Rückenschild stärker ist wie der
Brustbauchschild, muß ersterer sehr stark gewesen sein. Diesen
Umstand zieht R. Hoernes zur Erklärung der ungewöhnlichen
Entwicklung der Flügel der Hyo- und Hypoplastra und damit der
Sternalkammern heran. Die Loslösung der Xiphiplastra von dem
übrigen Brustbauchschild erklärt R. Hoernes als Ursache einer
unvollkommenen Verknöcherung der betreffenden Nahtverbindung.
Mit T. promarginata Reinach hat T. Riedli keine Ähnlichkeit.
Wenn wir einige der neu bestimmten Testudiniden betrachten,
so unterscheidet sich T. Riedli von T. perpiniana Deperet 3 nicht
nur durch die Größe (bis 1,5 m), sondern auch dadurch, daß bei
1 In der Monographie des C'heloniens de la Molasse Suisse. Genf 1856
s H. v. Meyer, Palaeontograpliiea. 15.
3 Ch. DepEret, Les animaux pliocenes de Roussillon. Mem. de la
societe geol. de France. Paläontologie. Mem. 3. 1890. p. 140 — 155.
384
Miscellanea. — Personalia.
T. perpiniana kein Nuchale vorhanden ist, von T. pyrenaica
Deperet 1 dadurch, daß letztere Art einen kugeligen, nach allen
Seiten steil abfallenden Panzer ohne Nuchale und hohe Rand-
platten hat.
Jedenfalls aber steht T. Biedli in naher verwandtschaftlicher
Beziehung zu den miocänen Testudiniden : T. praeceps, T. Olaweri,
T. marmorum 2 und T. globosa1 2 3, die eine vollkommen erloschene
Gruppe bilden.
R. Hoernes betrachtet T. Biedli infolge der „schwach
keilförmigen Ausbildung der Pleuralen und wahrscheinlichen Be-
weglichkeit des Xiphiplastrons“ als Übergangsglied der Sumpfschild-
kröten zu Testudo , was Reinach allerdings als noch fraglich erklärt.
Zu besonderem Danke verpflichtet bin ich meinem verehrten
Lehrer, Herrn Dr. F. Heritsch, der mir wie immer in jeder Weise
hilfreich an die Hand gegangen ist.
Miscellanea.
Akademische Ferienkurse in Hamburg. Vom 24. Juli bis
6. August 1913 linden in Hamburg, in Verbindung mit den zahl-
reichen wissenschaftlichen Anstalten des Staates, den Kranken-
häusern und dem Kolonialinstitut, akademische Ferienkurse (im
ganzen 75 Vorlesungen und Vorlesungsreihen) für Ausländer statt.
Diese internationale wissenschaftliche und pädagogische Veranstal-
tung, begründet in der Zentrale des deutschen Überseehandels, hat
den Zweck, Ausländern eine Orientierung über den Stand der
Wissenschaft in Deutschland auf dem Gebiete der Philosophie,
Psychologie, Pädagogik, Rechts- und Staats Wissen-
schaften, Philologie, Kultur- und Literaturwissen-
schaft (deutsche, französische, englische, spanische, griechische,
semitische, slavische, afrikanische, babylonische, chinesische, japa-
nische), der Naturwissenschaften und der klinischen
Medizin zu geben. Die aktuellen Probleme der Wissenschaft
werden von sachverständigen Spezialisten in einer für Gebildete
verständlichen Form vorgetragen (zusammen 65 Professoren deutscher
Universitäten und Institute).
Personalia.
Habilitiert: Dr. E, Hennig', Assistent am geologisch-
paläontologischen Institut und Museum der Universität Berlin,
für Geologie und Paläontologie.
Gestorben: Prof. Dr. E. Kittl, Leiter der geolog.-paläonto-
logischen Abteilung des k. k. Naturhist. Hofmuseums in Wien.
1 Ch. Deperet, 1. c. p. 155 — 160.
2 Gaudry, Animaux fossiles et Geologie de l’Attique. Paris 1862/67.
3 Portis, Rettili pliocenici del Val d’Arno superiore. Firenze 1890.
E. H. Kraus und C. W. Cook, Die Kristallformen etc.
385
Original-Mitteilungen an die Redaktion,
Die Kristallformen des Jodyrits von Tonopah, Nevada.
Von E. H. Kraus und C. W. Cook in Ann Arbor.
Vor vier Jahren, 1909, publizierten wir eine kristallographisch-
cheraische Arbeit „Jodyrit von Tonopah, Nevada, und Broken Hill,
New South Wales“ (American Journal of Science. 1909. XXVII.
p. 210 — 222, und Zeitschrift für Kristallographie und Mineralogie.
1909. XLVI. p. 417 — 426), worin wir (7073), (9092), (9092),
(9091), (9091), (15.0.15.8), (7074), (7071) und (33.0.33.2)
als neue Formen für den Jodyrit angaben (N. Jahrb. f. Min. etc.
1911. I. -341 -). Vor kurzem veröffentlichte Herr A. S. Eakle
eine Arbeit „The Minerals of Tonopah, Nevada“ (University of
California Publications. 1912. VII. p. 1 — 20), worin er unter anderem
auch Jodyritki'istalle von Tonopah, p. 11, 12 und 13, beschreibt.
Herr Eakle gibt an, daß er einige Hundert Kristalle zur
Verfügung hatte und daß diese Kristalle größtenteils parallele
Verwachsungen waren und daher sehr gestreift, so daß seine
Winkelmessungen sehr unzuverlässig waren. Aus diesen Gründen
glaubt Herr Eakle, daß die von uns als neu angegebenen Formen
(7074), (7073), (9092) und (15 . 0 . 15 . 8) entweder nur gestreifte
Übergänge, oder daß die zu ihrer Feststellung angewandten
Messungen unzuverlässige Beobachtungen der Formen (2021) und
(4041) waren. Nachdem Herr Eakle angibt, daß an den von
ihm gemessenen Kristallen der Winkel (0001) : (2021) = 62° 10'
Variationen von — 3° 23' und +3° 23' zeigte, wird die folgende
Tabelle angeführt, um seine Leser zu überzeugen, daß dies auch
wirklich bei unseren Untersuchungen der Fall gewesen sein mußte:
(0001) : (7074) = 58 0 47'
(0001) : (7073) = 65 33
(0001) : (15 . 0 . 15 . 8) = 60 32.
Als Antwort auf diese Behauptung Eakle’s möchten wir zu-
erst sagen: Anstatt einer Auswahl von einigen Hundert Kristallen
war das uns von der Firma Foote und Company in Philadelphia
zur Verfügung gestellte Material aus mehreren Tausend
Kristallen auserwählt. Wir führten kristallographische Messungen
an 15 Kristallen aus, welche aus 11 einfachen Kristallen, 2 Zwil-
lingen und nur 2 parallelen Verwachsungen bestanden. Die ein-
fachen Kristalle waren alle gut ausgebildet und gute Reflexe
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913. 25
386
E. H. Kraus und C. W. Cook, Die Kristallformen etc.
konnten erhalten werden. Nach den oben angeführten Angaben
Eakle’s müßte man glauben, daß unsere Messungen für die be-
treffenden Formen auch sehr schwankten und daher gar nicht mit
den berechneten Werten übereinstimmten. Unsere neuen Formen
(15.0.15.8) und (7073), welche Eakle als (2021) deuten will,
wurden als schmale, aber gut ausgebildete Flächen auf Kristallen
in Verbindung mit (2021) beobachtet, — (15.0.15.8) achtmal auf
vier Kristallen und (7073) dreimal auf zwei Kristallen. Die
Schwankungen der einzelnen Ablesungen und die Vergleichung der
Mittelwerte mit den berechneten Winkeln werden in der unten
angeführten Tabelle gegeben, welche Werte ganz innerhalb der
Fehlergrenzen sind, die man bei kristallographischen Arbeiten ge-
wöhnlich annimmt, da nur in einem Falle eine Differenz von
15 Minuten zwischen dem Mittelwert der Beobachtungen und dem
berechneten Winkel zu notieren ist. In zwei Fällen (7074) und
(33 .0.33.2) wurden die Formen nur je einmal beobachtet, aber
die Messungen stimmten mit den berechneten Winkeln fast genau
überein.
Form
Schwankungen
in den
Beobachtungen
Mittel-
wert der
Beobach-
tungen
Berech-
nete
Winkel
Zahl der
Beobach-
tungen
Zahl der
Kristalle
(15.0.15.8)
60° 3'- 60° 56'
60° 32'
60 u 47'
8
4
(9092)
76 6 —77 11
76 46
76 48
3
2
(7074)
58 47
58 50
1
1
(7073)
65 —66 18
65 33
65 39
3
2
(33.0. 33 . 2)
86 20|
86 21
1
1
Wir nahmen bei unseren Berechnungen, wie üblich, den
Charakter der einzelnen Flächen und deren Reflexe sowie auch
die Zahl der Beobachtungen derselben und deren Übereinstimmung
mit den berechneten Werten in Betracht und waren überzeugt,
daß die Daten völlig genügend seien, um die oben angeführten neuen
Formen (15.0.15.8), (9092), (7074), (7073) und (33.0.33.2),
dessen Existenz Eakle in Zweifel zieht, unzweifelhaft als festgestellt
zu betrachten. Wir sind noch dieser Meinung, obgleich Herr
Eakle diese Formen nicht an den von ihm untersuchten Kristallen
konstatieren konnte, denn wir hatten ein größeres und, nach seiner
Beschreibung, auch bedeutend besseres Material zur Verfügung
als er.
Mineralogical Laboratory, University of Michigan.
Fr. Tndan, Zu Tudan’s „Bauxitfrage“.
387
Zu Tucan’s „Bauxitfrage“.
Von Fran Tucan in Zagreb (Agram, Kroatien).
Auf die Notiz Lazarevic’s1 unter dem obigen Titel will ich
momentan nicht weiter reagieren. Ich habe meine Anschauungen in
meinen Arbeiten über die Terra rossa und über Bauxite veröffentlicht
und unparteiische Fachmänner können darüber urteilen. Gegen eine
Behauptung Lazarevic’s muß ich jedoch eine Aufklärung geben,
da sie nicht richtig ist. Lazarevic schreibt: „Wenn man aber
bedenkt, daß Tucan imstande ist, aus dem Kalk und Dolomit im
unlöslichen Rückstände Calcit zu erhalten, so wird man freilich
auch hier gegen die Richtigkeit dieser Angaben berechtigte Be-
denken tragen müssen.“ Wenn Lazarevic beweisen kann, daß
ich in meinen Arbeiten erwähne , daß ich im unlöslichen
Rückstände von Kalken und Dolomiten Calcit fand,
dann werde ich seine Anschauung als nicht hinfällig betrachten.
Er hält fest an folgendem Satz: „P, 0., CaO und S03, welche
Bestandteile man in manchen Bauxitanalysen anführt , stammen
unzweideutig von Apatit , Calcit , Gips und Anhydrit , welche
Minerale ich im unlöslichen Rückstände der Kalke und Dolomite
und in der Terra rossa gefunden habe“ 2. Wer aber meine
Arbeiten über Kalke und Dolomite und die Terra rossa gelesen
hat, wird sehen, daß Lazarevic etwas Unx-ichtiges schreibt. Im
unlöslichen Rückstände der Kalke und Dolomite fand ich folgende
Minerale: Quarz, Glimmer, Pyrit, Hämatit, Gips, Anhydrit, Fluß-
spat, Amphibol, Epidot, Chlorit, Chloritoid, Zoisit, Disthen, Granat,
Staurolith, Feldspate, Turmalin, Zirkon, Rutil, Korund, tonartige
Substanz (Sporogelit), Periklas, Brucit, Apatit, Koppit, Zinnober
und Auripigment (siehe meine Abhandlung .Die Kalksteine und
Dolomite des kroatischen Karstes“ 3). Also nirgends ist die Rede
von Calcit. In der Terra rossa fand ich außer den erwähnten
Mineralen noch Calcit, was dem ganz natürlich ist, der die Ent-
stehung der Terra rossa kennt. Wenn man diese Behauptungen
vor Augen hält, so ist es klar, wie man den oben erwähnten Satz
zu deuten hat, aber daher darf man nicht denjenigen Teil — hier
ist er fett gedruckt — beim Zitieren, avie es Lazarevic getan hat,
anslassen.
Agram (Zagreb), Mineralogisch-petrograph. Institut.
1 Dies. Centralbl. 1913. p. 258.
1 Ibid. 1913. p. 66.
3 Annales gdolog. de la Peninsule balkanique. Bd. 6. Heft 2. p. 780
25*
388
M. Berek, Zur Messung der Doppelbrechung
Zur Messung der Doppelbrechung hauptsächlich mit Hilfe
des Polarisationsmikroskops.
Von M. Berek in Wetzlar.
Mit 7 Textfiguren.
Anwendungsbereich verschiedener Kompensatoren.
Obwohl die Doppelbrechung ein Hilfsmittel zur Unter-
scheidung der Mineralien darbietet und innerhalb einer isomorphen
Mischungsreihe auch die chemische Zusammensetzung angenähert
zu ermitteln gestattet, wird die Messung von Gangunterschieden
bei petrographisclien Arbeiten nicht mit einer ihrer Wichtigkeit
entsprechenden Häufigkeit ausgeführt. Die Schätzung der Höhe
der Interferenz färbe oder die Anwendung einer Glimmertreppe nach
E. v. Fedorow genügen allerdings in vielen Fällen nicht. Anderer-
seits verzichtet man anf die Benutzung genauerer Meßvorrichtungen
wegen der Unmöglichkeit bequemen, raschen Arbeitens sowie der
Vermeidung größerer Unkosten bei ihrer Anschaffung.
Der Glimmer ko m pensator (elliptischer Analysator) nach
H. de Senarmont1, bestehend aus Viertelundulationsglimmerblättchen
und drehbarem Analysator, kommt nur für das dem ^ ^.-Blättchen ent-
sprechende einfarbige Licht in Frage.
Der BABiNET’sche Quarzkeil- Kompensator eignet sich
in den gewöhnlich ausgeführten Größenverhältnissen nicht zur Er-
kennung geringer Doppelbrechung, da Gaugunterschiede unterhalb
ca. 25 eine auf den ersten Blick kaum noch wahrnehmbare,
wenn auch durch wiederholte Einstellungen noch meßbare Ver-
schiebung des Kompensationsstreifens bewirken. Die in jüngster
Zeit durch H. Schulz2 gesteigerte Empfindlichkeit dieses Kompen-
sators für geringe Gangunterschiede mit Hilfe der LuMMER!schen
Doppelringc kommt wegen der Kompliziertheit der Anordnung für
mikroskopische Zwecke nicht in Betracht. Sehr vorteilhaft dagegen
ist die Benutzung eines Kompensators nach Babinet-Biot mit
gleichförmigem Gesichtsfeld in Verbindung mit dem Glimmer-
okular nach J. Königsberger3. Allerdings macht die Anwendung
auch dieses Kompensators entweder ein ständiges Arbeiten mit dem
Aufsatzanalysator notwendig, oder sie erfordert beim Übergang von
der Beobachtung des Dünnschliffs zur Messung der Doppelbrechung
und umgekehrt einen fortwährenden Umbau am Mikroskop.
Der speziell für petrographische Zwecke bestimmte Doppel-
quarzkeil-Kompensator nach Fr. E. Wright4 läßt auch
1 Vergl. F. Pockels, Lebrb. d. Kristalloptik. Leipzig und Berlin
1906. p. 227.
2 H. Schulz, Pbys. Zeitschr. 13. p. 1017. 1912.
3 J. Königsberger, dies. Centralbl. 1908. p. 729 und 730; 1909.
p. 249, 746.
4 F. E. Wright, Amer. Journ. Sei. (4.) 26. p. 370. 1908 ; vergl. auch The
methods of petrographic-microscopic researeb. Washington D. C. 1911. p. 101.
hauptsächlich mit Hilfe des Polarisationsmikroskops.
389
geringe Beträge der Doppelbrechung erkennen. Die Meßgenauig-
keit dagegen ist weit geringer als die des Kompensators nach
Babinet, abgesehen davon, daß die Kompensatorteilung nur fin-
den optischen Schwerpunkt weißen Lichts gültig ist. Im Interesse
raschen Arbeitens ist man ferner genötigt, auf die Vorteile des
Tnbusanalysators auch während der Beobachtung des Dünnschliffs
zu verzichten.
Der drehbare Quarzkompensator nach W. Nikitin1
hat den Vorzug großer Einfachheit; er beruht auf demselben Prinzip
wie das schon von Biot2 angegebene drehbare einachsige Kristall-
blättchen zur Bestimmung des optischen Charakters. W. Nikitin
benutzt eine Quarzplatte von etwa 0,07 mm Dicke, deren Normale mit
der Achse einen Winkel von 25° bildet. Diese Kompensatorplatte
wird in den für Gips und Glimmer vorgesehenen Schlitz über dem
Mikroskop-Objektiv eingeschoben; man ist daher nicht an die
Benutzung eines Aufsatz-Analysators gebunden. Indem man
die Quarzplatte bis zu 60 0 um die zur Plattennormale und optischen
Achse senkrechte Gerade neigt, kann man den kompensierenden
Gangunterschied von 0 bis etwa 550 /tiu variieren. Der Meß-
bereich umfaßt also annähernd nur die erste Ordnung.
Die Neigung i der Kompensatorplatte kann mit Hilfe eines an der
drehbaren Achse befestigten Zeigers an einer geteilten Kreisbogen-
teilung, allerdings nur roh, abgelesen werden. Um hieraus den
Gangunterschied _T zu berechnen, muß man nach W. Nikitin so-
wohl die Dicke 1 des Kompensatorblättchens wie auch die Orien-
tierung seines Schnittes genau kennen. Bedeuten io und e die
beiden Hauptbrechungsindizes des Quarzes und den Winkel
zwischen der optischen Achse des Quarzes und der Plattennormale
des Kompensators, so ist nach W. Nikitin3 4
_ 1 (t—oi) sin* (<f J)
sin J =
CO
Diese Beziehungen geben für T eine Annäherung bis auf etwa
1 °/o, abgesehen allerdings von den größeren Fehlern, die aus der
Ungenauigkeit der Ablesung von i sowie der ungenauen Kenntnis
der Daten 1 und Wo entspringen. In der demnächst erscheinenden
1 W. Nikitin, Zeitschr. f. Krist 47. p. 378. 1910.
2 Vergl. in H. Eosenblsch und E. A. Wülfing, Mikrosk. Phys. usw.
Stuttgart 1904. I. 1. p. 298.
3 W. Nikitin, Zeitschr. f. Krist. 47. p. 379. 1910; 33. p. 145. 1900.
4 In Zeitschr. f. Krist. 47. p. 379. 1910 steht, wohl versehentlich,
J bedeute die Plattenneigung. Daß dagegen obige Beziehung zur Bestim-
mung von .T anzuwenden ist. geht aus der von W. Nikitin in Zeitschr. f.
Krist. 33. p. 137. 1900 gegebenen Ableitung der Näherungsformel hervor.
390
M. Bereit, Zur Messung der Doppelbrechung
von L. Duparc und V. de Dervies besorgten Übersetzung des
Werkes von W. Nikitix „Über di« Methoden Fedorow’s“, deren
Inhalt im Auszuge kürzlich von L. Duparc und R. Sabot 1 ver-
öffentlicht wurde, ist dieser Kompensator besonders berücksichtigt.
Der Anwendungsbereich der genaueren Kompensatoren ist bis-
her fast nur auf besondere Messungsarbeiten beschränkt geblieben.
Wenn die Messung von Gangunterschieden auch bei den petro-
grapliischen Untersuchungen Aussicht auf eine häufigere Anwendung
haben soll, so müßte ein Kompensator zur Verfügung stehen, der
folgenden Ansprüchen gleichzeitig genügt :
1. Die Empfindlichkeit des Kompensators soll an die
des BABiNET’schen möglichst heranreichen.
2. Er soll einen Meßbereich von ca. 3 Ordnungen um-
fassen und für einfarbiges oder weißes Licht benutzbar sein.
3. Er soll auch geeignet sein zur Erkennung und Messung
geringer Doppelbrechung.
4. Seine Wirksamkeit muß sich durch eine genaue mathe-
m a t i s c h e F o r m e 1 darstellen lassen , deren Konstanten leicht
und genau bestimmbar sind.
5. Er soll ein bequemes, rasches Arbeiten ermöglichen; ins-
besondere darf seine Benutzung nicht an die Anwendung
eines Aufsatz - Analysators oder auszuwechselnden
besonderen Okulars gebunden sein.
6. Er darf als Nebenapparat nicht zu kostspielig sein.
Die Erfüllung der sehr wesentlichen Bedingung 5 ist an die
Benutzung des Bio-r’schen Kompensatorprinzips gebunden. Ein
drehbares Mineralblättchen mit größerem Meßbereich und
höherer Genauigkeit der Messungswerte als derjenigen
des Kompensators nach W. Nikitix würde für petrographische
Zwecke einen sehr geeigneten Kompensator bedeuten.
I. 1. Prinzip eines neuen Kompensators.
Dem neuen Kompensator soll das Biorisclie Prinzip eines
drehbaren Mineralblättchens zugrunde gelegt werden. Im Gegen-
satz zu dem Kompensator nach W. Nikitix ist es zunächst vorteil-
hafter, den Schnitt des Kompensatorblättchens, wie auch ursprüng-
lich von Biot1 2 vorgeschlagen wurde, senkrecht zur optischen
Achse zu legen. Dann wird man von dem Fehler in der Kennt-
nis der Null-Lage des Kompensators unabhängig, weil man die
Einstellung auf Kompensation durch Drehung nach jeder von beiden
Seiten von der Null-Stellung aus, ausführen kann. Bei einem so
bestimmten halben Drehungswinkel sind auch einseitige Einstellungs-
1 L. Duparc und R. Sabot, Arch. de Geneve. 34. p. 5. 1912.
* Yergl. in H. Rosexbusch und E. A. Wülfing, Mikrosk. Phys. usw.
Stuttgart 1904. I. 1. p. 298.
hauptsächlich mit Hilfe des Polarisationsmikroskops.
391
fehler besser vermieden. In diesem Falle würde jedoch der Meß-
bereich des drehbaren Quarzkompensators auf etwa die halbe
1. Ordnung herabgesetzt werden. Eine Erweiterung des Meß-
bereiches durch die Wahl dickerer Quarzblättchen ist deshalb nicht
möglich, weil sonst das optische Drehungsvermögen des Quarzes
die Meßresultate merklich beeinflussen würde. Daher ist man ge-
nötigt, ein anderes geeignetes Kompensator mineral zu
benutzen. Optische Einachsigkeit und Inaktivität müssen Be-
dingung sein.
Quarz wird bekanntlich deswegen in der Regel für Kom-
pensatoren verwandt, weil er eine sehr geringe Dispersion der
Doppelbrechung besitzt, und somit die auftretenden Interferenz-
farben sehr nahe der XEWTON’schen Farbenskala entsprechen.
Diese Ausnahmestellung des Quarzes in der Reihe der optisch ein-
achsigen Mineralien gilt jedoch nur für Platten parallel zur optischen
Achse. Bei Benutzung senkrecht zur Achse geschnit-
tener Platten kann man offenbar jedes beliebige durchsichtige
Mineral benutzen, denn in der Nähe der Achse verschwindet
mit der Doppelbrechung zugleich ihre Dispersion.
Bedeuten io und e die beiden Hauptbrechungsindizes,
ne den Index des außerordentlichen Strahles für eine
Wellennormalenrichtung tf> in bezug auf die Achse,
so ist bekanntlich
a , cos «a* , /sin «A*
Vhr) + (—)
i)
E.
Carvallo 1 hat für Kalkspat
A oj
folgende Daten
£ OJ — t
A (760,4 u/u)
D (589.2 B )
H (396,7 „ )
Dispersion von
1,65006 1,48275 0.16731
1,65840 1,48653 0.17187
1,68321 1,49788 0.18533
oj — £ zwischen A bis H: 0,01802.
ermittelt :
Mit Hilfe dieser Werte ist nach obiger Formel die Tab. 1
(p. 392) berechnet.
Da die Wellennormale das gewöhnliche Brechungsgesetz be-
folgt mit dem jeweiligen ne als Index, so ist der in der letzten
Spalte der Tab. 1 angegebene Einfallswinkel i der Welle,
welcher der jedesmal angegebene Betrag der Doppelbrechung zu-
kommt, für D (589 ft ft) berechnet aus
sin i = ne sin <p 2)
Der Winkel i gibt demnach für eine senkrecht zur Achse
geschnittene Kalkspatplatte von 1 mm Dicke direkt die zur Er-
1 Vergl. in Landolt-Börxstein, Phys. -ehern. Tabellen. 4. Aull. Berlin
1912. p. 973.
392 M. Berek. Zur Messung der Doppelbrechung
Tabelle 1.
Doppelbrechung w — ne und deren Dispersion für ver-
schiedene Wellennormalenrichtungen cp im Kalkspat.
i:zu geh Orige Einfallswinkel fiirD (589 f.ipi) bei einer senk-
recht zur Achse geschnittenen Platte.
y
ne für D
w— n. für D
Dispersion
zwischen A bis H
i
1 0
1,65833
0,00007
0,00001
1° 40'
2
1,65815
0,00025
0,00003
3 19
3
1,65785
0,00055
0,00006
4 59
4
1,65741
0,00099
0,00012
6 38
5
1,65686
0,00154
0,00019
8 18
6
1,65618
0,00222
0,00027
9 58
8
1,65448
0,00392
0,00047
13 19
10
1,65232
0,00608
0,00074
16 40
12
1,64970
0,00870
0,00105
20 4
15
1,64498
0,01342
0,00160
25 12
18
1,63936
0,01904
0,00226
30 26
zeugung der entsprechenden Doppelbrechung notwendige Neigung
der Kompensatorplatte an. Aue der Tabelle ersehen wir, daß mit
der Annäherung an die Achse die Dispersion der Doppelbrechung
immer geringer wird.
Für eine parallel zur Achse geschnittene Quarzplatte
ist für das Licht der D-Linie der Betrag der Doppelbrechung 0,0091 1
und die Dispersion der Doppelbrechung zwischen A und
H: 0,00065. Durch Vergleich dieses Dispersionsbetrages mit den
Tabellenwerten ersehen wir, daß ein Kalkspatkeil, in dem die
Wellennormale einen Winkel von 10° mit der optischen Achse
bildet, im parallelen polarisierten Licht dieselbe Farbenskala liefert,
wie ein parallel zur optischen Achse geschnittener Quarzkeil. Daß
die Dispersion für den Kalkspat in diesem Falle prozentual zur
Doppelbrechung höher ist, als für den Quarz, ist völlig belanglos,
da für die Farbfolge nur die absolute Größe der Disper-
sion maßgebend ist. Der prozentuale Betrag beeinflußt nur die
Dicke, bei der ein bestimmter Farbton erscheint, so daß der Kalk-
spatkeil einen etwas stärkeren Keilwinkel haben müßte, um bei
gleicher Länge eine gleiche Anzahl von Ordnungen aufzuweisen
wie der Quarzkeil. Schneidet man den Kalkspatkeil noch steiler
gegen die Achse, so zeigen die Werte der Dispersion für kleineres (p,
daß dann die Annäherungen an die NEWTON’sche Farbenskala so-
gar größer werden, als für Quarz parallel zur Achse. In praxi
liegen die Verhältnisse so, daß für eine senkrecht zur Achse ge-
schnittene Kalkspatplatte selbst bei einer Plattenneigung von 30 0
hauptsächlich mit Hilfe des Polarisationsmikroskops. 395
die erzeugten Interferenztöne mit denen eines Quarzkeiles merk-
lich übereinstimmen.
Da der Betrag der Doppelbrechung zugleich den Gangunter-
schied in mm gemessen für 1 mm durchstrahlte Plattendicke an-
gibt, so erkennen wirsehr leicht aus der Tab. 1, wie dick wir
ungefähr das Kalkspatblättchen wählen müssen, um der Bedingung 2
auf p. 390 zu genügen. Wenn wir das Blättchen nicht mehr als
ca. 30° beiderseits neigen wollen, so ist eine Dicke von ca. 0,1 mm
erforderlich, um durch diese Drehung i nach beiden Seiten von der
Null-Stellung aus je einen Bereich von 3 bis 4 Ordnungen
zu erzielen.
Zusammenfassend stellen wir fest, daß der drehbare Kalk-
spatkompensator eine Farbfolge aufweist, die mit der des
BABiN-ET’sclien Kompensators identisch ist und vor dem dreh-
baren Quarzkompensator nach W. Nikitix den Vorzug hat, durch
beliebige Wahl der Plattendicke den Meßbereich zu
ändern.
Was die Berechnung der Gangunterschiede anbetrifft,
so würde die Anwendung der von W. Nikitix angegebenen Formel
in der p. 389 mitgeteilten Form für unseren Kompensator nicht zu-
lässig sein. Denn sie stellt nur für ganz schwach doppel-
brechende Mineralien eine Näherungsformel dar. Bei der
Benutzung von Kalkspat müßte ein Korrektionsfaktor1 eingeführt
werden, der wiederum von oj und e und der Neigung i abhängt.
Dadurch würde die Kompensatorformel noch komplizierter und die
Berechnung sehr erschwert werden. Ich stellte es mir daher zur
Aufgabe, eine genauere und einfachere Beziehung aus
den Brechungsgesetzen abzuleiten, deren Anwendung außer-
dem die Kenntnis der Plattendicke des Kompensatorblättchens
nicht erfordert.
2. Ableitung der Kompensatorformel.
Bedeutet r den Gangunterschied, im Maße der Wellenlänge A
gemessen, so ist für irgend einen Wert der Doppelbrechung
r = x ;. 3)
Die unbekannte Größe x ist bestimmbar aus der K o m-
pensatorablesung bei der Messung, sowie aus der Kompen-
satorkonstante. Für den Kompensator nach Babixet ist diese
bekanntlich gleich der in Trommelwerten gemessenen Keilverschie-
bnng N, die notwendig ist, um im einfarbigen Licht an die Stelle
eines dunklen Streifens den nächstfolgenden zu bringen. Es leuchtet
ohne weiteres ein , daß wir diese Definition auch auf unseren
Kompensator übertragen können. Nur haben wir die Platten-
neigung i des Kompensators einzuführen.
1 W. Nikitin, Zeitschr. f. Krist. 33. p. 135. 1900.
394
M. Berek, Zur Messung der Doppelbrechung
Um die Stelle, wo der Gangunter schied gerade 1 ). ist,
in den Schnittpunkt der Okularfäden zu bringen, sei von der Null-
Lage des Kompensators aus die Neigung J erforderlich. Da
bei unserem Kompensator nicht einfache Proportionalität zwischen
Gangunterschied und Drehung vorausgesetzt werden kann, so wird
die Kompensator-Konstante eine bestimmte Funktion von .J
sein, die wir mit f (J) bezeichnen. Erfordert dann irgend ein
Gangunterschied zur Kompensation die Neigung i des Kompensator-
blättchens, so ist offenbar
Die Art der Funktion f wollen wir nun aus den Gesetzen
der Lichtfortpflanzung in optisch einachsigen inaktiven Medien
ableiten.
Die resultierende Doppelbrechung im Kompensator hängt ab
von io, ne und der durchstrahlten Schichtdicke 1'. Die wirkliche
Dicke der Kompensatorplatte sei 1; meßbar ist allein die
Neigung i. Dann gelten für eine beliebige Wellemiormalen-
richtung <p in bezug auf die optische Achse des Kristalls die drei
Gleichungen :
sin i 1
sin if ’ cos (p 5)
Der resultierende Gangunterschied wird dann
T=l' (tu ne)
COS (/ {
cos1 if -)- I ™ j sin1 if
}
Aus 5) folgt :
6)
U)
1 —
1 1
lr "
sin1 i
COS- (f>
1 1
-= — r I sin2 * * 1
«■ <0
Aus G) und 7) erhält man
r= J 1 - \ /l - ( 1 - 1 ) sin5 i ]
COS (f \ \ \ O) 1 j I
und schließlich
ein2 i\ — i
8)
hauptsächlich mit Hilfe des Polarisationsmikroskops.
395
Bis daliin gilt die Gleichung' streng. Wir entwickeln nun die ge-
brochenen Potenzen nach dem binomischen Satz, multiplizieren aus
und fassen die Glieder mit gleicher Potenz von sin i zusammen. Indem
wir den Ausdruck daun bei der 8. Potenz abbrechen, erhalten wir :
Wir wollen hierfür zur Abkürzung schreiben:
r=C sin2 i {1 -f- a sin2 i -j- b sin4 i -}- c sinc i} = C f (i) 11)
Die für eine bestimmte Lichtart konstante Größe C elimi-
nieren wir, um von der genauen Kenntnis der Plattendicke I
und der Indizes to und s unabhängig zu sein.
Wenn von der Xull-Lage des Kompensators die Drehung J
erforderlich ist, um diejenige Stelle mit dem Okularfadenschnittpunkt
zum Zusammenfallen zu bringen, wo r — 1 K ist, so gilt nach 11)
A = C f (J) 12)
Aus 11) und 12) folgt
13)
II)
Das sind aber die Beziehungen, deren Ableitung wir uns zum
Ziele gesetzt haben.
Die Klammerglieder mit den Koeffizienten a, b, c, die noch
Funktionen von to und e sind, spielen nur die Rolle von Kor-
rektionsgliedern. Wir wollen sehen, wie weit wir ihren Ein-
fluß zu berücksichtigen haben. Als zwei extreme Fälle wählen
wir die FitAUNHOFER’schen Linien D und H und berechnen den
Klammerausdruck für verschiedenes i. So erhalten wir unter Be-
nutzung der p. 391
angeführten Werte
von to
und s :
i
10°
©
0
01
Maximaler Fehler
SO1 bei Vernachlässigun
für D
1,0000
1.0000
1,0030
des Gliedes
asin'-’i . . . .
61
239
510
50 °;«o
b sin4 i . . . .
1
10
44
4
csin°i . . . .
—
—
4
0,4
Summe . . .
1,0062
1,0249
1,0558
für H
1.0000
1,0000
1,0000
asin2i . . . .
60
234
499
C*
o
__ o
o
bsin4i . . . .
1
9
43
4
csin°i . . . .
—
—
4
0.4
Summe . .
1,0061
1,0243
1,0546.
Maximale Differenz für
D und H
0,0012
— ca. 1 °/oo-
f (i)
r= „ v> *
KJ)
worin
f ( ) = sin2 ()•(! + a sin5 ( ) — {— b sin4 ( ) + • • • }
396
M. Berek. Zur Messung der Doppelbrechung etc.
Selbst für eine Neigung von i = 30° macht demnach für die
Korrektionsglieder der Einfluß der Dispersion von io und e
zwischen D und H erst ein Promille des Gangunterschiedes
aus. Wir können daher in den Korrektionsgliedern die
Dispersion von w und e und somit auch etwaige Schwankungen
der Werte io und e selbst vollkommen vernachlässigen. Erst
recht kann dann das Korrektionsglied c sin6 i unberücksichtigt
bleiben. Wir erhalten somit
f (i) = sin2 i {1 + 0,2040 sin1 i -f 0,0708 sin1 i) 15)
Da schon eine Genauigkeit von 4 Promille in Wirklichkeit
mit gewöhnlichen Mitteln nicht mehr realisierbar ist, so genügt
in den allermeisten Fällen der Ansatz
f (i) = sin2 i {1 4- 0,2040 sin2 i)
16)
Bei der Beschränkung auf die Messung von Gangunterschieden
in der ersten Ordnung oder für weniger exakte Zwecke auch bei
hohen Gangunterschieden genügt bereits
f (i) = sin1 i 17)
Die Berechnung der Kompensatorkonstante f (J) er-
folgt nach den gleichen Formeln 15, 16 oder 17, indem man darin
für i den Neigungswinkel J einsetzt, der im einfarbigen Licht der
Einstellung auf den ersten dunklen Streifen entspricht. Wenn
man zur genaueren Bestimmung von f (J) auch die anderen Streifen
zwischen parallelen oder gekreuzten Nicols berücksichtigen will,
so hat man für jedes J', wo _T=nZ ist, zu setzen
f(J')
f(J)
18)
Wenn die Kompensatorkonstante f (J) für eine bestimmte
Lichtart einmal bekannt ist, so bedeutet für irgend eine Neigung i
die Berechnung des Gangunterschiedes nach 13) keine
Schwierigkeit, zumal bei der Beschränkung aufs erste Kor-
rektionsglied (Gleichung 16), was auch für sehr genaue Mes-
sungen völlig ausreicht. Wie auch die Ausführung dieser
Rechnung dem Arbeitenden erspart wird, ist im nächsten
Abschnitt erläutert.
Aus 10) kann man unter Berücksichtigung von 12) sehr leicht die
genaue Dicke des benutzten Kompensatorblättchens berechnen. Es ist
21
19)
1 = -
So ergab sich für das zu den späteren Vergleichsmessungen benutzte
Blättchen mit einem Meßbereich von mehr als vier Ordnungen 1 = 0.1196 mm.
(Fortsetzung folgt.)
1 Für Quarz lautet die entsprechende Gleichung:
f (i) = sin2 i {1 -f- 0,2084 sin1 i).
E. Zimniennann, Die Culmfauna von Hagen i. W.
397
Die Culmfauna von Hagen i. W.
Einige Bemerkungen zu dem gleichlautenden Aufsatz des Herrn Neue.
Von Ernst Zimmermann in Berlin.
In einer beachtenswerten Arbeit über die „Culmfauna von
Hagen i. W., ein Beitrag zur Kenntnis des westfälischen Unter-
carbons“ 1 zieht Herr Nebe auch das Untercarbon des Velberter
Sattels2 hinsichtlich der stratigraphischen Stellung und der
Lagerungsverhältnisse seiner Horizonte in den Kreis näherer
Erörterungen.
Nebe glaubt Grund zu der Annahme zu haben, daß am
Velberter Sattel die Zone im Hangenden des Kohlenkalkes — der
Kieselschiefer und der Alaunschiefer — nicht mit dem Namen
Culm bezeichnet werden darf, weil „schon die Lagerung des
Schieferbandes über Kohlenkalk mit Productus giganteus zeigt,
daß jenes nicht dem Culm, sondern dem Obercarbon angehört . .
„Da aber auch manche paläontologische Tatsachen für das ober-
carbone Alter der in Kede stehenden Schieferzone sprechen, so
bin ich überzeugt, daß das Band von Alaun- und Kieselschiefern
im Hangenden des Kohlenkalkes zum Obercarbon zu ziehen ist.
Es stellt ein Äquivalent der bekannten Zone von Chokier in
Belgien dar.“
Es scheint mir, daß Nebe bei der Begründung dieser Gleich-
stellung den bisherigen Fossilfuuden ein viel zu großes Gewicht
beilegt, im Gegensatz dazu aber den Lagerungsverhältnissen zu
wenig Beachtung schenkt, wenn diese nicht gerade für seine Auf-
fassung zu sprechen scheinen.
Schon Beushausen betonte: „So wertvolle Fingerzeige die
Paläontologie auch an die Hand gibt, so bildet doch die Stratigraphie
die einzig sichere Basis für die geologische Systematik; das Auf-
sammeln von Petrefakten ohne gleichzeitige genaue stratigraphische
Untersuchung der sie beherbergenden Schichten wird nie zu ganz
einwandfreien Resultaten führen können, und vor allem dürfen die
in einem Gebiet in bezug auf die geologische Verbreitung der
Organismen gewonnenen Resultate nie ohne weiteres auf ein
anderes Gebiet übertragen werden3.“ Deshalb ist es immer ein
Wagnis, aus Fossilien, deren Fundstellen nicht genau bekannt
sind und deren Einreihen in den mannigfachen Schichtenverband
des westfälischen Culms deshalb nur vermutungsweise geschieht,
1 N. Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXI. 1911. p. 421 — 495.
2 Zimmermann, Kohlenkalk und Culm des Velberter Sattels. Jahrb.
d. Kgl. geol. Landesanst. 1909. 30. II. 2. p. 369 — 432. — Zimmermann,
Das Untercarbou von Ratingen bis Aprath. Glückauf. Essen. 1909. II
p. 1480—1484.
1 Beüshausen, Lamellibranchiaten des rhein. Devon. Abh. d. preuß.
geol. Landesanstalt. 1895.
398
E. Zimmermann.
allgemeine Schlüsse über stratigraphische Verhältnisse zu ziehen,
da diese Leitfossiltheorie dann auch einseitig wird.
Zunächst muß Verf. hinsichtlich der paläontologischen
Untersuchungen des Herrn Nebe über Glypliioceras sphaericum Mart.
und Gr. crenistria Phill. hervorheben, daß sich eine sichere Trennung
und Charakterisierung dieser beiden „Culmgoniatiten“ nicht durch-
führen läßt; vielmehr erheischen die vielfach vorhandenen Über-
gänge eine Zusammenziehung dieser beiden Formen, von denen
Gr. sphaericum Mart, als zuerst beschriebene 1 bestehen bleibt.
Aus der Abbildung Martins geht hervor, daß ein Exemplar
mit konzentrischer Skulptur vorlag. Phillips, der später
auch ein Exemplar von Gr. sphaericum abbildet ", stellt daneben
eine neue Art G. crenistria auf, die sich, abgesehen von der
geringeren Größe, hauptsächlich durch eine radiale Streifung
auszeichnet. Aus einer vergrößerten Abbildung der Skulptur er-
sieht man , daß die radialen Streifen bezw. Linien von Kerben
angeschnitten werden, die den konzentrischen Streifen entsprechen,
sodaß eine „netzförmige“ 2 Struktur entsteht.
Die gleichen Beobachtungen konnte ich an Exemplaren machen,
die mir aus der Sammlung des Geologischen Instituts der Universität,
der Geologischen Landesanstalt und der Kgl. Bergakademie zu
Berlin Vorlagen — auch eine Anzahl Originale aus dem Geologischen
Institut der Universität Breslau wurde mir in liebenswürdiger
Weise von Herrn Professor Frech zugesandt, wofür ich ihm auch
an dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank sage. Bei diesem
reichhaltigen Material lassen sich hinsichtlich der Skulptur
Übergänge beobachten in der Weise, daß die radiale Streifung
bei „Gr. crenistria “ mit dem Alter allmählich zugunsten der
konzentrischen Skulptur zurücktritt. Bei einem im Durchmesser
3,6 cm großen G. sphaericum von Hagen (Sammlung des Geol.
Instituts der Universität Berlin) kann man auf der letzten Windung
sogar sehen, daß mehrfach bald die konzentrische, bald die
radiale Skulptur auf der Externseite hervortritt. Ein anderes
Exemplar von Vise (aus derselben Sammlung) zeigt auch, ebenso
wie eins von Grund (Sammlung der Landesanstalt), daß sich die
Skulptur im Laufe des Wachstums ändert, und zwar in der ange-
gebenen Weise, so daß die Annahme berechtigt ist, daß diese
Sk ulpturänder ungen mit Altersstadien im innigsten
Zusammenhang stehen und daher keinen Maßstab für
die Artbestimmung ab geben können.
Auch bei der Suturlinie lassen sich, wie neuere Unter-
1 Martin, Petrificata Derbiensia. I. 1809. t. 7. f. 3 — 5 [Conchyliolithus
Nautilites (sphaericus)].
2 Phillips, Illustrations of the Geology of Yorkshire. Part. II. 1836.
t. 19. f. 4—6. p. 234.
Die Culmfauna von Hagen i. W.
399
suchungen 1 ergeben haben, geringfügige Änderungen feststellen in
der Weise, daß die Externsättel mit dem Alter eine Zuspitzung-
erfahren. Diese Zuspitzung beeinflußt aber nicht den Gesamt-
charakter der Lobenlinie und ist deshalb, wie Herr Xebe selbst
zugesteht, für die Artbestimmung von untergeordneter Bedeutung.
Einschnürungen sind zu unbeständig, als daß sie für die
Artbestimmung verwandt werden könnten.
Das beiden „Arten“ Gemeinsame im Wachstum der Schalen:
die allmähliche Abflachung, das Zurücktreten einer deutlichen
Skulptur beim Altern hat Herr Xebe selbst genügend betont und
hervorgehoben, daß beim Fehlen der Skulptur jugendliche und,
wie seine Bestimmungen zeigen, auch ältere Exemplare nach der
Gestalt gar nicht spezialisiert werden können.
Es zeigt sich also, daß die geringen Unterschiede in der
Schalen- und Skulpturbildung wie in der Suturlinie auf Wachstums-
erscheinnngen zurückzuführen sind, und eine Aufrechterhaltung der
beiden „Arten“ nicht genügend begründet erscheint, zumal sie
stratigraphisch in demselben Xiveau Vorkommen. Deshalb haben
sich schon vor längerer Zeit Saxdberger 2, Barrois 3, in neuerer
Zeit besonders Frech4, schließlich Smith5 in diesem Sinne ge-
äußert, und man muß den Ergebnissen ihrer Untersuchungen ge-
nügende Beweiskraft zuerkennen.
Auch hinsichtlich der stratigraphischen Untersuchungen
des Herrn Xebe kann sich Verf. nicht mit den Resultaten, soweit
das Untercarbon des Velberter Sattels in Betracht kommt, be-
freunden.
Xebe läßt nämlich bei seinen Schlußfolgerungen unberück-
sichtigt, daß die Zone der Kiesel- und Alaunschiefer
des Velberter Sattels sich fortlaufend bis zum
C u 1 m von Letmathe-Iserlohn verfolgen läßt. Dieses wurde
durch die Aufnahmeergebnisse der Kgl. Geol. Landesanstalt in letzter
Zeit bestätigt.
Paläontologische Beweise für das obercarbone Alter der
.Schieferzone“ im Hangenden des Kohlenkalkes fehlen bis
1 Frech, Über devonische Ammoneen. Beitr. Pal. u. Geol. v. Österr.-
ÜDgarn. 14. 1902. p. 84. — Das marine Carbon in Ober-Ungarn. Földtani
Küzlöny. 36. 1906. p. 147.
2 Saxdberger, Die Versteinerungen des Rheinischen Schichtensystems
in Nassau, p. 77. Bemerkungen.
3 Barrois, Recherches sur les terrains anciens des Asturies et de la
Galice. 1882. p. 293.
4 Frech, Über devonische Ammoneen, a. a. 0. p. 84. — Das marine
Carbon i. O.-Ungarn, a, a. 0. p. 147. — Nach brieflicher Mitteilung von
Herrn Professor Frech stützt sich seine Anschauung u. a. auf die Unter-
suchung der Originale im Natural History Museum in London.
3 Smith, The carboniferous Ammonoids of America. 1903. p. 69.
400
E. Zimmermann.
jetzt noch immer. Ferner machen sich abgesehen davon, daß Kiesel-
schiefer in der Chokier-Stufe nicht auftreten, gegen die Zustellung
des Velberter Culms zur Chokier-Stufe schwerwiegende Tatsachen
schon insofern geltend, weil Kalkknollen, wie sie für die Chokier-
Stufe charakteristisch sind, sich im Velberter Culm nicht beobachten
lassen, dagegen im Hangenden dieser Schichten, im Unteren
Flözleeren auftreten, wo sie Herr Dr. Wunstorf südlich von
Kettwig beobachtet hat. Leider fanden sich bis jetzt keine
Fossilien darin.
Daß Productus giganteus in den Plattenkalken des Culms —
also im Hangenden der Kieselschiefer, die als fast ununterbrochen
zusammenhängendes Band von Osten nach Westen verfolgt werden
können — , auftritt, spricht nur dafür, „daß die vertikale Ver-
breitung einer Art nicht in allen Gebieten die gleiche zu sein
braucht“1, — eine Tatsache, die Xebe nicht nur bei Glyphioceras
spirale und G. diadema annehmen sollte.
Das so seltene Auftreten von Productus giganteus im west-
fälischen Culm darf nicht als Beweis dafür angesehen werden,
daß die Plattenkalke des Culms mit dem Kohlenkalk gleichalterig
sind; denn die Lagerungsverhältnisse widersprechen dieser Deutung,
abgesehen davon , daß P. giganteus im Kohlenkalk relativ viel
häufiger auftritt.
Nach meiner Auffassung entspricht der Kieselschiefer des
Velberter Sattels der Zone der vorwiegenden Kieselschiefer bei
Letmathe, ebenso wie die Zone der reinen Alaunschiefer bei
Velbert den hangenden Tonschiefern und Alaunschiefern des Culms
bei Letmathe.
Deshalb ist es schwer verständlich, wie man von mir sagen
kann, daß ich den Velberter und den westfälischen Culm ins Ober-
carbon gestellt hätte, eine irrtümliche Auffassung, wie sie auch in
der letzten Auflage von Kaysers Lehrbuch zum Ausdruck gekommen
ist. Mit keinem Wort habe ich gesagt, daß infolge der Über-
lagerung des Kohleukalkes durch Culm jetzt der Culm ius Ober-
carbon zu setzen sei.
Daß die Culra-Plattenkalke kein Äquivalent des Ratinger
Kohleukalkes sind, geht unzweifelhaft aus den Lagerungsverhält-
nissen der Herzkämper Mulde hervor , die für meine Schluß-
folgerungen bestimmend gewesen sind, und die ich hier noch
einmal wiederhole.
„Es wurde festgestellt, daß der Culm konkordant den Kohlen-
kalk überlagert, daß speziell in der Herzkämper Mulde, in der
der Kohlenkalk in seinen typischen Bänken noch vorhanden ist,
dieser in seinem Hangenden Culmbildungen aufweist und zwar
Kieselschiefer, Kieselkalke und Alaunschiefer.“
1 Xebe a. a. 0. p. 489.
Die Culmfauna von Hagen i. W.
401
„Da in der Herzkämper Mulde an Culmbildungen überhaupt
nur Kieselschiefer, Kieselkalke uud Alaunschiefer vorhanden sind,
so ergibt sich der Schluß, daß der Culm jünger als der
Kohlenkalk und nicht gleichzeitiger Entstehung
ist, wie bis jetzt allgemein angenommen wurde1.“
„Da ferner der rechtsrheinische Kohlenkalk in seinem Haupt-
anteil die Vise-Stufe repräsentiert, so ergibt sich auch, daß der
Culm jünger ist als der linksrheinische Kohlenkalk, insbesondere
jünger als der belgische Kohlenkalk.“
Die so verschieden entwickelte Fazies dieser untercarbonischen
Schichten, die nicht nur in petrographischer, sondern auch in
faunistischer Beziehung hervortritt, zwingt in diesem Gebiet be-
sonders dazu, auf die Entwirrung der L a g e r u n g s v e r h ä 1 1 -
nisse vorzugsweise Gewicht zu legen.
Deshalb darf Nebe bei seiner Vermutung, daß allenfalls
wohl die liegenden Alaunschiefer und vielleicht noch ein Teil des
Kieselschieferhorizontes zur Etroeungt-Stufe zu stellen sei, auch
nicht die Fossilliste von Schmidt als Beweis heranziehen, da Schmidt
eine Etroeungt-Fauna bei Elberfeld in einem Schichtenkomplex
ausgebeutet hat, der über 100m unter den „liegenden Alaun-
schiefern“ des Culms ansteht. Auch die vorher erwähnten Gründe
werden keine befriedigende Lösung in dieser Beziehung er-
warten lassen.
Wir werden vielmehr zu der Vermutung geführt, daß die
Tournai- und Etroeungt-Fauna sich im Culm am Nordrande
des Rheinischen Schiefergebirges nicht vorlinden kann,
falls nicht glückliche Fossilfunde in den „liegenden Alaun schiefem“
diese Erwartung täuschen sollten. Lassen sich aber auch dort in
den liegenden Alaunschiefern nicht diese untersten Carbonstufen
nacliweisen, so sind wir zu der Annahme gezwungen, im Liegenden
des Culms, in den Wocklumer Schichten noch carbonische Faunen-
elemente vorzufinden , wenn wir nicht eine Transgression des
Culms, eine Diskordanz zwischen Culm- und Oberdevonschichten
annehmen müssen, eine Frage, für deren Lösung vielleicht die
scharfe Grenze, das unvermittelte Auftreten der liegenden Alaun-
schiefer im Hangenden der Wocklumer Schichten einen Beitrag liefert.
Bei der Sedimentation, die nach unserer heutigen Kenntnis
fast ununterbrochen erfolgte, ist nicht nur die Grenze zwischen
Devon und Carbon schwer zu ziehen, sondern auch aus dem
gleichen Grunde zwischen Untercarbon und Obercarbon. Daß bei
dem Auftreten einer Mischfauna eine scharfe Trennung in beiden
Fällen schwer durchzuführen ist und bis zu einem gewissen Grade
willkürlich bleibt, darin kann man Herrn Nebe nur beipflichten.
1 Zimmermann, Koldenkalke und Culm des Velberter Sattels, p. 430.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913.
26
402
H. L. F. Meyer,
Kalkalgen im Wellenkalk der Rhön.
Von Hermann L. F. Meyer-GießeD.
Im oberschlesischen Mittleren Muschelkalk ist das Vorkommen
von Kalkalgen recht häufig. Aus dem übrigen Deutschland sind
diese Fossilien nur durch Benecke1 (1898) und durch Hohenstein2
im Jahre 1911 bekannt geworden. Hohenstein führt nicht nur
wie B. Diplopora aus dem Mittleren Muschelkalk, sondern auch
aus dem Trocliitenkalk eine dicliotom verzweigte Kalkalge mit
geringelter Oberfläche an.
Diese Notiz gibt mir Veranlassung, auf einen Fund hinzuweisen,
den ich im Frühjahr 1911 in der Rhön machte. Die Fossilien sind
zwar nicht sonderlich gut erhalten und erlauben vorläufig keine
generische Bestimmung. Aber ihr auffälliges Vorkommen in kon-
glomeratischen Bänken und die bisher bekannte nur geringe Ver-
breitung scheinen mir doch eine kurze Veröffentlichung zu recht-
fertigen. Ich möchte dadurch eine Anregung geben, in anderen
Gebieten ebenfalls auf diese Gebilde zu achten. Im Wellenkalk
Niederhessens und des Lauterbacher Grabens, den ich selbst
inzwischen sah, fand ich keine Algen.
Vorkomme n.
Die Fundpunkte liegen im südlichen Teile des Blattes
Gersfeld und zwar in der Nähe von Kippelbach. Die unten
beschriebenen besser erhaltenen Stücke stammen von der Südseite
des Rommerser Berges, aus der Oberen Terebratelbank, die
zum Teil konglomeratisch ist. Die Erläuterungen zum Bl. Gers-
feld geben das Auftreten derartiger Bänke in diesem Horizonte
ausdrücklich an, wie sie sich ja auch sonst häufig im mittleren
Deutschland finden. Von zwei weiteren Stellen liegen mir schlecht
erhaltene Reste vor, die nicht weiter berücksichtigt werden konnten.
Außerdem fand ich ein sehr merkwürdiges Gestein am Abhang
der Eube nach dem Gukai zu. Es handelt sich hier um einen
blaugrauen Kalk, der nach allen Richtungen völlig zerschrattet
erscheint. Die entstandenen Zwischenräume sind ausgefüllt durch
einen intensiv gelben sehr tonigen Kalk. (Man hat hier durchaus
den Eindruck, daß der blaugraue Kalk einer atmosphärischen Ver-
witterung ausgesetzt gewesen war und der starke Tongehalt des
ausfüllenden Gesteines daher stammt. Das Auftreten der kon-
glomeratischen Bänke bestätigt vielleicht diese Anschauung, denn
1 E. W. Benecke, Diplopora und einige andere Versteinerungen im
elsaß-lothringischen Muschelkalk. Mitt. d. geol. Landesanst v. Elsaß-Lothr.
4. p. 277—285. 1898.
- Viktor Hohenstein, Beiträge zur Kenntnis des Mittleren Muschel-
kalkes und unteren Trochitenkalkes am östlichen Schwarzwaldrand. Dies.
Centralbl. 1911. p. 648 — 656.
Kalkalgen im Wellenkalk der Rhön.
403
diese Gesteine verlangen das Auftauchen erst vor kurzem gebildeter
Sedimente über den Meeresspiegel. Das Material der Komponenten
entspricht auch ungefähr dem erwähnten blaugrauen Kalke.) In
diesem Kalke liegen verschiedene Reste, die vielleicht auch Algen
darstellen. Es handelt sich um kleine Stäbchen aus kristallinem
Kalke, bis 5 mm lang und ungefähr 0,15 mm breit, die eine schwache
Zuspitzung nach dem einen Ende zeigen. Höhlungen wurden nicht
beobachtet.
Das Hauptinteresse verlangen aber die Kalke am Rommerser
Berg. Die Konglomeratbänke weisen als Grundmasse eine
von zahllosen Schalenresten erfüllte Breccie auf. In ihr liegen
verteilt gut gerundete Gerolle von rötlich-blaugrauem, rotstaubig
anwütterndem Kalke. Meist haben die Gerolle nur Durchmesser
von 1 — cm, doch kommen auch solche mit 3 und 4 cm Durch-
messer vor. In diesen Gerollen (aber auch nur in diesen) finden
sich mehr oder weniger zahlreich, unregelmäßig verteilt, die als
Kalkalgen an gesprochenen Reste. Einige Gerolle ent-
halten nur sehr wenige oder gar keine, andere wieder sehr viele
Algen.
Beschreibung der Formen.
Die Formen sind durch die Herauswitterung aus dem Kalke
erkennbar geworden. Selten sind sie aber in ihrer ganzen Länge
gut erhalten, denn sie leisten der Verwitterung wenig Widerstand.
Sie bestehen aus feinkristallinem Kalk, sind also umkristallisiert,
und zeigen infolgedessen keine besondere Oberflächenskulptur und
keine besondere Struktur der Wandungen. Auch eine mikroskopische
Untersuchung zeigt keine strukturellen Besonderheiten.
Es handelt sich um zylindrisch-röhrenförmige Gebilde von fast
gleichbleibendem Durchmesser ohne Poren. Sie sind mehr oder
weniger gerade und zeigen schwache Biegungen. Verzweigungen
kommen nicht vor. Nach dem unteren Ende verschmälert sich die
Röhre nur unbedeutend und ist halbkugelförmig geschlossen. Die
größte Länge ist 6,5 mm (ein nicht sicher dazu gehöriges Indivi-
duum zeigt 7,5 mm). Der Durchmesser der Röhren beträgt nach
zahlreichen mikroskopischen Messungen im Durchschnitt 0,75 mm,
er kann aber auch auf 0,48 und 1,08 mm gehen. Die Dicke der
Wandung ist an demselben Stücke wechselnd. Es hat den Anschein,
als ob durch die Umkristallisation das ursprüngliche Maß zerstört
worden sei. Meist findet sich eine Dicke von 0,15 — 0,21 mm.
Ein beträchtliches Stück des ganzen Durchmessers wird durch
die Wandung eingenommen , so daß der Radius manchmal nur
wenig größer ist als die Wanddicke. Häuflg ist der innere
Hohlraum durch kristallinen Kalk ausgefüllt, so daß in verwitter-
tem Zustande das Vorhandensein einer Röhre nicht leicht zu er-
kennen ist.
26*
404
H. L. F. Meyer, Kalkalgen im Wellenkalk der Rhön.
Das Auftreten von Ringen oder Einschnürungen wurde nicht
beobachtet. Stets erscheint die Oberfläche glatt oder rauh und
gekörnelt. Dies ist aber wegen der Umkristallisation für die primäre
Struktur ohne Bedeutung. In einem Falle ist eine Gliederung durch
fast 1 mm entfernt stehende Einschnürungen zu sehen. Das Stück,
das sich durch die große Länge von 7,5 mm auszeichnet, ist aber
zu stark verwittert, als daß man mit Sicherheit eine primäre Er-
scheinung darin sehen könnte.
Systematische Stellung.
Über die systematische Stellung der beschriebenen
Formen ist nach dem schlechten Erhaltungszustände kein genanes
Urteil möglich. Zu den Gyropor eilen1 2 könnten sie vielleicht
gehören, die sehr geringen Dimensionen unterscheiden sie aber von
allen bekannten Formen. Gt/roporella aequalis Gümbel könnte viel-
leicht als schwach verzierte Form in Frage kommen. Gümbel
führt außerdem aus dem Himmelwitzer Dolomit Oberschlesiens eine
Form unbestimmter Stellung als sehr häufig an, die nach seinen
Angaben in den Größenverhältnissen gut passen würde: Cylindrella
silesiaca. Von einer doppelten Wandung, wie er sie beschreibt,
habe ich bei meinen Exemplaren freilich nichts erkennen können.
Doch könnte die auffällig wechselnde Dicke der Wandung meiner
Exemplare auf verschiedene Erhaltungszustände dieser Doppel-
wandung zurückzuführen sein.
Sollte auch bei besserer Erhaltung sich die beschriebene Form
als eine glatte Röhre ohne Poren erweisen, so würde als morpho-
logisch verwandt Calcinema triasina Bokxemaxx in Frage kommen.
Borxemann ~ (s. p. 290, Taf. XI, Fig. 2) fand im Schaumkalk von
Mihla kleine Röhrchen mit ähnlichen Proportionen und völlig
glatter Wandung, die er schon zu den Kalkalgen in die -Xähe
der Chareu und Daktyloporen“ stellen wollte. Allerdings haben
seine Formen nur Durchmesser von 0,15 — 0,2 mm, sie befinden
sich also ganz außer der Variationsbreite meiner Exemplare. Bei
der geringen Kenntnis auf diesem Gebiete werden wir aber trotz
dieses Unterschiedes beide Formen vereinigen können, bis uns gut
erhaltene Individuen eine genaue Stellungnahme ermöglichen.
Gießen, den 14. Mai 1913. Mineralogisches Institut.
1 C. W. Gümbel, Die Xnlliporen des Tierreiches. II. Teil. Denkschr.
d. bayr. Akad. d. Wiss. 11. 2. Abt. p. 232-290. 1872.
2 I. G. Borxemann, Beiträge zur Kenntnis des Muschelkalkes, ins-
besondere der Schichtenfolge der Gesteine des Unteren Muschelkalkes in
Thüringen. Jahrb. d. kgl. preuß. geol. Landesanst. f. 1885. p. 267 — 320. 1886.
St. v. Gaal, Kurze Antwort etc.
405
Kurze Antwort auf den Pavai’schen (?) Artikel (Sarmatischer
Daeittuff etc.)
Von St. v. Gaal.
Der unparteiische Leser wird wahrscheinlich den Eindruck
gehabt haben, daß der Artikel des Herrn Pävai (dies. Centralbl.
Heft 6 — 7), besonders dessen zweiter Teil, von einem älteren
Herrn inspiriert ist und im ganzen von einem sehr jungen Menschen
herrührt. Der ganze Aufbau des Artikels und der Ton, welchen
derselbe anschlägt, ist äußerst befremdend.
Ich muß noch bemerken, daß icli das ungarische Original,
trotzdem mich meine Freunde darauf aufmerksam gemacht haben,
nicht gelesen habe. Dafür hatte ich eben meine guten Gründe.
Wenn ich nun schließlich doch auf den Artikel des Herrn Pävai
antworte, so tue ich das um nachzuweisen , wer der eigentliche
Urheber des betreffenden Artikels ist.
In meiner Abhandlung über die Neogenablagerungen des Sieben-
bürger Beckens habe ich mich tatsächlich wenig mit dem Herrn
Pävai befaßt, ja ich habe sogar gewisse Erscheinungen anders als
er gedeutet; das dürfte aber doch noch kein Grund dafür sein, so
rückhaltslos und grob gegen mich aufzutreten.
Die sachlichen Gründe seines Schreibens sind geradezu ohne
Belang. Er stellt z. B. fest, daß in der Nähe von Nagy-Enyed
auch im Untersarmat Dacittuffbänke Vorkommen. Erinnere ich
mich wohl, so habe ich in meiner obenerwähnten Abhandlung das-
selbe schon gesagt (p. 444). — Herr P. konstatiert, daß in der Um-
gebung von Nagy-Enyed das Sarmatikum auf einer ziemlichen Strecke
vorkommt. Dasselbe habe auch ich hervorgehoben (p. 444). Er
hebt nachdrücklich hervor, daß wir eine vollkommene Identität der
Fauna der sarmatischen Schichten Siebenbürgens mit denen Süd-
rnßlands nicht erwarten dürfen; aber auch diesbezüglich muß ich
darauf hinweisen, daß ich diese Ansicht nicht nur in meiner oben-
erwähnten Abhandlung, sondern bereits im Jahre 1911 in einem
Spezialvortrag der damals bei uns üblichen Auffassung gegenüber
als Novum ausgesprochen habe. In meiner öfters erwähnten Ab-
handlung (p. 461) steht Wort für Wort:
„ Diese Frage (d. i. die Feststellung der maeotischen Stufe in
Ungarn) wird nicht bloß auf Grund der Fossilien entschieden werden
können, denn das können wir nicht erwarten, daß wir aus dem
Siebenbürger Becken eine der meotischen Fauna Südrußlands idente
ausweisen können. Ich suchte diese Übereinstimmung nicht, konnte
sie auch meines Erachtens nicht einmal in den ß- und C-Horizonten
des Obermiocäns suchen, denn ich fand es natürlich, daß der
äußerste, größtenteils umschlossene, vielleicht mit dem Rumpf gar
nicht zusammenhängende Meeresspiegel andere physikalische Eigen-
schaften hatte“ etc.
406
St. v. Gaal, Kurze Antwort
Noch kleinlicher erscheinen die Bemerkungen des Herrn P.
darüber, daß ich seiner Ansicht nach die Spuren der Erosion an
anderen Orten als er wahrgenommen habe (das mag wohl wahr
sein, doch nicht zu meinen Ungunsten); daß ich von einem anderen
Versteinerungsneste spreche (was ganz belanglos ist) und daß die
tonigen Schichten im Sarmatikum anders gefärbt sind als im Panno-
nikum. Von mir aus kann Herr P. seine Orientierung auf Grund
der Färbung ruhig fortsetzen.
Besonders schwer will er mir’s zur Last gelegt haben, daß ich
die Schichten mit dickschaligen Congerien irrtümlicherweise in das
Obermiocän versetze, daß ich drei Versteinerungen falsch determiniert,
die Antiklinalen nicht bemerkt und schließlich ein am Wasser
schwimmendes eisenhaltiges Häutchen für Petroleum gehalten habe.
Bezüglich der dickschaligen Congerien will ich nur bemerken,
daß dieselben meiner Wahrnehmung gemäß bereits im Miocän Vor-
kommen. Und wenn dies nur eine Annahme wäre, so bin ich doch
neugierig, wer imstande wäre, dieselbe mit einem Satz zu wider-
legen. Herr P. keinesfalls !
Wie er dazu kommt, meine „falschen“ Bestimmungen mit ins
Gerede zu ziehen, ist geradezu verblüffend, da ich einerseits ihm
das betreffende Material nicht zur Verfügung gestellt habe (und
zwar wegen des Inhaltes seiner diesbezüglichen Forderung), anderer-
seits aber alle Gelehrten des Erdballs der Unwissenheit geziehen
werden dürften, wenn der Wert ihres Wissens davon abhängen
sollte, ob sie je Donax dentiger für lucida, oder ein Cyclostomum
für Vivipara , oder aber Copiapit für ein neues Mineral (Jänosit!)
angesehen haben u. dergl.
Was den Mangel an Scharfblick bei mir anbelangt, so will
ich Herrn P. nur folgendes gesagt haben:
Den Aufschluß bei Oläh-Lapäd (Par. Barsa) habe ich gesehen,
und zwar richtig gesehen. Herr P. braucht nur noch einige Male
nachzuforschen und wird daun dieselbe Erfahrung machen. Heute
ist er noch allzusehr von seiner ersten großen (!) Arbeit, seiner
Dissertation, eingenommen. Er hält dieselbe für unübertrefflich,
hat aber das betreffende Profil im letzten Artikel — seiner ersten
Anzeige gegenüber — ziemlich modifiziert dargestellt.
Was die Nichtwahrnehmung der Antiklinalen anbelangt, so
habe ich dieselben tatsächlich nicht wahrgenommen und es scheint,
daß auch andere Gelehrte anfangen an meinem Mangel au Scharf-
blick zu leiden. Herr P. scheint nicht wissen zu wollen, daß
angesehene Fachmänner, die nach dem Erscheinen des BöCKH’schen
Artikels die Antiklinalen gesehen zu haben wähnten, jetzt nach
dem Erscheinen der GAÄL’schen Auseinandersetzungen dieselben
nicht mehr sehen. Doch dies sei nur nebensächlich bemerkt. Ich
will nicht denselben Fehler begehen, welchen Herr P. und noch einige
Herren begangen haben, die wissenschaftliche Fragen mit Stimmen-
auf den Pävai’schen (?) Artikel etc.
407
mekrheit zu entscheiden wünschen. Wie würde es um Galilei,
Lamarck oder Darwin ausgesehen haben, wenn man über ihre
Lehren seinerzeit mit Stimmenmehrheit entschieden hätte?!
Aber, aber, zum Schluß kommt das Petroleum. Das Steinöl
ist besonders wichtig, denn es hat mir den Schlüssel zu dem
Artikel des jungen P. geliefert.
Eine detaillierte Behandlung verdient die Frage wirklich nicht.
Genug an dem, ich glaubte bei der Gasforschung in einem Brunnen
Spuren von Petroleum gefunden zu haben und teilte diese Beobach-
tung gelegentlich dem Herrn Dr. H. Böckh mit. Ihm allein habe
ich mich so geäußert, und wenn jemand anderer Kenntnis davon
hat, so kann er es nur von Herrn Oberbergrat Böckh erfahren
haben. Übrigens war ich mir selber meines Irrtums bald klar,
so daß ich die Petroleum-Frage weder in meinem Berichte, noch
in meinen Notizen oder sonstigen Aufzeichnungen mit einem einzigen
Worte berührte. Und noch ein unzweifelhafter Wegweiser! Die 30
bis 40 Aufzeichnungen auf meinen Karten, die, wie alle solcher Natur —
laut den Äußerungen des Herrn Oberbergrat B. — Amtsgeheimnis
bildeten. Ich erwähne dies auch bloß, um nun den wahren Grund
des Entstehens des PAvAi’schen Artikels kurz erörtern zu können,
ohne aber mich an der Person irgend jemands vergreifen zu wollen.
In meiner Abhandlung über die Neogenablagerungen Sieben-
bürgens habe ich auseiuandergesetzt, daß die die Mitte des Sieben-
bürger Beckens bedeckende Ablagerung ohne Faltungen ist, und daß
es auch keine Durchspießungsfalten in Siebenbürgen gebe. Daraus
folgt nun, daß Herrn Böckh’s neueste Entdeckung, die Antiklinalen im
Mezöseg-Gebiete nicht existieren und wie Dr. Koch nachgewiesen, der
Schichtenkomplex des Beckeninnern eine ungestörte Lagerung aufweist.
Ich muß nur noch hervorheben, daß meine Abhandlung sich
ausschließlich mit dieser Frage befaßt, und ob ich dabei die
Grenzen der Objektivität überschritten habe oder nicht, das mögen
die geneigten Leser entscheiden.
Herr Böckh schien anfangs meine Ansichten nicht widerlegen
zu wollen, doch durften dieselben nicht unbeantwortet bleiben.
Herr B. duldet gewöhnlich keinen Widerspruch gegen seine eigenen
Ansichten und ist bisher für dieselben immer schroff und scharf
ins Feld gerückt; jetzt scheint er aber der Ansicht zu sein, es
sei besser, einen jungen Mann, und zwar seinen Assistenten, in
den Kampf zu schicken.
Charakteristisch ist nun dieses Verfahren gewiß!
Wie die Petroleum-Geschichte, so weisen auch die karto-
graphischen Angaben auf ihn als den Helfershelfer hin. Er hat
den Artikel im vorhinein gutgeachtet und dann in den Berg- und
Hüttenmännischen Blättern ungarisch veröffentlicht. Und abermals
war es Herrn Böckh’s Idee, daß in einer Arbeit über die sarma-
tischen Dacittuffbänke von Nagy-Enyed die wichtigen Resultate
408
E. Korreng, lieber die Herstellung
dev Antiklinalen-Theorie nicht unerwähnt bleiben dürfen. Das
weiß ich auch positiv, denn Herr B. pflegt auch die Tagespresse
in dieser Hinsicht zu informieren.
Unparteiische Fachmänner machen gewiß einen Unterschied
zwischen Forschungsresultaten und Bohrungsresultaten und es ist
leicht festzustellen, daß an Orten, wo seit Jahrhunderten Methan
aus dem Boden hervorbricht, die Bohrungen mit Erfolg ins Werk
gesetzt werden können. Eine Antiklinallehre ist hier nicht von-
nöten. Wo Herr B. rein auf Grund der Antiklinal-Theorie Boh-
rungen unternommen hat (wie bei M.-Ugra, Szent-Benedek, Szäsz-
Regen, D.-Szt.-Märton, M.-Szt.-György), dort hatte er überhaupt
nur Mißerfolge zu verzeichnen.
Nicht an dem Dacittufl' von Nagy-Enyed ist es hier gelegen, und
nicht dem Herrn Pavai ist es daran gelegen, sondern dem Herrn Böckh
ist es an den Antiklinalen gelegen, — die tun ihm weh — sehr weh.
So einfach läßt sich diese komplizierte Geschichte entwirren !
Neue Instrumente und Beobachtungsmethoden.
Ueber die Herstellung von Dünnschliffen und Dauerpräparaten
aus salzartigen, aus dem Schmelzfluss kristallisierten Stoffen.
Von E. Korreng in Berlin.
Die kristallographische Untersuchung von salzartigen Stoffen,
die aus Schmelzflüssen entstanden sind, erfordert die Herstellung
von Dünnschliffen oder Präparaten, die jene zu ersetzen vermögen,
da sie das einzige Mittel bilden, die Ergebnisse der thermischen
Analyse zu kontrollieren und zweifelhafte Fälle aufzuklären.
Über die Anfertigung von Salzdünnschliffen existiert eine An-
gabe von H. E. Boeke ’, wonach sie unter Vermeidung von Wasser
und Alkohol nacli den bei Silikatgesteinen üblichen Methoden her-
zustellen sind, und eine Anweisung von M. Naümann1 2 3, die sich
auf Gesteine von Salzlagerstätten bezieht. Naumann rät von dem
Gebrauch von Eisenplatten und Petroleum ab und schlägt vor,
eine matte Glasscheibe zu benutzen , auf der mit Smirgel und
Erdnußöl geschliffen werden soll. — S. Zemczuzny 3 empfiehlt, Salz-
schliffe nicht im durchfallenden, sondern im reflektierten Lichte
zu untersuchen, weil sich Salzdünnschliffe von einer Dicke von
0,005 — 0,0025 mm, die der Größenordnung der Einzelheiten in
den eutektischen Grundmassen entspricht, nur sehr schwer her-
1 H. E. Boeke, Übersicht der Mineralogie, Petrographie und Geologie
der Kalisalz-Lagerstätten. Berlin 1909. p. 30.
2 M. Naumann, Beitrag zur petrographischen Kenntnis der Salzlager-
stätte Gliickauf-Sondershausen. Diss. Leipzig 1911. N. Jahrb. f. Min. etc.
Beil.-Bd. XXXII. 1911. p. 594.
3 S. Zemczuzny, Zeitschr. f. anorg. Ckem. 57, 3. 1908, p. 267.
von Dünnschliffen und Dauerpräparaten etc.
409
stellen lassen. Zur Bestätigung- und Aufklärung der Konzen-
trations-Temperatur-Diagramme von Salzgemischen können einfache
Schlifffläclien geeignet sein, dagegen lassen sie sich nicht benutzen
zu kristallographischen und optischen Untersuchungen.
Nachstehend seien daher Erfahrungen mitgeteilt, die bei der
Verarbeitung einer Anzahl kristallisierter Salzpaare zu Dünn-
schliffen gesammelt wurden.
I. Fast aus alleu pyrogen erzeugten Salzgemengen lassen sich
brauchbare Dünnschliffe herstellen. Dabei bereitet eine mäßige
Hygroskopizität noch keine Schwierigkeiten. Unter Beachtung
gewisser Vorsichtsmaßregeln konnten selbst noch Schliffe ge-
wonnen werden aus wasserfreiem Li CI und Ca Cl9, sowie aus Ge-
mengen, die reich an diesen sehr hygroskopischen Stoffen waren.
Nur dann, wenn die Fähigkeit, Wasser aus der atmosphärischen Luft
aufzunehmen, in noch stärkerem Maße auftritt, wie es beim reinen
Zn CI., und Zn Cl2-reichen Mischungen mit anderen Metallchloriden
der Fall ist, oder wenn die Eeguli von einer so großen Anzahl
von Spaltrissen durchzogen sind, daß ein Dünnschliff nicht ge-
nügend große und einheitliche Durchschnitte zur mikroskopischen
Betrachtung bietet, wie es bei Sn Cl2-lialtigen Schmelzen beobachtet
wurde, ist die Anfertigung von Dünnschliffen nach einer Methode, die
der für Silikatgesteine üblichen nachgebildet ist, nicht möglich. In
solchen Fällen empfiehlt sich die auf p. 412 beschriebene Herstellung
von Präparaten, die direkt aus dem Schmelzfluß entstanden sind.
Es ist zweckmäßig, die Dünnschliffe sofort nach der Beendi-
gung des Schmelz Versuches anzufertigeu, ehe durch Wasseraufnahme
eine Hydratisierung der Versuchssubstanz erfolgt. Gemenge, die
Li CI, Cu CI, MgCl2, CaCl2, CdCl2, ZnCl2 oder SnCl2 enthalten,
dürfen nicht ungeschützt an der Luft liegen bleiben. Selbst wenn
sie im Exsiccator aufbewahrt werden, entgehen sie nicht einem
baldigen Zerfall. Muß das Schleifen dennoch hinausgeschoben
werden, so umhüllt man einige zur Anfertigung der Dünnschliffe
ausgewählte Bruchstücke, um sie zu konservieren, mit gehärtetem
Kanadabalsam , indem man sie in siedenden Balsam eintaucht.
Dabei ist zu beachten, daß Kanadabalsam von etwa 215 0 an, unter
stetiger Veränderung seiner chemischen Zusammensetzung, kocht.
Das Lösungsmittel (Xylol) verdampft schon bei ca. 165°. Stoffe,
die unterhalb dieser Temperaturen Veränderungen erleiden, dürfen
daher nur kurze Zeit in der heißen Harzlösung verbleiben. Doch
auch bei den so geschützten Präparaten beginnt nach einiger Zeit die
Verwitterung, namentlich an scharfen Kanten, wo die Balsamschicht
dünn ist. Deshalb sind sie in Papierbeuteln im Exsiccator oder in
Präparatengläschen mit paraffinierten Pfropfen aufzube wahren.
Bei der Anfertigung von Dünnschliffen wird es meistens nötig
sein, schnell zu arbeiten. Deshalb gehe man von vornherein nicht
darauf aus, möglichst große Objekte herzustellen, denn diese zeigen
410
E. Korreng, Ueber die Herstellung
häufig in vielfacher Wiederholung nur das, was auch an kleineren
erkannt wird. Ferner bereite man, ehe mit dem Schleifen begonnen
wird, eine hinreichend große Anzahl von Objektträgern zum Auf-
kitten der Objekte vor, indem man in die Mitte eines jeden von
ihnen einen Tropfen aus gehärtetem Kanadabalsam setzt. Das
Härten des Balsams geschieht in einem kleinen Metallöffel über
der Spiritusflamme. Es ist beendet, wenn sich eine Probe des
Balsams nicht mehr zu klebrigen Fäden ausziehen, aber auch nicht
nach dem Erkalten wie Glas zersplittern läßt. Zu weicher Balsam
schmiert beim Schleifen, zu harter springt vom Objektträger ab
und reißt den Dünnschliff mit sich. Auch den zum Eindecken
des Schliffes zu benutzenden Balsam verdicke man durch mäßiges
Erwärmen in einem Erlenmeyerkölbchen oder Porzellantiegel.
Als Material zum Schleifen empfiehlt sich Sandpapier von
verschiedenen Feinheitsgraden (1, 0, 00), zum Nachschleifen und
Polieren ist eine matte, völlig ebene Glasscheibe am besten ge-
eignet. Es ist nicht ratsam, die Schliffe auf einer Eisen- oder
Glasplatte mit Anwendung von Smirgel und Öl (Rizinus-, Oliven-
oder Erdnußöl) herzustellen ; denn selbst die feinsten Smirgelsorten
nehmen die Schichten des Objektes zu schnell fort, andererseits
verschmutzen die Dünnschliffe dadurch, daß sich Spalten und Hohl-
räume mit einer braunen Paste aus Smirgel und Öl ausfiillen, die
kaum wieder entfernt werden kann.
1. Für die Herstellung einer ebenen Schlifffläche ist nur Sand-
papier auf fester ebener Unterlage zu verwenden. Bei hygro-
skopischen Stoffen schleift man möglichst schnell und geht bald
auf unbenutzte Stellen des Sandpapiers über, um nicht in Pulver
zu reiben, das inzwischen Wasser angezogen hat. Durch schnelles
Schleifen auf dem die Wärme schlecht leitenden Sandpapier wärmt
sich die geriebene Fläche so stark, daß in den meisten Fällen
eine Hydratisierung des Schliffes nicht erfolgt. Taucht man dann
die Schlifffläche schnell in einen hinreichend großen Tropfen
Rizinusöl auf der Glasplatte und poliert sie in diesem, indem man
schnell rotierende Bewegungen ausführt, so ist auch die schädigende
Wirkung des Wasserdampfes der Luft ausgeschaltet. Bei Stoffen,
die nicht hygroskopisch sind, wendet man zum Polieren möglichst
wenig oder kein Öl an. Wird es notwendig, die Glasplatte zu
säubern, so reibt man sie mit absolutem Alkohol ab.
2. Wenn die Schlifffläche in allen Teilen, namentlich auch
an den Rändern, Spiegelglanz zeigt, wird das Präparat mit der
Schlifffläche auf den Objektträger aufgekittet. Darf das Objekt
der Einwirkung der feuchten Luft nicht ausgesetzt werden, so ist
schon vor Beendigung des Polierprozesses ein präparierter Objekt-
träger so weit zu erwärmen, daß der Balsam fließt, und auf eine
horizontale, die Wärme schlecht leitende Unterlage zu legen. In
den noch flüssigen Balsam bringt man dann das Objekt und drückt
von Dünnschliffen und Dauerpräparaten etc.
411
den Schliff an das Glas an, doch so, daß sich keine Luftblasen
bilden oder zwischen Glas und Präparat stehen bleiben. Wurde
der Schliff in Öl poliert, so muß das anhaftende Öl vor dem Auf-
kitten mit einem nicht fasernden Tuche abgewischt werden.
3. Wenn der Balsam erkaltet ist, beginnt das Dünnschleifen
des Objektes. Zum Schlüsse geht man zu dem feinsten Sandpapier
über und verringert die Geschwindigkeit des Schleifens bedeutend,
damit nicht Stücke aus dem Objekte lierausgerissen oder tiefgehende
Schrammen erzeugt werden. Die letzten Schichten dürfen nicht
zu schnell fortgehen. Deshalb entfernt man den überflüssigen
Balsam auf dem Objektträger nicht vollständig. Das Salzplättchen
liegt dann in einem Ring aus Kanadabalsam , der seine Ränder
schützt und mit abgeschliffen werden muß, wenn das Präparat
dünner werden soll. Löst sich bei dieser Behandlung der Dünn-
schliff stellenweise vom Objektträger, so genügt meist ein gelindes
Erwärmen des Objektträgers und Andrücken des Dünnschliffes, um
die entstandenen Holilräume zu entfernen. Das Schleifen wird
auf dem Sandpapier nicht weiter fortgesetzt, wenn man durch das
Objekt hindurch schwarze Druckschrift lesen kann. Dann folgt
das Nachschleifen und Polieren auf der Glasplatte. Für das Ge-
lingen der Dünnschliffe aus hygroskopischen Salzgemengen ist auch
hier die erste Bedingung, sie nicht der direkten Einwirkung der
feuchten, atmosphärischen Luft auszusetzen. Immer bleibt wesent-
lich, daß Balsamknötchen, die sich beim Schleifen zuweilen auf
der matten Glasscheibe festsetzen, sofort mit Alkohol oder Xylol
entfernt werden. Selten genügt zur endgültigen Säuberung der
Dünnschliffe, bevor sie eingedeckt werden, das Abstäuben mit einem
Pinsel; auch die Anwendung von Alkohol verbietet sich in der
Mehrzahl der Fälle, da Alkohol viele Salze schon bei Zimmer-
temperatur merklich löst L Äther und Xylol sind nicht nur ihrer
Feuergefährlichkeit wegen unbequem, sondern lösen auch den Bal-
sam sehr schnell und gefährden den vollendeten Schliff dadurch,
daß sie ihn von seiner Unterlage loslösen. Dagegen läßt sich der
durch Schleifpulver verunreinigte Balsam leicht mit einem erwärmten
Spatel entfernen, während die dem Dünnschliff selbst noch anhaf-
tenden Teilchen durch Reiben auf der Glasplatte in öfters erneuertem
Öl fortgeführt werden.
4. Da es nicht nötig ist. den vollendeten Dünnschliff auf
einen anderen Objektträger zu übertragen, so kann er nunmehr
eingedeckt werden mit warmem, leicht gehärtetem Balsam, auf den
man ein angewärmtes Deckgläschen drückt. Die Verwendung von
gehärtetem Balsam zum Eiudecken ist geboten, wenn sich die
Dünnschliffe längere Zeit unverändert halten sollen. Im gewöhn-
lichen Balsam bilden z. B. Li CI, Mg CR, CaCl>, BaCl2, SnCl., und
die meisten Gemenge mit diesen Stoffen sehr bald Hydrate.
1 Landolt-Börnstein-Roth. Phys.-chem. Tab. 1912. p. 566.
412
Versammlungen und Sitzungsberichte.
II. Aus sehr hygroskopischen Substanzen und solchen, denen auch
durch Tränken mit Kanadabalsam genügende Verbandsfestigkeit
nicht gegeben werden kann, oder die allzuvieler Spaltrisse wegen
im Dünnschliff nicht hinreichend durchsichtig werden, benutzt man
Präparate, welche direkt aus einer Schmelze in einer
dünnen Schicht zwischen zwei Deckgläsern kristallisiert sind. Sie
lassen sich leicht mit Hilfe eines heizbaren Präpariertischchens
hersteilen, auf dem man ein Deckglas zur Aufnahme einer mög-
lichst geringen Substanzmenge erhitzt hat. Die Substanz entnimmt
man mit einem Glasstabe der flüssigen Schmelze, um sie möglichst
wasserfrei und, falls es sich um eine Mischung handelt, in rich-
tiger Konzentration auf das Deckglas zu bringen. Dort wird sie
sofort mit einem zweiten Deckglas bedeckt und mit vergrößerter
Heizflamme geschmolzen. Sie fließt dann zwischen den beiden
Gläschen zu einer dünnen Schicht aus. Um die Kristallisation
eintreten zu lassen, verkleinert man die Flamme. Dabei ist zu
beachten, daß die Kristalle um so schöner werden, je langsamer
die Abkühlung erfolgt. Das nocli warme Präparat drückt man
darauf in einen dünnflüssigen Tropfen aus gehärtetem Kanada-
balsam, der sich auf einem Objektträger befindet, so daß die Ränder
des Präparates Überflossen werden. Auf diese Weise ist es gegen
die Einwirkung der Luftfeuchtigkeit geschützt und kann als Dauer-
präparat für kristallograpliische Untersuchungen Verwendung finden.
Zum weiteren Schutz können nach einigen Tagen die Ränder
der Deckgläschen sowohl bei den Dünnschliffen als auch bei den
Dauerpräparaten mit Maskenlack oder Asphaltlack umzogen werden.
Berlin, Miu.-petrogr. Institut der Universität, Dez. 1912.
Versammlungen und Sitzungsberichte.
Londoner Mineralogische Gesellschaft. Zusammen-
kunft am 11. März unter dem Vorsitz des Vize-
präsidenten Professor H. L. Bowman.
W. Campbell Smith : Die Mineraliensammlung von
Thomas Pennant (1726 — -1798). Die Sammlung, die von dem
Earl of Denbigh neuerdings dem British Museum überwiesen
wurde, ist begleitet von drei im Jahr 1729 geschriebenen
Manuskriptbänden. Die darin angewandte Klassifikation beruht,
mit einigen Abänderungen, auf Woodward’s „Natural History of
the Fossils of England“ von 1729. Speziell werden die von Bor-
lase , P ontoppidan und da Costa stammenden Stücke erwähnt,
eingehender werden die Mineralien von Flintshire behandelt. Einige
Stücke sind von Pexxaxt in: „A Tour in Wales“ beschrieben.
Arthur Rüssel: Die Mineralien und Mineralfundorte
von Montgomeryshire. Von den beschriebenen Mineralien sind
die bemerkenswertesten : Aurichalcit von Llanymynecli Hill Mine,
Besprechungen.
413
Llanymynech; Hannotom in Doppelzwillingen, mit Schwerspat und
Witherit von der Cwm-orog Mine, Llang'ynog; Hydrozinkit als merk-
würdige rezente Ablagerung, an den Seiten in einem Horizont der
Van Mine , Llanidloes ; Pyromorphit, Aberdeunant Mine, Llanidloes,
und Llanercli-yr-aur Mine, Llanbrynmair; Witherit von Cwm-orog
Mine, Llangynog, Gorn Mine, Pen-j^-Gaer Mine, und Pen-y-clyn Mine,
Llanidloes. Die Kristalle von dem letzteren Fundort sind wegen
des fast gänzlichen Verschwindens der abwechselnden Flächen der
pseudohexagonalen Prismen und Pyramiden erwähnenswert.
Dr. G. F. Herbert Smith : Ein neuer stere o grapliis eher
Transporteur. Das neue Instrument besteht aus einem Bogen-
lineal, gebildet von einer Kombination von Federn, das innerhalb
der Grenzen, für die es bestimmt ist, sehr nabe die Krümmung
einer Kreislinie behält. Im Zentrum des Bogens ist es an einem
Arm befestigt, der sich in einer Kinne verschiebt und eine Skala
trägt, an der das Azimut des entsprechenden Großkreises abge-
lesen werden kann. Eine andere Kante des Transporteurs trägt
die übliche Tangentenskala, mit der die Stellung des Zirkels zum
Ziehen aller Kreise entsprechend den Großkreisen, die einen Winkel
bis zu 50° mit der Ebene des Grundkreises machen, bestimmt
werden kann. Die Skalen entsprechen einem Radius von 10 cm.
Besprechungen.
J. Beckenkamp (in Würzburg): Statische und kinetische
Kristalltheorien. Erster Teil: Geometrische Eigen-
schaften der Kristalle und deren Veranschaulichung
durch geometrische Strukturbilder, (gr. 8°, mit 303 Text-
abbildungen. Berlin 1913; Verlag von Gebr. Bornträger.)
Der erste Teil des im Titel angegebenen Werkes enthält eine
kritische Übersicht über die Entwicklung der Strukturtheorien von
Haüy bis zur Gegenwart.
Nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche nennt man einen
Körper homogen, wenn er sich nicht in kleinere Einzelbestandteile
räumlich auflösen läßt. Diese Definition ist aber unbestimmt, weil
sie je nach der verwendeten Methode der Untersuchung zu ver-
schiedenen Resultaten führt. Für manche praktische Fälle genügt
sie, aber weniger geeignet ist sie für theoretische Untersuchungen ;
namentlich ist sie ungenügend zur Charakterisierung der Molekular-
struktur, also auch der atomistisclien Strukturarten der Kidstalle,
wie sie von Haüy, Hessel, Bravais, Sohncke, Schoenflies u. a.
aufgestellt wurden. Verf. hat deshalb schon früher (1891) folgende
Definition aufgestellt: „Schreitet man innerhalb eines homogenen
Körpers auf irgend einer geraden Linie fort, so müssen sich auf
derselben alle Verhältnisse periodisch wiederholen, solange die Homo-
genitätsgrenze nicht überschritten wird. “ „ Die Periode der homogenen
414
Besprechungen.
Masse eines Kristalls hat submikroskopische Dimensionen.“ Für
Körper, welche in diesem Sinne zwar nicht homogen sind, aber bei
einer bestimmten Untersuchungsmethode keine Zusammensetzung
aus einzelnen Teilen erkennen lassen, hält Verf. die von anderen
Autoren eingeführte Bezeichnung „quasi homogen“ für sehr geeignet.
Bezüglich der Bedeutung der 32 Symmetrieklassen nimmt
Verf. eine von der Ansicht Hessel’s, welcher auch die Mehrzahl
der neueren Autoren sich anschließt, abweichende Stellung ein;
Hessel stellt sich die Aufgabe, „zu ermitteln, wie viel und in welcher
Anordnung gelegene gleichwertige Teile ein Baumding darbieten
kann“, und kommt zu dem Besultat, daß 32 durch ihre Symmetrie
verschiedene Anordnungen geometrisch möglich sind. Da die Teile
des Raumdings qualitativ und quantitativ gleich sein sollen, so
genügen die HESsEL’schen Strukturarten der Kristalle dem vom
Verf. definierten Begriff der Homogenität. Die Beobachtung lehrt,
daß gesetzmäßige Gruppierungen von gleichartigen Teilen bei den
Zwillingen vorliegen ; aber bei diesen fehlt die Notwendigkeit der
gleichen Größe der einzelnen Individuen; die Zwillinge sind des-
halb keine homogene , sondern heterogene Gebilde. Die Theorie
Mallard’s betrachtet die höheren Klassen sämtlich als heterogene
Gebilde von triklinen Individuen unter Zuhilfenahme des von ihm
auf'gestellten Prinzips der „isomorphen Mischung von Baumgittern“.
Für die Möglichkeit des letzteren Prinzips fehlt aber sowohl der
Beweis der physikalischen Möglichkeit als auch der Nachweis des tat-
sächlichen Vorkommens, und wenn man dieses Prinzip nicht anerkennt,
dann kann man nach der MALLARo’schen Theorie außer für die Kri-
stalle der triklinen, monoklinen und rhombischen Syngonie nur Pseudo-
formen der höheren Syngonien aus den triklinen Elementen aufbauen.
Im Gegensatz zur MALLARD’schen Auffassung nimmt Verf. für
jede Syugonieart feste Molekülgruppen an, deren physikalische Be-
gründung allerdings erst im zweiten Teil folgen soll. Diese
Gruppen, die „Kristallmoleküle“ oder „physikalischen Moleküle“,
müssen genau die Bedingungen der verschiedenen Syngoniearten
erfüllen ; sie bilden die Stammformen, aus welchen sich durch
parallele 'Wiederholung im Baume die homogene Masse aufbaut;
durch homogene Deformation der regulären Gruppen bezgl. homogenen
Massen entsteht die Gruppe bezgl. homogene Masse der übrigen
Syngoniearten. Aus größeren oder kleineren Partikeln der homogenen
Massen entstehen die höheren Klassen der entsprechenden S}Tngonie-
art nach den Gesetzen der Ergänzuugszwillinge. Die Kristalle
der höheren Klassen einer Syngonieart sind deshalb entweder
„quasi homogene“ Körper infolge inniger Mischung verschieden
orientierter homogener Massen, oder Ergänzungszwillinge, deren
Individuen den verschieden orientierten An wachspyramiden ent-
sprechen. Verf. zeigt, daß eine sich mehr an die ältere Methode
der Ableitung der Hemiedrien anschließende Methode zu genau den-
selben 32 Symmetrieklassen führt wie die HF.ssEL’sche Methode,
Besprechungen.
415
und läßt durch den erwähnten, diesem Abbau entsprechenden Auf-
bau die höheren Klassen aus den niederen Klassen zustande kommen,
ohne jene durch die Beobachtung nicht gebotene Beschränkung be-
züglich der Größe der einzelnen Teile einführen zu müssen.
Nach der Theorie der streng homogenen Struktur soll bei den
höher wie bei den niedriger symmetrischen Klassen einer Syngonie die
Symmetrie der äußeren Umgrenzung eines Kristalls auch die der homo-
genen Masse sein. Nun lehrt aber die fortschreitende Erfahrung, daß
gerade die verbreitetsten, und deshalb am besten bekannten, früher
für homogen gehaltenen Kristalle tatsächlich heterogene Aggregate
sind. Nur ein Beispiel möge an dieser Stelle hierfür genügen:
Der scheinbar einfache Aragonitkristall stellt teils (z. B. bei dem
Vorkommen von Aragonien) ein faseriges Aggregat nach der Achse a
und auch nach der Achse c dar, teils (z. B. bei den böhmischen
Vorkommen) ein lamellares Aggregat nach der Fläche k (Poo, [Oll]).
Wenn nun aber der äußerlich (rhombisch) holoedi’isch erscheinende
Aragonitkristall tatsächlich kein homogener Körper ist, dann fehlt
für die Annahme, daß die Symmetrie seiner homogenen Masse mit
der der geometrischen Umgrenzung übereinstimme, die Berechtigung.
Man könnte einwenden, die Verallgemeinerung von Beobach-
tungsresultaten, die zwar bei vielen, aber doch nicht bei allen Kri-
stallen gewonnen wurden, sei unstatthaft ; es soll deshalb diese Frage
auch von einem allgemeineren Gesichtspunkt aus erwogen werden .
Zur Zeit, als Hessel seine Theorie der 32 Symmetrieklassen
aufstellte (1831), kannte man weder die große Verbreitung der
(heterogenen) Aggregatstruktur, noch das Größenverhältnis zwischen
dem Moleküldurchmesser und der Auflösbarkeit zweier getrennter
Punkte durch das Mikroskop. Bemerkt doch Chr. S. Weiss (1804):
„ Mache man die Atome so klein, wie man immer will, das Licht
wird mit seiner Feinheit doch jederzeit sich messen können.“ Für
die Existenz submikroskopischer Zwillingsbildung ließ demnach
diese Vermutung nur eine geringe Wahrscheinlichkeit zu. Wir
wissen aber heute, daß der Durchmesser eines Moleküls die Größen-
ordnung 10“ 8 cm hat, daß dagegen die Auflösbarkeit zweier Punkte
vermittelst des Mikroskops im günstigsten Falle nur möglich ist,
wenn deren Abstand etwa die Dimension 10~5 cm hat, und soll
etwa die Symmetrie einer Ätzfigur noch erkennbar sein, dann muß
man die zuletzt genannte Größe noch wenigstens mit 10, vielleicht
sogar mit 100 multiplizieren. Etwas niedriger kann die Dimension
sein, wenn die Aggregatstruktur nicht durch Ätzfiguren, sondern
durch entgegengesetzte Drehung des Lichtes von enantiomorphen
Teilen nachgewiesen werden soll. Allgemein wird man aber be-
haupten dürfen: Findet in einer an sich streng periodischen Reihe
auf etwa je 10 000 Moleküle auch nnr einmal ein Wechsel zwi-
schen zwei Zwillingsstellungen statt, daun kann die hierdurch zu-
stande kommende quasi homogene Masse im allgemeinen weder
geometrisch noch physikalisch von einer streng homogenen Masse
416
Personalia.
unterschieden werden, bei welcher das betreffende Zwillingselement
Symmetrieelement (Deckachse oder Spiegelebene) ist. Beobachten
wir demnach bei einem Körper nur ausnahmsweise
eine Aggregatstruktur, welche auf eine geringere Sym-
metrie hin weist als wir bei diesen Körpern gewöhnlich
beobachten, so ist der Schluß berechtigt, daß bei den
meisten Vorkommen dieses Körpers die gleiche Zwil-
lingsbildung sich so oft wiederholt, daß die Größe
der einzelnen h o m o g en en Teile unterhalb der Sch welle
der mikroskopischen Auflösbarkeit liegt.
Sowohl die Ableitung Hessel’s als die des Verf.’s ergibt, wie
erwähnt, die geometrische Möglichkeit der Existenz von 32 Sym-
metrieklassen. Im großen und ganzen finden sich diese auch in
der Kristallwelt verwirklicht. Abgesehen davon, daß zwei Klassen
mit verhältnismäßig niedriger Symmetrie bis jetzt unter den Kri-
stallen noch nicht nachgewiesen werden konnten, ist es eine schon
lange bekannte Tatsache, daß die niederen Klassen der einzelnen
Syngoniearten ungleich seltener sind als die höheren. Vom Stand-
punkt Hessel’s gibt es dafür keine Erklärung, vom Standpunkt
des Verf.’s ist dies von vornherein zu erwarten. Wenn wir die
große Verbreitung der makroskopisch oder mikroskopisch wahr-
nehmbaren Zwillingsbildungen berücksichtigen, dann erscheint es
selbstverständlich, daß es auch noch sehr viele Zwillinge geben
muß, deren homogenen Bestandteile von einer Größenordnung sind,
welche unterhalb der Schwelle der Auflösbarkeit liegt, und bei welchen
die den zwillingsfreien oder den zwillingsarmen Zustand darstellenden
niederen Klassen der betreffenden Syngonie einen Ausnahmefall dar-
stellen. Beobachten wir andererseits bei einem Mineral, welches ge-
wöhnlich höher symmetrisch gefunden wird, ausnahmsweise eine
niedrigere Symmetrie bei gewissen Fundorten, so müssen bei der Ent-
stehung der selteneren Form besondere Umstände, vielleicht sehr lang-
same Ausscheidung unter möglichst gleichbleibenden Bedingungen, die
sonst regelmäßig auftretende Zwillingsbildung nicht begünstigt haben.
Ein mehr praktisches Interesse dürften für manchen Leser
die in den §§11 und 1 2 angegebene Methode der Berechnung der
Kristalle auf Grund des Prinzips der kleinsten Quadrate und die p. 1 14
und 115 stehende Tabelle der 32 Symmetrieklassen bilden. Diese
Tabelle läßt sowohl die Beziehungen der einzelnen Klassen nach ihrer
Meroedrie als auch nach ihren Symmetrieelementen leicht übersehen.
Eine besondere Bedeutung wird endlich den sog. „Pseudo-
formen“ zugeschrieben, deren Stellung aber erst bei der Besprechung
der physikalischen Eigenschaften der Kristalle, welche im zweiten
Teile des Werkes erfolgen soll, vollständig klar gelegt werden kann.
J. Beckenkamp.
Personalia.
Gestorben: Dr. E. Holzapfel, Professor der Geologie und
Paläontologie in Straßburg i. E.
J. l'blig, l'eber das Löslichkeitsschema KCl, Mg C’l, etc. 417
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Ueber das Löslichkeitsschema KCl. Mg CI, und Wasser
(Carnallitschema) bei 50°.
Von J. Uhlig in Bonn.
Mit 1 Textfigur.
Benutzte Literatur:
1. J. H. van’t Hoff, Zur Bildung der ozeanischen Salzablagerungen. 1. 1905
2. Untersuchungen über die Bildungsverhältnisse der ozeanischen Salz-
ablagerungen, insbesondere des Staßfurter Salzlagers ; von yan’t Hoff
und seinen Mitarbeitern, herausgegeben von H. Precht und E. Cohen.
1912.
3. H. E. Boeke. Über das Kristallisationsschema der Chloride, Bromide,
Jodide von Natrium, Kalium und Magnesium, sowie über das Vor-
kommen des Broms und das Fehlen von Jod in den Kalisalzlager-
stätten. Zeitschr. f. Krist. 45. (1908.) p. 346—391.
4. W. Biltz und E. Marcus, Über Ammoniumcarnallit. Zeitschr. f. anorg.
Chemie. 71. (1911.) p. 166—181.
Das Löslichkeitsschema K CI, Mg Cl2 und Wasser ist von
van’t Hoff und seinen Mitarbeitern nur für die Temperaturen
von 25° und 83 0 zahlenmäßig festgelegt worden, für die letztere
Temperatur außerdem nur für den Fall, daß gleichzeitig Sättigung
an Chlornatrinm herrscht. Für irgendwelche zwischenliegende
Temperaturen muß man sich begnügen, das Diagramm mit Hilfe
der van’t HoFF’schen Zahlen für die genannten Temperaturen
zu interpolieren. Zur Prüfung der Frage, inwieweit die inter-
polierten Werte mit der Wirklichkeit übereinstimmen, wurden die
im nachfolgenden besprochenen Löslichkeitsbestimmungen vor-
genommen. Da sich in einem Punkte eine bemerkenswerte Ab-
weichung von dem van’t HoFF’schen Zahlenmaterial ergab, welches
danach in dieser Hinsicht einer kleinen Korrektur bedarf, so schien
mir eine kurze Veröffentlichung meiner Resultate nicht überflüssig
zu sein.
Für die Löslichkeitsbestimmungen wurde Wasser bezw. eine
schon annähernd eingestellte Lösung mit den betreffenden Boden-
körpern (unter Verwendung KAHLBAUM’sclier Präparate) in einem
200 ccm fassenden Gefäß innerhalb eines Thermostaten, dessen
Temperatur dui’ch einen OsTWALu’schen Thermoregulator konstant
gehalten wurde, rotieren gelassen, bis der Chlorgehalt sich nicht
mehr änderte. Außerdem wurden die Bodenkörper unter dem
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913. 27
418
J. Uhlig,
Mikroskop geprüft. Fiir den Sättigungspunkt KCl/KMgCl3 • 6 H„ 0
(Sylvin / Carnallit) bestehen nach van’t Hoff (1. p. 31) hierbei
insofern Schwierigkeiten, als der Sylvin sich gern durch Aus-
füllung von Chlormagnesium aus der Lösung mit Carnallit über-
krustet und dadurch der Lösung entzogen wird. Davon konnte
ich mich in der Tat auch unter dem Mikroskop überzeugen. Sind
beide Bodenkörper getrennt vorhanden, so sieht man die optisch
isotropen, oft einseitig verzerrten Würfelchen von Sylvin neben
den gewöhnlich kleineren Körnchen oder sechsseitig begrenzten
Kriställchen des im Weiß höherer Ordnungen polarisierenden
Carnallits liegen. Mehrfach ließ sich dagegen auch beobachten,
wie die Sylvinwürfel mit einem weißlich polarisierenden Carnallit-
aggregat vollständig überzogen waren. Um dieser Fehlerquelle
zu entgehen, verfuhr ich folgendermaßen : Es wurde zunächst
Sättigung an Carnallit bewirkt, bis eine größere Menge davon
als Bodenkörper vorhanden war, und dann vorsichtig in kleineren
Portionen Chlorkalium zugegeben, bis das Mikroskop erkennen
ließ, daß es unverändert blieb. Hierauf wurde nochmals eine größere
Menge davon zugegeben, und unter mehrfacher mikroskopischer und
chemischer Prüfung weiter rotieren gelassen. Zur Probeentnahme
der Lösung diente eine van’t HoFF’sche Hahnpipette mit Watte-
Filtriervorlage. Die Lösungen wurden gewogen, nicht volumetrisch
ausgemessen. Des weiteren wurde dann Chlor nach Mohk titriert,
Kalium nach der Perchloratmethode oder, wenn es nur in geringen
Mengen anwesend war, teilweise zur Kontrolle als Kaliumplatin-
chlorid bestimmt. Magnesium bestimmte ich anfangs als Pyro-
phosphat, da aber die Kontrollbestimmungen hierbei weniger gut
übereinstimmten als diejenigen des Chlors und des Kaliums , so
zog ich vor, Mg Cl2 aus dem gesamten Cl-Gehalt nach Abzug des
im KCl enthaltenen geringen Anteils zu berechnen. Durch diese
Abrechnung sind wegen der nahen Übereinstimmung der für K CI
gefundenen Werte sicher keine bemerkenswerten Fehler entstanden.
Im übrigen ist aber die Bestimmung von MgCl2 aus dem Cl-Gehalt
schon deshalb vorzuziehen, weil MgCl2 ca. 75 Gewichtsprozente CI
und nur 25°/o Mg enthält, außerdem die Titration des Chlors ge-
wöhnlich sehr genaue Werte liefert. Der Wassergehalt der Lösung
ergab sich nach Berechnung von KCl und MgCl2 aus der Differenz.
Für die einfachen Löslichkeiten von Chlorkalium und Chlor-
magnesium konnten die bereits bekannten Werte benutzt werden.
Eine gesättigte Chlorkaliumlösung enthält bei 50°
(2. p. 15):
A'. 103,3 Mole KCl auf 1000 Mole H20.
Was die Sättigung an Chlormagnesium betrifft, so sind nach
Biltz und Makcus die in den van’t HoFF’schen Tabellen und
Diagrammen (1. p. 14, 17 usw.) angegebenen Werte den älteren
Bestimmungen von Löwenherz entnommen und etwas zu hoch,
lieber das Löslichkeitsschema KCl, MgCI2 und Wasser etc. 419
obwohl van’t Hoff und Meyerhoffer nachträglich noch die rich-
tigen Werte bestimmt haben. Nach Biltz und ÄIaroüs (4. p. 169)
beträgt die Löslichkeit des Chlormagnesiums bei 50°:
110,6 Mole MgCl, auf 1000 Mole H„0.
Nach meineu Bestimmungen müßte der Wert für Mg Cl2 ein
wenig höher (ca. 112) sein, da ich bereits für den Sättigungspunkt
MgCl-2 • 6 H, 0/KMgCl3 • 6 H20 bei 50° fand: 1 11,9 Mole MgCl,,
1,2 Mole KCl auf 1000 Mole H2 0, und die an Chlormagnesium
allein gesättigte Lösung dann wohl noch etwas mehr als
111,9 Mole MgCl2 enthalten muß. In Anpassung an die übrigen
Werte ist daher in das Diagramm ein Sättigungspunkt (B') für
Chlormagnesium mit reichlich 112 Mole MgCl2 eingetragen1.
Übrigens möchte ich hierzu bemerken , daß Biltz und Marcus
(4. p. 171) selbst bei ihren Bestimmungen an Ammonium carnallit
für den Sättigungspunkt MgCl2 • 6 H2 0/(N H4) Mg Cl3 • 6 H2 0 bei
50°fanden: 1 1 1.2 Mole MgCl2, 0,8 Mole N H4 CI auf 1000 Mole H,0.
Die von mir ausgeführten Löslichkeitsbestimmungen sind in
den folgenden Tabellen zusammengestellt, wobei zu erwähnen ist,
daß bei Kontrollbestimmungen die Lösung jedesmal mit von
neuem hergestellten Bodenkörpern gerührt wurde:
1. Sättigung an Chlorkalium und Carnallit:
gefunden:
°/o CI | °/o K CI
1 °/o MgCl,
berechnet :
°/0 H, 0 Mole pro 1000
Mole H20
I.
23,10
4,13 1
28,38
67,49
79,55 MgCl,,
14,78 KCl
II.
23,08
4,21 1
28,31
67,48
79.37 MgCl,,
15,07 KCl
Im Mittel: 79,5 Mole Mg CI, und 14,9 Mole KCl aut 1000 Mole H20(E').
2. Sättigung an Magnesiumchloridhexahydrat und Carnallit:
gefunden:
°/o CI j °/0 K CI
°/0MgCl2
berechnet:
°/0 H2 0 Mole pro 1000 Mole H,0
I.
27,79
0,34 2
37,10
62,56
112,2 MgCl,,
1,31 KCl
II.
27,69
0,33 2
36,97
62,70
111,5 Mg Cl2,
1,28 KCl
III.
27,74
0,27 3
37,07
62,65
111,9 MgCl,,
1,04 KCl
IV.
27,77
0,31 3
37,10
62,59
112,1 Mg Cl„,
1,18 KCl
Im Mittel: 11 1.9 Mole MgCl2 und 1,2 Mole KCl auf 1000 .Mole H20 (F').
1 Nach Wilson (2. p. 124. 125) existiert für 25° die Regel, daß in
gemischten Lösungen -jedes eintretende Doppelmolekül Chlorkalium ein
Fünftel Molekül Chlormagnesium verdrängt“, während nach van’t Hoff,
Sachs und Biach (2. p. 253) bei 83° eine „äquimolekulare Verdrängung“
stattündet, für jedes Molekül KCl also ein Molekül MgCl2 ausscheidet.
2 Als KC104 bestimmt.
3 Als K, Pt Cl6 bestimmt.
27*
420
J. ühlig,
Interpoliert man nach den van’t HoFF’schen Daten für die
entsprechenden Sättigungspunkte für 25 und 83° unter der Voraus-
setzung, daß die Löslichkeit genau proportional der Temperatur
wächst, so ist zu berücksichtigen, daß die bei van’t Hoff (1. p. 60)
für 83° angegebenen Zahlen sich unter gleichzeitiger Sättigung
an Na CI verstehen. Je nachdem man die an der zitierten Stelle
zu bildenden Werte unmittelbar benutzt oder eine Korrektur nach
der oben erwähnten Regel van't Hoff’s anbringt, ergeben sich
für MgCl2 die an erster bezw. an zweiter Stelle stehenden Mittel-
werte für 5 0°, nämlich:
1. bei Sättigung an Chlorkalium und Carnallit:
auf 1000 Mole H20 80,9 bezw. 82 Mole Mg CI, und 14,9 Mole KCl,
2. bei Sättigung an Magnesiumchloridhexali3'drat und Carnallit:
auf 1000 Mole H20 110,2 bezw. 111 Mole MgCl2 und 2,9 Mole KCl.
Die Übereinstimmung zwischen den interpolierten Werten und
den von mir für 50° direkt bestimmten ist also eine befriedigende
bis auf den KCl-Gehalt beim zweiten Sättigungspunkt
(MgCl, • 6 H20/KMgCl3 • 6 H20), wofür sich nach van’t Hoff
ein etwa 2|mal so hoher Wert ergibt als nach meinen Fest-
stellungen. Nun ist daran zu erinnern, daß die von van’t Hoff
in seinen Tabellen und Diagrammen für 25° benutzten Werte
teilweise noch auf den älteren Bestimmungen von Löwenherz be-
ruhen, und daß hierzu van’t Hoff selbst gelegentlich bemerkt
(vgl. 2. p. 16 Fußnote, p. 25 usw.) , daß für die Sättigung an
Magnesiuinchloridhexahydrat und Carnallit bei 25° (1000 H2 0,
105MgCl2, 2 KCl) „wahrscheinlich die Kaliumchloridmenge noch
etwas hoch ist“ (2. p. 25). Eine später wiederholte Bestimmung
des vermeintlichen Sättigungspunktes „Chlorkalium, Carnallit“
(vgl. 2. p. 16 Fußnote) ergab: 1000 H20, 98 MgCl„, 0,6 KCl.
Infolge von Überkrustung des Chlorkaliums (vgl. 1. p. 31) bei der
Löslichkeitsbestimmung entspricht dieser Wert aber näher dem
Sättigungspunkt „Chlormagnesium, Carnallit“, so daß für diesen
selbst jedenfalls ein ähnlich niedriger KCl- Wert in Betracht
kommt, also etwa einzusetzen ist:
Sättigung an Chlormagnesium und Cai’nallit bei 25°
1000 H2 0, 105 Mg C1.2, 0,6 K CI.
Hiermit stimmen dann auch gut die von van’t Hoff und
Meyerhoffer für den gleichen Sättigungspunkt bei Anwesenheit
von Chlornatrium für 25° ermittelten Werte überein (2. p. 74),
nämlich :
1000 H2 0, 103,5 Mg Cl2, 0,56 K CI, 2 Na CI.
In dem beigegebenen Diagramm (Fig. 1) entspricht der Punkt F
im unteren Linienzug den so korrigierten van’t HoFF’schen Werten
(1000 H.,0, 105MgCl2, 0,6 KCl) für 25°. Der Sättigungspunkt E
Ueber das Löslichkeitsschema KCl, MgClg und Wasser etc. 421
(K CI, Carnallit) ist nach späteren, offenbar genauen Wiederholungs-
bestimmungen van’t Hoff’s (vgl. 1. p. 30, 31) eingezeichnet
(72,5 Mg Cl„, 1 1 K CI), für A wurde der Wert 87 Iv CI auf 1 000 H2 0
(nach Landolt und Börnsteix’s Angaben interpoliert, vgl. 2. p. 15)
benutzt. Der Sättigungspunkt für Chlormagnesium B (104,5 MgCl2
auf 1000 H„ 0 nach Biltz und Marcus, 4. p. 169) fällt im Dia-
Fig. 1.
Sättigungsdiagramm KCl/MgCl2 bei 25° und 50°.
graimn nahezu mit dem Punkte F zusammen. Der obere Linien-
zug stellt das Löslichkeitsschema für 50° nach meinen oben mit-
geteilten Bestimmungen dar. Die entsprechenden Löslichkeiten für
83° sind von van’t Hoff nur bei gleichzeitiger Sättigung an Chlor-
natrium ermittelt worden unter Benutzung seines Interpolations-
verfahrens (vgl. 2. p. 253). Von ihrer Eintragung in das Diagramm
ist daher abgesehen worden. Da ich meine diesbezüglichen Ar-
beiten leider unterbrechen mußte, konnte ich selbst bisher keine
Kontrollbestimmungen für 25° und 83° vornehmen.
Es ist bemerkenswert, daß die Punkte F und F' des Diagramms,
das sind zugleich die Kristallisationsendpunkte, außerordentlich
nahe an die Ordinate fallen, auf welcher die Sättigungspunkte für
Chlormagnesium allein liegen, so daß also in einer gesättigten Chlor-
magnesiumlösung Chlorkalium bei 25° und 50° nahezu unlöslich ist.
Dabei ist bedeutsam, daß das gleiche für den
Kristallisationsendpunkt im Kaliumbromcarnallit-
diagramm von Boeke (8. p. 353, 354) und für das
422
V. Rosicky und St. J. Thugutt,
Ammonium ch lorcarnallitdiagramm von Biltz und
Marcus (4. p. 171) festgestellt wurde. Die beiden letzteren
Autoren (a. a. 0.) bezeichnet en unter Zugrundelegung der bei
yan’t Hoff sich findenden Daten es geradezu als eine Besonder-
heit des Kaliumchlorcarnallitdiagramms, daß der Sättigungspunkt
MgCl2 • 6 H, O/KMgCl, • 6 H20 wesentlich weiter von der MgCl2
-Achse abliege als die entsprechenden Punkte im Ammoniumchlor-
carnallit- und im Kaliumbromcarnallitdiagramm. Nach der mit-
geteilten Berichtigung der Daten bei van’t Hoff ist dies also nicht
mehr aufrecht zu erhalten. Eine Zusammenstellung der Werte
der F-P unkte für die drei verschiedenen Carnallit-
diagramme, soweit sie bisher vorliegen, wird die nahe
Übereinstimmung am besten d a r t u n :
Sättigungspunkt :
Mole pro 1000 Mole H20:
bei 25° bei 50°
Mg C)2 • 6 H2 0/K Mg Cl3 • 6 H2 0
105 MgCl2 ; 0,6 KCl
111.9 MgCl,; 1,2 K CI
MgCl2 • 6H,0/NH4MgCI3 • 6H,0
(Biltz und Marcus, p. 170, 171)
103,8 Mg Cl2; 0,5 N ff, CI
111,2 MgCl2; 0,8SH4C1
MgBr, • 6 H2 0 K Mg Br3 • 6 H20
(Boeke, p. 353)
99,0 Mg Br,; 0,4 K Br
—
Der vorliegende kleine Beitrag zur Kenntnis des Carnallit-
diagramms ist im Mineralogischen Institut der Universität Halle
entstanden, wo ich mich im März und April d. J. aufhielt, um
mich in die Methoden der physikalisch-chemischen Mineralogie
einzuarbeiten. Herrn Professor Dr. H. E. Boeke möchte ich für
die gastfreundliche Aufnahme in seinem Institut sowie für die
unausgesetzte Anteilnahme und Förderung meiner Arbeiten auch
an dieser Stelle meinen wärmsten Dank aussprechen.
Epidesmin, ein neuer Zeolith.
Von V. Rosicky in Prag und St. J. Thugutt in Warschau1.
An das mineralogische Institut der Böhmischen Universität in
Prag wurden von Herrn Ing. W. Maucher in München einige
Stufen, die von Schwarzenberg (aus der Grube „Gelbe Birke") im
Erzgebirge stammten, eingeschickt. Herr Hofrat Prof. Dr. Iv. Yrba
hatte das Material den Unterzeichneten zur Untersuchung übergeben,
sowie erlaubt, die morphologischen und phvsikaliseheu Eigen-
schaften mit den Apparaten des genannten Institutes durchzuführen.
1 Mitgeteilt in der Sitzung der Böhm. Akad. in Prag am 7. März 1913
und in der Sitzung der Warschauer Gesellschaft der Wissenschaften am
13. März 1913.
Epidesmin, ein neuer Zeolith.
423
Wir sprechen ihm dafür unseren aufrichtigen Dank aus. Die
chemische Untersuchung wurde im mineralogischen Institut der
Warschauer Gesellschaft der Wissenschaften ausgeführt.
Einige der Stufen bestehen aus weißen, bis mehrere cm großen,
skalenoedrischen Kalkspatkristallen, die von einer kristallinischen
Kruste überzogen sind. Dieselbe besteht aus winzigen, weißlichen
bis gelblichen Orthoklaskriställchen und wasserklaren, ebenfalls
sehr kleinen Ivriställchen unseres neuen Zeolithes. Ein anderes
Mal findet man, daß die perimorphosierende Kruste hohl ist, indem
die Kalkspatkristalle ausgelaugt wurden. Die Unterlage solcher
Stufen bildet grüner, in 2 0 = {l22) auskristallisierter und dicht
zusammengewachsener Fluorit.
Die wasserklaren, hie und da gelblich gefärbten Epidesmin-
kristalle sind oft durch Wad an der Oberfläche braun gefärbt.
Ihr Kristallsystem ist rhombisch. Sie sind fast immer nur von
den drei Pinakoiden a {lüO}, b {OIO}, c (oOl) begrenzt; ihr Ha-
bitus ist vertikalsäulig, wobei entweder die beiden vertikalen
Pinakoide gleichmäßig ausgebildet sind oder der Makropinakoid a
stark überwiegt, wodurch die Kristalle tafelig werden. Die Kri-
I stalle sind mit einem Ende aufgewachsen, das andere ist frei.
Dimensionen: die Länge etwa ^ bis 1 \ mm, Breite und Dicke
einige Zehntel bezw. einige Hundertel von mm. Die Flächen der
vertikalen Pinakoide sind fast immer schlecht, indem sie vermehrte
Reflexe liefern, die an einer und derselben Fläche 3 0 bis 4 °,
manchmal aber auch 7 0 differieren. Demgegenüber ist die Basis
gewöhnlich verhältnismäßig gut ausgebildet und steht genau senk-
recht auf der vertikalen Zone. Aus diesem Grunde, sowie aus den
optischen Eigenschaften, darf man wohl auf die rhombische Sym-
metrie schließen. Im einzigen Falle wurde als Endfläche eine
ziemlich gute schiefe Fläche beobachtet mit der Position :
(f> — BO 0 1 5', q — 40 0 07'.
Nehmen wir dieselbe als eine zur Grundpyramide gehörige Kristall-
fläche an, so berechnen wir:
p0 = 0,7315 (logp0 = 9,8642280)
q0 = 0,4181 (logq„ = 9,6212800).
Es ist allerdings notwendig, die Bestätigung dieser Zahlen an den
besser ausgebildeten Kristallen abzuwarten.
Die Dichte wurde durch Suspensationsmethode im Methylen-
tetrabromid zu 2, 1 6 bestimmt. In der Flüssigkeit, in welcher der
Epidesmin schwebt, schwimmt der Kalisalpeter, während der Natron-
salpeter zum Boden fällt. Durch diesen niedrigen Wert der Dichte
unterscheidet sich unser Mineral leicht vom ebenfalls rhombischen
Thomsonit (am T. vom Vesuv fand ich D = 2,369).
Durch Druck zerfallen die Kristalle unter dem Mikroskop leicht
in Spaltblättchen, die den vertikalen Pinakoiden parallel gehen.
424
V. Rosicky und St. J. Thugutt,
Jedes der Spaltblättcheu besitzt scharfe, der e -Achse parallele Risse,
die die Spaltbarkeit nach dem anderen Pinakoide beweisen. Es
scheint, daß parallel a { 1 00} die Spaltbarkeit besser ist als
parallel b (OIO).
Die mittlere Lichtbrechung ist recht niedrig ; sie wurde (durch
Einbettungsmethode) in der THOULE'r’schen Lösung zu 1,498 (im
Na-Licht) bestimmt. Die Auslöschung der Kristalle sowie der
Spaltblättchen ist parallel den vertikalen Kanten ; in manchen
Fällen beobachtet man jedoch, daß die Kristalle nicht einheitlich
auslöschen, d. h. einzelne Partien derselben werden bei Umdrehung
niemals dunkel. Ob diese Erscheinung in der mimetischen Natur
der Kristalle ihren Grund hat, oder ob es sich hier um Anomalien
handelt, konnte jetzt nicht entschieden werden.
Die Ebene der optischen Achsen ist a {100}. Spitze Mittel-
linie ist c, welche die Richtung der größten Elastizität ist. Die
Doppelbrechung ist also negativ. Der Achsenwinkel konnte nicht
gemessen werden, da die Achsen auf den Spaltblättchen nicht zu
sehen sind, und zur Herstellung von orientierten Schliffen senk-
recht zur spitzen Mittellinie sind die Kristalle zu klein. Glück-
licherweise wurde iu einem Präparate ein Kristallbruchstück an-
getroffen, welches fast senkrecht zur optischen Achse orientiert
war ; auf diesem konnte der negative Charakter der Doppelbrechung
bestätigt werden. Aus der bedeutenden Krümmung der Isogyre
kann man auf einen nicht zu großen Achsenwinkel schließen.
Die maximale Doppelbrechung y — a auf a {lOO} ist niedriger
als bei Thomsonit, jedoch höher als bei Desmin; sie wurde mit
dem BABiNET’schen Kompensator im Na-Lichte an mehreren Kri-
stallen durchschnittlich zu 0,015 bestimmt. Auf einem Kristalle
konnte man auch auf dem anderen Pinakoid b (010} die Doppel-
brechung im weißen Lichte annähernd ß — a = 0,010 messen.
In der Pinzette v. d. L. schmilzt Epidesmin sehr leicht, schon
bei der ersten Berührung mit der Flamme schwillt und krümmt
er sich und schmilzt endlich zum weißen, glänzenden Glas. Im
geschlossenen Glasrohr gibt das Mineral Wasser, wird weiß und
undurchsichtig.
Chemische Zusammensetzung.
Zuerst wurde unser Zeolith der mikrochemischen Analyse unter-
worfen1. Dabei erwies sich, daß wässerige Methylenblaulösung
(1 : 1000) wirkungslos ist. Wird derselbe aber zuvor zwei Sek.
über einer kleinen Spiritusflamme auf dünnem Platinblech erhitzt, so
tritt mit obigem Reagens ziemlich starke Lilafärbung ein. Längeres
Erhitzen beeinträchtigt die Intensität dieser Färbung, und nach
fiinfsekundigem Erhitzen über dem Teclubrenner wird, bei gleicli-
1 Vergl. den Gang der mikrochemischen Analyse von St. J. Thdgdtt,
Chemik Polski. (1911.) 11. p. 145.
Epidesmin, ein neuer Zeolith.
425
zeitiger doch ungleichmäßiger Trübung, die Farbe kaum blaßblau.
Mit zehnprozentigem Silbernitrat und zwanzigprozentigem Kalium-
chromat tritt bei gewöhnlicher Temperatur hellorange, bei 100°
starkorange ungleichmäßige Färbung ein. Nach zweisekundigem
Entwässern über der Spiritusflamme wird die Farbe mit obigen
Reagenzien rötlichorange. Längeres Erhitzen schwächt die Fär-
bungsfähigkeit bedeutend ab, und fünfseknndiges Erhitzen über
dem Teclubrenner vernichtet dieselbe ganz.
Obige Eigenschaften sind, wie vergleichendes Material von
Neu-Schottland, Guanajuato, Helgustadir, Färöer, Pinzgau, Puffler-
loch, Sulzbachtal, Selkingen, Striegau und Andreasberg gezeigt
hat, für den Desmin sehr bezeichnend \ Für den Desmin spricht
auch das spezifische Gewicht, der negative Charakter der Doppel-
brechung und die chemische Zusammensetzung.
Von beigemengtem Orthoklas u. a. durch entsprechend ver-
dünnten Bromoform befreit, wies unser Zeolith beim spez. Gew.
2,152 (17
0 C) folgende
Zusammensetzung auf :
1
R
1— R
pro 100
Mol.-
Verb.
Si02 . .
. . 56,66
0,74
55,92
56,03
92 919
5,92
A1203 .
. . 16,00
0,21
16,00
16,03
15 685
1,00
CaO - .
. . 7.58
0,07
7,58
7.60
13 555
Mg 0 .
. . 0,06
—
0,06
0,C6
149
. 1,01
K,0 . .
. . 0,67 |
0,20
0,67
0,67
711
Na,0 .
. . 0,88 j
0,88
0,88
1 419
h, ’o . .
. . 18,69
—
18,69
18,73
103 963
6,63
R . . .
. . 0,44
—
—
—
—
—
100.98
99.80
100,00.
In verdünnter Salzsäure unter Abscheidung sandig-schleimiger
Kieselsäure löslich, zieht derselbe aus der Luft beim Feinpulvern
Feuchtigkeit an in Mengen, die den beim Desmin beobachteten1 2
ungefähr entsprechen. Schon nach zehnminutigem Reiben z. B.
werden 1,09% H, 0 aufgenommen.
Nimmt man an, daß der in Flußsäure unlösliche Rest R der
Kieselsäurefällung zum größten Teil aus Elementen des Orthoklases
besteht, so ist von der unter 1 angeführten Kieselsäurezahl noch
diejenige Kieselsäure, welche auf 0,2 1 °/o Al2 03 im Verhältnis
6 Si 02 : 1 Al, 03 entfällt, abzuziehen. Natürlich können die sub R
angeführten Zahlen keinen Anspruch auf Genauigkeit machen, weil
ja nur Milligramme der Analyse unterworfen wurden. Die Gegen-
wart von Na neben K wurde an der Flamme erkannt, Spuren
Eisen und Mangan dagegen ganz vernachlässigt.
Die aus obigen Molekularverhältnissen sich ergebende Formel
3 Ca (Na2, K2) Al2 Si6 0J6 • 20 H2 0 stimmt mit derjenigen des Des-
1 Ebenda.
2 St. J. Thugütt, Dies. Centralbl. (1909.) p. 682.
426
V. Rosick^ und St. J. Thugutt, Epidesmin etc.
mins genau überein. Ein Desmin liegt jedoch nicht vor. Der
Desmin ist monoklin, unser Zeolith rhombisch. Die Doppelbrechung
ist beim Desmin schwach, hier dagegen recht stärker. Wir hätten
somit mit einem neuen Zeolith zu tun, welchem, in Anspielung an
die mit dem Desmin übereinstimmende Zusammensetzung, die Be-
zeichnung Ep i de s min gegeben werden mag. Vertiefte kristallo-
graphische Untersuchungen, besonders das Studium von Ätzfiguren
an besserem als obiges Material, wäre natürlich sehr erwünscht.
Man könnte sich so definitiv vergewissern, daß mimetische Kristalle
nicht vorliegen. Die Tatsache nämlich, daß die sonst sehr emp-
findlichen mikrochemischen Reaktionen bei der Diagnose des Des-
mins und des Epidesmins ihren Dienst versagen, muß immerhin
auffallend erscheinen.
Die ungleichmäßige Färbung sowohl des Desmins wie des
Epidesmins mit Silberchromat legt die Vermutung nahe, daß die
basischen Elemente — das Kalium und das Natrium — mit dem
Molekül 3 CaAl2Si6 016 • 20H20 nichts zu schaffen haben. Wahr-
scheinlich treten dieselben in Form selbständiger Silikate auf,
ähnlich denjenigen, welche bei der Einwirkung kieselsaurer Al-
kalien auf Diaspor erhältlich sind (K„ Al2 Siß 0.,. • 3 H„ 0 und
3 Na2 AL Si6 016 • 8 H20)J.
Das Auftreten des Heulaudits (Stilbits) neben dem Epistilbit,
des Desmins neben dem Epidesmin bietet auch in genetischer Hin-
sicht manches Interesse. Es ist nämlich sehr wahrscheinlich, daß
obige Zeolithe Umwandlungsprodukte saurer Feldspäte sind. Wir
unterscheiden nun : den monoklinen Orthoklas und den triklinen
Mikroklin, den monoklinen Na-Feldspat (Barbierit) und den triklinen
Albit, und dürften auch zwei Paare metamerer Abkömmlinge der-
selben erwarten. Durch die Entdeckung des rhombischen Epi-
desmins hat sich diese Erwartung in netter Weise erfüllt. Wie
die einzelnen Feldspäte und Zeolithe untereinander Zusammenhängen,
läßt sich bisweilen nichts Bestimmtes sagen. Ein enger genetischer
Zusammenhang zwischen dem Schwarzenberger Epidesmin und
dem paragenetisch mit letzterem auftretenden Feldspat ist
wohl denkbar. Überhaupt scheint die von einem von uns1 2 ge-
legentlich der Zeolithstudien gemachte Erfahrung, daß verschieden
konstituierte Mutterminerale zu verschieden konstituierten Um-
setzungsprodukten führen müssen , auf einer breiteren Grundlage
zu ruhen.
Prag und Warschau, März 1913.
1 St. J. Thugutt, Zeitschr. f. anorg. Chem. (1892.) 2. p. 144.
2 St. J. Thugutt, Dies Centralbl. (1911.) p. 405 und 701; C. R. Soc.
Scient. de Varsovie. (1912.) 5. p. 64, 67, 107.
M. Berek, Zur Messung der Doppelbrechung etc.
427
Zur Messung der Doppelbrechung hauptsächlich mit Hilfe
des Polarisationsmikroskops.
Von M. Berek in Wetzlar.
Mit 7 Textfiguren.
(Fortsetzung.)
3. Beschreibung des Kompensators und seines
Gebrauches.
Die mechanische Konstruktion des drehbaren Kalkspatkompen-
sators ist sehr einfach (Fig. 1). Die senkrecht zur optischen Achse
geschnittene Kalkspatplatte von ca. 0,1 mm Dicke sitzt an einer
drehbaren Achse, in einem der üblichen Gips- und Glimmerfassnng
ähnlichen Messingschieber. Durch eine seitliche Feder wird der
Schieber fest gegen die Wände des Tubusschlitzes über dem Mikro-
skopobjektiv angedrückt. Um die Ablesegenauigkeit zu erhöhen
wird die Drehung des Kompensatorblättchens mit Hilfe einer Über-
setzung auf eine Trommel übertragen, mit welcher der Dreliknopf
Fig. 1. Drehbarer Kalkspatkonipensator.
fest verbunden ist. Für das Übersetzungsverhältnis wurde
genau 1 : 10 gewählt. Toter Gang ist nicht bemerkbar. Die
Trommel ist von 3 zu 3 0 geteilt ; mit Hilfe eines neunteiligen
Nonius sind 20' ablesbar, so daß die Neigung der Kompen-
satorplatte bis auf 2' bestimmt werden kann.
Bei der gewählten Dicke des Kompensatorblättchens beträgt
der Meßbereich nach jeder Seite von der Null-Stellung aus ca. 4 Ord-
nungen. Das Blättchen ist leicht auswechselbar; denn es sitzt
in einer besonderen Metallfassung, die in den an der Drehachse
des Instruments befestigten Ring eingesteckt werden kann..
Die Drehachse des Kompensators muß diagonal zu den
Polarisationsrichtungen der Nicols liegen. Wenn diese von
Süd nach Nord bezw. von Westen nach Osten verlaufen, so muß
also der Tubusschlitz, wie es bei den neueren Stativen von
E. Leitz in Wetzlar durchgängig ausgeführt wird, eine nordwest-
428
M. Berek, Zur Messung der Doppelbrechung
südöstliche Orientierung besitzen. Andernfalls sind die Nicols um
45° zu drehen. Fig. 21 2 zeigt das Gesichtsfeld des Mikro-
skops bei eingeschaltetem Kompensator und richtiger
Tubusschlitzlage in der Null-Stellung. Die geringe Auf-
hellung des Gesichtsfeldes durch die
schwachgrauen Interferenztöne der
ersten Ordnung stört so wenig, daß
man zumeist auch die gewöhnliche
Durchmusterung des Dünnschliffs bei
stets eingeschaltetem Kompensator aus-
führen kann.
Für den Kompensator liegt die
Polarisationsebene der schnel-
leren Welle oder nach der anderen
üblichen Bezeichnungsweise die
Fig. 2. Gesichtsfeld des Mikro- Schwingungsrichtung der Licht-
skops bei eingeschaltetem Korn- Bewegung mit kleinster Gesclnvin-
pensator in der Null-Stellung, digkeit / = C = k parallel der
K o m p e n s a t o r d r e h a c h s e. Der Kri-
stall, dessen Doppelbrechung bestimmt werden soll, liegt mithin in
der Subtraktions-Lage in bezug auf den Kompensator, wenn die
Polarisationsebene der langsameren Welle bezw. die Schwin-
gungsrichtung der Lichtbewegung mit größter Geschwindig-
P
P
Fig. 3.
Einstellung auf Kompensation bei
einem Gangunterschied von ca.
I *
4 '
Fig. 4.
Einstellung auf Kompensation bei
einem Gangunterschied von ca. 2 X.
keit a = a = g in dem zu untersuchenden Kristallblättchen parallel
zum Tubus schlitz orientiert ist. Das ist also in zwei der vier mög-
lichen Diagonalstellungen. Dann tritt beim Drehen des Kompen-
sators nach beiden Seiten hin Kompensation ein. Daß im Gegensatz
1 Die Fig. 2 — 6 sind sämtlich verkleinert und im weißen Licht
photographiert.
2 Die Kristallplatte (Glimmerblättchen) ist in den Fig. 3—6 nicht
sichtbar, weil sie das Gesichtsfeld ausfüllt und strukturlos ist.
hauptsächlich mit Hilfe des Polarisationsmikroskops.
429
zu den Keil-Kompensatoren die Punkte gleichen Gangunterschiedes
nicht auf einer Geraden, sondern auf einer Kurve liegen, ist be-
langlos, da für die Einstellung nur das Zusammenfällen eines
Punktes des Kompensationsstreifens mit dem Schnittpunkt der
Okularfäden des Mikroskops maßgebend ist (Fig. 3 und 4). Weil
die Polarisationsrichtungen in allen Punkten eines Kompensations-
streifens nicht parallel zueinander, sondern radial bezw. tangential
angeordnet sind, so besitzen die Kompensationsstreifen dann nicht
zur Mitte des Gesichtsfeldes symmetrische Intensität, sobald die
zu untersuchende Kristallplatte nicht genau in der Dia-
gonalstellung sich befindet (Fig. 5 und 6). Bei kleineren
Gangunterschieden wandert dann der Kompensationspunkt nicht
P
Fig. 5.
Die Kristallplatte steht nicht genau
in der Diagonalstellung.
Gangunterschied ca. \ 4.
P
Fig. 6.
Die Stellung der Kristallplatte ist
noch nicht ganz fehlerfrei.
Gangunterschied ca. 14.
genau durch den Schnittpunkt der Fäden. Daher kann die An-
wendung des Kompensators selbst als empfindliches Hilfs-
mittel dienen, die Kristallplatte genau diagonal in der
Subtraktionslage zu orientieren. Beim Kompensator nach Babinkt
ist dagegen eine ungenaue Lage der Platte nicht so leicht erkenn-
bar, vielmehr bewirkt sie eine parallele Verschiebung des
Kompensationsstreifens nach längeren oder kleineren Gangunter-
schieden, so daß das Messungsresultat dadurch beeinträchtigt wird
(vergl. p. 388).
Treten schon bei leerem Apparat die Farbringe nicht ganz
symmetrisch ins Gesichtsfeld ein, so ist das Kompensatorblättchen
in seiner Kingfassung selbst etwas zu drehen.
Starke Lichtintensität und entsprechend geringe
Beleuchtungs -Apertur sind die besten Bedingungen fiir genaue
Einstellung der Kompensationsstreifen. Da die kompensierenden
Streifen durch gro ße B e wegli chk e i t ausgezeichnet sind, so
stellt man wie beim LANDOLT’schen Streifen am besten während
der Bewegung des Streifens ein. Die Empfindlichkeit der
430
M. Berek, Zur Messung der Doppelbrechung
Einstellung des Kompensationsstr eifens in bezug auf
den Schnittpunkt der Okularfäden ist innerhalb des gesamten Meß-
bereichs nahezu die gleiche. Aus einer großen Anzahl von Ein-
stellungen bei verschiedenen Gangunterschieden ergab sich im ein-
farbigen Licht im Mittel für den mittleren Fehler einer
Trommeleinstellung 48', so daß also bei einer Einstellung
die Lage der Kompensatorplatte mit einem mittleren
Fehler von 4,8' bestimmbar ist.
Die Ermittlung des Neigungswinkels i erfolgt am besten,
wie p. 393 erwähnt, durch Einstellung bei Links- und Rechts-
drehung des Kompensators auf b ei d e Streifen. Ist die hierbei
abgelesene Trommeldrehung w, so ist die gesuchte Neigung
des Kompensatorblättchens
Dieser Winkel i kommt dann für die Berechnung von f (i)
nach 1 6 und des Gangunterschiedes nach 1 3 in Betracht. Um
jedoch dem Arbeitenden auch diese Berechnung noch zu er-
sparen, wird von den optischen Werken E. Leitz in Wetzlar
dem Kompensator eine logarithmischeTafel beigegeben. Diese
enthält gleich log. f (i) für jede Trommeldrehung w zwischen 0 0 und
600 u in Intervallen von 20' zu 20', unter Berücksichtigung aller
Glieder in 1 5 berechnet. Auch die K o m p e n s a t o r k o n s t a n t e f (J)
wird bereits im Werk bestimmt. Der dem zugehörigen Kompen-
sator eigentümliche log ist für verschiedene einfarbige
I (Jj
Lichtarten, sowie für den konventionellen optischen
Schwerpunkt weißen Lichts am Kopf der Tabelle angegeben,
so daß nur beide Logarithmen addiert zu werden brauchen. Der
Numerus davon, im zweiten Teil der Tafel aufgeschlagen, gibt
dann den gesuchten Wert x in der Gleichung r=xl.
Folgendes Beispiel erläutert die Bestimmung eines Gang-
unterschiedes: Für eine gemessene Trommeldrehung w = 62°40'
entnimmt man direkt der Tabelle den Wert
log F (w) = 7,4756 (= log f (i) )
log = 1,1752 (steht am Kopf der Tab.)
log x = 8,6508
r = 0,045 X
oder für X — 589 /u/u : r = 26 /u/u.
Bei intensiver Beleuchtung im weißen Licht führen schon
geringe Gangunterschiede von 3 [Afi eine deutlich erkennbare
und meßbare Auflösung des Kreuzes herbei.
In der Null-Lage ist der Kompensator ferner als empfindliches
Stauroskop zur Bestimmung der Auslöschungsrichtungen benutz-
bar. Er ist hierbei ein zuverlässigeres Hilfsmittel als die vielfach
hauptsächlich mit Hilfe des Polarisationsmikroskops.
431
verwandten Platten nach M. Laurent, L. Calderon, H. Traube,
A. Bravais u. a. Die Empfindlichkeit der Drehquarz -Halb -
Schattenvorrichtungen im einfarbigen Licht erreicht er jedoch
nicht. Doch wird eine so große Empfindlichkeit in vielen Fällen
nicht begehrt und ist reell auch nur unter ganz besonderen
Vorsichtsmaßregeln zu erreichen1, die zu treffen es dem
arbeitenden Petrographen meist an Zeit fehlen dürfte.
Der Kompensator ist ferner ohne weiteres zur Bestimmung
des optischen Charakters benutzbar und ersetzt sowohl Gips-
wie auch Glimmerblättchen. £>x bezw. y = c = k im Kompen-
sator liegt parallel zur Schlitzrichtung, §2 bezw.
a = d = g also senkrecht zur Drehachse.
Bei der Bestimmung des Charakters der Doppel-
brechung im konvergenten Licht geht man von der Null-
Lage des Kompensators aus, während sich die Kristallplatte in
der Normalstellung befindet. Durch beiderseitiges Drehen der
Trommel kann man die Änderungen im betrachteten Achsenbild
des Minerals bis zum Auftreten der schwarzen Punkte in zwei
Quadranten allmählich bewirken und somit die Verringerung bezw.
Vergrößerung der Gangunterschiede besser erkennen. Infolge des
negativen Charakters des Kalkspats gilt dieselbe Merkregel
für -f- und — wie beim Viertelundulations-Glimmerblättchen, wenn
man die Verbindungslinie der auftretenden schwarzen Punkte mit
der Richtung der Kompensatordrehachse (Tubusschlitz)
vergleicht.
Bei der Ermittlung des Charakters der Schwin-
gungsrichtungen im parallelen Licht geht man von der
i Auslöschungsstellung der zu untersuchenden Kristallplatte aus.
Dann dreht man den Kompensator, bis die empfindliche Farbe im
Schnittpunkt der Okularfäden erscheint und beobachtet den Sinn,
in welchem sich diese Interferenzfarbe beim Drehen der Kristall-
platte ändert. Da man in der Lage ist, das Steigen oder
Fallen der Interferenzfarbe während der Drehung des
untersuchten Minerals auch an einer beliebigen anderen
Stelle der Farbenskala zu prüfen, so ist diese Methode,
auf der auch schon das drehbare Quarzblättchen von Biot beruht,
sicherer als viele der üblichen Verfahren.
14. Prüfung der Zuverlässigkeit des Kompensators
durch Vergleichsmessungen.
Es wurde der Gangunterschied eines fein gespaltenen Glimmer-
blättchens und der 16 Stufen einer Glimmertreppe nach E. v. Fe-
dorow sowohl mit Hilfe eines Kompensators nach Babinet, als
auch mit Hilfe des drehbaren Kalkspatkompensators für
1 M. Berek, N. Jahrb. f. Min. etc. Beil.-B. XXXIII. p. 586. 1912.
432
M. Berek, Zur Messung der Doppelbrechung
das Licht der D-Linie bestimmt. Als Lichtquelle diente der neue
speziell für mikroskopische Zwecke bestimmte kleine Mono-
chromator der Firma E. Leitz in Wetzlar1 in Verbindung mit
einer Liliput-Bogenlampe. Um auch ganz geringe Gang-
unterschiede auf ihre Meßbarkeit hin zu prüfen, benützte ich noch
eine | cm dicke, in einen kleinen Schraubstock gespannte Glas-
platte, in der ich durch geringes Anziehen der Stockschraube
Spannungsdoppelbrechung in verschiedener Größe erzeugte. Um
diese äußerst geringen Gang unterschiede gut meßbar zu
machen, wandte ich das unzerlegte weiße Licht der Liliput-
Bogenlampe und geringe Beleuchtungs-Apertur an. Bei so kleinen
Gangunterschieden kommt es auch auf die genaue Definition der
Wellenlänge gar nicht mehr an.
Für den Kompensator nach Babinet ergab sich als
mittlerer Fehler einer Einstellung eines beliebigen Kom-
Tabelle 2.
Vergleichsmessungen verschiedener Gang unterschiede
mit den Kompensatoren nach Babinet und Berek.
Kompensator nach
Trommel-
Gegenstand
B ABINET
Berek
drehung
r
mf,
1 r
inf,
w
Gepreßte Glasplatte .
nicht meßbar
Hfi 3,9
+ 0,5
24°
20'
desgl. .
nicht meßbar
5,3
+ 0,6
28
20
desgl. .
18,1 ufi
+ 3,9
16,8
±1,1
49
40
Spaltungsplatte von
Glimmer
25,3
+ 4,0 tu,u
26.3
1,2
62
40
Stufe
l
134,3
4,3
135,0
3,0
141
40
2
266,2
4,5
265,5
4,1
199
20
£
o
3
402,5
—
399,4
—
244
40
•o
4. . . . .
533
—
530
—
282
0
Q
K
>
71
5 ... .
670
5,4
663
L7
315
40
71
6
799
—
796
—
346
20
7
937
—
931
—
375
0
-rC
V
8
1066
—
1064
—
401
20
9
1202
—
1195
—
426
0
<D
10. ... .
1338
7,3
1335
9,0
450
40
di
Ä
11. ... .
1466
—
1461
472
0
S-i
12
1610
—
1604
—
494
0
<V
£
13
1746
8,8
1734
11,2
515
20
s
14
—
—
1868
—
535
40
o
15. ... .
—
—
2004
—
555
20
. ”
16
—
—
2145
12,4
575
20
1 Die Beschreibung dieses Monochromators erfolgt in Zeitschr. f.
Instr. 1913.
hauptsächlich mit Hilfe des Polarisationsmikroskops.
433
pensationsstreifens, in Troimnelteilen gemessen, Jn = + 3,9. Die
Kompensatorkonstante war im Mittel N = 578,9. Aus JT = xA = -^-A
folgt fiir den mittleren Fehler einer Bestimmung vonx:
d x = x J n / — -| — \ 1, 21 )
\ n 1 mN J '
worin N mit Hilfe der beiden Streifen als ermittelt gedacht ist,
fiir die _T=m/ ist. Um den Einfluß dieses Fehlers möglichst
klein zu machen, wurde in der Fehlerrechnung der größtmögliche
Wert m = 3 eingesetzt.
Die gemessenen Gangunterschiede und die berechneten Fehler
sind in Tab. 2 zusammengestellt. Jede Zahl ist der Mittelwert
aus 10 Einstellungen. Der Fehler der Mittelwerte ist also an-
genähert gleich dem 3. Teil des angegebenen Fehlers einer Ein-
stellung. Den Fehler in der Kenntnis von / ließ ich unberück-
sichtigt, da es sich nur um Vergleichsmessungen handelt; ich setzte
A = 589 /<(«. Daher gelten 21 und 23 auch unmittelbar, wenn
man darin x durch T ersetzt.
Fiir den drehbaren Kalkspatkompensator wurde zu-
nächst ebenfalls die Kompensatorkonstante f (J) bestimmt. Um
einen Anhalt für die Genauigkeit und Zuverlässigkeit dieser Be-
stimmung zu erhalten, ermittelte ich f (J) für alle auftretenden
Streifen bei parallelen wie gekreuzten Nicols zugleich
mit und ohne Berücksichtigung der Korrektionsglieder. Tab. 3
Tabelle 3.
Bestimmung der Kompensatorkonstante f(J) für das Licht
der D-Linie mitHilfe sämtlicher zwischen parallelen und
gekreuzten Polarisationsprismen auftretenden Interferenz-
streifen.
f (J) berechnet nach 15 bezw. 18
r
irommeiarenung
w = 20 i
ohne mit einem mit zwei
Korrektionsgliedern
¥ ^
209° 40'
0,0662
0,0667
0,0667
l
296 20
54
63
63
H
365 40
56
69
70
2
422 40
50
67
68
24
474 0
46
68
69
3
519 40
40
65
67
Ql
ö¥
563 40
37
66
69
4
605 40
36
69
72
44
643 40
30
67
71
Mittel . . . .
0,0646
0,0667
0,0668
log
f(J)
1,1752.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913
28
434
M. Berek, Zur Messung der Doppelbrechung etc.
enthält das Resultat dieser Bestimmungen. Da der mittlere
Fehler einer Bestimmung von i nach p. 430 48' und mit großer
Annäherung 4f(J) = sin 2 i • 4i ist, so folgt für P=lA für den
mittleren Fehler von f (J) bei einer Bestimmung m f, = + 0,0007
und für den Mittelwert aus 10 Einstellungen mf10 = + 0,0002.
Wir sehen in Tab. 3, daß bereits bei Benutzung nur des ersten
Korrektionsgliedes (also der Gleichung 16), die Werte für f (J)
schon innerhalb der Fehlergrenzen übereinstimmen. Die Einführung
des zweiten Koi'rektionsgliedes führt praktisch eine Verbesserung
des Resultates nicht mehr herbei.
Für die Fehlerrechnung der gemessenen Gangunterschiede
folgt aus 13):
/<ff(i)
\f(i)
1 f(J) 1
worin wir, um einen direkten Vergleich mit dem Kompensator nach
Babinet zu erzielen, m = 3 setzen. In erster Annäherung erhalten
wir, da 4i = ö J ist :
Jx = 2x Icotg i — — cotgjjtTi 23)
worin nach p. 393 wieder x durch P ersetzt werden kann.
Tab. 3 und p. 430 ist
296° 30'
,20
14° 17'; di = 4,8'.
Nach
Die mit den beiden Kompensatoren ermittelten Werte der
Tab. 2 stimmen innerhalb der berechneten Fehlergrenzen voll-
kommen überein .
Der drehbare Kalkspatkompensator ist mithin ein
mindestens ebenso zuverlässiges Meßinstrument wie
der Kompensator nach Babinet. Für kl eine Gangunter-
schiede ist die erreichbare Genauigkeit erheblich größer,
für hohe Gang unterschiede nur wenig kleiner als die
des Kompensators nach Babinet.
Es ist von Interesse, die Genauigkeit unseres Kompensators
mit derjenigen zu vergleichen, die H. Schulz bei seinen Unter-
suchungen über die Doppelbrechung gekühlter Gläser mit seinem
Apparat erzielt hat. Aus der Mitteilung von H. Schulz 1, daß der
mittlere Fehler bei drei Einstellungen ± 0,009 mm Keilverschiebung
beträgt, folgern wir für eine Einstellung + 0,0156 mm, oder da die
Kompensatorkonstante für die angewandte Lichtart 6,727 mm war,
mfi = + 0,0023 L Die Kompensatorkonstante selbst war außerdem
mit einem mittleren Fehler von ± 0,005 behaftet. Wir führen
mit Hilfe dieser Werte die Fehlerrechnung für einige Daten des
Glases 0 118 von Schott u. Gen. durch, das in der von H. Schulz
1 H. Schulz, Phys. Zeitschr. 13. p. 1023. 1912.
0. Wilckens, Zur Benennung etc.
435
angegebenen Tabelle1 den geringsten bestimmten Doppelbrechungs-
betrag auf weist. Es ergeben sich so folgende Werte :
Versuchsstück
r
mf,
67 ... .
±
66 ... .
. . 12,9
1,3
31
. . 32
1,3
30
1,4
29 a . . - .
. . 323
1,6
28
. . 584
1,7.
Der Vergleich mit Tab. 2 ergibt, daß der drehbare Kalkspat-
kompensator für ganz kleine Gangunterschiede bei Anwendung
intensiver Beleuchtung denselben Genauigkeitsgrad besitzt
wie der BABiNEx’sche Kompensator mit den LuMMEß’schen Doppel-
ringen. An die Empfindlichkeit des Glimme ro kulars nach
J. Königsberger 2 dagegen reicht der Kalkspatkompensator in der
Erkennbarkeit geringster Spuren von Doppelbrechung nicht heran.
Doch dürfte die Feststellung von so geringen Gangunterschieden
(in der Größenordnung von IO-4 A) meistens nicht mehr das Ziel
der Petrographen sein, da oft Objektträger und Kittschicht höhere
Werte an Spannungsdoppelbrechung aufweisen. (Schluß folgt.)
Zur Benennung der alpinen Ueberschiebungsdecken.
Von Otto Wilckens in Jena.
Durch den oft etwas willkürlichen Gebrauch der Bezeich-
nungen herrscht eine gewisse Verwirrung in der Benennung der
alpinen Überschiebungsdecken. Bei den lepontinischen ist die
Mannigfaltigkeit der Namen am größten, viel geringer bei den
ostalpinen und vollends bei den helvetischen.
Es liegt in der Natur der Sache, daß die Grenzbestimmung
für das zwischen dem helvetischen und ostalpinen gelegene
lepontinische Deckensystem Schwierigkeiten macht 3. Die nördlich
des Rhonetales wurzelnde Decke der inneren Voralpen ist z. B. als
Übergang zu den helvetischen Decken aufgefaßt, die Stellung der
Radstätter Decke war strittig. Termier4 hat als Begrenzung
die Glanzschieferdecke als tiefste lepontinische, die der Silvretta
als tiefste ostalpine angegeben. Er erkennt selbst an, daß diese
Grenzbestimmung auf tektonischer Basis sich praktisch noch schwer
—
1 H. Schulz, Phys. Zeitschr. 13. p. 1025. 1912.
2 J. Königsberger, dies. Centralbl. 1908. p. 729; 1909. p. 249, 746.
E. Suess, der die drei genannten „Decken 1. Ordnung“ ausge-
schieden hat („Das Inntal bei Nauders“, Sitzber. Ak. d. Wiss. Wien.
Math.-nat. Kl. 114. Abt. I. p. 703—709), gibt keine genauen Grenzen an.
4 Geologische Rundschau. 4. p. 43—44.
28*
436
0. Wilckens,
durchführen läßt , weil die Gliederung des ostalpinen Decken-
systems noch nicht genug geklärt ist.
Im lepontinischen Deckensystem sind zwei Deckengruppen
miteinander vereinigt, die einen ziemlich ungleichen stratigraphischen
Habitus besitzen. Die Glanzschieferdecken und jener Deckenkomplex,
der die Voralpen zwischen Aare und Arve auf baut, haben zwar
die relativ schwach entwickelte Trias 1 gemeinsam, doch zeigt die
schiefrige Sammelfolge der ersteren wesentliche Unterschiede
gegenüber der Schichtfolge der letzteren. Die Glanzschieferdecken
sind neuerdings von Argand die penninisclien genannt worden, und
diese Bezeichnung hat sich bereits eingebürgert. (Der Anklang
an die „pieninisehen“ Decken der Karpathen ist zwar nicht gerade
günstig.) Die übrigbleibenden Decken müssen dann aber einen
besonderen Gruppennamen erhalten. Lepontinisch kann man sie
nicht schlechthin nennen; denn das sind die Glanzschieferdecken
auch. Alb. Heim2 gebraucht für sie den Namen „ Klippendecken
Aber diese Bezeichnung ist zu verwerfen, weil bereits 1905 der
Name „Klippendecke“ von Steinmann ganz speziell für die Decke
der mittleren Voralpen vergeben worden ist3. Ebensowenig an-
gängig ist es, wenn P. Beck von Klippendecken und Klippen-
gesteinen spricht und dabei seine „Niesen-Habkerndecke“ im Auge
hat, zu der er auch die Decke der inneren Voralpen rechnet, die
ihrerseits wiederum, soweit sie oben auf den Kalkhochalpen liegt,
„Decke des Mt. Bonvin“ benannt worden ist.
Es möge deshalb für die oberen lepontinischen Decken als
Gruppenname die Bezeichnung „vindelizische Decken“ vorgeschlagen
werden. Das Wort „vindeliziscli“ ist gegenwärtig in der Sprache
der alpinen Geologie außer Kurs; seine Wiederbenutzung gerade
für die Decken der Voralpen und der Schweizer Klippen, deren
Schichtfolge vor der allgemeinen Annahme der Deckentheorie
1 Der Name „lepontinisch“ ist von G. Steinmann für diese Trias mit
folgendem Satz eingeführt worden : .Ich halte die Übertragung der ....
Bezeichnung Köthidolomit auf die Sedimente der lepontinischen und
penninischen Alpen zunächst nicht für zweckmäßig, weil sowohl in der
Mächtigkeit als in der Gesteinsbescliaifenheit nicht unwichtige Dilferenzen
vorhanden zu sein scheinen, möchte vielmehr vorschlagen, neben der ost-
alpinen oder besser gesagt mediterranen Fazies der Trias eine „lepontinische“
zu unterscheiden, welche im NO, 0 und S von der mediterranen Fazies
umfaßt wird und im N und W an die helvetische Fazies grenzt.“ (Geol.
Beob. i. d. Alpen. I. Das Alter der Bündner Schiefer. Ber. Nat. Ges.
Freiburg i. B. 10. p. 221—222. 1898.)
2 So auf der Karte in Em. Kayser’s Lehrb. d. allg. Geol. 4. Aufl.
p. 744, Fig. 578.
3 G. Steinmann, Geologische Beobachtungen in den Alpen. II. Die
ScHARDT’sche Überfaltungstheorie und die geologische Bedeutung der
Tiefseeabsätze und der ophiolithischen Massengesteine. (Ber. Nat. Ges.
Freiburg i. B. 16.) p. 33.
Zur Benennung der alpinen Ueberschiebungsdeeken.
437
vindelizisch genannt wurden, scheint aber zweckmäßig und un-
bedenklich '.
Wir kommen zu den einzelnen vindelizischen Decken. Wenn
wir die Decke der inneren Voralpen in diesem Zusammenhang an-
fiihren dürfen, so wäre hervorzuheben, daß sich für sie die kürzeren
Ausdrücke „Freiburger Decke “ und „Paßdecke“ nicht eingebürgert
haben. Ob sie mit in die Niesen-Habkerndecke Beck’s einhezogen
werden kann, hängt von weiteren Forschungen ab. Der Name
„Klippendecke“ statt .Decke der mittleren Voralpen“ ist bereits
gang und gäbe und sollte auch iu der Schweiz dem undeutschen
Ausdruck „mediane Präalpen“ (!) vorgezogen werden. Ebenso hat
sich die knappe Bezeichnung .Brecciendecke“ gegenüber der um-
ständlichen „Decke der Chablaisbreccie“ oder „Decke der Hornfluh-
breccie* völlig durchgesetzt. Obwohl von Rothpletz früher bereits
in anderem Sinne gebraucht, ist der Name „rhätische Decke“ doch
allgemein in der Steinmann 'sehen Anwendung in Benutzung, obwohl
zugegeben werden muß, daß er der von Haug vorgeschlagenen
„Ophiolithdecke“ ans Prioritätsrücksichten weichen müßte, wenn
solche bei geologischen Bezeichnungen so respektiert würden, wie
es in der Biologie mit Organismennamen üblich ist.
Wir kämen also zu folgender Benennung der lepontinischen
Decken :
Lepon-
tinisches
Deckensystem
Vindelizische
Decken-
gruppe
Penninische
Decken-
gruppe
Bhätische oder Ophiolithdecke
Brecciendecke
Klippendecke
Niesen (-Habkern) decke
Decke der inneren Voralpen oder Paßdecke
' VI. Dent Blanchedecke
V. Monte Rosadecke
IV. St. Bernhardsdecke
III. Monte Leonedecke
II. Lebendundecke
I. Antigoriodecke
In den östlichen Nordalpen versteht man unter „Voralpen“
Gebiet des ostalpinen Deckensystems und spricht neuerdings von
einer „voralpinen Decke“. Diese Bezeichnung ist mißverständlich,
weil man bei „Voralpen“ unwillkürlich an die vindelizischen
Decken erinnert wird. Zudem haben Haug und Lugeon die
Decke unter der Hallstätterdecke längst die „bayrische“ genannt.
Man sollte sich an dieser lokalen Bezeichnung ebensowenig stoßen
1 Die Frage der Wurzeln der vindelizischen Decken, die ja vielleicht
doch im Bereich der Glanzschieferdecken gesucht werden müssen, hat
keinen Einfluß auf diese Bezeichnung. Man würde demnach der Klippen-
decke einen besonderen Namen geben, auch wenn sie etwa von der
St. Bernhardsdecke stammte.
438
Fr. Schöndorf, Ueber positive Strandverschiebungen
wie an dem Namen „Dachsteindecke“. Auch am Rande der öster-
reichischen Alpen wird doch die Flyschzoue helvetisch genannt
und die rhätisclie Decke trägt ihren Namen auch in den Vor-
alpen (der Schweiz), obwohl sie dort nicht in Rhätien liegt. Die
Decke über den Hallstätter Kalken heißt neuerdings die „hoch-
alpine“. Auch bei diesem Wort denkt man leicht an etwas anderes,
nämlich an die Kalkhochalpen, die auch in der Schweiz im Gegen-
satz zu den Voralpen stehen, aber in einem ganz anderen Sinne.
Endlich sollte man nicht von einer „ostalpinen Klippenzone“
sprechen, wenn der Austritt der vindelizischen Decken am Außen-
rande der nördlichen Kalkalpen gemeint ist. Die Klippenzone ist
vindelizisch und nicht ostalpin, auch wenn sie in den Ostalpen
auftritt. Will man eine geographische Bezeichnung wählen, so
muß man schon „die vindelizische Klippenzone am Rande der
Ostalpen“ oder etwas Derartiges sagen. Die Abschaffung der an-
gegebenen irreführenden Namen würde zum leichteren Verständnis
der alpinen geologischen Literatur wesentlich beitragen.
Ueber positive Strandverschiebungen im Oberen Jura des
südöstlichen Deisters.
Von Fr. Schöndorf in Hannover.
Schon vor längeren Jahren hatte W. Wunstorf unter Bezug-
nahme auf ältere am Osterwalde1 gemachten Beobachtungen in
einer kleinen Arbeit2 der eigenartigen Lagerungsverhältnisse Er-
wähnung getan, die im Oberen Jura nahe dem Dorfe Volksen am
südöstlichen Deister zu beobachten waren.
Im Hangenden des seiner Gesteinsbeschaffenheit und Fossil-
fiihrung nach unzweifelhaft zu erkennenden Korallenoolithes liegen
dort an Stelle der von anderen nahe benachbarten Lokalitäten und
vor allem aus der näheren Umgegend der Stadt Hannover beschrie-
benen, durch ihre reiche Fauna sehr gut charakterisierten Kim-
meridgebildungen fossilarme oder fossilleere Mergel und Kalke,
an deren Basis sich ein an abgerollten Gesteinsstücken und Ver-
steinerungen des Weißjura reiches Konglomerat in mehr oder
minder großer Mächtigkeit findet. Im Hangenden dieses Kon-
glomerates und der es überlagernden fossilarmen, aus Mergeln und
Kalken bestehenden Schichtfolge stehen an vielen Stellen die serpel-
1 W. Wunstorf, Die geologischen Verhältnisse des Kleinen Deisters,
Nesselberges und Osterwaldes. Jahrb. d. preuß. geol. Landesanst. zu Berlin
f. d. J. 1900. 21. 1901.
2 W. Wunstorf, Transgressionen im Oberen Jura am östlichen Deister.
Jahrb. d. preuß. geol. Landesanst. zu Berlin f. d. J. 1902. 22. 1905. p. 272
bis 277.
im Oberen Jura des südöstlichen Deisters.
439
reichen Kalke des Oberen Purbeck, der sog. Serpulit an, der wiederum
durch seine Gesteinsbeschaffenheit und das massenhafte Auftreten
der Serpula coacervatci Blmb. seinem stratigraphischen Alter nach
genau festzulegen ist. In den zwischen dem Korallenoolith und
dem Serpulit liegenden Schichten fanden sich außer den in den
Geröllschichten vorhandenen abgerollten Stacheln von Cidaris flori-
genima Phill. und Hemiciäaris intermedia Flem. sp., verdrückten
RhynchoneUa pinguis A. Roem., Bruchstücken von Lima- und Pecten-
Arten und Ostreen, die, auf sekundärer Lagerstätte liegend, über
das geologische Alter keinen genaueren Aufschluß geben, nur Stein-
kerne von Pronoe Brongniarti A. Roem., Pr. nuculaeformis A. Roem.
und Trigonia spec., „Zweischaler, die nicht für einen bestimmten
Kimmeridgehorizont leitend sind“. An einer Stelle enthielten
plattige Kalke, die im unmittelbar Hangenden der Geröllschicht
in geringer Mächtigkeit auftreten, schlecht erhaltene Steinkerne
von Jlodiola sp. und Corbula sp. und andere unbestimmbare Zwei-
schaler auf den Schichtflächen, wonach W. Wunstorf1 diese Kalke
„den Fossilien und der petrographischen Beschaffenheit nach . . .
zum Portland stellte, ohne zu entscheiden, ob sie als Eimbeck-
häuser Plattenkalke oder Gh/as-Schichteu anzusehen sind.“
„Die Geröllschichten würden danach die Kimmeridge-Gruppe
anderer Gegenden, vielleicht auch einen Teil des Korallenooliths
vertreten ..." Sie sind „ihrer Beschaffenheit nach als Abrasions-
produkt und die Gerolle als Reste der durch die Abrasion zer-
störten Schichten“ aufzufassen.
Im Hangenden der Portlandkalke liegen 5 m mächtige, fossilleere
gelbe, rote und graublaue, schiefrige Mergel, die ihrer Lage nach
als Münder Mergel gedeutet werden müssen, über welchen dann
die schon erwähnten serpelreichen Kalke des Serpulit folgen.
Auf Grund seiner Beobachtungen kam Wunstorf zu dem
Schluß2, daß bei Volksen „die Kimmeridge-Gruppe und
vielleicht ein Teil des Portland durch Geröllschichten
vertreten werden und die Münder Mergel nur in ganz
geringer Mächtigkeit vorhanden sind. Erklären lassen
sich diese Verhältnisse nur durch Annahme von Bewegungen der
Erdrinde während der Ablagerung dieser Schichten, wobei es zu
Strandversehiebungen und Faziesverschiedenheiten gekommen ist.“
Die vorstehend kurz geschilderten Darstellungen von W. Wuns-
torf wurden bald darauf gelegentlich einer Kartierung eines nahe
beigelegenen Geländes bei Bennigsen durch H. Stille3 nachgeprüft,
wobei Stille zu wesentlich anderen Schlußfolgerungen kam, indem
1 W. Wunstorf, Transgressionen 1. c. p. 275.
3 W. Wunstorf, Transgressionen 1. c. p. 276.
3 H Stille, Über Strandverschiebungen im hannoverschen Oberen
Jura. Monatsber. d. deutsch, geol. Ges. No. 12. 1905. p. 515 ff.
440
Fr. Schöndorf, Ueher positive Strandverschiehungen
er nämlich die über dem Korallenoolith liegenden Geröllschichten,
für welche er einen neuen Namen, „Völkser Konglomerat“,
einführte, nicht mit Wunstorf für älter als Portland, sondern als
„Abrasionskonglomerat an der Basis des transgre-
dierenden Serpulit“ ansah. Diese abweichende Deutung be-
gründet Stille damit, daß die Corlnda und Modiola führenden
Kalke im Hangenden des Konglomerates nicht nur große petro-
graphische Ähnlichkeit mit manchen Serpulitkalken zeigen, sondern
wie diese auch schon Serpeln enthalten neben Modiola und Corlnda ,
die ebenfalls nach Struckmann 1 auch im Serpulit vorhanden seien.
Für diese Deutung macht Stille ferner geltend, daß die eben
erwähnten Kalke ebenso wie der hangende Serpulit teilweise
konglomeratiscli ausgebildet sind, was im Verein mit anderorts
in Nordwestdeutschland gemachten Beobachtungen über Serpulit-
vorkommen eine andere Deutung der Geröllschichten bei Volksen
außerordentlich unwahrscheinlich macht. In seinem Schlußwort zu
dem eben erwähnten Aufsatz faßt er die stratigraphischen Momente
dahin zusammen, daß das Völkser Konglomerat jünger
sei als die in ihm aufgearbeiteten Schichten des
Korallenoolith und Kimmeridge, daß es durch seine
petrographische Verknüpf ung und aus anderen Grün-
den als das Basalkonglomerat des konglomeratisclien
und trän sgr edier enden Serpulit aufzufassen sei. Dar-
nach fehlten bei Volksen im Weißen Jura „außer
einem Teile des Oberen Korallenoolith der Kimme-
ridge, die Grigras-Schicliten, Eimb e ckhäuser Platten-
kalk e und Münder Mergel und die Angaben älterer
Autoren über das Vorkommen dieser Schichten seien
nicht aufrecht zu erhalten“.
Diese Ansicht hat H. Stille auch in seinen späteren Arbeiten 1 2,
die ähnliche Probleme berühren, beibehalten.
Auf Grund neuerer, seit einigen Jahren unternommener Unter-
suchungen über die Stratigraphie des Oberjura in der näheren
Umgebung von Hannover ist Verf. hinsichtlich der Deutung und
Abgrenzung mancher Weißjurahorizonte, die in der Hauptsache auf
der älteren Gliederung von K. von Seebach und den Detailprofilen
von C. Struckmann basierten, zu wesentlich anderer Auffassung,
1 C. Strockmann, Geognostische Studien am östlichen Deister. 27. und
28. Jaluesber. d. Naturh. Ges. zu Hannover, p. 63; — , Über den Serpulit (Pur-
beckkalk) von Volksen am Deister usw. Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 21.
1879. p. 232.
2 H. Stille, Exkursion in den südöstlichen Deister am 5. Juli 1908.
1. Jahresber.' d. Niedersächs. geol. Ver. zu Hannover. 1908. p. 19. — Der
geologische Bau des Weserherglandes und des Teutoburger Waldes. 1909.
in: 0. Beissert, Das Weserbergland und der Teutoburger Wald. — Das
Alter der deutschen Mittelgebirge. Dies. Centralbl. 1909.
im Oberen Jura des südöstlichen Deisters.
441
namentlich letzterem gegenüber, gekommen. Zum Teil ist darüber
schon an anderer Stelle 1 berichtet worden. Mit dieser neueren
Auffassung, die fast ausschließlich auf faunistische Studien gegründet
war, sind nun aber die mehrfach schon beschriebenen Weißjura-
profile des Deisters in ihrer bisherigen Horizontierung nicht mehr
in Einklang zu bringen. Insbesondere erfahren dadurch die eigen-
artigen Geröllschichten eine andere stratigraphische Orientierung,
wobei sich zugleich das überraschende Resultat ergab, daß diese
in ihrer zuvor schon kurz geschilderten Beschaffen-
heit im Oberjura Norddeutschlands einzigartig da-
stehenden Bildungen als „Völkser Konglomerat" nicht
nur auf die Gegend von Volksen beschränkt sind,
sondern eine weit größere Verbreitung besitzen, daß
sie auch in den übrigen Weiß juraprofilen des süd-
östlichen Deisters wiederkehren und daß sie auch
fast in gleicher Ausbildung und Mächtigkeit selbst
in den so oft beschriebenen und für die Gliederung
klassisch gewordenen Weißjuraprofilen nahe Han-
nover n ächz uw eisen sind. An all diesen Lokalitäten sind
diese Geröllschichten in ihrer wahren Natur bisher nicht erkannt und
demzufolge hinsichtlich ihres stratigraphischen Alters unrichtig
gedeutet worden2.
Die stratigraphische Abgrenzung der Weißjuraschichten, ins-
besondere der jüngeren Horizonte, ist nicht ganz leicht, einmal,
weil diese vielfach keine bezeichnenden „Leitfossilien“ enthalten,
sodann aber, weil ein starker fazieller Wechsel Verschiedenheiten
nicht nur in der faunistischen, sondern auch petrographischen Be-
schaffenheit bedingt, so daß es selbst an nahe beieinander gelegenen
Lokalitäten nicht immer möglich ist, das gleiche Niveau ohne
weiteres mit Sicherheit wieder zu erkennen. Hierdurch erklärt
sich aucli die mitunter mangelhafte Übereinstimmung der zu ver-
schiedener Zeit und von verschiedenen Autoren von der gleichen
Stelle beschriebenen Proüle , die vielfach nicht auf fehlerhafter
Beobachtung, sondern auf rasch wechselnden Faziesverschieden-
heiten bei fortschreitendem Abbau beruht.
1 Fr. Schöndorf, Das Profil des Oberen Jura am Bahnhof Linden-
Fischerhof bei Hannover. 2. Jahresber. d. Niedersäcbs. geol. Ver. Han-
nover 1909. — Die Stratigraphie und Tektonik der Asphaltvorkommen von
Hannover. Ebenda. 4. Jahresber. Hannover 1911. — Das Vorkommen und
die stratigraphische Stellung der „Aumerahs-Schichten“ im nordwest-
deutschen Weißen Jura. Ebenda. 5. Jahresber. Hannover 1912/13.
2 Es ist sehr wahrscheinlich, daß auch das von H. Stille vom Teuto-
burger Wald beschriebene Bielefelder Serpulitkonglomerat hierhergehörf.
Die stratigraphischen Untersuchungen darüber sind noch nicht abgeschlossen
so daß sich zurzeit über seine genauere Horizontierung noch nichts Be-
stimmtes aussagen läßt.
442
Fr. Schöndorf. Ueber positive Strandverschiebungen
Der Vergleich mit ausländischen, besser aufgeschlossenen Weiß-
juraprofilen wird ferner dadurch erheblich erschwert, daß die Faunen
nicht immer ganz einwandfrei festgestellt sind, daß es bei vielen
„ leitenden “ Arten nicht einmal feststeht, was Grundform, was zeit-
lich veränderte Abart (Mutation) ist, so daß wohl gelegentlich nach
dem Vorkommen solcher .Leitformen" mit dem gleichen Namen
zwei verschiedene Horizonte bezeichnet werden.
Die im folgenden gebrauchten Niveaubezeichnungen beziehen
sich deshalb nur auf die zurzeit im nordwestdeutschen Oberjura
üblichen Abgrenzungen, sie dürfen lediglich ihres Namens wegen
nicht auf andere Lokalitäten übertragen werden.
Für die Beobachtung der in Bede stehenden Weißjuraschichten
am südöstlichen Deister eiguen sich vor allem die zahlreichen, teil-
weise heute noch in Abbau stehenden Steinbrüche nahe dem Dorfe
Volksen , Station Eldagsen der von Hannover nach Altenbeken
führenden Bahn, sowie die Steinbrüche am Eversberg bei Spriuge
und der Einschnitt der von der Stadt Springe nach der Försterei
Köllnischfeld führenden Straße am Samkekopf. An letzterer Lokalität
bietet sich das vollständigste Weißjuraprofil , da in diesem Ein-
schnitt selbst oder in seiner unmittelbaren Nachbarschaft fast sämt-
liche Weißjurahorizonte von den Heersumer-Schichten an bis hinauf
zum Serpulit zum Teil mit .Leitfossilien" in nahezu ungestörter
Lagerung zu beobachteu sind. Dieses Weißjuraprofil am Samke-
weg bei Springe mag deshalb den übrigen nur lückenhaften Profilen
des südlichen Deisterendes als Hanptprotil zngruude gelegt werden.
Es ist hier nicht der Ort, eine eingehende Beschreibung dieses
im ganzen oder iu einzelnen Teilen schon mehrfach 1 veröffentlichten
Profiles zu geben, das wird mit anderen Weißjuraprofileu zusammen
in einer ausführlichen Veröffentlichung in dem Jahresbericht des
Niedersächsischen Geologischen Vereins zu Hannover geschehen2.
Es genügt hier, die allgemeine Schichtfolge zu notieren, soweit sie
für eine stratigraphische Orientierung von Bedeutung ist.
In dem gegenüberstehenden Profile sind die Schichten No. 1 — 3
Heersumer-Schichten, Korallenoolith und Kimmeridge, und No. 6
und 7 Münder Mergel und Serpulit, ihrer Fauna3 und ihrer strati-
1 C. Strdckmanx. Geognostische Studien am östlichen Deister. 27. und
28. Jahresber. d. Naturhist. Ges. zu Hannover. 1878. p. 53 ff. — Geognostische
Studien am Deister. II. Ebenda. 29. und 30. Jahresber. 1880. p. 60 ff. —
H. Stille. Über Strandverschiebungen 1. c. 1905. p. 525. — M. Nahxsex,
Über die Gesteine des norddeutschen Korallenooliths usw. Inaug.-Diss.
Göttingen. N. Jahrb. f. Min. etc. Stuttgart 1913. p. 330.
! Dort wird auch die gegenteilige Deutung des Profiles durch
C. Struckmann ihre Berichtigung erfahren.
3 Vergl. die ausführlichen Fossillisten, die von C. Struckmann,
Geognost. Studien am östlichen Deister (1. c.) und für den Serpulit in der
Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 31. 1879 mitgeteilt wurden.
im Oberen Jura des südöstlichen Deisters.
443
Die Schichtfolge des Weißen Jura am Samkeweg bei Springe
am Deister.
Hangendes : W e a 1 d e n.
7. Serpulit. 10 — 15 m. Braune, plattige, an Serpula coacervata Blmb.
reiche Serpelkalke und graublaue, z. T. schalige Kalksteine mit
dunklen Schiefertonen wechselnd.
6. Münder Mergel, ca. 15 m. Zu unterst ockergelbe, darüber
dunkle, blauschwarze, violette und grüne Mergel mit eingelagerten
festeren Bänken eisenschüssiger, rauher, teilweise zelliger Dolo-
mite. Zu oberst liegen mächtige, intensiv rote und grüne Mergel.
5. Eimbeckhäuser Plattenkalke. 8 — 9m. Graue und gelbe,
dünnplattig zerfallende, bankige Mergel und "> Mergelkalke mit
dunklen dünnblätterigen Schiefertonen wechselnd. An der Basis
liegen ockergelbe dolomitische Mergel. Kalke mit Modiola litlio-
domus Dkr. u. K. und Corbula inflexa Roem.
4. Gigas- Schi eilten, ca. 6 m. Feste, dickbankige, bräunliche,
oolithische oder dichte Kalke, lagenweise erfüllt von Schalenresten
und dadurch oft porös werdend. Auf den Schichtflächen des
hangenden, zu plattiger Absonderung neigenden Kalkes zahlreiche
Modiola lithodomus Dkr. u. K., Corbula inflexa Roem., zahlreiche
andere Zweischaler und kleine Gastropoden. Außerdem häufig
Pyknodontenzähne und namentlich kleine Austern. Mit den
Kalken wechseln mürbere Schichten, grüne Mergel mit Kalk-
geröllen in mehreren Lagen. Letztere vielfach eng verknüpft
mit dichten bankigen Kalken. Zu unterst und zu oberst liegt
je eine etwa 1,50 m mächtige Schicht dickbankiger sehr fester
Kalke mit Schalenresten und Ostrea multiformis Dkr. u. K.
3. Kimmeridge1. 12 — 15 m. Abwechselnd mürbere groboolithische
oder dichte Mergel mit festeren, unregelmäßig gebankten, knollig
zerfallenden, graublauen Kalken mit zahlreichen Steinkernen von
Cyprina Brongniarti Roem. sp., Cypr. nuculaejormis Roem. sp.,
Thracia incerta Roem. sp., Pholadomya multicostata Ag., Mactro-
mya rugosa Roem., Isocardia striata d’Orb. u. a., sowie Schalen-
exemplaren von Echmobrissus Baueri Dames, Terebratula sub-
sella Leym., Exogyra virgida Defr., Ostrea multiformis Dkr. u. K.,
Trigonia alifera Contj. u. a. Zu unterst Mergel mit Natica
globosa Rmr., Chemnitzia abbreviata Rmr. und Terebratula
humeralis Roem.
2. Kor allenoolith. ca. 20 m. Grob- und feinoolithische, feste Kalke mit
Cidaris florigemma Phill , Eehinobrissus scutatus Lam., Beeten
subfibrosus d’Orb., Gervillia avicidoides Sow.sp. und vielen anderen.
1. Heersumer-Schichten. 4 — 6 m. Gelbe und braune, innen
dunkel geflammte, rauhe Dolomite und Kalke mit Cardioceras
cordatum Sow. sp., Beeten subfibrosus d’Orb. u. a.
1 Eine Gliederung des Kimmeridge ist hier mit Absicht unterlassen,
um das Profil nicht zu komplizieren. Vergl. weiter unten.
444
Fr. Schöndorf, Ueber positive Strandverschiebungen
graphischen Lage nach in ihrem geologischen Alter unzweifelhaft
bestimmt. Die Schichten No. 4 und 5, Gü?as-Schichten und Eim-
beckhäuser Plattenkalke, werden hinsichtlich ihres geologischen
Alters bestimmt durch ihr Auftreten im unmittelbaren Liegenden
der Münder Mergel, in welche die hangenden Partien ohne jede
scharfe Grenze petrographisch allmählich übergehen.
Die G-ii^as- Schichten (No. 4) werden trotz des Fehlens von
Ammoniten als solche gedeutet, einmal wegen ihrer petrographischen
Übereinstimmung mit anderen typischen Vorkommen dieses Niveaus,
ferner wegen des Auftretens der für diesen Horizont charakte-
ristischen kleinen Gastropoden und schließlich auf Grund ver-
gleichender Studien mit ähnlichen Schichten bei Hannover, wo die
leitenden Cephalopoden vom Verf. früher bereits 1 aufgefunden
wurden. Die Trennung der Gipas-Schichten und Eimbeckhäuser
Plattenkalke ist recht mißlich und teilweise vollkommen willkür-
lich, indem lediglich die oberen, dünnplattigen Kalke der Gigas-
Schichten als „Plattenkalke“ abgetrennt werden, was mitunter zu
argen Verwechslungen geführt hat 2. Im vorstehenden Profile ist
diese Abtrennung vorläufig noch beibehalten, obwohl es richtiger
wäre, die hier abgeschiedenen „Plattenkalke“ nicht
als besonderen Horizont, sondern als plattige Fazies
der G ig as- S cli i ch ten aufzufassen.
Die Gü/as-Schichten (No. 4) sind auffallenderweise konglo-
meratisch ausgebildet , den geschichteten Kalken sind mehrere
Geröllagen eingeschaltet, und vielfach bestehen auch die Kalke
aus fest verkitteten Gerollen. Die Gerolle, meist in griine Mergel
eingebettet, sind hier nur klein, selten über 4 — 5 cm groß, und
gering mächtig, weiter nach Osten aber werden sie größer, erreichen
bis 1 m Durchmesser und schwellen zu mächtigen Konglomeraten,
dem schon erwähnten Völkser Konglomerat, an. Das Völkser
Konglomerat gehört demnach nicht dem Serpulit,
sondern den Gigas- S c h i c h t e n an.
Schon die petrographische Ausbildung und die dadurch bedingte
Entwicklung des Landschaftsreliefs läßt die einzelnen Schichten im
Fortstreichen auch im bewaldeten Gelände sicher verfolgen, selbst
dann, wenn die an und für sich schon kümmerlichen Fossilien voll-
kommen fehlen.
Sieht man von Einzelheiten ab, so läßt sich für den Vergleich
mit den anderen Lückenprofilen am östlichen Deister die Schicht-
folge folgendermaßen schematisch vereinfachen :
1 Fr. Schöndorf, Asphaltvorkommen bei Hannover, 1. c. p. 114.
2 So hat C. Struckmann z. B. die Klippen bildenden Gigas- Kalke, die
er im Samkeprofil richtig erkannte, im Fortstreichen im Walde als Eim-
beckhäuser Plattenkalke beschrieben, deren Fauna daher ganz einzigartig
dasteht, was schon Koert, Geol. u. paläontolog. Unters, der Grenzschichten
zwischen Jura und Kreide auf der Süd Westseite des Selter, Göttingen 1898.
p. 49, auffiel, ohne daß er sich dies erklären konnte.
im Oberen Jura des südöstlichen Deisters.
445
Profilsehema am südöstlichen Deister
nach den Aufschlüssen am Samkeweg bei Springe und Beobachtungen im
anstoßenden Gelände.
Hangendes: Wealden, mit hohem Steilanstieg des liegenden Deister-
sandsteins. Wealdsandstein, Kohlenflöze und dunkle dünn-
blättrige Wealdschiefer.
7. S e r p u 1 i t. Feste plattige Serpelkalke, mächtige graublaue, dichte
oder oolithische Kalke und blaue Schiefertone. Die Kalke
bilden deutliche Terrainkanten.
6. Münder Mergel. Zu unterst ockergelbe, darüber dünnschiefrige,
schwarzblaue und bröckelige, grüne und rote Mergel mit
dünnen eingelagerten festeren Bänken. Im Gelände meist
feuchte Niederungen erfüllend.
5. Eimbeckhäuser Plattenkalke. Dünnplattige, graue und
fahlgelbe Kalke, gelbe verfestigte Mergel und dünnschiefrige
blaue Mergel. Die Kalkplatten bedeckt von Modiola litho-
domus Dkr. u. K. und Corbula inflexa Boem. Im Gelände
teils mit dem Hangenden, teils mit dem Liegenden ver-
S schmelzend.
^ 4. Gigas-Schichten. Feste dickbankige, oft plattige, braune Kalke,
meist oolithisch mit spärlichen Versteinerungen. Einige dichte
Lagen ganz erfüllt von Ostrea multiformis Dkr. u. K. Schicht-
flächen der oolithischen Kalke bedeckt mit Modiola lithodomus
Dkr. u. K. und Corbula inflexa Roem. Im Hangenden und
Liegenden 1,50—2,00 m mächtige, sehr feste, bankige Kalke
mit Schalenresten. Dazwischen mehrere mürbere Partien
graugrünlicher Mergel mit Gerollen. Die festen Kalkbänke
bilden im Gelände hervorragende Klippen, auf deren Schicht-
köpfen zahlreiche kleine Austern umherliegen.
O 3. Kimmeridge1. Wulstige, blaue, dichte und groboolithische Kalke
mit Mergeln wechsellagernd. Die Kalke bilden im Gelände
flache Kuppen und liefern zahlreiche Terebratula subsella
Leym. Daneben die bekannten Kimmeridge-Steinkerne. Die
Mergel erfüllen flache Senken.
2. Korallenoolith. Sehr feste und mächtige, grobgebankte,
oolithische Kalke, stellenweise mit zahlreichen Stacheln von
Cidaris florigemma Phill., Pecten subflbrosus d’Orb. usw.
Überall einen hohen scharfen Steilhang erzeugend.
1. Heersumer-Schichten. Hellbraune, dunkelgeflammte, rauhe,
sandige Dolomite mit Cardioceras cordatum Sow. Schlecht
aufgeschlossen, an der Basis des von Korallenoolith gebildeten
Steilhanges liegend.
Liegendes : Dogger. Dunkle weiche Schiefertone im flachen Gelände.
1 Eine Gliederung des Kimmeridge ist hier aus Zweckmäßigkeits-
gründen nicht vorgenommen.
446
Fr. Schöndorf, Ueber positive Strandverschiebungen
Das vorstehende Profilschema, das trotz dieser knappen
Fassung für die meisten Spezialprofile des Weißen Jura am öst-
lichen Deisterende anwendbar ist, zeigt einmal eine voll-
ständige Ausbildung aller größeren, bisher unter-
schiedenen Weißjurastufen, mit alleiniger Ausnahme der
lokal beschränkten Süßwasserfazies des obersten Purbeck, ein
Zeichen, daß diese sämtlichen Jurastufen im Bereiche
des Deisters abgelagert wurden, zweitens eine deut-
liche konglomeratische Fazies der Gigas- Schic hten,
und drittens eine vollkommen normale Auflagerung
des Serpulits über typischen Münder Mergeln. Die
teilweise etwas reduzierte Mächtigkeit der letzteren ist an dieser
Stelle nicht auf ein Übergreifen des Serpulit, sondern auf streichende
Störungen nachweislich zurückzuführen.
Die zahlreichen in der allernächsten Umgebung von Volksen
gelegenen Steinbrüche zeigen fast alle, von kleinen speziellen Ab-
weichungen namentlich in der Mächtigkeit und durch Verwerfungen
bedingten Störungen abgesehen, übereinstimmend das gleiche Profil,
soweit die Weißjuraschichten eben lokal aufgeschlossen sind.
Generelles Weißjuraprofil der Umgegend von Völksen,
in etwa 20 Steinbrüchen mehr oder minder vollständig aufgeschlossen.
Hangendes: Plattige, braune, serpelreiche, feste Kalke. Serpulit.
3—5 m. Grüne, blaue und gelbe, seltener rote, meist gut geschichtete
Mergel. Ihnen eingelagert einige dünnere ockergelbe,
stark eisenschüssige oder dolomitische Bänke. Münder
Mergel.
2—3 m. Dickbankige nach oben oft plattige und dann fossilreiche
(. Modiold lithodomus Dkr. u. K., Corbula inflexa Rof.m.),
feste Kalke mit zahlreichen Austernschalen. Vielfach
konglomeratisch. Darüber zuweilen noch ockergelbe,
plattige Mergelkalke. Portland1.
ca. 3 m. Stark abgerollte Kalkgerölle eingebettet in grüne Mergel.
Völkser Konglomerat.
Liegendes: Feste, stark zerklüftete, graublaue oolithische Kalke mit
Cidaris florigemma Phill., Echinobrissus scutatus Lah.,
Pecten subfibrosus d’Orb. Korallenoolith.
Die Übereinstimmung dieses Völkser Profiles mit dem ver-
einfachten Samkeprofil. (p. 445) ist ganz offensichtlich. Aus dem
vorstehenden Profile, das, wie bereits gesagt wurde, mit kleinen
Abweichungen für sämtliche Weißjura-Aufschliisse nahe Völksen,
die die in Rede stehenden Schichten aufschließen, gültig ist, ergeben
sich folgende Schlußfolgerungen :
1 Es ist hier mit Absicht unterlassen, die Gliederung des Portland
in Giyas-Schichten und Eimbeckhäuser Plattenkalke durchzuführen, da
eine Trennung beider vielfach nicht möglich ist. Vergl. vorher.
im Oberen Jura des südöstlichen Deisters.
447
1. Der Serpulit in Form typischer Serpelkalke
liegt überall über mürben, grünen, blauen, gelben
oder roten Mergeln mit zwischengelagerten festeren
Bänken, die ihrer Beschaffenheit und Lage nach
genau übereinstimmen mit den im Hauptprofile des
Weißjura am Samkeweg bei Springe (p. 443) als Mün-
der Mergel beschriebenen Schichten. Der Serpulit
liegt also bei Volksen normal über Münder Mergel.
2. Transgressionskonglomerate an der Basis des
Serpulit sind nirgends zu beobachten.
3. Die in fast allen Aufschlüssen auffallend her-
vortretende, 2 — 3 m mächtige Geröllbank, das sog.
Völkser Konglomerat, ist durch eingelagerte dichte
Kalke und das Auftreten ähnlicher Geröllagen im
Hangenden eng verknüpft mit den hangenden Port-
landkalken. Diese durch ihre Gesteinsbeschaffen-
heit und Fossilführung hinrei chend charakterisierten
Kalke stimmen überein mit den vom Samkeweg als
Gigas- Schichten (p. 443 No. 4) beschriebenen Kalken.
Sie liegen stets im Liegenden der Münder Mergel.
Das Völkser Konglomerat gehört demnach nicht dem
Serpulit, sondern den Gig as-Schic hten an.
4. Eine Gliederung des Portland in Giyas-Schichten
und Eimbeckhäuser Plattenkalke, wie sie im Haupt-
profil am Samkeweg noch einigermaßen durchführbar
war, ist bei Volksen nicht gut möglich. Die dort
vorhandenen, teilweise konglomeratischen, festen
Kalke im Liegenden der Münder Mergel entsprechen
ihrer petrograpliischen und sonstigen Beschaffen-
heit nach weit eher den als Giyas-Schichten gedeu-
teten Kalken (No. 4) des Hauptprofils, als den Platten-
kalken. Die sog. Eimbeckhäuser Plattenkalke sind
faziell von den Giy as-Schic hten nicht zu trennen
und scheinen hier in unmittelbarer Strandnähe voll-
kommen auszukeilen.
5. Zwischen dem den Giyas-Schichten angehören-
den Völkser Konglomerate und seinem Liegenden,
dem Korallenoolith, klafft eine größere Lücke, indem
Kim me ridgebild ungen1 bei Volksen fast vollkommen
1 Der Ansicht von H. Stji.le, daß bei Volksen Kimmeridgebildungen
im Liegenden des als Serpulit gedeuteten Völkser Konglomerates voll-
kommen fehlen, vermag ich nicht beizustimmen. An mehreren Stellen finden
sich petrographisch und faunistisch sehr wohl als Kimmeridge zu identi-
fizierende Kalke und Mergel über typischem fossilführendem Korallenoolith
im Liegenden der Konglomerate. Näheres siehe in der oben angekündigten
Spezialarbeit.
448
Miscellanea. — Personalia.
feil len. Sie und ein Teil desKorallenoolitli sind als
Gerolle im Volkse r Konglomerat aufgearbeitet. Das
Volkse r Konglomerat ist demnach als Basalkonglo-
merat der über ältere Weißju raschic liten trans-
gr ediere n den Gigas-Sc liicliten aufzu fassen.
Die für eine Transgression des Serpulit mehrfach ins Feld
geführte auffallend geringe Mächtigkeit der Münder Mergel bei
Volksen und am Samkeweg ist an letzterer Lokalität nicht durch
ein Übergreifen des hangenden Serpulit verursacht, sondern auf
streichende und schwach spießeckige Verwerfungen innerhalb der
Münder Mergel zurückzuführen , die sich im bergigen Gelände
nördlich und östlich des Wegeinschnittes sehr gut über Tage nacli-
weisen lassen und an verschiedenen Stellen, z. B. oberhalb des
Hirschkopfes, zu einer deutlichen Wiederholung der Serpelkalke
innerhalb der roten und grünen Münder Mergel und einem Abstoßen
derselben an spießeckigen Brüchen führten. Diese streichenden
Verwerfungen sind vom Verf. auch weiter nach Osten bis zum
Bielstein und darüber hinaus bis jenseits Volksen verfolgt worden,
so daß sie sicherlich am geologischen Bau des südöstlichen Deisters
einen viel größeren Anteil nehmen als bisher vermutet wurde.
Hannover, den 15. Mai 1913.
Miscellanea.
Die geologische Aufnahme des Duppauer Gebirges im
nordwestlichen Böhmen.
Bereits im Jahre 1901 hat die „Gesellschaft zur Förderung
deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen“ beschlossen,
die geologische Aufnahme des Duppauer Gebirges in gleicher Weise
wie die des Böhmischen Mittelgebirges im Maßstabe 1:25 000
durchführen zu lassen. Aus verschiedenen Gründen konnte der
Beschluß bis jetzt nicht ausgeführt werden. Gegenwärtig stehen
der Ausführung keine weiteren Hindernisse entgegen und Herr
Dr. F. Seemann wird schon im heurigen Sommer mit der für
mehrere Jahre berechneten Arbeit beginnen. Das aufzunehmende
Gebiet erstreckt sich von Kaaden im Osten bis nach Karlsbad im
Westen, vom Abbruch des Erzgebirges südlich bis in die Breite
von Waltsch. Es ist lebhaft zu begrüßen, daß die genannte Ge-
sellschaft an das dem Abschlüsse nahe gebrachte Kartenwerk des
Böhmischen Mittelgebirges nun ein zweites Werk anreiht, das ein
weiteres großes vulkanisches Gebiet in Nordböhmen umfassen wird.
Personalia.
Verleihung. Dem Professor der Mineralogie und Geologie
au der landwirtschaftlichen Akademie zu Tetschen, Dr. J. E. Hibsch,
ist von der preußischen Akademie der Wissenschaften eine Leibnitz-
Medaille verliehen worden.
0. H. Erdmannsdörffer, Ue'ber Koenenit von Sarstedt.
449
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Ueber Koenenit von Sarstedt.
Von 0. H. Erdmannsdörffer.
Mit 1 Textfigur.
Von Herrn Bergingenieur Lommatzsch erhielt das hiesige
mineralogisch-geologische Institut ein Stück grauen Salztones aus
dem Kaliwerk Glückauf-Sarstedt, in dem einzelne Klüfte ausgefüllt
•sind mit einem glasklaren, spätigen Anhydrit, etwas rotem
‘Carnallit und kleinen Partien eines Minerals, das sich hei
näherer Untersuchung als Koenenit herausstellte.
Dieser Ko en enit unterscheidet sich von dem Vorkommen in
Justus-Volpriehausen , der durch Eisenglanz intensiv rot gefärbt
ist, durch seine hellgelbe Färbung; die mikroskopische Untersuchung
zeigt, daß ihm keinerlei Spuren von Eisenglanz beigemengt sind.
In seinen sonstigen Eigenschaften gleicht er aber durchaus dem
Mineral von dem genannten Fundpunkt.
Kristallformen fehlen ; das Mineral bildet aneinander liegende
Täfelchen, die zu rosettenartigen Gruppen zusammentreten können.
Es besitzt die für Koenenit bezeichnende äußerst geringe Härte,
seine lederartige Biegsamkeit und glimmerartig vollkommene Spalt-
barkeit nach einer Fläche. Die Spaltblättchen lassen im konver-
genten polarisierten Licht das Interferenzbild eines einachsigen
optisch positiven Körpers zentral austreten.
Rinne 1 stellte fest, daß der Koenenit durch Wasser zerlegt
wird und zunächst in einen optisch negativen, schwächer doppel-
brechenden „Metakoenenit“ übergeht, der durch weitere Be-
handlung mit Wasser, Salmiaklösung und durch Glühen, unter
Erhaltung der Kristallstruktur bis zur Erreichung einer völligen
Pseudomorpliose von Tonerde nach Koenenit abgebaut werden kann.
Den optisch negativen Metakoenenit erhält man sehr rasch
durch Kochen der Blättchen in Wasser; nach etwa 10 Minuten
sind die vorher ganz klaren optisch positiven Blättchen vom Rande
aus getrübt und unter Runzelung etwas aufgeblättert; diese trüben
Teile sind optisch negativ, der noch klare zentrale Teil bleibt
optisch positiv. Zwischen beiden liegt eine ganz schmale Zone,
die im konvergenten Licht keine optische Reaktion gibt.
Eigentümlich ist der Umstand, daß die so gewonnene negative
Substanz nach etwa einstiindigem Liegen bei Zimmertemperatur einen
Rückschlag in den ursprünglichen optisch positiven Charakter zeigt.
1 Dies. Centralbl. 1902. p. 493.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913.
29
450
E. Kittl,
Ätz- und Schlagfiguren konnte icli so wenig wie seinerzeit
Rinne erhalten, docli zeigt sich beim Kochen der Blättchen eine
Erscheinung, die geeignet ist, die RiNNE’sche Feststellung der
rhomboedrischen Symmetrie zu bekräftigen.
Man beobachtet nämlich auf den Spaltblättchen nach dem
Kochen ein System von scharfen, geradlinigen Rissen, die, beson-
ders am Rande deutlich, sich auch in das Innere verfolgen lassen
und die sich unter 120° schneiden, wie dies die beifolgende Figur
in lSfacher Vergrößerung zeigt.
Es dürfte sich hier wohl um eine Erscheinung handeln, die
den RiNNE’schen und CoRNü’schen Kontraktionsrissen 1 und -figuren 2 3
bei Behandlung von Zeolithen mit Salzsäure ähnlich ist.
Hannover, den 27. Mai 1913.
Beobachtungen an geschmolzenem Bronzit.
Von Erwin Kittl.
Mit 1 Textfi^ur.
Bei Untersuchungen mit geschmolzenen Silikaten fiel dem
Verf.s, ebenso wie es früher schon von C. Doelter4 erwähnt
wurde, das Verhalten des Bronzites im Schmelzfluß auf, der von
den meisten untersuchten Mineralschmelzen abweichende Eigen-
schaften zeigte. C. Doelter stellte eine Übersicht über das
1 Dies. Centralbl. 1902. p. 594.
2 Tscherm. Min. n. petr. Mitt. 24 1905. p. 199.
3 E. Kittl, Zeitschi', f. anorg. Chem. 77. p. 335; Zeitschr. f. anorg.
Cliem. 80. p. 79.
4 Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wiss. in Wien. Math.-nattmv. Kl.
CXIV. 1905. p. 529. (Die Süikatschmelzen III.)
Beobachtungen an geschmolzenem Bronzit.
45 1
Kristallisationsvermögen von einer Anzahl der wichtigeren gesteins-
bildenden Mineralen auf, indem er in kleinen Platintiegeln oder
bei eiseDreichen Schmelzen in Magnesittiegeln dieselben Mengen
von Mineralen in gepulvertem Zustand erhitzte, zum Schmelzen
brachte und dann in einer bestimmten Zeit abkühlen ließ. Doelter
wählte drei verschieden dauernde Abkühlungszeiten, nämlich eine
von einer Minute, eine von fünf Minuten, eine von drei Stunden.
Bei der Abkühlung von einer Minute waren nur wenige Minerale
kristallin erstarrt, bei einer solchen von fünf Minuten die meisten
schon teilweise, bei der längsten Dauer der Abkühlung nur mehr
sehr wenige in glasigem Zustande. Der Bronzit von Kraubat
gehörte zu der ersten Gruppe. Doelter führte ferner bei dem
Experiment mit Bronzit an, daß dieser bei einer Abkühlungsdauer
von etwas weniger als 4 Minuten im Magnesittiegel ein
löcheriges Schmelzprodukt ergab, das die große Kristallisations-
geschwindigkeit des Bronzites deutlich zeigte. Offenbar bildeten
sich hier Kristalle von bedeutender Größe.
Später1 wurde die lineare Kristallisationsgeschwindigkeit des
Bronzites vom Kupferberg bei Bayreuth zu bestimmen ver-
sucht. Der Schmelzpunkt oder besser das Schmelzintervall wurde
mit 1360 — 1410° bestimmt, obwohl theoretisch dasselbe kleiner
zu erwarten wäre, die Unterkühlungsfähigkeit betrug bloß in An-
wesenheit der eigenen Schmelze 70° unterhalb des Verflüssigungs-
punktes , die Kristallänge wurde nur von der des Diopsides
iibertrolfen. Bei 1330° war das Maximum der linearen Kristalli-
sationsgeschwindigkeit.
Ein zum Vergleich mit künstlichen Silikaten vorgenommenes
Experiment mit demselben Bronzit zur Untersuchung des Kristalli-
sationsvermögens ergab folgendes: Das Versuchsmaterial (30 g),
das aus ausgesuchten reinen Spaltblättchen bestand, wurde fein
gepulvert, im elektrischen Kurzschlußofen von Ruhstratt erhitzt.
Als Tiegel wurde einer aus Kohle verwendet, dessen innerer
Durchmesser 16 mm, dessen Länge 110 mm betrug. Ein kleinerer
Tiegel wurde hier aus dem Grunde benützt, um dieselben Ver-
hältnisse wie bei den viel voluminöseren Carbonatgemischen, bei
welchen die Kieselsäure erst die Kohlensäure verdrängen mußte,
zu schaffen. Die Abkühlungskurve, die dem Temperaturabfall der
Schmelze entspricht, ist an a. 0. ersichtlich : die Dauer der Ab-
kühlung ist so zu verstehen, daß das Schmelzprodukt in 40 Minuten
Zimmertemperatur erreichte, wobei natürlich die Abkühlung zuerst
viel schneller vor sich geht als später. Die Manipulation wurde
in der Weise vorgenommen , daß die Tiegel nach erfolgtem
Schmelzen in ein Sandbad gebracht wurden. Hier konnte dann die
Abkühlungskurve mit einem Thermoelement aufgenommen werden.
1 E. Kittl, Zeitschr. f. anorg. Chem. 77. p. 235; Zeitschr. f. anorg.
Chem. 80. p. 79.
29*
452
E. Kittl.
Beim Zusammenschmelzen von Carbonaten mit Kieselsäure
verdrängt diese die Kohlensäure (C O0) und die letztere entweicht
zuweilen mit merklichem Verpuffen. Sobald nun die Vertreibung
der Kohlensäure, die vielleicht in größerem oder kleinerem Maße
von der Silikatschmelze absorbiert werden könnte x, beendet ist,
beginnt mit oder in der Kegel nach dem Eintritt der Diinnflüssig-
keit die Schmelze explosiven Charakter zu bekommen, wobei sie
teilweise herausgeschleudert wird oder zu verdampfen beginnt
(Zinksilikate). Die Verdampfung dürfte wohl immer in dissoziiertem
Zustande vor sich gehen.
Das Verhalten von vulkanischen Gläsern, die Gase absorbiert
enthalten, läßt nach A. Brun 2 erkennen, wie die Gase bei
Temperaturerhöhung explosionsartig entweichen, sobald der Schmelz-
punkt erreicht ist. Die Charakteristik , die Brun für die soge-
nannten „roches actives“ gibt, ist gekennzeichnet durch ihre unter
Ausdehnung, Aufkochen und Auseinanderfließen eintretende Dampf-
bildung von weißer Farbe, sobald die Schmelztemperatur der
Bestandteile, besser der Grundmasse, wenn eine solche vorhanden,
erreicht ist. Diese Eigenschaften gelten nach Brun vornehmlich
für die saure Gruppe der Gesteine. Die „roches mortes“ aber,
wie z. B. Granite, kristalline Schiefer, alte oxydierte vulkanische
Schlacken geben beim Schmelzen nur eine geringe Menge von
Gasen ab. Dabei fehlen wesentliche Ausdehnungserscheinungen.
Eine andere Art der Entgasung kann jedoch auch stattfinden,
wenn ein „nasser“ Schmelzfluß erstarrt. Die freiwerdenden
„Mineralisatoren“ bilden durch ihre Fluor-, Bor-, Wolfram- etc.
Dämpfe eine Reihe der nachvulkanischen Minerale von pneumato-
lytischer Herkunft.
Bei den mit Carbonaten künstlich hergestellten Silikaten ist
ein explosives Verhalten, dessen Ursache das plötzliche Entweichen
der Kohlensäure ist, erklärlich. Diese Silikate bilden dann ent-
weder homogene gleichmäßige Massen mit w e n i g oder gar
keinen Hohl räumen. Eine weitere Trennung dieser Gruppe
muß insoferne noch stattfinden, als ein Teil dieser Silikate glasig
oder kristallisiert ist. In den beobachteten Fällen finden sich nun
nicht nur die beiden Phasen, sondern auch Übergänge. Die zweite
Gruppe bilden gewisse dünnflüssige Silikatschmelzen, deren Basen
Eisen oder Mangan enthalten. Diese zeigen im Innern Hohlräume
und Drusen und sind immer kristallisiert.
Was nun den Bronzit betrifft, der ein natürlicher war,
1 Bekanntlich absorbieren flüssige Metalle (Ag, Cu etc.) Gase, vor-
nehmlich Sauerstoff und Wasserstoff, die heim Kristallisieren frei werden
— wie das Spratzen des Silbers z. B. zeigt — oder sie können auch
wenigstens teilweise im Metall absorbiert bleiben. Diese Gruppe der
Metalle ist die gußfähige.
2 A. Brun, Recherches sur l’exhalaison volcanique. Genf 1911.
Beobachtungen an geschmolzenem Bronzit.
453
also nur umgeschmolzen zu werden brauchte, so zeigte sich, daß
er im Gegensatz zu Olivinschmelzen stets löcherig und im flüssigen
Zustand sehr explosionsfähig war. Bei dem liier angeführten
Experiment begann das Bronzitpulver, sobald es die Schmelz-
temperatur überschritten hatte, zu brodeln und Blasen zu werfen,
worauf bald eine Explosion folgte, durch die ein kleiner Teil des
geschmolzenen Bronzites mit ziemlicher Gewalt aus dem Tiegel
herausgeschleudert wurde. Der Tiegel wurde nun aus dem Ofen
herausgenommen und in das Sandbad gebracht. Hier erfolgte
dann in der beim Herausnehmen anscheinend siedenden Schmelze
noch eine schwächere Explosion, die
aus dem Innern der fließenden Masse
neues Material über die schon im
Kristallisieren begriffene Oberfläche
der Schmelze hob. (Fig. 1.) Diese
erste Oberfläche wirkte als Kristalli-
sationsausgang, indem von ihr aus
strahlen- und fächerförmig die Kri-
stalle wuchsen , welche die Wände
einer untersten Schlotetage bildeten.
Bei einer weiter folgenden, schwä-
cheren Explosion wurde abermals
neues Material über das Niveau dieser
Etage gebracht. Dieser zweite Ab-
satz ist niedriger als der erste, denn
er mißt nur 4 mm Höhe, während Umgeschmolzener Bronzit, Schlot-
der erste zirka 6 mm Höhe besitzt. Öffnung nach oben. (Nat. Größe.)
t , . . , Etagen 1 — 4 (e).
In ähnlicher Weise wie das erste
Mal wuchsen die Kristalle wieder von Zentren, die in dem Niveau
der ersten Etage lagen. Der Durchmesser der schwach elliptischen
Etagen beträgt bei der ersten ungefähr 10 — 14 mm, bei der
zweiten 7 — 10 mm. Bei der nun folgenden dritten Explosion,
die wie die andern mit einem Geräusch einer zerspringenden Gas-
blase hörbar war, erhob sich neues Material über die älteren
Etagen. Der dritte Absatz ist der höchste (5 — 6,5 mm). Der
Durchmesser ist gleich dem des zweiten. Schließlich erfolgte noch
die Bildung einer vierten Etage von 3 mm Höhe und 5 mm
Durchmesser, deren Wände gleichfalls aus regelmäßig strahligen,
fächerförmigen Kristallen bestanden. Die Zentren dieses Schlot-
teiles lagen wieder im Niveau der dritten Etage. Die letzte Bildung
ließ oben eine Schlotöffnung von 3 mm Durchmesser frei, wobei
zu bemerken ist, daß diese durch die ganze Schmelze hindurch-
geht und unregelmäßig die verschiedenen Hohlräume der Schmelze
verbindet. Auffallend ist noch, daß die WTände der Etagen einen
gezackten, niederen WTall bilden, der sich ein wenig über die
Basis der neuen Etage hebt.
Fig. 1.
454
E. Kittl.
Die Höhe der Schlotetag'en ist wohl nicht von der Kristalli-
sationsgeschwindig'keit des Bronzites, sondern von der Menge des
gehobenen Materials abhängig. Die Möglichkeit der Bildung eines so
steilen Schlotes ist nur durch das große Kristallisationsvermögen
des Bronzites gegeben , wodurch die gehobene Masse sofort in
den kristallisierten festen Zustand übergehen konnte, ohne über den
Rand hinaus- oder wiedei zurückzufließen. Die Laugen der
Kristalle hängen mit der großen Kristallisationsgeschwindigkeit
insoferne zusammen, als nur dann, wenn diese groß ist, überhaupt
große Kristalle entstehen können. Die Kristalle wuchsen auch
in der Regel ohne neue Zentren zu bilden von der Basis der be-
treffenden Etage aus. Nur im dritten Absatz Anden sich an einer
Stelle mehrere Zentren, die in der Mitte der Wand gelegen sind.
Hier sind einige kleine Löcher, die sichtlich von kleinen Bläschen
herstammen. Diese bildeten neue Zentren. Die Kristallisation
begann deutlich an der Oberfläche, wo die Abkühlung die rascheste
ist. Die Zentren liegen in der Basis der Etagen zwischen den
Schlotwänden und dem kleinen rundlichen Wall , der durch die
Wand des jeweilig unten befindlichen Absatzes gebildet wird.
Der ganze Bau ist etwas gegen eine Seite der Tiegelwand geneigt.
Das Schmelzprodukt ist von grauer Farbe. Die einzelnen Kristalle
heben sich an den Schlotwänden wie schwärzliche Rippen, zwischen
welchen ein hellerer Streifen durchgeht, mit feinem Relief ab.
Die ursprüngliche Färbung des Bronzites, nelkenbraun mit bronze-
farbigem Schillern, hatte sich ganz verloren. Die Spaltbarkeit
nach m ist sehr deutlich, meßbare Kristalle sind nicht zu sehen.
Obwohl genug Drusen hohlräume vorhanden sind, treten
nirgends Endflächen oder andere deutliche Flächen auf. Die
Enden der Kristallbündel des Schlotes sind unregelmäßig gezackt.
Die Kristalle sind hier zuweilen etwas gebogen, besonders bei der
untersten Etage.
Das Schmelzprodukt 1 ist homogen und zeigt nur mit stärkster
Vergrößerung verstreut dunkle Körnchen, deren Umrisse oktaedrisch
waren, also wahrscheinlich Magnetit in dem sonst homogenen
Produkt.
Die lineare Kristallisationsgeschwindigkeit des Bronzites ist
so groß, daß auch bei der nicht sehr großen Zahl der Zentren
keine Glasbildung eintrat. Ob die Zahl der Zentren wirklich
gering ist oder ob eine Anzahl derselben nicht zur Ausbildung
1 Vergl. die Angaben an a. 0. Die Auslöschung in diesem Fall war
gerade. W. Wahl (Die Enstatitaugite. Tschermak’s Mitt. XXVI. p. 1.)
schlägt für die Bronzite mit monokliner Kristallform Klinobronzit vor.
H. Michel (Dies. Centralbl. 1913. p. 161.) gibt an, daß bei großer Ab-
kühlungsgeschwindigkeit makroskopisch verzwillingter Klinoenstatit ent-
steht. Bei langsamer Abkühlung wird die Verzwilligung so fein, daß
scheinbar rhombische Formen entstehen.
Beobachtungen an geschmolzenem Bronzit.
455
gelangte infolge des schnellen Wachstums der Kristalle, läßt sich
liier nicht entscheiden.
Der wesentliche Unterschied im Verhalten gegen andere
Schmelzprodukte liegt in der löcherig struierten Erstarrungsmasse.
Im allgemeinen wurden die Schmelzen immer dann aus dem Ofen
herausgenommen, wenn sie dünn zu fließen antingen. Erfolgen hiebei
Vorgänge explosiver Natur, wie Blasenwerfen etc., so hörte dies in der
Regel auf, sobald der Tiegel auf dem Sandbad war. Die Schmelze
■erstarrte dann gewöhnlich ohne innere Hohlräume mit geschlossener
Oberfläche. Eine Ausnahme bildeten Eisensilikate, z. B. Fayalit-
silikat, das zahlreiche Hohlräume zeigte. Der natürliche Bronzit 1
übertraf in dieser Beziehung auch dieses. Die Ursachen der
Explosionen2 in den beobachteten Fällen können verschieden sein.
Der vou Brun dargestellte Vorgang, daß Gläser oder teilweise
glasige Substanzen (vielleicht auch kristalline), die absorbierte
Gase enthalten, in dem Moment, wo sie in den flüssigen Zustand
übergehen, mehr oder weniger plötzlich Gase freiwerden lassen,
wird selten oder in geringem Maße anzutreften sein. Etwas
Ähnliches geht bei dem Zusammenschmelzen von Kieselsäure-
anhydrid und Carbonaten vor sich, insofern die Kohlensäure
— allerdings aus anderen Gründen, nämlich infolge der thermischen
Dissoziation der Carbonate, der eine chemische Reaktion folgte —
frei wird. Eine andere, ebenfalls häutig beobachtete Art von
Explosionen tritt ein, wenn nach völligem Entweichen der ge-
bundenen oder infolge von chemischen Reaktionen freigewordenen
Gasen die Schmelze, die in ein ruhiges Fließen gekommen ist,
über den Schmelzpunkt weiter erhitzt wird. Die Schmelze beginnt
allmählich oder plötzlich in lebhafte Bewegung zu kommen, Blasen
zu werfen und auch zu verdampfen. Beim Siedepunkt oder Ver-
dampfungsbeginn können auch die Gase entweichen, welche bisher
noch von dem Schmelzfluß absorbiert zurückgehalten werden
konnten. Dieses Stadium dürfte mit dem Sieden des Schmelz-
flusses ident sein. Wird die Schmelze weiter erhitzt, so kann
•der gesamte Tiegelinhalt mit beträchtlicher Vehemenz in mehreren
Teilen oder gänzlich herausgeschleudert werden. Es zeigt sich
nun, daß die eisenreichen Silikate, die rasch dünnflüssig werden
1 Eine Analyse des Bronzites vom Kupferberg bei Bayreuth findet
sich in der geogn. Beschr. Bayerns von Gümbki,, ausgeführt von Ammon.
1879. 3. p. 157.
CaU 1,50
Mg 0 .... 33.75
Fe 0 7,20 (mit Spuren von Mn)
Al, 0, .... 1,05 (mit Spuren von Cr)
Si 02 . • - • • 56.50
Glühverlust . . 0,88,
1 Unter Explosionen verstehe ich hier die mit dem plötzlichen Frei-
werden von Gasen verbundene mechanische Wirkung.
456
E. Kittl, Beobachtungen an geschmolzenem Bronzit.
und früher zu sieden beginnen, im Verhältnis zu den Silikaten*
von Calcium , Magnesium und Tonerde diese Eigenschaften viel
ausgeprägter zeigen.
Bei dem vorliegenden Bronzit könnte auch in Betracht
kommen, daß die oberste Schicht schon zu erstarren begann,
während im Innern noch eine der Siedetemperatur näher liegende
herrschte. Da die bei der Kristallisation freiwerdende Wärme der
Abkühlung entgegenwirkt, kann das Innere noch eine hohe Tem-
peratur besitzen und explosiven Charakter haben, während die Ober-
liäche schon erstarrte1.
Gleichfalls noch in Betracht zu ziehen ist bei dieser Art von
Schmelzen, daß bei der Kristallisation während des Schmelz-
flusses absorbierte Gase freiwerden. Eine Hohlraumbildung ist
die unmittelbare Folge. Daß der natürliche Bronzit viel absorbierte
Gase enthielt, ist nach der Analyse schwer anzunehmen. (An
eine Carbidbilduug zwischen den Tiegelwänden und der Schmelze
ist immer zu denken, doch ist nicht anzunehmen, daß diese Beak-
tionen allein mit Gasbildungen in Verbindung stehen.) Bei glasig-
a m o r p h e r Erstarrung tritt keine Gasabgabe wie beim Kristalli-
sieren ein. Im allgemeinen steigt also die Gasaufnahme und:
Abgabe bei Silikaten mit dem Fe- und Mn-Gehalt2, womit die
Neigung dieser Gruppe zu explosiven Vorgängen steht, vielleicht
auch weil sie infolge ihres niedrigeren Schmelzpunktes die
Temperaturen des Verdampfens eher erreichen. Die Silikate des
Magnesiums , Calcium der Alkalien und der Tonerde nehmen
weniger Gase auf. Wahrscheinlich hängt die Gasabsorption auch
mit der Art der Wärmereaktion 3 * 5 zusammen, die umso deutlicher
verläuft, je dünnflüssiger die Silikate werden, also je schärfer
der Schmelzpunkt und schließlich je größer die Kristallisations-
geschwindigkeit und überhaupt die Fähigkeit zu kristallisieren ist.
Wien, im April 1913, Mineralogisches Institut der Universität.
1 Nach einer Mitteilung meines Fi-eundes M. Lazarevic treten bei
der Verhüttung der Kupfererze von Bor in Serbien ähnliche Vorgänge
auf. Wenn das flüssige Kupfer in Formen ausgegossen ist. beginnt sich
zuerst an der Oberfläche eine erstarrte Schichte zu büden. Schreitet nun
die Abkühlung fort, so gibt das flüssige Metall die absorbierten Gase ab
und diese entweichen, indem sie unter Explosionen die Oberfläche durch-
brechen und kleine Krateröffnungen bilden. An diesen entstehen dann
Sulfide, wie Kupferglanz, Bornit etc., woraus auf die Natur der Gase-
geschlossen werden kann.
* Mit Ausnahme der Natron-Eisen- und Natron-Eisen-Tonerde-
Silikate.
5 Vergl. C. Doelter, Handbuch der Mineralchemie. I. Silikatschmelzen..
— E. Dittler, Beitrag zur Thermochemie der Silikate. Zeitschr. £. anorg.
Chem. 69. p. 273.
Arth. Wicbmann, Pisolithe. — P. J. Beger, Lamprophyre etc. 457
Ueber sogen. Pißolithe aus dem Mansfelder Flözgebirge.
Von Arth. Wichmann in Utrecht.
W. Stahl dürfte mit der Deutung als Erbsenstein der von
ihm kürzlich beschriebenen und aus einer Kluft des Zabenstädter
Stollens im Mansfeldischen Flözgebirge stammenden Sinterkugeln
nicht auf allgemeine Zustimmung rechnen können1. Pisolithe haben
ihre Entstehung doch aufsteigenden Mineralquellen zu verdanken,
während die in Bede stehenden Körper zu den katogenen Bildungen
und daher in die Kategorie der Höhlenperlen gehören. W. Hai-
dinger hat die richtige Erklärung bereits vor längerer Zeit ge-
geben: „Das Herabtropfen geschieht zuweilen in kleine Schüsseln,
die sich selbst bilden, und in denselben werden Sandkörner und
andere Gegenstände immerwährend bewegt und zugleich inkrustiert2.“
Ausführlicher handelt über diesen Gegenstand Franz Kraus3.
Ganz ähnlich den von Stahl beschriebenen und ebenfalls
„wrie Eier in einem Nest“ liegenden Gebilde sind diejenigen, welche
F. Senft in verlassenen Stollen bei Biechelsdorf in Hessen sowie
bei Schweina und Eckartshausen in Thüringen auffand4.
Lamprophyre im Lausitzer Granitmassiv.
Von P. J. Beger in Leipzig.
In Oberlichtenau, einem am Ostfuße des Kenlenberges bei
Königsbrück in der Lausitz gelegenen Dorfe, befand sich im
Sommer 1911 zwischen Kirche und Gasthof „zu den Linden“ ein
Bauaufschluß, in dem unter ca. 2 m mächtiger Decke von Lößlehm
ein sowohl durch ausgezeichnete Parallelstruktur als auch durch
seltene Frische hervorragender „streifig-flaseriger Granit“ 5 zu sehen
war — ein Mischgestein granitischer Massen mit Grauwacke-
material. Er wird durchsetzt von zwei Ganggesteinen, deren eines
sofort als typischer Kersantit zu erkennen war, während das andere
sich bei mikroskopischer Betrachtung als Spessartit erwies. Da
nur das oberste zutage Ausgehende aufgeschlossen war, und zwar
in Form aneinandergereihter Blöcke, schien es nicht tunlich, die
Streichrichtung in Winkelgraden feststellen zu wollen. Der Spessartit
verläuft ziemlich genau nach WNW, während der Kersantit mehr
nach N gerichtet ist. Später wurde für ihn durch Anvisieren
1 Pisolithe. Dies. Centralbl. 1913. p. 337.
2 Handbuch der bestimmenden Mineralogie. Wien 1845. p. 289.
s Höhlenkunde. Wien 1894. p. 76.
4 Die Wanderungen und Wandelungen des kohlensauren Kalkes.
Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 13. 1861. p. 302. — Die Schöpfungen des
Regenwassers in und auf der Erde. Das Ausland. 42. Augsburg 1869. p. 332.
5 Geol. Spezialkarte d. Königr. Sachsen, Blatt Königsbrück.
458
P. J. Beger,
eiues zweiten Fundpunktes das Streichen mitN40°W festgelegt.
Demnach scheinen beide Gänge einander zu durchsetzen, doch ließ
sich iiu Aufschlüsse die Kreuzungsstelle nicht auffinden, weshalb
die Frage nach der Altersfolge offen bleibt.
Der zur Feststellung des Streichens benutzte Punkt ist ein
in einem kleinen Aufschluß hinter der Schule anstehender Gaug,
der in den Erläuterungen zur geol. Spezialkarte als Biotitdiabas
bezeichnet ist. Daraufhin wurde auch das bei Reichenau unter
demselben Namen eingezeichuete Vorkommnis besichtigt. Es erwies
sich als ein ganz ähnlicher Kersautit, nur etwas kompakter, dunkler
und gröber im Korn als der Oberlichtenauer.
Dieser trat auf in Form mehr oder minder mächtiger Kugeln,
die bis 1^ m iiu Durchmesser hielten und deren Gesamtfarbe durch
stumpf griin am besten charakterisiert ist. Bei genauerem Zusehen
erwies er sich als recht mannigfaltig, so daß Handstiicke vorliegen,
von denen mau mit Fug meinen könnte, sie stammten aus ver-
schiedenen Gängen, zumal sie sich nicht nur in Korngröße und
Farbe, sondern auch in Mineralznsammensetzuug und chemischem
Bestände scharf unterscheiden.
Vorwaltend ist ein kleinkörniges Gestein, dessen größte Kom-
ponenten mm nicht überschreiten. Es sind dies bräunlich-
schwarze, blitzende Biotitschüppchen, denen eine gute Begrenzung
gewöhnlich mangelt. Nur wenn ihr Durchmesser unter 1 mm sinkt,
zeigen sie sechsseitige Form. Sie sind es, die dem Gesteine bei
makroskopischer Betrachtung recht eigentlich den Charakter eines
Lamprophyrs der Miuette-Kersantitreihe verleihen. Außer ihnen
erkennt das unbewaffnete Auge nur noch eine zurücktretende trübe,
grünliche Gruudmasse von Plagioklas und selten einen stecknadel-
kopfgroßen braunen Punkt, der auf Carbonate zurückzuführen
sein dürfte, zumal das Gestein mit HCl braust. Nach dem Salbaude
hin wird dieser Typus wesentlich dichter und damit zugleich dunkler.
Schlierenartig verwoben mit ihm kommt eine Strukturmodifika-
tion vor, wie sie Pöhi.maxx 1 auch von Thüringer Vorkommnissen
und Rinne2 von Tsingtau beschreiben, und wie sie sich ähnlich
auch in anderen Lamprophyren, z. B. im Odinit vom Frankenstein,
findet. Sie ist charakterisiert durch Anhäufungen kleiner, z. T.
ideal kugelförmiger Feldspataggregate, die umgeben sind von einer
Biotithiille, aus der sie sich leicht herauslösen. Ihr Durchmesser
überschreitet 3 mm nicht.
Ebenfalls schlierenartig kommt in dem normalen Kersautit
eine weit gröbere und hellere Fazies von nicht allzu großer Häufig-
1 Pöhlmann, Untersuchungen über Glimmerdiorite und Kersantite
Südthüringens und des Frankenwaldes. N. Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. III.
1884. p. 78.
5 Rinne. Beitrag zur Gesteinskunde des Kiautschou-Sehutzgebietes.
Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 1904. 56. p. 152.
Lamprophyre im Lausitzer Granitmassiv.
459
Leit vor, die sich zusammensetzt aus 3 mm messenden Biotitblättchen,
etwa ebenso zahlreichen, aber bis 5 mm langen, kaum zwirnsfaden-
dicken, tiefschwarzen Hornblendenädelchen mit blankem Glanz, und
schließlich breiten, schwach rötlichen Flecken von Plagioklas, der
infolge seiner größeren Reichlichkeit dem richtungslos körnigen
Gesteine die verhältnismäßig helle Farbe gibt. Beim ersten flüch-
tigen Blicke könnte man sich versucht fühlen, ein derartiges Hand-
stück unter die Diorite einzureihen. Jedoch wahrt nicht nur die
geologische Verbindung dem Gesteine seine Stellung unter den
Lamprophyren, sondern auch sein Habitus, der dem mancher bre-
tonischen Kersantone nahekommt.
Eine bemerkenswerte Erscheinung besteht nun darin, daß der
normale Kersantit hin und wieder durchzogen wird von hellen
Trümchen, die höchstenfalls 1| cm mächtig sind, meist aber unter
1 cm bleiben. Sie setzen nicht scharf vom Nebengestein ab,
sondern sind vielmehr meist innig verfloßt mit ihm. Farbe und
Mineralbestand scheinen abhängig zu sein von der Mächtigkeit der
Trümer. In der Hauptmasse bestehen sie aus einem dichten Ge-
füge gelblich weißen Feldspats, ja die schmälsten Trümchen setzen
sich fast ausschließlich aus diesem zusammen. Mit zunehmender
Breite mehren sich Hornblendenädelchen, die denen des gröber-
körnigen hellen Gesteinstypus vollkommen gleichen. Dazu tritt
hie und da ein Biotitschüppchen und ein grünes Körnchen von
Epidot auf.
Ob diese Trümer mit den hornblendereichen hellen Schlieren
in Zusammenhang stehen, ließ sich infolge der Ungunst des Auf-
schlusses nicht beobachten. Jedenfalls scheint nach der Beschaffen-
heit der betreffenden Gesteine eine Zusammengehörigkeit nicht nur
denkbar, sondern sogar wahrscheinlich, und zwar in dem Sinne,
•daß beide einen jüngeren Nachschub in den in der Verfestigung
begriffenen Kersantit bilden, wobei die Trümer von den Schlieren
aus weiter gepreßt wurden und mit zunehmeuder Entfernung
bezw. abnehmender Stärke der Spalten zunächst Biotit, dann auch
Hornblende verloren, sodaß zuletzt eine Endigung aus fast
reinem Feldspataggregat resultierte. Im ganzen erinnert diese Er-
scheinung an die von Bakrois beschriebenen Kersantitaplite der
Bretagne.
U. d. M. wird die Ähnlichkeit des Kersantits von Oberlichtenau
bezw. Reichenau mit den bretonischen Gesteinen noch deutlicher
als im Handstück. Seiue Struktur ist eher hypidiomorph als pan-
idiomorph körnig. Aus einer weißen Feldspatmasse heben sich in
schwankendem Mengenverhältnis als dunkle Gemengteile heraus
Biotit, ein diopsidartiger Pyroxen, sowie serpentinige und chlori-
tische Umsetzungsprodukte, die in der Mehrzahl von Olivin stammen
und oft mit Calcit vergesellschaftet auftreten. Auch Epidot und
-etwas Titanit in Form von Kölnern sind hier zu erwähnen. Als
460
P. J. Beger,
Akzessorien kommen hinzu zahlreiche Apatite, teils von erheblicher
Länge und dann oft Glasseelen enthaltend, ferner und für Lam-
prophyre ungewöhnlich Zirkon, der in scharf umrissenen Kriställ-
clxen dem Feldspat iuterponiert ist und sich durch pleochroitische
Höfe auch im Biotit verrät, sowie Pyrit und Magnetit.
Der Biotit zeigt in seinen Eigenschaften überraschende Ähn-
lichkeit, mit dem der Brester Kersantone : die weiche braune Farbe,
die nach außen in einen mitunter recht sattgrünen Saum übergeht,
den kräftigen Pleochroismus von fast farblos oder doch nur ganz
licht gelb zu starkem rotbraun, wobei kurz vor der größten Ab-
sorption ein eigentümlich zimtbrauner Ton erscheint. Mitunter
ist b dunkler als C. Ferner wird auch hier in Längsschnitten
durch die stärkere Absorption am Rande ein Zonenbau deutlich,
der an Basisschnitten stets gut zu sehen ist. So beobachtet man
oft, daß Q innen fast farblos, außen licht grünlichgelb, b oder C
innen rötlichbraun, randlich schwarzbraun sind. Auch die Inter-
positionen sind dieselben wie bei Brest: vor allem parallel der
Basis liegende Eisenoxydblättchen , dann Körner von Pyrit und
Magnetit, gut begrenzte Diopside, Apatit und Zirkon. Weit-
verbreitet sind . ferner auch liier Wachstumserscheinungen, deren
Maß in den weitesten Grenzen schwankt, so daß neben schwamm-
artig durchlöcherten Gebilden alle Übergänge zu wohlausgebildeten
Kristallen zu beobachten sind.
Der Pyroxen übertrifft ganz im Gegensatz zu den Brester
Kersantonen den Biotit gewöhnlich an Menge und kann allen wesent-
lichen Gemengteilen gegenüber idiomorph sein, kommt aber auch in
rundlichen Körnern vor. Ebenso schwankend ist seine Größe.
Meist ist er völlig farblos oder doch nur ganz licht bräunlich.
Selten treten grüne Zonen auf, teils als Kern, teils als Rand,
manchmal auch so, daß ein grüner Kern und Rand durch eine
farblose Zone getrennt sind. Zwischen beiden besteht ein Unter-
schied der Auslöschung von ca. 9 °, und zwar kommt der höhere
Betrag dem grünen Anteil zu. Der farblose löscht etwa bei 42°
aus, bezogen auf den stumpfen Winkel ß. Eine zweite Art von
Zonarstruktur erkennt man erst im polarisierten Licht an Unter-
schieden der Interferenzfarben. Es treten dann schöne Sanduhr-
formen oder schaliger Bau hervor ; bisweilen ist auch beides kom-
biniert. Der Kern hat auch hier eine Auslöschungsschiefe von
ca. 4 2°, während die äußeren Schalen erst gegen 6 0 später aus-
löschen. Bemerkenswert ist neben der hohen Lichtbrechung, durch
die er sich reliefartig aus dem Schliffe hebt, die ganz vorzügliche
Spaltbarkeit nach dem gewöhnlichen Prisma, sowie die außer-
ordentliche Armut an Einschlüssen. Noch am häufigsten befinden
sich in ihm winzige Spinelle, außerdem etwas Magnetit, Apatit,
selten Biotit und Glas. Viele Kristalle sind ganz einschlußfrei.
Bei Betrachtung dieses Pyroxens, den Max Voigt „malakolith-
Lamprophyre im Lausitzer Granitmassiv.
461
artigen Angit“ 1 nennt, wird man an Enstatitaugit erinnert. Leider
konnten Achsenwinkel infolge ungünstiger Lage der Schnitte nicht
gemessen werden. Doch finden sich dieselben Pyroxene auch in
anderen später zu beschreibenden Kersantiten der Lausitz, und in
der Tat wurden dort mehrfach kleine Achsen winkel beobachtet,
so daß es hinreichend gesichert erscheint, den vorliegenden Pyroxen
zum Hagnesiumdiopsid zu stellen, wofür auch der auffallend hohe
Betrag an HgO in den Gesteinsanalysen spricht.
Olivin liegt frisch nicht mehr vor. Seine Kristallumrisse sind
erfüllt durch filzige Hassen von Serpentin, Chlorit, Calcit, urali-
tischer Hornblende und stark lichtbrechenden, amorphen, nicht
identifizierbaren Körnern von lichtbräunlicher Farbe, die den Ein-
druck machen, als seien sie noch nicht vollkommen umgesetzte
Reste des Hutterminerals. Pyroxen und teilweise auch Biotit
werden von derselben Umsetzung ergriffen.
Der Feldspat gehört in der Hauptsache dem Plagioklas an.
Er bildet breite Tafeln bezw. isometrische Körner, gewöhnlich mit
nur wenigen Zwillingslamellen. Die Auslöschungsschiefe nimmt
nach dem Rande zu von ziemlich großen negativen Beträgen ab,
geht sogar manchmal durch die Nullage über zu positiven Werten,
so daß gemäß Hessungen nach der FouQüE’schen Methode Hischungen
von Ab, An4 (Bytownit) bis Ab6 An, (Albit-Oligoklas) vorzuliegen
scheinen. Dem höheren Kalkgehalt im Innern entspricht eine
stärkere Zersetzung, derart, daß der Rand oft noch glasklar ist,
während innen sich ein Gewirr von reichlichen trüben Epidot-
körnchen und Huscovitschiippchen befindet, hinter die Kaolin
zurücktritt.
Neben dem Plagioklas kommt in wechselnder Henge Ortho-
klas vor, der oft randlich umgeben ist von einem myrmekitisclien
Saum. Übereinstimmend mit den bretonischen Kersantitapliten
überwiegt in den hellen Trümern der Orthoklas bei weitem, wäh-
rend er in dem schlierenartigen hornblendereichen Typus dem
Plagioklas etwa die Wage hält.
Die dort auftretende primäre Hornblende ist, wieder im Gegen-
satz zu den Kersantonen von Brest, von warmer brauner Farbe
<a = grünlichgelb, b = C olivbraun). Neben langen Leisten finden
6icli gedrungenere Kristalle, mitunter verzwillingt nach { 1 00}.
Auch sie sind fast einschlußfrei und enthalten höchstens etwas
Hagnetit und Apatit. Resorptionsspuren sieht man selten.
In welcher Weise die dunkeln Gemengteile in den Schlieren
und Trümern abnehmen, ist schon bemerkt worden. Erwähnt sei
nur noch, daß sich besonders in den fast nur aus Orthoklas nebst
etwas Plagioklas zusammengesetzten Schnüren Epidot in reicli-
1 M. Yoigt, Die basischen Eruptivgesteinsgänge des Lausitzer Granit-
gebietes. Leipzig. Diss . Weida i. Th. 1906.
462
P. J. Beger,
lieberer Menge in Form großer, stralilig angeordneter Kristall-
aggregate findet.
Der Spessartit trat im Aufschluß auf in Gestalt polyedrischer
Blöcke, deren größte Dimension f m nicht überstieg. Im Gegen-
satz zu dem gut schleißenden Kersantit erwies er sicli recht zäh
und zersprang beim Spalten in ungefüge Stücke.
Seine Farbe ist blaugrau ; an den Kanten schimmert das Licht
grünlich durch. Das bloße Auge vermag in dem recht dichten
Gefüge nur blitzende, fast millimetergroße Augite zu erkennen.
U. d. M. sieht man eine Grundmasse von ungefähr gleich
großen Kriställchen grünlichbrauner Hornblende und farblosen
diopsidartigen Pyroxens, die regellos verstreut liegen in ziemlich
stark zersetzter Feldspatsubstanz. Diese ist dem Plagioklas zu-
zurechnen und erinnert an den des Kersantits, indem auch hier
um einen vornehmlich zu Muscovit umgewandelten Kern frische,
meist gerade auslöschende Ränder liegen. Die Zwickel zwischen
den Plagioklasen sind erfüllt von einer grünen isotropen Substanz.
Das Gefüge ist durchaus lamprophyrisch.
In dieser Grundmasse liegen als wohlbegrenzte Einsprenglinge
Pyroxene, die dem Enstatitaugit des Kersantits in allen Eigen-
schaften, wie in Farbe. Zonarstruktur, vorzüglicher Spaltbarkeit,
Zwillingsbildung, Armut au Einschlüssen völlig gleichen. Einige
sind von Hornblende parallel umwachsen. Gern häufen sie sich
zu Knäueln an. Daneben finden sich auch Kristallsplitter, die
auf Protoklase zurückzuführen sind. Die Zersetzung zu Uralit,
Chlorit, Serpentin, Calcit ist durchaus analog wie beim Kersantit.
Doch stammen auch hier nicht alle Zersetzungsprodukte vom
Pyroxen, sondern sind zum Teil ebenfalls auf Olivin zurück-
zuführen, dessen Form und Spaltbarkeit bisweilen noch kenntlich
ist. Akzessorien finden sich außer etwas Magnetit, einigen wenigen
Pyriten und feinsten Nüdelchen von Apatit keine.
Da dieser unverkennbare Spessartit makroskopisch manchem
der als Diabas kartierten Gesteine recht ähnelt, habe ich noch
eine große Anzahl dieser sowie der als Diorit kartierten Gänge
untersucht. Dabei ergab sich, daß sie allesamt lamprophyrischen
Charakter tragen, der im einzelnen recht verschieden ist. Die
Untersuchungen hierüber sind noch im Gange, so daß erst bei
anderer Gelegenheit zusammenhängend und ausführlich berichtet
werden mag.
Schließlich seien die von den beschriebenen Gesteinen an-
gefertigten Analysen mitgeteilt. Vorangestellt sei eine Analyse
von Max Voigt, die sich auf den Oberlichtenauer „Biotitdiabas“
bezieht. Die dort angegebenen Werte weichen allerdings nicht
unbeträchtlich von den durch mich ermittelten ab — was unter
Umständen aus dem schlierigen Charakter des Gesteins erklärt
werden könnte.
Lamprophyre im Lausitzer Granitmassiv.
463
Die mit X bezeiclmete Substanz ist ein Rückstand, der nach
dem Abrauchen der Si02 mit HF verbleibt und von der
KHS04- Schmelze nicht angegriffen wird. Er harrt weiterer Ver-
arbeitung.
No. IV und V beziehen sich auf das dem Oberlichtenauer
Kersantit ganz ähnliche Gestein von Reichenau, das äußerlich bei
mehr grauer Farbe nur etwas kompakter und härter ist, u. d. M.
aber sich reicher an Hornblende erweist. Es ist in der für die
Lamprophyre charakteristischen Weise schlierig ausgebildet, und
zwar wechseln Partien, in denen sich Biotit und Hornblende fast
völlig vertreten. Man beachte, daß der chemische Bestand dadurch
nicht die geringste Änderung erfährt. Die Differenz in der Si 02
rührt von einem Verluste bei No. 5.
I
II a
11 b
II c
III
IV
V
Si 0.2 . •
. . 45,32
45,60
45,36
45,48
49,20
47,39
46,15
Ti 0, .
. . 1,15
0,58
0,45
0,52
1,15
0,75
0,90
ai,03 .
. . 13,23
11,93
11,86
11,89
13,56
13,39
13,34
F e2 03 •
. . 3,71
1.76
1,79
1,78
4,91
3,25
2,79
Fe 0 .
. . 5,82
6,25
6,34
6,29
5,01
5,12
5,56
MnO .
. . 0,08
0,08
0,08
0,08
0.14
0,15
0,15
MgO ■
■ . 15,24
13,32
13,22
13,27
6,84
12,34
12,12
CaO .
. . . 9,05
9,50
9,33
9,42
7,85
9,73
9,65
k2o. .
. . 2,13
2,77
2.92
2,84
3,90
2,56
2,42
Na20 .
. 3,34
2,16
2,11
2,14
2,63
1,86
1,94
H20. .
. . 1,43
2,70
2,75
2,72
1,90
3,01
2,79
P80s .
. . 0,25
0,76
0,83
0,79
0,71
0,24
0,74
C02 . .
. . —
0,73
0,85
0,79
1,50
0,22
0,60
X . . .
. . —
1,63
1,53
1,58
1,32
—
—
100,75
99,77
99,42
99,57
100,62
100,01
99,15
Via
VI b
VI c
Si02 .
50,39
50,38
50,38
Ti 02 .
0,58
0,61
0,59
Al* 08
15,61
15,76
15,68
Fe2 0.,
1,49
1,49
1,49
FeO -
5,63
5,66
5,65
Mn 0 .
0,12
0,11
0,11
MgO.
9.44
9,51
9,48
CaO .
7,20
7,21
7,21
K20 .
3.48
3,48
3.48
Na2 0
2.80
2,91
2,86
B. 0 •
2.84
2,81
2,82
P305.
Sp.
Sp.
Sp.
CO, .
0,78
0,84
0,81
100,36 100,77 100,56
464
M. Berek, Zur Messung der Doppelbrechung
I. „Biotitdiabas“. Oberlichtenau b. Königsbrück, Lausitz1.
II a. Normaler Kersantit. Oberlichtenau b. Königsbrück, Lausitz.
II b. Derselbe.
II c. Mittel aus II a und II b.
III. Aplitischer hornblendereicher Kersantit. Oberlichtenau.
IV. Hornblendearmer Kersantit. Reichenau b. Königsbrück, Lausitz
V. Hornblendereicher „ „ „ „ „
Via. Spessartit. Oberlichtenau b. Königsbrück.
VI b. Derselbe.
VI c. Mittel aus Via und VI b.
Leipzig, am 2. Mai 1913. Institut für Mineralogie und
Petrographie der Universität.
Zur Messung der Doppelbrechung hauptsächlich mit Hilfe
des Polarisationsmikroskops.
Von M. Berek in Wetzlar.
Mit 7 Textfiguren.
(Schluß.)
II. Über die Grenzen in der Bestimmbarkeit von Gang-
unterschieden.
Bei Messungen jeder Art haben wir streng zu unterscheiden
zwischen der Genauigkeit, mit der sich eine bestimmte Erscheinung
einstellen läßt, und zwischen der Sicherheit, mit welcher dieser
Einstellung eine durch einen Zahlenwert charakterisierte Eigen-
schaft der untersuchten Substanz zugeordnet werden kann. Die
Genauigkeit der Einstellung läßt sich durch Änderung der Be-
obachtungsmethode steigern. Bei einer Verfeinerung der Be-
obachtungsmethode ist es aber angebracht, sich darüber Rechen-
schaft zu geben, ob der erhöhten Einstellungsgenauigkeit auch
tatsächlich eine bessere Kenntnis der stofflichen Eigenschaften
entspricht. Anderenfalls würde jene Verfeinerung einen nutzlosen
Aufwand bedeuten.
Bei der Messung von Gangunterschieden ist es zunächst
offenbar zwecklos, den Wert der Doppelbrechung prozentual ge-
nauer anzugeben, als es die Kenntnis der Wellenlänge des be-
nutzten Lichtes zuläßt. Für weißes Licht verschiedener Quellen
ist damit die Grenze auf 3 — 4 °/0 festgelegt. Setzen wir streng
monochromatisches Licht voraus , so kommen lediglich die
Justierungsfehler in Betracht. Da ich Angaben in dieser
Hinsicht in der Literatur nicht gefunden habe, man sich vielmehr
damit begnügt zu haben scheint, die Justierung möglichst sorg-
fältig auszuführen, so hielt ich es für angebracht, an dieser Stelle
1 Voigt, 1. c. p. 29.
hauptsächlich mit Hilfe des Polarisationsmikroskops.
465
zu untersuchen, inwieweit der aus den Einstellungen
berechneten Genauigkeit bei der Messung von Gang-
unterschieden auch reelle Bedeutung zukommt. Wir
können die Antwort leicht herleiten aus der von A. Fresnel für
zwei übereinanderliegende doppelbrechende Kristallplatten im
polarisierten Licht aufgestellten Formel. Wir gehen von der in
F. Pockels Lehrbuch1 gegebenen Form dieser Beziehung aus,
rechnen aber alle Winkel von der Polarisationsebene des Polarisators
aus. Dann ist in jener Gleichung a = 0 zu setzen.
Die Orientierung der Kristallplatte in bezug auf den Polarisator
sei yt, die des Kompensators cp2, die des Analysators o. Daun ist
J r
— = cos2 ff -f- sin 2 (ft cos 2 (<r — y4) sin 2 (t^2 — (pt) sin2 n- 1
cos 2 sin 2 (<r — <ft) sin 2 (y2 — y,) sin2 n J
-f- sin 2 (f, sin 2 (ff — y2) cos2 ((f2 — </•,) sin2 n
— sin 2 sin 2 (ff— </>,) sin2 (</>2
Setzen wir hierin
sin* n
+
A
r. — r.
24)
<f = Y + dff; <h = ^ + d(f,; (/>2 = ^ + dVj; ; r2 = r+dr, 25)
so wird
J
sin2 d ff — cos2 d sin 2 (d <r — d y2) sin 2 (d<f2 — d (f,) sin2 ?r
— sin 2 d (f i cos 2 (dff — d (f 2 ) sin 2 (d y2 — d y,) sin2
26)
r-f dr
— cos 2 d tf, cos 2 (dff — d y2) sin2 (d ff2 — dy,) sin2 71 ^
d r
+ cos 2 d (fj cos 2 (d a — d (p„) cos2 (d y2 — d y,) sin2 n — —
Diese Gleichung lösen wir nach d r auf und finden
, „ A x A + VA* + 4BC
d r = — arc tg — — * 1
Darin bedeuten :
2 Ti r
A = sin
- (b + 2c — 4c sin2 n
r
1.
.T
20
r\
27)
A/
B = -j- — e + sin2 n — ( a — j— b 4 c cos2 n
4- sin2 n (b 4- 2 c
1 A
und
C = d-(-e — b — c
a = cos 2 d cf i sin 2 (d a — d <p2) sin 2 (d cp., — d <p ,)
b = sin 2 d <pt cos 2 (d ff — d t^2) sin 2 (d y2 — d </>,)
c = cos 2 d (ft cos 2 (d a — d (f2) sin2 (d <f 2 — d (/>,)
d = cos 2 d (fi cos 2 (d a — d (f2) cos2 (d q>2 — d cfj
e = sin2 d er.
a)
1 F. Pockels, Lehrbuch der Kristalloptik. Leipzig und Berlin 1906.
p. 268. Gleichung V.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913. 30
466
M. Berek, Zur Messung der Doppelbrechung
Wenn wir den Wurzelausdruck näher untersuchen, so zeigt
sich, daß er 0 wird, für d a = d (f} = d <y2 = 0, sonst aber stets
imaginär ist, sobald wir J = 0 annehmen. Das besagt, daß nur
für d o = d (fx = d cp2 = 0 vollkommen dunkle Interferenz- und
Kompensationsstreifen möglich sind. Andernfalls spielt bei der
Einstellung die Stelle minimalster Helligkeit die Bolle des
Kompensationsstreifens. Dann hat das Helligkeitsverhältnis j einen
solchen Wert, daß A2 -f 4 B C = 0 ist, d. h. der fehlerhafte
Betrag des gemessenen Gangunterschiedes ist
d r =
A
arCtg 2C
28)
Bis dahin gilt die Gleichung streng für jedes da, d qr, , d yv
Wir können die Berechnung wesentlich vereinfachen und die
Formel leichter diskutieren, wenn wir uns auf kleine Werte von
da, d d if0, also auf Fehler beschränken. Dann ist mit sein-
großer Annäherung C = 1 und ebenso der cos der Winkel gleich 1 .
Setzen wir noch für den sin den Bogen, so erhalten wir schließlich
, ä | . 2 Ti r
dr = — arc tg sin — - —
71 I X
(d <f,— d y,) |^2 d (ft -|- (d (fs- d<j,) cos —
29)
Aus dieser Gleichung folgern wir:
Die Justierungsfehler beeinflussen die Lage des
Kompensationsstreifens nicht, wenn der zu messende
Gang unter schied ein ganzes (gerades oder ungerades)
Vielfaches einer halben Wellenlänge des benutzten
Lichtes ist.
Für einen beliebigen Gangunterschied wird der
richtige Wert gemessen, wenn die Fehler in der
Orientierung der Kristallplatte und des Kompen-
sators gleich groß und gleichsinnig sind. In den
anderen Fällen ist der Kompensationsstreifen um
einen Betrag nach höheren oder geringeren Werten
der Doppelbrechung verschoben und zwar um so
mehr, wenn die Fehler dr/'1 und d(p2 entgegen-
gesetztes Vorzeichen haben.
Der Fehler da in der Null-Stellung des Analy-
sators ist für die Lage des Kompensationsstreifens,
ohne Bedeutung und wirkt wesentlich dahin, daß sich eine
allgemeine Helligkeit den Interferenzstreifen überlagert. Er be-
einflußt jedoch die A us lös chun gsla ge 1 der Kristall-
platte, daher auch ihre richtige Einstellung in die Diagonallage
und somit indirekt den gemessenen Gangunterschied.
1 M. Berek, N. Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXIII. p. 615. 1912^
hauptsächlich mit Hilfe des Polarisationsmikroskops.
467
Tabelle 4.
Einfluß derJustierungsfehlerd^jiindd^j auf die Messung
des Gang Unterschiedes r.
dVt='3
oder d (fij = — £
, d if2= 3
d<G = 4G
°;dV2 = 0
d<fj =0; c
<pt = ± 3°
r
d r in °/oo
in ftfj, fiir D
d r in °/oo
in uu f. D
■ ■
d r in °/oo
in fxu f. D
0 2
3o *
0,00
0,0000
0,0
0.000
0.0
0,000
35
0,34
0,0056
5.6
0,092
5,5
0,091
3
33
2,9
0,14
6,0
0,29
4,56
0.224
8
33
9.0
0,88
6,8
0,67
2,28
0,224
3Jff
14
2,06
7,0
1,0
0,0
O.OCO
n
14
2,59
6.3
1,13
0,93
0,167
14
2,67
5,7
1,11
1,14
0,224
H
12
2,59
4,9
1,0
1,20
0,255
3 6
10
2,3
4,0
0,92
1,11
0,255
1 6
3ti
5.2
1,4
2,0
0,52
0,64
0,167
1 7
36
2,5
0,7
0,97
0,27
0.32
0,091
1 8
33
0,0
0,0
0,0
0,00
0500
0,000
Für d y, = 0 , d <f2 = 0 und d = — d (f2 ist der
Fehler d r proportional dem Quadrat des Fehlers d cp2
bezw. dr/1, bezw. d<p2 — d cpr Für diese drei Fälle sind die Fehler
in Tab. 4 nach 29 berechnet. In bezug auf 0/ und ist die
Tabelle in ihren absoluten Werten symmetrisch, nur kehrt sich
dort das Vorzeichen der Fehler um. Nach dem Obigen erhält
man aus dieser Tabelle die Fehler z. B. für d (pt = 1 °, d = — 1 °.
wenn man die Werte der ersten Tabellengruppe durch 9 dividiert.
Die entsprechenden Fehlerkurven sind in Fig. 7 gezeichnet.
Der Maßstab der Ordinaten ist entsprechend der Fehlergröße d cp
willkürlich gelassen. Aus Fig. 7 geht hervor, daß es vor allem
wesentlich ist, die Diagonalstellung der. Kristall-
platte genau innezuhalten, da ein alleiniger Fehler in (p2 (siehe
die Kurve d< f\—U) von unbedeutendem Einfluß ist. In diesem
Falle ist die Fehlerkurve schon zu -j- symmetrisch und das Maximum
des Fehlers tritt für 0 und ungerade ganze Vielfache davon auf.
O
Mit zunehmendem Fehler in <fx verschiebt sich das Maximum des
Fehlers in T von nach hin.
O —
Dieser methodische Messungsfehler im Gangunterschiede kommt
additiv zu dem aus der Einstellungsempfindlichkeit berechneten Fehler
hinzu. Wir wollen festsetzen, daß dem berechneten mitt-
leren Fehler noch dann eine reelle Gültigkeit zu-
30*
468
M. Berek, Zur Messung der Doppelbrechung
kommt, wenn der durch die mangelhafte Justierung bedingte Fehler
nicht größer als \ des berechneten Resultatsfehlers ist.
Fig. 7. Fehlerkurven für Gangunterschiede F (mit beliebigem Kompen-
sator gemessen) bei fehlerhafter Stellung der Kristallplatte dy, und des
Kompensators d <pr
Abszissen: wirklicher Gangunterschied F.
Ordinaten : Betrag des Fehlers d r.
I : d <p2 = — d (p ,
II: dc/>2 = 0 | das andere dy hat dieselbe
III : d «ft = 0 ) Größe wie bei I (vgl. Tab. 4).
IV : d (f-2 = d y,.
Bei petrograpliischen Arbeiten wird man gelegentlicli mit
Maximalfehlern der Orientierung von 14° zu rechnen haben. In
diesem Falle sind die Fehlerbeträge gleich dem vierten Teil der
Tab. 4. Also im Maximum ist für -jr der Betrag d r = 0,7 ////.
Da der mittlere Fehler einer Messung bei dieser Größenordnung
von r für den Kompensator nach Babinet 4,4 a u für unseren
Kalkspat kompensator 3,5 beträgt, so hätte es keinen
Wert durch mehr als 3 bezw. 2 Einstellungen eine reelle höhere
Genauigkeit des Mittelwertes erreichen zu wollen.
Fragt man umgekehrt, wie genau Kristallplatte und
Kompensator orientiert sein müssen, damit noch dem
mittleren Fehler eines M i tt el w er t es aus 10 Einstellungen
eine reelle Gültigkeit zukommt, so folgt nacli Obigem, indem
hauptsächlich mit Hilfe des Polarisationsmikroskops.
469
man für die Rechnung die beiden zugeordneten Werte d ff = l-ö-°
und d r — 0,7 uu benutzt:
für die Anordnung von H. Schulz:
mf10 = 0,44; = 2,52; mithin d</;j 2 = ^ = 36'
für den Kompensator nach Babinet:
0 7-4 ia°
m fJ0 = 1,4 ; -’14 = 1,4*; mithin d¥l , = f*- = 1#4'
für den drehbaren Kalkspatkompensator:
0.7 • 4 IV 0
mf10 = 1.1; - — = 1,6*; mithin d (pl2 = = 56'.
Eine so genaue Orientierung der Kristallplatte ist schon bei
Anwendung geringer Sorgfalt möglich. Dagegen ist eine so genaue
Orientierung des Kompensators in den meisten Fällen schon des-
halb nicht möglich , weil gewöhnlich mechanisch über die Ein-
stellung des Kompensators durch Anlage eines Schlitzes am unteren
oder oberen Ende des Mikroskoptubus verfügt ist. Um sicher zu
gehen, wird man daher auf die genaue Diagonalstellung
der Kristallplatte möglichste Sorgfalt verwenden müssen, denn
dann sind die übrigbleibenden Fehler in der Orientierung des Kom-
pensators, wie Fig. 7 zeigt, von ganz untergeordneter Bedeutung.
Der neue drehbare Kalkspatkompensator hat nun
vor dem BABixET’sehen Kompensator infolge des bogenförmigen
Verlaufs der Stellen gleichen Gangunterschiedes und der damit
verbundenen Orientierung der Polarisationsrichtungen den großen
Vorzug, daß die Kompensationsstreifen nicht mit sym-
metrischer Intensität durch den Schnittpunkt der Okular-
fäden hindurchgehen, sobald die Kristallplatte nicht
genau in der Diagonalstellung steht (vergl. Fig. 5 und 6).
Auf diese Weise ist man bis zu gewissem Grade schon ge-
zwungen, während der Messung die genaue Orientierung der Kristall-
platte inne zu halten, und erzielt das einfach dadurch, daß man
die Kristallplatte so weit dreht, bis die Lichtintensität auf den
Kompensationsstreifen symmetrisch zur Mitte des Gesichtsfeldes
verteilt ist. Die Testierenden Fehler in der Diagonalstellung des
Schlitzes sind dann von verschwindendem Einfluß.
Zusammenfassung.
I. Der drehbare Kalkspatkompensator weist innerhalb
des benutzten Drehungsbereiches eine Farbfolge mit ungefähr gleicher
Annäherung an die XEWTOx’sche Farbenskala auf wie die Quarz-
keil-Kompensatoren. Durch beliebige Wahl der Dicke des Kom-
pensatorblättchens kann der Meßbereich beliebig erweitert werden.
Die Empfindlichkeit und Zuverlässigkeit des Kompensators steht
der des BABisErschen nicht nach und ist für geringe Gangunter-
schiede erheblich größer. Der Kompensator eignet sich auch zur
Bestimmung des optischen Charakters im parallelen und konver-
470
G. Hoffmann. Vergleich des unteren Dogger
genten polarisierten Licht sowie für stauroskopische Bestimmungen.
Der Kompensator ist ohne weiteres an jedem Polarisationsmikroskop
zu benutzen und nicht an die Anwendung eines Aufsatzanalysators
oder besonderen Okulars gebunden. Seine Konstruktion und Hand-
habung sind einfach. Der Zusammenhang zwischen den Ein-
stellungen uud der Größe des Gangunterschiedes wurde durch eine
aus den Brechungsgesetzen abgeleitete Näherungsformel dargestellt.
Die Berechnung der Meßresultate wird durch die Anwendung einer
logarithmisclien Tafel bequem gemacht.
II. Bei jeder Art von Kompensatoren hängt der ge-
messene Betrag der Doppelbrechung von den Justierungen der
Kristallplatte, des Kompensators und des Analysators ab. Die
Justierungsfehler beeinflussen die Lage des Kompensationsstreifens
nicht, wenn der zu messende Gangunterschied ein beliebiges ganzes
Vielfaches einer halben Wellenlänge der benutzten Lichtart ist.
Ein beliebiger Gangunterschied wird fehlerfrei gemessen, wenn die
Fehler in der Orientierung der Kristallplatte und des Kompen-
sators gleichgroß und gleichsinnig 'sind. Der gemessene Gang-
unterschied wird in dem Falle mit den größten Fehlern behaftet
sein, wenn die Justierungsfehler in der Orientierung der Kristall-
platte uud des Kompensators entgegengesetztes Vorzeichen haben.
Wesentlich ist vor allem die genaue Orientierung der Kristallplatte,
da ein alleiniger Fehler in der Orientierung des Kompensators
von unbedeutendem Einfluß ist. Der Fehler in der Null-Lage des
Analysators ist nur indirekt von Bedeutung, indem er die Ein-
stellung der Kristallplatte in die Diagonallage beeinflußt.
Bei Benutzung des drehbaren Kalkspatkompensators
werden gerade die wesentlichen F ehler in der Orientierung der
Kristallplatte bei der Messung auf ein Minimum herabgesetzt1.
Wetzlar, Optische Werke von E. Leitz, im März 1913.
Vergleich des unteren Dogger im Schwäbischen Jura mit
dem von Hannover.
Von Guido Hoffmann in München.
Mit 1 Textfigur.
Soeben ist im Schweizerbart’schen Verlage in Stuttgart meine
Arbeit über T Stratigraphie und Ammonitenfauna des unteren Dog-
gers in Sehnde bei Hannover“ erschienen. Die Arbeit ist im
engsten Sinne des Wortes eine Lokalmonographie.
Über keine Ammonitenfaunen sind so inhalts- und abbildungs-
reiche Monographien erschienen wie über diejenigen des unteren
Doggers. Ich erinnere nur an Quenstedt, Buckmax und Horx.
Leider waren aber alle diese Arbeiten aus Schwaben, Eng-
1 Dem Teil I dieser Mitteilung folgt noch eine Berichtigung.
im Schwäbischen Jura mit dem von Hannover.
471
laud und dem Donau-Rhein-Zuge nicht im eigentlichen Sinne strati-
grapliisch, d. h. geologisch, sondern paläontologisch.
Dieser letztere Weg ist, wo die Beobachtung eines Profils
unmöglich, der einzig gangbare. Aber wir dürfen uns nie darüber
täuschen, daß er uns nur mit dem Material als solchem vertraut
macht und keine Unterlagen für feinere geologische Studien, des-
cendenztheoretische Betrachtungen und paläogeographische Rekon-
struktionen bietet. Untersuchungen wie die letzteren sollten unter-
bleiben, solange die Fauna eines Schichtenkomplexes oder Zeit-
abschnittes nicht streng stratigraphisch festgelegt und so in ihrer
Nachfolge und Variationsbreite erkannt ist.
Die folgenden Zeilen machen den Versuch , meine Arbeit,
welche bisher nur für Nordwestdeutschland Geltung haben konnte,
über den Rahmen einer Lokalmonographie hinauszuführen.
Die Fazies oder besser die petrographische Beschaffenheit
des Gesteins des unteren Doggers in Schwaben hatte Quenstedt
zu seiner alphabetischen Einteilung veranlaßt. Praktisch erfordert
jede Gegend eine solche Gliederung, aber die wissenschaftliche
Erkenntnis trachtet darnach, hei ihren Einteilungen dem Zeitbegriff
gerecht zu werden, der sich mit einiger Wahrscheinlichkeit bei
vergleichendem Studium ergibt. Der untere Dogger Schwabens,
besonders des Donau-Rhein-Zuges, ist demjenigen Nordwestdeutsch-
lands sehr ähnlich. Bedenkt man aber, daß die Posidonomi/en-
Schiefer und die ./««reusis-Mergel im Schwäbischen Jura genau so
beschaffen sind wie in Nordwestdeutschland, so muß man für den
unteren Dogger andere Faziesverhältnisse annehmen. Infolgedessen
ist bei Quenstedt der Dogger ß etwas zu kurz gekommen. Zieht
man nun noch in Betracht, daß der ß sandig ist und deshalb eine
größere Mächtigkeit beanspruchen dürfte als der tonige a, so wird
der Fehler noch größer. Ferner sollte man nie vergessen, daß
die tonigen Schichten am Rande der Alb unter dem Drucke der
auf ihnen lastenden Malmkalke wie ein Polster ausgewalzt, also
von geringerer Mächtigkeit zu sein scheinen, als sie in Wirklich-
keit in den tieferen Lagen des Gebirges sind.
In Nordwestdeutschland setzen die Opalinus- Tone mit einem
Basalkonglomerat ein und zeigen in ihren Tutenmergeln, Nagel-
kalken und zertrümmerten Bänken deutliche Spuren starker Aus-
walzung. Ihre Mächtigkeit ist in Nordwestdeutschland nicht normal.
In Süddeutschland dagegen (am Wasserfall von Zillhausen gut zu
sehen) sind die Schichten von stattlicher Mächtigkeit, und zwar, wie
es scheint, von annähernd derselben Mächtigkeit wie der ß in Nord-
westdeutschland, wo er tonig ausgebildet ist. Im Schwäbischen Jura
wie bei Hannover— Hildesheim besteht der a aus blauschwarzen Tonen
mit rhythmisch auftretenden Ivalktonlinsen-Bänken. Der ß aber ist am
Scheffheu (Donau-Rhein-Zug) anders als bei Spaichingen (Katzen-
steigle bei Frittlingen und Wochenberg bei Schörzingen), wieder
472
(t. Hoffmarn, Vergleich des unteren Dogger
anders im Aasrücken (Hohenstaufen — Rechberg — Staufeneck — Donz-
dorf) und noch anders zwischen Westhausen und Lauchheim bei
Westerhofen. (Von den Eisensandsteinen bei Aalen ganz abgesehen.)
Während am Schelf heu erst der obere ß sandig wird, ohne
Sandstein zu bilden , sieht man bei Spaichingen diesen Facies-
wechsel früher eintreten ; bei Eislingen treten im oberen ß regel-
rechte Sandsteine (Personaten-Sandsteine) auf mit Rippelmarken,
darüber Basalkonglomerate und Liimaschellen, dann Tone, Mergel
und Kalke. Diese Reihenfolge wiederholt sich mehrere Male, wie
Die Sandkalke und Sandmergel des oberen Dogger ß am Scheffheu.
jetzt sehr schön beim Aufstieg zum Rechberg am Wege vom
Bahnhof zu beobachten ist. Zwischen Westhausen und Lauchheim,
bei Westerhofen haben wir sogar eine mehrere Meter mächtige
Bank äolischen Sandsteines, über der wieder das vorher erwähnte
Schwanken eintritt. Die Folge dieses Fazieswechsels, der ein be-
ständiges Schwanken des Meeresspiegels in diesen Gebieten zur Zeit
des Dogger ß verrät, kommt auch faunistisch zum Ausdruck. Die Am-
moniten, welche wir in den sandigen Schichten suchen möchten, sind
selten und fehlen im Sandstein bei Aalen und Westerhofen gänzlich.
Die Stratigraphie, welche ich in Sehnde feststellen konnte,
stößt deshalb im Schwäbischen Jura stellenweise auf Schwierig-
keiten, wenn auch, wie ich hier ausdrücklich erwähne, alle Arten
und die meisten Variationsformen von Hannover im Schwäbischen
Jura Vorkommen. Die Sammlungen von Freiburg (ScHAix-H’sche
Sammlung), Tübingen , Stuttgart und Eislingen und die vieler
im Schwäbischen Jura mit dem von Hannover.
473
Privatsammler lieferten mir die Beweise dafür. Keiner der Sammler
hat die irrige Ansicht Quenstedt’s, daß Ludwigia Murchisonae
(Sow. Typus) mit der breiten Externfläche zugleich mit der scharf-
kieligen X. Staufensis (Oppel) vorkäme, bestätigen können. Der
eifrigste der schwäbischen Sammler, Pfarrer Engel, konnte hier-
über keine Auskunft geben. Wie bei den alten Sammlungen
Norddeutschlands, so war auch in Schwaben die Fossilisation ein
guter Wegweiser und ein Beweis dafür, daß die Sehnder Arten
auch in Schwaben getrennt Vorkommen; so hat denn die strati-
graphische Einteilung in Ammoniten-Subzonen auch für den Schwä-
bischen Jura Geltung. Die Annahme und Möglichkeit, daß die
unvermittelt auftretende X. Murchisonae (Sow.) in Schwaben schon
in der Staufensis-Sübzone aufträte , ist mir von keiner Seite be-
stätigt worden. Der Irrtum der Einteilung in Murchisonae- und
Discus- Zone ist darauf zurückzuführen, daß die Vorformen von
Ludwigia Staufensis (Oppel), Quenstedt’s Discus, für Ludwigia
Murchisonae gehalten worden sind. X. Murchisonae Typus kommt
sehr selten vor uud wird in den Sammlungen als Ammonites obtusus
(Buckman) geführt. Keiner der. bekannten Sammler hat sie in
Schwaben je aus ihrem Lager gehoben. Vereinzelte kleine Ver-
wandte der marinen Vorfahren von Inidwigia Murchisonae (Sow.)
sind auch nach Süddeutschland verschlagen worden. Selbige sind
aber in der Kegel klein und unbedeutend und wären erst von
Interesse, wenn die weiteren Vorfahren von L. Murchisonae (Sow.)
ans anderen (amerikanischen oder arktischen) Gebieten bekannt werden.
Die Subzonen, welche in Süddeutschland sandig ausgebildet
sind, sind daselbst auch ammonitenarm. Daher kommt L. coucava
(Sow.-J. Buckman) und L. discites (Waag.) sehr selten, am Scheffheu
aber, wie ich in Freiburg und Achdorf (Gastwirt zur Linde) fest-
stellen konnte, häufiger als in Schwaben vor. Die Zwischenformen
von L. Murchisonae (Sow.) zu L. concava (Sow.), L. Bradfordensis
(Buckman), ist in Schwaben häufiger als L. Murchisonae (Sow.
Typus). Besonders häufig aber sind am Scheffheu in den Mergeln
und Tonen des unteren ß die Vorformen von L. Staufensis: L. Tolu-
taria (Dum.) und L. Sehndensis (nov. sp.) und L. Sinon (Bayle) in
allen Varietäten. Auch L. costosa (Qu. emend. Hoffmann) kommt
im oberen a mit der großen Form von L. opalina (Kein) gemein-
sam vor, eine merkwürdige Erscheinung, welche ich auch schon
in Sehnde feststellte und welche auf das Wandern der Ammoniten
(mit der Strömung?) als Regel mit geringen Ausnahmen hinweist.
L. Sehndensis und L. Tolutaria habe ich selbst wiederholt
am Scheffheu als aufeinanderfolgend festgestellt. Wie mir Herr
Bergrat Schalch persönlich versicherte und die Sammlungen Quen-
stedt’s und Engel’s, ebenso die von Fraas, bestätigten, kommt
X. discites (Waag.) wie in Sehnde, so auch hier mit Sonninien
gemeinsam vor.
474
G. H offmann, Vergleich des unteren Dogger etc.
Die Einteilung des ß nach Inoceramen läßt sich im Schwä-
bischen Jura gut verfolgen. Inoceramus fuscus (Qu.), die scliwach-
rippige Form, beherrscht den unteren und I. polyplocus (Roemer),
die starkrippige Form, den oberen ß, zu dem wir auch einen Teil
der /-Schichten zählen müssen.
Paläontologisch betrachtet scheinen die süddeutschen
Formen etwas anders gerippt und schwankender in der Sutur zu
sein als die norddeutschen. „Scheinen“ sage ich, weil diese Unter-
schiede äuf den Erhaltungszustand zurückzuführen sind.
Während bei Hannover, wie meine Abbildungen zeigen, die
Perlmutterschicht z. T. noch erhalten ist, fehlt sie in Süddeutsch-
land vollständig und man hat es nur mit Steinkernen zu tun.
Infolgedessen sind die Rippen unklarer und die Suturen steifer im
Ausdruck und deshalb weniger gut als Charakteristika zu erkennen.
Das norddeutsche Material war berufener, in diese Frage Klärung
zu bringen. Einige Exemplare haben mir bewiesen, daß in Schwa-
ben die Grenzen der Variationsbreite der einzelnen Arten bezüglich
der Dicke der Objekte noch weiter zu ziehen sind, als ich es
getan habe.
Die Aufstellung der Reihen aber bleibt bestehen. Ludwigia
Staufensis (Oppel) entwickelt sich aus L. costosa durch Zunahme
der Hochmündigkeit und der Scharfkieligkeit und durch Enger-
werden des Nabels; ebenso L. discites (Waag.) aus L. Murchisonae
(Sow.). Hier wie dort zeigt sich L. Murchisonae (Sow) unver-
mittelt auftretend, als anderorts entstandener Nachkomme von
L. costosa.
Auf Grund dieser Feststellungen glaube ich verpflichtet zu
sein, für streng stratigraphische Lokalmonographien, wie kostspielig
ihr Studium und ihre Herausgabe auch ist, eine Lanze brechen
zu müssen.
Die Aufrollung descendenztheoretischer Probleme aus Art-
namen ohne gründliche Prüfung der Literatur und der in Frage
stellenden Objekte ist ein unnötiges und unwissenschaftliches Be-
lasten unserer Literatur. Nicht nur Haug, sondern auch deutsche
Autoren müssen sich diesen Vorwurf gefallen lassen. Wie ich in
meiner Monographie ausgeführt habe , ist L. Staufensis (Oppel)
eine dekadente Form und dasselbe glaube ich auch auf Grund der
Beobachtung wiederkehrender, bestimmt gerichteter Entwicklung
von L. discites (Waag.) und Ammonites affinis (von Seebach), der
nur an einer Stelle in Norddeutschland gefunden wurde und auch
am Donau-Rhein-Zuge vorkommt.
Ein Inselarchipel im europäischen Mittelmeer mußte der Platz
zum Entstehen und Verfall neuer Arten aus eingewanderten (pela-
gischen, marinen) Formen sein. Hierüber müssen uns pacifische
Funde noch Aufklärung geben können.
W. Freudenberg, Elephas primigenius Fraasi Dietrich etc. 475
Elephas primigenius Fraasi Dietrich und die schwäbische
Hochterrasse.
Von W. Freudenberg.
W. 0. Dietrich1 führt zunächst die Bedeutung des Fundes
fiir die „ Mannnutforschung“ aus. Dann werden wichtigere Mammut-
funde in Schwaben aufgezählt. Das Jahr 1700 bedeutet einen
Merkstein durch die Ausgrabung (April — Oktober 1700) des Her-
zogs Eberhard Ludwig. Vier Jahre früher war bei Burgtonna
in Thüringen gleichfalls unter fürstlicher Leitung die Ausgrabung
eines ? Elephas anf/gwus-Skelettes , 1816 Hebung der Mammut-
stoßzahngruppe auf dem Seelberg erfolgt.
Wichtig ist die Hervorhebung des Größenunterscliiedes der
„Schotter-Mammute“, die 1823 auf dem Bosenstein von König
Wilhelm und auf der Winterhalde 1860 von 0. Fuaas ausgegraben
wurden, gegenüber den kleineren Lößmammuten, die jedoch nur
während der Niederterrassenzeit wirklich kleine Kümmerformen
waren. Zwischen diesen beiden Rassen bestehen auch sonstige
Unterschiede, wie sie zwischen Ahnform und Nachkommen zu er-
warten sind.
„Die Statistik und Inventur der fossilen Elefanten in Schwa-
ben“ ist als ein Versuch anzuselien. Die Mammutdichte auf 1 km2
des Landes glaubt Dietrich auf 10 — 12 Individuen berechnen zu
können. Gesetzt, die Eiszeit habe 400 000 Jahre gedauert, so ergeben
sich, nach dem Vermehrungsmodus der afrikanischen Elefanten,
20 — 24 Millionen Tiere während der Diluvialzeit im Neckar- und
Jagstkreis von Württemberg, d. h. der 2000fache Teil des 4 km2
großen Gebietes, auf dem man mammutfündig werden kann. „Die
Auffindung und Bergung des Skelettes“ ist ein großes persönliches
Verdienst des Verf.’s und auch in hohem Maße des Herrn Prof.
Dr. E. Fraas in Stuttgart, der dem neuen Biesenmammut Pate
gestanden ist.
Die Einbettung erfolgte in der Weise, daß ein Mammut-
kadaver auf einer Kiesbank im Murrflusse gestrandet ist , viel-
leicht zur Winterszeit, da die Sehnen lange genug die Knochen
zusammenhielten, bis der neu herbeigeschaffte Schotter den Kadaver
zudeckte. „Weiter ist die Tatsache wichtig, daß das Skelett teil-
weise von einem harten Konglomerat wie von einem Deckel satt
bedeckt war. Solche durch Ca C 03 verkittete Lagen sind sonst
den Steinheimer Schottern fremd; wo sie auftreten, sind Knochen
im Spiel. Das Auftreten der zusammengebackenen Lagen erklärt
sich daraus, daß bei der Zersetzung der Fett- und Eiweißsubstanz
des Kadavers durch die aufsteigenden Gase CaC03 gefällt wurde,
1 Jahreshefte des Ver. für vaterl. Naturkunde in Württemberg. 1912.
68. p. 43 — 206. Vergl. auch Dietrich’s Arbeiten über die Hirsche von
Steinheim, ebenda 1909. No. 67, und 1910 No. 66.
476
W. Freudenberg, Elephas primigenius Fraasi Dietrich
der den Kies und Sand zementierte. Die Stoßzalmspitzen steckten
in harten Schotterkappen, hier hatten die Stoßzähne als Leitungs-
bahnen nach unten gedient.“
Der „Erhaltungszustand“ ist folgender: Alle Knochen sind
gelbgefärbt, leicht und porös und ohne die geringsten Formänderungen
erhalten , namentlich die Stoßzähne zeigen weder im Querschnitt
noch in ihrer spiraligen Biegung irgendwelche Verdrückung, was
von den im Lehm liegenden selten zutrifft. (Hier sagt Verf. etwas
ganz allgemein Gültiges. Lehmschichten drücken wie flache Bretter
auf eingeschlossene Fremdkörper, grobe Schotter aber bilden kom-
plizierte Stützsysteme nach statischen Prinzipien. Bef.)
Die Lagerstätte, an deren Basis das Mammutskelett gefunden
wurde, besteht von unten nach oben aus folgenden Schichten :
1. 5 — 8 m gelbe diagonalschichtige Schotter und Sande, 2. graue
Schotter, 3. graue Schlickschicht, verschieden mächtig, 4. roter
Sand 1,5 — 2 m, 5. Lößlehm 4 — 5 m.
Sehr wichtig ist das Problem des Alters der „Fraasi“ -Basse
des Mammuts. Die Basse ist nicht ganz neu ; sie wurde von
Jourdan als Elephas intermedius und von Pohlig als E. primi-
genius Trogonilieri bezeichnet, um seiner Anschauung Ausdruck zu
geben, daß hier eine Übergangsform vorliegt zwischen E. meri-
dionalis Trogonilieri und E. primigenius typus. Über die geologische
Stellung dieser Basse hat Bef. sich geäußert in : Das Diluvialprofil
von Jockgrim in der Pfalz 1 und in ausführlicherer Weise in „Bei-
träge zur Gliederung des Quartärs von Weinheim a. d. Bergstraße,
Mauer bei Heidelberg, Jockgrim in der Pfalz etc.“ 2. Es tritt über
den Kiesen und Sanden der Efo-Hscus-Stufe regelmäßig in Süddeutsch-
land ein E. primigenius auf, mit den altertümlichen Merkmalen der
„ Fraasi“ -Russe, in einer Zeit, die ich in die Bückzugsperiode der
alpinen Mindelvergletscherung verlege. Auf diese durch Lößfall und
ein kontinentales Klima gekennzeichnete Periode — sie entspricht
ganz der postglazialen Magdaleuien-Epoche am Schlüsse des Würm-
Glazials — folgt die Hauptbildungszeit des älteren Löß. Er
enthält bei Achenheim in einer Lehmzone die Waldfauna des
Rhinoceros Merck ii und des Elephas antiquus. Darüber kommt
wieder ein glazialer Horizont mit E. primigenius in allen voll-
ständigen Diluvialprofilen Süddeutschlands. Er entspricht dem
ersten Vorrücken der Bißvergletscherung, die ich als Biß I be-
zeichne, und von Biß II, dem wirklichen Maximalstand des dilu-
vialen Bheingletschers durch eine warme interstadiale Epoche
getrennt ist (Tuffe von Flurlingen mit Rhinoceros Merckii und
Kohlenschichten von Dürnten mit dieser Art und Elephas antiquus).
1 Ber. d. oberrhein. geol. Vereins. 1909. Heidelberg. 42. Vers. p. 65 — 68-
2 Notizblatt des Vereins für Erdkunde und der Großh. Geol. Landes-
anstalt zu Darmstadt. 4. Folge. Heft 32. 1911.
und die schwäbische Hochterrasse.
477
Dies ist die Zeit der Ablagerung des unteren Travertins von
Taubach — Ehringsdorf (vergl. E. Wüst’s Arbeiten) und entspricht
dem Interstadial von Rabutz in Sachsen ( Rhinoceros Merckii im
Ton zwischen zwei Moränen der Haupteiszeit). Während die
skandinavische Eiszeit und auch die Rhonegletschervereisung in
Riß I gipfeln, was auch für die Gletscher des südlichen Schwarz-
waldes gilt, so ist doch der nach Norden fließende Riß I-Gletscher
des Rheins usf. nur etwa bis zum Rande der Würmendmoränen
vorgedrungen (Schmiedle) Dies geschah deshalb, weil die Nieder-
schlagsverhältnisse und die Föhnwirkung ganz andere sind auf
nördlich fließende, als auf südwärts und westwärts strömende Eis-
massen. Die Moränen von Riß II, die Altmoränen der schwäbischen
Geologen, entsprechen der maximalen Eiszeit im allgemeinen nicht,
denn nur nordwärts stoßen sie am weitesten vor.
Die Gliederung der Steinheimer Schottermassen wurde an zwei
verschiedenen Orten von W. Soekgel1 2 versucht: in einen älteren
Teil mit der Fauna des ersten Interglazials, welcher eine höhere
Terrasse bilden soll, und in einen jüngeren Schotter, welcher gegen
die Murraue die Terrasse bildet. W. Dietrich fügt p. 61 der
hier besprochenen Arbeit hinzu: „Nur die Schotter am Westrande
des Zuges (bei Murr) könnten jünger sein. In ihnen fand sich
neben der älteren auch eine jüngere Fauna ( Rhinoceros tichorhinus,
Cervus tarandus, Ursus spelaeus), ohne daß sich aber bisher wirk-
lich der Fall einer Anlagerung an einen älteren Schotter hätte
nachweisen lassen.“ Nach der Beobachtung des Ref., welcher
April 1910 die Fundstellen besucht hat, kommt in der Schotter-
grube bei Murr nur die jüngere Fauna vor. Aus den höheren
Partien der grauen Schotter erhielt er einen Molaren von Elephas
primigenius und aus einer etwa 3 m tieferen Lage eine doppelte
Zahnreihe des im Kalktuffe von Cannstatt häufigen Rhinoceros
heviitoeclius 3. Diese Schotter von Murr parallelisiere ich mit den
hangenden grauen Schottern von Steinheim. Über das verwickelte
schwäbische Schotterproblem gibt ein Brief von Dr. Dietrich an
den Ref. Aufschluß, den er hier wörtlich folgen läßt :
„Lauffen a. N. kenne ich jetzt genauer: Die Schotter liegen
rund 20 m über dem Neckar, sie haben bis jetzt ausschließlich
geliefert: 1. Elephas antiquus, 2. Rhinoceros Merckii (nach des
1 Sechs Glazialschotter bei Thiengen am Oberrhein. Mitt. d. bad.
Landesvereins f. Naturkunde. 1911. p. 65—69.
2 Die Pferde aus der Schotterterrasse von Steinheim a. d. Murr. Neues
Jahrb. f. Min. etc. 1911. Beil. -Bd. XXXII. p. 740, und Elephas Trogontheri
Pohlig und E. antiquus Fai.c. etc. Palaeontographica 1912. 60. p. 47— 51.
3 Der 25 m mächtige Kalktuff von Münster bei Cannstatt lieferte
dem kgl. Naturalienkabinett ein Cranium dieses Nashorns aus einem Niveau,
das, wie ich annehmen möchte, tiefer liegt als der Mammutlehm in andern
Aufschlüssen, etwa des Profils 11 bei Brauhäuser: Beiträge zur Strati-
graphie des Cannstatter Diluviums. Mitt. a. d. Geol. Abt. d. kgl. württ.
Stat. Landesamts. No. 6. Stuttgart 1909.
478
W. Freudenberg, Elephas primigenius Fraasi Dietrich
Eef. Bestimmung liegt Bit. Merckii var. brachycephala Schröder,
die Form von Daxland und Mosbach vor), 3. Bison priscus ,
4. Cervus ( euryceros ) Germauiae Pohlig, 5. C. ( euryceros ) ? Bel-
grandi (der neben C. verticornis Dawkins, C. elaplius und C. ca-
preolus, in einer vom Menschen deutlich bearbeiteten Stange, auch
in Jockgrim vorkommt, aus Taubach von Pohlig abgebildet
wird), 6. C. elaplius , 7. Equus sp. (E. germanicus Neu ring), 8. Val-
lonia sp. 9. Lymnaeus ovatus, 10. Bythinia tentaculata , 11. Ancylus
fluviatilis, 12. Pisidium sp., 13. Unio batavus. Vielleicht ist Lauffen
etwas älter als Steinheim, aber als Hochterrasse muß man doch
beides bezeichnen. Nun hat mich Herr Soergel in Freiburg
darauf aufmerksam gemacht, daß die Ablagerungen nach ihrem
paläontologischen Inhalt eher mit einem Deckenschotter zu par-
allelisieren seien, daß in der „ Hochterrasse“ Elephas trogontherii 1
und ein derartiger E. antiquus, wie sie Steinheim geliefert habe,
nicht mehr Vorkommen, daß es also für Steinheim nicht richtig
sei, den ganzen Schotterkomplex als Hochterrassenschotter zu be-
zeichnen. Aus dem Fehlen von Übergangsformen von E. trogon-
therii und E. primigenius in Steinheim glaubt er ferner schließen zu
müssen, daß zwischen den oberen und unteren Schotterpartien ein
scharfer Schnitt existiere. Dazu möchte ich Ihnen auch meine
neuesten Beobachtungen in Steinheim mitteilen : Wir haben dort
nämlich neuerdings das ziemlich vollständige Skelett eines Mammuts
ausgegraben (3 Extremitäten, Becken und Sacrum, Schulterblatt,
13 Wirbel usf., Schädel mit den Stoßzähnen in situ). Folgende
Teile fehlen also: 1. der untere Kiefer, 2. der Zungenbeinapparat,
3. die Halswirbelsäule, 4. die sechs vordersten Rumpfwirbel, 5. das
linke Schulterblatt, 6. die linke Vorderextremität, 7. die beiden
Kniescheiben , 8. die Lendenwirbel, 9. die Schwanzwirbel. Zur
Ergänzung wurde genommen der Unterkiefer eines E. trogon-
therii Pohlig (was Ref. bestreitet wegen der großen Ähnlichkeit
alter und stark abgekauter PGmh/enms-Unterkiefermolaren mit E.
trogontherii ; Atlas und erster Lendenwirbel gehören einem anderen
Steinheimer Exemplar an, linker Humerus gleichfalls nicht zum
Skelett gehörig; der Rest durch Gips ergänzt). Es lag 5 m
unter der Unterkante des Lehms, und nicht weit davon, aber 3 m
höher, lag ein geradezu wunderbar schöner Unterkiefer von E. an-
tiquus ! Die Trogontlieri- Molaren liegen ebenfalls in diesem 5 m-
Niveau, in tieferen Gruben allerdings auch tiefer. Ich bin jetzt
überzeugt, daß alles durcheinander gemischt liegt, d. h. daß E. pri-
1 Steht dem E. primigenius Trogontlieri Pohlig näher als dem
E. meridionalis Trogonfheri, welcher in typischer Form im Tunlager von
Jockgrim aul'tritt. Das Vorkommen von primigenius Trogontlieri — Unter-
kiefer im Senckenberg'schen Museum zu Frankfurt — in den Sauden von
Mosbach spricht für das einstige Vorhandensein von tiefsten Steinheimer
Schichten über den _E7r«scMS-Sanden von Mosbach. Das Mercki gehört
zu E. primigenius Fraasi in das Hangende der Etniscus-Stufe.
und die schwäbische Hochterrasse.
479
migenius auch unten vorkommt ; eine Grenze zwischen oben und
unten gibt es nicht; die oberen Partien sind auch sicher nicht
aufgearbeitet (so daß etwa eine Erosiousgrenze verwischt wäre).
Die Geröllführung ist im basalen Teil dieselbe wie im Hangenden;
die oberen Schichten (unter dem Lehm) haben höchstens mehr
Keupermergelmaterial und feinere, ruhigere Sedimentation.
Wovon soll nun gesprochen werden? Von Primigenius füh-
renden Hnf/^wts-Schottern oder umgekehrt? Ich bin Ihnen sehr
dankbar, wenn Sie der Bitte, die ich oben äußerte, entsprechen
und die Parallelisierung und Stellung dieser Schotter im System
uns auseinandersetzen.“
Die hauptsächlich knochenführende Schicht ist der 5 — 8 m
mächtige Schotterkomplex. Über die Funde der Sammet’schen
Grube orientiert gut der Spezialbericht von Herrn Dr. Dietrich,
den ich seiner Bitte gemäß oben einfügte. In höheren Schichten,
z. B. in einer verlelnnten Schotterschicht, wohl dem älteren Ge-
hängelehm entstammend, wurde früher schon bei Steinheim ein
Molar von E. antiquus gefunden. In dem darunter auftretenden
roten Sand (4) fand sich „ vielleicht E. primigenius typus“. Über
die Fauna der oberen grauen Schotter wurden oben Bemerkungen
eingeflochten, sie scheinen die Primigeniiis-Ticliorhinus- Fauna von
Murr zu enthalten und dem (älteren) Hochterrassenschotter des
Alpenvorlandes (Biß I) äquivalent zu sein '. Wichtig ist ferner
der am 4. November 1910 von Dr. Dietrich notierte (hier p. 62)
Fund No. 13. „Am 4. November 1910 endlich fand sich ganz im
Hangenden der Schotter ein Unterkiefer von E. ( mericlionalis ) trogon-
therii Pohlig.“ Es ist das offenbar der gleiche Unterkiefer, der
dem Schädel des montierten Skelettes von E. -primigenius Fraasi
angefügt wurde. Schon oben drückte ich meinen Zweifel aus an
der Richtigkeit der Bestimmung. Soweit ich mich in Stuttgart
am Original über den Unterkiefer orientieren konnte, schienen mir
die etwas weitlamelligen Unterkieferzähne gut zum naturgemäß
mit viel engeren Lamellen versehenen Oberkieferzahn zu passen.
Gleichwohl ist nicht ausgeschlossen, daß E. trogontherii noch zu
Beginn der (älteren) Hochterrassenzeit bei uns gelebt hat. Fand
1 Dies ist der gleiche Horizont wie der Mammutlehm der Profile von
E. Fraas (Zeitschrift d. Deutsch. Geol. Ges. 1895) , „denn er spricht die
GehängeschuttbilduDgen mit Elephas primigenius als mittleres, vielleicht
in die Haupteiszeit selbst fallendes Diluvium an auf Grund aller paläonto-
logischen Befunde“ (Brauhäuser 1909). Neuerdings erwarb das Naturalien-
kabinett in Stuttgart aus Fundamentbauten der Brauerei Wulle eine
Gaumenplatte des riesigen Bh. tichorhinus, wie es im .Mammutlehm“
vorzukommen pflegt. Die Mammute jenes Horizonts sind aber alle dem
E. primigenius-'Tyx>us näherstehend, als dies bei E. primigenius Fraasi
der Fall ist. Diese Rasse ist in der Hochterrasse tief unter dem Mammut-
lehm zu erwarten. Ein anfiqMMS-Horizont scheint sogar noch dazwischen
zu liegen, der sich in Weinheim und Achenheim im älteren Löß wieder-
findet und auch in Steinheim angedeutet ist.
480
Fr. v. Huene, Ad notam.
sich doch bei Tilloux in Frankreich (nach M. Boule) diese oder
eine nach Antiquus hinüberspielende Varietät des E. trogontherii
zusammen mit E. primigenius und typischen E. antiquus (dieser,
wenn ich mich recht entsinne, in etwas höherem Niveau) ; Boule
fand ihn mit Werkzeugen des Chelleen , des Acheuleen und des
Mousterien , die wie ich aus eigener Anschauung der Kiesgruben
von Le Pecq und Le Vesinet wohl weiß, nie zusammen in dem
gleichen Niveau gefunden werden , falls es sich nicht um Auf-
bereitung älteren Schotters handelt. Die Acheulkeile von Tilloux
hafteten an einem Stoßzahn des E. antiquus. Es sind nun tat-
sächlich auch von E. Trogonfheri Molaren, die sicher von Dietrich,
Soergel und mir richtig bestimmt wurden, im Schotter von Stein-
heini gef linden worden ; dicht neben der Sammet’schen Grube,
welche das Elefantenskelett geliefert hat , fanden sich mehrere
Molaren von E. trogontherii Pohlig. Gegen die gelegentliche Ein-
wanderung des E. trogontherii aus südöstlichen Steppengebieten ist
durchaus nichts einzuwenden. Doch hebe ich hervor, daß solche
Einwanderung nicht während atlantischer Regenperioden , die zur
Inlandvereisung bei genügend hohen Gebirgen führen, stattgefuuden
haben kann, sondern während der Lößzeiten erfolgt sein muß
und im jüngeren Quartär wohl stets mit E. primigenius vergesell-
schaftet war.
Ad notam.
Von Friedrich von Huene in Tübingen.
In der Juli-Nummer 1913 des Geological Magazine p. 331 ist
ein kurzer Bericht über eiue Arbeit und einen Vortrag von Dr.
R. Broom „On the South African Pseudosucliian Reptile Euparkeria
and allied Genera“ vom Mai dieses Jahres in der Zoological Society
of London. Es ist darin mit wenigen Worten gesagt, daß der
Verf. die Pseudosuchier als die Vorfahren nicht nur der Dino-
saurier, sondern auch der Pterosaurier und der Vögel ansieht.
Die Veröffentlichung in extenso wird wahrscheinlich im September
folgen. Da ich selbst im vergangenen Frühling eine Arbeit „Bei-
träge zur Geschichte der Archosaurier“ fertiggestellt (das zuletzt
geschriebene Vorwort vom 14. April 1913 datiert) habe, in welcher
u. a. ähnliche Ansichten ausgesprochen sind, möchte ich heute,
am 4. Juli 1913, noch bevor die BROOM’sche Arbeit veröffentlicht ist,
bemerken, daß Dr. Broom und ich gegenseitig den Inhalt der Arbeit
des Anderen nicht gekannt haben und völlig unabhängig voneinander
zu — wie es scheint — so merkwürdig ähnlichen Resultaten ge-
kommen sind. Meine Beiträge zur Geschichte der Archosaurier
werden in den Geologischen und Paläontologischen Abhandlungen
wohl erst später als Dr. Broom’s Arbeit veröffentlicht werden, da
der Druck nicht unmittelbar nach Fertigstellung des Manuskripts
vorgenommen werden konnte.
A. Osann, Petrochemische Untersuchungen. I. Teil.
481
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Petrochemische Untersuchungen. I. Teil.
Von A. Osann in Freiburg i. Br.
Mit 4 Textfiguren.
In der unten genannten Arbeit1 suche ich einen Beitrag zur
Lösung folgender Fragen der chemischen Petrographie zu liefern:
1. Welches sind die Gesetzmäßigkeiten, welche die chemische Zu-
sammensetzung der Eruptivgesteine beherrschen und zugleich die
unterscheidenden Merkmale zwischen der Alkalireihe (atlantische
Sippe) und Alkalikalkreihe (pazifische Sippe)? 2. Welches sind
die wichtigsten chemischen Unterschiede zwischen Sediment- und
Eruptivgesteinen und wie lassen sich dieselben für die Frage nach
der Genese von kristallinen Schiefern verwerten? Der vorliegende
erste Teil beschäftigt sich nur mit Eruptivgesteinen , also der
ersten Frage, doch wird des öfteren auf die abweichenden Ver-
hältnisse bei Sedimentgesteinen und kristallinen Schiefern der
Parareihe durch Beispiele hingewiesen.
Eine einwandsfreie Lösung der ersten Frage ist wohl nur auf
experimentellem Wege möglich, van’t Hoff und seine Mitarbeiter
haben durch ihre Untersuchungen über die Bildung des Steiusalzes
und seiner Begleiter die einzuschlagende Bahn gezeigt. Durch die
Berechnungen von Clarke, Washington u. a. besitzen wir auch
eine jedenfalls sehr angenähert richtige Vorstellung von der mitt-
leren Zusammensetzung der uns bekannten Eruptivgesteine und
damit eines Stammagmas , aus dem die letzteren ableitbar sein
sollten; doch ist das vorliegende Problem so kompliziert und seiner
allgemeinen Behandlung stehen zurzeit noch so schwer iiberwind-
liche Hindernisse entgegen, daß an seine Lösung in den nächsten
Dezennien nicht gedacht werden kann. Es sei nur daran erinnert,
wie wenig wir von der Natur und den Mengenverhältnissen der
sog. Mineralisatoren in eruptiven Magmen wissen ; die Rolle, die sie
bei Spaltungs- und Ditferentiationsvorgängen spielen, ist uns voll-
ständig unbekannt und wird auch sehr verschieden eingeschätzt.
1 Abhandlungen der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
(Stiftung Heinrich Lanz). Matli.-naturw. Klasse. 2. Abhandl. Heidelberg
1913. 163 p. 8 Taf.
(Jentralblatt f. Mineralogie etc. 1913.
31
F Po!
482
A. Osann
Petrochemische Untersuchungen. I. Teil.
483
So ist es zurzeit nur möglich, an der Hand eines großen Analysen-
materials auf statistischem Wege der ersten Frage näherzutreten.
Dieser Weg ist hier eingeschlagen.
Als Ausgangsmaterial dienen 1250 Analysen, und zwar 441
von Tiefen-, 640 von Erguß- und 169 von Ganggesteinen. Für
die Auswahl dieser Anatysen war maßgebend einmal ihre Zuver-
lässigkeit und dann Vollständigkeit in bezug auf das Material;
es sollten möglichst alle bekannten, chemisch verschiedenen Eruptiv-
typen vertreten sein. In einem Anhang sind der Vollständigkeit
halber noch 8 korundführende Gesteine und 1 1 magmatische Erz-
ausscheidungen, sowie die mittlere Zusammensetzung der Eruptiv-
gesteine nach Clarke angeführt. Von diesen Analysen sind vier
Molekularverhältnisse berechnet und zwar:
Si Oj : Alj 0, : (Fe, Mg, Ca) 0 = S Al F-Verb.
Al2 Os : Ca 0 : (Na, Kl, 0 = Al C Alk- Verb.
Mg 0 : CaO = MC- Verb.
Na2 0 : Ks 0 = N K-Verh.
Die beiden ersten sind auf die Summe 30 berechnet und in
Dreiecksprojektion dargestellt, die beiden letzten auf die Summe 10
reduziert.
Im SAIF-Dreieck erfüllen die Projektionspunkte ein ge-
schlossenes Feld (E. F.) mit vielfach gezackten Umrissen, das
nicht ganz den siebten Teil des ganzen Dreiecks einnimmt, und
sich durch 3 Sextanten erstreckt (Fig. 1).
Das Feld beginnt in der Nähe des S-Poles uud eines Punktes
iE der Figur), auf den das von Vogt berechnete Quarz-Alkali-
feldspateutektikum zu liegen kommt, und verläuft der SF-Dreiecks-
seite parallel bis zur S 8-Linie. Die Besetzung der Positions-
punkte in diesem Feld ist eine sehr verschiedene, auf der Um-
grenzungslinie ist sie, wie zu erwarten, eine sehr schwache und
nimmt nach innen zu. Um ein Bild von der Dichte der Besetzung
zu geben, sind die Punkte eingezeichnet, auf die mehr als 10 der
berechneten Analysen fallen. Zwei dieser Punkte fallen auf die
Grenzlinie in die Nähe von E, die übrigen ziehen der Al 3-
Linie folgend bis zur S15-Linie; ungefähr in die Mitte dieses
Streifens fällt die Projektion des Clarke’ sehen Mittels. Rechts
der Höhenlinie liegen fast ausnahmslos Gesteine , deren Kiesel-
säuregehalt 45 °/o ist; hier ist die Besetzung eine sehr schwache.
Ganz frei von Anatysen sind nur wenige Positionspunkte in den
Vorsprüngen des E. F. Die von den verschiedenen Gesteinsfarailien
eingenommenen Partialfelder überdecken sich randlich. Ein Bild
von ihrer Abteilung erhält man durch Berechnung von Mittel-
werten, die folgende Tabelle für Tiefengesteine und einige chemisch
besonders ausgezeichnete Erguß- und Ganggesteine gibt:
31*
484
A. Osann
Anzahl der
Analysen
S Al F
Al C Alk
Pantellerit
25 . 1,5 . 3.5
10 . 2,6.
17,5
Granit
. . 82
24.5 . 3 . 2,5
14,5. 4 .
11,5
Syenit
. . 76
22 . 3,5 . 4,5
13,5 . 5,5 .
11
Quarzdiorit
. . 46
22 . 3,5 . 4.5
14 . 8 .
8
Nephelinsyenit . . . .
. . 32
22 .5 .3
13,5. 3 .
13,5
Orendit-Wyomingit . .
• . 4
21 . 2.5 . 6,5
9,5 . 7,5 .
13
örtit
. . 3
20,5 .7 .2,5
13,5. 1,5.
15
Verit-Fortunit . . . .
. . 2
20 .2 .8
12,5 . 6 .
11,5
Diorit
. . 27
19,5 . 3,5 . 7
13,5 . 10 .
6,5
Anorthosit
. 14
19 . 5,5 . 5,5
14,5 . 10,5 .
. 5
Essexit-Slionkmit . . .
. . 46
18 .3,5. 8,5
12 .10,5.
7,5
Ijolith
18 . 4.5 . 7,5
10,5 . 9 .
10.5
Leucitit
. . 9
17,5 . 3,5 . 9
10,5.11 .
, 8,5
Jumillit
. . 2
17 .1,5.11,5
8,5. 11.5.
. 10
Gabbro I (saure Reihe)
. . 32
17 .3,5. 9,5
12,5 . 13 ,
■ 4,5
Tlieralith
. . 9
16,5 . 3 . 10,5
9 .13,5.
7,5
Leucitbasalt
. . 9
lb . 2,5 . 11,5
10,5 . 13,5 ,
, 6
Pyroxenit-Hombleudit .
. . 12
14,5 . 0,5 . 15
5 . 24 .
. 1
Gabbro 11 (basische Reihe) . 16
14.5 . 3,5 . 12
1 1,5 . 16,5 .
2
Ariögit z. T. lssit und Al.
reicher Hornblendit
,0,-
. . 7
14 .3 .13
12,5 . 15 .
2,5
Nephelinbasalt . . . .
. . 22
13,5 . 3 . 13,5
9,5 . 15,5 .
, 5
Peridotit
. . 18
13 .1 .16
8 . 19,5 .
2.5
Melilithbasalt-Eiiktolitb
. . 6
12 .2 . 16
6.5 . 19,5 .
4
Alnöit .
. . 5
11 .2 .17
7,5 . 18,5 .
4
Dunit
. . 2
10,5 . 0 . 19,5
—
Die im Anhang angeführten magmatischen Eisenerze mit nicht
unbeträchtlichen Mengen von TiOä in Vertretung vonSiO„ fallen
in die Verlängerung des E. F. gegen den F-Pol, die Korundgesteine
liegen isoliert in den Sextanten II und III (die kleinen Quadrate
der Fig. i).
Im Al C Alk-Dreieck sind zwei Linien von hervorragender
Bedeutung: i. die vom C-Pol aus gezogene Höhenlinie, die das
Dreieck in eine rechte und linke Hälfte teilt (Fig. 2); rechts von
ihr liegen nur Alkaligesteine mit Al Alk, in denen Fe., 03 die
Tonerde z. T. vertritt, ein Verhältnis, das bei Sedimentgesteinen
vollständig unbekannt ist, wenn man von Steinsalz und seine Be-
gleiter führenden absieht ; 2. die Al i 5-Linie, auf der Al = C -f- Alk
ist und an deren Nähe der wichtigste chemische Unterschied von
Sediment- und Eruptivgesteinen gebunden ist. Die Projektions-
punkte der 1250 Analysen verteilen sich hier auf alle Sextanten,
wenn auch die beiden der C Alk-Seite anliegenden nur sehr schwach
besetzt sind (Fig. 2).
Eine Umgrenzung des Eruptivfeldes ist deswegen hier nicht
Petrochemische Untersuchungen. I. Teil.
485
■* — AI Pol Alk Pol — ►
Fig. 2.
Al C Alk-Dreieck der Eruptivgesteine. Sämtliche besetzten Positionspunkte sind ein-
gezeichnet, in doppelter Größe diejenigen, auf welche mehr als 5 der berechneten
Analysen fallen. Kreuz -|- = mittlere Zusammensetzung der Eruptivgesteine nach
Clarke. Q = Gesteine des Anhangs. Links von der gegen den Al-Pol angegebenen
; Grenzlinie liegen außer Gesteinen des Anhangs nur Glimmerperidotit vom Kalten Tal
unter Al 18 C 1,5 und Dunit Corundum Hill unter A130C0. Letzterer fällt nicht mehr
in die Figur.
486
A. Osann,
gezogen worden, die Projektiouspunkte sind einzeln eingezeichnet,
diejenigen, auf weiche mehr als 5 Analysen fallen, in doppelter
Größe. Auch liier liegt das durch ein Kreuz markierte CnARKE’sche
Mittel nahezu in der Mitte des Streifens dichtester Besetzung, der
sich annähernd der A115-Linie parallel von der Mitte der Al Alk-
Seite bis zur C 15-Linie erstreckt. Nur gegen den Al-Pol ist eine
Grenzlinie des Eruptivfeldes eingezeichnet auf Grund einer ein-
gehenden Diskussion der Analysen, iu denen Al j> C -j- Alk an-
gegeben wird. Diese Diskussion zeigt, daß jedenfalls in sehr
vielen Fällen der Tonerdeüberschuß auf unrichtige Bestimmungen
von A12Os und Alkalien oder auf unfrisches Analysenmaterial
zurückzuführen ist. Ferner, daß ein Tonerdeüberschuß, der zur
Bildung von Korund, Spinell, Andalusit, Sillimanit etc. führt, nur
in lokalen schlieren- und gangförmigen Bildungen auftritt, deren
Entstehung auf Resorption von Einschlüssen oder Vorgängen pneuma-
tolytischer Natur beruht. Sieht man von solchen lokalen Bildungen
ab, so kommt eine Tonerdeübersättigung nur bei sehr sauren
Eruptivgesteinen vor und findet in der Bildung von Muskovit oder
reichlichem Biotit und bei Abwesenheit kalkreicher P}rroxene und Am-
phibole ihren mineralogischen Ausdruck. Von den 1250 berechneten
Analysen fallen nur 2 links von dieser Linie, ein Dunit, iu dem
0,88% Al, 03 und weder Kalk noch Alkalien angegeben werden
(auf Al 30 CO), und der Gliinmerperidotit vom Kalten Tal, der in
chemischer und auch mineralogischer Beziehung (reichlicher Spinell-
gehalt) eine außergewöhnliche Stellung einnimmt und nach Ansicht
des Verf.’s kein normales magmatisches Spaltungsprodukt ist (auf
Al 1 8 C 1 ,5). Die kleinen Quadrate nehmen Gesteine des Anhangs ein.
In Fig. 3 sind die angeführten Mittelwerte in das Al C Alk-
Dreieck eingetragen. In ihrer Anordnung treten 3 durch Schraffie-
rung markierte Bögen hervor : ein innerer rechts der Höhenlinie,
auf dem die Mittel der tonerdearmen und alkalireichen Alkali-
gesteine Pantellerit, Orendit-Wyomingit und Juinillit liegen; in
seine Verlängerung und den Sextanten IV fallen die beiden Einzel-
analysen Euktolith (Pian di Celle) und Noseanmelilithbasalt (Graben-
stetten). Ein mittlerer, ebenfalls gegen den Al-Pol konvexer Bogen
enthält die tonerdereicheren Alkaligesteine Urtit, Nephelinsyenit,
Verit-Fortunit, Essexit-Shonkinit, Leucitbasalt, Nephelinbasalt, Alnöit
und Melilithbasalt; zwischen beide Bögen fallen Ijolith, Leucitit
und Theralith. Der äußerste Bogen enthält die Mittel der Alkali-
kalkgesteine. Syenit, dessen Mittel ganz vorwiegend aus Vertretern
der Alkalireihe berechnet werden mußte, fällt zwischen Bogen II
und III.
Von kristallinen Schiefern der Parareihe werden Beispiele
angeführt, die im SAIF-Dreieck außerhalb des E. F. zu liegen
kommen oder im Al C Alk-Dreieck die gezogene Grenzlinie weit
überschreiten.
Petrochemische Untersuchungen. I. Teil. 487
AI Po! Alk Po!
Fig. 3. Mittelwerte von Gesteinsfaniilien (unterstrichen) im Al CI Alk-Dreieck. Nicht unterstrichene Einzelanalysen : Euktolith (Pian
di Celle) und Noseanmelilithbasalt (Grabenstetten).
488
A. Osann,
1 2 3 4
5
AI Po! Fig 4. Alk PoP — ^
(Erklärungen zu Fig. 4 auf p. 489.)
Petrochemische Untersuchungen. I. Teil.
489
Erklärungen zu Fig. 4.
X K-Verhältnis im Al C Alk-Dreieck. I = Grenzlinie von N K < 2,0,
II = von XK<3,0, III XK<4,0 und IV N K < 5,0 gegen den Al-Pol;
V = Grenzlinie von X K > 9,0 gegen den Alk-Pol. Ausnahmen: Glimmer-
peridotit Kaltes Tal mit XK = 0,5, Jjolith Jivaara mit XK = 9,0, Xatron-
sussexit Penikkavaara mit NK = 9,2, Sodagranit Duluth mit NK = 9,0,
Mariupolit Mariupol mit NK = 9,6 und Tawit Tavajolctal mit XK=9,5.
Ein weiteres Kapitel behandelt die Beziehungen zwischen dem
S Al F- und Al C Alk- Verhältnis. Es wird nachgewiesen, daß mit
der Lage in einem enger begrenzten Gebiet des einen auch eine
solche im anderen Dreieck verbunden ist. So nehmen Gesteine,
die im SAIF-Dreieck auf einen Punkt fallen, im Al C Alk-Dreieck
ein Partialfeld ein, das in der Dichtung gleicher Tonerdewerte
gestreckt ist; das ist zu erwarten, da beide Verhältnisse Al ge-
meinsam haben. Durch eine derartige Kombination beider Verhält-
nisse treten ferner die charakteristischen Unterschiede zwischen
Alkali- und Alkalikalkgesteinen am besten hervor; stets liegen in
diesem Partialfeld die ersteren dem Alkali-Pol, die letzteren dem
Kalk-Pol näher. Dieser Unterschied ist selbst bei schwachen Ver-
tretern beider Sippen noch unverkennbar und läßt sich auch bei
den angeführten Mittelwerten sehr schön übersehen , wenn man
Gesteinsklassen mit gleichem oder ähnlichem SA1F vergleicht, z. B.
die Reihe Quarzdiorit-Syenit-Neplielinsyeuit, Verit-Fortunit-Diorit etc.
Auch hier wird auf die häufig abweichenden Verhältnisse bei
kristallinen Schiefern der Parareihe hingewiesen. Wenn die Pro-
jektionspunkte solcher Gesteine in beiden Dreiecken auch in das
Feld der Eruptivgesteine fallen, besteht eine derartige Abhängig-
keit ihrer Lage im allgemeinen nicht.
Die Statistik in bezug auf das X K-Verhältnis ergibt, daß bei
86 °/0 der berechneten Analysen der molekulare Natrongehalt den
des Kalis übertriöt; ferner, daß ein nicht zu verkennender Zu-
sammenhang zwischen NK und Al C Alk derart besteht, daß niedere
und sehr hohe Werte von NK an bestimmte Verbreitungsgebiete
im Al C Alk-Dreieck gebunden sind. Die in Fig. 3 dargestellten
Grenzlinien dieser Gebiete verlaufen unter sich und der vertikalen
Höhenlinie annäliei’nd parallel. Sehr niedere Werte von NIv finden
sich nur bei Alkaligesteinen und den ihnen chemisch nahestehenden
Lamprophyren.
Eine ähnliche Abhängigkeit läßt sich zwischen MC und dem
S Al F- Verhältnis nachweisen. Hohe Werte von MC sind auf die
rechte dem F-Pol, niedere auf die linke dem S-Pol benachbarte
Seite des E. F. beschränkt. Die hohen liegen nur unterhalb der
A13-Linie, die niederen zwischen der S20- und Sl5-Linie mit
wenigen Ausnahmen nur oberhalb der Al 3-Linie. Bei diesen Aus-
nahmen (Ijolithporphyr von Aas [Alnö], Shonkinit von Canzocoli
und Kaisei’stiihler Alkaligesteinen) hat , wie aus geologischen
490
Br. Doss.
Gründen wahrscheinlich gemacht wird, wohl eine Resorption von
Kalkeinschlüssen stattgefunden.
Durch Beispiele wird gezeigt, daß bei Paragesteinen ein der-
artiger Zusammenhang zwischen NK und Al C Alk sowie MC und
S Al F im allgemeinen nicht existiert.
Das Schlußkapitel der Arbeit enthält allgemeine Betrachtungen
über die atlantische und pazifische Sippe und einen Versuch zur
Lösung der von Rosenbusch angeregten Frage nach Kriterien zur
Unterscheidung essexitischer oder gabbroider Basalte durch die
Kombination des SA1F- und Al C Alk- Verhältnisses.
Tm Anhang sind die berechneten Analysen nach dem SA1F,
A1C Alk-Verli. und der gebräuchlichen Systematik mit kurzer Litera-
turangabe tabellarisch zusammengestellt, um die Prüfung der ent-
wickelten Gesetzmäßigkeiten und den Vergleich mit Sediment-
gesteinen und kristallinen Schiefern, die im II. Teil behandelt
werden sollen, zu erleichtern.
Als Resultat dieser Arbeit kann man zusammenfassend sagen:
Es sind eine Reihe von Beziehungen zwischen den wesentlichen
chemischen Bestandteilen der Eruptivgesteine an der Hand eines
großen statistischen Materials zahlenmäßig festgestellt und graphisch
dargestellt worden. Inwieweit die durchgeführte Statistik zur
korrekten Fassung dieser Beziehungen hinreicht, läßt sich nicht
voraussehen und erst auf experimentellem Wege prüfen. Die ge-
wonnenen Resultate können die Grundlage für spätere experimen-
telle Forschung abgeben; zurzeit werden sie bei der Untersuchung
kristalliner Schiefer nicht unwesentliche Hilfe leisten.
Das Vorkommen von freiem Schwefel in Sapropelen.
Von Bruno Doss.
An anderer Stelle1 habe ich auf Grund gewisser Eigenschaften
der miocänen melnikowit haltigen Tone des Gouver-
nements Samara den Schluß gezogen, daß diese ursprünglich
ganz analoge Sapropelablagerungen dargestellt haben müssen,
wie solche gegenwärtig in den russischen Limanen , vielen Salz-
und Siißwasserseen sowie Strandgebieten angetroffen werden. Dabei
wurde festgestellt, daß jene miocänen Sedimente freienSchwefel
führen 2, ein Produkt , dessen Entstehung auf die Lebenstätigkeit
einstiger Schwefelbakterien zurückgeführt wurde.
Um nun jenen Analogieschluß bezüglich der Faulschlamm-
natur der erwähnten Tone weiter zu stützen , habe ich , da mir
aus der Literatur von Angaben über einen Gehalt der Faulschlamme
1 Im Annuaire geol. et min. d. 1. Russie. 13. 1911. p. 142; N. Jahrb.
f. Min Beil.-Bd. 33. 1912. p. 687, 694.
2 Ebenda p. 695.
Das Vorkommen von freiem Schwefel in Sapropelen.
491
an freiem Schwefel nichts bekannt ist1, zwei rezente wie auch
ein altalluviales Sapropel auf einen etwaigen Gehalt an
freiem Schwefel untersucht.
Die altalluviale Probe stammt aus einer einstigen, zirka
40 ha großen Bucht des Stintsees bei Suschenhof unweit Riga,
die im Laufe der Zeit völlig mit Sapropel und verwandten Sedi-
menten ausgef'iillt worden und oberflächlich vermoort ist. Ich habe
den größeren Teil dieses bis über 10 m mächtigen Sapropellagers
im vergangenen Herbst durch zahlreiche Bohrungen aufgeschlossen ;
die zur Schwefeluntersuchung benutzte Probe stammt aus 5 m Tiefe
eines dieser Bohrlöcher (No. 14). Es ist ein dunkelbraunes, an
Schwefeleisen reiches Sapropel (Übergang zum Saprokoll), bestehend
aus feinsten amorphen Klümpchen (Exkremente planktonischen
Tierlebens und homogen zersetztes Material niederer Pflanzen),
feinen, stark zersetzten vegetabilischen Gewebefetzen, Fäden von
Planktonalgen, Diatomeenpanzern, Spongillennadeln, Pollenkörnern
von Kiefer, Eiern von Wasserwanzen und anderen Organismen-
resten, wozu sich als anorganische Bestandteile ziemlich viel Ton
(u. d. M. schwer zu erkennen, dagegen nach dem Eintrocknen des
Schlammes oder nach Verbrennung der organischen Bestandteile
leicht nachweisbar), sowie sehr wenig feinster Quarzstaub gesellen.
Die eine rezente Probe ist der Oberflächenschicht
des Schlammes in der dem Sapropellager angrenzenden Bucht
des Stintsees entnommen. Siegleicht, abgesehen natürlich von
der mehr breiigen Konsistenz, im allgemeinen der vorigen altalluvialen
Probe; u. d. M. machen sich Unterschiede nur insofern bemerklich,
als Diatomeen seltener sind , Spongillennadeln fehlen , zersetzte
Pflanzenfasern reichlicher beigemengt sind, und daß das Schwefel-
eisen 2 sich hier zum mindesten z. T. als Eisensulfidhydrat findet,
während es in der Probe aus dem Bohrloch No. 14 wasserfrei ist3.
1 Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß die von G. Kramer
und A. Spilker (Das Wachs der Bacillariaceen und sein Zusammenhang
mit dem Erdöl. Ber. d. deutsch, chem. Ges. Jahrg 32. 1899. p. 2941) ge-
wonnenen Resultate bezüglich des Gehaltes des Franzensbader und Elsterer
Moores an freiem Schwefel (Produkt von Schwefelbakterien) nicht ein-
wandfrei sind. Genannte Forscher erhielten durch Auszug dieser Moor-
proben mit Benzol oder Toluol eine braunschwarze, wachsartige Masse, die,
beim Franzeusbader Moor als Ausgangsmaterial, 10,37 °/o S, beim Elsterer
Moor als Ausgangsmaterial ll,26°/o S enthielt. Es ist hierzu zu bemerken,
daß, sofern die betreffenden Moore Schwefeleisen in labiler Form (Schwefel-
eisenhydrat, Melnikowit) enthalten, dieses an Benzol einen Teil seines
Schwefelgehaltes abgibt (vergl. B. Doss im N Jahrb. f. Min. Beil.-Bd. 33.
p 700).
2 Die Schlammprobe gibt mit verd. Essigsäure sehr deutliche Schwefel-
wasserstoffreaktion.
3 Die Schlammprobe gibt mit verd. Essigsäure keine Schwefelwasser-
stoffreaktion, dagegen mit verd. Salzsäure.
492
Br. Doss,
Die andere rezente Probe stammt von Arensburg
auf der Insel Oesel und stellt den bekannten , zu Badezwecken
verwendeten „Heilschlamm“ dar. Es ist ein grünlichgrauer Faul-
schlamm, sehr reich an amorpher krümeliger Substanz (Exkre-
mente etc.) und Diatomeen , arm an vegetabilischem Gewebe , im
übrigen aber den vorigen Sapropelen völlig gleichend. Das bei-
gemengte Schwefeleisen findet sich zum mindesten zu einem Teile
in der Hydratform \
Nachdem durch vorläufige Versuche festgestellt worden war,
daß all diese Sapropelproben Schwefel an Schwefelkohlenstoff ab-
geben, wurden behufs Feststellung dessen, ob der erhaltene Schwefel
nur aus dem Schwefeleisenhydrat resp. aus wasserfreiem Schwefel-
eisen extrahiert worden oder ob nebenhei auch freier Schwefel
in den Sedimenten sich befindet, die Proben nach ihrer Trocknung,
Pulverisierung und Beutelung zuerst bei 60 — 70° C mit verdünnter
Salzsäure so lange behandelt, bis keine Spur von Schwefelwasser-
stoff sich mehr entwickelte und somit sämtliches durch Schwefel-
kohlenstoff angreifbares Schwefeleisen gelöst war. Darauf wurde
nach abermaligem Trocknen , Pulverisieren und Beuteln der Sub-
stanz die Extraktion mit Schwefelkohlenstoff im Dunkeln vorge-
nommen. Nebenher gingen Leerversuche mit Schwefelkohlenstoff,
welche zeigten , daß unter den gegebenen Versuchsbedingungen
sich kein Schwefel aus dem Schwefelkohlenstoff ausscheidet.
Die Versuche ergaben folgende Resultate :
Angewandte
Substanzmenge
(Trockensubstanz)
Rezente Sapropelprobe
aus der Stintseebucht . 11,9 g
Rezente Sapropelprobe
von Arensburg .... 10,8 g
Altalluviale Sapropelprobe
von Suschenhof .... 13,5 g
Menge des extrahierten Schwefels
in Gewicht
0,0280 g
0,0658 g
0,0200 g
in Prozenten
0,235
0.619
0.148
Hiernach ist also in den untersuchten Sapro-
pelen zweifellos freier Schwefel enthalten, der nur
als Residuum von Schwefelbakterien angesprochen werden kann.
Um nun festzustellen, ob der für die Bildung dieses Schwefels
nötige Schwefelwasserstoff auf organischem Wege durch
die Lebenstätigkeit von desulfurierendeu Bakterien geliefert wird,
was von Haus aus das wahrscheinlichste, oder ob er auf anorga-
nischem Wege durch Reduktion von Sulfaten1 2 vermittelst organi-
1 Die Schlammprobe gibt mit verd. Essigsäure Schwefelwasserstoff-
reaktion.
2 Eine im Januar 1912 einem Probebohrloch entnommene Gemeng-
probe des Suscheuhofer Sapropels enthält nach einer in der Chemischen Ver-
Das Vorkommen von freiem Schwefel in Sapropelen.
493
scher Substanz entsteht, wurden zwei weitere Versuchsreihen
angestellt.
Eine sterilisierte Nährlösung wurde einerseits mit frischem,
anderseits mit vorher sterilisiertem Schlamm (behufs Abtötung
etwaiger vorhandener desulfurierender Bakterien) geimpft. Als Nähr-
lösung diente die für desulfurierende Bakterien von A. van Delden * 1 2
angegebene, bestehend aus :
Lei tungs wasser 100,0
K2 H P 04 0,05
Natriumlaktat* ..... 0,5
Asparagin 0,1
MgS04 + 7H20 . . - . 0.1
Mohr's Salz Spur.
Zur Impfung, die freundlichst Herr Dr. Basarewsky, Dozent
für Bakteriologie an der hiesigen Technischen Hochschule , aus-
führte, wurden je eine Spur der obigen Sapropelproben benutzt,
in denen der Schwefelgehalt bestimmt worden ist. Die geimpften
Flaschen standen zunächst 10 Tage im Brutschrank bei 30° C
und dann noch 3 Monate bei gewöhnlicher Zimmertemperatur,
bevor ihr Inhalt untersucht wurde.
Die Ergebnisse dieser Versuche besteheu in Folgendem.
In den Fällen, wo die Nährlösung mit frischem Schlamm
geimpft worden war , hatte sich, mit Ausnahme der altalluvialen
Sapropelprobe aus 5 m Tiefe, am Boden der gut verschlossenen
Flaschen ein voluminöser, flockiger, schwarzer Niederschlag abgesetzt,
während sich auf der Flüssigkeitsoberfläche und am Flaschenhals,
sofern zwischen erstem- und dem Glasstöpsel eine Luftblase ver-
blieben war, eine gelbliche Haut gebildet hatte. Beim Öffnen der
Flaschen war — wiederum mit Ausnahme der altalluvialen Sapropel-
probe — ein intensiver Scliwefelwasserstoffgeruch zu bemerken.
Das gelbe Häutchen bestand aus mikroskopisch kleinen Körnchen
und Kriställchen von Schwefel (Oxydationsprodukt des Schwefel-
wasserstoffs durch den Sauerstoff der Luftblase). In der mit
rezentem Sapropel geimpften Flüssigkeit selbst fanden sich neben
abgestorbenen Spirillen zahllose lebende Bakterien von Stäbchen-
sucbsstation des Rigaer Polytechnikums ausgeführten Analyse 0.8 ’/o Ca S 04,
bezogen auf wasserfreie Substanz (vergl. M. Glasenapp in der Rigaschen
Industrie-Ztg. 1912. p. 182) Über den Sulfatgehalt von Arensburger
Schlammproben siehe A Goebel im Arch. f. d. Naturk. Liv-, Ehst- u. Kur-
lands. 1. Ser. Bd. 1. 1854. p. 146, 193, 196, sowie M. Glasenapp 1. c.
(hier 0,15 °/o CaS04).
1 Beitrag zur Kenntnis der Sulfatreduktion durch Bakterien. (Central-
blatt f. Bakteriologie. 2. Abt. Bd. KI. 1903. p. 83.)
2 An Stelle des in Riga nicht erhältlich gewesenen Natriumlaktats
wurde bei den Versuchen teils Natriumformiat , teils Natriumacetat ver-
wendet.
494
Br. Doss, Das Vorkommen von freiem Schwefel etc.
form , darunter gekrümmte , welche Gestalt z. B. für Spirillum
( Microspira ) desulfuricans charakteristisch ist l 2. Der schwarze
Bodensatz erwies sich als eine u. d. M. schmutzig-graue Bakterien-
haut , die gespickt vollgelagert ist mit winzigen Kügelchen von
schwarzem Eisensulfidhydrat.
Sämtliche mit sterilisiertem Sapropel geimpfte Proben
ergaben weder einen Absatz von Schwefeleisenhydrat, noch eine
durch Oxydation hervorgerufene Schwefelbildung, noch ließen sie
beim Öffnen der Flaschen einen Schwefelwasserstoffgeruch wahr-
nehmen.
Ein weiterer Versuch bezweckte, quantitative Anhalts-
punkte für die Eisenfällung zu gewinnen. Zu ’/ 2 1 sterilisierter
und mit einer Spur frischen Arensburger „Heilschlamms“ geimpften
Nährflüssigkeit wurden 0,0223 g Hohr’s Salz (— 0,0032 Fe) zu-
gesetzt. Nachdem die Flasche 10 Tage im Brutschrank und dann
noch 4 Wochen bei Zimmertemperatur gestanden hatte, wurde in
der vom gefällten Eisensulfidhydrat abfiltrierten Flüssigkeit durch
Herrn S. Blumenfeld, Assistent an der Chemischen Versuchsanstalt,
der Eisengehalt bestimmt -. Es wurden gefunden 0,000336 g Fe,
so daß hiermit 89,ö°/o des Gesamteisengehalts der Nährlösung
gefällt worden waren.
Bei einem anderen Versuche war l/n 1 nicht sterilisierter Nähr-
lösung mit frischem Sapropel aus der Stintseebucht geimpft und
0,0600 g Mohr’s Salz zugesetzt worden. Die Ausfällung von Schwefel-
eisenhydrat begann erst nach 6 Wochen. Bei der Untersuchung der
Flüssigkeit zeigten sich zahllose , meist abgestorbene Individuen
der einzelligen Alge Clamydomonas 3, die auch im frischen Stintsee-
schlamm vorkommt. Der von dieser Alge produzierte Sauerstoff
war ein Hindernis für eine starke Vermehrung der desulfurierenden
Bakterien gewesen, die erst dann sich ungehindert entwickeln und
damit die Fällung von Eisensulfidl^drat einleiten konnten, als jene
Algen größtenteils abgestorben waren.
So ist denn durch vorstehende Versuche nachgewiesen, daß
in den benutzten rezenten Sapropelen desulfurierende Bak-
terien vorhanden sind und daß der in jenen enthaltene
freie Schwefel nicht durch unmittelbare Reduktion von Sul-
faten durch organische Substanz entstanden ist, sondern als Produkt
der Lebenstätigkeit von Schwefelbakterien biogener Herkunft
1 Siehe Fig. 4 auf p. 111 von W. Beyerinck’s Abhandlung (Über
Spirillum desulfuricans als Ursache von Sulfatreduktion. Centralbl. f. Bakt.
2. Abt. Bd. I), sowie Fig. 5 der zu A. van Delden's Abhandlung (1. c.)
gehörigen Tafel.
2 Nach Zerstörung der organischen Substanz mittelst konz. H, S04
undKHSO* sowie Oxydation wurde mit NH, Eisenhydroxyd gefällt, dies
in HCl gelöst und der Eisengehalt jodoinetrisch bestimmt.
3 Bestimmung durch den Assistenten Dr. 0. Trebu ausgeführt.
Fr. Tu6an, Bauxit in neuem Licht.
495
ist. Es liegt demnach kaustobiolithischer Schwefel vor. Die
Schwefelbakterien sind, weil purpurfarben, im Arensburger Schlamm
ohne weiteres sichtbar ; im Stintseeschlamm müssen farblose Arten
vorhanden sein. Im altalluvialen, 5 m tief gelegenen Suschenhofer
Sapropel existieren , wie vorauszusehen war , die desulfurierenden
Bakterien nicht mehr; sein Schwefelgehalt muß aber gleicher Her-
kunft sein , da die Entstehungsbedingungen dieses Sapropels die
gleichen gewesen sind wie bei den rezenten Analoga.
Durch die vorstehenden Untersuchungen hat die eingangs
erwähnte Schlußfolgerung , daß die miocänen melnikowithaltigen
Tone des Gouvernements Samara ursprüngliche Sapropelablagerungen
gewesen , eine weitere Stütze erhalten , so daß an der Tatsache
selbst wohl nicht mehr gezweifelt werden kann.
Riga, Technische Hochschule, Mai 1913.
Bauxit in neuem Licht.
Von Fran Tucan in Zagreb (Agram, Kroatien).
In einer Notiz 1 über die Bauxitfrage, in welcher C. Doelter
und E. Ditti.er die Ansicht vertreten, daß Bauxit ein Mineral
und keine Gesteinsart und daß sein Wassergehalt nicht konstant
ist, schreiben die genannten Autoren unter anderem auch folgendes:
„M. Kispatic ist nun erfreulicherweise unabhängig von uns und
auf einem anderen als dem von uns eingeschlagenen Wege zu
ähnlichen Resultaten gekommen.“ Wer Kispatic’s und meine
Abhandlungen 2 über die Bauxit bezw. über die Terra rossa ge-
lesen hat und die Abhandlungen Doeltkr’s und Dittler’s über
dieselbe Frage, konnte leicht entnehmen, daß die Resultate unserer
Untersuchungen und der Untersuchungen Doelter-Dittler’s nicht
ähnlich sind, und daß sie dies auch nicht sein können, da
Kispatic und ich bei der Bauxituntersuchung ein ganz verschiedenes
Thema von jenem Doelter-Dittler’s bearbeiten.
Die genannten Autoren beschäftigten sich mit der längst be-
kannten Tatsache — mit der kolloiden Natur des „Bauxits“ und
kamen mittels der Methode der Anfärbung zum Resultat, „daß
unter dem Namen Bauxit zweierlei verstanden wurde : 1 . ein
kolloides Aluminiumhydrat, der eigentliche Bauxit, das Ausgangs-
produkt der bauxitischen Umwandlung; 2. ein Gemenge von Diaspor,
Hydrargillit , Limonit und Kaolin mit wechselnden Mengen des
1 C. Doelter und E. Dittler, Bauxit oder Sporogelit? Dies.
Centralbl. 1913. p. 193.
2 F. Tucan, Terra rossa, deren Natur und Entstehung. N. Jalirb. f.
Min. etc. Beil.-Bd. XXXV. p. 401. — M. Kispatic, Bauxite des kroatischen
Karstes und ihre Entstehung. Ibidem p. 513.
496
Fr. Tucan
Tonerdegels '.“ Über die Kolloidität des „Bauxits“ bestehen in
der mineralogischen Literatur schon einige Data. So sagt z. B.
Lacroix1 2 unter anderem: „D’autre part. l’examen microscopique
des bauxites frangaises fait voir que ces substances sont absolument
colloides.“ Von „Bauxit“ als Kolloid spricht auch Cornu3 und bei
Hundeshagen4 finden wir auch, daß er schon mittels organischer
Farbstoffe die Bauxitnatur untersuchte und nach den Farben-
reaktionen zum Resultat gelaugte, daß Bauxit aus Hydrargillit,
Kaolin (wohl auch aus etwas amorpher Kieselsäure) und aus vor-
wiegend amorphem oder hypokristallinem Tonerdehydrat besteht.
(Hellgelber konkretionärer Bauxit von Linwood.)
Indem wir die Frage über die Kolloidnatur des „Bauxits“
für gelöst hielten, haben wir uns damit nicht beschäftigt, sondern
hielten sie für eine bekannte Tatsache. Beim Bauxit war aber
eine andere Frage ungelöst, ja sogar verwickelt — und das war die
Entstehung des Bauxits, die Doelter und Dittler in ihren
Abhandlungen nicht berühren. In unseren Arbeiten ist hauptsächlich
die Rede über die Bauxitentstehung. Auf Grund unserer Unter-
suchungen haben wir die Bauxitentstehung in Zusammenhang mit
der Terra rossa bezw. mit den Kalksteinen und Dolomiten gebracht
und so den Bauxit von einem anderen Standpunkt aus beleuchtet.
Unsere Untersuchungen haben ohne Zweifel bewiesen , daß
die Behauptungen Lacroix’ (1. c.) „C’est en realite une veritable
röche“ vollkommen berechtigt sind und wir für dieses Gestein
seinen bisherigen Namen Bauxit5 beibehielten. Es war aber not-
wendig, jener Substanz, jenem Mineral, das den Hauptbestandteil
des Bauxit bildet, einen Namen zu geben, und dieses Mineral
wurde Sporogelit benannt. Die Nomenklatur Doelter-Dittler’s
scheint uns unrichtig, da sie nicht auf Tatsachen beruht. Wir
kennen heutzutag kein Bauxitgestein mit vorwiegendem Gibbsitgehalt,
also kennen wir daher nicht von Gibbsititen reden. Gerade so
unbekannt ist auch das Gestein, welches vorwiegend aus Diaspor,
Gibbsit und Kaolin bestände. (Wenn schon von Kaolin die Rede ist,
1 C. Doelter und E. Dittler, Zur Charakteristik des Bauxites.
Dies. Ceutralbl 1912. p. 20
2 A Lacroix, Mineralogie de la France. 3. p. 342. 1901.
3 F. Cornu, Zeitschr. f. Chem. und Industr. der Kolloide. 1909. 4.
p. 15. 90: dies. Centralbl. 1909. p. 323 ; Zeitschr. f. pr. Geol. 1909. p. 85. 143.
4 F. Hundeshagen, Über die Anwendung organischer Farbstoffe zur
diagnostischen Färbung mineralischer Substrate. N. Jahrb. f. Min. etc.
Beil -Bd. XXVIII. p. 335.
5 In seiner bald erscheinenden Arbeit „Terra rossa, bauxite. laterite“
(Giornale di Geologia pratica. Anno XI. 1913. fase. 1. p. 20) schreibt
M. Gortani folgendes: „Dal punto di vista geologico, litologico e pratico
sembra opportuno riservare il nome di bauxite alle rocce costituite
essenzialmente da idrossidi d’alluminio (e ferro), che sono incluse in
formazioni calcaree e che perciö si rivelano come terre rosse antiche.“
Bauxit in neuem Liebt.
497
muß ich betonen, daß wir bei unseren mikroskopischen Unter-
suchungen nirgends im Bauxit Kaolin fanden, obwohl wir Hunderte von
Präparaten verschiedener Bauxite mit größter Sorgfalt untersuchten.)
Wenn wir auch mit unserer Behauptung, daß Bauxit ein
Gestein und kein Mineral ist, nichts Neues brachten, ebensowenig
haben wir mit der Behauptung, daß Sporogelit Aluminiummono-
hydrat ist, etwas Unbekanntes entdeckt. In seiner Abhandlung
über die Zusammensetzung des „Bauxites“ kommt Arsandaux 1 zu
folgendem Schluß: „Cette derniere consideration me porte ä admettre
que Phydrate A1203, H20 est la forme stable de Palumine dans
les banxites.“ Wir kommen durch unsere chemischen Unter-
suchungen und Analysen auch zu dem Beschluß, daß wir den
Sporogelit für Aluminiummonohydrat halten müssen. Einige Er-
scheinungen bei der chemischen Untersuchung der kroatischen
Bauxite und der Terrae rossae lassen auf verschiedene Aluminium-
hydrate schließen. Diese Erscheinungen beziehen sich auf die
Löslichkeit des Sporogelits in HCl und H,S04. Während der
Sporogelit aus Bauxiten älterer Formation (aus Velebit) in ge-
nannten Säuren schwer löslich ist, ist der Sporogelit aus Bauxiten
der jüngeren Formationen (aus Bosnien und Dalmatien) viel leichter
löslich ; Sporogelit ans der Terra rossa (also des jüngsten Bauxits)
ist sehr leicht löslich1 2. Anfangs hielt ich diese Erscheinung
jener der entsprechenden Kristalloide analog uud daß mit
wachsendem Wassergehalt auch die Löslichkeit wachse. Korund,
A1203, ist in Säuren unlöslich, Diaspor, A1203 • H20 löst sich
partiell, Hydrargillit, Al2 03 • 3 H2 0 , ziemlich leicht und voll-
kommen. Demnach befinden sich in der Natur vielleicht auch die
entsprechenden Kolloide Al2 03, Al, 03 • H2 0 (Al, 03 • 2 H, 0) und
A1203-3H,0. Diese Anschauung wurde aber durch die chemische
Analyse, besonders durch die Analyse des jüngeren Bauxits von
Studeno vrelo bei Zupanjac in Bosnien hinfällig er-
wiesen3. Er enthält so wenig Wasser, daß es möglich ist, die
Aluminiumverbindung, Sporogelit, nur als Monohydrat aufzufassen.
Ganz zu denselben Resultaten führten auch die Analysen anderer
Bauxite. Bis jetzt ist es also durch chemische Untersuchungen
Arsandaux und uns gelungen , zu beweisen , daß im Bauxit
Aluminiumhydrat (Sporogelit) mit einem Molekel Wasser ent-
halten ist. Daß in Bauxiten Dihydrate oder Trihydrate Vor-
kommen, hat bis jetzt noch niemand bewiesen; es sind dies nur
Mutmaßungen ohne reelle Unterlage.
Zagreb (Agram), Mineralogisch-petrograph. Institut.
1 H. Arsandaux, Sur la composition de la bauxite. Compt. rend.
1909. 148. p. 936.
2 F. Tucan, Koloidi u rudstvu. Xastavni vjesnik. XX. Zagreb. 1912.
3 F. Tucan und Kispatic, 1. c.
Centralblatt f. Mineralojrie etc. 1913.
32
498 Ad. Hoel. — W. Deecke, Paläontologische Betrachtungen. III.
Notiz zu K. Schneider: „Die vulkanischen Erscheinungen
der Erde.“
Von Adolf Hoel in Kristiania.
In dem von K. Schneider verfaßten vulkanologisclien Werk:
Die vulkanischen Erscheinungen der Erde (Berlin 1911) findet
sich ein Irrtum. Auf p. 228 heißt es: „Bei 74° 25' n. Br. und
19° ö. L. v. Gr. liegt die Bäreninsel. Sie beherbergt den nörd-
lichsten selbständigen Vulkan auf der atlantischen Erdhälfte etc.“
Auf der Bäreninsel kommen aber gar keine Eruptivgesteine vor.
Wahrscheinlich liegt eine Verwechslung mit dem Vulkane Beeren-
berg auf der Insel Jan Mayen (71 0 n. Br. und 9° w. L. v. Gr.) vor.
Paläontologische Betrachtungen '.
Von W. Deecke.
III. Ueber Echinoiden.
Von den Seeigeln soll dieser Abschnitt der paläontologischen
Betrachtungen handeln, und zwar besonders von den Lebens Verhält-
nissen fossiler Formen.
Seeigel sind im allgemeinen sehr selten in Konglomeraten,
was sich ja daraus erklärt , daß die hohlen Schalen zerschlagen
werden. Etwas häufiger trifft man sie in Sanden der flachen
Strandzone an , allerdings meistens verdrückt oder irgendwie be-
schädigt. Wenn man am Ufer der Nordsee oder am italischen
Sandstrande bei Pozzuoli und Gaeta-Xettuno wandert, sieht man
die Echinocardien etwas verletzt, mit Sand erfüllt im Boden unter
flachem Wasser stecken. Leere, wieder ausgespülte Gehäuse, die
sehr leicht sind, werden am Wasserraude massenhaft zusammen-
gehäuft, sogar bis in die Dünengräser vom Winde hinaufgetrieben.
Fossil wird dergleichen kaum erhaltbar sein; aber denken muß man
an so etwas, wenn Seeigeltrümmer mit Moor und mit Landpflanzen
einmal auftreten (Dogger Nordenglands). Sie beweisen dann nur
die Nähe der See.
Im reinen Sande sind diese Tiere selten ; denn erstens gehen
darin ihre Schalen durch Auflösung leicht zugrunde und zweitens
haben die Tiere dort nicht die erforderliche Nahrung gehabt, sind
also von vornelierein spärlich gewesen. So birgt die Meeres-
molasse des Bodenseegebietes diese Ordnung nur in ganz geringem
Maße. Aber mit Zunahme des Ivalkgehaltes, und zwar in solchem
von organogenem Ursprung, mehren sich auch diese Tiere. Sie
müssen , wenn sie nicht direkt andere Organismen zerbeißen, den
an organischen Substanzen reichen Schlamm in Masse durch ihren
Darm gehen lasseu. Es ist erstaunlich , wie vollgepfropft ein
1 Fortsetzung der im N. .Tahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXV erschienenen
ersten Abschnitte (I und II).
W. Deecke, Paläontologische Betrachtungen. III.
499
Echinoidendarm mit allem möglichen Bodengrus ist. Da alle See-
igel auf den Boden angewiesen sind und nie, außer im Larven-
stadium, frei schwimmen , so sind sie in hohem Maße von der
Bodennahrung abhängig und haben daher auch die engsten Be-
ziehungen zum Untergründe und zu dessen Bedeckung. Ferner ist
ihr eigentliches Lebensgebiet das Meer unter der flachen Strand-
resp. Ebbezone bis zu den größten Tiefen hinab.
Für die folgenden Betrachtungen, welche zunächst die irregulären
Seeigel vorzugsweise betreffen, ist von Wichtigkeit, was J. v. Uexküll1
über die Lebensweise von Echinocardium caudatum sagt. Es wird
dort geschildert, wie sich diese Spezies mit Hilfe der seitlichen
Stacheln in den Sand eingräbt, wie sie sich eine Atemröhre mittels
klebrig gemachter Sandkörner baut, die tiefe Furche der Vorder-
seite als Atemwasserkanal ausbildet und wie die Stacheln des
Mittelfeldes den zu fressenden Sand zum Munde schaufeln; ferner
daß diese Tiere unter der tiefsten Ebbe im Sande sitzen, und
zwar massenhaft nebeneinander, weil sonst die Geschlechtsprodukte
nicht zueinander gelangen können. Jede einzelne dieser Angaben
ist für uns von Wert und macht uns manches fossile Vorkommen
verständlich. Leider haben wir nur wenig Angaben über die Lebens-
weise anderer Gruppen, und man wird daher nicht alles unbedingt
auf Clj'peasteriden oder Cidariten übertragen dürfen. Die Unter-
schiede sind entsprechend zu betonen.
Irreguläre Seeigel mit einem zwischen After und Mund stehenden
spezialisierten Mittelfelde sind fossil häutig. Man erinnere sich
nur an Hemipatagus, Ananchytes, Hemipneustes. Oft sind dort
anders ausgebildete Stachelwarzen vorhanden, deren Erklärung nun
leicht fällt. Auch die Lippe des Mundes, die als „Pflugschar“ für
den einzuschürfenden Sand oder Schlamm dient, ist dadurch ver-
ständlich und die abgeplattete Unterseite ist notwendig, damit das
Gehäuse aufliegt. So kann Sand und Schlamm leicht aufgenommen
werden und zur Auslaugung durch den Darm gehen. Wie eben
betont, muß der Sand nährstoffreich sein.
Muschelreiche feinere Sande der etwas tieferen Wasserzoue
enthalten Seeigel deshalb zuerst etwas häufiger. Ich denke als
Typus an die mitteloligocänen Stettiner Sande, welche Spatangiden
und andere Seeigel so führen, daß man fast jedesmal mehrere
Exemplare oder Trümmer findet. Ganz ähnlich steht es mit dem
in gleicher Fazies entwickelten pommerschen Callovien. Aber so
recht gedeihen sie in beiden Schichten nicht. Weniger sind sie
in den geröllführenden Weinheimer Sanden vertreten, wie sie über-
haupt im marinen Oligocän des Oberrheines selten sind. Auch im
Pechelbronner Sand oder in den Meeressanden Oberbadens sind
kaum Reste beobachtet. Günstiger scheinen ihre Existenzbedingungen
1 Studien über den Tonus. IV. Die Herzigel. Zeitschr. f. Biologie.
XLIX. Bd. Berlin 1907. p. 307 — 319.
32*
500
W. Deecke.
in manchen cenomanen Sanden gewesen zu sein, z. B. in der
Tourtia und in der Grünsandkreide. Da deutet auch schon der
Glaukonit auf viele Mikroorganismen, z. B. Foraminiferen hin.
Je reicher diese letzte Tiergruppe wird, um so mehr Seeigel stellen
sich oft ein. Die feineren, an kleinen Schalen neben Muscheln
und Schnecken reichen Bimssteinsande der Starza bei Pozzuoli
stecken voll von Echinocardium, noch in situ, mit allen Stacheln.
Recht häutig sammelte man früher Echinolampas und Echinanihus
in dem aus Milioliden aufgebauten Grobkalk von Vaugirard bei Paris.
Scutelliden, Schizaster , Brissopsis und andere Gattungen sind massen-
haft in manchen „Faluns1" des Garonne-Beckens vorhanden. Damit
kommen wir zu dem einen rechten Lebensgebiet dieser Tiere. Das
sind Kalksande mit Foraminiferen, Brvozoen und anderem organi-
schen Detritus. Geradezu tj'pische Beispiele stellen Doberg bei
Bünde, das Datiien bei Maastricht, der Kressenberg, die Mokkattam-
Schichten und das ligurisclie Eocän dar. Aber bei diesen sind
noch zwei Unterschiede zu machen. Die Breccienschichten aus
Seeigeltrümmern im Maastrichter Tuff beweisen entweder bewegtes
Wasser oder Tiere, welche diese Gehäuse zei’bissen. Ebenso sind
bei Bünde Schichten voll derartiger Fragmente, während mir von
anderen Stellen dies in dem Umfange nicht bekannt geworden ist;
es war also das Wasser wohl etwas ruhiger oder tiefer.
Hcmipneustes, Echinolampas Kleinii und Spatangus Hoffmanni
nebst den meisten diese im Danien und Oberoligocän begleitenden
kleineren Formen sind kieferlos. Wenn sie sich also von Brvozoen
und größeren Foraminiferen ( Calcarina , Orbitoides im Danien) nähren
wollten, so mußten es, wie bei den letztgenannten, lose Stücke sein,
die sie in den Darm einführen und auslaugen konnten, oder Trümmer,
welche, vom Wellenschläge abgebrochen, sich in der etwas tieferen
Zone absetzten. Die dickschaligen Clypeasteriden verhalten sich
etwas anders ; diese gehen hart an das bewegte Wasser von unten
heran und bilden daher mit allem möglichen Grus die im Mittel-
meergebiete (Wiener Becken, Kalabrien, Sizilien, Spanien) so be-
zeichnenden C%peas£er-Strandbreccien. Damit hängt wohl die
innere Versteifung und z. T. auch die entweder hoch kegelförmige
oder ganz flache Gestalt zusammen. Beide Faunengruppen können
dauernd gar nicht schief liegen, sondern fallen sofort wieder auf
die breite Unterseite mit ihrem dem Boden ganz nah gerückten
Schwerpunkte.
Sehr klar ist mir eine zweite Gruppe von Seeigeln in ihrem
Auftreten, nämlich die der mergeligen Kreideformation, speziell
der oberen Kreide. Sobald bei uns in Europa die an Foraminiferen
und kleinen Bracliiopoden oder Bryozoen reiche Kreide sich aus-
bildete, haben wir zahllose Ananchyten, Galeriten, Spatangiden
und ähnliche Formen. Die Kreide ist ein typisch zoogenes, an
lebenden und abgestorbenen Nährstoffen reiches Sediment, in welches
Paläontologische Betrachtungen. III.
501
sich Seeigel, leicht auf dem Boden langsam fortkriecliend, so weit
einbetten konnten, daß sie ständig Nahrung einpreßten. Daher
der ausgesprochen schaufelförmige Mund bei Ananchytes , den Spat-
angiden und Hemipneustes. Organische Bestandteile enthielt gerade
die weiße Kreide reichlich : abgestorbene Spongienrasen , plank-
tonische Globigerinen und Textularien, die ununterbrochen nieder-
sanken, Frondicularien, Rotalien und Cristellarien neben Porosphären
und zahllosen, locker im Schlamme sitzenden kleinen Bryozoen-
kolonien und Brachiopoden. Die Zahl der Seeigel in der Rügener
Kreide ist enorm, wenn man alle zerbrochenen, schlecht erhaltenen,
daher nicht beachteten Stücke mitzählt. In dem Lankener Bruch
habe ich auf einer neu begonnenen Stufe des Abbaues einmal
gegen 200 Stück gezählt, die in frisch herausgeholten Feuerstein-
haufen lagen und ohne Umwühlen mir zugänglich waren, meistens
(etwa •§-) Ananchyten, fast der ganze Rest Echinoconen. In anderen
Kreideschichten sind Holaster und Micraster ebenso häufig. Sie
sind, wie der Pläner von Strehlen zeigt, direkt an diese Fazies
gebunden und im Sandstein viel spärlicher. Man sieht, wie Anan-
cliyles mit der Herausbildung der echten Kreide immer größer wird
bis zu der Varietät perconica Hag., die ebenso hoch wie lang ist.
Nachher wird plötzlich die Form klein, wie verkümmert, schief,
also zu Ananch. sulcata Goldf., sobald nämlich diese Fazies auf-
hört. Damit stirbt für Europa und das Flachmeer dies Genus aus.
Ob es im Globigerinenschlamm der Tiefsee noch vorkommt, ist
nicht sicher , aber nicht ausgeschlossen , da ähnliche Formen
(Linopneustes) dort existieren. Das tiefere Wasser prägt sich bei
Ananchytes auch in der relativ dünnen Schale gegenüber den
Conoclypeiden und vor allem den Clypeasteriden aus.
Der Zusammenhang von Foraminiferen und Seeigeln erscheint
besonders klar im Dogger. In dieser Abteilung haben wir in den
Mergeln die ersten häufigeren jurassischen Seeigel wie Holectypus,
Echinobrissus, Hyboclypus ; denn im Lias sind und bleiben Echi-
noiden selten, und wenn sie Vorkommen, gehören sie zu den Re-
gularia. Im Dogger ergreifen eben die Foraminiferen dauernd
Besitz vom mitteleuropäischen Flachmeer, und recht unvermutet
treten in den tonigen Sedimenten die irregulären Gattungen auf.
Die verbreiten sich dann rasch auch in den oolithischen Kalkgrus
der Küstenzone, in welchem es an aufgewachsenen Foraminiferen,
Bryozoen und Algenresten nicht mangelte. Zahlreiche aufgewachsene
Foraminiferen saßen auf den Oolithkörnchen. Diese selbst sind
um kleine organische Reste entstanden und einst lose gewesen,
so daß ein Oolithsand bequem durch den Seeigeldarm gehen und
die nötige Nahrung liefern konnte. Echinobrissus , Clypeus und
Pygurus sind die Charaktertiere dieser Fazies und treten z. T.
immer wieder im Oolitlx auf, wo sich dieser bis in die untere
Kreide hinein entwickelt. Freilich wird Clypeus bald von Pygurus
502
W. Deecke,
verdrängt; der letzte ist aber im Malm-Oolith von Bartin bei Col-
berg, im Hannoverschen, in Frankreich und im Schweizer Jura
eine der wichtigsten Gattungen. Nach der Callovien-Transgression
gesellt sich zu Echinobrissus die Gattung Dysaster oder Collyrites
am zahlreichsten in dem an Abfällen reichen Terrain ä cliailles
oder in den foraminiferenfiihrenden Renggeri- und Lnpressa-Sdiiditen
des untersten Malm. Massenhaft liegen Echinobrissus und Holectypus
in den süddeutschen Acuminata- und Maxillata-Mergeln des Vesullian
mit der von Terquem beschriebenen mannigfaltigen Foraminiferen-
fauna und mit all dem Austerngrus in dem lockeren Ferrugineus- Oolitli
und in den Faricms-Mergeln. Die gleiche Rolle übernehmen in den
verschiedenen Zonen der Unterkreide die dort ebenso unvermittelt
auftretenden und die anderen verdrängenden Spatangiden ( Toxaster ).
In all diesen Schichten sind Foraminiferen meistens massenhaft
vorhanden. Umgekehrt beobachten wir diese selten in den
triadischen Sedimenten Europas und damit gleichzeitig ein starkes
Zurücktreten der Seeigel. Beide Tierklassen müssen in der Trias
irgendwo anders eine Blüte gehabt haben und sind mit der Rhät-
transgression auf die Wanderschaft gegangen, wobei die rasch sich
vermehrenden Protozoen vorauseilten (Lias) und die nicht lang
schwebenden Echinoiden nachkamen (Dogger). Wir haben ein
ganz analoges Verhältnis in der Oberkreide: Globigerinen- und
Textularienkreide tritt schon im Cenoman auf, die Blütezeit von
Echinoconiden und Ananchyten liegt erst im Turon und Senon.
Alles miteinander — Ammoniten, Seeigel, Foraminiferen, Belem-
niten, Krebse — weist auf ein unbekanntes Triasgebiet hin, das
wir nur sehr schwer als solches erkennen werden, weil es jurassische
Charaktere trägt.
In dem Mesozoicum haben aber auch die kiefertragenden Irre-
gularien eine große Verbreitung. Wiederholt sind Echinoconus
und Holectypus schon genannt. Sie gehen vom Dogger bis zur
oberen Kreide durch und haben wegen ihres Gebisses eine ge-
wissermaßen größere Nahrungsgelegenheit. Deshalb ist Holectypus
weiter in den Gesteinen und Schichten verbreitet als Echinobrissus,
Echinoconus und Discoidea länger und eher vertreten als Ananchytes.
Ja, wir sehen, daß dieser Typus mit Conoclypeus im Alttertiär erst
seine größten Formen erreicht. Diese letzten Seeigel fanden zu-
sammen mit den damals zuerst und wieder recht unvermittelt auf-
tretönden Clypeasteriden in dem Nummuliten-, Orbitoiden- und Al-
veolinen-Sand uneingeschränkte Nahrung. Von diesen Familien
haben sich dann die Clypeaster in Südeuropa lange in Blüte ge-
halten, also nach ihrer Einwanderung genau dieselbe Anpassung
vollzogen wie die Echinoconiden vom Dogger bis zum Alttertiär.
Es ist zu bedenken, daß diese Seeigel alle ein Gebiß haben, das
durchaus geeignet ist, die genannten großen Foraminiferen zu
zerbeißen, da manche der letzten in toto durch den Darm nicht
Paläontologische Betrachtungen. III.
503
durchgehen konnten. Conoclypeus und Clypeaster sind ungewöhnlich
dickschalig, was vielleicht mit dem Reichtum an Ca C 0, in ihrer
Nahrung, aber ebenso mit dem Erscheinen der alles zerknackenden
Krebse (Brachyuren, Xanthopsis, Lobocarcinus etc.) zusammenhängt.
Ferner haben dickschalige, daher schwere Gehäuse mit breiter
Basis auf dem Kalk-(Foraminiferen-)Sand und -Grus einen genügenden
Halt und werden bei mäßig bewegtem Wasser ohne Zutun des Tieres
eo ipso in den mitgeschleiften Sand von den Wellen wieder eingebettet.
Es ist also wohl kaum eine Frage, daß Foraminiferen und
Seeigel in ihrem geologischen Vorkommen in einer gewissen Be-
ziehung zueinander stehen, ja mitunter direkt miteinander verbunden
erscheinen. Aber absolut ist diese Abhängigkeit nicht, da ja kleine
Schnecken, Huscheln, Bryozoeu etc. ebenfalls als Nahrung den
Echinoiden dienen können. In dieser letzten wird den Tieren viel
bereits ausgeschiedener organischer Kalk zugeführt und damit
der Bau der Gehäuse und Stacheln erleichtert. Denn mir scheint,
daß nicht der Kalkgehalt des Wassers unmittelbar, sondern solch
bereits konzentrierter Kalk von den Seeigeln verbraucht wird. In
rein sandigen kalkarmen Sedimenten sind nämlich trotz des Kalkes
im Heerwasser diese Tiere spärlich.
Alle diese zuletzt genannten Seeigelfamilien besitzen ein nur
schwaches Stachelkleid. Wir wissen, daß sie oft ganz im Schlamme
sitzen, sich in denselben einwühlen, wobei große sperrende Stacheln
sicher ein Hindernis wären. Das Gegenteil ist bei den kleinen
Diadematiden des Lias ausgebildet, da der oft winzige Körper
unverhältnismäßig lange dünne Stacheln trägt. Ich sehe in diesen
Stacheln Sperr- oder Schwebeorgane, welche in der weichen Hudde
den Körper vor Einsinken bewahrten, und zwar um so mehr, als
wir diese abweichende spezialisierte Gruppe nur in den bituminösen
Hergeln und Schiefern des unteren und oberen mitteleuropäischen
Lias antreffen, niemals in sandigen Bildungen oder in Hergeln.
Die Spatangiden stecken im Hoder oder Sand, die Clypcaster- Formen
mehr im Sande, oft ganz davon bedeckt. Damit hängt auch wohl
in erster Linie die Reduktion der Ambulacren und die Entfaltung
der Fasciolen zusammen. Die Tiere betten sich in Nährstoffe ein,
kriechen wenig und kommen so gelegentlich sogar zu einer Selbst-
vergiftung infolge der Anhäufung von Abfallstoffen. Deshalb ist
bei vielen dieser Seeigel eine Rinne in der Schale vorhanden, die Uex-
KüLL’sche Atemrinne von Echinocardium. Wir haben sie bei Toxaster,
Micraster und allen seinen Verwandten, und zwar vom Pol zum
Hunde führend. Wir sehen, wie sie sich von der Kreide an immer
schärfer ausprägt; bei einigen Formen wie Inf ulaster ist sie fast
vertikal und geradlinig, also diesem Zweck am besten entsprechend
ausgebildet. Saumlinien und Ambulacren übernehmen eventuell
den Bau der bei Echinocardium beobachteten Atemröhre und so
liegt ihre Hauptaufgabe nur oben am Pol, weshalb sie bei ScMzaster ,
504
W. Deecke,
Brissopsis etc. sich immer mehr auf den Scheitel beschränken.
Mögen die Stacheln klein sein, sie fehlen an den Flanken nie und
das wird verständlich, wenn ihnen das Eingraben und die Erhal-
tung der Wohnhöhle im Schlamme zufällt. Bei anderen Formen
liegt die Rinne hinten am After, z. B. bei Echinobrissus, Pygurus.
Durch ein Wegschaffen der Abfallstoffe etwa in und mittels dieser
Rinne wird derselbe Effekt, nämlich die Reinhaltung des umgeben-
den Wassers, erreicht. Vielleicht hat eine ähnliche Bedeutung,
daß bei den Spatangiden die Neigung besteht, die Ambulacren zu
vertiefen und bei den Clypeasteriden gerade umgekehrt die Streifen
zwischen den Poren aufblähen, so daß fünf derbe runde Kämme
sich herausbilden, wodurch auch eine Furchung und die Möglich-
keit besserer Wasserzirkulation erzeugt wird.
In diese Kategorie gehört noch eine andere Eigenart der
Echinoconiden , Conoclypeiden und z. T. der Clypeasteriden wie
Ecliinolampiden, die zunehmende Höhe der Gehäuse. Im ganzen
Jura ist Holectypus niedrig. Etwas höher und aufgeblähter erscheint
Discoidea, dem die ersten Echinoconus nahestehen. Aber im Turon
kommt es schon zu hohen Formen und im Senon werden diese gar
spitz kegelförmig. Ebenso nimmt Conodypens ungewöhnlich pyra-
midale Form an und bei manchen jüngeren Clypeaster- Arten wächst
aus breitem flachen Randsaum ein steiler Kegel empor. Ich kann
mir nur denken, daß die möglichst tief eingebetteten, daher ge-
sicherten Tiere mit dem Apex, sei es zur Befruchtung, sei es zu
Atemzwecken, etwas herausragen mußten. Dasselbe zeigt nämlich
der sonderbar nach oben mit dem Scheitelschild ausgezogene
Infulaster. Die Ecliinolampiden sind anfangs flach oval, vergrößern
auch langsam ihre Höhe, aber niemals bis zu den Maßen der sie
begleitenden Gruppen. Immerhin besitzen Echinolatnpas Fraasi
aus Ägypten und Ech. Kleinii aus Bünde recht hohe Gestalt. Da
bei fallendem Wasser oder aus anderen Gründen, z. B. bei der
Geschlechtsreife, die Tiere aus dem Sande nach oben steigen, so
ist die Kegelform die geeignetste, um rasch herauszukommen,
rasch au frisches Wasser zu gelangen und schnell die Geschlechts-
produkte der oben liegenden Organe freizugeben, sobald von Xacli-
barindividuen ein auslösender Reiz ausgeht.
Bei Echinoconus und Ananchytes, von dem in dieser Hinsicht
schon oben die Rede war, verbindet sich mit der Kegelform eine
andere Eigentümlichkeit, die Entstehung einer unpaaren Crista
gegen den After. Das macht ganz den Eindruck, als wollte der
gefüllte Darm mehr Platz haben. Auch das ist nicht auf diese
beiden Gruppen beschränkt, sondern kommt bei Holaster , Micraster,
ja auch bei Dysaster (D. carinatus im mittleren Malm) vor. Da
der Darm am Apex hängt, so könnte die Zunahme der Höhe auch
einer Verlängerung des Darmes und der vermehrten Nahrungs-
aufnahme entsprechen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß die
Paläontologische Betrachtungen. III.
505
Aufblähung der Ambulacren bei Clypeasteriden mit einer Hinaus-
drängung dieser Organe aus dem Innern durch den auf die Mitte
beschränkten, gefüllten Darm zusammenhängt, weil dieser in dem
durch sekundäre interne Kalkausscheidungen verkleinerten Innenraum
keinen genügenden Platz hat. Es könnten sich also bei diesen Formen
mehrere Bedingungen zur Schaffung der Spezialgestalt vereinigen.
Eine vierte Eigentümlichkeit ist Hachen Seeigeln gemeinsam,
nämlich eine Aufwölbung der Unterseite, so daß der Mund höher liegt
als die Ränder, wenn diese auf ebener Fläche ruhen. Dabei sind
die Umrisse der Basis schwach vertikal gefaltet. Typus ist vor
allem Pygurus oder Pygastev, schwach ausgebildet hat auch Clypeus
diese Form ; außerdem ist sie vertreten bei ganz flachen Anan-
chyten der Scaglia und angedeutet bei Clypeasteriden. Ich kann
mir vorläufig kein Bild von der Ursache machen; es sei denn,
daß bei diesen flachen Gehäusen dort auch der Darm Platz findet
und das Niederdrücken der Ränder besorgt, was nur bei einem
Leben auf nachgiebigem Boden geht. Deshalb kommt es auch
weniger bei Clypeaster vor, wohl aber bei den Ananchyten der
schlammigen Scaglia. Man könnte auch an eine Art Gewölbe-
bildung denken, die ein Untersinken verhindert, wie es bei den
auf weicherem Boden wachsenden Thamnasträen, Stromatoporen und
Fungien eintritt. Eine gute Erklärung wäre, worauf ich von anderer
Seite aufmerksam gemacht wurde, daß die Aufwölbung der Unter-
seite den Kiemen Platz schafft, die sonst bei den Gehäusen mit
ebenem Boden der Gefahr des Er drückt Werdens ausgesetzt sind.
Wenn die Einbiegung am Munde fehlt oder zurücktritt wie bei
Scutelliden, entsteht ein Furchensystem auf der Unterseite, welches
bei peripherer Verzweigung mit kräftigeren Stämmen am Munde
endet und der Wasserzufuhr dient.
Vor allem hängt mit der grabenden Lebensweise die Ver-
lagerung von Mund und After zusammen. Stünde der After bei
diesen Formen oben auf dem Pol, so würde das Tier ununter-
brochen mit dem ausgenutzten, verdauten Sand und seinem eigenen
Kot überschüttet. Es müssen also der Enddarm und sein Aus-
gang verlagert werden, und zwar möglichst weit weg vom Munde.
Das ist ja nun bei den Irregulären in der mannigfaltigsten Weise
erreicht und wird bei einigen Gattungen noch durch die After-
furche unterstützt, sobald nämlich der After etwas über dem Rande
liegt ( Echinobrissus , Clypeus).
Andere Lebensweise und daher andere Formen charakterisieren
die Regularia. Schon Archaeocidaris findet sich in Kalken oder
festeren Mergeln, Cidaris selbst ist am häufigsten auf Korallen-
riffen und Spongienrasen anzutreffen. Die zahlreichsten Stücke
liegen aus Juraoolith vor, aus den Schwamm- und Riffkalken des
Malm in allen seinen Stufen, aus den Kiesel-Spongien-Schichten
der oberen Kreide in Frankreich, England, Norddeutschland und
506
W. Deecke,
aus dem Damen von Faxe. Diese Tiere bewegen sich über dem
Boden, der daher etwas fester sein muß, teils mittels der Ambu-
lacralschläuclie, teils mit den Stacheln. Eingraben wie die Anancliy-
tiden und Spatangiden können sie sich bei dem starken Stachel-
kleide nicht. Die Stacheln haben auch zu verschiedene Gestalt
und daher auch verschiedene Funktion; z. B. wird behauptet, daß
sicli verschiedene Arten ( Strongylocentrotus ) mit den Stacheln durch
drehende Bewegung napfförmige Löcher in festes Gestein, z. B.
Sandstein, auswühlen. Das können natürlich nur lockere Sand-
steine sein oder solche, die ein zersetzbares Bindemittel haben,
also Kalk oder Braunspat, und daher durch Ausscheidungsprodukte
der Seeigel angegriffen werden. Man findet aber Echiniden auch
in Näpfen einer Küste aus kristallinem Gestein. Soweit nicht alte
untergetauchte Brandungsformen vorliegen, wäre nur an ein An-
ätzen der Gesteine durch die Seeigel zu denken, und ich möchte
auch dabei auf C 02 hinweisen. So unangreifbar Orthoklas oder
überhaupt die sauren Alkalifeldspate gegen Salz- und Schwefelsäure
sind, so leicht werden sie von Kohlensäure in schwacher Lösung
zersetzt. Dai’auf beruht ja die Bildung der wertvollen Acker-
krume in Granit- und Gneisgebieten. Es ließe sich also wohl
denken, daß Generationen von Seeigeln diese Löcher besiedelten
und erweiterten durch Auflösung des Feldspats ; den übrigbleiben-
den Quarzgrus mögen sie mit ihren Stacheln oder sonstwie heraus-
drängen. Sie sollen in drehender Bewegung sein, was ja an sich
schon nötig ist, damit sie nicht in Kot und Abfallprodukten, die sich
in dem Napf ansammeln, ersticken. Diese seßhaften Formen sind
natürlich an bewegtes Wasser gebunden, das ihnen Nahrung zuführt. —
Die übrigen haben in den Stacheln auch Hemmvorrichtungen, wenn
sie etwa von der Strömung irgendwie ergriffen und fortgetrieben
werden sollten. Außerdem ist schon oben und von anderer Seite
betont, daß einzelne im weichen Schlamm steckende Tiere dieser Fami-
lien in den abnorm langen und dünnen Stacheln Sperrorgane besitzen
gegen ein zu tiefes Einsinken. Es sind alle kleine und leichte Formen.
Gehen wir nun diese Regularia etwas im einzelnen auf ihre
Wohnorte durch, so sehen wir bei Lepidocentrus, daß er auf dem
durch Brachiopodeu, kleine Korallen, Stromatoporen etc. verfestigten
Schlammboden lebte. Mit Archaeocidaris ist es ähnlich; die wenigen
permischen Cidaridenreste sind an plattige Schichten gebunden
mit viel Trümmerwerk von Fenestellen, Brachiopoden, Criuoiden-
resten etc. Da wir aus der germanischen Trias nur dürftige
Spuren von Echinoiden besitzen, so ist erst wieder der alpine
Keuper (St. Cassian) zu erwähnen, dessen Pygmäenfauna an Muscheln
und Schnecken für diese Tiere ein geeignetes Nahrungsfeld dar-
stellte. Leider sind unsere Kenntnisse dort noch sehr lückenhaft.
Im Lias, vor allem aber erst im Dogger, kommen Saleniden,
Diadematiden , Hemicidariten und andere Gattungen vor. Die
Paläontologische Betrachtungen. III.
507
triadische Lücke ist abermals sehr deutlich. Von diesen neuen
Gattungen bewohnten Pseudodiadema und Verwandte die Ton- und
Mergelgründe, dazu besonders geeignet durch ihre niedrige breite
Form und die seitlich abstehenden langen Stacheln. Hemicidnris,
Acrosalenia, Hemipedina, Stomechinus ziehen etwas festeren Boden
vor und sind am zahlreichsten in mehr oder minder oolithischen
Mergeln und Mergelkalken. Solche Gesteine haben wir in den
lothringischen Korallenschichten, im Ferrugineus- Oolith des Doggers,
im Sequan (Oewi/aris-Schichten) des Schweizer Jura, in den Thur-
mrtUHi-Schichten des Kimmeridge, im oberen Malm von Zarnglaff
nnd Fritzow in Pommern sowie in Frankreich und England in
gleichaltrigen Zonen. Es sind das alles Schichten mit reichem
organischen Leben, voll von Zweischalern, besonders Myen, Tere-
brateln und Rhynchonellen und fleischfressenden Schnecken. In
solche Sedimente gehören auch Seeigel mit Gebiß, weil sie sonst
nicht genug zu schlucken haben. Dazu gesellt sich bei den Formen
weite Mundöffnung, nur durch verschiebbare Haut geschlossen und
dehnbar. Der massenhaft von diesen Tieren ausgeschiedene Kot
mag mit an dem Charakter solcher Lagen als „Calcaire grumeleux“
schuld sein. Das geht in die uutere Kreide weiter, wobei sich
die ebenfalls flachen Phymosomen zu den früheren Diadematiden
gesellen und dann bis in die obere Kreide auf mergeligem Schlamme
und auf Spongienrasen weiterleben (Rügen). Die Hemicidariten sind
hohe, halbkugelige Formen mit differenzierten Stachelwarzen und
Stacheln. Bei Pliymosoma sind diese breit, spatelförmig und könnten
sehr wohl das Gehäuse im weichen Schlamm halbschwebend halten
oder trefflich fortschieben und etwas eingraben. Formen, wie der im
mittleren Dogger Europas als Leitform erscheinende lihabdocidaris,
treten in Gemeinschaft mit Korallen, Bryozoen und großen Serpu-
liden auf. Das deutet ebenfalls auf einen etwas festeren und
nicht sofort mit Schlamm hoch überzogenen Untergrund hin, auf
welchem der Seeigel mit seinen langen dornigen Stacheln herum-
stelzte. Eine eigenartige Form ist Glypticus , der ja auch zeitlich
beschränkt ist, seine Stacheln bis auf wenige am Unterrande
stehende verloren hat und eine Wucherung der Stachelwarzen erfuhr.
Das Gehäuse hat wohl im obersten Schlamm eingebettet gesessen,
weshalb die Stacheln z. T. überflüssig wurden.
Eine Eigenschaft ist aber allen Nebenreihen der Regularia
gemeinsam : sie bleiben klein. Die meisten haben höchstens Wal-
nuß- bis Pflaumengröße, nur Acrocidaris erreicht etwa die Dimen-
sionen von Cidaris, und nur Stomechinus und Hemipedina lassen
sich mit tertiären und rezenten Echiniden vergleichen. Das scheint
aber nicht nur auf diese Unterordnung beschränkt, sondern eine
allgemeine Eigentümlichkeit altmesozoischer Seeigel zu sein; denn die
obengenannten Holectypus, Eclnnoibrissus, Dysaster und Toxaster halten
sich in ungefähr den gleichen Dimensionen. (Schluß folgt.)
508
M. Horn, Vorläufige Mitteilung
Vorläufige Mitteilung über den ladinischen Knollenkalk-
komplex der Südalpen.
Von Max Horn in Königsberg i. Pr.
Trotz der ziemlich großen Anzahl von Arbeiten, die sich
bereits mit den früher als „Buch enstein er Schichten“ be-
zeichneten „K ies elkn o 11 en k al k en mit P r otr a cliy ceras
Reitzi “ befaßt haben, kann die Gliederung des ladinischen
Knollenkalkkomplexes in den Siidalpen noch nicht als ab-
geschlossen betrachtet werden.
Nachdem ältere Autoren, wie Gümbf.l, v. Richthofen u. a.,
die stratigraphische Stellung dieser Schichten aufzuklären versucht
hatten, stellte sie Mojsisovics als einheitlichen Komplex hin, in
welchem er nur petrographisch zwischen Knollen- und Bänderkalken
unterschied. Nachdem Tornquist die Verschiedenwertigkeit der
einzelnen Horizonte erkannt und den Namen „Buchen st einer“
als unzutreffend durch die Bezeichnung „.Reif^i-Schichten“
ersetzt hatte , zog Philipp auch die Äquivalente westlich der
Etschbucht in die vergleichende Betrachtung, und kam zu dem
Ergebnis, daß die Ausbildung der sog. „Buchensteiner“ im
Buchensteiner Tal und dessen nächster Umgebung nur als eine
lokale Fazies des gesamten weit verbreiteten Komplexes zu be-
trachten sei. Nach den ersten Gliederungsversuchen, die Bittner
gelegentlich seiner Aufnahmen im Gebiet von Recoaro aufstellte,
kam Tornquist im Vicentin auf Grund faunistischer Ergebnisse
zu der Gliederung in Spitzkalk oder Reitzi- Schichten und
Noclosus- Schi eilten, wobei letztere nach der älteren Be-
zeichnung als obere „Buchensteiner“ zu gelten hätten. Diese
höheren Schichten verdienen nicht nur wegen des Vorkommens
nodoser Ceratiten in ihnen besonderes Interesse, sondern sie
zeichnen sich auch dadurch aus, daß sie Faunenelemente enthalten,
die bislang als den Wengener Schichten oder der „Zone
des P r otr acliycer as Ar ch elaus“ zugehörend galten. Schon
früher hatte Geyer eine ähnliche Beobachtung bei Sappada ge-
macht, wo er in Kalken mit ProtracJii/ceras recubariense Mojs. eine
stark an die Wengener Schichten erinnernde Cephalopodenfauna
fand. Im südlichen Bakony folgte den älteren Untersuchungen
Boeckh’s die faunistische Bearbeitung und Gliederung des Kom-
plexes durch Frech, der den oberen Horizonten mit Protrachyceras
Curionii Mojs. unteres Wengener Alter zuschreibt.
Gelegentlich einer Spezialuntersuchuug, die ich auf Anregung
von Herrn Professor Tornquist in der Val Trompia durch-
führte, konnte ich an bisher z. T. ungenannten Lokalitäten ver-
schiedene Faunen finden, die erkennen lassen, daß auch in diesem
Gebiet der ladinische Knollenkalkkomplex nicht als
füunistisch einheitlich gelten kann.
über den ladinischen Knollenkalkkomplex der Südalpen. 509
In der von Brozzo ans nach Osten ansteigenden Val Biogno,
einem Seitental der Hella, treten als Liegendes der dunklen Wengener
Schiefer die obersten Knollenkalkhorizonte mit Zwischenlagen von
Pietra- verde zutage, die eine Fauna beherbergen, deren Formen
z. T. eine starke Annäherung an Wengener Typen zeigen , teil-
weise auch solche selbst darstellen. Ich fand in ihnen :
Protrachi/ceras cf. ladinum Mojs. 1 Proarcesfes div. sp. ex aff. esi-
— reciibariense Mojs. (2)
Arpadites TeJIeri Mojs.
Ceratites Boecklii Both.
Hungarites Mojsisovicsi Boeckh
Gymnites cf. Moelleri Mojs.
Joannites tridentinus Mojs.
nensis Mojs. et sübtriden-
tinus Mojs. (5)
— trompianus Mojs.
Ptychites cf. angusto-umbilicatus
Mojs.
iJaonella Taramellii Mojs. (2)
Die sich mit diesen Schichten der Val Biogno z. T. strati-
graphisch deckenden Knolleukalke im Mella-Bett, etwa £ km
oberhalb Marcheno, führen :
Protrachyceras Curionii Mojs. (2)
Proarcesfes sübtridentinus Mojs.
— trompianus Mojs. (2).
Im Liegenden der genannten Schichten treten als etwas älterer
Horizont die bekannten Knollenkalkbänke im Mella-Bett
dicht bei der Kirche von Marclieno auf, die wohl den meist-
genannten Fundort für Cephalopoden der „Beitzi- Zone“ dar-
stellen und in der Tat hier den eigentlichen Horizont mit
Protrachyceras Beitzi bilden. Sie enthalten:
Protrachyceras Beitzi Mojs. (6) Proarcestes sp. (2)
— chicsense Mojs. DaoneUa Moussoni Mojs. (Knolle
Balatonites sp. (2) mit vielen Exemplaren).
In den tieferen Ivnolleukalklagen oberhalb Aleno fanden sich
unter anderen wenige Elemente, die an die Fauna der Trinodosus-
Z o n e erinnern :
Ceratites subnodosus Mojs. [non Ptychites angusto-umbilicatus
Torxquist]. Mojs. (4)
— HanOceni Mojs. — acutus Mojs. (3)
Ccltites cf. geometricus Frech. Proarcestes sp. (2)
Nautilus cf. quadrangulus Mojs. (2).
Aus dieser Faunenliste geht hervor, daß der ladinische
Knollenkalkkomplex in der Val Trompia drei faunistiscli
getrennte Stufen enthält. Die unter den Wengener Daonellen-
Schicluen der Val Biogno liegenden oberen Knollenkalkhorizonte
sowie die obersten Lagen im Mella-Bett zeigen eine deutliche
fannistische Annäherung an die cephalopodenführenden Wengener
1 Die den Namen in Klammern beigefügten Zahlen bedeuten die
Anzahl der Exemplare, sofern dieselbe 1 überschreitet.
510
M. Horn, Vorläufige Mitteilung
Schichten. Sie dürften zeitlich den von Frech im südlichen Bakony
als „untere Wengen er“ angesprochenen Horizonten gleich-
kommen. Außerdem sind diese oberen Horizonte mit den von
Tornquist im Vicentin beschriebenen Nodosus- Schichten sowie
mit den von Geyer bei Sappada gefundenen Recub ariense-
Kalken zeitlich in Parallele zu stellen. Die eigentliche Rcitzi-
Fauna ist in ihrer vertikalen Verbreitung beschränkt, wenn auch
einzelne Elemente durch den gesamten Knollenkalkkomplex hin-
durch auftreten. Die tiefsten ladinischen Knollenkalklagen ent-
halten wieder eine Mischfauna, in der sich noch vereinzelte
Trinodosus- Typen bis in diese Zeit erhalten haben. Durch den
Fund eines Ceratites subnodosus Mojs. [non Tornquist] ist das Niveau
dieses Ammoniten im Mella-Tal als übereinstimmend mit dem des
Bakony-Waldes gegeben. Es liegt erheblich tiefer als das Niveau
der vicentinischen ATof/osMS-Formen.
Sehr wahrscheinlich werden sich die faunistisch verschieden-
artigen Horizonte auch im Gebiet der Südtiroler Dolomiten
nachweisen lassen. In der Pufelser Schlucht in Groden ist
jedenfalls der obere Horizont der Knollenkalke ebenfalls eigenartig
ausgebildet. Denn ein von v. Koken in den „Oberen Knollen-
kalken mit Pietra -verde“ — in den „Lagen unter dem
Melaphyr“ — gesammeltes Cephalopodenmaterial, dessen Be-
arbeitung mir von Herrn Prof. v. Koken dankenswerterweise iiber-
lassen wurde, enthielt außer:
Protracliyceras Curionii Mojs.
Proarcestes Marchenanus Mojs.
und einigen noch nicht näher zu bestimmenden Arcestiden 4 Ce-
phalopoden, die der Zone des Protracliyceras Archelaus angeboren,
die sämtlich gut erhalten und einwandfrei bestimmt sind:
Protracliyceras Archelaus Laube Anolcites Riclitliof eni Mojs.
— longobardicum Mojs. Joannites tridentinus Mojs.
und eine neue Form, die der Beschreibung nach mit
Joannites (?) nov. f. ind. Mojs.
zu identifizieren ist, die auch Mojsisovics von demselben Fundort
bekannt ist. Außerdem stammt ein
Dinarites avisianus Mojs.
aus den „Buchensteiner Plattenkalken“ (Koken) von Bad
Ratzes.
Die typischen Wen gen er Formen lassen keinen Zweifel
über das jüngere Alter der oberen Knollenkalkhorizonte der Grödener
Dolomiten bestehen. Sie zeigen vielmehr, daß wir auch in diesen
Schichten Äquivalente der oberen Knollenkalke der Val Trompia,.
der Recubaricnse- Kalke von Sappada und der vicentinischen Rodosus-
Schichten erblicken dürfen. Da Protracliyceras longobardicum Mojs.
über den ladinischen Knollenkalkkomplex der Südalpen. 511
512
Besprechungen. — Personalia.
zusammen mit P. Curionii Mojs. und P. recubariense Mo.ts. in einer
Zone liegen, die jünger ist als die eigentlichen Reitzi- Schichten,
so dürften wohl auch die Schichten, in denen Tornquist auf Sar-
dinien P. longobardicum Mojs. nachwies, also der obere Nodosen-
Horizont des südlichen Binnenmeeres, dieser jüngeren, der Reitzi-
Wengener-Grenze entsprechenden Epoche zuzurechnen sein.
Diese Verhältnisse ließen sich etwa in der Tabelle auf p. 511
darstellen.
Durch genauere Profile und Sammlung fossilen Materials
möchte ich diese vorläufigen Ergebnisse in den Siidalpen noch
weiter nachprüfen.
Königsberg i. Pr., Geologisches Institut, den 20. Juni 1913.
Besprechungen.
Alois Sigmund: Die mineralogische Abteilung.
(Festschrift: Das Steiermärkische Landesmuseum und seine Samm-
lungen. Graz 1911. p. 171 — 196. Mit zahlreichen Figuren im
Text und mehreren, meist farbigen Tafeln.)
Die Abhandlung gibt die Geschichte der Entwicklung der
berühmten mineralogischen Sammlung des Johanneuins in Graz. Sie
ginghervor aus einer Mineraliensammlung, die vor hundert Jahren Erz-
herzog Johann den Ständen Steiermarks zu gemeinnützigem Zwecke
überwies und die seitdem durch viele Geschenke des Gründers und
anderer Gönner und durch Ankäufe zu einer der vortrefflichsten An-
stalten dieser Art erweitert und ausgebaut wurde. Sie enthält nicht
nur steirische Mineralien, sondern Vorkommen aus den verschiedensten
Gegenden, namentlich auch eine Sammlung geschliffener Edelsteine
und von Meteoriten. Die Textfiguren geben die Bilder der Be-
amten , die an der Sammlung gearbeitet haben und von denen
Mohs der berühmteste ist. Auf den Tafeln ist der Hauptauf-
stellungssaal dargestellt, sowie eine Anzahl besonders interessanter
Stufen in recht guten farbigen Reproduktionen.
Max Bauer.
Personalia.
Angenommen: Prof. Dr. O. Wilckens in Jena einen Ruf
an die Universität Straßburg i. E. als Nachfolger von Prof.
Dr. E. Holzapfel.
Gestorben: Geh. Rat Prof. Dr. H. Credner. Direktor des
paläontologischen Instituts in Leipzig. — Geh. Rat Prof. Dr.
Hugo Laspeyres in Bonn a. Rh.
H. Leitmeier, Bemerkungen etc.
518
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Bemerkungen über die Unterschiede in den Angaben von
Schmelzpunkten der Silikate.
Von H. Leitmeier in Wien.
Schmelzpunkte von Silikaten , die mittels der thermischen
Methode (Aufnahme der Zeit-Temperatur-Erhitzungskurve) im geo-
physikalischen Institute in Washington bestimmt wurden und Werte,
die durch optische Methoden namentlich von C. Doeltek und seinen
Schülern gefunden worden waren, weisen bedeutende Differenzen auf,
die oft bis 100° betragen, in einem extremen Falle beim Anorthit
sogar über diese Zahl hinausgehen.
In diesem Centralblatt hat R. Nacken 1 über Schmelzpunkts-
bestimmungen an Silikaten mit Hilfe der optischen Methode be-
richtet und hat bei seinen Untersuchungen Schmelzpunkte erhalten,
die mit den .Angaben der Forscher des geophysikalischen Institutes
in Washington recht gut übereinstimmen.
K. Nacken schloß daraus, daß seine Versuchsanordnung Fehler
vermeide , die den bisher üblichen optischen Bestimmungen des
Schmelzpunktes anhaften.
Die Bestimmung der Silikatschmelzpunkte nach neueren Me-
thoden wurde bisher fast ausschließlich von den beiden erwähnten
Instituten vorgenommen und es ist in jeder Weise auf das freudigste
zu begrüßen, daß nun auch von anderer Seite mit der größten
Sorgfalt derartige Bestimmungen ausgeführt werden. Gerade da-
durch ist ein Austausch der Erfahrungen, die mehr oder weniger
unabhängig voneinander gesammelt worden sind, möglich, was für
die Wissenschaft nur von Vorteil sein kann.
Es sei mir nun gestattet, auf Grund der langjährigen Erfah-
rung der DoELTEn’schen Schule einige Bemerkungen zu den Unter-
suchungen R. Nacken s zu machen, von denen ich wohl voraus-
setzen darf, daß sie, auch wenn ich zu anderen Resultaten kommen
sollte, in keiner "Weise als polemisch, sondern lediglich als wissen-
schaftlicher Gedankenaustausch aufgefaßt werden.
R. Nacken führt zunächst als Fehlerquellen der Bestimmungen
mit dem DoELTER’schen Heizmikroskop den Umstand an, daß bei
hohen Temperaturen die Konturen des Präparates selbstleuchtend
werden und daß es dadurch sehr unsicher sei, das Verschwinden
der scharfen Konturen zu erkennen. Die Ränder sind meist selbst-
leuchtend, und erst wenn die Abrundung weit fortgeschritten ist,
wird die Erscheinung (des Abrundens) deutlich.
1 R. Nacken, Dies. Centralbl. 1913. p. 328.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913.
33
514
H. Leitmeier, Bemerkungen über die Unterschiede
Dieser Umstand erschwert allerdings die Arbeit und gibt ihr
auch einen subjektiven Anstrich. Doch bei einiger Übung gelingt
es ganz gut trotz dieser Erscheinung, den Schmelzbeginn zu er-
kennen, namentlich auch dadurch, daß man bei ununterbrochener
Beobachtung deutlich das Fortschreiten dieser Erscheinung wahr-
nimmt. Der Schmelzbeginn wird im Heizmikroskop ja nicht allein
dadurch sichtbar, daß die Konturen des Präparatteilchens verwischt
werden, sondern vor allem dadurch, daß sich die Splitterchen all-
mählich abrunden , was namentlich bei länglichen Splittern —
solche wird man bei Untersuchungen im Heizmikroskop vor allem
ins Auge fassen — ziemlich leicht zu beobachten ist. Übrigens
würde ja ein derartiger Fehler nicht zu niedrige, sondern zu
hoch bestimmte Schmelzpunkte geben; es kann also
schon deshalb ein eventueller solcher Fehler nicht die tatsächlich
bestehenden Differenzen zwischen den Angaben der Schmelzpunkte
erklären.
Mit vollem Hechte betont R. Kacken, daß sich durch schlechten
Kontakt der Lötstelle des Thermoelementes mit der zu untersuchenden
Substanz Fehler von nicht zu unterschätzender Bedeutung ergeben
müßten. Bei dem DoELTEit’schen Heizmikroskop (Beschreibung
siehe dieses Centralbl. 1900. p. 567) ist aber ein derartiger
Fehler von vorneherein ausgeschlossen, da zwischen Lötknopf und
dem Schälchen aus Kieselglas, das das zu untersuchende Pulver
trägt, ein inniger Kontakt besteht, der vor jeder neuen Unter-
suchung auf das sorgfältigste geprüft wird. Außerdem hat der
Ofen eine Länge von 1 1 cm, ist also um 3 cm länger als der, mit
dem R. Kacken gearbeitet hat. Luftströmung ist durch den voll-
kommenen Abschluß mit zwei Kieselglasplatten ausgeschlossen.
R. Kacken denkt weiter daran, daß adsorbiertes Wasser bei
feinem Pulver Verunreinigungen nach sich ziehe, die ihrerseits
wieder auf den Schmelzpunkt von Einfluß seien. Ich glaube wohl
kaum, daß diese überaus geringen Spuren irgendwelche merkliche
Rolle spielen können.
R. Kacken denkt auch an Zersetzungserscheinungen bei lang-
samem Erhitzen, namentlich an das Verflüchtigen von Alkalien
und die dadurch veränderte chemische Zusammensetzung der Sili-
kate. Dies wäre eine Erscheinung, die gar wohl im Bereiche
der Möglichkeit liegen würde, über die aber bei Mineralien, wie
R. Kacken selbst betont, fast gar keine Untersuchungen vorliegen.
Herr Prof. Stock in Breslau hatte die Liebenswürdigkeit, mich
auf die Möglichkeit einer solchen Veränderung in Analogie mit den
Gläsern aufmerksam zu machen. Es kann sich dabei zunächst
darum handeln, daß Katrium entweicht; dann würde der Schmelz-
punkt erhöht werden, da ja hoher Alkalien-Gehalt im allgemeinen
einen niedrigen Schmelzpunkt bedingt. Wenn eine Zerlegung in
Komponenten eintreten würde, dann wäre es sicher ganz gut denk-
in den Angaben von Schmelzpunkten der Silikate.
515
bar, daß die eine niedriger schmelzen würde und ein niedriger
Schmelzpunkt vorgetäuscht wurde. Hier wären Untersuchungen
anzustellen, die allerdings nicht leicht durchzuführen sind. Der
Nachweis des Abganges des Alkalis wäre allerdings analytisch sein-
einfach, der Nachweis der Spaltung und der Identifizierung der
Komponenten aber wäre wohl nicht so einfach, um so mehr, als
es sich dabei um keine vollständige Zerlegung handeln wird. Wie
dem auch sei, bei Alkalisilikaten kann mit einer solchen Veränderung,
über deren Dimensionen allerdings nicht einmal Vermutungen
vor liegen, immerhin gerechnet werden. Ob aber so weit gehende
Differenzen dadurch ausgeglichen werden können, bleibe dahingestellt.
Was ist aber nun die Ursache der Verschiedenheiten, die nicht
geleugnet werden können?
Ich habe an einer anderen Stelle den großen Einfluß der
Korngröße auf die Höhe des Schmelzpunktes von Silikaten fest-
gestellt *, und zwar sowohl bei langsamer, wie bei rascher Er-
hitzung. R. Nacken arbeitete bei seinen Bestimmungen mit Mineral-
plättchen, die mehrere Quadratmillimeter groß waren. Ich halte
es nun für -sehr wahrscheinlich , daß hierin die Differenzen der
Werte R. Nackex’s mit den im Institute C. Doelter’s bestimmten
zu suchen seien. So bestimmte ich den Adularsclnnelzpunkt durch
sehr langsames Erhitzen mit 1 145 0 oder rund 1150°. Der Schmelz-
punkt wurde zuerst mit dem Heizmikroskop zu 1170° bestimmt.
Bei der langsamen Erhitzung im horizontal gestellten Platin-
widerstandsofen nach Heraus wurde durch sehr langsames Erhitzen
bis zur Temperatur von 1145° fortgeschritten. Es kamen in
einem Doppelschiffchen gleichzeitig zwei Korngrößen zur Anwendung,
sehlemmfeines Pulver und Körner, die durch ein Sieb von der
Lochgröße von 4 mm eben noch durchgingen. (Nähere Angaben
der Ausführung der Versuche und der Apparatur siehe in der
Zeitschr. f. anorg. Chem. 1. c.) Es wurde nun diese Temperatur
32 Stunden lang ununterbrochen ein wirken gelassen und es hatte
sich ein durchscheinendes milchiges Glas gebildet: die Schmelze
war flüssig geworden. Die groben Körner aber waren nicht ge-
schmolzen, kaum zusammengesintert. Bei einer rascheren Erhitzung
ist daher eine Differenz von 50°. R. Nacken fand für Adular 1200°,
durchaus nicht ausgeschlossen. Beide Adulare waren eisenfrei.
In der Fortsetzung dieser Untersuchungen arbeitete ich mit
künstlichem, reinem Anorthit. Der Schmelzpunkt wurde zuerst im
Heizmikroskop mit 1 400 0 bestimmt. Darauf wurde schlemmfeines
Pulver in der gleichen Weise wie der Adular erhitzt. Bei einer
Temperatur von 1390° hatten sich nach sechsstündiger Erhitzung
glasige Teile im Präparat gebildet, wie ich nach rascher Abkühlung
unter dem Mikroskop sehen konnte. Eine weitere Erhitzung mußte
wegen Gefährdung des Ofens unterbleiben.
1 H. Leitmeier, Zeitschr. f. anorg. Chemie. 81. p. 209. 1913.
33*
516
0. Westphal,
Die Amerikaner fanden für künstlichen Auortliit nach der
thermischen Methode 1550°. E. Dittler fand mittelst der gleichen
Methode, aber bei sehr langsamer Erhitzung, 1370°.
Anorthit vom Vesuv, vollkommen wasserhell, ergab mir neuer-
dings bei Bestimmung unter dem Heizmikroskop den Schmelzbeginn
bei 1285°; bei 1340° war der ganze Anorthit geschmolzen. Die
Erhitzungsdauer zwischen diesen Temperaturpunkten betrug 80 Mi-
nuten, die Temperatursteigerung war somit eine rasche. B. Xacken
fand 1485°.
In der vorerwähnten Arbeit habe ich die Unterschiede der
thermisch bestimmten und der optisch bestimmten Schmelzpunkte
auf die Verschiedenheit der Methode zurückgeführt. Die rasche
Erhitzung einer verhältnismäßig großen Materialmenge gibt bei
der thermischen Methode stets zu hochliegende Schmelzpunkte. Die
kurze Zeit der Erhitzung genügt nicht zur Überwindung der bei
den meisten Silikaten recht großen Schmelzträgheit.
Beitrag zur Kenntnis der optischen Verhältnisse des Periklas.
Von Otto Westphal in Leipzig.
Mit 1 Textfigur.
Die Angaben über die Brechungsindizes des Periklas weichen
ziemlich stark voneinander ab. Nach Sommerfeldt 1 hat man dies
auf beigemengte Stoffe zurückzuführen.
Der Genannte bestimmte an Kristallen, die durch Schmelzen
von Mg 0 im elektrischen Flammenbogen erzeugt wurden :
n (Rot) = 1,7298
nua = U7350
n (Blau) = 1,7360.
Ebenfalls für künstliche Periklaskristalle fand Mallard 1 2
die Werte:
n (Li) = 1.7307
n (Na) = 1.7364
n (Te) = 1,7416.
Für meine Untersuchungen stand mir künstlicher Periklas von
Staßfurt zur Verfügung. Er zeigte durchweg das Oktaeder als
1 — 4 mm große, helle, ein wenig gelbliche Kristalle. Seine
Analyse ergab :
MgO 99,25° o
Glühverlust 0,99 t
TJnlösl. Rückst 0.31 .
99.55 0 o.
1 Dies. Centralbl. 1907. p. 212.
2 Bull. soc. fr. min. 1893. 16. p. 16.
Beitrag zur Kenntnis der optischen Verhältnisse des Periblas. 517
Eisen fand sich nur in geringen Spuren.
Ersichtlich lag also ein recht reiner (nur durch Bildung von
Magnesinmhydroxyd äußerlich veränderter) Periklas vor, so daß
also die Möglichkeit gegeben war, die dem isometrischen MgO
selber znkommenden Brechungsverhältnisse zu studieren.
Brechungsindizes des Periklas im Temperaturintervall von 24° — 650°.
Die von mir gefundenen Werte sind noch höher als die von
Mallard angegebenen. Ich stellte mit Hilfe eines Goniometers I
von Fness fest:
n Rot. 706.5 uu' = 1.7313
n ( Gelb, 587,6 ) = 1,7378
n (Grün, 501,6 ) = 1,7454
n Blau, 471,3 ) = 1.7494.
Herr Geheimrat F. Rixxe gab mir durch Überlassung einer
elektrischen Heizvorrichtnng zum Goniometer I von Fuess Gelegen-
heit, die optischen Verhältnisse des Periklas genanestens auch bei
höheren Temperaturen zu studieren.
Die Herstellung der für diese Untersuchungen nötigen Prismen-
schlifi’e war insofern nicht ganz einfach, als dieselben trotz sehr
gut polierter Oberflächen im dnrchfallenden Lichte oft nur sehr
undeutliche Lichtsignale lieferten. Der Grund hierfür ist wohl in
inneren Unregelmäßigkeiten zu suchen L Von sieben geschliffenen
Prismen erwiesen sich zwei als gut meßbar.
Der brechende Winkel wurde so gewählt, daß die Minimal-
1 Nach Otto und J. H. Kloss glasartige Einschlüsse. (Ber. d. deutsch,
ehern. Ges. 1891. 24. p. 1480; Zeitschr. 22. p. 602.)
518
Edg. T. Wherry,
ablenkung ungefähr 40 Grad betrug, da der RiNNE’sche elektrische
Ofen des Goniometers für diesen Ablenkungswinkel eingerichtet ist.
Der Periklas ist sehr hitzebeständig; daher konnte ich bei
den Messungen so hoch gehen, wie die Apparatur gestattete. Selbst
im glühenden Zustande des Materials war das Bild des Signals
noch gut einstellbar.
Die verschiedenen Lichtsorten stellte ich mittels eines Wülfing-
sclxen Monochromators her ; als Lichtquelle diente eine Nernstlampe.
Es ergab sich, daß die Brechungsindizes des Periklas beim
Erhitzen größer werden. Die Zunahme ist ziemlich stark, der Art,
daß sie sich bei einer Erhitzung bis auf 650° in der zweiten
Dezimale bemerkbar macht.
Die Änderung der Brechungsindizes für die benutzten Licht-
sorten verläuft nahezu geradlinig. Von Rot nach Blau zu wird
die an und für sich schon ziemlich bedeutende Dispersion beim
Erhitzen noch höher.
24° | nb — nr = 0.0180
650° nb — nr = 0,0199
In der folgenden Tabelle sind die erhaltenen Werte zusammen-
gestellt. Mit ihrer Hilfe sind die Kurven der beigefügten Figur
gezeichnet.
°c
Rot
Gelb
Grün
Blau
24
1,7313
1,7378
1,7454
1,7493
120
1.7326
1.7393
1,7470
1,7511
275
1,7352
1,7420
1,7498
1,7539
410
1,7374
1,7444
1.7525
1,7567
530
1,7394
1,7464
1,7548
1,7590
650
1,7417
1,7488
1,7573
1.7616
W
706,5
587,6
501,6
471,3
Leipzig, Inst. f. Mineralogie u. Petrographie, 14. Juni 1913.
Zur Nomenklatur der Mineralvarietäten und Kolloid-
mineralien.
Von Edgar T. Wherry in South Bethlehem, Pa., U. S. A.
Obschon die mineralogische Nomenklatur sich zurzeit in weit
besserem Zustand befindet als diejenige der biologischen Wissen-
schaften, ließe sich dieselbe dennoch unzweifelhaft in mehr fort-
schrittlicher Weise ausbilden. Varietäten von verhältnismäßig
geringer Bedeutung bekommen recht wichtig klingende Benennungen,
Zur Nomenklatur der Mineralvarietäten etc.
519
und es wird daher immer schwieriger, sich auf dem laufenden
zu halten.
Nachstehende Kegeln werden demnach in Vorschlag gebracht
zur Leitung für diejenigen, welche in Zukunft das Glück haben,
neuartige Mineralien zu entdecken und zu benennen:
Die den Arten beigelegten Namen sollten umfassender sein,
als es heute der Fall ist.
Varietäten sind vorzugsweise durch Präfixe zu unterscheiden
an Stelle der gänzlich neuen Namen.
Dieser Plan dürfte wohl gewisse unnützliche Streitfragen zu
Ende bringen, wie z. B. diejenigen betreffs der Calciumcarbonat-
phosphate *. Die vermeintlichen fünf Arten dieser Verbindungen
können wohl nichts mehr als feste Lösungen sein. Der angeblich
kristallinische Bau derselben widerspricht dieser Ansicht nicht,
indem die Mineralien, in welchen jene Erscheinungen bekanntlich
Vorkommen, nämlich Magnetkies, Magneteisenerz, Nephelin — an
welche, hinsichtlich der aus veröffentlichten Analysen sich ergeben-
den Veränderlichkeit bezw. Abweichungen, Buntkupfererz, Jame-
sonit, Uranpeclierz, Titaneisen, Zirkon, Dufrenit, sowie viele Niobate
und Titanate usw. hinzuzufügen sind — , vielfach einen entschieden
kristallinischen Bau aufweisen.
Das zuerst beschriebene Calciumcarbonatphosphat war Dahllit
genannt. Wenn man denselben als a-Dalillit bezeichnen würde,
somit könnte Podolit /?-Dahllit und die anderen y-, d'-Dahllit usw.
werden. Dasselbe Verfahren würde zweifellos große Vereinfachung
in vielen anderen Fällen einführen.
Insbesondere sollten Kolloidmineralien durch ein charakte-
ristisches Präfix bezeichnet werden, und zwar bringe ich diesbezüg-
lich das Präfix * (d. li. den Anfangsbuchstaben des griechischen
Wortes xoÄÄa) in Vorschlag, welches dem Namen für die Kri-
stalloidform der gleichen Substanz voranzusetzen ist.
Die nachstehende Tabelle erläutert die praktische Anwendung
dieses Planes.
Zusammensetzung Gegenwärtige Namen
Al n _i_ tt o ( Bauxit (Dittler u. Doelter) j
l Sporogelit (Tecan) j
Al2 0.j + 2 H2 0 Bauxit der Lehrbücher
Al2 03 -}- 3 H2 0 Amorpher Gibbsit
Mn2 03 + H2 0 + X Psilomelan usw.
FeS2 Melnikowit (Doss)
Fe2 03 -j- x H2 0 Stilpnosiderit (Cornu)
Vorgeschlagene
Namen
z-Diaspor
z-Bauxit
z-Gibbsit
z-Manganit
z-Pyrit
z-Limonit usw.
Jedenfalls ist es aber an der Zeit, der unerquicklichen, un-
nötigen Vermehrung der Mineraliennamen Einhalt zu tun !
1 W. Tschirwinsky, Dies Centralbl. 1913. p. 97.
520
J. Koenigsberger, Antwort auf die Bemerkungen
Antwort auf die Bemerkungen der Herren V. M. Goldschmidt,
J. Rekstad, Th. Vogt1.
Von Joh. Koenigsberger in Freiburg i. Br.
Zuerst sei die Kritik, die einen Abschnitt einer mineralogischen
zusammenfassenden Darstellung des Verf.’s angreift, erörtert.
Ad 2. In einem Artikel über die Paragenesis der natürlichen
Kieselsäuremineralien in C. Doelter’s Mineralchemie, der im
ganzen auf etwa 1 bis Lj- Bogen begrenzt sein sollte, habe ich
nicht sämtliche Mineralien (Flußspat, Erze etc.), die im Nordmarkit
am Tonsenplads bei Kristiania Vorkommen , aufzählen können.
Gerade deshalb ist das Literaturverzeichnis am Ende gegeben,
damit der Leser sich über Fundorte in der Originalliteratur ein-
gehender unterrichten kann. Wenn von dem verhältnismäßig un-
bedeutenden, von Herrn V. M. Goldschmidt beschriebenen Vor-
kommen am Tonsenplads alle Mineralien aufgezählt worden wären,
so hätte dies erst recht bei den m. E. interessanteren Pegmatiten
der Eläolithsyenite vom Langen sundfjord, bei den grönländischen
Vorkommen, ferner bei den Granitpegmatiten von Madagaskar,
Barringer Hill geschehen müssen. Herr V. M. Goldschmidt hat
wohl das, was auf p. 31 unten des betr. Artikels ausdrücklich
gesagt ist, nicht gelesen oder ist der Ansicht, daß gerade das von
ihm beschriebene Vorkommen besonders bevorzugt werden müßte.—
Essexitpegmatite werden von H. Rosenbusch in der neuesten
Auflage der Mikroskopischen Physiographie weder unter dem Ab-
schnitt Essexit, p. 390 ff., noch unter Pegmatit, p. 638 ff., erwähnt.
Demnach konnten diese erst recht in einem Artikel über Para-
genesis der Kieselsäuremineralieu 2 unerwähnt bleiben. Die Be-
hauptung, daß Drusenmineralien bei Essexit „wohl gänzlich fehlen“,
dürfte so lange zu Recht bestehen, bis der Nachweis des Gegen-
teils durch die Beschreibung eines anderen unzweifelhaften der-
artigen Vorkommens, das auch Drusenmineralien führt,
erbracht ist.
Was den Zusammenhang zwischen den Granitpegmatiten und
dem Nebengestein in Südnorwegen aubelangt, so habe ich versucht,
bei Moss und bei Ivragerö mir Klarheit zu verschaffen 3, und
habe bei Moss drei verschiedene Steinbrüche bei Aaneröd, Oksenö,
Halvorsröd genauer angesehen und photographische Aufnahmen
gemacht. Es ist meiner Ansicht nach nicht leicht zu entscheiden,
ob die Gneismetamorphose dort erst durch injizierende Pegmatite
1 Dies. Centralbl. 1913. p. 324.
2 Die Gesteinsmineralien sind an anderer Stelle im Handbuch be-
handelt.
3 In eigenartig anmutender Weise sagen dieVerf. : „Auch in dieser
Abhandlung werden einige norwegische Vorkommen beschriehen, welche
Herr Koenigsberger aus eigener Anschauung kennen will.“
der Herren V. M. Goldschmidt. J. Rekstad, Th. Vogt.
521
hervorgerufen ist, wie das ja vielfach nacli der Anschauung der
französischen und kanadischen und vieler deutscher Geologen ge-
schehen ist, oder ob der Pegmatit in den schon fertigen Gneis
eingedrungen ist. Aber wenn man auch den Standpunkt der
französischen und kanadischen Geologen nicht teilt, kann man als
Gelehrter diesen nicht einfach mit Worten abtun : „ Gänzlich un-
verständlich ist uns“ etc.
Wir wollen jetzt auf den geologischen Teil der Kritik eingehen.
Ad 1. Die Kontaktmetamorphose am Hörtekollen habe ich
mir längs einer ost — westlichen und einer nord — südlichen Grenz-
linie angesehen. Letztere ist allerdings z. T. schwer zugänglich
und erfordert einige Übung im Steigen. Die Grenze ist aber da
im Wald zwischen Granit und Schiefer ganz gut aufgeschlossen.
Die genauen Punkte anzugeben, ist in Anbetracht der äußerst
mangelhaften topographischen Unterlage der Karte p. 94 bei Herrn
Goldschmidt 1, in der nicht nur die Felswände, sondern auch die
Straßen und Wege fehlen, kaum möglich. Eine genaue Karte des
Gebietes konnte ich mir damals nicht verschaffen. Wenn man aber
nicht nur die eine pneumatolytische Kontaktzone auf der West —
Ostlinie, sondern auch diese andere kennt, so wird man von einer
gleichmäßigen Beschaffenheit und gleich großen Mächtigkeit der
Kontaktzonen nicht reden können.
Eine Temperatur von etwa 1000° für das intrudierende
Magma mag nach der Ansicht von Herrn V. M. Goldschmidt hoch
sein ; ich halte sie eher für niedrig. Wäre die Temperatur hoch,
so hätten Einschmelzungen und Beeinflussungen des chemischen Be-
standes Vorkommen müssen, wie das anderorts oft geschehen. Bei
Kristiania sind sie aber gerade nach den Untersuchungen von
W. C. Brögger nicht da.
Was die Scliietening der Kontaktgesteine anbelangt, so scheint
Herr Goldschmidt übersehen zu haben, daß ich ausdrücklich von
der ursprünglichen Schieferung der Sedimente gesprochen habe,
und für diese halte ich meine Behauptung unbedingt aufrecht.
Was die metamorphen Ergußgesteine am Langensundfjord an-
belangt, so stimmt das, was ich p. 660 2 sage, ziemlich genau mit
dem von W. C. Brögger3 Angegebenen überein: „Diese Druckmeta-
1 V. M. Goldschmidt, Die Kontaktmetamorphose im Kristianiagebiet
Kristiania 1911.
2 Compte rendu XI. Congres geol. Intern. 1910. Stockholm 1912. Der
Aufsatz ist im Dez. 1910 nach dem Kongreß eingesandt, die Korrektur 1912
vorgenomraen worden ; er wurde von mir nicht als Vortrag bezeichnet,
wie schon daraus hervorgeht, daß die Literatur aus dem Guide du congres etc.
zitiert ist. Wenn das die Herren Kritiker stört, mögen sie sich den Auf-
satz Ende 1912, als der Compte rendu herausgegeben wurde, in einer
Zeitschrift erschienen denken.
3 W. C. Brögger, Zeitschr. f. Krist. p. 117.
522
J. Koenigsberger, Antwort auf die Bemerkungen
morphose liat sich jedoch vorzugsweise in den ßandteilen der
Linsen geltend gemacht; in den zentralen Teilen finden wir dieselbe
bei weitem weniger, bisweilen fast gar nicht erkennbar“. Der Unter-
schied in der Auffassung von W. C. Brögger und der mehligen
besteht im wesentlichen nur darin, daß meiner Ansicht nach in
einem flüssigen Magma 1 einseitige Druckwirkungen nicht möglich
sind und nur durch das Fließen des Magmas und der verschiedenen
Reibung der etwas konsistenteren , eingeschlossenen Linse die
Paralleltextur der Randpartien zustande kam. Dieses ist eine
Anschauung, die zuerst von den kanadischen Geologen zur Erklä-
rung der Paralleltextur im großen herangezogen wurde.
Man kann solche Anschauungen, die auch eine zuverlässige
physikalische Grundlage haben, nicht dadurch widerlegen, daß man
einfach behauptet, sie entsprächen den tatsächlichen Verhält-
nissen nicht.
Ich möchte, da wir einmal beim Kritisieren sind, noch folgendes
zu der Anwendung der Phasenregel durch Herrn V. M. Gold=
Schmidt bemerken. Die Phasenregel ist zuerst von E. Baur2 auf
die Gesetze der Mineralassoziation, und zwar auf seine Experimente
über das System Quarz-Orthoklas angewandt worden. Wie R. Brauns3
bezügl. der Anwendung der Phasenregel durch Herrn Goldschmidt
m. E. mit Recht sagt, sind solche Assoziationsgesetze nur durch
direkte Experimente zu erschließen und zu prüfen. Die Phasenregel
ist durchaus kein a priori allgemein gültiges, thermodynamisches
Gesetz, wie Herr Goldschmidt behauptet, sondern wird in allen
Fällen, in denen instabile Verbindungen auftreten, ungültig. Hierauf
haben E. T. Allen, J. L. Grenshaw, John Johnston4 und ich 5 6 auf-
merksam gemacht. Das Zusammenvorkommen von Cristobalit und
Tridymit, die Verwachsungen von Rutil mit Anatas, von Pyrit mit
Markasit usw. beweisen das. In diesen Fällen ist die Erkennung
der Instabilität infolge des Polymorphismus leicht möglich, und da
ist es sehr auffallend, wie relativ häufig bei Temperaturen
bis zu e t w a 600 0 d ie P li a s e n r e g e 1 infolge Instabilität
nicht anwendbar ist. Daher wird man diese Regel höchstens
auf die innere Kontaktzone und auch da nur mit aller Vorsicht
an wenden dürfen.
Ad 4. Daß die Randfazies eines Tiefengesteins chemisch
1 Der umgebende Eläolithsyenit zeigt verfestigt, wie er jetzt vorliegt,
an diesen Stellen keine den Linsen entsprechende ausgeprägte Paralleltextur
oder Zertrümmerung, sondern nur, im großen von weitem gesehen, eine
schwache Fluidalstruktur.
2 E. Baür, Zeitschr. f. phys. Chem. 42. p. 567. 1903.
3 R. Brauns, N. Jahrb. f. Min. etc. 1912. I. p. 216.
* E. T. Allen, J. L. Grenshaw, J. Johnston, Zeitschr. f. anorg. Chem.
76. p. 201. 1912.
6 K. Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXII. p. 101. 1911.
der Herren V. M. Goldschmidt, J. Rekstad, Th. Vogt.
523
wie mineralogisch eine andere Zusammensetzung haben kann und
auch häufig hat, müßte einem Petrographen bekannt sein. So hat
z. B. der Granit quarzdioritische, augitdioritische usw. peripherische
Ausbildungsformen (vergl. H. Bosenbusch, Mikr. Phys. 1. p. 88 ff.).
Ob der von Narvik beschriebene anorthositische Injektionsgneis 1
die Injektionsrandfazies eines Mangerit oder die Randfazies eines
Labradorit oder Norit ist, konnte ich nicht entscheiden und habe
deshalb das eine Einschränkung bedeutende Wort „wohl“ hinzugefügt.
Ad 3. Von meiner Auffassung der Tiefengesteine und Injek-
tionsgneise etc. an der Küste des mittleren und nördlichen Nor-
wegens als Aufschmelznngszone sagt Herr V. M. Goldschmidt2,
daß sie im Widerspruch mit den bisher beobachteten Tatsachen
stehe. Ich muß aber daran festhalten, daß die Ausbildung der
Tiefengesteine von Bergen bis nach Tromsö häufig nicht die von
normalen Tiefengesteinen, Graniten, Anorthositen etc. ist, sondern
daß dort sehr oft typische Injektionsgneise, Migmatite, Arterite etc.
granitischer und anorthositischer Zusammensetzung auftreten, sowie
ein ganzer Komplex, der den von den schwedischen Geologen als
Are- und Küli-Schiefer bezeichueten Gesteinen analog ist. Daß häufig
auch Mineralien des normalen Kontaktes wie Wollastonit etc. zu
beobachten sind , ist durchaus kein Widerspruch dagegen. Bei
Tromsö sehen wir etwa 1 km entfernt von den von K. Endeli. 3
beschriebenen normalem Kontakt entsprechenden Mineralien, die
durch den benachbarten Anorthosit hervorgerufen im Marmor sind,
typische Injektionszonen des Anorthosits. Dieser dringt in das
zu Glimmerschiefer etc. umgewandelte metamorphe norwegische
Silur. Ferner findet man auch am Tromsdaltind, daß eben diese
anorthositische Injektionszone Granatamphibolit und Eklogite mit
den bekannten typischen Kontaktmineralien der letzteren hervor-
gebracht hat. Granat, Vesuvian, Wollastonit etc. findet man recht
häufig in den gneismetamorph veränderten Kalklinsen der kristallinen
Schiefer der Alpen, des Schwarzwaldes, des Fichtelgebirges usw.
Man kann aus dem Vorhandensein dieser Mineralien durchaus nicht
schließen, daß ein gewöhnlicher Tiefengesteinskontakt vorliegt.
Hauptsächlich die Kontaktmineralien in den Tonschiefern er-
möglichen einen Unterschied zwischen den beiden Arten der Gesteins-
1 Die anorthositisclien Injektionsgesteine von Narvik und Tromsö
sind von mir zuerst beschrieben worden ; die gegenteilige Behauptung
müßte von den Herren durch ein Zitat belegt werden. Daß es anortho-
sitische Adergneise, Migmatite etc. gibt, genau so wie bei
granitischem Magma, ist meines Wissens in der norwegischen Litera-
tur nicht betont worden. Nur der Entdecker der Anorthosite in Norwegen,
C. Koldercp, hat gelegentlich auf die gneisartige Textur einiger von ihm
beschriebenen Gesteine aufmerksam gemacht.
2 V. M. GoLnscHMtDT, Videnskapssel. Skrifter. I. 1912. No. 19.
Kristiania, p. 9.
3 K. Endell, Dies. Centralbl. 1913. p 129.
524
J. Koenigsberger, Antwort auf die Bemerkungen
Metamorphose, dem Granitkontakt, der Andalusit, Cordierit etc.,
und dem Gneiskontakt, der Staurolith, Distheu etc. bevorzugt.
Teilt man meine Auffassung dieser mittel- und nordnorwegischen
Zonen von kristallinen Schiefern und Tiefengesteinen als einer
paläozoischen Aufschmelzungszone nicht, so muß man der ganzen
Zone der anortliositischen (und teilweise granitischen) Injektions-
gneise und der Glimmerschiefer, in die sie eingedrungen sind und
die das Gneismagma erst zu solchen metamorpliosiert hat, ein
höheres , etwa archäisches Alter zuschreiben. Die norwegischen
Geologen haben den Komplex der betreffenden Schiefer, soweit mir
bekannt, bisher als Silur gedeutet. Doch habe ich aus der Literatur
und aus eigenen Beobachtungen hierüber keine absolute Sicherheit
gewinnen können, und habe dies auch in der betreffenden Arbeit
betont. Da müßten also in der einen oder anderen Richtung
zwingende Beweise noch beigebracht werden. Bezüglich der Art
der Metamorphose kann aber kein Zweifel darüber herrschen,
daß nicht die normale Metamorphose im Sinne von H. Rosexbusch
vorliegt, sondern dort die typischen Gesteine einer Gneisintrusion
oder Aufschmelzungszone 1 oder Anatexis, wie das Sedebholsi nennt,
Vorkommen.
Ad 5. p. 327 wird des längeren behauptet, ich hätte nicht
gemerkt, daß die vollständige Schichtenfolge, wie ich sie nach
J. Rekstad angeführt habe, für die Gegend von Finse nicht gilt.
Es ist merkwürdig, daß keiner der drei Herren, denen doch teil-
weise die deutsche Sprache geläufiger ist als mir die norwegische,
meine kurze Arbeit so aufmerksam gelesen hat, wie das verlangt
werden darf, wenn man eine Kritik ausliben will. Gleich nach
Aufzählung der Schichtenfolge, p. 614, steht folgendes: „Sowohl
am Hallingskarvet wie zwischen Finse und Fossli ist aber diese
Folge nirgends vollständig erhalten.“ Gerade diese interessante
Tatsache habe ich als Stütze, für die Annahme einer Überschiebung
verwandt.
Daß meine Beschreibung der Granitmylouite am Hardanger-
jökelen2 nichts Neues bietet, ist eine recht gewagte Behauptung.
Die Abhandlung von J. Rekstad wird von mir, wie auch 1. c.
ausdrücklich bemerkt, durchaus nicht gering, sondern als sorgfältige
1 Was unter „Aufschmelzungszone“ verstanden wird, ist 1. c. aus-
einandergesetzt.
* Die Ortsnamen Lugnut und Hansedalsfjelden sind nicht durch
Druckfehler verstümmelt, sondern von meinem Führer etwa so wie von mir
geschrieben ausgesprochen worden. Da die bei Rekstad anders lautenden
Bezeichnungen weder auf seiner noch auf einer anderen Karte der Gegend
— ich konnte wenigstens mir keine verschaffen — zu finden waren, habe
ich nicht gewußt, inwieweit die im Text bei Rekstad angegebenen, anders
geschriebenen Bergnamen wirklich den von mir gesehenen Bergen ent-
sprachen.
der Herren Y. M. Goldschmidt, J. Rekstad, Th. Vogt.
525
Studie in schwierig zu erforschender Gegend hoch eingeschätzt,
und icli hatte absichtlich nicht auf Differenzpunkte aufmerksam
gemacht, muß es aber jetzt tun. Der Yerf. hat Gesteine als
hälleflintartige Bergarten und als Quarzite bezeichnet , die den
schönsten Typus von Granitmyloniten darstellen, wie man sie ander-
wärts nicht oft so deutlich sieht.
Der Übergang von diesem Mylonit (Quarzit nach Bekstad)
zu den scheinbaren Glimmergneisen, Gneisen, Protoginen ist m. W.
von J. Bekstad nicht beschrieben worden. Die Herren hätten das
Zitat angeben müssen. Dagegen hat Iv. 0. Björlykke von Har-
dangervidden ähnliche Gesteine richtig gedeutet. Von anderen
Gegenden Skandinaviens sind sie schon früher durch die schwe-
dischen Geologen, insbesondere durch Törnebohm, bekannt geworden.
Was den angeblichen Widerspruch bezüglich der Metamorphose
der Gesteine anlangt, so hatte ich gesagt, daß die Hardanger-
decke an ihrer Basis hoch metamorph ist, die Unterlage dagegen
nicht. Wenn man ein Handstück des Granits der Unterlage bei
Finse und ein Stück des sog. Gneises vom Hardangerjökelen einem
Unbefangenen zeigt, so wird er ohne weiters den Unterschied
erkennen. Daß der Gi'anit der Unterlage auch eine geringe Ver-
änderung, Saussuritisierung des Plagioklas, wie icli gefunden habe,
erlitten hat, ändert an diesem Gegensatz nichts. Die Phylliti-
sierung der Silurschiefer ist nur eine ganz schwache Metamorphose,
die z. T. wohl vor der Überschiebung erfolgt ist.
Was meine Angabe anlangt , daß die postarchäische Abra-
sionsfläche keine Peneplain sei, so stützt sich diese gerade auf die
Zahlen von J. Bekstad. Wir finden dort Unterschiede von 1071 m
bis 1420 m. Es mag ja sein, daß diese durch andere Ursachen,
die gleich besprochen werden sollen, bewirkt ist, aber so einfach
wie die Herren Goldschmidt und Genossen meinen , liegt der
Fall nicht.
Was die Staffelbrüche anlangt, so lassen sich diese allein
schon aus der Abbildung in der Abhandlung von J. Bekstad Fig. 18
herleiten. Der Autor spricht in der Überschrift von „Vertikal-
forkastninger“, was, so viel ich weiß, zu deutsch „vertikale Ver-
werfungen“, die wir als Brüche zu bezeichnen pflegen, bedeutet. In
der Kritik sprechen die Herren nur von „Verwerfungen“. Daß diese
die Gneisdecken durchschneiden, habe ich weder in der Natur gesehen
noch läßt sich das aus dem Profil von J. Bekstad p. 37 folgern.
Es mag aber der Fall sein. Doch auch dann können die Ver-
werfungen silurisclies Alter haben.
Die Kritik der drei Herren kann ich nur in einem Punkte
anerkennen: Der Granit von Fossli hat, obwohl das gerade bei
Finse nicht zu sehen ist, nach den Untersuchungen von H. Beusch,
K. 0. Björlykke, J. Bekstad postalgonkisches präsilurisches Alter.
Das habe ich p. 612 indirekt gesagt, was ja auch die Herren
526
W. Deecke,
Kritiker bemerken, p. 613 hätte ich allerdings schreiben müssen:
1. Archäischer Gneisgranit oder Gneis, und zwischen 2 und 3 be-
sonders den Gi’anit von Fossli einschalten sollen.
Sollte einer der drei Herren einmal auf Grund seiner in Norwegen
gesammelten Erfahrungen etwa den Minerallagerstätten des Aar-
massivs, die ich eingehender bearbeitet habe, neue Gesichtspunkte
abgewinnen , so werde ich mich bemühen , von den Ergebnissen
seiner Forschung die beste Seite hervorzuheben.
Paläontologische Betrachtungen.
Von W. Deecke.
III. Ueber Echinoiden.
(Schluß.)
Kann man aus den Seeigeln und ihrer Verteilung etwas über
Wassertemperatur, Tiefe und Strömung erschließen ? Das sind
Fragen, die uns nun zweitens beschäftigen sollen. Sicher ist das
eine: große Meerestransgressionen bringen neue Formen, so im
Mitteldevon, im Lias-Dogger, im Cenoman, im Senon, im Eocäu.
Wie oben gesagt, kommen meistens diese Tiere etwas hinterher,
so im Lias statt im Khät, im Turon ( Ananchytes ) statt im Cenoman,
Hemipneustes im Danien statt im Senon. Es muß das seine Gründe
in der Verbreitungsart als Larven haben, die vielleicht weniger
leicht als andere verwandte Gruppen geeignete Lebensbedingungen
fanden. Man denke an die ausgedehnten Pentacrinus-Jl'&se.n im
oberen Lias a, im Lias d, im Dogger (i, die Echinoiden bleiben
spärlich und kümmerlich. Ebenso ist es im deutschen Muschel-
kalk. Es mag ja sein, daß Crinoidenrasen nicht der geeignete
Boden für die andere Ecliinodermengruppe ist, aber in den Zwischen-
zeiten des Lias könnten sie doch einmal reichlicher auftreten wie
vom mittleren Dogger an. Übrigens schließen sich Crinoiden und
Seeigel keineswegs aus; denn im Terrain ä chailles und im Sequan
leben beide zahlreich miteinander, und in der Schreibkreide ist
Pentacrinus ungemein häufig. Seesterne kommen fast immer mit
den Echinoiden zusammen vor, nur zerfallen sie leicht und ent-
gehen daher meist der Beobachtung. In allen Juraschichten, deren
Mergel ich abgeschlemmt habe , sind Platten und Armglieder
vorgekommen. Aber der sandige Boden , der uns die Seesterne
nebst ihrer Nahrung, den Zweisclialern, am besten überliefert, ist
in der Tat nicht der richtige Boden für Seeigel, so daß dort wirk-
lich eine Art Ablösung eintritt. In den tiefen, an Nährstoff über-
reichen Senken der weißen Kreide gedeihen alle drei Gruppen
üppig nebeneinander.
Die Tiefenzonen werden durch Seeigel schlecht bezeichnet.
Acrosalenia lebte im flachen Wasser der Juraoolithe, Salenia im
Paläontologische Betrachtungen. III.
527
tieferen Wasser der Kreide, heute in großer Meerestiefe. Dasselbe
zeigt die Reihe Holedypus, Discoidea, Echinoconus. Dies stimmt
mit der erheblichen Vertikalverbreitung der rezenten Seeigel überein.
Auffallend ist aber die schwankende Horizontalverteilung, d. h.
diese Tiere sind im höchsten Grade abhängig von der Fazies.
Man kann mit einer gewissen Bestimmtheit sagen, daß Seeigel in
den rein tonigen oder sehr fein schlammigen Sedimenten fehlen,
zum mindesten stark zurücktreten. Sie kommen selten im Sep-
tarienton vor, sind kümmerlich in den Renggeri-, Ornaten-, Par-
kinsoni- Tonen und im Lias. Wir haben kaum Spuren in den an
Belemniten und Aptychen reichen alpinen Kreideschichten, ferner
in Fisch- und Cephaiopoden-Schiefern. Sollten diese Sedimente
so bituminös gewesen sein, daß sie mit ihren Verwesungsgasen
und S H2 die schwer beweglichen Seeigel zum größten Teil vor
der rechten Entwicklung vergifteten? Das wäre ja denkbar, und
zwar um so mehr, als auch nur bestimmte Mollusken darin auf-
treten und oft klein bleiben. Die meisten Reste sind außerdem
verkiest, und das ist ja bei Seeigeln recht selten. Man könnte
meinen, daß durch die Pyritisierung das Gehäuse zerstört wäre,
aber die ebenso gebauten Crinoiden ( Pentacrinus ) sind trefflich in
dieser Art erhalten; warum nicht auch die anderen? Sie werden eben
wirklich nicht oder nicht häufig vorhanden gewesen sein. Kommen
sie einmal vor, wie im Dogger £ an einzelnen Stellen, so sind es
unverkennbar Kümmerformen. — Kalkmergelboden ist dagegen das
richtige Element dieser Ordnung, und dann spielt die Tiefe keine
Rolle. Man denke nur an die weiße Kreide, in der zugleich die
Pyritbildung recht gering und nur lokal entwickelt ist. Kalksand
ist aber meistens nur in flachem Wasser vorhanden und dort ent-
wickelt sich dann, vor allem im Tertiär, die Fülle der dickschaligen
Gattungen und Arten. — Bei diesen ist daher auch sofort eine gewisse
Abhängigkeit vom Klima zu beobachten. Conoclypeus und Clypeaster
gehen nämlich nicht in die norddeutschen Tertiärmeere hinein, so
wenig wie die Nummuliten. Auch im Miocän tritt der letzt-
genannte nicht aus dem mediterranen Bereiche heraus , da die
Becken von Bordeaux und der Leithakalk seine nördlichsten Vor-
kommen bezeichnen. Im Gegensatz dazu dringen mit reicher Ent-
wicklung Echinölampcts, Echwanthus, Hemipatagus und andere in
die Tertiärmeere Norddeutschlands ein. Später kommen Clypeaste-
riden auch im Cray Englands vor, wie sie in dem vielleicht etwas
kühleren Wasser des jüngsten mediterranen Pliocäns erhalten
blieben. — Ähnlich ist die Gastrolle des Hemipneustes in Maastricht,
der ja eigentlich in die Hippuritenfauna hineingehört und von
Süden eingewandert sein muß. Auch die jurassischen Gattungen
des Oolith, die mit Korallen zusammen auftreten, halte ich für
Bewohner wärmerer Meeresteile. Da nun umgekehrt die Kreide
das Sediment eines tieferen Striches ist und ca. 200 — 300 m unter
528
W. Deecke,
der Oberfläche entstanden sein wird, so haben die Ananchyten Und
Micrasteriden wohl in geringerer Temperatur gelebt, womit die
gegenwärtige Verbreitung von Spatangus harmoniert. Alles, was
wir von Echinothurideu kennen, gehört, weil es aus der Tiefe
stammt, rezent oder fossil, dem kühleren Wasser an. Leider können
wir bei der »Selteuheit der Reste aus diesem Resultat nichts schließen.
Mit einer Sonderbarkeit der Echinoiden weiß ich nur in be-
schränktem Maße etwas anzufangen, nämlich mit der unregelmäßigen
horizontalen Verbreitung in früheren Formationen. Bei uns in
Europa sind die wenigen paläozoischen Fundorte bald aufgezählt,
in Amerika kommen einige dazu. Dann haben wir Hunderte von
Ammoniten aus der Trias aller Erdteile, Echinoiden fast gar nicht.
Selbst in der formenreichen Burutrias, die Böhm, Wanner, Deninger
sammelten, die Muscheln in Menge neben Ammoniten und Schnecken
führt, ist diese Gruppe kaum vertreten. Dabei haben dort drei
Paläontologen gesammelt, nicht irgend ein Reisender, der vielleicht
die ihm bekannten Ammoniten mitnimmt. Aus der Trias von Spitz-
bergen und der Bäreninsel, aus dem enormen, von den Österreicher
Kollegen bearbeiteten indischen Material sind nur wenige Seeigel
erwähnt. In den Spiti Sliales und in dem überaus reichen Material
von den Molukken, von Neu-Guinea, das G. Böhm und v. Uhlig
herausgaben, ist von Seeigeln nichts zu finden. Wir haben einen
Teil der neuseeländischen mesozoischen Fossilien zurzeit in unserem
Institut; diese Tiergruppe fehlt. Ebenso sind Seeigel im alpin-
mediterranen Jura nicht häufig; nur in den Riffen des Stramberger
Tithons und dessen faziellen Äquivalenten haben wir sie etwas
zahlreicher, desgleichen in den Flachwasserbildungen der tonigen
Ammonitico rosso genannten Kalke. Es ist auffallend, daß die
Algenriffe der Trias, in denen es an organischem Grus doch nicht
mangelte, nur einzelne Stacheln geliefert haben. Auch in der Flysch-
fazies des Alttertiärs sind diese auf Nummulitenzonen oder Num-
mulitensandsteine beschränkt. Im Gegensatz dazu kann man sonst
keine jungtertiäre Fauna irgendwoher in die Hand bekommen,
ohne daß irgendwelche Reste, mitunter die Hauptmasse, aus See-
igeln bestehen. In Mitteleuropa vermissen wir seit dem Dogger
diese Tiergruppe nie mehr, auch in Nordamerika ist sie entsprechend
seit der Kreide vertreten, Südeuropa und Nordafrika sind in Kreide
und Tertiär unerschöpflich in neuen Arten und Formen. Um-
gekehrt verhält sich wieder das Moskauer Jura-Becken: Ammo-
niten, Belemniten, Aucellen in Menge, Nuculiden und Schnecken
normal, Seeigel, die man oft schon wegen des Foraminiferengehalts
erwarten sollte, selten !
Deshalb klaffen in der Entwicklungsgeschichte dieser Tiere
überall die großen Lücken. So klar wir durch Ontogenese und
Aufeinanderfolge sehen können, ebenso sehr sind die Einzelheiten
im Dunkeln, nämlich wann und wo die Regularia aus den Perisso-
Paläontologische Betrachtungen. 1 1 1
529
echinoideu hervorgingen, wann die Irregnlaria entstanden, wie die
Atelostomata sich herausbildeten. Dagegen erklärt sich leicht,
daß bei den eingegrabenen Arten und Gattungen, also bei den
Irregularien, die Zahl der Individuen in einer eiuzigen Schicht
oft ganz besonders hoch steigt. Wo sie ihre günstigen Lebens-
bedingungen finden, sitzen sie nebeneinander im Boden und können
„wie Kartoffeln bei niederster Ebbe gegraben werden“. Das
erfordert schon der Befruchtungsvorgang. Die jungen Tiere siedeln
sich z. T. wieder dort an, und so entstehen Schichten wie die
Marnes ä Spatangues in der südfranzösischen Unterkreide, das alge-
rische Senon, und ähnliche Seeigellagen, in denen man mit Leichtig-
keit Hunderte von Individuen sammeln kann.
Aus der eben geschilderten Verbreitung ergibt sich, daß See-
igel ein ganz anderes geologisches Element sind als Ammoniten.
Sie bezeichnen ungleich schärfer die Fazies, weil sie als boden-
ständige Formen von dieser abhängig sind und weil ihre Gehäuse
nach dem Tode nicht in dem Maße vertragen werden , in den
allermeisten Fällen sogar in situ im Schlamm und Sand wie zu
Lebzeiten eingebettet bleiben. Im Larvenzustande wanderungs-
fähig durch Strömungen jeder Art, haben sie Gelegenheit, inner-
halb einer bestimmten, nicht zu langen Zeit neue Wohnsitze zu
erobern. Aber dies geht nur langsam vor sich und ist von vielen
anderen Umständen abhängig, vor allem bei den kieferlosen Gat-
tungen, deren Nahrung in gewisser Weise vorbereitet sein muß
und die außerdem weichen Boden unbedingt nötig haben, weil
weder Stachelkleid, noch dicke Schale sie vor den Feinden schützt.
Mit den Seeigeln sind aber fast immer Brachiopoden ver-
gesellschaftet. Von den Jura- und Kreideschichten brauche ich
nicht zu reden; hingewiesen sei darauf, daß die oberoligocänen
Schichten vom Doberg, die miocänen und pliocänen Clypeaster-
Bänke der Mittelmeerländer immer große Terebrateln, und zwar
•oft in Menge, führen. Aber auch ein Pelecvpoden-Genus hat mit
den Echinoiden, wenigstens in Mitteleuropa, oft dieselben Wohn-
sitze und daher ähnliche Verbreitung, Inoceramus. Im unteren
Lias kommen kleine Inoceramen mit Seeigelstacheln zusammen vor,
dann ist wieder Inoceramus dubius im Posidonien-Scliiefer mit
Regularien vergesellschaftet. In. polyplocus, der größer wird, be-
zeichnet das Eintreten der Irregulären und geht mit diesen durch
den ganzen Dogger. Im Malm weichen beide etwas auseinander,
da Inoceramus selten wird, aber in mergeligen Lagen trotzdem
neben Seeigeln erscheint. Je höher wir in die Kreide hinauf-
gehen , um so enger ist diese Gattung an die Seeigelfazies ge-
knüpft. Gleichzeitig mit ihr erlöschen oder treten zurück Anan-
chytes , Galerites und Micrastcr. Freilich ist dieses Nebeneinander-
leben kein absolutes ; dazu sind die Tiere zu verschieden, und wir
beobachteten ja auch, daß im Molukkengebiet massenhaft Ino-
Centrolblatt f. Mineralogie etc. 1913. 34
530
W. Deecke,
ceramen im Malm existiert haben, ohne Seeigelfauneu neben sich
zu haben, oder daß im Quadersandstein beide sich nicht ergänzen.
Umgekehrt steht es mit den Aucellen. Wo diese sich einstellen,
sind Echinoiden seltener, z. B. im Moskauer Jura und Neocom,
im schwäbischen Dogger C, im oberen Malm von Pommern und
in den cenomauen Lagen mit Aucella gryphaeoides. Im zentralen
Europa sind dies ja alles dünne Bänke, aber ich kenne aus ihnen
keine Seeigel, dafür immer Belemniten und kleine Brachiopoden
sowie Serpuliden.
Besonders aufmerksam möchte ich drittens auf die Variabilität
der Seeigel im allgemeinen machen und im besonderen auf die
einzelner Gruppen. Es ist ja zweifellos eine gewisse Konstanz
im Bau vorhanden, und zwar bis in Anhängsel hinein, wie es die
Stacheln sind. Man kann aus den Stacheln und deren innerem
Balkenbau auf die Anwesenheit von einzelnen Gruppen in Sedi-
menten bekanntlich mit einem gewissen Beeilt begründete Schlüsse
ziehen. Aber wenn man größere Suiten von Seeigeln bestimmen
will, gerät man oft in peinliche Verlegenheit. Micraster, Holaster ,
Tuxaster, Ecliinoconus sind solche cretacischen Genera, bei denen
man bei peinlichster Sorgfalt nicht zum Ziel kommt, und zwar
deswegen, weil eine Menge von Lokalvarietäten bestehen, die mit
eigenen Namen versehen und nun je nach Geschmack des Autors
an diese oder an jene ältere Art oder Gruppe angeschlossen wurden.
Schon jene wichtigen sog. Leitformen Micraster coranguinum und
cortestudinarium kann man nicht auseinanderhalten , sobald man
neben den westfälischen die belgischen, nordfranzösischen und eng-
lischen Exemplare nimmt. Ebenso ist es mit Micr. breviporus und
Leskei, sowie den Echiuoconiden im allgemeinen. Größe, Länge,
Breite, Höhe schwanken mit dem Wohnorte, also dem Medium,
mit dem Alter des Individuums und mit der geologischen Alters-
stellung. Man sollte wirklich bei einigen wenigen Namen bleiben,
weil kein Merkmal konstant ist. Sehr wichtig ist die Kling-
HARDT’sche Beobachtung über die wechselnde Durchbohrung der
Scheitelplatten ; denn in der Lage und Ausdehnung des Madre-
poriten hatte man ein entscheidendes Merkmal der Systematik zu
sehen geglaubt. Ebenso ist es mit Plattenform und Grenzen. Es
muß wie bei den Cephalopoden betont werden, daß unser System
z. T. auf Merkmalen aufgebaut ist, die für das Tier oft gar keine
oder nur untergeordnete Bedeutung haben, oder von denen wir
nicht wissen, welchen Einfluß sie auf das Leben haben. Schon
früher ist von anderer Seite auf das Künstliche der Diadematiden-
Systematik hingewiesen , weil Kerbung oder Durchbohrung der
Stachelwarzen doch recht nichtssagende Merkmale sind, deren Be-
tonung ganz nah zusammengehörende Formen auseinanderreißen.
Diese Merkmale sind Ausdruck für die Befestigung der Stachel-
muskeln, und werden diese etwas anders in Anspruch genommen
Paläontologische Betrachtungen. III.
531
durch abweichende Lebensweise, so müssen sicli eben die Ansatz-
stellen etwas ändern. Das ist aber kein Grund für eine prin-
zipielle systematische Trennung der nahverwandten Formen. Das-
selbe gilt bei den Irregulären von der Länge, Vertiefung, Breite
der Ambulacren und vielleicht auch von der Entwicklung der
Fasciolen, die bei ganz ähnlichen Formen bald vorhanden sind,
bald fehlen, zum mindesten außen undeutlich bis unsichtbar werden,
also vielleicht bei einer bestimmten Lebensweise nicht oder nur
untergeordnet funktionieren. Dann muß man jetzt die Stücke
gleich in zwei Gattungen scheiden. Epiaster, Schizaster stellen
ein wahres Kreuz dar, wenn man Suiten ordnen will. Stolley
hat z. B. in der Lägerndorfer Kreide eine Anzahl von Varietäten
mit besonderen Namen unterschieden. Bei einer größeren Serie
lassen sich die Dinge gar nicht trennen. Das ist gerade so, als
ob man aus dem bekannten Dysaster ettipticus des Terrain ä chailles
im Oxford des Schweizer Jura je nach der Form des Scheitel-
schildes neue Arten machen wollte. Die Gehäuse strecken und
verflachen sich mit dem Alter und ändern deshalb die Zahl und
vor allem die Gestalt der Scheitelplatten.
Damit komme ich auf einen zweiten wunden Punkt der
Systematik. Wie steht es eigentlich mit den jungen Individuen?
Wir haben davon sehr wenig. Nur in verhältnismäßig geringen
Grenzen schwanken die in den Sammlungen vertretenen Stücke.
Ich habe mich schon jahrelang nach jungen Echinobrissus um-
geselien. Kleiner als 1 cm Länge und Breite habe ich solche nie
gefunden und diese nur in einzelnen, besonders reichen Schichten
wie im Dogger Lothringens. Niemals sind mir beim vielfachen
Abschlemmen jux-assischer oder cretacischer Mergel derartige Dinge
vor die Augen gelangt. Nur bei Maastricht und in manchen
tertiären Sedimenten, wie Pariser Grobkalk, trifft man wirklich junge
Individuen oder wenigstens solche, die es sein können. Der einzige,
welcher schon früh wie immer mit Soi’gfalt und Verständnis die Frage
behandelt, ist Quenstedt. In seinem Atlas über die Echinoiden
bildet er kleine Exemplare von Holectypus, Echinobrissus und anderen
ab. Aus diesen Figuren sieht man, wie sehr die Gestalt mit dem
Alter schwankt. Hat man nun reichere Seeigelfaunen mit kleinen
Individuen neben gi-oßen, so liegt da eine weitei-e Schwierigkeit:
wir wissen nicht, welche zu erwachsenen Arten hinzugehöi’en.
In den meisten Fällen sind es Irreguläre, und diese ändern ihren
Habitus und viele systematisch wichtige Mei'kmale mit dem Wachsen.
Genitalplättchen sind anfangs nicht vorhanden oder nicht durch-
bohrt, die Ambulacren nicht vertieft oder vei’kiii’zt. Ganz junge
Schizaster sollen sogar regulär aussehen. Sehr merkwürdig ist
mir immer gewesen, daß unter den Tausenden von Ananchyten, die
aus der Kügener Kreide durch meine Hände gegangen sind, nicht
ein einziger kleiner als 3 — 4 cm war. Auch in den Feuersteinen
34*
532
W. Deecke,
habe ich nie ein solches Stück eingebettet gefunden, nur lose als
Diluvialgeschiebe kenne ich Flintsteinkerne von 2 cm Länge, und
dabei ist man nicht sicher, daß es nicht Ananchytessulcata-li\dÄx\.<k\Qn
sind. Ich habe seinerzeit aus alten Rügener Schlämmrückständen
alle möglichen kleinen Formen in Menge ausgelesen, die kleinsten
Brachiopoden (Argiope, Terebratulina) und Foraminiferen; aber
Seeigel fehlten dabei bis auf kleine Salenien. die jedoch aus-
gewachsen gewesen sein können, da diese Formen oft klein bleiben.
Vielleicht sind die jungen Gehäuse so zart gewesen, daß sie ganz
verfielen, weil die Platten nur lose durch Haut verbunden waren
und nicht zusammenhielten. Das vermute ich, weil bei Galeriten
größerer Form die obere Hälfte der Schale nur aus unvollkommen
verbundenen Platten mit sogar sechsseitigem Umriß oft besteht
und beim Fossilisationsprozeß leicht auseinander weicht, so daß sich
sowohl die einzelnen Plattenreihen als auch die Asseln voneinander
lösen. Diese nicht ausgewachsenen Platten sind sechsseitig wie
bei den Perissoechinoiden, so daß aus isolierten Tafeln nicht auf
das Vorhandensein dieser Gruppe geschlossen werden darf. Es
wäre wohl der Mühe wert, dieser Frage in einem geeigneten
Spezialfalle nachzugehen, z. B. im Pariser Grobkalk zu konsta-
tieren, wie die Jungen zu Echinanthus und Echinölampas aussehen.
Für diese Dinge hat Zittel eine Empfindung gehabt, wenn er bei
den Clypeasteriden (1. p. 519) sagt: „Auffallenderweise gleichen
die ältesten Formen (Echinoct/amus , Fibularia etc.) den Jugend-
zuständen späterer Gattungen“. Ja, sind sie es nicht auch oft?
Es kommt bei diesen Formen darauf an : ist ein Gebiß vorhanden
oder nicht? Und wie ist das Gebiß bei jungen Clypeasteriden
entwickelt? Ist es erhaltbar? Sonst sind wir gar nicht imstande,
diese kleinen Formen von den Echinolampiden zu trennen. Quenstedt
bildet bei kleinen Fibularien Auriculae ab, also das sind wirkliche
Clypeasteriden. — Übrigens sind auch junge Ci (Joris und Hemi-
cidaris selten. Bei den Regulären, die doch von Anfang an ziem-
lich gleiche Form haben, ist dies recht auffallend.
Die Entwicklungsgeschichte der Seeigel ist in ihren Grund-
ziigen klar, aber die Einzelheiten sind dunkel. Auch das kommt
wie überall durch die große, noch unausgefüllte Triaslücke. Später
bringen cenomane und alttertiäre Transgressionen neue Formen.
Die sonderbaren europäischen Triasgattungen (Tiarechinus) können
wir nirgends einordnen. Die große Zahl von langlebigen Gattungen
in der heutigen Tiefsee könnte auf die Vermutung bringen, daß
von dort aus durch die Larven eine Besamung der flacheren Kiisten-
gewässer wiederholt erfolgt sei, und daß uns der Stammbaum nur
deshalb so lückenhaft erscheint, weil wir wirkliche Tiefseeablage-
rungen so wenig haben. Die einzelnen Spezies halten immer nur
sehr kurz aus, was ja z. T. an unserer engen Begrenzung der Art
liegt. Sie sind aber, wie oben betont, wohl in der Tat an ziem-
Paläontologische Betrachtungen. III.
533
licli enge Existenzbedingungen geknüpft oder, wenn nicht, so
variabel, daß inan sie zu sehr zerschlagen hat.
Es gibt jedoch eine Anzahl ganz deutlicher genetischer Reihen.
Eine solche habe ich schon erwähnt, die vom variabeln turonen
Ananchytes striatus durch den Typus A. ovata zu A. sulcata im
Danien führt und alle Übergänge darbietet. So sind auch die
jurassischen Echinobrissus miteinander verbunden und die ober-
cretacischen Micraster in allen Nebenlinien. Die mit dem geologischen
Alter abnehmende Größe ist außer bei Ananchytes sehr deutlich
bei Echinobrissus iE. minimus im französischen Emscher) und bei
Echinoconus, dessen Formen im Turon größer sind als im Senon,
und der im Danien fast fehlt. Gerade der Gegensatz zu den
gleichbleibenden Micraster dieser Schichten zeigt, daß die letzt-
genannten noch in der Entfaltung sind und ihre Vorfahren ( Toxaster )
erheblich in ihren Maßen übertreffen. Im Tertiär von Europa
nehmen vom Danien an die Echinolampiden sukzessiv an Größe
zu bis zum Oberoligocän, um dann wieder kleiner zu werden.
Große Bedeutung ist fast immer auf die untercretacischen
mehrreihigen Cidariten ( Tetracidaris ) als Rückschlag in paläozoische
Perissoechinoiden gelegt. Ich zweifle an diesen Beziehungen,
weil ein fundamentaler Unterschied vorhanden ist. Bei allen Cida-
riten stehen die Platten mit den großen Stachelwarzen alternierend,
auch bei Archaeocidaris; das ist schon erforderlich, damit die
Stacheln Platz zur Bewegung haben. Bei Tetracidaris liegen die
überschüssigen beiden äußeren Reihen gleich hoch neben den ent-
sprechenden inneren, welche alternierend stehen wie normal. Die
plötzliche Reduktion gegen den Scheitel ist auch sehr auffallend.
Es macht eher den Eindruck, als sei bei der Kugelgestalt die
Interambulacralplatte nach der Peripherie zu lang geworden und
in zwei Stücke zerfallen. So etwas kommt auf der Unterseite
von Spatangiden am Plastrum und dessen breiten Seitenplatten
vor. Zu einem gleichmäßig sechsseitigen Umriß wie bei den
paläozoischen Seeigeln bringen es auch die Tetracidaris- Platten
nicht, sondern es sieht aus, als wäre eine geradlinige Naht vor-
handen gewesen, die beim weiteren Wachstum der Platten sich
etwas umgebildet hätte. Auch hier macht sich der Mangel an
jungen Tieren recht bemerkbar.
In diesem Artikel habe ich also versucht, die Form mancher
Seeigel und vor allem vieler ausgestorbener Gattungen durch die
Lebensweise und die Anpassung an Boden und Nahrung zu erklären.
Foraminiferenreiche oder sonstige, viel organische Reste führende
Sedimente sind das eigentliche Lebenselement der Echinoiden, von
denen die Regularia in Riffen besonders gedeihen, die Irregularia
an Strandsande oder an weichen Untergrund gebunden sind. Un-
verständlich bleibt die Herkunft der Echinoiden im Dogger, ungelöst
ist die Frage der jungen Individuen und verkehrt ist nach meiner
534
C. Benz,
Ansicht jede Systematik und Artentrennung, die der Variabilität
mancher Gruppen und ihrer Anpassung an bestimmte Lebensweise
nicht gerecht wird. Die Seeigel bezeichnen schärfer als Ammo-
niten die Fazies, weil sie vom Untergründe abhängig sind. Aber
um darin zu vollem Verständnis zu gelangen, müßten weit mehr
rezente Arten auf ihre Lebensbedingungen untersucht werden.
Freiburg i. Br., Mai 1913.
Beiträge zur Geologie von Hellas und der angrenzenden
Gebiete .
Herausgegeben von Carl Renz und Fritz Frech.
22. Geologische Untersuchungen in Epirus.
Von Carl Renz.
Im Juni dieses Jahres unternahm ich eine mehrwöchentliche
Forschungsreise durch das früher türkische, jetzt von den Griechen
okkupierte und der Kultur erschlossene südliche Epirus1.
Das bereiste Gebiet wird begrenzt im Norden durch
das Kalamastal, im Osten durch das V y r o s ta 1 und im
Westen durch das Ionische Meer.
Der westliche Bezirk bis zur Niederung von Paramythia ge-
hörte zu den bisher noch gänzlich unerforschten Gebieten Europas ;
der östliche Teil wurde längs der angegebenen Grenzen von
A. Philippson auf den Strecken von Paramythia nach Jannina und
von Jannina nach Ai'ta begangen 2, war also auch noch so gut
wie unbekannt.
Diese mangelhafte Kenntnis des Landes hatte vor allem ihren
Grund in der allgemeinen Unsicherheit zur Zeit der türkischen
Verwaltung.
Meine Untersuchungen ergaben, daß das ganze Gebiet, sowohl
in seinem Gebirgsbau, wie in seiner faziellen Ausstattung der
Ionischen Zone angehört.
Ich teilte die hellenischen Gebirge bis jetzt in fünf ver-
schiedene Gebirgszonen 3, auf die ich hier in dieser vorläufigen
Mitteilung nicht näher einzugehen brauche. Die westlichste dieser
Gebirgszonen ist die Ionische Zone, zu der auch, wie gesagt,
das neu erforschte Gebiet gehört.
1 Im nördlichen Epirus und in Siidwestalbanien hatte ich schon früher
einige Kekognoszierungstouren unternommen. Vergl. Carl Eenz, Strati-
graphische Untersuchungen im griechischen Mesozoicum und Paläozoicum.
Jahrb. der österr. geol. Eeichsanst. 1910. 60. p. 614 — 630.
2 A. Philippson, Beisen und Forschungen in Nord-Griechenland. III.
Zeitschr. der Ges. für Erdkunde. Berlin 1896. 31. p. 215 — 294.
3 Carl Eenz , Über den Gebirgsbau Griechenlands. Zeitschr. der
deutsch, geol. Ges. 1912. 64. Monatsber. No. 8. p. 437—465.
Geologische Untersuchungen in Epirus.
535
Die ältesten Gebirgsglieder bestehen aus liebten Kalkmasseu, die
von der Obertrias bis an die Oberkante des Mittellias in gleicher Ent-
wicklung durchgehen. In der Trias treten auch dolomitische Partien auf.
Der triadische Anteil ist als Äquivalent des Dachsteinkalkes,
bezw. Hauptdolomites zu betrachten. In Hellas reicht die gleiche
Fazies nur höher herauf. Ich bezeichnete diese Entwicklung als
Ionischen Dachsteinkalk oder als Pantokratorkalk (nach einem
typischen Vorkommen auf der Insel Corfu). Zu diesen Kalken
gehört die Hauptmasse der epirotischen Kalksteine; sie stellen
hier das wichtigste gebirgsbildende Element dar.
Ueber diesen Kalkmassen folgt konkordant der fossilreiche
Oberlias.
Der Oberlias ist entweder in der Fazies von roten, tonigen
Knollenkalken und Mergeln mit reichen Ammonitenfaunen oder
als Posidonienschiefer und Posidonieuhornstein mit Posidouia Brottni
Voltz entwickelt.
Der Unterdogger zeigt in petrographischer Hinsicht ebenfalls
diese beiden Ansbildungsarten. Die knolligen Bildungen enthalten
spärlich verteilte Ammoniten, die dichteren Schiefergesteine sind
hier fossilfrei. Die höheren Zonen, die meist durch dünugeschichtete
Kalke repräsentiert werden, wurden bisher paläontologisch noch nicht
nachgewiesen.
Allenthalben verbreitet sind dagegen wiederum die Posidonien-
hornsteinplatten des oberen Doggers mit Posidonia Buclii Roemer
und P. alpina Gras. Hinsichtlich der Speziesbezeichnung der Dogger-
Posidonien verweise ich auf meine früheren Ausführungen in Carl
Rexz, Geologische Forschungen in Akarnanien (X. Jahrb. f. Min. etc.
Beil.-Bd. XXXII. p. 394).
Auf Corfu und in dem gegenüberliegenden Küstengebiet folgen
diese charakteristischen Bildungen unmittelbar über den Kalken mit
Stephanoceras Humphriesianwn Sow.
Von den Posidonienhornsteinplatten ab aufwärts herrscht zu-
nächst noch dieselbe Entwicklung, jedoch ohne Fossilien, abgesehen
von selten vorkommenden Aptychen.
Ueber dem Hornsteinkomplex, der überall im Gelände durch
seine gelbe Farbe auffällt, folgt durch Einschaltungen von Platten-
kalken und Kalkschiefern ein durch Wechsellageruug verbundenes
Schichtensystem dieser drei Fazieselemente, das sogenannte Vigläs-
kalksystem, wie diese Bildung nach einem typischen Vorkommen
der Insel Corfu genannt wird. Die Vigläskalke sind eine zahl-
reiche Stufen umfassende, aber äußerst fossilarme Bildung. Infolge
ihrer Fossilarmnt ist eine nähere Horizontierung unmöglich. Von
Fossilien sind nur Aptychen und unbestimmbare Ammonitenab-
drücke bekannt, und zwar in den Äquivalenten, die dem alpinen
Malm entprechen.
Der Vigläskalkkomplex wird direkt durch den Rudistenkalk
536
0. Renz,
überlagert, und zwar ohne Diskordanz. Die Vigläskalke umfassen
daher nicht nur den Malm, sondern auch die Unterkreide.
Der Rudisteukalk geht nach oben hin in den mehr plattigen
Nummulitenkalk über, dem seinerseits konkordant der weitver-
breitete eocäne bis oligocäue Flyscli aufruht. Zwischen Flysch
und Neogen liegt eine ausgedehnte Diskordanz.
Neogene Bildungen sind in dem hier beschriebenen Gebiete
nur sehr wenig verbreitet und auf die Ränder des Golfs von Arta und
den Küstenstreifen am Ionischen Meer (z. B. bei Parga) beschränkt.
Eruptivgesteine fehlen ; nutzbare Minerale dürften in abbau-
würdiger Menge nicht vorhanden sein.
Das Gebiet zwischen Vyrostal und Meer wild von drei Flysch-
zonen durchzogen ; den Zonen von Derwitzana , von Paramythia
und von Margariti. Die erstere nimmt einen breiten Streifen ein.
Die beiden letzteren sind nur in Fragmenten erhalten und werden
durch mit Schwemmland erfüllte, längsgerichtete Becken (die
griechisch als Kampos bezeichnet werden) unterbrochen. Die Flysch-
zonen bilden orographisch längsgerichtete Einsenkungen und auch
tektonisch im ganzen Faltenmulden.
Zwischen den Flyschzonen erheben sich parallel orientierte
Kalkketten, die nach Westen übergelegte Falten darstellen. Der
Liegendschenkel ist meist zerrissen und der Dachsteinkalk als Kern
der Längsfalten direkt nach Westen zu auf den Flysch der er-
wähnten Flyschzonen überschoben.
Die Ostschenkel der Falten sind regelmäßig gebaut. Sie
werden jeweils am entgegengesetzten Rande der Flyschzonen kon-
kordant von den Flyschgesteinen überlagert.
Darunter folgt dann in normaler Lagerung die ganze geschilderte
Schichtenfolge bis herunter zum Dachsteinkalk.
Ein Querschnitt durch die Lakkakette, die Berge von Suli
und die Ketten von Margariti und Smokowina zeigt ein Proül nach
Art der Schuppenstruktur.
In einem etwas weiter nördlich, etwa in der Breite der Olvt-
zika durchgelegten Proül sind infolge von Ungleichheiten des
Horizontalschubes z. T. auch noch die mehr oder minder über-
gelegten Westfliigel der überkippten oder schiefen Falten zu sehen.
Die Faltungen des Gebirges sind in die Zeit zwischen den
jüngsten Ablagerungen des Flysches und den ältesten Niederschlägen
des Neogens zu verlegen. Später hat dann die jungtertiäre bis
quartäre Bruchperiode das ganze Faltengebirge in Schollen zer-
trümmert. Ihr sind namentlich jene Binnenebenen zu verdanken,
an denen Epirus verhältnismäßig reich ist.
Betrachten wir zunächst die beiden westlichen Kalk-
ketten, die ich auf der Route von Paramythia über Kai'tsa —
Dragani — Kurtesi — Mazaraki — Dobrad— Smokowina— Arpitza— Agyja—
Margariti — Karwunari — Paramythia kennen lernte.
Geologische Untersuchungen in Epirus.
537
Paramythia liegt am Westabfall der Kurilakette, und zwar
im Flysch, der gegen das Gebirge zu unter den darüber liegenden,
überschobenen Dachsteinkalk des Kurilakammes einfällt.
Westlich unterhalb vou Paramythia dehnt sich der längs-
gerichtete Kanipos von Paramythia aus. Am Westrande dieses
Kampos erhebt sich eine weitere Kalkkette.
Der Weg von Paramythia über Kresta nach Kai'tsa führt
nach Überschreitung des Kampos zunächst im Dachsteinkalk des
H. Iliasberges, am Hang oberhalb der Polje Chodochowa , nach
Westen zu aufwärts und dann hinüber über eine niedrige Höhe in
eine Talmulde , die vom Paß zwischen Kai'tsa und dem Para-
mythia-Kampos herabkommt.
Die Nordhänge dieser Mulde bestehen aus Dachsteinkalk ;
darüber lagern nach Süden zu die weicheren Gesteine des Oberlias
und Doggers. Die besten Aufschlüsse finden sich oben auf der
Paßhöhe.
Hier liegen über den Dachsteinkalken des H. Iliasberges :
1. gleichgefärbte, dünngeschichtete Kalke, z. T. schon von etwas
knolliger Struktur mit roten Flecken;
2. graue Kalkschiefer, mit zwischengeschalteten roten Lagen;
3. rote und rot und graugefleckte, dünngeschichtete Knollen-
kalke; dazwischen auch rein tonige Partien. Diese roten
Bildungen enthielten neben Position ia Bronni Voltz eine
prachtvolle Ammonitenfauna. Es handelt sich im wesent-
lichen um folgende oberliassische Arten:
Hiltioceras comense Buch
Lilli Hauer
— serpentinum Bein.
— boreale Seebach
— rheumatisans Dum.
— tirolense Hauer
— bifrons Brug. u. Varietäten
— Levisoni Simps.
— Bayani Dum.
— Mercati Hauer
— quadratum Haug
— Chelussii Parisch et Viale
— Catarinae Parisch et V iale
Harpoceras subplanatum Oppel
— fallaciosum Bayle
— falciferum Sow.
— striatulum Sow.
Polyplecius discoides Zieten
Hangia variabilis Sow.
Coeloceras annulatum Sow.
— acnlcata Parisch et Viale
Coeloceras Linae Parisch et
Viale
— Desplacei Orb.
— crassum Phil.
— Choffati Benz
— Meneghinii Bonar.
— anguinum Bein.
— Gemma Bonar.
Lytoceras cornucopia Young et
Bird
— seposihim Menegh.
— spirorbe Menegh.
— dorcatie Menegh.
— rubescens Dum.
— Cereris Menegh.
— Villae Menegh.
Phylloceras heterophyllum Sow.
— Nilssoni Hebert und Va-
rietäten.
— Borni Prinz
— Spadae Menegh.
538
C. Renz,
Östlich unterhalb dieses Passes wurden in z. T. senkrecht -
stehenden analogen Schichten noch folgende Arten aufgesamrnelt:
Polyplectus discoides Zieten Hildoceras comense Buch
Hildoceras Levisoni Simps. — Bayani Dum.
tirolense Hauer Phylloceras heterophyllum Sow.
4. Nach oben zu gehen diese roten Bildungen in graue, mehr
dichtere Lagen über, die das Zwischenglied zwischen den roten
Ammonitenschichten und den darüberliegenden Posidouien-
hornsteinplatten des oberen Doggers bilden. Die Kalke 4
repräsentieren daher den unteren und mittleren Dogger.
5. Gelbe Hornsteinplatten des oberen Doggers mit Posidonia
Buchi Roemer und P. alpina Gras. Die Posidonienschichten
liegen an der Basis eines ziemlich mächtigen Hornstein-
komplexes, der in der gleichen stratigraphischen Stellung
überall in der Ionischen Zone wiederkehrt.
Das Streichen der ganzen Schichtenfolge ist N 30 0 0 gerichtet,
das Fallen 45 0 nach Siidost.
Nach Westen zu wird der Zusammenhang der Gebirgsglieder
durch den Einbruch des Poljes von Kai'tsa — Dragani unterbrochen.
Das Polje ist auf drei Seiten , nämlich im Norden, Westen und
Süden von Dachsteinkalkgebirge umgeben , nur auf der Ostseite
liegen die weicheren Hornsteiuhügel des eben beschriebenen Profils.
Die Hornsteine bilden hier eine Mulde. Am Einschnitt östlich
Dragani treten demnach jedenfalls wieder die roten Oberlias-
bildungen zutage. Zwischen Dragani und Kurtes (Kurtesi) herrscht
Dachsteinkalk.
Hierunter kommen in der Linie Ramada — Kurtes erneut die
roten tonigen Knollenkalke und Mergel des Oberlias hervor und
hierunter die höheren Kalke und die Posidonien-Hornsteinplatten des
Doggers. Die Schichten lagern also hier in einer nach Westen
übergelegten Falte in umgekehrter Reihenfolge. Daher durch-
quert der Weiterweg bei südöstlichem Einfallen der ganzen Schichten-
folge (Streichen N 50° 0) die unter den Hornsteinkomplex ein-
falleuden Plattenkalke und Hornsteine des Vigläskalksystems,
Rudisten- und Nummulitenkalke, unter die dann die Gesteine der
Flyschzone Mazaraki — Margariti einfallen.
Es handelt sich somit um eine nach Westen überhängende,
den Flysch überfaltende Antikline, deren Kern aus Daehsteinkalk
(vom stratigraphischen Umfang der Jonischen Zone) besteht.
Im Ostflügel folgt in regelmäßiger Reihenfolge darüber der
Ammoniten führende Oberlias und Posidonien führende Dogger im
Osten von Kai'tsa — Dragani. In der Linie Ramada — Kurtesi liegen
die gleichen Bildungen, sowie die höheren Vigläskalke, Rudisten-
und Nummulitenkalke in umgekehrter Reihenfolge unter den Dach-
steinkalken. Nur an dem hohen Berg Malikladi (nordwestlich
Geologische Untersuchungen in Epirus.
539
von Ramada) dürfte die Überkippung der Fernsicht nach weniger
stark gewesen sein.
Dieses Profil wird durch einen Durchschnitt von Margariti
über Kanvunari nach Zelessos in wünschenswerter Weise ergänzt.
Margariti besitzt vom geologischen Standpunkt aus dieselbe Lage
wie Paramythia; es liegt im Flysch am Westrand des Kampos
von Margariti. Über dem gegen das Gebirge zu einfallenden Flysch
folgt direkt der den Kamm östlich Margariti zusammensetzende, hier
meist nach Westen überschobene Dachsteinkalk. Südlich Margariti
haben sich an der Grenze auch noch Reste des Mittelschenkels,
wie Posidonienhornsteine des Doggers und Plattenkalke erhalten.
Östlich des Kammes von Margariti — es tritt hier auch
Dolomit auf — folgt bei Kanvunari in regelmäßiger Lagerung
die normale Schichtenfolge des Ostflügels der Falte zwischen den
längsgerichteten Becken von Margariti und Paramythia.
Oberhalb Karwunari lagern über dem Mittellias in Dachstein-
kalkfazies :
1. Graue, dünngeschichtete, etwas knollige Kalke, bisweilen
violettrot gefärbt (etwa 3 m).
2. Graugelber, bezw. blaugrauer Mergel und blätteriger Schiefer
( l V* m).
3. Dünngeschichtete, scliieferig-tonige, blaugraue Kalke (etwa 2 m).
4. Rote Tone und zwar meist dickere rote, kalkige Tonlagen,
dazwischen aber auch schieferig-blätterige Partien, sowie eine
graue Zwischenlage (etwa 5 m). Die roten Tone enthalten
Posidonia Bronni Voltz.
5. Rot und grau gefleckte, düungeschichtete knollige Kalke;
unten mit Coeloccras subarmatum Young et Biur> bezw. Var. etc. ;
oben mit roten Hornsteinzwischenlagen. Der etwa 5 m hal-
tende Komplex enthält oben auch gelbliche Kalklagen, aus denen
ein nicht näher bestimmbarer Erycites stammt, er repräsentiert
z. T. den unteren Dogger.
6. Graue geschichtete Kalke mit grauen Hornsteinzwischenlagen
(etwa 4 m).
7. Graue, gelb verwitternde Hornsteinplatten mit Posidonia
Buchi und P. alpina.
8. Gleichartige Hornsteinplatten.
Diese Oberlias-Doggerbildungen streichen dem ganzen Hang
oberhalb des Dorfes Karwunari entlang.
Gegen den Kampos von Paramythia zu folgen über- dem Horn-
steinkomplex die Plattenkalke und Hornsteine des Vigläskalksystems
(Streichen N 30 bis 40° W; Fallen 45° nach Nordost), und hier-
über Rudistenkalke, die ihrerseits von plattigen Nummulitenkalken
eingedeckt werden und mit etwa 45° nach Nordost gegen den
Kampos zu geneigt sind. Die eocänen Plattenkalke fielen dann
jedenfalls unter den Flysch der seiner Zeit vollständigen Flyschzone
540
C. Renz.
von Paramythia ein, dessen Gesteine sich aber heute nur noch am
Ostrande des Kampos erhalten haben. Der Ostfliigel der Falte
zwischen den Flysclizonen von Paramythia und Margariti zeigt
hier demnach eine regelmäßigere Lagerung, als bei dem nörd-
licheren Durchschnitt von Paramythia über Kai'tsa nach Mazaraki.
Östlich Mazaraki treten im Westen der Flyschzone die
Nummuliten- und Rudistenkalke der nächst westlicheren
Falte hervor. Die nächst tieferen Gesteine des Vigläskalk-
systems und des Hornsteinkomplexes haben jedoch durch die
Erosion des Baches von Mazaraki stark gelitten, doch gelang es
mir , an den Hängen im Westen von Mazaraki gleichfalls die
Posidonienhornsteine des Doggers nachzuweisen. Südlich Mazaraki
erstreckt sich ein weiter Kampos, der aber von jenem von Margariti
durch eine Hügelwelle getrennt wird.
Bei Smokowina, das an dem Gebirgshang im Süden des
Kampos gelegen ist, konnte wieder ein vollständiges Profil durch-
schritten werden. Die Quelle von Smokowina entspringt aus steil
nordöstlich fallenden Vigläskalken , während der hohe Bergzug
im Süden des Dorfes Smokowina aus Dachsteinkalken besteht.
Dazwischen streichen die Dogger- und Oberliasbildungen hindurch,
während über dem Vigläskalk bei der Quelle gegen das Becken von
Margariti zu jedenfalls Rudistenkalke und Xummulitenkalke folgen.
Die letzteren bilden z. T. wohl die bereits erwähnte Boden-
schwelle zwischen den Becken von Mazaraki und Margariti. Hier ist
vermutlich die Schichtenfölge in einem vollständigen Profil erhalten.
Einen guten Überblick über die Entwicklung des Oberlias
und Doggers von Smokowina erhielt ich auf der Strecke von Smo-
kowina nach Arpitza. Der Weg führt in einer Schlucht nach
Westen zu aufwärts; in dieser Schlucht stehen zunächst die Posi-
donienschichteu des oberen Doggers an.
Die Posidonien (Posiclouia Buchi und P. alpiua) bedecken in
besonders guter Erhaltung die gelben Schichtflächen der dunklen
Hornsteinplatten, sowie der gelblichgrauen Kalkschiefer. Verhältnis-
mäßig sehr schöne Exemplare beobachtete ich in einer grauen porösen
Zwischenlagerung, die ich in gleicher Entwicklung auch schon auf
der Paganialialbinsel gegenüber von Corfu angetroffen hatte. Die in
der Schlucht westlich Smokowina aufgeschlossenen Posidonien-
schichten streichen N 30° W und fallen 30° nach Nordost.
Darüber folgt die Masse der höheren gelben Hornsteine und hier-
über der Vigläskalk bei der Quelle von Smokowina.
Unter den Posidonienschichten des Doggers liegen in der
Schlucht westlich Smokowina in Konkordanz :
1. Etwa 15 m umfassende, dünngeschichtete gelblichgraue Kalke,
unten von knolliger Struktur, darunter auch rein knollige,
etwas kompaktere Lagen. Letztere enthalten spärliche Am-
moniten, wie Harpoceraten etc.
Geologische Untersuchungen in Epirus.
541
2. Vorwiegend rote, z. T. aber auch rot und grau gefleckte
plattige Knollenkalke mit Oberlias-Ammoniten. Gegen unten
herrscht roter Ton vor.
3. Mittellias in der Fazies des ionischen Dachsteinkalkes.
Die letzteren Kalke bilden mit gleichem Einfallen den Ge-
birgskamm im Westen, den der Weg nach Arpitza überschreitet,
sowie die Höhen im Süden von Smokowina. Die roten Ober-
liassedimente und die Posidonienhornsteine ziehen einerseits ober-
halb Smokowina weiter nach Südosten , andererseits aber auch nach
Nordwesten und hängen zweifellos mit den Posidonienliornsteinen etc.
im Westen von Mazaraki zusammen. Besonders gute Aufschlüsse
finden sich noch in einem von Südosten herabkommenden Seitental
(westlich bezw. südwestlich Smokowina). Aus den roten Oberlias-
bildungen wären unter anderen folgende Ammonitenspezies anzuführen :
Coeloccras aculeata Parisch et Hiläoceras Mercati Haler
Viale Harpoceras sübplanatum Oppel
— anguinmn Pein. Lytoceras dorcade Henegh.
Hildoceras Lilli Hauer Pltylloceras heteropliyllum Sow.
— comense Buch
Weitere Aufschlüsse der roten Knollenkalke und Mergel des Ober-
lias und der Posidonienhornsteine des Doggers finden sich bei Dobrad.
Die Falte zwischen Smokowina und Arpitza wurde nochmals
auf einer südlicheren Route von Agyja nach Margariti durchquert.
Nach Überschreitung des Dachsteinkalkkammes, der die süd-
liche Fortsetzung der Dachsteinkalkhöhen oberhalb Smokowina
bildet, gelangt man direkt in das Geröll von Liwadari und hinunter
zum Kampos von Margariti. Nordwestlich von Liwädari, bezw.
westlich von Margariti ist jedoch noch der Ostflügel der Falte
mit der üblichen Schichtenfolge erhalten. Man gewahrt hier unter
anderem die gelben Posidonienhornsteine des Doggers und die roten
Oberliasbildungen; doch streichen die Schichten nicht regelmäßig
durch , sondern sind in kleinere Schollen zerstückelt. (Streichen
etwa N 40° W; Fallen 45° nach Nordost).
Ein stark verworfenes und vielfach durch Neogen unter-
brochenes Gebiet ist jedoch vor allem die im Westen der eben
besprochenen Dachsteinkalkkette gelegene Küstenregion zwischen
Arpitza und Agyja.
Hier tritt zwischen den beiden Dörfern, abgesehen von den
mesozoischen Gesteinen, auch nochmals Flysch auf. Es handelt
sich hierbei jedenfalls um ein Fragment einer weiteren, westlicheren
Flysclizone.
II.
Die Gebirgskette zwischen dem Kampos von P a r a-
mythia und der Flysclizone von Derwitzana wurde auf
folgenden Strecken durchkreuzt:
542
C. Renz,
Von Luros über Vladon nach Kanalaki; von Glyky über
Samonida— Kakosuli — Tsangari — Koristiani — Popowo — Levtherochori
nach Paramytliia nnd von Pararaythia über Seliani ~ Labnitza nach
Salonik (Solniki).
Der Weg führt von der Höhe von Palaeorofori ab im Flvsch
hinauf auf die Höhen des Gebirges. Im Süden erhebt sich das
in Schollen zerbrochene Kalkgebirge des Salongos. Die Flvsch-
gesteine streichen im allgemeinen X 40° 0 und fallen 45° nach
Südost. Hinter Vladon kommt der nächst ältere Nummuliten- und
Rudistenkalk hervor, um die Kammhöhe zu bilden. Beim Ab-
stieg zur Schlucht von Kanalaki erscheinen an der Westfront des
Gebirgszuges noch die Gesteine des tieferen Vigläskalksystems.
Dann führt der Weg im Kampos bis Glyky. Am Gebirgsrand
lagert Flvsch, der gegen das Gebirge zu einfällt. Bei Huzakata
tritt der Weg wieder an das Gebirge heran. Der Gebirgskamm
besteht hier aus Dachsteinkalk.
Wesentlich interessanter gestaltete sich die Durchquerung des
Gebirges von Glyky nach Kakosuli, entlang dem nördlichen Hang
der Acheronschlucht.
Der Acheron durchbricht hier in wilder Schlucht den aus
Dachsteinkalk und Dolomit bestehenden Gebirgskamm, der in
gleicher Entwicklung über die Kurilakette, den Paß von Kakiskala
und das Ghionistragebirge bis zum Kalamas und weiter nach Norden
zieht.
Nach der Einmündung des von Norden in die Acheronschlucht
mündenden Tsangaritales erscheinen beim Aufstieg nach Samonida
als Überlagerung des Dachsteinkalkes die weicheren Posidonien-
gesteine des Oberlias und Doggers.
Der Oberlias besteht hier aus Schiefern mit grauen, dünn-
schichtigen Kalklagen und dünnen dunklen Hornsteinschichten,
deren Schichtllächen vollkommen mit der kleinen Posiclonia Bronni
Voltz bedeckt sind. Der obere Dogger wird ebenfalls durch Posi-
donienschichten paläontologisch festgestellt, nämlich durch die Horn-
steine mit P. Bucht und P. alpitia. Dazwischen lagern auch dünn-
geschichtete Kalke.
Bei Kakosuli fehlen infolge einer Verwerfung diese Bildungen
des Oberlias und Doggers, hier grenzen die Dachsteinkalke bezw.
Dolomite direkt an die Gesteine des Vigläskalksystems an, die
den Gebirgszug im Osten von Kakosuli über den Vrizakos und
Chawo bis hinauf zur Route Paramytliia — Jannina zusammensetzen.
Weit ausgedehnte Aufschlüsse des Oberlias und Doggers wurden
dann wiederum zwischen Tsangari und Koristiani nachgewiesen. Das
Band des Oberlias und Doggers folgt hier dem Osthang des Tales
von Koristiani , bezw. Tsangari ; der Westhang besteht aus dem
steilaufstrebenden Dachsteinkalkkamm, der das Tal von Tsangari
von dem Kampos von Paramytliia scheidet.
Geologische Untersuchungen in Epirus.
543
Der Oberlias und Dogger fällt liier, ebenso wie die ganze
Schichtenfolge, durchschnittlich mit 45° nach Osten.
Die Oberliasbildungen des Tsangaritales zeigen dieselbe Ent-
wicklung, wie die gleichalten Gesteine unterhalb Samonida, es
handelt sich um dunkle bezw. gelbe Schiefer und dünne schwarze
Hornsteinlagen mit P. Bronni Voltz. An der Basis des Kom-
plexes treten auch gelbe, tonige Kalkschiefer uud etwas dickere,
gelbe , tonige Kalklagen auf. Die höheren Posidonien-Hornstein-
platten des Doggers mit P. Bucht und P. alpina werden von den
oberliassischen Posidonienschichten durch eine Plattenkalkeinschal-
tung geschieden. Als höhere Bildungen folgen dann die Gesteine
des Vigläskalksystems, Rudistenkalke, Nummulitenkalke und schließ-
lich Flysch. Diese Gesteine bilden den Gebirgsrücken zwischen
Tsangari und Koristiani , bezw. zwischen den Tälern von Kori-
stiani einerseits und Glavitza — Kukles andererseits. In diesem
letzteren Tale treten abermals die Bildungen des Oberlias und
Doggers hervor. So stehen an der Quelle von Tsangari gegen-
über von Glavitza Posidonienhorusteine des Doggers an, während
unterhalb Glavitza im Schutt des Talgrundes oder am Talrande
auch Stücke mit P. Bronni beobachtet wurden. Hier erst bilden
die Oberlias- und Doggerbildungen die Basis des Vigläskalk-
systems, das die Kette des Vrizakos und Chawo im wesentlichen
zusammensetzt. Auf der Ostseite dieser Kette folgen jedenfalls
in regelmäßiger Überlagerung Budistenkalke und Xummulitenkalke,
die dann von dem Flysch der Ftyschzone von Derwitzana konkordant
eingedeckt werden. Der Flysch bei Koristiani hängt daher nicht mit
dem des großen Flyschzuges von Derwitzana zusammen. Bei durch-
wegs östlichem Fallen folgt auch das Oberlias-Doggerband sowohl
dem Tal zwischen Tsangari und Koristiani , wie jenem von Gla-
vitza— Kukles. Das letztere Band streicht am Westhang des Chawo
weiter nach Norden. Eine genauere Erörterung der Lagerungsver-
hältnisse des schollenförmigen Bergrückens zwischen Koristiani und
Tsangari zu den umgebenden Gebirgsgliedern würde über den
Rahmen dieser vorläufigen Mitteilung hinausgreifen.
Zwischen Koristiani und Popowo erscheint der Oberlias nicht
mehr. Hier grenzen die Gesteine des Vigläskalksystems längs
einer ausgesprochenen Bruchlinie direkt an die Dachsteinkalke der
Kurilakette an.
Westlich der Verwerfungsgrenze enthält der ionische Dachstein-
kalk Gyroporellen, so in der Gegend des Passes Seloma tu Popowo.
Die Oberlias-Doggerbildungen (Posidoniengesteine des Oberlias
und Doggers), die nordwestlich von Popowro und nordöstlich von
Levtherochori die Dachsteinkalke des Chionistragebirges überlagern,
streichen von der Einsattelung westlich des Chawo (östlich Popowo)
herüber; es handelt sich hierbei also um den Oberlias — Doggerzug
des Glavitza-Kuklestales oder vielmehr dessen nördliche Fortsetzung.
544
C. Renz,
Im Tal von Popowo (so bei Popowo selbst) erscheinen, ebenso
wie im Tal von Tsangari, an mehreren Stellen unvermutet Flysch-
aufschliisse, und zwar anscheinend als Unterlage der Kalkserie.
Der Paß von Levtherochori entspricht einer Querfurche zwischen
der Dachsteinkalkkette der Kurila und der Chionistra. Am west-
lichen Gebirgsrand gelangt man direkt in den darunter einfallenden
Flysch von Paramythia.
Der Flyschzug zieht hier weiter nach Norden über Seliani
bis zum Paß von Seliani (Seloina tu Seliani). An diesem Paß
ist die Flyschzone zu einem schmalen Streifen zusammengeschrumpft
(Streichen N 35 0 W ; Fallen 60° nach Nordost), der im Westen
von den Nummulitenkalken des Tschupan konkordant unterlagert
und im Osten von den Dachsteinkalken der Chionistra überschoben
wird.
Der Dachsteinkalk enthält hier beim Aufstieg zur Kapelle
H. Paraskewi Gyroporellen.
Etwas östlich H. Paraskewi wird der Dachsteinkalk im Li-
wadi und längs der nach Labnitza hinunterziehenden Schlucht von
Oberlias und Dogger überlagert. Über dem Dachsteinkalk folgen
am Sattel zwischen dem Liwadi und der Labnitzaschlucht:
1. Eine Suite von blaugrauen bis gelbgrauen Kalkschiefern,
sowie von blaugrauen, im Bruch schwarzen, gelb verwitternden,
z. T. blätterigen und sehr dünnen Schiefern; ferner von
blaugrauen, z. T. geschieferten Mergeln und eingeschalteten
etwas dickeren, grauen, gelb verwitternden, tonigen Kalk-
lagen. Die blauen Partien befinden sich besonders in der
.j-Mitte. Die blauen und schwarzen Schiefergesteine enthalten
in Massen P. Bronni Voltz, sowohl die kleine Varietät,
wie die var. magna Quenst.
Auf den Schichtflächen der gelbgrauen Kalkschiefer wurden
plattgedrückte Individuen einer Pseudomonotis aff. substriata
Münster beobachtet.
2. Hierüber folgen lichte Plattenkalke mit schwarzen Hornstein-
lagen (etwa 30 m), die die tieferen Bildungen von
3. den Posidonien-Hornsteinplatten des oberen Doggers mit
Posidonia Buchi Roemer und P. alpina Gras, trennen.
Die vom Sattel zwischen dem Liwadi und H. Paraskewi nach
Labnitza hinunterziehende Schlucht folgt bis vor Labnitza dem
Streichen der Oberliasbildungen und bietet so einen lang ausge-
dehnten prächtigen Aufschluß. Oben an dem erwähnten Sattel
bei H. Paraskewi beträgt das Streichen N45°W (Fallen 45°
nach Nordost). Weiter unten wurde östliches Fallen beobachtet.
Kurz vor Labnitza wendet sich die Schlucht nach Osten in die
höheren Schichten, nämlich in die lichten Plattenkalke mit den
schwarzen Hornsteinlagen und dann bei Labnitza selbst in den
Posidonien-Hornsteinkomplex des oberen Doggers.
Geologische Untersuchungen in Epirus.
545
Unterhalb Labnitza ist die eine östliche Richtung beibelialtende
Schlucht wieder in Dachsteinkalk mit Gyroporellen eingeschnitten.
Etwa 3/ 4 Stunden unterhalb Labnitza folgen in Konkordanz
über dieser Kalkserie erneut die Posidonienschichteu des Oberlias
und Doggers (Fallen steil Ost). Es handelt sich um dieselbe Ent-
wicklung des Oberlias und Doggers, wie östlich H. Paraskewi.
Die Bildungen des Oberlias und Doggers im Liwadi und in der
Schlucht oberhalb Labnitza sind demnach gegen Westen zu ab-
gebrochen. Erst die Dachsteinkalke unterhalb Labnitza steigen
zu dem Chionistragipfel empor, während sich die sie überlagernden
Oberlias-Doggerbildungen östlich Labnitza mit dem nordöstlich
Lovtherochori beobachteten Band der gleichen Gesteine zusammen-
schließen.
Über den Posidonienschichteu des Oberlias unterhalb Labnitza
.(darunter auch schwarze, kalkige Schiefer mit P. Bronni und
graue Kalkschiefer mit der großen Varietät der P. Bronni) folgen
weißgraue plattige Kalke mit Hornsteinlagen (etwa 30 m) und
hierüber der gelbe Hornsteinkomplex1 * unten mit P. alpina und
P. Buclii.
Weiter nach Osten zu stellt sich hierüber die übliche Schichten-
serie ein, nämlich Vigläskalke, Rudistenkalke, Nummulitenkalke und
Flysch, alles in vollkommener Konkordanz. Die Grenze zwischen
■den plattigen Nummulitenkalken und den Flyschgesteinen entspricht
etwa der Linie Verniku — Salonik. Beide Dörfer liegen am Ost-
rande der breiten Flyschzone von Derwitzana. (Streichen bei
Salonik N 40 — 45° W; Fallen 30° Nordost.)
Die Kalkberge von Suli und deren nördliche Fortsetzung bis
hinauf zur Chionistra entsprechen daher einer zwischen den Flysch-
zonen von Paramythia und Derwitzana entlang streichenden Falte
älterer Gesteine. Der Ostflügel ist normal ausgebildet, hier lagert
konkordant unter dem Flysch der Zone von Derwitzana die normale
Schichtenfolge bis herunter zum Dachsteinkalk. Nach Westen zu
fehlt dagegen der Liegendschenkel und der Kern der übergelegten
Falte, d. h. der Dachsteinkalk ist direkt auf den Flysch der
Zone von Paramythia überschoben. Im Chionistragebirge erscheinen
infolge eines Abbruches gegen Westen Dachsteinkalke , Oberlias
und Dogger in zwei Etagen übereinander. Dieselbe Schichten-
wiederholung zeigt sich auch in der weiten Talmulde von Tsangari
zwischen Tsangari und Koristiani. Hier ist der tektonische Vor-
gang jedoch komplizierter und außerdem sind auch noch die höheren
Schichtglieder bis hinauf zum Flysch vorhanden.
Im Oberlias fehlen in dieser ganzen Zone die sonst so weit
verbreiteten knolligen Ammonitenkalke. Es liegen nur Schiefer
(Kalk- und Tonschiefer) und dünnschichtige Kieselgesteine vor,
1 Die Hornsteine sind im frischen Bruch dunkelgrau bis schwarz.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913. 35
546
C. Renz.
deren Fossilfiihrung sich im allgemeinen auf Posiclonia Brotini Voltz
beschränkt. Die erwähnten längsgestreiften Formen sind nur
lokal (Chionistra) bekannt, während die Posidonien überall in
Massen Vorkommen. Dieselbe Ausbildung des Oberlias herrscht
in der nördlich der Chionistra dem Westabhang der Stugara —
Platovuni — Backette entlangstreichenden Oberliaszone, in der sich
die Oberlias-Doggerschichten der Chionistra über den Kalamas
hinweg direkt fortsetzen.
Die gleiche Entwicklung des Oberlias und Doggers kehrt
ferner im Siutistazuge und im Olytzikagebirge wieder, während
auf der Ostseite der Lakkakette erneut die roten Ammoniten-
fiihrenden Knollenkalke des Oberlias auftreten.
Auch in gebirgsstruktureller Hinsicht ist das Olytzikagebirge
von dem südlicheren Lakkazug verschieden.
Das Olytzikagebirge und die Lakkakette lernte ich
auf den Strecken von Chan Zarawutsi — Chan Dsamalaga — Alpo-
chori — Olytzikagipfel — Tseritzana — Toskesi — Variades — Zorista —
Machalas — Muskiotitza — Papadates kennen.
Die beiden Chani Zarawutsi und Dsamalaga liegen am Haupt-
wege Paramythia — Jannina. Von der Wasserscheide zwischen den
beiden östlich und westlich des Siutistazuges dem Kalamas zu-
fallenden Nebenadern erhält man einen Überblick über den West-
hang des Olytzikagebirges. Hier fallen bei Baumtsius und Tserit-
zana die plattigen Nummuliten- und tieferen Rudistenkalke steil
unter den Flyscli der Zone von Derwitzana ein. Nach Nordwesten
zu tauchen jedoch diese Kalke, ebenso wie jene des Siutistazuges,
wo die gleichen Verhältnisse herrschen , unter den Flyscli unter,
so daß der 560 m hohe Paß zwischen den beiden Gebirgen nur
im Flyscli liegt.
Auf der Nordostseite wird jedoch der Olytzikazug von einem
scharf ausgesprochenen Bruch begleitet.
Die Dorfzeile Dramesüs, Tsarakowitza, Alpochori, Melingus
liegt auf dem dem Fuße des Gebirges entlang ziehenden Flyscli-
streifen, auf dessen Ostseite bei Dodona (unterhalb Alpochori) der
Nummulitenkalk hervorkommt. Die Ruinen von Dodona selbst
stehen auf Nummulitenkalk.
Über der genannten Dorfreihe steigen dann die Wände des
Olytzikagebirges empor.
Zu unterst besteht der Hang jenseits des Bruches gegen den
Flyscli aus Dachsteinkalk ; darüber folgt ein gelbes Band, das den
Posidonienschichten des Oberlias entspricht, hierüber Plattenkalke
und dann nochmals ein gelber Streifen, der die Posidonien-Hornsteine
des oberen Doggers bezeichnet. Bei Dramesüs und Tsarakowitza
beobachtete ich zahlreiche Schieferstücke mit Posidonia Bronnt
Voltz, sowie Hornsteine mit P. Buchi Roemer und P. aJpina Gras.
Dieser nördliche Teil des Olytzikagebirges bildet demnach
Geologische Untersuchungen in Epirus.
547
einfach den als südwestlich geneigte Scholle stehen gebliebenen
Westflügel einer Falte und enthält die ganze Schichtenfolge vom
Xummulitenkalk auf der Südwestseite bis hinunter zum Dachstein-
kalk auf der Xordostseite.
Der Paß zwischen Alpochori und Tseritzana trennt diesen
nördlichen Abschnitt von dem höheren südlichen Teil des Gebirgs-
stockes mit dem Hauptgipfel. Beim Aufstieg erreicht man zu-
nächst oberhalb Alpochori den bereits erwähnten Dachsteinkalk,
der hier die Basis der nördlicheren Scholle bildet. Hierin führt
der Weg bis zur Erreichung der Paßhöhe , während die gelben
Bänder der Posidonienscliichten, teils durch Brüche unterbrochen,
oberhalb des Weges bleiben.
Das Einfallen ist im allgemeinen nach Südwest gerichtet.
Der bei Alpochori noch schmale Dachsteinkalkzug verbreitert sich
nach Süden zu aufwärts immer mehr und bildet dann (bei nord-
westlich geneigter Faltenachse) gewaltig ansteigend den Gipfel-
kamm der Olytzika, sowie das ganze Olytzikamassiv bis zu der
Paßeinsattelung Alpochori — Tseritzana.
In dieser Einsattelung stehen noch die Posidoniengesteine an.
An der Paßhöhe (etwas östlich) habe ich Posidonienhornsteine mit
den Posidonien des Doggers nachgewiesen. Die gleichen Gesteine er-
füllen die Ursprungsmulde der Talschlucht von Tseritzana. Die gelben
Posidoniengesteine lagern ferner auf den Höhen im Norden hiervon.
Ein weiteres Vorkommen der Posidonienscliichten des Oberlias
und Doggers wird dann durch die Schlucht von Tseritzana, nord-
östlich der Kapelle H. Ilias, durchschnitten. Die Posidonienscliichten
des Doggers enthalten hier außerdem noch eine Lage mit CTinoiden.
Das südlich dieser Einsattelung zu dem hohen , gezackten
Gipfelkamm aufstrebende Olytzikamassiv besteht dagegen aus-
schließlich ans Dachsteinkalk. Ich bin wohl der erste Geologe
gewesen, der diesen imposanten Hochgipfel (etwa 1800 m) des
südlichen Epirus bestiegen hat.
Die weißen, dickgebankten, ziemlich kristallinen Gipfelkalke
enthalten undeutliche Beste von Gyroporellen. Die Fallrichtung
tritt nur wenig klar hervor; an der Scharte zwischen dem Haupt-
gipfel und dem fast gleichhohen südlicheren Gipfel herrscht steiles
südliches Fallen. Von dem zerscharteten Gipfelgrat aus fallen die
Dachsteinkalke in einem einzigen jähen Absturz bis zum Flysch
von Melingus ab. Nach Westen zu sind die Hänge weniger steil
und durch zahlreiche Lakkas unterbrochen. Vielerorts zeigen sich
in den Dachsteinkalken des Gebirgsstockes Gyroporellen und un-
deutliche Schneckendurchschnitte.
An der Einsattelung zwischen Alpochori und Tseritzana folgen
dann als Überlagerung des Dachsteinkalkmassivs die jüngeren Ge-
steine der nördlichen Scholle. Tatsächlich sind hier , wie an-
gegeben, die Posidonienscliichten des Oberlias und Doggers nach-
35*
548
C. Renz,
gewiesen , doch streichen die Schichten nicht in durchlaufenden
Bändern durch, sondern sind durch Störungen unterbrochen. Über
den Posidonienschichten in der Talschlucht nordöstlich H. Ilias
folgen beim Abstieg nach Tseritzana in ziemlich regelmäßiger
Lagerung die Gesteine des Vigläskalkkomplexes, unten mit Aptyclien,
wie Aptychus Jamellosus Park. Das Vigläskalksystem wird von
Rudistenkalken und letztere von mehr plattigen Nummulitenkalken
eingedeckt, die ihrerseits am Gebirgsrande unter den Flyscli von
Tseritzana einfallen.
An der Grenze ist die Stellung der Schichten sehr steil,
z. T. sogar überkippt.
Auch in südlicher Richtung streichen diese den Dachsteinkalk
des Olytzikamassivs im Westen eindeckenden Gesteine meist nicht
in ununterbrochenen, regelmäßigen Bändern durch. So sind z. B.
die Posidonieugesteine des Oberlias und Doggers von dem letzten
Aufschluß im Rhema (griechische Bezeichnung für Talschlucht)
nordöstlich H. Ilias nach Süden zu unterbrochen; ich habe sie
erst wieder am Südabsturz des Olytzika-Gebirgsstockes nördlich
und nordwestlich der Kapelle H. Apostolos (ONO von Variades,
zwischen Variades und dem Paß H. Ilias) angetroffen, und zwar
sowohl die Posidonienschichten des Oberlias, wie jene des Doggers.
Die Abstürze im Osten hiervon, d. h. in der Verlängerung des
Gipfelkammes, bestehen aus Dachsteinkalk. Nur die äußerste
Nummulitenkalkzone dürfte ziemlich ununterbrochen von Baumtsius
über Tseritzana — Toskesi bis zum Paß H. Ilias, westlich oberhalb
H. Apostolos und Variades, durchstreichen.
Dieser Paß entspricht gleichzeitig einer ausgesprochenen Ver-
werfungslinie.
Vermutlich steht diese Querverwerfung in Verbindung mit
den Störungen im Süden des Malikladi und hängt vielleicht mit
dem verschiedenen Grad der Überfaltung nördlich und südlich
dieser Linie zusammen.
Auf der Nordseite des Paßeinsclmittes von H. Ilias (westlich
Variades) steht der bereits erwähnte Nummuliteukalk au , unter
dem gegen Variades zu die älteren Bildungen , so Vigläskalke,
Hornsteine etc. hervorkommeu.
Auf der Südseite des Passes herrscht Dachsteinkalk. Hiermit
beginnt der lange Dachsteinkalkzug der Lakkakette , der nach
Westen zu auf den Flyscli der Derwitzana-Zone überschoben ist.
Zwischen diesem Dachsteinkalkzug der Lakkakette und den Dach-
steinkalken des Vyrostales liegen in einer Längsmulde auch noch
jüngere Gesteine der über dem Dachsteinkalk folgenden Schichteu-
serie. Westlich Zorista, das auf Ilippuritenkalk steht, herrscht
jedoch keine regelmäßige Auflagerung, sondern die Gesteine des
Vigläskalksystems sind gegen den Dachsteinkalk der Lakka-
kette abgebrochen. Bei Mesowuni erscheinen iu der Bruchzone
Geologische Untersuchungen in Epirus.
549
die Posidoniengesteine des Doggers, während im Norden und Nord-
westen von Machalas am jenseitigen Muldenrand über dem Dach-
steinkalk die ganze Schichten serie bis hinauf zum Vigläskalk-
system aufgeschlossen ist. An dem letzteren Aufschluß ruhen
über dem nordwestlich Machalas (jenseits der Schlucht) anstehenden,
30° westlich fallenden Dachsteinkalk dünngeschichtete Hornsteine
(schwarz) und graue bis gelbe Kalkschiefer bezw7. dünne Kalk-
lagen mit Posidonia Bronni Yoltz. Darüber liegen hellgraue meist
knollige Kalke und hierüber der Posidonien-Hornsteinkomplex des
Doggers (unten mit P. Buclii und P. alpina).
Über jenem Hornsteinkomplex folgen dann die Gesteine des
Yigläskalksystems , in denen zwischen Mesowuni und Machalas
Aptychen (Aptychus lamellosus) und nicht näher bestimmbare
Ammonitenabdrücke beobachtet wurden.
Bei Machalas (Machalas tu Muskiotitza) selbst zeigt sich wieder
ein scharf ausgeprägter Bruch zwischen dem Dachsteinkalk und
dem gegen das Vyrostal zu herabgebrochenen Yigläskalk, der sich
bis Muskiotitza und weiter nach Süden zu verfolgen ließ. Auf den
Höhen zwischen Machalas und Muskiotitza erscheinen in der Bruch-
zone neuerdings diePosidonienhornsteine des Doggers und unten in der
Schlucht südlich Muskiotitza die gelblichen Knollenkalke des Unter-
doggers mit Ammoniten ( Hammatoceras sp., Erycites cf. gonionotusBEs.).
Darunter finden sich auch noch Beste von gelbem oberliassischem
Knollenkalk mit Hildoceras Mercati Hauer und Pliylloceras sp.
Das leztere Yorkommen liegt kurz vor Einmündung einer
von Süden von H. Apostolos herabkommenden Talschlucht. Den
Osthang dieses Tales von H. Apostolos , das in der Fortsetzung
der bereits erwähnten Verwerfung liegt, begleitet ein großartiger,
weit ausgedehnter Aufschluß des Oberlias und Doggers.
Über dem Mittellias in der Fazies des Dachsteinkalkes folgen
hier gegenüber H. Apostolos rote Tone, Mergel und plattige Knollen-
kalke, die die schon öfters zitierte reiche Ammonitenfauna des
Oberlias und Posidonia Bronni Yoltz führen und hierüber graue
geschichtete Kalke des Doggers. Die roten Oberliasbildungen
streichen als scharf hervortretendes Band den Hängen entlang und
ziehen weiter nach Süden , nach Kttkles (Vyrosgebiet). An der
anderen Seite des Bergzuges treten dieselben Bildungen in gleicher
Weise an den Hängen des Vyrostales hervor.
Im Westen dieser Zone besteht die ganze Lakkakette aus
Dachsteinkalk.
Südlich von Derwitzana taucht zwischen der Lakkakette
und den Kalkbergen von Suli in der breiten Flysclizone von
Derwitzana nochmals ein Ivalkzug empor, die Kalkkette von
Lelowrn, die sich als sekundäre Falte aus dem Flyschland herauf-
wölbt. Zwischen Papadates, Ivrania und Ano-Ivotzanopulo bildet
dieser Kalkzug eine einfache Aufwölbung. Unter dem Flysch
550
C. Renz, Geologische Untersuchungen in Epirus.
erscheinen zunächst Nummulitenkalke, hierunter Rudistenkalke (bei
Krania) und als Kern schließlich die Gesteine des Vigläskalk-systems.
Im Süden schneiden diese Bildungen gegen die Dachsteinkalke des
Berges von Luros ab. BeiKanzas wurde über den letzteren Dachstein-
kalken noch ein Rest der roten Knollenkalke des Oberlias beobachtet.
Im Korden des Kalkzuges von Lelowo scheinen die Lagerungs-
verhältnisse nicht ganz so einfach zu sein, ebenso ist auch zwischen
Ano- und Ivato-Kotzanopulo der Westflügel der beschriebenen Falte
eingebrochen, wodurch am Ostrande des Talbeckens von Kotzano-
pulo die Gesteine des Kernes (gelbe Hornsteine) bloßgelegt werden.
An die eben beschriebenen Gebirgszüge schließt sich im
Süden bis zum Ambrakischen Golf eine weite Ebene an, an deren
Rande die Ortschaften Arta, Philippiada und Luros liegen. Aus
dieser Ebene erheben sich inselartig noch einige Kalkberge, so
ein größerer N — S orientierter Kalkzug im Korden von Salachora.
Es handelt sich wohl auch hier um Dachsteinkalk ; sicher ist diese
Bestimmung für die Kalkzunge des Kaps Skaphi im Osten von
Prewesa. Bei Kikopolis und nördlich hiervon tritt Keogen auf.
Zusammenfassung.
Am Aufbau des südlichen Epirus beteiligen sich die Ge-
steine sämtlicher Formationen von der Obertrias bis hinauf zum
eocän-oligocänen Flysch. Die Schichtenfolge geht lückenlos von
der Obertrias ab durch. Der Flysch durchzieht das Gebiet in
drei Längszonen , deren Streichrichtung mit dem orograpliischen
Streichen und der westlichen Küstenlinie im großen und ganzen
zusammenfällt. Von Westen nach Osten sind die folgenden drei
Flyschzonen zu beobachteu :
1. die Zone von Margariti.
2. die Zone von Paramythia,
3. die Zone von Derwitzana.
Die beiden ersteren Zonen sind durch Schwemmlandsebenen
(Karnpi) unterbrochen; die letztere spaltet sich in ihrem südlichen
Teil durch Aufwölbung einer sekundären Zwischenkette (Kalkzug
von Lelowo) in zwei Arme.
Zwischen den Flyschzonen streichen vier, im allgemeinen par-
allel verlaufende Kalkketten hindurch. An ihrem Aufbau nehmen
die unter dem Flysch lagernden älteren Gesteine der konkordanten
Schichtenfolge bis hinunter zur Obertrias teil. Es handelt sich in
der Hauptsache um Kalke, nur im Jura erlangen auch Kiesel- und
Schiefergesteine, wie oberliassische Posidonienschiefer und Posidonieu-
hornsteine des oberen Doggers, eine größere Verbreitung.
Die Kalkketten bilden nach Westen übergelegte Falten, d. h.
die Flyschzonen werden an ihren Osträndern in der Regel von den
älteren Gesteinen überfaltet, vielfach aber auch von den im Kern
der Falten liegenden Gesteinen überschoben.
G. Wagner, Beiträge zur Kenntnis etc.
551
Die Gebirge des südlichen Epirus setzen daher die akarna-
nischen Gebirge gleichartig fort und bilden das Zwischenglied
zwischen den akarnanischen Gebirgen und den Gebirgszügen des
nördlichen Epirus und südwestlichen Albaniens, die bis hinauf zur
Bucht von Valona den gleichen Bau und die gleiche Zusammen-
setzung aufweisen.
In der vorliegenden vorläufigen Mitteilung konnten selbst-
redend nur die geologischen Ergebnisse in knappster Form zur
Sprache gebracht werden. Meine Reise hat jedoch auch zahl-
reiche wichtige geographische Resultate geliefert. Die bisherigen
geographischen Karten geben von manchen Gebieten ein höchst
ungenaues Bild.
Diese Mängel haben aber ihren natürlichen Grund in der
Unzugänglichkeit und Unsicherheit des Landes zur Zeit der Türken-
wirtschaft. In dieser Hinsicht verdienen die Leistungen der Griechen
seit der kurzen Zeit der Besitzergreifung des Landes nur un-
eingeschränktes Lob. Auch sonst ist schon viel zur Hebung der
Kultur des total verwahrlosten Landes geschehen. Ich werde in
meiner Hauptarbeit noch ausführlich hierauf zurückkommen und
darf mir wohl ein Urteil ei’lauben, da ich Teile des Landes auch
schon zur Türkenzeit bereist habe.
Ich habe während meines diesmaligen vierwöchentlichen
Aufenthaltes in Epirus jedenfalls die Überzeugung gewonnen, daß
es den Griechen durch ihr tatkräftiges und humanes Verhalten in
verhältnismäßig kurzer Zeit gelingen dürfte, in den ihnen zu-
fallenden neuen Gebieten geordnete und friedliche Zustände herbei-
zuführen. Es wäre daher im Interesse des Kulturfortschrittes auf
der Balkanhalbinsel höchst wünschenswert, wenn Griechenland die
im wesentlichen von Griechen bewohnten Teile von Epirus und
Albanien, d. h. das Gebiet bis hinauf nach Valona, erhalten würde.
Athen, den 5. Juli 1913.
Beiträge zur Kenntnis des oberen Hauptmuschelkalks in
Elsass-Lothringen.
Von Georg Wagner aus Kiinzelsau (Württemberg).
Mit einer Kartenskizze.
Die hier vorliegenden Untersuchungen sind das Ergebnis einer
Reihe von geologischen Wanderungen, die ich im Frühjahr 1913
unter der vorzüglichen Führung von Herrn Prof. Dr. E. W. Benecke
jenseits des Rheines ausführen konnte. Für alle Freundlichkeit
und Güte, die ich dabei von ihm erfahren durfte, für die wissen-
schaftliche Förderung der Untersuchungen sei ihm auch an dieser
Stelle herzlicher Dank gesagt.
552
G. Wagner, Beiträge zur Kenntnis
Der Mangel an guten Aufschlüssen erschwert geologische Unter-
suchungen in Lothringen außerordentlich. Die alten Aufschlüsse
sind meist zerfallen oder unzulänglich. Dazu werden neue Stein-
briiche in den höheren Schichten nur selten angelegt, da der
Trochitenkalk besseres Gestein liefert. Und in der flachwelligen
lothringischen Hochebene haben die Bäche selten so tiefe Furchen
w&mmkm Verbreitung des „Trigonodus- Dolomits“. Die Rekonstruktion erstreckt
sich auf die jetzt der Abtragung zum Opfer gefallenen Gebiete.
Auskeilen und Verschwinden des Tn'</o«odus-Dolomits.
'£%%%% Verbreitung der normalen Ausbildung des Muschelkalks; nachgewiesen.
Dieselbe, rekonstruiert bezw. angenommen.
f Festland während der ganzen Muschelkalkzeit.
Mächtigkeitskurven der Fränkischen Grenzschichten (0 m und 2 m). Die
0 m-Kurve ist Küstenlinie nach der Zeit der oberen Terebratelbank.
• ■ • Sphärocodien.
des oberen Hauptmuschelkalks in Elsaß-Lothringen.
553
gerissen, daß man dort geologische Studien treiben könnte. So
war die Untersuchung des lothringischen Muschelkalks mit den
größten Schwierigkeiten verknüpft. Ob es später möglich sein
wird, auf französischem Boden die Untersuchungen fortzusetzen,
um die Frage alter Meereszusammenhänge zu klären? Zur Zeit
sehe ich für einen Deutschen kaum eine Möglichkeit, drüben un-
gestört geologisch zu arbeiten.
Die normale Ausbildung des Muschelkalks treffen wir
im Gebiet der Saar, auf Blatt Bohrbach, Saargemünd — Falkenberg.
Wahrscheinlich erstreckt sie sicli weiter nach Süden bis in die
Gegend von Luneville und vielleicht über das obere Moseltal
gegen das Rhönegebiet. Es ist unsere Kochendorfer Fazies oder
fast die Tonfazies des Beckeninnern, wie wir sie im nordöstlichen
Baden (Bauland — Würzburg) finden.
Nach Westen bezw. Nordosten, im Gebiet der Nied (Blatt
Remillv, Busendorf, Groß-Hemmersdorf) setzen in den unteren
Terebratelschichten Dolomite ein. Dieses westliche Dolomit-
gebiet scheint im Zusammenhang mit dem Ardennenfestland zu
stehen. Auf Blatt Groß-Hemmersdorf (Filsdorf) macht sich schon
die küstennahe Ausbildung geltend. Wie bei Crailsheim treten hier
mit schwarzen Körnern und Fetzen erfüllte Kalke, „Küsten-
kalke“, auf.
Der Kalk- und Dolomitfazies bei uns entspricht ein südöst-
liches Kalk- und Dolomitgebiet im Elsaß. Wahrschein-
lich fällt Blatt Niederbronn schon ins Kalkgebiet. Sicher sind die
Bairdientone in Kalk übergegangen auf Blatt Zabern, Wasselnheim
und Molsheim. Auf Blatt Wasselnheim setzt unser Trigonodus-
Dolomit ein (genau wie im Enztal), und auf Blatt Molsheim (Sulz-
bach) gelangt er mehr und mehr zur Herrschaft.
Die Übereinstimmung mit dem fränkischen Muschelkalk ist
eine außerordentlich große, petrographisch wie faunistisch. Zu
jeder Ausbildung läßt sich bei uns eine ihr ganz entsprechende
finden. Die Parallelen verlaufen wie bei uns im allgemeinen
SW — NO bis WSW — ONO. Senkrecht dazu ist der Wechsel oft
sehr rasch. Der Muschelkalk des Elsasses gleicht mehr dem
Schwabens, der von Lothringen dem fränkischen und wahrschein-
lich auch dem norddeutschen. Macht sich bei uns der Einfluß des
vindelicischen Gebirges (Ries) geltend, so ist es drüben der des
Ardennenfestlandes.
Semiparfifws-Schichten.
Als untere Grenze der Semfparfffws-Schichten wähle ich die
Hauptterebratelbank; denn diese ist ein Teilstrich der Skala, der
sich fast überall erkennen läßt. Man könnte die Abgrenzung auch
über der Bank der kleinen Terebrateln vornehmen , aber diese
Grenze aufzufinden ist in Aufschlüssen manchmal sehr schwierier.
554
G. Wagner, Beiträge zur Kenntnis
„Lettenkohle“ 1.
Elsaß-Lothringen .
Normal-
„Dolomitische Region“:
„Mergel mit meist dünnen Kalk- und Dolomitbänken“. Myophorin
Goldfussi, Anoplophora, Fischreste; bei Falkenberg unten 1 m
graugelbe Mergel.
(
1,9 — 2,6m „Trigonodus-Jiegion“, oben Bonebed, Glaukonit;
Myophoria Goldfussi, Trigonodus Sandbergeri, Myophorin
vulgaris-, wellige Kalke, Septarien, gelbe Mergel.
£
•<*
oi
o
1,8 — 2 m „Schiefrige Mergel und blättrige Tone mit
dünnen Kalk- u. Dolomitbänkchen“ ; oben mit Myophoria pes
anseris, unter der Mitte graugrüne Tone mit weißen Schalen
von Bairdia pirus, unten wellige Kalklagen, Splitterkalk
mit Anornia, Bonebed und Aufwülilung des Untergrunds;
zu unterst Mergellager. Ceratites semipartitus.
Nach Südosten (Zabern— Sulzbach — Wasselnheim) in
Kalk übergehend.
„Muschelkalk.“
( 0,4 m Obere Terebratelbank (O.T.), oben am reichsten.
Terebrateln, Gervillien, Terquemia, Austern, Myalina. Bald
die eine, bald die andere Art mehr hervortretend. Nach
Südosten immer undeutlicher. Ceratites semipartitus.
£
iO
0,5 m Graugrüne Mergelschiefer (G 1), nach Süden kalkig.
1 m Wulst- und Splitterkalk, Gervillia, Ceratites dorsoplanus.
Bei Wasselnheim oben Sphärocodien.
Unten Dolomit ein setzend.
ca. 1 m Graugelbe Mergel (G II), kein Kalk; nach Südosten Kalk
und Dolomit.
2,8 m „Untere Terebratel bank“, und zwar
1 — 1,3 m Splitterkalk mit Terebrateln, nach Südosten Dolo-
mit mit Myophoria Goldfussi ; Terebratel-
dolomite von Kürzel und Vaucremont.
0—0,7 m Gelbe Mergel-Kiesbank, lokal zwischen den Tere-
bratelbänken auskeilend.
1 — 1,5m Hauptterebratelbank, sehr reich, nach
Süden und Westen oben Dolomit.
4 — 6 m Oberer Gervillien kalk („untere Semipartitus-
Schichten“): Mergel, Gervillien-Platten, Mytilus- Platten,
Platten mit Myophoria Goldfussi. Nach Siidosten mit
Dolomit verzahnt. Oben, unter der Mitte und unten
leitende Mergellagen M I, M II, MIH (vergl. Wasselnheim).
ca. 4 m (-|- ?) Unterer Gervillienkalk: Bank der
kleinen Terebrateln mit Myophoria Goldfussi,
Myaciten, Gervillien, Lima , Pseudomonotis ; Sphärocodien.
Darunter Gervillienbänke (Hebräer). Mergel. Kleine Cera-
titen.
1 Die bisherigen Schichtenbenennungen durch die elsaß-lothringische Landes-
anstalt sind auf dieser Seite durch „ — “ hervorgehoben.
•Schicht«
des oberen Hauptmuschelkalks in Elsaß-Lothringen.
555
profil.
Franken und Schwaben.
Untere Lettenkohle.
Untere Dolomite , dolomitische Mergelschiefer und Blaubank mit
Myophoria Goklfussi, Anoplophora, Bonebedlagen, unten 1 m
dunkle Schiefertone-Vitriolschiefer.
Muschelkalk.
( 1,8 — 3,4 m Glaukonit kalk, oben Grenzbonebed. Glaukonit,
Myophoria Goldfussi, Trigonodus Sandbergeri, Myo-
S _ phoria vulgaris. Gekrösekalke, Septarien, gelbe Mergel.
«d
o
fl w
l-l
I o
«o
1,6 — 2,6m Bairdienton, unter der Mitte Hauptlager von
Bairdia pirus (weiße Schälchen); Estheria minuta.
Unten »laufende Schicht“, wellige Kalklagen und
-Knollen, Splitterkalk mitMyaciten, Lingida, Bonebed,
Aufwiihlung. Zu unterst Mergellage. Geratites semi-
partitus.
Nach Süden und Südosten in Kalk übergehend, dann
mit Myophoria pes anseris.
•-
£
00
I
CO
o
co
+2
ci
M
o
o
H
B
0,5 — 1,2 m 0 b e re Terebratelbank = O.T., „Pelz“, knauerig-
knorriger Kalk, Terebrateln, Gervillien, Terqiiemia.
Beeten, Austern, Myaciten; Lima und Myalina seltener.
Bald die eine, bald die andere Art mehr hervortretend.
Im Süden schwerer zu erkennen. Unten Sphärocodien.
0-0,3 m „Gelbe Bank“ = Gl = gelber Mergelkalk.
0,4 — 1,1m Splitterkalk mit Terebrateln, Trigonodus, Glaukonit;
Sphärocodien, Oolith, Glaukonit.
Unten Dolomit [Trigonodus- Dolomit) einsetzen d
0,1 — 0,3 in Gelbe Bank = GII, gelber Mergel oder dunkler Schiefer-
ton ; im Süden Dolomit.
0,6 — 1 m
iß
C<f
Blaukalke, unten mergelig-dolomitisch, Terebrateln.
Im Süden Dolomit.
0,3 — 0,8m Kiesbank (K.), oben gelbe Mergel, unten dunkler
Schieferton. Terebrateln. Ceratiten.
0,3 — 1,5 m Hauptterebratel bank = H.T., nach Süden
Dolomit. Petrographisch und faunistisch wie jenseits
des Kheins.
4 — 8m Oberer Gervillienkalk. Mergel und Kalk
bänke mit viel Gervillia socialis. 3 leitende Mergel
bezw. Schiefertonlagen : MI, MII und M III. Nach
Südosten mit Dolomit seitlich verzahnt.
o>
o
ci
3,4—6 m Untere Gervillienkalk. Obere Bank
der kleinen Terebrateln. Gervillien, Myo-
phoria Goldfussi, Myaciten, Lima, Austern,
Pseudomonotis , Schnecken , Sphärocodien und
Oolith. Kleine Ceratiten. Darunter Gervillienbänke
(Hebräer) und 3 Tonlagen (Tonhorizont), die nach
Süden mehr zurücktreten.
556
G. Wagner, Beiträge zur Kenntnis
im Gelände fast unmöglich. Wir erhalten somit für die Semipartitus-
Schi eilten eine Mächtigkeit von 7 — 9 m. Davon entfallen 3^ — m
auf die Fränkischen Grenzschichten, die nach Süden abnehuien und
bei Wasselnheim noch 1 — 2 m dick sind. Die Terebratelschichten
schwellen überall da an, wo einheitliche Kalk- oder Dolomitbänke
auftreten. Wo Mergel und Tone mit dünnen Kalkbänken wechsel-
lagern, sind die Mächtigkeiten im Muschelkalk wesentlich geringeren
Schwankungen unterworfen.
Die Fränkischen Grenzschichten zeigen wie bei uns eine
doppelte Ausbildung, tonig und kalkig; Bairdienton im Saargebiet,
Kalk im Elsaß. Dies gilt für die Semtparft'fws-Schichten überhaupt,
beständiger Wechsel von Ton und Kalk , reich an Ceratiten in
Lothringen, massig-kalkige oder -dolomitische Ausbildung im Elsaß
(bei Zabern eine etwa 8 — 9 m hohe Kalkwand). Auf Blatt Nieder-
bronn sind die unteren Teile noch mehr tonreich, die Grenzschichten
dagegen sind kalkig (Bühl bei Oberbronn), unseren fränkischen
außerordentlich ähnlich. Das Grenzbonebed („Fischschuppenbank“)
führt Glaukonit, einige Kalkbänke des Glaukonitkalks zeigen
Fluidalstruktur ; wellige Kalkbänke erinnern an die Gekrösekalke,
und im Eisenbahneinschnitt bei Bellevue (Rohrbach) findet man
auch große Septarien. Myophoria Goldfussi (Oberbronn und Zabern)
und Trigonodus Sandbergeri (Zabern) vervollständigen die Parallele.
Ob der Kalk von Silbernachen (Calcaire de Servigny) dem Glau-
konitkalk entspricht, läßt sich mit Sicherheit noch nicht entscheiden,
da sein Liegendes nicht erschlossen ist und Vergleichsprofile fehlen.
Petrographisch läßt er sich von den „Kristallkalken“ im fränkischen
Glaukonitkalk (Kupferzell) nicht unterscheiden (Bexecke). Der
Bairdienton zeigt weitgehende Übereinstimmung mit unserer
Kochendorfer Fazies. An der Gehlbacher Mühle bei Saargemünd
und in den kleinen Steinbrüchen ONO vom Bahnhof Falkenberg
besteht er aus graugrünen bis gelbgrünen Mergelschiefern, in denen
unter der Mitte — genau in gleicher Höhe wie diesseits des
Rheins — Lagen mit weißen Schälchen oder Schüppchen auftreten,
die nie größer sind als die Schalen von Bairdia pinis und von
denen eine größere Anzahl genau die Formen von Bairdien zeigt.
Die meisten Schalen sind in dem kurzbrüchigen, oft schmierigen
Material allerdings zerdrückt, so daß sich beim Schlämmen, wie mir
Herr Prof. Bexecke mitteilte, keine Bairdien nachweisen ließen.
Die Terebratelschichten beginnen mit der oberen Tere-
bratelbank, die besonders typisch und fossilreich bei Falken-
berg entwickelt ist. Wie in Franken fand ich sie auch hier stets
rein kalkig. Eine dolomitische Ausbildung wird zwar von Saar-
gemünd beschrieben; mindestens wäre sie anormal und rein lokal,
auf sekundäre Umwandlung zurückzuführen. Die auffallende Mächtig-
keitsabnahme der Terebratelschichten in dem Profil von der Gehl-
bacher Mühle (vax Werveke) wird wohl darauf zurückzuführen
des oberen Hauptmuschelkalks in Elsaß-Lothringen.
557
sein, daß die unterste Bank noch nicht die Hauptterebratelbank ist.
Im Gebiet der französischen Nied bei Kürzel, Peplingen, Vaucre-
mont werden die zwischen G II und K liegenden Bänke dolomitisch,
ein reicher gelber Terebrateldolomit, bei Yaucremont auch die Lagen
zwischen G I und G II. Im Elsaß dagegen treten nach Süden die
Mergellager sehr zurück; obere Terebratelbank und Spliäro-
codienkalk sind noch rein kalkig, während der übrige Teil der
Terebratelschichten nach Süden ein einheitlicher Dolomit wird, der
besonders Myophoria Goldfussi führt. Die ,, Kiesbank" kann ver-
schwinden, auskeilen, wo der Charakter der Schichten mehr riff-
artig wird , wie z. B. auch bei Krensheim in Bayern , wo alle
Mergellagen am Terebratelriff auskeilen.
Hauptterebratelbank (H.T.).
Die Hauptterebratelbank ist jenseits des Rheines durchschnitt-
lich mächtiger als diesseits, meistens über 1 m. Überall ließ sie
sich nachweisen, sie ist daher ein vorzüglicher Leithorizont ; petro-
graphisch läßt sie sich von der fränkischen ebensowenig unter-
scheiden wie faunistisch. Bei Aidlingen enthält sie oben dolomitische
Terebratelsteinkerne; auch bei Wasselnheim ist sie oben dolomitisch,
und bei Sulzbad ist sie ein massiger Dolomit mit Schrägstruktur
und nur ganz nuten noch kalkig.
Gervillienkalk.
Die untere Grenze des Gervillienkalks läßt sich nicht scharf
ziehen; man kann darüber streiten. Dagegen liefert die Bank
der kleinen Terebrateln eine gute Trennungslinie. Bei
Aidlingen liegt sie sehr reich an kleinen Terebrateln etwa 4 m
unter der Hauptterebratelbank; am Ruhlinger Bacli bei Wölfer-
dingen findet man in ihrem Niveau Platten mit kleinen Pecten und
Myophoria Goldfussi ; sehr wertvoll ist sie bei Wasselnheim —
Zeinsheim — Küttolzlieim, wo sie Myophoria Goldfussi, Pseudomonotis
(Pedcu) Alberti, Lima , Gervillia socialis führt, dazu noch Sphäro-
codien, allerdings in Kümmerformen. Hier liegt sie 5,8 m unter
der Hanptterebratelbank, und 3 bezw. 4 Mergelbänke teilen hier
den oberen Gervillienkalk ein. Die oberste verschwindet allerdings
schon bei Sulzbad, wo 1 m Muschelquader dicht unter der Haupt-
terebratelbank folgen. Hier ist auch der Gervillienkalk reich au
Dolomit, der bei Wasselnheim in diesem Niveau sehr zurücktritt.
Ziemlich durchgehend lassen sich in Lothringen Gervillienbänke
(1 m unter H.T.) und Mytilus- Bänke (U- — 2 m unter H.T.) nach-
weisen. Gervillien sind ja überhaupt im Gervillienkalk häufig, und
Bänke mit ihren weißen Schalenquerschnitten nennt man Hebräer.
Oben bedecken sie jedoch ganze Schichtflächen. Die Mytilus-
Platten stehen sehr schön an bei Aidlingen, Falkenberg und
Wölferdingen. Sie führen Mytilus ( Myalina ) eduliformis, Gervillia
socialis, substriata, subcostata, Terqiiemia , Myoconcha gastrochaena
558
C. Leiss,
und vor allem die kleine Auster Ostrea sessilis. Bei Wölferdingen
tritt im Ruhlinger Bach, 10 — 10^ m unter H. T., eine reiche Pectcn-
Bank heraus , die Ceratites nodosus führt. Pecten laevigatus tritt
sonst gegen Franken sehr zurück.
Nördlich von Busendorf hei Filsdorf (N) liefert ein kleiner
Aufschluß neben Lima , Gervillia, Pecten laevigatus, Austern und
Ceratites nodosus auch hellblaue „Küsten kalke“ mit Sphäro-
codien. Küstenkalke nannte icli in Franken hellblaue Kalke, auf-
fallend reich an kleinen schwarzen Einschlüssen, die z. T. oolith-
artig aussehen, bald sich in Schlieren vereinigen, bald dicke dunkle
Lagen bilden. Bei uns sind sie am häufigsten in nächster Nähe
des Rieses, d. h. im Jagsttal (Kirchberg — Crailsheim) und im Bühler-
tal (Sulzdorf — Bühlerthann). Hier dagegen künden sie die Nähe
des Ardennenfestlandes an und führen auch Sphärocodien. Eine
genauere Einreihung war noch nicht möglich.
Austernriffe.
Sehr häufig ist im lothringischen Muschelkalk die kleine Auster
Ostrea sessilis ( ostracina ) oder Anomia. In den Mytilus-Pl&tten be-
siedelt sie vielfach andere Fossilien. In den Terebratelschichten
so gut wie im Gervillienkalk bildet sie manchmal größere Knollen,
Austernklötze-Riffe. Bei Bellevue zeigte ein dicker Austernklotz
und in der Mitte einen Ceratiten, der konzentrisch überzogen worden
war. Die Austernriffe sind sehr zäh und finden vorzügliche Ver-
wendung als Randsteine. Im Taubergebiet fand icli Riffe von
1,8 m Höhe und 2,5 m Breite, welche sich in die darunter liegenden
Schichten eingesenkt hatten. Bei Aidlingen war ein Austernriff
mindestens 6 m breit und 2,6 m hoch. Es reichte etwa von der
Bank der kleinen Terebrateln bis in die Mytüus-Pl&tten. Hier
hat auch Benecke früher ein Einsinken dieser Riffe in den Unter-
grund beobachtet. (Schluß folgt.)
Neue Instrumente und Beobachtungsmethoden.
Mineralog. Demonstrationsmikroskop mit Tischrevolver.
Von C. Leiss.
(Mitteilung aus der R. Fuess’sclien Werkstätte in Berlin-Steglitz.)
Mit 2 Textfiguren.
Die Fig. 1 und 2 zeigen ein Demonstrationsmikroskop, welches
gestattet, den Studierenden in rascher Folge 6 Präparate im polari-
sierten Licht vorzuführen. Auf die Drehbarkeit der einzelnen
Präparate wurde bei der Konstruktion dieses kleinen Instrumentes
verzichtet. Dagegen ist der als Revolverscheibe ausgebildete Objekt-
tisch so groß gewählt, daß jedes einzelne der 6 Präparate im
Format 28X18 m/m nicht nur innerhalb der erforderlichen Grenzen
Mineralogisches Demonstrationsmikroskop mit Tischrevolver. 559
560 C. Leiss. Mineralogisches Demonstrationsnnkroskop etc.
in der Ebene verschoben, sondern auch durch freihändige Drehung
in jene Lage gebracht werden kann, welche erforderlich ist, um
an jedem Präparat den Studierenden diejenigen Erscheinungen zu
zeigen, auf die es jeweilig ankommt. Der Dozent ist also mit
Hilfe eines solch kleinen Instrumentes imstande, z. B. an 6 Dünn-
schliffen , die einmal auf der Tischscheibe befestigt sind, immer
wieder bestimmte charakteristische Erscheinungen zu zeigen. Der
Ort für jedes einzelne der 6 Präparate ist auf dem Band der
Revolverscheibe durch eine Nummer (1—6) deutlich gekennzeichnet;
außerdem ist auf der Revolverscheibe reichlich Platz vorhanden,
um durch aufgeklebte Zettel eine Erläuterung der einzelnen Objekte
zu geben.
Der Rand der Revolverscheibe ist zum bequemen Drehen der
Scheibe grob gezahnt. Ein unterhalb der Scheibe wirkender
federnder Stift s sorgt ähnlich wie bei einem Objektivrevolver für
eine bestimmte Lage jedes einzelnen Präparates nach Einschaltung
desselben in den Strahlengang des Mikroskops. Zum Festhalten
der Präparate dienen die üblichen Federklemmen, für welche eine
große Anzahl von Löchern in der Revolverscheibe vorgesehen sind,
so daß man je nach der Lage des Präparates die Federklemmen
an den verschiedensten Stellen in die Scheibe einstecken kann.
Für die konoskopisclie Beobachtung ist auch bei
diesem Demoustrationsmikroskop durch eine außerordentlich bequem
zu handhabende Vorrichtung gesorgt. Mit Hilfe dieser ist es
möglich, rasch von der orthoskopischen zur konoskopischeu Be-
obachtung überzugehen. Soll für die konoskopisclie Beobachtung
die Linse c für konvergentes Licht in den Strahleugaug eingeschaltet
werden, so ist weiter nichts nötig, als mit Hilfe des kleinen
Hebels h eine kurze drehende Bewegung nach rechts zu machen,
worauf sofort der Träger der Kondensorlinse c gegen die untere
Fläche der Revolverscheibe gedrückt und beim Passieren eiuer der
6 Durchblicksöffnuugen des Tisches sofort in die Gebrauchsstellung
einschnappt. Wird nun die Revolverscheibe mit den Präparaten
weitergedreht, so senkt sich die Kondensorlinse automatisch nach
unten, um bei der nächstfolgenden Durchblicksöffnung sofort wieder
automatisch in die Gebrauchsstelluug einzurücken. Wird die Linse
für konvergentes Licht nicht gebraucht, dann hat man weiter
nichts zu tun, als an dem kleinen Hebel /< die Liusenfassung nach
unten zu drücken und gleichzeitig eine drehende Bewegung nach
links zu machen, worauf die Linse sich außer Gebrauchsstellung
befindet und arretiert ist.
Ein den hinteren Teil der Revolverscheibe umgebender Rand
schützt die Präparate gegen ein unwillkürliches Verschieben durch
die Beobachter.
Der Tubus ist durch Zahn und Trieb einstellbar. Als Analy-
sator dient ein im Tubus untergebrachtes aus- und einschaltbares
Nicol mit senkrechten Endflächen nach Glan -Thomson.
E. Meyer, Die Diskordanz diluvialer Ablagerungen etc.
561
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Die Diskordanz diluvialer Ablagerungen im Samland und
im Fläming l.
Von Erich Meyer.
In seinem Aufsatz „Über die Diskordanz der Geschiebemergel-
ablagerungen Norddeutschlands2“ zieht Tornquist meine Arbeits-
gebiete im Samland und Fläming als Beispiel heran und gibt mir
so Gelegenheit , mich auch meinerseits zu diesem interessanten
Problem zu äußern.
Tornquist s Ausführungen leuken in dankenswerter Weise die
Aufmerksamkeit ganz allgemein darauf, daß die Diskordanz zweier
Geschiebemergelbänke, einer unteren, gefalteten und einer oberen,
dünnen, ungefalteten Bank, nicht immer die Annahme eines zwei-
maligen Eisvorstoßes notwendig mache, vielmehr könne die untere
gestauchte Bank vielfach als die eigentliche „Grundmoräne“
angesehen werden, die unter dem Eise abgesetzt und zusammen-
geschoben sei, während die obere Bank oft nur die beim Abschmelzen
des Eises niedergesunkene „Innenmoräne“ sei, die dann eine
flach gelagerte relativ dünne Decke über der zusammengestauchten
und z. T. wieder vom Eise erodierten Grundmoräne bilde.
Diese Idee, die ich zuerst bei der Lektüre von Tornquist’s
Geologie von Ostpreußen 3 kennen lernte , ist unzweifelhaft sehr
beachtenswert; örtlich ist sie übrigens schon früher von anderen
Autoren verwertet worden, z. B. von Kaunhowex in der Erläu-
terung zu Blatt Theerwisch.
Allgemein scheint sie indessen noch nicht diejenige Aufmerk-
samkeit gefunden zu haben, die sie verdienen dürfte.
Auf die meine eigenen Arbeitsgebiete betreffenden beiden Fälle,
die Tornquist heranzieht, ist sie indessen nicht oder nur in be-
schränktem Maße anwendbar.
Für den von mir aufgenommenen Anteil der sam ländischen
Küste (Blatt Bauschen und Gr. Dirsclikeim) schien der Tornquist-
schen Deutung zunächst nichts zu widersprechen, da hier meist
Glazialdiluvium auf Glazialdiluvium liegt und die obere, größten-
teils entkalkte und nur 1 — 5 m mächtige Moränenbank ein oft ver-
1 Der Druck dieses Aufsatzes hat sich leider sehr verzögeit, da ich
erst jetzt erfahren habe, daß mir schon 1912 eine Korrektur zugesandt
worden ist, die verloren ging. D. Yerf.
‘ Dies. Oentralbl. 1911. p. 377 — 382.
3 A. Tornquist. Geologie von Ostpreußen. Gebr. Bornträger. Berlin
1910. p. 144.
Centralblatt f. Mineralogie ete. 1913.
36
562
E. Meyer, Die Diskordanz diluvialer Ablagerungen
waschenes Aussehen hat, als hätte Wasser hei ihrem Absatz stellen-
weise mit gewirkt.
Etwas schwierig wurde die 'Sache allerdings schon, wo die
obere Bauk auf dem fluviatilen sogenannten „Dirschkeimer Sand“
liegt. Aber man konnte annehmen, daß über diesen Sanden viel-
leicht gar keine Ablagerung eigentlicher Grundmoräne, vielleicht
sogar Erosion stattgefunden habe; denn die Dirschkeimer Sande
selbst müssen zwar in einem eisfreien Gebiet abgelagert sein, sind
aber älter als die untere Moränenbank. Diese Verhältnisse ließen
sich also mit der Deutung Tornquist’s in Einklang bringen.
Nun liegt aber weiter im Süden, besonders auf Blatt Palm-
nicken, Lochstädt und Fischhausen, eine ebensolche dünne obere
Lehmbank auf ausgedehnten Beckenablagerungen: tonstreifigen
Mergelsanden und Tonmergeln, die selbst wiederum stellenweise
auf einem Geschiebemergel lagern, der einem Teil der unteren
Moränenbank entsprechen dürfte. Diese Beckenablagerungen dehnen
sich von Norden nach Süden über mehr als 1^ Meßtischblätter aus
und liegen größtenteils an primärer Lagerstätte.
Dasselbe, wenn auch in kleinerem Maßstabe, findet nach einer
mündlichen Mitteilung Herrn Tornaus östlich von meinem eigenen
Aufnahmegebiet auf Blatt Neukuhren statt, wo die obere Moränen-
bank auf kilometerweit ausgedehnten feinsandigen Beckenablage-
rungen ruht.
Mögen diese Becken nun auch dicht vor dem Eisrand oder
selbst zwischen Eiszungen gelegen haben, so war doch immerhin
hier längere Zeit ein eisfreies Gebiet und die Auflagerung der
oberen Moränenbank ist ohne einen erneuten — wenn auch wohl
nur kurzen Eisvorstoß nicht denkbar.
Was für die unmittelbare Nachbarschaft im Osten und Süden
galt, muß dann aber auch für die Nordwestecke des Samlandes an-
genommen werden. Und so kann ich die mir zuerst recht annehmbar
erscheinende ToRNQUiST’sche Deutung auf das Samland doch nicht
an wen den.
Das vielfach verwaschene Aussehen der oberen Moränenbank
dürfte sich dort aus einem Beckenanstau beim Rückzug des Eises
erklären ’.
Im Fläming sind die Verhältnisse nicht ganz so einfach.
Bei den ersten Erörterungen mit Herrn Prof. Torxquist über
seine neue Erklärungsweise hatte ich mündlich geäußert, daß da-
nach ein Grund wegfallen würde, aus dem ich im Fläming bei
Wittenberg auf das Vorhandensein einer zweimaligen Vereisung
geschlossen hätte, und hatte mir Vorbehalten, hierauf eingehender
zurückzukommen.
1 Vergl. E. Meyer. Bericht über die Hauptergebnisse seiner Auf-
nahmen im Samlande, Jahrb. d. k. geol. Landesanst. f. d. J. 1910. 31.
Teil II. p. 625—627.
im Samland und im Fläming.
563
Tornquist erwähnt dies und ebenso die Äußerungen Schmierer’s
über ein dem meinen naheliegendes Aufnahmegebiet im Fläming.
Ich muß hier unsere Ergebnisse in den beiden Gebieten — die
sich nicht decken — kurz darlegen, um die ToRXQuiST’sche Deu-
tung damit zu vergleichen.
I. In meinem Aufnahmegebiet bei Wittenberg1
gibt es zwei diskordant gelagerte Schichtgruppen:
1. eine untere gefaltete Gruppe aus Tertiär und
Diluvium zweifelhaften Alters (Kiese, Tonmergel und Geschiebe-
mergel) ;
2. eine obere un gefaltete Gruppe (Geschiebemergel
und Sand nebst Endmoränenbildungen).
Ich deutete die obere Gruppe als Absatz eines erneuten größeren
Eisvorstoßes (Vereisung) , durch den die untere Gruppe gefaltet
und teilweise erodiert sei.
II. I n Schmierer’s Aufnahmegebiet bei L e i t z k a u 2
gibt es gar nicht zwei diskordant gelagerte Gruppen übereinander :
dort stellt stellenweise gefaltetes Oligocän und Diluvium zutage
an, ohne daß diskordant eine ungefaltete Decke darauf läge, an
anderen Stellen flacht sich anscheinend diese Faltung ganz aus,
und die Schichten liegen ungefaltet. Die gefalteten gehen also
in ungefaltete Schichten über.
Schmierer glaubt deshalb, zur Erklärung der dortigen Ver-
hältnisse mit einer einzigen Vereisung auskommen zu können, in-
dem er annimmt, der Geschiebemergel sei erst von dem Inlandeise
horizontal abgelagert, dann seien die Schichten beim Biickzug des
Eises vom Druck des Eisrandes stellenweise in Falten gelegt
worden. Er begründet dies hauptsächlich dadurch, daß im östlichen
Fläming bei Muskau die Faltung offenbar mit Endmoränenbildungen
in genetischem Zusammenhang steht.
III. Tornquist endlich erklärt die bei Wittenberg vorhandene
Diskordanz in der oben dargelegten Art und sucht in einer
Äußerung Schmierer’s eine Bestätigung seiner Deutung.
Dies ist insofern nicht angängig, als bei Schmierer gar keine
Diskordanz im Diluvium vorhanden ist und er sich also auch nicht
über die Deutung einer solchen äußert.
Tornquist’s Anschauung als richtig vorausgesetzt, würde sich
allerdings ein Widerspruch zwischen Schmierer und mir heben
lassen.
1 Vergl. E. Meyer. Das Faltungsgebiet des Flämings bei Wittenberg
und Coswig i. Anhalt und der Nachweis seiner zweimaligen Vereisung.
Jahrb. d. k. preuß. geol. Landesanst. f. 1909. Teil II. Heft 2. p. 312—340.
* Th. Schmierer, Über ein glazial gefaltetes Gebiet auf dem west-
lichen Fläming, seine Tektonik und seine Stratigraphie unter besonderer
Berücksichtigung des marinen Oberoligocäns. Jahrb. d. k. preuß. geol.
Landesanst. f. 1910. Teil I. Heft 1. p. 105 — 135.
36*
564 E. Meyer, Die Diskordanz diluvialer Ablagerungen etc.
Ich glaube nämlich, die tiefe regelmäßige Faltung des Tertiärs
bei Wittenberg eher durch die stauende und zusammenschiebende
Wirkung des vorrückenden Eises als durch den vertikalen Druck
des Eisrandes beim Rückzüge des Gletscher erklären zu können.
Tornquist’s Deutung gäbe nun die Möglichkeit, die Falten
bei Leitzkau auch bei Annahme nur einer Eiszeit durch vor-
rückendes Eis zu erklären. Dies wäre indessen, wie mir Herr
Schmierer mitteilt, gar nicht in seinem Sinne, da er daran fest-
hält, daß eine derartig regelmäßige Faltung sich leichter durch den
Druck des Eisrandes bei periodisch zum Stillstand kommendem
Rückzüge erklären lasse.
Immerhin würde man nun zur Erklärung ' der Verhältnisse bei
Wittenberg nur einer Vereisung bedürfen, wenn hier von den
diluvialen Schichten nur der Geschiebemergel mitgefaltet wäre.
Meine Schlußfolgerungen beruhen aber auf dem Nachweis einer
gleichartigen und gemeinschaftlichen Faltung von Miocän, südlichen
Kiesen, Tonmergel, Mergelsanden und Geschiebemergel.
Von diesen Bildungen erweisen sich nun die südlichen Kiese
(Milchquarze, Kieselschiefer, Quarzite, Grauwacken usw.), die von den
sächsischen und schlesischen Gebirgen stammen dürften, als höchst-
wahrscheinlich interglazial1, da im östlichen Fläming und in der
Lausitz solche Kiesströme stellenweise von Geschiebemergel unter-
und überlagert werden. Es kommt dazu , daß auch bei Coswig
Interglazial in den von Keilhack beschriebenen Kieselgur-
ablagerungen von Klieken vorliegt, die von Geschiebesanden unter-
und überlagert werden (Erläuterung zu Blatt Coswig: Anh.).
Die Feinsand- oder Tonmergelablagerungen dürften auch in
offenen Becken entstanden sein und sind vielleicht ebenfalls inter-
glazial, da sie sich in einzelnen Bohrungen direkt auf südliche
Kiese legen.
Zweifelhaft wird nur die Stellung des Geschiebemergels, dessen
Faltung von mir an wenigen Stellen — namentlich am Teuchler
Exerzierplätze — nachgewiesen werden konnte.
Aber selbst wenn dieser Geschiebemergel nun nach der Torn-
QUiST’schen Deutung der jüngsten Vereisung des Gebietes zu-
gerechnet würde, so bliebe der Schluß bezüglich einer mehrfachen
Vereisung der Gegend doch bestehen, da Interglazial vorhanden
und dieses z. T. (namentlich die südlichen Kiese) mitgefaltet ist.
So beachtenswert die Ausführungen von Tornquist also auch
für die allgemeine Deutung diluvialer Diskordanzen sind, so ge-
1 Vergl. K. Keiliiack , Bericht über die wichtigsten Ergebnisse der
Aufnahmen auf dem Fläming während der Jahre 1901 — 1904. Jalirb. d.
k. geol. Landesanst. Berlin f. d. J. 1904. p. 678 ff. und
0. von Linstow, Über Kiesströme vielleicht interglazialen Alters auf
dem Gräfenhainichen— Schmiedeberger Plateau und in Anhalt. Jahrb. d.
k. preuß. geol. Landesanst. Berlin f. d. J. 1908. p. 327—336.
M. v. Schwarz, Zwei neue Modelle etc.
565
niigen sie in den hier behandelten beiden Fällen doch nicht — oder
nicht allein — zur Erklärung der Verhältnisse, vielmehr scheint
für den Fläming die Annahme einer zweimaligen Vereisung not-
wendig zu sein, für das Samland aber mindestens die Annahme einer
Oszillation des Eisrandes, die die oberste flache Lehmdecke über
den gestörten Untergrund ausbreitete.
Zwei neue Modelle der Dichtebestimmungswage1.
Von M. v. Schwarz in München.
Mit 1 Textfigur.
In dem Streben, die Dichtebestimmungen von verschiedenen
mineralischen Stoffen möglichst bequem und genau ausführen zu
können, bin ich zur Konstruktion von 2 neuen Modellen der schon
vor 3 Jahren hier beschriebenen Dichtebestimmungswage2 ge-
kommen.
Bei ersterer war der Meßbereich bis zu 10 g vorgesehen,
womit man in der Regel sein Auskommen im Laboratorium finden
kann, wenn es möglich ist, beliebig große Stücke von dem zu
untersuchenden Körper herabzuschlagen. Bei feinkörnigen Ge-
steinen ging die Wage auch noch gut anzuwenden, bei sehr grob-
körnigen allerdings erscheint dies aber nicht mehr empfehlenswert.
So habe ich nun für diese Fälle, oder besser, ganz allgemein
für den Petrographen, dem ja meist ziemlich reichliche Mengen
von Material vorliegen, eine Wage anfertigen lassen, die gerade
die zehnfachen Gewichte des bisherigen Modells anzeigt, deren
Skala also bis 100 g reicht. Es ist nun zwar möglich, für diesen
Zweck einen auswechselbaren Zeiger mit größeren Wagschalen
anzubringen, doch stellt sich dessen Anfertigung fast höher als
die eines ganzen Modells, da ja eine Skala — auf empirischem
Wege geeicht — für zwei Pendel genaue Werte geben müßte,
was naturgemäß nur sehr schwer zu erreichen ist.
Die äußere Skala reicht bis 33 g, während die innere einen
Meßbereich von 30 bis 100 g aufweist. Zur Verwendung letzterer
werden die Wagschalen an den zweiten Haken des Pendels ge-
hängt, eine Manipulation, die sehr einfach mit einem Handgriff
auszuführen ist. Dieses Modell scheint mir auch für fertige
Fabrikate aus Halbedelsteinen sehr zweckmäßig, wenn es sich um
größere Stücke handelt, die mit dem gewöhnlichen (normalen)
Modell der Wage wegen ihren zu großen Dimensionen nicht mehr
zu bestimmen sind. Für die zolltechnische Praxis, wo es sich
häufig um Kontrolle von Rohprodukten und Halbfertigprodukten
1 Die Wagen werden von A. Dresdner in Merseburg a. d. Saale her-
gestellt und sind gesetzlich geschützt.
2 Dies. Centralbl. 1910. No. 11. p. 447.
566
M. v. Schwarz.
handelt, möchte ich das gewöhnliche Modell empfehlen1. Zur
Prüfung der Wage wurde die Skala durch Auflegen von Gewichten
kontrolliert und weiterhin das spezifische Gewicht einer Reihe
von Mineral-Bruchstücken ermittelt, deren spezifischen Gewichte
genau zu ermitteln waren. Dazu wurden die spezifischen Ge-
wichte von großen Stücken (meist Magnesites) auf einer genauen
hydrostatischen Wage ermittelt und dann in Bruchstücke von ge-
eigneter Größe zerschlagen. Die Tabelle zeigt wohl am besten
die gute Uebereinstimmung der Resultate.
Das zweite Modell der Wage ist speziell für den Edelstein-
händler bestimmt und weist daher eine entsprechend fein geteilte
Skala auf, deren Meßbereich sich bis 800 Milligramm erstreckt.
Auch hier sind zwei Skalen vorgesehen, eine von 0 bis 320 mg,
in Milligramm geteilt, und die zweite von 300 bis 800 mg; diese
hat Teilstriche mit einem Intervall von 5 Milligramm, die aber
voneinander noch reichlich weit abstehen, so daß Milligramm leicht
eingeschätzt werden können. Die Skalen sind wie bei dem früher
beschriebenen Modell zu verwenden, indem die Wagschalen für
die innere (0,300 — 0,800 g) Teilung an einen Haken des Pendels
gehängt werden , der dem Drehpunkte desselben entsprechend
näher liegt. Die Anordnung des Skalabogens ist hier eine von
dem früher beschriebenen Modell verschiedene. Sie ist um 45°
davon verdreht angebracht, was durch die kleinen, hier in Frage
kommenden Gewichte bedingt ist. Die bisherige Form hat sich
für diese kleinen Belastungen nicht bewährt, wie ich durch mehr-
fache Versuche herausgefunden habe, weil hierbei der Zeiger zu
dünn und dadurch zu wenig widerstandsfähig war. Auch hier
wurden die Genauigkeiten der Skalaangaben durch Auflegen von
Gewichten kontrolliert und eine Anzahl von Dichtebestimmungen
ausgeführt, welche die zu erreichende Genauigkeit am besten ver-
anschaulichen. Die Tabelle zeigt die so gewonnenen Resultate.
Was die Verwendbarkeit dieses Modells betrifft, so scheint es
mir besonders für Edelsteinhändler geeignet, denn das spezifische
Gewicht ist wohl das sicherste und bequemste Mittel zur Kon-
trolle von Edelsteinen, wird aber bisher noch viel zu wenig von
den in Frage kommenden Kreisen berücksichtigt, was wohl der
bisher zu umständlichen Manipulation, besonders bei kleinen
Steinen, zuzuschreiben ist. Fernerhin dürfte dieses Modell dem
Mineralogen und Kristallographen gute Dienste leisten, weil damit
noch recht kleine Kristalle auf das spezifische Gewicht hin einfach
und genau zu prüfen sind. Aber selbst auch für den Petrographen
scheint es mir empfehlenswert, denn er ist dadurch in der Lage,
das spezifische Gewicht von kleinen Mineralsplittern zu bestimmen,
1 Vergleiche meine Untersuchungen über das spezifische Gewicht
von Ferrosilicium. Dissertation. München 1912. Ein Auszug davon in
„Ferrum“ 1913.
Zwei neue Modelle der Dichtebestimmungswage.
567
die er, zum Beispiele von einem einigermaßen grobkörnigen Ge-
stein, mechanisch herauspräparieren kann.
Anmerkung. Für denjenigen, dem meine erste Veröffent-
lichung nicht zugänglich, sei hier eine kurze Gebrauchsanweisung
gegeben. Die untere Wagschale wird in den Zylinder eingetaucht,
Fig. 1.
der bis zur Marke mit ausgekochtem, destilliertem Wasser gefüllt
ist. Hierauf erfolgt die Einstellung des Zeigers auf den Null-
punkt der Skala, was durch Drehen der Fuß-Schrauben bewerk-
stelligt wird. Durch Auflegen des zu untersuchenden Körpers
auf die obere Wagschale wird dessen absolutes Gewicht (— m)
bestimmt; hierauf bringt man ihn auf die untere Schale ins
Wasser und liest die Zeigerstellung abermals ab. Die Differenz
gegenüber der ersten Ablesung entspricht seinem Volumen (= v).
Das spezifische Gewicht (= s) erhält man dann durch eine ein-
fache Division m : v = s, wobei ein Rechenschieber sehr bequem
zu verwenden ist. Hat man es in der Hand, beliebig große Stücke
des zu untersuchenden Materials abzuschlagen, so wählt man sie
zweckentsprechend beim leichten Modell von 0,15 — 0,25 g oder
gegen 0,8 g, beim schweren entweder gegen 30 oder gegen 100 g,
weil dann die Genauigkeit die höchste wird. Man kann gleich-
zeitig auch mehrere Splitter auflegen und erhält so gleich Mittel-
werte, was manchmal auch zweckmäßig ist.
568
M. r. Schwarz,
Übersicht über die mit der schweren (lOfachen) Wage ermittelten
spezifischen Gewichte (bei 17.5° C).
Spezifisches Ge-
Bruchstücke vom Mineral
Absolutes
Gewicht
Spezifisches
Gewicht
wicht des
Mineralsauf der
in Gramm
hydrostatischen
Wage
44,7
3,06
66,6
3,03
Magnesit von Goklegg
80,7
53,0
3,02
3,02
3,056
71,1
3,03
73,7
3.04
95,8
2,95
71,2
2,96
87,4
2,93
Magnesit von Goldegg
63,8
2,96
2,956
57,3
3,00
45,3
2,97
31,2
2,98
17,0
2,96
Magnesit von Goldegg
28,7
2,96
2,959
47,8
2,97
Magnesit von Goldegg
56,4
51,1
3,03
2,99
2,998
60,2
3,04
Magnesit von Goldegg
40,3
32,5
2,97
3,01
3,012
20,8
3,02
18,7
3,06
Magnesit von Goldegg
38,3
2,98
3,003
64,9
3,07
33 8
2,87
2,863
Dolomit von Goldegg
78,8
2,90
Kalkstein von Goldegg
47,2
2,68
2,676
Zwei neue Modelle der Dichtebestimmungswage.
569
Tabelle der Resultate mit dem leichten Modell.
Mineral
, Absolutes
Gewicht
in Gramm
Spezifisches
Gewicht
Dichte nach
Klockmann’s
Mineralogie
0,232
2,93
Spaltungsstück eines Dolo-
0,394
2.91
2,85—2,95
mites von Traversella
0.227
2,92
! 0,616
3,14
Spaltungsstück von Fluorit
1 0,218
3,17
3,1— 3,2
0,227
3,15
0.193
2,72
Spaltungsstück von Calcit
0,313
2,74
2,6— 2,8
0.169
2,73
0,413
2,65
Bruchstück von Quarz
0,696
2,65
2.65—2,66
0,687
2,65
0,602
3,17
Spaltungsstück von Apatit
0.740
3,17
3,16—3,22
0,255
3,22
0,165
4,46
Kristalle von Zirkon
0.153
4,49
4.4 — 4,7
0,247
4,oo
0,420
4,28
Spaltungsstück von Rutil
0,243
4,27
4,2— 4,3
0,727
4,2S
0,233
4,59
Spaltungsstück von Baryt
0,581
4.66
4, 3-4, 7
0,730
4,54
0,096
3,49
0,080
3.52
Diamant
0,068
3,51
3,50 — 3,53
0,310
3,54
0,716
3,54
0.221
2,71
0,118
2,72
0,294
2.67
Smaragd (geschliffen)
0,397
2,76
2,67—2,76
0.078
2.72
0,305
2.74
570
H. A. Brouwer,
Tabelle der Resultate mit dem leichten Modell. (Fortsetzung.)
Mineral
Absolutes
Gewicht
in Gramm
Spezifisches
Gewicht
Dichte nach
Klockmann’s
Mineralogie
0,288
3,95
0,183
4.05
Sapphir
0,252
3,94
3, 9-4,0
0,207
3,98
0,750
3,98
0,401
3,57
0,299
3,56
Topas von Schneckenstein
0,707
3,57
3, 4-3, 6
0,717
3,55
0,770
3,57
0,149
4,15
0,283
4,22
Almandin
0,303
4,27
4, 1-4, 3
0,664
4,18
0,475
4,14
Mineralogisch-Geologisches-Laboratorium der Kgl. Technischen
Hochschule zu München, im Juni 1913.
Neue Funde von Gesteinen der Alkalireihe auf Timor.
Von H. A. Brouwer in Batavia.
Die hier beschriebenen Gesteine wurden gesammelt während
der Timor-Expedition unter Führung von Prof. Dr. G. A. F. Molen-
graapf (1910 — 1912).
Die Tiefen-, Gang- und Effusivgesteine der foyaitisch-thera-
litisehen Magmen gehören zu den Seltenheiten im Niederländisch-
Ostindischen Archipel. Das erste foyaitische Gestein beschrieb
Wichmann1 von Timor; es wurde von Macklot im Jahre 1829
als Gerolle im Fluß Bauatette bei Pariti gesammelt.
Unter den von P. und F. Sarasin am Pik von Maros (Celebes)
gesammelten Gesteinen fand Schmidt2 neben alkalireichen Effusiv-
gesteinen auch einige shonkinitische und bostonitische Gesteine als Ge-
1 A. Wichmann, Gesteine von Timor. Samml. d. Geol. Reichsmuseums
in Leiden. Serie I. 2. 1882 — 1887. p. 85. Nach Prof. Wichmann sind die
von ihm aus West-Timor beschriebenen Gesteine verwandt, mit den später
beschriebenen Gesteinen aus der Familie der Shonkinite und Theralite
(briefliche Mitteilung).
2 C. Schmidt, Untersuchung einiger Gesteinssuiten, gesammelt in
Celebes von P. und F. Sarasin. Anhang zu P. und F. Sarasin, Materialien
zu einer Naturgeschichte der Insel Celebes. IV. Wiesbaden 1901.
Neue Funde von Gesteinen der Alkalireihe auf Timor.
571
rolle iin Bache Gentungan, und später sammelte Schmidt an derselben
Lokalität neben Geschieben von Monzonit, Shonkinit, Umptekit,
Theralit und Alkali-Erguß- und Ganggesteinen auch Glimmerfoyait 1 .
Während der Timor-Expedition unter Führung von Prof. Dr.
G. A. F. Molengraaff wurden an mehreren Stellen feinkörnige bis
dichte oder porphyrische alkalitracliytische und keratophyrische
Gesteine gesammelt, während shonkinitisch-theralitische Gesteine
in großen Blöcken vorgefunden wurden im Bache Kolkoil am
Kreuzpunkt mit dem Fußweg von Pariti nach Nuataus (West-
Timor). Wahrscheinlich vereinigt dieser Noil Kolkoil sich stromab
mit dem Noil Banatette, und so könnte das von Wichmaxx2 be-
schriebene foyaitische Gestein, das bei der Mündung vom Noil
Banatette bei Pariti gesammelt wurde, demselben Vorkommen zu-
gehören. Ein caraptonitisches Gestein wurde gesammelt am linken
Ufer des Noil Tonini beim Fatu Tonini (Landschaft Amanubang)
und ein anderes shonkinitisch-theralitisches Gestein an der Uferwand
des Noil Nimassi zwischen Kaoneke und Haumeni (Mitten-Timor).
Alkalitraeliyte und Keratopliyre.
Diese Gesteine sind ohne Rücksicht auf ihr geologisches Alter
unter diesen Namen zusammengefaßt. In den meisten Gesteinen
sind die herrschenden Feldspäte: Orthoklas, Natronorthoklas oder
Anorthoklas und Albit oder saurer Plagioklas. Ein großer Teil der
keratophyrischen Gesteine gehört zu den Ergußformen der Alkali-
kalkmagmen ; ihre Verbreitungsgebiete im Fichtelgebirge , Harz-
itnd Saar-Nahe-Gebiet sind z. B. typische Provinzen der Alkali-
kalkmagmen. Die unten erwähnten Gesteine, die keine nachweis-
bare Alkalipyroxene oder Alkaliamphibole enthalten, können also
auch Ergußformen von Alkalikalkraagmen darstellen. In einigen
Gesteinen tritt Quarz unter den Gemengteilen der Grundmasse auf.
Makroskopisch ist eine schlierige Fluidalstruktur in einigen Ge-
steinen schon deutlich wahrnehmbar, während die Parallelstruktur
in anderen Gesteinen ein Druckphänomen ist. Es gibt sehr ein-
sprenglingreiche und einsprenglingfreie Gesteine mit deren Über-
gänge. Ein einsprenglingreiches Gestein von der Uferwand des
Noil Manumea, nahe stromab vom Militärbiwak, enthält zahlreiche
Einsprenglinge von rotem Albit in einer Grundmasse, die Ägiric,
Erz und Chlorit in einer farblosen Masse enthält. Zwischen ge-
kreuzten Nicols erkennt man in dieser Masse neben Natron- und
Kalifeldspat auch ziemlich viel Quarz. Zum Teil sind diese Mine-
ralien gewiß sekundär, ebenso wie der Chlorit.
Andere einsprenglingreiche Gesteine wurden gesammelt im
Tal des Noil Musa zwischen Nunu-Nai und Mena (mit schöner
1 H. Rosexbusch, Mikroskopische Physiographie der massigen Ge-
steine. 1907. II. 1. p. 224.
2 A. Wichmaxn, 1. c. p. 85.
572
H. A. Brouwer,
säulenförmiger Absonderung) und am Weg von Tunbaba nach
Haumeni. Diese beiden Gesteine sind einander und gewissen Tinguait-
porphyren sehr ähnlich ; sie enthalten zahlreiche weiße Feldspat-
einsprenglinge in einer grünlichen Grundmasse, die mikroskopisch
aber nicht die für die Tinguaitstruktur charakteristischen zahl-
reichen nadelförmigen Ägirinsäulchen enthält. Die Einsprenglinge
bestehen hauptsächlich aus Anorthoklas oder Natronorthoklas und
deren Perthiten, während die trachytoide Grundmasse aus den-
selben Feldspäten, blaßgrünem Augit, Erz, viel Chlorit und Sericit
besteht. Außerdem enthält das Gestein des Noil Musa noch, zum
Teil resorbierten, Biotit und Apatit und das andere Gestein noch
Quarz und ein unregelmäßig begrenztes, blaues, stark pleochroitisches
Mineral, das zu den Alkaliamphibolen gehören könnte. Schistose
einsprenglingarme bis -freie Alkalitrachyte bilden den Fatu Menasse
(= alter Berg) zwischen Toi und Putain und die letzten Hügel
vor der Talau-Ebene links vom Wege Atapupu-Lahurus. Diese
Gesteine enthalten nur sehr wenig Ägirin, während die Feldspäte
(Anorthoklas oder Natronorthoklas, und Plagioklas mit geringer
Auslöschungsschiefe) deutliche Druckphänomene, wie Verbiegung
und undulöse Auslöschung, zeigen. Beide Gesteine enthalten ziem-
lich viel kleine Erzkriställchen. Als sekundäre Mineralien sieht
man Chlorit und Calcit im Gestein des Fatu Menasse, Chlorit und
Eisenhydroxyden im Gestein am Wege von Atapupu nach Lahurus.
Makroskopisch zum Teil bostonitähnliche Gesteine bilden den
Fatu Sanan am rechten Ufer des Noil Besi zwischen Bonleo und
Bedjeli. Diese Gesteine enthalten keinen Ägirin oder Ägirinaugit,
aber eine bräunliche eisenreiche und eine chlorit- oder sericit-
ähnliche sekundäre Substanz. Die Struktur ist trackjtoide, die
Feldspäte sind Anorthoklas oder Natronorthoklas und saurer Plagio-
klas, zum Teil in mikroperthitischer Verwachsung miteinander.
Vom Gestein am Wege von Tunbaba nach Haumeni wurde
eine chemische Analyse von Herrn F. Pisani in Paris ausgeführt.
Sie ist mit der von verwandten Gesteinen in untenstehender Ta-
belle zusammengestellt:
I
II
III
IV
V
SiO.. . . . .
66,70
63,20
66,10
70,15
Ti 02 . . . .
. 0,39
0,40
0,46
—
0,65
Al2(>3 . . .
. 14,10
16,60
17,45
13,45
10,60
Fe20, . . .
. 2,70
2,33
3,60
6,30
5,77
Fe 0 . . . .
. 1,71
0.87
n. b.
0,45
1,74
MnO . . . .
—
—
—
0,52
Ca 0 . . . .
1,55
1,48
1,40
0,60
0,72
Mg 0 . . . .
. 2,45
1,08
0,75
0,92
0,35
K20 . . . .
. 4,92
4,60
5.88
5,04
4,09
NaäO. . . .
. 5,45
5,80
6,90
5,42
5,30
H20 . . . .
. 2,10 1
—
0,50
2,10
Sp.
p,o5 ....
—
0,06
—
—
—
Summe .
. 100,47
99,92
100,14
100,38
99,89.
Glühverlust.
Nene Funde von Gesteinen der Alkalireihe auf Timor.
573
I. Alkalitrachyt. Am Pfad von Tunbaba nach Haumeni, Timor.
(Anal. F. Pisani.)
II. Domit. Puv de Dome. Auvergne. Vergl. H. Rosenbusch, Elemente.
1910. p. 347.
III. Nordmarkit. Tunsenas. Norwegen. Vergl. W. C. Brögger, Zeit-
schrift f. Krist. 16. 1890. p. 54.
IV. Sanidinit. Holbak, Siebenbürgen. Vergl. C. v. John, Jahrb. Geol.
Reichsanst. Wien. XLIX. 1899. p. 566.
V. Grorudit. Grussletten, Norwegen. Vergl. W. C. Brögger, Die
Eruptivgesteine des Kristianiagebiets. I. 1894. p. 48.
Das Gestein (I) gehört, wie aus den oben erwähnten minera-
logischen Eigenschaften hervorgeht, nicht zu den typischen Alkali-
trachyten. Auch chemisch hat das Gestein nicht den sehr geringen
Gehalt an CaO und MgO. Das molekulare Verhältnis von A1203
zu den Alkalien ist ungefähr 1 : 1 mit einem sehr kleinen Rest
von Alkalien.
Shonkinitisch-theralitische Gesteine.
Diese Gesteine wurden gesammelt von großen Blöcken im
Noil Kolkoil, beim Kreuzpunkt mit dem Fußweg von Pariti nach
Nuataus.
Es sind mittelkörnige Gesteine mit ungefähr gleichen Mengen
dunkler und heller Mineralien.
U. d. M. gewahrt man ein Gemenge von Feldspäten und Angit,
weiter sieht man Titanomagnetit, Biotit, Apatit, etwas Pyrit und
viele sekundäre Mineralien : Chlorit und Sericit , radialstrahlige
Zeolithe und Analcim.
Die meisten Feldspäte sind stark umgewandelt, was ihre ge-
naue Bestimmung erschwert. Polysynthetisch verzvvillingte und
nicht- oder nur nach dem Karlsbader Gesetz verzvvillingte Kristalle
kommen in mikroperthitiscker Verwachsung und auch in geson-
derten Kristallen vor. Die erstgenannten gehören zu Albit oder
anderen sauren Plagioklasen ; meistens sind die symmetrischen
Auslöschungen nicht größer wie 5 °, in einzelnen Fällen wurden
symmetrische Auslöschungen bis 17° wahrgenommen. Die letzt-
genannten gehören zu Orthoklas oder Anorthoklas. Die Feldspäte
sind in Zeolithe, Sericit oder eine chloritähnliche Substanz um-
gewandelt. Die Umwandlung in Sericit ist am meisten verbreitet,
die Schüppchen haben bisweilen den ganzen ursprünglichen Feld-
spatkristall ausgefüllt.
Der schwach violettgefärbte Augit ist deutlich pleocliroitisch,
fast unversehrt erhalten und meist gut idiomorph in der Zone der
Saulachse. In geringer Menge treten eine chloritähnliche Substanz
uud etwas Carbonat in einigen Augiten als Umwandlungsprodukt auf.
Der Biotit bildet stark pleochroitische Kriställchen, in denen
oft braunrote und grüne Teile miteinander verwachsen Vorkommen.
574
H. A. Brouwer,
Meist ist der stark von dunkel braunrot bis hell bräunlichgelb
pleochroitische Biotit zum Teil vom grünen Biotit, der stark
pleochroitisch ist von dunkelgrün bis hell grünlichgelb, umwachsen.
Der reichliche Apatit bildet lange und schlanke Säulchen, die in
den hellen Mineralien eingeschlossen Vorkommen und in der sekun-
dären Substanz unversehrt erhalten liegen. Die Titanomagnetit-
kristalle sind bisweilen idiomorph, aber meistenteils eckig begrenzt.
Radialstrahlige Zeolithe und Analcim füllen die eckigen Bäume
zwischen den übrigen Gemengteilen ; die erstgenannten haben bald
positive, bald negative Längsrichtung. Der Analcim zeigt deut-
liche Anomalien und ist bisweilen trübe durch zahlreiche feine
Einschlüsse, während man zwischen gekreuzten Nicols öfters feine
Schüppchen erkennt, die aussehen wie Sericit. Kleine Fleckchen
eines Minerals mit der Doppelbrechung des Nephelins sieht man
bisweilen im Analcim; übrigens sind die mit Analcim erfüllten
Räume meistens eckig begrenzt, so daß aus der Form nicht auf
die Anwesenheit von ursprünglichem Nephelin geschlossen werden
kann. Makroskopisch konnte eine Kristallform, wie die des Nephe-
lins, ausnahmsweise erkannt werden.
Die grüne faserig echloritähnliche Substanz ist zum größten
Teil stärker doppelbrechend wie normaler Chlorit und weniger stark
pleochroitisch wie der Biotit. Rädialstrahliger Bau mit positiver
Längsrichtung kommt vor. Man findet diese Substanz zwischen
den übrigen Mineralien, auch in den Feldspäten und nur wenig
in den Augiten, während sie wahrscheinlich auch Pseudomorphosen
bildet nach einem meist abgerundeten Mineral , das aber auch
Kristallformen zeigt, die denen des Olivins sehr ähnlich sind.
Bisweilen bestehen diese nicht aus einer faserigen, sondern aus
einer homogenen iddiugsitähnlichen Substanz mit offenen Spalt-
rissen und einem Pleochroismus von grün nach hellgrünlichgelb.
Bei der Umwandlung des Olivins im Shonkinit des Togo Peak
(Montana) 1 tritt an die Stelle dieses Minerals eine gelbliche,
glimmerähnliche Substanz, während der Eisengehalt sich in schwar-
zen Erzkörnern ausscheidet. Ein Erzrand wurde ausnahmsweise
um die faserige, grüne Substanz in dem hier beschriebenen Gestein
wahrgenommen.
Die mineralogische Zusammensetzung ist der vom Gesteine
des Noil Banatette2 sehr ähnlich; makroskopisch zeigt das Gestein
der MACKLOT’schen Sammlung eine mehr rötliche Farbe. Mikro-
skopisch sieht man auch in diesem Gestein stark veränderte Feld-
späte und Feldspatoide und den Augit nicht oder nur wenig in
eine chloritische oder eisenreiche Substanz umgewandelt.
1 L. Y. Pirsson, Petrography and Geology of the igneous rocks of
the Highwood Mountains, Montana. Bulletin No. 237. Un. States Geol.
Survey. Washington 1905.
2 A. Wichmann, Gesteine von Timor. 1. c. p. 85.
Neue Funde von Gesteinen der Alkalireihe auf Timor. 575
Abgerundete Stücke in einem konglomeratischen Gestein an
der Uferwand des Noil Nimassi zwischen Haumeni und Kaoneke
sind mittelkörnig und reich an dunklen Mineralien. U. d. M. sieht
man ein Gemenge von Orthoklas, Plagioklas, titanhaltigem Augit,
barkevikitischem Amphibol, sehr wenig Biotit, Titanomagnetit,
Apatit und viel Chlorit und Zeolithen ; die sekundären Mineralien
haben einen Teil der Feldspäte und die Feldspatoide umgewandelt.
Der Orthoklas bildet meist größere Kristalle, die durch
gebogene Linien gegeneinander begrenzt sind und oft zahlreiche
kleinere Kristalle der übrigen Mineralien des Gesteins (besonders
Amphibolsäulchen und Erzkristalle, auch Plagioklasleistchen) ein-
schließen. Der Orthoklas ist oft stark in Zeolithe und Chlorit
umgewandelt. Der Plagioklas bildet meist kleine polysynthetisch
verzwillingte Leistchen, die nur geringe Auslöschungsschiefen zeigen.
Der titanhaltige Augit bildet größere und kleinere Kristalle, der
barkevikitische Amphibol nur kleinere Kristalle, die oft verzwillingt
sind nach (100). Die größeren Orthoklas- und Augitkristalle ver-
leihen dem Gestein eine Art porphyrische Struktur. Der Titano-
magnetit oder Umenit ist zum Teil umgewandelt in Leukoxen ; die
größeren Kristalle sind oft unregelmäßig eckig begrenzt, während
die kleineren Kriställchen gewöhnlich gut idiomorph ausgebildet
sind und in den übrigen Mineralien des Gesteins (ausgenommen
im Apatit) eingeschlossen Vorkommen. Die langen Apatitsäulchen
kommen in allen übrigen Mineralien des Gesteins eingeschlossen
vor und liegen oft zum Teil unverändert in der sekundären Substanz.
Chlorit und Zeolithe (Natrolith und Analcim) haben einen Teil
der Feldspäte umgewandelt, während strahlige oder spreusteinähn-
liche Natrolithaggregate und Analcim, ohne die idiomorphe Be-
grenzung des ursprünglichen Minerals, sehr wahrscheinlich aus
Feldspatoiden hervorgegangen sind. Ihre Menge tritt aber sehr
stark gegen die der Feldspäte zurück. Die chemische Analyse
des letztbeschriebenen Gesteins ist in untenstehender Tabelle mit
denen von verwandten Gesteinen zusammengestellt.
I
II
III
IV
Y
Si02 ....
. 45,70
44,63
45,55
44,80
44,65
Ti 02 . . . .
. 3,46
4,25
4,45
2,60
0,95
AljO, . . .
. 15,40
13,77
15,40
17,30
13,87
Fe203 . . .
. 2,75
7,30
2,43
4,90
6,06
Fe 0 . . . .
. 5,67
5,60
9,12
6,85
2,94
Mn 0 . . . .
. 0,26
0,08
—
—
0,17
CaO ... .
9,02
7,96
7,70
11,70
9,57
MgO. . . .
. 7,55
4,47
5,20
5,72
5,15
K2() . . . .
. 3,22
2,65
2,04
2,08
4,49
Na20 ....
. 3,12
4,20
4,54
4,03
5,67
P*05- ■ • •
. 0,26
0,09
0.26
0,50
1,50
h2o . . . .
. 3,90 1
4,04
2,35
0,35
2,10
Summe .
. 100,05
100,43
100,93
100,83
99,93.
1 Glühverlust.
576
H. A. Brouwer, Neue Funde etc.
I. Shonkinit (mit Plagioklas). Noil Nimassi, zwischen Haumeni und
Kaoneke, Timor. (Anal. F. Pisani.)
II. Shonkinit (mit Plagioklas). Gerolle im Noil Banatette bei Pariti
(West-Timor), in A. Wichmann, Gesteine von Timor. Samml. d.
Geol. Reichsmuseums in Leiden. Serie I. 2. 1882 — 1887. p. 87
(mit 1,34 °/o C02, 0,05 °/o CuO).
III. Camptonit. Hvinden, Süd-Norwegen, in H. Rosenbusch, Elemente.
1910. p. 301.
IV. Essexit (melanokrat), in A. Lacroix, Matöriaux pour la Minera-
logie de Madagascar. Nouv. Archives du Museum. 1903. Sör. 4.
5. p. 194.
V. Shonkinit. Gordons Butte. Crazy Mountains (mit 0,76#/oBaO,
0,37 u/o SrO, 0.96°/o bygr. Wasser, 0,11 °/o CO-, 0,61 °o S03, Spur
Li Oj und CI, in H. Rosexbusch, Elemente, p. 204.
Wenn man die Shonkinite als Kalifeldspat-Neplielin-Gesteine
mit reichlichen farbigen Gemengteilen auffaßt, dann vermitteln
diese Gesteine zwischen den typischen Shonkiniten, Essexiten und
Theralithen.
Die Shonkinite, Theralithe und Essexite zeigen durchaus den-
selben chemischen Charakter, indem sie sich mineralogisch nur
durch die relativen Mengen der Feldspäte und Feldspatoide von-
einander unterscheiden.
Cauiptonit.
Ein camptonitisclier Mandelstein wird überlagert von permischen
Sedimenten an der linken Uferwand des Noil Tonini beim Fatu
Tonini (östlich von Niki-Niki). In grauschwarzer Grundmasse ent-
hält das Gestein zahlreiche, ganz oder zum Teil mit Carbonat
gefüllte Mandelräume, Einsprenglinge von Augit und Amphibol von
wechselnder Größe ünd einige kleine Einsprenglinge von Eisenerz.
In den untersuchten Handstücken erreichten die Augiteinsprenglinge
eine Größe von 3 cm senkrecht zur Säulenrichtung.
Die Grnndmasse besteht aus einem Gemenge von Plagioklas-
leistchen, braunem Amphibol, titanhaltigem Augit, Erz, Chlorit
und wenig einer sehr schwach doppelbrechenden bis isotropen Sub-
stanz, die wahrscheinlich aus Analcim besteht.
Das Carbonat findet man nur in den Mandeln und fast gar
nicht in der Grundmasse. Während der größte Teil der Grund-
masse erzreich ist, sieht man örtlich erzarme, sehr amphibolreiche
Partien im Gestein. Sehr wahrscheinlich enthielt das Gestein
ursprünglich auch Olivin, denn einige mit Carbonat erfüllte Räume
zeigen die Form dieses Minerals mit steiler Pyramide.
Fr. Schwietring, Bemerkungen etc.
577
Bemerkungen zu den Untersuchungen von C. Viola über die
Totalreflexion des Lichtes an einem Kristall.
Von Fr. Schwietring in Celle (Hannover).
Ein beliebiger Schnitt eines durchsichtigen inaktiven Kristalls
zeigt in einer starkbrechenden Flüssigkeit vier extremale Grenz-
winkel der totalen Reflexion; sie mögen &l <P2 <C #3 <1
genannt werden. Sind na <C nb <C u, die drei Hauptbrechungs-
indizes des Kristalls und ist n der Brechungsindex des Außen-
mediums, so ist nach Ch. Soret: na = nsin<&], n,. = nsinÖ>4.
Der größte und der kleinste extremale Grenzwinkel ergeben
also leicht den größten und den kleinsten Hauptbrechungsindex des
Kristalls. Für den mittleren Hauptbrechungsindex nb ist es da-
gegen zunächst fraglich, ob er durch nsin (!>., oder nsin<Z>3 ermittelt
wird. Der Grund für diese Zweideutigkeit liegt darin, daß die
Strahlenfläche eines Kristalls durch einen einzigen Schnitt nicht
eindeutig bestimmt ist; zu einem gegebenen Schnitt (S)
durch die Strahlenfläche gehören rein geometrisch
zwei verschiedene Strahlen flächen, die sich durch den
mittleren Hanptbrecliungsindex unterscheiden. Die Grenzwinkel <2>
der totalen Reflexion liefern nämlich durch die Gleichung:
1
n sin ‘l> =
r
die Radien r für die Fußpunktskurve (F), die der Schnittkurve (S)
der Strahlenfläche mit der Grenzebene @ des Kristalls entspricht.
Zu (F) gehören jedoch ebenso wie zu (S) zwei verschiedene Strahlen-
flächen. Daher kann die Messung der vier extremalen Grenzwinkel
nur ein zweideutiges Resultat über die Strahlenfläche ergeben, der
mittlere Hauptbrechungsindex bleibt unbestimmt. Auch die Beobach-
tung aller Grenzwinkel O kann die Zweideutigkeit nicht auflieben.
Mithin folgt der Satz :
Die Bestimmung der vier extremalen Grenzwinkel
sowie die Bestimmung aller Gr enzwinkel der totalen
Reflexion an einer Grenzebene & des Kristalls reichen
allein nicht hin, um die drei Hauptbrechungsindizes
eindeutig zu ermitteln, da diese Messungen nur den
Schnitt (S) zwischen Strahlenfläche und Grenzebene
festlegen.
Um die drei Hauptbrechungsindizes eindeutig zu Anden, muß
also außer den vier extremalen Grenzwinkeln wenigstens noch eine
andere Größe beobachtet werden, die von den Polarisationskonstanten
abhängt. C. Viola hat zu diesem Zwecke die Azimute eines
vor das Auge geschalteten Xicols beobachtet, bei denen
jedesmal die Grenze für <&,, 0.2, 03, ein Minimum von Deut-
lichkeit zeigt. Mittels dieser Xicolazimute hat Viola zwei Regeln
für die Unterscheidung von <$., und <Z>3 aufgestellt. Ich habe die
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913. 37
578
Fr. Schwietring,
beiden Regeln in einer früheren Abhandlung 1 die Rechnungsregel
und die Beobachtungsregel genannt und gezeigt, daß sie beide
unbegründet und unzuverlässig sind. Ferner habe ich eine neue
Unterscheidungsregel aufgestellt, die den Vorzug strenger und all-
gemeiner Gültigkeit besitzt, im Gebrauch allerdings mehr Zeit
erfordert als Viola’s Regeln. Weiter habe ich darauf hingewiesen,
daß sich eine allgemeine und sehr einfache Unterscheidungsregel
ergibt, wenn der Nicol einem Vorschläge von F. Pockels gemäß
in den Gang der streifend einfallenden Strahlen eingeschaltet wird.
Kürzlich 2 hat C. Viola vier neue Methoden augegeben, um
<D 2 und (1) 3 zu unterscheiden. Die erste Methode nennt er die
K o n s t r u k t i o n s m e t h o d e. Die Richtungen in der Grenzebene @
des Kristalls, in denen <P{, (p.2, (P3, <PA auftreten, seien A, B, d, r.
Unter der Voraussetzung, daß etwa <Z>2 der zu nj, gehörige Winkel
ist, konstruiert Viola nach einem Näherungsverfahren für den in
der Richtung J streifend einfallenden Strahl die entsprechende
Normalenrichtung J' . Der Winkel zwischen Strahl und Wellen-
normale ist im allgemeinen nicht groß. Deshalb, so behauptet
nun Viola, wird die über <!>., gemachte Voraussetzung zutreffend
sein, wenn die konstruierte Richtung J‘ und die beobachtete Rich-
tung J sehr nahe zusammenfallen. — Hierzu ist zu bemerken,
daß diese Konstruktionsmethode nach dem oben auf-
gestellten Satze unrichtig ist. Mit Hilfe von t/t, , (p.2. (P3. <Pi
allein kann die Zweideutigkeit für nh sicherlich nicht aufgehoben
werden; dazu ist mindestens eine neue Beobachtung erforderlich,
eine Konstruktion genügt nicht. Für die Voraussetzung, daß n t,
durch <P2 geliefert wird, läßt sich zu dem Strahl in der Richtung J
die Normalenrichtung d‘ natürlich konstruieren, und zwar auch
genau. Aber ganz dasselbe ist für die zweite Möglichkeit unter
Benutzung von (P3 durchführbar; eine Entscheidung zwischen den
beiden fraglichen Werten <Z>,, 03 durch die Konstruktion ist aus-
geschlossen.
Bei der zweiten Methode beobachtet Viola außer </>,, (p3, <P±
die beiden AuslöschungsrichtungenP und Pt des Kristall-
schnittes. Diese Richtungen sind für die beiden möglichen Strahlen-
flächen verschieden. Durch den Vergleich der für P, P1 beobach-
teten Lage mit den beiden anderen Lagen, die sich mittels <P ,
und (P3 durch Rechnung und Konstruktion ergeben , ist demnach
ein gangbarer Weg gezeigt, um die Zweideutigkeit für nb zu
beseitigen. Zu der Durchführung dieser Methode bei Viola ist zu
bemerken, daß Viola wieder ein Näherungsverfahren einschlägt,
indem er die Richtungen J und d‘ miteinander vertauscht.
Die dritte Methode von Viola ist dagegen wieder
1 F. Schwietring, N. Jahrb. f. Min. etc. 1912. I. p 21—36.
J C. Viola, N. Jahrb. f. Min. etc. 1912. TI. p. 45 — 66.
Bemerkungen zu den Untersuchungen von C. Viola etc. 579
ebenso unrichtig wie die erste, weil sie nb allein mit
Hilfe der Grenzwinkel <b aufsuchen will. Viola behauptet, daß
die Zunahme des Grenzwinkels O für die Richtung z!‘ ein Maximum
ist. Träfe das zu, so müßte für die entsprechende Richtung B‘
ein ähnliches Maximum existieren. Denn nach dem oben auf-
gestellten Satze wird durch die Messung der Grenzwinkel O nur der
Schnitt (S) zwischen Strahlenfläche und Grenzebene festgelegt, zu
dem zwei Strahlenflächen gehören ; die Richtungen B und J können
also hinsichtlich der Grenzwinkel O keinen Unterschied gegen-
einander zeigen. Diese Tatsache tritt schon deutlich in Viola’s
eigenen Messungen am Albit von Amelia 1 hervor, die zwei Maxima
in den Richtungen B', J‘ aufweisen.
Bei der vierten Methode beobachtet Viola außer O $s, Oi
in einem Polarisationsmikroskop für konvergentes Licht die Ebene (5
der optischen Achsen des Kristalls. Die Lage dieser Ebene G
ist für die beiden möglichen Strahlenflächen verschieden ; je nach-
dem G die Richtungen B oder /I enthält, liefert 0.2 oder <bz den
Wert für Ub- Folglich zeigt diese Methode in der Tat einen ein-
fachen und brauchbaren Weg, um iib zu finden.
Die von mir näher untersuchte Methode, die Zweideutigkeit
für nb mittels eines Nicolazimut es zu beseitigen, ist zunächst
theoretisch von Interesse, weil sie sich lediglich auf die Er-
scheinungen der totalen Reflexion gründet. Auch prak-
tisch gestaltet sich diese Methode bei der Einschaltung des Nicols
nach F. Pockels sehr einfach. Viola hebt von seiner vierten
Methode hervor, daß sie auch die Zweideutigkeit der Orientierung2
für die drei optischen Symmetrieachsen X, Y, Z löst. Er behauptet,
daß man die beiden möglichen zur Grenzebene @ symmetrischen
Orientierungen von X, Y, Z bislang nicht in Erwägung gezogen
habe. Dazu ist zu bemerken, daß Viola sich hiermit offenbar
selbst einen Vorwurf macht. Er hat nämlich in seinen
Arbeiten über die Nicolazimute eine ganze Reihe von Vernach-
lässigungen eingeführt, ohne sie und ihre Bedeutung auch nur mit
einem Worte zu streifen. Ich habe darauf aufmerksam gemacht3,
daß Viola den Unterschied der Nicolazimute bei streifendem Ein-
fall und bei Totalreflexion des Lichtes, ferner denjenigen zwischen
dem Einfall des Lichtes von rechts und von links in derselben
Einfallsebene nicht beachtet hat. Weiter hat Viola niemals an-
gegeben, in welcher Richtung seine beobachteten Nicol-
azimute zu rechnen sind4. Hätte er nun das letztere be-
1 C. Viola, a. a 0. p. 59.
2 C. Viola, a. a. 0. p. 65.
3 F. Schwietring, Inaug.-Dissert. Göttingen 1908. N. Jalirb. f. Min. etc.
Beil.-Bd. XXVI. p. 374. 1908.
4 Vergl. meine Bemerkungen über die Xicolazimute « und 180° — «
a. a. 0. p. 375.
37*
580
M. Berek, Berichtigung und Nachtrag
achtet, so hätte er gesehen , daß schon die Messung des zu <bx
gehörigen Nicolazimutes die Orientierung von X, Y, Z festlegt;
die Frage der beiden symmetrischen Orientierungen wäre dann für
Viola überhaupt nicht entstanden.
Viola behauptet *, daß die von mir aufgestellte Methode sich
auf den von ihm gefundenen Satz gründe, daß für den auszu-
scheidenden extremalen Grenzwinkel der im Kristall streifend ein-
fallende Strahl vor der Brechung senkrecht zur Einfallsebene
polarisiert ist. Diese Behauptung von Viola ist völlig
unrichtig; meine Unterscheidungsregel1 2 gründet sich lediglich
auf einen von mir bewiesenen allgemeinen Satz über die charak-
teristischen Nicolazimute. Sie hat mit dem Satze von Viola nichts
zu tun. Bei der Nicoleinschaltung nach F. Pockels wird der Satz
von Viola zwar vielfach nützlich sein, aber auch hier ist er nicht
die Grundlage, weil er für manche Fälle zur Lösung der Aufgabe
nicht hinreicht.
Berichtigung und Nachtrag zu meiner Mitteilung ,,Zur Mes-
sung der Doppelbrechung usw.“
Von M. Berek in Wetzlar.
Herr F. Pockels hatte die Freundlichkeit, mich nacli Er-
scheinen des ersten Teiles der Mitteilung3 auf zwei Punkte auf-
merksam zu machen, die ich hiermit berichtige und ergänze.
1. Zunächst handelt es sich darum, wovon die Farbfolge
eines doppeltbrechenden Keiles abhängt. In den maßgebenden Lehr-
büchern werden größere Abweichungen von der NEWTON’schen Skala
auf größere Dispersionsbeträge und entsprechend unvollständige
Kompensation im weißen Licht auf ungleiche Dispersion zurück-
geführt. Ich hatte p. 392 ebenfalls behauptet, daß für die Farb-
folge nur der Betrag der Dispersion maßgebend sei. Indes läßt
sich sehr leicht zeigen, daß dies irrig ist.
d'n bezeichne die Doppelbrechung, J ihre Dispersion für zwei
Lichtarten und 1 die Plattendicke. Die Indizes ' und “ beziehen
sicli auf zwei verschiedene Platten. Für eine Lichtart von der
Wellenlänge / haben beide Platten denselben Gangunterschied r,
in der Maßeinheit von 1 gemessen, wenn
„ 1 dn ^ = 1 cfii^ = r 1)
ist. Für eine zweite Lichtart k + dA werden die Gangunterschiede
1" (ttaA + //")= r + \“j‘‘
1 C. Viola, a. a. 0. p. 66.
- F. Schwietring, a. a. 0. p. 31.
3 Dies. Centralbl. 1913. p. 388.
zu meiner Mitteilung „Zur Messung der Doppelbrechung usw.“ 581
Damit auch für diese Lichtart die Gangunterschiede beider
Platten gleich werden, also beide Platten denselben Farbton zeigen,
muß die Bedingung erfüllt sein:
1'^' == l“st“ 3)
oder unter Benützung von l):
J' /T
— = — TT- 4)
Besteht diese Beziehung, so zeigen auch zwei Keile dieselbe
Farbfolge, da über die Größe von F keine Bescliränkung getroffen
zu werden brauchte. Obwohl eine völlig identische Farbenskala
im weißen Licht für zwei vollkommen durchsichtige doppeltbrechende
Medien nur dann vorhanden sein kann, wenn die Beziehung 4 für
jedes Wellenlängenintervall im sichtbaren Spektrum besteht, so
^c— F
genügt praktisch schon die annähernde Gleichheit von — j
Es muß also heißen : Für ein mehr oder minder starkes
Ab weiche n der Interferenzfarben eines doppelt-
brechenden Keiles von der Newtons eben Farbenskala
ist das Verhältnis
Dispersion der Doppelbrechung
Doppelbrechung
maßgebend. Demgemäß liefern, entgegen der Behauptung auf
p. 391, senkrecht zur optischen Achse geschnittene Platten nur
derjenigen Mineralien, für welche ^ klein ist, Farbtöne, die
denen der NEWTON’schen Skala nahestehen. Diese Bedingung ist
allerdings für Kalkspat hinreichend erfüllt.
2. Die abgeleitete Kompensatorformel ist nicht streng, weil
bei der Berechnung der Schichtdicke (Gleichung 5) die außer-
ordentliche Wellennormale bevorzugt wurde.
Beim strengen Ansatz sind die Wege beider Wellennormalen
im Kristall und in der Luft zu berücksichtigen bis zu einer be-
liebigen Stelle in Luft, wo beide Wellen dieselbe Fronthöhe er-
reicht haben, Dann wird 1
r = 1 (o> cos — ne cos <p ne)
sin i . sin i
worin sin ^ sm<fne = -^—
1
\ll cosVne \2 / \2
i,nd ne=V(-H + (-v-)
zu setzen ist. Wenn man hier in ähnlicher Weise umformt und
entwickelt wie früher, so erhält man schließlich
1 Vergl. F. Pockkls, Lehrb. d. Kristalloptik, Leipzig und Berlin
1906. p. 231.
582
Svante Arrhenius
Gegenüber der früheren Kompensatorformel tritt erst im
dritten Klammergliede eine Abweichung ein. Die Koeffizienten
der Korrektionsglieder werden
Setzt man für die Schichtdicke den Weg der ordentlichen
Wellennormalen an, so wird
a = 0.2040 b = 0,0546.
Führt mau endlich eine mittlere Schichtdicke ein, indem man
ansetzt, so erhält man genau dieselben Koeffizienten a und b wie
in der strengen Formel.
Wenn man in der Tab. 3 (p. 433) die Konstante f (J) gemäß
der letzten Spalte mit zwei Korrektionsgliedern für die hier mit-
geteilten Koeffizienten a und b berechnet, so zeigt sich, daß die
Annäherungen erst für F = 4| /. von der strengen Formel um
eine Einheit der 4. Dezimalen abweichen. Der Mittelwert f (J)
bleibt mithin völlig unbeeinflußt. Beachtet man noch überdies,
wie schon p. 434 erwähnt, daß die Berücksichtigung des Gliedes
b sin4 i überhaupt keine Verbesserung der Meßresultate mehr herbei-
fiihrt, so folgt :
Es ist praktisch unwesentlich, ob für die Schicht-
dick e der strenge Ansatz oder eine Annäherung unter
Benützung des Weges der ordentlichen oder außer-
ordentlichen Wellennormale allein oder eines Mittel-
wertes beider Weglängen gewählt wird.
Wetzlar, im Juli 1913.
Widerlegung der physikalischen Einwände gegen die Kohlen-
Herr Kayser erwähnt mit einigen Worten die Berechnung über
den Einfluß der atmosphärischen Kohlensäure auf die Temperatur-
verhältnisse der Erde. Nachdem er hervorgehoben hat, daß die
durch diese Berechnung gefundenen Folgerungen ganz ausgezeichnet
mit den geologischen Befunden betreffs der Klimaschwankungen
übereinstimmen, setzt er aber hinzu: „Leider haben indes neuere
Untersuchungen von Ängström u. a. gezeigt, daß die physikalischen
Voraussetzungen, auf die Arrhenius seine Schlüsse aufbaut, voll-
a = 0,2010 b = 0.0627 gegenüber
0,2040 0.0708 in der früheren Formei.
säuretheorie.
Von Svante Arrhenius.
Widerlegung etc.
583
ständig unhaltbar sind“ (vergl. Kayser, Allgem. Geologie. 4. Aufl.
1912. p. 7 ff., Lehrbuch d. Geologie. 5. Aufl. 1913. p. 211 — 212).
Daß diese pessimistische Auffassung von Herrn Kayser un-
begründet ist, habe ich schon 1 908 erwiesen ’. Die zitierte Arbeit
von Angström stammt aus 1900. Er behauptet darin, daß „die
Kohlensäureabsorption sehr wenig von den Veränderungen im
atmosphärischen Kohlensäuregehalt abhängig ist, solange dieser
nicht kleiner als 0,2 des jetzt vorhandenen ist“. Ich habe des-
halb direkte Versuche (1900) angestellt, welche zeigten, daß
Angström’s Behauptung nicht stichhaltig ist, so daß die durch
Kohlensäure verursachte Absorption der Wärme von einem strah-
lenden Körper von mittlerer Erdtemperatur bei zunehmender Kohlen-
säuremenge 30 % übersteigen kann, während Angström dieselbe
zu „höchstens 16°/o“ schätzt. Nun suchte wohl Angström diese
Tatsache durch neue Versuche seines Schülers Koch (1901) zu
entkräften, welcher fand, daß dieselbe Menge Kohlensäure bei
niederem Druck (ihrem Partialdruck in der Atmosphäre) weniger
Wärme absorbiert als in einem Kohr, wie bei meinen Versuchen,
auf Atmosphärendruck zusammengepreßt. Die Schlüsse von Koch
und Angström wurden gleich danach (1902) von Ekholm als hin-
fällig erwiesen, und der Hauptpunkt in Koch’s Einwand gegen
meine Bestimmungen ist von Angström selbst (1908) zurück-
gewiesen, indem er zeigte, daß die Absorption durch Kohlensäure
in der Atmosphäre nicht auf ihrem Partialdruck, sondern auf dem
Totaldruck der Atmosphäre beruht.
Im Jahre 1905 glaubte Herr Schäfer wiederum den oben
zitierten Satz (vom Jahre 1900) von Angström aufrecht erhalten
zu können. Er wurde aber von seinem Lehrer Rubens und von
Ladenburg widerlegt. Der Meinungsunterschied beruht darauf,
daß Angström, Koch und Schäfer die Strahlung von recht
heißen Körpern (100° bis 300° C), d. h. „kurzwellige“ Strahlung
(2,6 fi und 4,4 //) beobachtet haben, während ich, sowie Rubens
und Ladenburg, die Strahlung eines Körpers von der Temperatur
der Erde (etwa 16° C) mit einem „langwelligen“ Strahlungs-
maximum bei 10 fi untersuchten. Danach habe ich die Messungen
von Rubens zu Neuberechnungen benutzt und gefunden, daß ein
Sinken des atmosphärischen Kohlensäuregehalts auf 50°/o genügt,
um die Temperatur auf diejenige der Eiszeit (d. h. um 4,5 0 C) herab-
zusetzen, während meine frühere Berechnung ein Sinken auf 42 °/o
verlangt hatte. Ich halte die letzte Ziffer für wahrscheinlicher.
Die Streitfrage dürfte wohl damit erledigt sein. Es ist ja
auch, wie Herr Kayser offenbar meint, sehr glücklich, daß die
geologische Erfahrung so gut, wie man nur wünschen kann, mit
den Folgerungen aus den physikalischen Gesetzen übereinstimmt.
1 Dies. Centralbl. 1908. p. 481.
584
G. Wagner, Beiträge zur Kenntnis
Beiträge zur Kenntnis des oberen Hauptmuschelkalks in
Elsass-Lothringen.
Ton Georg Wagner aus Künzelsau (Württemberg).
Mit einer Kartenskizze.
(Schluß.)
Profil Falkenberg
am Bahnhof im Eisenbahneinschnitt und gegen Steinbiedersdorf zu.
ca. 4 m Fränkische Grenzschichten.
160 cm Glaukonitkalk: Splitterkalkbänke, Kalkknollen und Mergel.
220 cm Bairdienton :
65 Mergelschiefer mit 2 welligen Kalkbänken oder
Knollenlagen.
15—20 3 — 4 Kalkbänkchen mit Bonebed, am Bahnhof mit
Myophoriapesanseris, Modiola, Austern.
75 gelbe Mergelschiefer, hei 30 cm härtere Plättchen
mit Fischresten, hei 40 — 55 cm graugrüne Schiefer-
tone mit weißen Schalen von Bairdia.
5 graues glattes Kalkbänkchen.
25 — 30 graue bis gelbgrüne Mergelschiefer.
20 — 40 gelbgrauer Splitterkalk mit rötlichen Drusen. Bau-
stein. Unten Bonebed. Austern; Myophoria iuter-
media, Ceratites semipartitus.
5 — 15 Mergel.
4,6 m Terebratelscbichten :
10 — 15 O.T. 2 Kalkbänkchen, z. T. Knauerkalk mit viel Tere-
brateln. Gervillia socialis, substriata, subcostata ; Myalina
eduliformis, Terqucnua complicata, Austern. Ceratites
semipartitus.
20 graugrüne bis gelbe Mergelschiefer.
10 fester blauer Splitterkalk.
40 — 50 G I : graugrüner Mergelschiefer.
100 Wulstkalke und Mergel zwischen 2 Splitterkalkbänken;
Gervillia, Ceratites dorsoplanus.
ca. 100 G II : graugelber Mergel, verschüttet.
110 gelbgraue und rötliche Splitterkalke mit Terebrateln und
Austernriffen, bald anschwellend, einheitlich, massig, bald
in viele einzelne Bänke zerteilt.
70 K: gelbe Mergel (verschüttet) mit dünnen Kalkplatten.
Gervillia.
1 m Hauptterebratelbank, sehr reich, kalkig, mitten blättrig-bröcklig,
oben und unten fester.
Oberer Gervillienkalk, beginnend mit gelbem Mergel (M I), Gervillien-
platten und .ID/Glus-Platten (170 cm unter H.T.).
des oberen Hauptmuschelkalks in Elsaß-Lothringen. 5£5
Profil Wasselnheim — Zeinsheim (kombiniert).
1(— 2) m Fränkische Grenzschichten: Glaukonitkalk mit Bonebed, Fluidal-
struktur, gelbe Mergel, schwach wellige Kalke.
ca. 6m Terebratelschichten: oben 65 cm Splitterkalk, brecciös (O.T.?),
unten mit Sphärocodien und Bleiglanz. Dann gelbe Dolo-
mite, wenig Kalk, Myophoria Goldfussi ; unten gelbe Mergel,
1,2— 1,9 m Hauptterebratelbank, reich an Terebrateln, oben Myophoria
Goldfussi, dolomitisch, blättrig, unten kalkig.
5,8 m Oberer Gervillienkalk :
50 M I gelbe Mergel mit Kalkbänken. Gervillia socialis.
180 Muschelbänke , Blaukalk und Mergel, Gervillia socialis,
Austern, Myophoria Goldfussi.
40 gelbe Mergel. Einkeilender Dolomit.
160 Splitterkalk, Blaukalk und Mergel. Linsen von Chalcedon.
40 MII gelbe Mergel, senkrecht kliiftend.
100 Splitterkalkbänke, mitten Blaukalk und Mergel.
20 MIII gelbe Mergel.
ca. 4,8 m Unterer Gervillienkalk:
40 Bank der kleinen Terebrateln = K.T., oben Muschel-
bank; kleine Terebrateln mit Kieselringen, Gervillia socialis
Myophori a Goldfussi , Pseudomonotis Alberti, Austern,
Lima, Sphärocodien.
170 Muschelbänke mit Gervillia (Hebräer), Blaukalk, Myaciten.
60 Wulstkalk und Mergel, große Gervillien, kleine Ceratiten
(wie in Franken).
180 Muschelbänke mit Mergel, Gervillia, Lima.
30 Mergel.
p
Obere -ZVodosas-Platten beginnend mit Splitterkalk und Kornstein.
Zur Dolomitfrage.
Der Dolomit setzt diesseits wie jenseits des Rheines unter
der oberen Terebratelbank bezw. unter dem oberen Sphärocodien-
kalk ein. Zunächst werden die terebratelführenden Schichten
zwischen der zweiten gelben Bank (G II) und der Hauptterebratel-
bank (H.T.) dolomitisch, einerlei, ob im nördlichen Enz- und Murr-
gebiet und im südlichen Kraichgau oder am Ostrande der Vogesen
(Wasselnheim) oder im Gebiet der französischen Nied (Vaucremont —
Silbernachen — Kürzel und Aidlingen — Busendorf). Stets werden
die gelben Dolomite von reinen blauen Kalken oder
Splitter kalken überlagert, und normal macht der Dolomit
unter dem oberen Sphär ocodienkalk halt. Werden die
gelben Dolomite zu Grenzschichten gegen die Lettenkohle (Rems-
tal), so sind eben die blauen Kalke darüber ausgekeilt. Weiter
586
G. Wagner, Beiträge zur Kenntnis
nach Süden bezw. Südosten (im unteren Saargebiet wohl nach
Nordwesten) geht der Dolomit auch weiter herab , die Haupt-
terebratelbank wird dolomitisch, und in den Gervillienkalken treten
bei Sulzbad Dolomite auf, genau wie am mittleren Neckar. Diese
Dolomite des Elsasses und in Lothringen entsprechen
genau unserem Trigonodus-D olomit (der ja auch normal
keinen Trigonodus führt). Sie haben nichts zu tun mit der „unteren
dolomitischen Region“, ebensowenig wie unser Trigonodus-Dolomit
mit den Fränkischen Grenzschichten, in denen allerdings gelegent-
lich auch dolomitische Lagen auftreten können.
Zugleich mit dem Einsetzen des Dolomits beginnt auch eine
Verarmung der Fauna. Die Ceratiten fehlen fast ganz in
den Dolomiten und sind sehr spärlich auch in den Kalkbänken des
Dolomitgebiets, besonders im Süden. Am Rande des Dolomitgebiets
sind Terebrateln in der Hauptterebratelbank noch sehr häufig;
bei Sulzbad werden sie schon spärlicher — obwohl noch genügend
vorhanden sind, um die Bank deutlich zu erkennen — , und weiter
im Süden (Rappoltsweiler, Freiburg) scheinen sie zu fehlen. Da-
gegen wird Myoplioria Goldfussi häufiger; sie bevorzugt
geradezu Dolomitgebiete, in denen Pccten, Lima, Terquemia, Mytilus
(= Myalina ) ziemlich selten werden. Die kleinen Terebrateln
haben am Rande der Dolomitgebiete ihre schönste und reichste
Entfaltung (denn hier sind diese Schichten noch kalkig, weiter im
Süden jedoch treten sie mehr zurück, an ihre Stelle tritt in Schwa-
ben Myoplioria Goldfussi). Aufschlüsse im Dolomitgebiet zeigen
häufig eine abschreckende Armut an Fossilien, und den großen
Steinbrüchen am oberen Neckar (Rottenburg) und bei Bietigheim
stehen die im südlichen Elsaß würdig zur Seite. Allerdings zeigen
einzelne Orte eine überaus reiche Fauna (Marbach — Dürrheim —
Zimmern), aber das sind nur nesterweise Vorkommen. Diese Fossil-
armut gegenüber den reichen Schätzen im Tongebiet ist nur zu
einem sehr geringen Teil sekundär, d. li. durch Zerstörung der
Fossilreste entstanden. Vor allem aber beweist dies die eigen-
artige Auslese unter den Formen. Die Dolomitfauna ist wesent-
lich verschieden von der Kalkfauna, man könnte fast sagen, sie
habe mehr Letten kohlen Charakter. Dazu finden wir am Rande
des Dolomitgebiets im Dolomit noch deutliche Terebratelbänke, die
erst weiter im Süden im Dolomit untergehen. Und die zwisclieu-
liegenden Kalkbänke sind meist ebenso steril wie die Dolomite.
Der Trigonodus-Doloimt tritt auch nicht sporadisch auf, sondern
flächen ha ft. Die Dolomite des Elsasses wie die von Freiburg
bilden mit denen Schwabens und des südlichen Frankens ein ein-
heitliches Dolomitgebiet, in dem immer dieselben Schichten
(nach Süden entsprechend mehr) gelbe Dolomite sind. Den Rand
des Dolomitgebiets begleiten die Sphärocodien (unter der oberen
Terebratelbank und im unteren Gervillienkalk). In Schwaben
des oberen Hauptnmschelkalks in Elsaß-Lothringen.
587
kommen dazu noch Oolithe. Außerdem steigt in Schwaben wie
in der Rheintalsenke der Gehalt an Kieselsäure mit der Zu-
nahme des Dolomitgehalts. Zunächst sind es nur einzelne ver-
kieselte Schalen, weiter nach Süden aber verkieselu ganze Bänke
(Oolitli von Stetten — Haigerloch) oder vereinigt sich die Kieselsäure
in langgestreckten Chalcedonknollen (Wasselnheim — Sulzbad,
Kappoltsweiler — Freiburg); diese werden nach Süden immer häufiger.
Alle diese Tatsachen lassen sich befriedigend und ungezwungen
nur dann erklären, wenn man die primäre Entstehung des
Dolomits zur Muschelkalkzeit annimmt. Eine nachträgliche
Dolomitisierung durch Tagwässer etc. ist bei der riesigen Ver-
breitung des Trh/onorfits-Doloraits ausgeschlossen, denn das südliche
Dolomitgebiet hat eine Ausdehnung von ca. 100X200 km. Eine
sekundäre Dolomitisierung kann unmöglich so regelmäßig und flächen-
haft wirken; zum mindesten wären dann wohl einige Kalksporaden
im Dolomitgebiet übrig geblieben. Dazu bleibt vollkommen unver-
ständlich, warum weiter beckeneinwärts der Dolomit an Mächtig-
keit abnimmt — an seine Stelle treten Kalke und Tone — und
gleichzeitig die Dolomitisierung allmählich ausklingt — der Dolomit-
gehalt fällt nach Norden — ; ferner die horizontale Verzahnung
mit blauen Kalken und kalkigen Muschelbänken, die Überlagerung
des Dolomits durch den Sphärocodienkalk. Erst wo dieser
auskeilt, wird der Dolomit die höchste Muschelkalk-
schicht. Was aber am meisten in die Augen fällt, ist der merk-
würdige Zusammenhang mit den Küstenlinien (Dolomit im Gebiet
der auskeilenden Schichten) und die Umrandung des Dolomitgebiets
durch Sphärocodien, die Bewohner der Flachsee.
Daß sekundäre Dolomitisierung vorkommt, sei unbestritten.
Daß lokale Dolomitisierung größerer Schichtenstöße so erfolgt
sein kann, ist nicht ausgeschlossen, und besonders bei sporadischem
Auftreten des Dolomits wird damit zu rechnen sein. Auch wandert
der Dolomit aus einem Schichtenglied in ein anderes, daher können
lokal auch tiefere oder höhere Schichten dolomitisiert sein. Ferner
wird durch die Verwitterung, durch Tagwässer der Dolomitgehalt
viel schärfer herausgehoben, und Gesteine, die frisch nur wenige
Prozent Dolomit enthalten, bekommen dann ganz das Aussehen von
Dolomit. So können aber nur beschränkte, lokale Dolomitvorkommen
erklärt werden. Die Hauptmasse der Muschelkalkdolomite, beson-
ders der Trigonodus-DcAomit, haben ihren Dolomitgehalt aus der
Muschelkalkzeit. Denn nie kann eine sekundäre Dolomitisierung
so einheitlich und so flächenhaft wirken. Man behauptet ja auch
nicht vom Grenzdolomit der Lettenkohle, daß er sekundär dolomiti-
siert sei. Dazu ist es gerade der Süden, der auch im unteren
Trochitenkalk gelbe Dolomite, z. T. mit Trochiten (Sulz) enthält,
während die mittleren Schichten des Hauptmuschelkalks kalkig
bleiben. Gerade im Süden ist auch der Dolomitgehalt im unteren
588
G. Wagner, Beiträge zur Kenntnis
Muschelkalk am stärksten; nach Norden nimmt der Wellen dolomit
mehr und mehr an Mächtigkeit ah, und kalkige Gesteine treten an
seine Stelle. Und diese weitgehende Übereinstimmung im Auftreten
aller Dolomite im Muschelkalk sollte durch reinen Zufall entstanden
sein ? Und woher soll denn die ungeheure Dolomitmasse kommen ?
So bleibt der Dolomit als Sediment der Flach see, die
sich in Schwaben, im südlichen Baden und Elsaß ausdehnte, und
wo sich gegen die Ardennen zu im Gebiet der französischen Nied
das Muschelkalkmeer verflachte, tritt wieder Dolomit auf. Der
Dolomit entstand zu gleicher Zeit im Mosel- wie im Neckarland
und im Rheintal, im Süden schon etwas früher. Mit dem Auf-
blühen der letzten Sphärocodien schließen auch die massigen gelben
Dolomite, und was von der „dolomitischen Region“ noch zum
Muschelkalk gehört, ist entweder reiner Kalk, Mergel und Ton,
oder aber ein dolomitischer Kalk und Mergel. Nie treten hier die
porösen, gelben, massigen Dolomite auf wie im Trigronodus-Dolomit.
Die Ausdehnung der Dolomitgebiete wirft auch neues Licht
auf die alten Meereszusammenhänge. Durchs südliche Württem-
berg, Baden und Elsaß kann im oberen Hauptmuschelkalk keine tiefe
Verbindung nach Süden bestanden haben; denn hier dehnte sich ein
seichtes, wahrscheinlich warmes Meer aus, das von den Ceratiten
möglichst gemieden wurde. Im südlichen Elsaß sind Ceratiten ebenso
selten wie im südlichen Württemberg und Baden. Auch über die
mittlere Mosel bestand wohl kaum eine Verbindung nach Westen.
Die Mulde verlief vielmehr jenseits der Vogesen über Rohrbach —
Saargemiind — Falkenberg und von da wohl über Luneville — Epinal
zur Saöne und Rhone gegen Toulon. Fast möchte man den Satz
aussprechen : Das Verbreitungsgebiet der hochmündigen Ceratiten —
von spärlichen Funden müßte abgesehen werden — ist das Gebiet
des tieferen Muschelkalkmeeres.
Über die Abgrenzung der Schichten.
Jenseits des Rheines rechnet man die Fränkischen Grenz-
schichten zur Lettenkohle (kiij) und zwar nur deshalb, weil es
die Preußen in der Rheinprovinz so gemacht hatten. Daß in
Franken eine Abgrenzung über den Terebratelschichten unnatür-
lich, unpraktisch, sinnwidrig wäre, habe ich schon früher nachgewiesen
(Geologische Abhandlungen von Koken 1913. 12. Heft 3). Aber die
Übereinstimmung zwischen dem Muschelkalk diesseits und jenseits
des Rheines ist eine außerordentlich weitgehende. Das Saargebiet
bei Saargemünd — Rohrbach — Falkenberg hat dieselbe Ausbildung
des obersten Hauptmuschelkalkes wie das Gebiet am unteren Kocher
oder im Beckeninnern (Bauland). Hier sind Semipartiten nicht
allzu selten über der oberen Terebratelbank, und bei Falkenberg
fanden wir in wenigen Stunden zwei Semipartiten über der oberen
Terebratelbank, also in unseren Fränkischen Grenzschichten. Sie
des oberen Hauptmuschelkalks in Elsaß-Lothringen.
589
fehlen hier also drüben ebensowenig wie hüben, obwohl sie in den
Terebratelschichten noch häufiger sind. Schichten mit Ceratiten
dürfen aber nicht in die Lettenkohle gestellt werden. Nun läßt
sich aber die Fischschuppenbank (= Grenzbonebed) im Saargebiet
sehr gut festhalten, wie mir Herr Bergrat Schumacher freundlichst
mitteilte. Auch enthält die Trigonodus-Region (= Glaukonitkalk)
mehr Kalk als Dolomit , und ihre Fossilien stehen denen des
Muschelkalks näher als denen der Lettenkohle. Paläontologiscli
ist also eine Abgrenzung über der oberen Terebratelbank nicht zu
rechtfertigen, ebensowenig petrographisch. Wohl ist es möglich,
im Gebiete der normalen Ausbildung eine Trennungslinie über der
oberen Terebratelbank zu ziehen. Wie aber, wenn diese fossilarm
wird, so daß es die größten Schwierigkeiten bietet, sie zu finden?
Oder, wenn au Stelle der normalen tonreichen Ausbildung die Kalk-
uud Dolomitfazies tritt? Dann ist diese Grenze unnatürlich, un-
praktisch, unmöglich. Hätte man mit dem Kartieren etwa auf
Blatt Zabern begonnen, wäre man nie auf den Gedanken gekommen,
eine andere Grenze zu wählen als die unsere. Denn dort ist die
typische Kalkfazies wie etwa bei Lauffen a. N. — Hall — Kirchberg.
Dann steht man vor einer hohen Kalkwand, die von Mergeln und
Tonen mit etwas Dolomit überlagert wird. Und jeder unbefangene
Beobachter wird dann die richtige Grenze wählen , während die
Trennungslinie über der oberen Terebratelbank bei uns nicht immer
leicht und jenseits des Eheines sehr schwer zu finden ist, vielleicht
sich manchmal mit Sicherheit überhaupt nicht immer festhalten läßt,
am wenigsten im Gelände. So bleibt als einzige überall brauchbare
und durchführbare paläontologische und petrographische Grenze die
übrig, die auch Koken vertrat, über dem Glaukonitkalk = „ Tri-
(jonodus-Region“ .
Landschaftlich läßt sich allerdings in Lothringen die
Grenze Muschelkalk — Lettenkohle weniger leicht festhalten, denn
der obere Muschelkalk enthält sehr viel Tonlagen und die untere
Lettenkohle noch ziemlich viel Dolomitbänke. So hebt sich die
Grenze nicht als eine so deutliche Kante heraus wie in Franken.
Auch Dohnen sind im lothringischen Muschelkalk sehr selten, er
ist dazu viel zu tonig. In dem kalkreichen elsässischen Muschel-
kalk hätten sich ähnliche Landschaftsformen wie bei uns entwickelt,
wenn er nicht durch Verwerfungen viel zu sehr zerstückelt
worden wäre.
590
Versammlungen und Sitzungsberichte.
Versammlungen und Sitzungsberichte.
Londoner Mineralogische Gesellschaft. Versammlung
am 17. Juni unter dem Vorsitz von Dr. A. E. H. Tutton,
F. R. S.
W. L. Bragg: Kristallstruktur durch Röntgen-
stra hlen sichtbar gemacht. Die Untersuchung der
Diffraktionsbilder, die man erhält, wenn X-Strahlen durch eine
Platte eines Kristalls hindurchgehen, zeigt, daß in vielen ein-
fachen Kristallen die Diffraktion durch ein System von Punkten
hervorgebracht wird, die in einem Raumgitter angeordnet sind.
Dies ist der Fall, wenn das Molekül entweder nur ein einziges
schweres Atom von mindestens dem doppelten Atomgewicht der
übrigen Konstituenten enthält, oder nur zwei Atome von nahe
demselben Atomgewicht. Bei Vergleichung der Bilder, die von
gewissen Alkalihaloiden, wie KCl und IvBr hervorgebracht werden,
wird eine bestimmte Struktur dieser regulären Kristalle klar an-
gedeutet, und es sieht aus, als wären die Atome in einem Raum-
gitter angeordnet, dessen Elementarparallelepiped der Würfel ist,
in der Weise, daß die beiderlei Atome auf den Achsen miteinander
abwechseln, so daß die Atome jeder Art die Ebenen eines kubischen
Raumgitters bilden. Diese Schlüsse werden bestätigt durch eine
Vergleichung der Distanzen zwischen Ebenen parallel mit den
verschiedenen Flächen dieser Kristalle, ausgeführt mit dem
X-Strahlen-Reflexionsspektrometer , und es zeigt sich, daß ein
einzelnes Atom mit jedem Punkt des Raumgitters verbunden ist,
das in dem betreffenden Fall die Diffraktion bewirkt, z. B. bei
den Alkalihaloiden, dem Kalkspat, Flußspat, der Blende und den
Pyriten. Wenn die angenommene Kristallstruktur die richtige ist,
gibt eine einfache Rechnung die absolute Wellenlänge in Zentimetern
der homogenen Bestandteile in dem X-Strahlenbündel von einer
Platin-Antikathode.
H. V. Ells worth : Der Kristall liabitus des Topases
von Neu-Br aunschweig in Kanada. Topas, ein seltenes
Mineral in Kanada, findet sich in York Co. in Neu-Braunschweig
mit Wolframit, Molybdänglanz und etwas Flußspat. An den
Kristallen herrschen die Formen: (110), (120), (Oll) und (112),
aber auch noch andere Pyramiden und Prismen sind fast immer
vorhanden; im ganzen sind 16 Formen beobachtet worden. Matte
Flächen wurden nach Brashear’s Verfahren mit einem Überzug
von Silber versehen, in dein eine ammoniakalische Lösung von
Silbernitrat durch eine Zuckorlösung reduziert wurde.
Dr. Gf. T. Prior : Über den Meteoriten, der im
September 1911 bei Baroti im P endschab (Indien)
fiel. Der Stein, der zu Tschermak’s Gruppe der „intermediären
Chondrite“ gehört, ergab bei der Analyse ungefähr 9 0 o Nickel-
Besprechungen.
591
eisen und 7 °/o Troilit, die in kleinen Partikeln durch eine farb-
lose Grundmasse von Enstatit und Olivin mit nur wenigen Chondren
zerstreut waren.
Dr. A. W. Gibb zeigte Kämm er er it von Unst, einer der
Shetlands-Inseln vor.
Besprechungen.
F. Rinne: Allgemeine Kristallographie und
Mineralogie aus Teil III, Abt. III, 2. des Werkes „Die
Kultur der Gegenwart“, herausgeg. von P. Hinneberg. Leipzig
und Berlin bei B. G. Teubner. 1913. 117 p. 53 Abb.
Das unsere Zeit kennzeichnende Bedürfnis nach Übersichten
und Zusammenfassungen der wissenschaftlichen Ergebnisse des ver-
gangenen Jahrhunderts findet in dem großen Werke „Die Kultur
der Gegenwart“ eine glänzende Befriedigung. Ein Band dieses
Werkes wird von der Chemie, zusammen mit Mineralogie und
Kristallographie eingenommen. Der letztere Abschnitt ist von
F. Kinne in musterhafter Weise bearbeitet. Die Schrift ist zwar
vorwiegend für Nichtmineralogen gedacht, sie wird jedoch auch
dem Fachmann durch die Form der Darstellung, die von den
üblichen Büchern über Kristallographie und Mineralogie erheblich
abweicht, von großem Werte sein. Zunächst werden in den ein-
führenden Betrachtungen das Wesen der kristallinen und amorphen
Materie, das Wachstum der Kristalle, die Reaktionen im festen
Zustande und der chemische Ab- und Umbau von Kristallen be-
sprochen. Es folgt ein geometrisch-kristallographisches Kapitel,
das die Formeigenschaften des Stoffes im kristallisierten Zustande
und ihre Erforschung in großen Zügen wiedergibt. Im Abschnitt
„Physikalische Kristallographie“ sind entsprechend der üblichen
Arbeitsteilung die Kohäsions- und die optischen Eigenschaften der
Kristalle eingehender behandelt, während die übrigen physikalischen
Eigenschaften bis auf kurze Andeutungen der eigentlichen Physik
überlassen bleiben. Unter dem Titel „Chemische Kristallographie“
hat der Verf. die Kristallisationserscheinungen von Lösungen und
Schmelzen (Lehre der heterogenen Gleichgewichte), weiterhin die
Metamorphosen im Mineralreich, wie Verwitterungsvorgänge,
Kontaktmetamorphose, Dynamometamorphose. Metamorphose der
Salzlager und dergl. beschrieben. Das Schlußkapitel wird als
„Beziehungen zwischen dem chemischen und dem physikalischen
sowie geometrischen Wesen der Kristalle“ bezeichnet und ist
hauptsächlich den Erscheinungen der Polymorphie, Isomorphie und
Mischkristallbildung gewidmet. Auf Einzelheiten kann in dieser
kurzen Besprechung nicht eingegangen werden ; es sei die Lesung
der Schrift aufs wärmste empfohlen. H. E. Boeke.
592
Besprechungen. — Personalia.
Gottlob Linck: Grundriß der Kristallographie für
Studierende und zum Selbstunterricht. Dritte ver-
besserte Auflage. Jena bei Gustav Fischer. 1913. 271 p. Mit
3 farbigen Tafeln und 631 Originalflguren im Text.
Die erste Auflage ist im Jahre 1896 erschienen (vergl. N. Jalirb.
f. Min. etc. 1896. I. - 379 -). Das Buch hat dureli sein Erscheinen
in dritter Auflage (zweite Auflage 1908) seine an der genannten
Stelle hervorgehobene Brauchbarkeit erwiesen. Während die zweite
Auflage eine fast vollständige Neubearbeitung der ersten darstellt,
ist diese dritte im wesentlichen unverändert geblieben. Nur wenig
ist, den Bedürfnissen der fortschreitenden Wissenschaft entsprechend,
verändert und hinzugefügt worden, wodurch der Umfang von
254 Seiten der zweiten Auflage auf 272 Seiten der jetzigen, die
Zahl der Figuren von 604 auf 631 gestiegen ist. Neu ist im
kristallographischen Teil u. a. die Erwähnung der Komplikations-
regel, im optischen die Erläuterung der HrYGHExs’schen Konstruktion
an der Hand einiger Figuren, der Abschnitt über Indexflächen ein-
achsiger Kristalle und die Bestimmung des Charakters der Doppel-
brechung mittels des Gipsplättchens mit Rot I. Ordnung ; um-
gearbeitet ist u. a. der Abschnitt über optisch anomale Kristalle.
Die Ausstattung des Buchs ist gediegen und die Abbildungen meist
instruktiv, doch nicht alle, die bei ferneren Aufgaben wohl durch
andere ersetzt werden könnten. Hierher gehört u. a. die neue
Fig. 458, die Wärmeleitungskurve des Gipses darstellend, die
Fig. 429 der zweiten Auflage in wenig glücklicher Weise ersetzt;
wenig charakteristisch sind die neue Fig. 360 zur Erläuterung der
Zwillingslamellen im Kalkspat, und die Abbildung Fig. 6 der Kocli-
salzschiisselchen. Die Darstellung der Interferenzfarben auf Tafel I
ist, der zweiten Auflage gegenüber, erheblich weniger gelungen ;
hauptsächlich siud die Grenzen der einzelnen Ordnungen viel
zu scharf. Max Bauer.
Emil Abderhalden: Fortschritte der naturwissen-
schaftlichen Forschung. 8. Berlin und Wien, bei Urban u.
Schwarzenberg. 1913. 308 p. Mit 1 Tafel und 217 Textfiguren.
Der vorliegende Band der bekannten „Fortschritte“ enthält
aus dem Gebiete der Paläontologie und Geologie die beiden Ab-
handlungen: F. Broili: Unser Wissen über die ältesten Tetrapoden,
p. 51 — 93, mit zahlreichen Textfiguren, und F. Frech: Baukunst
und Erdbeben, p. 287 — 308, mit 1 Tafel und vielen Textfiguren.
Von mineralogischem Interesse ist: W. Guertler: Stand der
Forschungen auf dem Gebiete der Metallographie, p. 1 — 50, mit
13 Textfiguren. Max Bauer.
Personalia.
Gestorben: Geh. Reg. -Rat Dr. H. Haas, ein. Professor der
Geologie und Paläontologie in Kiel.
H. Backlund, Ueber chemische Veränderungen in Gesteinen. 593
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Ueber chemische Veränderungen in mechanisch deformierten
Gesteinen.
Von Helge Backlund.
In einer Untersuchung der „Quarzporphyr- und Por-
phyr oidformation in Südpatagonien und Feuer land“
veröffentlichte Quensel1 bemerkenswerte Daten über die chemische
Veränderung, welche in einem Effusivgesteine bei seiner mechanischen
Umformung vorsichgegangen. Allerdings sucht Quensel, diese Ver-
änderung teilweise durch Hinzuziehung von hydrothermalen Agentien
zu erklären, doch sind die Spuren dieser Einwirkung im Gestein
sehr gering und diese Erklärung deshalb nicht einwandfrei. Da
aber seine Angabe in der Literatur ziemlich vereinzelt dasteht,
so konnte die chemische Veränderung nicht ausschließlich auf
Rechnung der mechanischen Deformation gestellt werden. Denn
geologische und chemisch-petrographische Paralleluntersuchungen
von Eruptivgesteinen und aus ihnen durch Druckmetamorphose oder
vollständige mechanische Zertrümmerung entstandenen schiefrigen
Gesteinen und Myloniten sind in der Fachliteratur nicht gerade
häufig anzutreffen oder fanden nicht die gebührende Beachtung.
Es ist nicht der Zweck dieser Notiz, die zerstreute einschlägige
Literatur des im Titel erwähnten Gegenstandes kritisch zu erörtern 2,
oder auf Grund von ausgiebigem Untersuchungsmaterial die gesetz-
mäßigen Beziehungen einer eventuellen chemischen Veränderung in
deformierten Gesteinen darzulegen. In den folgenden Zeilen soll
ein weiteres Beispiel den patagonischen Quarzporphyren zur Seite
gestellt werden, und zwar handelt es sich um die chemischen Ver-
änderungen in einem deformierten Tiefengestein. Die ausführliche
geologische und petrographische Beschreibung sowie die Angabe
der das Vorkommen betreffenden Literatur erschien in spanischer
Sprache an anderer Stelle3, doch da sie vielleicht weniger zu-
gänglich ist, erscheint eine kurze Veröffentlichung in deutscher
Sprache gerechtfertigt.
In meiner Eigenschaft als Petrograph der Direcciön Ge-
neral de Minas, Geologia e Hidrologia in Buenos Aires
1 Bull. Geol. Inst. Upsala. Vol. XII. (1913.) p. 9—40.
3 In Buenos Aires ist die Literatur schwer zugänglich.
3 Vergl. H. Backlund, Algunas observaciones sobre rocas notables
provenientes de Olavarria ipro v. de Buenos Aires). Boletin del Mini-
sterio de Agricultura. Abril 1913. Buenos Aires.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913.
38
594
H. Backlund, Ueber chemische Veränderungen
wurden mir im Juli 1912 9 Handstücke zur Bestimmung vorgelegt,
deren auffälliges Aussehen mich zu einer Besichtigung des Vor-
kommens im Felde bewog. Eine Durchsicht der zugehörigen Dünn-
schliffe bestärkte mich in dieser Absicht nnd dank dem liebens-
würdigen Entgegenkommen des Direktors, Ingenieur E. Hermitte,
und des Chefs der Secciön Geologia, Dr. H. Reidel, konnte ich
dem Vorkommen von Cerro Negro (Partido de Olavarria, Prov.
Buenos Aires) einige Tage widmen.
Der Cerro Negro ist ein flacher Hügel von ungefähr 1700 m
Länge und 700 m Breite, der sich ungefähr 60 m, mit der Längs-
achse in der Richtung ENE — WSW, aus der flach undulierten
Ebene der Pampa erhebt. Das anstehende Massengestein ist längs
dem flachen Kamm nnd am oberen Drittel der Abhänge anzutreffen,
stellenweise durch Erdbedeckung verhüllt, wie auch die unteren
zwei Drittel fast ganz erdbedeckt sind.
Das Hauptgestein ist ein roter Augengneis, der in einer breiten
(200 — 250 m) Zone längs dem Südabhang anzutreffen ist. Es ist
ein gepreßter, grobporphyrischer Granit. Die einzelnen roten Feld-
spataugen erreichen eine Maximallänge von 8 cm bei 3 cm Breite.
Zwischen ihnen zieht sich, scharf an den Feldspataugen absetzend,
die körnige Zwischenmasse wie Schnüre hin , aus dunklem , fast
schwarzem Quarz und schwarzer Hornblende mit spärlichen Glimmer-
blättchen bestehend ; auch farblose und weiße Plagioklaskörner sind
hier zu sehen. Die durch die Feldspataugen scharf ausgesprochene
Paralleltextur streicht senkrecht in Richtung NE 100° (rnagn.).
Auf dem Hauptbruch erscheint das Gestein massig, und nur eine
ländliche Zertrümmerung der großen Feldspattafeln sowie eine deut-
liche Verbiegung der Spaltflächen deutet auf eine starke mechanische
Beeinflussung; auch sind hier größere, zusammenhängende Quarz-
felder als Zwischeuklemmung und kleine Hornblendekristalle zu
sehen.
Das Hauptgestein wird von (grobkörnigen) Linsen nnd (fein-
körnigen) Bändern durchzogen, die fast ausschließlich aus rotem
Feldspat und Quarz bestehen. Ihre scharf ausgesprochene Parallel-
textur zeigt keinerlei oder nur lokale (in den Ausbuchtungen der
Linsen) Abweichung von der herrschenden Paralleltextur, und sie
sind wohl teils als Derivate von Pegmatiten (die Linsen), teils von
Apliten (die Bänder) zu deuten ; ihre Abgrenzung zum Hauptgestein
hin ist unscharf. In dem Hauptgestein sind auch ebenkörnige Par-
tien von mittlerem Korn und normal granitischer Zusammensetzung
anzutreffen, die sich dem Hauptgestein stellenweise einfiigen nnd
die als Granitgneise (mit scharf ausgesprochener Paralleltextur)
schlechthin zu bezeichnen sind. Auch ein an dunklen Gemeng-
teilen und Plagioklas angereichertes feinkörniges Gestein wurde
angetroffen , dessen Beziehungen zum Hauptgestein wegen Erd-
bedeckung nicht festgestellt werden konnten; es enthält makro-
in mechanisch deformierten Gesteinen.
595
skopisch Granat in vereinzelten kleinen Körnern und dürfte wohl
als ein dioritisches Differentiationsprodukt (durch Einschmelzung
von exogenen Einschlüssen entstanden ?) anzusehen sein; seine aus-
gesprochene Paralleltextur stimmt mit dem des Hauptgesteins voll-
ständig überein.
Das Hauptgestein wird von einer Reihe von Spaltensystemen
durchzogen. Des einen Systems, in der Richtung NE 155° ver-
laufend und aus offenen Spalten bestehend, im Verein mit einer
grobbankigen Absonderung parallel der Oberfläche , bedient sich
der kleine Steinbruchsbetrieb des Herrn Laclau, und es werden
vorzügliche Blöcke von respektablen Dimensionen gewonnen. Die
anderen Spaltungssysteme sind älter, vollständig zusammengeschweißt
und folgen teils der Paralleltextur, teils verlaufen sie in den Rich-
tungen NE 55° und NW 15°. Sie heben sich meist als scharfe
und schmale schwarze Linien von dem durchlaufenden Gestein ab,
um einerseits vollständig zu verschwinden , andrerseits breiter
zu werden. Die Verbreiterung vollzieht sich gewöhnlich in der
Richtung der Punkte, in denen sich die Spalten der verschiedenen
(älteren) Systeme kreuzen, und im Kreuzungspunkt sieht man eine
mehr oder weniger scharf begrenzte Gesteinspartie von tiefschwarzer
Farbe, in dem einzelne, mehr oder weniger dunkle Trümmer des
Hauptgesteins gleichwie herumschwimmen. Wenn man eine solche
Spalte von ihrem haarscharfen, fast unsichtbaren Beginn im Gestein
bis zum Kreuzungspunkt Schritt für Schritt verfolgt , kann man
sich überzeugen, daß längs ihr Differentialbewegungen sowohl in
horizontaler wie in vertikaler Richtung vorsichgegangen: die Feld-
spataugen sind oft in zwei Teile getrennt und die beiden Teile
weit voneinander weggerückt, und oft sind zu den längs der einen
Seite der Spalte verteilten Feldspathälften die zugehörigen auf der
anderen Seite gar nicht aufzuflnden (horizontale Bewegung von
großem Ausmaße, oder vertikale Bewegung?). Die schwarze dichte
Masse, welche die Spalte bei sichtbarer Breite scharf begrenzt
ausfüllt, nimmt zum Kreuzungspunkt an Breite zu, und hier, wo
sie Flächen von größeren Dimensionen bildet, kann man dank den
in diesen Partien schwimmenden Bruchstücken des Hauptgesteins
einigen Aufschluß über die Natur der schwarzen dichten Masse
erhalten : die Ecken des in die schwarze Masse hineinragenden
Hauptgesteins sind zertrümmert und mit zunehmender Feinheit des
Korns nimmt auch die dunkle Färbung zu; die Bruchstücke zeigen
stark zertrümmerten Rand , und ähnliche Übergänge mit feinem
Korn sind auch hier zu beobachten. Von kaustisch-magmatischer
Einwirkung ist keine Spur zu sehen, und wie auch die mikro-
skopische Untersuchung es bestätigte , kann von einem durch-
brechenden, dichten Eruptivgestein nicht die Rede sein. Die wieder-
holt beobachteten graduellen Übergänge lassen nur eine Deutung
des dichten schwarzen Gesteins in den Spalten und ihren Kreuzungs-
38*
596
H. Backlund, Ueber chemische Veränderungen
punkten zu : es ist ein Reibungsprodukt des Hauptgesteins , und
zwar ein vollständig zementiertes: ein regeneriertes Gestein. In
den Kreuzungspunkten der Spalten kann man beobachten, daß die
Horizontalbewegung in allen möglichen Azimuten vorsicligegangen
ist: die einzelnen Blöcke sind in allen Richtungen aneinander ver-
schoben und hierbei sind die vorspringenden Ecken abgestoßen und
zu einem feinen Mehl verrieben ; das sind eben die schwarzen Par-
tien. Diese Partien nehmen an Umfang und Häufigkeit in der
Richtung des Kammes vom Cerro Negro zu, und die relativ un-
versehrt gebliebenen Blöcke des Hauptgesteins liegen gewissermaßen
in einem weitmaschigen, in der Richtung der Paralleltextur aus-
gezogenen flachen Netze von schwarzen „Adern“ oder Reibungszonen.
Als Spezialbeobachtung kann erwähnt werden , daß die in den
schwarzen Flächen der Ecken verhältnismäßig unversehrt gebliebenen
Bruchstücke eine relativ wenig ausgesprochene Augengneistextur
zeigen; sie fehlt hier manchmal scheinbar ganz. Vielleicht dürfte
das ein Hinweis darauf sein, daß die Kräfte, die im Hauptgestein
die Augengneistextur verursachten1, in ununterbrochener Folge die
lokale vollständige Zertrümmerung des Gesteins hervorriefen.
Von der Kammlinie nach Norden und am ganzen Nordabhang
sind die dunklen, dichten Gesteine im Übergewicht; in langen Zonen,
Linsen und Bändern ziehen sie sich zwischen relativ gut erhaltenen
Hauptgesteinsbändern dahin, und die Abwechslung ist ungemein
unregelmäßig und mannigfaltig. Zu den dunklen Gesteinen gesellen
sich Bänder von ziegelroter Farbe und dichter Beschaffenheit. Es
sind dies, wie der stete Übergang zum und die Analogien im Haupt-
gestein zeigten, Abkömmlinge der pegmatitischen und aplitischen
Massen. Die Paralleltextur, wo sie durch Abwechslung von dunkler
(Quarz) und heller (Feldspat) gefärbten Streifen sichtbar ist, stimmt
mit dem des Hauptgesteins im allgemeinen überein. Auch in den
ganz dichten schwarzen Gesteinen läßt sich diese Paralleltextur
feststellen durch reihenförmig angeordnete , fast mikroskopische
Reliktminerale (meist Plagioklas, siehe weiter unten). Eine aus-
gesprochene Schieferung fehlt dagegen ganz, die dichten Gesteine
haben meist einen unregelmäßigen Bruch, dem des Feuersteins ähnlich.
In großen Zügen ließen sich folgende konstant wiederkelireude
Texturvarietäten 2 unterscheiden :
1. Bändergneis. Abwechselnd schwarze und rote Streifen von
5 mm Länge und 20 cm und mehr Breite, die ersten fast dicht,
aus Quarz, den farbigen Gemengteilen und Plagioklas bestehend,
die zweiten deutlich körnig , mit kleineren Spaltflächen , aus den
roten Feldspatindividuen (Mikroklin) entstanden.
1 Daß die Augengneistextur wohl ausschließlich der Druckmetamor-
phose zuzuschreiben ist, beweist die mikroskopische Untersuchung.
2 In der erwähnten Abhandlung (Algunas observaciones etc.) ist ein
vollständiges Profil quer durch Cerro Negro ausführlich beschrieben.
in mechanisch deformierten Gesteinen.
597
2. Fleckengneis. Die unregelmäßig geformten roten Feldspäte
liegen zerstreut in der überwiegenden, dichten, schwarzen Grund-
masse. Die Feldspäte sind geköruelt, und nur wenige größere
Relikte mit deutlichen Spaltflächen sind zu sehen.
3. Flammengneis. Die Feldspäte sind besen- oder flammen-
förmig ausgezogen, mit teilweise unscharfen Übergängen zur dichten
dunklen Grundmasse; sie bestehen aus einer dichten, mattrosa Masse,
in der das Mikroskop noch die Bruchstücke des Mikroklins identi-
flzieren kann. Dank den unscharfen Grenzen dieser „Flammen“
erscheint die Grundmasse stellenweise hellgrau. Wenn die „Flammen“
dichter beisammen liegen, erscheint dieses Gestein gewellt.
4. Streifengneis. Das Gestein sieht schichtig aus dank den
streng parallelen, dichten, ziegel- bis karminroten Streifen, welche
die bei weitem überwiegende schwarze Grundmasse durchsetzen;
die Grundmasse ist auch hier dicht. Die meist schmalen Streifen
sind geradlinig, setzen scharf ab oder keilen spitz aus nach allen
Seiten: es sind scheibenförmige Partien. Eine „Horizontbeständig-
keit“ dieser Streifen läßt sich nicht beobachten; sie finden sich
meist in Gruppen vereint, während sie in anderen Teilen ganz
fehlen oder nur in Spuren (äußerst verschwommen) vorhanden sind.
Es sind ausgewalzte Mikrokline.
5. Zylindergneis. Dieses Gestein ist dem vorigen überaus
ähnlich. Doch bilden die roten Streifen nicht scheibenförmige
Partien, sondern es sind parallele, zylinderförmige Stäbe von dichter
Mikrolinmasse, in der ab und zu auf dem Querbruch die Spalt-
flächen aufblitzen. Auf diesem Bruch hat das Gestein ein por-
phyrisches Aussehen, mit runden „Einsprenglingen“ von Mikroklin.
Die einzige Erklärung für die Bildung dieses Gesteins wäre die,
daß die Mikroklinindividuen bei der Auswalzung eine rotierende
Bewegung vollführt hätten um eine Achse senkrecht zur Bewegungs-
richtung \
6. Brecciengneis. Das Gestein ist grauschwarz bis matt-
schwarz. Es lassen sich Bruchstücke von Feldspat, selten rosa
angehaucht, beobachten; kleine wasserhelle, in der Grundmasse
schwarz erscheinende Plagioklase, meist gut gerundet, sind streifen-
förmig angeorduet. Auch die eckigen Bruchstücke deuten die
Paralleltextur an. Dieses Gestein entspricht teilweise den schwarzen
Partien in den Kreuzungspunkten der Spalten und dürfte, wie dort,
durch vollständige Zertrümmerung , verursacht durch verschieden
gei'ichtete Differentialbe wegungen, gebildet worden sein. Ein weiteres
Stadium von Zertrümmerung dieses Gesteins sind die dichten
7. hornfelsähnlichen Massen. In ihnen ist die Zertrümmerung
vollständig. Nur selten sieht man ein gerundetes Plagioklaskorn
1 Die unter 2 — 5 beschriebenen Gesteine wirken als polierte Oi nament-
steine sehr effektvoll, und zwecks dieser Verwendung wurden sie zur Unter-
suchung eingesandt; dank dem feinen Korn lassen sie sich gut polieren.
598
H. Backlund, Ueber chemische Veränderungen
aufblitzen. Die Farbe des Gesteins ist mattschwarz, oft aber auch
mit feuersteinähnlichem Glanz. Die Verteilung der beiden letzten
Gesteine im Felde ist unregelmäßig, ein linsenförmiges Auftreten
konnte nicht festgestellt werden.
Zu diesen Varietäten kommen noch die dichten roten, mehr
oder weniger gestreiften („fluidalen“) Gesteine, die oben als Derivate
pegmatitischer und aplitischer Massen erwähnt werden.
Am Siidostfuße des Cerro Negro, durch einen breiten Streifen
von Erdbedeckung von dem roten Augengneis getrennt, steht ein
graugrünlicher Granitgneis an. Er ist durch einen jetzt auf-
gelassenen Steinbruch aufgeschlossen. Die Paralleltextur ist deut-
lich zu unterscheiden, sie stimmt im Streichen und Fallen mit dem
des roten Augengneises beiläufig überein. Die Feldspäte, meist
Plagioklas, aber auch Orthoklas (Mikroklin), bilden große Indivi-
duen, die in der Richtung der Paralleltextur ausgezogen sind, ohne
daß man jedoch das Gestein mit dem Namen Augengneis belegen
könnte. Quarz tritt in diesem Gestein bedeutend seltener auf, die
farbigen Gemengteile sind dieselben wie im roten Augengneis, das
Gestein ist bedeutend basischer und steht als Magmagestein an
der Grenze des Granodiorits.
Von diesem Gestein wurden Bruchstücke als magmatische
Einschlüsse in dem roten Augengneis angetroffen J. Es sind teils
kleinere Bruchstücke, teils größere Blöcke ; die letzteren werden
in dem neuen Steinbruch gleichzeitig mit dem Augengneis aus-
gebeutet. Anzeichen von magmatischer Einschmelzung lassen sich
an diesen Einschlüssen nicht konstatieren. Dagegen ist wohl eine
endogene Anreicherung an dunklen Glinnnerblättchen längs der
Grenze als kaustische Wirkung aufzufassen. Je nachdem sich
diese Bruchstücke in den stärker oder schwächer mechanisch be-
einflußten Zonen des roten Augengneises vorfinden, kann man in
ihnen eine parallele Veränderung beobachten. In dem Hauptgestein
ist das eingeschlossene Gestein oft weniger deformiert als in dem
Anstehenden. Noch öfter aber zeigt sich eine starke Zertrümme-
rung, die in einer Körnelung des Feldspats in konzentrischen Zonen
ihren Ausdruck findet; die rundlichen, hellgrauen Feldspatreste
schwimmen dann isoliert in einer mehr oder weniger feinkörnigen,
grünlichen Grundmasse. Wenn ein Einschluß dieses Gesteins in
einem Kreuzungspunkt der Spaltensysteme zu liegen kommt, wird
er meist durch geradlinige Spalten in Stücke zerlegt, und längs
diesen Spalten dringt die schwarze Grundmasse von außen hinein,
auch größere zertrümmerte Mikroklinteile folgen nach; und eudlich
1 Ähnliche Altersverhältnisse konnten an den mechanisch weniger
beeinflußten Gesteinen des Cerro Redondo und Sierras Bayas (im W)
zwischen einem roten und einem grauen Granit beobachtet werden. Vergl.
Algunas observaciones etc. Doch waren dort deutliche Einsehmelzungs-
crscheinungen zu beobachten.
in mechanisch deformierten Gesteinen.
599
werden Teile dieser Einschlüsse vollständig in ein feinkörniges bis
dichtes Gestein von grauer Farbe zertrümmert, in dem verschwom-
mene dunklere Streifen und zartrosa Flecken die durch Fremd-
material gefüllten Spalten markieren. In der Zone der vor-
herrschenden Mylonite sind die Einschlüsse ebenfalls in hellgraue
bis grünliche, gestreifte Mylonite von feuersteinähnlicher Beschaffen-
heit ausgewalzt ; doch lassen sich in diesen Gesteinen, deren Grenzen
zu dem umgebenden, meist dunklen Gestein unscharf sind, öfter
blitzende Spaltflächen von Plagioklas sehen : das Gestein ist eben
reicher an Plagioklas, und der Plagioklas widersteht augenschein-
lich der vollständigen Zertrümmerung besser als die übrigen Kom-
ponenten.
Eine kurze Erwähnung des mikroskopischen Befundes der
hauptsächlichsten Vertreter der Gesteine vom Cerro Negro ist
teils zur Erläuterung ihrer graduellen Deformation, teils zum Ver-
ständnis der im folgenden zu besprechenden Analysen notwendig.
Das Hauptgestein, der rote Augengneis, zeigt u. d. M. große
Felder von Mikroklinmikroperthit, die das Gesichtsfeld vollständig
einnehmen ; sie sind stark undulös und von unregelmäßigen Spalten
durchzogen, die von einer Mikroklinmikrobreccie erfüllt sind. Die
Umrisse des Mikroklins sind konvex, abgerundet und umgeben von
einem Kranz derselben authigenen Breccie. In dieser feinkörnigen
Mikrorandbreccie sind öfters klare oder schwach gestreifte Körner
eines Plagioklases eingemengt, und an der Grenze von Kalifeldspat
und Plagioklas hat sich sodann Myrmekit gebildet. Die ge-
schwänzten Zwickel der Augen bestehen vollständig aus einer
Mikrobreccie. Längs den Rändern des Mikroklins wechselt das
Korn der Mikrobreccie: zum Muttermineral hin ist sie grobkörniger,
wird nach außen hin immer feiner, um dann wieder wachsendes
Korn (mit Plagioklas) aufzuweisen. Die äußere Mikrobreccie geht
dann unmerklich in die allgemeine Breccie der Zwischenmasse über,
in der große Felder von Quarz vorherrschen. Diese bestehen aus
einer Unzahl von undulösen Einzelindividuen, die verzahnt und
vermittels einer sehr feinen Mikrobreccie aneinanderstoßen. Der
Plagioklas steht an Menge dem Quarz wenig nach. Blasse, breite
Zwillingsstreifen nach dem Albitgesetz kennzeichnen ihn als solchen,
und die Lichtbrechung (höher als Canadabalsam, optisch negativ)
sowie die Auslöschung (_l_ a . . . . -f- 9 0 = 26 °/o An) kennzeichnen
ihn als Oligoklas. Er bildet lang ausgezogene Linsen, in denen
die isometrischen Körner in einer Form ähnlich der Hornfels-
struktur aneinandergereiht sind. Eine beginnende Umwandlung
in farblosen Glimmer mit Ausscheidung von kleinen Kaolinmengen
unterscheidet ihn vom Kalifeldspat.
Die eigentliche (dunkle) Zwischenmasse enthält viel fein-
körnigen Quarz und Feldspat von brecciösem Aussehen. Xeno-
morphe Hornblendekörner bilden eine Art Zement zwischen den
600
M. Lazarevic, Nochmals „Zu Tucans Bauxitfrage“.
farblosen Komponenten. Die Bildung dieser Hornblendekörner
aus großen, nur zum Teil erhaltenen Feldern (mit relativ kleinem
negativem Achsenwinkel, Pleochroismus: a — gelb < ß — oliv-
grün ^ y — dunkelgrün, c : y = 12 u) läßt sich Schritt für Schritt
verfolgen. Zum großen Teil von ähnlichem Ursprung sind die
Magnetitkörner ‘, die teils in den Hornblendefeldern eingeschlossen,
teils in langen Reihen von ihnen auslaufen. An dem Aufbau
dieser Reihen nehmen zahlreiche Biotitblättchen (a — gelb < ß = y
— dunkelbraun , fast opak), Zirkonköruer und -kriställchen (mit
schwärzlichen Umrissen) und Apatit' (meist in Körnerform, deutlich
durch Abquetschung aus prismatischen Kristallen entstanden) teil.
Diese lang ausgezogenen Bänder von farbigen Mineralen sind beider-
seitig, ebenso wie die kompakten Hornblendefelder, von einer Quarz-
breccie umgeben. (Schluß folgt.)
Nochmals „Zu Tucans Bauxitfrage“.
Von M. Lazarevic.
Auf den Vorwurf F. Tucan’s, ich hätte bei dem Zitieren
seiner Äußerungen eine unrichtige Behauptung aufgestellt1 2, er-
widere ich folgendes: Ich behauptete, F. Tucan habe in dem un-
löslichen Rückstände der Kalke und Dolomite Calcit gefunden. Zu
dieser Behauptung muß jeder kommen, der den gegen Cornu und
mich gerichteten Absatz des Artikels „Zur Bauxitfrage“ von
F. Tucan liest (dies. Centralbl. 19 13. H. 3. p. 6(i), denn in diesem
Absätze findet sich folgender, hier fett gedruckter Satz. Um
neuerlichen Vorwürfen zu entgehen, zitiere ich den ganzen gegen
Cornu und mich gerichteten Absatz, welcher lautet:
„Ebenso werden nach unseren Untersuchungen die Ansichten
von F. Cornu und M. Lazarevic über den Bauxit und seine
„Adsorptionsverbindungen“ hinfällig, da Bauxit keine „voll-
kommen homogene und isotrope“ Masse ist und da
sein Si 02- und Ti02-Gehalt von mechanisch beige-
mengten Quarz- (und einem mehligen Si()2, dann
von einem Kieselsäuregel, Si 02 • 2 H„ 0) ! ? “ „und Titan -
mineralien (hauptsächlich Rutil) her rührt. (Vergl.
auch meinen Aufsatz im Beil.-Bd. XXXIV. p. 427.) P2 05, CaO und
S03, welche Bestandteile man iu manchen Bauxitanalysen anführt,
stammen unzweideutig von Apatit, Calcit, Gips und
Anhydrit, welche Bestandteile ich im unlöslichen Rückstände
der Kalke und Dolomite und in der Terra rossa gefunden
habe. Geradeso ist es mit der Vanadin säure, weichein
1 Teilweise wohl auch Ilmenit, wie die Leukoxenumrandung andeutet.
2 F. Tuöan, Zu Tucan’s Bauxitfrage. Dies. Centralbl. 1913. H. 13.
p. 378.
Br. Doss, Heber die Herkunft des Naturgases etc.
601
einigen Bauxiten konstatiert wurde: sie kann von Vanadin -
mineralen stammen, obgleich dieselben in Bauxiten (und Terra
rossa) noch nicht gefunden wurden.“
Aus dem fett gedruckten Satze geht ganz klar hervor, daß
F. Tucan im unlöslichen Rückstände der Kalke und Dolomite
Apatit, Calcit, Gips und Anhydrit gefunden hat. Daß er die
gleichen vier Minerale auch in der Terra rossa gefunden hat,
ändert ja an dieser Tatsache nichts. Für mich kann natürlich
nur die Textierung des oben zitierten Absatzes und nicht der Text
etwa früher erschienener Arbeiten F. Tucan’s maßgebend sein. Im
übrigen spielt die Bemerkung, von der hier die Rede ist, in meiner
ersten Erwiderung eine ganz nebensächliche und untergeordnete
Rolle. Den eigentlichen Gegenstand der Diskussion berührt
F. Tucan in seiner zweiten Erwiderung nicht.
Falls F. Tucan doch einmal „weiter reagieren will“, werde
ich, wenn er auf den eigentlichen Gegenstand der Diskussion ein-
geht, die Existenzberechtigung seines neu entdeckten, mehligen Si02,
sowie die Verläßlichkeit seiner optischen Untersuchungen, durch
die er eine Reihe sehr schwer unterscheidbarer Minerale bestimmte,
noch näher besprechen.
Wien, am 16. Juli 1913, Min. Institut der Universität.
Lieber die Herkunft des Naturgases auf der Insel Kokskär
im Finnischen Meerbusen nebst Bemerkungen über die Ent-
stehung der Insel.
Von Bruno Doss in Riga.
Anfang Mai 1902 wurde auf der kleinen, 30 km nordöstlich
Reval gelegenen Insel Kokskär1 2 eine Bohrung begonnen in der
Hoffnung , artesisches Wasser zur Versorgung des Leuchtturm-
personals " zu gewinnen. Nachdem man, wie einem Berichte im
„Revaler Beobachter“ 3 zu entnehmen ist, einige Faden Sand mit
eingebetteten Granitgeschieben durchdrungen hatte , kam man auf
Sand mit dünnen Tonschichten; Wasser wurde nicht angetroffen,
wohl aber mehrten sich mit zunehmender Tiefe aus dem Bohrloche
aufsteigende Gase. Dies Bohrloch wurde im Dezember aufgelassen
und im April 1903 ein neues in Angriff genommen4. In 27 m
Tiefe machten sich wiederum Gasaustritte bemerklich. Die
1 Bedeutet im Schwedischen so viel wie „Brodelriff“.
2 Der Kokskärer Leuchtturm ist einer der ältesten des Finnischen
Meerbusens. Schon zur Hansazeit wurde hier ein geregelter Leuchtdiensc
unterhalten.
3 1903. No. 253 vom 8. (21.) November.
4 Dieses wurde merkwürdigerweise vom Unternehmer nur einen Fuß
vom ersten Bohrloch entfernt angesetzt.
602
Br. Doss,
Arbeit wurde trotzdem fortgesetzt und „gab es trocknen Sand mit
Lelimschichten“ (Tonschichten) „von 6 — 8 Fuß Stärke“, wobei
die Gasausströmungen an Intensität Zunahmen. Wie A. Mickwitz1 2
mitteilt , kam es hierbei häufig zu heftigen geysirartigen Aus-
schleuderungen des Spülwassers , zusammen mit Tonklumpen und
Geschieben (worunter Imatrasteine), bis weit über den 8 m hohen
Bohrturm hinaus. Angezündet brannte das Gas mit 4 m langer
Flamme.
Die durchbohrten Tone und Sande mit erratischen
Geschieben gehören ausschließlich zum Quartär. Nach
A. Mickwitz 2 blieb das Bohrloch in der Tiefe von 115 m in
einem harten Quarzitfindling stecken. Es unterteuft die Meeres-
tiefe bei der Insel um ca. 10 m. Genannter Forscher nimmt an,
daß das Bohrlochende den unterkambrischen Sandsteinen , deren
Mächtigkeit hier auf ca. 70 m veranschlagt werden könne, wahr-
scheinlich sehr nahe liege.
Mickwitz betrachtete die Insel Kokskär zunächst 3 als einen
wenige Meter über das Meeresniveau emporragenden As, später4
jedoch ihrem Wesen nach als eine Endmoräne, die, wie die
übrigen Inseln und Untiefen der Nachbarschaft, durch den am
Grunde des Meeres vorrückenden Gletscher vor Estlands Küste
zusammengekehrt und schließlich zur Grundmoräne wurde, indem
der Gletscher , sie als Brücke benutzend und die Zwischenräume
zwischen dieser und dem oberen Glintrande mit Brucheis füllend,
über sie hinweg die Höhe des Glints erklomm.
Einen so exzeptionellen Vorgang wie letzteren halte ich für
höchst unwahrscheinlich, glaube dagegen, daß Mickwitz’ zuerst
1 Die brennende Gasquelle auf Kokskär (Revalsche Zeitung 1903.
No. 244 vom 29. Okt. [11. Nov.]). Als Mickwitz bei seinem Besuche der
Insel am 26. Okt. (a. St.) 1903 behufs Gewinnung von Bodenproben ein
Spülrohr in das Bohrloch einführen ließ, wurden, je tiefer dasselbe sank,
die ge3rsirartigen Eruptionen desto heftiger. Auch das Heraufholen des
Spülrohres ging unter beständigen Eruptionen von statten. „Als das
letzte Rührstück das Bohrloch verlassen hatte, brach ein Geknatter an
und mit ungeheurer Gewalt bahnten sich nun die Gase, unbeengt durch
das Spülrohr, einen Weg ins Freie und überschütteten die Umgebung mit
ihren Projektilen. Jetzt hörte man Steine niederfallen und gelang es
auch, einige derselben zu finden. Es waren die bekannten Imatrastein-
artigen Konkretionen.“
2 Vortrag auf der Sitzung d. Ver. f. provinz. Naturkunde in Reval
am 9. (22.) März 1904 (Revalsche Ztg. 1904, No. 58). — Vergl. F. Schmidt:
Über den Austritt brennbaren Gases aus einem Bohrloch auf der Insel
Kokskär (Verh. St. Petersb. Miner. Ges. XLI. 1903. Prot. p. 43. Russisch).
3 Revalsche Ztg. 1904, No. 58.
4 Bericht über den Gasbrunnen auf Kokskär (Bull. Acad. Sc. St. -Petersb.
1908, p. 188). — Vergl. Derselbe: Die Stratigraphie und Topographie des
Bodens des Finnischen Meerbusens (ebenda 1907, p. 700).
Ueber die Herkunft des Naturgases auf der Insel Kokskär etc. 603
ausgesprochene, wenn auch von ihm nicht begründete Ansicht den
Tatsachen gerechter wird. Die Erstreckung der Kokskär benach-
barten Inseln Groß- und Klein -Wrangel, die, was auch Mickwitz
annimmt, sicher von der gleichen Entstehung wie Kokskär sein
dürften, ist eine NW — SO liehe. Diese Richtung wird auch ein-
gehalten in der Anordnung dieser Inseln zusammen mit den nord-
westlich vorgelagerten Untiefen Nygrund, Devils Ei und Revelstein.
Als Parallelzug zu dieser südöstlich streichenden Inselgruppe
würden dann Kokskär und Malos zu gelten haben L Diese NW —
SO-Richtung stimmt nicht mit der Richtung der Salpausselkä-
Endmoräne (Randäs) in Südfinnland, auch nicht mit einer zu dieser
parallel verlaufenden Endmoräne (Randäs) bei Reval1 2 überein, da-
gegen sehr gut mit dem NW — SO bis NNW — SSO liehen Ver-
lauf der siidfinnländischen und estländischen typischen Asar.
Über den Aufbau obengenannter Inseln ist Genaueres nicht
bekannt. Speziell beim Bohrloch auf Kokskär 9ind Bohrproben
nicht gesammelt worden, und erst nach vollendeter Bohrung konnte
Mickwitz auf Grund einigen ausgeschleuderten Materials und von
Erkundigungen feststellen , daß Ton und Sand mit Geschieben
durchdrungen worden sind. Von den herausgeschleuderten Mariekor
(Imatrasteinen) nimmt genannter Forscher3 an, daß sie sich auf
sekundärer Lagerstätte befunden. Dies ist nicht möglich , wenn
die Inseln ausschließlich Moränenbildungen oder reine Asar, also
Glazialgebilde, darstellen; denn die Mariekor sind typische Kon-
kretionen des spätglazialen Bändertons , also jünger als Moränen
und Asar.
Auf Grund dieses Befundes muß angenommen werden, daß
der Kern der genannten Inseln aus Sand mit Ge-
schieben (Asbildung) besteht, überdeckt und um-
kleidet zunächst von Bänder ton, der ja auch am Glintfuß
des benachbarten Festlandes eine große Verbreitung besitzt, so-
dann von Ancylus- und iilorina-Sanden, denen die vom
Bohrloch auf Kokskär zuerst durchdrungenen Sande zugerechnet
werden müssen. Eine Umkleidung des Askernes durch Bänderton
muß angenommen werden, da andernfalls die durch die Bohrung
aufgeschlossenen tieferen Sandschichten hätten wasserführend sein
müssen.
Jene während der Yoldia- Zeit subaquatischenAsar
stiegen während der Ancylus- Zeit über das Meeresniveau, tauchten
zur Litorina- Zeit wieder unter und hoben sich während der Post-
litorina- Zeit von neuem so weit, daß ihre höchsten Rückenpartien
1 Uber die Lage dieser Inseln und Untiefen vergleiche man eine der
Spezialkarten von Estland oder des Finnischen Meerbusens.
2 Siehe B. Doss : Gutachten über die Möglichkeit der Grundwasser-
versorgung der Stadt Reval. Reval 1913, p. 6 (Russisch).
3 1. c. (Bericht), p. 189.
604
Br. Doss,
als Inseln und Untiefen erschienen. Während dieses Auf- und
Untertauchens mußte natürlich durch die Brandung' eine oberfläch-
liche Auswaschung und Umlagerung des Materiales statttinden.
So besteht denn auch die nur ca. 4 m über das Meeresniveau
sich erhebende und kaum Vs qkm große Insel Kokskär oberfläch-
lich aus einem Haufwerk archäischer Geschiebe , denen spärlich
solche von unterkambriscbem Sandstein beigemengt sind1. Die das
Ufer umsäumenden und im Flachwasser häufigen großen erratischen
Blöcke werden ihre Anreicherung wohl dem Eisschub zu verdanken
haben.
Es liegen demnach bei den genannten Inseln aller Wahr-
scheinlichkeit nach Gebilde vor, wie sie bei vielen innerhalb
der spätglazialen Transgression gelegenen Asar
Finnlands und Schwedens bekannt sind, wie sie aber auch in den
Ostseeprovinzen nicht fehlen, wo z. B. der As Rullekaln südlich
Mitau eine Flankenbedeckung , an niedrigen Stellen auch eine
Kammbedeckung von Bänderton , rotem sandigen Lehm und Sand
aufweist.
Kehren wir nach diesen Bemerkungen über die Natur und
Entstehung der Insel Kokskär zu dem daselbst aufgeschlossenen
Gase selbst zurück. Bezüglich dessen Herkunft spricht Mickwitz 'l
die Meinung aus, daß „der große Inlandeisgletscher bei seinem
Absteigen in den Finnischen Meerbusen und seinem Vorrücken auf
dem Boden desselben alle animalen und vegetabilischen Organismen
des Meeres, lebende wie tote mitsamt den weichen unterkambri-
sclien Tonen, die den Meeresboden bildeten, vor sich hergeschoben,
an der estländischen Steilküste zusammengekehrt, diese organischen
Massen mit dem plastischen Ton verknetet und überdeckt und
schließlich über diese Massen hinweg seinen Weg über den est-
ländischen Glint nach Süden genommen habe. Diesen in die
Grundmoräne verkneteten Organismen verdanke das Gas seinen
Ursprung.“
Ich muß gestehen , daß mir eine solche Erklärung der Her-
kunft des Gases im höchsten Grade unwahrscheinlich erscheint.
Ich kann mir nicht vorstellen , wie am Rande des Binneneises,
als dieses den Finnischen Meerbusen erreicht hatte, eine so reiche
Fauna und Flora existieren konnte , daß deren Reste — von
lebenden Organismen ist füglich überhaupt abzusehen — wie mit
einem gewaltigen Besen langsam gegen Süden zusammengekehrt
und in solchen Massen in noch nicht völlig zersetztem
Zustande in die Grundmoräne einverleibt wurden , daß sie bei
weiter erfolgender Zersetzung zu solch bedeutenden Gasansamm-
1 A. Mickwitz in der Revalschen Ztg. 1904, No. 58 (Sitz. d. Ver.
f. provinz. Naturkunde).
* Ebenda.
Ueber die Herkunft des Naturgases auf der Insel Kokskär etc. 605
lungen 1 Veranlassung geben konnten , wie sie im Untergründe
Kokskärs vorhanden sind. Zudem ist nicht einzusehen, wie sich in
der fetten tonreichen Grundmoräne, wie sie in Nordestland vorliegt
und auf Kokskär entwickelt sein müßte , die nötigen Hohlräume
— und zwar unter der gewaltigen Gletscherlast — erhalten haben
sollen , die zur Aufnahme der Zersetzungsgase hätten existieren
müssen.
Wenn ich nach alledem der MiCKwrrz’schen Ansicht über die
Herkunft des Kokskärer Gases nicht beizupflichten vermag, so
möchte ich hier auf eine andere Möglichkeit der Entstehung
dieses Gases hinweisen, die einen recht hohen Grad von Wahr-
scheinlichkeit für sich in Anspruch nehmen darf.
Bekanntlich tritt im Schichtenverband des oberen Kambriums
in Estland ein stark bituminöser Schieferton, der Dictyonema-
schiefer, auf, der beispielsweise bei ßeval eine Mächtigkeit von
4,4 m besitzt2. In fünf von A. Kupffer3 untersuchten Proben
schwenkt der größtenteils aus Bitumen bestehende Glühverlust
dieses Schiefers zwischen 19,11 und 22,41 °/o. Die Analyse des
bituminösen Anteils ergab für drei Proben die in der unten fol-
genden Tabelle angegebenen Werte. Zum Vergleich ist in der-
selben noch die Zusammensetzung des Bitumens des untersilurischen
Brandschiefers von Kuckers in Estland beigefügt, der, abgesehen
von seinem Kalkgelialt, viel Ähnlichkeit mit dem Dictyonemaschiefer
besitzt, nur noch bitumenreicher (im Mittel 4 2%) ist als dieser.
100 g Brandschiefer ergeben bei der trockenen Destillation
13 — 24 1 Leuchtgas4. R. Hehn5 erhielt bei drei Versuchen der
trockenen Destillation des Brandschiefers 12,9 — 20,0% Öle,
— 66,6 °/0
Koks, 7,8-
-10,1°,
lo Wasser,
10,4—23,7%
s und flüchtige Öle.
Dictyonemaschiefer von
Brandschiefer
Ontika
Reval
Baltischport
von Kuckers
C . .
. 58,28
69,02
72,78
70,52
H . .
. 5,32
7,17
7,44
7,21
0 . .
. 34,40
21,23
17,16
21,18
N . .
. 2,00
2.57
2.62
0,29
Das stickstoffhaltige Bitumen des Dictyonemaschiefers ist auf
die auf manchen Schichtungsfugen oft in großer Menge übereinander
1 Hierüber folgen Angaben weiter unten.
2 Nach G. Holm in den Verh. d. St. Petersb. Miner. Ges. 2. Ser. 22,
1886, p. 7.
3 Über die chemische Constitution der baltisch-silurischen Schichten
(Arch. Naturk. Liv-, Ehst- u. Kurl. 1. Ser. 5. 1870, p. 144—122.
4 A. Schamarin : Chemische Untersuchung des Brandschiefers von
Kuckers (ebenda p. 25).
5 Die Produkte der trockenen Destillation des Brandschiefers aus
Kuckers (Baltische Wochenschr. f. Landwr. etc. IX. 1871, No. 2 und 3).
606
Br. Doss,
lagernden Graptolithen zurückzuführen. — Wenn sich somit durch
trockene Destillation aus dem Dictyonemaschiefer flüssige und
flüchtige Kohlenwasserstoffe erhalten lassen , so kann es selbst-
verständlich nicht als ausgeschlossen gelten , daß schon auf der
primären Lagerstätte des Schiefers selbst natürliche
Destillationsprozesse im Laufe geologischer Zeiten unter
der Wirkung gewisser Faktoren 1 von statten gegangen sind. Die
frei gewordenen flüchtigen und flüssigen Destillationsprodukte
konnten entweder auf Spalten bis zur Erdoberfläche entweichen
oder aber in Hohlräumen der hangenden Glaukonitsande und Kalk-
steine festgehalten werden, wobei sich aus den flüssigen Produkten
im Laufe der Zeiten durch Oxydations- oder Polymerisationsvor-
gänge Asphalt oder asp halt ähnliche Körper herausbilden
konnten.
1 Als solche kämen in Frage erhöhte Temperatur infolge von Oxy-
dationsvorgängen, vielleicht auch infolge mächtiger auf lagernder, später
erodierter Schichtenkomplexe. Es sei hierbei darauf hingewiesen, daß die
Dictyonemaschieferplatten da, wo sie an der estländischen Küste in großer
Menge von der Brandung ausgeworfen und zu einem Uferwall aufgetürmt
werden, zuweilen durch Selbstentzündung zum Brennen gelangen. Von
einem derartigen Falle berichtete schon E. Eichwald in „Neuer Beitrag
zur Geognosie Esthlands und Finlands“ (Baer und Helmersen’s Beiträge
z. Kenntniss d. Russ. Reiches. VIII, 1843, Separatabdr. p. 13) und neuer-
dings brachte die Presse (Revaler Beobachter und Revalsche Ztg. 1909
No. 219, Rigaer Tageblatt 1909 No. 222) Nachrichten über „brennende“
Schieferlager von Baltischport. Diese wurden von A. Mickwitz unter-
sucht (Bericht im Rev. Beobachter und Rev. Ztg. 1909 No. 223), wobei
sich ergab, daß hart am Meere, ca. 1 m über dessen normalem Niveau,
sich ein sehr locker gefügter Uferwall aus ausgeworfenen Lamellen von
Dictyonemaschiefer, untermischt mit Kalkgeröllen, gebildet hatte, der sich
in seinen oberen Schichten so warm erwies, daß sich auf längere Zeit
die Berührung mit der Hand verbot, während in 1 Fuß Tiefe eine ganz
empfindliche Glut, jedoch ohne Flammenentwicklung, entgegenströmte.
Hineingeworfenes Papier flammte nach einiger Zeit auf, ohne indessen
die sich aus der trockenen Destillation entwickelnden Gase zu entzünden.
Dabei entströmte dem Walle ein Geruch von schwelendem Teer. Der
Schiefer brannte sich weiß. Eine Erklärung für diese Selbstentzündung
ist darin zu suchen, daß der Schiefer stark von Markasit durchspickt ist,
bei dessen Zersetzung unter günstigen Verhältnissen (lang andauernde
intensive Sonnenhitze) eine so hohe Temperatur sich entwickelt, daß der
natürliche Destillationsvorgang von statten geht. Nach F. Schmidt (per-
sönliche Mitteilung an A. Mickwitz, siehe auch Revaler Beobachter 1909
No. 223) hat früher auf der Insel Dagö ein derartiger Brand mehrere
Jahre gewährt. Daß ähnliche, durch den Markasit eingeleitete Zersetzungs-
prozesse auch auf der primären Lagerstätte des Schiefers innerhalb seines
Schichtenverbandes erfolgt sind, beweisen die zahlreichen Gipskriställchen,
die fast keinem geschlagenen Handstücke des Schiefers auf dessen Schich-
tungsfugen fehlen.
Ueber die Herkunft des Naturgases auf der Insel Kokskär etc. 607
Daß letzteres tatsächlich der Fall gewesen, wird durch ver-
einzelte Vorkommnisse von Asphalt bezw. Asphaltit in Nestern
innerhalb des untersilurischen Glaukonitsandes und der obersiluri-
schen Kalksteine Estlands bewiesen1 — Funde, die sich nur als
Abkömmlinge aus dem oberkambrischen Dictyoneinascliiefer oder
untersilurischen Brandschiefer erklären lassen.
Muß es aber als feststehend gelten, daß flüssige Destillations-
produkte auf natürlichem Wege aus den genannten bituminösen
Gesteinen sich entbunden haben, so müssen gleichzeitig auch gas-
förmige Produkte frei geworden sein. Im Hinblick hierauf liegt
es sehr nahe, die Quelle des Kokskär er Gases im Di ctyo-
nemaschiefer (oder selbst im Brandschiefer) zu suchen.
Nach der Untersuchung H. v. Winkler’s2 besteht dieses Gas aus
70,0 °/o Methan und 20,8 °/o Wasserstoff (Mittel von 4 Analysen, deren
größte Abweichungen von einander 0,8 °/o nicht überschreiten)3.
Bezüglich der vorhandenen Gas menge lassen sich durch
folgende Angaben Anhaltspunkte gewinnen. Winkler4 berechnete,
daß dem Bohrloch seit dessen Teufung bis zum November)?) 1904,
also in der Zeit von ungefähr einem halben Jahre, zum mindesten
ca. 60 000 cbm Gas entströmt sind. Später wurde das Gas ge-
faßt und dient seitdem zur Beleuchtung des Leuchtturms sowie
Beleuchtung und Beheizung der Wohnräume. Ein Mangel hat
sich nie eingestellt; im Gegenteil muß der Gasometer in der Regel
ein paarmal täglich geöffnet werden, um den Überschuß des Gases
abzulassen. Zuweilen ist der Gasaustritt aus dem Bohrloch ein
derart stürmischer, daß heftige knallartige Schläge ausgelöst
werden. Solches geschah z. B. am 8. April 1912 und noch mehr-
mals später, worüber die Presse unter dem Titel „Erdbeben auf
Kokskär“ berichtete ä.
1 Ganz vereinzelt stehen zwei Funde von Asphalt (?) und Asphaltit
(Albertit) im unterkambriscben Ton bei Kunda, also im Liegenden des
Dictyonemaschiefers (vergl. F. Schmidt in Bull. com. geol. St.-Petersb.
XIII, 1894, p. 63, russ., A. Mickwitz in Mem. Ac. Sc. St.-Petersb. Ser. VIII.
4. No. 2. 1896, p. 36, B. Doss im Korrespondenzbl. d. Naturf.-Ver. Riga
XLIII. 1900, p. 195). Ob dieser Asphaltit aber an primärer Lagerstätte
gesammelt worden oder nicht, darüber ist nichts bekannt.
2 Die bei der estländischen Küste belegene Gasquelle auf Kokskär
(Chem.-Ztg. 1905, p. 670).
3 Die Analyse ist, worauf auch C. Engler (Die Chemie und Physik
des Erdöls, Leipzig 1913, p. 750) hinweist, nicht einwandfrei, da das Gas
mit leuchtender Flamme brennt. Wahrscheinlich sind in geringer Menge
schwere Kohlenwasserstoffe beigemengt. — Der von Engler (1. c.) ver-
zeichnete Name Koskör ist ein Druckfehler.
4 1. c. p. 670.
3 Näheres bei B. Doss : Seismische Ereignisse in den Ostseeprovinzen
vom Juni 1910 bis Ende 1912 (Cpt. rend. d. seances d. 1. com. sism. per-
manente T. VI, St.-P6tersb. 1913, p. 27 ff.).
608
Br. Doss,
Die Annahme der Herkunft des Kokskärer Gases aus dem
Dictyoneinascliiefer (oder selbst Brandschiefer) setzt natürlich
voraus, daß diese stark bituminösen Gesteine tatsächlich auch im
Untergründe des Inseläs vertreten sind. Dieses ist aber, da der
Dictyoneinascliiefer am Fuße des benachbarten Glints ausstreicht1 *,
nur möglich, wenn im Finnischen Meerbusen eine ungefähr west-
östlich streichende und zwischen Kokskär und dem Festlande ver-
laufende Verwerfung vorliegt, die den Dictyoneinascliiefer mit-
samt seinem Hangenden und Liegenden 'bis unter den Meeresgrund
bei der Insel versetzte.
Die Voraussetzung einer solchen Verwerfung steht im Einklang
mit den Annahmen anderer Autoren. So spricht sich A. Karpinsky 1
dahin aus, daß am Rande des finnischen Massivs eine ganze Reihe
von Grabenversenkungen von statten gegangen, als welche, wenigstens
zum Teil, der Finnische Meerbusen, das Weiße Meer, wahrschein-
lich auch der Ladoga- und Onega-See erscheinen. W. Ramsay 3
weist darauf hin , daß nach der Eruption der Quarzporphyre
Hochlands Dislokationen stattgefunden haben, was durch die an den
Küsten dieser Insel vorkommendeu Reibungsbreccien bewiesen wird.
Die Insel blieb als Horst stehen. R. Crednkr4 5 spricht den Fin-
nischen Meerbusen zusammen mit dem Mälarsee als die tiefst
abgesunkene Partie einer die Depressionszone der Ostsee quer
durchsetzenden Grabenverwerfung au. E. Piccakd 3 gelangt auf
Grund morphologischer Studien über das Bodenrelief des Fiunischen
Meerbusens zur Annahme einer Verwerfung in der Nähe der est-
ländischen Küste und verlegt sie in die größte Tiefe vom Meridian
des Kaps Spithamm (23 u 82' ö. Gr.) bis zum Meridian des Kaps
Perespe (25° 42'). J. Sederholm6 ist der Meinung, daß Fenno-
skandia während der großen, in der eocänen Epoche eingeleiteten
Dislokationsperiode, die in den gewaltigen Senkungen im Atlanti-
schen Ozean kulminierte , von seinem Zusammenhang mit der
russischen Tafel abgeschnitten worden und der Finnische Meer-
busen durch Dislokationen entstanden sein dürfte. Auf seiner Karte
1 Siehe G. Holm 1. c. p. 6.
: Allgemeiner Charakter der Schwankungen der Erdkruste im Be-
reiche des Europäischen Rußlands (Bull. Ac. Sc. St.-P6tersb. I. 1894, p. 17;
russisch).
5 Om Hoglands geologiska byggnad (Geol. Foren, i Stockholm Förh.
1890. XII. No. 6; Referat N. Jahrb. f. Min. 1892. I, 77).
4 Über die Entstehung der Ostsee (VJ. Jahresber. d. Geogr. Ges.
Greifswald. I. Teil. 1896, p. 74). Vergl. Derselbe in Natunv. Rundschau
1895, p. 622.
5 Beiträge zur physischen Geographie des Finnischen Meerbusens.
Inaug.-Diss. Kiel 1903, p. 28.
c Über Bruchlinien, mit besonderer Beziehung auf die Geomorphologie
von Fennoskandia (Cpt. rend. XI. Congr. göol. int. Stockholm 1910, p. 8G6).
Ueber die Herkunft des Naturgases auf der Insel Kokskär etc. 609
„Les lignes de fracture dans la Feunoskandia“ 1 verzeichnet er eine
ganze Reihe hypothetischer, teils WSW — ONO, teils NNW — SSO
streichender Verwerfungen im Gebiete des Finnischen Meerbusens,
denen im begleitenden Text2 3 4 ein miocänes oder postmiocänes Alter
zugeschrieben wird. Auch bringt er den ursprünglich nördlicher
gelegenen Glint mit ihnen in Verbindung.
Andere Ansichten scheint F. Schmidt 3 zu vertreten ; denn er
führt den Befund, daß das Kokskärer Bohrloch den am Glint an-
stehenden kambrischen blauen Ton nicht angetroffen, dagegen nur
quartäre Bildungen durchteuft hat, nicht auf eine Verwerfung
zurück, sondern auf eine stattgefundene starke Erosion des Tones
auf dem Boden des Finnischen Meerbusens. Ihm schließt sich
A. Mick witz * an, wie aus dessen veröffentlichtem hypothetischen
Profil durch den Finnischen Meerbusen im Meridian von Kokskär
hervorgeht.
In Anbetracht dessen, daß der Finnische Meerbusen in seinem
westlichen Teile bis Hochland die größte Tiefe ausgesprochener-
weise in der Nähe der estländischen Küste erreicht5 6 und daß der
kambrisch-silurische Sockel hier steil abfällt im Gegensatz zur
ganz allmählichen Senkung des Meeresbodens vom finnländischen
Ufer aus, muß ich der Meinung beipflichten, daß dieser größten
Tiefe nregion eine Verwerfung zugrunde liegt. Wahr-
scheinlich verläuft diese Verwerfung, was das Gebiet um die ein-
gangs erwähnten Inseläsar betrifft, südlich Groß- und Klein -Wrangel.
Daß die Meerestiefe hier gegenwärtig geringer ist (bis 90 m) als
südlich von Kokskär (bis 104 m) ti, wird wohl auf der Ablagerung
der vom Jagowalflusse herbeigeführten Sedimente in der Bucht
südlich der beiden Inseln Wrangel beruhen. Die Verwerfung
müßte, damit der beim Jagowalschen Wasserfalle anstehende
Dictyonemaschiefer unter das Niveau des Bohrlochendes auf Kokskär
gelangte, mindestens 125 m betragen; wahrscheinlich dürfte sie
aber beträchtlich größer sein.
Den südlichen Steilrand dieser Verwerfung muß
der Glint an seiner ursprünglichen Lage gebildet
haben. Im Laufe der Zeiten ist er durch Erosion seitens des
1 Im Atlas de Finlande, Helsingfors 1910, No. 6.
1 Fennia 30, I, No. 5, 6 a, p. 83. — Die Karte nebst Text (Sur la
geologie quarternaire et la göomorpbologie de la Fennoskandia) sind auch
erschienen im Bull. d. 1. Com. göol. d. Finlande No. 30. 1911 (entsprechende
Textstelle hier p. 43).
3 1. c. (Verh. Min. Ges. XLI. 1903. Prot. p. 44, russisch).
4 1. c. (Stratigraphie).
8 So findet sich z. B. auch im Meridian von Kokskär die größte Tiefe
direkt südlich dieser Insel.
6 Nach den Angaben der vom Reichsmarineamt 1904 herausgegebenen
Karte des Finnischen Meerbusens von Helsingfors bis Hochland (No. 151).
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913. 39
610
Fr. Heritsch,
Meeres, durch Absprengungen seitens des in den Kalksteinklüften
gefrierenden Wassers, durch Auswaschungen der an seinem Steil-
rande austretenden Quellen und Nachsturz der hangenden Schichten
(was auch gegenwärtig zu alljährlichen neuen Abstürzen führt',
durch Abtragung während der Vergletscherungsepoche allmählich
nach Süden bis zu seiner heutigen Lage zurückgedrängt worden.
Ist dem allem aber so, so steht der Annahme von der Her-
kunft des Kokskärer Gases aus dem Dictyonemaschiefer, gegebenen-
falls auch aus dem Brandschiefer, nichts eutgegen.
Lieber noch möchte ich diesen Schluß umkehren und aus-
sprechen : Die durch morphologische Studien über das
Bodenrelief des Finnischen Meerbusens gewonnene
Überzeugung, daß dem letzteren z. T. Verwerfungen
zugrunde liegen, erhält durch das Kokskärer Gas-
vor kommen, das eine andere als die oben gegebene
Erklärung schwerlich z u 1 ä ß t , eine sehr gewichtige
Stütze für ihre Richtigkeit.
Riga, Technische Hochschule, Juni 1913.
Zur Geologie des Jesenkoberges (Westlicher Bacher).
Von Franz Heritsch in Graz.
Aus dem Gebiete des Jesenkoberges bei Windisch-Graz hat
Dregek1 Porphyritgänge namhaft gemacht, welche mesozoische
Gesteine durchbrechen; eine größere Anzahl von solchen Gesteinen
liegt auf der Südseite des Jesenkoberges, besonders gut auf-
geschlossen beim Gehöft nördlich des Richtarckogels, dann auf
dem Karrenweg, der von dem genannten Bauer zum Sattel P. «Jo
südöstlich des Jesenkoberges führt; auf dieser Strecke befinden
sich zahlreiche größere Entblößungen des „Porphyrites“, besonders
gut bei der Kapelle P. 762. Auch an anderen benachbarten
Punkten kommt dasselbe Gestein vor, so auf dem Sattel östlich
von P. 763 in mehreren Gängen, ferner am Nordhang desselben
Punktes, dann am Kamm Meinhardsattel-Vrhnik etc. Die Unter-
suchung dieser ganz hellen Gesteine, welche ich auf einigen
Exkursionen kennen gelernt habe, hat ein einigermaßen über-
raschendes Ergebnis gehabt. Ein Gestein vom Südgehänge des
Vriinik, geschlagen auf dem Weg von St. Anna nach dem Mein-
hardsattel, hat in trachytisch-rauher Grundmasse Qurz und Feld-
spateinsprenglinge. U. d. M. zeigen sich Quarze, z. T. mit schönen
magmatischen Resorptionen, Plagioklase (Andesin), ferner Biotit,
gegen welche die Hornblende an Menge zurücktritt, dann eine
geringe Menge von diopsidischem Pyroxen; das Ganze liegt in
1 Verb. d. geol. Reichsanstalt. 1905. p. 70. 1906. p. ! 5.
Zur Geologie des Jesenkoberges (Westlicher Bacher).
611
einer mikrogranitischen Grundmasse. Es handelt sich um einen
Hornblendebiotitdacit. Ein anderes, ganz in der Nähe ge-
schlagenes Handstück, zeigt neben Quarz und Plagioklas wenig
Biotit, dafür aber sehr viel stark opacitisierte Hornblende; die
Grundmasse, im Handstück licht gelblich, trachytisch rauh, ist
mikrogranitisch und, wie seine erstgenannten Gesteine, arm an
Erz. Auch dieses Vorkommen gehört zu den Daciten.
Das im folgenden angeführte Gestein von der Südseite des
Jesenkoberges stammten von dem Wege, der vom Gehöft nord-
östlich Richtarckogel zum Sattel P. 823 südöstlich vom Jesen-
koberg führt. Zwischen den beiden auch auf der Spezialkarte
markierten Kreuzen kommt ein Gestein vor, dessen licht rötlich
gefärbte Grundmasse ganz dicht-glasig ist; u. d. M. sieht man,
daß einzelne Teile derselben aus Mikrofelsit bestehen ; in beiden
Arten der Grundmasse liegen kleine Plagioklasleistchen, was in
gewissem Sinn an hyalopilitische Struktur erinnert; die Grund-
masse zeichnet sich durch reichliches Erz aus. An Einspreng-
lingen treten große idiomorphe Biotite auf, ferner zahlreiche rote
Leistchen, die Reste von opacitisierten Hornblenden ; dann liegen
in der Grundmasse Plagioklaseinsprenglinge, der Reihe Labrador-
Andesin angehörig. Das Gestein ist ein Hornbien deb io tit-
andesit. Diese Gesteine haben nur eine ganz minimale Ver-
breitung, alle anderen auf der obengenannten Strecke vorhandenen
Ernptiva sind echte Dacite , welche ihre Unberührtheit durch
dynamische Vorgänge und ihre Verschiedenheit von den Gang-
gesteinen (z. B. von den Vorkommnissen des Mieslinggrabens)
deutlich zeigen.
Es konnte mit geringer Mühe durch Vergleich mit anderen
Gesteinen festgestellt werden, daß zu den Daciten gehörige Ge-
steine eine große Verbreitung am Westbacher haben. Da wäre
einmal das Gestein zu nennen, das seit langer Zeit als „Porphyrit“
von Maria Stein bei Saldenhofen bekannt ist1 2; es handelt sich,
wie die Beobachtung im Feld und der Dünnschliff zeigen, um
einen Biotitdacit, der wahrscheinlich in die Gruppe der liparitisclien
Dacite Rosexbcsch’s einzureihen ist. Es sei hier noch des Ge-
steins gedacht, das Tkobej 2 vom Mataseo vrh bei Unterdrau-
burg unter der Bezeichnung Bostonit beschrieben hat. Es zeigt
u. d. M. relativ wenige Einsprenglinge von Quarz, meist in rund-
lichen Körnern; die Plagioklase überwiegen weitaus; Orthoklas
fehlt vollständig; als Einsprenglinge treten noch zahlreiche
Biotite, in geringerer Häufigkeit Hornblende auf. Der Habitus
des Gesteins, sein Auftreten in der breiten Masse, sein Bestand
1 F. Eigel, Mitteilungen des naturwissenscbafi liehen Vereins für
Steiermark. 1895.
2 Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins f. Steiermark. 1907.
39*
612
Fr. Heritscli,
spricht gegen die Bezeichnung „Bostonit“. Es handelt sich um
einen Hornblendebiotitdacit.
Es sei hier noch auf die Gesteine der Velka Kappa, welche
von Doelter als Granitporphyr, von Teller als Porphyrit be-
zeichnet werden, hingewiesen. Es muß festgestellt werden, daß
durchaus sich die Angaben Teller’s über die Gesteine des west-
lichen Bacher-Hauptkammes als richtig befunden wurden. Das
Gebiet des Cerni vrh, der Velka und Mala Kappa bis über den
Klein-Sattel hinaus ist eine riesige Intrusivmasse, welche von
Phyllit umgeben, in ihn intrudiert ist, wobei zahllose Gänge in
der Umgebung der großen Masse den Phyllit durchschwärmen.
Die Gesteine sind fast ausschließlich als Quarzporphyrite an-
zusprechen. Der Habitus der Gesteine ist ein altertümlicher; das
rechtfertigt, sowohl es sich um durchaus sehr helle Gesteine
handelt, den obigen Namen. Im Schliff konnte kein prinzipieller
Unterschied zu den Gesteinen vom Meinradssattel festgestellt
werden. An einigen Stellen konnten auch Glimmerporphyrite fest-
gestellt werden; ein solcher bildet sehr hübsche Gänge in Granit
mit Paralleltextur in dem Wucherergraben (bei der Abzweigung
des Kopnikgrabens ; Steinbruch); ein Glimmerporphyrit wurde auch
am Cerni vrh, auf dem Gipfelplateau gefunden, ohne daß infolge
der schlechten Aufschlüsse das Verhältnis zu der Quarzporphyrit-
masse, in welcher der Glimmerporphyrit liegt, ersichtlich wäre.
Ein Glimmerporphyrit wurde auch auf dem Rücken vom Cerni vrh
nach Reifnigg unter Punkt 1322 in der Nähe der Granitgrenze
aufgefunden. Bei Punkt 916 südlich von Reifnigg liegt in Phyllit
ein Gang von Quarzglimmerdioritporphyrit.
An der Gabelung des Razworza und Sopelsnikgrabens bei
Dousche (Mieslingraben) hat Teller auf der geologischen Spezial-
karte, Blatt Praßberg an der Sann, einen mächtigen Porphyrit-
gang verzeichnet. Pontoni 1 hat dieses Gestein als Granitporphyr
bezeichnet. U. d. M. zeigen sich in holokristallinem Quarz-
Feldspatgewebe der Grundmasse Quarzeinsprenglinge, an Menge
zurücktretend gegen Plagioklase, ferner noch Biotite; keinerlei
dynamische Beeinflussung stört das Bild. Jedenfalls handelt es
sich um ein Ganggestein, das zu den Daciten in einem bestimmten
Verhältnis steht; es ist wohl am besten als Quarzglimmerporphyrit
zu bezeichnen. Jedenfalls besteht eine Beziehung zum großen
Massiv der Velka Kappa.
Im Anschluß daran seien einige Gesteine des Mieslinggrabens
erwähnt, welche einen ganz anderen Charakter haben. In dem
prächtig aufgeschlossenen Graben ist an der Straße, beziehungs-
weise an der Holzförderbahn eine ganze Serie von Gängen zu
sehen. Besonders gehäuft sind sie zwischen dem Gehöft Plentak
1 Tschermak’s min. u. petrogr. Mitteilungen. 1896. p. 369.
Zur Geologie des Jeseukoberges (Westlicher Bacher).
613
und dem Punkt 822 im Mieslingtal. Die meisten sind bereits
auf dem von Teller aufgenommenen Blatt Praßberg verzeichnet.
Ein sehr interessanter Gang, der zweifellos zur Zeit der Karten-
aufnahme noch nicht aufgeschlossen war, liegt im Steinbruch nach
P. 633. In Gneis liegt ein schmaler Gang von Hornblendediorit-
porphvrit. Solche Gesteine treten noch an einigen Stellen auf,
so beim Gehöft Plentak. Ferner sind zu nennen Biotitporphyrite ;
die bisher genannten Gesteine haben einen deutlich lamprophyrischen
Charakter, stimmen aber mit den entsprechenden lamprophyrischen
Gängen nicht überein, daher die obigen Namen gewählt wurden.
Lichte Gänge sind als Quarzdioritporphyrite und Dioritporphyrite
zu bezeichnen. Im ganzen ist die Serie eine echte Ganggesteins-
gesellschaft, nicht zu vergleichen mit dem erwähnten Gestein des
Razworzagrabens und mit den Glimmerporphyriten der Umgebung
von Reifnigg.
Es seien noch einige kurze Bemerkungen über die Pbyllite
und die sedimentären Gesteine des Bachers angeschlossen. Für
die Altersdeutung der Phyllite des Bachers kommt wohl einzig
die Frage in Betracht, daß sie die Fortsetzung der südlichen
Grauwackenzone des Klagenfurter Beckens sind; für Carbon
stimmt auch das Vorkommen von Graphit (z. B. Otisnikgraben
bei Unterdrauburg). Die Kreide des Jesenkoberges beginnt mit
mergeligen Kalken, über welchen dann Hippuritenkalke liegen ;
das basale Glied der Kreide stimmt petrographiscli mit den
Zementmergeln von St. Bartolomä in der Kainacher Gosau und
mit den entsprechenden Gesteinen des Krappfeldes überein; man
muß aus dem Habitus des Basalgliedes der Gosau wohl schließen,
daß die Transgression der oberen Kreide über ein ganz ebenes
Land erfolgt ist, so wie das auch am Krappfeld der Fall war.
Aus den Kreidekalken habe ich zwei Exemplare von Hippurites
corna vaccinum. — Unter der Kreide liegen dunkelgraue Ton-
schiefer, welche muschelig oder griffelig brechen ; sie kommen
auf der Südseite des Jesenkoberges an zahlreichen Stellen mit
Daciten und auch mit dem früher beschriebenen Andesit in Kontakt
und tragen an diesem die Spuren der Berührung mit dem Magma.
Es konnte auf der Südseite des Jesenkoberges festgestellt werden, daß
diese Tonschiefer mit echten Werfener Sandsteinen in engem strati-
graphischen Verbände stehen. Damit ist ihre Altersfrage erledigt.
Es erübrigt jetzt nur mehr, auf die Stellung der Dacite auf
der Südseite des Jesenkoberges zu den Tonschiefern und Werfenern
hinzuweisen. Sie bilden anscheinend einen Stock, dessen Dach
in den Vorkommnissen des Jesenkoberges vorliegt. Im allgemeinen
läßt sich im Westbacher eine Reihe von, auch dem Alter nach,
getrennten Eruptivgruppen unterscheiden :
1. Der Granit des Bacher; es ist ein Gestein mit Parallel-
textur; seine Westgrenze liegt beiläufig auf der Linie Wucherer-
614
Fr. Heritsch,
graben— Reifnigg — Reifnigger See. Sein hohes Alter geht aus
der Auflagerung von Phyllit (Carbon?) hervor. Aus diesem
Grunde ist auch seine Einbeziehung in den periadriatischen Bogen
abzulehnen.
2. Eine zweite Gesteinsgruppe wird durch die Gänge des
Mieslingtales gebildet; vielleicht gehört als Tiefenfazies der Quarz-
diorit des Windischen Kalvarienberges bei Marburg dazu. Bei der
Gesteinsart sind die Gänge getrennt vom Granit, durch ihren
Habitus, ihr Auftreten, durch Störungen (Harnische etc.), z. T.
auch durch den petrographischen Charakter scheiden sie sich von
den Gesteinen der Velka Kappa. Die hielier gehörigen Gesteine
durchbrechen noch den Phyllit, sind also jünger als der Granit.
3. Die dritte Gruppe wird durch die Gesteine vom Matasev vrh,
Jesenkoberg, Cerni vrh, Velka Kappa etc. gebildet. Diese Gesteine
tragen z. T. ihren jugendlichen Charakter deutlich zur Schau;
sie müssen nach der cretacischen Gebirgsbewegung und vor der
gosauischen Transgression in den Schichtverband eingetreten sein.
Die zeitliche Trennung der Deckenschübe in den Ostalpen.
Von Franz Heritsch in Graz.
In den Sitzungsberichten der Kaiserlichen Akademie der
Wissenschaften in Wien, mathemat.-naturwiss. Klasse. 121. Abt. I.
1912 (erschienen im Spätherbst 1912) habe ich die alpine Decken-
bewegung zeitlich zu zerlegen versucht; es wurde festgestellt,
daß die Anlage des Deckenbaues der ostalpinen Decke schon vor-
gosauisch ist, daß ferner das ostalpine Gebiet auf das Lepontinische
nach dem Alttertiär und vor dem Miocän der zweiten Mediterran-
stufe geschoben wurde, daß das Helvetische naclimiocän oder jung-
miocän geschoben wurde und von den höheren Decken als Block
überschoben wurde. Ich belegte die einzelnen Schübe mit dem
Namen ostalpin, lepontinisch, helvetisch.
Nach meinen Auseinandersetzungen über die zeitliche Trennnng
alpiner Deckenbewegungen, welche noch eine lebhafte Stütze durch
F. F. Hahn’s kurz nachher veröffentlichte Anschauungen fand, kurz
also, nachdem es schien, daß endlich für uns ostalpine Tektoniker
eine Basis wenigstens für eine Erörterung geschaffen sei, mußte
es mein lebhaftestes Staunen erregen, daß Kober in seiner neuesten
Arbeit (Mitteilungen der geol. Gesellschaft in Wien. 5. 1912.
p. 368 — 480; erschienen Anfang Mai 1913 J) zu abweichenden
Resultaten kam , ohne daß er es für notwendig befunden hätte,
1 Meine Arbeit lag Kober bereits vor , denn sie wurde im selben
Heft der Mitteilungen der geol. Gesellschaft referiert, in welchem Kober’s
Arbeit erschien.
Die zeitliche Trennung der Deckenschübe in den Ostalpen. 0J5
meine Ausführungen auch nur mit einem Worte zu erwähnen.
Ich bin jeder Prioritätsreiterei durchaus abgeneigt und hätte
mich auch jetzt nicht entschlossen, gegen das Vorgehen Kober’s
zu protestieren , wenn nicht in seiner Handlungsweise ein wohl
überlegtes System läge; denn Kober hat in allen seinen Arbeiten,
welche den östlichen Teil der Ostalpen betreffen , mich schlecht
oder gar nicht zitiert 1 — obwohl er sich der Resultate meiner
Arbeiten gerne bedient — , er ist im Interesse der großen Syn-
thesen des alpinen Baues vielfach über meine Arbeiten zur Tages-
ordnung übergegangen und hat schließlich, wenn er mich zitierte,
dies des öfteren so getan, daß der nicht eingeweihte Leser eine
ganz falsche Vorstellung bekommen mußte. Ich kann nicht umhin,
gegen dieses System zu protestieren und bedaure es,
einem Forscher wie Kober so entgegentreten zu müssen.
Kober hat im Jahre 1911 das vorgosauische Alter der Decken-
bewegung in den Zentralalpen (Grazer Gegend) angenommen2,
gestützt auf den vorgosauisclien Bau des Paläozoicums von Graz,
den ich im Jahre 1905 nachgewiesen habe3. Damals hat Kober
noch nicht an die Auflösung des Paläozoicums von Graz in eine
untere und obere Grauwackendecke gedacht (diese Trennung hat
überdies zuerst Mohr aufgezeigt, Kober folgt ihm, ohne ordentlich zu
zitieren); das zeigt seine Anmerkung auf p. 116, wo er von einem
anomalen Kontakt zwischen dem Carbon von Pernegg und „dem
Grazer Paläozoicum“ — dieses also als Einheit genommen! —
spricht; diesen anomalen Kontakt habe ich früher namhaft ge-
macht4. Es geht klar hervor, daß Kober im Jahre 1911 von
der Bedeutung der vorgosauisclien Bewegung in den Zentralalpen
noch keine gute Vorstellung gehabt hat. Da nun ich in meiner
früher zitierten Arbeit in den Sitzungsberichten der Kais. Akademie
in Wien auf diese hingewiesen habe, muß ich Kober gegenüber
auf meiner Priorität bestehen. Ich hätte dieses Erstlingsrecht
nicht so betont , wenn Kober nicht gewohnt wäre , alle Rechte
anderer zu mißachten.
1 So schreibt Kober, 1. c. p. 478, daß zuletzt von Diener auf die
Bedeutung der vorgosauisclien Bewegung hingewiesen wurde. Sic ! —
p. 455 steht zu lesen, daß W. Schmidt die Transgression der Kainacher
Gosau aufgezeigt hätte , während ich dies 1905 bewies. Wenn ich alle
derartigen Fehler in Kober’s Arbeit aufzählen und noch die offenkundigen
Unrichtigkeiten in seinem „Deckenbau der nordöstlichen Alpen“, Denk-
schriften der Kais. Akademie der Wissenschaften , Wien 1912 , richtig-
stellen wollte, wäre dies eine mühevolle Arbeit, wozu ich weder Zeit noch
Lust habe.
2 Mitteilungen der geol. Gesellscchaft. 4. 1911. p. 116.
3 Mitteilungen des naturwiss. Ver. f. Steiermark. 1905, p. 721.
4 Dies. Centralbl. 1912. p. 114.
610 E. Spengler. Der angebliche Hanptdolomit bei Gosau.
Der angebliche Hauptdolomit bei Gosau.
Von E. Spengler in Graz.
Auf der geologischen Spezialkarte Blatt Ischl und Hallstatt
ist ^ km südwestlich von Gosau eine kleine Partie von Haupt-
dolomit eingetragen. Bei meinen heurigen Aufnahmsarbeiten in
der Umgebung von Gosau besuchte ich diese Stelle und konnte
folgendes feststellen : An dem bezeichneteu Punkte befindet sich
eine wenige Meter hohe und breite, von der Straße aus sichtbare
Felspartie, wohl ein ehemaliger Steinbruch, welche aber nicht
aus Hauptdolomit, sondern aus einem grauen, massigen Kalk
besteht, der undeutliche Korallendurchschnitte erkennen läßt. Über-
lagert wird dieser Kalk von einer sehr grobkörnigen Gosaubreccie,
von der besonders schöne Stücke in der vor der Wand befindlichen
Schuttmasse liegen. Zwischen mehr als kopfgroßen, eckigen Stücken
von verschiedenen Triaskalken ist als Zement feineres, sandiges
Material eingelagert. Wegen der geringen Ausdehnung des Auf-
schlusses läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen, ob der oben
beschriebene graue Korallenkalk schon den Untergrund der Gosau-
schichten darstellt oder nur einem gewaltigen Block in den Gosau-
schichten angehört, welcher sich mit den mächtigen Blöcken ver-
gleichen ließe, welche kürzlich Ampferer1 aus der Gosau des
Muttekopfes beschrieben hat.
Die Eintragung „Hauptdolomit“ auf der geologischen Spezial-
karte dürfte folgendermaßen zustande gekommen sein : Eine genaue
Betrachtung der Karte läßt erkennen, daß bei der kleinen Partie
südwestlich von Gosau die Schraffierung nicht wie bei den übrigen
Hauptdolomitpartien von rechts oben nach links unten, sondern
von links oben nach rechts unten geführt ist. Dies entspricht
aber genau der Ausscheidung für: „Dolomit und lichter Kalk des
Muschelkalkes“. Mit letzterem ließe sich das Gestein auch ganz
gut vergleichen ; Moisisovics dürfte dies auch gemeint, aber bei der
Korrektur übersehen haben, daß hier td statt tm gedruckt wurde.
Nach der petrographischen Beschaffenheit erscheint es mir
allerdings wahrscheinlicher, daß hier nicht eine Partie des lichten
Muschelkalk-Riffkalkes, sondern ein Stück obertriadisclien Hocli-
gebirgs-Riffkalkes vorliegt.
Die ganze Sache wäre an und für sich völlig belanglos, wenn
nicht E. Haug, gestützt auf die wohl infolge eines Druckfehlers
irrtümliche Eintragung auf der geologischen Karte2, für den ver-
meintlichen Hauptdolomit an dieser Stelle ein Fenster der nappe B —
1 0. Ampferer, Über die Gosau des Muttekopfes. Jahrb. der geol.
Reichsanstalt 1912.
* E. Haug, Les nappes de charriage des Alpes calcaires septentrionales,
III. partie, le Salzkammergut. Bull, de la Soc. Göol. de France. 1912.
p. 119 (Esquisse göologique de la fenetre de Gosau).
Fr. v. Huene, Ueber die reptilführeuden Sandsteine bei Eigin. 617
allerdings vorsichtshalber mit einem ? — eingezeichnet hätte. Auch
Cl. Lebling 1 deutet die gleiche Möglichkeit an.
Es ergibt sich daher aus der obigen Richtigstellung, daß
man keine Veranlassung hat, bei Gosau ein Fenster
anzunehmen, in dem Gesteine der bayrischen Decke
im Sinne Haug’s zutage treten.
Ueber die reptilführenden Sandsteine bei Eigin in Schottland.
Von Friedrich von Huene in Tübingen.
Mit 1 Kartenskizze.
Mehrere Male hatte ich Gelegenheit, die interessante Gegend
von Eigin am Moray Firth im Norden von Schottland zu besuchen,
da ich mich mit den dort vorkommenden Reptilien beschäftigte.
Mr. William Taylor und Dr. W. Mackie waren so liebenswürdig,
mir das dortige Museum und ihre Privatsammlungen zu öffnen und
ersterer hat mich auch mit der Geologie der Gegend auf verschie-
denen Exkursionen bekannt gemacht.
Die Sandsteine jener Gegend waren schon in alter Zeit durch
devonische Fischreste bekannt. Erhöhtes Interesse wandte sich
ihnen jedoch zu, als man 1851 in der oberen Partie derselben
Reptilreste fand. Bald stellte sich heraus, daß diese Funde einer
viel jüngeren Zeit als dem Devon angehörten. Man hielt die
Sandsteine, die jünger waren als Devon, für triassisch. Viel später
erst lernte man sie in permische und triassische teilen. Die
Schwierigkeit der Parallelisierung hat darin ihren Grund, daß die
fossilführenden Sandsteinvorkommnisse nicht Zusammenhängen, son-
dern weit voneinander getrennt in kleinen Flecken zerstreut sind.
Erst der fossile Inhalt konnte über das Alter Aufschluß geben.
Das beigefügte Kärtchen Cp. 618) soll über die Lage der
Lokalitäten orientieren. Zuerst will ich die einzelnen Vorkomm-
nisse kurz besprechen.
Lossiemouth: Nördlich von Eigin bildet Sandstein von
Lossiemouth bis Burghead parallel der Küste einen schmalen niedrigen
aber zum Teil steilen Höhenzug. Im westlichen Teil bei Masons
Haugh, Cummingstovvn u. a. 0. erkennt man zahlreiche Fußspuren
im Sandstein. Dort wird er für permisch gehalten. Reptilien
kommen in diesem Zuge nur bei Lossiemouth vor. Die Steinbrüche
ziehen sich vom Hafen an der Südseite des Hügels hinauf bis in
die Nähe des Schulhauses. In den letzten Jahren und jetzt wird
nur der westlichste Teil des langgestreckten alten Steinbruches
noch betrieben. Der Sandstein ist stark zerklüftet und läßt kaum
1 Cl. Lebling, Beobachtungen an der Querstörung „Abtenau — Strobl“
im Salzkammergut. N. Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXI. p. 573.
618
Fr. v. Huene,
Schichtung erkennen ; er ist feinkörnig, zäh bis hart mit mehr oder
weniger tonigem und eisenhaltigem Bindemittel , seine Farbe ist
weiß bis gelblich. Dies ist das im Steinbruch abgebante Gestein,
in welchem sich auch die Reptilien finden. Man hat letztere bei
Sprengungen im Hafen 20' unter Wasser, unter dem jetzigen
Bahnhofplatz, im Ost- und im Weststeinbruch angetroffen. Dies
ist der sog. Stagonölepis- Sandstein, wie er nach dem häufigsten
Fossil genannt wird. Im Weststeinbruch sieht man unter dem-
selben gut geschichteten , zähen rötlichen Sandstein und dünn-
bankigen, roten tonigen Sandstein. Ob diese beiden noch der Trias
oder schon dem Old Red angehören, ist unsicher. Unter der Sohle
Morayfirth.
des Weststeinbruches soll früher ein dünnes Mergellager aufge-
schlossen gewesen sein, das, wie die ganze Trias von Lossiemouth,
etwas nach NO einfällt ; darin wurde damals ein Pflanzenabdruck
gefunden, der jetzt im britischen Museum aufbewahrt wird; es ist
ein unbestimmbarer Stengel mit mehreren Verzweigungen. Auf
der Höhe des Hügels, wo das Schulhaus steht, also etwa 50 m
nördlich vom Weststeinbruch, wurde beim Bauen roter Sandstein
aufgeschlossen , den Mr. Taylor für Old Red hält. Der Hügel
wird von 0 — W laufenden Verwerfungen begrenzt und wahrschein-
lich auch zerschnitten. In losen Blöcken findet man verkieselten
Zellenkalk mit Bleiglanz und Pyrit, der als Relict denudierter
höherer Schichten aufzufassen ist. Er wird namentlich bei Spynie
als Chertyrock bezeichnet.
Die Fossilien im Sfaf/onofepis-Sandstein von Lossiemouth sind,
Ueber die reptilführenden Sandsteine bei Eigin in Schottland. 619
soweit es größere Knochen sind, meist als weiße, leicht zerreib-
liche Knochensubstanz erhalten, teils ist, namentlich bei den
kleinen Formen, die kalkige Knochensubstauz ausgelaugt und es
bleiben nur die zarten Hohlräume nach; manchmal aber sind die
Hohlräume mit einer mulmigen, tonig eisenschüssigen Substanz
ausgefüllt , die häutig mit dem Gestein so fest verwachsen ist,
daß man sie weder als Hohlraum noch plastisch freilegen kann.
Spyuie: Spynie liegt 3 engl. Meilen südlich von Lossiemouth
und 2 Meilen nördlich von Eigin. Der kleine 0 — W gestreckte
Hiigel (parallel jenem von Lossiemouth, durch das gleiche
System von Verwerfungen begrüudet) hat seinen Namen von der
Ruine Spynie Palace. Die Schichten fallen wie bei Lossiemouth
mit schätzungsweise 20° nach NO ein, wie man aus der Über-
lagerung verschiedenartiger Gesteine erkennen kann. Die Stein-
brüche sind seit langer Zeit verlassen. In einer der Gruben ist
eine 20 m hohe Sandsteinwand vorhanden. Der Stagonolepis-Sa.nd-
stein ist wie bei Lossiemouth schichtungslos und stark zerklüftet.
Über der erwähnten hohen Sandsteinwand liegen zahlreiche große
und kleiue Blöcke von oolithischem, zum Teil verkieseltem Kalk
mit Chalcedon-Bändern umher; stellenweise zeigt das Gestein
Zellenstruktur und enthält Pyrit. Das ist der Übergang zum reinen
verkieselten Zellenkalk; dieser steht etwa 100 m östlich von hier
bei der Ruine Spynie Palace in gleichem Niveau an. Er liegt
über dem Stagonolepis-Sandstem.
Findrassie: Die Steinbrüche von Findrassie werden nach
dem in der Nähe gelegenen gleichnamigen Landsitz bezeichnet.
Findrassie liegt etwa 2 engl. Meilen nordnordwestlich von Eigin am
Nordabhang des Höhenzuges, der sich von Eigin bis Mosstowie in
annähernd westlicher Richtung hinzieht und der fast ganz von
Old Red gebildet wird, welches mit 5 — 10° nach S einfällt. Wenig
östlich von Findrassie liegen die ausgedehnten verlassenen Stein-
brüche, die jetzt großenteils verstürzt und verwachsen sind. Der
Sandstein ist graugelb und weich und enthält keine Gerolle; er
ist ziemlich gleichmäßig geschichtet. Der von den ehemaligen
Steinbrüchen höher ansteigende Abhang besteht aus sehr hartem,
geröllführendem, verquarztem Sandstein. Im sicheren Stagonölepis-
Sandstein kommen Gerolle nicht vor, man hat nur einmal bei
Lossiemouth ein kleines Geröll gefunden. Auch im Old Red der
Gegend kommen Gerolle nicht vor, wie Mr. Taylor mir versicherte.
Dagegen sind sie charakteristisch für die permischen Sandsteine
des benachbarten Cuttie’s Hillock. Ich nehme au, daß auch dieser
Abhang dem Perm angehört und daß er durch eine ONO laufende
Verwerfung von der Trias der Steinbrüche getrennt wird. Die
dort vorhandene Terrainstufe macht diese Annahme um so wahr-
scheinlicher. In der Trias von Findrassie ist Stagonolepis und
Dasggnathus gefunden. Früher wurde von hier auch eiu Ceratodus-
620
Fr. v. Huene,
Zahn angeführt, das beruht aber auf einer Verwechslung, denn
der Zahn stammt von New Spynie, einer ganz anderen Lokalität,
an welcher Old Red ansteht (auf dem Hügel Quarrywood, westlich
von Cuttie’s Hillock).
Cuttie’s Hillock: Der Höhenzug Quarrywood, der zwischen
Eigin und Mosstowie sich ausdehnt, besteht aus Old Red mit Holop-
tychius, welches leicht nach S einfällt. Seine Oberfläche bildet
weithin ein gleiches und ebenes Niveau. Ihm ist mit deutlicher
Terrainstufe der bis zu ca. 30 m mächtige permische Gordonia-
Sandstein aufgesetzt mit ebener Lagerung. In der großen Kiefer-
waldung ist er in mehreren Steinbrüchen aufgeschlossen, von denen
der bekannteste, der auch allein bis jetzt Fossilien geliefert hat,
ganz auf der -Höhe von Cuttie’s Hillock (= „Hexenhügelchen“, hier
lag früher der Richtplatz) gelegen ist. Von dort bekommt man
den besten orographischen Überblick über die ganze Gegend. In
einem der anderen Steinbrüche, eine halbe Meile östlich von Cuttie’s
Hillock, sieht das Gestein genau ebenso aus wie an dem bekannten
Fundort. Der Sandstein ist bald weich, bald sehr hart, von weiß-
licher bis gelblicher Farbe. Er enthält schichtenweise Gerolle,
massenhaft oder auch einzeln. Ihre Größe wechselt von Steck-
uadelkopf- bis über Faustgroße. Sie bestehen aus weißem, durch-
scheinendem oder rötlichem Quarz. Ihre Form ist teils vollkommen,
teils halb gerollt. Der Sandstein besitzt grobe Kreuzschichtung
und ist stark zerklüftet. Bei Cuttie’s Hillock kommen unter den
Gerollen selten auch blutrote Quarze vor, die auf der Nordseite
des Moray Firth ansteheu sollen. Auch kristalline Schiefer sind
unter den Gerollen. Einige der Gerolle erinnern in ihrer Form
an Dreikanter, sie sind aber nicht auf primärer Lagerstätte, son-
dern verschwemmt. Viele erst gerollte und dann (wohl infolge
der Insolation) zersprungene Gerolle sind im Sandstein eingebettet ;
manche sind nach dem Zersprengtwerden nochmals gerollt oder
schwach mit Sandschlitf anpoliert und imitieren dann Dreikanter, sind
aber durch ihre oft konkaven Flächen von solchen zu unterscheiden.
Der Steinbruch von Cuttie’s Hillock hat die permischen Reptilien
Gordonia, Elginia und Geikia geliefert. Nur 10' unterhalb der
Sohle des Steinbruches wurde unter einem dicken Geröllager
eine Schuppe von Holoptychius gefunden. Dort beginnt also schon
das Devon. Eine deutliche Grenze beider Sandsteine war nicht
erkennbar. In dem alten Steinbruch, der westlich an den jetzt
betriebenen stößt, sieht man auf einer schräg nach S einfallenden
Fläche eine eigentümliche Spurenreihe von 1^ — 2 m Länge. Die
Spuren stehen paarweise nebeneinander. Die einzelne Spur zeigt
keine Zehenabdrücke, sondern nur hufeisenförmige Vertiefungen von
ziemlich bedeutender Größe ; um den unteren Rand jeder Spur zieht
sich ein kleiner Sand wall. Daher kam ich auf die Idee, es seien viel-
leicht Spuren eines im Sande einer abschüssigen Düne tief ein-
lieber die reptilfiihrenden Saudsteine bei Eigin in Schottland. 621
gesunkenen Tieres. Derselbe an Gerollen und Fußspuren reiche
Sandstein findet sich, wie eingangs erwähnt, an der Nordkiiste von
Burghead an ostwärts. Auch dort wird er als permisch angesehen.
Folgende Reptilien sind an den verschiedenen Orten gefunden
worden :
Lossiemouth : Telerpeton dginense Maxtei.l.
Bracliyrliinodon Taylori Huene.
Hyperodapedon Gordoni Huxley.
Stenometopon Taylori Boulenger.
Erpetosuclius Granti E. T. Newton.
Ornithosuchus Woodivardi E. T. Newton.
Scleromochlus Taylori A. S. Woodward.
Stagonolepis Bobertsoni Agassiz.
Saltopus elginensis Huene.
Spynie : Telerpeton elginense Mantell.
Hyperodapedon Gordoni Huxley.
Ornithosuchus Woodivardi E. T. Newton.
Stagonolepis Bobertsoni Agassiz.
Findrassie: Stagonolepis Bobertsoni Agassiz.
Dasygnathus longidens Huxley.
Cuttie’s Hillock : Gordonia Traquairi E. T. Newton.
„ Huxleyana „
„ Duffiana „
„ Juddiana „
Geikia elginensis „
Elginia mirabilis „
Diese Liste gab Boulenger (1. c. 1904), sie ist hier nur
wenig erweitert. Nachdem Huxley gezeigt hatte, daß diese Sand-
steine nicht mehr dem Devon angehören, wurden sie alle in die
Trias gestellt. Erst 1894 vennutete Taylor, daß auch permische
Ablagerungen darin stecken ; er sagt in „Natural Science“ (a monthly
review of scientific progress) Vol.IV. No. 28. 1894. p. 472. London,
J. M. Dent and Co.: „Might not Elginia and Gordonia be permian ?“
Dies ist alles, was er darüber sagt. Dann wurde 1902 (1. c.)
vom Verf., ohne Kenntnis der TAYLOR’sclien Notiz, den Sandsteinen
von Cuttie’s Hillock nach ihren Fossilien permisches Alter zu-
gesprochen, im Gegensatz zu den drei anderen triassischen Fundorten,
1904 tat Boulenger das gleiche (1. c.). Seitdem steht es fest,
daß der Stagonolepis-Sandstein von Lossimouth, Spynie und Findrassie
triassisch, der Gortfcma-Sandstein von Cuttie’s Hillock permisch ist.
1908 suchte der Yerf. nachzuweisen, daß der Stagonolepis- Sandstein
das Alter der deutschen Lettenkohle hat (1. c.).
Noch ein triassischer Fundort liegt nahe bei Eigin, nur eine
Meile nördlich in der Nähe des Weges nach Spynie, das ist der
rhätische graue Mergelkalk von Linksfield. Schon 1842 beschreibt
622
Fr. v. Huene.
Partick Duff Ganöiden und Wirbel und Zähne von Plesiosauriern
und ein „femur or tigh hone of a chelonian reptile“ von dort. Das
letztere hat Seeley später (Quart. Journ. geol. Soc. London. 47.
1891. p. 164 11.) als Krokodil-Humerus neu beschrieben. Auch
schlecht erhaltene Zweischaler linden sich im Kalk von Linkstield.
Die Steinbrüche sind längst nicht mehr im Betrieb. Dieser Kalk
findet sich nur in einem kleinen der Ebene aufgesetzten Hiigelchen;
es ist nicht ausgeschlossen, daß dieses ganze Vorkommen eine
glazial verschleppte Masse ist.
Literatur:
Agassiz, L. : Stagonolepsis Robertsoni. Poissons fossiles. 1844. p. 139.
Taf. 31, Fig. 13—14.
Boülenger, G. A. : Some reptilian remains from the Trias of Eigin. Phil.
Trans. 196. 1903. p. 175—189. Taf. 11—15.
— On the characters and affinities of the triassic reptile Telerpeton
elginense. Proceed. Zool. Soc. London. 1904. 1. p. 470 — 481. Taf. 30 — 32.
Brickenden, B. T. : Discovery of reptilian foot-tracks and remains in
the Old Ked or Devonian of Moray. Quarr. Journ. geol. Soc. London.
8. 1852. p. 97-100. Taf. 3.
Brickenden. L. : Skeleton of four-footed reptile. Edinb. New. Phil. Journ.
52. p. 353.
Bfrckardt, R. : On Hyperod apedon Gordoni. Geol. Mag. 1900. p.486 — 492.
Taf. 19.
Duff, P. : Sketch of the geology of Moray. Eigin. 1842.
— Telerpeton elginense. Edinb. New. Phil. Journ. 52. 1854. p. 353.
Gordon, G. : The reptiliferons sandstone of Eigin. Transact. geol. Soc.
Edinburgh. VI. 1892. p. 241—245. Taf. 10.
Harkness, R. : On the reptiliferons rocks and the footprint-bearing strata
of the North-East of Scotland. Quart. Journ. geol. Soc. 20. 1864.
p. 429—443.
Hickling, H. G. A. : British permian footprints. Mem. and Proceed. Man-
chester Lit. and Phil. Soc. 53. 1909. p. 1 — 23. Taf. 1 — 4.
Huene, F. v. : Übersicht über die Reptilien der Trias. Geol. u. Pal.
Abh. VI (X), 1. 1902. p. 1-84.
— Die Dinosaurier der europäischen Trias. (Kap. 5 u. 9.) Geol. und
Pal. Abh. Suppl. I. 1907 — 08.
— Eine Zusammenstellung über die englische Trias und das Alter
ihrer Fossilien. Dies. Centralbl. 1908. p. 9 — 17.
— On the age of the reptile fannas contained in the Magnesian con-
glomerate at Bristol and in the Eigin sandstone. Geol. Mag. 1908.
p. 99—100.
— Ein primitiver Dinosaurier aus der mittleren Trias Von Eigin. Geol.
u. Pal. Abh. VIII (XU), 6. 1910. p. 317-322. Taf. 43.
— Über einen echten Rhyneliocepbalen aus der Trias von Eigin,
Brachyrhinodon Taylori. N. Jahrb. f. Min. etc. 1910. II. p. 29 — 62.
Ueber die reptilführenden Sandsteine bei Eigin in Schottland. 623
Huexe, F. v. : Beiträge zur Kenntnis und Beurteilung der Parasuchier.
Geol. Pal. Abh. X (XIV), 1. 1911. p. 68— 121.
— Die Cotylosaurier der Trias. Palaeontographica. 59. 1912.
p. 69—102. Taf. 4-9.
— Der zweite Fund des Rhynchocephalon Brachgrhinodon in Eigin.
N. Jahrb. f. Min. etc. 1912. I. p. 51—57. Taf. 4-5.
Hcxley, T. H. : On Stagonolepis Bobertsoni Ag. of the Eigin sandstone
and foot-marks in sandstone of Cummingstone. Quart. Journ. geol
Soc. London. 15. 1859. p. 44011'. Taf. 14.
— On new specimen of Teleperton elginense. Quart. Journ. geol. Soc.
London. 23. 1867. p. 72 ff.
— On Hgperodapedon. Quart. Journ. geol. Soc. London. 25. 1869.
p. 138 ff.
— Stagonolepis Bobertsoni and the evolution of the Crocodilia. Quart.
Journ geol. Soc. London. 31. 1875. p. 423 ff. Taf. 19.
— The crocodilian remains found in the Eigin sandstones with
remailcs on the Johnites of Cummingstone. Mem. geol. Surv. England.
Monogr. III. 1877. tb. 8—24.
— Further observations on Hgperodapedon Gordoni. Quart. Journ. geol.
Soc. London. 43. 1887. p 675 ff. Taf. 26 — 27.
Judd. J. W. : The secondary rocks of Scotland. Quart. Journ. geol. Soc.
39. 1873. p. 97. Taf." 7.
— The relation of the reptiliferous sandstone of Moray to the upper
Old Bed. Proceed. ß. Soc. 1885. No. 25. p. 394 ff.
Mackie, W. : The pebble-band of the Eigin Trias and its wind-worn pebbles.
Brit. Assoc. Adv. Sei. Glasgow. 1901. Section C. 1 p.
Mantell. G. A. : On the impression of a skeleton of a reptile from the
Old Red sandstone of Spynie near Eigin. Quart. Journ. geol. Soc.
8. 1852. p. 100 ff.
Moore, C. : The so-called Wealden of Linksfield and the reptiliferous
sandstone of Eigin. Quart Journ. geol. Soc. 16. 1860. p. 445 (Abs.)
Newton, E. T.: On some new reptiles from the Eigin sandstones. Phil.
Trans, 184. 1893. p. 431.
— Reptiles from the Eigin sandstone, description of two new genera.
Phil. Trans. 185. 1894. p. 573.
Owen, R : Leptopleuron lacertinum. Literary Gazette 1851. p. 900.
Seeley, H. G. : On Saurodesmus Bobertsoni, a crocodilian reptile from the
Rhaetic of Linksfield in Eigin. Quart. Journ. geol. Soc. 67. 1891.
p. 166—169. 1 Taf.
Taylor, W. : Brief in „Natural Science“, a monthlv review of scientific
progress. London, J. M. Dent and Co. Vol. IV. No. 28. 1894. p. 472.
Watson, D. M. S. : The „Trias“ of Moray. Geol. Mag. 1909. p. 102 — 107.
Taf. 4.
— Some reptilian remains from the Trias of Lossiemouth. (Abstr )
Proceed. geol. Soc. London. No. 881. 1909. p. 120 — 121.
Woodward, A. S. : On Scleromochlus Taglori from the Trias of Eigin.
Quart. Journ. geol. Soc. 63. 1907. p. 140.
624
Besprechungen.
Besprechungen.
Austin F. Rogers: Introduction to the Study of
Minerals. Bei Mc Graw-Hill Book Company, New York und
London. 1912. XX. 522 Seiten. Mit 589 Textfiguren.
Dieses Buch ist als Leitfaden der Mineralogie für Anfänger
bestimmt und zerfällt in acht Teile, ausschließlich der Einleitung
und eines Literaturverzeichnisses.
Die erste Abteilung, welche 99 Seiten umfaßt, bespricht die
Form der Mineralien. Hier werden zuerst die allgemeinen Eigen-
schaften, Symmetrieverhältnisse, Formen, Symbole und Klassi-
fikation der Kristalle behandelt. Dann folgt eine knappe Be-
schreibung der sechs Systeme in der folgenden, etwas ungewöhn-
lichen Ordnung : 1. rhombisch, 2. monoklin, 3. triklin, 4. tetra-
gonal, 5. hexagonal und 6. kubisch. Diese Abteilung enthält
auch Abschnitte über Zwillinge, Kristallaggregate, Struktur, das
Wachsen der Kristalle, Habitus, Messung, Projektion und Zeichnen
der Kristalle, sowie auch über die Bestimmung der Elemente der
Kristallisation.
Der zweite Teil beschreibt nur die wichtigsten makroskopischen
physikalischen Eigenschaften der Mineralien und umfaßt 10 Seiten.
Obzwar der Verfasser fünf verschiedene Methoden zur Bestim-
mung des spezifischen Gewichts anführt, ist die beinahe universal
angewandte Methode mittels der JoLLY’schen Federwage nicht ein-
mal erwähnt.
Im dritten Teile findet man eine kurze Behandlung der
verschiedenen optischen Eigenschaften. Diese Abteilung enthält
5<) Seiten und zerfällt in nicht weniger als 18 Abschnitte. Die
chemischen Eigenschaften werden auf 40 Seiten des vierten Teiles
beschrieben. Der fünfte Teil ist der Bestimmung der Mineralien
gewidmet und umfaßt 42 Seiten. Dieser Abteilung schließen sich
auch sechs Tabellen an, in welchen die 200 im sechsten Teile
beschriebenen Mineralien nach Kristallsystem und Habitus, Struktur
und Blätterbruch, Farbe, spezifischem Gewicht, optischen Eigen-
schaften und Lötrohr und chemischen Eigenschaften angeordnet sind.
Im sechsten Teil werden die einzelnen Mineralien knapp be-
schrieben , indem nur das Allerwichtigste über Eigenschaften und
Vorkommen angegeben wird. Dieser Teil umfaßt 194 Seiten,
Eine allgemeine Diskussion des Vorkommens , der Begleiter
und der Entstehung der Mineralien wird in den 12 Seiten des
siebten Teils gegeben. 27 Seiten werden im achten Teil einer
Beschreibung der verschiedenen Arten der Verwendung der Minera-
lien gewidmet. Ein ausführliches Register ist auch zu erwähnen.
Die Ausstattung und Illustrationen , sowie der Druck in be-
quemem Taschenformat sind ausgezeichnet. E. H. Kraus.
K. Busz u. F. W. Rüsberg, Mineralog.-chemische Untersuchungen. 025
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Mineralogisch-chemische Untersuchungen an Olivin- und
Melilithkristallen in Hochofenschlacken.
Von K. Busz und F. W. Rüsberg in Münster i. W.
Eine Anzahl von Schlackenstufen, welche z. T. gut ausgebildete
Kristalle der Mineralien der Olivin- nud Melilithgruppe tragen,
wurden in mineralogisch-chemischer und in optischer Beziehung
untersucht.
Das Material stammt z. T. aus der Privatsammlung von Herrn
Direktor W. Schilling in Oberhausen, z. T. aus der des Herrn
Prof. Dr. Aulich in Duisburg und aus der metallurgischen Samm-
lung der Duisburger Hüttenschule. Einige Stufen wurden auf den
Schlackenhalden der Guten -Hoffnnngsliütte zu Oberhausen und der
Georgs-Marienliütte bei Osnabrück gesammelt.
I. Mineralien der Olivingruppe.
a) Fay alit.
Eine Stufe besteht aus Faj’alit, dessen Zusammensetzung der
chemischen Analyse zufolge fast der theoretischen Zusammensetzung
des reinen Eisenorthosilikates entspricht. Die Kristalle sind einfach
ausgebildet und nur begrenzt von ooP(llO), ccPdo(OlO) und
2Pc6(021). Wenige Kristalle zeigen außer diesen Formen noch
ooPöc (100), aber stets schmal entwickelt. Die Messungen ergaben für
(110) : (110) = ooP : ooP = 49 0 23,7' ; (021) : (021) = 2P& : 2Po6 = 98® 35,2'.
Die Analyse ergab :
Molekularverb.
Si 02 29,59 48.92 = 1
FeO 69,18 96,29 = 2.
Mn 0 Spur
AljjOj 1.54
S Spur.
Nach Abzug der Tonerde auf 100 umgerechnet:
Si02 29.96 29,56 (theoretisch)
FeO 70.14 70,44
Spez. Gew. = 4,28 bei 15° C.
Die Lichtbrechung wurde für die mittlere und kleinste Elastizi-
tät bestimmt, und zwar
/^Na — 1,877
yNB= 1,886.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913.
40
626
K. Busz und F. W. Kiisberg,
b) Manganfayalit.
Es wurden zwei Stufen von Fayalit untersucht, welche neben
FeO einen bedeutenden MnO-Gehalt aufweisen.
Dem Manganfayalit der ersten Stufe kommt auf Grund der
Analyse die Formel 3 Fe2 Si 04 • Mn2 Si 04 oder Fe3MnSi208 zu.
Die Kristalle zeigen dieselbe Ausbildung wie die des vorher be-
schriebenen Fayalites, mit fast den gleichen Winkelverhältnissen.
(110) : (110) = ooP : ooP = 49° 21,9'; (021) : (021) = 2Pö6 : 2Pöo = 98°37,2'.
Die Anatyse ergab (Mittel aus 2 Analysen) :
Si08 . . . .
. . . . 27,79
Al, 0, . . .
. . . . 0,39
FeO ....
. . . . 51.90
MnO. . . .
. . . . 17,44
Ca 0 . • . .
. . . . 0,88
S
99.85.
Berechnet man den Schwefel als isomorphes Gemenge von
(Fe, Mn) S, so ergibt sich:
Molekularverh.
Si02 27,79 46,09 =1
A120„ .... 0,39 —
Fe 0 49,34 68,53 >
MnO 16,64 23,46 93,56 = 2
CaO 0,88 1,57 I
(Fe, Mn) S . . 3,46 —
98,50.
FeO : Mn 0 = 68.53 : 23,46 = ca. 3 : 1.
Spez. Gew. = 4.25 bei 19° C.
Die mikroskopische Untersuchung eines Dünnschliffes der
Schlacke zeigt, daß das ausgeschiedene (Fe, Mn) S z. T. in kleinen
rundlichen Körnchen, z. T. in der Form von äußerst fein verteiltem
Staub durch das ganze Mineral verteilt ist.
Die Lichtbrechung wurde für alle drei Haupt-Schwingungen
bestimmt ; es ergab sich :
«Na = 1,805 y — « = 0.041
/?Na = 1,836 y — ^=0.010
,,Na= 1.846 ß — « = 0.031.
Die Breclmngsquotienten sind hier wie bei dem vorbeschriebenen
Fayalit nur auf drei Dezimalen angegeben, da die Ausführung der
Bestimmungen wegen der hohen Eigenfarbe der Kristalle sowie
wegen der vielen opaken Einlagerungen mit großen Schwierigkeiten
verknüpft war. Die Bestimmungen wurden an orientierten Prismen
nach der Methode der Minimalablenkung ausgeführt.
Die Kristalle des zweiten beschriebenen Manganfayalites zeigen
Mineralogisch-chemische Untersuchungen etc.
627
außer den Flächen ccP(llO), ooPoo(OlO) und 2 Pdo (021) in der
Prismenzone noch die Form ocP2 (120). Sie enthalten Einlage-
rungen eines isotropen Minerals , das als Spinell erkannt wurde.
Es war nicht möglich, den Spinell auf irgend eine Weise von
der Fayalitsubstanz zu trennen. Beim Behandeln mit konzentrierter
HCl auf dem Wasserbade ging die Fayalitsubstanz vollständig in
Lösung, aber auch der Spinell wurde bei längerer Einwirkung merk-
lich angegriffen. Der Rückstand an Spinell betrug
5,75 °/o nach 2} Stunden
4,48 „ „ 24 „
7t 7t IS „
Es wurden zwei Anatysen ausgefiihrt, eine durch Aufschließen
mit Soda, die zweite durch Lösen mit konzentriertem H CI.
I.
II.
I. II
Molekularverh.
Si02 . . .
. 28,41
28,13
47,11
i, 47,86
46,48 1
Ti 0, • • •
. 0,60
0,55
0,75
0,62/
A12 03 . . .
. 3,09
2,42
2,97
2,37
FeO ....
. 51,99
49.65
72,36
69,10 j
MnO ■ . •
. 10,19
9,68
14,37
99,17
13.65 1
CaO ... •
. 3,29
2,26
5,87
6,38
Mg 0 . . .
. 2,65
100,22
2,92 1
100,09.
6,57
7,37 J
47,10
96,50
Aus beiden Analysen läßt sich ein genaues Bild über die Zu-
sammensetzung der Fayalitsubstanz nicht gewinnen, da ja eine
vollständige Trennung von dem Spinell nicht durchführbar war.
Aus dem Molekularverhältnis FeO.’MuO
1 72,36 : 14,37 = 5,03 : 1
II. ... 69,10:13,65 = 5,06:1
ergibt sich, daß der Fayalit in der Hauptsache aus 5 Fe2 S 04 •
lMn2Si04 besteht. Ob CaO und MgO auch an der Zusammen-
setzung des Fayalites teilnehmen oder ob sie ganz dem Spinell
angehören, läßt sich nicht feststellen.
Die Analyse des Spinells ergab :
Molekularverh.
Al* 03 . . .
. . . 16,03
15,68 1
46,33
Fe2 03. . .
. . . 50,55
31,65 j
Ca 0 ...
. . . 17,56
31,31 j
MgO . .
. . . 12,34
30,61
68.36
MnO . . .
. . . 4,57
6,44 1
Dieser Zusammensetzung würde die Formel 3R0-2R„03
entsprechen.
1 -f- 4,48 °/o in HCl unlöslicher Rückstand.
40*
628
K. Busz und F. W. Rüsbei'g.
Eine Änderung der Winkelverhältnisse der Kristalle hat durch
den Eintritt der Base Mn 0 in die Zusammensetzung des Fayalites
nicht stattgefunden. Einen morphotropen Einfluß übt Mn 0 also,
wie es scheint, nicht aus.
Bezüglich der optischen Orientierung gilt für die vorstehend
beschriebenen Fayalite
a = c, c = b, b = a.
Der Charakter der Doppelbrechung ist negativ. Die Disper-
sion der optischen Achsen ist in allen Fällen deutlich wahrnehm-
bar, und zwar ist: q>v. Die spitze Bisektrix ist die Achse b.
c) Kalk olivine.
Einige Stufen von Kalkolivinen gestatteten eine genaue kristallo-
graphische und chemische Untersuchung.
Die erste der untersuchten Stufen entstammt einem Ofenbruche
von der Gute-Hoffnungshütte und wurde aus der Privatsammlung
des Herrn Direktor W. Schilling zur Verfügung gestellt. Die bis
zu ca. 1 cm großen, an den Kanten durchscheinenden Kristalle
sind von lichtölgrüner Farbe. Die auftretenden Formen sind
ooP(llO), ooPoo(OlO) und 2Poo(021). Der Habitus ist durch-
weg säulenförmig nach der c-Aclise. Die Winkelmessungen ergaben :
(110) : (110) = ooP : ooP = 47 0 20,2' ; (021) : (021) = 2PÖ6 : 2Pdb = 98 0 20.8'.
Analyse
(Mittel aus 2 Analysen)
Molekularverh.
Si02 ....
33,17
55,01
= 1
Fe 0 . . . .
18,97
26,40 j
Mn 0 ...
11,21
15,81 |
109,99 = 2
Ca 0 . . . .
35.11
62,60 1
Mg 0 . . .
2.09
5,18 '
100,55.
Spez. Gew. = 3,341 bei 8° Cl.
Die Zusammensetzung dieses Olivins wird durch folgende
Formel dargestellt:
10 Ca2 Si 04 • 6 (Fe, Mg)2 Si 04 • 3 Mn2 Si 04.
Das Molekularverhältnis von
Ca2 Si 04 : (Fe, Mn, Mg)2 Si 04 = 14,80 : 1 2,76 = 1,16 : 1.
Wegen der starken Beteiligung der Basen FeO und Mn 0 an
der Zusammensetzung dieses Olivins neben CaO kann er als Eisen-
Mangan-Kalkolivin bezeichnet werden.
Die Lichtbrechung wurde für alle drei Hauptschwingungs-
richtungen mit Hilfe von orientierten Prismen nach der Methode
des Minimums der Ablenkung ermittelt. Als Lichtquelle diente ein
Lichtbogen zwischen einer Zink- und einer Messingelektrode. Der
Das spezifische Gewicht wurde mit Methylenjodid bestimmt.
Mineralogisch-chemische Untersuchungen etc.
629
Bogen wurde durch ein geradsichtiges Prisma spektral zerlegt und
aus dem Spektrum folgende Linien ausgewählt. Zwei Linien im
Blau, entsprechend einer Wellenlänge von 0,4701 /< im Mittel,
2 Linien im Grün, entsprechend einer Wellenlänge von 0,5129//
im Mittel, eine Linie im Gelb von der Wellenlänge 0,5782 // und
eine Linie im Rot von der Wellenlänge 0,6364 //.
'ellenlange
a
ß
V
y— “
r—ß
ß—u
Blau . .
. 1,6869
1,7162
1,7241
0,0372
0,0079
0,0292
Grün . .
. 1.6794
1,7133
1,7191
0,0397
0.0058
0.0339
Gelb . .
. 1,6749
1,7054
1,7105
0,0356
0 0051
0.0305
Rot . .
. 1.6724
1,7004
1,7061
0,0337
0.0058
0,0280
f£Bl—
-«R= 0,01451
ß^i Pr — 0,015/5
?'b i“7a= °’01800-
Die zweite Stufe von Kalkolivin, auf Grund der chemischen
Zusammensetzung als Magnesia-Mangan-Ivalkolivin bezeichnet, stellt
ein Haufwerk von regellos durcheinandergewachsenen Kristallen
dar. Die Kristalle sind begrenzt von ooP ( 1 10), ocpoc (010) und
2Poc (021). Die Ausbildungsweise ist stets stabförmig nach der
a-Achse.
1 110): (HO) = ooP : ooP = 47 0 4,9' ; (021) : (021) = 2P& : 2Pö6 = 98°7,6'.
Eine Analyse der ganzen Schlackenmasse wurde im Labora-
torium der Gute-Hoffnungshütte zu Oberhausen ausgeführt; sie
ergab :
Si04. • • .
. . . . 34,56
A12 03 . . •
FeO. . ■ .
Mn 0 . • .
. . . . 10,78
CaO. • . •
MgO . . .
. . . . 10,28
P2 05 . . .
. . . . 0,21
S
■ . . . 0,41
.\’a20 . . .
. . . . 0,46
99,07.
Die Analyse der unter der Lupe ausgelesenen reinen Kristall
Substanz ergab (Mittel aus 2 Analysen):
Molekularverh.
Si02 . . . .
. 36.10
59,87
= 1
A1203 . . .
. Spur
—
Fe 0 . . . .
. 4,89
6.81
Mn 0 . . . .
. 11,81
16,65
119,38 = 2
CaO . . . .
. 32,68
58.35
MgO. . . .
. 15.15
100,68.
37,57
Spez. Gew. = 3,190 bei 22,5 0 C (mit Methylenjodid bestimmt).
630
Iv. Busz und F. W. Rüsberg,
An der Konstitution dieses Olivins beteiligen sich demnach
die einzelnen Silikate in der folgenden Weise:
7,46 Ca2 Si 04 • 3,93 Mg2 Si04 • 2,49 Mn2 Si04 l,0Fe2SiO4 oder
3 Caä Si 04 • 2 (Mg, Fe)2 Si 04 • 1 Mn2 Si 04 oder
Ca2 Si 04 • (Mg. Mn. Fe)2 Si 04.
Es liegt also hier ein Magnesia-Mangan-Kalkolivin vor.
Zu bemerken ist noch, daß sich in der ganzen Schlackenmasse
neben dem Olivin vereinzelt optisch negativer Melilith in ganz
düunen Tafeln ausgeschieden hat.
Ein seiner chemischen Zusammensetzung nach mit dem obigen
identischer Kalkolivin ist dadurch noch besonders von Interesse,
als er mit Melilith zusammen sich gebildet hat. Dabei ist die
Kristallisation des Olivins vor der des Meliliths erfolgt, da letzterer
Einschlüsse des ersteren beherbergt.
Die optische Orientierung der Kalkolivine ist:
a = c, b = a, c = b.
Der optische Charakter ist negativ. Dispersion der optischen
Achsen ist deutlich wahrnehmbar. q^> v.
In Übereinstimmung mit den Untersuchungen von J. H. L. Vogt 1
ergibt sich, daß die Base CaO einen vorherrschenden Einfluß auf
die Winkelverhältnisse des Olivins ausiibt. Als Mittel für die
Werte (110) : ( HO) und (021) : (021) erhält man aus allen bisher
vorliegenden Untersuchungen 47° 15' und 98° 19'. Man ver-
gleiche damit :
Forsterit2 * Olivin* Fayalit4 * Tephroit8
(110): (110). .49° 51' 50° 49° 33' 49° 24'
(021) : (021) . . 99 2 99 6' 98 30 99 47,5
Bezüglich der Konstitution der Kalkolivine ergibt sich, daß
wir es mit Doppelsalzen vom Typus Ca, Si 04 + R2 Si 04 zu tun
haben, wobei R = Fe, Mn, Mg ist. Vielleicht sind die Eisenkalk-
olivine isomorph mit dem bisher noch unbekannten Ca2Si04.
In Übereinstimmung ferner mit den Ergebnissen von J. H. L.
Vogt 6 zeigt sich, daß zur Bildung der Kalkolivine das Schmelz-
magma ziemlich genau aus R2Si04, worin R = Ca, Fe, Mn, Mg
ist, bestehen muß , daß also das Verhältnis des Sauerstoffs der
Basen zu dem der Kieselsäure nahezu = 1 sein muß, da in diesem
Falle die Base CaO sich relativ leicht an der Konstitution des
Olivins beteiligt.
1 J. H. L. Vogt, Beiträge zur Kenntnis der Gesetze der Mineral-
bildung in Schmelzmassen und in den neovulkanischen Ergußgesteinen.
Kristiania 1902. p. 18, 19 u. 34.
2 Nach M. Bauer.
* Nach v. Kokscharow.
4 Nach J. H. L. Vogt.
8 Nach H. J. Sjögren.
J. H L. Vogt, 1. c. p. 23.
Mineralogisch-chemische Untersuchungen etc.
631
Die Ursache für die stabförmige Ausbildung der Kalkolivine
nach der a-Achse liegt in dem hohen Kalkgelialt des Schmelz-
magmas, sowie in der raschen Abkühlung desselben.
Zwillingsbildung bei den Schlackenolivinen wurde makro-
skopisch an zwei Stufen, mikroskopisch an einer größeren Anzahl
von Stufen beobachtet. Die Zwillingsbildung hat in fast allen
Fällen nach Poo(Oll) oder 2Pc6(021) stattgefunden. Auf einer
Stufe wurde ein Durchkreuzungszwillung beobachtet, bei dem ver-
mutlich 3Pob(031) die Zwillingsebene ist.
II. Mineralien der Melilithgruppe.
Die Mineralien der Melilithgruppe kommen in den Hochofen-
schlacken in großen, wohlausgebildeten Kristallen vor, die aber
immer nur eine einfache Ausbildungsweise zeigen. Die Begrenzung
wird von den Flächen OP (001), ooP(llO) und ooPoo(lOO) gebildet,
Pyramidenflächen wurden an keiner der untersuchten Stufen gefunden.
Der Habitus der Kristalle ist teils prismatisch oder würfel-
förmig, teils dünn- oder dicktafelig nach der Basis.
Die Farbe ist sehr verschieden. Auf einigen Stufen sind die
Kristalle vollkommen schwarz, bedingt durch massenhafte Einschlüsse
eines völlig opaken, durch Schwefeleisen schwarz gefärbten Glases.
Andere Stufen, die den bei der Darstellung von Spiegeleisen ge-
fallenen Schlacken entstammen, führen intensiv grün gefärbte Kri-
stalle, nnd zwar wird die Farbe durch zahlreiche Einschlüsse von
Mangansulfid hervorgerufen, das sich in Form von Longuliten oder
Globuliten ausgeschieden hat. Die an natürlichen Kristallen öfters
beobachtete Pflockstruktur findet sich auch an diesen künstlichen
Kristallen.
Hinsichtlich des optischen Verhaltens ist zu bemerken, daß
der optische Charakter der Kristalle z. T. positiv, z. T. negativ
ist. In Dünnschliffen zeigen erstere nur niedere Interferenzfarben,
während bei letzteren lebhaft bunte Interferenzfarben zu beobachten
sind. Mehrere Kristalle weisen optische Anomalie auf.
Die Kristalle von zwei Stufen erlaubten kristallographisclie
und chemische Untersuchung.
Stufe 1. In einer dunkel gefärbten Glasmasse treten in
Blasenräumen eine große Zahl von ca. 3 mm großen, wasserklaren
Kristallen auf, die von coPoo(lOO), ooP(llO) und OP (001) be-
grenzt sind ; ihr Habitus ist tafelförmig nach der Basis bis dünn-
blätterig. Im konvergenten polarisierten Lichte liefern sie ein
ziemlich verschwommen aussehendes Interferenzkreuz, das sich beim
Drehen des Präparates deutlich in zwei Hyperbeln trennt. Der
optische Charakter ist positiv.
Das Lichtbrechungsvermögen wurde nach der Prismenmethode
für dieselben Wellenlängen, wie vorhin bei dem Olivin (p. 628)
bestimmt. Es ergab sich :
632
K. Busz und F. W. Rüsberg,
Wellenlänge
€
0)
£ — (O
Blau . . . .
. . 1, 65177
1,64931
0,00246
Grün . . . .
. . 1,64836
1,64653
0,00183
Gelb . . . .
. . 1,64222
1.63937
0,00285
Rot . . . .
. . 1,63889
1,63747
0,00142
Na
. . 1,64174
1,63890
0,00284
f B1— eR = 0,01288
coßl — foR = 0,01 184.
Eine chemische Analyse wurde sowolil von der reinen Kristall-
substanz (II)1 wie von der gesamten Schlackenmasse (I) 2 in dem
Laboratorium
mit folgenden
Si02 .
Äl2 0,
Fe 0 .
MnO
CaO .
MgO .
Ks 0 .
Na„0
P20ä
S . .
Stufe 2.
der Gute-Hoffnungshiitte
Resultaten :
in Oberhausen ausgeführt
)
I
40.36
6,69
2,63
5,11
36,10
3,90
4.60 :
II
39,84
4,31
0,12 (Fe, 0.)
2,30
36,03
10,20
4,37
2,01
Molekularverh. II
66,07 = 13,25
4Ä1 = i
0,75 )
3,24
64,23
25,30
4,64
3,24
= 20.02
0,09 —
0,86 —
100,34 99,21.
Spez. Gew. = 2,957.
Diese führt ebenfalls z. T. wasserklare Kristalle
von derselben Kombination wie die auf Stufe 1 , aber mit pris-
matischem Habitus. Auch bei dieser ist der optische Charakter
positiv.
Die optischen Konstanten wurden ebenso wie vorher bestimmt.
Wellenlänge
r
1 0
f — CO
Blau
. 1,65522
1,65123
0,00399
Grün
. 1,64976
1,64673
0,00303
Gelb
. 1,64623
1,64123
0,00500
Rot .....
. 1,64223
1,63873
0,00343
Na
. 1,64593
1,64073
0,00500
TI ... ■ . .
. 1,64926
1,64623
0,00303
fBi z=z °!°1299
— coR = 0,01250.
Durchweg ist also die Lichtbrechung, wie auch besonders die
Doppelbrechung stärker als bei den Kristallen der ersten Stufe.
1 Mit Spuren von SrO.
2 Mit Spuren von PbO.
3 Bestimmt als K2 0.
Mineralogisch-chemische t'utersuchungen etc.
633
Die chemische Analyse der gesamten Schlackenmasse (1) und
der ausgesuchten reinen Kristalle (II, Mittel aus 2 Analysen) ergab
folgende Zusammensetzung:
SiO„ .
A1303
Fe 0 .
Mn 0
CaO .
MgO
Na,0
S . .
P2Oä.
PbO .
I
. 40,52
. 3,24
. 2,56
. 4,56
. 39,96
5.57
. 3,43
. 0,76
. 0,10
. Spur
100,70
II
42,39
1,09
1,30
4,38
39,10
12,16
Molekularverb. II
70,33
1,07
1,81
6,18
69,71
30.16
= 65,73
= 1
= 100,90
100,42.
Nach der Auffassung von J. H. L. Vogt 1 sind die Glieder der
Melilithgruppe Mischungen des tonerdefreien Akermanit-Silikates
Ca4Si3 010 = 4 CaO • 3 SiO, und des tonerdereichen Gelilenit-Sili-
II III
kates 3 R 0 • R2 03 • 2 Si 02.
Bringt man nun in den oben angeführten Aualysen die der
Gehlenitsubstanz entsprechenden Mengen von Si02, A1203, CaO
und MgO in Abzug, so müßte nach der VoGT’schen Auffassung
ein dem Akermanit entsprechendes Silikat übrig bleiben, in welchem
II
das Verhältnis R 0 : Si 02 = 4 : 3 wäre.
In beiden Fällen erhalten wir aber ein Silikat vou der Zu-
II
sammensetzung 3 R 0 • 2 Si 02.
Ebenso ergibt sich aus zwei Aualysen, die von Fouque 2 und
BodlInder 3 an reiner Melilithsubstanz ausgeführt sind, nach Abzug
der Gehlenitsubstanz in dem übrigbleibenden Silikat das Verhältnis :
CaO : Si02 = 1,53 : 1.
Man darf also annehmen, daß, wenn man die Mineralien der
Melilithgruppe als Mischungen zweier Grundverbindungen auffaßt,
deren eine dem Gehleuit entspricht, die andere ein tonerdefreies
11 II
Silikat von dem Typus 3 R 0 • 2 Si 0, = R3 Si2 07 sein muß, das
sich also von der Diorthokieselsäure Hg Si0 07 ableitet, deren Blei-
salz, der Barysilit, in der Natur vorkommt, Pb3Si.,07.
Will man aber die VoGT’sche Theorie wenigstens in bezug
auf die optisch positiven künstlichen Melilithe als zutreffend bei-
1 J. H. L. Vogt, 1. c. p. 97 ff.
* Zeitschr. f. Krist. 14. p. 283 (Ref.)
3 N. Jahrb. f. Min. etc. 1892. I. p. 53 und 1893. I. p. 15.
634
H. Backlund, Ueber chemische Veränderungen
behalten so muß man annehmen, daß neben der Verbindung
Ca3 Si2 07 gelegentlich auch Akermanit auftritt.
Mau kann aber auch die Zusammensetzung so erklären, daß
man drei Grundverbindungen annimmt, nämlich das Gehlenitmolekiil
11 III
3 RO • K203 • 2 Si02 mitCa2Si04 undCaSi03, in dem Ca3Si207
als aus den beiden letzteren bestehend gedacht ist. Diese Erklä-
rung stände im Einklang mit der Ansicht von C. Hlawatsch 1 2,
nach welcher an der Zusammensetzung der Glieder der Melilith-
gruppe mehr als zwei Grundverbindungen beteiligt sein müssen,
um die optischen Eigenschaften derselben erklären zu können.
Münster i. W., Mai 1913.
Ueber chemische Veränderungen in mechanisch deformierten
Gesteinen.
Von Helge Backlund.
(Schluß.)
In Querschnitten sind der ebenkörnige Gneis und der Bänder-
gneis (sub 1) einander sehr ähnlich. Die großen Mikroklinmikro-
perthitfelder mit Quarzdiablasten sind nicht so in die Augen
springend. Von kleinen Parallelverwerfungen werden sie in sub-
parallele, stark undulöse Individuen zerschnitten; die oben be-
schriebene Mikrobreccie folgt auch hier den Rissen und Umi’issen.
Der kleinkörnige, stark undulöse Quarz ist in lange Linsen aus-
gezogen ; in dem eben körnigen Gneis sind größere, ebenfalls stark
undulöse Felder erhalten, wie auch der durch Spuren von Um-
wandluugsprodukten kenntliche Plagioklas (hier ebenfalls Oligoklas :
a‘ > n, y* > n, Auslöschung J_ a . 8 0 = 25 °/o An) hier in
größeren Individuen auftritt, während er im Bändergneis in Körner-
aggregate ohne gemeinsame Orientierung zerfällt. In dem eben-
körnigen Gneis ist ebenfalls die Hornblende, oft in paralleler Ver-
wachsung mit Biotit und mit Einschlüssen von Magnetit , besser
erhalten, und die sie begleitenden akzessorischen Minerale zeigen
gut erhaltene Kristallformen, während im Bändergneis die farbigen
Komponenten in der oben beim Augengneis beschriebenen Art
lange breccienartige Strähnen bilden. Kleine Calcitflecken lassen
sich hier im ebenkörnigen Gneis feststellen.
Der Fleckengneis (2) zeigt makroskopisch keine deutliche
Paralleltextur. Die roten Flecken zeigen u. d. M. die aus einzelnen
1 Für die optisch negativen, natürlichen Melilithe ist von Bodländer
(N. Jahrb. f. Min. etc. 1892. I. p. 53 sqq. und 1893. I. p. 15 sqq.) und von
Zamboxini (Zeitschr. f. Krist. 41. p. 227) nachgewiesen, daß eine Mischung
von Gehlenit und Akermanit nicht in Frage kommen kann.
2 Min. u. petr. Mitt. 23. 1904. p. 415 — 450.
in mechanisch deformierten Gesteinen.
685
Fragmenten zusammengesetzten Felder des Mikroklinmikroperthits,
stark undulös und durch eine Mikroklinmikrobreccie verkittet. Die
auch makroskopisch sichtbaren farblosen und weißen Flecke von
kleinen Dimensionen erweisen sich als Oligoklas, meist aus einem
oft kreisrunden Individuum mit scharfem (größere Individuen) oder
etwas verschwommenen (die kleinen Körner) Rand bestehend; nicht
selten ist noch die Albitstreifung deutlich sichtbar. Auch die
Hoi-nbleude bildet mikroskopisch kleine, runde oder gestreckte
Körner; die optischen Eigenschaften sind etwas abweichend:
c :/= 18°, der Pleochroismus zeigt für y einen bläulichen Ton,
der Achsenwinkel ist ebenfalls nicht groß. Die Hornblende ist mit
Magnetitstaub gepudert und die größeren Durchmesser der läng-
lichen Körner sind untereinander parallel, wodurch die Parallel-
textur angedeutet wird. Auch die Verteilung der Zirkonkörner
ist orientiert, während der Apatit in Körnergruppen vereint ist.
Kleine Spalten im Gestein sind ab und zu mit (sekundärem ?)
wasserklarem Kalifeldspat ausgefüllt, die meisten aber zeigen eine
Ausfüllung von Calcit. Es wurde nicht genügend hervorgehoben,
daß dieses Gestein makroskopisch einem Porphyr (Porphyroid) mit
unregelmäßig geformten Einsprenglingen und dichter schwarzer
Grundmasse äußerst ähnlich ist. Das Auffallendste in diesem
Gestein ist eben die Grundmasse. Sie ist bräunlich, zeigt Aggregat-
polarisation, von äußerst feinem Korn. Die Paralleltextur wird
durch staubförmige Magnetit-Ilmenitschniire angedeutet und durch
orientierte (parallel und senkrecht zu diesen Schnüren, mit
positivem Charakter in paralleler Richtung) Auslöschung und
Absorption (zwischen gelb und kaffeebraun) verschärft; die hohen
Interferenzfarben sowie die Orientierung der Elastizität und der
Absorption lassen in dieser Masse feinste Biotitblättchen vermuten,
wahrscheinlich vermischt mit feinstem Quarz und Feldspat. Die
orientierte Auslöschung und Absorption ist deutlich nur in der
Nähe der Reliktfeldspäte zu beobachten, weiter ab zeigt sich
die Grundmasse unregelmäßig aggregiert. Die Farbe der zu
Pulver verriebenen Grundmasse ist weiß und sie ist in Säuren
unlöslich.
Der Flammen- und Wellengneis (sub 3) wurde makroskopisch
definiert. Mikroskopisch läßt sich keine wohldefinierte Parallel-
textur unterscheiden. Ein bedeutender und scharfer Gegensatz
zwischen Grundmasse und Reliktfeldspäte ist hier nicht zu be-
obachten: die Mikroklinflammen und -wellen sind feinkörniger mit
wenigen erhaltenen Feldern, die Grundmasse, mit deutlicher Horn-
felsstruktur der vereinzelten Oligoklasreste, ist grobkörniger als
im vorigen Gestein, und die Streifen der farbigen Komponenten
lassen sich noch deutlich unterscheiden. Doch sind in der Grund-
masse in Form von Linsen sehr feinkörnige Partien zu bemerken,
ähnlich der an dem Fleckengneis beschriebenen Grundmasse ; es
636
H. Backlund, Ueber chemische Veränderungen
lassen sich aber bei starker Vergrößerung die einzelnen Biotit-
blättchen mit Feldspat- und Quarzzement gerade noch unterscheiden,
und in diesen Partien schwimmen Bruchstücke von Feldspat. Auch
in diesen Partien läßt sich eine parallele Orientierung der einzelnen
Biotitblättchen feststellen.
Der Streifengneis (sub 4) und der Zylindergneis (sub 5) unter-
scheiden sich in ihrem mikroskopischen Bild wenig voneinander.
Die Grundmasse, mit der am Fleckengneis beschriebenen identisch,
zeigt d u r c h w e g eine orientierte Auslöschung und Absorption
parallel und senkrecht zu den Mikroklinstreifeu. Die Mikroklin-
streifen des ersten Gesteins sind feingranuliert, im zweiten kann
man öfter Keliktfelder mit Gitterstruktur und perthitischen Ein-
schlüssen beobachten. Die kreisförmigen Durchschnitte des wasser-
hellen Oligoklases stauchen die Grundmasse an den beiden ent-
gegengesetzten Enden des Durchmessers (in dieser Richtung sind
sie öfters körnig geschwänzt) und lassen sie sodann in geschwungener
Linie schalenförmig über sich hinübergleiten. Ähnlich verhalten
sich die kleinen dunkelgrünen Hornblendekörner von kreisförmigem
oder ovalem Durchschnitt. Die Gesteine ähneln im Dünnschliff
überaus einem Sediment, jedoch 1. die unregelmäßige Verteilung
der Reliktminerale in ganz verschiedenen Horizonten und 2. das
absolute Fehlen von Quarz unter ihnen macht eine solche Deutung
unmöglich. Auch gegen die Fluidaltextur eines Effusivgesteins
sprechen eben die Reliktminerale uud ihre Strukturformen.
Der Brecciengneis (sub 6) zeigt ein mikroskopisches Bild,
das mit dem der Grundmasse des Flammengneises genau überein-
stimmt; und die hornfelsähnlichen Massen (sub 7) gleichen ihrer
Mikrostruktur nach überaus der Grundmasse des Zylinder- uud
Streifengneises, mit dem Unterschied, daß in ihnen nicht immer
die Mikroparalleltextur durch den ganzen Schliff geht, sondern manch-
mal auch nur zonenweise verteilt ist.
Zur mikroskopischen Untersuchung des grauen Gneises wurde
ein größerer Einschluß im Augengneis gewählt, um den graduellen
Übergang zu den dichten, grauen, gestreiften Gesteinen der Mylonit-
zone zu demonstrieren. Sein makroskopisches Aussehen wurde auf
p. 598 berührt. U. d. M. springt die stark ausgesprochene Trümmer-
struktur in die Augen, alle farblosen Komponenten sind stark
undulös und mit Mikrobrecciensand versehen. Die relativ gut er-
haltenen großen Plagioklasfelder gehören den optischen Eigen-
schaften nach (a'>n, y'>n; optisch negativ; Auslöschung in
Schnitten: J_ M und P (a) . . . . + lü° = 27°/o An, . . . . 11 0
= 28 % An) dem Oligoklas an. Deutliche Albitlamellen durch-
ziehen die Felder, eine schwache Umwandlung in farblosen Glim-
mer mit Flecken von Kaolin folgt hauptsächlich der Richtung P.
Einschlüsse von Mikroklin, wohl Reste einer (anti-) perthitischen
Durchwachsung, bilden längliche uud kreuzförmige Flecken, haupt-
in mechanisch deformierten Gesteinen.
637
sächlich wohl nach P, 31 und x orientiert. Die geschwungenen
Konturen des Oligoklases sind von einer Mikrobreccie begleitet,
und der Wechsel des Korns dieser Breccie in Zonen ist allgemein.
Manchmal sind die kleineren Körner des Oligoklases vollständig in
parallele Glimmeraggregate umgewandelt. Der Mikroklinmikro-
perthit (die perthitisclien Durchwachsungen sind meist unregel-
mäßig) steht an Menge dem Oligoklas bedeutend nach, ist frischer
als dieser (Umwandlung nur längs den Mikroperthitstreifen) und
bildet ebenfalls größere Felder. Die Gitterstruktur ist wegen der
starken mechanischen Deformation und undulösen Auslöschung nicht
immer gut sichtbar. Die Randbreccie ist gut entwickelt, ebenso
wie an den großen Quarzkörnern , die in Subindividuen geteilt
nesterförmige Partien einnehmen. Die dunkle Hornblende (c : y
= 13 — 14°; mittlerer negativer Achsenwinkel; Pleochroismus:
a — strohgelb <Cß — griinbraun > y — olivgrün bis bläulichgrün)
bildet teils größere Felder mit orientierten Biotiteinschlüssen, teils
isometrische und längliche xenomorphe Körner , die von dunklen
Biotitblättchen und -linsen begleitet und mit Feldspat- und Quarz-
körnern gemischt sind ; die Entstehung der zweiten Form durch
Auswalzung der ersten ist deutlich. Der Biotit ist fast immer
von Magnetit begleitet, und Apatit (manchmal im Magnetit ein-
geschlossen) in Körnern sowie Zirkonsäulchen gesellen sich den
dunklen Mineralen zu. Ein Teil der Feldspäte und des Quarzes
ist vollständig in Linsen von mikrobrecciöser oder hornfelsartiger
Struktur verdrückt worden (besonders in Querschnitten sichtbar) ;
daß dabei die Zusammensetzung des Oligoklases keinerlei chemischen
Veränderung unterworfen worden , wird durch seine optische
Orientierung bewiesen (Schnitt J_ a . . . . + 6,o° = 24°/o An). Ab
und zu ist das Gestein von älteren Rissen durchlaufen ; diese sind
dann von einer dunklen Masse ausgefüllt, die in mikroskopischer
Beziehung vollständige Übereinstimmung mit den (auch u. d. M.)
dichten Partien des Flammengneises zeigt (vergl. p. 635).
Der hellgraue bis grünliche Mylonit (vergl. p. 599) zeigt
n. d. M. eine fast ununterbrochene Mikrobreccienstruktur. Stellen-
weise lassen sich Linsen mit vorwiegend feinkörnigen, isometrischen
Oligoklasbruchstiicken in Hornfelsstruktur unterscheiden, in anderen
Linsen scheint der Mikroklin, d. h. seine Mikrobreccie, vorzuherrschen ;
auch Quarzmikrobreccie läßt sich noch unterscheiden, und die ein-
zelnen Körnchen sind stark ineinander verzahnt. Die dunkleren
Streifen haben eine Struktur, wie sie in der Grundmasse des
Flammengneises beschrieben wurde. Auch sind hier einige Reste
der farbigen Gemengteile (Biotit, seltener Hornblende , Magnetit
in feinem Pulver sehr spärlich) erhalten. Die Akzessorien in
Spuren (Apatit, Zirkon konnte nicht entdeckt werden) sind die-
selben, regellos verstreut. Das Gestein , obgleich ein typischer
Mylonit, ist bedeutend grobkörniger als die schwarzen, hornfels-
638
H. Backlund, Ueber chemische Veränderungen
ähnlichen Massen, und ab und zu läßt sich sogar ein größeres
gerundetes Oligoklaskorn sehen. Die unregelmäßige Paralleltextur
wird durch die geschweiften und gebogenen dunklen Partien von
dichter Struktur markiert.
Auf meine Bitte wurden von dieser Gesteinsserie in dem Labora-
torium von Prof. Dr. M. DiTTRiCH-Heidelberg vier Analysen aus-
gefiihrt, und zwar
I. von dem ebenkörnigen roten Gneis 1 (vergl. p. 594 und 634) ;
II. von dem Fleckengneis (vergl. p. 597 und 634), wobei
Sorge getragen wurde, daß in dem für die Analyse vorbereiteten
Material die roten Flecken und die schwarze Grundmasse in gleichem
Verhältnis, wie sie im Gestein Vorkommen, vertreten seien;
III. von dem grauen Gneis (vergl. p. 598 und 636) und dem
mutmaßlich aus ihm hervorgegangenen
IV. hellgrauen, gestreiften Mylonit (vergl. p. 599 und 637).
Die erhaltenen Zahlen sind in folgenden Tabellen zusammen-
gestellt :
Tabelle 1.
I.
II.
Ia.
II a.
Si02
. . 72,93
65.99
79.19
63.59
TiO,
0,66
0,00
Sp.
A1203 ....
. . 12,67
15,56
9,88
18,63
Fe, 03 ....
. . 0.00
0,64
0.21
0,56
Fe 0
. . 2,08
3,30
0.63
1.62
Mn 0
. . 0,03
0,07
—
—
MgO ....
. . 0,62
1,77
0,55
4.98
CaO
. . 1,91
3,75
0,00
2.14
Na20 ....
. . 3,19
3,11
0,66
1,78
K, 0
. . 4,55
4,11
7,68
2,07
H, 0 < 110° .
. . 0,11
0,08
0,03
0,14
H, 0 > 110” .
. . 0,50
0,69
0,54
4,24
CO,
. . 0,38
0,74
0,64
0,65
P,05
. . 0,11
0,06
—
—
Zr 0
0,06
—
—
BaO
. . 0,12
0,06
—
—
99,80
100,41
100,01
100,40
Die Analysenzahlen für den ebenkörnigen Gneis lassen sich
ohne weiteres auf einen normalen Granitit, z. B. den Biotit-
hornblendegranit von Mariposa, California 2 übertragen, und ein
solcher Granit steht dem Typus Hauzenberg Osann’s am nächsten.
Auch die Analysenzahlen des porphyroidähnlichen Flecken-
gneises stimmen nahe mit denen eines basischen Granitits, z. B. des
1 Dieses Gestein, und nicht das Hauptgestein, wurde gewählt, weil
fiir eine Analyse des Augengneises größere Mengen von Gestein hätten ge-
pulvert werden müssen, um eine mittlere Zusammensetzung zu erhalten.
2 F. Turner, U. S. Geological Survey. 14, ann. rep. 1892.
in mechanisch deformierten Gesteinen.
639
Granitits von SilverWreath Mine, Montana oder des porphyrartigen
Granits von Mariposa, California2, überein; er steht aber dem
Typus Katzenfels Osann’s am nächsten.
Vergleicht man die Analysenzahlen der beiden Gesteine mit-
einander und behält dabei im Auge, daß durch mikroskopische und
feldgeologische Beobachtungen die unmittelbare Entstehung des
einen aus dem andern erwiesen wurde , so muß die bedeutende
chemische Veränderung auffallen. Stellt mau aber diesen Zahlen
die Analysen Quexsel’s (1. c.) eines Felsitporphyrs von Bahia
Rodriguez, Patagonia (Ia) und eines aus ihm hervorgegangenen
(durch Drnckmetamorphose) Porphyroids von demselben Fund-
ort (II a) zur Seite, so kann man sich überzeugen, daß die chemische
Veränderung in beiden Fällen, in den Gesteinen vom Cerro Xegro
nicht so stark, in derselben Richtung vor sich gegangen : ein An-
wachsen der Zahlen für A1203, Fe2 03, FeO, MgO, CaO; eine
Verminderung des Kieselsäuregehalts. Kur in betreff der Alkalien
verhalten sich die Gesteine verschieden: in dem Gestein vom Cerro
Xegro bleibt der Alkaligehalt nahezu konstant, eine merkbare
Verminderung ist nur im Gehalt von K2 0 eingetreten ; im Gestein
von Bahia Kodriguez sehen wir ein deutliches Anschwellen
von Xa20, dem ein rapider Abfall von K2 0 gegenübersteht. In-
sofern wäre dieses sowie das Anwachsen des hvdratisierten Wassers
für eine Deutung im Sinne von hydrothermaler Einwirkung günstig;
jedoch die Veränderung der Zahlen die anderen Oxj'dgruppen be-
treffend macht diese Deutung schwierig. In dem Gestein vom
Cerro Xegro ist die Deformation und die parallel verlaufende
chemische Veränderung von keinerlei merkbarer Hydratisierung be-
gleitet, und doch ist die Veränderung in beiden Fällen durchaus analog.
Tabelle 2.
III.
IV.
lila.
IV a.
SiO,
. . . 56.32
68,24
47,1
81.9
Ti 0, ....
. . . 0.83
0.01
0,4
Sp.
ai2u3 ....
. . . 19.69
16.08
18,1
9,2
Fe203 ....
. . . 0.46
0,81
3.0
0.6
Fe 0
. . . 4,63
2,20
8,5
1,6
Mn 0 ....
. . . 0,09
0,05
0.1
0.0
MgO ....
. . . 1.78
0,40
7,3
0.5
CaO
3.42
6.6
0,9
Xa, 0 ....
. . . 3,44
3.34
2,4
1.6
K„ 0
. • . 4.60
3.99
2,8
2.1
H, 0 < 110° . .
. . . 0.13
0,081
1,1 '
H„ 0 > 110° . .
. . . 1.60
0,83/
0,0
CO,
. . . 0.54
0,59
—
—
P2Öä . . .
. . . 0,20
0,03
—
—
ZrO,2
. . . 0,08
0,12
—
—
BaO
. . . 0,42
0,15
—
—
100,38
100,34
99.9
99,5
1 W. Lindgren, U. S. Geological Survey. 18. ann. rep. III. 1896 — 97. —
2 F. Turner, 1. c. — 3 Glühverlust.
640
H. Bacldund, Ueber chemische Veränderungen
In Tabelle 2 sind die Analysenzahlen für den grauen Gneis (III)
und sein mylonitisches Derivat (IV) zusammengestellt. Das erste
Gestein entspricht mehr oder weniger einem Diorit, und die Analyse
des Diorits von Mt. Ascutney, Vermont 1 zeigt ähnliche Zahlen.
Der Diorit Typus Szaska von Osann zeigt bedeutend höhere
Zahl für s, ebenso der Granodiorit Typus Dypvik (s = 65,55
resp. 71,5 und 72,0).
Die Analyse des grauen Mylonits (IV) zeigt einige Ähnlich-
keit mit der des Granodiorits von Silver Lake Hotel, Eldorado Co.,
California2, und steht dem Granodiorit Typus Electric Peak
von Osann 'wohl am nächsten; die Zahlen für a (= 10,1 resp. 9,5),
c (5,1 resp. 6,5) und f (4,8 resp. 4,0) zeigen doch beträchtliche
Differenzen.
Unter augenscheinlich gleichen physikalischen Bedingungen
hat in diesem Falle eine fast entgegengesetzte chemische Ver-
änderung in dem Gestein bei seiner mechanischen Deformation
stattgefunden. Es kann ein Anwachsen der Zahlen für Si02, eine
Verminderung der Zahlen für Al2 03, Fe (Mn) 0, MgO, CaO, (Ti 0.,)
konstatiert werden. In beiden Fällen gleich verhält sich Fe203
(und P2 0D, BaO): sein Gehalt wächst (während P2 05, Ba 0 ab-
nehmen3). Der Gehalt an Alkalien verbleibt auch hier annähernd
konstant, eine kleine Verminderung des Iv2 O-Gehalts läßt sich
aber nicht leugnen.
Ein analoges Beispiel findet sich bei Calla way4, der gabbroide
und dioritische Gesteine sowie ihre stark schiefrigen Derivate
beschrieb. Zwei von seinen Analysen linden sich unter lila
und IV a. Das gegenseitige Verhalten der entsprechenden Gesteine
im Felde scheint nicht genau aufgeklärt zu sein.
Von einer hydrothermalen Einwirkung kann wohl in keinem
der Fälle vom Cerro Negro gesprochen werden. Ein Fehlen
jeder Hydratisierung ist auch hier, wie in dem dunklen Mylonit,
zu konstatieren : der Wassergehalt nimmt sogar ab. Gegen
Hydrothermalwirkung spricht ebenfalls der in beiden Fällen konstant
verbliebene Alkaligehalt. Gegen eine partielle Aufschmelzung
und Bildung eines Mischgesteins (Migmatits) sprechen der mikro-
skopische Befund und die Beobachtungen im Felde. Und doch
läßt sich eine Wechselbeziehung der beiden Mylonite nicht
leugnen.
1 F. W. Clarke, U. S. Geol. Survey. Bull. No. 168. p. 25.
2 W. Lindgren, Am. Journ. of Science. Ser. IV. p. 3.
3 The origin ot the cristalline scbists of the Malvern Hills; Quart.
Journ. Geol. Soc. 49. (1893.) p. 398.
* Überhaupt muß der hohe BaO-Gehalt der Gesteine hervorgehoben
werden ; er ist vielleicht ein Merkmal der petrographischen Provinz.
Wegen der optischen Deformierung der Feldspäte konnten keine besonderen
Abweichungen in optischer Orientierung beobachtet werden.
in mechanisch deformierten Gesteinen.
641
Tabelle 3.
II
IV
V
SiO,
68.24
64,63
TiO,
. . . 0,66
0,01
0,68
Al, 6.,
16.08
16.18
Fe203
. . . 0.64
0,81
0,23
Fe 0
2,20
3,36
Mn 0
. . . 0.07
0,05
0,06
Mg 0
. . . 1.77
0,40
1,20
Ca 0
3,42
3,74
Na, 0
. . . 3.11
3,34
3,32
K,0
. . . 4.11
3,99
4,57
H„ 0 < 1 10 0 . .
. . . 0.08
0.08
0,12
H„ 0 > 1 10 ” . .
. . . 0,69
0,83
1,05
CO,
. . . 0.74
0,59
0,46
1*2 65
. . . 0,06
0,03
0,15
ZrO,
. . . 0,06
0,12
0,07
BaO
. . . 0.06
0,15
0,27
100.41
100,34
100,09
In Tabelle 3 sind nochmals die Analysen der beiden Mylonite
nebeneinandergestellt. In den Hauptzahlen zeigen sie eine auf-
fallende Übereinstimmung. Und wenn man noch weiter das Mittel
aus den beiden Analysen der entsprechenden Muttergesteiue daneben
stellt (V), so ist die Übereinstimmung der Zahlen noch auffallender;
besonders nah stehen diese Zahlen den Analysenzahlen des dunklen
Mylonites. Ob diese Übereinstimmung nur zufällig ist, bleibt einst-
weilen, bis weitere Belege gefunden werden, dahingestellt. Doch
ist es vielleicht nicht verfrüht, einige Vermutungen aufzustellen.
Von einem einfachen Austausch der Basen der Muttergesteine
kann nicht ohne weiteres die Rede sein; denn nur der graue
Mylonit wurde im Felde vollständig vom roten Gneis resp. seinen
mylonitisclien Derivaten eingeschlossen vorgefunden. Der dunkle
Mylonit findet sich dagegen allseitig vod rotem Hauptgestein,
seinem Muttergestein, eingeschlossen. Vielleicht kann dagegen von
einem chemischeu Gleichgewicht gesprochen werden, das sicli ent-
spi’echend den physikalischen (Druck- und Temperatur-) Bedingungen
teilweise eingestellt hat, und daß dieses Gleichgewicht für die
Mylonite erreichbar war dank ihrer vollständigen mechanischen
Zertrümmerung, daß sie also den unter hohem Druck (und erhöhter
Temperatur?) zirkulierenden Lösungen zugänglich gemacht worden
waren. Jedenfalls fehlen die nötigen Belege, um feststellen zu
können, ob ein solches Gleichgewicht wirklich existiert und er-
reichbar ist, ob dieses Gleichgewicht einer konstanten chemischen
Zusammensetzung entspricht, oder, wie eher zu erwarten ist, mit
den Bedingungen des Druckes und der Temperatur, die chemische
Centra’.blatt f. Mineralogie etc. 1913. 41
642
J. Koenigsberger,
Zusammensetzung der beteiligten Gesteine in der Gleichgewichts-
lage wechselt, also das Gleichgewicht verschiebbar ist.
Jedenfalls geht aus der Untersuchung hervor, daß mau bei
der Beurteilung der Zugehörigkeit, der Herkunft und der Natur
von zweifelhaften und schwer zu deuteuden Gesteinen eines alten,
stark gestörten Grundgebirges mit äußerster Vorsicht Vorgehen
muß und daß die chemische Anatyse nicht immer Aufschluß im
gewünschten Sinne gibt. Daß bei mechanischen Deformationen,
begleitet von durchgreifender Metamorphose (mit Mineralneubildung),
gewisse chemische Veränderungen vor sich gehen dürften, darauf
hat schon Holmquist 1 hingewiesen. Daß bei der Dynamo-
metamorphose dabei die Alkalien (K2 0) besonders empfindlich
sind, wurde an anderer Stelle ausführlich dargelegt1 2 3. Wenn aber
über mechanisch deformierte und zugleich, wie oben geschildert
wurde, chemisch veränderte Gesteine eine allgemeine und durch-
greifende Metamorphose hinwegschreitet, so dürfte wohl auch der
letzte Rettungsanker der Geologen und Petrographen, nämlich die
Untersuchung im Felde, den festen Grund verlieren, wenn nicht
vorher die gesetzmäßigen, beide Vorgänge begleitenden Beziehungen
aufgedeckt werden.
Buenos Aires, im Mai 1913.
Notiz über kristalline Schiefer in Spanien.
Von J. Koenigsberger in Freiburg i. B.
Die kristallinen Schiefer Spaniens sind im südlichen Teil des
Landes wesentlich von dem verschieden, was wir an kristallinen
Schiefern in Mittel- und Nordeuropa zu sehen gewohnt sind.
Auf der geologischen Karte von Spanien (Mapa geologico de
Espana 1 : 400 000) sind vielfach Schiefer als kristalline bezeichnet,
die sich von den cambrischen Schiefern kaum unterscheiden, und
wie diese höchstens den Beginn der Ausbildung zu Phylliten zeigen.
So besteht die Hauptmasse der Sierra Nevada von den Alpu-
jarras-Tälern im Süden aufwärts aus Schiefern, die den ebendort
als Cainbrium kartierten durchaus gleichen. Auch die Einlagerungen
von Grünstein, die man in ihnen findet, dürften kaum für ein höheres
Alter sprechen. Die ganz schwache beginnende Phyllit- und Knoten-
bildung dürfte hier mit den gebirgsbildenden Vorgängen zusannuen-
1 Vergl. z. B. : Die Hochgebirgsbildungen am Torneträsk in Lapp-
land. XI. Congres göologique international. Stockholm 1910. Guide des
excursions. No. 6.
3 Vergl. H. Backlund, Les roches de l’Oural arctique et leurs
relations. I. Mem. Acad. Sciences St.-Petersbourg. Classe physico-mathö-
matique. T. 28. No. 13 (1912).
Notiz über kristalline Schiefer in Spanien.
643
hängen. Für letzteres spricht auch das Vorkommen von Kluft-
mineralien des alpinen Typus i Quarz, Adular) in dem Grünstein,
der als metamorpher abgeklemmter Diabas aufgefaßt werden kann.
Die Klüfte stehen senkrecht zur Schieferung, zeigen Quarzband und
sind bisweilen ziemlich groß. Daß die scheinbar einfache Tektonik
(flache Antiklinale) der Sierra Nevada in Wirklichkeit recht ver-
wickelt ist, haben schon Ch. Barrois 1 und A. Offret erwähnt. Es
müssen starke horizontale Überschiebungen vorliegen. Das zeigt sich
auch an der durch die Straße zwischen Lanjaron und Orgiva auf-
geschlossenen Grenzfläche zwischen Triaskaiken und sogenanntem
Cambrinm (graue und weiße phyllitische Schiefer). Eine merkliche
Diskordanz zwischen beiden Formationen ist hier vorhanden; man
sieht aber auch deutlich, daß diese Grenze, die auf viele Kilometer
in nahezu gleicher Höhe verläuft, nicht primär ist.
Dafür sprechen nämlich die vielen eingeklemmten Fetzen von
.cambrischen“ Schiefern seltener von quarzitischer Breccie. Die Trias
ist dort außerdem noch durch thermale Lösung an manchen Orten
marmorisiert und enthält Erzgänge (vergl. auch die heiße Quelle
von Lanjaron). Die echten kristallinen Schiefer, Granat- Glimmer-
schiefer, die auch Andalusit, Turmalin usw. enthalten, sind nur
in der Gipfelregion der Sierra Nevada aufgeschlossen; sie streichen
nach Osten und Westen aus. Ihr Zusammenhang mit den oben-
erwähnten cambrischen Schiefern, welche die Hauptmasse bilden,
ist unklar. Seltener findet man am Südabhang der Sierra, so z. B.
bei Carataunas, eingeschlossen in die gewöhnlichen Schiefer und offen-
bar unregelmäßig abgeklemmt Linsen von Sericitschiefern, Glimmer-
schiefern, Granat-Glimmerschiefern usw.
Ich habe dann bei Alora (Liuie Malaga — Bobadilla) die auf
der Karte angegebenen kristallinen Schiefer gesucht ; sie sind aber
im wesentlichen Phyllite. Als Geröll findet man Gesteine, die Glimmer-
schiefern gleichen. Sie müssen an anderer Stelle anstehen, als die
Karte sie angibt. Doch findet man bisweilen hier in den gewöhn-
lichen Schiefern Linsen von Glimmerschiefern eingeschlossen, und
es mag sein, daß diese bei der Kartierung gemeint sind.
Wir müssen hier noch kurz die Schiefer des Bio Tintogebietes
besprechen , die vielfach1 2 als schwach regionalmetamorph oder
dynamometamorph bezeichnet werden. In der Nähe der Erzlager,
an der Oberfläche dieser, sind die Schiefer durch die Lösungen,
welche die Umwandlung der Sulfide in den „ eisernen Hut“ be-
wirkten, gehärtet und gebleicht (Ausscheidung von Quarz), oder
die Schiefer sind in ein talkiges Material verwandelt.
1 Ch. Barrois und A. Offret. C. R. Acad. franc. 100. p. 1060. 1885
und Mission d'Andalouise. Paris 1889. p. 79.
2 Vergl. z. B. Bf.yschlag, Kroch, Vogt, Lagerstätten etc. Stuttgart.
1910. p. 314. Dort ist die Literatur, auf deren Angaben sich die Autoren
stützen, zitiert.
41 *
644
J. Koenigsberger,
Die als Silur und Culm bezeichnten Schiefer sind dort z. T.
dunkelgrau, z. T. rötlich, ziemlich feinblätterig; sie gleichen Ton-
schiefern des Devon von Mitteleuropa; siezeigen Spuren beginnender
Phyllitisierung wie meist in Mitteleuropa (vom osteuropäischen Schild
abgesehen), sind aber noch normale Schiefer1 * * * 5.
In der Gegend von Belmez , dem Kohlendistrikt Spaniens,
wären nach der Karte Aufschlüsse über das Verhalten der kri-
stallinen Schiefer zum Cambrium und Silur, sowie zum Carbon zu
erwarten gewesen. Ich wollte insbesondere die Frage studieren,
ob wie in Schweden zwischen kristallinen Schiefern als Basis und
Cambrium als Hangendem eine Diskordanz und eine Konglomerat-
schicht vorhanden ist, oder ob wie in Mitteleuropa, z. B. Fichtel-
gebirge, ein allmählicher Übergang von Devon nach den kristallinen
Schiefern hin ohne Diskordanz oder Konglomerat-Zwischenlage
vorliegt. — In letzterem Falle kann zuweilen, wie man das in
Mitteleuropa sieht, das Hangende, falls es erhalten ist, wenig oder
garniclit verändertes Sediment sein : denn je nach der Höhe, bis
zu welcher der Orthogneis heraufgedrungen ist und metamorphosiert
hat, wird man einigermaßen unverändert entweder Devon (Sächsisches
Granulitgebirge, Harz, Vogesen, Breuschtal) oder Silur (Fichtel-
gebirge) finden. — - Die Angaben der Karte sind nur teilweise zu-
treffend. Die Ausdehnung des Carbons nach Südosten hin ist
größer als angegeben, die des Cambriums, das überhaupt nicht
sicher durch Fossilien gekennzeichnet ist, viel geringer. Eine
Diskordanz zwischen Obercarbon und Silur ist bei Cabeza de Vacca
im Rio Alberdao, nach freundlicher Mitteilung der Herren Ingenieure
in Penarroyo, aufgeschlossen ; ich habe sonst keine gesehen. Über
die Lagerungsverhältuisse zwischen Carbon, Cambrium und kri-
stallinen Schiefern läßt sich aber überhaupt kein klarer Überblick
gewinnen. Auch ist offenbar die Ausdehnung der kristallinen
1 ln größerer Entfernung zu beiden Seiten des Ganges S. Dionisio
von Rio Tinto sind die Schiefer kaum verändert. Bei La Pena, für dessen
Besichtigung ich der Direktion und dem führenden Herrn Geologen zu
besten Dank verpflichtet bin, ist auf der Nordost-Seite des Erzganges ein
Porphyrit und höher oben an dem höchsten, Rio Tinto überragenden Gipfel,
ein saures Ergußgestein anstehend. Bei Castillo de las Guardas, das ein-
gehend von C. Schmidt und H. Preiswerk (Zeitscbr. f. prakt. Geol. 1904)
studiert wurde, findet man sowohl Diabas, Diorit wie Quarzporphyr und
Granit. Es läßt sich schwer entscheiden, wer eigentlich in dieser Gegend
der Erzbringer gewesen ist. Man findet Pyrit als Gesteinsmineral haupt-
sächlich in Granit und Porphyr. Da der Granit eine sehr große Fläche
einnimmt, ist es möglich, daß seine thermale Lösungen nach seiner Er-
starrung in die Schiefer eingedrungen und das Erz gebracht haben. Merk-
würdig wäre dann immerhin, daß die Erzlinsen von Rio Tinto, die horizontal
weit vom Granit wegliegen, am mächtigsten sind. Mit den norwegischen
Intrusivlagern von Pyrit etc. haben die Rio Tinto-Kiese wenig Ähnlichkeit.
Vielmehr spricht alles eher für eine niedrigere Entstehungstemperatur.
Notiz über kristalline Schiefer in Spanien.
645
Schiefer auf der Karte viel zu groß angegeben. Man findet auf der
Strecke zwischen Fuentovejuno und Penarroyo aufgeschlossen nur
einige Quarzporphyrhügel und erst am Fuß des Dorfhügels von
Fuentovejuno pegmatitische und basische Injektionen1, sowie Linsen
von hornblendereichen parallelstruierten Schiefern in Gesteinen.
Auf der Nordseite der Carbonmulde von Belmez ist auf der
Karte Silur und Cambrium angegeben. Doch ist, wie die neuen
Aufschlüsse durch die Bahnlinie nach Alcaracejos zeigen, die Tek-
tonik sehr kompliziert und die Auffassung eines Teiles dieser
Schiefer als Cambrium willkürlich. Die Schiefer sind hier als
wenig verändert zu bezeichnen; nur der Granit hat sie vielfach
kontaktmetamorph in der bekannten von H. Rosenbusch beschrie-
benen Weise verändert. — Die Schiefer, w'elche bei Almaden2
anstehen und die teilweise sicher zum Silur gehören, sind auch
da, wo die Zinnober führenden Lösungen sie nicht imprägnierten
(Schwärzung, die nach Ansicht der Geologen von Almaden durch
Kohlenwasserstoffe bewirkt ist), sehr schwach regional metamorph.
Echte kristalline Schiefer vom Typus der Injektions-Sclnvarz-
wmldgneise und z. T. noch besser erhalten, vom Typus des schwe-
dischen Archäicums, sind erst in der Nähe von Toledo, an dem
Burghügel von San Cervantes schön aufgeschlossen. Dort zeigt
auch der Granit, der bei den gewaltigen Bauten von Toledo viel
verwendet wurde, eine basische und eine pegmatitische Randfacies
und Injektionsgrenze. — Der freundlichen Erlaubnis der Herren
der Comission del mapa geologico in Madrid verdanke ich ferner
die Möglichkeit, die Sammlung der Gesteine in Madrid gesehen zu
haben. Echte kristalline Schiefer, wie wir sie in Mitteleuropa und
Nordeuropa kennen, sind nur in den Suiten der Provinzen Segovia,
Avila i;nd Madrid aus Gegenden an den Abhängen der Sierra
Guadarrama und aus der Provinz Toledo enthalten. Aus der
Literatur der geologischen Beschreibung der Provinz Madrid von
1 Es ist zu bemerken, daß die Differentiation der Randfazies des
Granits in Spanien häufiger als anderwärts eine basische hornblendereiche
und eine saure pegmatitische ist.
2 Die Direktion der Mine in Almaden hat mir in freundlicher
Weise den Zutritt gestattet. Man sieht die drei Zinnobergänge ziemlich
scharf begrenzt. In den Schiefer sind die Lösungen kaum eingedrungen
oder haben doch dort keinen Zinnober abgeschieden. Im Quarz dagegen
findet man Adern und kleine Drusen mit schön kristallisiertem Zinnober,
Baryt, Quarz. Meiner Ansicht nach hat der Zinnober in thermaler Lösung
längs der Spalten den Quarz mehr oder minder vervollständigt durch
chemische Wechselwirkung verdrängt. Nach Angabe des Herrn Direktors
der Bergwerkschule durchsetzt ein Porphyrgang die Zinnobererzgänge,
wäre also später als diese. Ich habe das allerdings nicht klar sehen können,
ob nicht eine Verwerfung vorliegt; doch schien mir diese Deutung auch
wahrscheinlich. — Zinnober findet sich in der ganzen Umgebung von
Almaden auf viele Kilometer weit als Imprägnation der Quarzite.
646
W. Freudenberg, Elephas primigenius Fraasi Dietrich
Cassiano de Prado 1 und aus dem Text zur geologischen Karte
von Mallada1 2 läßt sich über die Lagerungs Verhältnisse dieser
echten kristallinen Schiefer wenig entnehmen.
Nach meinen Beobachtungen scheint mir, obgleich ich wegen
der großen tektonischen Störungen nirgends einen direkten Beweis
fand, wie man ihn z. B. für das Fichtelgebirge, das Sächsische
Granulitgebirge etc. erbringen kann, folgendes wahrscheinlich : Die
kristallinen Schiefer in Süd- und Mittelspanien sind von den paläo-
zoischen Schiefern mefst nicht durch eine Diskordanz oder ein kla-
stisches Gestein 3 getrennt ; beide gehen vielfach wohl allmählich
ineinander über. Die Aufschmelzungszone in Südspanien war aber
jedenfalls recht tief gelegen, so daß Silur und stellenweise auch
das allerdings nur an wenigen Orten Spaniens durch Fossilien
sichergestellte Cambrium fast unverändert blieben. Die Zeit der
Aufschmelzung ist sicher praemesozoisch, möglicherweise paläozoisch
(vom Silur bis Culm) ; wahrscheinlich schließt auch sie wie in Mittel-
europa mit der Intrusion von Graniten ab, die sicher jünger als
Alt-Paläozoicum 4 und vielleicht älter als Trias 5 sind.
Elephas primigenius Fraasi Dietrich und die schwäbische
Hochterrasse.
Von W. Freudenberg.
(Schluß.)
Zur diluvialen Wirbeltierfauna von Steinheim-Murr (Ober-
amt Marbach) schrieb mir Herr Dr. Dietrich:
Neue bemerkenswerte Funde in Steinheim-Murr lassen einige ergänzende
Worte zu dem früher über die Steinheimer Schotterablagerung Gesagten gerecht-
fertigt erscheinen. Es fanden sich in ein und derselben Sandgrube auf einer
Fläche von ca. 60 m2:
1. Ein völlig unversehrter Unterkiefer von Elephas antiquus, 2,5 m unter
der Unterkante des Lößlehmes, der den Schotter deckt.
2. Ein bis auf den letzten Schwanzwirbel vollständiges Skelett von Boi
primigenius (vermutlich <j>), das in natürlicher, ruhender Stellung 3 m
unter der Unterkante des Lößlehms lag.
1 Cassiano de Prado, Boletin delmapageolog. 5. 1878 (Karte von 1864).
2 L. Mallada, Explicacion mapa geol. Espana. 1895. Bd. 1. Madrid.
3 Vergl. dagegen das Profil von Macpherson (wiedergegeben Hand-
buch der regionalen Geologie. B. Doüville. III. 3. Espagne. Heidelberg.
1911). Die Beobachtung von Macpherson würde zeigen, daß im Süden
der Provinz Sevilla kristalline Schiefer und Granit durch eine Diskordanz
vom Cambrium getrennt und also älter als dieses sind. Kristalline Schiefer
wie Granite können aus verschiedenen geologischen Zeiten herstammen,
und das würde in keinem Widerspruch zur obigen Auffassung stehen.
4 Z. B. Kontakt bei Hinojosa del Duque und bei Barcelona.
5 Rio de las Yeguas bei Andujar.
und die schwäbische Hochterrasse.
647
3. Ein fast vollständiges Elefantenskelett, das unter 4 — 5 m Schotter und
in der Wirbelsäule gestört gelagert war. Die Störungen rühren aber
sicher nicht von Umlagerungen des Schotters oder von Dislokationen
her. Das Skelett zeichnet sich durch ungemein hohen und schlanken
Bau der Extremitäten aus (Femurlänge 141 cm) und gehört in den
Formenkreis des Elephas primigenius trogontherii Pohl. Man wird
dafür wegen der Eigentümlichkeiten und der Vollständigkeit zweifellos
eine neue Rassebezeichnung wählen müssen.
Im Bereich des Elefantenskeletts, das eine Fläche von 25 m2 ein-
nahm, fanden sich ferner:
4. Ein Astragalus und ein Naviculare, die ich zu E. antiquus stelle.
5. Zwei verschiedene Stoßzahntorsen von Elephas sp.
6. Ein oberer Molar von E. primigenius trogontherii Pohl, (nach Soergel, s. u.)
7. Ein Mandibelzahn von Rhinoceros sp. [Rh. Merckii. Ref.].
8. Ein Metatarsus von Equus sp. (groß).
9. Ein Metatarsus von Bison priscus.
Diese Knochen fanden sich in Gesellschaft mit vereinzelten Ge-
häusen von Lymnaea ovata und Unio bat am?. Dazu kommen aus der
dicht benachbarten Grube:
10. Mehrere Molaren von Elephas (meridionalis) trogontherii Pohl.
Aus dem Lößlehm im Hangenden des Schotters:
11. Ein oberer Molar von E. primigeniuz.
Die Elefantenmolaren sind Gegenstand einer umfangreichen Abhandlung
des Herrn W. Soergel in Freiburg i. Br., die in nächster Zeit erscheinen wird.
Ohne den Resultaten, zu denen Herr Soergel kommt, vorgreifen zu wollen,
möchte ich hier darauf hinweisen, daß das Zusammenvorkommen der genannten
Reste in ein und demselben fluviatilen Medium zunächst ganz zweifellos fest-
steht. Besonders verdient der Erwähnung, daß in Steinheim erstmals einwand-
frei das Zusammenvorkommen von Bos primigenius mit Elephas antiquus kon-
statiert wurde und dieser beiden mit den Trogontherii- Elefanten. Wie mir
Herr Soergel mitteilt, kommen E. meridionalis trogontherii und E. primi-
genius trogontherii auch in Süßenborn zusammen vor, ohne daß Niveauunter-
schiede in den Fundstellen definitiv nachgewiesen sind. Die Lösung dieser
E. trogontherii- Frage wird Herr Soergel in seiner Arbeit unternehmen. Auch
für Steinheim erhebt sich die Frage, ob dieses Zusammenvorkommen nun auch
wirklich Gleichzeitigkeit bezw. Gleichalterigkeit der Fauna und der Schotter
bedingt. Besteht die Ablagerung trotz ihrem einheitlichen Gepräge aus ver-
schieden alten Schotterpartien? Es ist bisher nicht gelungen, die faunistischen
und phylogenetischen Besonderheiten, ja Widersprüche, die Steinheim abseits
von allen anderen diluvialen Fundstätten rücken, aus der stratigraphischen
Entwicklung der Schotter aufzuklären. Am Rande der Ablagerung deuten
nach dem heutigen Tal hin einfallende Schotterbänke, worauf Herr Soergel
aufmerksam machte, auf Anlagerung bezw. Umlagerung oder Verschüttung
jüngerer Schotter hin. Unter den Aufsammlungen, die bei Eröffnung der
Gruben im Jahre 1893 und im folgenden gemacht wurden, befinden sich im
K. Naturalienkabinett Molaren, die nach Soergel zum E. primigenius- Typus
648 W. Freudenberg, Elephas primigenius Fraasi Dietrich
gehören. Diese Zähne stammen sicher aus dem Schotter der höchstgelegenen
Gruben, aus welchen Partien ist nicht mehr feststellbar. Das Vorhandensein
jüngerer Schotter soll also nicht geleugnet werden. Was aber seit 1909 an
Knochen zutage gefördert wurde, stammt aus Schottermassen, die irgendwelche
nachträgliche Verschüttung oder Dislokation sicher niemals erfahren haben.
Ich habe auch für eine Einlagerung eines jüngeren Schotters in einen älteren
in den heutigen Gruben keine Anhaltspunkte finden können. Starke Schräg-
schiclitung, unruhiger Wechsel von Schotter- und Sandmassen (bei gleich-
bleibendem Material) charakterisieren die tieferen und mittleren Partien der
Terrasse. Nach oben stellt sich ruhigere Sedimentation ein, mit gelegentlichen
Übergriffen der ersteren. Darauf legen sich bunte Kiesbänkchen mit viel
Keupermergelmaterial, die weit zu verfolgen sind ; es folgen an- und abschwellende
graue lettige Sande bezw. grauer Ton, der Absatz von Schlammgewässer in
einem weiten Wasserbecken. Dann stellt sich noch ein feiner roter Sand ein,
der streifig und wolkig die basalen Partien des Lößlehms durchzieht, so daß
die Grenze zwischen Sand und Lehm unscharf ist. So stellen sich die Prolile
zurzeit dar. Es ist möglich, daß sie, in dem Maße wie die Gruben tiefer berg-
wärts vorrücken, Aufschluß geben werden über den komplizierten Gang von
Akkumulation und Erosion, der hier stattgefunden hat, so daß sich vielleicht
die bis jetzt noch unentwirrbare Verquickung von verschiedenalterigen Schottern
tatsächlich feststellen läßt.“
Lim meine Ansicht über das Alter der Schotter von Steinheim zusammen-
zufassen, behaupte ich, daß der Beginn der Steinheimer Schotterbildung in
einer Zeit nach Ablagerung der Neckarschotter von Mauer ( Etruscus-Stuie )
erfolgt ist und trotz einiger Molaren von Elephas (meridionalis) Tro-
gontherii, die auf gelegentliche südöstliche Einwanderer deuten, nicht vom
ersten Interglazial datiert, wie Soergel und ich das früher annahmen. Die
Kasse des E. primigenius Trogontherii erscheint Ende der Mindeleiszeit in
Süddeutschland, hat aber sichere Vorläufer schon im Elefant bed der Cromer-
Forest bed-Serie. Die Folgezeit1 ist weniger kontinental. E. anliquus wandert
wieder ein — mittlere Schotterpartien — , daneben Rhinoceros Merckii und ein
mittelgroßes Equus cf. germanicus ■ — W. Soergel’s jüngere Form. Das ist
die erste Zeit des Auftretens der MercLü-Fauna in Süddeutschland. Die Fauna
wird universell; sie erscheint in Frankenbach, im Heppenloch, in Lauffen a, N.,
ferner2 in Achenheim bei Straßburg, in tiefen Lehmzonen des älteren Löß, und
in Weinheim a, d. Bergstraße, unter gleichen Verhältnissen. Diese warme
Zeit geht allmählich, durch Hebung der europäischen Gebirge, in eine Zeit mit
feuchtem, kühlem Klima über (Riß I). Es fangen die nordischen Gletscher an,
ihren größten Stand zu erreichen. Wieder erscheint Elephas primigenius in
1 Das Mindel-Riß I Interglazial.
2 Das Rhinoceros Mercki var. hrachycephala Schröder ist vielleicht der
Ahne der Achenheimer Mercki- Form (aus älterem Löß), es lebte in Mosbach
wohl gleichzeitig mit Elephas primigenius Fraasi und einem sehr großen
glazialen Elaphinen. Die große Edelhirschrasse ist für die Zeit des E. primi-
genius Fraasi besonders wichtig. Bei Bammenthal (Mauer) erscheint sie in
der hängendsten Tonbank über den höchsten EfrascMS-Schottern.
und die schwäbische Hochterrasse.
649
Steinheim und Murr, unten vergesellschaftet mit Rhinoceros hemitoechus1, ein
an kaltes Klima gewöhntes Rh. Merckii von tichorhinus-lihnlichem Habitus,
oben mit Rh. tichorhinus vergesellschaftet, besonders während des Kältesturzes
im Gefolge der Riß I-Periode. Die nächste Phase ist die Taubach-La Mi-
coque-Zeit.
In Steinheim, wie im ganzen deutschen Zwischengebiet, die alpinen
Gletscher im Süden, die skandinavischen im Norden, erscheint Elephas anti-
quus von neuem, zugleich zum letzten Male. Der erneute Kältesturz führt
nur noch Primigenius- Fauna ins Murrtal, die auch bei Steinheim im Lößlehm
(nach Dietrich) gefunden wird. So bleibt es während der Riß II- und
Würm-Periode.
Im zweiten Teil der Arbeit behandelt Verf. die osteologischen Besonder-
heiten des Elephas primigenius Fraasi.
Die Körpergröße übertrifft alle anderen lebenden und fossilen Elefanten.
Nur der E. Imperator Nordamerikas wurde etwa ebenso hoch (4 m). Die Ab-
messungen des Stuttgarter Skelettes sind : Vom Scheitel bis zur Sohle mindestens
4 m, Rückenhöhe über dem Schulterblatt 3,7 m, desgleichen an der Kruppe
ca. 3,5 m, Länge von den Stoßzahnspitzen bis zum ersten Schwanzwirbel 5,1 m.
Das Skelett überrascht durch die Höhe seiner Gliedmaßen, die nicht einmal,
wie sonst häufig, senkrecht gestellt wurden, sondern in leicht gebogenem Zu-
stande das Bild eines gemächlich vorwärtsschreitenden alten Bullen geben.
Der Schädel zeigt einige altertümliche Merkmale, die im Zusammenhang
stehen mit relativ kurzen, gedrungenen Incisoren. Hierdurch wird eine gewisse
Erinnerung an den E. meridionalis und an Mastodon wachgerufen.
„Er ist noch nicht so extrem entwickelt und weist noch nicht jene Auf-
türmung zum Spitzschädel der sibirischen spiralstoßzahnigen oder der ungari-
schen Alföld-Rasse auf: er ist fast so breit wie hoch.“ Besonders interessant
ist auch die Verschiedenheit von dem Hford-Mammut, welchen Leith Adams
— British Fossil Elefants PI. VI — abbildet. In beiden Schädeln ist M3 allein
noch in Funktion. Während er dort durch die gewaltigen Incisiven geradezu
in einen Hebeapparat mit breiter konvexer Hinterseite und gebuckelter Stirn,
gewaltigen Muskelwülsten im Scliläfenfeld für einen hohen Unterkiefer, um-
geformt ist, so hat die Deformation an dem Steinheimer Schädel noch lange
nicht dies Ausmaß erreicht. Die Punkte des Schädelprofils: Apex, Processus
nasales, Alveolenvorderende hegen bei E primigenius Fraasi fast in einer Ebene,
während sonst der pränasale Teil des Gesichtsschädels zur Stirnfläche mehr
oder weniger stark abgeknickt ist. Dementsprechend kann auch der Unter-
kiefer noch nicht die abgestutzte Symphyse und weiterhin die Verkürzung
und bedeutende Höhe der Kieferäste besessen haben, wie es z. B'. ein Unter-
kiefer von Rixdorf zeigt2.
Die Stoßzähne sind in situ erhalten. Im Pulpateil liegt der größte
1 Auf das Vorkommen dieser Form im Kalktuff von Cannstatt machte
mich Herr Prof. Wüst vor einigen Jahren aufmerksam.
- Den ausführlichen Vergleich des E. primigenius Fraasi mit E. primi-
genius Typus (Borna) hat J. Felix geführt. Vergl. das Referat im N. Jahrb.
f. Min. etc.
650 W. Fleudenberg, Elephas pi-imigenius Fraasi Dietrich
Durchmesser nicht parallel zur Sagittalebene, sondern von außen oben nach
innen unten. Die Spitzen zeigen keine bestimmt gelagerten Schlifflächen,
sondern eine gleichmäßige Abnützung. Wie diese Abnützung geschah, weiß
Verf. nicht anzugeben; sicher ist, daß sie intensiv gewesen sein muß, die Zähne
sind, verglichen mit anderen gleich starken, um mindestens die Hälfte ihrer
jetzigen Länge abgearbeitet. Die Bullen gebrauchten ihre Zähne stärker als
die Weibchen, bei denen die Stoßzähne, besonders bei den jungdiluvialen Tieren,
„ins Unsinnige“ wuchsen. Aber junge Sibirier hatten gelegentlich genau die-
selbe Zahnstellung und relative Länge wie das alte Tier von Steinheim. Das
stimmt mit dem biogenetischen Grundgesetz.
„Da die Krümm ungs Verhältnisse der Stoßzähne bei den Elefanten im
allgemeinen und bei den Mammuten im besonderen nach Alter, Geschlecht
und Herkunft schwankend sind, so läßt sich daran die Fraasi- Rasse als geo-
graphische Rasse nicht durch ein ihr eigentümliches Merkmal charakterisieren.
Als Mutation gewertet zeigt sie sich dagegen in den Stoßzähnen (auch in den
Backenzähnen) deutlich als eine frühe Mammutform. Demi imgezwungen
lassen sich die Elefantenstoßzähne in eine phvletische Reihe gruppieren, die
mit flach geschwungenen, wenig einwärts gedrehten Formen beginnt (E meri-
dionalis N estj ) und mit fast korkzieherartigen endigt (E. primigenius sibiricus
Blainville). Von den schwäbischen Primigen fus-Stoßzähnen läßt sich im
großen ganzen sagen, daß sie den spiraligen Krümmungsgrad der sibirischen
noch nicht erreicht haben.“ In Textfig. 9 bildet Verf. einen 1881 von 0. Fraas
in Stuttgart ausgegrabenen Stoßzahn ab, der extrem nach unten gewachsen
ist und „eine volle Umdrehung um sich selbst“ ausführt. Die Spitze neigt
nicht nur einwärts, sondern dreht sich wieder nach außen mit ilirem äußersten
Ende. Das Merkmal der Pulpaachsenstellung ermöglicht es dem Verf., die
PFiTZENMEYER sche Aufstellung des Mammutstoßzahns zu korrigieren.
Die Backenzähne sind auf den beiderseitig erhaltenen M3 beschränkt.
Die Cementintervalle sind fast bis aufs Niveau des Dentins der Schmelz-
büchsen erniedrigt, was nach Verf. auf eine weiche Äsung hindeutet, aber auch
eine nachträgliche Abätzung des Cements durch C Oä-haltiges Wasser als
Ursache haben kann. Auch die Zähne des Rhinoceros hemitoechus Falconek
von Murr haben stark korrodierten Gement an ihren Flanken.
Der M3 zeigt X 22 X in 27 cm Länge, 22 cm Höhe, 10,4 cm Breite. Die
Formel lehrt, daß er bereits zum Formenkreis des E. primigenius gehört.
Ordnet man die Primigenius- Molaren nach ihr in eine aufsteigende Reihe, so
kommen die Fraasi- Zähne an die Basis; am oberen Ende stehen die „Lößmolaren"
E. primigenius Typus (mit X 24—26 X in 26—28 cm Länge). Ist bei diesen
der Schmelz sehr dünn, und sind die Schmelzbüchsen sehr eng und engstehend,
so ist bei jenen der Schmelz stärker, die Lamellen sind weiter und weiter von-
einander abstehend; daher sind es dort der Zahl nach mehr, hier weniger.
Zwischen den beiden angegebenen Werten erhalten sich natürlich Mittelwerte;
so besitzt z. B. ein M3 (r.) aus den oberen Lagen des Steinheimer Schotters
— 23 X in 26 : 17 : 10 und diesen Stand haben auch die großen Molaren aus
dem „Stuttgarter Diluvium“ und dem Mammutlehm.
Die Wirbelsäule ist zu kurz geraten, da bei der Montierung 3 statt 5 Lenden-
und die schwäbische Hochterrasse.
651
wirbel angenommen wurden. Vorhanden ist nur der 7 — 19 Rumpf- und alle
4 Sakralwirbel, alles Übrige fehlt. Trotz dieses Fehlers, einer um 2 Wirbel zu
kurzen Säule, läßt sich feststellen, daß das Steinheimer Mammut in der Rücken-
linie weder dem indischen noch dem afrikanischen Elefanten gleich war; sein
Rücken senkte sich vielmehr vom höchsten Punkte über der Schulter gleich-
mäßig bis ans Ende ab. Das Schulterblatt bietet nichts Besonderes, es ist
wie das sibirische von der breiten Indicus-Form, während das M/ricanns-Schulter-
blatt primitiver, langgestreckter ist. Der Humerus ist 127 cm lang während
Elephas antiquus 135 (Paris) — 140 (Taubach) cm hier mißt.“
Ulna und Radius bieten keine Besonderheiten außer ihrer Stärke und
ihren scharfen Kanten.
Die Hand ist äußerst vollständig und vom sibirischen Mammut ver-
schieden in der größeren Vollständigkeit der Zehen und der mehr serialen An-
ordnung. „Skaphoid und Cuneiforme sind von der Artikulation mit dem
Magnum ausgeschlossen. Die Carpalia der Außenseite liegen streng serial
übereinander, die der Innenseite aserial, wobei das Lunare nur in ganz geringem
Maß das Trapezoid überlagert. Dieses wird zum größten Teil vom Skaphoid
überdeckt. Die Carpalia des ersten und zweiten Strahls sind klein und kom-
primiert gegen die großen und breiten des 3. — 5. Strahls; sie erscheinen durch
Expansion der letzteren reduziert und medianwärts gedrängt, das Trapezium
in die Reihe der Metacarpalien hinein, das Skaphoid radialwärts; dement-
sprechend ist auch der Daumen reduziert.
Nur das Trapezoid hat seinen Platz einigermaßen behauptet; es artikuliert
mit dem Magnum vorn mit einer stark konvexen Fläche. Die Anordnung
der proximalen Reihe ist gelockert gegen die zyklopenmauersteinähnlich an-
einandergefügten Knochen der distalen Reihe.“
Die Handwurzel des Beresowka-Mammuts erscheint gegenüber dem
geologisch älteren Elephas primigenius Fraasi auffallend primitiv, da der Sibirier
alternierende Capalia besitzt, was „bei allen fossilen Elefanten wahrscheinlich,
bei den Mastodonten und ihren Vorläufern sicher ist“.
Die Phalangenformel des Steinheimer Mammuts lautet: 12 2(3) 22. Es
handelt sich also um ein fünfzehiges Tier, wie es der indische und afrikanische
Elefant ist. Hingegen ist nach S alensky, der 7 Vorder- und Hinterfüße daraufhin
untersucht hat, das sibirische Mammut tetradaktyl, der Daumen und die große
Zehe sind aller Phalangen verlustig gegangen, nur der mittlere Strahl ist voll
entwickelt, am zweiten und vierten beschränkt sich die Reduktion auf den
Hinterfuß, der fünfte ist vorn und hinten auf 2 Glieder reduziert. Die
Phalangenzahl eines erwachsenen sibirischen Mammuts ist somit an der Hand:
03332, am Fuß: 02322.
Numerisch gewertet hat das sibirische Mammut zweifellos ein progressiveres
Stadium erreicht als das Steinheimer, was mit den geologischen Alters-
beziehungen gut im Einklang steht.
Ob auch funktionell ein Fortschritt besteht, das ist besonders auch im
Hinblick auf das exzeptionelle Verhalten des Carpus an dem Beresowka-Mammut
nicht ohne weiteres einleuchtend. Hier sind auch die Hufe von Bedeutung,
und deren Zahl ist jedenfalls bei den pentadaktylen Elefanten, z. B. beim afri-
652
CI. Leidhold.
kanischen, stärker reduziert als bei dem nordischen Mammut. Nach der Auf-
fassung von Salensky handelt es sich um adaptive Reduktion ; wäre das richtig,
dann könnte das sibirische Mammut nicht von solchen älteren Formen ab-
stammen, die schon wie unsere vorliegende nahezu taxeopod sind.
Als Resultat ergibt sich, daß die Hand des Elephas primigenius Fraasi
einen modernen Typ einer Proboscidierhand darsteUt.“
Das Becken zeigt das Rium ventralwärts nicht in den spitzen Knorren
der rezenten Elefantenbecken ausgezogen, sondern die Spina anterior ist stumpf,
wie es Pohi.ig auch von E. primigenius in Darmstadt angibt.
Das Femur übertrifft alle bekannten Mammutfemora an Länge. E. anti-
quus marschiert an der Spitze mit 150 cm. Die nächstgrößten zwischen 140
und 150. Dinotherium, Mastodon longirostris und .1/. arvemensis, Elephas meri-
dionalis, E. trogontherii , E. imperator mul von Mammuten die ungarische Theiss-
und die schwäbische Fraasi- Rasse. E. primigenius Sibiriae und die mitteldeutschen
Löß-Mammute haben nur 130 (130, 119, 104).
Tibia und Fibula, namentlich erstere ist ein sehr gedrungener, stämmiger
Knochen [nach dem Reciprocitätsgesetz von Cuvier. Ref.].
Wichtig ist das über die Markhöhlen Gesagte: „Die Ausbildung von großen
Markräumen ist für holocäne Säuger charakteristisch; sie ist bei den rezenten
Proboscidiern ausgesprochener als bei den diluvialen. Bei den tertiären Dino-
ceraten sind nach Zittel sämtliche Skelettknochen massiv.“
Im Tarsus ergeben sich gegen E. africanus und indicus keine nennens-
werten Unterschiede; die Anordnung der Tarsalknochen ist die eines rezenten
Proboscidierfußes. Abweichend verhält sich Cuneiforme III, das viel schmaler
als bei E. africanus ist; die Facette für- Metatarsale IV ist sehr klein, so daß
Metatarsale IV so gut wie ganz auf das Cuboid beschränkt ist. Maße sind
jeweils beigegeben und einige Textfiguren nebst Taf. I und II.
Den Schluß bildet die folgende Diagnose: „Große, hochbeinige, fünfzehige
Mammutrasse mit kurzem und schlankem Rumpf. Im Schädel und den Molaren
mit primitiven Merkmalen. Schädel verhältnismäßig niedrig, Molaren weit-
lamelliger als bei den jüngsten Mammuten. Carpus und Tarsus hochentwickelt,
der erste außen rein serial, innen nahezu serial. Die Männchen gehören zu den
Riesenformen; sie tragen starke, gebogene, aber nur wenig spiralgedrehte
Stoßzähne, deren Wachstum einer Hemmung unterhegt. Die Stoßzähne werden
gebraucht.“
Ueber ein Vorkommen von Fossilien in den Hunsrück-
schiefern der Gegend nördlich von Oberstein.
Von CI. Leidhold in Straßburg i. E. »
Vor einiger Zeit erhielt das geologische Institut der Universität
Straßbnrg durch Vermittlung von Herrn Prof. Holzapfel eine
Reihe Versteinerungen aus dem Hunsrückschiefer der Gegend
nördlich von Oberstein a. d. Nahe, die von Herrn Postverwalter
Rkichakdt in Herrstein gesammelt waren. Bekanntlich sind
Fossilien im Hunsrückschiefer relativ selten ; außer Seesternen,
lieber ein Vorkommen von Fossilien etc.
653
Trilobiten, dünnschaligen Lamellibrancliiaten und einigen Brachio-
poden ist nicht viel aus dem Hunsrück bekannt geworden. Auch
bei den Kartierungsarbeiten von Grebe und Leppla in dem ge-
nannten Gebiet wurden nur vereinzelt andere Versteinerungen wie
Brachiopoden- und Crinoidenreste gefunden. Am Mittelrhein sind
in den letzten Jahren Brachiopoden- und Zweischalerbänke in den
Hunsrückschiefern durch A. Fuchs 1 nachgewiesen und zur Gliederung
der Hunsrückschiefer in der dortigen Gegend verwertet worden.
Bei der vorliegenden Fauna handelt es sich um eine typische
Brachiopodenfauna, die unvermittelt in den Hunsrückschiefern auf-
tritt. Die genaue Fundstelle liegt nordöstlich von Mörscheid1 2 auf
dem linken Ufer des Fischbaches etwa 60 m über der Talsohle ;
150 m weiter südlich werden in einem Schieferbruch, der auch
auf der Karte eingezeichnet ist, nach Norden einfallende Dach-
schiefer gewonnen, in denen Reste von Seesternen gefunden wurden.
Nach Nordwesten stehen ebenfalls Dachschiefer an auf dem linken
Ufer des Fischbaches; die Schichten fallen an dieser Stelle nach
Süden ein. Westlich von Mörscheid tritt in der Mörscheider Burr
der Taunusquarzit heraus, der gelegentlich Versteinerungen führt.
Im petrographischen Habitus gleichen die fossilführenden
Hunsrückschiefer von Mörscheid den grauen, seidenglänzenden,
dünnschieferigen Tonschiefern, wie man sie sonst im Hunsrück
antrifft. Manche Stücke zeigen mehr phyllitisches Aussehen : echte
Grauwacken und Grauwackenschiefer sind ebenfalls vorhanden.
Bei der Verwitterung nehmen die Schichten infolge Oxydation
rostbraune Farbe an. Die Versteinerungen sind meist stark ver-
drückt und fast ausschließlich als Steinkerne erhalten. Nur an
einem Stück konnte ich Reste der Schale beobachten. Ich konnte
hauptsächlich folgende Formen feststellen:
Homalonotus cf. planus Sandb. Chonetes sarcinulata Schl.
Orthoceras sp.
Spirifer primaevus Stein.
— parvejugatus Maur.3
— hystericus Schloth.
— excavatus Kats.
— Hercyniae Gieb.
— cf. arduennensis Stein.
Stropheodonta cf. gigas M’Coy.
Leptagonia rhomboidales Wahl.
— dilatata F. Roem.
— plebeja Schnur.
Meganteris Archiaci Suess.
HhynchoneUa sp. cf. daleidensis
F. Roem.
Pleurodictyum cf. Petrii Mahr.
— problematicum Goldf.
Zaphrentis sp.
Crinoidea indeterm.
1 A. Fuchs, Die Stratigraphie des Hunsrückschiefers und der Unter-
coblenzschichten am Mittelrhein etc. Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellschaft.
1907. Heft 1. p. 96 ff.
2 Blatt Oberstein d. geol. Spezialaufnahme von Preußen. Geognostisch
bearbeitet durch A. Leppla 1891 — 1894.
3 Auf die Selbständigkeit dieser Art hat A. Fuchs hingewiesen. Fauna,
der Remscheider Schichten. Abh d. preuß. geol. Landesanst. N. F. 58. p. 66.
654
CI. Leidhold,
Sowohl an Zahl der Arten als auch der Individuen über-
wiegen die Brachiopoden weitaus vor den anderen Formen. Häufig
sind Beste von Crinoiden. Zweischaler konnte ich nicht beobachten.
Die Fauna ist also zweifelsohne eine ausgesprochene Brachiopoden-
fauna. Die Paläoconchenfazies der Hunsrückschiefer mit den See-
sternen, wie wir sie in dem Schieferbruch weiter südlich am
Fischbach vorfinden, ist verschwunden und hat der Brachiopoden-
fazies mit Spiriferen und Choneten Platz gemacht. Für die strati-
graphisclie Stellung der Fauna von Mörscheid ist von Wichtigkeit
das Vorkommen von Spirifer primaevus, Sp. hystericus, Sp. excavatas.
Es sind dies leitende Formen der Siegener Stufe. Mit diesen Formen
zusammen tritt Sp. Hercyniae Dieb. auf. Diese Art ist im allge-
meinen auf die Unteren Coblenzschichten beschränkt. Indessen
kommt nach Angaben von A. Fuchs Sp. Hercyniae am Mittelrhein
bereits in den Hunsrückschiefern vor. Es mag auch erwähnt sein,
daß nach E. Maillieux *, der die Spiriferen Belgiens einer er-
neuten kritischen Untersuchung unterzogen hat, Sp. Hercyniae oder
Sp. paradoxus var. Hercyniae , wie Maillieux die Form aufgefaßt
wissen möchte, bereits im Hunsruckien (unseren Hunsrückschiefern)
gelegentlich gefunden worden ist. Von negativen Merkmalen, auf
die ich indessen nicht allzu großen Wert legen möchte, sei auf
das völlige Fehlen von Rensellaerieu bei der kleinen Mörscheider
Fauna hingewiesen. Pleurodictyum problematicum Golde, ist relativ
häufig vertreten und unterscheidet sich in nichts von den Unter-
coblenz-Formen im Rheinischen Gebirge. Nach ihrem fossilen
Inhalt dürften also die Mörscheider Schichten an die obere Grenze
der „Stufe des Spirifer primaevus Stein“ zu setzen sein.
Aus dem Mittelrheingebiet sind in letzter Zeit über die
Gliederung und den fossilen Inhalt der Hunsrückschiefer ein-
gehende Untersuchungen von A. Fuchs angestellt, die gezeigt
haben, daß eine beträchtliche Anzahl Formen, die nur aus den
Unteren Coblenzschichten bekannt waren , auch tiefer in die
Hunsrückschiefer hinuntergehen. Später1 2 hat der genannte Autor
seine Angaben noch genauer präzisiert und sich dahin ausge-
sprochen, „daß es bisher nirgends gelungen sei, auch nur ein
einziges der bezeichnenden Siegener Fossilien im Hunsrückschiefer
wiederzufinden.“ Demgemäß wird als wirkliches faunistisches
Äquivalent der Siegener Stufe nur der Taunusquarzit angesehen,
während die „Äquivalenz der Hunsrückschiefer mit irgend einem
Teil der Siegener Schichten“ geleugnet wird. A. Fuchs hat zwar
ursprünglich auch echte Siegener Formen aus dem Hunsrückschiefer
1 Contribution ä l'Etude de la faune du Devonien de Belgique.
Premiöre Note sur les spiriferes. Bull, de la soc. Beige de Geologie.
23. p. 823—376.
2 Über eine Untercoblenzfauna bei Daaden und ihre Beziehungen
zu einigen rheinischen Unterdevonstufen. Dies. Centralbl. 1911. p. 705 — 717.
Ueber ein Vorkommen von Fossilien etc.
655
aufgezählt, seine Angaben aber später dahin geändert, daß es
sich um neue Arten handeln soll. Leider vermißt man von den
verschiedenen neuen Formen, die in den einzelnen Arbeiten an-
gegeben werden, eingehende Beschreibungen und Abbildungen.
Wenn nun auch die Angaben von A. Fuchs über die faunistische
Stellung der Hunsrückschiefer in dem von ihm untersuchten Gebiet
zutreffend sein dürften, so möchte ich doch für die Fauna von
Mörscheid im Hunsrück einstweilen an der Stellung der
Hunsrückschiefer als Äquivalent der oberen Siegener
Stufe fest halten.
Zu derselben Auffassung gelangt man, wenn man die Äqui-
valente der Hunsrückschiefer im belgischen Unterdevongebiet in
Betracht zieht. Die paläontologisch-stratigraphischen Unter-
suchungen im Unterdevon Belgiens, wie sie in den letzten Jahren
besonders von E. Maillieux angestellt sind ', haben gezeigt, daß
die zwischen dem Gres d’Anor (= Taunusquarzit) und dem Gres
de Vireux oder Almen (= Untere Coblenzschichten) gelegenen
versteinerungsreichen Schichten, die sogen. Assise d'Houffalize 1 2 oder
das Hunsruckien (also das Äquivalent unserer Hunsrückschiefer)
faunistisch ebenfalls der Stufe des Sp. primaevus angehören In
dem bekannten Devon-Profil von Couvin z. B. sind die Verhält-
nisse besonders gut zu beobachten 3, da hier die ganze Schichten-
folge vom Gres d’Anor an sehr reich an Fossilien ist. Während
das „ Hunsruckien“ in seiner unteren Abteilung (Sg 2a bei
Maillieux) ausschließlich Arten der Siegener Stufe führt, stellen
sich in der oberen Hälfte (Sg 2 b) auch bereits Formen der Unteren
Coblenzschichten, so daß allmählich ein faunistischer Übergang
zwischen „ Hunsruckien“ und „Ahrien“ stattfindet. Ebenso wie
bei der Fauna von Mörscheid im Hunsrück treten also auch in
Belgien in der oberen Abteilung der „Stufe des Sp. primaevus “
Formen der „Stufe des Sp. Uerciyniae “ auf.
1 E. Maillieux, Les gites fossiliferes de la bande dite „coblencienne“
entre Pesche et Nismes. Bull. soc. beige de Geol. etc. 22. 1908. Proc. verb.
— Remarques sur la faune et l’horizon stratigraphique de quelques gites
fossiliferes infradevoniens. Bull. soc. beige de Geol. etc. 24. 1910.
Memoires. p. 189.
2 In der Abgrenzung der Assise d’Houffalize habe ich mich der Auf-
fassung von E. Maillieux angeschlossen. Demzufolge gehört die oberste
Abteilung der Assise d’Houffalize der belgischen geologischen Karte (sornmet
du Cb 2) faunistisch bereits durchaus zum Gres de Vireux.
* Vergl. Texte explicativ du leve geologique de la planchette de
Couvin; par E. Maillieux. Brüssel 1912.
656
Besprechungen.
Besprechungen.
Louis Duparc et Alfred Mounier: Tratte de technique
m i n e r a 1 o gi q u e et petrographique. Deuxieme Partie.
Tome I. Les methodes chimiques qualitatives. Leipzig bei
Veit & Comp. 1913. 372 p. Mit einer farbigen Spektraltafel
und 117 Textfiguren.
Dem vor fünf Jahren erschienenen, von L. Dupakc und
Francis Pearce bearbeiteten, die physikalischen Methoden ent-
haltenden ersten Band folgt nunmehr der Beginn des zweiten, der
chemischen Untersuchung der Mineralien und Gesteine gewidmeten
Bandes, zunächst die qualitativen chemischen Methoden enthaltend.
Es wird die Kenntnis der Lehren der Chemie vorausgesetzt und
daher die Entwicklung chemischer Formeln vermieden. Diese
speziell für die Bedürfnisse des Mineralogen und Petrographeu
zugeschnittene Einführung in die qualitative Chemie enthält in
ihrem ersten Teil eine Anweisung zur Trennung und Reinigung
der Mineralien nach den bekannten Methoden. Es folgt ein Ab-
schnitt über die mikrochemische Analyse, angewandt auf Dünn-
schliffe und auf isolierte Mineralien, und ein solcher über das
Lötrohrverhalten und andere trockene Versuche bei hoher Temperatur.
Hieran schließen sich Mitteilungen über die Löslichkeit der Mineralien,
wobei besonders auf die bei Lösungsversuchen häufig unvermutet
auftretenden Schwierigkeiten aufmerksam gemacht wird. Den
Hauptteil des Buches bilden die beiden Kapitel über die Reaktionen
und über die Analyse auf wässerigem Wege. Hierbei hat eine
Beschränkung auf die wichtigsten und verbreitetsten Elemente
stattgefunden ; die selteneren sind in der Hauptsache nur so weit
berücksichtigt, als sie jene häufig begleiten. Von den bekannten
Methoden sind nur die berücksichtigt, die sich den Verfassern als
die besten bewährt haben. Anschließend wird die Spektroskopie
eingehend besprochen, sowie — als heutzutage unentbehrlich —
die Untersuchung der Körper auf Radioaktivität. Den Schluß
machen Tabellen zur Bestimmung der Mineralien, wobei die
physikalischen Eigenschaften und das chemische Verhalten berück-
sichtigt sind. Ein ausführliches Register ist vorhanden, die wichtigste
Litteratur ist überall angegeben. Die Ausstattung des Buches ist
gut und namentlich die Figuren, schematische sowohl als Ansichten
von Instrumenten, klar, und auch fast durchweg zweckmäßig aus-
gewählt, so daß sie die klare, leicht verständliche Darstellung im
Text gut unterstützen. Eine Darstellung der quantitativen Mineral-
analyse in entsprechender Form soll in Bälde folgen.
Max Bauer.
H. Rose, lieber die kristallograpbische Orientierung etc.
657
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Ueber die kristallographische Orientierung von Museovit-
spaltungsplatten mit Hilfe der Biegungs- und Aetzflguren.
Von H. Rose in Göttingen.
Mit 2 Textfiguren.
Zur kristallograpliischen Orientierung an Spaltungsplatten von
Muscovit erzeugt man nach dem Vorgänge von E. Reusch1 2 eine
sechsstrahlige Schlagfigur oder nach M. Bauer 2 eine ebenfalls
sechsstrahlige Druckfigur. Hat man mit dem Polarisations-
mikroskope festgestellt, welcher Strahl der Schlagfigur in der
Symmetrieebene verläuft, so kann man mit Hilfe der Biegungs-
figur, worauf 0. Mügge3 zuerst hingewiesen hat, die Lage des
spitzen und stumpfen Winkels ß in der Symmetrieebene angeben.
Da nun gute Biegungsfiguren nur an mehreren Quadratzentimeter
großen homogenen Platten hergestellt, dagegen Ätzfiguren auch
noch an kleinen Glimmertäfelchen hervorgebracht werden können,
so ist von mir auf Anregung von Herrn Prof. Mügge die
Orientierung der Ätzfigur zu den Strahlen der Biegungsfigur sowie
zur Abweichung der Bisektrix von der Normalen auf (001) fest-
gestellt worden.
Die Ermittlung der Lage der Plattennormale auf (OOl) zur
spitzen Bisektrix war schon aus dem Grunde unerläßlich, weil es
nur so möglich war, die an den Spaltungsblättchen gemachten
Beobachtungen mit denen Tschermak’s4 in Beziehung zu bringen,
der Gelegenheit hatte, einen Muscovitkristall vom Abühl mit ebenen
Kristallflächen zu untersuchen. An diesem Kristall ermittelte er,
daß die spitze Bisektrix gegen die Normale auf (001) im spitzen
Winkel ß um 1°42' für Na-Licht geneigt ist.
Zur Bestimmung der Richtung und Größe dieser Neigung an
den von mir untersuchten Muscovitplatten aus Deutsch-Ostafrika
und unbekannten Fundorten bediente ich mich teils des von
Tschermak eingeschlagenen Verfahrens und maß in der Symmetrie-
ebene den Winkel zwischen Plattennorraale und ein und derselben
Kurve gleichen Gangunterschiedes zu beiden Seiten der Normalen
im Na-Lichte, teils verfuhr ich so, daß ich nach der Messung des
Achsenwinkels mit dem WüLFixG’schen Apparate den Winkelabstand
1 E. Reusch, Ann. d. Phys. 136. 130, 632. 1869.
2 M. Bauer, Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 26. 137. 1874.
2 0. Mügge, N. Jahrb. f. Min. etc. 1898. I. p. 104.
4 G. Tschermak, Zeitschr. f. Kristallographie. 2. 45. 1878.
Centralhlatt f. Mineralogie etc. 1913. 42
658 H. Rose, Ueber die kristallographische Orientierung
des gespiegelten Horizontalfadens von dem wirklichen Faden be-
stimmte. Auf diese Weise erhielt ich folgende Werte für den
Neigungs- und Achsenwinkel an drei Platten :
Platte Fundort Achsenwinkel 2 ENa
Neigungswinkel zwischen
Plattennormale u. Bisektrix
I
Fundort unbek.
61° 51'
— 2U 18'
II
Deutsch-Ostafrika
65 34
— 2 17
III
Fundort unbek.
70 59
-fO 44
Um einigen Anhalt
über die Größe
des wahren Achsenwinkels
zu bekommen, wurden die Brechungsexponenten der Platte II mit
dem AnBE’schen Kristallrefraktometer für Na-Licht ermittelt. Es
ergaben sich folgende bis auf etwa eine Einheit der dritten
Dezimale unsicheren Werte :
“Na = 1)^68; = 1,604; }'Na = 1,609.
Mit Hilfe von ß ergibt sich für den wahren Winkel 2 Vya = 39° 27'.
Nach Ermittlung der Lage der Plattennormale gegen die
spitze Bisektrix wurden die Platten zur Erzeugung von Biegungs-
figuren gespalten. Wenn man nun an den verbogenen Stellen der
Täfelchen eine entfernte Lampe reflektieren ließ, so konnte man
feststellen, daß der von der Mitte der Biegungsfigur ausgehende,
nach dem Beobachter in der Symmetrieebene verlaufende Strahl
der vou den verbogenen Teilen gelieferten Lichtfigur (Fig. 1 a)
bei den Platten I und II die Richtung von der Plattennormale
nach der spitzen Bisektrix angibt, bei der Platte III aber zeigte
sich das Umgekehrte. Es folgt hieraus, daß die spitze Bisektrix
bald im spitzen und bald im stumpfen Winkel ß liegt. Die Be-
stimmung der Lage der Plattennormale zur spitzen Bisektrix
reicht demnach nicht aus, um die Lage des kristallographischen
Achsenkreuzes im Spaltungsblatte festzustellen.
Es fragte sich nun, ob die Ätzfigur auf der Basis, die nach
H. Baumhauer 1 deutlich monosymmetrisch ist, ebenso wie der in
der Symmetrieebene liegende Strahl der Biegungsfigur bei ver-
schiedener Lage der spitzen Bisektrix eine konstante Orientierung
behält. Zu dem Zwecke wurden die optisch untersuchten und mit
Schlag- und Biegungsfiguren versehenen Muscovitplatten nun auch
noch nach einem von H. Baumhauer1 2 angegebenen Verfahren mit
Kaliumhydroxyd geätzt, das iu einem Silbertiegel längere Zeit im
Schmelzfluß erhalten wurde. Da der Tiegel infolge häufigen Ge-
brauchs grobkristallin geworden war, drang das geschmolzene
Kaliumhydroxyd durch die Tiegelwände und bildete allmählich
außen eine weiße Kruste. Diese verursachte, daß die Temperatur
1 H. Baumhauer, Sitzungsber. d. Kgl. Bayr. Akadem. d. Wiss.
November 1874. p. 245.
H. Baumhauer, Zeitschr. f. Kristallographie. 3. 1879. p. 113.
von Muscovitspaltungsplatten etc.
659
im Tiegel die des Schmelzpunktes des Kaliumhydroxyds nicht er-
heblich überschritt. Infolgedessen konnten die Glimmerplatten
etwa 30 Minuten in der Flüssigkeit bleiben und waren dann mit
schönen Ätzeindriicken bedeckt. Nahm man
dagegen die Atzung in einem Eisentiegel
vor, der die Schmelze nicht durchließ, so
stieg die Temperatur im Tiegel erheblich
über den Schmelzpunkt. Die Glimmertafeln
wurden dann zwar sehr schnell aufgeschlossen,
zeigten aber Ätzeindrücke (vergl. Fig. 1 b),
die weit ausgeprägter monosymmetrisch waren
als die bei niedriger Temperatur erhaltenen.
Ein Versuch, mit kalter Flußsäure des Han-
dels zu ätzen, wurde aufgegeben, als die
Platten nach 3 Tagen eine Einwirkung nicht
erkennen ließen. An den mit Kaliumhydroxyd
geätzten 3 Platten konnte festgestellt werden,
daß die Ätzfiguren ihre Orientierung zur
Biegungsfigur auch dann beibehalten, wenn
die spitze Bisektrix im stumpfen oder spitzen Winkel ß liegt. Die
Lage, welche die Ätzfiguren gegenüber dem in der Symmetrie-
ebene verlaufenden Strahl der Biegungsfigur (Fig. 1 a) einnehmen,
ist in Fig. 1 dargestellt.
Um demnach zu entscheiden, ob die Richtung von der spitzen
Ecke der Ätzfiguren nach der stumpfen, die zugleich die Richtung
des in der Symmetrieebeue verlaufenden Strahles der Biegungs-
figur ist, nach dem stumpfen oder spitzen Winkel ß zeigt, müßte
eine Ätzung an einem mit monoklinen Prismen versehenen
Muscovitkristall vorgenommen werden.
Mit Hilfe der Ätzfiguren wird es übrigens möglich sein, die
Gesetze der an den Glimmern beobachteten Zwillingsverwachsungen
genau festzustellen. Tschermak 1 hat für die Glimmer folgendes
Gesetz aufgestellt, das er Kantennormalengesetz nennt: Die
Zwillingsachse ist in einer Kristallfläche senkrecht zu einer in
dieser liegenden Kante. (Oder: Die Zwillingsebene ist senkrecht
zu einer Kristallfläche und parallel zu einer in dieser liegenden
Kante.) Diese Fassung des Zwillingsgesetzes führt im allgemeinen
auf eine irrationale Richtung als zweizählige Symmetrieachse für
den Zwilling oder auf eine irrationale Ebene als Symmetrieebene
für den Zwilling. In dem Falle des Muscovits fällt die
TscHERMAK’sclie Normale auf [HO], wie A. Johnsen1 2 gezeigt hat,
mit der Kante [310] so lange zusammen, als es nicht möglich ist,
Abweichungen des Winkels [110]:[ll0] von 120° festzustellen.
1 G. Tschermak, Lehrbuch der Mineralogie. Wien 1905. p. 96.
2 A. Johnsen, Dies. Centralbl. 1907. p. 403.
42*
660
Fr. Schwartz,
Es könnte nun möglich sein, daß die Verwachsung der Muscovit-
zwillinge noch ein anderes Gesetz befolgt , daß nämlich die
Kante [110] zweizählige Symmetrieachse fin-
den Zwilling ist. Wäre dies der Fall, so müßten
die Ätztiguren auf der Basis die in Fig. 2 für
die Individuen I und II gezeichnete Lage ein-
nehmen. Würde dagegen das von Tschermak
in irrationaler und von Johnsen in rationaler
Fassung aufgestellte Zwillingsgesetz zu Beeilt
bestehen, so würden die Ätzfiguren so zu-
einander liegen, wie die Figuren der Individuen I
und III Fig. 2 zeigen.
. Leider konnte ich diese Feststellung nicht
ausführen, da mir keine Zwillingskristalle zur
Verfügung standen. H. Baumhauer1 2 hat nun
Muscovitkristalle einer Stufe von Mitchel Co.,
N. Carolina, auf der sich sowohl einfache als
auch Zwillingskristalle befanden, des näheren
untersucht und auch geätzt. Es wird ihm infolgedessen möglich
sein, sowohl die Lage der stumpfen und spitzen Ecke der Ätz-
figur zu dem kristallographischen Achsenkreuz unschwer festzustellen,
als auch möglicherweise über das Zwilliugsgesetz eine Entschei-
dung zu fällen.
Götti ngen, Mineralogisches Institut, Juli 1913.
Ueber das Auftreten des Geruches beim Reiben von
Mineralien.
Von Friedrich Schwartz in Darmstadt.
Wenn zwei Feuersteine oder Feldspatstücke stark aneinander
gerieben oder mit einem Hammer zerschlagen werden, kann oft
ein eigentümlicher brenzlicher Geruch wahrgenommen werden.
Der Geruch erinnert an den, der bei der Erhitzung mancher
stickstoffhaltiger, organischer Verbindungen auftritt. Der hier
zu besprechende Geruch hat nichts zu tun mit dem , welcher
beim Reiben von solchen Gesteinen und Mineralien auftritt, welche
nachweislich organische Substanzen als Bitumen in Form von Ein-
schlüssen enthalten. Das Auftreten dieser Erscheinung ist seit
alters her bekannt. Frühere Beobachtungen von L. Wühler und
Kkaatz-Koschlau 2 beziehen sich auf das Auftreten des Geruches
beim Erhitzen von manchen Mineralien. Daß diese Erscheinung
mit meiner Beobachtung nichts Gemeinsames hat, dafür sprechen
1 H. Baumhauer, Zeitschr. f. Kristallographie. 32. 1900. p. 170.
2 Chemiker-Zeitung. 22. 38. 1898.
Ueber das Auftreten des Geruches beim Reiben von Mineralien, ßßl
die folgenden Tatsachen: 1. Bei vielen Mineralien ist der Geruch
wahrnehmbar, obwohl organische Einschlüsse ausgeschlossen sind,
z. B. bei farblosem Quarz, auch beim Glas usw.; 2. der Geruch
fehlt oft beim Reiben von solchen Mineralien, die organische Sub-
stanzen enthalten wie gewisse Flußspate 1 ; 3. frische Bruchflächen
von Mineralien bleiben beim Reiben geruchlos.
Der Geruch wird am besten wahrgenommen, wenn die Minera-
lien aufeinandergelegt , stark zusammengepreßt und dann fest und
schnell gerieben werden. Es empfiehlt sich, größere Flächen des
Minerals zu reiben. Es brauchen nicht zwei Stücke eines und
desselben Minerals angewandt zu werden. Man kann das auf den
Geruch zu prüfende Mineral mit dem gleichen Erfolg mit Korund
reiben, da zwei Korundstücke, aneinandergerieben , geruchlos
bleiben. Oft wird beim Reiben von Mineralien eine Feuer-
erscheinung als Funkenbildung oder ein kurzes Aufleuchten der
geriebenen Flächen, besonders im Dunkeln, beobachtet. Diese Er-
scheinung steht jedoch in keiner Beziehung mit dem Auftreten des
Geruches, wie durch besondere Versuche festgestellt wurde. Der
Geruch wurde bei vielen Silikaten beobachtet, seltener bei Nicht-
silikaten. Bei allen halbharten und harten Silikaten tritt der
Geruch beim Reiben auf. Silikate, deren Härte kleiner wie 3,5 — 4
ist, liefern beim Reiben keinen Geruch. So bleiben z. B. Silikate
wie Talk, Speckstein, Meerschaum, Serpentin, Ton, Desmin, Heu-
landit, Asbest, Glimmer, Muscovit, Biotit usw. beim Reiben geruchlos.
Dagegen lieferten alle mir zugänglichen Silikate, alle Modifikationen
der Kieselsäure und Varietäten des Quarzes aus der Mineralogischen
Sammlung der Großli. Techn. Hochschule zu Darmstadt, deren
Härte größer wie 3,0 — -4 ist, beim Reiben ohne Ausnahme diesen
Geruch. Künstliche Silikate, Kieselsäure, wie alle Glassorten,
Porzellan, Steingut, Quarzglas usw. lieferten beim Reiben ebenfalls
den Geruch. Bei den Siliciden, wie Eisensilicid, Calciumsilicid und
Carborund war der Geruch nicht wahrnehmbar, obwohl die Härte
innerhalb der für Silikate günstigen Grenze liegt. Bei Nicht-
silikaten war der Geruch selten zu beobachten. Negatives Ergebnis
lieferten z. B. Arsenkies , Bleiglanz, Buntkupfererz, Eisenglanz,
Flußspat, Gips, Kalkspat, Steinsalz, Korund, Kreide, Kryolith,
Malachit, Pyrit, Schwefel, Zinkspat usw. Ein positives Resultat
lieferten: Baryt, manche Apatite, manche Spinelle, Magnesit, Rutil,
Brauneisenerz usw. Der Geruch hält bei verschiedenen Spezies
verschieden lang an, im allgemeinen zwischen 30 Sek. und 3 Min.
Der Geruch war bei den verschiedenen Silikaten von ver-
schiedener Intensität. Es wurden Versuche angestellt, bei welchen
die Intensität des Geruches bei verschiedenen Spezies verglichen
wurde. Für die Intensität des Geruches unterschied ich drei Stufen.
1 Tschermak’s Min. Mitt. 18. p. 4. 5.
662
Fr. Schwartz,
Beim Reiben der Mineralien wurde annähernd gleicher Druck und
Geschwindigkeit angewandt. Die Ergebnisse sind das Mittel einiger
iibei’einstimmender Versuche.
Intensität I bedeutet schwaches Auftreten des Geruches, Intensi-
tät II deutliches Auftreten und Intensität III sehr starkes Auftreten
des Geruches. Nachstehende Tabelle zeigt die beobachteten Intensi-
täten des Geruches bei verschiedenen Mineralien, ferner sind die
Härten, der Gehalt an Kieselsäure und das Wärmeleitungsvermögen
angegeben. Wie leicht zu sehen ist, steht der Kieselsäuregehalt
in keiner Beziehung mit der Intensität des Geruches. Dagegen
scheint die Intensität des Geruches Funktion der Härte und des
Wärmeleitungsvermögens des Minerals zu sein. Die größte Intensi-
tät wurde bei Mineralien beobachtet, deren Härte zwischen 5,5
und 7 liegt. Mineralien von anderen Härten lieferten Geruch von
schwächerer Intensität. Bei manchen aluminiumhaltigen Silikaten
wurde neben den normalen auch ein schwacher toniger Neben-
geruch wahrgenommen. Fluorhaltige Mineralien wie Topas und
Vesuvian, lieferten einen deutlich süßlichen Nebengeruch. Künst-
liche Silikate wie Glas, Porzellau, Steingut usw. lieferten beim
Reiben einen Geruch, der ganz identisch mit dem der natürlichen
Silikate ist. Bei Nichtsilikaten ist das Auftreten des Geruches bei
solchen beobachtet worden, die Härte und Wärmeleitungsvermögen
analog den der Silikate hatten. Das Fehlen des Geruches bei
Flußspat ist auf seine Oberflächenbeschaifenheit, beim Korund auf
dessen hohe Härte zurückzuführen, wie noch unten erwähnt werden
wird. Da die physikalischen und chemischen Eigenschaften des
Glases denen der Silikate ähneln, so wurden zu weiteren Unter-
suchungen über die Entstehung des Geruches Glasstäbe angewandt.
Folgende Versuche wurden ausgeführt:
1. Zwei Glasstäbe, die beim Reiben den normalen Geruch
deutlich lieferten, wurden mit Alkohol, Äther und Schwefelkohlen-
stoff gereinigt und entfettet. Beim Reiben war der Geruch mit
ursprünglicher Intensität wahrnehmbar.
2. Zwei Glasstäbe, die über der Bunsenflamme kurz erhitzt
wurden, lieferten vor und nach dem Abkühlen beim Reiben keinen
Geruch. Um die nötige Temperatur zur Zerstörung der den Geruch
liefernden Substanzen, die auf der Glasoberfläche offenbar adsorbiert
sind, festzustellen, wurden
3. Glasstäbe, die den normalen Geruch beim Reiben lieferten,
in einem Trockenschrank verschlossen und erhitzt. Die Glasstäbe
wurden in dieser Weise verschiedenen Temperaturen verschieden
lang ausgesetzt. Der sonst beim Reiben beobachtete Geruch tritt
nicht mehr auf, wenn die Glasstäbe 10 Min. der Temperatur von
260° oder während 5 Min. 300° usw. ausgesetzt waren. Glas-
stäbe, die den Temperaturen 250° 10 Min. oder 270° 5 Min.
ausgesetzt waren, ergaben beim Reiben noch den Geruch.
lieber das Auftreten des Geruches beim Reiben von Mineralien. 663
4. Es wurden zur Kontrolle natürliche Silikate mit demselben
Erfolg in gleicher Weise behandelt.
5. Zwei Glasstäbe, die den normalen Geruch beim Reiben
lieferten, wurden an einer Stelle so lange gerieben, bis die Ober-
flächenschicht in weißes Pulver sich umgewandelt hatte. Dieses
wurde durch Wegblasen entfernt. Die so hergestellten frischen
Oberflächen der beiden Glasstäbe blieben beim Reiben geruchlos.
6. Es wurden verschiedene Silikate und Gesteine, die den
Geruch beim Reiben lieferten, mit einem Hammer zerschlagen.
Die frischen Bruchflächen lieferten beim Reiben keinen Geruch. Das
gleiche zeigten Mineralien mit submikroskopischen Beimengungen
wie Quarze1 und Feldspäte1.
7. Die künstlich geruchlos gemachten Silikate wurden längere
Zeit hindurch der Wirkung der Luft ausgesetzt. Der Geruch beim
Reiben war oft nach zwei Wochen langem Stehen erst wieder
wahrnehmbar.
8. Die künstlich durch Glühen geruchlos gemachten Silikate
wurden mit verschiedenen reinen anorganischen und organischen,
festen und flüssigen Körpern in Berührung gebracht. Die anorga-
nischen Substanzen haben keine Veränderungen hervorgerufen. Von
den organischen Substanzen bewirken manche Kohlenhydrate und
stickstoffhaltige chemische Verbindungen an den vorher erhitzten
Oberflächen beim Reiben ein Wiederauftreten eines Geruches, der
jedoch mit dem sonst wahrgenommenen nicht identisch ist. Die
größte Ähnlichkeit mit dem normalen Geruch haben unter diesen
Versuchsbedingungen Eiweiß und eiweißähnliche Stoffe
beim Reiben geliefert. Auch das Berühren der künstlich geruchlos
gemachten Flächen mit den Fingern genügt, um das Auftreten des
Geruches beim Reiben hervorzurufen, weshalb Vorsicht und größte
Sorgfalt bei Ausführung der Versuche anzuwenden war. Die
kleinsten Spuren von Eiweisstoffen genügen zur Erzeugung dieser
merkwürdigen Erscheinung.
Aus diesen Versuchen kann einzig und allein gefolgert werden,
daß manche Mineralien aus der Luft oder durch direkte Über-
tragung feste eiweißähnliche Stoffe adsorbieren. Die durch Reibung
der Mineralien an der Oberfläche sich entwickelnde Wärme zersetzt
die absorbierten Stoffe, und die Zerfallsprodukte werden durch den
Geruch wahrgenommen. Daß die Intensität des Geruches Funktion
des Wärmeleitungsvermögens ist, erklärt sicli in folgender Weise :
Die durch Reiben entwickelte Wärme wird bei Mineralien von
gutem Wärmeleitungsvermögen so schnell abgeführt, daß die Tem-
peratur der geriebenen Stellen nicht so hoch werden kann, daß
die absorbierten Eiweißstoffe zersetzt werden. Ebenso haben die
Härte und die Oberflächenbeschaffenheit des Minerals großen Ein-
1 Tschermak’s Min. Mitt. 18. p. 4, 5.
664
Fr. Schwartz,
iiuß auf die gebildete Wärmemenge und dadurch auch auf die
Intensität des Geruches. Wenn zwei Pappdeckel oder Holzstücke
oder polierte Stahlflächen gerieben werden, so ist die lokal ge-
bildete Wärmemenge nicht gleich derjenigen, die sich beim Reiben
von zwei harten und rauhen Ziegelsteinen entwickeln wird. Die
Reibung, die von der physikalischen Beschaffenheit des Stoffes ab-
hängig ist, ist in den ersten drei Fällen lokal kleiu, im letzten
groß. Die Reibung ist beim Talk, Meerschaum usw. zu gering,
um eine ausreichende Menge Wärme an einzelnen Stellen zu
erzeugen, die zur Zersetzung der absorbierten Substanzen ausreichend
wäre. Groß ist sie beim Glas und Feldspat usw. Die größte
Intensität des Geruches wird in solchen Fällen wahrgenommen,
bei denen die verschiedenen physikalischen Bedingungen am gün-
stigsten sind.
Das häufige Auftreten des Geruches bei den Silikaten und
das seltene Auftreten bei Nichtsilikaten ist dadurch erklärlich, daß
die physikalischen Eigenschaften der ersteren, Härte und Wärme-
leitung, geeignetere sind als bei den letzteren. Diejenigen der
Nichtsilikate, die den erforderlichen Bedingungen entsprechen, liefern,
wie oben gezeigt wurde, den normalen Geruch. Daß beim Fluß-
spat, obwohl er organische stickstoffhaltige Einschlüsse enthält,
und auch beim Korund das Auftreten des Geruches nicht beobachtet
wird, kann nur auf Grund unserer Auffassungen über die zum Auf-
treten der fraglichen Erscheinung nötigen Bedingungen erklärt
werden.
Zusammenfassung.
1. Es wurde festgestellt, daß Mineralien, meistens Silikate,
deren Härte größer wie 3,5 — 4 und kleiner wie 9 ist, beim Reiben
einen brenzlichen Geruch liefern, der an die Zerfallsprodukte stick-
stoffhaltiger organischer Verbindungen erinnert, und der verursacht
ist durch Zersetzung infolge der beim Reiben entstehenden Wärme
gewisser organischer, wahrscheinlich eiweißähnlicher Verbindungen,
die durch die Oberflächen der Mineralien von der Umgebung auf-
genommen und adsorbiert wurden.
2. Die früheren Annahmen, daß der Geruch durch Einschlüsse
verursacht ist, ist somit für diese Erscheinung hinfällig, bleibt aber
für bekannte bitumenhaltige Gesteine richtig. Hier haudelt es
sich um die rein oberflächlich aufgenommenen eiweiß-
ähnlichen Stoffe.
Zum Schluß sei es mir erlaubt, meinen ergebensten Dank den
Herren: Geh. Oberbergrat Prof. Dr. Lepsius, Prof. Dr. L. Wühler
und insbesondere Privatdozent Dr. d’Aks für ihr liebenswürdiges
Entgegenkommen und ihre Hilfe bei der Ausführung dieser Arbeit
zum Ausdruck zu bringen.
Ueber das Auftreten des Geruches beim Reiben von Mineralien. ßß5
Silikate.
Mineral
Härte
Si 02-
Ge-
halt1
0/0
Intensität des Geruches
Wärme-
leitungs-
vermögen
Topas
8
36
I (süßlichen Nebengeruch)
klein
Beryll
7,5—8
66
II
7)
Turmalin
7,5
36
II
n
Granat .......
7.5
38
II
n
Zirkon
7 — 7,5
33
11
Staurolith ....
7—7,5
28—51
II
n
Rauchquarz ....
7
99
III
•n
Feuerstein ....
7
99
III
7)
Rosenquarz ....
6,5-7
99
III
n
Vesuvian
6,5
37
II (süßlichen Nebengeruch)
7)
Feldspat
6
64
III
r
Amazonenstein . .
6
64
III
7)
Orthoklas .....
0,5 — 6
64
III (tonigen Nebengeruch)
7)
Augit
5 — 6
48
III
7}
Kieselschiefer .
5,5
97
II
55
Harmotom ....
4,5
47
I
? 1
Disthen
4,5—5
37
I (tonigen Nebengeruch)
Desmin
3—3,5
57
geruchlos
„
Heulandit. ....
3-3,5
59
geruchlos
7)
N
ichtsilikate.
Korund
9
geruchlos
klein
Eisensilicid . . . ,
Calciumsilicid . . [
5—9
—
geruchlos
groß
Carborund . . . >
Ceylanit (Spinell) .
7,5 — 8
—
II
klein
Rutil
6,5—6
—
II
7 5
Apatit
5
—
II
n
Magnesit .....
4,5
—
I
n
Flußspat
4
—
geruchlos
7)
Brauneisenerz . . .
3,5— 4.5
—
1
r>
Baryt
3,0
—
I
7)
Kryolith
3
—
geruchlos
r>
Anhydrit
3
—
geruchlos
7)
1 Naumann, Zirkel; Roth, Allg. und chemische Geologie.
666
Al. Sigmund.
Anatas in den Niederen Tauern.
Von AI. Sigmund in Graz.
Auf Kluftflächen des Chloritschiefers am Gatschberg im
Vorderen Sölktal (Steiermark) entdeckte ich im heurigen Sommer
kleine Kristalle mit metallartigem Diamantglanz, die sich nach
näherer Untersuchung als Anatase erwiesen.
Die Fundstätte liegt in einer schwer zugänglichen Felsschlucht,
durch die ein Wildbach herabstürzt, in einer Seehöhe von ca. 900 m,
20 m über der Straße, die von Stein a. d. Enns nach Gi’oß-
Sölk führt.
Die Anataskristalle sind honiggelb, durchscheinend, nur 0,3
bis 0,5 mm groß und zeigen jene einfachen, scharf ausgeprägten
Formen, die der Mehrzahl der alpinen Anatase, z. B. aus der
Kauris, dem Tavetsch eigentümlich sind: entweder p (111) allein,
oder p in Kombination mit c (001). Die erstgenannte Form findet
sich bei den wenigen Kristallen, die Prismenflächen grünlichblauer,
etwa 1 cm langer, flach und meist reihenweise auf der Kluftfläche
liegender Quarzkristalle in orientierter Stellung — die Hauptachsen
beider Kristalle sind parallel — derart aufgewachsen sind, daß
eine Hälfte des Anatas in den Quarz eingebettet ist. Die andere
Form trifft man bei den teils einzeln, teils in Gruppen bis zu drei
Individuen der Kluftfläche des Chloritschiefers unmittelbar auf-
gewachsenen Anatasen. (111) ist häutig wagrecht gestreift, in
einzelnen Fällen mit dreieckigen Ätzgrübchen dicht besetzt.
An Splittern und Spaltblättchen, die beim Zerschlagen eines
Kristalls erhalten wurden, konnte u. d. M. die hohe Licht- und
Doppelbrechung des farblos erscheinenden Minerals, ein deutlicher,
durch das Auftreten eines himmelblauen Farbentones merkwürdiger
Pleochroismus, i. k. p. L. das Achsenkreuz, ein Öffnen desselben
beim Drehen des Tisches beobachtet und der optisch negative
Charakter festgestellt werden.
Die Anatase sind fast ganz von ockerigem Brauneisenerz
eingehüllt, das die Kluftfläche in Form einer ununterbrochenen,
lockeren Schichte überzieht. Der Ocker ist hier das Verwitterungs-
produkt des Eisenkieses, der in bis 3 mm großen Würfeln reich-
lich dem Chloritschiefer beigemengt ist ; oft stecken im Ocker noch
Pyritkörnchen, die Reste früherer Kristalle. Noch reicher ist der
Schiefer au Magnetit, der sowohl in 1 — 3 mm großen, teilweise
mürben und dann stahlblau angelaufenen Oktaedern als auch in
mikroskopischen Körnchen auftritt. Er ist, wie die Untersuchung
ergab, nicht titanhaltig. Dem mikroskopischen Magnetit ist jedoch
in gleicher Menge Titaneisenglimmer beigemengt; von diesem
Erze könnten die Anatase abstammen. Au eine Bildung derselben
aus titanhaltigen Biotiten ist hier nicht zu denken : in Dünnschliffen
Anatas in den Niederen Tauern.
667
frischer Schieferstücke ist u. d. M. in den Chloriten nirgends ein
noch so geringer Rest eines Biotits zu sehen.
Bis auf die Adulare, die hier fehlen, und die bedeutendere
Größe der Anatase sehen die Anatase tragenden Stufen von der
Felsschlucht am Gatschberg jenen vom Hochnarr in der Rauris
auffallend ähnlich. Es soll hier bemerkt werden, daß Orthoklas,
der in jenen Stufen schon teilweise kaolinisiert ist, neben Klino-
chlor und Talk einen wesentlichen Gemengteil des Chloritschiefers
bildet.
Auf anderen Stufen, die ebenfalls von Kluftwänden geschlagen
wurden, aber keine Anatase tragen, die an der neuen Fundstätte
überhaupt eine Seltenheit sind, finden sich, umgeben von Ocker,
kleine, kurzsäulenförmige R u t i 1 kristalle, 1 mm große, nur zur
Hälfte ausgebildete, zweifarbige, fettartig glänzende, speerförmige
S p h e n kristalle, Kontaktzwillinge mit farbloser Spitze und rot-
brauner Mitte. Auch zur Bildung der Rutile und Sphene wird
wohl, wie bei den Anatasen, der Hmenit des Chloritschiefers bei-
getragen haben.
Die Wände anderer Klüfte sind mit einer oft bis 6 mm dicken,
unten noch dichten, gegen oben zu lockeren Limonitschichte über-
zogen, die jedoch eine Pseudomorphose nach Braunspat dar-
stellte. Oft sind noch die Rhomboederformen — 2 R erhalten, die
auf Bruchflächen deutlich die Spaltbarkeit des Braunspates erkennen
lassen und eine zellige Textur besitzen. Fingerdicke Adern hell-
gelben, noch frischen Braunspats durchziehen häufig die Quarz-
linsen im Chloritschiefer. Auf dem Limonit sitzen oder sind in
diesem eingeschlossen geätzte Kalkspatrhomboeder, mit einer
Kantenlänge bis 17 mm, offenbar eine Neubildung. Ursprünglich
linsenförmige Einlagerungen weißen, körnigen Kalksteins mit Bän-
dern frischen Pyrits sind im Chloritschiefer nicht selten, sie haben
an allen Faltungen des Muttergesteins teilgenommen.
Außer den genannten, etwa fingerdicken Klüften, die den
Schiefer senkrecht zur Schieferung durchsetzen, sind noch saigere,
stellenweise mehrere dem mächtige, dann wieder sich auskeilende
Quarzgänge vorhanden. Wo sich der Verband mit dem Neben-
gestein gelockert hat, finden sich nette Quarz- und Bergkristall-
stöcke mit den gewöhnlichen Formen a, p, z, zu denen bei den
Bergkristallen noch s tritt. Manchmal sitzen auf den Quarzen
vollkommen ausgebildete Kalkspatrhomboeder.
Die Anatase vom Gatschberg im Sölktal sind die
ersten, die in den Niederen Tauern gefunden wurden.
Zwei Stufen, von denen eine ziemlich reich ist, befinden sich
in der mineralogischen Abteilung des st. Landesmuseums Joanneum
in Graz.
668
Fr. Tucan,
Zur Kenntnis des mehligen Siliciumdioxyds von Milna auf
der Insel Brac in Dalmatien mit besonderer Berücksichtigung
der Bauxitfrage.
Von Fran Tucan in Zagreb (Agram, Kroatien).
Mit 3 Textfiguren.
I.
Von den mehligen Siliciumdioxyd von Milna war in diesem
Centralblatt schon die Rede. Ich habe seinerzeit eine Notiz1 ver-
öffentlicht, in welcher ich betonte, daß dieses Si02 „nach seinen
Eigenschaften und der Art seines Vorkommens bemerkenswert
erscheint“. Was seine Löslichkeit betrifft, erwähnte ich, daß
dieser feine Staub nicht nur in verdünnter, sondern auch in kon-
zentrierter Alkalilauge gekocht wurde. Das Kochen dauerte
20 Stunden, das Silicium dioxydpulver blieb aber un-
verändert. Ob etwas von diesem Si 02 -Pulver aufgelöst wurde,
konnte ich nicht konstatieren, da das Filtrieren unmöglich ist;
durch das Filtrierpapier geht die milchige Lösung hindurch und
im Filtrate findet man wieder Si02-P ulver. Ebenso
geht es auch bei dem Auflösen im Alkalicarbonate. Nach 20stiindigem
Kochen in 20°/oiger Sodalösung wurde nur 4o/0 Si02 gelöst;
alles übrige blieb im staubigen Zustande unverändert, und wenn
man mit dem Auswaschen beginnt, geht die milchige Lösung durch
das Filter. Bei mehrstündigem Kochen in konzentrierter Salzsäure
bleibt das Siliciumdioxyd unverändert, Schwefelsäure aber ist nicht
ohne Wirkung: bei mehrstündigem Kochen in konzentrierter H2S04
geht das Pulver in einen flockigen (voluminösen) Zustand über“.
Genau dieselben Resultate erzielte P. P. von Weimarn, welcher
diese von mir entdeckte Kieselsäure untersuchte. Er schreibt mir
unter anderem: „Meine Untersuchungen über ihre Löslichkeit in
Na (0 H) und in Na, C 03 ergaben dieselben Resultate, vollkommen
mit den Ihrigen übereinstimmend“.
H. Leitmeier, der sich schon seit Jahren mit Kieselsäure-
Versuchen beschäftigt, ersuchte mich, ihm etwas von diesem mehligen
Siliciumdioxyd zu senden, da er natürliche Kieselsäure für das
Handbuch der Mineralchemie, herausgegeben von C.Doelter, bearbeite
und auch über diese mehlige Kieselsäure einige Löslichkeitsversuche
gerne machen möchte. In einem Briefe an mich teilt er mir mit,
seine Löslichkeitsversuche zeigten, daß dieses mehlige Si02 in
konzentrierter Kalilauge völlig löslich sei. Er stellte eine Lösung
von ca. 3 Teilen Wasser und 1 Teil K(OH) oder noch weniger
konzentriert her, gab wenig von der Probe hinein und kochte
langsam. Dadurch wurde die Lösung allmählig konzentrierter ;
die trübe Lösung ward plötzlich klar. Nun konnte man noch eine
‘Fr. Tucan, Ein mtdiliges Siliciumdioxyd. Dies. Centralbl. 1912. p. 296.
Zur Kenntnis des mehligen Siliciumdioxyds von Milna etc. 669
ziemliche Menge der Si02 hineingeben, die in kurzer Zeit sich
auflöste. Der Konzentrationsgrad ist dabei ein so hoher, daß beim
Erkalten Erstarrung eintritt.
Ich ersuchte meinen Kollegen Vladimir Njegovan, auch diese
Versuche durchzuführen. Er nahm 100 g K(OH) und löste in
300 cc Wasser. 50 cc dieser Lösung gab er nach dem Erkalten
in eine Silberschale und schüttete 0,05 g des mehligen Silicium-
dioxyds hinein. Dies kochte langsam auf einem Asbestdrahtnetz
40 Minuten, bis eine Erstarrung eintrat. Jetzt fügte er der heißen
Lösung 25 cc Wasser bei. Es spritzte ein wenig und es begann
zu sieden. Als die Lösung ruhig wurde, war sie beinahe klar.
Derselbe Versuch wurde auch mit 0,1 o g mit demselben
Resultat ausgeführt. Mit 0,30 g 40 Minuten gekocht, 22 cc
H2 0 dazu (es siedete und spritzte ein wenig) ; es blieb nur ein
etwas brauner Niederschlag. Diese so (mit 25 cc H20) verdünnte
Lösung kochte noch etwa 20 Minuten, bis sich eine Kruste bildete.
Dazu kam 25 cc H2 0, es siedete und als es ruhig wurde, war
die Lösung fast ganz klar. 0,50 g gekocht 35 Minuten, bis es
sich nicht ganz konzentrierte. Dazu 2 5 cc H2 0 und die Lösung
wurde vollkommen klar zum Unterschied der bisherigen
Lösungen, welche doch ein wenig trüb waren. Diese
Trübung legte sich auch nach mehrstündigem Stehen nicht.
Ich machte dieselben Versuche mit Na (O H) und bekam die-
selben Resultate, die mit denen Leitmeier’s übereinstimmten.
Was ist also die Ursache, daß ich bei meinen ersten Versuchen
nicht zu diesem Resultate gelangen konnte? Wie kam es, daß
das mehlige Si02 bei meinen (wie auch Weimarn’s) Versuchen
durch Kochen in der Alkalilauge nicht in Lösung ging? Ich
vermute, daß die Ursache in der Arbeitsmethode liegt. Ich nahm
niemals eine so konzentrierte Alkalilauge1, daß sie beim Kochen
hätte erstarren können. Während der ganzen Operation blieb die
Konzentration dieselbe, denn die Menge des verdampften Wassers
wurde durch die gleiche Menge frischen Wassers wieder ersetzt.
Bei einer solchen Operation ist die Alkalilaugelösung nach mehr-
stündigem Kochen tatsächlich trüb, was dafür spricht, daß das
Si02-Pulver uocli nicht gelöst ist.
Unterdessen habe ich bei der Untersuchung des mehligen
Si02 einige Eigenschaften und Eigentümlichkeiten bemerkt, durch
welche ich auf seine kolloidale Natur liinweisen konnte, trotzdem
ich auf mikroskopischen Wege konstatierte, daß dies eine anisotrope
Substanz sei. In dieser Hinsicht wollte ich ein sicheres Resultat
haben und sandte von diesem Si02-Pulver etwas an den russischen
Kolloidchemiker P. P. von Weimarn mit der Bitte, er möge dieses
Pulver vom Standpunkte der Kolloidchemie untersuchen. P. P. von
1 Auch die Menge des mehligen Si02 war beträchtlich.
670
Fr. Tucan,
Weimarn erfüllte bereitwilligst mein Ansuchen und unterwarf das
Si 02-Pulver der Untersuchung. Seine Resultate teilte er mir
brieflich mit und ich bringe mit seiner Erlaubnis das Resultat zur
Kenntnis, indem ich es aus dem Russischen wörtlich übersetze :
„Die ultramikroskopische Untersuchung der Suspension im
Wasser des mir von Ihnen zugesandten Niederschlages, ebenso wie
auch die Untersuchung desselben mit den stärksten Vergrößerungen
der besten gegenwärtigen mikroskopischen Objektive, zeigt deutlich,
daß der von Ihnen entdeckte Niederschlag SiO, der Teilchengröße
und den anderen Eigenschaften (die Brownsche Bewegung usw.)
nach den Kolloidniederschlägen, wenn auch nicht von großem
Dispersitätsgrad, eingereiht werden muß. Es ist interessant (da
dies ein Beweis der Kolloidität ist), daß Ihr Niederschlag von Si 02
keine anderen Suspensionen in 0,5 normaler Na(0 H)-Lösung gibt1“.
Also trotz seiner Löslichkeit in Alkalilauge (und trotz seines
spez. Gew.2, welches dasselbe ist wie bei Quarz) zeigt dieses
mehlige Siliciumdioxyd die Eigenschaften einer Kolloidsubstanz.
Der Nachweis der Löslichkeit dieses mehligen Si02 durch
Leitmeier gab ihm Anlaß, mir folgendes brieflich mitzuteilen:
„Damit fällt alles, was Sie in der Untersuchung der Bauxite des
Karstes auf Grund dieser Si 02 theoretisch aufgebaut haben " . Ich
glaube, daß diese Schlußfolgerung nicht gerechtfertigt ist. Die
Frage ist folgende : Befindet sich im Sporogelit Si 02 als Tonerde-
kieselsäuregel oder als mechanisch beigemengte Si 02 ? Ich be-
haupte, Sporogelit ist ein Hydroxyd (Al2 03 • H2 0), in welchem sich
mechanisch beigemengt die Kieselsäure befindet, da dies alle meine
Untersuchungen beweisen. Ob diese Kieselsäure Quarz, Chalcedon,
oder Opal oder eine andere (kristalline oder kolloide) Varietät ist,
das ist nebensächlich, gerade so wie es bedeutungslos ist, ob dieses
mehlige Si 02 in K (0 H) löslich ist oder nicht. Und ist es allein
für sich in Alkalilauge löslich, so ist es auch als Sporogelitbei-
mischung, und umgekehrt. Es besteht aber die Tatsache, daß
dieses SiO„-Pulver so fein ist, daß wir es in keinem Falle u. d. M.
bemerken können, nur wenn es als Beimischung einer anderen
Substanz vorkommt. Verfertigt man ein Präparat von jenem
Kalkstein, in welchem sich dieses mehlige Si 02 befindet, so bemerkt3
1 In einem anderen Briefe teilt mirP. P. v. Weimarn auch folgendes
mit: „Jedenfalls besteht nicht der allergeringste Zweifel, daß das mehlige
Si02 einen kolloiden Niederschlag, aber nicht vom großen Dispersitätsgrad,
darstellt“.
2 Das spez. Gew. (sr _ 990= 2,643 + 0.005) wurde von K. Endell
bestimmt, der mich ersuchte, ihm etwas vom mehligen Si02 zur Unter-
suchung zu senden.
3 Hie und da findet man im Präparate auch einzelne Quarzkörner,
dann Turmalin-, Zirkon- und Rutilkriställchen ; dies sind aber die-
jenigen Minerale, die wir gewöhnlich in den Carbonatgesteinen des
kroatischen Karstes finden, und deren Quantum kaum 0,3 °/o überschreitet.
Zur Kenntnis des mehligen Siliciumdioxyds von Milna etc. 671
man u. d. M. nur winzige Calcitkörner, und doch enthält dieser
Kalkstein ca. 20°/o solchen Si02. Bei den Bauxiten befindet sich
noch eine größere Schwierigkeit betreffs dieses Si02, da das
Hauptmineral der Bauxite, Sporogelit, meistenteils rot gefärbt und
vollkommen isotrop ist, und es gibt auch kein Mittel, um dieses
SiO„ im Sporogelit mikroskopisch nachzuweisen. Obgleich der
Sporogelit auch wreiß sein kann, wie dies der Fall beim Bauxit
von Skocaj ist, können wir das mehlige Si02 nicht einmal unter
der stärksten Vergrößerung konstatieren; wir sehen nur lappige
Gebilde von Sporogelit. Ich stellte auch solche Präparate her,
zu welchen ich ein überwiegendes Quantum dieses Si02 und eine
kleinere Menge Bauxitpulver nahm, aber auch in diesen Präparaten
konnte man außer Sporogelit und einigen akzessorischen Mineralen
gar keine Spur von Si02 bemerken. Durch das Lösen in Alkali-
lauge können wir zu keinem Resultate gelangen, da dieses Si02,
wie dies Leitmeier bewies, in Alkalilauge löslich ist. Bloß die
Schwefelsäure gibt uns einen deutlichen Beweis vom Vorhandensein
dieses Si02 im Bauxit. Wenn wir weißen Bauxit von Skocaj
(er enthält 44,48 °/o Si02) in konzentrierter H2S04 kochen, so
erscheint dieses Si02 als ein flockiger Niederschlag, es ändert
seine Beschaffenheit gerade so, wie mehliges Siliciumdioxyd selbst,
indem es aus dem staubigen in einen flockigen Zustand übergeht.
Die Existenz dieses mehligen Si02 im Sporogelit ist also nicht
problematisch, wie dies Lazarevic 1 meint.
II.
Geradeso wie dieses mehlige Si 02 verhalten sich auch die-
jenigen Minerale, die im Bauxit Vorkommen und von denen ich
behaupte, daß von ihnen S 03, CaO, P2Oä usw. herrührt. Es
sind dies Gips, Anhydrit, Apatit etc. Lazarevic1 2 behauptet, daß
S 03, Ca 0, P2 05 usw. im Sporogelit (Bauxit) adsorbiert seien und
bekämpft meine Anschauung, indem er alle meine Untersuchungen
über die Terra rossa und den Bauxit als unzuverlässig darzustellen
versucht. Ich werde jedoch für meine Ansichten Beweise bringen
und zeigen, daß Lazarevic’s Einwände unbegründet sind. Lazarevic
sagt, er habe seinerzeit die Bauxite vom Tollingraben bei Leoben
untersucht und behauptet, „in der Substanz ließ sich nach kurzem
Umrühren mit warmem Wasser im Filtrate freie Schwefelsäure
nackweisen“. Ich beschäftige mich schon seit 1905 mit dem
Studium der Carbonatgesteine des kroatischen Karstgebietes, sowie
mit der Terra rossa und dem Bauxit, welche im engsten Zusammen-
hang mit den erwähnten Carbonatgesteinen stehen. Schon Ende
des Jahres 1905 kam ich zu einem ähnlichen Resultat wie
1 M. Lazareviö, Zu Tuöans „Bauxitfrage“. Dies.Centralbl. 1913. p.258.
* 1. c. p. 258.
672
Fr. Tucan,
Lazarevic, aber mit Hilfe dieses Resultates kam ich zur Folgerung,
daß ich den S03-Gehalt nicht als vom Sporogelit adsorbierte freie
Schwefelsäure betrachten dürfe, sondern als Bestandteil des Anhydrits
bezvv. des Gipses, welche Minerale im Kalkstein und Dolomit,
bezw. im unlöslichen Rückstand1 2, d er Terrarossa (Bauxit)
Vorkommen. Ich habe diese meine Beobachtungen erst im Jahre 1908
publiziert (also ein Jahr früher als die Untersuchungen Cornu-
Lazarevic erschienen), und zwar gerade in diesem Centralblatt L
Unter anderem schreibe ich in dieser Notiz: „Bei den mikroskopischen
Untersuchungen der Kalksteine und Dolomite 3 des kroatischen
Karstgebietes fand ich oft winzige Kriställchen oder unregelmäßige
Körnchen eines optisch zweiachsigen Minerals, welches Gips bezw.
Anhydrit sein könnte. Um zu einem sicheren Ergebnis zu gelangen,
bediente ich mich der mikrochemischen Reaktionen und das Resultat
war zufriedenstellend. Ich ging folgendermaßen vor : Der Kalk-
stein bezw. Dolomit wird fein gepulvert, einige Stunden im Becher-
glase mit reinem Wasser gekocht und dann abliltriert. Das Filtrat
wird konzentriert und spektroskopisch auf Calcium und mit Chlor-
barium auf Schwefelsäure geprüft. Von dieser konzentrierten
Lösung wurde ein Präparat verfertigt. „IT. d. M. sieht man, daß
in diesem Präparat sehr schöne Sphärokristalle erscheinen; welche
aber nicht aus Gips, sondern aus Anhydrit bestehen. Die einzelnen
Kristallnadeln dieser Sphärokristalle löschen gerade aus; die
Richtung ihrer Verlängerung ist zugleich die Richtung ihrer
kleinsten Elastizität, es sind demnach diese Kristallnadeln nach a
gestreckt“. In meiner Abhandlung „Die Kalksteine und Dolo-
1 In meiner Abhandlung „Die Kalksteine etc.“ p. 614 schrieb ich
folgendes: „Um die akzessorischen Mineralien nachzuweisen, war es not-
wendig, von jedem Kalke und Dolomite Dünnschliffe anzufertigen. Weil
aber in der Mehrzahl der Dünnschliffe diese akzessorischen Mineralien
nicht zu sehen waren, so Avurden diese Carbonatgesteine in verdünnter
und etwas angewärmter Essigsäure gelöst und von dem unlöslichen
Rückstände Präparate für die mikroskopischen Untersuchungen angefertigt.
Die Dolomite hingegen, welche von Essigsäure nur sehr schwer und lang-
sam gelöst werden, löste ich zum selben Zwecke in verdünnter Salzsäure,
welche man etwas anwärmen mußte“. Da aber der Zweck dieser Lösungs-
versuche nur der Avar, daß der überflüssige Calcit entfernt wird, die
akzessorischen Minerale jedoch bleiben, und zAvar auch diejenigen, Avelche
sich möglicherweise nach einer längeren Behandlung hätten auflösen können,
so hat man eben diese Versuche nie bis zu Ende durchgeführt. Auf diese
Weise sind auch leichtlösliche Minerale (z. ß. Brucit etc.) im unlöslichen
Rückstand geblieben.
2 F. Tucan : Mikrochemische Reaktionen des Gipses und Anhydrites.
Dies. Centralbl. 1908. p. 134.
:i Die mikroskopischen Untersuchungen beziehen sich größtenteils
auf den unlöslichen Rückstand (siebe hierüber die zitierte Abhandlung
„Die Kalksteine etc.“ p. 614).
Zur Kenntnis des mehligen Siliciumdioxyds von Milna etc. 673
mite etc.“ 1 sage ich über die Schwefelsäure folgendes: „In den Car-
bonatgesteinen kommt außerdem noch an Calcium gebundene
Schwefelsäure vor. Wenn man das Gestein in fein gepulvertem
Zustande längere Zeit in destilliertem Wasser kocht, so kann man
in der abfiltrierten Flüssigkeit Schwefelsäure nachweisen“. „Schwefel-
säure kommt nicht nur in Carbonatgesteinen, in welchen man
Gips oder Anhydrit mikroskopisch nachweisen kann, sondern auch
in solchen Gesteinen vor, in denen mau die erwähnten Minerale
nicht beobachten kann. So ergibt z. B. ein Kalkstein von Petrovo
selo in Wasser gekocht eine sehr deutliche Reaktion auf Anhy drit
r e s p. Schwefelsäure“.
Man könnte mir zwar vorwerfen, daß sich diese Untersuchungen
auf Kalksteine (und Dolmite) und nicht auf Bauxite beziehen.
Dieser Einwand wäre jedoch unbegründet. Das Hauptaugenmerk
meiner Carbonatuntersuchungen richtete sich auf den unlöslichen
Rückstand (also jenes, was die Terra rossa und den Bauxit
bildet). In diesem unlöslichen Rückstand mußte ich oft Anhydrit
oder Gips mittels der mikrochemischen Reaktionen aufsuchen. So
fand ich in einem Kalkstein von Benkovac bei Fuzine eine be-
deutende Menge von Anhydrit, von dessen Indentität ich mich
auch durch mikrochemische Reaktion überzeugen konnte. Die
Ausführuugsart dieser Reaktion habe ich in meiner oben zitierten
Arbeit „Die Kalksteine etc. “ beschrieben, und zwar folgendermaßen:
„Zu diesem Zwecke löste ich ein Stück des Kalksteins in Essig-
säure, sammelte den unlöslichen Rückstand auf dem Filter und
wusch denselben so lange mit Wasser, bis keine Reaktion auf
Calcium mehr zu beobachten war (wovon ich mich spektroskopisch
überzeugte). Diesen unlöslichen Rückstand kochte ich längere
Zeit im Wasser (beiläufig 24 Stunden); dann wurde abfiltriert und
das Filtrat konzentriert. Einige Tropfen dieses Filtrates wurden
auf ein Objektgläschen gebracht, auf dem bei dem Eintrocknen der
Flüssigkeit Anhydrit in Form winziger Sphärokriställchen und
säulenförmiger, gestreckter Ki-iställchen entstand. Im Filtrate
wurden außerdem noch spektroskopisch Calcium und mittels Chlor-
baryum Schwefelsäure nachgewiesen“ (p. 677). Also auch hier
wurde der unlösliche Rückstand untersucht.
Der Grund, warum ich annehme, daß der S 03-Gehalt im
Sporogelit nicht als eine adsorbierte Substanz vorhanden, sondern
an Calcium gebunden ist, ist folgender: ich konnte in vielen
Fällen im unlöslichen Rückstand mikroskopisch Anhydrit konstatieren.
So fand ich z. B. im unlöslichen Rückstände eines Kalksteines von
Bakarac im kroatischen Küstenlande Anhydrittäfelchen. Ein solches
Anhydrittäfelchen zeigt Fig. 1.
Was die Phosphorsäure betrifft, so glaube ich, daß sie von
1 Annales geol. d. 1. Penins. balcanique. 6. H. 2. p. 615.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913. 43
674
Fr. Tucan,
Apatit lierrührt, welchen ich öfter im unlöslichen Rückstand und
in der Terra rossa fand. Fig 2 gibt uns ein Apatitkriställchen
aus der Terra rossa von Grobnicko polje (kroat. Küstenland).
Fig. 1. Ein Anhydrittäfelchen aus
dem unlöslichen Rückstände eines
Kalksteines von Bakarac im kroa-
tischen Küstenlande. Vergr. 127.
Fig. 2. Ein Apatitkriställchen aus
der Terra rossa von Grobniöko
polje im kroatischen Küstenlande.
Vergr. 127.
Daß die Titansäure von Titanmineralien, hauptsächlich vom
Rutil, stammt, brauche ich nicht zu beweisen, da diese Minerale
regelmäßig im Bauxit Vorkommen. Man braucht nur Bauxit in
Fig. 3. Zirkonkriställchen im unlöslichen Rückstände eines Bauxits von
Grgin brijeg im Velebit. Bauxit gelöst in Fluorwasserstoffsäure (und
Schwefelsäure). Vergr. 133.
HF aufzulösen, um zu sehen, daß der Rutil ein regelmäßiger Bestand-
teil dieses in HF unlöslichen Rückstandes ist.
Daß die Meinung, Bauxit sei „eine homogene und isotrope
Masse“, unberechtigt ist, zeigt uns schon Fig. 3. Ich verfertigte
Zur Kenntnis des mehligen Siliciumdioxyds von Milna etc. 675
von einem Bauxit von Grgin brijeg (im Velebit) einen Dünnschliff,
u. d. M. jedoch sah ich nur eine gänzlich „homogene“ und isotrope
Masse. Auch als ich etwas von diesem Bauxit pulverte und davon
ein Präparat für die mikroskopische Untersuchung herstellte, sah
ich u. d. M. nur „homogenen“ und isotropen Sporogelit. Von
anderen Mineralen keine Spur ! Und doch blieb mir, als ich dieses
Pulver in HF (mit H2S04) löste, eine beträchtliche Menge von
Zirkon (siehe Fig. 3). Auch die chemische Analyse zeigt, daß
in diesem Bauxit Zirkonsäure vorkommt. Wäre denn die Behauptung,
daß diese Zirkonsäure im Bauxit adsorbiert sei, nur deshalb
begründet, weil sich u. d. M. „eisenreiche Bauxite als eine voll-
kommen homogene und isotrope Masse erweisen?“ Nein, denn
wir können auf optischem Wege, ich betone es noch-
mals, nicht immer konstatieren, ob eine Substanz
homogen ist oder nicht1.
Was die Identität der Terra rossa und des Bauxits betrifft,
an welcher Identität Lazarevic zweifelt, behaupte ich, daß nach
solch deutlichen Beweisen, wie ich sie in meiner Arbeit über
Terra rossa und Kispatie in seiner Arbeit über Bauxite veröffentlichte,
es nicht nötig ist noch weiter darüber zu verhandeln.
Zagreb (Agram) Min.-petrogr. Institut, 1913.
1 Etwas Analoges erwähnt A. G. Miele (Über die Halit- und Sylvin-
mischungen der vesuvischen Fnmarolen. Rendiconte R. Accad. Szienze
Fis. Mat. die Napoli 1910. p. 235.), welcher fand, daß von acht sein-
schönen, wasserhellen, anscheinend vollkommen homogenen Sylvinkristallen,
fünf Kristalle nur nicht mit Sicherheit bestimmbare Na Cl-Spuren, während
die drei anderen 3,1 °/o, 4,3 °/o und selbst 8,1 °/o Na CI enthielten. Um fest-
zustellen, ob das Natriumchlorid in den erwähnten Kristallen gelöst oder
nur sehr fein beigemengt war, bereitete Miele eine Mischung von Bromoform
und Toluol mit dem spez. Gewicht 2,10, welches zwischen dem des Na CI (2,17)
und des K CI (1,99) liegt. Das Pulver der drei Kristalle wurde in der
Flüssigkeit eingetragen und immer fiel eine kleine Menge Pulver zu
Boden. Ihre Prüfung zeigte, daß es aus reinem Natriumchlorid bestand.
Es zeigte sich also, daß die untersuchten Kristalle, trotz
ihres homogenen Aussehens, das Natriumchlorid nur als
sehr feine mechanische Beimischung enthielten. (Aus dem
Referat Zambonini’s in Zeitschrift für Kristallographie und Mineralogie.
52. p. 317.)
43*
676
E. Geinitz. — K. Endeil.
Zur Verdeutschung des Wortes „Drumlin“.
Von E. Geinitz in Rostock.
In der norddeutschen Diluviallandschaft sind besonders in der
Nähe der Endmoränen Drumlins häutig. Ihr Auftreten hatte auch,
ehe man ihre Natur erkannt hatte, bereits zu der Bezeichnung
„bucklige Welt“ Veranlassung gegeben. Ich hatte sie (dies. Central-
blatt 1912. p. 165) unter dem 2. Januar 1912 als „Rückenberge“
bezeichnet, während J. Korn (Jalirb. preuß. geol. Laudesanst. 34. I.
p. 191) unter dem 8. März 1913 die Bezeichnung „Schildrücken“
vorschlägt. Von Interesse war mir kürzlich, als ich derartige Hügel
mit dem plattdeutschen Ausdruck „Drüminel“ bezeichnen hörte.
Man nennt mit dem Worte Drümmel hierzulande einen „Haufen“,
der sich abhobt (ein Drümmel von Buschwerk, auch ein Drümmel
tierischer Exkremente). Offenbar liegt hier eine sprachliche Ver-
wandtschaft des niederdeutschen Wortes mit dem englischen vor
und es würde sich hiernach rechtfertigen, wenn wir das deutsche
Urwort „Drümmel“ als Bezeichnung für unsere „drumlins“ an-
wenden würden. Eiickenberg (im Gegensatz zu Wallberg, Os)
und Schildrücken sind zwar auch treffende Bezeichnungen, wenn
man aber wünscht, den bereits eingebürgerten Terminus Drumlin
beizubehalten, so würde unser „Driimmel“ einen glücklichen Kom-
promiß darstellen.
Rostock, 15. September 1913.
üeber die Entstehung tertiärer Quarzite bei Herschbach im
Westerwald.
Von K. Endell in Berlin.
Die geologische Lagerung und mineralogische Konstitution
tertiärer Quarzite wurden von A. Plank 1 für hessische und rheinische,
von W. Schübel1 2 für sächsische Vorkommen beschrieben. Da diese
Quarzite meist in ihrer Lagerung gestört und in lose Blöcke auf-
gelöst sind, kann über die Art ihrer Entstehung nichts Sicheres
ausgesagt werden. In Westdeutschland heißen sie daher auch
Findlingsquarzite, in Sachsen Knollensteine In den seltenen Fällen,
wo sie als feste Bänke anstehen, werden sie gewöhnlich von Ton
überlagert und gehen im Liegenden in Sand über. In Sachsen
befinden sich häufig Braunkohlenflöze über den Tonen bezw. Quar-
ziten. Auf Grund dieser Lagerungsverhältnisse wird von den ge-
1 A. Plank, Petrographisclie Studien über tertiäre Sandsteine und
Quarzite. Diss. Gießen. 1910. p. 1—43.
2 W. Schübel, Über Knollensteine und verwandte tertiäre Verkiese-
lungen. Zeitschr. f. Naturw. 83. 1911. p. 161 — 196.
K. Endell. lieber die Entstehung tertiärer Quarzite etc. 677
nannten Forschern angenommen, daß aus überlagernden Silikat-
gesteinen infolge von Zersetzung freiwerdende Alkalisilikatlösungen
von oben her in Sand infiltriert wären nnd diesen verfestigt hätten.
Wenn auch der analytisch-chemische Nachweis an einem geeigneten
Profil bisher nicht erbracht wurde, so hat doch diese Bildungsart
sehr viel Wahrscheinlichkeit für sich. Daß kohlensäurehaltige
Wässer aus feldspatführenden Gesteinen Kieselsäure und Alkalien
herauslösen, ist durch die Versuche von G. Forchhammer (1835),
J. J. Ebelmen (1845), W. B. und R. E. Rogers (1848), G. Bischof
(1854), D. H. Rogers (1858), R. Müller (1877), G. P. Merrill
(1897) und vielen anderen1 bewiesen und mit Ton- bezw. Kaolin-
entstehung in Zusammenhang gebracht worden2. Die zur Zer-
setzung der Silikatgesteine notwendige Kohlensäure ist sowohl in
den Atmosphärilien als auch in möglichen Moorwässern vorhanden.
Unter der liebenswürdigen Führung von Herrn Dr. Fuchs-
Bendorf konnte ich die tertiären Quarzite bei Herschbach im
Westerwald studieren, die dort an primärer Lagerstätte
liegen. Da die an günstigen Profilen gewonnenen Schlüsse, die
durch chemische Analysen wirksam unterstützt wurden, die Ver-
mutungen Plaxk’s und Schubel’s bezüglich der Entstehungsart
tertiärer Quarzite rechtfertigen, so seien sie kurz mitgeteilt. Die
1 G. Forchhammer, Pogg. Ann. 35. 1835. p. 331 ; J. J Ebelmen, Ann.
d. Mines. 4. Ser. 7. 1845. p. 45 und ebenda 12. 1847. p. 627 ; W. B. und
R. E. Rogers, Am. Journ. Sei. 2. Ser. 5. 1848. p. 401 ; G. Bischof, Chem.
u. Phys. Geol. 1. 1854. p. 61; D. H. Rogers, Geol. Surv. of Penns. Rept.
1858. p. 700; R. Müller, Min. Mitt. 1877. p. 31; G. P. Merrill, Rocks,
Rock Weathering and Soils. 1897. p. 234, neue Ausg. 1906, worin sich
weitere Literatur findet.
2 Eine Durchsicht der sehr zahlreichen Literatur und der Analysen
frischer und tonig zersetzter Gesteine desselben Fundortes zeigt, daß
bereits seit mehr als 20 Jahren die Tonentstehung aus Sili-
katgesteinen, auch rein analytisch, ziemlich genau unter-
sucht ist. Diese in großer Anzahl vorliegenden älteren Arbeiten wurden
von H. Stremme, der 1908 (Zeitschr. f. prakt. Geol. 16. 1908. p. 251 — 254)
die etwas in Vergessenheit geratene Kohlensäuretheorie der Kaolinisierung
wieder aufgriff, (wohl aus Unkenntnis) nicht erwähnt. Auch auf den von
H. Stremme oft betonten genetischen Zusammenhang von Kaolinen mit
Mooren (der nebenbei bemerkt für die meisten, z. T. recht ausgedehnten
nordamerikanischen Kaoliulagerstätten nicht zutrifft, vergl. H. Ries, N. C.
Geol. Surv. Bull. 13. 1897. p. 60. undWisc. Geol. Surv. Bull. 15. 1 9061 ist
bereits von E. Mitscherlich (Lehrb. d. Chem. I. 1. 1835. p. 140), F. Hoch-
stetter (Sitzber. d. Akad. Wiss. Wien. 20. 1856. p. 13), A Julien (Am.
Assn. Adv. Sei. Proc. 28. 1879. p. 311 — 410) und besonders von E. Ramann
(Bodenkunde. 1905) hingewiesen worden. Hinsichtlich des nach dem eben
Gesagten abzulehnenden Prioritätsanspruches des Herrn Stremme vergl.
auch die scharfe Zurückweisung, die A. Himmelbauer (Fortschr. d. Min. 3.
1913. p. 38) veröffentlicht hat.
678
K. Endeil,
hier angenommene Dynamik der Quarzitentstehung ist voraus-
sichtlich von allgemeinerer Bedeutung.
Die untersuchten Quarzitbrüche liegen etwa 1 km westlich
des Ortes Herschbach. An verschiedenen Stellen aufgenommene
Profile lassen sich folgendermaßen schematisch wiedergeben.
Schematisches Profil des Quarzits bei Herschbach.
a) 2,3 m diluvialer Sand.
b) 1 „ braunrotes, tonig zersetztes Eruptivgestein.
e) 0,1 — 0,4 „ grünlicher Ton.
d) 0,05 „ brauner Streifen.
e) 0,2— 0,3 „ bröckliger Quarzit, übergehend in
f) 0,5 — 4,0 „ Quarzit, feste Bank, iikergehend in
g) Liegendes reiner Sand.
Herr Dr. Fuchs
war so
liebenswürdig, Proben
von b), c),
e), f) analysieren zu
lassen.
Die Analysen ergaben
folgendes :
b
c
e
f
Si02
56,73
63,14
95,01
98,36
AI2O3
23,32
23,16
4,60
1,06
Fes03.
16,22
8,70
0,55
0,36
CaO
1,29
1,19
—
—
Mg 0 -(- Alkalien \
als Differenz /
2,44
3.81
—
—
Summe ....
100,00
100,00
100,16
99,78
Glühverlust . .
18,56
15,90
1,70
0,22
Die Mächtigkeiten des Profils wechseln stark, einzelne Schichten
fehlen manchmal auch
ganz.
b) und c)
entsprechen
wohl einem
der in der Umgegend zahlreich vorhandenen Eruptivgesteine, die
unter dem Einfluß von kohlensäurehaltigen Wässern, vielleicht
Braunkohlenwässern, in roten bezw. grünlichen Ton umgewandelt
sind. Die vom Verf.1 früher untersuchten, unter Braunkohlen zer-
setzten Basalte des Vogelsberges haben ein analoges Aussehen und
ähnliche chemische Zusammensetzung. Bemerkenswert ist besonders
die Fortführung der Alkalien als Silikatlösung, die in den an-
stehenden frischen Eruptivgesteinen leicht 8 — 1 0 °,/o ausmachen2.
Einzelne stark zersetzte Mineralien des ursprünglichen Gesteins
wie Augit und Feldspäte sind im Ton noch zu erkennen. Braun-
kohlen finden sich allenthalben im Westerwald und sind an dieser
Stelle möglicherweise bereits erodiert. Von anderen Stellen wird
öfters das Zusammenvorkommen von Findlingsquarziten bezw.
Knollensteinen mit Braunkohlen beschrieben. Da infolge der redu-
1 K. Endell, N. Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXI. 1910. p. 1 — 54.
2 Vergl. die Analysenzusammenstellung von Eruptivgesteinen aus
dem Westerwald bei H. Schneiderhöhn, Jahrb. K. preuß. geol. Landes-
anstalt 1909. II. p. 307.
Ueber die Entstehung tertiärer Quarzite etc.
679
zierenden Wirkung der Kolilensäurewässer die Eisenverbindungen
des zersetzten liegenden Gesteins stets in der Oxydulform auf-
treten und daher grün sind, so wird die rote Farbe des darüber
lagernden Tones auf nachträgliche Oxydation zurückzuführen sein.
Der erheblich höhere Eisengehalt des braunen Tones dürfte mit
der geringeren Löslichkeit der Eisenoxydverbindungen Zusammen-
hängen.
Darunter findet sich ein stark bröckliger Quarzit, der stetig
in stahlharten Quarzit mit muschligem Bruch übergeht. Dieser
muß hier häufig mit Dynamit gesprengt werden. Der feste Quarzit
geht wieder stetig in reinen Sand über. An einer Stelle war über
dem liegenden Saud noch eine etwa 0,1 m dicke Braunsteinschicht
vorhanden. Analoge Profile konnte ich an mehreren Stellen be-
obachten, während an anderen die festen Quarzite in loses Block-
werk aufgelöst waren.
Über die Art der Entstehung dieser Quarzite lassen
sich ans der geologischen Lagerung und den chemischen Analysen
folgende Schlüsse ziehen. Die Verkieselung der Sande zu Quarzit
hat von oben nach unten stattgefunden. Die zur Verkieselung
notwendigen Mengen Kieselsäure wurden als Alkalisilikatlösungen
zngeführt, die durch Kohlensäurewässer aus den überlagernden
Eruptivgesteinen herausgelöst waren. Die Eruptivgesteine wurden
dabei gleichzeitig in fast alkalifreie Tone umgewandelt. Die
Alkalisilikatlösungen drangen in den liegenden Sand ein. Nach-
diffundierende Kohlensäure füllte die Kieselsäure als Gel und ent-
führte die Alkalien in Form von Alkalicarbonaten. Die zurück-
bleibende Kieselsäure hat sich dann im Lauf der Zeit infolge von
Innenschrumpfung1 und Kristallisation verfestigt und als Zement
die Sandkörner eingebettet. Die Mächtigkeit der Quarzite
würde dann der Reichweite der Infiltration der
Alkalisilikatlösungen entsprechen.
Einen ähnlichen Gedankengang bezüglich der Entstehung der
Braunkohlenquarzite verfolgte bereits 1889 C. Simon2, der folgendes
lehrreiche Experiment anstellte. „Pulverisiert man .Kasseler Braun1,
d. i. braunkohlige Humusstoffe zusammen mit Quarzsand und über-
gießt das Gemenge auf einem Filter mit reinem Wasser, so tropft
dieses kristallhell und ohne die mindeste Färbung durch, fügt man
aber dem AVasser etwas kieselsaures Alkali , z. B. aufgelöstes
Wasserglas hinzu, so färbt sich das Filtrat sofort intensiv braun
unter gleichzeitiger Ausscheidung von amorpher Kieselsäure (wohl
infolge der sich entwickelnden stärkeren Kohlensäure. K. E.),
1 Dieser von R. E. Liesegang (Kolloid-Zeitschr. VII. 1910. p. 307)
geprägte Ausdruck ist in seinem Buch : Geologische Diffusionen, 1913.
p. 101 und 132, näher erläutert.
2 C. Simon, Entstehung von Quarziten der Braunkohlen formation.
Bericht d. Vereins f. Xaturk. zu Kassel. 1889. p. 86 — 88.
680 K. Endeil, Ueber die Entstehung tertiärer Quarzite etc.
welche an Stelle des sich auflösenden Kasseler Brauns tritt und
zwischen den Sandkörnern zurückbleibt, diese verkittet und so
Quarzit bildet.“ Simon nimmt an, daß die zur Quarzitbildung
notwendigen Alkalisilikatlösungen aus zersetzten feldspatreichen
Gesteinen stammen, in bituminöse Sande einsickern und die obigen
Wirkungen hervorbringen. Ob die zur Ausfüllung der Kieselsäure
aus den Alkalisilikatlösungen erforderliche Kohlensäure liinzn-
diffundiert ist oder aus bereits vorhandenen Humusstoffen frei-
gemacht wurde, läßt sich jetzt schwerlich entscheiden.
Die Quarzite von Herschbach entsprechen u. d. M. vollkommen
den von A. Plank beschriebenen Zementquarziten. Z. T. korrodierte
Quarzkörner lagern in einem sehr feinen kieseligen Zement, dessen
mineralogische Natur mikroskopisch nicht aufgelöst werden kann.
Färbt man uneingedeckte Schliffe mit wässeriger Fuchsinlösung,
so nimmt nur der Zement, gerade so wie Chalcedon, den Farb-
stoff an und behält ihn auch nach zwölfstündigem Auswässern.
Aus dem zwischen den Sandkörnern ursprünglich vorhandenen
Kieselsäuregel ist vermutlich im Laufe der Zeit auf dem Wege
über Opal Chalcedon oder faseriger Quarz entstanden. Die
mineralogische Konstitution steht also mit der ange-
nommenen geologischen Bildungsart in Einklang.
Diese tertiären Zementquarzite von Herschbach sind für
die feuerfeste Industrie von großer Bedeutung. Aus ihnen
werden die besten ca. 96 — 97°/o Si02 enthaltenden Silikasteine
angefertigt, die zur Auskleidung der heißesten Stellen der Siemens-
Martin-Stahlöfen dienen. Die körnigen, devonischen Coblenzquarzite
eignen sich trotz gleicher chemischer Zusammensetzung dafür nicht,
da bei ihnen die Umwandlungsgeschwindigkeit des Quarzes in Cri-
stobalit und Tridymit oberhalb 1000° zu gering ist. Auf diese
Verhältnisse bin ich an anderer Stelle ausführlich eingegangen1.
Dort wird auch auf Grund der neuesten Untersuchungen 2 ein Zu-
standsdiagramm des Kieselsäureanhydrids gegeben, dessen stabiles
575° ca. 900° ca. 1470°
Schema: a- Quarz Quarz ^ ^^-Tridymit^ ^ /J-Cristobalit >-
1685 0
>- Si02-amorph gerade in den monatelang hohen Temperaturen
ausgesetzten Silikasteinen realisiert wird3.
Berlin, Eisenhüttenmännisches Laboratorium der Technischen
Hochschule, Juli 1913.
1 Stahl und Eisen 1913.
2 Iv. Enijell und R. Rieke, Zeitschr. f. anorg. Chem. 79. 1912.
p. 239 — 259 und C. N. Fenner, Journ. Washington Acad. 1912. p. 471—480.
3 Vergl. dazu die Abbildung 7 meines Aufsatzes in Stahl und Eisen.
1912. p. 392—397.
Fr. Noetling, Die Packung losen Sandes.
681
Die Packung losen Sandes.
Von Fritz Noetling in Hobart (Tas ).
Im 8. Hefte dieser Zeitschrift linden sich zwei Aufsätze, deren
einer eine merkwürdige Illustration des andern ist. Ich meine
Herrn Monsen’s Mitteilung „Über die Packung tertiärer, diluvialer
und rezenter Sande“, und Herrn Semper’s Aufsatz: „Zur eocänen
Geographie des nordatlandischen Gebietes“. Mit den vergleichenden
Details will ich mich hier nicht befassen, das überlasse ich dem
Leser, wohl aber möchte icli Herrn Monsen’s Ansichten etwas
näher betrachten. Herrn Monsen’s Aufsatz ist wohl als eine „vor-
läufige“ Mitteilung zu betrachten; obschon der Verf. dies nicht
direkt sagt, so geht dies doch aus dem Sinne hervor. Mit einer
vorläufigen Mitteilung soll man zwar nicht allzuscharf ins Gericht
gehen, denn der Verf. reserviert sich das Hecht, seine Ansichten
vor Abschluß der endgültigen Arbeit noch erheblich zu modifizieren.
Immerhin wenn die auf Seite 245 ausgedrückten Ansichten als
das Endresultat der Untersuchungen anzusehen sind, so muß man
noch viel eingehendere Begründungen abwarten, als die Mittelwerte
des Porenvolumes, bevor man dieselben endgültig akzeptieren kann1.
Ich habe mich Ende der achtziger Jahre bereits mit der
Packung losen Sandes beschäftigt, als ich gelegentlich meiner
Untersuchung des Petroleumvorkommens in Birma die Quantität
Petroleum zu bestimmen suchte, die sich theoretisch in einem ge-
gebenen Volum losen Sandes befinden kann. Hierbei wurde von
etwaiger Absorption abgesehen und nur die Quantität, welche sich
zwischen den einzelnen festen Mineralkörnern finden könnte, zu
bestimmen gesucht. Leider sind andere Arbeiten dazwischen ge-
kommen und die Arbeit blieb liegen. Ich kam nur so weit, als
ich feststellte, daß theoretisch bei losester Packung die Zwischen-
räume oder Poren 47,5 °/o, bei denkbar festester Packung 25,9 °/0
des Gesamtvolumens betrugen, wobei, und das ist der wichtigste
Punkt, das prozentuale Gesamtvolum der Zwischenräume sich immer
gleich blieb, von welcher Größe auch die einzelnen Körner waren,
vorausgesetzt, daß alle regelmäßig und von gleicher Größe waren.
Theoretisch ist also das Gesamtvolum der Zwischenräume (Porosität)
einer Volumeinheit ufernahen groben Gerölles von, sagen wir 2 cm
Durchmesser, die gleiche wie die eines uferfernen Sandes von
0,2 mm. Aus der Packung, d. h. aus der Bestimmung des Poren-
volumens, wäre demnach nicht so ohne weiteres zu schließen, ob
die betreifende Ablagerung der ufernahen Litoralzone angehört
oder nicht.
Nun liegt zwischen den beiden theoretischen Grenzen von
25,9 ° o und 47,5 °/o ein weiter Spielraum, und selbst der Mittel-
wert 36,2 °/o ist wenig zufriedenstellend (das Gesamtmittel aus
1 Die „uferferne“ Litoralzone ist wohl ein Druckfehler.
682
Fr. Noetling, Die Packung losen Sandes.
Monsen’s 17 Beobachtungen ergibt 39,1 °/0 , eine Zahl, die dem
theoretisch errechnten Mittelwerte allgemein sehr nahe kommt).
Allein in der Natur haben wir es wohl schwerlich irgendwo mit
Körnern zu tun, die alle von genau gleicher Größe sind. Wie
die mechanischen Bodenanalysen hinlänglich genug beweisen, so
sind Körner oft von recht verschiedener Größe in einem
scheinbar sehr homogenen Sande vorhanden.
Nun hat in der Zwischenzeit Warrington 1 weitere Unter-
suchungen ausgeführt und bewiesen , daß , wenn bei theoretisch
engster Packung die Zwischenräume durch eine andere Anzahl
Kugeln von geringerem Durchmesser als die primären ausgefiillt
würden, diese auf 6,7 °/o des Gesamtvolumens reduziert würden,
und wenn dieser Prozeß nur noch einmal wiederholt würde, so
würden die Zwischenräume auf 1 , 7 °/0 reduziert. Mit andern
Worten, 1000 ccm eines derartigen Sandes würden theoretisch
nur 17 ccm Wasser enthalten, während dieselben 475 cbm
enthalten würden, wenn sie aus durchaus gleichartigem Material
beständen. Da wir es aber in der Natur sicherlich mehr mit
Material, das nach erstem- als nach letzterer Art zusammengesetzt
ist, zu tun haben, so ist das ein Faktor, der sehr zu berück-
sichtigen ist. Namentlich bei theoretischen Untersuchungen. Ferner
hat Warrington nachgewiesen, daß die Quantität Wasser, die
im Boden zurückgehalten wird, von der Größe der
einzelnen Partikelchen abhängt, aber nicht von der
Größe der Zwischenräume. Also je kleiner die Partikelchen,
um so mehr Wasser vermag der Boden aufzusaugen und zurück-
zuhalten. Diese Beobachtung ist übrigens nicht neu und
bereits im Jahre 1840 durch den Rev. W. L. Rham of Winklield
gemacht wurden1 2. Ob dies tatsächlich die älteste Beobachtung
ist, vermag ich mangels einschlägiger deutscher Litteratur nicht
zu sagen. Ich erwähne dies nur deswegen, damit mir nicht irgend
jemand triumphierend Litteraturunkenntnis vorwirft. An sich ist
es ja auch unwichtig, wer zuerst auf diese Eigenschaft des Bodens
aufmerksam gemacht hat , es genügt . daß diese seit nahezu
75 Jahren bekannt ist.
Daraus kann man schließen, daß, wenn Monsen bei frisch
aufgewelitem Dünensand ein Poreuvolum von 46 °/o findet, das also
dem theoretischen Maximum ungemein nahekommt, daß entweder
alle Sandkörner fast genau gleich groß sind, oder daß der Dünen-
sand aus ungemein feinen Partikeln besteht, die eine große
Quantität Wasser zurückhalten. Eine gewisse Bestätigung dieser
Tatsache findet man in Monsen’s Zahlen selbst ; die groben Sande
haben, mit Ausnahme des vom Zipfelberge, ein geringeres Poren-
1 Lectures on Some of the Phjrsical Properties of Soil. 1900.
2 An Essay on the Simplest and Easiest Mode of Analysing Soils.
Roy. Agric. Soc. 1840. I. p. 46
G. Thiel, Ueber das Vorkommen von Kohlensäure in Kohlenflözen. 683
volum, als die feinen Diinensande, und selbst bei den letzteren wird
man bemerken, daß am Fuß der Düne, wo naturgemäß das gröbere
Material liegt, das Porenvolum geringer ist, als höher hinauf, wo
sich der feinere Sand flndet.
Herr Monsen muß noch weitere gewichtigere Beweise bei-
bringen, bevor seine Angabe, daß marine Sande, die nicht der
(uferfernen) Litoralzone angehören, fester gepackt sind, als solche
der Litoralzone. Das gleiche gilt für die Süßwasserablagerungen.
Zum allermindesten müssen seine Untersuchungen des Porenvolumens
durch eine mechanische Analyse des betreffenden Materiales unter-
stützt werden, denn nur so lassen sich die einzelnen Sandarten
miteinander vergleichen.
Einen Schluß aus dem ursprünglichen Porenvolum von Sand-
steinen, über deren Entstehung als küstennahe oder küstenferne
Ablagerungen machen zu wollen, halte ich für durchaus verfehlt.
Wenn der Lablatus- Quader ein Porenvolum von 38,6 °/0 besitzt,
und der Quader von Dohna nur 32,7 °/0, so beweist das doch nur,
daß ersterem wahrscheinlich eine größere Zahl von kleineren
Körnern beigemengt sind als letzterem. Durch diese wird bei
ersterem die Fähigkeit, eine größere Quantität von Wasser, als
bei letztem zurückzuerhalten, hervorgerufen.
Herrn Monsen’s mühevollen Untersuchungen scheinen mir nichts
weiter als ein anderer Beweis des alten Erfahrungssatzes , daß
küstenferne Ablagerungen feinkörniger sind als küstennahe, zu sein.
Eines endgültigen Urteiles über dieselben will ich mich vor-
läufig enthalten, namentlich da mir die Methode, nach welcher er
die Porosität bestimmt hat, nicht bekannt ist. Verdienstlich sind
ja solche Untersuchungen immerhin, aber um mit Semper zu reden :
Tatsachen einerseits und Schlüsse, die zur Hälfte Hypothesen als
Prämissen haben, erfordern wissenschaftlich eine ganz verschiedene
Behandlungsweise.
Ueber das Vorkommen von Kohlensäure in Kohlenflözen.
Von Bergassessor Dr.-Ing. 6. Thiel.
Im Anschluß an die Besprechung der Arbeit des Herrn Dr.
Bruno Müller „Die Kohlenflözbildung als natürlicher Konser-
vierungsvorgang“ (N. Jahrb. f. Min. etc. 1913. II. p. 315) möchte
ich noch einige Bemerkungen vom bergmännischen und geologischen
Standpunkte beifügen :
Verf. berichtet von der irrigen Ansicht Gintl’s, der die
Kohlensäure des berühmten Biliner Sauerbrunnens von Kohlen-
flözen ableitet. Obgleich ich dieser Ansicht, die übrigens schon
früher in ähnlichen Fällen vertreten wurde (Liebig leitet die
Kohlensäure der Kohlensäurequellen der Wetterau ebenfalls aus
Kohlen — Braunkohlen — her, siehe Organ. Chem. 1841. p. 300),
684
G. Thiel,
ebenfalls scharf entgegentrete, möchte ich anderseits davor warnen,
alle Kohlensäure, die man in Stein- und Braunkohlengruben findet,
als aus dem Erdinnern stammend anzusehen. Die Kohlensäure
enthaltenden schweren Wetter der Steinkohlenbergwerke bilden
sich teilweise durch Oxydation der Steinkohle in alten Bauen ;
teilweise mag auch die Ausdünstung der gewöhnlich nur geringe
Mengen von Kohlensäure (2—20 ccm in 1 00 g) enthaltenden Kohle zur
Verschlechterung der Wetter beitragen. Nur örtlich und da, wo man
einen Zusammenhang von Kohlensänre-Exhalationen mit den Flözen
feststellen kann, sollte man von einem ursächlichen Zusammenhang
von Kohlensäuregehalt der Flöze und Kohlensäure-Exhalationen
reden. Natürlicherweise wird die nötige Feststellung durch Vor-
handensein von Säuerlingen und Kohlensäurebläsern in Bergwerken
sehr erleichtert. Hier ist dann eben eine Identität der Orte der
Exhalationen mit den Stätten der Kohlenbildung erwiesen. Jedoch
bleibt dann wieder die Zeitfrage, die von Dr. Bruno Müller an-
geregte Frage nach der Einwirkung der exhalierten Kohlensäure
auf die Kohlenbildung offen. Es ist auch keineswegs nötig, daß
es die exhalierte Kohlensäure ist, welche die Kohlenbildung ge-
fördert hat. Kohlensäure bildet sich beim Koblungsvorgange des
Zellstoffs, also bei der Entstellung der Flöze selbst, nach der
Formel : C6 H10 05 -f H, 0 = 3 C H4 -j- 3 C 02. Diese Kohlensäure
allein könnte, indem sie auf den Mooren lagerte, den Kohlungs-
vorgang zu begünstigen leicht genügt haben. Jedenfalls steht
die Voraussetzung, daß überall Kohlensäure-Exhalationen an den
Orten und während der Bildung der Steinkohlenflöze stattgefunden
haben, mit den im Kohlenbergbau gemachten Beobachtungen in
entschiedenem Widerspruche. Weiterhin ist die vierte von Dr.
Bruno Müller in seiner Arbeit aufgeworfene Frage , ob auch
andere Anzeichen vorhanden sind, daß die Zeiten der Kohlenbildung
auch Zeiten starker Exhalationen juveniler Kohlensäure gewesen
sind und die Beantwortung dieser Frage von Interesse. Verf.
schreibt es dem starken Kohlensäuregehalt der Lagunen und Ge-
birgsbecken der Kohlenzeifen und ihrer Zuflüsse, sowie der starken
lösenden Wirkung des kohlensäurehaltigen Wassers zu, daß die
an den Gebirgsrändern aufgelösten und abgeschwemmten und so-
dann den Kohlenbecken zugeführten Materialien, soweit es Kalke usw.
waren, in Lösung blieben, während nur die unlösbaren Reste, Tone
und Silikate, zu Boden sanken. Daher beständen die Zwischen-
schichten der Flöze meist aus Ton und Sandstein, während die
gelösten Kalke (als Bicarbonate) in den Abflüssen dem Meere zu-
geführt wurden. In dem offenen Meere, das mit Kalk angereichert
wurde, habe sich daher eine überaus üppige Meeresfauna entwickeln
können. Daher sei auch zeitweise die Entstehung der orgauogenen
Meereskalke beschleunigt worden. So finde man im Carbon die
Familie der Fusuliniden mit ihren verhältnismäßig großen Formen,
lieber das Vorkommen von Kohlensäure in Kohlenflözen. 685
so im Tertiär (in der entsprechenden Zeit der Braunkohlenbildung)
die Nummuliten. So seien zu den Zeiten der Kohlenbildung, also
im Carbon und Tertiär, die Bildung der großen mächtigen Kalk-
ablagerungen des offenen Meeres zu erklären.
Wenn Verf. der Meinung ist, daß die Flöze meist in Tone
eingebettet seien und höchstens Sandsteine enthalten, so sei, nm
die Verallgemeinerung der in Teilen von Europa gemachten Be-
obachtungen zu verhindern, auf die großen Kohlenbecken des Donez
und des Innern Nordamerikas verwiesen, deren Mittel mächtige
and ausgedehnte Kalkbänke (Fusulinenkalk) bilden. Ferner ist zu
erwidern, daß die Kiesen fusuliniden nicht carbonisch, sondern post-
carbonisch sind, und daß die Nummuliten als Leitfossilien des
Eocäns lange vor der Zeit der großen miocänen Braunkohlen-
bildungen auftreten und ihr Wachstum wohl anderen als den an-
geführten Ursachen, vor allem wohl einem sehr geeigneten warmen
Klima, verdanken. Ferner hat der Verf. übersehen, daß die der
Kreidegrenze angehörige Laramie-Liburnische-Garumnische Stufe
der Vornummulitenzeit und die oligocän-miocäne Braunkohlenzeit
der Nachnummulitenzeit zuzurechnen ist. Hiernach hängt die Num-
mulitenzeit und die Braunkohlenbildung überhaupt nicht zusammen.
Auf die Unzulässigkeit, die Rolle von Nummuliten und Fusulinen
gleichzusetzen, sei hier schon deshalb hingewiesen, weil auch bei
der Erörterung des paläoklimatischen Problems die Verwechslung
der Rollen der Nummuliten und Fusulinen zu irrigen Schluß-
folgerungen Veranlassung gegeben hat. M. E. wird man durch
die Ausführungen des Verf.’s veranlaßt, eine kohlensäurereiche Zeit
in geologische Abschnitte teils vor teils nach der Bildung der
Kohlenlager zu verlegen, so daß die erwähnten Zeitabschnitte be-
nachbart wären, keinesfalls aber zusammenfielen. Für den Walden-
burger Steinkohlenbezirk glaube ich bestimmt annehmen zu müssen,
daß der Austritt der Kohlensäure aus dem Erdinnern zur Zeit der
tertiären Gebirgsbewegung und vielleicht auch der mittelrotliegenden
Porphyrausbrüche oder im Anschluß daran begonnen hat. Tertiäres
Alter ist auch den in dem Steinkohlengebirge festgestellten viel-
fachen Verwerfungen zuzusprechen, deren einige den exhalierenden
Kohlensäuregasen zum Austritt dienten und noch heute dienen und
die Ursache für die in einigen der dortigen Bergwerke vorkommen-
den Kohlensäuregasausbrüche bilden. Hierüber wird, wie schon
in der Besprechung bemerkt, demnächst in der Litteratur berichtet
werden. Wenn der Verf. somit auch in den einzelnen Punkten
m. E. nicht zu einwandsfreien Ergebnissen gelangt ist, so haben
doch seine Ausführungen das Verdienst, auf das behandelte Problem
hingewiesen zu haben , und sie werden auch weiterhin zu Er-
hebungen über die behandelten Fragen anregen.
Breslau, im Juni 1913.
686
J. Simionescu.
Megalosaurus aus der Unterkreide der Dobrogea (Rumänien).
Von J. Simionescu in Jassy.
Mit 1 Textfigur.
Die geologischen Verhältnisse der südlichen Dobrogea sind
ganz verschieden von denjenigen des nördlichen Teiles dieser trans-
danubischen Provinz Rumäniens '. Während in der nördlichen
Gegend (Distrikt Tulcea) die paläozoischen (teilweise Devon)
und triadischen Schichten vorherrschen und stark gefaltet sind,
ist die südliche Gegend (Distrikt Constantza) eine alte, aus sibi-
rischen grünen Schiefern gebildete Abrasionsfläche , auf welcher
schwach gefaltete, oberjurassische Schichten und kaum gestörte,
transgredierende , cretacische und tertiäre Ablagerungen ruhen.
Alle diese haben eine neritische Fazies.
An dem rechten Donauufer, bei Cernawoda und Cochirleni,
kommen ansehnliche, fast horizontal geschichtete Bänke von Unter-
kreide zum Vorschein. Die ganze sehr reiche Fauna dieser Schichten
besteht nur aus Steiukernen von Bivalven ( Diceras , Monopleura,
Ichthyosarcölithes ), Gastropoden ( Pterocera , Natica, Ncrinea), Bryozoen
und Korallen ; Brachiopoden und Echiniden sind spärlich vertreten,
während Cephalopoden (außer Nautilus pseudoelegans Okb.) ganz
fehlen. Nach Macovei1 2 gehört die ganze Schichtenserie, die mehr
als 100 m dick ist, der Valendis- und Barreme-Stufe an.
In den gelblichweißen mergeligen Kalksteinen der oberen
Schichten von Cochirleni, in der südlichen Nähe von Cernawoda,
welche dem Barrennen zuzuzählen wäre, wurden bis jetzt die
einzigen Wirbeltierreste g'efunden, und zwar ein Unterkieferfragment
von Coclodus und der hier beschriebene Zahn von Megalosaurus.
Die mit Schmelz bedeckte Zahnkrone erreicht eine Länge von
0,09 m und eine Breite von 0,029 m. Von der Zahnwurzel ist
nur ein kleines Stück erhalten. Die Form des Zahnes ist der-
jenigen einer Kopuliermesserklinge sehr ähnlich, weil nur die vordere
Seite stärker gekrümmt ist, während die hintere geradlinig und
nur unten wenig konkav ist. Der Zahn ist seitlich gedrückt mit
scharfer Vorder- und Hinterseite. In der Halsregion ist aber die
Vorderseite mehr abgeflacht, so daß hier der Querschnitt oval
erscheint. Die Oberfläche ist glänzend, ohne bemerkbaren Längs-
streifen ; längs der hinteren Kante sieht man aber zahlreiche sichel-
förmige, schwache Querfalten. Nur in der Halsregion durchzieht
eine solche Falte die ganze Breite des Zahnes. Die Vorder- und
1 J. Simionescu, Le neocretace de Babadag in Bull. d. 1. section scient.
de lAcadömie Roumaine. 2. No. 2. 1913.
* G. Macovei, La göologie de la Dobrogea meridionale in C. R. de
l'Institut geologique de la Roumanie. 2. 1913.
Megalosaurus aus der Unterkreide der Dobrogea (Rumänien). 687
Hinterseite sind sein- fein gezähnt. Die Zacken sind vorne zahl-
reicher (30 auf 1 cm) als hinten (24 auf 1 cm), wo sie aber
gröber sind. Sie steigen bis zum Zahnhalse ab.
Es ist natürlich sehr schwer, nach einem einzigen Zahne die
Artbestimmung durchzuführen. Megalosaurus Bucklandi, die ver-
breitetste Art in Europa, besitzt Zähne, die in ihrer vollen Ent-
wicklung viel gekrümmt gegen die Spitze und kleiner sind. Nach
den Angaben von Huxi.ey und Owen (Quaterly Journal. 25. p. 313
und 39. p. 338) hat der größte Zahn eine Krone von nur 0,068 m
Länge. Pictet und nach ihm Sauvage nehmen als ein spezifisches
Kennzeichen an, daß die Zacken der Vorderseite nicht weit von
der Spitze endigen (vergl. auch Zittel, Paläontologie. 1911.
p. 282. Fig. 426).
Fig. 1.
Megalosaurus cf. superbus Sauv. Unterkreide von Cochirleni (Rumänien)
(Regional-Museum von Harschowa).
Viel größere Ähnlichkeit besitzt der hier beschriebene Zahn
mit demjenigen, welchen Sauvage 1, als dem Megalosaurus superbus
Sauv. angehörend, abbildete. Beide haben dieselbe Form, Länge
und feine Zacken, die bis in die Halsregion absteigen.
Im allgemeinen stimmt die hier angegebene Figur vollkommen
überein mit Fig. 3 (PI. II) aus der erwähnten Arbeit, mit dem
einzigen Unterschied, daß der Zahn von Louppy schlanker, während
der von Cochirleni etwas breiter — bei derselben Länge — ist.
Interessant ist aber nicht die Artbestimmung, sondern das Vor-
handensein von einem Vertreter der Dinosauriergruppe in der Unter-
kreide Rumäniens, und daß der Verbreitungsraum des Megalosaurus
dadurch um eine neue Lokalität größer wird.
1 II. Sauvage, Recherches sur les Reptiles trouvees dans le Gault
de Test du bassin de Paris. Mem. soc. geol. France. 3. Ser. 2. p. 10.
PI. II Fisr. 3.
688
Besprechungen. — Personalia.
Besprechungen.
C. Doelter: Handbuch der .Mineralchemie. 2.
2. Lieferung. Dresden bei Theodor Steinkopff. 1913. p. 161 — 320.
Mit 1 Tafel und zahlreichen Textfiguren, Tabellen und Diagrammen.
Diese Lieferung enthält: Chemisch-Technisches über Quarz-
glas von M. Herschkowitsch; für weitere Ergänzungen wird
auf die Nachträge am Schluß des 2. Bandes verwiesen. Chalcedon
von H. Leitmeier; Achate von R. E. Liesegaxg; Tridymit
und Cristobalit von C. Doelter ; Kieselsäuren, All-
gemeines, von A. Himmelbauer; Kieselsäuren, künstlich dar-
gestellt von Gf. Tschermak; Opal nebst zwei Anhängen über
Tripelerde und Tabaschir, sowie Melanophlogit von
H. Leitmeier; Silikate, Einteilung von C. Doelter; Analysen-
methoden der Be-Silikate von f M. Dittrich:; Lithium-,
Natrium- und KaliumsiliKate, Beryllium- und
Magnesium Silikate von C. Doelter; Analysenmethoden von
Olivin und Hu mit von f M. Dittrich; Olivin von C. Doelter
und Humit gruppe von Hj. Sjögrex. Der zweite Band wird
die sämtlichen Silikate behandeln. Vom dritten Band ist bereits
die erste Lieferung erschienen. Max Bauer.
E. Weinschenk: Petrograpliisches Vademecum.
2. verbesserte Auflage. Freiburg i. Br. , Herder’sche Verlags-
handlung. 1913. 210 p. Mit 1 Tafel und 101 Textfiguren.
Die erste im Jahre 1907 erschienene Auflage ist in diesem
Centralblatt 1908, p. 20, besprochen worden. Die Einteilung ist
genau die gleiche geblieben, doch sind im einzelnen vielfach Ver-
besserungen nach dem neuesten Standpunkt der Wissenschaft zu
konstatieren. Dabei hat nur eine geringe Zunahme der Seiten-
zahl (um 2) stattgefunden, damit die Handlichkeit und der Ge-
brauch auf Exkursionen nicht gefährdet werde. Auch die Figuren-
zahl ist nur um 3 gewachsen. Erreicht wurde dies dadurch, daß
Zusätze durch Abstriche weniger wichtiger Stellen kompensiert
wurden. Das kleine Buch hat dadurch jedenfalls an Brauchbarkeit
gewonnen. Max Bauer.
Personalia.
Berufung: Prof. Dr. Franz Kossmat in Graz nach Leipzig
als Nachfolger von Prof. Stille.
F. W. Rüsberg, Ueber Augit und Wollastonit etc.
689
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Ueber Augit und Wollastonit in Hochofenschlacken.
Von F. W. Rüsberg in Münster i. W.
Bei Gelegenheit der Untersuchung einer größeren Zahl von
olivin- und melilithführenden Schlackenstufen 1 fand ich auch einige
augit- und wollastonitführende Stufen , über deren Untersuchung
ich im folgenden bei’ichte.
I. Augit.
• Die nachstehend beschriebenen Stufen von künstlichem Augit
verdanke ich Herrn Prof. Dr. Aulich in Duisburg. Sie entstammen
einem Siemens-Martin-Ofenbruch eines Duisburger Hüttenwerkes.
Die Stufen stammen von den verschiedensten Stellen des Ofen-
bruches und zeigen in ihrem äußeren Aussehen einige Verschieden-
heit voneinander. Aus diesem Grunde wurde auch eine gesonderte
Beschreibung der einzelnen Stufen vorgenommen.
Stufe 1. (No. 41 meiner Sammlung, No. R41 der Duis-
burger Hüttenschule.)
In einem Hohlraume sitzen eine Anzahl frei entwickelter,
glänzender Kristalle, welche eine Größe bis zu 4 mm erreichen.
Die Farbe der Kristalle ist braunrot mit einem violetten Schimmer.
Nur wenige, ganz dünne Kriställchen sind mit braunroter Farbe
durchscheinend. Die auftretenden Formen sind ooP(llO), ocPoo
(100), ooPco(OlO), P(Ill) und 2P(221). Alle Kristalle sind
nach der c-Achse gestreckt. Der Habitus der Kristalle ist teils
säulig, teils diinntafelig nach dem Klinopinakoid. Manche Säulen
zeigen infolge des Auftretens von ocP, ocPoc und ocPoo einen
scheinbar ditetragonalen Querschnitt. P und 2 P sind in manchen
Fällen gleichmäßig entwickelt, in den meisten Fällen dagegen ist
2 P stärker ausgebildet. Die Endflächen liefern im Goniometer
wenig gute Reflexe. Zwillingsbildung nach ocPoo ist sehr häufig.
Die Ebene der optischen Achsen ist die Symmetrieebene. Die
Auslöschungsschiefe auf dem Klinopinakoid beträgt ca. 50° im
stumpfen Winkel ß. In Schliffen nach dem Klinopinakoid war
Pleochroismus nicht wahrzunehmen. Prismatische Spaltbarkeit
tritt genau wie bei dem natürlichen Augit auf. Die Grundmasse,
aus der die Kristalle sich ausgeschieden haben, besteht zum größten
Teile aus Augit mit zahllosen Einschlüssen von Magneteisen, welches
in sehr schönen und scharfbegrenzten Oktaedern auftritt. Der
1 F. W. Rüsberg, Mineralog. -ehern. Untersuchungen an Olivin- und
Melilithkristallen in Hochofenschlacken. Diss. Münster 1912,
Central hl att f. Mineraloge etc. 1913 44
690
F. W. Riisberg,
Augit der Grundmasse ist mit lichtgelblichbrauner Farbe durch-
sichtig. An einzelnen Stellen finden sich Partien von saftgrünem
Augit.
Eine chemische Analyse ließ sich aus Mangel an Material
nicht ausführen. Soviel ließ sich aber qualitativ nachweisen, daß
wir es hier mit einem sehr eisenreichen, MnO führenden Augit zu
tun haben. Bereits beim Behandeln des Pulvers mit konz. Salz-
säure in der Kälte wurden bedeutende Mengen Eisen in Lösung
gebracht. Das spezifische Gewicht ist sehr hoch. Ein an Ein-
schlüssen ziemlich freies Kristallsplitterchen sank in Methylenjodid
bei 5° C sehr rasch zu Boden.
Die Messungen im Reflexionsgoniometer ergaben die in der
Tabelle auf p. 691 verzeichneten Werte (die Größe der gemessenen
Kristalle betrug ca. ^ — 1 mm).
Stufe 2. (No. 66 meiner Sammlung, No. R 42 der Duis-
burger Hüttenschule.)
Die Stufe führt eine große Zahl von frei entwickelten Kri-
stallen von rostbrauner Farbe, welche eine Größe bis zu 1 cm
erreichen. An Begrenzungen treten in der Prismenzone ocP ( 1 10),
ooPco(lüO) und ooPoo (010) auf. Die Kristalle sind teils säulen-
förmig, teils tafelig, aber nicht wie die Kristalle der vorigen Stufe
nach dem Kliuo-, sondern nach dem Orthopinakoid. An Endigungen
finden sich an einigen sehr winzigen Kristallen P und 2 P, aber
fast stets skelettartig ausgebildet. Die einzelnen Kristallindividuen
sind vielfach palissadenförmig aneinandergelagert. Nur wenige,
ganz dünne Kriställclien zeigen Glasglanz und sind an den Kanten
durchscheinend. Die Ebene der optischen Achsen ist auch hier
die Symmetrieebene. Ein Kristall, nach der Tafelfläche an-
geschliffen, zeigt gerade Auslöschung. Im konvergenten polari-
sierten Lichte erhält man bei gekreuzter Stellung der Nicols den
Austritt eines Achsenpoles am Rande des Gesichtsfeldes. Pleo-
chroismus ist deutlich wahrnehmcar, und zwar ist b = rötlichbraun,
c = a = rötlichgelb.
An manchen Stellen hat eine Zersetzung des Augites be-
gonnen, denn man beobachtet vielfach eine Absonderung von Fe203
auf unregelmäßig die Kristalle durchziehenden Sprüngen. Pris-
matische Spaltbarkeit ist deutlich wahrnehmbar. Die Grundmasse
besteht aus meist grasgrün gefärbtem Augit mit zahllosen Magnet.it-
einschlüssen. An einigen Stellen treten in der Grundmasse neben
reichlichen Mengen Glas kleine leistenförmige Individuen eines
Minerals auf. Nach der stets auftretenden Zwillingsbildung und
dem optischen Verhalten scheint Plagioklas vorzuliegen.
Auch hier haben wir es mit einem außerordentlich eisenreichen
Augit zu tun. Qualitativ wurde ein bedeutender Eisengehalt nach-
gewiesen. In Methylenjodid sinken die Kriställchen bei 5° C rasch
zu Boden.
ooPoo, 1) = 00P00,
l’eber Augit und Wollastonit in Hochofenschlacken.
691
i 1 I
<M^
GM
zC
O*
a
I ^
I ?«
ID IC
co co
Ci o cm
GO
cT
i I I
Gvf
CM
00 lO
I I I I
X'
o
L—
T*
'I ~
CO
*-T 00
CM CM
> >
>
X X
CM
o
—f
CM
05
cT
CM
icT
er
S
cß
w
05
"3
c£)
?-•
£?
SJ
O
05 O
S 5o
05 CO CO
^ 25 o
^ ® o
<u
'S
O
9? Ci
<1
OJ
PQ
ic
S!
44*
Pyroxen (nach G. vom Rath) :
a : b : c = 1,09213:1 : 0,58931
fl = 74° 10'.
692
F. W. Rüsberg,
Nur ein einziger meßbarer Kristall von der Kombination
coP(llO), a2Poo(010), 2P (221) wurde gefunden. Er war durch
die starke Entwicklung einer Pinakoidfläche so stark verzerrt, daß
er hemimorph nach der b-Achse erschien.
b : m
m : m !
m : b
b : m
m : m
m : b
O
s
o
&
o
44' 15' l'J
ca. 91°
ca. 44°
44° 18.2' 13'j
91°32,5' 10'
44° 34,2' 15'
47°31,5' 5' 36° 32,5' 4' ca. 8.
Stufe 3. (No. 51 meiner Sammlung, Geschenk von Herrn
Prof. Dr. Aulich.)
Der Augit dieser Stufe besteht aus langen strahligen Aggre-
gaten von rostbrauner Farbe. Die Ausbildungsweise der Kristalle
ist dieselbe wie bei dem vorbeschriebenen Augit. An zwei Kri-
stallen ließen sich angenäherte Messungen ausführen.
Kristall m:m m:a s:s o:o s:o s:b o:m
I. • • — — ca. 60° ca. 85° ca.24§° 60° 27' (33') ca.36°40'
II. . . 91°34,7(P) 45° 47,5' (9') — — — —
Stufe 4. (No. 44 meiner Sammlung, Geschenk von Herrn
Prof. Dr. Aulich.)
Die Stufe führt frei entwickelte Kristalle, welche sich viel-
fach zu strahligen Aggregaten vereinigt haben. In kleinen Hohl-
räumen sitzen wohlausgebildete, bis zu 1 mm große Kristalle,
welche charakteristischen Metallglanz zeigen. An diesen Kriställ-
chen sind ganz deutlich die Formen ccP, ooPoo, ooPoo, P und 2 P
zu beobachten. Die Grundmasse erweist sich im Schliff als fast
völlig farbloser Augit mit vielen Einschlüssen von Magneteisen.
Kristall m : b
m : b m : a
s : s
b : s
I. . . 91°50,7' (4')
— —
59°47' (1')
59°59,2'(7')
II. . . —
— —
59° 48, 5 (8')
60° 0,7' (5')
III.. . 91° 49,2' (11')
44° 5' (4')
—
—
IV. . .
45° 24'
ca. 60°
ca. 60°
Zum Schlüsse
stelle ich die von
mir gefundenen Messungs-
Resultate mit den in der Literatur bekannten, an Schlackenaugiten
derselben Kombination ausgeführten Messungen in einer Tabelle
(p. 693) zusammen.
Auffallend ist, daß in den vorliegenden Schlackenaugiten der
Winkel des Grundprismas um ca. 1 — 1|° von dem Prismenwinkel
des natürlichen Augites und den in der Tabelle angegebenen, aus
der Literatur bekannten Schlackenaugite abweicht. Wahrschein-
lich übt der hohe Eisengehalt einen derartig morphotropen Ein-
fluß aus.
Maskelyne1 . . 1192° 43' — — — 50° 58' — — 35° 39,5'
Ueber Augit und Wollastonit in Hochofenschlacken.
693
;n
O
CM
CO
o
-i*
CM
GO
CO
o
L-
CO
L—
[>•
CO
CO
o
o
CM
o
O
co
r- © 4T
CM O GM
o © o
CO CO CO
o
CO
o
CM
OS
CO
CM
o
co
o o o o
■** CO
'11 Tf ^
cö
o
kO
r- i— T
CM
o
CM
cc
CM
CD
OS «o
CT CM*'
Ol CO
o o
CO
OS cs OS
cs
os~
o
xO
©
CM
OS
X
m
CS
33
w
a
c
33
P=4
H
O
o
>
<D
m
o
>
CO T-H -^1
CO lO ^
R R
CO
o
5
Siehe Hintze, Handbuch der Mineralogie, p. 1095. Leipzig 1897.
J. H. L. Vogt, Studier over Slagger. Stockholm 1884. p. 4 ff.
Siehe Hintze, Handbuch, p. 1017.
694
F. W. Rüsberg,
II. Wollastonit.
Wollastonit ist selten in Schlacken beobachtet und nach-
gewiesen worden. Es liegt dieses daran, daß Wollastonit nur
unter ganz besonderen Bedingungen zur Ausscheidung gelangt.
In den meisten Fällen, in denen man Wollastonit erwarten sollte,
scheidet sich statt dessen ein hexagonales Kalksilikat aus, welches,
wie Bourgeois1, Doelter2 3 und Vogt 3 nachgewiesen haben, mit
dem Wollastonit dimorph ist. Sicherer Wollastonit in Schlacken
ist zuerst von Vogt4 in einer Hochofenschlacke von Högfors nach-
gewiesen worden. Kristallographische Messungen hat zuerst Heber-
dey 5 an Wollastonitkristallen von Pribi’am ausgeführt.
Stufe 1. (No. 104 meiner Sammlung, aus der Sammlung
des Herrn Direktor W. Schilling in Oberhausen.)
Die Stufe besteht aus einem strahligen Aggregat von regellos
durcheinandergewachsenen, stark glänzenden, teils wasserklar durch-
sichtigen, teils durch FeS schwarz gefärbten Kristallen, welche
eine Größe bis zu 2 cm erreichen. Die auftretenden Formen sind
ccPoo (a) (100), — Poo(v)(101), Poo (t) (101) und 0P(c)(001).
In der Prismenzone waren Endigungen nicht zu erkennen. Die
Ausbildungsweise der Kristalle ist diinntafelig nach ooPoo. Sie
sind spröde, von faserigem Bruche und zeigen auf den Bruch-
flächen perlmutterartigen Glanz. Oft sind eine Anzahl von Indi-
viduen nach der Fläche des vorderen Pinakoids parallel miteinander
verwachsen.
Ein Schliff nach der Tafelfläche zeigt gerade Auslöschung.
Im konvergenten polarisierten Lichte erhält man bei gekreuzter
Stellung der Nicols den Austritt eines Achsenpoles am Rande des
Gesichtsfeldes. Die Ebene der optischen Achsen ist die Symmetrie-
ebene. Die Auslöschungsschiefe auf ooPco beträgt ca. 32 0 im
spitzen Winkel ß. Ein Schliff der ganzen Schlackenmasse zeigt,
daß diese nur aus Wollastonit und aus schwarz gefärbter Glas-
masse (durch FeS) besteht. Spaltbarkeit nach ooPoo ist sehr
deutlich, weniger deutlich eine Spaltbarkeit nach der Basis.
Bemerkenswert ist, daß die Kristalle eine große Zahl mit
Luft oder Gas gefüllter Poren führen. Es läßt sicli daraus der
Schluß ziehen, daß dieselben unter Einwirkung von Gasen oder
Dämpfen sich gebildet haben.
Zur Analyse konnte ich leider nicht genügend reines Material
1 L. Bourgeois, Reproduction par voie ignöe d’un certain nombre
d’especes minerales. 1883.
2 C. Doelter, Über das künstl. Kalisilikat CaSi03. Neues Jahrb. f.
Min. etc. 1886. I.
3 J. H. L. Vogt: Studies over Slagger. Stockholm 1884. p. 27 — 29,
86—105.
4 Siehe ebenda p. 27 — 29.
6 Heberdey, Zeitschr. f. Krist. 26. 1896. p. 19 — 27.
Ueber Augit und Wollastonit in Hochotenschlacken.
695
isolieren. Doch wurden einige an Einschlüssen vollständig freie
Splitterchen isoliert und qualitativ geprüft. Es ergab sich die
Gegenwart von hauptsächlich Ivalk neben geringeren Mengen Eisen.
Der vorliegende Wollastonit besteht also vorwiegend aus Ca Si 03
mit geringeren Mengen FeSiOs. Das spezifische Gewicht wurde
mit Hilfe von Methylenjodid an einem vollständig von Einschlüssen
freien Kristallsplitter bestimmt.
G = 2,912 bei 20° C.
Keiner der gemessenen Kristalle war ringsum ausgebildet. In
vielen Fällen waren die Flächen mit einer dünnen Schmelzhaut
überzogen. ooPoü lieferte in allen Fällen die besten Keflexe.
a = ocPoo, v = — Poo, t = Poe, c = 0 P.
Kristall a : v c : v a : c c : t
I — 40° 12' (5‘) — — schlecht
II. . . . . . 44u33'(l') 39° 58,8' (1') 84°31' (2') — sehr gut
III 44“ 35' (0') 39° 59' (P) 84°33' (1') — sehr gut
IV — 39° 50' (10') 84°52'(10') 45u10'(5') schlecht
V — — 84° 49' (15') — schlecht
Mittel I u. II 44° 34' 39° 59' 84° 32' 45° 10' (aus IV)
Grosser . . 44° 33' - 84° 35' 44° 58,5'
vom Rath . . 44° 27' 40° 3' 84° 30' 45° 5'
Durch Vergleich der von mir gefundenen Werte mit den von
G. vom Rath und Grosser durch Messungen an natürlichem Wolla-
stonit erhaltenen Werten ergibt sich, daß der vorliegende künst-
liche Wollastonit mit dem natürlichen Wollastonit identisch ist.
Von Interesse ist vorliegende Stufe, weil so große, verhältnis-
mäßig gut ausgebildete Wollastonitkristalle, sowohl natürliche als
auch künstliche, zu den Seltenheiten gehören.
Stufe 2. (No. 2 meiner Sammlung, Geschenk von Herrn
Prof. Dr. K. Busz, Schlacke von der Guten-Hoffnungshütte zu Ober-
hausen.)
Die Stufe stellt ein faseriges Aggregat mit starkem Perl-
mutterglanz dar, wie wir es häufig beim natürlichen Wollastonit
finden. Sie ist vollständig schwarz gefärbt durch massenhafte
Einschlüsse von durch FeS schwarz gefärbtem Glase. Im Schliffe
erblickt man eine Unzahl langgestreckter Kristalle mit ziemlich
lebhaften Interferenzfarben. Die Auslöschungsschiefe wurde zu
ca. 30° — 32° im spitzen Winkel ß bestimmt. Es gelang mir,
ein einziges Kriställchen , welches in einem Hohlraume saß, zu
isolieren. Es ist genau so ausgebildet wie die Kristalle der vor-
beschriebenen Stufe, also tafelig nach ocPoo. Im Schliff nach der
Tafelfläche erhält man auch hier gerade Auslöschung, im konver-
genten polarisierten Lichte bei -(--Stellung der Nicols den Austritt
eines Achsenpoles am Rande des Gesichtsfeldes. In der ganzen
Masse erblickt man eine Unzahl von mit Luft oder Gas gefüllten
696
K. Andröe,
Poren, so daß ich auch hier zu der Annahme komme, daß der
vorliegende Wollastonit unter Einwirkung von Gasen oder Dämpfen
entstanden ist.
Die mineralogischen Untersuchungen sind im Mineralog. In-
stitut , die chemischen im Chem. Institut der Universität Münster
ausgeführt worden. Den Direktoren der genannten Institute, Herrn
Prof. Dr. K. Busz und Herrn Geheimrat Prof. Dr. Salkowski,
spreche ich für ihr liebenswürdiges Entgegenkommen meinen ver-
bindlichsten Dank aus.
Reine Translation oder abnorme Knickung beim Steinsalz?
(Bemerkungen zum Referat von Herrn M. Naumann im N. Jahrb. f. Min. etc.
1913. I. p. -195- über meine Mitteilung „Über ein blaues Steinsalz“.)
Von K. Andree in Marburg i. H.
In seinem Referate über die im Titel genannte Mitteilung
(in „Kali“. 20. 1912. p. 497—501. Mit 1 Taf.) hat Herr M. Naumann
zum ersten meine Anschauung über die fraglichen Erscheinungen
unrichtig angegeben, zum zweiten aber auch ohne Autopsie des
betreffenden Stückes eine Meinung geäußert , die wohl für die
von ihm auf vielen Grubenfährten beobachteten Fälle zutreffeu
mag, nicht aber für das meiner Mitteilung zugrunde liegende
Original — beides Dinge, die ich nicht ohne Richtigstellung hin-
gehen lassen kann.
Zum ersten habe ich folgendes zu bemerken : Ich schrieb
auf p. 500: „Dieses Resultat bestätigt, daß . . . nur ein-
fache Knickung vorliegt und keine echte Zwillingsbildung; sie
macht aber sodann wahrscheinlich, daß auch die BitAUNs’scben
Zwillinge keine Zwillinge im gewöhnlichen Sinne waren, sondern
daß es sich hierbei in allen Fällen um die Wirkung eines Druckes
handelt, welcher infolge seiner Richtung gleichsam nicht korrekt
genug arbeiten konnte, um eine Translation nach der Granatoeder-
fläche hervorzurufen, dafür aber abnorme Knickungen nach einer
nur wenig von der Granatoederfläche abweichenden Vizinalfläclie
oder mehreren solchen hervorrief.“ Herr Naumann schreibt in
seinem Referat: „Nach Meinung des Verf.’s liegt dabei
polysynthetische Zwillingsbildung nach einer Vizinalfläclie von (110)
vor.“ Das Resultat meiner Mitteilung ist also von dem Herrn
Referenten gerade auf den Kopf gestellt worden.
Zum zweiten hat Herr Naumann diesem meinen deutlich und
nicht mißverständlich angegebenen Resultat seine eigene Anschauung
gegenübergestellt, indem er schrieb: „Translation nach (110) er-
zeugt häufig an Steinsalz Streifung auf (100) und auch hier dürfte
es sich nur darum handeln ; die nur auf Grund einer unsicheren
Reine Translation oder abnorme Knickung beim Steinsalz? 697
Wiukelmessung festgestellte sehr geringe Neigung der Lamellen
zu den vertikalen Würfelkanten erscheint nicht geeignet, reine
Translation in Abrede zu stellen.“ Ich sehe ganz davon ab, daß
die von mir angegebene Winkelmessung nicht auf den „vertikalen“
Würfelflächen — man vergleiche hierzu die Abbildung , welche
Brauns im Jahre 1889 von der fraglichen Erscheinung gegeben
hat (Literatur auf p. 500 meiner Mitteilung) — , sondern auf den
„horizontalen“ gemessen worden ist. Zugegeben auch, daß durch
reine Translation Diagonalstreifung auf den Würfelflächen erzeugt
werden kann, — wo, wie in dem von mir beschriebenen Falle eine
deutliche Knickung der Würfelflächen hinzutritt, ist aus kristallo-
graphischen Gründen eine reine Translation ausgeschlossen; denn
es widerspricht den einfachsten Symmetrie Verhält-
nissen des regulären System es, daß durch eine
reine Translation nach der G r an atoeder fläche die
Würfelfläche aus ihrer Ebene herausgedreht werden
könnte.
Eine andere Frage ist die nach dem Zusammenhänge der von
mir festgestellten unregelmäßigen Knickungen mit wirklichen
Translationen. In der Tat ist ein solcher Zusammenhang keines-
wegs von mir bestritten worden, bleibt vielmehr sehr wahrscheinlich;
und es entspricht durchaus meinen Anschauungen, wenn ich bei
A. Johnsen (Fortschritte der Mineralogie, Kristallographie und
Petrographie. 3. 1913. p. 102) lese: Die Translation „führt zu-
weilen zu einer regelmäßigen, aber inhomogenen Deformation der
unmittelbar an die Translationsebene grenzenden Partien, so daß
z. B. an Steinsalz, Sylvin und Salmiak doppelbrechende Schichten
entstehen (Spannuugsdoppelbrechung) “ .
Geologisches Institut der Universität Marburg, 17. Juni 1913.
Nachtrag: Erst nach Fertigstellung vorstehender Zeilen
erhalte ich durch die Liebenswürdigkeit des Autors Kenntnis von
„A. Ritzel, Translation und anomale Doppelbrechung bei Stein-
salz und Sylvin“. (Zeitschr. f. Kristallographie etc. 52. 1913.
p. 238 — 276.) Gleichwohl habe ich dem Vorhergehenden nichts
hinzuzufügen, kann nur die Übereinstimmung der RiTZEL’schen
Resultate mit meiner besonders im letzten Absatz des Obigen fest-
gelegten Meinung betonen.
Southampton, den 2. Juli 1913.
098 M. Naumann, Knickung der Würfelfläche bei Steinsalz etc.
Knickung der Würfelfiäche bei Steinsalz als eine Folge
„reiner“ Translation.
Erwiderung an Herrn K. Andree.
Von M. Naumann in Halle a. S.
Mit 1 Textfigur.
Zu den Ausführungen des Herrn Dr. K. AndriSe 1 habe ich
in bezug auf die Richtigkeit meiner in dem betr. Referat gemachten
Angaben zu bemerken, daß Herr Andree in der Zusammenfassung
auf p. 500 schreibt: „Sie (d. li. die Orientierung der Blaufärbung)
zeigt in dem vorliegenden Fall eine auffallende Unterbrechung nach
einer senkrecht verlaufenden Rhombendodekaederfläche und ist an
eine mechanische Inanspruchnahme des Minerals gebunden, welche
keine reine Translation ist, sondern nach einer polysynthetischen
Zwillingsbildung1 2 nach einem von der Rhombendodekaeder-
fläche nur wenig abweichenden Pyramidenoktaeder (sog. „Brauns-
sches Gesetz“) hin tendiert.“ Wenn der vom Autor benutzte Aus-
druck „tendiert“ auch eine gewisse Unklarheit enthält, so geht
doch aus dem zitierten Satze ohne Zweifel hervor, daß Herr Andree
die fragliche Erscheinung eher durch Zwillingsbildung als durch
Translation erklären will, und nur diese seine Ansicht habe ich
in meinem Referat wiedergegeben. Im übrigen lassen die Dar-
legungen des Autors gerade über diesen Gegenstand an Klarheit
und Übersichtlichkeit viel vermissen, was wohl seinen Grund darin
hat, daß Herrn Andree diese „kristallographischen Dinge“, wie er
selbst schreibt, etwas fern liegen.
Die große Unwahrscheinlichkeit der Angaben des Herrn Andree,
daß der gemessenen Knickung wegen „reine“ Translation aus-
geschlossen sei, gab mir im Interesse der Sache Veranlassung zu
der meinem Referat eingeschalteten Bemerkung. Daß diese voll
berechtigt war, bestätigen auch die schon von Herrn Andrüe in
seinem „Nachtrag“ angeführten Untersuchungen von A. Ritzel.
Letzterer stellte fest, daß Translation beim Steinsalz
stets scharf nach {11 0} erfolgt. Translation nach
einer Vizinalfläche ist also ausgeschlossen, und ist
mit Sicherheit anzunehmen, daß die von Herrn Andrüe beobachtete
Streifung der Würfelfläche nur durch (nach ihm „reine“) Trans-
lation nach {110} zu erklären ist, zumal der Autor selbst die Er-
scheinung als ein Druckphänomen an spricht.
Die beobachtete und von Herrn Dr. A. Schwantke für Herrn
Andree gemessene Knickung ist vermutlich durch eine Art „Schein-
fläche“ herbeigeführt, die zustande kommt, wenn viele dünne Platten
durch Translation nebeneinander auf der Würfelfläche austreten,
wie in nebenstehender Figur schematisch angedeutet ist. Dieselbe
1 Dies. Centralbl. 1913. p. 696.
2 Sperrdruck von mir.
K. Gans, Ueber die chemische oder physikalische Natur etc. 099
ist als Vertikalschnitt durch den Würfel nach (110) gedacht, Trans-
lation hat also nach (110) stattgefunden. Die horizontalen Linien
sind die Trace der Fläche (00 1), ab ist die der „Scheinfläche“;
a ist der Knickungswinkel. Das Auftreten einer solchen „Schein-
fläche“ geschieht bei leicht löslichen Substanzen wie Steinsalz um
so eher durch Abtragung der scharfen Kanten, z. B. an feuchter
Luft, die mit der Länge der Zeit selbst auf sorgfältig aufbewahrte
Stücke einwirkt. Die aus der Figur ersichtliche „Treppe“ wird
dabei in eine schiefe Ebene verwandelt. Auf diese Weise können
alle möglichen Knickungswinkel entstehen und bedeutet deren Maß
keine Gesetzmäßigkeit. Ähnliche Erscheinungen konnte ich an
vielen unter meinem Untersuchungsmaterial befindlichen (z. T. auch
blauen) Steinsalzkristallen wahrnehmen.
Der von Herrn Andrhe im letzten Abschnitt seiner obigen
„Bemerkungen“ zitierte Passus von A. Johnsen ist zum Belege
seiner Ansicht ungeeignet. Jene Ausführungen über „inhomogene
Deformationen“ beziehen sich nicht auf die äußere Gestalt, sondern
auf die Kristallmaterie selbst. Sie sollen das Auftreten der Span-
nungsdoppelbrechung erklären, haben aber mit der „abnormen
Knickung“ des Herrn Andr£e nichts zu tun.
Ueber die chemische oder physikalische Natur der kolloidalen
wasserhaltigen Tonerdesilikate.
Von R. Gans in Berlin.
Wasserhaltige Tonerdesilikate und deren Zersetzungsprodukte
finden wir besonders im Ackerboden, in welchem sie für die Er-
nährung der Pflanzen von höchster Wichtigkeit sind. Sind sie
es doch, welche die pflanzenphysiologisch wichtigen Nährstoffbasen
binden und vor dem Auswaschen aus dem Boden schützen.
Es ist daher von größtem Werte, zu erfahren, wie diese
Tonerdesilikate zusammengesetzt sind und durch welche Art der
Bindung sie die Nährstoffbasen zurückzuhalten vermögen.
700 R. Gans, Ueber die chemische oder physikalische Natur
Da nun in letzter Zeit von verschiedenen Seiten festgestellt
ist, daß die künstlich hergestellten, kolloidalen wasserhaltigen
Aluminatsilikate (Pernmtite) mit den „zeolithischen“ Silikaten des
Ackerbodens die größte Ähnlichkeit 1 haben, so erscheint es dringend
geboten, das Verhalten der ersteren, die man leicht in reinerer
Form erhalten kann, zu studieren, um wichtige Rückschlüsse auf
die Konstitution und das Verhalten der Bodensilikate machen zu
können.
Die Ansichten des Verf.’s über diese Silikate sind in einem
Aufsatze niedergelegt, der demnächst im Jahrb. d. Kgl. Geol.
Landesanst. erscheinen wird. Von diesem Aufsatze sei es ge-
stattet, hier einen teils mehr, teils minder ausführlichen Auszug
zu geben, um so mehr, als die im Centralbl. vertretenen An-
schauungen anderer Forscher über diesen Gegenstand sich mit
denen des Verf.’s in keiner Weise decken.
I. Teil.
Alkalische Lösungen der Tonerde und der Kieselsäure geben
ebenso wie alkalische Schmelzen von Si 02 und Al2 03 beim Be-
handeln mit Wasser kolloidale wasserhaltige Tonerde-
Silikate von der Zusammensetzung:
3+ Mol. SiO„, 1 Mol. Alj Oa und 1 Mol. Base.
Dieselbe Zusammensetzung besitzen die zeolithischen Silikate des
Ackerbodens und die liydratisierten glasigen Eruptivgesteine, falls
sie vor dem zersetzenden Einfluß der Atmosphärilien geschützt
waren. Unter Basen verstehe ich in diesem besonderen Falle die
Alkalien und alkalischen Erden wie CaO, MgO, K20, Na, 0.
Die Bezeichnung 3+ bei der Kieselsäure soll andeuten, daß der
Kieselsäuregehalt bei diesen Silikaten zwar stark schwanken kann,
wie es selbst bei den kristallisierten Zeolithen festgestellt wurde,
daß er aber für gewöhnlich nicht unter 3 Mol. Si 02 auf
1 Mol. Al2 03 sinkt.
Die Basen sind in diesen kolloidalen Silikaten, die der Verf.
Aluminatsilikate genannt hat, hauptsächlich an die Tonerde
gebunden und zwar aus folgenden Gründen:
1. Man kann diese Aluminatsilikate wohl herstellen, wenn
man a) in dem Molekularverhältnis von
3-4 Mol. Si 02 : 1 Mol. Al2 0., : 1 Mol. Na, 0
1 G. Wiegner (Journ. f. Landw. 1912. 60. p. 111 — 150. 197—222);
S. Graf Rostworowski und G. Wiegner (ebenda, p. 223 — 235) und
D. J. Hissink (Landw. Versuchsst. 81. 1913. p. 377 — 432). — Diese Forscher
erkannten das übereinstimmende Verhalten bei Versuchen, die sich auf
Austauschprozesse und auf Zersetzungen durch destilliertes und C02-hal-
tiges Wasser stützten. Sie sehen jedoch in beiden Silikaten nicht chemische
Verbindungen, sondern mechanische Gemenge von Gelen, resp. Absorptions-
verbindungen (nach J. M. van Bemmelen) oder feste Lösungen.
der kolloidalen wasserhaltigen Tonerdesilikate.
701
Natriumaluminat auf Kieselsäurehydrat einwirken läßt, aber nicht
wenn man b) in demselben Molekularverhältnis Natriumsilikat mit
Tonerdehydrat in Reaktion bringt. Erhöht man den Gehalt
an Na2 0 im zweiten Falle, so führt man auch hier das Tonerde-
hydrat in Natriumaluminat über und man erhält nun selbstver-
ständlich dieselben Verbindungen wie unter a), nämlich Aluminat-
silikate.
a) Die Aluminatsilikate sind von den nach b) hergestellten
Silikaten leicht zu unterscheiden durch die schnelle und große
Austauschfähigkeit ihrer Basen bei Berührung mit neutralen Salz-
lösungen und dadurch, daß sie nur in sehr geringem Grade bei
dem Auswaschen ihre Basen infolge Dissoziation an das destillierte
Wasser abgebeu. Die Dissoziation verschwindet fast gänzlich,
wenn in dem umgebeuden Wasser neutrale Salze gelöst sind.
b) Die nach b) entstandenen Silikate, vom Verf. die Tonerde-
doppelsilikate genannt, tauschen ihre Basen in bedeutend
geringerem Grade als die Aluminatsilikate aus ; sie können aber
durch Einwirkung von überschüssigem Natriumhydrat (infolge der
Umwandlung ihres Tonerdehydrats in Natriumaluminat) in Aluminat-
silikate mit mehrfach stärkerem Austauschvermögen als zuvor um-
gewandelt werden. Bei Berührung mit destilliertem Wasser geben
die Tonerdedoppelsilikate erhebliche Mengen ihres Basengehaltes
an das Wasser ab, das dadurch stark alkalische Reaktion erhält.
Die Abgabe von Basen an das Wasser verschwindet auch bei der
Berührung mit neutralen Salzlösungen nicht.
2. Die Aluminatsilikate können bezüglich ihres Molekular-
verhältuisses von Si02:Al203 innerhalb weiter Grenzen, z. B. von
3 : 1 bis 8 : 1, schwanken, das Molekularverhältnis von Al., 03 : Base
bleibt trotzdem immer dasselbe, wie 1:1. Das deutet ebenfalls
mit Entschiedenheit auf die Bindung der Base an die Tonerde hin.
Denn wäre die Base an die Kieselsäure gebunden, so ist nicht
einzusehen, weshalb durch eine größere oder geringere Schwankung
im Si 02-Gehalt nicht auch der Gehalt an Base steigen oder fallen
sollte; das ist aber nicht der Fall. Der Basengehalt richtet
sich einzig und allein nach dem Gehalt an Tonerde;
die Höhe des Tonerdegehalts ist bestimmend für die
Höhe des Basengehaltes. — Das ist chemisch nur
durch eine engere Bindung der Basen an die Ton-
erde erklärlich.
Ebenso wie a) die durch Einwirkung von Natriumaluminat
auf Kieselsäurehydrat oder auf wasserhaltige künstliche und natür-
liche Silikate oder auf Natriumsilikatlösung und b) die durch Ein-
wirkung von überschüssigem Natriumhydrat resp. Natrium-
silikat auf wasserhaltige Tonerde oder Tonerdesilikat entstandenen
kolloidalen Aluminatsilikate
3+ Si 02, 1 Al2 03, 1 Base
702 ß- Gans, Ueber die chemische oder physikalische Natur
zeigen auch c) die Silikate, die durch Hydratation von schnell
gekühlten alkalischen Tonerdesilikatschmelzen entstehen, konstante
Äquivalentverhältnisse (besonders in Bezug auf Al, 03 : Base). Diese
Konstanz finden wir d) auch bei den durch H CI zersetzlichen
hydratisierteu Tonerdesilikaten von basischen Gesteinen, sofern
letztere dem zersetzenden Einfluß der Atmosphärilien
entzogen waren, und e) bei den „zeolithischen“ Bestandteilen
des Bodens wieder, wenn die Verwitterung infolge der
Anwesenheit basiscli wirkender Verbindungen z. B.
von C a C 03 noch nicht auf sie ii b e r g e g a n g e n war
(s. p. 708). Folglich muß man annehmen, daß auch diese Silikate
aus Aluminatsilikaten bestehen, um so mehr, als auch ihr sonstiges
Verhalten das gleiche ist.
Auf die konstanten Molekularverhältnisse von Al2 03 : Base
wie 1 : 1 bei der Herstellung künstlicher Aluminatsilikate hat Verf.1
schon früher hingewiesen. Diese Konstanz zeigt sich auch bei
allen Versuchen früherer Forscher, bei welchen mit alkalischen
Lösungen von Al, 03 und Si02 resp. mit Alkaliüberschuß gearbeitet
wurde. Es sind hier die Versuche von J. Lemberg2, Deville3,
Haushofer4, Sieber5 6, v. Ammon0 und H. P. Armsby7 zu erwähnen.
Die Alkalität muß aus freien fixen Alkali hydraten
bestehen und auch nach Beendigung der Reaktion
noch vorhanden sein. Das Auswaschen der Verbindungen
ist mit kohlensäurefreiem W asser vorzunehmen.
Die Konstanz zwischen Al2 03 und Base =1:1 ist schon bei
Versuchen mit geringerer überschüssiger Alkalität vorhanden,
wenn die Tonerde schon in der Form von Alkalialu minat
vorhanden ist, wie aus der Herstellung des Aluminatsilikats durch
Einwirkung von Xatriumaluminat auf Kieselsäurehydrat im Verhältnis
der Komponenten wie 3 — 4 Mol. Si02: 1 Mol. Al2 03: 1 Mol. Na2 0
hervorgeht.
So erhält Lemberg durch fitägige Digestion bei 100° von
Tonerdehydrat mit wässrigem Kaliumsilikat ein Silikat von der
Zusammensetzung
4.30 Mol. Si02. 1 Mol. Al.03, 0,99 Mol. K20;
Deville durch Kochen der gemischten Lösungen von Kalium-
aluminat und -Silikat ein Silikat:
1 R. Gans. Jahrb. d. Kgl. Geol. Landesanst. 1906. 27. (1.) p. 73.
2 J. Lemberg, Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 35. p. 577, 579 u. 28.
p. 5G9, 570.
3 Deville. Compt. rend. 53. p. 324.
4 Haushofer, Journ. f. prakt. Chem. 99. p. 241.
5 Silber, Ber. d. deutsch, chem. Ges. 14. p. 941.
6 v. Ammon, Silikate der Alkalien u. Erden. Köln 1862. p. 37, zitiert
nach Gmelin- Kraut, Anorg. Chemie. 2. 1. p. 843.
7 H. P. Armsby, Landw. Versuchsst. 21. p. 402.
der kolloidalen wasserhaltigen Tonerdesilikate.
703
2,67 Mol. Si 02, 1 Mol. Al, 03, 0.94 Mol. (K, 0 + Na2 0),
v. Ammon durch Einwirkung von kristallisiertem Natriumsilikat
auf Alaun, wobei die Tonerde zuvor durch überschüssiges Na2 0
in Natriumaluminat verwandelt wurde, zwei Silikate :
Armsby ein Silikat:
3,54 Mol. SiO,, 1 Mol. AlaOs, 1,01 Mol. Na20 usw.
Lemberg führte einen Allophan (von AVoolwich), ein natür-
liches kolloidales Silikat von der Zusammensetzung
1,18 Mol. Si 02, 1 Mol. A1203 und 0,12 Mol. CaO,
durch Einwirkung von Natriumsilikat bei 100° C in ein Silikat mit
4,35 Mol. Si02, 1 Mol. A1203, 0,95 Mol. Base
über; desgleichen bei Erhöhung der Temperatur auf 185° C und
bei Einwirkung von Natriumhydrat oder Natriumsilikat sogar zwei
durch Salzsäure nicht zersetzliche Kaoline von Karlsbad (a) und
von Cornwall (b), die zuvor folgende Zusammensetzung hatten:
a) Kaolin von Karlsbad b) Kaolin von Cornwall
in zwei wasserhaltige Silikate:
a) 1,95 Mol. Si02, 1 Mol. A1203, 0,97 Mol. Base und
b) 3,25 Mol. Si 02, 1 Mol. Al2 03, 0,95 Mol. Base
resp. 8,25 Mol. Si02, 1 Mol. Al2Os, 1,07 Mol. Base über.
R. Gans 1 erhielt dimch Hydratation einer alkalischen Schmelze
von 3 Gewichtsteilen Kaolin, 6 Gewichtsteilen Quarz und 1 2 Ge-
wichtsteilen Natriumcarbonat ein Silikat:
Damit dürfte bewiesen sein, daß die Konstanz des Molekular-
verhältnisses bei Al, 0, : Base wie 1 : 1 tatsächlich immer eintritt,
wenn die Alkalität auch nach der Beendigung der Reaktion noch
vorwaltet.
Eine Konstanz zwischen Si 02 und Al, 03 besteht bei diesen
A'ersuclien nicht. Das erklärt sich daraus, daß die restierende
Alkalität nicht genügend groß war, um die über die stöchiometrischen
Arerhältnisse hinaus vorhandene Kieselsäure in kristalloider Lösung
zu erhalten. Die überschüssige Kieselsäure bleibt dann in kolloidaler
Form im Reaktionsgemisch und ist als Verunreinigung des Aluminat-
silikates aufzufassen.
a) 2,04 Mol. SiO,, 1 Mol. Al, 03, 1.00 Mol. Xa;0,
b) 4.10 Mol. Si 0}. 1 Mol. A1203, 1,04 Mol. Na20,
SiO, . .2,13 Mol
A12Ö3. .1,00 „
Base . . 0,04 „
SiO, . . 2,07 Mol.
A1203. .1,00 „
Base . . 0,01 „
4 Mol. Si 02, 1 Mol. A1203 und 1 Mul. Na20.
1 R. Gans, Jahrb. d. Kgl. Geol. Landesanst. 1906. 27. (1.) p 78.
704 R. Gans, Ueber die chemische oder physikalische Natur
Arbeitet man jedoch mit größeren Überschüssen freier fixer
Alkalien, so erhält man auch eine Konstanz des Verhältnisses
Si 02 : Al2 03 K
So resultiert bei Anwendung gewisser Mengen Natriumsilikat
und Natriumaluminat immer auf
3 Mol. Si02 je 1 Mol. A1203 und 1 Mol. Base;
erhöht man aber den Gehalt an Natriumsilikat, so ergab sich die
Zusammensetzung
4 Mol. Si 02, 1 Mol. A12Os, 1 Mol. Base.
Den Gehalt an Mol. Si 02 wird man vermutlich durch weiteren
Zusatz von Natriumsilikat noch erhöhen können. Jedenfalls erhält
man unter Inuehaltung derselben Bedingungen immer die gleichen
Molekularverhältnisse. Grundbedingung für das Zustandekommen
dieser Konstanz der Si 0, ist, daß im Reaktionsgemisch eine ge-
nügende Menge freien Alkalihydrats verbleibt, welches die über-
schüssige Kieselsäure in kristalloider Lösung erhält, die sonst als
Kolloid durch die kolloidale Si 02-Al2 03-Verbindung mit zur Aus-
fällung gelangt und die letztere verunreinigt.
Auf Grund der konstanten Molekular Verhält-
nisse ist man jedenfalls berechtigt, die kolloidalen
Aluminatsilikate als chemische Verbindungen zu
betrachten.
Zu den Absorptionsverbindungen van Bemmelen’s wird man
sie nicht rechnen können, da diese sich aus ihren Komponenten
nach inkonstanten Molekularverhältnissen bilden, und „sich von
den chemischen Verbindungen, die nach einfachen Äquivaleut-
verhältnissen zusammengesetzt sind und kristallinisch auftreten
können, unterscheiden“.
Die Aluminatsilikate treten allerdings unter allen, oben an-
gegebenen Versuchsbedingungen nicht in kristallinischer, sondern
in kolloidaler Form auf ; das beweist aber lediglich nur, daß sie
unter diesen Bedingungen nicht kristallinische Form annehmen.
Unter anderen Bedingungen, wie sie z. B. Doelter1 2 wählte, konnten
sie tatsächlich kristallisiert erhalten werden. Doelter erhielt aus
Lösungen bei niederer Temperatur Tonerdesilikatgele, bei höherer
Temperatur dagegen kristallisierte Zeolithe.
Die kolloidale Natur der Aluminatsilikate spricht
somit nicht gegen die Annahme einer chemischen
V erbindung.
1 In der Natur ist der Überschuß an freiem Alkali ein ständig
wechselnder und niemals gleichmäßiger, so daß ein konstantes Verhältnis
von Si02:Al203 nicht zu erwarten ist; die natürlichen Aluminatsilikate
zeigen dementsprechend auch nicht das konstante Verhältnis von
Si 02 : Al2 03.
2 C. Doelter, Allgem. chem. Mineralogie. Leipzig 1890.
der kolloidalen wasserhaltigen Tonerdesilikate.
705
Van Bemmelen, der den Ausdruck „ Absorptionsverbindungen“
prägte, hielt die Zeolithe für chemische Verbindungen1.
Er glaubte, für wasserhaltige Verbindungen durch Messung
des Dampfdruckes bei verschiedenen Temperaturen eine Unter-
scheidungsmüglichkeit zwischen chemischen und Absorptionsverbin-
dungen gefunden zu haben. So konstatierte er z. B. bei dem
kolloidalen Tonerde- und Eisenoxydhydrat die kontinuierliche Dampf-
spannuugsänderung, welche die kristallisierten Hydrate von A1203
und Fe2 03 nicht zeigten. Die kristallisierten Zeolithe untersuchte
er daraufhin nicht. Aber auch diese führen den variablen Dampf-
druck.
Inzwischen ist der variable Dampfdruck durch E. Löwenstein2
auch bei anderen chemischen Verbindungen (bei den Oxalaten von
Cer, Thor, Erbium, Lanthan, bei Strychninsulfat, basischem Zirkon-
oxalat usvv.) entdeckt worden, so daß er nicht mehr als ein
Beweis gegen die chemische Natur einer Verbindung
angesehen werden kann.
Auch ist hervorzuheben, daß van Bemmelen den Ausdruck
„Absorptionsverbindung“ niemals auf die Komponenten z. B. von
Al2 03 oder von Fe203 ausgedehnt hat, sondern nur auf ihre
Verbindung mit Wasser bezieht. A1203 oder Fe2 03 sieht
er als chemische Verbindungen an. Logischerweise dürften somit
auch infolge ihrer konstanten Äquivalent Verhältnisse die Verbin-
dung von
3+ Mol. Si02. 1 Mol. A1203, 1 Mol. Base
als chemische Verbindung und nur ihre Vereinigung mit Wasser
als Absorptionsverbindung betrachtet werden.
Die kolloidalen wasserhaltigen Aluminatsilikate haben mit den
Zeolithen somit chemische Zusammensetzung und variablen Dampf-
druck gemeinsam, desgleichen zeigen sie beide den leichten schnellen
Austausch gegen neutrale Salzlösungen, die leichte Zersetzbarkeit
durch Säure und gleiches sonstiges Verhalten. Es scheint mir daher
berechtigter, diesen Silikaten die Bezeichnung „zeolithisclie“ oder
„zeolithartige“ zu geben, als die der „ Allophantone“, wie H. Stremme3
es vorschlägt. Der Ausdruck „zeolithisch“ oder „zeolithartig“
läßt nach Ansicht des Verf.’s erkennen, daß diese Verbindungen
den Zeolithen zwar ähnlich sind, daß jedoch irgend eine Eigen-
schaft fehlt, um ihnen das Recht auf die Bezeichnung „Zeolith“
zu bewilligen; die nicht vorhandene Kristallform verhindert es.
Gegen die Benennung „zeolithisch“ oder „zeolithartig“ dürfte auch
1 J. M. van Bemmelen, Die Absorption. Gesammelte Abh. über Kolloide
und Absorption. Herausg. von W. Ostwald, Dresden. 1910. p. 112.
2 E. Löwenstein, Zeitschr. f. anorg. Chem. 63. p. 69. 1909.
3 H. Stremme, Über Feldspatresttone und Allophantone. Zeitschr. d.
deutsch, geol. Ges. 62. 1910. p. 127 — 128.
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913.
45
706 R. Gans, Ueber die chemische oder physikalische Natur
vom mineralogischen Standpunkt nichts einzuwenden sein, da ihre
sonstigen Eigenschaften den charakteristischen der Zeolithe durch-
aus gleichen.
Allophane können als Zersetzungsprodukte aus diesen zeo-
lithischen Verbindungen entstehen. Ihre Zusammensetzung ent-
spricht aber nicht der Formel
3^ Mol. SiOa, 1 Mol. A1203, 1 Mol. Base,
vielmehr ist der größte Teil der Base und auch ein erheblicher
Teil der Si02 weggeführt, wie aus den von Strkmme 1 selbst an-
geführten Analysen von Allophanen deutlich hervorgeht.
Stremme spricht in dieser letzten Abhandlung die Verbin-
dungen von kolloidalen Tonerdesilikaten künstlichen sowohl als
auch natürlichen Vorkommens als mechanische Gemenge von Ton-
erde- und Kieselsäuregelen an. Er kann bei den Versuchen mit
Kieselsäure- und Tonerdelösungen keine konstanten Äquivalent-
verhältnisse erhalten. Das hat einen leicht erklärlichen Grund.
Es ist vorhin hervorgehoben, daß man, um die Aluminatsilikate zu
erhalten, so operieren muß, daß das Reaktionsgemisch auch nach
der Bildung der Silikate noch alkalisch reagiert. Die Versuchs-
bedingungen1 2 bei Stremme sind jedoch derartig, daß das Reaktions-
gemisch nachher schwach alkalisch, neutral oder sauer war. Es
war somit ungenügend oder gar kein freies Alkalihydrat vorhanden,
um die über die stöchiometrischen Verhältnisse hinaus vorhandene
Si 02 in kristalloider Lösung zu halten. Die letztere ging viel-
mehr in kolloidale Lösung über, resp. war schon in solcher vor-
handen und wurde durch den aus Si 02 und Al2 03 bestehenden
kolloidalen Niederschlag mit ausgefällt.
Es ist klar, daß wir unter diesen Versuchsbedingungen mit
völlig inkonstanten Äquivalentverhältnissen rechnen müssen, erstens
zwischen Si 02 und Al2 03 und zweitens auch zwischen Al2 03 und
Base, weil bei vorhandener freier Säure im Reaktionsgenüsch die
letztere einen größeren oder kleineren Teil des Na2 0 an sich
reißt, bis der Gleichgewichtszustand zwischen der Säure und der
Si 02-Äl0 Og-Verbindung, die man nach ihrem Verhalten ebenfalls
als eine Säure betrachten kann, eingetreten ist.
Die Versuche von H. Stremme beweisen somit in
bezug auf die Aluminatsilikate keineswegs, daß die-
selben nicht aus chemischen Verbindungen bestehen.
Das von ihm gefundene inkonstante Verhältnis ist
auf die von ihm gewählten Versuchsbedingungen
1 H. Stremme, Über Fällungen der gemengten Gels von Tonerde und
Kieselsäure usw. Dies. Centralbl. 1908. p. 622 — 632, 661 — 669.
i H. Stremme verwendet z. T. Aluminiumacetat resp. -sulfatlösung und
auch kolloidale Kieselsäurelösung. Dies. Centralbl. 1908. a. a. 0.
der kolloidalen wasserhaltigen Tonerdesilikate.
707
zurückzu führen, die die Bildung eines einheitlich
zusammengesetzten chemischen Körpers mit kon-
stanten Verhältnissen, der Aluminatsilikate, nicht
gestatteten.
Ein mechanisches Gemenge von Si02- und Al2 03- Gelen (anstatt
Aluminatsilikate) nimmt Stremme auch im Boden an, welcher An-
sicht sich Verf. auf Grund folgender Beobachtung nicht anzuschließen
vermag :
Ein inniges mechanisches Gemenge von Tonerde- und Kiesel-
säurehydraten, welche einzeln dargestellt und erst nach ihrer
intensiven Beinigung mitei nander verrieben wurden , absor-
biert aus einer neutralen Salzlösung, z. B. N H4 Cl-Lösung, die
Base nur in geringem Grade. Die Absorption kann aber um das
Vielfache (zirka Tfache) vermehrt werden, wenn man das Gemenge
mit überschüssigem Natriumhydrat erwärmt, weil man es dadurch
in Aluminatsilikat, das stark absorbiert resp. austauscht, überführt.
Ja selbst ein mechanisches Gemenge von der Zusammensetzung
3 + Mol. Kieselsäurehydrat, 1 Mol. Tonerdeh\rdrat und 1 Mol. Base,
wie sie die durch H CI zersetzlichen Silikate des Bodens annähernd
führen, zeigt nur zirka der Absorption, als wenn die obigen
Bestandteile in Form von Aluminatsilikat chemisch aneinander ge-
bunden sind.
Wäre nun im Ackerboden ebenfalls nur ein mechanisches
Gemenge von Si 02- und Al2 03-Hydrat vorhanden, so müßte auch
hier die Absorption zuerst geringer sein und durch die Einwirkung
von Natriumhydrat vervielfacht werden können. Das trifft jedoch
nicht zu. Die Absorption der Ackerböden nimmt vielmehr nach
einer solchen Behandlung im allgemeinen nur in schwachem Grade,
um zirka 20°/o, zu. Folglich kann im Ackerboden ein
mechanisches Gemenge von A1203- und Si02-Hydraten
nur in geringem Grade vorhanden sein.
Behandelt man einen Boden nacheinander mit Salzsäure und
verdünntem Natriumhydrat, so kann man Silikate auszielien, welche
mehr oder weniger der Zusammensetzung 3+ Si02, 1 A1203, 1 Base
entsprechen. Aus diesem Grunde kann, wie schon bemerkt, der
Vorschlag H. Stremme’s ', die „Bodenzeolithe, die kolloidale Modi-
fikation der kristallisierten Zeolithe“ als „Allophantone“ zu be-
zeichnen, nicht geeignet erscheinen, weil die Allophane einen be-
deutend geringeren Gehalt an Si02 und Base enthalten. Bei den
Böden Deutschlands dürften allophanartige Bildungen zu den größten
Seltenheiten gehören , besonders bei den fruchtbaren, in Kultur be-
findlichen Böden, bei welchen durch rationelle Düngung und Zufuhr
von Kalk ein Ersatz der durch Wasser, Kohlensäure und Pflanzen
fortgeführten Basen eiutritt.
1 H. Stremme, Monatsber. d. deutsch, geol. Ges. 62. 1910. p. 128.
45*
708 K- Gans, Ueber die chemische oder physikalische Natur
Das Verhältnis von Al2 03 zu den Basen ist am höchsten bei
den Silikaten der Mergelböden. Es ist das ein Beweis, daß die
zeolithischen Verbindungen unter gewissen Umständen nicht der
Verwitterung unterliegen, wenn sie nämlich durch die Anwesenheit
der Carbonate der Erdalkalien vor dem zersetzenden Einfluß der
Atmosphärilien, insbesondere der C02, geschützt werden. Erst
nach der Auslaugung der Carbonate geht der Verwitterungsprozeß
auch auf die zeolithischen Silikate des Bodens über.
Der Boden würde dadurch allmählich in einen ungünstigen
physikalischen Zustand übergehen, der nun vielleicht durch die
Bildung eines mechanischen Gemenges von Si 02- und Al, 03-Gelen
erklärt werden könnte, die zuvor in Form von zeolithischen Silikaten
aneinander gebunden waren, wenn die Landwirte dagegen nicht
geeignete Maßnahmen träfen. Die zeolithischen Silikate sind ihrer
Entstehung nach unzweifelhaft auch Hydrogele. Sie unterscheiden
sich aber von den Hydrogelen der Si 02 und Al2 03 durch ihr be-
deutend geringeres Aufquellungsvermögen mit Wasser, und zwar
um so mehr, je mehr ihr Basengehalt sich dem Verhältnis 1 Mol.
A1203 : 1 Mol. Base nähert und in je höherem Prozentsatz die
Basen des Silikates aus CaO und MgO bestehen. Hisslvk1 hat
dieses Verhalten bei den Aluminatsilikaten des Bodens — den
zeolithischen Silikaten — bestätigt gefunden. Er führte diese
Bodensilikate durch neutrale Salzlösungen in die Kalium-, Natrium-,
Ammonium- und Calcium-Aluininatsilikate über und prüfte sodann
ihre Durchlässigkeit gegen Wasser. Die letztere, welche im hohen
Grade von dem Aufquellungsvermögen abhängig ist, war bei den
Calciumsalzen bedeutend stärker als bei den Alkalisalzen der
Aluminatsilikate.
Die Landwirte aber sehen sich gezwungen, diesem ungünstigen
Zustande besonders durch Düngung mit Kalk vorzubeugen, welcher
die Gelgemenge von Si02 und A1203 wieder in engere chemische
Verbindung — in zeolithische Silikate — überführt. Also auch
die durch die B earb eitu ngs ar t der Böden bedingten
Umsetzungen sprechen gegen die Anwesenheit von
mechanischen Gemengen der Gele von A12 03 undSiO,;
dieses Gemenge kann bei den in Kultur befindlichen
Böden nur in geringem Grade vorhanden sein, die
H auptmenge der durch Zersetzung der Silikate mit
H CI erhaltene n Si 02 und Al2 03 i s t i n z e o 1 i t h i s c h e n Sili-
kat e n im Boden gebunden.
Die wasserhaltigen Aluminatsilikate, sowohl die künstlichen
als auch die natürlichen, die kristallisierten wie die kolloidalen,
unterliegen bei der Berührung mit Wasser der Dissoziation2, wie
1 D. J. Hissink, Die Einwirkung verschiedener Salzlösungen auf die
Durchlässigkeit des Bodens. Ausstellung ’s Gravenhage (1907).
'J E. Ramann, Bodenkunde, p 22, 24.
der kolloidalen wasserhaltigen Tonerdesilikate.
709
sie E. Hamann bei Silikaten, auch den wasserfreien, annimmt, und
bei Berührung mit Säuren, auch schon mit der Kohlensäure, der
Zersetzung. Es entstehen dann allophanartige Produkte.
Der Einfluß kohlensäurehaltigen Wassers ist von J. Lemberg 1
studiert worden. Ein durch Einwirkung von Kaliumaluminat auf
Kaliumsilikat entstandenes Produkt von der Zusammensetzung
2,67 Mol. Si 0,. 1 Mol. Al2 0„ 0,95 Mol. (K2 0 + Na2 0)
wurde durch dreiwöchentliche Behandlung mit oft erneuertem, C02-
haltigem Wasser in einen allophanartigen Körper mit
2,30 Mol. Si 02, 1 Mol. Al2Os, 0,15 Mol. K.,0
übergeführt. Wir sehen deutlich den Einfluß der CO.,, die fast
die gesamten Alkalien und einen Teil der Si02 fortgeführt hat.
Die leichte Zersetzbarkeit durch salzfreies (destilliertes) und
durch kohlensäurehaltiges Wasser kann doch aber nicht gegen die
chemische Natur der Verbindung sprechen. Denn wir kennen viele
chemische Verbindungen, welche durch C02 zersetzt werden und
mit Wasser dissoziieren.
Wenn wir solche durch Säuren ganz oder teilweise zersetzten
Aluminatsilikate mit neutralen Salzlösungen in Berührung bringen,
so können zweierlei Reaktionen ausgelöst werden: es kann erstens
ein Austausch der Basen von noch unzersetztem Silikat, und zwar
in äquivalentem Verhältnis, erfolgen, und zweitens eine Zersetzung
des neutralen Salzes (Chloriden, Sulfaten, Nitraten der Alkalien
und alkalischen Erden) unter Absorption der Base und unter Sauer-
werden des Reaktionsgemisches; die saure Reaktion verschwindet
auch nicht beim Erwärmen.
Die Zersetzung des Neutralsalzes erfolgt natürlich nicht im
äquivalenten Austausch gegen die Basen des Silikates und daran
werden wir leicht erkennen können, ob ein zeolithisches, in Äqui-
valenten austauschendes, oder ein alloplianartiges Produkt vorliegt.
Liegen jedoch stark gealterte Gele vor, so wird diese Unter-
scheidungsmöglichkeit, wenn auch nicht versagen, so doch weniger
scharf sein. Dann können wir aber immer noch durch Erhitzen
mit überschüssigem Natriumhydrat oder in diesem Falle besser mit
Natriumsilikat auf Vergrößerung der Absorptionen prüfen. Tritt
eine solche in erheblichem Maße ein, so liegt ein größtenteils aus
allophanartigen Verbindungen bestehendes Produkt vor.
Versuche, die Natur der Bindung im kolloidalen Allophan zu
ergründen, unternahm R. van der Leeden 2, indem er die Löslich-
keit eines kristallisierten Zeoliths (Desmin) mit der eines Allophans
in destilliertem Wasser resp. in Essigsäure verglich, obwohl er
selbst konstatierte, daß die Silikate „schon durch Wasser
zersetzt werden“.
1 J. Lembero, Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 1876. 28. p. 318.
2 R. van der Leeden, Dies. Centralbl. 1911. p. 139—145, 173 — 179.
710 R. Gans, Ueber die chemische oder physikalische Natur
Die Zusammensetzung des Desmins und Allophans war folgende:
Desmin Allophan
Si02 54,55 21,37
Al, 0, 17,81 32.89
Fe4Og 0,24 0,81
CaO 8,71 1,91
Mg 0 1.10 0,91
Alkalien 1,57 1,77
Glühverlust 16,93 39,67
Cu 0 — 0,69
Das gewiclitsprozentische Verhältnis von Si 02 : Al„ 03 : Alka-
lische Erden ist bei beiden Silikaten ein völlig verschiedenes. Da
nun bekannt ist, wie sich besonders diese 3 Bestandteile in ihrer
Löslichkeit durch gegenseitige Ausfüllungen beeinflussen, so folgt,
daß die Resultate dieser Versuche unmöglich einen Einblick in die
Art der Bindung der kolloidalen Silikate gewähren können.
Aus ähnlichen Gründen untersuchte H. Stremme 1 die Lös-
lichkeit einzeln dargestellter Gele von Si 02 und A1.203 und der
durch Mischung von Si02- und Al2 03-haltigen Lösungen erhaltenen
Fällungsgele („Doppelgels“). Die Löslichkeit der einzelnen Gele
muß naturgemäß eine andere sein wie die der gemeinschaftlich
gefällten Doppelgele, da sich auch A1203 und Si02 in ihren Lösungen
ganz oder teilweise ausfällen.
Man hätte vielleicht einen Schluß ziehen können, wenn nicht
die Löslichkeit der Einzelgele, sondern die Löslichkeit der einzelnen
dargestellten und dann (in demselben Gewichtsverhältnis, wie es
die gemeinsam gefällten Doppelgele zeigen) miteinander gemischten
Gele untersucht worden wäre. Aber nur in dem Falle wäre der
Schluß einwandfrei gewesen, daß eine verschiedene Löslichkeit
beobachtet wurde. Denn die Löslichkeit wird nur dann ver-
schieden sein, wenn die Si09-Al203- Verbindung als solche in
Lösung geht und somit die Bindung zwischen Si02 und A1203
auch nach der Lösung noch weiter besteht, nicht aber dann, wenn
die Bindung zwischen Si0o und Al2 03 bei dem Lösungsvorgang
gesprengt wird.
Ein zwingender Grund, die Absorption resp. den Austausch
der kolloidalen Aluminatsilikate auf die infolge der kolloidalen
Natur ungemein vergrößerte Oberfläche zurückzuführen,
liegt um so weniger vor, als ja auch die kristallisierten Zeolithe,
welche nach der Anschauung der Kolloidtheorie eine solche stark
entwickelte Oberfläche nicht führen, annähernd dieselbe Absorption
resp. denselben Austausch zeigen.
Wollte man die konstanten Äquivalentverliältnisse bei den
künstlichen und natürlichen Aluminatsilikaten auf eine Wirkung
1 H. Stremme, Dies. Centralbl. 1908. p. 622—632, 661 — 669.
der kolloidalen wasserhaltigen Toneidesilikate.
711
der Oberfläche zurückführen, so ist man gezwungen, anzunehmen,
daß die Struktur ihrer Oberfläche immer die gleiche ist, gleich-
gültig, ob die Aluminatsilikate aus Lösungen niedergeschlagen werden
oder durch Einwirkung von Lösungen auf kolloidale oder kristal-
line Silikate oder durch Hydratation von Silikatgläsern entstehen,
gleichgültig, ob frische oder gealterte Gele, z. B. künstlich her-
gestelltes Aluminatsilikat oder hydratisiertes Traßgestein oder die
hydratisierten Silikate des Bodens, vorliegen. Denn sie alle zeigen
das Verhältnis von 1 Mol. Al2 03 : 1 Mol. Base, sofern sie vor
dem zersetzenden Einfluß der Atmosphärilien geschützt
vv a r e n.
In bezug auf die Bindung des Wassers ist bei gealterten
Kolloiden eine verminderte Bindungsfähigkeit — Hygroskopizität —
festgestellt worden, analog müßte sie auch in bezug auf die Bindung
der Basen vorhanden sein. Das ist aber nicht der Fall, wie wir
gesehen haben.
Der Versuch, die Gesetze der Kolloidabsorption auch auf die
Bindung in diesen Aluminatsilikaten auszudehnen, muß als ver-
fehlt bezeichnet werden.
Bahnbrechend in bezug auf die Anschauung über die Art der
Bindung in den Kolloiden sind die umfassenden Versuche von
P. P. v. Weimarn \ über welche G. v. Tschermak: 2 in folgender
Weise treffend urteilt: „Die Ansicht, nach welcher die Kolloide,
also auch die Hydrogele eine eigene Welt bilden, in der die stöchio-
metrischen Gesetze keine Geltung haben, wird durch die Tat-
sachen, welche von P. P. v. Weimarn beobachtet oder zusammen-
gefaßt werden, beseitigt. Aus vielen Versuchen geht hervor, daß
jede chemische Verbindung, die sonst kristallinisch erscheint, unter
bestimmten Umständen auch als Kolloid erhalten werden kann,
wonach kolloid und kristallinisch nur verschiedene Zustände des-
selben Körpers darstellen. Auch kristallisierte einfache HjMrate
ließen sich in Kolloide verwandeln, wenn die Bedingung erfüllt
wurde, daß das Hydrat bei der Entstehung in dem angegebenen
Medium schwerer löslich ist Nach diesen Erfahrungen
befinden sich die Teilchen eines Kolloids in einem dynamisch-
kristallinen Zustande, wobei selbstverständlich die stöchiometrischen
Gesetze nicht aufgehoben sein können.“
Die große Wahrscheinlichkeit, daß sich auch die Kolloide
in einem kristallinen Zustande — dem dynamisch-kristallinen Zu-
stande nach G. v. Tschekmak — befinden, ließ den Verfasser die
schon durch ihr sonstiges Verhalten berechtigte Forderung auf-
rechterhalten, alle austauschenden, wasserhaltigen, kolloidalen,
1 P. P. v. Weinarn, Zeitschr. f. Chem. u. Indust. d. Kolloide. 1909. 5.
p. 119.
2 G. v. Tschermak. im Handbuch d. Mineralchemie v. C. Doelter. 2, 2.
p. 234—235. 1913.
712
A. Born, Ueber neuere Gliederungsversuche
Tonerde, Kieselsäure und Basen führenden Silikate von der gleichen
Zusammensetzung und mit dem gleichen konstanten Äquivalentver-
hältnis, also sowohl die künstlichen als die natürlichen, als „zeo-
1 ithische resp. zeolithartige“ zu bezeichnen. Verfasser wurde in
dieser Forderung durch das übereinstimmende Verhalten bestärkt,
das bei den Silikaten des Ackerbodens und den künstlichen Alu-
minatsilikaten (Permutiten) besteht, wie aus den nun in der Be-
sprechung folgenden Versuchsresultaten von G. Wiegner und
D. J. Hissink hervorgeht. (Schluß folgt.)
Ueber neuere Gliederungsversuche im estländischen höheren
Untersilur.
Von Axel Born in Frankfurt a. M.
1911 erschien R. S. Basseer’s Werk: „The early palaeozoic
bryozoa of the baltic provinces“ (Smithonian Institution, U. S. Kat.
Mus. Bull. 77. Washington 1911). Basseer, der nie in Estland
war, verarbeitet in diesem Werk mit großem Fleiß das umfang-
reiche Material untersilurischer estländisclier, auch einiger schwedi-
scher, Bryozoen, ein Material, das ihm durch Schuchert, Fr. Schmidt,
Mickwitz, Michailowsky und vom Britischen Museum teils end-
gültig, teils leihweise überlassen worden war. Es liegt mir völlig
fern, an dem rein beschreibend paläontologischen Teil des Werkes,
der von 346 Seiten allein 3UU umfaßt, irgendwelche Kritik zu
iiben. Kritik möchte ich ebenfalls nicht üben an dem paläogeo-
graphischen Teil (p. 40). Was allein meinen Widerspruch hervor-
gerufen hat , ist der den beiden anderen vorausgehende strati-
graphisch-faunistische Teil (p. 1 — 38). Da außer mir augenblicklich
kaum jemand mit den geologischen Verhältnissen des estländischen
Untersilurs eingehender vertraut ist1, wird wohl auch niemand
auf das Irrtümliche und Falsche in der Darstellung Bassler’s auf-
merksam geworden sein. Ich halte es daher für meine Pflicht,
die von Bassi.er geäußerten Tatsachenentstellungen und daraus
resultierenden Schlüsse in das rechte Licht zu rücken, um so mehr,
als schon ein Teil der BASSLEit’schen Anschauungen in die Literatur
übergegangen ist2. Stellt doch Basseer’s Werk das Neueste dar,
was über estländisches Untersilur geschrieben worden ist.
Basseer hat auf Grund des ihm zur Verfügung stehenden
Materials, d. h. des ihm von oben genannten Herren überlassenen
1 Ich habe mich im Sommer 1912 drei Monate im Gebiet des est-
ländischen Untersilurs aufgehalten , um die faunistisch-stratigraphischen
Verhältnisse des höheren Untersilurs zu studieren.
2 Sowohl E. 0. Uerich (Bull. Geol. Soc. Am. 22. 1911. p. 488) wie
F. F. Hahn (N. Jahrb. f. Min. Beil.-Bd. XXXVI. p. 39) haben die von
Basseer angeblich festgestellte Lücke für ihre Zwecke verwendet.
im estländisclien höheren Untersilur.
713
und der im Nationalnmseum zu Washington vorhandenen An-
sammlungen aus Estland, und auf Grund einiger Arbeiten von
Fr. Schmidt (p. 8) einmal eine neue Charakterisierung
der untersilurischen Zonen Estlauds sowohl in petrographisclier
wie auch faunistischer Hinsicht vorgenommen , dann aber ver-
gleichende Betrachtungen zwischen baltischem und nordaraerika-
niscliem Untersilur angestellt, die ihn dazu geführt haben, eine
größere zeitliche Lücke zwischen der Unteren- (Fj a) und
der Oberen L ü c kh o 1 m scheu Schicht (F, ß) anzunehmen.
Was den ersten Punkt betrifft, so ist zu bedauern, daß
R. S. Basslek von dem ersten Teil des ScHMiDT’schen Trilobiten-
vverkes1, der eine kurze Darstellung der stratigi’aphischen Verhält-
nisse enthält, nicht mehr Gebrauch gemacht hat. Sicher ist heute
den Beobachtungen Fr. Schmidt’s einiges hinzuzufügen, wie ich
später zeigen werde, aber nur durch genaue Kenntnis der von
Fr. Schmidt gewonnenen Resultate und durch weitere exakte
Untersuchungen.
Ich beginne mit der Zone D, , der ältesten der Zonen, die
icli einem genaueren Studium unterzogen habe :
D,, Jewesche Schicht, als „siliceous limestone and shale“ von
Bassler charakterisiert (p. 9). Daran ist allein richtig das
Wort „limestone“ und auch das nur bedingt, denn es handelt sich
fast stets um Mergel, da der Gehalt an Ton 50 % oft weit
übersteigt, und in den seltensten Fällen um Kalk. Von kiese-
ligem Kalk kann schon gar nicht die Rede sein, da es sich
um ein ganz lockeres, weiches, leicht zerfallendes Gestein
handelt, das Kieselsäure als solche kaum , d. h. nicht mehr
als andere Kalke enthält. Daß in diesem Gestein die Fos-
silien häufig verkieselt sind , darf den Schluß, daß auch der
Kalk es ist, nicht zulassen. Schiefer fehlen in der Jewe-
schen Schicht gänzlich, sowohl Tonschiefer, als geschieferte
Kalke und geschieferte Mergel.
Nach meinen Beobachtungen ist das Gestein der Jewe-
schen Schicht folgendermaßen zu charakterisieren : Mehr oder
weniger dünnplattige Kalke und Mergel, die niemals schieferig,
dagegen aber oft dickbankig werden. Verkieselt, wie Fr. Schmidt
es angibt, sind die Kalke nur ganz lokal.
D, Kegelsche Schicht, nach Bassler (p. 9) „shaly fossiliferous
limestone“. Die Kegel’sche Schicht ist als mehr oder
weniger diinnbankiger Kalk ausgebildet, dessen einzelne Bänke
durch dünne Tonlagen getrennt sind. Geschiefert sind die
Kalke niemals.
D3 Wassalemsche Schicht, nach Bassler (p. 9) als „very
fossiliferous tliin bedded blue limestone and shale“ ausgebildet.
1 Fr. Schmidt, Revision der ostbaltischen sibirischen Trilobiten.
Teil I. (Mem. de l'Acad. d. sc. d. St.-Petersbourg.) VII Serie. 30. p. 9 — 41.
714
A. Born, Ueber neuere Gliederungsversuche
In Wirklichkeit ist der Wassalemsche Kalk außerordentlich
dickbankig, was gerade sein Charakteristikum bildet und
seine große technische Verwendung ermöglicht. Die un-
geheuren einheitlichen Blöcke des kristallinen Kalkes im großen
Wassalemschen Steinbruch werden jedem, der sie gesehen
hat, in Erinnerung bleiben. Daß dazwischen, besonders oben,
auch dünnere Lagen sich einschalten, und ebenso tonige, aber
plastisch-tonige Zwischenlagen, berechtigt nicht zu den Bezeich-
nungen „tliiu bedded“ und „shale“. Man kann die Wassalem-
sche Schicht als sehr dickbankigen, grobkristallinen organogenen
Kalk bezeichnen , der nach obenhin und auch sonst etwas
diinnbankigen Charakter zeigen kann und dessen Bänke durch
dünne plastische Tonlagen getrennt werden.
E. Wesenbergsche Schicht, von Bassler (p. 9) als „fossili-
t'erous yellow shale and tliiu limestone interbedded“ bezeichnet.
Fr. Schmidt schreibt (1. c. p. 35): „das Gestein pflegt ein
dichter, gelblicher oder bläulicher Kalk zu sein, der in einige
Zoll mächtige Schichten bricht, die durch dünne Mergellagen
getrennt sind“. Dieser Charakteristik wäre höchstens noch
hinzuzufügen , daß die dünnen Zwischenlagen oft nicht aus
Mergel, sondern aus plastischem Ton bestehen. Im übrigen
zeigt sie die völlige Sinnlosigkeit der BAssLER’schen Angaben
und die dadurch bedingte Entstellung der Tatsachen.
Fj a Untere Lückholm sehe Schicht wird von Bassler (p. 9)
als „magnesian limestone holding Maclurea , Subulites and
other gastropods closely related to American Trenton species“.
Fr. Schmidt schreibt (p. 37) von dieser Zone: „ein weißer,
dichter, kieselreicher Kalk, ähnlich dem Wesenberger, mit
wenig Korallen“. Dieser Kalk ist nach einer chemischen
Analyse sehr wenig Mg-haltig. Wie weit der Kalk dieser
Zone tatsächlich im Osten in echte Dolomite, nicht dolomi-
tischen Kalk, übergeht, hat weder Fr. Schmidt erkannt, noch
lassen meine Untersuchungen bis jetzt einen Schluß zur Lösung
dieser Frage zu. Eigenartig berührt es, wenn Bassler
gerade Gastropoden im allgemeinen wie im speziellen Maclurea
und Subulites als für diese Zone charakteristisch hält, während
nach Fr. Schmidt, Koken und nach meinen Beobachtungen
Maclurea auf die Obere Lückholmsche Schicht (F, ß) beschränkt
ist, und Subnlites wie überhaupt Gastropoden hier in großer
Fülle auftreten. Bassler ist hier die unangenehme Verwechs-
lung untergelaufen , daß er die Zonen Ft a und F, ß ver-
wechselt und der ersteren den Gastropodenreichtum zuschreibt,
während dieser gerade der letzteren eignet.
F, ß Obere Lückholmsche Schicht, nach Bassler (p. 9)
als „gray to yellow argillaceous limestone with many corals,
Halysites, Calopoecia, Hcliolites etc.“ bezeichnet. Diese Charak-
im estländischen höheren Untersilur. 715
teristik ist richtig bis auf die Bezeichnung „yellow“. Es
können allerdings lokal infolge der Verwitterung gelbliche
Färbungen entstehen, das frische Gestein ist jedoch stets
grau bis dunkelblau oder schwärzlich. Fr. Schmidt schreibt
(1. c. p. 37): rEin grauer mergeliger Kalk, der stellenweise
voller Korallen ist.“ Die paläontologisclie Charakterisierung
Basslf.r's läßt , wie unten hervorgehoben , das Betonen des
Ungeheuern Gastropodenreichtums vermissen; dann wäre es
auch angebracht gewesen, der Fülle der Favositiden, der
Einzelkorallen wie Strcptelas»ia und Petraia u. a. zu gedenken,
die hier eine größere Rolle spielen als die von Basslkr
genannten Formen.
F, Borkhol m sc he Schicht von Bassler (p. 9) als .massive
siliceons white limestone“ bezeichnet. Von den einzelnen Ab-
teilungen der Borkholmschen Schicht weiß Bassler nichts.
Fr. Schmidt schreibt darüber (1. c. p. 39): .Zu oberst liegen
feste, zum Teil dichte, kristallinische weißgraue Kalksteine
von splittrigem Bruch . ; darüber kieselige oder mergelige,
etwas bituminöse rötlichbraune Plattenkalke mit Mergellagen
wechselnd. Dann ziemlich lockere , grobkörnige , bisweilen
etwas dolomitische Kalke Zu unterst folgt eine Bank
von Encrinitenstielen.“ Es ist nicht zu verstehen, warum
B. an dieser Stelle nicht auf die ScHMiirrsche Definition
zurückgreift, wo er doch sehen mußte, daß sein Material mü-
der einen der ScHMiDT’schen Unterabteilungen von F2 ent-
stammen konnte.
Vielleicht hat Bassler in seiner Tabelle (p. 9) nur eine Dar-
stellung der Verhältnisse geben wollen, wie er sie aus seinen
Handstücken kennen gelernt hat. Das hätte aber betont werden
müssen. Im übrigen müssen es, wenigsten zum Teil, recht eigen-
artige Handstücke gewesen sein, die ihn derartiges lehren konnten.
Der zweite Punkt betrifft die zeitliche Lücke, die
Bassler zwischen F, a und F, ß konstruiert. Dargestellt werden
die Verhältnisse auf einer TabeUe (p. 3S), deren wesentlichen Teil
ich auf p. 7 16 wiedergebe. Die Rubrik rechts bringt die Gleichsetzung
der Schichten zum Ausdruck, wie ich sie vorläufig für wahrscheinlich
halte. Ich halte die Gleichsetzung jedoch nicht für endgültig, da
meine Studien darüber noch nicht zum Abschluß gelangt sind.
Das hindert jedoch nicht, zu zeigen, wie irrtümlich die Auffassung
Bassler’s von der Lücke zwischen F, a und F, ß und wie unzu-
reichend die von ihm herangezogenen Beweismittel sind.
Bassler schreibt p. 5 : „Thus the entire Middle Cambrium is
wanting and, according to the present results, the greater portion
of the Xortli- American Ordovician section is absent“, und p. 17:
„Without the evidence of the fanna, the presence of a great time
break in this formation (Lückholm) miglit not be suspected.“
716
A. Born, Ueber neuere Gliederungsversuche
? 9
CD ,-C
» II ££
- ? 2
— O =
- 3 _J.
-! 2.
C ö »
— ■/ CD P
7 3
pc 2
i-3
*-!
cd
3
O
3
b q
O
pj
P
B
g
o*
3
Ö
CD
Cß
cd
»-s
: tc *o o
'-B* er cd p
P h! ff
er B ^ Ef-
V- P ^ CD
03 < *<
p Bo
• hrj b*
■ P o
CKCOj
B 2 S <
BOB-
B El 23
B 3g 5 5 C!
«5 gg-* F
i 2 3
p
o
P
*-s
Cu
cd
p
-Ö
o
CD
o
o
*-j
P
P_
cd
g
CD
cd
CD
Oh
(TD
cd
CD
p 5i 5*
CD-
W s;
® <ipö
§ B-e 8
pl^x-o
CD (_> CD O
~ 5’ P £■’
3* B 0
2 q o
JQ 3 er
■ £3 n- 3" m
<z>as a?
g. 3 tH 3 S
s: ^3 a
B- £■“ 7
S 1 "Cb
cd •
O CD O 7
3 B3 3:
„B o B x*
X— ‘
» 1
CO
s
.injisjo^uQ = uupiAop.10
Nordamerika i. a. Upper Mississippi Baltic Russia Baltic Russia
(„General time scale“) j valley | (n. Bassler) (n. Born.)
im estländischen höheren Untersilur.
717
Bassler beginnt den Beweis seiner Behauptung damit, daß
er für die W es en b er gs ch e Schicht (E) ein „early Trenton“
Alter wahrscheinlich zu machen sucht. Seine Vermutung wird
jedoch in keiner Weise bewiesen. Von den in beiden Zonen
(E — early Trenton) gemeinsam auftretenden Brachiopoden (p. 16)
ist Dabnanella testudinaria sowohl nach Beobachtungen von Wvso-
gorsky 1 wie nach den meinigen , durchaus nicht mehr auf E
beschränkt, sondern kommt auch in D2 (Kegelsche Schicht) vor.
ebenso wie in C„ bei Kuckers. Ähnlich verhält es sich mit Plect-
ambonites sericeus, die fast durch das ganze estländische Unter-
silur hindurchgeht. Beide Formen kommen daher für die Gleich-
setzung im Sinne Bassler’s nicht in Betracht. Orthis plicatella
ist allerdings nach Wysogorsky1 2 auf E beschränkt.
Bezüglich zweier weiteren Formen hat Bassler seine Zweifel selbst
zum Ausdruck gebracht: Strophomena cf. scofieldi und Eaßnesquina
cf. deltoidea. Letztere ist in Estland ebenfalls nicht auf E beschränkt,
sondern kommt auch in F, ß vor. — „The gastropods of both
areas are well known and show some similarity“ (p. 16). Pleuro-
tomaria (= Murchisonia) insii/nis Eichw. soll die gleiche sein, wie
Hormotoma major Hall aus dem „earliest Trenton" von Missouri
und Minnesota. Und Maclurea neritoides Goldf. soll den ameri-
kanischen Formen sehr nahe stehen. Das mag alles richtig sein,
aber Murchisoniu insi/piis ist in E sehr selten, kommt dagegen in
F, ß sehr häufig vor, und Maclurea neritoides kommt in E über-
haupt nicht vor. auch nicht in F, a. wie Bassler es in seiner Tabelle
angibt, sondern ausschließlich, und zwar recht häufig, in F, ß,
wo sie einer der wesentlichsten Leitformen darstellt (siehe auch
Koken, Bull, de l’Acad. d. sc. d. St.-Petersbourg. V. ser. tome VII.
1897. p. 107 u. a.). — Daß eine Protarea beiden Zonen gemeinsam
ist, sagt in dieser Form gar nichts und ebensowenig die Tatsache,
daß eine Streptelasma ähnlich S. profundum Hall Vorkommen soll.
Solche Formen kommen schon in D, , aber auch in F, , vor. — Für
eine Identifizierung der Wesenbergschen Schicht (E) mit dem
„early Treuton“ spräche also nur die Bryozoenfauna. Von 24 est-
ländischen Arten finden sich 10, also 41 °/0 im nordamerikanischen
„early Trenton“ wfieder. Im übrigen scheint es mir nicht an-
gängig, nur eine einzige Tiergruppe für stratigraphische Gleich-
setzungen zu verwerten.
Ein ähnliches Alter wie der Wesenbergschen Schicht (E)
kommt nun nach Bassler (p. 17,36, 37) auch der UnterenLück-
liolm sehen Schicht (F, a) zu, nämlich das des Galena-Trenton
des Mississippi valley. Auf Grund der Bryozoen und der fälsch-
lichen Annahmen, Maclurea neritoides käme in F, a in Estland
1 Z. d. deutsch, geol. Ges. 1900. p. 227.
2 1. c. p. 231.
718
A. Born, Ueber neuere Gliederungsversuche
vor (p. 9 und 38) wird diese Zone dem Galena-Trenton gleich-
gesetzt, und zwar dem Madurea bed (siehe Tabelle). In Nord-
amerika liegt nun über dem Galena-Trenton im allgemeinen noch
die Serie des Cincinnatian (Tab. linke Spalte) ; im Mississippi
valley folgt jedoch über den Galena-Trenton sofort das Rich-
mondian mit seinem Korallenreichtum. Hier liegt also nach Bassler
eine große zeitliche Lücke vor. Die Verhältnisse im Mississippi
valley überträgt er auf Estland. Dem Galena-Trenton (Stewarts-
ville dolomite) mit dem Maclurea bed entspricht, wie gesagt, das
Unterlückholm (F, a) mit dem hier fälschlich vermuteten Maclurea
bed; und dem Korallenhorizont des nach B. obersilurischen Rich-
mondian (Fernvale limestone etc.) entsprechen das Oberlückholm
(Fj ß) und das Borkholm (F2). Also auch hier dieselbe Lücke
wie im Mississippi valley. Dabei macht nun Bassler den einen großen
Fehler, daß er das Maclurea bed in Fx a vermutet , während es
tatsächlich in F, ß liegt. Infolgedessen tritt eine erhebliche Ände-
rung der Darstellung ein. Da ich, ebenso wie Bassler, wenigstens
vorläufig , glaube , daß dem Maclurea bed ein gewisser strati-
graphischer Wert zukommt, so muß in der Tabelle F, ß herunter-
rücken an die Stelle von F, a und würde diesem dicht folgen
(siehe Tabelle rechte Spalte). Infolgedessen schließt sich die
Lücke zwischen F, a und F, ß zwanglos. — Bassler zieht nun aller-
dings für seine Gleichstellung von Fj a und F, ß mit den nord-
amerikanischen Zonen außer dem Maclurea bed einmal die Bryozoen
heran, dann aber auch die nur in seiner Vorstellung vorhandene
große faunistische Übereinstimmung zwischen E und Fx a einer-
seits und Fj ß und F, andererseits, und den großen Unterschied
zwischen F, a und F( ß heran. Was die Bryozoen anbelangt, so
hat er leider gerade für die Zone Fx a in seiner Tabelle (p. 18)
nicht angegeben, wieviel Arten sie mit seinem nordamerikanischen
Äquivalent, dem Stewartsville dolomite gemeinsam hat. Die ver-
muteten Unterschiede wie Übereinstimmungen existieren im übrigen
nicht. Petrographisch besteht eine gewisse Übereinstimmung
zwischen E und Fx a, aber faunistisch sind recht erhebliche Unter-
schiede vorhanden. Es sind die gleichen Unterschiede, wie sie
ganz allgemein zwischen den estläudischen untersilurischen Stufen
bestehen : Eine gewisse Zahl von Arten geht durch eine Reihe
von Stufen hindurch (z. B. Orthisina Verncuili, Porambonites tere-
tior, Platystroplüa biforata , Leptaena rhomboidalis , Plectamboniies
sericeus, Streptelasma cf. corniculum). Daneben kommen dann die
Variationen dieser Arten vor, die immer nur auf die einzelnen
Stufen beschränkt sind; ebenso beschränkt sind meist eine Reihe
von Trilobiten, auf E z. B. Ohasmops wesenbergensis, Lichas Eicli-
tvaldi , Encrinuras Seebaclii , und Gastropoden wie Carinariopsis
rosfrata, Worthenia Mickwitzi, Pleurotomaria elliptica, P. lenticularis,
P. baltica, liaph istoma ivesenbergense , Subülites wesenbergensis.
im estländischen höheren Untersilur.
719
Diese Formen geben der Zone dann ihr charakteristisches Gepräge.
Und ein solch eigenes Gepräge besitzt die Zone E gegenüber Fx a in
sehr starkem Maße , da vor allem in E eine große Zahl von
Formen, besonders Trilobiten und Gastropoden, aber auch Brachio-
poden erlischt, andererseits auch in F, a neue Formen einsetzen.
Ganz anders liegen die Verhältnisse zwischen F, a
und F] ß , wo Basslek einen großen faunistischen Unterschied sehen
will. Fast sämtliche Formen, die in Fx a auftreten , finden sich
auch in Fx ß. Durch keinen Trilobiten, kein Bracliiopod, keine
Koralle, keinen Zweischaler wird der Zone F, a gegenüber F, ß
ein eigenes Gepräge verliehen. Keine einzige Art dieser Gruppen
eignet ihr, alle linden sich im Oberen Lückholm wieder, und nur
wenige Gastropoden , wie Subidites infiatus, Euomphalus laminosus,
Pleurotomaria numismalis u. a. linden hier ihr Ende. Das ist der große
Unterschied gegenüber E und Fx a, daß der Gegensatz zwischen
Fa a und F, ß nicht bedingt ist durch das Erlöschen einer größeren
Zahl charakteristischer Formen in der älteren Zone, sondern nur
das neue Hinzutreten einer Fülle von Formen zu einer fast voll-
ständig weiter bestehenden Formengemeinschaft. Im ersten Falle
(E — F, a) mußten die chemisch-physikalischen Verhältnisse des
Meeres eine Änderung erfahren haben , um das Erlöschen eines
ziemlich hohen Prozentsatzes einer Faunengemeinschaft zu bedingen;
im Falle F, a — F, ß trat eine derartige Veränderung nicht ein —
wenigstens machte sich irgend ein Einfluß in der Fauna nicht
bemerkbar, und das ist ja das wesentlichste Kriterium, was wir
dafür besitzen. Ich sehe daher im Gegensatz zu Bassler trotz des
Hinzutretens der Fülle der Korallen in Fj ß den engsten Zu-
sammenhang zwischen Ft a und Fx ß, einen derartig engen Zu-
sammenhang, daß vom faunistischen Standpunkt aus eine große
Lücke, wie Bassler sie annimmt, völlig unmöglich ist. Ähnlich wie
mit E und F, a verhält es sich auch mit den faunistischen Be-
ziehungen zwischen Fx ß und F2. Es ist hier nicht der Ort, auch
diesen Punkt noch einmal näher auseinanderzusetzen, meine Arbeiten
werden darüber noch eingehend Aufschluß gebeu. — Kurz möchte
ich noch auf die Berechtigung eingehen, mit der Bassler Fx ß und F,
dem Obersilur zuzurechnet. Wer nicht genau darüber orientiert
ist, könnte der Tabelle p. 38 entnehmen, es wäre in Nordamerika
allgemein üblich, das Richmondian zum Obersilur zu stellen. Das
ist jedoch keineswegs der Fall, in der neueren Literatur scheinen
alle Silurforscher (z. B. Foerste, Cumings, Gordox, Hayes, Mickels,
Rüdemaxn, Sardesox, Ulrich, Wixchell u. a.) das Bichmondian
zum Cincinnatian und das wieder ins oberste Untersilur (Ordovician)
zu stellen. Fx ß und F» würden also , wenn sie wirklich beide
dem Richmondian entsprechen sollten , doch untersilurisch sein.
Daß in beiden, im Bichmondian wie in Fx ß — F2, eine Atrypa ,
Leptaena rhomboidalis und je eine Streptis und StricMandinia auf-
720
Miscellanea. — Personalia.
treten, kann unmöglich einmal ihre Gleichalterigkeit, anderseits ihr
ohersilurisches Alter beweisen, denn Alri/pa- Arten sind seit langem
aus verschiedenen untersilurischen Zonen Böhmens wie Englands
bekannt, Leptaena rhomboidalis tritt in Estland schon seit C2
{Kuckerssche Sch.) in allen Zonen in typischer Form auf, kann
also nicht im geringsten mehr als typisch-obersilurische Form
angesehen werden; und schließlich sagen je eine unbestimmbare
Streptis und Stricklandinia nichts über das Alter aus. Im übrigen
ist es selbstverständlich und längst bekannt, daß das Untersilur
bereits typische Vertreter der obersilurischen Faunen birgt. Die
Gleichalterigkeit des Richmondian mit F, und F2 stützt sich also
schließlich auf drei Bryozoenspezies (p. 17) und das ist m. E.
etwas wenig. Ein Versuch, auch andere Tiergruppen für die Alters-
deutung heranzuziehen, ist gar nicht gemacht worden. Wohl
könnte F2 dem Richmondian entsprechen — von F, halte ich es
für unwahrscheinlich — aber der von Basslek eingeschlagene Weg
ist nicht im geringsten geeignet, es wahrscheinlich zu machen.
Verhält es sich wirklich so , dann läge irgendwo zwischen F, (J
und F2 eine Lücke, aber das hat Basslek nicht behauptet und ich
bestreite es nicht. Wohl gäbe es aber noch eine zweite Möglich-
keit, daß nämlich die J/ac/»rai-Horizonte nicht gleichaltrig und
daß die Biyozoen nicht leitend wären. Dann würden Unter- und
Ober-Lückholm einem Teil des Ciucinnatian entsprechen, und das
scheint mir das wahrscheinlichere. Wo dann die Lücke liegt,
falls überhaupt noch eine vorhanden, das zu untersuchen, ist nicht
Zweck dieser Zeilen ; Zweck allein war es, die von Bassler ent-
stellten Tatsachen zu berichtigen und die daraus gezogenen Schlüsse
in das rechte Licht zu rücken.
Frankfurt a. M., Senckenberg-Museum, Oktober 1913.
Miscellanea.
Die akademischen Behörden der schwedischen Universität
Lund haben beschlossen, beim schwedischen Reichstag die Be-
willigung von ein Drittel Millionen Kronen zur Erbauung eines
neuen geologisch - meteorologischen Instituts in Lund
nachzusuchen.
Personalia.
Gestorben: Prof. Dr. A. Baltzer in Bern.
Adolf Hofmann +.
721
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Adolf Hofmann f.
Am 9. September d. J. starb in Prag Hofrat Adolf Hofmann,
Professor der Pfibramer Montan-Hochschule i. R., in seinem
61. Lebensjahre.
Hofmann wurde am 17. Jänner 1853 zu Zebräk in Böhmen
geboren, war nacli der Absolvierung der Bergakademie in Leoben
dortselbst als Assistent, in den Jahren 1880 — 1888 als Dozent
tätig, supplierte 1888/9 die Professur der Lagerstättenlehre,
Mineralogie und Geologie in Pfibram, wo er 1889 zum außer-
ordentlichen, 1893 zum ordentlichen Professor ernannt wurde und
bis 1909 wirkte; in diesem Jahre übersiedelte er nach Prag und
setzte im mineralogischen Institut der böhmischen Universität seine,
vor allem Pfibram und die böhmischen Goldvorkommen behan-
delnden Arbeiten fort.
Hofmann’s wissenschaftliches Wirken war den verschiedensten
Zweigen der Geologie gewidmet , besonders aber einerseits der
Vertebratenpaläontologie, andererseits der Lagerstättenlehre. Über
vierzig Publikationen in deutscher und böhmischer Sprache teilen
die Resultate seiner Untersuchungen mit ; dieselben sind zumeist
im Jahrbuch, Verhandlungen und Abhandlungen der geologischen
Reichsanstalt in Wien, Sitzungsberichten der königl. böhmischen
Gesellschaft der Wissenschaften und Abhandlungen resp. Bulletin
international der böhmischen Akademie in Prag veröffentlicht
worden.
Die paläontologischen Arbeiten Hofmann’s datieren zumeist
aus seiner Leobener Zeit, wo er durch eifrige Sammlertätigkeit
ein umfangreiches Studienmaterial aus den Braunkohlenablagerungen
des steiermärkischen Miocäns zusammenbrachte. Seine Haupt-
arbeiten sind da eine Bearbeitung der miocänen Krokodiliden Steier-
marks, 1885 in den Mojsisovics-NEUMAYER’schen Beiträgen zur
Paläontologie Österreich-Ungarns und des Orients, und Monographie
der Fauna von Göriach, 1893 in den Abhandlungen der Wiener
geologischen Reichsanstalt erschienen. Außer den steirischen be-
arbeitete Hofmann auch einzelne böhmische, mährische und bos-
nische Funde von fossilen Vertebraten.
1899 veröffentlichte Hofmann gemeinsam mit F. Ryba einen
großen „ Atlas der Leitpflanzen paläozoischer Steiukohlenablagerungen
in Mitteleuropa“, und in der letzten Zeit kehrte er nochmals zu
den Fragen der Kohlengeologie zurück und publizierte einige
Mitteilungen über dynamische Phänomene derselben (Kreis- oder
Augenkohle usw.).
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913.
46
722
P. M. Hopmann, Einige Bemerkungen
Wie die paläontologische Arbeit Hofmann’s vorzugsweise der
Steiermark gewidmet war, so galten seine Untersuchungen auf dem
Gebiete der Lagerstättenlehre vor allem den böhmischen Vor-
kommen. Das Pfibramer Ganggebiet bewachte er jahrelang und
berichtete in zahlreichen Mitteilungen über neue Funde von Mine-
ralien (Berthierit, Witherit, Scheelit), über Orte mit abweichender
Erzführung (St.febsko, Narysov), gab aus Anlaß des Wiener
Geologenkongresses 1903 eine gedrängte zusammenfassende Dar-
stellung der Pfibramer Erzgänge und noch in Prag bearbeitete
er (im Verein mit dem Schreiber dieser Zeilen) die Pfibramer
„Dürrerze“. In den Goldquarzgängen von Kasejovic entdeckte er
ein Tellurmineral (Nagjragit?) und beschrieb dieses goldführende
Gebiet, sowie einige kleinere Vorkommen, z. T. mit Sehr. d. Z.,
in einer Reihe von Publikationen (1906 — 1913).
Hofmann führte auch die Untersuchung der Antimonitgänge
von Pficov durch, und von außerböhmischen Lagerstätten brachte
er wichtige Beiträge zur Kenntnis der Hohen Tauern, von Kraubat,
Monte Mulatto und Veitsch.
Der praktische Sinn und die Gründlichkeit Hofmann’s äußert
sich in allen seinen Publikationen , nicht weniger aber auch in
seiner Tätigkeit als Hochschullehrer und praktischer Bergmann ;
die Ausstattung seines Pfibramer Institutes mit reichhaltigen und
instruktiven Sammlungen war zur Gänze sein Werk. Alle Fach-
genossen, die in den Jahren seines Wirkens Pfibram besucht
haben, werden das unbegrenzte Entgegenkommen in Erinnerung
behalten, welches Hofmann den wissenschaftlichen Interessen Anderer
entgegenbrachte, und die Bereitwilligkeit, mit welcher er jeden
mit Pfibramer und anderem Arbeits- und Sammlungsmaterial aus-
seinen reichen Vorräten versah.
Ehre dem Andenken des gediegenen Forschers, vorzüglichen
Lehrers und edlen Mannes! F. Slavik.
Mitteilungen aus dem Mineralogischen Institut der Universität Bonn.
20. Einige Bemerkungen über die Einschlüsse im Leucit-Tuff
der Kappiger-Ley.
Von P. Michael Hopmann, 0. S. B.
Die Kappiger-Ley nordwestlich vom Laacher See ist bisher
als Fundstelle vulkanischer Auswürflinge wenig bekannt. In älteren
Sammlungen linden sich Bruchstücke großer Sauidinkristalle von
dort, sowie Staurolith führende kristalline Schiefer. Letztere hat
R. Brauns aus der REiTEß’schen Sammlung zu Neuwied kurz er-
wähnt *. Da in der großen jAcoß’schen Sammlung Staurolith- und
1 R. Brauns, Die kristallinen Schiefer aus dem Laacher Seegebiet
und ihre Umbildung zu Sanidinit. Stuttgart 1911.
über die Einschlüsse im Leucit-Tnff der Kappiger-Lev.
723
Disthen-Glimmerscliiefer nur vom Hüttenberg bei Niederzissen vor-
handen sind, machte ich den Versuch, die Umgebung der Kappiger-
Ley auf solche Auswürflinge hin abzusuchen , wobei ein über-
raschendes Ergebnis zutage trat. Während Dr. Halfmann bei
seinen Aufsammlungen im Gebiete der Eiedener Leucittuffe, deren
Ergebnisse seine demnächst erscheinende Dissertation mitteilt, kein
einziges Stück eines kristallinen Schiefers gefunden hat, wurden
hier am NO. -Abhange der Eiedener Umwallung zahlreiche kristal-
line Schiefer verschiedener Art gefunden. Der Tuff des abgesuchten
Gebietes muß also einem kleinen, gesonderten Ausbruche entstammen ;
von dem Tuff in der Umgebung des Dachsbusches und des Hütten-
berges, nördlich vom Wehrer Kessel, aus dem die von E. Brauns
vorzugsweise untersuchten kristallinen Schiefer stammen , unter-
scheidet er sich durch seinen Leucitgehalt, und gehört demnach
zur Gruppe der Leucitphonolithe.
Von den aufgesammelten kristallinen Schiefern, die mit den
1910 von mir beschriebenen Staurolith- und Disthen-Glimmerschiefer
vom Hüttenberge1 ziemlich übereinstimmen, enthalten 11 Staurolith,
2 Disthen und 7 Staurolith und Disthen. Andere Glimmerschiefer
und Phjdlite führen als charakteristische Mineralien Granat,
Andalusit und Korund; unter ihnen sind einige auffallend reich
an Granat oder Korund.
Vollständige Keihen von Umwandlungen, wie sie E. Brauns
mitteilen konnte, lassen sich an dem Material von der Kappiger-
Ley einstweilen nicht aufstellen. Pyrometamorphose tritt nur
schwach hervor. Die Umwandlung von Staurolith und Disthen
in Sillimanitaggregate , von Andalusit in Korund unter Bil-
dung von Alkalifeldspat, kann wohl nur auf Pyrometamorphose
zurückgeführt werden; dabei ist es nicht zur Bildung von Glas
gekommen. Meist finden sich Aggregate von Korund, Spinell,
Biotit, Magnetit und zuweilen etwas Feldspat an Stelle der ver-
änderten Idioblasten (Staurolith, Granat). Selten tritt Cordierit auf.
Deutlicher ist die Einwirkung erhöhter Temperatur an solchen
Auswürflingen kristalliner Schiefer, die sich in Mineralbestand und
Textur von den bisher genannten gut unterscheiden. Staurolith
und Andalusit sind nicht vorhanden ; Korund, Granat und heller
Glimmer nur ganz vereinzelt. Letzterer ist immer von einem
Kranz kleiner Biotitschüppchen umgeben. Bei den hellen Be-
standteilen vermißt man vielfach eine deutliche Längserstreckung;
sie zeigen hornfelsähnliche Pflasterstruktur. Quarz bildet nur
selten die Hauptmasse der hellen Komponenten ; alsdann sind die
einzelnen Körner von schmalen Glassäumen umzogen. Meist tritt
Quarz gegen Feldspat zurück; die gerundeten Körner sind oftmals
von kleinen Feldspatkörnern umsäumt. Feldspäte verschiedener
1 Verhandlungen des Naturhistoriseben Vereins. 67. Jahrgang. 1910.
p. 193—236.
46*
724
P. M. Hopmann, Einige Bemerkungen
Zusammensetzung zeigen außer der erwähnten Pflasterstruktur viel-
fache Durchwachsungen und eigentümliche Verzahnungen; größere
Körner, wie sie in den vorhin genannten kristallinen Schiefern
vorhanden sind, die zahlreiche Quarz- und Glimmerreste in par-
allelen Reihen einschließen, fehlen in diesen Auswürflingen.
In diese an sich körnigen Aggregate der hellen Gemeng-
teile wird eine oft feine Schichtung durch parallel einge-
lagerte Biotitblättchen gebracht. Sie haben die gewöhnliche
braune Farbe, während der dunkle Glimmer in den zuerst genannten
Schiefern einen grünlichen Ton zeigt. Pyroxen- und Amphibol-
mineralien treten stärker hervor. In diesen Schiefern fehlt
Glas nie. Bei reichlicher Ausbildung des Feldspates findet sich
nur wenig Glas, und zwar in eigenartig zersetzten Biotitstreifen.
Während die Biotitblättchen, die die Schieferung des Gesteins
bedingen , im allgemeinen unangegriffen oder nur von feinen
Magnetitoktaedern besetzt, gelegentlich auch von größeren Epidot-
körnern durchbrochen sind, finden sich in einer Anzahl von Schliffen
mehr oder weniger schmale Streifen, in denen kleine, hellgelbe,
meist rechteckige Biotitblättchen mit gerundeten Ecken dicht ge-
drängt in einer hellen Grundmasse liegen, die wohl Feldspat sein
dürfte. Die vielen kleinen Glimmerblättchen liegen in der Mehr-
zahl untereinander parallel und lassen öfters aus ihrer Anordnung
auf die Umrisse der Biotitleisten schließen, aus denen sie durch
Zerfall hervorgegangen sein mögen. Die Mitte der Streifen ist
trübgelblich , wie mit einem feinen Pigment erfüllt. Auch
dieses erweist sich durch starken Dichroismus und kräftige Doppel-
brechung als Biotitsubstanz. Eine derartige Zersetzung des Biotits
findet sich in geringen Spuren in allen Auswürflingen dieser Gruppe.
Eine weitere Gruppe der Lesesteine von der Kappiger-Ley
ist durch das Vorherrschen von Pyroxen- und Amphibolmineralien
gekennzeichnet. Einige weisen durch die feinschichtige Lagerung
der gestreckten dunklen Gemengteile in einer richtungslos körnigen
Feldspatmasse, und mehr noch durch ihre quer zu dieser Schichtung
verlaufenden geradlinigen und parallelen Risse, die den durch
Transversalschieferung entstandenen entsprechen, deutlich auf ihre
ursprüngliche Natur als sedimentäre Schiefer hin, während es jetzt
eigenartige Augit-Feldspatgesteine sind, die keinem bekannten Ge-
stein direkt zugewiesen werden können.
Andere setzen sich aus der Hauptsache nach richtungslos
körnigen Massen zusammen, die zahlreiche Reste weniger um-
gewandelter Biotit-Feldspatschiefer umschließen, oder selber gang-
artig in solche Schiefergesteine eingeschaltet sind. Das Pyroxen-
mineral ist zum Teil ein grüner Augit, der dem optischen Ver-
halten nach als Ägirinaugit bestimmt werden kann , z. T. ein
braungelblicher, der mit gerader Auslöschung die Licht- und
Doppelbrechung und den Pleochroismus des gemeinen Augits ver-
über die Einschlüsse im Leucit-Tuff der Kappiger-Ley. 725
einigt. Er ist teils stark mit Magnetitausscheidungen durchsetzt,
teils mit Hornblende so innig verwachsen , daß diese aus ihm
hervorgegangen zu sein scheint; darum ist eine genaue Bestimmung
nicht möglich. Augit und Hornblende bilden auch die Ausfüllung
der Risse der Transversalschieferung.
In dieser Gesteinsgruppe findet sich Glas von geringen Spuren
bis zu größeren Mengen. Man findet Gesteine, die stark kavernös
sind; gelbliches Glas ist makroskopisch sichtbar, die Schichtung
wird verwischt. Schließlich unterscheiden nur noch die grünen
Klüfte der Transversalschieferung das Gestein von einem richtungslos
struierten Sanidinit.
Die Art der Umwandlung der kristallinen Schiefer in diese
Augit-Feldspatgesteine dürfte sich bei weiterer Untersuchung noch
näher verfolgen lassen. Jedenfalls kann man schon sagen, daß
die Umwandlungen durch heiße Gase und die von diesen zuge-
führten Stoffe bewirkt worden sein müssen.
Außer diesen zweifellos metamorphen Gesteinen kommen unter
den Auswürflingen der Kappiger-Ley helle und dunkle körnige
Gesteine vor ; die ersteren haben den Charakter von Nephelinsyenit,
sind aber im ganzen selten ; die anderen gleichen z. T. in ihrem
Mineralbestand (Augit, Ägirinaugit, Biotit. Olivin und einem völlig
umgewandelten Mineral , wohl Leucit) und Aussehen den Aus-
scheidungen oder Einschlüssen im Noseanphonolith von Kempenich.
Über ihre Natur wird sich erst genaueres aussagen lassen, wenn
die Untersuchung jener Ausscheidungen im Noseanphonolith, die
im hiesigen Institut bereits im Gang ist, abgeschlossen ist. Andere
bestehen fast nur aus Augit und Nosean und dürften vielleicht
dem Tawit zu vergleichen sein, wieder andere bestehen aus Augit
und Magnetit; derartige sind von Halfmann in seiner Dissertation
genauer beschrieben worden. Wenn diese dunklen Auswürflinge
auch vielfach den Eindruck von Tiefengesteinen machen, so ist es
doch auch sehr gut möglich, daß es basische Ausscheidungen der
Alkali-Eruptivgesteine sind.
Der Tuff, dem alle diese Auswürflinge entstammen, ist nur
im Wasserriß an der von der Kappiger-Ley nach Laach führenden
Straße aufgeschlossen. Die in ihm enthaltenen , verwitterten
Leucite, die sich auch in den zuweilen sehr großen Bimsteinen des
Tuffes reichlich finden, reihen ihn unter die Leucit-Phonolithtuffe ein.
Noch unmittelbarer wird die Beziehung der Auswürflinge zu
den Phonolithausbrüchen erwiesen durch die zahlreichen Bomben
eines Eruptivgesteines, das als einziges in nennenswerter Menge
in diesem Tuffe auftritt. Seine graugelbe Grundmasse ist äußerst
feinkörnig. Durch Verwitterungsprodukte und feine Poren erscheint
sie fein gesprenkelt. Unregelmäßig gestaltete Hohlräume durch-
setzen das Gestein in parallelen Ebenen und lassen auf plötzliche
Erstarrung schließen.
726
P. M. Hopmann, Einige Bemerkungen
Einsprenglinge treten nur vereinzelt auf: Sanidinleisteu,
Augitkörner, Biotittafeln, Schieferscliiilferchen und zuweilen weiße
Noseankristalle mit guter Kristallbegrenzung, jedoch nicht über
1 mm Durchmesser. U. d. M. glaubt man auf den ersten Blick
ein durch Mikrolithe oder Verwitterungsprodukte feingetüpfeltes,
stellenweise auch gelblich trübes Glas zu sehen, in welchem nur
vereinzelt Mineralkörner zu erblicken sind. Bei starker Ver-
größerung löst sich dieses „Glas“ unter gekreuzten Nikols in
schwach polarisierende Flecken auf, die meist unregelmäßig
konturiert, zuweilen auch rundlich oder undeutlich viereckig sind.
Wird der Schliff mit HCl behandelt, so verschwinden diese Flecken
und es bilden sich reichlich Kochsalz würfelchen. Dies deutet auf
Nephelin hin. Deutliche Nephelinlängsschnitte mit kastenartigen
Einlagerungen feinster Stäbchen linden sich nur selten. Glasbasis
tritt zwischen den polarisierenden Flecken nur stellenweise etwas
mehr hervor, ist aber wohl stets vorhanden. Als nächst häufiger
Bestandteil der Grundmasse sind kleine, äußerst feine, hellgrau
polarisierende Nadeln zu nennen, die als Feldspatmikrolithe an-
gesprochen werden müssen. Diese werden durch H CI nicht ver-
ändert. Augitmikrolithe finden sich sehr spärlich. Man erkennt
sie an der mehr gedrungenen Form und an der höheren Licht-
und Doppelbrechung. Meist kann man auch eine schwach grün-
liche Eigenfarbo beobachten. Ein sehr wechselnder Bestandteil
der Grundmasse ist der Leucit. In einem Stücke findet er sich
reichlich, im anderen sehr spärlich. Nur einmal wurde er mit den
charakteristischen Mikrolithkränzchen beobachtet; meist sind die
Durchschnitte weiß, isotrop, und haben gerundeten Umriß. Ihre
Größe hält sich im allgemeinen um 0,04 mm, selten wurden solche
von 0,02 oder 0,07 — 0,1 mm Größe beobachtet. Rotbraune und
gelbe Limonitflecken sind durch die ganze Grundmasse verbreitet.
Streifen eines schwarzen Pigmentes durchziehen sie zuweilen.
Unter den Einsprenglingen sind besonders Nosean und Augit
hervorzuheben. Die großen Noseane sind fast immer gerundet.
Der Augit tritt in größeren und kleineren Bruchstücken auf. Selten
gewahrt man vollständige Durchschnitte. Farbe, Pleochroismus
und Auslöschungsschiefe lassen ihn dem Agirin-Augit genähert
erscheinen. Jedoch sind die Töne meist etwas dunkler als für
Agirin- Augit angegeben wird; z. B. statt grasgrün ein oliven
graugrün. Zonarstruktur findet sich bei diesen Augiten fast gar
nicht. Einsprenglinge von untergeordneter Bedeutung sind : seltene,
breite Sanidinleisten; Apatit, der keinem Stücke fehlt, in kleinen
Prismen und größeren Körnern, auch mit Glaseinschlüssen ; sodann
Biotitleistchen. Magnetit tritt nur in vereinzelten größeren Partien
auf. Einige Male stehen diese mit Gebilden in Verbindung, die
entweder als basische Schlieren des Magmas oder als Reste eines
in der Tiefe eingeschmolzenen massigen Gesteines gedeutet werden
über die Einschlüsse im Leucit-Tuff der Kappiger-Ley.
727
müssen. In einem farblosen Glase mit nur wenigen schwach grau
polarisierenden Flecken liegt ein dichtes Netzwerk von Augit-
nadeln, zuweilen auch Magnetit-Oktaeder. Porphyrisch sind darin
eingeschlossen große Augitdurchschnitte, die mannichfache Zonar-
struktur um unregelmäßige Korrosionskerne, komplizierte Sanduhr-
struktur und die Farben von Titanaugit aufweisen. Apatit tritt
in größeren Körnern auf, vereinzelt gerundeter Nosean und Sanidin
und reichlich Biotit. Auffallend ist das Vorkommen von brauner
Hornblende. Einige ihrer Kristalle sind zertrümmert und randlich
in eine feinkörnige Masse zersetzt, die wohl Augit sein könnte.
Einschlüsse von Quarzit- und Tonschieferbröckchen sind von
einem Saum klaren Glases umgeben, in dem bald Augit- und
Feldspatmikrolithe, bald kleine Leucite angereichert sind. Diese
Schieferstückchen weisen keinerlei Spuren von kaustischer oder
chemischer Veränderung auf.
Der Struktur nach können diese Bomben kaum etwas anderes
darstellen, als ein Eruptivgestein ; dem Mineralbestande nach muß
man sie zu den Leucit-Phonolitlien zählen. Von den anderen im
Laacher Seegebiete (im weiteren Sinne) vorkommenden Leueit-
Phonolithen weichen sie freilich bedeutend ab. Die anderen
Phonolithe, auch die an der Nordseite des Wehrer Kessels am
Dachsbusch und Hüttenberg in losen Blöcken vorkommende grüne
Abart, führen in der Grundmasse reichlich Augitmikrolithe, sowie
deutlich erkennbare Leucit- und Nephelinkristalle. Vielleicht läßt
«ich die Armut an diesen Kristallen in den Bomben der Kappiger-
Ley auf schnelle Erstarrung zurückführen. Das einzige Stück
Leucit-Phonolith in den Sammlungen des Instituts , das diesen
Bomben einigermaßen gleicht, wurde von Dr. Martius nördlich
von Obermendig gefunden. Makroskopisch sieht man in einer
hellgelben, mürben Grundmasse, die ebenso wie die Bomben der
Kappiger-Ley von der gewöhnlichen Phonolithgrundmasse ab weicht,
große und kleine graue Noseaneinsprenglinge, sowie zahlreiche,
bis 0,3 mm große Leucite, deren reichliches Auftreten der Dünn-
schliff bestätigt. Die bis 0,1 mm großen Durchschnitte von
Nephelin, die an ihren kastenartigen Einlagerungen deutlich zu
erkennen sind, sind ganz isotrop, was eine Folge der Verwitterung
sein muß. Augit fehlt auch unter den Einsprenglingen.
Seltene Auswürflinge eines anderen Eruptivgesteines, das sich
mehr trachytoiden Phonolithen nähert, seien hier nur erwähnt.
Wenn auch alle diese Untersuchungen noch nicht abgeschlossen
sind, so glaubte ich doch die vorstehenden Beobachtungen bereits
mitteilen zu sollen als einen neuen Beleg für die große Mannig-
faltigkeit der Auswürflinge im Laacher Gebiet und für die große
Zahl der Ausbruchsstellen ; eine solche dürfte auch an der Kappiger-
Ley zu suchen sein.
Bonn, Mineralogisches Institut, September 1913.
728 R- Gans, Ueber die chemische oder physikalische Natur
Ueber die chemische oder physikalische Natur der kolloidalen
wasserhaltigen Tonerdesilikate.
Von R. Gans in Berlin.
(Schluß.)
II. Teil.
a) Die Versuche von G. Wiegner1.
Um sich über die Natur der Bindung in einem technisch her-
gestellten kolloidalen wasserhaltigen Aluminatsilikat — dem Per-
mutit des Handels — Klarheit zu verschaffen, unternahm Wiegner
umfangreiche Versuche.
Das Aluminatsilikat — Permutit — wird hergestellt durch
Hydratation von schnell gekühlten, daher glasig erstarrten alkali-
schen Tonerdesilikatschmelzen. Es besitzt nicht kristalline Struktur,
seine Oberflächenentwicklung ist eine sehr starke , und es wird
seiner Herstellung nach als ein Hydrogel zu betrachten sein.
Seine molekulare Zusammensetzung ist nach der Analyse Wiegner’s
3,65 Mol. Si02, 1 Mol. AI203, 1,05 Mol. Base.
wenn wir die geringe Menge an Calciumcarbonat, die es als Ver-
unreinigung enthält, in Abzug bringen. Wir sehen auch hier das
geforderte Verhältnis von Al203:Base wie. 1 : 1 nahezu erfüllt.
Aber dieses technische Produkt enthält nicht nur Aluminat-
silikate , sondern noch andere durch H CI zersetzliche Silikate,
weil die Materialien, die zur Herstellung der Schmelze dienten,
nicht frei von alkalischen Erden sind. Nur bei Verwendung von
Alkalien als Basen bei den Schmelzen erhält man ein reines Alu-
minatsilikat. Die alkalischen Erden lassen zwar auch ein durch
HCl zersetzliches Silikat entstehen. Diese Silikate müssen jedoch
eine andere Bindung besitzen, weil ihre Basen nicht dem Aus-
tausch innerhalb kurzer Zeit unterliegen. Die Anwesenheit dieser
Silikate ist somit an diesem Verhalten zu erkennen.
Das Wiegner zur Verfügung stehende Präparat hatte die
chemische Zusammensetzung:
Si 02 42,66 •/ o
C02 0,35 „
A1203 19,95 ,
CaO 8,68 „
K20 5,47 „
H20 22.86 „
In 5 g des Silikates sind somit enthalten (diese Menge
benutzte Wiegner im Durchschnitt zu seinen Versuchen):
1 G. Wiegner, Journ. f. Landw. 1912. p. 111 — 150, 197 — 222.
der kolloidalen wasserhaltigen Tonerdesilikate.
729
in Milli-
äquivalenten
Molekularverhältnis
in Grammen
nach Abzug der COj-
Äquivalente
Si02 •
. . . 2.1330
71,11
3,65
ai2 0,
. . . 0,9975
19,50
1
CaO .
. . . 0,4340
15,50 |
1,05
K,0 .
. . . 0,2735
5,82 {
c'o2 .
. . . 0,0175
0,80
—
Behandelt man nun nach Wiegner 5 g dieses Silikats mit
konzentrierter NH, Cl-Lösung, so erhält man durch Austausch gegen
Ca
N H4 die Gesamtzahl der Milliäquivalente an - und K, die im Sili-
kat in Form von Aluminatsilikat gebunden sind, oder, da
Ca
1 Milliäquivalent 9 oder K an 1 Milliäquivalent der Atomgruppe
von der molekularen Zusammensetzung 3,65 Si02 • 1 A1203 im
Aluminatsilikat gebunden ist, zu gleicher Zeit auch die Gesamt-
zahl der in 5 g Permutit vorhandenen Milliäquivalente Aluminat-
silikat.
Die Gesamtzahl der durch 5 g Silikat ausgetauschten Milli-
äquivalente und K stellte Wiegner zu 16,788 Milliäquivalenten
fest; folglich betrug auch die Anzahl der in 5 g Silikat vorhan-
denen Milliäquivalente Aluminatsilikat = 16,788.
Ca
Die ausgetauschten Milliäquivalente und K, die infolge des
äquivalenten Austausches gleich den aufgenommenen Milli-
mol NH4 sein sollen, zeigen gegen letztere nur eine geringe Differenz.
Rechnerisch nach der Analyse sollten in 5 g Silikat nach
Abzug der C 02-Äquivalente 20,52 Milliäquivalente des Aluminat-
silikates vorhanden sein. Der Versuch ergab aber nur 16,788 Milli-
äquivalente; folglich besteht das Silikat nur zu 81,82 °/o aus
Aluminatsilikat, der Rest dürfte den oben beschriebenen, nicht
austauschfähigen Tonerdesilikaten angehören.
Wiegner betrachtet aber den Permutit nicht als chemische
Verbindung, sondern als ein mechanisches Gelgemenge von Si02
und A1203.
Eine Bestätigung dieser Ansicht glaubt er aus den Resultaten
der umfangreichen Versuche erhalten zu haben. Er kommt zu
dem Schluß, daß bei den Permutiten eine physikalische Ad-
sorption von Ionen vorliege, die aus elektrostatischen Griindeu
einem äquivalenten Austausch mit neutralen Salzlösungen
unterliegen.
Wiegner führte zahlreiche Versuche aus, bei denen er teils
die Menge des verwendeten Kalium-Calcium-Permutits, teils die
Konzentrationen der einwirkenden Salzlösungen (N H4 CI) vari-
ieren ließ.
730 R- Gans, lieber die chemische oder physikalische Natur
Betreffs der von Wiegner veröffentlichten Versuchsresultate
und der von ihm verfochtenen Ansichten muß auf die Original-
abhandlung Wiegner’s im Journal für Landwirtschaft und auf die
ausführlichen Mitteilungen des Verf.’s im Jahrb. d. Kgl. Geol.
Landesanst. verwiesen wei’den.
Hier sei nur die dem Verf. am wichtigsten erscheinende Be-
weisführung herausgegriffen.
Wiegner führt in seiner Abhandlung die von van Bemmelen
vertretenen Merkmale der Absorptionsverbindungen an, zu denen
er den Permutit zählt:
1. „Die Zusammensetzung variiert mit der Struktur der ab-
sorbierenden Substanz und mit allen Modifikationen, welche letztere
durch die Art ihrer Bereitung, durch Alter (zeitliche
molekulare Umsetzungen), Erhitzung, Einwirkung von anderen
Stoffen usw. bleibend erfährt.“
Hierzu ist zu bemerken :
a) daß, wie wir bereits gesehen, die verschie-
denste Art der Herstellung derAluminatsilikate auf
das konstante Aqui valentverhältnis von 1 Mol. Al2 03 :
1 Mol. Base keinen Einfluß hat, auch nicht das Alter,
wenn die Aluminatsilikate vor den zerstörenden
Agentien der Verwitterung geschützt werden;
b) daß Wiegner zwar nach längerem Erhitzen der Permutite
bei höherer Temperatur ein starkes Zurückgehen des Austausches
beobachtete; dasselbe kann jedoch ebensogut durch Veränderung
der Oberfläche wie auch durch Zerstörung des Aluminatsilikats im
Permutit herbeigeführt sein. Im Aluminatsilikat sind die Tonerde
sowohl wie die Kieselsäure als in Verbindung mit Wasser zu
denken. Zerstören wir diese Verbindung, indem wir das Wasser
durch Erhitzen austreiben, so zerstören wir damit das Aluminat-
silikat, und es muß selbstverständlich die Höhe des Austausches
einen Rückgang erfahren.
2. „Die Zusammensetzung variiert mit der Temperatur.“
Die von Wiegner konstatierte Änderung mit der Temperatur
ist gering. Ebenfalls nur im geringen Grade von der Temperatur
abhängig ist die elektrolytische Dissoziation. Da nun auf Grund
neuerer Forschungen der Grad der Dissoziation die Adsorption
beeinflußt, so wäre auch für den geringen Einfluß der Temperatur
eine Erklärung gefunden.
3. „Die Konzentration der Absorptionsverbindungen variiert
mit der Konzentration der umgebenden Dampfphase oder mit der
Konzentration der Lösung, im Falle Stoffe aus einer Lösung ab-
sorbiert werden, und zwar derart, daß der Absorptionsfaktor K
in der Formel
der kolloidalen wasserhaltigen Tonerdesilikate.
731
(»)
(C" = Konzentration des absorbierenden Körpers an absorbierter
Substanz, C' = Konzentration des Gases (Dampfes) oder der Flüssig-
keit an gelöster Substanz, F = unbekannte Funktion)
keine Konstante ist, sondern von der Konzentration der Lösung
abhängig ist nach einer unbekannten Funktion. C" nimmt im all-
gemeinen viel schwächer zu als C'.“
x = Anzahl der absorbierten Millimol (im Falle Wiegner
=S Millimol. NHJ und
m = Anzahl der angewandten Gramm Permutit.
C' ist nach Wiegner = Anzahl der Millimol NH, in der
Lösung nach der Absorption (= a) dividiert durch die
Anzahl der angewandten cm3 der Lösung (= S),
_. . , a
C ist also -g.
Die Formel (a) soll die Gleichgewichtslage darstellen.
Wenn wir aber für C" und C' die WiEüNER'schen Werte verwenden,
wie er sie in die von ihm benutzte Freund Licn’sche Formel
einsetzte, so übergehen wir vollständig die vom
Permutit ausgetauschten Basen, welche sich in der
Lösung befinden und auf die Gleichgewichtslage
einen bestimmenden Einfluß ausüben. Wir geben somit
die Gleichgewichtslage rechnerisch nicht genau wieder, die so
erhaltenen Werte für K sind folglich falsch.
Wir können wohl Wiegner’s Werte für C" und C' dann in
obige Formel einsetzen, wenn nur Stoffe aus der Lösung physi-
kalisch adsorbiert werden, aber nicht, wenn gleichzeitig dafür
andere Stoffe aus dem absorbierenden Körper in die Lösung
übergehen.
Durch eine andere Überlegung kommen wir zu demselben
Resultat :
Alle absorbierenden Körper, also auch der Permutit (nach
den WiEGNER’schen Versuchen) besitzen nach G. C. Schmidt’s Unter-
suchungen ein Maximum der Absorption. Dieses Maximum der
Absorption, möge sich die letztere auf chemische oder physi-
kalische Kräfte stützen, ist proportional der Anzahl der
Gramme. Durch die Angabe der Gramme Silikat im
Wert für C" = -* geben wir folglich nicht allein die
physikalische Konzentration (— \ , sondern auch die
x
C" ist nach Wiegner = — .
m '
(«*)
732 R- Gans, Ueber die chemische oder physikalische Natur
molekulare“ Konzentration wieder, nämlich das
Verhältnis von den absorbierten zu den maximal
absorbierbaren Millimol NH4.
Da die maximale Absorption proportional ist der Anzahl der
Gramme des Silikates, so werden wir bei vergleichenden Versuchen
mit demselben Permutitmaterial selbst bei wechselnden Mengen
Silikat, aber bei konstanten Lösungskonzentrationen von NH4C1
eine Konstante erhalten, die bei einer Versuchsreihe mit einer
maximalen Absorption von n Millimol nur * mal größer sein wird,
als bei einer Versuchsreihe mit einer maximalen Absorption von
1 Millimol. Unter sich wird aber jede Versuchsreihe konstante
Zahlen liefern. Wir haben bezüglich der Konstanz des Absorptions-
x
faktors somit in dem Ausdrucke — neben der physikalischen auch
die molekulare Konzentration, selbst wenn wir die Angabe der
maximalen Absorption dabei vernachlässigen.
Für C' ist aber nur die physikalische Konzentration angegeben,
die molekulare fehlt. Wir müssen aber auch diese zum Ausdruck
bringen, weil in eine Gleichung nur gleichsinnige Werte einge-
setzt werden dürfen. Wir haben dann statt das Verhältnis der
nichtabsorbierten Millimol NH4 in der Lösung zu der gesamten
Anzahl Millimol (g) Salz in der Lösung einzuführen
a g _ a
s • S g‘
Die’ Formel für den Absorptionsfaktor bei Austauschprozessen
würde somit lauten
x
g
Ein Beweis für die Richtigkeit dieser Berechnung wird durch
die Versuche von Wiegner selbst gegeben:
1. Bei wechselnden Permutitmengen, aber konstanten NH4 Cl-
Konzentrationen erhalten wir beim Einsetzen der WiEGNER’schen
Werte für C" und C' in die Formel (a) eine Konstante, weil die
gesamte Anzahl der Millimol Salz nach der Absorption die gleiche
bleibt und somit bezüglich der Konstanz des Absorptionsfaktors
nicht berücksichtigt zu werden braucht. Die Zahlen für die
Konstante sind
13,80—14,38—13,64—13,87.
2. Bei gleichen Permutitmengen aber und wechselnden NH4C1-
Konzentrationen erhalten wir jedoch unter Verwendung der
C"
WiEGNER’sclien Werte für 7^7- keine Konstante, weil die Kon-
der kolloidalen wasserhaltigen Tonerdesilikate.
733
zentrationen an Gesamtsalz in der Lösung ständig wechseln, diese
veränderten Konzentrationen aber nicht berücksichtigt werden.
Die Zahlen fiir die Konstante sind z. B. 8,23 — 14,16 — 21,64 —
29,45—58,52.
x
Setzen wir jedoch für C" und C' die Werte C" = — und
C' = — ein, so erhalten wir eine Konstante bei allen Versuchen
g
mit Ausnahme der großen Konzentrationen, bei denen die Fehler
bei der Bestimmung zu hohe werden, wie auch Wiegneii hervorhebt.
Die Zahlen für die Konstante K2 sind bei einer Reihe :
2,22 — 2,32 — 2,20 — 2,23, bei einer anderen Reihe : 2,54 — 2,30 —
2,16 — 1,97 — 2,02, bei einer dritten Reihe: 2,02 — 1,97 — 2,16 —
2,26—2,30—2,54—2,51 — 2,77—3,03—3,78 — 3,55.
Bei der dritten Reihe wechselte der Gehalt an NH4C1 in
ca. 100 cm3 der Lösung von 3,4 67 bis 540,59 Millimol.
Nach Th. 0. G. Wolff1 und auch nach J. M. van Bemmelen2
sollen jedoch in den Gleichungen nicht die Anfangskonzentrationen,
sondern die End- resp. Gleichgewichtskonzentrationen zum Aus-
druck kommen.
Der (oben vernachlässigte) Wert für die Anfangskonzentration
in 1 g Silikat = n, welcher gleich der maximalen Absorption pro 1 g
Silikat ist, und der Wert für die Gesamtkonzentration von Salz
in der Lösung nach der Absorption, welche bei diesen Prozessen
des äquivalenten Austausches die Größe der Anfangskonzentration
der Millimol NH4 in der Lösung darstellt, müssen somit in die
Werte für die Gleichgewichtskonzentrationen umgewandelt werden.
Dann lautet die Formel
K, =
m . n — x
g — a
oder, da in diesem Falle des äquivalenten Austausches g
und folglich a = g — x ist,
x
in .ii — x x'“
K, =
g-
(m . n — x) (g — x)
(2)
Das ist aber die Konstante des chemischen Massenwirkungsgesetzes
(die Gleichgewichtskonstante), welche besagt, daß das Produkt der
neugebildeten Verbindungen zu dem der unverändert gebliebenen
in einem konstanten Verhältnis steht.
Passen sich die WiEGNER’schen Versuchsresultate auch dieser
1 Th. 0. G. Wolff, Landw. Ztg. f. Nord- u. Mittel-Deutschland von
Dr. C. Schneitler. 5. p. 250—258. 1859.
4 J. M. van Bemmelen, Die Absorption usw. p. 110, Anmerkung.
734 R- Gans, Ueber die chemische oder physikalische Natur
Gleichung an, so ist damit bewiesen, daß sich die sog. „Absorptions-
verbindungen“ der Permutite (Aluminatsilikate) wie chemische
Verbindungen verhalten.
Die Werte für die so erhaltenen Konstanten sind nun in
der Tat gut übereinstimmend, beispielsweise sind sie bei einer
Versuchsreihe: 0,290 — 0,393 — 0,395 — 0,441, bei einer anderen:
0,458—0,467 — 0,481 — 0,457 — 0,466 und bei einer dritten:
0,525—0,457 — 0,481—0,451—0,468—0,459—0,443—0,442—
0,477 \
Da die Aluminatsilikate im Permutit, sich somit dem chemischen
Massenwirkungsgesetze anpassen, so können sie berechtigterweise
als chemische Verbindungen angesehen werden.
Wiegner hat dann auch andere künstliche und natürliche
Silikate einer Untersuchung unterworfen, resp. zum Vergleich
herangezogen :
1. Von den bei verschieden langer Zeit auf über
100 — 190° C erhitzten Permutiten sind keine vergleichenden
Untersuchungen mit Silikaten von gleicher Dauer der Erhitzung
von Wiegner ausgeführt worden.
2. Diese vergleichenden Untersuchungen liegen bei den Sili-
katen von Armsby1 2, die zweimal bei ihrer Herstellung auf 100°
erhitzt wurden, vor. Die Werte für K2 zeigen nur annähernde
Konstanz (4,56 — 1,96—1,36 — 1,18 — 1,08 — 0,99 — 0,96). Es war
das nicht anders zu erwarten, da beim Erhitzen ein Teil des
Aluminatsilikats (s. oben) zerstört wird, und nun neben dem auf
chemischer Grundlage beruhenden Austauschprozeß seitens des
nicht zerstörten Aluminatsilikats auch physikalische Adsorptionen
zum Ausdruck kommen, welche durch die stark entwickelte Ober-
fläche der zerstörten Aluminatsilikatsubstanz bedingt werden.
3. Die Versuche von F. H. Campbell3 wurden mit Silikaten
ausgeführt, welche durch Einwirkung von Natriumsilikat auf
Aluminiumchlorid (anstatt auf Natriumaluminat) erhalten wurden;
aber nur durch Verwendung mit Natriumaluminat wird die Her-
stellung eines neutralen Aluminatsilikates gewährleistet. Im
anderen Falle können saure Silikate entstehen, die neben dem
Austauschprozeß auch noch eine Zersetzung des Neutralsalzes her-
vorrufen. Das scheint auch bei den Silikaten Campbell’s der Fall
zu sein. Die Werte für K2 sind: 1,74 — 2,40 — 3,13 — 3,75 —
4,06—4,33—4,66.
4. Die Versuche früherer Forscher mit Bodenproben sind
aus dem Grunde nicht ohne weiteres heranzuziehen, weil bei ihnen
1 R. Gans, Ausführliche Tabellen siehe demnächst im Jahrb. d.
Kgl. Geol. Landesanstalt.
‘‘ Armsby, Landw. Versuchsst. 21. p. 402. 1878.
3 F. H. Campbell, Landw. Versuchsst. 65. p. 247. 1907.
der kolloidalen wasserhaltigen Tonerdesilikate.
735
nicht nur die Alnminatsilikate das Verschwinden der in Form von
Neutralsalzen in der Lösung vorhandenen Basen verursachen
können, sondern auch andere Verbindungen:
a) Die kaolinischen Silikate, welche physikalische Adsorptionen,
wenn auch in geringem Grad, hervorrnfen,
b) der Humus, der in der Hauptsache wohl physikalische
Adsorptionen auslöst,
c) die Zersetzungsprodukte der Aluminatsilikate, die säure-
artigen Charakter tragen und deswegen eine Zersetzung des
Neutralsalzes unter Aufnahme der Base bewirken.
Es ist zu bedenken, daß diese Verbindungen wohl die Base
der Lösung aufnehmen, dafür aber nicht eine andere,
ihnen gehörige Base in äquivalenter Menge in
Lösung gehen lassen.
Auch der Gehalt an Ammoniak, von welchem keine der ver-
wendeten Bodenproben wohl frei war, wirkt auf den Gleichgewichts-
zustand des Austauschprozesses ein ; er ist aber niemals berück-
sichtigt worden.
Alle diese Umstände lassen eine Konstante bei der Formel (1)
nicht in der Form hervorgehen, wie sie bei reineren Aluminat-
silikaten eintritt; sie bewirken bei den verschiedenen Konzentrationen
der Lösungen verschieden starke Abweichungen, am stärksten bei
den geringen Konzentrationen.
Die Versuche mit Gartenerde von W. Henneberg1 2 und
F. Stohmann, welche nach Wiegner außerdem unter verhältnis-
mäßig großen Versuchsfehlern leiden, wurden wegen des Humus-
gehaltes nicht berücksichtigt; ebenso die Versuche von Brustlein
weil sie nicht mit neutralen Salzlösungen, sondern mit Ammo-
niumhydrat ausgeführt wurden , die Alkalihydrate aber vom
Humus und kaolinischen Silikaten stark physikalisch adsorbiert
werden.
Die ausführlichen Versuche von H. P. Abmsby3 mit Nilabsatz
und einem Lehm aus der Umgebung von Leipzig ergaben, auf die
Konstante K, berechnet, eine verhältnismäßig gute Konstanz ; hier
scheinen also die oben besprochenen Störungen durch Humus,
kaolinische Silikate usw. nur in geringem Grade vorhanden zu sein.
x
Die Werte für K, = — sind :
- a
g
1 W. Henneberg, Journ. f. Landw. 3. p. 34. 1859.
2 Brüstlein, Ann. de Chim. et de Phys. 56. p. 157 — 190, zitiert nach
E. Heiden, Lehrb. d. Düngerlehre. 1879. p. 295.
3 H. P. Armsby, Landw. Versuchsst. 21. p. 397, 1878.
736 ß- Gans, Ueber die chemische oder physikalische Natur
An-
gewandte
Menge
Erde
g
Werte für K2
bei einfacher
Konzentration
der NH4C1-
Lösung (1cm1 * 3
enthielt
1 cm3 N)
bei
doppelter
bei
dreifacher
bei
vierfacher
Konzentration
50
3,63
4,65
4,80
4,87
25
3,68
4,86
4,61
4,81
Bei Nilabsatz
12,5
3,56
5,51
4,60
5,00
6,25
6, ob
6,26
5,70
o,i4
50
1.56
1,96
fehlt
2,21
Bei Lehmboden
25
1.54
1,86
r>
2,53
von Leipzig
12,5
1,53
1,79
n
3,17
6,25
1,73
2,16
7>
4,23
Die Werte für K2 wurden gewonnen unter der Annahme des
äquivalenten Austausches *, der jedoch aus oben erklärten Ursachen
nicht in reiner Form vorhanden ist, indem die Werte für die von
den Silikaten eingetauschten Basen gleich den Werten für die aus-
getauschten Basen gesetzt wurde. Da jedoch diese Werte in
Wirklichkeit nicht vollkommen gleich sind , so konnte auch die
Konstanz nicht eine vollständige sein.
Immerhin sind die Werte von Iv2 für diese Böden nur in sehr
geringem Grade von denen für die künstlichen Aluminatsilikate
(nach R. Gans) verschieden, so daß der Schluß auch hier berechtigt
ist, daß die zeolithischen Silikate des Bodens aus Aluminatsilikaten
bestehen.
Die Anpassungsfähigkeit auf die Gleichgewichtskonstante K3
(vergl. p. 733) konnte nicht geprüft werden, da weder die maximale
Absorption, noch die Anzahl der Milliäquivalente Aluminatsilikat
von den Forschern festgestellt war.
Wenn wir bei der Gleichung
x
S
infolge der Berücksichtigung der molekularen Konzentration bei
C' die Erweiterung durch Einfügen der gesamten in der Flüssig-
er
keit vorhandenen Millimol Salz -g- vornehmen, so fällt S aus der
1 Siehe R. Gans, Jabrb. d. Kgl. Geol. Landesanst. 1905. 2(5. p. 191.
Gans konnte dort allerdings nachweisen, daß bei den untersuchten Boden-
proben (2 Schlicken) der Austausch in äquivalentem Verhältnis stattfand.
der kolloidalen wasserhaltigen Tonerdesilikate. 737
Gleichung durch Division aus. Das heißt : es kommt bei den
Austauschvorgängen auf die Menge des Salzes, nicht
aber auf die zur Lösung verwendete Flüssigkeits-
menge an. Es muß also die gleiche Höhe des Austausches er-
zielt werden, gleichgültig, ob dieselbe Menge Salz z. B. in 50 cm3
oder in 200 cm3 Wasser gelöst ist1.
Ein Versuch nach dieser Richtung ergab die Bestätigung
dieser Ansicht. 5 g Permutit absorbierte aus einer Lösung von
0,25 g NH4C1 in 50 cm3 Wasser dieselbe Menge Stickstoff (0,0561 g)
wie aus einer Lösung aus 0,25 g NH4C1 in 200 cm3 (0,0558 g).
Es wurden bei Ausführung der Bestimmung des Stickstoffs
die 50 cm3 resp. 200 cm3 vom Silikat abfiltriert und nicht etwa
die 50 cm3 vor der Filtration auf 200 cm3 verdünnt, weil durch die
Verdünnung in Gegenwart des Silikates eine Änderung des Gleich-
gewichts noch möglich gewesen wäre, falls der Austausch nicht auf
chemischer, sondern auf physikalischer Grundlage beruht. Das
Resultat dieses Versuches weist ebenfalls auf die chemische Natur
des Austauschprozesses hin, denn bei einer physikalischen Adsorption
mußte die verschiedene Konzentration der gleichen Menge Neutral-
salz durch eine verschiedene Adsorption zum Ausdruck kommen.
Das ist aber nicht der Fall.
Die verschiedene Abgabe des NH4- und Ca-Permutits an
NH4OH und Ca (0 H)„ hat scheinbar Wiegner veranlaßt, eine
verschiedene Löslichkeit der Permutitsalze anzunehmen; bei einer
verschiedenen Löslichkeit der Permutitsalze würde man kaum fest-
stellen können, daß der Austausch in äquivalenten Verhältnissen
vor sich geht. Dieser Nachweis gelang aber Wiegner innerhalb
geringer Grenzen.
Die Abgabe von verschiedenen Mengen N H4 0 H und Ca (0 H)2
ist vielmehr auf die verschiedene Dissoziation dieser Salze zurück-
zuführen, welche aber bei Gegenwart von Neutralsalzen, also auch
bei den vorliegenden Versuchen, fast vollständig verschwindet. Die
Löslichkeit aller neutralen Permutitsalze ist gering.
Wiegner hat bei allen vorher besprochenen Versuchen die
Anpassungsfähigkeit auf die FREUNDLiCH'sche Formel (b) studiert.
Er sagt dann wörtlich2: „Ferner gilt der Wert von ß nur für
ein einziges Kation, das verdrängend wirkt. Die Adsorption aus
Gemischen von Kationen muß besonders studiert werden.“
Nun wirken aber in der Gleichgewi chtslage, die allein
bestimmend für die Werte ß ist, nicht ein Kation, sondern mehrere
Kationen, nämlich nicht nur das anfänglich in Lösung befindliche
1 Anm. : Wenn jedoch die Absorption auch von dem Dissoziations-
grade des gelösten Salzes beinflußt wird, so erscheint es fraglich, ob sich
die gleiche Höhe der Absorption bei derselben Salzmenge auf alle
Konzentrationen erstreckt.
s G. Wiegner, Journ. f. Landw. 60. Heft III. p. 216.
Centra’.blatt f. Mineralogie etc. 1913.
47
738 ß- Gans, Ueber die chemische oder physikalische Natur
Kation NH4, sondern auch die aus dem Silikat ausgetretenen Ka-
tionen Ca und K, auf die Kationen des Silikates ein. Es ist da
ein Widerspruch in Wiegner's Ansichten zu konstatieren!
Bei dieser Prüfung fand nun Wiegheb, daß sich die Resultate
der Absorptionen des Perniutits, der anderen künstlichen Silikate
und der Bodenproben der FREuxDLiCH'schen Gleichung anpaßten,
und er schließt aus diesem Verhalten, daß eine physikalische
Adsorption von Ionen durch die Gele der künstlichen und natür-
lichen Silikate vorliegen, die sich aus elektrostatischen Gründen
in äquivalenten Verhältnissen austauschten.
Die FBEüNDLiCH’sche Gleichung ist aber von G. C. Schmidt \
bei rein physikalischen Adsorptionsprozessen nicht als zuverlässig
erkannt worden. Sie ist, wie Hjssink1 2 hervorhebt, eine schmieg-
same Interpolationsformel, die sich den beobachteten Resultaten
über gewisse, allerdings verhältnismäßig große Intervalle anpaßt.
Sv. Abbhexius3 macht mit Recht darauf aufmerksam, daß die
Ergebnisse der Arbeiten von G. C. Schmidt, nach welcher die
von der Kohle adsorbierte Menge Essigsäure nur
bis zu einem gewissen Maximum zunimmt, möge die
Konzentration der umgebenden Essigsäure noch so
hoch gesteigert werden, im lebhaftesten Wider-
spruch mit der FKEUXDLicH’schen Gleichung stehen;
letztere besagt, daß die adsorbierte Menge keine be-
stimmte, nicht überschreitbare Grenze haben sollte.
Die von Wiegnek angenommene physikalische Adsorption von
Ionen seitens des Perniutits erfolgt aber in solcher Höhe, daß bei
der Herstellung des Permutits ganzzahlige Äquivalent-
Verhältnisse (1 Mol. A1203: 1 Mol. Base) entstehen. Eine der-
artige in Äquivalentverhältnissen auftretende Adsorption kann nur
als eine chemische Bindung aufgefaßt werden, um so mehr, als sich
die Permutite auch in ihrem sonstigen Verhalten dem der
chemischen Verbindungen anschließen.
Die HissixK'sclien Versuche.
In letzter Zeit hat sich Hissixk mit dem Verhalten des
NH4-Permutits z. B. in dem System NH4-Permutit — Wasser be-
schäftigt, indem er verschiedene Mengen des Permutits (5 — 2 — 1 —
0,4 — 0,2 — 0,1 g) mit 2 Litern destillierten Wassers schüttelte und
das vom NH4-Permutit an das Wasser abgegebene Ammonium-
hydrat bestimmte. Er fand ebenfalls seine Resultate in Überein-
stimmung mit der FBEUNDLiCH’schen Gleichung, also mit den bei
Absorptionsreaktionen gefundenen Werten. Trotzdem schließt er
1 G. (J. Schmidt, Zeitschr. f. phys. Chem. 74. p. 716. 1910.
2 D. J. Hissink, Landw. Versuchsst. 1913 81. p. 377 — 432.
3 Sv. Arrhenius, Hauptgesetz der Adsorptionserscheiuuugeu. Meddel.
fr&n Vet.-Akads. Nobelinstitut. 2. Nr. 6.
der kolloidalen wasserhaltigen Tonerdesilikate.
739
aus unten hervorgehobenen Gründen, daß beim Permutit keine
reine Oberflächenverdichtung wie bei einer Adsorptionsverbindung
vorliegt, sondern „wenigstens hauptsächlich eine feste Lösung,
wobei die gelöste Substanz (NH3) auch zum Teil chemisch im
Permutit gebunden sein kann. Das Zutreffen der FnEUNDLiCH'schen
Gleichung 1
X n
— = a • c
m
ist also kein Kriterium einer reinen Obei flächen Verdichtung
(Adsorption).“
Betrachten wir den NH4-Permutit als chemische Verbindung,
so wird er bei Berührung mit destilliertem Wasser der Dissoziation
unterliegen. In der Tat hat der von Hissink hergestellte NH4-
Permutit schon bei dem Auswaschen mit Wasser einen Teil seines
Ammoniumhydrats verloren.
Die Analyse Hissink’s lautet:
Berechnet
auf Milli-
äqui-
valente 1
Molekulare Zusammensetzung nach Abzug
der nicht ausgetauschten und daher nicht
dem Aluminatsilikat angehörigen
Ca O-Äquivalente
Si 02 = 45,60 °/0
760,0
3,290
Al* 03 - 23,56 „
231,0
1
NHS = 6,21 ,
182,5
0,836
Wasser = 24,03 „
—
—
CaO = 0,70 „
12,5
—
Der Permutit hat also durch Dissoziation schon 0,164 Mol.
(NH4)20 verloren.
Es entfallen in 100 g Permutit somit 182,5 Milliäquiv. (NH4)20
auf 218,5 Milliäquiv. der Atomgruppe (3,29 Si02, 1 Al2 03).
Hissink glaubt nun, deswegen beim Permutit nicht allgemein
eine chemische Verbindung (und auch Absorptionsverbindung) an-
nehmen zu können, weil ein durch C02 vom N H3 fast befreiter
Permutit selbst nach 5-wöchentlicher Berührung mit wässerigem
Ammoniumhydrat den ursprünglichen NH4-Permutit nicht voll-
ständig zurückbildet. Dieses Verhalten ist aber leicht erklärlich:
1. weil bei der Einwirkung der C02 außer dem Ammonium-
hydrat auch ein Teil der Si02 und A1203 aus dem Permutit heraus-
gelöst wird, wie Hissink selbst anführt. Diese herausgelösten
Teile sind doch aber zur Rückbildung des NH4-Pervnutits ebenso
notwendig wie das Ammoniumhydrat, und ohne sie kann die voll-
ständige Rückbildung nicht stattflnden,
2. weil bei der Zersetzung durch C02 auch die Bindung
zwischen Si 02 und Al2 03 teilweise gesprengt sein kann. Die
1 Der einfacheren Schreibweise wegen in Wirklichkeit als Doppelmilli-
äquivalente berechnet.
47*
740 R. Gans, Ueber die chemische oder physikalische Natur
Rückbildung dieser Bindung kann aber nur, wie wir anfangs ge-
sehen haben, durch die Überführung der Tonerde in Aluminatform
vor sich gehen. Ammoniumhydrat vermag aber die Tonerde nicht
in Aluminatform überzuführen, dazu sind nur die fixen Alkali-
hydrate resp. unter gewissen Bedingungen z. B. bei Gegenwart
von Alkalihydraten und von geringen Mengen von Erdalkalihydraten
auch die Erdalkalihydrate befähigt.
Der obige, durch Dissoziation schon etwas zersetzte N H4-
Permutit wird nun bei der Berührung mit Wasser einer weiteren
Dissoziation unterliegen.
Diese von D. J. Hissink untersuchten Dissoziationen können
wir nach dem Beispiel von W. Nernst1 und Hohmann auf die
Anpassungsfähigkeit an die durch das Gesetz der Massenwirkung
bedingten Gleichung
Ja — x) (1 — x) _ K
prüfen. x ' v
Nernst hat die Gleichung auf die Dissoziation tertiärer
Alkohole angewandt, die D. Konowalow2 studierte:
0H3 COO (C6 Hn) = CH3 COOH + C5 Hl0.
In der Gleichung bedeutet:
x = den gebildeten Ester,
1 — Mol. Essigsäure
a = Mol. Amylen
oder in unserem Falle:
= die gebildeten Milliäquiv.
NH4-Permutit
= Milliäquiv. (NH4)20
= Milliäquiv. (3,29 SiO„
1 A1203).
v = das Volumen des Reaktionsgemisclies
K = den Gleichgewichtskoeffizienten.
Wenn wir nun die von Hissink bei den verschiedensten
Konzentrationen gefundenen Werte in die Dissoziationsgleichung
einsetzen, so erhalten wir eine gute Konstanz:
0.00005739 - 0,000065 1 2-0,00007394-0,00007626-0,00007052 - 0,00006947.
Mithin schließt sich auch das Verhalten des Alnminatsili-
kates im System Ammoniumpermutit — Wasser dem Verhalten
chemischer Verbindungen an.
Schlußfolgerungen.
1. Die aus alkalischen Lösungen resp. durch Hydratation
alkalischer Schmelzen hergestellten kolloidalen wasserhaltigen Alu-
minatsilikate , ebenso wie die zeolithischen Silikate des Bodens,
welche wohl durch Dissoziation mit Wasser oder bei der Beriih-
1 W. Nernst, Theoret. Chemie. 1913. p. 491 — 492.
2 D. Konowalow, Zeitschr. f. phys. Chem. 1. p. 63. 1887. 2. p. 6.
380. 1888.
der kolloidalen wasserhaltigen Tonerdesilikate.
741
rung mit Säuren (selbst Kohlensäure) der Zersetzung anheim-
fallen, sind als chemische Verbindungen zu betrachten,
a) weil sie, selbst nach den verschiedensten Methoden her-
gestellt, die gleichen konstanten Äquivalentverhältnisse führen,
b) weil sie sich (nach den Versuchsresultaten von D. J. Hissink
und G. Wiegnek) bei der Dissoziation mit Wasser und bei dem
Austausch gegen neutrale Sazllösungen wie chemische Verbin-
dungen verhalten.
2. Das gleiche Verhalten spricht dafür, daß die zeolithischen
Silikate des Bodens ebenfalls im allgemeinen aus Aluminatsilikaten
bestehen, welche bei einem in guter Kultur belindlichen, sach-
gemäß gedüngten Ackerboden nur im geringen Grade in mechanische
Gemenge der Gele von Si02 und A1203 zerfallen sein können.
3. Die von Hissink resp. von Wiegner festgestellte An-
passung ihrer Versuchsresultate an die FREUNDLiCH’sche Gleichung
besagt durchaus nicht, daß die kolloidalen Aluminatsilikate Ab-
sorptionsverbindungen sind, weil nach G. C. Schmidt diese Gleichung
sich nicht immer mit den Versuchsresultaten im Einklang befindet,
weil nach Sv. Arrhenius sich die Fassung der Gleichung im
schärfsten Widerspruch mit dem von Schmidt festgestellten Ab-
sorptionsmaximum befindet und weil bei den vorliegenden Aus-
tauschprozessen Wiegner’s die für die Gleichgewichtskon-
zentrationen der Lösung eingesetzten Werte nicht Rücksicht auf
die außer der nichtabsorbierten Substanz noch in Lösung befind-
lichen ausgetauschten Stoffe des Silikates nehmen , wie es die
genaue rechnerische Wiedergabe der Gleichgewichtslage erfordert.
4. Berücksichtigt man aber diese ausgetauschten Stoffe auch
bei der Formel
x
8
welche Formel nur bei Absorptionsverbindungen keine Konstante
liefert, so erhält man eine Konstante ; ebenfalls ein Beweis dafür,
daß keine Absorptionsverbindung in den künstlichen Aluminatsili-
katen und den natürlichen zeolithischen Silikaten des Bodens vor-
liegen und daß bei ihnen die Absorption (Austausch) nicht auf
physikalischer Oberflächenverdichtung beruht.
Berlin, Juli 1913. Laboratorium für Bodenkunde an der
Kgl. Geol. Landesanstalt.
742
H. L. E. Meyer,
Ueber den Zechstein im Spessart und Odenwald.
Eine vorläufige Mitteilung.
Von Hermann L. F. Meyer in Gießen.
Mit einer Kartenskizze.
Zweck der Mitteilung ist, die vorläufigen Ergebnisse von Aufnahmen
dieses Sommers zu zeigen. Da eine eingehende Bearbeitung des Gebietes
erst später in größerem Rahmen erfolgen wird, verzichte ich an dieser
Stelle fast ganz auf die Angabe der Literatur
Während in der Wetterau die Schichtenfolge des Zechsteins
noch eine ziemlich mannigfaltige ist und gute Unterabteilungen
zu erkennen sind1 2, weist der weiter südlich auftretende Zechstein
ein recht einförmiges Bild auf. Der größte Teil der Formation
wird durch gut geschichtete graue, mehr oder weniger bituminöse,
dichte Dolomite vertreten. Nur über und unter ihnen lassen sich
Horizonte feststellen, die wir mit denen der Wetterau in Be-
ziehung bringen können.
Die Schichtenfolge.
Unter den Dolomiten liegen die beiden bekannten tiefsten
Glieder des Zechsteins, Konglomerat und Kupferletten, die
mir bei . meinen Aufnahmen keine neuen Beobachtungen geliefert
haben. Ich kanu darum auf die Beschreibungen Bücking’s (Nord-
westl. Spessart. 1892. p. 132 — 140) verweisen.
Über den Dolomiten liegt eine bis 8 m mächtige Folge
von roten Letten mit Dolomitbänken, die bisher in ihrer
Bedeutung noch nicht erkannt worden ist. Es handelt sich um
einen durchgehenden Horizont, der sich von den nördlichsten Auf-
schlüssen in der Wetterau bis an das Südende des Odenwaldes
verfolgen läßt. Ich habe ihn in der Wetterau den Oberen Letten
(Zo3) gleichgestellt. An den dichten, gut gebankten, rötlichen
Dolomiten , die häufig wie Steinmergel aussehen , und den bunten
(roten und grünen) Schieferletten, die beide eine mehr oder weniger
lebhafte Wechsellagerung aufweisen, ist die kleine Schichtenfolge
immer gut zu erkennen.
Im Spessart sind mir diese Schichten von vielen Stellen be-
kannt. Im Odenwald sah ich sie besonders in der Gegend von
1 Es handelt sich um eine zusammenfassende Bearbeitung des
deutschen Zechsteins. Dem Verband zur wissenschaftlichen Erforschung
der deutschen Kalisalzlagerstätten, insbesondere seinem Vorsitzenden Herrn
Geheimrat Rinne möchte ich schon an dieser Stelle für die gewährte weit-
gehende Unterstützung meinen verbindlichsten Dank aussprechen.
2 Vergl. Der Zechstein in der Wetterau etc. Ber. Oberh. Ges. f.
Nat. u. Heilk. N. F. Naturw. Abt. 5. (1912.) p. 49—106.
Ueber den Zechstein im Spessart und Odenwald.
743
Hummetrotli und Oberkinzig, wo sie mit den Bröckelschiefern ver-
wechselt worden sind. Der oberste Teil des bekannten Proliles
von Eberbach gehört ebenfalls hierher.
Daß diese Wechsellagerung zum Zechstein und nicht etwa
zum Buntsandstein gehört, ließ sich schon in der Wetterau be-
weisen. Hier finden sich in den Dolomitbänken noch zahlreiche
Fossilien, wie sie ja auch von Eberbach bekannt sind. Von den
Bröckelschiefern lassen sich die roten Schieferletten fast immer
sicher abtreunen. In den Bröckelschiefern treten nämlich zahl-
reiche feinkörnige Sandsteinbänkchen auf, die immer durch gut
ausgebildete Kreuzschichtung gekennzeichnet sind. Außerdem finden
sich hier rote feinsandige oder tonige Dolomitbänkchen.
Die Hauptmasse des süddeutschen Zech steins wird
aber von Dolomiten gebildet. Es sind dichte, graue, meist fossil-
leere Gesteine , die immer gut geschichtet sind. Die Schicht-
fiächen sind nie gleichmäßig eben , sondern zeigen immer kleine
wellige Unregelmäßigkeiten, die auf eine stete Unterbrechung im
Absatz hinweisen. Die Schichtfugen werden dementsprechend durch
feine Lettenlagen gekennzeichnet. An der Basis liegen zumeist
sehr dünnplattige Gesteine , die nach oben dickbankiger werden.
In der Mitte der Abteilung finden sich bis 40 cm mächtige Bänke.
Nach oben nimmt die Mächtigkeit wieder ab. Ein Bitumengehalt
findet sich besonders an der Basis ; er geht aber durch die ganze
Schichtenfolge hindurch, wir können also von Sapropeldolomiten
sprechen. Irgendwelche stratigraphischen Unterschiede lassen sich
in der ganzen Dolomitfolge nicht wahrnehmen.
Die Beurteilung der Dolomite wird dadurch erschwert, daß
sie starken sekundären Umwandlungserscheinungen
ausgesetzt sind. Sehr häufig sind sie umkristallisiert und zeigen
ein kristallines Gefüge. Sie gehen in lockere, poröse, manchmal
rauchwackige Gesteine über und verwittern schließlich in einen
Dolomitsand. Diese Umwandlung greift unregelmäßig nach unten.
In vielen Steinbrüchen kann man beobachten, wie auf diese Weise
die primäre Struktur und Schichtung vollkommen verwischt wird.
Da dieser Vorgang sich in den hangenden Schichten am meisten
ausprägt, konnte die Meinung entstehen, als ob die höheren Teile
des Zechsteins von ungeschichteten Dolomiten oder Kauchwacken
zusammengesetzt würden. Echte, grobluckige, durch Auslaugung
entstandene Rauchwacken finden sich nur an wenigen Stellen.
Die Grenze der Dolomite gegen die überlagernden bunten
Letten zeigt an vielen Stellen sehr auffällige Erscheinungen. Teils
finden sich starke Faltungen und Stauchungen (vergl. z. B. die
Abbildung aus der Wetterau, Ber. Niederrhein. Geol. Ver. 1913.
1. Hälfte, Taf. 10, Fig. 23), teils aber ganz wirr verrutschte und
breeciöse Partien, in denen auch grobe Rauchwacken und Zellen-
dolomite sichtbar werden. Ich glaube wegen der großen Horizont-
744
H. L. F. Meyer,
Beständigkeit nicht, daß es sich hier um lokale Verrutschungen
handelt, sondern daß Auslaugungen vorliegen, die nicht nur Gips,,
sondern vor allem leichtlösliche Salze betreffen. Die Möglichkeit
des Vorkommens von Salzen wird durch die Mineralwasser von
Sodental bei Aschaffenburg und Eberbach (Steuer, Notizbl. Ver.
f. Erdk. Darmstadt. IV. F. 27. Heft. 1906. p. 35) bestätigt. Es
würde sich also hier um einen Salzhorizont handeln, der an
der unteren Grenze der Oberen Letten liegt. Der Salzhorizont
der Wetterau liegt in den Unteren Letten.
Die ganze Schichten folge des Zechsteins läßt
sich in folgender Weise kurz zusammen fassen:
Hangendes:
Unterer Buntsandstein, Bröckelschiefer
Rote, bröckelige, rauhe Letten mit feinen Sandstein- und Dolomit-
bänken. Auch Dolomitknollen. Bis 70 m mächtig.
Zechstein
Rote und grüne Schiefer letten mit mehr oder weniger zahlreichen
bunten, dichten, häufig steinmergelartigen Dolomitbänkchen,
häufig mit Fossilien. An der unteren Grenze vermutlich Gips und
Salze. Bis 8 m mächtig.
Graue, gutgeschichtete S ap pr op e ld olom i te. Unten dünnbankig
beginnend, in der Mitte Bänke von größter Mächtigkeit. Zwischen
den einzelnen Schichten graue, manchmal sandige 'Lettenlagen bis
1 cm Mächtigkeit. Die Schichtflächen sind unregelmäßig. Stellen-
weise flaserig wie Wellenkalk. Bis 40 m mächtig.
Kupfer letten
Grauer und dunkler, gut geschichteter Letten.
Meist | m mächtig.
Konglomerat
Grauer oder gelblicher Sandstein oder Konglomerat mit Quarzitgeröllen
bis Faustgroße. Bis 3 m mächtig.
Liegendes:
Rotliegendes, bezw. kristalline Gesteine.
Abnahme der Schichtenfolge nach Süden.
Die völlig ausgebildete Schichten folge findet sich
nur im nördlichen Spessart bis in die Gegend von Schöll-
krippen. Aber selbst bis dahin ist sie nicht ganz gleichmäßig
vorhanden. Das Grundgebirge ragt schon mehrmals hoch auf,
so daß Transgressionen der höheren Zechsteinglieder stattfinden.
Weiter südlich wird dies dann zur Regel. In unregelmäßigen
Kuppen und Hügeln greift das kristalline Gestein nach oben , so
daß an diesen nebeneinanderliegenden Stellen die Unterkante
lieber den Zeclistein im Spessart und Odenwald.
745
des Zechsteins stark wechselt. Konglomerat und Kupfer-
letten bilden dann nicht mehr die Basis ; sie liegen nur an den
tiefsten Stellen der Eintiefungen , die vielfach dem Streichen des
Grundgebirges folgen. Sehr schön sind diese Verhältnisse zur-
zeit in dem großen Steinbruch am Gräfenberg und in einem
Bruche westlich Eichenberg zu übersehen. ’ Ohne die Aufschlüsse
würde man sehr leicht zu der Vermutung kommen , daß hier
Störungen vorlägen.
Zechstein im Spessart uud in den angrenzenden Gebieten.
Infolge des A ufragens des Grundgebirges ver-
ringert sich die Mächtigkeit des Zechsteins nach Süden
immer mehr, doch ist die Abnahme keine gleichmäßige. Schon
bei Aschaffenburg liegen Bröckelschiefer auf den kristallinen Ge-
steinen und doch wird im Odenwald der Zechstein noch 12 — 13 m
mächtig. Die unregelmäßige Reduktion und das gelegentliche
Fehlen des Zechsteins erklären sich durch das Relief des Unter-
grundes. Der Untergrund steigt im ganzen langsam nach Süden
auf, dadurch erklärt sich das Verschwinden der Formation. Für
eine Zerstörung vou Zeclisteinschichten vor Absatz des Buntsand-
steins ergibt sich nirgends der geringste Anhaltspunkt.
Fazielle Änderungen treten trotz der Schichtenabnahme
nach Süden nicht ein. An vielen Stellen (aber nicht immer)
Gesteine
\ Störungen
746
H. L. F. Meyer,
haben die jeweils tiefsten Schichten eine klastische Beimengung,
z. B. der Zechstein bei Schweinheim bei Aschaffenburg oder bei
Frau Nauses unweit Groß-Umstadt, oder der Bröckelschiefer bei
Gailbach südöstlich Aschaffenburg und am Breuberg bei Neustadt.
Es handelt sich aber immer nur um geringmächtige klastische
Massen, die die eigentlichen Gesteine nicht verändern. Allerdings
scheint es mir (meine Beobachtungen sind aber noch nicht ab-
geschlossen), als ob Vorkommen von Oberrotliegendem im mitt-
leren Odenwald ebenfalls zum Zechstein zu ziehen wären. Die
Grenze zwischen den schwach entwickelten Arkosen an der Basis
des Zechsteins und den mächtigeren Arkosen und Arkosesand-
steinen , die bisher zum Rotliegenden gestellt wurden , ist kaum
mit Sicherheit zu finden. Es ist auch auffallend , daß hier das
höchste Rotliegende ganz anders entwickelt ist, als an sicher be-
stimmbaren Stellen , z. B. bei Heidelberg. (In der Gegend von
Bokkenrod, die ich besonders im Auge habe, befinden sich übrigens
die auffälligen grauen Sandsteine an mehreren Punkten, wo die
Spezialkarte Zechstein anzeigt.)
Unruhige Fazies im westlichen Spessart.
Aus den gut gebankten Dolomiten ohne Faziesänderung, die
bis zum äußersten Vorkommen im Süden auftreten, ergibt sich,
daß das Meer in dieser Gegend völlig ruhig gewesen sein muß.
Im westlichen Spessart scheint dies aber nicht der Fall gewesen
zu sein , denn hier prägt sich im tieferen Niveau der Dolomite
offenbar eine andere Fazies aus. Bei Rückingen und Niederroden-
bach und außerdem bei Geiselbach finden sich auffällig unruhig
geschichtete Dolomite; die Schichtflächen sind sehr unregelmäßig
und machen den Eindruck, als ob ständige Unterbrechungen im
Absatz stattgefunden hätten. Dazu finden sich vor allem flase-
r i g e Dolomite, die durchaus an bestimmte Bänke im Wellen-
kalk erinnern und damit einen mir im Zechstein noch nicht
bekannten Typus darstellen (vergl. die Karte). Offenbar war
hier der Meeresboden unruhiger, häufige Trockenlegungen
unterbrachen die Sedimentation und es fanden wohl lokale Ab-
tragungen statt, deren Produkte jetzt in den Flaserbänken vor-
liegen. Es ist wohl kein Zufall, daß gerade in diesen Gegenden
größere Organismenreste häufiger sind als anderswo. Das leb-
haftere Meer bot ihnen hier bessere Existenzbedingungen , als
weiter draußen , wo nur noch kleinere planktonische Reste vor-
kamen, die uns im wesentlichen den Bitumengehalt der Dolomite
geliefert haben werden. Daß die Sedimentationsverhältnisse hier
andere waren , ergibt sich vielleicht schon aus dem Zechstein-
konglomerat, dessen Korngröße offenbar nach Westen zunimmt.
Ueber den Zechstein im Spessart und Odenwald.
747
Vergleich mit der Schichtenfolge in der Wetterau.
Von der beschriebenen Schichtenfolge sind die hangenden und
liegenden Glieder ohne weiteres in ihrer stratigraphischen Stellung
klar. Konglomerat und Kupferletten und die hangenden roten
Letten mit den bunten Dolomitbänken stimmen genau mit denen
der Wetterau überein. Tiefster Unterer Zechstein (Ziij) und oberster
Oberer Zechstein (Zo3) finden damit ihre Vertretung. Zwischen
ihnen liegen die grauen Sapropeldolomite. Bei ihnen können wir
feststellen , daß sowohl ihr liegendster wie ihr hängendster Teil
noch mit Schichten der Wetterau iibereinstimmt. Die Basis des
Zechsteinkalkes (Zu2) und die obersten Lager des Plattendolomites
(Zo,) sind also ebenfalls nachweisbar. Es handelt sich nun um
die Stellung des mittleren Teiles der Dolomite, der mit Schichten
der Wetterau nicht mehr verglichen werden kann. Irgendwelche
stratigraphisch verwertbaren Grenzen finden sich in ihnen nicht,
wie ja schon Bücking hervorgehoben hat. Fossilien ermöglichen
ebenfalls wegen ihres sporadischen Vorkommens keine Abtrennung.
Bücking selbst wollte Zechsteinkalk und Mittleren Zechstein darin
erkennen. (Sein ganzer Oberer Zechstein entspricht nur meinen
Oberen Letten.) Ich selbst glaubte früher, daß nur der Platten-
dolomit mit sporadischer Vertretung des Unteren Zechsteins vor-
handen wäre (Ber. Oberh. Ges. f. Nat. u. Heilk. N. F. Naturw.
Abt. 5. 1913. p. 101/102). Es kann nun aber keinem Zweifel unter-
liegen, daß bei dem Fehlen jeglicher Diskordanzen eine partielle
Vertretung des Zechsteins durch die Dolomite nicht angenommen
werden darf. Die grauen Dolomite müssen also den Teil des
Zechsteins vertreten , der zwischen den Oberen Letten und den
Kupferletten liegt. Die Mächtigkeit der Dolomite ist zwar ge-
ringer als in den entsprechenden Schichten der Wetterau. Dort
handelt es sich aber um fein-klastische , hier um vorwiegend
chemische Sedimente. Außerdem ergibt sich offenbar, daß die
Schichtung der Sapropeldolomite nicht nur durch Wechsel, son-
dern auch durch Stillstand in dem Absatz zustande gekommen
ist. Der höhere Untere, der Mittlere und fast der ganze
Obere Zechstein des Spessarts wird durch graue Dolo-
mite ohne alle stratigraphischen Grenzen gebildet. Diese
dolomitische Fazies tritt in Gegensatz zu allen bisher be-
kannten und ist das Produkt der besonderen Sedimentations-
verhältnisse im Südwesten des deutschen Zechsteins.
Entstehung der Dolomitfazies.
Der deutsche Zechstein ist in einem Flachmeer abgesetzt,
das zwar selbst vom Ozean abgeschnitten war, aber in sich ein
offenes Becken darstellte. Trennende Bücken waren darin bis jetzt
nicht bekannt. Die rote Frankenberger Fazies ist entstanden als
748
H. L. F. Meyer,
Absatz auf dem Festlande unter aridem Klima, die tonige Fazies
der Wetterau in einem küstennahen Zipfel im Süd westen, wo die
Festlandsnähe sich in feinklastischen Sedimenten und reichhaltigerer
und höherer Fossilienführung kenntlich macht. Beide Fazies sind
also nur als besondere randliche Ausbildungen der Normalfazies
zu betrachten , sie haben in ungestörter Verbindung mit ihr ge-
standen. Mit der süddeutschen Fazies verhält es sich aber anders.
Sie muß von dem Meere der Wetterau durch einen Rücken ge-
trennt gewesen sein, die Flüsse und Strömungen, die dorthin so viel
terrestres Material trugen, haben die Spessartgegend nicht berührt.
Zwischen Haingriindau und Lieblos nähern sich die Wetterauer
und süddeutsche Ausbildung auf wenige Kilometer, ohne daß ein Über-
gang zu erkennen wäre Hier muß der trennende Rücken durch-
gegaugen sein; er erstreckt sich weiter nach SO in die Gegend
zwischen Orb und Bieber. (Vergl. die Karte.) In der Wetterau
war der Meeresboden ein ebener, auf dem sich die Formation
gleichmäßig absetzen konnte. Ganz anders war es damals in
Süddeutschland. Ein Archipel mit großen und kleinen Inseln be-
fand sich hier, die nach Süden langsam an relativer Höhe ab-
nahmen , während das ganze Niveau anstieg. Nur im untersten
und obersten Zechstein war mit der Wetterau eine freie Ver-
bindung vorhanden. Im übrigen handelte es sich um ein ab-
geschlossenes Gebiet. Detritusmassen konnten nicht viel in das
Meer transportiert werden, da kein zusammenhängendes Festland
vorhanden war. Nur feine Tone wurden in regelmäßigem Wechsel
eingeschwemmt. Das stellenweise sehr flache Meer war von zahl-
reichen kleineren Organismen erfüllt.
Alle diese Umstände machen es uns verständlich , wie sich
hier im ruhigen Meerwasser ohne Strömungen anhaltendes Gleich-
gewicht ausbilden konnte, so daß die Dolomite in ununterbrochener
Folge als primäre Gesteine entstanden. Es handelt sich um ganz
ähnliche Bedingungen wie bei dem süddeutschen Unteren Muschel-
kalk1 2, der mit seinen AVellendolomiten ebenfalls eine ausgesprochene
Seichtwasserfazies darstellt. Die Einschwemmungen tonigen Materials
unterbrachen den Prozeß der Ausfällung auf kurze Zeit. Die Reste
der Organismen werden bei ihrer Verwesung die wichtige freie
Kohlensäure geliefert haben, so daß sich die einförmige Folge der
Sapropeldolomite immer wieder ausscheiden konnte. (Vergl. Potonie,
Naturw. Wochenschrift. 1910. p. 784, und Linck in Doelter, Hand-
1 Dieser schroffe Fazieswechsel in einem Flachmeer zeigt uns, wor-
auf gerade in neuerer Zeit wiederholt hingewiesen wurde, daß derartige
Faziesdifferenzen in Überschiebungsgebirgen mit großer Vorsicht bei der
Konstruktion tektonischer und paläogeographischer Bilder zu verwenden sind.
a Während der Drucklegung erscheint die Arbeit von G. Wagner
(dies. Centralbl. 1913. No. 17. p. 551 ff.), in der für den Oberen Muschel-
kalk die randliche Dolomitfazies sehr schön auf einer Karte dargestellt wird.
lieber den Zechstein im Spessart und Odenwald.
749
blich der Mineralchemie. 1. p. 133/134.) Gegen Ende des Zech-
steins wurde das Gebiet mit dem Hauptbecken wieder in Ver-
bindung gebracht und Gips und Steinsalz schlugen sich nieder,
■die schließlich von den Oberen Letten eingedeckt wurden.
Entgegen meiner früheren Angabe (Ber. Oberh. Ges. f. Nat. u. Heilk.
N. F. Naturw. Abt. 5. 1913. p. 97 ff.) war also der Spessart im Mittleren
Zechstein kein völliges Festland. Als Archipelgebiet aber, das gegen die
Wetterau durch einen Rücken abgetrennt war, konnte er dennoch nach
dieser Gegend terrigenes Material liefern. Der Odenwald ist aber wohl
im Mittleren Zechstein noch als Festland zu betrachten. Nach den Mächtig-
keiten zu urteilen , wird er erst vom Meere des Oberen Zechsteins über-
deckt worden sein.
Zur Entstehung der Manganerze.
Über die Hauganerze finden sich zahlreiche Angaben in der
Literatur. Aus den stratigraphischen Verhältnissen ergibt sich
mit Sicherheit , daß die Manganverbindnngen nicht , wie es nach
bestimmten Theorien sein soll, durch eine Auslaugung entstanden
sein können. Es muß sich um metas oma tische Prozesse ge-
handelt haben. Dies läßt sich zurzeit sehr schön in Brüchen bei
Hummetroth im Odenwalde oder Feldkahl im Spessart zeigen, wo
die Manganmulrae in unregelmäßigen Taschen nach unten greifen.
Die Grenze gegen den Dolomit ist eine scharfe. Trotzdem sieht
man aber, daß die Lettenlagen des normalen Dolomites sich ungestört
in den Mulm weiter fortsetzen. Diese Beobachtung ist auch schon
durch Salomos an anderen Stellen des Odenwaldes gemacht worden.
Für die Erklärung des Vorkommens der Manganerze müssen
wir uns besonders vor Augen halten , daß es sich nicht um eine
lokale Erscheinung handelt. Im Odenwald sind die Erze
am meisten verbreitet, aber auch im Spessart kommen sie vor,
nach Norden allerdings an Mächtigkeit stark abnehmend. Es
scheint fast, als ob sie mit den Sapropeldolomiten eng verknüpft
wären, denn sofort mit deren erstem Auftreten bei Lieblos finden
sich die Mauganmulme, die ich weiter nördlich nicht gesehen habe.
Es scheint mir wegen der weiten Erstreckung etwas gewagt, zur
Entstehung ohne weiteres Thermen heranziehen zu wollen. Ich
glaube , daß wir die Erze genau so erklären können , wie dies
jetzt auch bei den Manganmassen auf den mitteldevonischen Kalken
am Taunusrande geschieht , daß die Carbonate auf die in den
Bodenlösungen vorhandenen Manganverbindungen ausfällend ge-
wirkt haben. Der Bitumengehalt wird dabei wohl eine besondere
Rolle spielen.
Mit der Entstehung der Manganerze dürfen wir das Problem
der nicht seltenen Verkieselung der Dolomite nicht ohne
weiteres verknüpfen. Es scheint sich dabei um völlig getrennte
750
H. L. F. Meyer,
Prozesse zu handeln. Die stärksten Verkieselungen finden sich
derart angeordnet, daß ihre Verbindung mit Spalten sichergestellt
zu sein scheint. Die Herkunft der Kieselsäure ist vielleicht
eine thermale. — (Vergl. die Karte.)
Die Auflagerungsfläche des Zechsteins in ihrer morpho-
logischen Bedeutung.
Die Fläche , mit der der Zechstein und der Bröckelschiefer
den älteren Gesteinen auflagern , ist keine Ebene , sondern ein
flachwelliges Bergland , wie ich es oben geschildert habe. Die
Bezeichnung „Fastebene“ ist darum hier nicht am Platze,
höchstens könnte man von „Abtragungs fläche“ sprechen. Aber
auch diese Bezeichnung ist nicht richtig, wenn wir uns auf den
Zechstein beziehen wollen. Die Fläche wird durch den Zechstein
überdeckt, aber sie ist nicht in dieser Zeit geschaffen worden.
Wir finden ja nur geringmächtige Basaltkonglomerate uud auch
diese von durchaus lokaler Bedeutung, so daß eine marine Abrasion
kaum gewirkt haben kann. Wir dürfen daher nur von einer
Auflagerungsfläche sprechen, Zechstein und mit ihm
Buntsandstein haben ein Relief überdeckt, das unter
den herrschenden Bedingungen beider Formationen
nicht entstanden ist. (Bei den Diskussionen über die Ent-
stehung des Buntsandsteins ist gerade diese Tatsache nie berück-
sichtigt worden. Ich werde bald an anderer Stelle auf diesen
Gegenstand genauer eingehen.)
Durch spätere Abtragungen ist die Auflagerungsfläche von
den verhüllenden Sedimenten wieder entblößt worden und tritt
nun an der Steilstufe des hinteren Odenwaldes und Spessarts zu-
tage. Für die Morphologie beider kristallinen Gebirge wird ihr
ziemlich große Bedeutung beigelegt. Immerhin muß man sich vor
einer Überschätzung sehr hüten. Allein die große Unregelmäßig-
keit der Fläche zeigt , daß die Verebnungen an der Oberfläche,
besonders des Spessarts, nicht ohne weiteres mit ihr in Beziehung
gebracht werden dürfen. Es ist z. B. außei'ordentlich auffällig,
daß im Spessart gerade nahe den unregelmäßigsten Stellen am Gräfen-
berg und Umgegend die Abtragungsfläche bei Johannisberg und
Sternberg völlig eben ausgebildet sein soll. Für den Odenwald
werden ja starke Erhebungen in der Fläche zugegeben. (Für die
Abtragungsfläche im Odenwalde vergl. Strigel, Verb. Naturhist.-
Med. Ver. Heidelberg. N. F. 12. 1. H. 1912.)
Vor allen Dingen müssen aber die späteren Verwerfungen
berücksichtigt werden, die uns das Bild sehr verwischen. So läßt
sich z. B. in der Gegend von Geiselbach und Horbach im Spessart
mit Sicherheit zeigen, daß die heutige Oberfläche von der per-
mischen Fläche ganz unabhängig ist. Der Zeclistein bei Geisel-
Ueber den Zechstein im Spessart und Odenwald.
751
bach ist an Störungen gegenüber dem Osten abgesunken, so daß
die Abtragungsfläche schräg nach Osten einfällt. Man sieht sehr
schön , wie die schräggestellte Fläche die heutige Oberfläche
schneidet und mit ihr nichts zu tun hat. Nordöstlich von Geisel-
bach liegt dann in höherem Niveau der stehengebliebene Zech-
stein, dessen Fläche sich höher ebenfalls morphologisch gut heraus-
hebt. Die jüngere Fläche, die bei Geiselbach die permische
schneidet, setzt sich aber im Südwesten nach dem Hahnenkamm
fort und scheint zu beweisen, daß auch hier jüngere Abtragungen
wirksam gewesen sind.
Aus einer anderen Überlegung ergibt sich ja auch ein ähn-
liches Resultat. Die Schrägstellung, die die Schichten des hinteren
Spessarts erfahren haben, ist keine primäre, sondern wohl erst
im Tertiär erfolgt. Im jüngeren Tertiär ist aber eine Verebnung
der ganzen Gegend eingetreten, die sich jetzt auf den Höhen des
hinteren Spessarts und Odenwaldes sehr schön bemerkbar macht.
Infolge der Schrägstellung, die vor dieser Einebnung schon vor-
handen war, muß die tertiäre Abtragungsfläche im westlichen Teil
der Gebirge schon mehr oder weniger große Teile der kristallinen
Gesteine freigelegt haben, so daß die permische Fläche verwischt
wurde.
Zusammenfassung der vorläufigen Ergebnisse.
Im Spessart und Odenwald besteht der gesamte Zechstein
bis auf das Zechsteinkonglomerat, den Kupferschiefer und die
Oberen Letten aus grauen, gutgeschichteten Sapropeldolomiten mit
geringen Lettenzwischenlagen. An der Basis der Oberen Letten
befand sich ein jetzt nur durch Auslaugungen kenntlicher Salz-
horizont. Der Zechstein setzte sich in einem Archipele ab , der
von dem offenen Meere abgeschlossen war. Die Wassertiefe war
gering. Daraus erklärt sich die auffällige Dolomitfazies. Das
Gebiet stieg langsam und unregelmäßig nach Süden an. so daß
die Mächtigkeit der Formation bis zum völligen Auskeilen ab-
nehmen muß. Nach Süden verlief die Sedimentation ganz ruhig
ohne Faziesänderung, Nach Westen findet sich aber eine un-
ruhigere, fossilreichere „Wellendolomit“ -Fazies. — Die unebene
Auflagerungsfläche des Zechsteins stimmt nur au manchen Stellen
mit der heutigen Oberfläche sicher überein. Teils ist sie schon
im Tertiär in den westlichsten Teilen freigelegt worden , teils
schneidet sie die heutige Fläche infolge Schrägstellung durch Ver-
werfungen.
Gießen, Mineralogisches Institut, den 18. Sept. 1913.
752
R. Löffler, Ergänzende Beiträge etc. — Personalia.
Ergänzende Beiträge zur Kenntnis des Grundgebirges im Ries.
(Vergl. „Jahreshefte des Vereins für vaterl. Naturk, in Württemberg.“
68. Jahrg. 1912. p. 107—154.)
Von Richard Löffler in Saulgau.
Bei der Untersuchung des Grundgebirges im Ries ist es mir
gelungen, im Nordwesten des Rieskessels eine Gruppe von meta-
morplien Gneisen und kristallinen Schiefern festzustellen, deren
Einheitlichkeit und deren Zusammenhang mit den übrigen Gesteinen
sie als ursprünglichen Gebirgszug charakterisieren. Es sind haupt-
sächlich granat- und graphitführende Gneise, daneben noch Silli-
manitcordieritschiefer, denen ich den Namen „Vindelizit“ beigelegt
habe. Diese ganze Zone reicht von Zipplingen im Nordwesten
bis nach Jtzing im Osten hinüber. Wenn wir die Entstehungs-
geschichte des Rieskessels und seiner Umgebung in Betracht ziehen,
wie sie von Branca und Fraas wahrscheinlich gemacht worden
ist , so brauchen wir im Zentrum des Rieskessels keine so großen
Transportationen anzunehmen wie an der Peripherie, wenn auch
alles disloziert, d. h. in die Höhe gehoben worden ist. So beweist
auch der Wenneberg, daß hier nur eine Pressung an Ort und
Stelle erfolgt ist, ebenso wie auch das Vorkommen von Grund-
gebirge amLehberg bei Munzingen und am Albuch gegen Sclnnähingen
zu. Hier im Innern des Rieskessels sind es größere Komplexe,
die gehoben und gepreßt wurden, ohne weit verschoben worden
zu sein. So gewinnt die Hjrpothese an Wahrscheinlichkeit, daß
wir es in den oben erwähnten kristallinen Schiefern mit einer
ursprünglichen Gebirgszone zu tun haben, deren Streich richtung
noch heute erkennbar ist. Daß diese von Nordwest nach Südost
verläuft, also her zynisch ist, dürfte einen weiteren Stützpunkt
für die Existenz des ehemaligen vindelizischen Gebirges abgeben.
Anhangsweise sei hier das bis jetzt unbekannte Vorkommen
von Graphit quarz it erwähnt, der sich in der Gegend von
Wilflingen — Munzigen — Marktofüngen am Ostabhang des Lehbergs
ündet. Es ist durch Übergänge mit einem pegmatitischen , roten
Feldspat führenden Granit verknüpft und fügt sich somit sehr gut in
die bereits bekannte dortige Gesteinsgruppe ein. Der Graphit ist in
kleinen, metallglänzenden Schüppchen und Blättchen in den Quarzit
eingestreut. Dieser ist gewöhnlich — makroskopisch betrachtet —
reiner Quarz. Die mikroskopische Untersuchung steht noch aus.
Personalia.
Habilitiert: Dr. G. Dyhrenfurth als Privatdozent für
Geologie und Paläontologie an der Universität Breslau.
W. Volz, Oberer Jura in West-Sumatra.
753
Original-Mitteilungen an die Redaktion.
Oberer Jura in West-Sumatra.
Von Prof. Dr. Volz in Erlangen, Geographisches Institut.
Mit 5 Textfiguren.
Jüngst erhielt ich von Herrn Prof. Dr. Yabe eine Reihe von
Arbeiten, zum Teil auch älteren Datums, liebenswürdigst zugesandt.
Unter ihnen befand sich ein nur wenige Seiten umfassender Auf-
satz aus dem Journ. Geol. Soc. Tokyo 1903, betitelt: ,On a
Mesozoic Stromatopora“. Die an so entlegenem Orte veröffent-
lichte kleine Arbeit war mir bisher unbekannt geblieben. Es wird
in ihr eine neue Stromatopora japonica sp. n. aus dem
Torinosukalk bei Itsukaielii im Nordwesten von Tokyo beschrieben.
Diese Kalke haben nach gütiger Mitteilung des Herrn Kollegen
Krumbeck ein Alter, das auf der Grenze von Jura und Kreide
steht, mit größter Wahrscheinlichkeit aber noch dem oberen Jura
zugehört.
Beim Betrachten der beigegebenen Tafel sah ich mit dem
größten Erstaunen, daß diese neue japanische Form zweifellos mit
der seinerzeit von mir beschriebenen Mt/riopora 1 aus West-
Sumatra übereinstimmt. Ein genauer Vergleich der Abbildungen
und Beschreibungen läßt die generische Übereinstimmung voll-
ständig erscheinen. Der einzige Unterschied besteht darin , daß
Yabe von seiner Form keine zyklischen Porensysteme beschreibt;
doch scheint mir seine Abbildung (s. Fig. 1) an zwei Stellen (oben
sowie fast genau Mittelpunkt) recht deutliche zyklische Anordnung
zu zeigen, so daß ich an der generischen Übereinstimmung beider
Formen nicht zweifle. Der Querschnitt durch die stratogenen
Lagen bei Mt/riopora Verbeeki Vor.z (s. Fig. 2) zeigt gleichfalls
keine zyklischen Porensysteme. Allerdings handelt es sich um
zwei verschiedene Arten. Die Skelett-Elemente der japanischen Art
sind erheblich gröber als diejenigen der sumatranischen; neben der
von mir beschriebenen Mt/riopora Verbeeki fand ich am gleichen
Fundpnnkt noch eine andere Art mit gröberen Skelett-Elementen,
welche ich aber nicht beschrieb, da sie damals neben der anderen,
häufigeren und besser erhaltenen Form kein neues Interesse mehr
bot. Möglich, daß sie mit der japanischen Art nun auch spezifisch
übereinstimmt.
Die YABE’sche Arbeit und die meinige sind fast gleichzeitig
1 W. Volz, Zur Geologie von Sumatra. (Geologische und paläonto-
logiscbe Abhandlungen, herausgegeben von E. Koken. 1904. p. 186 ff.)
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913. 48
754
W. Volz,
Fig. 1. Myriopora japonica Yabe aus dem japanischen oberen Jura.
Querschliff. 10x.
Fig. 2. My riopora Verbeeki
Volz.
Querschnitt durch eine stratogene
Lage des Gewebes. Das Gewebe ist
wurmförmig, die Cönosarkröhren
zeigen z. T. stark verdickte Böden.
Keine zyklischen Porensysteme.
Das Gewebe weist größere Löcher
auf, die aber mit den Gastropoden
nichts zu tun haben. 12 x.
Fig. 3. Myriopora Verbeeki Volz.
Querschnitt aus dem Übergänge der acrogenen
und stratogenen Lagen des Gewebes. Die
Randröhrchen der zyklischen Systeme (bei A)
sind zu hoiizontalen Schläuchen aufgelöst.
Das Gewebe ist im ganzen noch ziemlich ge-
schlossen. 20 x.
Oberer Jura iu West-Sumatra.
755
erschienen, indem erstere vom Dezember 1903 datiert ist, während
das meine Arbeit enthaltende Heft der Abhandlungen in den ersten
Januartagen 1904 erschienen ist. Aber das ist schließlich gleich-
gültig und würde auch bei der zweifellosen spezifischen Ver-
schiedenheit für die Benennung nichts zu bedeuten haben. Da
Yabr seine Form ganz allgemein mit dem paläozoischen Gattungs-
namen Stromatopora bezeichnet, die Form aber zweifellos gegen
die echte Stromatopora eine ganze Reihe charakteristischer Unter-
schiede aufweist, so schlage ich vor, den Namen Myriopora auf
sie auszudehnen ; es würde demnach die nunmehr .jungmesozoische
Gattung Myriopora in zwei Formen bekannt sein:
1 . Myriopora Verbeeki Volz von West-Sumatra,
2. Myriopora japonica Yabe von Japan und wahrscheinlich
auch von West-Sumatra.
Fig. 4. Myriopora japonica Yabe
aus dem japanischen oberen Jura.
Längsschliff. 10 x.
Fig. 5. Myriopora Ve r beeid Volz.
Längsschnitt durch eine Lage gestreckten
(acrogenen) und wurmförmigen (strato-
genen) Cönenchymgewebes ; die Böden in
den Cönosarkrührchen sind deutlich sicht-
bar. 12 x.
Wie sind die strati graphischen Verhältnisse des
Sumatraner Vorkommens? Ein Kalkriff taucht im Südosten des
Vulkans Merapi im Padanger Hochland in den Vulkanmantel ein;
ein petrographisch äußerst gleichartiges Kalkriff taucht bei gleichem
Streichen im Nordwesten desselben Vulkans aus dem Vulkanmantel
heraus. Das erstere ist durch reichliches Vorkommen permo-
carboner Fossilien ausgezeichnet; im letzteren fand ich die Myrio-
poren, außerdem nur Bryozoen, undeutliche Muscheldurchschnitte,
sowie eine schlecht erhaltene konfluente Koralle. Bei dem schein-
48*
756
W. Volz,
baren Durchstreichen des Riffes durch den Vulkanraantel nahm
ich für den Myrioporenkalk gleichfalls permocarbones Alter an.
Es zeigt sich aber jetzt, daß diese Annahme irrtümlich ist, daß
wir es zweifellos mit einem oberjurassischen Kalk zu tun haben.
Dafür spricht die Myriopora, während dagegen kein stich-
haltiger Grund angeführt werden kann.
Außerordentlich interessant ist es, daß diese Altersbestimmung
als mesozoisch in ganz auffallender Weise mit den paläonto-
logischen Beziehungen harmoniert, welche ich seinerzeit für Myrio-
pora (1. c. p. 193 f.) hervorhob.
Ich fand für Myriopora außerordentlich enge Beziehungen zu
den damals bekannten mesozoischen Formen Millestroma Gre-
gory aus dem Turon, Milleporidium Steinmann aus dem Ober-
jura und faßte Myriopora als eine phylogenetisch ebenso interessante
wie wichtige Zwischenform zwischen ihneu und den paläozoischen
Stromatoporiden auf; dementsprechend wählte ich auch den Namen
in möglichster Anlehnung an die mesozoischen Formen (Mille
= 1000, myrios = 10 000). Ich lasse die bezeichnendsten Sätze
hier wörtlich folgen :
„ Myriopora steht der Millestroma aus dem Turon sehr nahe;
„der Skelettaufbau ist außerordentlich ähnlich und ebenso hat auch
„ Millestroma ganz ähnliche Zooidröhren“ ; . . . . „ Hermatostroma
„ist noch eine echte Stromatoporide, Myriopora bereits eine typische
„Milleporide“; .... „Andererseits ist auch die Ähnlichkeit von
., Myriopora und dem oberjurassischen Milleporidium sehr groß. Der
„Skelettbau ist so übereinstimmend, daß z. B. Steinmann 1. c.
„Taf. 2 Fig. 2 fast ebensogut von Myriopora stammen könnte.“
Diese von mir bei Aufstellung der Gattung geschriebenen
Sätze zeigen deutlich, wie vorzüglich ein oberjurassisches Alter
für Myriopora paßt. Daß es tatsächlich besser und ungekünstelter
paßt als ein jungpaläozoisches Alter, zeigt aber nichts deutlicher
als der Schlußsatz meiner damaligen Arbeit über Myriopora , in
dem ich die Bedeutung der Form zusammenfaßte :
„Aber wie dem auch sei, der Nachweis einer paläozoischen
typischen Milleporide ist schon an sich von hohem wissen-
schaftlichem Interesse; ist doch dadurch ein neuer Faden zur .
grauen Vorzeit gesponnen; fällt doch durch sie und durch ihre
nahe Verbindung mit den Stromatoporiden helleres Licht auf diesen
in seiner zoologischen Stellung zweifelhaften Stamm“ (1. c. p. 194).
Allerdings muß ich jetzt mich selbst berichtigen; Myriopora hat
diese interessante Mittelstellung nicht, sondern gehört in die
jungmesozoische Milleporidengruppe; und der Hiatus, welchen
Myriopora zu überbrücken schien, klafft weiter.
Was hat nun aber die Tatsache, daß die Myrioporenkalke ein
oberjurassisches Alter haben, für Konsequenzen für unsere geologische
Oberer Jura in West-Sumatra.
757
Auffassung des Baues von Sumatra? Recht einschneidende! Man
war bisher gewöhnt, die zahlreichen lang durchstreichenden grauen
Kalkziige, welche Sumatra, von Djambi angefangen, bis zur Nord-
spitze durchsetzen, als permocarbonisch zu betrachten ; man hatte
zwar nur ziemlich selten in. ihnen Fossilien gefunden, aber die
waren allemal typische Permocarbon-Fossilien gewesen. Jetzt ist
für einen dieser grauen Kalkziige erwiesen, daß er jungmeso-
zoisch ist. Aber auch in Nord-Sumatra habe icli Mvrioporen des
öfteren gefunden ; es zeigt sich also , daß die oberjurassischen
Myrioporenkalke recht weit verbreitet zu sein scheinen, und ehe
wir nunmehr einen Kalk irgend einer Formation zuteilen , ist es
erforderlich, sein Alter durch Fossilfunde nachzuweisen; denn die
Bildung der Kalkgräte scheint in wesentlicher Gleichartigkeit vom
Carbon an durch die Flucht der Zeiten sich fortgesetzt zu haben.
Diese ganz veränderte Auffassung im Alter der Kalke muß
große Auswirkung haben auch für die Auffassung des Alters der
sumatranischen Granite. J. B. Scrivenor1 hat gezeigt, daß auf
der malaiischen Halbinsel ein wesentlicher Teil der Granite meso-
zoisch ist, vermutlich jurassisch. Das Alter der sumatranischen
Granite als präcarbonisch ward im wesentlichen dadurch bestimmt,
daß öfters Permocarbonkalke ohne Spur von Metamorphose ihnen
auflagern ; wenn nun ein Teil dieser Kalke nicht permocarbonisch,
sondern oberjurassisch oder gar untercretaciscli ist, so ist es sehr
wohl möglich , daß auch in Sumatra mesozoische Granite Vor-
kommen, und ich bin sogar überzeugt, daß dem so ist. Ob die
Zinnführung für die mesozoischen Granite charakteristisch ist, wie
es auf der malaiischen Halbinsel zu sein scheint , müssen spätere
Untersuchungen lehren. Ein derartiger Granit, der mir zweifellos
jung zu sein scheint, ist z. B. das Granitvorkommen am Südostfuß
des Vulkans Surungan im östlichen Batakland2. Als ich es 1906
entdeckte, war ich erstaunt über das Eigenartige des Auftretens.
Quarzite bilden die Hülle; es folgen fossilleere Schiefertone, welche
den triadischen Tonen von Kwalu fast bis zur Identität ähnlich sind,
so daß ich schon damals glaubte, sie zur Trias stellen zu müssen.
Wir haben also hier genau dieselben Verhältnisse wie auf der
malaiischen Halbinsel, wo triadische Quarzite etc. die Schieferhülle
der jungmesozoischen Granite bilden; das Gebiet von Kwalu liegt
ja auch in der Fortsetzung der Vorkommen der malaiischen
Halbinsel
Es würde zu weit führen, hier alle Konsequenzen im einzelnen
aufzuführen. So wie wir hier ein mesozoisches Granitvorkommen
zweifellos vor uns haben , dürfte es noch mehr geben. Diese in
Erscheinung tretenden Übereinstimmungen mit dem Bau der ma-
1 Quarterly Journal of the Geol. Soc. 69. 1913. p. 351.
2 W. Volz, Nord-Sumatra. Bd. I. Berlin 1909; besonders p. 187.
758
A. Beutelt
laiischen Halbinsel schlagen ebensoviel Brücken für das bessere
Verständnis der geologischen Geschichte Sumatras.
Es ist ja bisher bereits verschiedentlich Mesozoicum durch
Fossilfunde in Sumatra nachgewiesen, Trias und Kreide,
aber es waren stets neu entdeckte, randliche Vorkommen; dieser
ueue Nachweis von oberstem Jura in Sumatra ist deshalb
so wichtig, weil er auf bekanntem Gebiet gemacht ist und u. a.
überaus wichtige Konsequenzen für die Altersbestimmung der
morphologisch so ungeheuer bedeutungsvollen Granite
nach sich zieht.
Die Zersetzung des Hauerits an der Luft und die dadurch
hervorgerufene Einwirkung auf Silber und Kupfer.
Von A Beutell in Breslau.
Mit 3 Textfiguren.
J. Strüver (dies. Centralbl. 1901. 2. p. 257 und 401) hatte
beobachtet, daß Hauerit, S2Mn, auf Silber gelegt, in einiger Zeit
einen schwarzen Fleck hervorbringt. Er konnte ferner nachweisen,
daß Pyrit, Markasit und Magnetkies dieselbe Eigenschaft, wenn
auch in geringerem Grade, besitzen. Noch schneller wirkte nach
seinen Angaben Schwefel. An Stelle des Silbers konnte Kupfer
dienen, nur war dasselbe etwas weniger empfindlich. Strüver
schließt aus seinen interessanten Beobachtungen, „daß chemische
Reaktionen auch zwischen festen Körpern bei gewöhnlicher Tempe-
ratur und in trockener Luft stattfinden können“ und sagt weiter,
„daß diese Tatsache nicht ohne Bedeutung für die Bildung und
Umbildung nicht weniger Mineralspezies in der Natur sei“.
Bei dem großen Interesse, welches die erwähnten Beobach-
tungen verdienen, auch wenn man sich nicht alle Schlußfolgerungen
zu eigen macht, habe ich es unternommen, die Erscheinungen einer
erneuten experimentellen Prüfung zu unterziehen. Da sich Silber
als empfindlicher erwies als Kupfer, habe ich in der Folge nur
mit reinem, von Ivahebaum bezogenem Silberblech experimentiert.
Es ist nötig, dasselbe vor dem Gebrauch abzuschmirgeln; mit
Salpetersäure gereinigtes Silberblech erweist sich als viel unwirk-
samer, woran auch nichts geändert wird, wenn man es noch mit
Ammoniak putzt.
Legt man einen Haueritkristall mit einer Oktaederfläche auf
ein frisch abgeschmirgeltes Silberblech, so sieht man schon nach
einer halben Stunde einen deutlichen gelbbraunen Abdruck der
Fläche, doch erweisen sich nicht alle Kristalle gleich wirksam.
Von 5 Kristallen der hiesigen Hauptsammlung zeigten sich zwei
und ein Spaltstückchen, welches bereits seit Monaten an der Luft
lag, sehr aktiv, während 2 andere Kristalle in einer halben Stunde
Die Zersetzung des Hauerits an der Luft etc.
759
nur eine ganz schwache Anfärbung des Silbers hervorriefen. Ein
Haueritkristall mit rauher, wie angeätzt aussehender Oberfläche
ließ auch nach 4 Stunden noch keine sichtbare Einwirkung er-
kennen. Da es nicht ausgeschlossen schien , daß die Kristalle
(um sie vor Oxydation zu schützen) mit einem feinen Lacküberzug
versehen worden waren, wurden sie 24 Stunden in absoluten
Alkohol und darauf noch die gleiche Zeit in Äther gelegt, wo-
durch sich der Lack lösen mußte. Nach dieser Behandlung auf
frisch abgeschmirgeltes Silberblech gelegt, brachten die beiden
großen Kristalle in 48 Stunden nur einen schwachen bräunlichen
Abdruck hervor, während der dritte keine Einwirkung erkennen
ließ. Die Aktivität gegen Silber hatte sich hiernach bei den
beiden größeren Kristallen noch mehr verringert, während der
kleinere nach wie vor unwirksam blieb. Nach den Erfahrungen,
die ich bei meinen Arbeiten über Arsenkies, Glaukodot und Glanz-
kobalt gemacht hatte, traf mich dieses Ergebnis nicht unerwartet,
denn der durch die Oxydation an der Luft gebildete freie Schwefel,
der nach meiner Meinung die Ursache der Silberanfärbung war,
hatte sich im Alkohol und Äther gelöst. Nachdem die Kristalle
48 Stunden an der Luft gelegen hatten, riefen die beiden größeren
schon nach 3 Stunden einen gelbbraunen Abdruck hervor, sie
waren also viel wirksamer geworden. Nur der kleine mit der
rauhen , möglicherweise durch einen künstlichen Eingriff ver-
änderten Oberfläche hatte sich nicht gebessert und mußte als un-
brauchbar beiseite gelegt werden. Die Aktivität lackierter Hauerit-
kristalle , deren Lacküberzug durch Behandeln mit Alkohol und
Äther entfernt wird, kommt somit erst nach mehreren Tagen zum
Vorschein.
Die Färbung, welche das Silber durch einen aufgelegten
Hauerit annimmt, hängt von der Länge der Zeit ab und durch-
läuft, mit bräunlichgelb beginnend, je nach der Dicke des Häut-
chens, sämtliche Regenbogenfarben. Erst nach einigen Tagen wird
der Fleck grauschwarz. Auffallend ist hierbei, daß die Anfärbung
des Silberbleches nicht nur an der Berührungsstelle selbst statt-
findet, sondern daß sie sich weiter verbreitet. Zwar nimmt die
Wirkung mit der Entfernung schnell ab , doch ist sie bis auf
1 cm und mehr im Umkreise zu verfolgen. An diese interessanten
Erscheinungen knüpft Strüver die Bemerkung, „daß, wenn die
Reaktion in den Berührungspunkten beginnt, sie sich dann alsbald
auf verhältnismäßig bedeutende Entfernung von diesen ausdelmt,
eutweder durch das Metall hindurch oder auch durch die Luft“
(dies. Centralbl. 1901. 2. p. 257).
Seine Ansicht , daß die Reaktion zwischen dem Hauerit und
dem Silber von der Berührungsstelle ausgeht , und daß die Be-
rührung unbedingt nötig sei, stützt sich auf einen Versuch, bei
welchem er zwischen den Hauerit und das Metall eine Schicht
760
A. Beutell.
Watte eingeschaltet hatte. Es zeigte sich nach zwei Monaten
noch keine Spur von Einwirkung.
Wenn es sicli hierbei um eine Reaktion zwischen zwei festen
Körpern handelt, wie Strüvek annimmt, so könnte eine Einwirkung-
an der Berührungsstelle, nicht aber an räumlich entfernten Punkten
stattfinden. Für die Tatsache, daß die Anfärbung des Metalls
bis auf 1 cm entfernte Stellen eintritt, fehlt eine plausible Er-
klärung. Die einzig mögliche Deutung, wenn man den STRüvEit’schen
Gedankengang als richtig annimmt, wäre meiner Meinung nach
die, daß bei der Reaktion ein gasförmiges Produkt entsteht, welches
dann seinerseits die Einwirkung auf die Umgebung weiterträgt.
Es müßte zu den beiden festen Phasen noch eine gasförmige treten,
welche sich an der Berührungsstelle bilden würde.
Es war, um Klarheit in die Verhältnisse zu bringen, in erster
Linie festzustellen, ob die Berührung zwischen Metall und Hauerit
für die Reaktion unerläßlich sei. Ich wiederholte zunächst den
Versuch, zwischen Metall und Hauerit eine Schicht Watte zu legen,
doch modifizierte ich ihn dadurch, daß ich einen langsamen Luft-
strom vom Hauerit nach dem Silberblech hin saugte; nach mehreren
Tagen zeigte sich noch keine Einwirkung. Da es nicht aus-
geschlossen war. daß die Watte absorbierend wirkte, oder daß
der Luftstrom das wirksame Gas zu sehr verdünnt hatte, legte ich
nun zwischen den Haueritkristall und das Silberblech eine durch-
lochte Visitenkarte von 0,4 mm Dicke. Schon nach 6 Stunden
war ein scharf umrandeter Abdruck des Loches vorhanden, welcher
bräunlichgelbe Farbe zeigte. Auch wenn ein 1,6 mm dicker
durchlochter Karton zwischen den Hauerit und das Silberblech
gelegt wurde, trat Anfärbung ein, doch verlief der Prozeß lang-
samer. Um zu untersuchen, ob vielleicht infolge der Schwere des
Gases Unterschiede in der Schnelligkeit der Einwirkung sichtbar
würden, je nachdem das Silberblech unter oder über den Hauerit
gelegt wurde, schob ich einen etwa 2 cm großen Kristall zwischen
2 Silberbleche, die durch 1,6 mm starke durchlochte Kartons vor
direkter Berührung geschützt waren. Nach 4 Tagen war auf
beiden Blechen ein scharf begrenzter bräunlichgelber Fleck vor-
handen, doch zeigte sich kein sicherer Unterschied zwischen dem
oberen und unteren Bleche. Eine Wiederholung des Versuches
bei lOtägiger Dauer führte ebenfalls kein Resultat herbei.
Ein dünnes , nicht durchlöchertes Papier zwischen Hauerit
und Silberblech gelegt verhindert die Einwirkung. Daß es sich
bei den angeführten Erscheinungen nicht um eine Strahlung handelt,
welche vom Hauerit ausgeht, beweist der folgende Versuch. Der
mit einem runden, 6 mm großen Loch versehene, 1,6 mm dicke
Karton wurde zwischen das Silberblech und den Hauerit gelegt,
doch war über das Loch ein schmaler Papierstreifen geklebt
worden, der dasselbe in zwei halbrunde Felder teilte. Nach
Die Zersetzung des Hauerits an der Luft etc.
761
4 Tagen zeigte das Silberblech einen runden bräunlichgelben Fleck
ohne Teilung; das Gas war um den Papiersteg herumgegangen.
Die beschriebenen Versuche beweisen zwar, daß die Be-
rührung zwischen Metall und Hauerit nicht erforderlich ist, doch
war der Mißerfolg des Versuches mit zwischengeschalteter Watte
noch nicht völlig geklärt. In erster Linie ist hierfür die starke
Verdünnung verantwortlich zu machen, welche das wirksame Gas
durch den Luftstrom erfährt, ein Teil der Schuld aber fällt auf
die rasch abnehmende Empfindlichkeit eines geputzten Silberblechs
in der Luft. Legt man in einem weiten Glasrohr einen Hauerit-
kristall auf ein frisch abgeschmirgeltes Silber blech und saugt
Luft darüber, so tritt an der Berührungsstelle normale Anfärbung
ein , ein vollständiger Abdruck des Kristalls kommt jedoch nicht
zustande, weil die Fernwirkung infolge des Luftstromes eine äußerst
geringe ist. Nach 17 Stunden wurde der Luftstrom unterbrochen
und der Kristall auf den nicht angefärbten Teil des Silberbleches
gelegt. Nach 1 Stunde ist das Blech an den wenigen Berührungs-
punkten gelbbraun angelaufen, doch zeichnet sich nicht die ganze
Oktaederfläche ab , wie bei frisch abgeschmirgeltem Silber. Um
mich davon zu überzeugen, ob nicht etwa der Hauerit an Aktivität
verloren hatte, wurde der Kristall zur Hälfte auf das dem Luft-
strom ausgesetzte Silberblech gelegt und zur Hälfte auf ein frisch
abgeschmirgeltes. Während sich auf dem frisch gereinigten Silber-
blech normalerweise ein naturgetreuer Abdruck bildete, erschienen
auf dem im Luftstrom gelegenen nur ganz schwach die Berührungs-
punkte. Es hatte mithin das Silber seine Empfindlichkeit ein-
gebüßt, aber nicht der Hauerit.
Legt man ein Haueritoktaeder mit Verwitterungsrinde und
ein auf Schmirgelleinwand davon befreites gleichzeitig auf Silber-
blecli, so ergeben sich in der Art der Anfärbung wesentliche
Unterschiede. Während der oxydierte Kristall einen naturgetreuen
Abdruck liefert, der alle Unebenheiten der aufliegendeu Fläche
zur Anschauung bringt, weil die Stellen, an denen Berührung
stattfindet, am stärksten angefärbt werden, erscheint bei dem ab-
geschmirgelten Kristall ein scharf umgrenztes Dreieck mit intensiv
gefärbten Umrissen , doch nimmt die Anfärbung nach der Mitte
hin rasch ab. Wenn, wie ich auf Grund meiner Arbeiten über
andere Mineralien derselben Gruppe anzunehmen Grund hatte, der
bei der Oxydation in Freiheit gesetzte Schwefel die Ursache der
Reaktion ist, so erklärt sich die abnehmende Intensität der An-
färbung nach der Mitte zu ohne weiteres durch den unzureichenden
Luftzutritt.
Etwas anders verlief ein Versuch , der mit einem frischen
Spaltungsstückchen von Hauerit ausgeführt wurde. Die Konturen
zeichneten sich auf dem Silberblech deutlich ab, doch fanden sich
nach der Mitte zu einige dunkler angefärbte Stellen. Die Prüfung
762
A. Beutell.
des Stückchens mit der Lupe ergab, daß an diesen Punkten Spalt-
risse einsetzten , auf denen die Oxydation bereits bis ins Innere
eingedrungen war. Wegen der Unebenheiten des Spaltungs-
stückchens war die Anfärbung nicht so gleichmäßig wie bei dem
auf Schmirgelleinwand eben geschliffenen Kristall.
Parallel mit der Anfärbung des Silbers verläuft die Anfärbung
des abgeschmirgelten Hauerits und der Spaltfläche. In dieser
Beziehung ist der folgende Versuch von Interesse, der durch die
drei beistehenden Abbildungen veranschaulicht wird. Dieselben
sind auf photographischem Wege erhalten und geben die Er-
scheinungen in natürlicher Größe wieder. Die auf Schmirgel-
leinwand abgeschliffene Oktaederfläche hatte zwei Monate auf dem
Silberblech gelegen, welches um den Kristall herum schwarzgrau
angelaufen war. Nach dem Abheben des Kristalls zeigte sich
wiederum , daß nicht das ganze Dreieck gleichmäßig angefärbt
Fig. 1. Fig. 2. Fig. 3.
war, sondern es hob sich eine schmale, nach innen etwas ver-
waschene Umgrenzung von dein mittleren noch silberweißen Teil
des Bleches ab. Merkwürdigerweise war die Schwärzung unter
dem Haueritkristall, wie Fig. 2 zeigt, weniger intensiv als außer-
halb, was durch den gehinderten Luftzutritt zu erklären ist (Fig. 2).
Daß bei diesem Versuch die Berührung zwischen Kristall und
Blech zufällig eine vorzügliche gewesen ist, muß daraus geschlossen
werden, daß nach zwei Monaten die Mitte noch die ursprüngliche
Silberfarbe zeigte, während bei andern Versuchen schon nach
einem Tage die ganze bedeckte Fläche bunt angelaufen war.
Die abgeschmirgelte Kristallfläche zeigte nach dem zwei
Monate langen Liegen auf dem Silber eine fast kongruente Zeich-
nung, die das photographische Bild in Fig. 1 deutlich erkennen
läßt. Doch war nicht der Rand allein angelaufen , sondern die
ganze Fläche hatte ihre ursprünglich eisengraue, metallische Farbe
verloren und war leicht gebräunt. Um diesen Unterschied in der
Photographie zum Ausdruck zu bringen, habe ich die Hälfte der
Fläche abgeschmirgelt und dann den Kristall nochmals photo-
graphiert. Den Unterschied der beiden Hälften veranschaulicht
Fig. 3 ; leider tritt der Rand auf der linken Seite wegen der
Die Zersetzung des Hauerits an der Luft etc.
763
raschen Oxydation an der Luft schon etwas weniger scharf hervor.
Aus diesem Grunde hatte ich den Kristall bis zum Photographieren
in ein evakuiertes Rohr eingeschmolzen.
Noch schneller als ein verwitterter Kristall wirkt übrigens
Haueritpulver auf Silber, welches sich schon nach 10 Minuten
deutlich angefärbt zeigt.
Um die Mitwirkung der Luft bei der Anfärbung des Silbers
durch Hauerit sicherzustellen, wurde ein allseitig abgeschmirgelter
Haueritkristall sowie ein Silberblech in ein Glasrohr gebracht,
ohne daß Berührung stattfand. An der einen Seite war das Rohr
mit einer Verengung versehen und an einen Schliff einer BßUTELL’schen
Quecksilberluftpumpe angeschmolzen (dies. Centralbl. 1911. p. 491;
Jahresber. Schles. Ges. 1910. p. 1; Chemiker-Ztg. 1910. No. 150).
Das andere Ende wurde nach dem Einführen des Kristalls zn-
geschmolzen, das Rohr rasch auf höchstes Vakuum ausgepumpt
und dann an der Verengung abgeschmolzen. Erst nach dem Aus-
pumpen wurde der Hauerit durch Schütteln auf das Silberblech
gebracht. Nach 3 Stunden war noch keine Einwirkung zu er-
kennen; nach 20 Stunden war das Blech auf beiden Seiten bräunlich
mit einem Stich ins Violette angelaufen. Als durch Schütteln der
Hauerit vom Silberblech entfernt wurde, markierte sich der Kristall
als heller Fleck. Dunklere Stellen an den direkten Berührungs-
punkten waren nicht sichtbar. Auffallend ist, daß die Einwirkung
an den nicht vom Hauerit bedeckten Teilen stärker war als an
den bedeckten. Es erklärt sich dies daraus, daß die aus den
7 übrigen Oktaederflächen entweichende Gasmenge im Vergleich
zu der angefärbten Oberfläche des Silberbleches größer ist , als
die auf die bedeckte Stelle einwirkende. Daß es sich bei den
Versuchen nicht um eine Strahlung handelt, sondern um ein gas-
förmiges Reagens, geht daraus hervor, daß sich das Blech auf
beiden Seiten gleichmäßig anfärbt. Auch tritt deutlich hervor,
daß bei Luftabsschluß die Einwirkung an Berührungspunkten nicht
stärker ist als an räumlich getrennten.
Meine Hoffnung, daß der von der Verwitterungsschicht befreite
Hauerit sich gegen Silber als unwirksam erweisen würde, hatte
sich zwar nicht erfüllt, doch lag dies höchstwahrscheinlich daran,
daß auf Sprüngen die Oxydation bis ins Innere vorgedrungen war,
daß der hierbei gebildete Schwefel im hohen Vakuum verdampfte.
Es wurde zunächst durch Vorversuche festgestellt, daß der
Schwefel im hohen Vakuum schon bei 50 0 ziemlich schnell sub-
limiert, und daß sich der Hauerit erst bei Temperaturen über
200° zu zersetzen beginnt. Daß der Schwefel im Vakuum auch
bei Zimmertemperatur bereits flüchtig ist, konnte des öfteren
beobachtet werden , da schwache Anflüge von Schwefel , welche
sich in Röhren gebildet hatten, die mit der Quecksilberluftpumpe
verbunden waren, über Nacht verschwanden. Die Schwärzung
764
A. Beutell,
des Quecksilbers ließ keinen Zweifel darüber, daß der Schwefel
zu diesem gewandert war.
Der Weg für die weitere Untersuchung war nunmehr vor-
gezeichnet. War der im Hauerit vorhandene freie Schwefel die
Ursache der Aktivität, so müßte sich diese beseitigen lassen, wenn
man das Mineral im hohen Vakuum auf 50° erwärmte, da bei
dieser Temperatur der Schwefel bereits verdampft.
Ich benutzte zu denVersuchen zunächst Haueritpulver, welches
ich im elektrischen Ofen auf 50° erwärmte. Schon nach wenigen
Minuten bildete sich ein fast weißes, schwaches Destillat von
Schwefel genau wie bei Arsenkies, Glaukodot, Glanzkobalt, Markasit
und Pyrit. Nach dem Erkalten wurde der Teil des Glasi-ohres,
welcher das Destillat enthielt, herausgeschnitten und in ein etwas
weiteres Glasrohr gesteckt, welches hinter einer Einschnürung ein
kleines Silberblech enthielt. In der üblichen Weise evakuiert und
zugeschmolzen, ließ ich das Rohr bei Zimmertemperatur liegen.
Nach 17 Stunden war das Blech blauviolett angelaufen; nach
9 Tagen zeigte es einen schwarzen dicken Überzug von Schwefelsilber,
während das Destillat verschwunden ist. Der aus dem Hauerit-
pulver abdestillierte Schwefel hatte genau dieselbe Wirkung wie
der Hauerit selbst. Durch weitere Versuche wurde hierauf fest-
gestellt, daß das Haueritpulver durch genügend langes Erwärmen
im Vakuum inaktiv gegen Silber gemacht werden konnte. Ich
schüttete zu diesem Zwecke das Pulver zusammen mit Silberblech
in ein Glasrohr, welches mit einer Verengung zum Abschmelzen
versehen und dann an einen Schliff der Quecksilberpumpe an-
geschmolzen wurde. Nach dem Evakuieren wurde das Rohr zu-
geschmolzen und dann im elektrischen Ofen weiter erwärmt. Das
Silberblech bemächtigte sich des freien Schwefels und bedeckte
sich mit einer dicken Schicht von Schwefelsilber. Nach 24 Stunden
wurde der Versuch unterbrochen, das Pulver rasch in ein bereits
vorbereitetes gleiches Rohr mit Silberblech eingeführt und dann
ebenso behandelt. Erst nach htägigem Erwärmen im Vakuum
wurde das erwartete Resultat erhalten. Selbst nach stundenlangem
Erwärmen auf 50° zeigte ein frisch eingeführtes Silberblech auch
nicht die geringste Anfärbung; das Haueritpulver war inaktiv
geworden.
Nach völligem Erkalten wurde das Rohr aufgeschnitten, das
Pulver auf ein Silberblech geschüttet und an der Luft bei Zimmer-
temperatur liegen gelassen. Nach 24 Stunden zeigte sich bereits
eine schwache Anfärbung, und nach 3 Tagen ist das Blech mit
einem dicken Überzug von SAg2 bedeckt. Die Oxydation durch
den Luftsauerstoff hat somit durch neue Schwefelabscheidung dem
inaktiv gemachten Haueritpulver seine Aktivität wieder gegeben.
In gleicher Weise wurde ein würfelförmiges, 5 mm großes
Haueritspaltungsstückchen behandelt, wobei es schon nach 2tägigem
Die Zersetzung des Hauerits an der Luft etc.
765
Erhitzen auf 50° gelang, Inaktivität gegen Silber zu erzielen. Das
so behandelte Spaltungsstückchen befindet sich jetzt bereits
7 Monate in einem evakuierten zugeschmolzenen Röhrchen in
Berührung mit einem Silberblech, ohne daß es im geringsten an-
gefärbt wäre.
Die Fernwirkung des Hauerits auf Silber im hohen Vakuum
erklärt sich ohne weiteres aus der Flüchtigkeit des Schwefels bei
Zimmertemperatur, die unzweifelhaft nachgewiesen werden konnte.
Ob aber diese Erklärung auch für die Einwirkung des Hauerits
und des Schwefels in der Luft bei Atmosphärendruck ausreichte,
erschien fraglich, da eine merkliche Flüchtigkeit des Schwefels
unter diesen Verhältnissen bisher nicht bekannt war, und da es
nicht ausgeschlossen war, daß sich bei der schwachen Oxydation
des Schwefels in der Luft Ozon oder Wasserstoffsuperoxyd bildete,
welche ihrerseits die Anfärbung des Silbers hervorrufen konnten.
In diesem Falle mußte die Reaktion ausbleiben, wenn der Versuch
in einem Gase ausgeführt wurde, welches keinen freien Sauerstoff
enthielt. Ich brachte daher ein Silberblech und einen Schwefel-
kristall von Girgenti in ein Glasrohr und leitete , ohne daß sicti
beide berührten, während einer halben Stunde einen langsamen
Strom von trockenem C 02 darüber. An beiden Enden des Rohres
waren kapillare Verengungen angebracht, welche bei schwachem
Gasstrome zugeschmolzen wurden. Nach dem Abkühlen wurde der
Schwefel auf das Silberblech geschüttelt und das Rohr dann ruhig
liegen gelassen. Während sich ein frisch abgeputztes Silberblech
in der Luft rasch schwärzte, zeigt das im Kohlendioxyd mit
Schwefel zusammenliegende nach 28 Stunden nur eine ganz
schwache, an den Rändern verwaschene Anfärbung. Die verlang-
samte Einwirkung auf das Silber kann an dem Ausschluß der
Luft liegen, doch kann sie auch dadurch hervorgerufen sein, daß
das Blech schon etwas oxydiert war. Da nämlich die eine Verengung
des Rohres erst nach der Einführung des Schwefels und des
Silbers angebracht werden kann, und da das Verdrängen der Luft
durch Kohlendioxyd einige Zeit in Anspruch nimmt, so ist die
Möglichkeit einer oberflächlichen Oxydation des Silbers nicht von
der Hand zu weisen.
Das Rohr wurde nach 28stündiger Einwirkung zerschnitten
und der Schwefel auf die andere Seite des Bleches gelegt und
zwar ohne dasselbe zu putzen. Nach 16 Stunden zeigt sich auch
in der Luft nur ganz schwacher Anlauf an den Berührungspunkten ;
die Einwirkung war also ebenso schwach als im Kohlendioxyd,
wofür die verminderte Empfindlichkeit des Silbers verantwortlich
zu machen ist. Um einen direkten Beweis hierfür zu erbringen,
schmirgelte ich die eine Hälfte des Silberbleches ab und legte
ein Stück Schwefel z. T. auf die frisch gesäuberte, z. T. auf die
oxydierte Fläche. Nach 24 Stunden war die geputzte Hälfte stark
766 A. Beutell, Die Zersetzung des Hauerits an der Luft etc.
geschwärzt, die ungeputzte nur ganz schwach augelaufen, d. h.
das Silber hatte seine Empfindlichkeit während des Versuches
verloren.
Da sich Silberoxyd ebenso wie Silbercarbonat schon bei
relativ geringer Temperatur zersetzt, so mußte die Anfärbung
des Silbers durch Schwefel auch in einer Atmosphäre von Kohlen-
dioxyd gelingen, wenn durch Erhitzen das Silberoxyd beziehentlich
Carbonat entfernt wurde. Ich erhitzte daher das Silberblech,
nachdem bereits Schwefel in das Rohr eingeführt war, in einem
Strome von Kohlendioxyd und schmolz dann beide Enden zu. Nach
dem Erkalten wurde das Schwefelstückchen auf das Silberblech
geschüttelt. Wie zu erwarten war, zeigte dasselbe nach 24 Stunden
eine ganz normale Anfärbung, welche sich von der in Luft er-
haltenen nicht merklich unterschied.
Die angeführten Versuche beweisen, daß bei der Anfärbung
des Silbers durch Schwefel oder Hauerit die Luft keine Rolle
spielt. Sie bringen ferner den Beweis dafür, daß der Schwefel
bei Zimmertemperatur und Atmosphärendruck schon merklich
flüchtig ist, denn nur durch die Bildung von Schwefeldämpfen läßt
sich die Einwirkung auf entferntere Punkte des Silberbleches
erklären.
Nachdem festgestellt war , daß die Reaktionsfähigkeit des
Silbers gegen Schwefel und schwefelhaltige Mineralien in der Luft
schnell abnimmt, erschien es wahrscheinlich, daß dieselbe durch
Verhütung der Oxydation gesteigert werden konnte. Zu diesem
Zwecke evakuierte ich ein Rohr, welches einen Haueritkristall und
ein frisch geputztes Silberblech enthielt und erhitzte das letztere
während des Auspumpens. Hierdurch wurde das oberflächlich
gebildete Silberoxyd zersetzt und das Silberblech färbte sich schon
während des Erkaltens, d. h. in 1 bis 2 Minuten intensiv an. Es
waren zum Anfärben weniger Minuten als sonst Stunden erforderlich.
Das oxydfreie Silber erweist sich als ein außerordentlich empfind-
liches Reagens auf die Anwesenheit von freiem Schwefel. Diese
Reaktion dürfte noch für die Untersuchung vieler Mineralien von
Nutzen sein, weil sie Aufschlüsse liefert über die Art der Zer-
setzung, welche dieselben bei der Oxydation an der Luft erfahren.
Daß außer den von Strüver (a. a. 0.) aufgefundenen Mineralien
(Schwefel, Hauerit, Pyrit, Markasit und Magnetkies) auch noch
andere auf Silber wirksam sein werden, beweist ein Versuch mit
Arsenkies, der von Strüver als unwirksam erwähnt wird, der
jedoch nach den Beobachtungen des Verf.’s (dies. Ceutralbl. 1911.
p. 316 — 320) freien Schwefel enthalten mußte. Ein Stück Arsen-
kies von Altenberg in Schlesien färbt im Vakuum ein durch
Erhitzen oxydfrei gemachtes Silberblech schon während des Er-
kaltens stark an . wodurch die Anwesenheit von freiem Schwefel
sichtbar wird.
H. Michel, Urausscheidungen und Einschlüsse im Sodalithsyenit. 767
Ergebnisse:
1 . Der Hauerit zersetzt sich durch die Oxydation an der
Luft unter Abscheidung von freiem Schwefel, ähnlich wie
Arsenkies, Glaukodot, Glanzkobalt, Pyrit und Markasit
(dies. Centralbl. 1911. p. 310 — 3:20, 411 — 41 5, 6G3 — 673
und E. Arbeiter, Iuaugural-Dissert. Breslau 1913).
2. Die Einwirkung des Hauerits auf Silber wird durch den
freien Schwefel verursacht.
3. Durch Abdestillieren des freien Schwefels im Vakuum bei
5« > — 60° wird der Hauerit inaktiv gegen Silber, doch er-
wirbt er seine Aktivität schon durch 24stündiges Liegen
an der Luft wieder.
4. Die Anfärbung des Silbers bis auf 1 cm im Umkreise
beweist, daß der Schwefel bei gewöhnlicher Temperatur
und gewöhnlichem Druck merklich flüchtig ist.
Breslau, Mineral. Institut der Universität, September 1913.
Urausscheidungen und Einschlüsse im Sodalithsyenit von
der Hradlischka westlich Grosspriesen a. d. Elbe.
Von H. Miohel in Wien.
In dem Sodalithsyenit vom obengenannten Orte sind in den
letzten Jahren eine größere Reihe von Einschlüssen und Uraus-
scheidungen gefunden worden, die über das Material des Unter-
grundes sowie über Spaltungsvorgänge und Schlierenbildungen im
Innern des Eruptivstockes Auskunft geben. Als Einschlüsse treten
Gneisbrocken .auf, sowie eckige Bruchstücke eines stark bituminösen
Gesteines; die Urausscheidungen sind bedeutend reichhaltiger uud
durchlaufen alle Stadien von einem sauren bis zu einem stark
basischen Pol. Es sind sowohl Schlieren zu beobachten, die über-
wiegend aus sauren Feldspaten und aus Eläolith bestehen und
stellenweise in größerer Menge auftreten, als auch stark basische
Schlieren, aus Hornblende, Plagioklas und Titanit bestehend.
Zwischen den saueren und basischen Schlieren gibt es alle Über-
gänge ; an manchen Stellen sind außei’ordentlich grobkörnige Aus-
scheidungen vorhanden.
Das reichhaltige Material wird in der nächsten Zeit ein-
gehend beschrieben werden.
768
Fr. Tucan, Zu Wherry's Nomenklatur. — Fr. Tudan.
Zu Wherry's Nomenklatur.
Von Fran Tucan in Zagreb (Agram), Kroatien.
Es gibt keinen Zweifel, daß die Ausführungen E. T. Wherky’s1
über die Nomenklatur der Mineralvarietäten und Kolloidmineralien
vollkommen berechtigt sind. Speziell was die Mineralvarietäten
anbelangt. Jedoch in Hinsicht der Kolloidmineralien möchte ich
von Wherry’s Vorschlag um einiges abweichen und andere Be-
nennungsweise für die erwähnten Minerale vorschlagen. Im wesent-
lichen ist diese Bezeichnungsart jener Wherry’s ähnlich, ich glaube
aber, daß mit derselben die Kolloidnatnr eines Minerals noch stärker
ausgedrückt wird. Der bisherige Name der Kristalloidform würde
beibelialten werden, jedoch würde man die Endung gelit zu-
fügen müsseu, womit man sogleich bezeichnen würde, daß man
es mit einem Gel zu tun hat. So haben wir zum Beispiel
für die kristalline Modifikation des Fe S, die Benennung Pyrit,
für die kolloide dagegen Pyrito gelit. Auf diese Weise wurde
auch die kolloide Modifikation des Al2 03 H„ 0 Sporogelit benannt
(richtiger wäre Diasporogelit). Zwischen den Namen für die
Kristalloidform und die Endung gelit würde man den Vokal o des
Wohllautes halber einschieben.
Des Beispieles wegen führe ich folgende Tabelle an :
Namen der Kristalloidmodi-
fikationen
Pyrit
Limonit
Hämatit
Gibbsit
Vorgeschlagene Namen für
die Kolloidmodifikationen
Pyritogelit
Limonitogelit
Hämatitogelit
Gibbsitogelit usw.
Jedenfalls ist es aber an der Zeit — schließe ich mit Werry’s
Worten—, der unerquicklichen, unnötigen Vermehrung der Mineralien-
namen Einhalt zu tun!
Wieder „Zu Tucans Bauxitfrage1'.
Von Fran Tucan in Zagreb (Agram, Kroatien).
Auf die Lazarevic’s Notiz „Nochmals zu Tucan’s Bauxit-
frage“2 zitiere ich (als Antwort dem Herrn Lazarevic) aus
meiner Abhandlung „Terra rossa etc.“3 nur folgendes:
„In den Kalksteinen und Dolomiten des kroatischen Karst-
gebietes fand ich folgende Minerale : Quarz, Glimmer, Pyrit,
1 Dies. Oentralbl. 1913. p. 518.
2 Dies. Oentralbl. 1913. p. 60Ü.
■’ N. Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXIV. p. 401.
E. Kayser. Ueber die Arrhenius'sche Theorie der Eiszeiten. 769
Hämatit, Gips, Anhydrit, Flußspat, Amphibol, Epi-
dot, Z o i s i t , Chlorit, C h 1 o r i t o i d , I) i s t li e n , Granat,
Staurolith, Feldspat, Turmalin, Zirkon. Rutil, Ko-
rund, ton artige Substanz, Periklas, Brucit, Apatit,
Titanit und Koppit* (p. 4U7). Und weiter: .In betreff der mi-
kroskopischen Untersuchungen besteht der unlösliche Rückstand
der Kalke und Dolomite aus den oben erwähnten Mineralen“ (p. 408)1.
Ueber die Arrhenius'sche Theorie der Eiszeiten.
Von E. Kayser in Marburg (Hessen).
In einer Besprechung 2 meiner ablehnenden Kritik :i seiner
Erklärung der Eiszeiten , die er bekanntlich auf Schwankungen
im Kohlensäuregehalt der Atmosphäre zurnckführen will , erklärt
Herr Arrhenius (a. a. 0. p. 491), auf künftige Äußerungen von mir
über diesen Gegenstand nicht weiter eingehen zu wollen. Er hatte
damals eine historische Darstellung der Arbeiten über die Frage
der Absorption durch C02 gegeben, die ganz schief uud einseitig
war und die neuesten Arbeitsergebnisse von Erl. v. Bahr in bezug
auf seine Theorie vollständig verschwieg. Ich habe daraufhin in
einer kurzen Notiz4 5 das Urteil der genannten Forscherin wieder-
gegeben und gleichzeitig ausgesprochen , daß ohue neue experi-
mentelle Untersuchungen die Frage nicht weiter zu diskutieren sei.
Nun hat Herr Arrhenius sich trotzdem von neuem gegen
mich gewandt 3, indem er wieder eine unvollständige und irre-
leitende Darstellung der experimentellen Ergebnisse gibt und aber-
mals inzwischen erschienene Arbeiten völlig verschweigt. Dies
veranlaßt mich, ihm mit einigen Worten zu erwidern.
Die geschichtliche Entwicklung der Frage ist die folgende6:
Nachdem Arrhenius seine Theorie auf Grund falscher Berechnungen
nach Versuchen von Langlev anfgestellt und das Ergebnis erhalten
hatte, daß ein Sinken des atmosphärischen Kohlensäuregehaltes
1 Die Leser sind über diesen Gegenstand wohl nunmehr so voll-
ständig unterrichtet, daß hiemit die Diskussion geschlossen werden kann.
Die Eed.
2 Sv. Arrhenius, Die physikalischen Grundlagen der Kohlensäure-
theorie der Klimaveränderungen. Dies. Centralbl. 1909. p. 481.
3 E. Kayser, Zur ARRHEXirs-FRECH'schen Kohlensäure-Hypothese.
Ebenda 1908. p. 553.
4 E. Kayser. Entgegnung an Herrn Arrhenius. Ebenda 1909. p. 660.
5 Sv. Arrhenius , Widerlegung der physikalischen Einwände gegen
die Kohlensäuretheorie. Ebenda 1913. p. 582.
6 Die nachstehenden Ausführungen beruhen auf Mitteilungen, die ich
der Freundlichkeit meines Bruders. Prof. Heinr. Kayser in Bonn, verdanke.
49
Centralblatt f. Mineralogie etc. 1913.
770
E. Kayser,
auf etwa 50% eine Eiszeit hervorrufen würde, zeigte Ängstköm1,
daß man die Dicke der C 02-Schicht auf etwa 20 % verringern
könne , ehe die Schicht merklich weniger absorbiere. Darauf
machte Arrhenius 2 seinerseits Versuche, bei denen er aber nicht
die Schichtdicke , sondern den Druck vermehrte , indem er ohne
weiteres das BEER’sclie Gesetz als gültig annalnn. Angstköm 3 und
J. Koch 4 wiesen aber dann nach , daß dieses Gesetz hier nicht
gilt, daß vermehrter Druck in der Tat die Absorption vermehrt,
wo vermehrte Dicke der Schicht wirkungslos ist. Auch Schäfer 5 6
erhielt dies Ergebnis. Dann fanden Ängström und Frl. v. Bahr i:,
daß es nicht auf den Partialdruck, sondern auf den Gesamtdruck
aukomme. In der Atmosphäre aber bleibt der Gesamtdruck an
jeder Stelle unverändert, die Versuche von Arrhenius mit vermehr-
tem Druck kommen also für die atmosphärischen Erscheinungen nicht
in Betracht. Alle bisher genannten experimentell arbeitenden Phy-
siker haben daher die ARRHExuis’sche Eiszeithypothese abgelehnt.
Des weiteren haben dann Kubens und Ladenburg 7 mit Recht
auf ein Versehen in den bisherigen Überlegungen hingewiesen: es
sind immer die kurzwelligen Absorptionsbanden bei 2 und 4 ft
untersucht worden. Für die Strahlung der Erde aber kommen bei
ihrer niedrigen Temperatur nicht diese kurzen Wellen in Betracht,
sondern solche von 14,7 it. wo die C02 auch ein Absorptionsbaud
besitzt. Das Verhalten dieses Bandes gegen Druck ist also zu
untersuchen. Rubens glaubte zu linden, daß es sich etwas anders
verhalte als die übrigen, und sagt, daß zwar auch nach seinen
und Ladenburg’s Versuchen die 0 02-Theorie unhaltbar sei, daß
aber ihre Ergebnisse immerhin für diese Theorie etwas günstiger
seien (dies gibt Herr Arrhenius in seiner neuesten Veröffentlichung
als Widerlegung von Schäfer durch Rubens aus !).
Es folgte dann die ausführliche schon erwähnte Arbeit von
E. v. Bahr, in der diese Forscherin den Einfluß von Partial- und
Gesamtdruck genauer untersuchte und die Vermutung aussprach,
daß sicli die Bande 14,7 genau so verhalte wie die kurzwelligen,
und daß dadurch die Arrhenius’scIic Theorie noch weiter an
Wahrscheinlichkeit verliere. Diese Vermutung ist inzwischen durch
eine Arbeit von Hertz 8 , die bei Rubens ausgeführt worden ist,
1 Ängström, Ann. d. Pliys. (4.) 3. p. 720. 1900.
- Sv. Arrhenius, Ann. d. Phys. (4.) 4. p. 690. 1901.
3 Ängström, Öfvers. K. Vet. Ak. Förh. 1901. p. 371, 381. — Ann. d.
Phys. (4.) 6. p. 163. 1901.
4 Koch, (ifvers. K. Vet. Ak. Förh. 1901. p. 475.
s Cl. Schäfer, Habil. -Sehr. Breslau 1903.
6 E. v. Bahr, Dissert. Upsala 1908. Im Auszug Ann. d. Phys. (9.)
29. p. 617. 1911.
7 Rubens und Ladenburg, Verh. physik. Ges. 7. p. 170. 1905.
s Hertz, Dissert. Berlin 1911. Verh. physik. Ges. 13. p. 617. 1911.
Ueber die Arrlienius'sche Theorie der Eiszeiten.
771
vollkommen bestätigt worden, so daß auch Hertz schließt: „Diese
Tatsache ist für die ARiniENius’sche Theorie sehr ungünstig, wie
schon E. v. Bahk bemerkt hat“. In der Tat ist durch diese Arbeit
die letzte Möglichkeit zur Verteidigung der ARRHENius’schen
Theorie gefallen.
Nun führt Herr Arrhenius zwei Arbeiten als günstig für
sich au : von Eckholm und von Angström. Die Veröffentlichung
von Eckholm 1 enthält keinerlei Versuche, sondern nur Rechnungen,
und sagt bei der Unsicherheit derartiger Rechnungen, für welche
eine Menge von Grundlagen fehlen , gar nichts aus , zumal sie
vor all den neueren Arbeiten geschrieben ist. Die Arbeit von
Angström 2 aber ist eine Anzeige der von E. v. Bahr weiter aus-
gearbeiteten Entdeckung, daß nicht der Partialdruck, sondern der
Gesamtdruck für die Absorption maßgebend sei. Durch sie wird
also der Widerspruch gegen Arrhenius bedeutend verschärft, und
es ist, gelinde gesagt, unverständlich, wie Herr Arrhenius diese
Arbeit als Widerlegung Koch’s und als Stütze für sich anführen kann.
Damit sind alle auf diese Frage bezüglichen Arbeiten er-
wähnt, und ich kann nur wiederholen, daß alle diejenigen, die
sich experimentell mit der Absorption durch CO., beschäftigt haben,
die Theorie von Arrhenius für gänzlich unzureichend erklären.
Wenn daher Herr Arrhenius seinen letzten Aufsatz mit den Worten
schließt: „die Streitfrage dürfte wohl damit erledigt sein“, so kann
ich ihm nur zustimmen; aber sie ist gegen ihn erledigt, nicht für ihn.
Um allen etwaigen Mißdeutungen zuvorzukommen, möchte ich
noch bemerken, daß natürlich nie bestritten worden ist, daß eine
sehr erhebliche Abnahme des C02 in der Atmosphäre einen Ein-
fluß auf die Temperatur der Erde ausüben müßte; aber eine
Halbierung oder Verdoppelung des jetzt vorhandenen Betrages
würden wirkungslos bleiben. Eine Abnahme auf 10 oder 20%,
wie sie zu einer für die Eiszeiten nötigen Abkühlung erforderlich
wäre, ist aber so außerordentlich unwahrscheinlich, daß damit die
Hypothese von Arrhenius eben zusammenfällt.
Wenn Herr Arrhenius in seinem Aufsatz bemerkt, ich hätte
„offenbar gemeint“, daß seine Theorie ganz ausgezeichnet mit den
geologischen Ergebnissen übereinstimme, so hat er entweder meine
Bücher nicht gelesen oder er erlaubt sich einen schlecht an-
gebrachten Scherz. Habe ich doch gerade umgekehrt — ähnlich
wie die Herren Gregory, Koken, E. Philipui u. a. — eingehend
ausgeführt, daß die geologischen Erfahrungen der C 02- Hypothese
ebensowenig das Wort reden wie die physikalischen Tatsachen 3.
Marburg, Ende September 1913.
1 Eckholm, Meteorol. Zeitschr. 19. 1. p. 189. 1902.
2 Angström, Ark. f. Mat. Astron. och Fys. 4. No. 30. 1908.
3 E. Kayser, Lehrb. d. allgem. Geol. 4. Aufl. p. 81. 1912.
49*
772
M. Weber,
Beispiele von Primärschieferung innerhalb der böhmischen
Masse.
Von Maximilian Weber in München.
Mit 2 Textfiguren.
Auf zweifache Weise wird bekanntlich die Entstehung der
Schieferung und der oftmals damit zusammenfallenden Bankung oder
Tafelstruktur bei den Eruptivgesteinen erklärt: einmal auf sekun-
därem Wege durch einseitigen Gebirgsdruck iufolge Auflagerung
jüngerer Sedimente oder von überschobenen Schollen. Diese Art der
Schieferung muß natürlich unbekümmert um die wechselnde petro-
graphische Beschaffenheit und die Grenzen der einzelnen Gesteins-
bezirke gleichsinnig durch das gepreßte Areal hindurchsetzen, solange
die Druckrichtung sich nicht ändert. So zeigte Baltzer (Vierteljahrs-
Sehr. Naturforsch. -Ges. Zürich 1900), daß die Plattung mancher al-
piner Gneismassive sich als Schieferung auch in angrenzende Sedi-
meutzonen fortsetze und dann deren Schichtung unter großem Winkel
durchschneide. A. Heim hat im Tessinmassiv bei Dazio grande
ein Zusammenfällen der Plattenfngen des Gneises mit weithin
verfolgbaren Schubflächen des Gebirges beobachtet, so daß die
Tafelstruktur sich dort in aller Deutlichkeit als ein Ergebnis späterer
dynamischer Vorgänge zu erkennen gibt (cit. n. E. Kayser,
Geologie II).
In anderen Fällen, wie bei den laurentischen Gneisen des
Eainy lake in Canada , den von Högbom beschriebenen (Bull.
Geol. Inst. Upsala. Vol. X) Dioriten von Ornö und zahlreichen
Anorthositen, pflegen bei einiger Dicke nur die inneren Teile solcher
Gueiskerne aus richtungslos körnigem Gesteine zu bestehen; nach
den Rändern zu entwickelt sich eine allmählich immer stärker
werdende plaue Parallelstruktur und Schieferung, deren Fallen und
Streichen überall der äußeren Umgrenzung der Intrusivmasse,
d. h. der Berührungsfläche des Gneises mit dem Sedimentmantel
entspricht. Dieses Verhalten scheint nur die Deutung zuzulassen,
daß bei diesen r Gneisen“ Parallelstruktur, Schieferung und Bankung
sich schon während der Erstarrung ausgebildet haben, wahrscheinlich
unter dem Einflüsse des von der Intrusivmasse selbst ausgehenden
Druckes. Hier also würde die Schieferung etwas Ursprüngliches —
Primärschieferung — sein.
Ob in letzterem Falle stets die von Weinschenk als Piezo-
kristallisation zusammengefaßten Begleiterscheinungen eintreten
müssen, die er, wohl in Anlehnung an L. v. Bitch’s Anschauungen,
als primäre, statt wie die meisten übrigen Petrographen als sekundäre
Phänomene erklärt, ist eine sehr zweifelhafte Sache.
Unter dem vielfach herrschenden Einflüsse der Lehre von der
Dynamometamorphose hat man nun. scheint mir, die primäre Schiefe-
rung ziemlich in den Hintergrund gestellt zugunsten der sekundären.
Beispiele von Primärscbieferung etc.
773
Rosenbusch erklärt alle untersuchten Gneise als dynamoinetamorph
veränderte Eruptivgesteine oder Sedimente. Sauer hegte früher
die gleiche Ansicht, bis er durch das Studium des Durbachgranites
sich von dessen primär fluidaler Natur überzeugte und diese Über-
zeugung dann auch auf die ganzen Schapbachgneise des Schwarz-
waldes übertrug, welche auch Schwenkel so auffaßt (Min.-petr.
Mitt. 1912). Van Hise, Becke und Grubenmann haben teilweise
in Gegensatz zu anderen Geologen, welche die kristallinen Schiefer
einfach als umgewandelte Eruptiv- oder Sedimentärgesteine auffassen
und damit gewissermaßen diese Gruppe aufteilen, wie Joh. Walter
(Kongr. Petersburg 1897), neuerdings ihre Selbständigkeit betont
und auf Grund der chemischen und mineralogischen Zusammen-
setzung sowie der eigentümlichen Struktur eine detaillierte Syste-
matik der kristallinen Schiefer aufgestellt , die in ihre Tiefen-
stufe auch alles mit hineinbezog, was man bis dahin ausschließlich
als Produkt der Tiefengesteinskontakte angesehen hatte.
So kamen die Ansichten über größere Verbreitung von primärer
Schieferung, wenn mau von der gegenwärtig stark herangezogenen
Injektionsaderung absieht, immer mehr ins Hintertreffen, und wo
man solche zu finden glaubte, ergaben meist die weiteren Unter-
suchungen, daß die Deutungen nicht einwandfrei waren. So ging
es mit den schieferigen Ganggraniten von Großgerau im Odenwald:
Futterer sah sie als kataklastisch an, Sauer und Klemm betrachten
sie als protoklastisch (Rosenbusch Phys. II. 1).
Ähnlich steht es mit gewissen gneisartigeu Gängen im Böhmer-
walde : die Parallelstruktur längs des Salbandes sieht primär aus,
ist aber meist sicher sekundär, z. B. an der Eisenbahnbrücke bei
Penting in der Oberpfalz, im Bereiche der Pfahlverwerfung.
Derartige Vorkommen lassen ihre Entstehung oft nicht ein-
deutig erkennen , weil sie gewissermassen nur Narbensubstanz
innerhalb der Gesteinsklüfte darstellen, die gelegentlich wieder
nachträglich verändert werden konnte, wenn auf den alten Kluft-
flächen neuerlich tektonische Bewegungen einsetzten. Die sich
dann herausbildende Kataklase ist schwer von während der Er-
starrung eingetretener Protoklase zu unterscheiden, und so kommt
es, daß letztere von manchen Petrographen (Rosenbusch, Berg)
überhaupt geleugnet wird. Erfolgte etwa auch noch Ausheilung
durch Kristallisationsschieferung, so ist die Unterscheidung meistens
erst recht unmöglich.
Günstiger liegen die Verhältnisse an den, wie es scheint,
wenigen Stellen, wo es nicht zur Verwischung der ursprünglichen
Struktur gekommen ist, oder wo der geologische Zusammenhang
nur eine Möglichkeit der Deutung offen läßt.
Hier wären zu erwähnen die von Gäbert (Zeitschr. d. deutsch,
geol. Ges. 1908) geschilderten gewundenen Granitaplitgänge von der
Riesenburg im Erzgebirge und die von Klemm (Notizbl. Ver. für
774
M. Weber,
Erdk. 1909) beschriebenen Gänge im gleichfalls nicht gefalteten
Hornfelse im Odenwalde. Hielier gehören auch die von Sauek (Compt.
rend. 1903) besprochenen und abgebildeten gewundenen Granitgänge
im nicht gefalteten Sedimeutgneise des Schwarzwaldes, die Sauer als
ein Strukturproblem bezeichnet. Schon an der Riesenburg kam ich
gelegentlich der damaligen Exkursion der Deutschen Geologischen
Gesellschaft zu der Ansicht, mit welcher ich allerdings gar keine
Beachtung fand, daß es sich hier um nichts anderes handeln könne, als
um ausgefüllte, durch Zerrung entstandene Risse im Nebengesteine,
wenn dieses dünnbankig und zähe ist, wobei die Rißflächen
natürlich nicht eben, sondern stark aus und eingebuchtet sein müssen ;
jeder Einbuchtung auf einem Flügel muß eine Ausbuchtung auf
dem gegenüberliegenden entsprechen. In diese gewundenen Klüfte
drang dann das eruptive Material, vielleicht weniger von unten
als von der Seite her und veranlagte so die Bildung stark
gewundener, oft primär schieferiger Eruptivgänge im nicht gefalteten
Sedimente. Die im Schwarzwald beobachteten Anhäufungen von
Glimmer und das Zurücktreten des Feldspates an den Berührungs-
flächen sind reine Kontakterscheinungen, wie sie in ganz ähnlicher
Ausbildung von Erdmaxnsdörffer (Jalirb. pr. geol. L.-A. 1911. 32)
vom Ramberg im Harz beschrieben wurden.
Auch S. Sederholm tritt in einer eben erschienenen Notiz
(Über ptygmatische Faltungen , N. Jalirb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XXXVI)
dafür ein, daß derartige Adern im Magmazustande vor der Erstarrung
gefaltet wurden. Bei größerer Kompliziertheit der Aderwindungen
reicht allerdings die Erklärung durch Eindringen des Schmelz*
flusses in zackige Risse allein nicht hin, daher nimmt Sederholm
weitere Bewegungen des Nebengesteins an, wobei dieses eine starke
Plastizität in unmittelbarer Umgebung der Adern gehabt haben
müsse.
Gelegentlich eiuer zu Pfingsten 1912 im südlichen Teil des
böhmischen Urgebirgsmassives ausgeführten Orientierungstour be-
suchte ich auch das durch Becke’s Beschreibung (Min. u. petr.
Mitt. IV, ferner Exkurs.-Fiihrer-1903) bekannt gewordene Kamp-
tal und darin auch den sogenannten T-Gang gegenüber der
Ortschaft Stallegg. Becke schreibt von diesem Granitgang: „er
steigt in den Amphiboliten als Quergang auf und drängt sich in
Gestalt eines schiefen T nahezu , aber nicht völlig konkordant
zwischen die Amphibolitplatten. Der aufsteigende Teil hat ein
deutlich pegmatitisches Salband , der lagerartige zeigt eine
schlierige Struktur. Das Gestein unterscheidet sich mineralogisch
nur wenig von den in großen Massen auftretenden Granitgneisen
und gleicht ihnen vollkommen in der kristalloblastischen Struktur ;
namentlich fehlt jede Andeutung einer Erstarrungsfolge. K
Daraus scheint mir Becke's Auffassung dahin zu gehen, daß
Beispiele von Primärschieferung etc.
775
der Granitgang natürlich jünger ist als die umgebenden Amphi-
bolite, daß er aber gleichfalls später, d. h. nach der Erstarrung,
in Gneis umgewandelt wurde, worauf besonders die kristalloblastische
Ausbildung und das Fehlen jeder Andeutung einer Erstarrungsfolge
hindeuten sollen.
Ich fand die Verhältnisse ungefähr so, wie die beifolgende
Skizze zeigt (Fig. 1).
Das auffallendste dabei ist die mangelnde Konkordanz mit
den Amphibolitplatten. Vielmehr geht die Schieferung oder die
schlierige Struktur, wie Becke sie nennt, im oberen Teile der
T-Figur genau parallel der Begrenzung des Risses, in welchen das
aufdringende Magma einzog.
Es kann daher unmöglich die infolge Verwitterung sehr deutlich
hervortretende parallele Anordnung im Granite und damit die von
Becke so sehr betonte kristalloblastische Struktur hier dem gleichen
Vorgänge ihre Entstehung verdanken , wie die Ausbildung der
Amphibolitsckiefer selbst, weil ein großer auswalzender Druck
unbeirrt durch die Umgrenzung des Granitganges auch durch
diesen hätte gleichsinnig und gleichgerichtet hindnrcligehen müssen.
Also ist der T-förmige Granitgang jünger nicht bloß als das
Sediment (oder auch Eruptivgestein), das sich nachträglich in
Amphibolit umwandelte, sondern unbedingt jünger auch als dieser
Umwandlnngsprozeß selbst. Denn abgesehen von der mangelnden
Konkordanz hätte dann auch der .Stil des Ganges infolge der all-
gemeinen Druckverkürzung von obenlier eine parallele Struktur
annehmen müssen, ähnlich wie die Aplite am Gotthard (Grubenmann,
Krist. Schiefer, p. 17), wovon aber nichts zu sehen ist. Auch
kann die Schieferung des oberen mehr wagerechten Teiles der
Granitmasse unmöglich etwa einem späteren Drucke mit etwas
veränderter Richtung zugeschriebeu werden, weil die umgebenden
Amphibolite keine Spur einer derartigen zweiten transversalen
Schieferung erkennen lassen.
776
M. Weber,
Es müssen liier also die lagenförmige Anordnung der Gemeng-
teile und die kristalloblastische Struktur gleich schon beim Auf-
dringen des Granites entstanden sein durch Anpressen des oberen
Teiles, der die Querspalte ausfiillte, an die Ränder des Neben-
gesteines, während der senkrechte Teil des Granitganges, der nicht
geschiefert ist und seitlich deutlich pegmatitische Salbänder hat,
der Übermittler des Druckes von unten her war, in welchem aber
der einseitige bereits in den allgemeinen hydrostatischen Druck
sich umsetzte1.
Die Struktur ist echt kristalloblastisch, wie ein so kom-
petenter Forscher wie Becke scharf betont ; also erhellt aus den
geologischen Verbands Verhältnissen auch hier, wie beim Ornöit,
daß echt primärschieferige Eruptivgesteine gleichfalls
die typische kristalloblastische Struktur auf weisen
können, die man bisher nur für Gesteine kannte, welche eine nach-
trägliche Umbildung zu kristallinen Schiefern erfahren haben.
So liefert der T-Gang im Kamptale des Niederösterreichischen
Wald Viertels wiederum eine bejah ende Lösung auf die Frage, der,
wie Milch (Die heut. Ans. üb. Wesen u. Entstehg. d. krist. Schiefer.
Geol. Rundscli. Bd. l) mit Recht hervorhebt, grundsätzliche
Bedeutung für die Auffassung der kristallinen Schiefer zukommt,
nämlich ob Gesteine mit der als kristalloblastisch
bezeichneten Struktur der kristallinen Schiefer
direkt aus Schmelzfluß auskristallisieren können.
Es ist das wirklich eine Art abgeschlossener Piezokristallisation,
aber ohne die weiteren Extravaganzen der WErascHENK’schen
Theorie, besonders daß der größere Wassergehalt zur Bildung
hydroxylreicher Mineralien schon bei der Erstarrung führen müsse.
Letzteres betrachte ich mit Becke als nachträgliche Bildung
diaphthoritischeu Charakters.
Becke hat sich nun aus den Verhältnissen, die er am zen-
tralen Tauerngneis fand, die Ansicht gebildet, daß dort die kristallo-
blastische Struktur entstanden sei durch den Gehalt an juvenilem
Wasser und Mineralisatoren ohne zwischenliegende dynamische
Phänomene, wenn in der Entwicklung des Intrusivgesteins die
Kristallisationsmetamorphose unmittelbar auf die magmatische Er-
starrungsphase folge.
1 Fr. Reinhold (Pegmatit- und Aplitadern aus den Liegendschiefern
des Gföhlergneises etc. Min.-petr. Mitt. 29. 1910) hat, wie ich sehe, sich
gleichfalls mit dem T-Gang beschäftigt. Er nennt das Gestein einen
Üuidalen Aplit; seine Struktur sei die der Aplite, also „von der grano-
blastischen der kristallinen Schiefer nicht zu unterscheiden“.
Somit wird ohne weiteres der primäre Charakter der Textur und Struktur
zugegeben; die ßECKE’sche Benennung „kristalloblastisch“ wäre dann über-
flüssig und sogar irreführend. Die structure granulitique der Aplite zeigt
allerdings keine normale Ausscheidungsfolge.
Beispiele von Primärschieferung etc.
777
Am T-Gang ist nun nirgends eine Spur von einer Einwirkung
zu erkennen, welche etwa eine Druckumkristallisation nach statt-
gehabter Erstarrung hätte hervorbringen können. Zunächst könnte
sicli ja wohl die offene Kluft in den Amphiboliten nach der Intrusion
etwas zusammengezogen und so den Gang gepreßt haben. Das
ist aber sehr unwahrscheinlich, weil der untere Teil mit seinen
pegmatitischen Salbändern keine Andeutung einer Spaltenkontraktion
erkennen läßt, die sich bei den geringen Ausmaßen der Spalte
doch sicher wenigstens bis dahin erstrecken mußte. Aber es trägt
sich, ob eine derartige Ursache nicht in der Intrusivmasse selbst
gefunden werden könne, etwa in der Fortdauer des Intrusions-
druckes während oder nacli der Erstarrung der äußeren Teile,
ähnlich wie Högbom und Becke annehmen. Auch diese Ansicht
ist nicht stichhaltig, weil der Übergang des schieferigen Teiles
in den körnigen Stiel ganz unmerklich erfolgt, ja die Schieferung
noch bis in den Stiel etwas herabreicht. Hätte ferner die Kristalli-
sationsmetamorphose durch späteren Intrusionsdruck erst nach der
Erstarrung der älteren mehr rundlichen Partien eingesetzt , so
wäre bei der reichlich langen Zeit, die ein Tiefengestein zu seiner
Abkühlung und Erstarrung brauchen muß, kaum denkbar, daß eine
spätere pressende Nachschubmasse sich nicht durch anderes Korn
oder andere Farbe mit deutlicher Grenze von dem ersten Körper
abheben würde, wie man das bei derlei Nachschüben doch immer
beobachtet. In der uiiaufgeschlossenen Tiefe kann ein derartiger
späterer Intrusionspfropf ebensowenig verborgen liegen, denn die
pegmatitischen Salbänder des Stieles mit dem grobkristallinen Gefüge
und der bekannten Neigung zu miarolitischer Ausbildung hätten
sicherlich sofort empfindlich darauf reagiert.
Daher kann die Bildung des T-Ganges mit seiner kristallo-
blastischen Struktur nur als zeitlich ein heitlicherVor gang
aufgefaßt werden, und die eigentümliche Struktur muß sofort
bei der Erstarrung sich herausgebildet haben.
Darin stimme ich also Weinschenk und Högbom bei, während
für Becke’s Annahme sich hier gar kein Symptom finden läßt.
Solche primär druckschieferige und kristalloblastisch struierte
Gesteine wird man am besten besonders bezeichnen ; nachdem der
Name piezokristallin etwas anderes besagt, wäre etwa „protero-
blas tisch“ zu wählen, ein Ausdruck, der mir bestimmter scheint
als Högbom’s Bezeichnung protomorph. weil er das zeitliche und
genetische Moment dieser Struktur sofort erkennen läßt.
Die Ursache aber der Ausbildung von Proteroblastese muß
eine eigentümliche sein. Erhöhter Druck, wie er für die Dynamo-
metamorphose klastischer Gesteine eine so große Rolle spielt, und
wie ihn Weinschenk für seine Piezokristallisation so stark heran-
zieht, kann nur für die Schieferung, schwerlich für die Struktur
als Hauptfaktor in Frage kommen , weil, wie Vogt (Min.-petr.
778
51. Weber,
Mitt. 27) betont hat, steigender Druck die Ausscheidungsfolge in
einem Schmelzflüsse nicht wesentlich zu ändern vermag. Die
primärschieferigen Schapbachgneise des Schwavzwaldes , die nach
Schwenkei. (1. c.) trotz der Paralleltextur eine Eruptivgesteins-
struktur mit der normalen Ausscheidungsfolge der granitischen
Gesteine aufweisen, liefern dafür ein neues Beispiel aus dem Felde.
Es muß also ein anderer Grund existieren, und auch hiefiir scheint
mir der T-Gang eine Lösung zu bieten. Wenn man nämlich dessen
ganzen Habitus ins Auge faßt, so kann man schwerlich im
Zweifel sein, daß das Aufdringen des Schmelzflusses nicht zur Zeit
seiner größten Hitze und Beweglichkeit, sondern schon in einem
mehr abgekühlten Stadium mit teigartiger Konsistenz erfolgte ; die
vergrößerte innere Reibung mußte aber dann die
normale Zirkulation der i u e i n a n d e r g e 1 ö s t e n Silikat-
teilchen erschweren, und so konnte leicht ein Zu-
stand ein treten ähnlich wie bei der Dynamometa-
morphose, wo ja die starren Mineralien in ihrer
Reaktionsfähigkeit aufeinander äußerst behindert
sind. Außerdem werden bei sehr rascher Abkühlung
wahrscheinlich die viskoseren Mineralien Quarz und
Feld späte vor der Zeit aus kristallisieren.
Darin also würde sich diese Ansicht von der Bildung der
Proteroblastese von allen übrigen unterscheiden , daß der Druck,
zumal ein vermehrter Druck, hier höchstens insoferne eine Rolle
spielt, als er außer der Schieferung noch die Viskosität des Magmas
etwas erhöht. Schwerlich kann er, wie Högbom meinte, in neu
aufdringenden Massen konzentriert , die früher emporgekommenen
Teile wörtlich genommen an die Wand drücken und so die Aus-
scheidungsfolge stören. Aber auch die Ansichten von Becke und
von Weinschenk wären, weil ebenfalls wesentlich auf Druckwirkung
basiert, aufzugeben; speziell der Name Piezokristallisation hätte
dann keinen Sinn mehr. Natürlich müßte die Proteroblastese vor-
herrschend auch an den Rand der großen Massive gedrängt werden,
wenn nicht mehr der Gegendruck von der fremden Umgebung her,
sondern die zu frühe Abkühlung das ursächliche
Moment ausmachen würde. Da aber dann ein viskoses Magma
von granitischer Zusammensetzung nur wenig Mineralisatoren mehr
enthalten kann, so wären die Agenzien nicht mehr vorhanden,
welche Becke als notwendig zur sekundären Umbildung in An-
spruch nimmt; andererseits würde ein Licht darauf geworfen,
warum bei den zentralalpinen Graniten die Erscheinungen der
Kontaktmetamorphose so gering sind, daß sie von den Produkten
der regionalen Dynamometamorphose ganz in den Hintergrund
gedrängt und überdeckt werden. Man sieht, auch der Begriff der
Piezokontaktmetaraorpliose würde dann hinfällig.
Es kann daher nicht richtig sein, granulitische Gesteine, wie ich sie aus
Beispiele von Primärschieferung etc.
779
dem Böhmerwalde beschrieben habe (Metam. Fremdl. Sitz.-Ber. Ale. Wiss.
Miinchenl910), zu den Paragneisen zu stellen (Becke, Fortschr. Min. etc. 1911.
p. 240) allein deswegen, weil sie genau die Struktur der Perlgneise wieder-
holen sollen. Zunächst sind nach meinen Erfahrungen die Perlgneise absolut
nicht schlechtweg zu den Paragneisen zu rechnen ; denn noch niemals ist
meiner Ansicht nach die Entstehung von Feldspäten auf dem Wege der
Dynamometamorphose einwandfrei nachgewiesen worden, wenn man absieht
von gewissen Albiten im Kalke der Pyrenäen und des St. Bernhard, sowie
von den albitführenden Chloritschiefern, die sich nach Koenigxberger
(Compt. rend. 1910) aus dem Eisenoolith des Doggers im Aarmassiv
gebildet haben. Ich stehe da ganz auf dem Standpunkte von Termier,
Barrois und Koenigsberger (Compt. rend. 1910), daß die Tiefenver-
lagerung allein nicht genügt, sondern daß die Nähe von schmelzfiiissigen
Massen notwendig ist. Die Feldspatsubstanz, resp. die Alkalien und Kiesel-
säure werden dann dem Sediment als Schmelzfluß, in größerer Ent-
fernung wohl mehr gasförmig zugeführt, und aus der dadurch erhöhten
Reaktionsfähigkeit, die den Austausch mit dem Nebengestein erleichtert,
erklärt sich wohl, daß an Stelle von Orthoklas in den injizierenden Granit-
adern allmählich Oligoklas und Andesin treten, wie das Rejnhold (1. c.)
so schön nachgewiesen hat. Man kann sich übrigens hundertmal über-
zeugen, wie von einer Eruptivmasse erst Gänge und Schlieren und in
weiterer Entfernung schließlich nur mehr einzelne Fehlspäte augenförmig
in das metamorphe Gestein oder ein älteres basisches Eruptivgestein hinein
sich verfolgen lassen (wie auch auf der Schäreninsel Bondeskär, Exk. Geol.
Kongr. 1910). Es liegt meiner Ansicht nach nicht der mindeste Grund
vor, diese Annahme nicht auch auf die mikroskopischen Feldspäte der
kristallinen Schiefer auszudehnen. Das Gegenteil wäre erstaunlich. Ja,
der Schnitt, den man willkürlich machen möchte, indem man trotz aller
chemischen Annäherung einen Teil der Feldspäte noch dem Eruptivgestein)
einen anderen dem metamorphen Sedimente, worin er doch auf ganz
anderem Wege gebildet wäre, zuteilen möchte, scheint mir unlogisch und
durch nichts gerechtfertigt. In größerer Entfernung dürfte dann auch unter
Mitwirkung juvenilen Wassers im infiltrierten Nebengestein leicht die von
Becke (Sitz -Ber. Lotos 1897) nachgewiesene gesetzmäßige Umkehrung in
der Zonenfolge der Plagioklase sich herausbilden, wozu ja nach Gruben-
mann (Krist. Sch. II. Aufl. p. 95) wahrscheinlich die spezifische Wasser-
löslichkeit sehr viel, wenn nicht alles, beiträgt.
Becke hat aber auch mein anderes wichtiges Beweismittel vollständig
ignoriert, daß nämlich dieser „Paragneis^ nicht nur rundliche Putzen,
sondern auch bis 40 cm lange eckige Schollen von dunklem Diorit und
Gabbro einschließt, ja gegen einen etwa 10 cm dicken Gabbroputzen
sogar einen deutlichen Biotithof als endogenes Kontaktprodukt aus-
geschieden hat. Das läßt sich doch nicht einfach so erklären, wie wenn
plastischer Marmor Bruchstücke voneinander getrennt und unter Neu-
bildung von Mineralien umflossen hätte, wie das F. Süess gefunden
hat (Beisp. plast. u. kristallobl. Gest.-Umformg. Mitt. geol. Ges. Wien 1909).
780
M. Weber,
Für einen „Gneis“ bat das sicher noch niemand behauptet und so bleibt
nur die Möglichkeit eines eruptiven Charakters für meine Granulite übrig. —
„Umkehrung der Ausscheidungsfolge“ möchte Becke bei diesen Granuliteu
anscheinend auf kristalloblastische Struktur zurückführen. Feldspat vor
Biotit entwickelt stimmt aber absolut nicht mit der von ihm selbst
(Compt. rend. 1903) aufgestellten kristalloblastischen Reihe, ist darum
auf anderem Wege entstanden, hier hervorgerufen durch die Mischung
von eruptivem und sedimentärem Material , wobei ersteres , weil heißer
oder gasförmig, erst die Kristallisation im Sediment anregen mußte, und
daher auch selbst eher zur Abscheidung gelangte. Übrigens fand Sauer
(Compt. rend. 1903) an einem Gneise von Annaberg im wesentlichen das
gleiche mikroskopische Bild, wie ich an den Granuliten von Spitzberg;
auch er findet, daß der Feldspat mindestensgleichzeitig (also wahr-
scheinlich sogar früher! Verf.) mit den übrigen Gesteinsgemengteilen
keinesfalls später entstanden ist; der Folgerung allerdings, die er daraus
zieht, daß die so „bequeme Hypothese der Feldspatisation“ dort aus-
geschlossen sei, kann ich mich nicht anschließen ; ich finde im Gegenteil
hier eine kräftige Stütze für diese Annahme, weil diese Feldspäte sich
ganz wie Einsprenglinge verhalten, die doch immer früher ausgeschieden
wurden 1. — Es ist ferner nach dem oben Gesagten nicht einzusehen, warum
außer den Ortliogneisen gegebenenfalls nicht auch Mischgesteine primäre
Paralleltextur oder kristalloblastische Struktur aufweisen können sollten,
wenn im Mengenverhältnis das Eruptivmaterial genügend Übergewicht
hat; zeigen sie doch auch gelegentlich prachtvoll die kugelige Absonderungs-
form der echten Eruptivgesteine.
Derartige eindeutige, d. h. genetisch restlos erklärbare Auf-
schlüsse sind leider sehr selten. Aber sie legen die Vermutung
nahe, daß noch mehr „Orthogneise“ als bis jetzt bekannt, gleich-
falls primär und nicht sekundär kristalloblastisch struiert seien.
In erster Linie wäre hier zu denken an die Gföhlergneise
im niederösterreichischen Wald viertel, von denen Becke sagt (Compt.
rend. Stockholm 1910), daß ihre Parallelstruktur parallel zur
Grenzfläche verlaufe; es könnte sich hier ganz gut auch um um-
laufende Parallelstruktur handeln , wie bei den Laurentischen
Gneisen von Kanada. Die kristalloblastische Mikrostruktur würde
nach den am Ornöit und am T-Gange gesammelten Erfahrungen gar
nichts gegen diese Auffassung beweisen.
Ferner wären hier zu nennen die Granulite von Mähren und
Böhmen. Auch deren Deutung macht den reinen Dynamometa-
morphikern Schwierigkeiten wegen ihrer Auflagerung auf Kalken,
Amphiboliten und Glimmerschiefern : liegt ja doch dabei stets das
1 Die von Klemm (1. c.) abgebildeten Mischgesteine und viele mir
bekannte Vorkommen aus dem Böhmerwalde zeigen das gleiche Verhalten
der Feldspäte schon makroskopisch sehr deutlich.
Beispiele von Primärschieferung etc.
781
höhere Metamorphe auf dem weniger Metamorplien , also in um-
gekehrter Reihenfolge.
Gewiß können diese eingelagerten Orthögneise auch zusammen
mit den hangenden und liegenden Sedimenten erst nachträglich
dem Umdruck in kristalline Schiefer unterlegen sein, allein manche
Tatsachen scheinen auf eine primäre Druckkristallisation und
Schieferung gleich bei der mise en place hinzuweisen. So deckt
sich z. B. bei den Granuliten des Planskergebirges die Parallel-
struktur nicht mit der Absonderung, worauf schon Hochstettek
Fig. 2. Granulit vom Schöninger berge.
Die Bankung geht horizontal, die Primärschieferung mit den ihr parallel
eingelagerten Kugeln von links oben nach rechts unten. (Nat. Größe.)
hingewiesen hat (Geogu. Stud. üb. d. Böhmerwald. Jahrb. k. k.
geol. R.-A. 1854). Am Leiterstein haben die Absonderungs-
spalten Streichen 0 1 5 0 S , Fallen 1 5 0 N, dagegen die Parallel-
struktur Streichen X 15° 0 mit Fallen 30 — 40 °W. Hochstettek
faßt die plattenförmige Absonderung wohl mit Recht als Andeutung
des Gebirgsbaues auf, also als später gebildet im Verhältnis zur
primären, weil diskordant gegen die Schieferung der umgebenden
kristallinen Paragesteine abschneidenden Parallelstruktur.
Nun scheint mir noch e i n Umstand ganz besonders für die primäre
Kristallisationsschieferung auch dieser Granulite zu sprechen. Ich
fand in der Gegend von Si'in bei Krumau vom Schöningerberge
herabgespülte Granulitbrocken mit rundlichen Kugeln darin, die
längs der Parallelstruktur des Gesteines angeordnet liegen (Fig. 2).
782
M. Weber,
Hochstetter schreibt darüber, es handle sich um ein pyromerid-
artiges Vorkommen von haselnuß- bis walnußgroßen Kugeln
innerhalb des feinkörnigen und streifigen Granulites; die Kugeln
bestünden entweder aus reinem Granulit oder aus Quarz oder
Orthoklas; in den Hohlwegen nach Kugelwaid fänden sich sogar
faustgroße Kugeln von Quarz darin.
Lehmann (Krist. Schief. 1884) hat derartige Kugeln nicht
gefunden, wohl aber später Cameri.ander (Jahrb. k. k. R.-A. 1887),
nach welchem sie aus Sillimanit bestehen sollen.
Nach meinen Untersuchungen bestehen diese von einer schwachen
Biotithülle umgebenen Kugeln aus Quarz und ganz frischem Cor-
dierit in pflasterartigein Gemenge, die eingeschlossen und besonders
an den Rändern angereichert Sillimanitnadeln in Masse führen,
daneben kommt etwas Apatit und Biotit vor. Entsprechend einer
schwachen Streckung der Kugeln parallel zur Flaserung des Granu-
lites sind auch die Quarze und Cordierite mit den Sillimaniten in
die Länge gezogen. — Daneben finden sich aber auch Bruchstücke
bei Sl'in. in welchen diese kugeligen bis elliptischen Gebilde in
gerade Streifen parallel wiederum mit der Textur des Granulites
ausgewalzt sind. Das Mikroskop läßt erkennen , daß die näm-
lichen Gemengteile wie oben stark in dieser Richtung verlängert
sind und in einzelne Stücke zerbrochen, die mit gezackten Rändern
aneinander stoßen und ebenso wie der umgebende Granulit stark
undulöse Auslöschung auf weisen, ohne Bildung einer Mörtelstruktur.
Ob die letzteren gestreckten Partien rein kristalloblastischen oder
möglicherweise auch proteroblastischen Ursprunges sind, läßt sich
nicht entscheiden, zumal in dem mir vorliegenden Haudstlicke die
Schieferung mit der Absonderung zusammenzufallen scheint. Auf-
fallend ist und bleibt aber , daß ii b e r h a u p t kugelige oder
schwach elliptische Gebilde in dem schieferigen Granu-
lite an gewissen Stellen erhalten geblieben sind, was doch
unmöglich wäre, wenn der ganze Granulit erst nachträglichen
Vorgängen seine Schieferung verdanken sollte.
Auch diese Erscheinung wird man also nur zugunsten einer
p rimären Schiefe r u n g w ä h r end des Eindringens des
Schmelzflusses deuten können1.
1 Sauer (üompt. rend. Wien 1903) nimmt anscheinend für die
sächsischen Granulite nicht reine primäre Parallelstruktur an, weil sie
hervorgerufen sei durch Mitwirkung intensiver dynamischer Kräfte bei
der Aufpressung des Schmelzflusses ; auch die Schieferhülle vereinige dabei
die Kontakt- und Druckmetamorphose. Das wäre also fast ganz die
W EiNscHENK’sche Piezo-Kontaktmetamorphose. Ich bin der Ansicht, daß
sich Kontakt- und Druckumwandlung immer zeitlich unterschieden haben,
wofür es verschiedene Beispiele gibt, wenn auch nicht immer gleich die
Aufeinanderfolge festgestellt werden kann. Denn Pressung und gleich-
zeitige Bildung offener Spalten für aufdringendes Magma halte ich mit
Heim, Rothpletz, Branca und Lepsius für unmöglich.
Beispiele von Primärschieferung etc
783
Die Pilitrinden um die Oliviuknollen von Dürnstein bei Krems
ebenso wie die von Schrauf (Zeitschr. f. Krist. 6. 1882) genau
beschriebenen Kelyphitrinden um die Granate im Serpentin der
Hollubauer Mühle im Planskergebirge dürften ebensowenig erst
durch spätere Umkristallisation entstanden sein, sondern viel wahr-
scheinlicher als „reaction rim“, wobei nachträglich aus Augit
Hornblende und aus Serpentin oder z. T. Olivin Talk geworden
ist, in biotitreichen schriesheimitähnlichen Gesteinen (Kersantite
kommen in der Umgebung von Krems nach Becke nicht selten vor),
resp. in Olivingesteinen im Planskergebirge. Denn die Art der
einschließenden Mineralien widerspricht nach Mrha (Min.-petr.
Mitt. 19) und Schrauf dem Volumgesetze, kann also wohl nur ein
Tiefenprodukt sein , wo nicht der Druck , sondern die Hitze den
Ausschlag gibt. Was Doelter (Üb. einige petrogenetische Fragen.
Dies. Centralbl. 1902) aus der größeren Viskosität der Effusiv-
magmas erklärt, scheint auch hier zuzutreffen, nämlich daß die
Olivine sich als scheinbare Einschlüsse präsentieren, da sie nicht
wandern und sich zu Grenzmassen oder Randfazies konzentrieren
könnten.
So glaube ich auch aus dem böhmischen Massive einige Punkte
nachgewiesen zu haben, an denen die geologischen Verhältnisse
beweisen , daß das Aufdringen und die seitliche Intrusion von
Eruptivmassen erst erfolgt ist nach der infolge Gebirgsdruckes
eingetretenen Umwandlung der dortigen Sedimente und alten
Eruptiva in kristalline Schiefer, weshalb ihre Paralleltextur
und ihre oft deutliche kr is tallob las tische Struktur
sich schon primär bei der Erstarrung herausgebildet haben
müssen, also als proteroblastisch zu bezeichnen wären. Der-
artige Gesteine sind demnach aus der Reihe der kristallinen
Schiefer auszuscheiden, wie Minen betonte (Ref. Geol. Rundsch. I).
Eine sichere Zuteilung wird zwar mauchmal sehr schwer sein.
Immerhin kann oft die z. B. auch von Becke an der Berührungs-
stelle der Amphibolitschiefer gegen Kalk im Kamptale nacli-
gewiesene Kontaktmetamorpliose einen Fingerzeig geben , wenn
man sie für sich betrachtet und ihr zeitliches Verhältnis zu den
dynamisch umwandelnden Vorgängen mehr als bisher herauszuschälen
sucht, wie das z. B. E. Zimmermann (Zeitschr. deutsch, geol.
Ges. 1902. p. 375) bei Rudolphstein in Südthüringen durchführen
konnte; er wies dort nach, daß die Kontaktmetamorphose erst
nach der Schieferung und Streckung der Gesteine eingetreten
sein könne. Nach Sauer scheinen ja auch die Kinzigite des
Schwarzwaldes als Umwandlungsprodukte aus Renchgneisen für eine
gleiche Aufeinanderfolge zu sprechen1. Vogt (D. Marmor. Zeitschr.
1 Man vergleiche Becke’s Referat in Fortschr. d. Mineralogie. 1.
p. 233 ff.
784
Besprechungen. — Personalia.
f. prakt. Geol. 1898) konnte nachweisen, daß die Marmore von
Vefsen und Velfj orden erst regional- und später kontaktmetamorplio-
siert wurden.
Allerdings tritt liier wieder die bekannte Schwierigkeit ein,
die Produkte der Kontaktmetamorphose einerseits von denen der
Dynamometamorphose andererseits mit Sicherheit zu unterscheiden.
Aber es gibt doch einzelne Mineralien , welche für magmatische
Einwirkung als ausschließlich charakteristisch gelten können, wie
z. B. Cordierit, Turmalin und Skapolith (vergl. Vogt 1. c.). Den
Chlorgehalt des letzteren wird man nur aus Emanationen des Schmelz-
flusses herleiten können und nicht wohl aus dem geringen Kochsalz-
gehalt der marinen Sedimente. Darum hat auch Fr. Suess (Beisp.
plast. und kristallobl. Gest. -Umform. Mitt. geol. Ges. Wien 1909)
unter den sekundären Druckneubildungen an der Berührungsfläche
zwischen Amphibolitscliollen und Kalk den Skapolith nicht nach-
weisen können, obwohl er im Kalk selbst auftritt.
M ii n c li e n , Technische Hochschule.
Besprechungen.
C. Doelter: Handbuch der Mineral Chemie. 2. 3. Liefe-
rung. 1913. Dresden und Leipzig bei Theodor Steinkopff. p. 32 1 — 480.
Mit einer Tafel nebst vielen Textttguren, Tabellen und Diagrammen.
Die vorliegende Lieferung enthält den Schluß der Humit-
gruppe (Prolektit) von H.t. Sjögren, sodann vom Herausgeber:
Das Magnesiummetasilikat (MgSi03), Bronzit und Hypersthen,
Anthophyllit, Talk (Steatit) , Meerschaum (Sepiolith) ; von A. v.
Fersmann: (Zermattit und Schweizerit) ; von H. Leitmeier: Ser-
pentin, Kerolith, Deweylith und Pseudodeweylitli (Gymnit), Melopsit
und Saponit; vom Herausgeber: Calciumsilikate, Wollastonit
und Calciumhydrosilikate ; von A. Himmei, rauer : Zeophyllit, Gyro-
litli und Calciumfluoro-Hydrosilikate (Apophyllit, Anfang). Im
folgenden wird dieser Band die sämtlichen übrigen Silikate behandeln.
Max Bauer.
Personalia.
Gestorben: Dr. Heinrich Potonie, Geh. Bergrat, Professor
für Pflanzenpaläontologie an der Geologischen Landesanstalt, Privat-
dozent an der Universität Berlin.
Ernannt: Dr. Ferruccio Zambonini. ord. Professor an der
k. Universität Palermo, zum ord. Professor der Mineralogie und Di-
rektor des mineralogischen Museums an der k. Universität Turin. —
Dr. Ernst Fleury aus Delemont zum Professor der allgemeinen Geo-
logie und Paläontologie am Instituto technico superior in Lissabon.
Dr. Paul Cüoffat vom Instituto technico superior in Lissabon
hat um seine Entlassung als Professor der angewandten Geologie ge-
beten, um sich ganz der Geol. Landesanstalt widmen zu können.
1. Januar 1913.
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
heniusgegeben von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
in Marburg. in Breslau. in Berlin.
1913. No. 1.
STUTTGART.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
1912.
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Seit«
Inhalt.
Original-Mitteilungen etc.
Kessler, P.: Zur jüngeren geologischen Geschichte der Bithynischen
Halbinsel 1
Kor mos, Th.: Kleinere Mitteilungen aus dem ungarischen Pleistocän 13
Kaemmerer, Paul: Versuch zu einer neuen Deutung der Struktur
des Meteoreisens von Carthage (Tennessee). Mit 6 Textfiguren 17
Koenigsberger, J. : Nachtrag zur Notiz über einen anorthositi-
schen Gneis von Norwegen 25
Bauer, Max: Berichtigung 25
Maier, W. : Berichtigung über die korundhaltigen Hornfelse der
Kontaktzone des Mt. Tibidabo bei Barcelona 26
Semper, Max: Berichtigung 27
Neue Instrumente und Beobachtungsmetliodeu.
Wülfing, E. A. : Demonstrationsmodell für sogen, einfache Schie-
bungen. Mit 6 Textfiguren 28
Solider, ganz selbständiger
Präparator für Paläontologie,
der schon große Säugetiere restauriert und montiert hat, sucht
Stelle zu verändern. Derselbe ist auch gut bewandert in
der Anfertigung von Gipsabgüssen und stehen ihm prima Re-
ferenzen zur Verfügung.
Gef. Offerten unter Chiffre J. B. 12 erbittet an den Ver-
lag dieses Centralblattes.
Chemisches Laboratorium
von
Professor Dr. M. Dittrich.
Heidelberg Brunnengasse 14
Mineral-, Erz- und Gesteinsuntersuchungen. — Quell- imd
Mineralwasseranalysen. — Untersuchungen auf Radioaktivität.
— Chemische Praktica , unter besonderer Berücksichtigung
der Mineralogen und Geologen, auch in den Universitätsferien.
Prospekte auf Verlangen.
15. Januar 1913.
P 3 : 3
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie and Paläontologie
in Verbindang mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
herausgegebeu von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
in Marburg. in Breslau. in Berlin.
1913. No. 2.
STUTTGART.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
1913
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Inhalt.
Original-Mitteilnngen etc. g
Miigge. 0.: lieber die Größenordnung der Gravitations-Anisotropie
in Kristallen. Mit 1 Textfigur 33
Goldschmidt. V. : Ueber Indikatoren zur mechanischen Gesteins-
analyse und spezifischen Gewichtsbestimmung . • 39
Heeger, W. : Ueber die mikrochemische Untersuchung fein ver-
teilter Carbonate im Gesteinsschliff 44
0 1 b r i c h t , K. : Neue Beobachtungen im Diluvium der Umgebung
von Hannover. Mit 6 Textfiguren 51
Jooss. Carlo H. : Ueber Limnaea ( Limnuea s. str.) turrita Klein
emend. Jooss. Mit 8 Textfiguren 58
Personalia 64
An die Herren Mitarbeiter.
Die für das Neue Jahrbuch bezw. Centralblatt für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie bestimmten
Abhandlungen , Referate und Originalmitteilungen etc. aus den
Gebieten: Geologische Karten, Topographische Geologie,
Stratigraphie, Paläontologie bitten wir in Zukunft an Herrn
Professor Dr. Fr. Frech in Breslau I, Schuhbrücke 38
gelangen lassen zu wollen.
Um den Herren Redakteuren das Durchgehen der Manu-
skripte zu erleichtern und um Korrekturkosten tunlichst zu
vermeiden, bitten wir die Beiträge in gut leserlicher Beschaffen-
heit — Maschinenschrift würde besonders dankbar begrüßt —
einzusenden.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser :: Stuttgart.
Solider, ganz selbständiger
Präparator für Paläontologie,
der schon große Säugetiere restauriert und montiert hat, sucht
Stelle zu verändern. Derselbe ist auch gut bewandert in
der Anfertigung von Gipsabgüssen und stehen ihm prima Re-
ferenzen zur Verfügung.
Gef. Offerten unter Chiffre J. B. 12 erbittet an den Ver-
lag dieses Centralblattes.
1. Februar 1913.
Centralblatt
Mineralogie, Geologie und Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
hei'iiusgegebeii von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
ln Marburg. in Breslau. in Berlin.
1913. No. 3.
STUTTGART.
E. Sch weizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser
1913
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten de s Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Dieser Nummer ist beigefiigt ein Prospekt der Verlagsbuchhandlg. ß. G.Teubner
in Leipzig betr. Stromer von Reichenbach, Lehrbuch der Paläozoologie etc.
Inhalt.
Original-Mitteilungen ete. Se)te
Tue an, Fran: Zur Bauxitfrage 65>
Walther, Karl: Ueber ein Vorkommen von Epidotadinole und
gefritteten Sedimenten aus dem Süden der Republik Uruguay.
Mit 2 Textfiguren 68
Hennig, Edw. : Ueber Urgon in Deutsch-Ostafrika 81
Oppenheim, Paul: Zur Altersfrage des bei Teschen am Karpathen-
rande üherschobenen Tertiärs 85
Sokol, R. : Ueber das Sinken der Elbe-Ebene in Böhmen während
der Diluvial-Akkumulation. Mit 2 Textfiguren 91
Personalia 96
An die Herren Mitarbeiter.
Die für das Neue Jahrbuch bezw. Centralblatt für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie bestimmten’
Abhandlungen , Referate und Originalmitteilungen etc. aus den
Gebieten: Geologische Karten, Topographische Geologie,
Stratigraphie, Paläontologie bitten wir in Zukunft an Herrn
Professor Dr. Fr. Frech in Breslau I, Schuhbrücke 38
gelangen lassen zu wollen.
Um den Herren Redakteuren das Durchgehen der Manu-
skripte zu erleichtern und üm Korrekturkosten tunlichst zu
vermeiden, bitten wir die Beiträge in gut leserlicher Beschaffen-
heit — Maschinenschrift würde besonders dankbar begrüßt —
einzusenden.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser :: Stuttgart.
Chemisches Laboratorium
von
Professor Dr. M. Dittrich
Heidelberg Brnnnengasse 1 4
Mineral-, Erz- und Gesteinsuntersnchungen. — Quell- und
Mineralwasseranalysen. — Untersuchungen auf Radium und
Radioaktivität. — Chemische Praktica, auch in den Univer-
sitätsferien.
Prospekte auf Verlangen. ■
15. Februar 1913.
r
\
s/
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
herausgegeben rou
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
ln Harbarg. in Breslau. in Berlin.
1913. No. 4.
STUTTGART.
E. Sch weizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
1913
_/\_
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Inhalt.
Original- Mitteil ii n gen etc.
Tschirwinsky, W. : Zur Frage über die Identität dis Podolits
und Dahllits. Mit 1 Textfigur 97
Schneider, Karl: Die vulkanischen Erscheinungen der Erde . . 102
Kor in os, T. : Zur Kenntnis der Pleistocänablagerungen in der Um-
gebung von Tata (Ungarn) 109
Fischer, Herrn.: Ein mariner (?) Oolith aus Zentralafrika . . 112
Spengler, Erich: Zur Systematik der obercretacischen Nautiliden 115
Diener, 0. : f Friedrich Teller 119
Sokol: Nachtrag zu „Ueber das Sinken der Elbe-Ebene etc.s ... 122
Nene Instrumente und Beobachtungsinethoden.
Mügge, 0.: Bemerkungen zum Wiilling’schen Demonstrationsmodell
für einfache Schiebungen. 123
Versammlungen und Sitzungsberichte 12f>
Besprechungen.
Phillips, Alexander H. : Mineralogy, an Introduction to the
Theoretical and Practical Study of Minerals 127
Gratacap, L. P. : A Populär Guide to Minerals 128
Druckfehlerberichtigung 128
An die Herren Mitarbeiter.
Die für das Neue Jahrbuch bezw. Centralblatt für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie bestimmten
Abhandlungen , Referate und Originalmitteilungen etc. aus den
Gebieten: Geologische Karten, Topographische Geologie,
Stratigraphie, Paläontologie bitten wir in Zukunft an Herrn
Professor Dr. Fr. Frech in Breslau I, Schuhbrücke 38
gelangen lassen zu wollen.
Um den Herren Redakteuren das Durchgehen der Manu-
skripte zu erleichtern und um Korrekturkosten tunlichst zu
vermeiden, bitten wir die Beiträge in gut leserlicher Beschaffen-
heit — Maschinenschrift würde besonders dankbar begrüßt —
einzusenden.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser :: Stuttgart.
Voigt & Hochgesang * Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10 Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Piinne 0,02 mm.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30—1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
DV~ Neu erschienen:
Sammlung von 124 Dünnschliffen gesteinsbildender
Mineralien,
zusammengestellt von Geheimrat Prof. Pr. F. Pinne, Leipzig.
Preis 200 Mark.
Piese Sammlung ist sehr übersichtlich geordnet und enthält
manche Neuerungen, so besonders Salze.
= Verzeichnis auf Wunsch. ==
Anfertigung von Mikrophotographien
im einfachen u. polarisiertem Licht in jeder Vergrößerung.
Zu unseren Aufnahmen verwenden wir nur Objektive erster Firmen,
wir liefern daher vollkommen einwandsfreie erstklassige Bilder.
— = Preise gering. =====
Aufnahmen von Naturobjekten
in natürl. Größe oder in jeder Vergrößerung.
Anfertigung von Diapositiven
in jeder Größe.
Im Februar 1912 erschienen:
Neuer kristallographischer Katalog
No. 23.
Aus dem reichen Inhalt möge hervorgehoben sein :
Modell zur Demonstration der Lage des rhombischen Schnittes
bei den Plagioklasen nach Prof. Dr. K. Hintze.
Neue Pappkristallmodelle nach Prof. Dr. K. Vkba.
Kristallographische Kaleidoskope nach Prof. Dr. E. A. Wülfing.
Kristallographisches Spiegel-Polyskop nach Prof. Dr. K. Vrba.
Modell zur Demonstration der stereographischen Projektion und
Wandtafel für stereogr. Projektion nach Prof. Dr. E. A. Wülfing.
Glasmodelle zur Erläuterung der Aetzmethode nach Prof. Dr.
G. Wulff.
Modelle zur Erläuterung der Bildung der ozeanischen Salz-
ablagerungen nach Dr. E. J anecke.
Neue
Mineralpräparate und orientierte MineraldiinnschlilTe.
Aus der neuen (achten) Auflage des mineralogischen Haupt-
katalogs No. 1 (Juli 1910) empfehlen wir:
A. Vorlesungssammlung von 100 Mineralpräparaten. Diese
Sammlung enthält nur Präparate von natürlichen Mineralvorkommen
(mit Ausnahme von künstlichem Rubin und Borax) und ist in der Weise
zusammengestellt, daß alle wichtigen optischen Erscheinungen daran
demonstriert werden können. Der Preis einer Normalsammluug von
100 Mineralpräparaten in guter Qualität beträgt einschließlich eines ,
zweckmäßig eingerichteten Kastens Mk. 1100. — . Dieselbe Sammlung
in besonders guter Qualität kostet Mk. 2000.—.
B. Sammlung von 225 orientierten Dünnschliffen von 134
gesteinsbildenden Mineralien, angeordnet nach H. Rosenbusch und
E. A. Wülfing: .Mikroskopische Physiographie der petro-
grapliisck wichtigen Mineralien“, I. Band, 2. Teil, 1905.
Preis der ganzen Sammlung
von 225 Mineralschliffeu, einschließlich Etui = Mk. 375.—.
, 175 „ „ •> — r 295. .
„125 „ , 205.-.
Dünnschliffe von eingesandtem Material
werden sorgfältig und pünktlich hergestellt, und zwar in der üblichen
Stärke bis zu 0.02 mm und darunter. Durchschnittlich wird für einen
Schliff auf Vereinsformat (28 X 48 mm) montiert Mk. 1. — berechnet.
Nur für besonders schwierig zu bearbeitende Gesteine wird ein ent-
sprechender Aufschlag berechnet. Auf Wunsch werden größere, bis
handgroße Schliffe angefertigt. Spezialität: Schliffe fossiler Hölzer.
Dr. F. Krantz,
Rheinisches Mineralien-Kontor,
Fabrik u. Verlag mineralogischer n. geologischer Lehrmittel.
Gegr. 1833. ■■ Bonn a. Rhein. ■ ■■ ■ Gegr. 1833
Verlag der E. Schwelzerbart’schen Verlagsbuchhandlung, Nägele A Dr. Sproesser,
Stuttgart, JohanDesstr. 3.
Druck von C. Grüninger. K. Hofbuchdruekerel Zu Qutenberg (Elett A Hartmann), Stuttgart.
Voigt & Hochgesang « Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10 Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne 0,02 mm.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
BT Neu erschienen: TB
Sammlung von 124 Dünnschliffen gesteinsbildender
Mineralien,
zusammengestellt von Geheimrat Prof. Dr. F. Rinne, Leipzig.
Preis 200 Mark.
Diese Sammlung ist sehr übersichtlich geordnet und enthält
manche Neuerungen, so besonders Salze.
: Verzeichnis auf Wunsch. =
Anfertigung von Mikrophotographien
im einfachen u. polarisiertem Licht in jeder Vergrößerung.
Zu unseren Aufnahmen verwenden wir nur Objektive erster Firmen,
wir liefern daher vollkommen einwandsfreie erstklassige Bilder.
===== Preise gering. ==
Aufnahmen von Naturobjekten
in natürl. Größe oder in jeder Vergrößerung.
Anfertigung von Diapositiven
in jeder Größe.
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. 6. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ansschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die darzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was man in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
fläche des Reliefs. Die Seitenprofile geben an , wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgeführt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagerung-Diskordanz; 51X16X17 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible-Kette
im Schweizer Jura, nach Steinmann); 51X16X23 cm bei auf-
liegender Kappe.
, 3. Kofferfalte (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach Gerth);
51 X 16 X 25 cm bei aufliegender Kappe.
„ 4. Gewölbeeinbruch-Verwerfung (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann) ; 51 X 16 X 24 bei aufliegender Kappe.
„ 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann); 51X16X20 cm bei auf liegender Kappe.
j. 6. Überschobene Antiklinale mit ausgequetschtem Mittel-
schenkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann); 51X26X22 cm bei anfliegender Kappe.
„ 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeon); 61X33X18 cm bei auf liegender Kappe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nach Quereau); 61X33X23 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1 — 6 je Jl 45. — , 7 — 9 je 80. — . Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = Jt 450. — . Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben.
DR F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833. Bonn a. Rhein. Gegr. 1833.
Verlag der £. Schweizerbart'schen Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
Stuttgart, Johannesstr. 3.
Druck von 0. Örüninger, K. Hofbuohdruckerei Zu Gutenberg (Klett & Hartmann). Stuttgart.
Voigt & Hochgesang « Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10 Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
• aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Diinne 0,02 mm.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
W Neu erschienen: “ÄI
Sammlung von 124 Dünnschliffen gesteinsbildender
Mineralien,
zusammengestellt von Geheimrat Prof. Dr. F. Rinne, Leipzig.
Preis 200 Mark.
Diese Sammlung ist sehr übersichtlich geordnet und enthält
manche Neuerungen, so besonders Salze.
— = Verzeichnis auf Wunsch. =====
Anfertigung von Mikrophotographien
im einfachen u. polarisiertem Licht in .jeder Vergrößerung.
Zu unseren Aufnahmen verwenden wir nur Objektive erster Firmen,
wir liefern daher vollkommen einwandsfreie erstklassige Bilder.
========== Preise gering. =========
Aufnahmen von Naturobjekten
in natürl. Größe oder in jeder Vergrößerung.
Anfertigung von Diapositiven
in jeder Größe.
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. G. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpen gebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ausschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die darzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was man in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
fläche des Reliefs Die Seitenprofile geben an, wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. forrgefiihrt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. I. Horizontale Lagerung-Diskordanz; 51X16X17 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible-Kette
im Schweizer Jura, nach Steinmann) ; 51X16 > 23 cm bei auf-
liegender Kappe.
,, 3. Kofferfalte (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach Gerth);
51X16X25 cm bei autliegender Kappe.
„ 4. Gewölbeeinbrucli-Verwerfung (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann); 51X16X24 bei aufliegender Kappe.
T 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann); 51X16X20 cm bei auf liegender Kappe.
,, 6. Überschobene Antiklinale mit ausgequetschtem Mittel-
sclienkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann); 51X26X22 cm bei auf liegender Kappe.
„ 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lngeon); 61X33X18 ein bei auf liegender Kappe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nach Quereau) ; 61 X 33 X 23 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 hei auf-
liegender Kappe.
No. 1 — 6 je ^45. — , 7 — 9 je Jt 80. — . Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = J(, 450. — . Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben.
Da F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833. Bonn a. Rhein. ^
Verlag der E. Sohwelzerbart’soheu Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
Stuttgart. Johannesstr. 3.
Druck yom 0. Grünlnger, K. Bofbuchdruekerel Zu Gutenberg (Klett Jt Hartroannl, Stuttgart.
Voigt & Hochgesang # Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10 Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne U,02 nun.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
W Neu erschienen:
Sammlung von 124 Dünnschliffen gesteinsbildender
Mineralien,
zusanimeugestellt. von Geheimrat Prof. Dr. F. Rinne, Leipzig.
Preis 200 Mark
Diese Sammlung ist sehr übersichtlich geordnet und enthält
manche Neuerungen, so besonders Salze.
- Verzeichnis auf Wunsch. =====
Anfertigung von Mikrophotographien
im einfachen n. polarisiertem Licht in jeder Vergrößerung.
Zn unseren Aufnahmen verwenden wir nur Objektive erster Firmen,
wir liefern daher vollkommen einwandsfreie erstklassige Bilder.
... . preise gering. =====
. Aufnahmen von Naturobjekten
in natürl. Größe oder in jeder Vergrößerung.
Anfertigung von Diapositiven
in jeder Größe.
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. 6. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ausschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die darzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt,
ist. Was man in der Natur direl^t beobachten kann, ist die Ober-
fläche des Reliefs Die Seitenprofile geben an, wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgeführt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagerung-Diskordanz; 51X16X17 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible-Kette
im Schweizer Jura, nach Steinniann); 51 X 16 23 cm bei auf-
liegender Kappe.
„ 3. Kofferfalte (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach Gerth);
51 X 16 X 25 cm bei aufliegender Kappe.
„ 4. Gewölbeeinbruch-Verwerfung (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann); 51X16X24 bei aufliegender Kappe.
„ 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann); 51X16X20 cm bei auf liegender Kappe.
„ 6. Überschobene Antiklinale mit ausgequetscliteni Mittel-
schenkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann) ; 51 X 26 X 22 cm bei auf liegender Kappe.
„ 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeon): 61X33X18 cm bei auf liegender Kappe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nach Quereau); 61 X 33X23 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X38X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1—6 je J6 45. — , 7 — 9 je J(. 80.—. Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = Ji 450. — . Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben.
DR F. KRANTZ ■
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833 Bonn a. Rhein. Gegr. 1833.
Verlag der E. 8ehwelzerbart'sohen Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
Stuttgart, Johannesstr. 8.
Druck von 0. Grönlnger. K. Bofbnehdruckerei Zu Gutenberg (Klett &Hartm»»n). Stuttgart
1. März 1913.
<;
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
herausgegeben von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
in Marburg. in Breslau. in Berlin.
1913. No. 5.
>
STUTTGART.
E. Schweizerbart’sclie Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
1913
y\_
<
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Dieser Nummer ist beigefügt ein Prospekt der E. Schweizerbart’schen
Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser. in Stuttgart betreffend
v. Knebel-Reck, „Island“.
Seite*
Inhalt.
Origiiial-Mitteii ungen etc.
Endeil, K. : Ueber Granatamphibolite und Eklogite von Tromsö
und vom Tromsdaltind. Mit 1 Textfigur 129
Mügge, 0.: Zweckmäßige Indikatoren aus Glas 133
Rack, Georg: Beiträge zur Petrographie von Flores. Mit 2 Text-
fignren 134
Leid hold, CI.: Ueber angeblich gegenwärtige tektonische Be-
wegungen in der Insel Hiddensee (Rügen) 139
Hundt, Rudolf: Die Eiszeit im Franken walde. Mit 5 Textfiguren 146
Balss, Heinrich: Ueber fossile Galatheiden. Mit 1 Textfigur 155
Besprechungen,
Doelter, C. : Handbuch der Mineralchemie 160
Personalia 160
An die Herren Mitarbeiter.
Die für das Neue Jahrbuch bezw. Centralblatt für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie bestimmten
Abhandlungen , Referate und Originalmitteilungen etc. aus den
Gebieten: Geologische Karten, Topographische Geologie,
Stratigraphie, Paläontologie bitten wir in Zukunft an Herrn
Professor Dr. Fr. Frech in Breslau I, Schuhbrücke 38
gelangen lassen zu wollen.
Um den Herren Redakteuren das Durchgehen der Manu-
skripte zu erleichtern und um Korrekturkosten tunlichst zu
vermeiden, bitten wir die Beiträge in gut leserlicher Beschaffen-
heit — Maschinenschrift würde besonders dankbar begrüßt —
einzusenden.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser :: Stuttgart.
Chemisches Laboratorium
von
Professor Dr. M. Dittrich.
Heidelberg Brunnengasse 1 4
Mineral-, Erz- und Gesteinsuntersuchungen. — Quell- und
Mineralwasseranalysen. — Untersuchungen auf Radioaktivität.
— Chemische Praktica, unter besonderer Berücksichtigung
der Mineralogen und Geologen, auch in den Universitätsferien.
Prospekte auf Verlangen. =
15. März 1913.
pT
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie and Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, ßeologie und Paläontologie
kerausgegebeu von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
in Marburg. in Breslau. ln Berlin.
1913. No. 6.
STUTTGART.
E. Schwaizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser
1913.
/
\
si i
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Dieser Nummer ist beigefügt ein Prospekt der E. Schweizerbart’schen
Verlagsbuchhandlung. Nägele & Dr. Sproesser, in Stuttgart betreffend
ZitteDPompeckj-Salfeld, Paläontologische Wandtafeln. II. Serie : Fossile
Pflanzen.
Inhalt.
Original-Mitteilungen etc. gelte
Michel, H.: Der Klinoenstatit der Meteoriten 161
Pävai-Vajna, Franz von: Ueber sarmatischen Dacittuff in
der Umgebung von Nagyenyed nebst einigen Bemerkungen zur
Arbeit des Herrn St. Gaal. Mit 3 Textfiguren 164
Wepfer, E.: Ueber das Vorkommen von „ Gyprina islandica “ im
Postpliocän von Palermo 173
Kowarzik, Rudolf: Ueber zwei neue bisher nicht beschriebene
Funde des Moschusochsen aus dem belgischen Diluvium . . . 178
Hundt, Rudolf: Eine Ergänzung zu „Organische Reste aus dem
Untersilur des Hüttchenberges bei Wünschendorf an der Elster“ 180
Neue Instrumente nnd Beobachtungsinethoden.
Berek, M. : Mineralogischer Demonstrationsapparat. Mit 3 Text-
figuren 181
Versammlungen und Sitzungsberichte 189
Besprechungen.
Brauhäuser, M. : Die Bodenschätze Württembergs 191
Berichtigung 192
Personalia 192
Soeben erschien in zweiter vermehrter und verbesserter Auflage:
Keilhack, Geh. Bergrat Prof. Dr.
Geologische Geschichte der Niederlausitz.
Preis 35 Pf.
H. Differts, Buchhandlung,
Moritz Liebe, Kottbus.
Am
Provinzial-Museum zu Hannover
ist zum 1. Mai die Stelle eines wissenschaftlichen Hilfs-
arbeiters durch promovierten Paläontologen zu besetzen. Be-
werbungen sind zu richten an
Prof. Dr. A. Fritze,
Provinzial-Museum, Naturhistorische Abteilung, Hannover.
Für das neuzugründende
- Vulkan-Institut in Heapel
wird ein gewandter Mitarbeiter gesucht, der in petrographischen
Untersuchungen und quantitativer Gesteinsanalyse erfahren ist. Gehalt
während eines Probejahres 4000 Lire. Spätere dauernde Anstellung
mit steigendem Gehalt Vorbehalten. Bewerbungen mit Angabe über
Ausbildung und Kenntnisse und bisherige Veröffentlichungen sind ein-
zusenden an : Immanuel Friedlaender, Napoli-Vomero, Villa Hertha.
1. April 1913.
r~" ; ' "
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
lieransgegebeu von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
in Marbnrg. in Breslan. in Berlin.
1913. No. 7.
STUTTGART.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jabr.
Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Dieser Nummer ist beigefügt ein Prospekt der E. Scliweizerbart’schen
Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser, in Stuttgart betreffend
Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen Geologischen
v”™ins
Inhalt.
Original-Mitteilungen etc. 8e|
Do eit er, C. und E. Dittler: Bauxit oder Sporogelit ? 193
Michel, H. : Ueher das Auftreten von Rhönitbasalten im Böhmischen
Mittelgebirge. Mit 2 Textfiguren 195
K i 1 1 i g , Fr.: Ueber eine Umwandlung von Phyllit in ein dichtes
Paragonitgestein von der Korundlagerstätte am Ochsenkopf in
Sachsen 203
Pävai-Vajna, Franz von: Ueber sarmatischen Dacittuff in
der Umgebung von Nagyenyed nebst einigen Bemerkungen zur
Arbeit des Herrn St, Gaäl. Mit 3 Textfiguren. (Schluß.) . 209
Gagel, C.: Ueber das Alter der Moräne am Emmerleff-Kliff und die
Beweiskraft der .Leitgeschiebe“ für das Alter der Moränen . 215
Besprechungen.
Henniger, Karl Anton: Die Metalle nach Vorkommen, Gewin-
nung, Verwendung und wirtschaftlicher Bedeutung 224
Mi s c c 1 1 a n e a 224
Personalia 224
An die Herren Mitarbeiter.
Die für das Neue Jahrbuch bezw. Centralblatt für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie bestimmten
Abhandlungen , Referate und Originalmitteilungen etc. aus den
Gebieten: Geologische Karten, Topographische Geologie,
Stratigraphie, Paläontologie bitten wir in Zukunft an Herrn
Professor Dr. Fr. Frech in Breslau 1, Schuhbrücke 38
gelangen lassen zu wollen.
Um den Herren Redakteuren das Durchgehen der Manu-
skripte zu erleichtern und um Korrekturkosten tunlichst zu
vermeiden, bitten wir die Beiträge in gut leserlicher Beschaffen-
heit — Maschinenschrift würde besonders dankbar begrüßt —
einzusenden.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser :: Stuttgart.
Chemisches Laboratorium
von
Professor Dr. M. Dittrich
Heidelberg Brunnengasse 14
Mineral-, Erz- und Gesteinsuntersuchungen. — Quell- und
Mineralwasseranalysen. — Untersuchungen auf Radioaktivität.
— Chemische Praktica, unter besonderer Berücksichtigung
der Mineralogen und Geologen, auch in den Universitätsferien.
■ • Prospekte aut Verlangen. =
15. April 1913.
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
herausgegeben von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
in Marburg. in Breslau. in Berlin.
1913. No. 8.
STUTTGART.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
1913.
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Dieser Nummer ist beigefügt ein Prospekt der Firma [f. Mensser, Buch-
handlung. Berlin, betreffend Handwörterbuch der Naturwissenschaften.
Seite
In halt.
Original-Mitteilungen etc.
Grünling, F. : Maucherit Ni3 As2, ein neues Nickelmineral aus den
Kobaltrücken des Mansfelder Kupferschiefers 225
Schumoff-Deleano, Vera: Einige Versuche über das Zusammen-
kristallisieren von Diopsid und Jadeit. Mit 1 Textfigur . . 227
So eil n er, .T. : lieber das Auftreten von Essexit im Kaiserstuhl . . 230
Semper, Max: Zur eocänen Geographie des nordatlantischen Gebiets 234
Monsen. Astrid: Ueber die Packung tertiärer, diluvialer und
rezenter Sande und das Porenvolumen von Sandsteinen . . . 242
Cornelius, H. P. : Geologische Beobachtungen im Gebiete des Forno-
gletschers (Engadin) 246
Mvlius, H.: Entgegnung an A. Tornouxst. Mit 1 Textfigur - . . 252
Personalia 256
An die Herren Mitarbeiter.
Hierdurch bitten wir, die für das Neue Jahrbuch bezw.
Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläonto-
logie bestimmten Abhandlungen , Referate und Original-
mitteilungen etc. aus den Gebieten:
1. Kristallographie, Mineralphysik, Mineralchemie, Ein-
zelne Mineralien, Vorkommen von Mineralien,
Meteoriten an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Max Bauer,
Marburg a. L. (Hessen-Nassau);
2. Allgemeine Geologie, Dynamische Geologie, Experi-
mentelle Geologie, Radioaktivität, Gesteinsbildende
Mineralien, Petrographie, Lagerstätten nutzbarer
Mineralien an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Th. Liebisch,
Berlin N. 4, Invalidenstr. 43 ;
3. Geologische Karten, Topographische Geologie,
Stratigraphie, Paläontologie an Herrn Prof. Dr.
Fr. Frech in Breslau I, Schuhbrücke 38 gelangen
lassen zu wollen.
Um den Herren Redakteuren das Durchgehen der Manu-
skripte zu erleichtern und um Korrekturkosten tunlichst zu
vermeiden, bitten wir die Beiträge in gut leserlicher Beschaffen-
heit — Maschinenschrift würde besonders dankbar begrüßt —
einzusenden.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser :: Stuttgart.
Voigt & Hoctigesang $ Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1. 10 Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne 0,02 imn.
Kristalle: Genau orieutierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung 7. u angemessenen Preisen.
BT Neu erschienen: “9K
Sammlung von 124 Dünnschliffen gesteinsbildender
Mineralien,
zusammeugestellt von Geheimrat Prof. Pr. F. Rinne, Leipzig.
Preis 200 Mark
Diese Sammlung ist sehr übersichtlich geordnet und enthält
manche Neuerungen, so besonders Salze.
■ = Verzeichnis auf Wunsch. ■ r— -
Anfertigung von Mikrophotographien
im einfachen n. polarisiertem Licht in jeder Vergrößerung.
Zu unseren Aufnahmen verwenden wir nur Objektive erster Firmen,
wir liefern daher vollkommen einwandsfreie erstklassige Bilder.
Preise gering. —
Aufnahmen von Naturobjekten
in natiirl. Größe oder in jeder Vergrößerung.
Anfertigung von Diapositiven
in jeder Größe.
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. 6. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ausschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die darzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was man in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
fläche des Reliefs Die Seitenprofile geben an, wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgeführt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagernng-Diskordanz ; 51X16X17 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible- Kette
ira Schweizer Jura, nach Steinmann) ; 51X16X23 cm bei auf-
liegender Kappe.
r 3. KofTerfalte (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach Gerth);
51X16X25 cm bei aufliegender Kappe.
„ 4. Gewölbeeinbruch-Verwerfung (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann) ; 51 X 16 X 24 bei aufliegender Kappe.
t 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann); 51X16X20 cm bei auf liegender Kappe.
„ 6. Überschobene Antiklinale mit ausgequelschtem Mittel-
schenkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann) ; 51 X 26 X 22 cm bei aufliegender Kappe.
„ 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeon): 61X33X18 cm bei auf liegender Kappe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nach Quereau) ; 6DX 33X23 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1 — 6 je Jt 45. — , 7 — 9 je Jl 80. — . Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = Jt 450. — . Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben.
Da F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833 Bonn a. Rhein. Gegr. 1833.
Verlag der E. Sohwelzerbart’sohen Verlagsbuchhandlung, Nägele fc Dr. Sproesser,
Stuttgart, Johannesstr. 3.
Druck von 0. Grüntnger, K. Bofbuehdruckcref Zu Qutenberg (Klett & Hartmaunt Stuttgart.
Voigt & Hochgesang * Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10 Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne 0,02 mm.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
T0B~ Neu erschienen:
Sammlung von 124 Dünnschliffen gesteinsbildender
Mineralien,
zusammengestellt von Geheimrat Prof. Dr. F. Pinne, Leipzig.
Preis 200 Mark.
Diese Sammlung ist sehr übersichtlich geordnet und enthält
manche Neuerungen, so besonders Salze.
===== Verzeichnis auf Wunsch. =====
Anfertigung von Mikrophotographien
im einfachen u. polarisiertem Licht in jeder Vergrößerung.
Zu unseren Aufnahmen verwenden wir nur Objektive erster Firmen,
wir liefern daher vollkommen einwandsfreie erstklassige Bilder.
===== Preise gering. =====
Aufnahmen von Naturobjekten
in natürl. Gl*öße oder in jeder Vergrößerung.
Anfertigung von Diapositiven
in jeder Größe.
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. 6. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ansschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die darzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was man in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
fläche des Reliefs Die Seitenprofile geben an , wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgeführt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagerung-Diskordanz; 51X16X17 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible-Kette
im Schweizer Jura, nach Steinmann); 51X16 ' 23 cm bei auf-
liegender Kappe.
„ 3. Kofferfalte (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach Gerth);
51 X 16 X 25 cm bei aufliegender Kappe.
„ 4. Gewölbeeinbruch-Verwerfung (Val de Travers imSclrweizer
Jura, nach Steinmann); 51X16X24 bei aufliegender Kappe.
„ 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann); 51X16X20 cm bei auf liegender Kappe.
, 6. Überschobene Antiklinale mit ausgequetschtem Mittel-
schenkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann) ; 51 X 26 X 22 cm bei aufliegender Kappe.
„ 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeon); 61X33X18 cm bei auf liegender Kappe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nach Querean); 61X33X23 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1 — 6 je Jt 45. — , 7 — 9 je ^ 80. — . Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = Jt 450. — . Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben.
DR F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verla# mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833. BOI!!! Rheill. Gegr. 1833.
Verlag der E. Sohwelzerbart’sohen Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
Stuttgart, Johannesstr. 8.
Druck von 0. Qrtininger, K. Hofbuobdruckerel Zu Gutenberg (Kielt fc Hartmann). Stuttgart.
Voigt & Hochgesang * Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10 Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne 0,02 mm.
Kristalle : Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
Bi“ Neu erschienen: 18
Sammlung von 124 Dünnschliffen gesteinsbildender
Mineralien,
zusammengestellt von Geheimrat Prof. Dr. F. Rinne, Leipzig.
Preis 200 Mark.
Diese Sammlung ist sehr übersichtlich geordnet und enthält
manche Neuerungen, so besonders Salze.
~ • - - Verzeichnis auf Wunsch. =====
Anfertigung von Mikrophotographien
im einfachen u. polarisiertem Licht in jeder Vergrößerung.
Zu unseren Aufnahmen verwenden wir nur Objektive erster Firmen,
wir liefern daher vollkommen einwandsfreie erstklassige Bilder.
========= Preise gering. =====
Aufnahmen von Naturobjekten
in natiirl. Größe oder in jeder Vergrößerung.
Anfertigung von Diapositiven
in jeder Größe.
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. 6. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ausschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die darzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was inan in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
fläche des Reliefs. Die Seitenprofile geben an, wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert/ jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgeführt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagerung-Diskordanz; 51X116X17 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible-Kette
im Schweizer Jura, nach Steinmann); 51X16X23 cm bei auf-
liegender Kappe.
„ 3. Kofferfalte (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach Gertb);
51 X 16 X 25 cm bei aufliegender Kappe.
„ 4. Gewölbeeinbruch-Verwerfung (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann); 51X16X24 bei aufliegender Kappe.
„ 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann); 51X16X20 cm bei auf liegender Kappe.
„ 6. Überschobene Antiklinale mit ausgequetschtem Mittel-
schenkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann); 51X26X22 cm bei aufliegender Kappe.
„ 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeon): 61X33X18 cm bei auf liegender Kappe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nach Quereau) ; 61 X 33 X 23 cm bei
aufliegender Kappe.
,, 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1 — 6 je t/^45. — , 7 — 9 je JC 80. — . Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = 450.—. Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben.
DR F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833 Bonn a. Rhein. Gegr. 1833.
Verlag der E. Sohwefzerbart’schen Verlagsbuchhandlung, Nägele k Dr. Sproesser,
Stuttgart, Johannesstr. 3.
Druck Ton C. Qrünlnger. K. Hofbuohdruckerei Zn Outenberg (Elett & Hartmann), Stuttgart.
Voigt & Hochgesang $ Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1. 10 Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne 0,02 mm.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
IW Neu erschienen: "38
Sammlung von 124 Dünnschliffen gesteinsbildender
Mineralien,
zusammengestellt von Geheimrat Prof. Dr. F. Rinne, Leipzig.
Preis 200 Mark.
Diese Sammlung ist sehr übersichtlich geordnet und enthält
manche Neuerungen, so besonders Salze.
== Verzeichnis auf Wunsch. =====
Anfertigung von Mikrophotographien
im einfachen u. polarisiertem Licht in jeder Vergrößerung.
Zu unseren Aufnahmen verwenden wir nur Objektive erster Firmen,
wir liefern daher vollkommen einwandsfreie erstklassige Bilder.
= Preise gering. =
Aufnahmen von Naturobjekten
in natüri. Größe oder in jeder Vergrößerung.
Anfertigung von Diapositiven
in jeder Größe.
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. G. Steinmanns „Geologische
Probleme des . Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ausschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die darzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was man in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
fläche des Reliefs Die Seitenprofile geben an , wie man sieb die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgeführt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagerung-Diskordanz; 51X16X17 cm bei
auf liegen der Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible- Kette
im Schweizer Jura, nach Steinmann); 51X16 > 23 cm bei auf-
liegender Kappe.
„ 3. Kofferfalte (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach Gerth);
51X16X25 cm bei aufliegender Kappe.
„ 4. Gewölbeeinbruch-Verwerfung (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann); 51X16X24 bei aufliegender Kappe.
„ 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann); 51X16X20 cm bei aufliegender Kappe.
„ 6. Überschobene Antiklinale mit ausgequeischtem Mittel-
sehenkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann) ; 51 X 26 X 22 cm bei anfliegender Kappe.
„ 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeon): 61 X 3.3 X 18 .cm bei anfliegender Kappe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nach Quereau); 61X33X23 cm hei
aufliegender Kappe.
„ 9. Fenster (Uiiterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1 — 6 je ^45.—, 7 — 9 je M 80. — . Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = Jl 450. — . Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeheu.
D~ F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833. Bonn a. Rhein. Gegr.mi.
Verlag der E. Schweizerbart’schen Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
Stuttgart. Johannesstr. 3.
Druck von C. Orünlnger. K. Hofbnohdruokerel Zu GutenbeTg (Klett & Hartmann), Stuttgart
1. Mai 1913.
r^
>
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
herausgegebeu von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
in Marburg. in Breslau.
in Berlin.
1913. No. 9.
S
STUTTGART.
E. Sch weizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
1913.
Lyv
%
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Dieser Nummer ist beigefügt ein Prospekt der Firma Theodor Steinkopff.
Verlagsbuchhandlung, Dresden, betreffend Liesegang, Geologische Diffusionen.
Inhalt.
Original-Mitteilungen etc. 8 ,t
van der Veen. A. L. W. E. : Die Beweglichkeit des Silbers in
Zinnobererde 257
Lazarevic, M. : Zu Tuöan’s „Bauxitfrage“ 258
Wulff, Georg: Grundlagen der Kristallri'intgenograrnmetrie. Mit
2 Textfiguren 260
Kaemmerer, Paul: Weitere Studien über die Struktur des Meteor-
eisens von Carthage (Tennessee). Mit 6 Textfiguren .... 261
Qu i ring, H. : Eifeldolomit und alttriadische Verebnung 269
Spengler, E. : Einige Bemerkungen zu E. Haug: Les nappes de
charriage des Alpes calcaires septentrionales, 3 eme partie,
le Salzkammergut 272
Ändert. Hermann: Inoceramm inconstans Woods und verwandte
Arten. Mit 2 Textfiguren. (Schluß folgt.) 278
Besprechungen.
Cohen, Ernst: Jacohus Henricis van’t Hoff. Sein Leben und
Wirken 285
va n t Hoff, J. H.: Untersuchungen über die Bildungsverhältnisse
der ozeanischen Salzablagerungen, insbesondere des Staßfurter
Salzlagers 286
Lien au, Detlev: Die Entstehung der Ackerböden, erläutert an
den geologisch-agronomischen Verhältnissen in der Provinz
Sachsen , im Herzogtum Anhalt und in den Thüringischen
Staaten 287
Brauns. R. : Mineralogie • 288
Berichtigung 288
Personalia 288
E. Schweiz erb art’sche Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser.
in Stuttgart.
In kurzem erscheint die 8. (Schluß-) Lieferung von:
Die diluviale Vorzeit Deutschlands
Unter Mitwirkung von E. Koken und A. Schliz, herausgegeben
von R. R. Schmidt.
I. Archäologischer Teil von R. R. Schmidt.
Die diluvialen Kulturen Deutschlands.
II. Geologischer Teil von Ernst Koken.
Die Geologie und Tierwelt der paläolithischen Kultur-
stätten Deutschlands.
III. Anthropologischer Teil von A. Schliz.
Die diluvialen Menschenreste Deutschlands.
I V. C h r o n o 1 o g i s c h e Z u s a m menfassu n g.
gr. 4U. ca. 300 Seiten mit 47 Tafeln und vielen Textfiguren.
In 8 Lfgen. ä Mk. 10. — . Nach Abschluß des Werkes wird der
Preis erhöht.
Ein für die Erforschung der Knlturanfäiige in Deutschland
hochbedeutsaines. unentbehrliches Werk.
15. Mai 1913.
/~1
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
herausgegeben von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
in Marburg. in Breslau.
in Berlin.
1913. No. 10.
STUTTGART.
E. Sch weizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
1913.
. /\_
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Dieser Nummer ist beigeftigt ein Prospekt der Verlagsbuchhandlung Gehr.
Bornträger. Berlin, betreffend Boeke. Gnomonische Projektion etc.
Seite
289
Inhalt.
Original -Mitteil iingen etc.
Deecke, W. : (ieorg Böhm f
Ändert. Hermann: Inocerumus ineoiisfims Woods und verwandte
Arten. Mit 2 Textfiguren. (Schluß.) 295
Heritsch, Franz: jt^elongena Dtschmatini R.Hobrnes — Mehnijma
Rotkymut .T. Knett 303
Baumhauer. H.: Ueber die goniometrischen Verhältnisse, Aetz-
erscheinungen und Symmetrie des Natroliths, Mit 7 Textfiguren 304
Strem me, H.: Heber das Verhalten des Cimolits vor dem Lötrohr
mit Kobaltsolution. Entgegnung an St. J. Thigi’tt .... 313
Besprechungen.
K i n n e , F. : Elementare Anleitung zu kristallographisch-optischen
Untersuchungen vornehmlich mit Hilfe des Polarisations-
mikroskops - 318
Dreher. 0.: Das Färben des Achats 319
Lewis. .T. Volney: Determinative Mineralogy with Tables for the
Determination of Minerals by Means of their Chemical and
Physical Characters 320
Berichtigung 320
Personalia 320
An die Herren Mitarbeiter.
Hierdurch bitten wir, die für das Neue Jahrbuch bezw.
Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläonto-
logie bestimmten Abhandlungen , Referate und Original-
mitteilungen etc. aus den Gebieten:
1. Kristallographie, Mineralphysik, Mineralchemie, Ein-
zelne Mineralien, Vorkommen von Mineralien,
Meteoriten an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Max Bauer,
Marburg a. L. (Hessen-Nassau);
2. Allgemeine Geologie, Dynamische Geologie, Experi-
mentelle Geologie, Radioaktivität, Gesteinsbildende
Mineralien, Petrographie, Lagerstätten nutzbarer
Mineralien an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Th. Liebisch,
Berlin N. 4, Invalidenstr. 43;
3. Geologische Karten, Topographische Geologie,
Stratigraphie, Paläontologie an Herrn Prof. Dr.
Fr. Frech in Breslau I, Schuhbrücke 38 gelangen
lassen zu wollen.
Um den Herren Redakteuren das Durchgehen der Manu-
skripte zu erleichtern und um Korrekturkosten tunlichst zu
vermeiden, bitten wir die Beiträge in gut leserlicher Beschaffen-
heit — Maschinenschrift würde besonders dankbar begrüßt —
einzusenden.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser :: Stuttgart.
1. Juni 1913.
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
lierausgegeben von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebiach
in Marburg. in Breslau. in Berlin.
1913. No. 11.
STUTTGART.
E. Sch weizer bart’sche Verlagsbuchhandlung
, Nägele & Dr. Sproesser.
1913.
Monatlich 2 Nummern. Preis fiir Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten den Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Dieser Nummer ist beigefügt ein Prospekt der E. Schweizerbart’schen
Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser, in Stuttgart betreffend
R. R. Schmidt, Tafelbild der Schädelbestattungen der Ofnet.
»eite
Inhalt.
Original -Mittei) ii ngen etc.
Boeke, H. E: Bemerkung über die Theorie von J. Johnston bezüg-
lich des Verhaltens fester Stoffe unter ungleichförmigem Druck 321
Goldschmidt, V. M., J. Rekstad, Th. Vogt: Zu Herrn Joh.
Koenigsberger’s geologischen Mitteilungen über Norwegen . 324
Nacken, R. : Vergleich der optischen und der thermischen Methode
zur Bestimmung von Schmelztemperaturen. Mit 2 Textfiguren 328
Stahl, W. : Pisolithe. Mit 1 Textfigur 337
Renz, Carl und Fritz Frech: Beiträge zur Geologie von Hellas
und der angrenzenden Gebiete. 20. Carl Renz: Geologische
Studien im Artemisiongebirge (Grenze von Arkadien und Argolis) 338
Mare es, Friedrich v. : Jura und Kreide in der Umgegend von
Sarstedt. Mit einer geologischen Skizze 346
Schroeder, Henry: Das Vorkommen der Gattung Lopliiodon in
der Braunkohle Sachsens 351
Besprechungen.
Farrell, J. H. : Practical Field Geology, including a Guide to the
Sight Recognition of One Hundred Twenty Common or Important
Minerals by Professor A. J. Moses 352
Günther, C. Godfrey: The Examination of Prospects 352
Personalia 352
15. Juni 1913.
r ^
Centralblatt
für •
Mineralogie, Geologie und Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
berausgegebeu von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
ln Marburg. in Br«s1au. in Berlin.
1913. No. 12.
STUTTGART.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
1913.
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Dieser Nummer ist beigefügt ein Prospekt der E. Schweizerbart’schen
Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser. in Stuttgart betreffend
R. R. Schmidt. Die diluviaie Vorzeit Deutschlands.
Inhalt.
Original-Mitteilungen etc. 8 lle
Laub mann, H. : Ueber Pseudomorphosen von Quarz nach Kalkspat
aus den Flußspatgängen am Wülsenberg in der Oberpfalz . . 353
Wetzel, W.: Untersuchungen über das Verhältnis von Chalcedon
und Quarzin zu Quarz . . 356
Soellner, J. : Ueber Leucitnephelintinguaitporpbyr aus dem Kaiser-
stuhl ... • 367
Rack, G. : Ueber das gegenseitige Verhalten des Zinnchlorürs und
«der Chloride des Kaliums und Natriums beim Kristallisieren
aus dem Schmelzfluß. Mit 2 Textfiguren 373
FiQedländer, Immanuel: Ueber vulkanische Erscheinungen am
Aetna und in Japan . 379
T e p p n e r , Wilfried: Testudo Riedli R. Hoernes. Mit 1 Textfigur 381
Miscellanea 384
P e r s o n a 1 i a . . . 384
An die Herren Mitarbeiter.
Hierdurch bitten wir, die für das Neue Jahrbuch bezw.
Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläonto-
logie bestimmten Abhandlungen , Referate und Original-
mitteilungen etc. aus den Gebieten:
1. Kristallographie, Mineralphysik, Mineralchemie, Ein-
zelne Mineralien, Vorkommen von Mineralien,
Meteoriten an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Max Bauer,
Marburg a. L. (Hessen-Nassau);
2. Allgemeine Geologie, Dynamische Geologie, Experi-
mentelle Geologie, Radioaktivität, Gesteinsbildende
Mineralien, Petrographie, Lagerstätten nutzbarer
Mineralien an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Th. Liebisch,
Berlin N. 4, Invalidenstr. 43;
3. Geologische Karten, Topographische Geologie,
Stratigraphie, Paläontologie an Herrn Prof. Dr.
Fr. Frech in Breslau I, Schuhbrücke 38 gelangen
lassen zu wollen.
Um den Herren Redakteuren das Durchgehen der Manu-
skripte zu erleichtern und um Korrekturkosten tunlichst zu
vermeiden, bitten wir die Beiträge in gut leserlicher Beschaffen-
heit — Maschinenschrift würde besonders dankbar begrüßt —
einzusenden.
Korrekturkosten, die das übliche Maß über-
schreiten, sind wir leider genötigt, den Herrn Verfassern
in Anrechnung zu bringen.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser :: Stuttgart.
s s
• a. >
s *
c ^
f s «>
e s
fiivpetrographische
Arbeiten.
Mikroskop IVc dürfte
unter den gleicharti-
gen einfachen Mikro-
skopen das billigste
und brauchbarste auf
dem Markte sein.
Potarisafions- und
dchsenminkel-
apparate.
Refraktometer.
Schleif- u. Schneide-
maschinen.
R. FUESS,
meclanisclHptisclie Werkstätten,
Abteilung I,
Steglitz-Berlin.
Itlikroskope
für petrograpliische und
mineralogische Studien.
Goniometer aller Art.
Nebenstehende Abbildung
zeigt ein neues einfaches
Mikroskop IVc
COMPTOIR GEOLOGIQUE & MINERALOGIQUE
ALEXANDRE STUER
4, RUE DE CASTELLANE, PARIS.
M. A. STüER s'occupe de tont ce qni a tralt ä la Geologie, ä la Mineralogie et a
1’ Archäologie prehistorique
Colleotions soignees pour lenseignement foumitures speciales pour mustes et faeultes.
Fossiles europeens — Koches typiques, Mineraux de tons pays — Meteorites — Pierres
precieuses, Achat de collections et de bibllotheques geologiques et mineralogiques —
Analvses Determination» d’echantillons de mineraux et de fossiles Recherehes et ren-
seignements sclentifiqaes, Instruments de prospections et d’explorations lointaines —
Appareils portatifs de sondages, Necessaires de mineralogie: En uu 1110t, tous in-
strnments ayant trait ä la geologte et ä la mineralogie, au point de vne scientifiqne
ou industriel ä la recolte des eetaantillons et ä leur rangement en collection ex-
pertise de pierres precieuses
Methode & Instruments pour la Separation des elements des roches. Enricbissement
des minerais, reconnaissance et determination des pierres precieuses par les Liqueurs
denses. — I.iqnenrs denses.
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. 6. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ausschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die darzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was man in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
Hache des Reliefs. Die- Seitenprofile geben an, wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgeführt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagerung-Diskordanz; 51X16X17 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible-Kette
im Schweizer Jura, nach Steinmann); 51X16 23 cm bei auf-
liegender Kappe.
,, 3. Koffert'alte (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach tierth);
51 X 16 X 25 cm bei aufliegender Kappe.
„ 4. Gewölbeeinbruch-Verwerfung (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann); 51X16X24 bei aufliegender Kappe.
„ 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann); 51X16X20 cm bei auf liegender Kappe.
„ 6. Überschobene Antiklinale mit ausgequetschtem Mittel-
schenkel 'Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann) ; 51 X 26 X 22 cm bei auf liegender Kappe.
, 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeon); 61X33X18 cm bei auf liegender Kappe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nach Quereau); 61X33X23 cm bei
aufliegender Kappe.
n 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1 — 6 je ^45. — , 7 — 9 je J(< 80.—. Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = Jl 450. — . Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben.
DR F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833. Bonn a. Rhein. Gegr. 1833.
Verlag der E. Schweizerbart'schen Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
Stuttgart, Johannesstr. 3.
Druck von C. Grünlnger, K. Hofbuchdruckerei Zu Outenberg (Klett ÄHartmann), Stuttgart.
Voigt & Hochgesang * Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt 21k. 1.1Ü Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte .Qualität. Dünne 0,02 mm.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristailpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
B** Neu erschienen : "Ä
Sammlung von 124 Dünnschliffen gesteinsbildender
Mineralien,
zusammeugestellt von Gelieimrat Prof. Dr. F. Rinne, Leipzig.
Preis 200 Mark.
Diese Sammlung ist sehr übersichtlich geordnet und enthält
manche Neuerungen, so besonders Salze.
• Verzeichnis auf Wunsch. =====
Anfertigung von Mikrophotographien
im einfachen u. polarisiertem Lieht in jeder Vergrößerung.
Zu unseren Aufnahmen verwenden wir nur Objektive erster Firmen,
wir liefern daher vollkommen einwandsfreie erstklassige Bilder.
======== Preise gering. =====
Aufnahmen von Naturobjekten
in natiirl. Größe oder in jeder Vergrößerung.
Anfertigung von Diapositiven
in jeder Größe.
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. 6. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ausschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die darzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was man in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
Hache des Reliefs. Die Seitenproiile geben an , wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgeführt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagerung-Diskordanz; 51X16X117 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible- Kette
im Schweizer Jura, nach Steinmann); 51X16X23 cm bei auf-
liegender Kappe.
.. 3. Kofferfalte (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach Gerth);
51 X 16 X 25 cm bei aufliegender Kappe.
. 4. Gewölbeeinbruch- Verwerfung (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann) ; 51 X 16 X 24 bei aufliegender Kappe.
„ 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann); 51X16X20 cm bei auf liegender Kappe.
„ 6. Überschobene Antiklinale mit ausgequetscliteni .Mittel-
schenkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann) ; 51 X 26 X 22 cm bei aufliegender Kappe.
T 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeon): 61X33X18 cm bei auf liegender Kappe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nach Quereau); 61X33X23 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1 — 6 je k#45. — , 7 — 9 je ^ 80.—. Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = </# 450. — . Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben.
DR F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833. Bonn a. Rhein. Gegr. 1833.
Verlag der E. Schwelzerbart’sohen Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
Stuttgart, Johannesstr. 3.
Druck vou C. Orünfnger. K. Hofbuchdruckerei Zu flutenberg (Klett & Hartmann). Stuttgart.
Voigt & Hochgesang * Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10 Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne 0,02 min.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
W" Neu erschienen: "^8
Sammlung von 124 Dünnschliffen gesteinsbildender
Mineralien,
zusammengestellt von Geheimrat Prof. Dr. F. Rinne, Leipzig.
Preis 200 Mark.
Diese Sammlung ist sehr übersichtlich geordnet und enthält
manche Neuerungen, so besonders Salze.
: Verzeichnis auf Wunsch.
Anfertigung von Mikrophotographien
im einfachen u. polarisiertem Licht in jeder Vergrößerung.
Zu unseren Aufnahmen verwenden wir nur Objektive erster Firmen,
wir liefern daher vollkommen einwandsfreie erstklassige Bilder.
= Preise gering. =====
Aufnahmen von Naturobjekten
in natürl. Größe oder in jeder Vergrößerung.
Anfertigung von Diapositiven
in jeder Größe.
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. 6. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ausschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die darzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was man in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
fläche des Reliefs Die Seitenprofile geben an , wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgefiihrt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagerung-Diskordanz * 51X16X17 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible- Kette
im Schweizer Jura, nach Steinmann) ; 51X16X23 cm bei auf-
liegender Kappe.
„ 3. Kofferfalte (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach Gerth);
51 X 16 X 25 cm bei aufliegender Kappe.
„ 4. Gewölbceinbruch-Verwerfung (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann) ; 51 X 16 X 24 bei aufliegender Kappe.
„ 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann); 51X16X20 cm bei auf liegender Kappe.
„ 6. Überschobene Antiklinale mit ausgequetschtem .Mittel-
schenkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann) ; 51 X 26 X 22 cm bei auf liegender Kappe.
„ 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeon): 61X33X18 cm bei auf liegender Kappe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nach Quereau); 61X33X23 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1 — 6 je JC 45.—, 7 — 9 je JC, 80. — . Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = JC 450. — . Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben.
■ Dünnschliffe =
von eingesandtem Material werden sorgfältig und pünktlich hergestellt
bis zur üblichen Dünne von 0,02 mm und darunter zum durchschnitt-
lichen Preise von JC, 1.10 für den Schliff.
D= F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833. Bonn a. Rhein. Gegr. 1833.
Verlag der E. Sohweizerbart'sohen Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser.
Stuttgart, Johannesstr. 3.
Druck von 0. Grüninger, K. Hofbuchdruckerei Zu Gutenberg IKlett AHartroanu), Stuttgart.
Voigt & Hochgesang # Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10 Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne 0,02 mm.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30—1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
W Neu erschienen: TB
Sammlung von 124 Dünnschliffen gesteinsbildender
Mineralien,
zusammengestellt von .Geheimrat Prof. Dr. F. Rinne, Leipzig.
Preis 200 Mark.
Diese Sammlung ist sehr übersichtlich geordnet und enthält
manche Neuerungen, so besonders Salze.
-= Verzeichnis auf Wunsch. =====
Anfertigung von Mikrophotographien
im einfachen u. polarisiertem Licht in jeder Vergrößerung.
Zu unseren Aufnahmen verwenden wir nur Objektive erster Firmen,
wir liefern daher vollkommen einwandsfreie erstklassige Bilder.
= Preise gering. ======
Aufnahmen von Naturobjekten
in natürl. Größe oder in jeder Vergrößerung.
Anfertigung von Diapositiven
in jeder Größe.
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr* 6. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ausschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die darzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was man in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
fläche des Reliefs. Die Seitenprofile geben an, wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgeführt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagerung-Diskordanz; 51X16X17 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible-Kette
im Schweizer Jura, nach Steinmann) ; 51X16X23 cm bei auf-
liegender Kappe.
„ 3. Ko fferfaltc (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach Gerth);
51X16X25 cm bei aufliegender Kappe.
„ 4. Gewölbeeinbruch-Verwerfnng (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann) ; 51 X 16 X 24 bei aufliegender Kappe.
„ 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann); 51X16X20 cm bei auf liegender Kappe.
„ 6. Überschobene Antiklinale mit ausgequetschtem Mittel-
schenkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann) ; 51 X 26 X 22 cm bei auf liegender Kappe.
„ 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeoh): 61X33X18 cm bei auf liegender Kappe.
„ 8. Klippen (Ibetger Klippen hach Quereau) ; 61X33X23 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1 — 6 je J(45. — , 7 — 9 je Jt, 80. — . Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = Jt 450. — . Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben.
■ ■ Dünnschliffe
von eingesandtem Material werden sorgfältig und pünktlich hergestellt
bis zur üblichen Dünne von 0,02 mm und darunter zum durchschnitt-
lichen Preise von Jt 1.10 für den Schliff.
Da F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833. Bonn a. Rhein. Gegr. 1833.
Verlag der E. Sehwelzerbart’solien Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
Stuttgart, Johannesstr. 3.
Druck Ton 0. Grünlnger, K. Hofbuohdruckerel Zu Gutenberg (Klett & Hartmann). Stuttgart
1. Juli 1913.
>
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
herausgegeben von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
ln Marburg. in Breslau.
in Berlin.
1913. No. 13.
STUTTGART.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
1913.
V
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Dieser Nummer ist beigefügt ein Prospekt der E. Schweizerbart’schen
Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser, in Stuttgart betreffend
Zittel’s Paläontologische Wandtafeln. II. Serie: Fossile Pflanzen.
Seit*
Inhalt.
Original -Mitteil linken etc.1
Kraus, E. H. und C. W. Cook: Die Kristallformen des Jodyrits
von Tonopah, Nevada 385
Tucan, Fran: Zu Tccan’s „ llauxitfrage“ 387
B e r e k , M. : Zur Messung der Doppelbrechung hauptsächlich mit Hilfe
des Polarisationsmikroskops. Mit 7 Texttiguren. (Fortsetzung
folgt.) 388
Zimmermann, Ernst: Die Culmfauna von Hagen i. W. Einige
Bemerkungen zu dem gleichlautenden Aufsatz des Herrn Nebe 397
Meyer, Hermann L. F. : Kalkalgen im Wellenkalk der Rhön . . 402
Gaal, St. v.: Kurze Antwort auf den PÄVAfschen (?) Artikel (Sar-
matischer Dacittuff etc.) 405
Neue Instrumente und Beobachtungsmethoden.
Korreng, E.: Ueber die Herstellung von Dünnschliffen und Dauer-
präparaten aus salzartigen, aus dem Schmelzfluß kristallisierten
Stoffen 408
Versammlungen und Sitzungsberichte 412
Besprechungen.
Beckenkamp, J.: Statische und kinetische Kristalltheorien. Erster
Teil : Geometrische Eigenschaften der Kristalle und deren Ver-
anschaulichung durch geometrische Strukturbilder 413
Personalia 416
An die Herren Mitarbeiter.
Hierdurch bitten wir, die für das Neue Jahrbuch bezw.
Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläonto-
logie bestimmten Abhandlungen , Referate und Original-
mitteilungen etc. aus den Gebieten:
1. Kristallographie, Mineralphysik, Mineralchemie, Ein-
zelne Mineralien, Vorkommen von Mineralien,
Meteoriten an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Max Bauer,
Marburg a. L. (Hessen-Nassau);
2. Allgemeine Geologie, Dynamische Geologie, Experi-
mentelle Geologie, Radioaktivität, Gesteinsbildende
Mineralien, Petrographie, Lagerstätten nutzbarer
Mineralien an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Th. Liebisch,
Berlin N. 4, Invalidenstr. 43;
3. Geologische Karten, Topographische Geologie,
Stratigraphie, Paläontologie an Herrn Prof. Dr.
Fr. Frech in Breslau I, Schuhbrücke 38 gelangen
lassen zu wollen.
Um den Herren Redakteuren das Durchgehen der Manu-
skripte zu erleichtern und um Korrekturkosten tunlichst zu
vermeiden, bitten wir die Beiträge in gut leserlicher Beschaffen-
heit — Maschinenschrift würde besonders dankbar begrüßt —
einzusenden.
TflBST Korrekturkosten, die das übliche Maß über-
schreiten, sind wir leider genötigt, den Herrn Verfassern
in Anrechnung zu bringen.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser :: Stuttgart.
15. Juli 1913.
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie and Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
herausgegebeu von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
ln Marburg. in Breslau. in Berlin.
1913. No. 14.
STUTTGART.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
1913.
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Dieser Nummer ist beigefügt ein Prospekt der E. Schweizerbart’schen
Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser, in Stuttgart, betreffend
Bräuhäuser, Die Bodenschätze Württembergs.
Seite
Inhalt.
Original -Mitteil ii ngen etc.
Uhlig, J. : Ueber das Löslichkeitsschema KCl, MgCI2 und Wasser
(Carnallitsßhema) bei 50°. Mit 1 Textfigur ........ 417
Rosicky, V. und St. J. Thugutt: Epidesmin, ein neuer Zeolith 422
B e r e k , M. : Zur Messung der Doppelbrechung hauptsächlich mit Hilfe
des Polarisationsmikroskops. Mit 7 Textfiguren. (Fortsetzung.) 427
Wilckens, Otto: Zur Benennung der alpinen Ueberschiebungs-
decken 435
Schöndorf, Fr.: Ueber positive Strandverschiebungen im Oberen
Jura des südöstlichen Deisters 438
Miscellanea 448
Personalia 448
An die Herren Mitarbeiter.
Hierdurch bitten wir, die für das Neue Jahrbuch bezw.
Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläonto-
logie bestimmten Abhandlungen, Referate und Original-
mitteilungen etc. aus den Gebieten:
1. Kristallographie, Mineralphysik, Mineralchemie, Ein-
zelne Mineralien, Vorkommen von Mineralien,
Meteoriten an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Max Bauer,
Marburg a. L. (Hessen-Nassau);
2. Allgemeine Geologie, Dynamische Geologie, Experi-
mentelle Geologie, Radioaktivität, Gesteinsbildende
Mineralien, Petrographie, Lagerstätten nutzbarer
Mineralien an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Th. Liebisch,
Berlin N. 4, Invalidenstr. 43;
3. Geologische Karten, Topographische Geologie,
Stratigraphie, Paläontologie an Herrn Prof. Dr.
Fr. Frech in Breslau I, Schuhbrücke 38 gelangen
lassen zu wollen.
Um den Herren Redakteuren das Durchgehen der Manu-
skripte zu erleichtern und um Korrekturkosten tunlichst zu
vermeiden, bitten wir die Beiträge in gut leserlicher Beschaffen-
heit — Maschinenschrift würde besonders dankbar begrüßt —
einzusenden.
Korrekturkosten, die das übliche Maß über-
schreiten, sind wir leider genötigt, den Herrn Verfassern
in Anrechnung zu bringen.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser :: Stuttgart.
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
berausgegebeu tou
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
ln Marburg, in Breslau. in Berlin.
1913. No. 15.
STUTTGART.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
1913.
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr,
Abonnenten den 'Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Dieser Nummer ist beigefügt ein Prospekt der E. Schweizerbart’schen
Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser. in Stuttgart, betreifend
G. Hoffmaun, Stratigraphie und Ammonitenfauna des Unteren Dogger in
Sehnde bei Hannover.
Inhalt.
Original-Mitteilungen etc. gelte
Erdmannsdörffer. 0. H. : lieber Koenenit von Sarstedt. Mit
1 Textfigur 449
Kittl, Erwin: Beobachtungen an geschmolzenem Bronzit. Mit
1 Textfigur 450
Wich mann, Arth.: Ueber sogen. Pisolithe aus dem Mansfelder
Flözgebirge 457
Beger, P. J.: Lamprophyre im Lausitzer Granitmassiv 457
B e r e k , M. : Zur Messung der Doppelbrechung hauptsächlich mit Hilfe
des Polarisationsmikroskops. Mit 7 Textfiguren. (Schluß.) . . 464
Hoffmann, Guido: Vergleich des unteren Dogger im Schwäbischen
Jura mit dem von Hannover. Mit 1 Textfigur 470
Freudenberg, W. : Elephas primigenius Fraasi Dietrich und die
schwäbische Hochterrasse 475
Huene. Friedrich von: Ad notam 480
An die Herren Mitarbeiter.
Hierdurch bitten wir, die für das Neue Jahrbuch bezw.
Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläonto-
logie bestimmten Abhandlungen , Referate und Original-
mitteilungen etc. aus den Gebieten:
1. Kristallographie, Mineralphysik, Mineralchemie, Ein-
zelne Mineralien, Vorkommen von Mineralien,
Meteoriten an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Max Bauer,
Marburg a. L. (Hessen-Nassau);
2. Allgemeine Geologie, Dynamische Geologie, Experi-
mentelle Geologie, Radioaktivität, Gesteinsbildende
Mineralien, Petrographie, Lagerstätten nutzbarer
Mineralien an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Th. Liebisch,
Berlin N. 4, Invalidenstr. 43;
3. Geologische Karten, Topographische Geologie,
Stratigraphie, Paläontologie an Herrn Prof. Dr.
Fr. Frech in Breslau I, Schuhbrücke 38 gelangen
lassen zu wollen.
Um den Herren Redakteuren das Durchgehen der Manu-
skripte zu erleichtern und um Korrekturkosten tunlichst zu
vermeiden, bitten wir die Beiträge in gut leserlicher Beschaffen-
heit — Maschinenschrift würde besonders dankbar begrüßt —
einzusenden.
jyjgT“ Korrekturkosten, die das übliche Maß über-
schreiten, sind wir leider genötigt, den Herrn Verfassern
in Anrechnung zu bringen.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser :: Stuttgart.
15. August 1913.
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
herausgegebeu vou
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
in Marburg. in Breslau. in Berlin.
1913. No. 16.
STUTTGART.
E. Schweizerbart’sclie Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr,
Abonnenten den Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Hell«
Inhalt.
Original-Mitteilungen etc.
Osann, A. : Petrochemische Untersuchungen. I. Teil. Mit 4 Text-
figuren 481
Doss, Bruno: Das Vorkommen von freiem Schwefel in Sapropelen 490
T u 6 a n , Fr an: Bauxit in neuem Licht 495
Hoel, Adolf: Notiz zu K. Schneides: „Die vulkanischen Erschei-
nungen der Erde“ 498
Deecke , W. : Paläontologische Betrachtungen. III. Ueber Echinoiden.
(Schluß folgt.) 498
Horn, Max: Vorläufige Mitteilung über den ladinischen Knollenkalk-
komplex der Südalpen 508
Besprechungen.
Sigmund, Alois: Die mineralogische Abteilung 512
Personalia 512
An die Herren Mitarbeiter.
Hierdurch bitten wir, die für das Neue Jahrbuch bezw.
Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläonto-
logie bestimmten Abhandlungen , Referate und Original-
mitteilungen etc. aus den Gebieten:
1. Kristallographie, Mineralphysik, Mineralchemie, Ein-
zelne Mineralien, Vorkommen von Mineralien,
Meteoriten an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Max Bauer,
Marburg a. L. (Hessen-Nassau) ;
2. Allgemeine Geologie, Dynamische Geologie, Experi-
mentelle Geologie, Radioaktivität, Gesteinsbildende
Mineralien, Petrographie, Lagerstätten nutzbarer
Mineralien an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Th. Liebisch,
Berlin N. 4, Invalidenstr. 43;
3. Geologische Karten, Topographische Geologie,
Stratigraphie, Paläontologie an Herrn Prof. Dr.
Fr. Frech in Breslau I, Schuhbrücke 38 gelangen
lassen zu wollen.
Um den Herren Redakteuren das Durchgehen der Manu-
skripte zu erleichtern und um Korrekturkosten tunlichst zu
vermeiden, bitten wir die Beiträge in gut leserlicher Beschaffen-
heit — Maschinenschrift würde besonders dankbar begrüßt —
einzusenden.
HP” Korrekturkosten, die das übliche Maß über-
schreiten, sind wir leider genötigt, den Herrn Verfassern
in Anrechnung zu bringen.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser :: Stuttgart.
Voigt & Hochgesang * Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt 11 k. 1.10 Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne 0,02 mm.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30—1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
X0f~ Neu erschienen: ~^3
Sammlung von 124 Dünnschliffen gesteinsbildender
Mineralien,
zusammengestellt von Geheimrat Prof. Dr. F. Pinne, Leipzig.
Preis 200 Mark.
Diese Sammlung ist sehr übersichtlich geordnet und enthält
manche Neuerungen, so besonders Salze.
Verzeichnis auf Wunsch. -■ -
Anfertigung von Mikrophotographien
im einfachen n. polarisiertem Licht in jeder Vergrößerung.
Zu unseren Aufnahmen verwenden wir nur Objektive erster Firmen,
wir liefern daher vollkommen einwandsfreie erstklassige Bilder.
■ ===== Preise gering. =
Aufnahmen von Naturobjekten
in natiirl. Größe oder in jeder Vergrößerung.
Anfertigung von Diapositiven
in jeder Größe.
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. 6. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ausschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die darzu stellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was man in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
fläche des Reliefs. Die Seitenprofile geben an, wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgeführt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagerung-Diskordanz; 51X16X17 cm hei
aufliegender Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible-Kette
im Schweizer Jura, nach Steinmann) ; 51X16X23 cm bei auf-
liegender Kappe.
„ 3. Kofferfalte (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach Gerth);
51 X 16 X 25 cm bei aufliegender Kappe.
„ 4. Gewölbeeinbruch-Verwerfung (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann); 51X16X24 bei aufliegender Kappe.
„ 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann); 51X16X20 cm bei auf liegender Kappe.
„ 6. Überschobene Antiklinale mit ausgequetschtem Mittel-
schenkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann) ; 51 X 26 X 22 cm bei aufliegender Kappe.
„ 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeon); 61X33X18 cm bei auf liegender Kappe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nach Quereau) ; 61X33X23 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1 — 6 je c^45. — , 7 — 9 je 80. — . Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = JC 450. — . Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben.
— — Dünnschliffe
von eingesandtem Material werden sorgfältig und pünktlich hergestellt
bis zur üblichen Dünne von 0,02 mm und darunter zum durchschnitt-
lichen Preise von Jl 1.10 für den Schliff.
DR F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833. Bonn a. Rhein. Gegr. 1833.
Verlag der E. Schwelzerbart’schen Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
Stuttgart, Johannesstr. 3.
*>ruek voa C. Grüninger, K. Hofbuohdruckerei Zu Gutenberg (Klett & Hartmann), Stuttgart
Voigt & Hochgesang * Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10 Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne o,02 mm.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Px-eisen.
T0F~ Neu erschienen:
Sammlung von 124 Dünnschliffen gesteinsbildender
Mineralien,
zusammengestellt von Geheimrat Prof. Dr. F. Rinne, Leipzig.
Preis 200 Mark.
Diese Sammlung ist sehr übersichtlich geoi’dnet und enthält
manche Neuerungen, so besondex*s Salze.
: Verzeichnis auf Wunsch, : ■:
Anfertigung von Mikrophotographien
•iin einfachen u. polarisiertem Licht in jeder Vergrößerung.
Zu unseren Aufnahmen verwenden wir nur Objektive erster Firmen,
wir liefern daher vollkommen einwandsfreie erstklassige Bilder.
===== Preise gering. =
Aufnahmen von Naturobjekten
in natürl. Größe oder in jeder Vergrößerung.
Anfertigung von Diapositiven
in jeder Größe.
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. G. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ausschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die darzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was man in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
fläche des Reliefs Die Seitenprofile geben an , wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgeführt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagerung-Diskordanz; 51X16X17 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible-Kette
im Schweizer Jura, nach Steinmann); 51X16X23 cm bei auf-
liegender Kappe.
„ 3. Kofferfalte (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach Gerth);
51 X 16 X 25 cm bei aufliegender Kappe.
„ 4. Gcwölbeeinbruch-Verwerfung (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann) ; 51 X 16 X 24 bei aufliegender Kappe.
„ 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann) ; 51X16X20 cm bei auf liegender Kappe.
„ 6. Überscliobene Antiklinale mit ausgequetschtein Mittel-
schenkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann) ; 51 X 26 X 22 cm bei aufliegender Kappe.
„ 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeon); 61X33X18 cm bei aufliegender Kappe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nach Querean); 61X33X23 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1 — 6 je JC 45. — , 7 — 9 je Jl 80. — . Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = Ji 450.—. Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben.
— Dünnschliffe
von eingesandtem Material werden sorgfältig und pünktlich hergestellt
bis zur üblichen Dünne von 0,02 mm und darunter zum durchschnitt-
lichen Preise von M 1.10 für den. Schliff.
Da F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833 Bonn a. Rhein. Gegr. 1833.
Verlag der E. 8ohweizerbart'sohen Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
Stuttgart. Johannesstr. 3.
Druck von C. Ornntnger, K. Hofbuohdruokeret Zu Gutenberg (Elett ä Hirtmann). Stuttgart
Voigt & Hochgesang « Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10 Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne 0,02 mm.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
„Kolloiith“
Neues Kitt- und Präpariermittel für mikro-
skopische Präparate.
■ -■ ■ Ersatz für Kanadabalsam. ■■
Kolloiith hart, Kollolith-Xylollösung,
Kollolith-Chloroformlösung.
Preis pro Tube Mk. 1,25.
Brechungsexponent 1,5354 für Na-Licht bis 18° C.
Kolloiith ist bei Zimmertemperatur schleifhart und ändert selbst
nach wiederholtem Umschmelzen weder seinen Brechungs-
exponenten noch seine Härte.
--- :-■■■■■=■ Prospekte kostenlos!
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. G. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ausschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die darzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was inan in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
fläche des Reliefs Die Seitenprofile geben an, wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgeführt werden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagerung-Diskordanz ; 51X16X17 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible-Kette
im Schweizer Jura, nach Steinmann); 51 X 16 X 23 cm bei auf-
liegender Kappe.
„ 3. Kofferfalte (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach Gerth);
51X16X25 cm bei aufliegender Kappe.
„ 4. Gewölbeeinbrucli-Verwerfnng (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann); 51X16X24 bei aufliegender Kappe.
„ 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann); 51 X 16X20 cm bei auf liegender Kappe.
„ 6. Überschobene Antiklinale mit ausgequoi sclitein Mittel-
schenkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann) ; 51 X 26 X 22 cm bei aufliegender Kappe.
„ 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeon); 61X33X18 cm bei auf liegender Kappe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nachQnere.au); 61X 33X23 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1 — 6 je Jt 45. — , 7 — 9 je Jt 80.—. Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung — JC 450. — . Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben
-- Dünnschliffe
von eingesandtem Material werden sorgfältig und pünktlich hergestellt
bis zur üblichen Dünne von 0,02 mm und darunter zum durchschnitt-
lichen Preise von <4(. 1.10 für den Schliff.
Da F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833. BOIH! SL. Rheill. Gegr. 1833.
Verlag der E. Schweizerbart'soben Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
Stuttgart, Johannesstr. 3.
Bruck von 0. Griininger. K. Bofbnehdruokeret Zu Gutenberg iKIett X Hartmanm. Stuttgart.
Voigt & Hochgesang « Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10 Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne 0,02 mm.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
„Kollolith“
Neues Kitt- und Präpariermittel für mikro-
skopische Präparate.
===== Ersatz für Kanadabalsam. =
Kollolith hart, Kollolith-Xylollösung,
Kollolith-Chloroformlösung.
Preis pro Tube Mk. 1,25.
Brechungsexponent 1,5354 für Na-Licht bis 18° C.
Kollolith ist bei Zimmertemperatur schleifhart und ändert selbst
nach wiederholtem Umschmelzen weder seinen Brechungs-
exponenten noch seine Härte.
=■-■ Prospekte kostenlos! =====
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. 6. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ausschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die darzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was man in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
fläche des Reliefs. Die Seitenprofile geben an, wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgeführt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagerung-Diskordanz; 51X16X17 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible-Kette
im Schweizer Jura, nach Steinmann); 51 X 16 X 23 cm bei auf-
liegender Kappe.
„ 3. Kofferfalte (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach Gerth);
51 X 16 X 25 cm bei aufliegender Kappe.
„ 4. Gewölbeeinbrucli-Verwerfung (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann) ; 51 X 16 X 24 bei aufliegender Kappe.
„ 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann); 51X16X20 cm bei aufliegender Kappe.
„ 6. Überschobene Antiklinale mit ausgequetschtem Mittel-
schenkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann) ; 51 X 26 X 22 cm bei aufliegender Kappe.
n 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeon): 61X33X18 cm bei auf liegender Kappe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nach Quereau) ; 61X33X23 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1 — 6 je 'Ji 45. — , 7 — 9 je Jt 80. — . Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = JC 450. — . Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben.
■ — Dünnschliffe -
von eingesandtem Material werden sorgfältig und pünktlich hergestellt
bis zur üblichen Dünne von 0,02 mm und darunter zum durchschnitt-
lichen Preise von 1.10 für den Schliff. :
D5 F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833. BOIHl a. Rheill. Gegr. 1833.
Verlag der E. Sohwelzerbart’sohen Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
Stuttgart, Johannesstr. 3.
Druck von C. Grüninger, K. Hofbuohdruoherai Zu Gutenberg* fKlett a Hartmann). Stuttgart
1. September 1913.
Centralblatt
• * - . *. t
für
Mineralogie, Geologie and Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
herausgegebeu von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
in Marburg. in Breslan. in Berlin.
1913. No. 17.
STUTTGART.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
1913.
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Inhalt.
Original-Mitteilangen etc. gette
Leitmeier, H. : Bemerkungen über die Unterschiede in den Angaben
von Schmelzpunkten der Silikate 513
Westphal, Otto: Beitrag zur Kenntnis der optischen Verhältnisse
des Periklas. Mit 1 Textfigur 516
Wherry, Edgar T. : Zur Nomenklatur der Mineralvarietäten und
Kolloidmineralien 518
Koenigsberger, Joh. : Antwort auf die Bemerkungen der Herren
V. M. Goldschmidt, J. Rekstad, Th. Vogt 520
D eecke , W. : Paläontologische Betrachtungen. III. Ueber Echinoiden.
(Schluß.) 526
Renz, Carl und Fritz Frech: Beiträge zur Geologie von Hellas
und der angrenzenden Gebiete. 22. Carl Renz: Geologische
Untersuchungen in Epirus • 534
Wagner, Georg: Beiträge zur Kenntnis des oberen Hauptmuschel-
kalks in Elsaß-Lothringen. Mit einer Kartenskizze. (Schluß
folgt.) 551
Nene Instrumente und Beobachtnngsmethoden.
Leiss, C. : Mineralogisches Demonstrationsmikroskop mit Tischrevolver.
Mit 2 Textfiguren 558
An die Herren Mitarbeiter.
Hierdurch bitten wir, die für das Neue Jahrbuch bezw.
Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläonto-
logie bestimmten Abhandlungen , Referate und Original-
mitteilungen etc. aus den Gebieten:
1. Kristallographie, Mineralphysik, Mineralchemie, Ein-
zelne Mineralien, Vorkommen von Mineralien,
Meteoriten an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Max Bauer,
Marburg a. L. (Hessen-Nassau);
2. Allgemeine Geologie, Dynamische Geologie, Experi-
mentelle Geologie, Radioaktivität, Gesteinsbildende
Mineralien, Petrographie, Lagerstätten nutzbarer
Mineralien an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Th. Liebisch,
Berlin N. 4, Invalidenstr. 43 ;
3. Geologische Karten, Topographische Geologie,
Stratigraphie, Paläontologie an Herrn Prof. Dr.
Fr. Frech in Breslau I, Schuhbrücke 38 gelangen
lassen zu wollen.
Um den Herren Redakteuren das Durchgehen der Manu-
skripte zu erleichtern und um Korrekturkosten tunlichst zu
vermeiden, bitten wir die Beiträge in gut leserlicher Beschaffen-
heit — Maschinenschrift würde besonders dankbar begrüßt —
einzusenden.
X0T- Korrekturkosten, die das übliche Maß über-
schreiten, sind wir leider genötigt, den Herrn Verfassern
in Anrechnung zu bringen.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser :: Stuttgart.
15. September 1913.
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie and Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
herausgegeben von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
ln Marburg. in Breslan. in Berlin.
1913. No. 18.
STUTTGART.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
1913.
L J
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Seit«
Inhalt.
Original -Mitteilungen etc.
Meyer, Erich: Die Diskordanz diluvialer Ablagerungen im Sam-
laud und im Fläming 561
Schwarz, M. v. : Zwei neue Modelle der Dichtebestimmungswage.
Mit 1 Textfigur 565
Br on AVer, H. A. : Neue Funde von Gesteinen der Alkalireihe auf
Timor 570
Sch wie t ring, Fr.: Bemerkungen zu den Untersuchungen von
C. Viola über die Totalreflexion des Lichtes an einem Kristall 577
Berek, M. : Berichtigung und Nachtrag zu meiner Mitteilung „Zur
Messung der Doppelbrechung usw.“ 580
Arrhenius, Svante: Widerlegung der physikalischen Einwände
gegen die Kohlensäuretheorie 582
Wagner, Georg: Beiträge zur Kenntnis des oberen Hauptmuschel-
kalks in Elsaß-Lotkriugen. Mit einer Kartenskizze. (Schluß.) 584
Versammlungen und Sitzungsberichte 590
Besprechungen.
Rinne, F. : Allgemeine Kristallographie und Mineralogie 591
Linck, Gottlob: Grundriß der Kristallographie für Studierende
und zum Selbstunterricht 592
Abderhalden, Emil: Fortschritte der naturwissenschaftlichen
Forschung 592
Personalia 592
E.Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
in Stuttgart.
Vor kurzem gelangte zum Abschluß:
Die diluviale Vorzeit Deutschlands
Unter Mitwirkung von E. Koken und A. Schliz, herausgegeben
von R. R. Schmidt.
I. Archäologischer Teil von R. R. Schmidt.
Die diluvialen Kulturen Deutschlands.
II. Geologischer Teil von Ernst Koken.
Die Geologie und Tierwelt der paläolithischen Kultur-
stätten Deutschlands.
III. Anthropologischer Teil von A. Schliz.
Die diluvialen Menschenreste Deutschlands.
IV. Chronologische Zusammenfassung.
gr. 4°. 805 S. mit 47 Tafeln, mehreren Tabellen und vielen Textfiguren.
Preis in steifem Umschlag Mk. 100. — , in künstlerischem
Einband Mk. 108. — .
,Ein für die Erforschung der Kulturanfänge in Deutschland
hochbedeutsames, unentbehrliches Werk.
1. Oktober 1913.
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
lierausgegeben vou
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
ln Marburg. in Breslau. in Berlin.
1913. No. 19.
STUTTGART.
E. Sch weizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
1913.
Ly\ /vJ
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten des Neuen .Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Seite
Inhalt.
Original-Mitteilungen etc.
Backlund, Helge: Ueber chemische Veränderungen in mechanisch
deformierten Gesteinen. (Schluß folgt.) 593
Lazarevic, M.: Nochmals „Zu Tücan's Bauxitfrage“ 600
Doss, Bruno: Ueber die Herkunft des Naturgases auf der Insel
Kokskär im Finnischen Meerbusen nebst Bemerkungen über
die Entstehung der Insel 601
Heritsch, Franz: Zur Geologie des Jesenkoberges (Westlicher
Bacher) • 610
— Die zeitliche Trennung der Deckenschübe in den Ostalpen . . 614
Spengler, E. : Der angebliche Hauptdolomit bei Gösau 616
Huene, Friedrich von: Ueber die reptilführenden Sandsteine
bei Eigin in Schottland 617
Besprechungen.
Hogers, Austin F. : Introduction to the Study of Minerals . . . 624
An die Herren Mitarbeiter.
Hierdurch bitten wir, die für das Neue Jahrbuch bezw.
Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläonto-
logie bestimmten Abhandlungen , Referate und Original-
mitteilungen etc. aus den Gebieten:
1. Kristallographie, Mineralphysik, Mineralchemie, Ein-
zelne Mineralien, Vorkommen von Mineralien,
Meteoriten an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Max Bauer,
Marburg a. L. (Hessen-Nassau);
2. Allgemeine Geologie, Dynamische Geologie, Experi-
mentelle Geologie, Radioaktivität, Gesteinsbildende
Mineralien, Petrographie, Lagerstätten nutzbarer
Mineralien an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Th. Liebisch,
Berlin N. 4, Invalidenstr. 43;
3. Geologische Karten, Topographische Geologie,
Stratigraphie, Paläontologie an Herrn Prof. Dr.
Fr. Frech in Breslau I, Schuhbrücke 38 gelangen
lassen zu wollen.
Um den Herren Redakteuren das Durchgehen der Manu-
skripte zu erleichtern und um Korrekturkosten tunlichst zu
vermeiden, bitten wir die Beiträge in gut leserlicher Beschaffen-
heit — Maschinenschrift würde besonders dankbar begrüßt —
einzusenden.
Korrekturkosten, die das übliche Maß über-
schreiten, sind wir leider genötigt, den Herrn Verfassern
in Anrechnung zu bringen.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser :: Stuttgart.
15. Oktober 1913.
■vn
4
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie und Paläojitologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
herausgegeben von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
in Marburg. in Breslau. in Berlin.
1913. No. 20.
STUTTGART.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
1913.
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten des Reuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Dieser Nummer ist beigefügt je ein Prospekt der E. Schweizerbart’schen
Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser, in Stuttgart, betreffend
Brauhäuser, Die Bodenschätze Württembergs und Knebel-Heck, Island.
Inhalt.
Original-Mitteilungen etc. s
Busz, K. und F. W. Rüsberg: Mineralogisch-chemische Unter-
suchungen an Olivin- und Melilithkristallen in Hochofen-
schlacken 625
Backlund, Helge: Ueber chemische Veränderungen in mechanisch
deformierten Gesteinen. (Schluß.) 634
Koenigsberger, J. : Notiz über kristalline Schiefer in Spanien . 642
F r e u d e n b e r g , W. : Elephas primigenius Fraasi Dietrich und die
schwäbische Hochterrasse. (Schluß.) 646
Leidhold, CI.: Ueber ein Vorkommen von Fossilien in den Huns-
rückschiefern der Gegend nördlich von Oberstein 652
Besprechungen.
Duparc, Louis et AlfredMou nie r: Traite de teclmique minera-
logique et petrographique 656
An die Herren Mitarbeiter.
Hierdurch bitten wir, die für das Neue Jahrbuch bezw.
Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläonto-
logie bestimmten Abhandlungen, Referate und Original-
mitteilungen etc. aus den Gebieten:
1. Kristallographie, Mineralphysik, Mineralchemie, Ein-
zelne Mineralien, Vorkommen von Mineralien,
Meteoriten an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Max Bauer,
Marburg a. L. (Hessen-Nassau);
2. Allgemeine Geologie, Dynamische Geologie, Experi-
mentelle Geologie, Radioaktivität, Gesteinsbildende
Mineralien, Petrographie, Lagerstätten nutzbarer
Mineralien an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Th. Liebisch,
Berlin N. 4, Invalidenstr. 43;
3. Geologische Karten, Topographische Geologie,
Stratigraphie, Paläontologie an Herrn Prof. Dr.
Fr. Frech in Breslau I, Schuhbrücke 38 gelangen
lassen zu wollen.
Um den Herren Redakteuren das Durchgehen der Manu-
skripte zu erleichtern und um Korrekturkosten tunlichst zu
vermeiden, bitten wir die Beiträge in gut leserlicher Beschaffen-
heit — Maschinenschrift würde besonders dankbar begrüßt —
einzusenden.
fffgT“ Korrekturkosten, die das übliche Maß über-
schreiten, sind wir leider genötigt, den Herrn Verfassern
in Anrechnung zu bringen.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser :: Stuttgart.
Voigt & Hochgesang * Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10 Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne 0,02 mm.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
„Kollolith“
Neues Kitt- und Präpariermittel für mikro-
skopische Präparate.
===== Ersatz für Kanadabalsam. =
Kollolith hart, Kollolith-Xylollösung,
Kollolith-Chloroformlösung.
Preis pro Tube Mk. 1,25.
Brechungsexponent 1,5354 für Na-Licht bis 18° C.
Kollolith ist bei Zimmertemperatur schleifhart und ändert selbst
nach wiederholtem Umschmelzen weder seinen Brechungs-
exponenten noch seine Härte.
■■■ Prospekte kostenlos! —
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. G. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ausschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die darzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was man in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
fläche des Reliefs. Die Seitenprofile geben an, wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgeführt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im nichtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagerung-Diskordanz; 51X16X17 cm bei
auf liegen der Kappe.
T 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible- Kette
im Schweizer Jura, nach Steinmann); 51X16X23 cm bei auf-
liegender Kappe.
„ 3. Kofferfalte (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach Gerth);
51 X 16 X 25 cm bei aufliegender Kappe.
„ 4. Gewölbeeinbrnch-Verwerfnng (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann) ; 51 X 16 X 24 bei aufliegender Kappe.
„ 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann); 51X16X20 cm bei auf liegender Kappe.
„ 6. Überschobene Antiklinale mit ausgequetsckteni Mittel-
sclienkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann); 51X26X22 cm bei aufliegender Kappe.
„ 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeon); 61X33X18 cm bei auf liegender Kappe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nach Quereau) ; 61X33X23 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1 — 6 je Jl 45. — , 7 — 9 je Jl 80. — . Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = Jl 450. — . Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben.
■ ■ — = Dünnschliffe •' —
von eingesandtem Material werden sorgfältig und pünktlich hergestellt
bis zur üblichen Dünne von 0,02 mm und darunter zum durchschnitt-
lichen Preise von 1.10 für den Schliff.
F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833. Bonn a. Rhein. Gegr. 1833.
Verlag der E. Sehwelzerbart’sohen Verlagsbuchhandlung, Nägele &. Dr. Sproesser,
Stuttgart, Johannesstr. 3.
Druck Ton C. Grüninger, K. Hofbnohdruokerei Zu Gutenberg (Klett fc Hartmann). Stuttgart
Voigt & Hochgesang * Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10. Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne 0,02 mm.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
„Kollolith“
Neues Kitt- und Präpariermittel für mikro-
skopische Präparate.
===== Ersatz für Kanadabalsam. =====
Kollolith hart, Kollolith-Xylollösung,
Kollolith-Chloroformlösung.
Preis pro Tube Mk. 1,25.
Brechungsexponent 1,5354 für Na-Licht bis 18° C.
Kollolith ist bei Zimmertemperatur schleifhart und ändert selbst
nach wiederholtem Umschmelzen weder seinen Brechungs-
exponenten noch seine Härte.
■■ ■ Prospekte kostenlos! -
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. 6. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ausschnitt dar aus einem Gebiet, ivo
die darzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was man in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
fläche des Reliefs. Die Seitenprofile geben an, wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgeführt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagerung-Diskordanz; 51X16X17 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible-Kette
im Schweizer Jura, nach Steinmann); 51X16X23 cm bei auf-
liegender Kappe.
„ 3. KofTerfalte (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach Gerth);
51 X 16 X 25 cm bei aufliegender Kappe.
„ 4. Gewölbeeinbruch-Verwerfung (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann) ; 51 X 16 X 24 bei aufliegender Kappe.
„ 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrihle-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann); 51X16X20 cm bei auf liegender Kappe.
„ 6. Überscliobene Antiklinale mit ausgequetschtem Mittel-
schenkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann) ; 51 X 26 X 22 cm bei aufliegender Kappe.
„ 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeon); 61X33X18 cm bei auf liegender Kappe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nach Quereau) ; 61X33X23 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1 — 6 je JC 45.—, 7 — 9 je <./ft 80. — . Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = JC 450. — . Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben.
■ — : Dünnschliffe :
von eingesandtem Material werden sorgfältig und pünktlich hergestellt
bis zur üblichen Dünne von 0,02 mm und darunter zum durchschnitt-
lichen Preise von <M 1.10 für den Schliff.
D£ F. KRANTZ
Rheinisehes Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833. Bonn a. Rhein, »w.»
Verlag der E. Schweizerbart’sohen Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
Stuttgart, Johannesstr. 3.
Druck von 0. Qrünlnger, K. Hofbucbdruckerei Zu Guteuberg (Klett & Hartmann), Stuttgarts
Voigt & Hochgesang * Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10. Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Diinne 0,02 mm.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
„Kollolith“
Neues Kitt- und Präpariermittel für mikro-
skopische Präparate.
— . Ersatz für Kanadabalsam. - —
Kollolith hart, Kollolith-Xylollösung,
Kollolith-Chloroformlösung.
Preis pro Tube Mk. 1,25.
Brechungsexponent 1,5354 für Na-Licht bis 18° C.
Kollolith ist bei Zimmertemperatur schleifhart und ändert selbst
nach wiederholtem Umschmelzen weder seinen Brechungs-
exponenten noch seine Härte.
■■ Prospekte kostenlos!
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. 6. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ausschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die davzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was man in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
fläche des Reliefs. Die Seitenprofile geben an, wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgeführt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagerung-Diskordanz; 51X16X17 cm bei
auf liegen der Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible-Kette
im Schweizer Jura, nach Steinmann); 51X16X23 cm bei auf-
liegender Kappe.
„ 3. Kofferfalte (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach Gerth);
51X16X25 cm bei aufliegender Kappe.
„ 4. Gewölbeeiubrnch-Verwerfung. (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann) ; 51 X 16 X 24 bei aufliegender Kappe.
„ 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann); 51X16X20 cm bei auf liegender Kappe.
„ 6. Überschobene Antiklinale mit ansgeqnetscbtem Mittel-
schenkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann) ; 51 X 26 X 22 cm bei auf liegender Kappe.
„ 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeon); 61X33X18 cm bei auf liegender Ka ppe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nach Quereau); 61X33X23 cm bei
aufliegender Kappe.
ff 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1 — 6 je ^45. — , 7 — 9 je J(< 80. — . Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = Ji 450. — . Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben.
■■■■: Dünnschliffe ------
von eingesandtem Material werden sorgfältig und pünktlich hergestellt
bis zur üblichen Dünne von 0,02 mm und darunter zum durchschnitt-
lichen Preise von 1.10 für den Schliff.
Da F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833. Bonn a. Rhein. Gegr. 1833.
Verlag der E. Sohweizerbart’scben Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
Stuttgart, Johanness tr. 8.
Druck Ton 0. Grüninger, K. Hofbuohdruckerel Zu Gutenberg (Elett fc Hartmann), Stuttgart.
Voigt & Hochgesang * Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10. Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne 0,02 mm.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angesessenen Preisen.
„Kollolith“
Neues Kitt- und Präpariermittel für mikro-
skopische Präparate.
Ersatz für Kanadabalsam.
Kollolith hart, Kollolith-Xylollösung,
Kollolith-Chloroformlösung.
Preis pro Tube Mk. 1,25.
Brechungsexponent 1,5354 für Na-Licht bis 18° C.
Kollolith ist bei Zimmertemperatur schleifhart und ändert selbst
nach wiederholtem Umschmelzen weder seinen Brechnngs-
exponenten noch seine Härte.
■ — - Prospekte kostenlos! - -
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. G. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ausschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die darzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was man in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
fläche des Reliefs. Die Seitenprofile geben an, wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgeführt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativen versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagerung-Diskordanz; 51X16XÜ7 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible-Kette
im Schweizer Jura, nach Steinmann); 51X16X23 cm bei auf-
liegender Kappe.
„ 3. Kofferfalte (Weißensteinkette im Schweizer Jura, nach Gerth);
51 X 16 X 25 cm bei aufliegender Kappe.
„ 4. Gewölbeeinbruch-Verwerfung (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann) ; 51 X 16 X 24 bei aufliegender Kappe.
„ 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann) ; 51 X 16 X 20 cm bei auf liegender Kappe.
„ 6. Überschobene Antiklinale mit ansgequetschteni Mittel-
scbenkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann) ; 51 X 26 X 22 cm bei auf liegender Kappe.
„ 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeon); 61X33X18 cm bei aufliegender Kappe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nach Quereau); 61 X 33 X 23 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1—6 je Jt 45.—, 7—9 je Jt 80.—. Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = Jl 450.—. Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben.
== Dünnschliffe ■ ■-
von eingesandtem Material werden sorgfältig und pünktlich hergestellt
bis zur üblichen Dünne von 0,02 mm und darunter zum durchschnitt-
lichen Preise von Jl 1.10 für den Schliff.
Da F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833. BOIHl 3,. Rheill. Gegr. 1833.
Verlag der E. Sohwelzerbart’sohen Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sprcesser,
Stuttgart, Johannesstr. 3.
Druck von 0. Grünlnger, K. Hofbuohdruckerei Zu Gutenberg (Elett Hartmann), Stuttgart.
1. November 1913.
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie and Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
heransgegeben von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
ln Marburg. in Breslau in Berlin.
1913. No. 21.
STUTTGART.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten des Neuen .Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Dieser Nnmmer ist beigefiigt je ein Prospekt der E. Schweizerbart’schen
Verlagsbuchhandlung. Nägele & Dr. Sproesser, in Stuttgart, betreffend
Abel. Paläobiologie der Wirbeltiere.
Inhalt.
Original-Mitteilungen etc. 8elte
Rose, H. : Ueber die kristallographische Orientierung von Muscovit-
spaltungsplatten mit Hilfe der Biegungs- und Aetzfiguren. Mit
2 Textfiguren 657
Schwartz, Friedrich: Ueber das Auftreten des Geruches beim
Reiben von Mineralien 660
Sigmund, Al.: Anatas in den Niederen Tauern 666
Tue an, Fran: Zur Kenntnis des mehligen Siliciumdioxyds von Milna
auf.der Insel Braß in Dalmatien mit besonderer Berücksichtigung
der Bauxitfrage. Mit 3 Textfiguren 668
Geinitz, E. : Zur Verdeutschung des Wortes „Drumlin“ 676
En de 11, K. : Ueber die Entstehung tertiärer Quarzite bei Hersch-
bach im Westerwald 676
Noetling, Fritz: Die Packung losen Sandes 681
Thiel, G. : Ueber das Vorkommen von Kohlensäure in Kohlenflözen 683
Simionescu, J. : Megalosaurus aus der Uuterkreide der Dobrogea
(Rumänien). Mit 1 Textfigur . . 686
Besprechungen.
Doelter, C. : Handbuch der Mineralchemie 688
Weinschenk. E. : Petrographisches Vademecum 688
Personalia -. 688
An die Herren Mitarbeiter.
Hierdurch bitten wir, die für das Neue Jahrbuch bezw.
Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläonto-
logie bestimmten Abhandlungen , Referate und Original-
mitteilungen etc. aus den Gebieten:
1. Kristallographie, Mineralphysik, Mineralchemie, Ein-
zelne Mineralien , Vorkommen von Mineralien,
Meteoriten an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Max Bauer,
Marburg a. L. (Hessen-Nassau);
2. Allgemeine Geologie, Dynamische Geologie, Experi-
mentelle Geologie, Radioaktivität, Gesteinsbildende
Mineralien, Petrographie, Lagerstätten nutzbarer
Mineralien an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Th. Liebisch,
Berlin N. 4, Invalidenstr. 43;
3. Geologische Karten, Topographische Geologie,
Stratigraphie, Paläontologie an Herrn Prof. Dr.
Fr. Frech in Breslau I, Schuhbrücke 38 gelangen
lassen zu wollen.
Um den Herren Redakteuren das Durchgehen der Manu-
skripte zu erleichtern und um Korrekturkosten tunlichst zu
vermeiden, bitten wir die Beiträge in gut leserlicher Beschaffen-
heit — Maschinenschrift würde besonders dankbar begrüßt —
einzusenden.
]ggpr“ Korrekturkosten, die das übliche Maß über-
schreiten, sind wir leider genötigt, den Herrn Verfassern
in Anrechnung zu bringen.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser :: Stuttgart.
15. November 1913.
r i
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie and Paläontologie
in Verbindung mit dem
t
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
herausgegeben von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
in Marburg. In Breslau in Berlin.
1913. No. 22.
STUTTGART.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
1913.
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten den Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Dieser Nummer ist beigefügt ein Prospekt der E. Schweizerbart’schen
Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser, in Stuttgart, betreffend
Zittel-Pompeckj, Paläontologische Wandtafeln.
Inhalt.
Original-Mitteilungen etc. s lte
Rüsberg, F. W. : Ueber Augit und Wollastonit in Hochofenschlacken 689
Andree, K. : Reine Translation oder abnorme Knickung beim Stein-
salz? 696
Naumann, M. : Knickung der Würfelfläche bei Steinsalz als eine
Folge „reiner“ Translation. Mit 1 Textfigur 698
Gans, R. : Ueber die chemische oder physikalische Natur der kolloidalen
wasserhaltigen Tonerdesilikate. (Schluß folgt.) 699
Born, Axel: Ueber neuere Gliederungsversuche im estländischen
höheren Untersilur 712
Miscellanea • 720
Personalia 720
An die Herren Mitarbeiter. .
Hierdurch bitten wir, die für das Neue Jahrbuch bezw.
Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläonto-
logie bestimmten Abhandlungen , Referate und Original-
mitteilungen etc. aus den Gebieten:
1. Kristallographie, Mineralphysik, Mineralchemie, Ein-
zelne Mineralien, Vorkommen von Mineralien,
Meteoriten an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Max Bauer,
Marburg a. L. (Hessen-Nassau);
2. Allgemeine Geologie, Dynamische Geologie, Experi-
mentelle Geologie, Radioaktivität, Gesteinsbildende
Mineralien, Petrographie, Lagerstätten nutzbarer
Mineralien an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Th. Liebisch,
Berlin N. 4, Invalidenstr. 43;
3. Geologische Karten, Topographische Geologie,
Stratigraphie, Paläontologie an Herrn Prof. Dr.
Fr. Frech in Breslau I, Schuhbrücke 38 gelangen
lassen zu wollen.
Um den Herren Redakteuren das Durchgehen der Manu-
skripte zu erleichtern und um Korrekturkosten tunlichst zu
vermeiden, bitten wir die Beiträge in gut leserlicher Beschaffen-
heit — Maschinenschrift würde besonders dankbar begrüßt —
einzusenden.
JB ^ST“ Korrekturkosten, die das übliche Maß über-
schreiten, sind wir leider genötigt, den Herrn Verfassern
in Anrechnung zu bringen.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser :: Stuttgart.
1. Dezember 1913.
1
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie and Paläontologie '
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
beransgegelien von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
ln Marbnrg. in Breslau ln Berlin.
1913. No. 23.
STUTTGART.
E. Sch weizerbar t’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser
1913
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Dieser Nummer ist beigefügt ein Prospekt der E. Schweizerbart'schen
Verlagsbuchhandlung. Nägele & Dr. Sproesser. in Stuttgart, betreffend
Rosenbusch, Mikroskop. Physiographie der Mineralien n. Gesteine.
Inhalt.
Original-Mitteilungen etc.
Slavik, F. : Adolf Hofmann f 721
Mitteilungen aus dem Mineralogischen Institut der Universität Bonn.
20. P. Michael Hopmann: Einige Bemerkungen über die
Einschlüsse im Leucit-Tuff der Kappiger-Ley 722
Gans, R. : Ueber die chemische oder physikalische Natur der kolloidalen
wasserhaltigen Tonerdesilikate. (Schluß.) 728
Mey er, Hermann L. F. : Ueber den Zechstein im Spessart und
Odenwald. Mit einer Kartenskizze 742
Löffler, Richard: Ergänzende Beiträge zur Kenntnis des Grund-
gebirges im Ries
Personalia 752 '
An die Herren Mitarbeiter.
Hierdurch bitten wir, die für das Neue Jahrbuch bezw.
Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläonto-
logie bestimmten Abhandlungen , Referate und Original-
mitteilungen etc. aus den Gebieten:
1. Kristallographie, Mineralphysik, Mineralchemie, Ein-
zelne Mineralien , Vorkommen von Mineralien,
Meteoriten an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Max Bauer,
Marburg a. L. (Hessen-Nassau);
2. Allgemeine Geologie, Dynamische Geologie, Experi-
mentelle Geologie, Radioaktivität, Gesteinsbildende
Mineralien, Petrographie, Lagerstätten nutzbarer
Mineralien an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Th. Liebisch,
Berlin N. 4, Invalidenstr. 43;
3. Geologische Karten, Topographische Geologie,
Stratigraphie, Paläontologie an Herrn Prof. Dr.
Fr. Frech in Breslau I, Schuhbrücke 38 gelangen
lassen zu wollen.
Um den Herren Redakteuren das Durchgehen der Manu-
skripte zu erleichtern und um Korrekturkosten tunlichst zu
vermeiden, bitten wir die Beiträge in gut leserlicher Beschaffen-
heit — Maschinenschrift würde besonders dankbar begrüßt —
einzusenden.
Korrekturkosten, die das übliche Maß über-
schreiten, sind wir leider genötigt, den Herrn Verfassern
in Anrechnung zu bringen.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser :: Stuttgart.
15. Dezember 1913.
Centralblatt
für
Mineralogie, Geologie und Paläontologie
in Verbindung mit dem
Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
heransgegeben von
M. Bauer, Fr. Frech, Th. Liebisch
in Marburg. in Breslau ln Berlin.
1913. No. 24.
STUTTGART.
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung
Nägele & Dr. Sproesser.
1913.
Monatlich 2 Nummern. Preis für Nichtabonnenten des Neuen Jahrbuchs 15 Mk. pro Jahr.
Abonnenten des Neuen Jahrbuchs erhalten das Centralblatt unberechnet.
Dieser Nummer ist beigefügt ein Verzeichnis der £. Selnveizerbart'schen
/erlagslmchhandlung , Nägele & Dr. Sproesser, in Stuttgart, betreffend
.Geologica”.
Helte
Inhalt.
Original -Mitteilungen etc.
Yolz, W. : Oberer Jura in West-Sumatra. Mit 5 Textfiguren . . 753
Be «teil. A. : Die Zersetzung des Hauerits an der Luft und die
dadurch hervorgerufene Einwirkung auf Silber und Kupfer.
Mit 3 Textfiguren 758
Michel, H. : Ulausscheidungen und Einschlüsse im Sodalithsyenit
von der Hradlischka westlich Grosspriesen a. d. Elbe .... 767
Tucan, Frau: Zu Wherry’s Nomenklatur 768
Tue an, Fr an: Wieder ..Zu Tccan’s Bauxitfrage“ 768
Kayser, E. : Ueber die ARKHENius'sche Theorie der Eiszeiten . . 769
Weber, Maximilian: Beispiele von Primärschieferung innerhalb
der böhmischen Masse. Mit 2 Textfiguren 772
Besprechungen.
Doelter . C. : Handbuch der Mineralchemie 784
Personalia 784
An der Technischen Hochschule in Delft (Holland) ist
die Stelle eines
Konservators
der mineralogischen, geologischen und paläonto-
logischen Sammlungen vakant. Gehalt fl. 2500. — .
Briefe an Professor Dr. H. G. Jonker in Delft.
Chemisches Laboratorium
von
Professor Dr. M. Dittrich.
Heidelberg- Brunnengasse 14
Mineral-, Erz- und Gesteiusuntersuclmngen. — Quell- und
Mineralwasseranalysen. — Untersuchungen auf Radioaktivität.
— Chemische Praktica, unter besonderer Berücksichtigung
der Mineralogen und Geologen, auch in den Universitätsferien.
Prospekte auf Verlangen.
Voigt & Hochgesang # Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10. Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufsclilag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne 0,02 mm.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
„Kollolith“
Neues Kitt- und Präpariermittel für mikro-
skopische Präparate.
— Ersatz für Kanadabalsam. ■
Kollolith hart, Kollolith-Xylollösung,
Kollolith-Chloroformlösung.
Preis pro Tube Mk. 1,25.
Brechungsexponent 1,5354 für Na-Licht bis 18° C.
Kollolith ist bei Zimmertemperatur schleifhart und ändert selbst
nach wiederholtem Umschmelzen weder seinen Brechungs-
exponenten noch seine Härte.
■ - ■ - Prospekte kostenlos! — -
Neun Modelle
für den geologischen Unterricht nach
Prof. Dr. 6. Steinmanns „Geologische
Probleme des Alpengebirges“
konstruiert von Dr. K. Stamm.
Jedes Modell stellt einen Ausschnitt dar aus einem Gebiet, wo
die darzustellende Phase der Gebirgsbildung besonders gut entwickelt
ist. Was man in der Natur direkt beobachten kann, ist die Ober-
fläche des Reliefs. Die Seitenprofile geben an , wie man sich die
Fortsetzung der Schichten unterirdisch denken muß, und die abnehm-
bare Kappe repräsentiert jene Teile, die nach der Auffaltung des
Gebirges durch Erosion usw. fortgeführt worden sind.
Die Modelle sind mit Stativeu versehen, die es ermöglichen,
die beiden Teile übereinander im richtigen Zusammenhang auf-
zustellen.
No. 1. Horizontale Lagerung-Diskordanz; 51X16X117 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 2. Einfache Antiklinale und Synklinale (Mt. Terrible-Kette
im Schweizer Jura, nach Steinmann) ; 51X16X23 cm bei auf-
liegender Kappe.
„ 3. Kofferfalte (Weißenstein kette im Schweizer Jura, nach Gerth);
51 X 16 X 25 cm bei aufliegender Kappe.
„ 4. Gewölbeeinbrnch-Verwerfung (Val de Travers im Schweizer
Jura, nach Steinmann); 61X16X24 bei aufliegender Kappe.
„ 5. Liegende Antiklinale (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura,
nach Steinmann); 51X16X20 cm bei auf liegender Kappe.
„ 6. Überschobene Antiklinale mit aiisgequetscbtem Mittel-
schenkel (Mt. Terrible-Kette im Schweizer Jura, nach Stein-
mann) ; 51 X 26 X 22 cm bei aufliegender Kappe.
„ 7. Schema zweier übereinander liegender Decken (nach
Lugeon); 61X33X18 cm bei auf liegender Kappe.
„ 8. Klippen (Iberger Klippen nach Quereau); 61X 33X23 cm bei
aufliegender Kappe.
„ 9. Fenster (Unterengadin, nach Paulcke); 61X33X17 bei auf-
liegender Kappe.
No. 1 — 6 je Jt 45. — , 7 — 9 je J(, 80. — . Die vollständige Samm-
lung von 9 Modellen nach vorstehender Aufstellung = Jl 450. — . Eine
ausführliche Beschreibung wird jeder Sammlung beigegeben.
— Dünnschliffe
von eingesandtem Material werden sorgfältig und pünktlich hergestellt
bis zur üblichen Dünne von 0,02 mm und darunter zum durchschnitt-
lichen Preise von Jl 1.10 für den Schliff.
Da F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833. Bonn a. Rhein. Gegr. 1833.
Verlag der E. Sohwelzerbart'sohen Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
Stuttgart, Jobaunesstr. 3
Drnok von 0. Grüninger, K. Hofbuohdruokerei Zu Gutenberg (Klett fc Hartmann), Stuttgart
Voigt & Hochgesang « Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10. Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
anfschlag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne 0,02 mm.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristailpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
„Kollolith«
Neues Kitt- und Präpariermittel für mikro-
skopische Präparate.
Ersatz für Kanadabalsam. ■
Kollolith hart, Kollolith-Xylollösung,
Kollolith-Chloroformlösung.
Preis pro Tube Mk. 1,25.
Brechungsexponent 1,5354 für Na-Licht bis 18° C.
Kollolith ist bei Zimmertemperatur schleifhart und ändert selbst
nach wiederholtem Umschmelzen weder seinen Brechungs-
exponenten noch seine Härte.
— — ■ Prospekte kostenlos! ==
W" Soeben ist erschienen: KI
Allgemeiner mineralogisch-geologischer
Lehrmittel - Katalog
für den Schulgebrauch.
II. Auflage ===== Erster Teil.
Mit über 100 Abbildungen.
Diese neue Auflage hat im Vergleich sehr bedeutend an Umfang
und Inhalt zugenommen; der vorliegende erste Teil allein umfaßt
XXII + 240 Seiten Text, also für sich schon ungefähr das doppelte
der ersten Auflage.
Er enthält zunächst die Einzelverzeichnisse der Mineralien,
Gesteine und Fossilien und die kleineren Schulsaramlungen : es
folgen die größeren Schulsumnilungen für den Lehrbedarf an
höheren Schulen, getrennt nach Mineralogie . Kristallographie,
Petrographie, Geologie und Technologie, die so eingerichtet sind,
daß sie sich zugleich auch zu Übungssammlnngen für Studierende
und Praktikanten in den mineralogischen und geologischen Instituten
der Universitäten und andern Hochschulen eignen.
Der zweite Teil des Kataloges wird im Anfang des nächsten Jahres
im Druck erscheinen.
Im Laufe des Monats November erscheint das
Petrooraphische Semester-Verzeichnis No. 9
welches einen Überblick über die neuen Zugänge unseres ausgedehnten
Gesteinslagers während des letzten Jahres gibt.
Unsere fortgesetzten Bemühungen, von einer größeren Anzahl neu
beschriebener Gesteinstypen gutes Material in charakteristischen Hand-
stücken zu beschaffen, sind nicht ohne Erfolg geblieben, wie aus der
systematischen Zusammenstellung zu ersehen ist. Desgleichen können
wir mehrere neue und interessante Lokalsammlungen, die unter der
Mitwirkung namhafter Forscher gesammelt sind, anbieten. So z. B. die
interessanten Gesteine aus dem Nordingrä-Distrikt in Schweden,
aus dem Manganerz-Distrikt von Brosteni in Rumänien, von Pan-
telleria und einer Anzahl von Inseln der Liparischen Gruppe u. a. m.
Auch das neue
Mineralogische Semester-Verzeichnis No. 16
wird in kurzer Zeit erscheinen und eine reichhaltige Auswahl pracht-
voller Museums-Schaustücke sowie neue Mineralien und neue Mineral-
vorkommen bieten; unter letzteren erwähnen wir herrliche Stufen von
Azurit und Malachit von den Otavi-Kupfergruben, Rubellit und eine
Reihe seltener Mineralien aus Brasilien und Madagaskar u. vieles andere
Da F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833. Bonn a. Rhein. Gegr. 1833.
Verlag der E. Sohweizerbart’sotien Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
Stuttgart, Johannesstr. 3
Druck von 0. Grüntnger, E. Hofbuchdruckerei Zu Outenberg (Klett & Hartmann), Stuttgart
Voigt & Hochgesang * Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10. Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne 0,02 nun.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
„Kollolith“
Neues Kitt- und Präpariermittel für mikro-
skopische Präparate.
===== Ersatz für Kanadabalsam. = —
Kollolith hart, Kollolith-Xylollösung,
Kollolith-Chloroformlösung.
Preis pro Tube Mk. 1,25.
Brechungsexponent 1,5354 für Na-Licht bis 18° C.
Kollolith ist bei Zimmertemperatur schleifhart und ändert selbst
nach wiederholtem Umschmelzen weder seinen Brechungs-
exponenten noch seine Härte.
■■■ ■ ■ ■■■■■■■ Prospekte kostenlos! =====
W Soeben ist erschienen:
Allgemeiner mineralogisch-geologischer
Lehrmittel-Katalog
für den Schulgebrauch.
II. Auflage :-■ ■■■■ = Erster Teil.
Mit über 100 Abbildungen.
Diese neue Auflage hat im Vergleich sehr bedeutend an Umfang
und Inhalt zugenommen; der vorliegende erste Teil allein umfaßt
XXII -(- 240 Seiten Text, also für sich schon ungefähr das doppelte ,
der ersten Auflage.
Br enthält zunächst die Einzelverzeichnisse der Mineralien,
Gesteine und Fossilien und die kleineren Schulsaminlungen: es
folgen die größeren ScfnilshinmlungeTi für den Lehrbedarf an
höheren Schulen, getrennt nach Mineralogie, Kristallographie,:
Petrographie, Geologie und Technologie, die so eingerichtet sind, i
daß sie sich zugleich auch zu Übungssammlungen für Studierende
und Praktikanten in den mineralogischen und geologischen Instituten i
der Universitäten und andern Hochschulen eignen.
Der zweite Teil des Kataloges wird im Anfang des nächsten Jahres
im Druck erscheinen.
Im Laufe des Monats November 1913 erscheint das
Potrographische Semester-Verzeichnis No. 9
welches einen Überblick über die neuen Zugänge unseres ausgedehnten
Gesteinslagers während des letzten Jahres gibt.
Unsere fortgesetzten Bemühungen, von einer größeren Anzahl neu ,
beschriebener Gesteinstypen gutes Material in charakteristischen Hand- J
stücken zu beschaffen, sind nicht ohne Erfolg geblieben, wie aus der \
systematischen Zusammenstellung zu ersehen ist. Desgleichen können
wir mehrere neue und interessante Lokalsammlungen, die unter der •
Mitwirkung namhafter Forscher gesammelt sind, anbieten. So z. B. die .
interessanten Gesteine aus dem Nordingrä-Distrikt in Schweden,
aus dem Manganerz-Distrikt von Brosteni in Rumänien, von Pan-
telleria und einer Anzahl von Inseln der Liparischen Gruppe u. a. m. ,
Auch das neue
Mineralogische Semester-Verzeichnis No. 16
wird in kurzer Zeit erscheinen und eine reichhaltige Auswahl pracht-
voller Museums-Schaustücke sowie neue Mineralien und neue Mineral-
vorkommeh bieten; unter letzteren erwähnen wir herrliche Stufen von
Azurit und Malachit von den Otavi-Kupfergruben. Rnbellit und eine
Iieihe seltener Mineralien aus Brasilien und Madagaskar n. vieles andere :
Da F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel
Gegr. 1833 Bonn a. Rhein. Gegr. 1833.
Verlag der E. Sohwelzeibart'solien Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
Stuttgart. Jobannesstr. 3
Brno)! von O. Grnnidger. K. Bofbtiehdruohevel Zu Gutenberg (Klett & Hartmann), Stuttgart
Voigt & Hochgesang * Göttingen
Fabrikation von Dünnschliffen
von
Gesteinen: Preis im Durchschnitt Mk. 1.10. Nur für besonders
schwierig zu bearbeitendes Material tritt ein geringer Preis-
aufschlag ein.
Unerreichte Qualität, Dünne 0,02 mm.
Kristalle: Genau orientierte Schliffe. Preis Mk. 1.30 — 1.50.
Kristallpräparate
für sämtliche mineralogischen Untersuchungen in tadelloser Aus-
führung zu angemessenen Preisen.
„Kollolith“
Neues Kitt- und Präpariermittel für mikro-
skopische Präparate.
= Ersatz für Kanadabalsam. —
Kollolith hart, Kollolith-Xylollösung,
Kollolith-Chloroformlösung.
Preis pro Tube Mk. 1,25.
Breelmngsexponent 1.5354 für Na-Licht bis 18° C.
Kollolith ist bei Zimmertemperatur schleifhart und ändert selbst
nach wiederholtem Umschmelzen weder seinen Brechungs-
exponeuten noch seine Härte.
Prospekte kostenlos!
Vts~ Soeben ist erschienen: "9a
Allgemeiner mineralogisch-geologischer
Lehrmittel-Katalog
für den Schulgebrauch.
II. Auflage ===== Erster Teil.
Mit über 100 Abbildungen.
Diese neue Auflage hat im Vergleich sehr bedeutend an Umfang
und Inhalt zugenommen ; der vorliegende erste Teil allein umfaßt
XXII -(- 240 Seiten Text, also für sich schon ungefähr das doppelte
der ersten Auflage.
Er enthält zunächst die Einzelverzeiolmis.se der Mineralien,
Gesteine und Fossilien und die kleineren Scliulsammlnngen : es
folgen die größeren Scliulsammlungen für den Lehrbedarf an
höheren Schulen, getrennt nach Mineralogie , Kristallographie,
Petrographie, Geologie und Technologie, die so eingerichtet sind,
daß sie sich zugleich auch zu Übungssammlungen für Studierende
und Praktikanten in den mineralogischen und geologischen Instituten
der Universitäten und andern Hochschulen eignen.
Der zweite Teil des Kataloges wird im Anfang des nächsten Jahres
im Druck erscheinen.
Im Laufe des Monats November 1913 erscheint das
Petrographische Semester-Verzeichnis No. 9
welches einen ('berblick über die neuen Zugänge unseres ausgedehnten
Gesteinslagers während des letzten Jahres gibt.
Unsere fortgesetzten Bemühungen, von einer größeren Anzahl neu
beschriebener Gesteinstypen gutes Material in charakteristischen Hand-
stücken zu beschaffen, sind nicht ohne Erfolg geblieben, wie aus der
systematischen Zusammenstellung zu ersehen ist. Desgleichen können
wir mehrere neue und interessante Lokalsammlungen, die unter der
Mitwirkung namhafter Forscher gesammelt sind, anhieten. So z. B. die
interessanten Gesteine aus dem Nordingrä-Distrikt in Schweden,
aus dem Manganerz-Distrikt von Brosteni in Rumänien, von Pan-
telleria und einer Anzahl von Inseln der Liparischen Gruppe u. a. m. !
Auch das neue
Mineralogische Semester-Verzeichnis No. 16
wird in kurzer Zeit erscheinen und eine reichhaltige Auswahl pracht-
voller Museums-Schaustücke sowie neue Mineralien und neue Mineral-
vorkommen bieten ; unter letzteren erwähnen wir herrliche Stufen von
Azurit und Malachit von den Otavi-Kupfergruben. Rubellit und eine
Reihe seltener Mineralien aus Brasilien und Madagaskar u. vieles andere
Da F. KRANTZ
Rheinisches Mineralien-Kontor
Fabrik und Verlag mineralogischer und geologischer Lehrmittel |
Gegr. 1833. BOIH! Rheill. Gegr. 1833.
Verlag der E. Schweizerbart’sohen Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser,
Stuttgart. Johanuesstr. 3
Druck von C. Grnnlnger, K. Hofbuohdrucker«! Zu Gutenberg (Klett & Hartmann), 8tuttgarl